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Gebete f�rIsraeliten A. A. Wolff THE ALB LIBRARY

Gebete f�r Israeliten

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Gebete f�r Israeliten zum Gebrauche beim Gottesdienste, im Hause und auf dem Friedhofe von Prof. Dr. A. A. Wolff, Oberrabbiner in Kopenhagen. R. v. D. F�nfte vermehrte und verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. Verlag von J. Kauffmann. 1908. Druck von M. Lehrberger & Co., R�delheim. * * * * * Inhaltsverzeichnis. Zu Hause ehe man ins Gotteshaus geht Nach dem Eintritt ins Gotteshaus Desgleichen I. Gebete nach den vorgeschriebenen t�glichen Gebeten zu lesen Allgemeines Morgengebet Allgemeines Abendgebet II. Gebete f�r jeden Tag der Woche Am Sonntag. Morgengebet Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 3.-4. Abendgebet Am Montag. Morgengebet Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 6.-8. Abendgebet Am Dienstag. Morgengebet Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 9.-13. Abendgebet Am Mittwoch. Morgengebet Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 14.-19. Abendgebet Seite Am Donnerstag. Morgengebet Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 20.-23. Abendgebet Am Freitag. Morgengebet Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 24.-31. Abendgebet Am Sonnabend. Am Sabbat-Morgen Beim Ausheben der Thora am Sabbat Bei der Verk�ndigung des Neumondes Ein anderes Gebet bei der Verk�ndigung des Neumondes Am Sabbat-Nachmittag Am Neumondstage Am Sabbat-Abend III. Gebete an den Feiertagen Abendgebet an den drei Festen: Pe�ach, Schabuoth (Wochen-) und Succoth (Laubh�ttenfest) Morgengebet f�r den ersten und zweiten Tag des Pe�achfestes Ein anderes Gebet f�r den Pe�achmorgen Morgengebet an den beiden letzten Tagen des Pe�achfestes Morgengebet am Wochenfeste Am Neujahrsfest. Am Vorabend des Festes Am Neujahrstag Beim Schofarblasen Am gro�en Vers�hnungsfeste. Zu Anfang des Abendgottesdienstes (Kol nidre) Zum Morgengottesdienst (Schacharis) Beim Mittagsgebet (Mussaph) Beim Nachmittagsgebet (Mincha) Zum Schlu�gebet (Ne�lah) Am Laubh�ttenfest (Succoth) Desgleichen als Erntefest Am Schlu�feste (Schemini Azeres) Am Freudenfeste �ber die Thora (Simchas Thora) Am Feste der Tempelweihe (Chanuka, Lichterfest) Am Purimfest Am Tage der Zerst�rung des Tempels (Tischoh b'ab) Schlu�gebet beim Gottesdienste (Olenu) Die Hausfrau, wenn sie Chala nimmt Die Hausfrau, wenn sie die Sabbatlicher oder die Festlichter anz�ndet IV. Gelegenheitsgebete Am Geburtstage Am Verlobungstage Am Hochzeitstage In einer gl�cklichen Ehe, j�hrlich am Hochzeitstage In einer kinderlosen Ehe In der Schwangerschaft Vor der Niederkunft Nach der Niederkunft Bei der Beschneidung Eine W�hnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus Ebenso nach der Geburt eines totgeborenen Kindes Eine Ehegattin Eine Tochter f�r die Eltern Im Witwenstande Eine Waise Im Alter Bei der Fortreise von der Heimat F�r einen Abwesenden, der auf der Reise ist Zusatz f�r ein Kind, das auf der Reise ist Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst Gebete in Krankheit Eine Kranke In bedenklicher Krankheit Desgleichen in Bibelversen Vor einer gef�hrlichen Operation F�rbitte f�r einen Kranken Der Kinder Gebet f�r einen kranken Vater oder eine kranke Mutter Dankgebet nach �berstandener Krankheit Gebet in einem Krankheitsfalle (Nach dem Hebr�ischen) Gebet f�r einen andern Kranken Gebete w�hrend einer ansteckenden Krankheit Bei Ausbreitung der Krankheit Gebet um Mut Tr�stung Ergebenheit in Gottes Willen Gebet um das Morgen und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu beschlie�en Desgleichen Gebete auf dem Friedhofe �ber die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort zu beten Am Jahrestage des Todes eines der Eltern Desgleichen Am Grabe des Vaters am Jahrestage " " der Mutter " " " " eines Kindes " " des Mannes " " eines gefallenen Vaterlandsverteidigers " " " Verwandten Am Ereb R�sch Haschonoh Dankgebet bei Vollendung eines Werkes Anhang. Esehu Mek�mon (Betrachtung �ber die Opfer) Bame Madlikin (Freitagabendbetrachtung) Pittum hak't�res (Betrachtung zum Mussaphgebet) Zu Hause, ehe man ins Gotteshaus geht. �Israel! bereite dich vor, vor deinen Gott zu treten.�(Amos 4, 12.) Es d�rstet meine Seele nach dir, o Gott, nach dir, dem lebendigen Gott, und ich will eilen nach deinem Heiligtume, wo dein Name angebetet wird, wo deine Gemeinde sich versammelt, um dich anzurufen, dir zu danken, dich zu loben und dich zu preisen. O! bereits auf dem Wege dahin l�utere du meinen Sinn, heilige du meinen Geist, und z�nde du in meiner Brust die Andachtsflamme an, die mich und meine Br�der an der heiligen, dir geweihten St�tte durchgl�hen soll. Denn wohl wei� ich, da� du, den die Himmel und aller Himmel Himmel nicht umfassen, nicht in dem Hause wohnest, das von Menschenh�nden erbaut worden, da� du, dessen Herrlichkeit Himmel und Erde erf�llt, mir �berall nahe bist, wo ich auch sein mag; wohl wei� ich, da� das fromme Gebet, welches meine Seele in meiner Einsamkeit stillen Kammer zu dir empor sendet, auch Gnade und Erh�rung vor dir findet, aber auch dies wei� ich, da� der Geist des wahren Gebets, der nicht pers�nliches Wohl, sondern das Wohl und Heil aller sucht, der nicht blo� das Gl�ck und die Wohlfahrt der Erde, sondern auch das Nahen des himmlischen Reiches erfleht, der nichts begehrt, nichts fordert, sondern nur im Glauben und in der Erkenntnis sein H�chstes findet und sein treues Bekenntnis dieses Glaubens vor aller Welt ablegen m�chte;--ich wei�, da� dieser Geist des wahren Gebets mir fehlen w�rde, so dessen Flamme, die zuerst in der Mitte der Gottesgemeinde angefacht wurde, nicht auch in ihr stets Nahrung f�nde. Was ich glaube, und um was ich bete, und wonach mein Herz sich sehnt, soll ja nicht in meinem Innern verborgen bleiben, es soll ja auch als ein freudiges Zeugnis auf meinen Lippen hervortreten und vor der Welt, so wie vor anderen Glaubensbr�dern von mir als meines Lebens Schild und als ein k�stlicher Schatz gepriesen werden. Ach, sind ja leider so viele, welche in Leichtsinn hinleben, so da� sie die Bande l�sen, die sie mit der Gemeinde innigst verbinden sollten, und welche jedes Kennzeichen ausl�schen, das sie an ihren v�terlichen Glauben erinnern k�nnte; aber desto mehr will ich die St�tte aufsuchen, wo Israeliten sich sammeln, um dich in j�discher Weise zu verehren. Schon dies, da� mein Gang nach dem Bethause gerichtet ist, schon dies soll ein Zeugnis sein, das ich vor der Welt ablege, da� ich zu dieser heiligen Gemeinschaft geh�re, und da� ich �ber den Spott und Hohn erhaben bin, womit jene, die sich die Weisen der Welt nennen, auf diejenigen sehen, die dich, o Ewiger, nach ihrer V�ter Weise verehren. Und wie sehr wird nicht meine Andacht, meine fromme Sehnsucht durch den Gedanken erh�ht: Ich stehe nicht allein mit meinem Gebet vor dir, stehe nicht allein mit der Glaubensschar, die sich da versammelt, sondern stehe mit dieser als ein Glied der ganzen Gemeinde Israels da; denn wunderbar hast du, o Herr, es so gef�gt, da� meine Glaubensgenossen fast �berall, in hei�er wie in kalter Zone, da, wo ihnen die Sonne der Freiheit zul�chelt, wie dort, wo sie unter Druck seufzen, da� sie fast �berall sich doch vor dir zur selbigen Zeit und Stunde sammeln und dieselben bedeutungsvollen, Vertrauen und Demut atmenden Worte ihren Lippen entstr�men lassen, so da� ein Laut in gemeinsamer Andacht und Seelenerhebung zu deinem Thron von dem ganzen j�dischen Volke emporsteigt. Nein, nicht allein stehe ich da; denn unz�hlige der hingeschwundenen Geschlechter erheben sich gleichsam vor meinem and�chtigen Blick von ihren Ruhest�tten, sowohl die, welche in unterirdischen H�hlen, als die, welche unter klarem Himmelszelte auf ihren Wanderungen dieselben Gebete gebetet, ja mit diesen auf den Lippen ihr Leben aushauchten, indem sie den M�rtyrertod erlitten;--mit allen diesen f�hle ich mich vereint, indem ich die Worte ausspreche, die prophetische Zungen verk�ndigt, die heilige, von deinem Geist beseelte S�nger gesungen, und die so viele Zeitalter hindurch uns unter so mannigfaltigen Versuchungen und Pr�fungen die Reinheit unserer heiligen Lehre, sowie die Einfalt und Eintracht im Glauben in unsrer Mitte bewahrt haben.--O, so leite du denn meine Schritte, wenn ich in dein Haus wandere, so st�rke du meinen Geist, da� er dort von solchen Vors�tzen erf�llt werde, solche Eindr�cke empfange und bewahre, da� nie das innige Verlangen, dein Haus aufzusuchen, von mir weiche, und auch nicht die �berzeugung und Gewi�heit mir verloren gehe, da� du an solch gemeinsamer Anbetung Wohlgefallen habest. St�rke du mich, o Gott, auf da� mein Glaube dem gleiche, der den Vater der Gl�ubigen beseelte, als er sein Opfer dir brachte, und gib mir Kraft, da� ich, wie er die Raubv�gel,[1] die tr�ben Zweifel, die verkehrten Einwendungen verscheuche, wenn sie meine Andacht mir rauben wollen; la� darum mein Auge dort in deinem Hause nur auf das achten, was mich erheben und zur Andacht stimmen kann. La� mich erkennen, da� du uns nach unserm Herzen und unsern Gesinnungen richtest, auf da� Fr�mmigkeit mich leite, Andacht mich entflamme, und meine Schritte dir wohlgefallen, wenn ich in zahlreicher Versammlung dich anbete;[2] ja sende mir, Vater im Himmel, dein Licht und deine Wahrheit, da� sie mich f�hren und leiten nach deinem heiligen Berge und zu deiner Wohnung.[3] Amen! [Fu�note 1: Buch Mosis 15.] [Fu�note 2: Ps. 26, 12.] [Fu�note 3: Ps. 43.] Nach dem Eintritt ins Gotteshaus. 2. Wie �berw�ltigt werde ich von Gef�hlen des Dankes und der Ehrfurcht, indem ich an dieser St�tte weile, Gef�hle des Dankes, da� du, o Gott, es dem Sohne des Staubes gestattest, sich zu dir zu erheben, da� du in deiner Liebe ihn selbst dazu aufgefordert �dein Antlitz zu suchen�, da� du uns eine St�tte gegeben hast, wo du deine Herrlichkeit unter uns thronen lassen willst.--O Unendlicher, welche Ehrfurcht durchbebet mich, da� ich, ein Kind des Staubes, Zutritt zu deinem Hause habe und mich dir, dem Allheiligen, n�hern kann, da� ich vor dich alles bringen darf, was mein Herz beschwert, zu dir f�r mein Wohl und das Wohl der Meinen, f�r die Gl�ubigen und mit ihnen, ja f�r die ganze Menschheit beten kann! So hast du in deiner G�te uns gesegnet und uns erhoben. O, la� mich dieser deiner Gnade nimmer vergessen und la� mich w�hrend meines Betens stets eingedenk sein, vor wem ich stehe, auf da� du mich w�rdig findest, ein Tr�ger deines Geistes zu sein. Entferne du von mir jeden fremden und unseligen Gedanken, da� weder die Lust der Welt noch ihr Schmerz den reinen Aufschwung der Seele hindere. O, da� alle, die mit mir hier versammelt sind, voll Demut dich in einem Geiste anbeten, und wir so eine echt israelitische, heilige Brudergemeinde bilden m�chten, �ber welche du selbst �den Geist des Gebetes und der Gnade� ausgegossen! Amen! Ein anderes Gebet. 3. So hast du, mein Gott, mich gest�rkt und gew�rdigt, dein Haus zu betreten, wo alles mir verk�ndigt:�Hier ist die Pforte des Herrn, Gerechte treten da ein;�[4] o, da� ich zu diesen mich z�hlen d�rfte! Ach, da� dein Himmel mir offen st�nde, wenn ich aus ganzer Seele dich im Gebete suche! O, gew�hre mir Verzeihung, da� ich rein werde, erschaffe in mir ein reines Herz, verj�nge ein festes Gem�t in meinem Innern, auf da� jedes Wort, das �ber meine Lippen geht, mich in heilige Gemeinschaft mit dir bringe! Erhebe mich �ber die Lust und den Schmerz der Welt, befreie mich von jeder Sorge und jedem Kummer, auf da� ich mich in dir und mit dir f�hle, gl�ckselig wie die Geister des Himmels in deiner Anbetung, und auf da� ich es mit ganzer Seele empfinde, �wie k�stlich deine Huld den Menschenkindern ist, die im Schatten deiner Fittige sich bergen, auf da� ich an deines Hauses Segen mich labe und an dem Strome deiner Gnade mich erquicke�.[5] La� mich auch diesen Segen mit hinaus aus diesem Hause nehmen, da� ich �berall deine heilige N�he f�hle und �berall dir zum Wohlgefallen lebe! Amen! [Fu�note 4: Ps. 118, 20.] [Fu�note 5: Ps. 36, 8. 9.] I. Gebete nach den vorgeschriebenen t�glichen Gebeten zu lesen. Allgemeines Morgengebet. Dein, o Herr, ist der Tag. (Ps. 74, 16.) 4. Alliebender Vater im Himmel! Wie kann ich dir genug f�r all deine G�te danken, die du mit jedem Morgen mir erneuerst. Deine Gnade hat �ber mich wiederum diese Nacht gewacht und mir in erquickendem Schlafe neue Kraft und St�rke geschenkt! W�hrend viele sie in Kummer und Unruhe haben zubringen m�ssen, hast du �ber mich und die Meinigen gewacht! Gesund und froh gr��e ich wiederum diese Morgenstunde und freue mich des Anblicks meiner Teuren und Lieben. O, ich bin zu gering f�r all die Gnade und f�r all die Treue, die du mir erweisest, und doch dr�ngt es mich, dich anzuflehen, da� du auch heute mir deine Gnade und deinen Beistand schenkest. La� auch diesen Tag mir Segen bringen und mich zu dir f�hren. Dir seien meine Gedanken alle geheiligt, in deinem Namen werde mein Tagewerk durchgef�hrt! Leite du mich mit deiner Hand, auf da� ich nicht strauchle und von deinen g�ttlichen Geboten nicht weiche, da� ich mit Gewissenhaftigkeit die Pflichten meines Berufes �be und stets eingedenk sei, da� du einst mich zur Rechenschaft ziehen wirst f�r jegliche Stunde, die vers�umt worden. L�utere du darum mein Herz und breite �ber meine Seele den stillen Frieden aus, auf da� ich der K�mpfe nicht achte, die du uns in unserem Berufe auferlegst, und nicht ermatte unter den M�hen und Beschwerden, die mit diesem verbunden sind! Erneuere stets die Liebe zu dir in meinem Innern, auf da� ich dich suche und dir diene mit allen meinen Kr�ften! La� mich unter meinen Mitmenschen mit einem liebenden Sinn wandeln, der niemanden beleidigt und der zum Verzeihen bereit ist, so da� ich sanftm�tig und vers�hnlich gegen jedermann sei, dem ich heute begegne! Gedenk, o Gott, da� ich Staub bin, und la� mich frei sein von schweren Pr�fungen. So du aber in deiner Weisheit es f�r gut findest, solche �ber mich zu verh�ngen, dann halte du mich aufrecht mit deiner Rechten, und leite du mich mit deinem Rate, auf da� ich nicht wanke und nicht verzage.�Gott, mein Gott, leite meine Schritte nach deinem Worte, sei mein Schild, meine Zuflucht den ganzen Tag; Lob und Preis dir in aller Ewigkeit!�[6] Amen! Allgemeines Abendgebet. Dein, o Herr, ist auch die Nacht. (Ps. 74, 16.) 5. Mein Gott! der Tag ist dahin; ich suche Erholung nach der Arbeit desselben, und bevor ich mich den Armen des Schlafes �bergebe, f�hrt mir die Stille der Nacht noch einmal alles vor die Seele, was ich heute gesehen und erlebt, alles, was ich heute getan und vollbracht habe. Ach! wie k�nnt' ich dir f�r die vielen Wohltaten genugsam danken, die du heute wiederum mir und allen denen, die mir lieb und teuer sind, erwiesen hast. Du hast nicht nur �ber meine Schritte gewacht, vor Gefahren mich beschirmt, zu meinem Werke mich gest�rkt, und mit allem mich gesegnet, dessen ich bedarf, sondern du hast auch mit so mancher Gabe mich erfreut, mit so mancher Freude mich erquickt; aber auch selbst durch das, was mir f�r einen Augenblick Kummer und Schmerz verursachte, hast du mich zu dir hingezogen und mich innerlich gl�ckselig gemacht. O! wie dem�tiget es mich, wenn ich alles dessen gedenke und dann vor meiner Seele alles das vor�berziehen lasse, was ich heute gedacht und getan. Wie oft habe ich nicht dein vergessen, wie oft wurde ich nicht von s�ndiger Lust erf�llt, f�r die meine Seele keinen Raum gehabt, wenn der Gedanke, da� du allgegenw�rtig seiest, und da� du mein Inneres erforschest, mich ganz erf�llt h�tte; ach, und wie wenig geben die Werke, die ich vollf�hrt, wohl Zeugnis davon, da� ich von Liebe zu dir beseelt bin, die mich eifrig und treu in meinem Berufe, unverdrossen und liebevoll gegen meinen N�chsten h�tte machen sollen. O, reuevoll schaue ich auf den verflossenen Tag zur�ck, und mit aufrichtiger Bu�e flehe ich um deine v�terliche Vergebung. Ich will daher selbst, ehe mein Auge sich zum Schlafe schlie�t, allen denen vergeben, die mir zuwider gehandelt, und mich zu kr�nken und zu verletzen gesucht haben. Nimm du mich in deinen gn�digen Schutz, schenke mir und den Meinigen n�chtliche Ruhe, da� wir durch einen ungest�rten und erquickenden Schlaf f�r den kommenden Tag gest�rkt werden, der dir durch einen gerechten und frommen Wandel geheiligt sein m�ge! Ja, la� die Nacht ihren erquickenden Schatten �ber alle ausbreiten, da� der M�de und Bek�mmerte Kraft und Trost und der Gekr�nkte und Leidende Beruhigung und St�rkung in dem Segen des Schlafes finde; und jedem, der auf dem Schmerzenslager st�hnend klagt, der in Krankheit oder Bek�mmernis �ngstlich fragt:�Ist wohl die Nacht bald vorbei?�[7] dem f�hre lindernde Hoffnung, Geduld und inniges Vertrauen auf dich zu, auf dich, f�r den �die Nacht leuchtet gleich dem Tage!� Bewahre mich vor Gefahr und Ungl�ck und la� mich nach der Erquickung der Nacht mit dem innigen Verlangen, dir zu dienen, erwachen!�In deine Hand befehle ich meinen Geist, du beschirmst mich, wahrhafter und gn�diger Gott!�[8] Amen! [Fu�note 6: Ps. 25, 5.] [Fu�note 7: Jes. 21, 11.] [Fu�note 8: Ps. 139, 12.] II. Gebete f�r jeden Tag der Woche. Am Sonntage. Morgengebet. 6. Eine neue Woche hast du, o gnadenvoller Vater, f�r mich erscheinen lassen, und eine neue Zeit schenkst du mir wieder, um f�r mein Wohl zu leben und zu wirken. O, so beseele mich denn mit Ernst und Freudigkeit, auf da� ich das Werk vollf�hre, das du mir angewiesen. La� mich die neue Woche damit beginnen, da� ich die heiligen Vors�tze ausf�hre, die ich gestern gefa�t habe, la� es mir trotz meiner Schw�che gelingen, durch meine F�rsorge und Arbeit das Wohl meiner Br�der zu f�rdern und zum Wohle der menschlichen Gesellschaft mitzuwirken. Verleihe mir vor allem deinen Beistand, da� ich denen ein gutes Beispiel gebe, in deren Mitte ich wirke; st�rke mich, da� ich auf reinen Wandel achte, jedes meiner Worte wohl bedenke und auf jede meiner Handlungen wohl aufmerksam sei, und in der Freude wie im Schmerze mich als ein gottesf�rchtiges und gottergebenes Kind zeige, das stets deinen Willen zu erf�llen sucht. Stehe mir zur Seite bei den M�hen und Arbeiten dieser Woche, da� die M�hsal des Tages mir zum Segen werde, und die Freuden, die du mir bereitest, mich unaufh�rlich erinnern an den Dank, den ich dir schulde. St�rke mich, da� ich die Widerw�rtigkeiten und Unannehmlichkeiten duldend ertrage und selbst denen mich liebevoll erweise, die mich in dieser Woche zu betr�ben suchen. Lehre mich deine Weisheit anbeten und deine G�te auch in der schmerzlichen Stunde preisen, die dein Wille mir auferlegen sollte, und jede gl�ckliche, freudenreiche Stunde im Irdischen erinnere mich an die Ewigkeit, der ich entgegengehe. Herr!�la� mit jedem Morgen mich deine Gnade erfahren; denn auf dich hoffe ich; tue mir den Weg kund, den ich zu wandern habe, denn es sehnt sich mein Herz nach dir!�[9] Amen. [Fu�note 9: Ps. 143, 8.] Betrachtung �ber 1. Buch Mosis 1, 3-4. 7. Allm�chtiger, allweiser Sch�pfer! Am ersten Sch�pfungstage n�hert sich meine Seele dir und danket dir, da� du die Finsternis hast schwinden lassen und wiederum, wie einst, da du �ber die leblose Natur das: �Werde Licht!� riefst, mich von deinem Licht umstrahlt sein l��t, das allem um mich her Kraft spendet und Reiz verleiht. Ach Herr, mein Gott! du, der du so unendlich bist, der du dich h�llest in Licht wie in ein Gewand (Ps. 104), zerstreue du die Finsternis, die noch �ber so viele ausgebreitet ist, auf da� das Licht der Liebe die Herzen aller Lebenden erleuchte und erw�rme! Hilf du mir, da� ich den Weg des Lichtes wandre, da� kein tr�ber Zweifel meine Seele umschleiere, keine Versuchung mich auf die dunkle Bahn des Lasters f�hre. La� deine Gnade und Huld mir und den Meinigen zu teil werden, auf da� wir unser t�gliches Brot finden und es in Freuden genie�en. Erleuchte mich mit deinem Lichte und deiner Wahrheit, da� sie mich leiten, dich zu suchen, dir zu dienen mit allem, was ich in dieser Woche vornehme, da� keiner meiner Gedanken und keine meiner Taten das Licht des Tages zu scheuen n�tig habe. Verschone mich und die Meinigen von gro�en Sorgen, die den Sinn beschweren, ihn niederdr�cken und irre leiten. Und so zuweilen die Aussichten tr�be sind, und Angst mein Herz beschleicht, dann la� mich eingedenk sein, da� du gn�dig und barmherzig bist, und da� den Frommen ein Licht in der Finsternis aufstrahlt (Ps. 112); la� mich eingedenk sein, da� wir hienieden nicht das volle Licht schauen k�nnen, da� es aber in der Ewigkeit herrlich f�r diejenigen strahlen wird, die dich in Wahrheit anbeten. So nimm mich denn in deinen Schutz, und m�ge all mein Streben in dieser Woche dazu beitragen, da� ich einst w�rdig werde, dieses Licht zu schauen,--�sei mir gn�dig, segne mich und la� das Licht deines Antlitzes mir leuchten!�[10] Amen! Abendgebet. 8. Wiederum habe ich einen Tag verlebt, an welchem du mir so viele Beweise deiner v�terlichen F�rsorge und deiner rettenden Gnade gegeben, da� ich tief f�hle, was ich dir schulde, und es tief erkenne, wie wenig ich so viel G�te verdient habe. O! mein Gott, gehe nicht ins Gericht mit mir; denn vor dir ist kein Lebender gerecht, sondern vergib in deiner Langmut und Barmherzigkeit meine S�nden, meine Vergehen und Irrt�mer, die ich mir im Laufe des Tages habe zu schulden kommen lassen. Erh�re meine Seufzer, die ich in Demut emporsende, auf da� ich getrost mich zur Ruhe legen, und nun zur Zeit, wo aller menschliche Beistand schlummert, auf deinen Schutz vertrauen kann. O du, vor dem die Nacht hell ist wie der Tag, sei du mein Besch�tzer in jeglicher Gefahr, das Licht meiner Seele in der schaurigen Finsternis, bewahre mich vor den Schrecknissen der Nacht, halte jegliche Krankheit von meinem Lager fern, und la� deinen Geist mich beseelen, auch wenn ich schlummere, auf da� ich neue Kraft gewinne, um die K�mpfe des Lebens zu bestehen, und gest�rkt werde, deinen Willen zu erf�llen. Erbarme dich der Menschenkinder und la� bald die Nacht vor deinem himmlischen Lichte weichen, das Friede und Liebe auf der ganzen Erde verbreitet; halte deine Hand �ber die, die unter dem Dache meines Hauses schlafen, da� niemand s�ndige, niemand strauchle! Dir empfehle ich alle meine Lieben, nahe und ferne, la� mich in Frieden schlafen und wohl und gesund wieder erwachen, um dich zu loben und zu preisen, da� du warst die Hilfe meines Antlitzes, mein Schild, mein Gott. Amen! [Fu�note 10: Ps. 67, 2.] Am Montag. Morgengebet. 9. So bin ich denn wieder erwacht, ich rege mich und lebe in dir, du Lebensspender, allg�tiger Gott! Ach, mit welch dr�ckenden Gedanken begab ich mich zur Ruhe! Kaum hoffte und erwartete ich, von den mannigfachen Sorgen befreit zu werden, die auf meinem Herzen lasteten und meine Seele so unruhig machten; aber du bereitetest mir einen erquickenden Schlaf, und mit den Schatten der Nacht, die vor dem Lichte des Morgens weichen, war alles, was mich dr�ckte, verschwunden. Nun f�hle ich mich wie neu geschaffen und schaue mit Vertrauen auf zu deiner unendlichen G�te, die �ber mich wachet. Unschl�ssig war ich und f�rchtete den kommenden Tag; aber siehe, es ist als ob du im Laufe der Nacht Entschlossenheit meiner Seele eingegeben h�ttest, da� ich mit neuer Lust und freudigem Mute heute wieder an mein Werk gehe. O, m�chte doch mein Vertrauen auf dich nie wanken, o, m�chte es mich doch auch heute zu meinem Werke begleiten, da� ich, was mir auch heute begegne, doch stets eingedenk bleibe und mit ergebenem Sinne erkenne, da� du der Herr bist, und da� du tuest, was gut in deinen Augen ist! Verleihe mir aber auch die Kraft, in meinem Streben und Wirken w�rdig zu bleiben, das Auge zu dir erheben zu d�rfen, da� ich stets auf deine v�terliche Hilfe und auf deinen Schutz vertraue, da� kein falsches Vertrauen sich in mein Herz schleiche, und da� ich nicht durch unerm�dliches Jagen nach den verg�nglichen Dingen, durch Eigennutz, Genu�sucht oder Eitelkeit das Gl�ck und den Segen verscherze, den du allen denen verhei�en, die ihre Hoffnung auf dich setzen. So st�rke mich denn, da� ich arbeite, ohne zu erm�den, da� ich mit dankbarem Sinn jede Freude genie�e, die du mir schenktest, und ich zum Segen wirke! La� mich nie �rgernis und Ansto� verursachen, sondern in der Zeit als einen leben, der die Ewigkeit vor Augen hat! O, du ewiger Gott, sei mir gn�dig, segne und bewahre mich! Ja, ich will nicht verzagen; denn meine Hilfe kommt von dir, der du geschaffen Himmel und Erde. Amen Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 6-8. 10. Allm�chtiger Sch�pfer, alliebender Gott! Ich danke dir, da� du mich wieder den zweiten Wochentag hast schauen lassen den Himmel, der sich noch �ber mir w�lbt, wie du ihn einst am zweiten Sch�pfungstage �ber die Erde ausgespannt hast. So leuchtete sofort deine Herrlichkeit �ber dem Staube, da� wir dadurch erinnert w�rden, da� die Seligkeit des Himmels das Ziel f�r den Erdenkampf sei, und in der Ruhe und in dem Frieden, der von dem sichtbaren Himmelsbogen widerstrahlt, spiegelt sich f�r den Menschen der selige Friede des unsichtbaren Himmels ab. Bei aller Not und Sorge des Lebens soll der Mensch zum Himmel empor schauen und dort die Tr�stung und Erquickung suchen, die die Erde nicht zu gew�hren vermag, und in den Versuchungen der Welt, in ihrem Kampf und Streit soll er von deinem Himmel Kraft und Freiheit holen. Aber darf auch ich wohl meinen Blick zum Himmel erheben?--O, nur der kann freudig empor in die H�he sehen, der das tut, was dir wohlgef�llig ist! Hab ich dieses getan? War ich stets eingedenk, da� ich �berall in deinem Heiligtum bin, da �berall der Himmel �ber mir ausgebreitet ist, der deine Herrlichkeit Tag f�r Tag verk�ndet? Habe ich mich wohl auf Geistesschwingen zum Himmel gehoben, w�hrend mein Fu� zur Erde gestellt war--leuchtete ein Himmel der Liebe aus meinem Auge, wenn ich mit meinen Menschenbr�dern verkehrte? O Gott, sei mit mir heute, da� ich jede Versuchung besiege, jede s�ndige Lust bezwinge, und da� jeder meiner Gedanken, jedes meiner Worte und jede meiner Taten von der Klarheit des Himmels widerscheine, da� mein Wandel dir wohlgefalle, und die Liebe des Himmels mich einst verkl�re bei dir, du, mein Gott, dessen Huld so erhaben ist, wie der Himmel �ber der Erde, du, der du meine S�nden vergibst und mich kr�nest mit Barmherzigkeit und Gnade.[11] Amen! Abendgebet. 11. Wie, o Gott, soll ich dir danken f�r alle Wohltaten, die du mir heute erwiesen? O, nicht nur, da� du in Gnade deine Hand �ber mich gehalten und mich das t�gliche Brot f�r mich und die Meinigen hast finden lassen--nein, sieh in reichlichem Ma�e hast du mir dasselbe verg�nnt, und vorz�glich danke ich dir f�r die besondere Tr�stung und Ermunterung, die mich heute so unerwartet erquickt hat. Ach wie gl�cklich machte mich nicht der geringste Dank, den ich durch deine Gnade erntete und die Freude, die der eine und andere meiner Mitwanderer hier im Leben, mir, gewi� nach deiner g�tigen Eingebung, bereitet hat. Nein! ich kann mich nicht in die Arme des Schlafes werfen, ohne dich um Vergebung zu bitten, da� ich so oft �ber die B�rden des Lebens und �ber den Undank und die Verkennung der Welt geseufzt habe! Sah ich nicht heute, wie hoch mein Herz sich freute und sich freuen mu�te bei dem geringsten Dank, bei dem aufmunternden Lohne, den ich zuweilen erntete, und wie solch' selige Augenblicke gerade in Stunden der Erm�dung und Erschlaffung eintreten! Und wenn ich noch bedenke die himmlischen Augenblicke, in welchen es mir verg�nnt war, die H�nde der Schwachen, die Knie der Wankenden zu st�rken, wo ich durch deinen Beistand es vermochte, zu tr�sten und zu beruhigen, durch meine Anerkennung der Wirksamkeit anderer imstande war, sie zu erneuetem Flei�e anzuspornen,--o, dann �berstr�mt mein Herz von Dank und Freude; ich will nicht mehr klagen, ich will jede Stunde recht benutzen, um so meine Mitmenschen zu erfreuen, auf da� auch ihre Seelen Ruhe in dir finden. St�rke mich hierzu, o mein Gott, dazu empfehle ich meinen Geist deinem Schutze! Amen! [Fu�note 11: Ps. 103, 3.] Am Dienstag. Morgengebet. 12. Allg�tiger Gott! Nimm das Morgenopfer meines Herzens als Dank entgegen f�r die neuen Beweise deiner Gnade, die du mir in der verflossenen Nacht gegeben. Ach, wie viele haben diese nicht in Unruhe und Kummer verbracht, und von wie vieler Lager wurde nicht der Schlaf durch Angst und Sorge verscheucht; ich aber wurde verschont, die Meinigen hast du beschirmt! o, wie wenig habe ich doch so viele Gnade verdient! So manchen Morgen erwachte ich nur mit neuen W�nschen und verga� es, wie sehr du mich bereits gesegnet, und wie vielen Dank ich dir schulde; doch heute steht deine G�te mir vor Augen, und o, wie gl�cklich macht mich dieser Gedanke! Ach, wie wenige f�hlen doch das Gute, das sie unabl�ssig von deiner Hand empfangen, und wie innig mu� ich dir nicht danken, da� du durch deine heilige Lehre in mir die Erkenntnis deiner Wohltaten geweckt hast! Und wenn ich ganz von deiner g�ttlichen Lehre erf�llt w�re, o wie gl�cklich w�rde ich mich dann noch f�hlen, welch ein Born der Freude w�rde da unaufh�rlich aus derselben f�r mich flie�en, selbst dann, wenn Kummer und Sorgen mich umgeben, welche Seligkeit w�rde ich dann nicht aus jedem Gebote sch�pfen, das ich erf�lle! O, du Ewiger! la� diesen Tag mich dem gro�en Ziele n�her bringen, dem ich nachstreben soll! Sei mit mir in all meinen Bestrebungen, hilf mir in meiner Schw�che, erleuchte mich in meiner Unwissenheit, umg�rte mich mit der Kraft des Willens, la� meine Seele alles in Klarheit schauen, mein Herz alles Edle und Heilige mit W�rme umfassen! R�ste mich aus mit Standhaftigkeit und lege an diesem Tage reichen Segen in meine Arbeit. Bewahre du, Ewiger, meinen Ausgang und meinen Eingang, o, entziehe mir nicht deine Barmherzigkeit, sondern la� deine Gnade und Treue mich stets beschirmen! Amen! Betrachtung �ber 1. B. M. 1, 9-13. 13. Wie k�nnte ich wohl am dritten Tage der Woche mein Auge der Herrlichkeit des Tages �ffnen, ohne dir f�r deine unendliche G�te zu danken, mit welcher du die Erde erf�llt hast und sie mit jedem Morgen aufs neue erf�llst? An diesem Tage, so lie�est du uns in der Sch�pfungsgeschichte verk�nden, riefst du Gras, Kr�uter und B�ume hervor, die Frucht und Samen tragen, jegliches nach seiner Art. So hast du, allg�tiger Gott, f�r jedes lebende Gesch�pf seinen Bedarf bereitet, bevor es noch ins Dasein gerufen war, so hast du auch an mich gedacht, bevor ich noch das Tageslicht schaute, hast liebevolle Wesen bestellt, die f�r mich sorgten, die mich kleideten und ern�hrten, mich erzogen und leiteten, und die Erde, sie ist voll deiner Gaben. O, wie k�nnte ich da verzagen und bek�mmert fragen: woher soll ich Brot f�r meinen Lebensunterhalt nehmen? O, getrost bete ich zu dir: Gib mir und den Meinigen unser t�gliches Brot, da� wir nie der Gabe eines Menschen bed�rfen, erhalte uns in Gen�gsamkeit, da� wir in bescheidenem und prunklosem Wandel uns gl�cklich f�hlen, jeglicher in seinem Berufe und jeglicher in seinem Stande. Wache �ber die Bed�rftigen und Notleidenden und gew�hre mir die Seligkeit, ihnen wie ein herrlicher Baum zu sein, der Schutz und Erquickung �ber sie ausbreitet, ja, la� mich wie ein Baum sein, der an den Wasserb�chen deines g�ttlichen Wortes gepflanzt, reiche Fr�chte tr�gt, und dessen Bl�tter nie welken. La�, o Herr, mein Streben und Wirken dir wohlgef�llig sein und auch meinen Mitmenschen. M�chte mein Sinn von dem Licht aus der H�he erf�llt werden, und meine Rede wie st�rkende, erquickende Nahrung jedem sein, der darauf h�rt.--O, du, der du nie den Gerechten verl��t und es ihm nie an Brot mangeln l��t, erh�re mich und la� mich heute stark im Guten sein, errette mich von jeglicher S�nde, auf da� du auch �ber mein Werk heute wie bei der Sch�pfung sagen k�nntest: �es war gut�,[12] gut f�r das zeitliche und gut f�r das ewige Leben. Amen! [Fu�note 12: Buch Moses 1, 12] Abendgebet. 14. Der Tag ist dahin gegangen, o, so schnell, so sehr schnell bei Arbeit und Freude und unter deinem beschirmenden Segen, allbarmherziger Gott und Vater! Und nun, da mein Tagewerk zu Ende ist, so kommt mir so vieles in den Sinn, was ich vornehmen wollte, aber zu tun vergessen, vieles, mit dem ich mich besch�ftigt habe, aber nicht auf die rechte Weise, so manches Wort, das ich gesprochen, das ich entweder lieber gar nicht ausgesprochen haben m�chte, oder doch nicht so, wie ich es getan, mancher Mensch, dem ich begegnet, aber ohne darauf zu achten, wie n�tzlich er f�r mich und ich f�r ihn h�tte sein k�nnen. Ach ich mu� gestehen, wenn ich auch nur an eitlen Gewinn und eitle Lust denken wollte:--k�nnte ich meinen Tag aufs neue beginnen, so w�rde ich meine Zeit anders einteilen, so w�rde ich ganz anders mich verhalten; vieles, was geschehen, w�rde ich ungetan lassen, vieles, was unterlassen ist, w�rde ich zur Ausf�hrung bringen--und wie viel mehr erst, wenn ich an das Werk meines Seelenheils denke. O, mu� ich nicht f�rchten, da� es einst, wenn mein ganzer Lebenstag dahingeschwunden ist, f�r mich so sein wird, wie in dieser Stunde, mu� ich nicht, weil es noch Zeit ist, bestrebt sein, da� mein Lebenstag nicht vergeudet werde? Darum n�here ich mich dir, mein Gott, mit dem Gebete:�tue mir kund den Weg, den ich gehen soll, lehre mich nach deinem Willen handeln, dein g�tiger Geist f�hre mich Tag und Nacht auf die rechte Bahn!�[13] La� mich auch in dieser Nacht deine G�te erfahren, bewache, erquicke und segne sowohl mich, als alle die Meinigen, und la� die Ruhe der Nacht aufs neue mir Kraft schenken, um gegen alles zu k�mpfen, was im Streite ist mit der hohen Bestimmung meines Daseins, mit dem Werk, das ich zu vollf�hren habe.�Herr! dein will ich gedenken, wenn ich auf meinem Lager liege, �ber dich sinne ich in den Nachtwachen, meine Seele h�ngt an dir, deine Rechte unterst�tzt mich.� Amen! [Fu�note 13: Ps. 143, 8. 9.] Am Mittwoch. Morgengebet. 15.�Wenn ich auf meinem Lager bin, so denke ich an dich, o Gott, und wenn ich erwache, spreche ich von dir, denn du bist mir eine Hilfe, und im Schatten deiner Fl�gel f�hle ich mich so sicher�,[14] fr�h suche ich darum dich, und meine Seele d�rstet nach dir, mein Gott. Ach, m�chte doch meine Seele dir anh�ngen, und m�chte deine Rechte mich unterst�tzen den ganzen Tag und mich leiten und aufrecht halten, wo ich auch wandre, und mit wem ich auch verkehre. Ich m�chte so gern mit Milde und Sanftmut unter meinen Br�dern wandern, aber feindlich Gesinnte, Ha�erf�llte, Lieblose, denen ich begegne, k�nnten so leicht meinen Zorn aufflammen lassen; ich m�chte so gerne einen innigen, festen Glauben an den Tag legen, aber Leichtsinnige und Gleichg�ltige k�nnten meinen Eifer k�hlen, und Scheinheilige all meinem frommen Streben in den Weg treten; es wird so schwer, die heilige Flamme auf dem Altar des Herzens vom Morgen bis zum Abend rein und jedes fremde Feuer fern zu halten; es wird so schwer, einen schuldfreien und heitern Sinn zu bewahren; die Freuden, die deine G�te uns bereitet, so zu genie�en, da� keine s�ndhafte Neigung oder Lust in die Seele dringe, und da� diejenigen, welche auf uns sehen, nicht in ihrem Urteile �ber uns irre geleitet werden; es ist so schwer, Freundlichkeit und Ernst, Nachsicht und Duldung mit unersch�tterlicher Festigkeit im Glauben zu vereinen. Wie leicht artet nicht ein freundlicher, nachgiebiger Sinn zu einer eitlen Lust aus, den Menschen zu gefallen! Wenn ich den Beifall der Welt ernte, so macht es mich so hochm�tig und stolz, und weniger vermag ich ihre K�lte, ihren Spott oder ihre Geringsch�tzung zu ertragen, sie erbittert meinen Geist und l�hmt meine Kraft, und doch soll ich im Kampfe nicht schwanken und nicht verzagen. Sieh! darum bitte ich: Herr, lehre mich deine Wege erkennen und leite mich auf die rechten Pfade, nicht nur meiner selbst wegen, sondern auch derentwegen, die auf mich schauen, und mit denen ich heute verkehre, ja meiner Freunde und Verwandten und meiner Hausgenossen wegen. M�chte ich in der Freude sowohl als im Schmerze, den du in deiner Weisheit mir zusendest, mich als echter Israelit bew�hren, der dein g�ttliches Gebot in seinem Herzen tr�gt, da� all mein Wirken auf Erden ein himmlisches Gepr�ge an sich trage und Zeugnis gebe von meinem Streben, an deinem Reiche zu bauen. La� einen freundlichen himmlischen Strahl sowohl meine Lust als meine Arbeit beleuchten, la� den Tau des Himmels auch bei der M�he und Hitze des Tages mich erquicken, in dem Kampfe des Lebens mich st�rken und zu jeglicher Zeit mein Herz erfreuen! O, so verla� mich nicht, mein Gott, sondern segne mich und die Meinen heute, la� mich nicht verzagen, wenn du mich v�terlich z�chtigest; sondern lege in meine Seele das rechte kindliche Vertrauen zu dir, und gib, da� mein Wandel der Lobgesang wird, womit ich unabl�ssig dich preise. Amen! [Fu�note 14: Ps. 63, 7. 8.] Betrachtung �ber 1. Buch Mosis 1, 14-19. 16. Herr, allweiser, allg�tiger Sch�pfer! Ich danke dir, da� du mich diesen vierten Tag der Woche hast erleben lassen, den Tag, der aus der Sch�pfungszeit Zeugnis gibt von deiner unendlichen Weisheit und Macht, mit welcher du die Gestirne auf ihren Bahnen leitest, die Sonne, den Mond und die zahllosen leuchtenden Welten, da� sie mit himmlischem Glanze f�r uns leuchten, die Erde erw�rmen und befruchten und in den dunklen N�chten Wege auf dem �den Meere zeigen, ja da� sie uns dienen, um unsere Wanderungstage zu z�hlen und unsere festlichen Zeiten zu bestimmen. Sieh, du hast ihnen Ziel und Grenze gesetzt, da� sie nicht von ihren Bahnen weichen, sondern jeder Himmelsk�rper seinem vorgeschriebenen Gesetz folgt und nicht hinein schreitet in den Kreis eines andern; wenn er verschwunden zu sein scheint, so leuchtet er in einer anderen Welt oder beginnt aufs neue seinen Lauf, um deine Herrlichkeit an dem unerme�lichen Himmelsgew�lbe zu verk�nden. O, mein Gott!�wenn ich anschaue den Himmel, deiner H�nde Werk, den Mond und die Sterne, die du geschaffen,--was ist ein Sterblicher, da� du sein gedenkst und der Menschensohn, da� du auf ihn achtest?�[15] Und doch bin ja auch ich von dir bestimmt, ein Glied in der Kette des All zu sein, und auch meiner Bahn hast du Gesetz angeordnet, dem ich folgen soll, und das ich nicht �berschreiten darf. Ach, wie oft habe ich gerade den Weg verlassen, der mir vorgezeichnet ward, wie oft unternahm ich nicht gerade das, wozu ich nicht berufen war, und durchkreuzte da die Bahn eines andern und richtete da Verwirrung an, wo ich �ber Gottes Ordnung und Gesetz wachen sollte! O! ich will darum zum Himmel empor schauen und zu seinem strahlenden Heere, da� ich von ihnen lerne, f�r meine Br�der zu leuchten, und sie mit der vollen Liebe meines Herzens zu erw�rmen; da� ich vom Monde lerne, Erquickung, Trost und Friede in tr�be und angstvolle Seelen zu bringen, von der Sonne, die f�r alle, auch f�r die Ungerechten aufgeht, lerne auch S�ndern Mitleid zu zeigen und sie auf den rechten Weg zur�ckzubringen! Aber, o mein Gott! was vermag ich ohne deinen Beistand? Darum bitte ich dich: st�rke mich in meinem Vorsatz, hilf mir, m�nnlich gegen alle Versuchungen zu k�mpfen, stehe mir bei, da� ich unerm�dlich in der Erf�llung meines Berufes sei! Dein Geist und Wort zerstreue, der Sonne gleich, jede Wolke, die meine Umgebung verdunkeln will! Ja, all mein Tun und Wirken sei so, da� ich hoffen darf, einst, wenn ich meinen Lauf hienieden vollendet, einzugehen in das wahre himmlische Licht bei dir in der Ewigkeit. Amen! [Fu�note 15: Ps. 8, 4. 5.] Abendgebet. 17. Allbarmherziger Vater! Auch diesen Tag habe ich unter deinem Schutz und Segen gl�cklich zu Ende gebracht und deiner Obhut meine Seele und meinen Leib anempfohlen; ja, in meinem Nachtgebet habe ich, wie es dem Israeliten geziemt, bevor ich mich zur Ruhe begab, mich zu dir zu erheben gesucht. Aber ach, je mehr ich mich selbst durchforschte, desto mehr werde ich innerlich betr�bt, indem ich mich des Gedankens nicht erwehren kann, meine Aufgabe nicht erf�llt zu haben; denn ich habe das heilige Bekenntnis des Israeliten abgelegt:�da� du der einzige, ewige Gott bist�; aber habe ich auch heute dies in der Tat und in der Wahrheit bewiesen, da� es das Bed�rfnis meines Herzens war, dir f�r alles zu danken, was mich erquickt, und deinen Namen zu preisen, und dich als den Einzigen, Alliebenden anzubeten, bei allem, was mir widerfahren? Und ich habe die Grundlage f�r die heiligsten Verpflichtungen meines Lebens ausgesprochen, �da� ich dich lieben soll mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen, mit all meinem Verm�gen�, aber wie oft hat nicht die Liebe zur Welt mich dich vergessen lassen, und wie wenig war ich bereit, aus Liebe zu dir alles zu opfern? Ja, in unersch�tterlicher Liebe zu dir soll ich meinen N�chsten lieben; aber wie schwach gl�hte doch eine solche Liebesflamme in meinem Innern! Selbst wenn ich mich liebevoll gegen meine Mitmenschen zeigte, war es doch zuweilen eine Scheinliebe und nicht die heilige Flamme, die unaufh�rlich auf dem Altar des Herzens brennen soll. Durch mein Wort und mein Beispiel soll ich den Meinigen (meinen Kindern, meinem Hausgesinde, meinen Freunden und meinen Angeh�rigen) dein Wort einsch�rfen, aber bald wurde ich durch Eitelkeit und Hochmut irre geleitet, bald verschlo� Geiz, Zorn oder Neid das Herz und die Hand; denn das Feuer der Leidenschaft brennt in meiner Brust und bet�rt meinen Geist. Und wenn ich sehe, wie wenig noch die Welt dich, den Einzigen, kennt und anbetet, und wie wenig Liebe zu dir in der Menschen Brust lebt, wie wenig sie sich in gegenseitiger Liebe �u�ert, ach, da mu� ich fast verzagen; ich gedenke meiner S�nden und der Schlaf weicht von meinem Lager. Woher, o Gott, soll ich Kraft nehmen, um im Kampfe zu bestehen? Und doch--mein Nachtgebet hat mich ja belehrt, da� ein zerknirschtes Herz dir wohlgef�llig ist, hat mich auch belehrt, auf wen ich meine Hoffnung setzen soll: Herr, auf dich allein!�Du stehst zu meiner Rechten: Wer wie du![16] so barmherzig, du bist meine St�rke[17] du bist mein Licht[18] und du bist mein Arzt[19] sowohl f�r Leib als Geist; deine Herrlichkeit umschwebt mich. Zuversichtlich spreche ich darum:�auf deine Hilfe hoffe ich, ja, ich warte in Geduld auf deine Hilfe und beuge mich in Demut vor dir, o Herr[20], der du �ber mich wachen und mich wecken wirst, Amen! [Fu�note 16: Michael] [Fu�note 17: Gavriel] [Fu�note 18: Uriel] Am Donnerstag. Morgengebet. 18. Herr, mein Gott und Vater!�Du erneuerst jeden Morgen deine G�te gegen mich, und deine Barmherzigkeit ist unendlich.� Darum erhebe ich in der fr�hen Morgenstunde dankend meine Stimme zu dir, indem ich f�hle und erkenne, da� deine wachende Vorsehung in den Stunden der Finsternis meinen Geist bewacht und mich aus dem Schlummer der Nacht zu neuem Leben geweckt hat. O! m�chte doch auch mein besseres Wesen mit jedem Morgen sich erneuern, und m�chte ich bei meinem Tagewerk nie verzagen, sondern es vollenden, ohne zu ermatten; m�chte ich doch jeden Tag mit neuer Lust auf dein g�ttliches Wort lauschen und aus deiner heiligen Lehre Seligkeit sch�pfen; m�chten doch alle guten Kr�fte, die du in mich gelegt, jeden Morgen sich erneuern, so da� ich nie m�de werde, meinem Bruder zu helfen, ihn zu erquicken, zu tr�sten und zu unterst�tzen, nie m�de werde, Sanftmut und Geduld gegen meine Freunde zu zeigen, und nie aufh�re, Gutes denen zu erweisen, die mich hassen, und diejenigen zu segnen, die mir fluchen; m�chte doch ein liebevoller Geist jeden Tag in mir erneuert werden, da� ich dem�tig und liebevoll gegen die Armen, mild und nachsichtig gegen meine Diener mich zeige; ja, la� mich auch heute aufs neue Kraft gewinnen, um gegen die S�nde, meinen �rgsten Feind, zu k�mpfen! M�ge sich stets auch mein kindliches Vertrauen erneuern, mit dem ich meinen Weg deiner v�terlichen F�rsorge empfehle! O, erh�re mich denn, Allg�tiger! wenn ich dich bitte, mir die Ausf�hrung dieses meines heiligen Vorsatzes zu erleichtern. La� keine dr�ckende Sorge mir die Freudigkeit in meinem t�glichen Berufe rauben; st�rke meinen K�rper, da� meine Seele sich frei zu dir erheben kann;�entbiete mir deine Engel, mich zu beh�ten auf meinen Wegen, da� mein Fu� nicht strauchle;� la� in jeder zeitlichen Freude sich f�r meine Seele die ewige, selige Wonne abspiegeln und la� mich froh sein mit den Frohen! Segne, o Gott, Volk und Land, segne alle, die mir lieb und teuer sind! Leite mich nach deinem Rat, und nimm mich einst auf zur ewigen Seligkeit. Amen! [Fu�note 19: Rephael] [Fu�note 20: lyshu'atcha (Auf deine Hilfe u. s. w.)] Betrachtung �ber 1. Buch Mosis 1, 20-23. 19. Mein Gott und Vater! Nimm mit Wohlgefallen meinen kindlichen Dank daf�r entgegen, da� ich diese Nacht sicher unter deinem Schutz geruht habe und mich wieder umgeben sehe von deinen Wohltaten, von den unz�hligen Gesch�pfen, die du ins Leben gerufen, deren Anblick Ruhe in die ge�ngstigte Seele mir senkt und mein Herz mit Bewunderung erf�llt. Heute ist ja der Tag, an dem in der Sch�pfungszeit das Weltmeer mit einem unz�hligen Gewimmel kleiner und gro�er Tiere sich f�llte und die Luft mit dem zahllosen Gefl�gel, das unter der W�lbung des Himmels fliegt.�Alle erwarten ihre Nahrung von dir, und du s�ttigst sie mit allem Guten.�[21] O, wie kann ich da noch f�rchten, da� du mich vergebens um deine guten Gaben vom Himmel beten lassen solltest, wenn ich nur treu arbeite, um sie zu gewinnen! Sieh', wie zahllos und wie mannigfaltig sind nicht die lebendigen Gesch�pfe des Himmels und des Meeres, und doch bilden sie alle einen gro�en Einklang, um deine Herrlichkeit zu verk�nden; ist nicht das geringste bunte W�rmchen eben so wundervoll wie das starke Tier im Walde, und preisen nicht die Millionen Gesch�pfe im Wassertropfen eben so sehr deine Allmacht und Wahrheit wie der Wallfisch im Meere? O, sollte ich da verstummen und nicht best�ndig meinen Lobgesang darbringen, sollte ich nicht durch mein Leben, durch mein Tun deine Herrlichkeit verk�nden? Ach Herr! segne du mich, da� meine Gedanken gel�utert werden, und meine Taten dir gefallen. Sieh, der Fisch schwimmt so lebensfroh im Meere, aber, wenn im n�chsten Augenblick ein Fischer ihn heraufzieht, da erlischt das Leben, so wei� auch ich, da� der Fischer stets sein Netz und seine Angel nach den Menschenkindern auswirft, um sie von dir, der Quelle alles Lebens, fort und hin in den Tod zu f�hren; ach m�chte ich doch der Lockspeise der Welt Widerstand entgegenzusetzen stark genug sein und mich von den lebenden Wassern n�hren, die aus deiner himmlischen Lehre str�men! La� mich deiner Liebe eingedenk sein, die meine V�ter auf �Adlerfittigen�, getragen, und wenn die Sorge meinen Sinn umw�lkt, wenn Leiden mich treffen und Feindschaft mich verfolgt, oder wenn Verf�hrungen mich umringen, o, la� mich da auf die V�gel des Himmels sehen, die ihre Zeit kennen, und la� mich von ihnen lernen, da� der Tag kommen wird, wo ich dorthin zur�ckwandern werde, wo eine w�rmere Sonne scheint, und Freude, Wonne und Herrlichkeit weilt bei dir in aller Ewigkeit. Amen! [Fu�note 21: Ps. 145, 15.] Abendgebet. 20. Durch deinen Beistand, allg�tiger Gott, habe ich wiederum meinen Tag zu Ende gebracht, und wie deine G�te mich heute vor jedem Ungl�ck bewahrt hat, so wirst du mir auch Erquickung in meiner n�chtlichen Ruhe verleihen. Im Schlaf will ich alle M�he und Beschwerden, jeden Kummer und jeden Schmerz vergessen. So wird deine ewige Liebe nicht m�de, mir Gutes zu erweisen, und doch erkenne ich dies so wenig. Ja, mu� ich nicht in dieser Stunde deiner G�te danken, da�, w�hrend du die Stille der Nacht um mich her verbreitest und meinem m�den K�rper Ruhe schenkst, du auch alles Toben der Leidenschaft und der Angst und Sorge in meiner Brust verstummen l��t und meiner Seele Ruhe gibst? O �so wehet dein sch�tzendes Panier in Liebe �ber meinem Haupte�,[22] und nur im Vertrauen auf diese Liebe wage ich es, dich zu bitten, mir Ruhe und Erholung in dieser Nacht zu schenken. Denn sollte ich Rechenschaft �ber das Werk des verschwundenen Tages ablegen, o, dann m��te ich ausrufen: �Herr! gehe nicht ins Gericht mit mir!�--Ach, die Stille auf Erden sagt mir:�Du wachest in deiner Wohnung!� Je weniger das Irdische meinen Geist zerstreut und meine Gedanken verwirret, desto tiefer f�hle ich meinen Abstand von dir, doch ich wei�, du gedenkst, da� ich Staub bin und erbarmst dich �ber mich wie ein liebender Vater, ich wei�, da� du gern den Seufzer deines reuigen Kindes h�rst und das erf�llst, was es begehret. O, so verla� mich nicht, du Israels H�ter, in dieser Nacht. Breite aus das Banner deiner Liebe �ber mich (meine Gattin, meine Kinder, meine Eltern u. s. w.); bewahre unsere Stadt vor allen Schrecken, und erquicke mich mit einem ruhigen Schlafe, da� ich morgen mit erfrischter Kraft erwache zu deiner Ehre. Nimm auch deinen Geist nicht von mir, und la� mich noch lange Zeugnis ablegen, da� �deine Gnade, o Herr, von Ewigkeit zu Ewigkeit w�hrt denen, die dich f�rchten, und deine Huld ihren Kindeskindern�. Amen! [Fu�note 22: Hohelied 2, 4.] Am Freitag. Morgengebet. 21.�Preise meine Seele den Herrn und vergi� nicht alle seine Wohltaten!� so will ich heute, am letzten Arbeitstage der Woche, den Dank meines Herzens vor dir, Alliebender, aussprechen. Denn du hast mich diese Morgenstunde schauen lassen, und die ganze Woche hindurch habe ichs erfahren, da߻du mir am Tage deine G�te entbietest und deine Liebe �ber mich des Nachts wacht�; ja! ein Tag bezeugt es dem andern, und die Nacht verk�ndet es der Nacht.--Jede Tat, die mir gelungen, jedes Wort, das mich erfreut, jede Kraft zur Arbeit, die ich in mir gef�hlt, und jeder Lohn, den ich empfangen, war ein unverdienter Segen aus deiner Hand, und selbst dann, wenn meine Seele in Sorge, Mi�mut und in Bek�mmernis eingeh�llt war, wenn ich seufzte �ber andere und �ber mich selbst klagte, �ber Mangel an Kraft in der Stunde der Sorge, die du �ber mich verh�ngt, oder die ich mit meinem trauernden Bruder trug, selbst dann warst du, o Gott! mir ja nahe mit deinem Trost, und ich f�hlte deinen Geist, wie er bei mir weilte, und die Nacht mit all ihrer Dunkelheit schien dem hellen Tage gleich f�r meine Seele, die von deiner unendlichen Liebe ber�hrt wurde. O Ewiger! wie soll ich dir f�r alles dieses danken, nun da die Woche bald zu Ende ist? Mu� nicht das Bewu�tsein, da� ich nicht in deinen Augen gewesen, was ich sein sollte, schwer auf meinem Herzen lasten? Ja, so schnell schwand die Woche hin, �eine kurze Spanne Zeit sind meine Tage vor dir, und mein Leben ist wie nichts�, so schnell schwand die Woche hin, da� ich meine Verg�nglichkeit f�hlen und die Pilgerzeit auf Erden, die du mir zugemessen, benutzen mu�. Ja, Herr, ich setze meine Hoffnung auf dich; befreie mich von all meinen S�nden, leite du mich, da� ich am letzten Arbeitstage der Woche zu deinem Wohlgefallen lebe, da� ich heute dem�tig ergeben und dankbar gegen dich sei, liebevoll und vers�hnlich gegen meinen N�chsten mich zeige und mich als treuer und flei�iger Arbeiter in deinem Dienst bew�hre, wie es dem ziemet, der nach deinem Namen genannt ist. (5. B. M. 28, 10.) Ja, m�chte ich mit Recht noch Jude genannt werden, da� das Zepter nicht aus meiner Hand weiche, ich vielmehr Herrschaft �ber alle b�sen M�chte gewinne, die um mich her ihr Lager aufschlagen, so da� die Gleichg�ltigkeit der Welt mich nicht schlaff und l�ssig in deinem Dienst mache, und ihr Widerstand oder ihr Spott mich nicht in meinem Glauben ersch�ttern; o, la� mich die Woche damit schlie�en, da� ich den Kampf gegen den Verf�hrer in meiner eigenen Brust bestehe, da� der Name Israelit, K�mpfer f�r das G�ttliche, mir mit Recht gegeben sei, und mir seliger Lohn werde, wenn ich vom Kampfplatz der Erde zu ewiger Sabbatruhe im Himmel abgerufen werde. Amen! Betrachtung �ber 1. Buch Mosis 1, 24-31. 22. Dir, ewiger Quell des Lebens, dir danke ich am letzten Arbeitstage dieser Woche, da� du mich so wunderbar erschaffen, und da� du mich bis zu dieser Stunde so treu und sicher bewahrt hast! Dieser Tag war es ja, an dem du in der Sch�pfungszeit alle lebenden Tiere auf der Erde geschaffen und zuletzt den Menschen, da� er herrsche �ber die Fische des Meeres und die V�gel des Himmels und alles, was da lebt und sich regt auf Erden. Ja, du hast den Menschen verherrlicht, indem du kund getan, da� er nach deinem Bild und dir �hnlich geschaffen ist;�nur um ein Geringes hast du ihn den Engeln nachgesetzt, und mit Ehre und W�rde hast du ihn gekr�nt.�[23] Von dir erhielt ich die Kraft des Geistes, mich �ber die Verg�nglichkeit zu erheben und die Macht, mir die Erde untert�nig zu machen, sie zu versch�nen und zu verherrlichen, aber auch Macht, um die irdischen Begierden und die wilden L�ste des Fleisches in mir zu bezwingen. O, mein Gott, ich kann Herrscher sein �ber den rauhen, widerstrebenden Erdboden, �ber die wildesten Tiere, die in der W�ste rasen, �ber die z�gellosen, lieblosen Naturen in der Menschenwelt und �ber die unb�ndigen Leidenschaften, die hier in meiner eigenen Brust sich regen! Ja, ich bin in deinem Bilde geschaffen, ich kann denken, glauben und beten und im Geiste mich zu dir emporschwingen; ich kann die Macht der Begierden brechen, mit Liebe jeden widerstrebenden Geist besiegen, mit Selbstverleugnung und Vers�hnlichkeit jede lieblose Gesinnung bezwingen, und mit Gedanken der Ewigkeit, die in meine Seele--dein Ebenbild--niedergelegt sind, kann ich Ruhe und Frieden in angstvollen Stunden und unter schweren Schicksalen gewinnen.--Aber, o mein Gott! je h�her du mich erh�het hast, desto tiefer werde ich gedem�tigt, und sehe besch�mt auf alles, was ich in der verflossenen Woche getan und gedacht habe. Nicht war ich in meinem Denken, Sprechen und Streben so wie es dem geziemt, der in deinem Bilde geschaffen; ich habe es ausgel�scht, so da� es kaum noch kenntlich, da� kaum noch in mir wahrzunehmen ist, da� ich das Meisterwerk deiner Sch�pfung bin. O, m�ge dieser Gedanke neue Kraft meinem Geiste verleihen, und sei du selbst mit mir, da� ich als Ebenbild des ewigen Vaters aller Geister nicht meinen Sinn auf eitles Streben richte, nicht an den leeren Freuden der Erde h�nge und nicht von zeitlichen Bek�mmernissen ge�ngstigt werde! M�chte ich mit echter Liebe die heiligen Bande, die mich mit meiner Familie (meinem Gatten, meiner Gattin, meinen Freunden usw.) vereinen, noch fester kn�pfen, da� ich sanftm�tig und geduldig unter meinen Mitmenschen wandere. La� mich eingedenk sein, da� das Leben, wie der heutige Tag, nur eine Vorbereitung zur Sabbatruhe, jener seligen Ruhezeit bei dir, ist, und da� daher von mir unerm�dliche, best�ndige Arbeit und Wachsamkeit gefordert wird. Und wenn ich zweifeln sollte, weil ich nicht die Frucht des Flei�es und den Segen der frommen Tat schaue, o, dann la� mich erkennen, da� der Lohn erst nach vollendeter Arbeit genossen werden soll, wenn der Sabbat sich einstellt. O du, der du mich geschaffen hast zu deiner Verherrlichung, hilf du mir auch, da� ich dir aufrichtig diene und mein Lebenswerk vollende, und da� ich vorw�rts schreite von Kraft zu Kraft, bis ich einst gew�rdigt werde, zu schauen dein Antlitz in der Ewigkeit. Amen! [Fu�note 23: Ps. 8, 6.] Abendgebet. 23. Alliebender Vater! Schau wieder auf dein Kind, das seinen Dank stammeln will, da� du es diesen heiligen Abend hast erleben und diesen herrlichen Tag hast sehen lassen, der das Ziel der sechs Sch�pfungstage war, da� dein vollendetes Werk von uns geschaut, und deine Allmacht von dem Wesen angebetet werden sollte, das du in deinem Ebenbild geschaffen. Und so der Mensch im Laufe der Woche dieses dein Bild entheiligt hat, suche er an diesem Tage es wieder zu heiligen und Seelenfrieden und Ruhe nach der Anstrengung der Tage zu finden, und hebe seinen Blick vom Staube empor zu dir! O, mein Gott! Wie soll ich alle deine G�te preisen und von deiner Gnade sprechen, die �ber mir gewaltet hat? Wer bin ich, und was ist mein Haus, da� du mich der Sabbatfeier teilhaftig werden l��t, die du zur Heiligung des Menschen eingesetzt hast! O, m�chte ich doch mit dem rechten Geist erf�llt werden, den heiligen Tag nach deinem Willen zu feiern. Schenke mir und den Meinigen volle Erquickung diese Nacht, da� wir sicher ruhen, und da� unsre Seele gest�rkt werde, die himmlische Wonne zu genie�en, die aus dem beseligenden Quell des Sabbats str�mt, da� unsre Seele Ruhe und Frieden finde in dir, o Gott und Erl�ser. Amen! Am Sonnabend. Am Sabbat-Morgen. 24. Jeden Morgen f�hlte ich den Drang, mich dir, Allg�tiger, zu n�hern, mit jedem neu erscheinenden Tage habe ich dir mein Dankopfer dargebracht;--und je mehr ich dadurch zu einem Leben in dir und mit dir geheiligt worden, je mehr ich dadurch gelernt, mitten unter den t�glichen Arbeiten mich festlich gestimmt zu f�hlen, desto mehr wird mein Inneres auch in dieser heiligen Morgenstunde zu dir emporgehoben. Ja, wenn ich alle Tage der Woche den Dank meines Herzens ausgesprochen f�r die zeitlichen G�ter, die du mir schenktest, um wie viel mehr mu� ich diesen an diesem Tag verk�nden, den du zum Heil und zur Heiligung unseres Geistes bestimmt und zur Erinnerung deines Namens eingesetzt hast, und den du dadurch geheiligt, da� du ihn ein Bundeszeichen nanntest zwischen dir, dem Unendlichen, und Israel, deinem treuen Diener. An diesem Tage kann und soll ich jegliches Erdenjoch von mir werfen, von jeder dr�ckenden Last dieser Welt mich befreien und �ber jeglichen Kummer und Schmerz des Lebens mich erheben; an diesem Tag soll alles in mir von h�herer Freude erf�llt sein, und alles um mich her himmlische Wonne atmen, ja in Wahrheit ein seliger Tag! Dazu hast du uns ja deine heilige Lehre (Thora) gegeben, da� wir darin an diesem Tage lesen und forschen, damit wir in Gotteserkenntnis wachsen und in allen guten Gesinnungen gest�rkt werden, damit wir das Leben in dir erneuern und in deiner Wahrheit beharren. O, so verleihe mir deine Gnade und bewahre mich vor vors�tzlicher und unvors�tzlicher Entweihung dieses Tages, la� deinen Geist auf mir ruhen, auf da� ich all die Herrlichkeit deiner g�ttlichen Lehre schaue und begreife, und st�rke mich, da� ich den Sabbat auf die rechte Weise feiere und auch im Herzen meines Bruders rechten Sabbatsinn erwecke!--Ich will in meinem eignen Hause unter meinen Hausgenossen zeigen, da� ich das himmlische Kleinod zu sch�tzen wei�, welches ich im Sabbat besitze, auf da� sie sehen, wie gl�cklich und froh es mich macht. Und diesen Sinn will ich in der and�chtigen Versammlung der Gemeinde zu st�rken suchen, wo dein Name f�r die Herrlichkeit dieses Tages gepriesen wird. O Ewiger, la� diesen Tag um mich her Frieden und Freude ausbreiten; la� ihn jeglichem Kranken Erquickung und allen Betr�bten Trost bringen, la� ihn die Irrenden auf den Pfad der Seligkeit f�hren, und la� ihn mich in einen immer innigeren Verkehr mit dir bringen und mir Seelenruhe und himmlischen Frieden schenken, der dem gleicht, welchen diejenigen jenseits genie�en, die nach einem frommen Wandel hienieden von dir in die Wohnung der Seligen gerufen werden. Amen! Beim Ausheben der Thora am Sabbat. 25. Dein, o Herr, ist alle Gr��e; was unser Auge und unser Gedanke durchmessen kann, ist nichts vor dir. Dein, o Herr, ist alle Macht; alle Wesen und alle Welten sind von deinem Willen abh�ngig, dir dienen alle Kr�fte der Natur und gehorchen deinem Winke. Dein, o Herr, ist alle Herrlichkeit; der Himmel und die Erde und alles, was sie schm�cket, ist dein Werk. Dein, o Herr, ist alle Majest�t, die sich offenbaret in den Wolken droben, auf der Feste der Erde und in den Fluten des Meeres. Du bist K�nig, dein ist die Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch zum Staube vor ihm; denn er ist heilig. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch vor dem Berge seiner Herrlichkeit; denn heilig ist der Ewige, unser Gott. O Vater der Barmherzigkeit! Erbarme dich des Volkes deiner Treuen, gedenke deines Bundes mit den festen S�ulen der Glaubenstreue. H�te unsere Seele vor b�sen Stunden; la� an uns nicht herannahen b�se Begierde und Versuchung, sei immerdar unser Retter aus Gefahren und erf�lle die W�nsche unseres Herzens, so sie dir angenehm sind. Amen! Bei der Verk�ndigung des Neumondes.[24] 26. Gott, Sch�pfer und Herr der Welt! Gib, da� der kommende neue Monat uns langes Leben und Segen, Ruhe und Friede, Gl�ck und Wohlfahrt bringe. Gew�hre uns Nahrung und Unterhalt aus deiner vollen, offenen und milden Hand und bewahre uns vor jeder Sorge und jeder Not. Erhalte uns in Liebe und Anh�nglichkeit zu dir, und lasse uns gr��er werden an Tugend und Weisheit. Beh�te uns in deiner Gnade vor allen b�sen Zuf�llen, und erf�lle die frommen Wunsche unseres Herzens, wenn sie zu unserm Heile sind. Amen! [Fu�note 24: Neumondsgebet siehe S. 36.] Ein anderes Gebet bei der Verk�ndigung des Neumondes. 27. Mein Gott! La� mich den Anfang und das Ende des kommenden Monats erleben in Kraft und Gesundheit! Sende mir (meinen Eltern) deinen Beistand, da� ich (sie) an ihm f�r meine (ihre) Bed�rfnisse zu sorgen vermag (verm�gen) in Redlichkeit und Ehren! Halte fern von mir und den Meinigen Gef�hrdung und Besch�mung! M�gen die W�nsche meines Herzens in ihm erf�llet werden, so sie dir, o Herr, wohlgefallen. Dein Reich der Wahrheit und der Liebe werde im Laufe desselben gef�rdert, auf da� die Zeit der frohen Verhei�ung immer n�her an uns heranr�cke: ein Vater im Himmel, eine Bruderfamilie auf Erden! Amen! Am Sabbat-Nachmittag. 28. La� mich abermals dir danken, o du Allg�tiger, f�r diesen sch�nen Tag, den du der Ruhe geweiht hast, und an dem meine ganze Seele in dir Ruhe finden soll. Keine Sorge und kein Schmerz beunruhigen mich; denn dieser Tag erinnert mich ja daran, da� du die Welt aus nichts erschaffen, und er verk�ndigt mir deine Allmacht und deine Weisheit: wie sollte ich da mich nicht getrost deiner Leitung und F�hrung �berlassen?--Du bist ja mit mir, was sollte ich da f�rchten? Und kann nicht auch das mich �ber den Sklavensinn der Welt emporheben, da� ich gedenke, da� du uns aus dem Sklavenjoche �gyptens befreit hast, auf da� wir deine Diener wurden? Ja, in dir soll meine Seele Ruhe finden, und sie soll aus der F�lle deiner Liebe sch�pfen, auf da� ich einen jeden hoch sch�tzen lerne, der in deinem Bilde geschaffen worden, da� auch seine Seele heute Erquickung finde. Ja, selbst die vernunftlosen Tiere sollen heute Ruhe genie�en. In dir ruhen soll meine Seele, und du hast mich ja selbst gelehrt, wie deine Ruhe recht gefeiert werde; denn am Sabbat ert�nte ja dein Wort vom Sinai, durch welches das Reich des Lichtes weithin �ber die Erde sich ausbreitete. Ja, und wenn ich auch heute nichts an irdischen Sch�tzen gewinne, welch ein gro�er Reichtum ist mir doch im Sabbat zuteil geworden! Ist er es ja, der meine Seele von der M�he des Lebens befreit, ein wahres Bild des ewigen Sabbats, an dem der Geist eine heilige, himmlische Ruhe in dir genie�en soll.--O, mein Dank steige zu Gott empor! und du mein Gott, �durchforsche mich und pr�fe meine Gedanken, und bin ich auf schlechtem Wege, so leite du mich auf den rechten Pfad hin�, auf da� ich dir in aller Ewigkeit danke. Gepriesen werde dein Name, Hallelujah! Amen! Am Neumondstage. 29. Du Gnadenreicher! Den ersten Tag eines jeden Monats hast du--wie unsere frommen V�ter uns gelehrt--zur S�ndenvergebung bestimmt, und ehemals, als noch auf Zion der heilige Tempel prangte, wurden an diesem Tage S�hnopfer dargebracht, und der Reum�tige fand Vergebung. Der Tempel steht nicht mehr, und Opfer sind nicht mehr der Ausdruck unserer Reue und Hingebung, aber unser Gebet ist uns geblieben, der Dienst des Herzens, der an allen Orten dir wohlgef�llig ist. So nimm denn das Opfer meines Herzens wohlgef�llig auf, erh�re das Flehen, womit ich mich am heutigen Tage reuevoll dir nahe, und vergib mir meine S�nden, die ich im verflossenen Monat gegen dich und meine Nebenmenschen begangen habe. Ich erkenne, o Herr! da� ich von meiner Bestimmung abgewichen bin, wenn ich gefehlt habe; ich sehe es ein, da� fr�her oder sp�ter Vorwurf und Kummer mein ganzes Leben verbittern m��ten, und fasse darum den festen Vorsatz, mit dem neuen Monate meinen Lebenswandel ganz so einzurichten, wie es dein heiliges Gesetz befiehlt. O Vater, der du an Reue und Bu�e Wohlgefallen hast, stehe mir bei, da� ich jederzeit �ber mein Herz wache, da� ich immer mehr Wahrheit und Tugend erstrebe und alle meine Gedanken und Handlungen richte auf das eine Ziel: heilig zu werden, wie du heilig bist.--Wache �ber mich und alle meine Angeh�rigen auch in diesem Monate, auf da� er uns werde zur Freude und Wonne, zum Segen und Frieden. Amen! Sabbat-Abend. 30. Alliebender Vater! Der herrliche Tag, mit welchem die Woche schlie�t, ist zu Ende, und ehe ich mich zur Ruhe niederlege, um wieder zur Arbeit der kommenden Woche gest�rkt zu werden, durchforsche ich nun mein Inneres, ob der heutige Tag auch heilige Eindr�cke auf mich zur�ckgelassen und mich in Wahrheit dir n�her gebracht hat. O! du hast mich heute so mannigfaltig gesegnet, an Leib wie an Geist, und deine G�te hat mir sowohl irdisches als himmlisches Manna bereitet! Ich sch�pfte ja aus dem Quell deiner Liebe durch alles, was ich von der milden Hand der Natur empfangen, durch alles, was ich in dem Kreis meines eigenen Hauses genossen, durch das festliche Mahl und noch mehr in der Andachtsstunde durch dein g�ttliches Wort. Aber ach, mein Gott! habe ich dir in Wahrheit all meinen Dank gezollt? Wie manchen Vorwand habe ich benutzt, um mich allem zu entziehen, wozu mich der Tag rufen sollte; wie lie� ich doch kleinliche Sorgen und Freuden mich davon abhalten, dich und dein Haus aufzusuchen; warum hatte ich Zeit zu allem, und nicht zu dem, was der Sabbat mir auferlegt? Und selbst im Verkehr mit dir--wie lau war gleichwohl meine Andacht, wie zerstreut waren meine Gedanken, w�hrend ich deinen Namen anrief; wie wenig wurde ich beim H�ren deiner Worte entflammt! Verzeihe mir, o ewiger Vater, und entziehe mir deine Gnade nicht! Auch den frommen Vorsatz rechnest du ja dem schwachen Menschen als Tugend an, auch der gute Wille gilt ja vor dir als eine wohlgef�llige Tat! Gib du mir Kraft, diese zu vollf�hren, erneue in mir mit der neuen Woche einen festen Geist, und lege eine neue liebreiche Gesinnung in mein Herz, ein neues inniges Verlangen, dir anzugeh�ren! Bewahre mich und die Meinigen in dieser Nacht und st�rke mich, da� ich morgen neu gest�rkt zu dem Werk eile, das du mir angewiesen f�r die Tage meiner irdischen Wallfahrt, la� deine Huld und Gnade mir zuteil werden, da� ich mich vorbereite zu einem seligen Ende. Amen! III. Gebete an den Feiertagen. Abendgebet an den drei Festen: Pe�ach, Schabuoth (Wochen-) und Succoth (Laubh�ttenfest). 31. Allg�tiger und allheiliger Gott! Ich danke dir, da� du mich diesen Abend hast erleben lassen, da� ich wiederum ein heiliges Fest feiern kann, welches mich erinnert, wie du in deiner Weisheit den Kreislauf der Zeiten geordnet und wie du, o Allm�chtiger! alles zu seiner Zeit geschaffen hast,--ein Fest, das mir deine m�chtigen Wunder der Tage der Vergangenheit ins Ged�chtnis ruft, deine Wohltaten gegen unsere V�ter, wie du ihnen Hilfe sandtest, sie leitetest und f�hrtest, Wohltaten, die sowohl das Heil Israels als auch das der Menschheit �berhaupt gef�rdert haben. Ich danke dir, da� du mich dieses heilige Fest hast erleben lassen, das meine Gotteserkenntnis bew�hren, meinen Glaubensbund erneuern und mich in demselben befestigen soll, und das mich an deine ewigen Verhei�ungen erinnert, die du an jede Festzeit gekn�pft hast. Ja, ich danke dir, da� du, das unvollkommene Wesen des Menschen ber�cksichtigend, dieses dein Fest eingesetzt hast, damit die heilige Glaubensflamme in uns allen lebendig erhalten werde. O, m�chte doch alles sowohl in mir als um mich her das heilige Festgewand anlegen, m�chte ich in dieser Nacht mich von deinem v�terlichen Schutze umschattet f�hlen, m�chte ich sowohl, als alle, die mir angeh�ren, von dem seligen Gef�hl ergriffen werden, mit welchen das Fest jeden erf�llen sollte. Bewahre mich und meine Lieben vor allem, was den Frieden der Nacht und des Festes st�ren k�nnte, und la� mich morgen in der versammelten Gemeinde festliche Freude und festliche Erbauung mit all denen genie�en, die dich suchen, deine G�te empfinden und dich anbeten, dich, der du �in Gnade und Barmherzigkeit festliche Erinnerungstage f�r deine Wunder eingesetzt hast�,[25] O sprich zu mir:�Du bist mein Diener, von dem ich gepriesen werde.�[26] Gepriesen sei dein Name in Ewigkeit. Amen! [Fu�note 25: Ps. 111, 4.] [Fu�note 26: Jes. 49, 3.] Morgengebet f�r den ersten und zweiten Tag des Pe�achfestes. 32. Mit Dank erhebe ich mein Herz zu dir, o Ewiger, da� du in der kalten, dunkeln Nacht des Winters mir Schutz gewesen bist, da� die Winterzeit nun dahingegangen, und milde L�fte mich wieder anwehen. Alles, was im Schlummer gelegen, ist wiederum erwacht, die gefesselt gewesene Natur ist wieder befreit. O, mein Gott, r�hrt sich wohl auch in mir dieses neue Leben? Bin auch ich frei geworden und wandre nicht mehr in der schm�hlichen Knechtschaft der Welt? Hat nicht die himmlische Saat in meiner Brust auch im Schlafe gelegen vor der K�lte der Welt, wie die Saat des Ackers vor dem Winterfrost? Habe ich wohl in den vielen langen N�chten nach dem himmlischen Lichte in deinem heiligen Gesetze gesucht, in stiller Zur�ckgezogenheit �ber dein Wort geforscht und die dunkle Tiefe meines eigenen Herzens bei dem klaren Lichte deiner Lehre untersucht? Oder habe ich vielmehr durch allerlei irdische Lust und Freude nur noch mehr jedes h�here Gef�hl in mir in Schlaf versenkt und durch die Menge weltlicher Zerstreuungen den klaren Funken von deinem Geiste, der in mir noch geglommen, v�llig ausgel�scht? Habe ich nicht manchmal K�lte und Unwetter nur als Vorwand vorgesch�tzt, um dein Haus nicht zu besuchen? O! dieses Fest ist es, das mir solche mahnende Erinnerungen gibt. An diesem Tage war es ja, da� du unsere V�ter aus dem Joche �gyptens erl�stest, da� ihr Geist von dem Sklavensinne befreit ward, und sie anfingen, als freies Volk zu leben und sich als solches zu f�hlen, da� sie sich dazu erhoben, deine Diener zu sein. Im Glauben an dich traten sie ihre gro�e Wanderung durch die Erdenw�ste an, damit sie, dem Lichte gleich, in der Finsternis der Welt leuchten sollten, um sowohl in den Freuden als auch in den Leiden des irdischen Lebens, deinen Namen zu verehren und anzubeten, und das Lamm zu sein, welches seine Unschuld und Reinheit bewahrt und gerne das Opfer der Welt sein will, aber auch selbst der Priester ist, der es darbringt, um das Werk zu vollbringen, das du Israel aufgetragen: dein Reich auszubreiten, und es zu befestigen. O, ich f�hle, wie weit entfernt ich noch davon bin, ein w�rdiges Glied in Israels Gemeinde, wie weit entfernt davon, dein freigeborner Sohn zu sein, der das Joch der Welt abgeworfen, und dein Diener, der sich von jedem Joche des Vorurteils frei gemacht und weder von dem hohlen Wesen des Unglaubens, noch von den Irrt�mern des Aberglaubens gefesselt ist. Ach, der Sauerteig der S�nde f�llt noch meine Brust, und Eitelkeit, Wollust und Habsucht bet�ren mich. O, m�chte ich doch, indem ich den Sauerteig aus meinem Hause fortr�ume, auch meinen Sinn l�utern! Ja, ich will an diesem Feste meinen Lebenstag aufs neue beginnen und mich selbst wieder zum Glauben erwecken. Ich will die Erinnerungen aus den Tagen meiner Kindheit auffrischen, da fromme Eltern an diesem Feste die gute Saat in meine Seele ausstreuten; ich will mir Israels wunderbare Leitung wieder vor die Seele rufen, von der Zeit an, da es durch deine kr�ftige Hand, o Gott! aus �gypten gef�hrt worden, bis auf diesen Tag, um immer mehr zu erkennen, da� es unter deiner v�terlichen Obhut steht, da� es aber noch nicht seinen hohen Beruf erf�llt und da� jedes Mitglied der Gemeinde Israels dir und seinem hohen Berufe sein Leben und seine Kraft weihen soll. Aber was ich auch will,--nichts vermag ich doch ohne deinen gn�digen Beistand. Dein Geist sei mit mir und den Meinigen in dieser festlichen Zeit, da� wir sie feiern zu deinem Wohlgefallen, zur Verherrlichung deines Namens. Amen! Ein anderes Gebet f�r den Pe�achmorgen. 33. Wie lange auch der Winter gew�hrt, wie viele Sehnsuchtsseufzer in den dunkeln N�chten zu deinem Himmel emporgestiegen, so habe ich doch unter deinem Schutze, Allbarmherziger, den Anbruch der milden Jahreszeit erlebt. So gedenke ich auch heute, da� durch deine G�te auf gleiche Weise vor Jahrtausenden die Morgenr�te der Freiheit f�r das Menschengeschlecht anbrach. Du beriefest Israel, deinen Erstgeborenen, eine Gemeinde zu deiner Anbetung zu bilden, damit die Nacht des Heidentums nach und nach verschwinde, und alle Unterdr�ckung aufh�re. Ja, lange hatten meine Vorfahren in Druck und Elend geschmachtet und viele hatten schon jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben, ja, hatten schon aufgegeben den Glauben an die Verhei�ungen, die ihnen von Geschlecht zu Geschlecht �berliefert waren; doch die Stunde der Errettung kam, und sie kam fr�her, als selbst die Gl�ubigsten geahnt hatten, sie kam in der tiefsten Finsternis der Nacht.--O, ich sehe wohl, noch seufzt die Welt unter dem Joche der Knechtschaft, noch bek�mpfen V�lker einander mit blutigen Waffen, noch herrschen die Schrecken des Krieges und noch werden wir von Eigennutz getrieben. Menschenfurcht h�lt noch den Geist gebunden und v�llig machen wir uns zu Sklaven t�richter Eitelkeit, und Gold und Ehre und Macht sind die G�tzen, die die Menge anbetet, und Laster und Leidenschaften �ben eine m�chtige Herrschaft aus, sowohl �ber das ganze Menschengeschlecht, als �ber jeden Einzelnen. Doch du, �dessen Name von Ewigkeit zu Ewigkeit w�hrt, und der du unser Erl�ser bist�, du wirst dennoch endlich die Erl�sung kommen lassen, so gewi�, als du sie verhei�en hast. Du wirst die Zeit kommen lassen, in der �alle in Freundschaft mit einander wohnen, die Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden und das Kind mit der Schlange spielet�,[27] da das Gift der S�nde von ihr genommen sein wird. Diese Hoffnung soll das Fest in meiner Brust erneuern, und ich wei�, da� auch mir ein wenig Kraft verliehen worden, in deinem Dienste f�r das Kommen deines Reiches zu arbeiten. O, Herr! la� mich denn das Joch brechen, das noch auf mir lastet, la� mich von Hochmut und s�ndiger Lust gereinigt werden, und la� mich erkennen, da� nichts auf Erden mir als Eigentum angeh�rt, sondern da� mein Besitz ein anvertrautes Gut, ein Darlehen von dir ist. Um nun von diesem Bewu�tsein durchdrungen zu werden, wird ja auch in Israel jede erste Gabe des Lebens dir geheiligt, deshalb geh�rt dir ja die erste Erntefrucht des Jahres, und brachten eben ja am heutigen Tage unsere V�ter das heilige Omer als Opfer der Erstlinge dir dar. So will ich denn gedenken, da� alles eine unverdiente Gabe aus deiner Hand ist, und wie sehr ich auch daf�r gearbeitet habe, so ist doch nur der Genu�, wie von dem eines nur zur Benutzung anvertrauten Gutes mir davon gestattet, die Seele aber darf nicht daran h�ngen; denn es ist ja alles eitel und nichtig, die Seele aber schufst du f�r das Ewige, und der hat schon jetzt das ewige Leben, der nur an dir festh�lt. Gib, o du mein himmlischer Vater, da� ich in solcher Hoffnung an diesem Feste wachse und wecke sie bei allen meinen Br�dern, ja la� die zuversichtliche Erwartung bald das Menschengeschlecht erf�llen, da� einst der Tag erscheine, �da der Herr einzig sein wird und sein Name einzig.� Amen! [Fu�note 27: Jes. 2, 4; Micha 4, 1--3, Jes. 11, 8.] Morgengebet an den beiden letzten Tagen des Pe�achfestes. (2. B. M. 24, 15.) 34. Wo ist wohl die Wohnung eines Frommen, in der man nicht heute mit Freuden Siegesges�nge anstimmt:�die Rechte des Herrn ist erhaben, die Rechte des Herrn hat das Siegeswerk vollbracht!� O, auch mein Haus soll von Siegesgesang erschallen und von Dank f�r deine wunderbare Hilfe, da Israel so kurz nach der Befreiungsstunde, am Rande des Verderbens stehend, nur im Aufblick zu dir, im Gebete, Mut und Rettung fand. Auch hier in meinem Hause soll ein Dankfest gefeiert werden, daf�r, da� du an diesem Tage �den Glauben an dich und an Moses, deinen Diener, in den Herzen unserer V�ter befestigt hast. Und hat es nicht auch in meinem eignen Leben so manche Stunde der Gefahr gegeben, in der ich oder einer der Meinigen gleichsam �ber einem Abgrunde schwebte, so manchen angstvollen Augenblick, in welchem ich verzagte und nicht fest in meinem Glauben war? Doch du halfst mir und du st�rktest meinen schwachen Glauben! O, indem ich dir nun danke, will ich auch nicht vergessen an diesem Dankfest denen zu danken, die du als Werkzeug gew�hlt hast, mir zu helfen, mich zu st�rken und zu tr�sten oder auch zu belehren. Wenn so viele, weit entfernt solches anzuerkennen, undankbar sind, so will ich in der Feststunde mir aufs neue die Pflicht der Dankbarkeit und Erkenntlichkeit ins Ged�chtnis rufen, will auf meinen Vater (meine Mutter, meine Gattin, meine Kinder usw.) mit Dank f�r all das Gute, das mir von seiner (ihrer) Hand zuteil geworden, hinblicken und will mit Tr�nen der Dankbarkeit aller meiner Wohlt�ter gedenken, wenn sie auch schon im Grabe schlummern; ja, derer will ich gedenken, die mich als Kind in ihre z�rtlichen Arme geschlossen und meine Jugend geleitet haben; meines Lehrers, der meinen Geist erleuchtet und mir den Weg des Lebens gezeigt hat, und aller, die mir jemals Rat erteilt und mit ihrem Beistande mich in meinem Berufe unterst�tzt haben. Gib mir, o, Ewiger, Gelegenheit und Kraft, ihnen allen meinen Dank durch die Tat beweisen zu k�nnen! Und wenn ich so viele teure Wesen vermisse, denen ich nichts von der Schuld meiner Dankbarkeit habe abtragen k�nnen, wenn vielleicht einer meiner Br�der gerade zur Festzeit den Verlust eines Freundes, eines G�nners oder Helfers beklagt, wenn der eine oder andere sich einsam und verlassen f�hlt, o! so la� in seiner wie in meiner Seele das trostreiche Wort laut ert�nen:�Stehe still und sieh die Hilfe des Herrn!� Denn du, o Herr, bist ewig und immer, und ewig lenkst du meinen Weg. Dir will ich stets aus ganzem Herzen danken, und deinen Namen will ich ehren in aller Ewigkeit. Amen! Morgengebet am Wochenfeste. 35. Ewiger, hochgepriesener, einziger Gott!--O! wie k�nnte ich heute deinen heiligen Namen aussprechen, ohne dir zugleich daf�r zu danken, da� du den Menschenkindern dich offenbart und deinen heiligen Willen ihnen kund getan hast. Du hast ja zu ewigem Angedenken daran dieses Fest der Gesetzgebung und der Offenbarung eingesetzt! Deine gr��te Liebe gegen die Sterblichen zeigtest du an jenem Tage, da du uns deinen v�terlichen Willen kund getan, da du das Himmlische dem Geschlechte der Erde offenbartest, da� wir es erkennen und des himmlischen Reiches teilhaftig werden. Auch ich bin dazu berufen und kann zu den Gl�cklichen und Seligen gez�hlt werden; auch f�r mich hast du deine Worte verk�ndet. Ja, ihre Herrlichkeit leuchtet der ganzen Welt; obschon unbewu�t lebt, und atmet sie in derselben, und w�rde sie ohne dein ewigstrahlendes Licht in Finsternis eingeh�llt sein. So soll denn der Unglauben eben so wenig wie der Aberglauben Herrschaft �ber mich gewinnen. Aber ach! wenn ich mich im Lichte deines geoffenbarten Wortes pr�fe, mu� ich da nicht besch�mt bekennen, da� es in mir oft verdunkelt worden und nicht in voller Kraft in all meinem Denken und Tun widerstrahlte? Nahm ich nicht oft den Schein f�r die Wahrheit und Menschenklugheit und Blendwerk oder meine eigenen t�richten Meinungen f�r Gotteserkenntnis, und Vorurteil f�r �berzeugung?--War ich wohl fest in deinem Gesetze zu allen Zeiten, da� es mit Flammenschrift auf den Tafeln meines Herzens eingeschrieben stand als ein ewiges Bundeszeugnis, als ein Zeugnis meiner Treue und meines Strebens, dich und deinen Willen immer klarer zu erkennen? War ich nicht zuweilen hartn�ckig und r�hmte mich da der Festigkeit, oder hielt ich nicht zuweilen die Zweifel, die sich in meiner Brust erhoben und das Schwanken meines Geistes f�r Fortschritt? Darum bitte ich dich, du, �dessen Wort ewig ist, dessen Wahrheit fest steht von Geschlecht zu Geschlecht�, o, leite meine Schritte auf die Bahn deines Wortes, da� ich nie davon weiche, weder zur Rechten noch zur Linken, und la� nicht die S�nde und das Verderben Macht �ber mich gewinnen! La� mich erkennen, da� �der Mensch nicht vom Brote allein lebt, sondern von allem dem, was aus deinem Munde kommt�,[28] und wecke in mir ein best�ndiges Verlangen nach diesem Lebensbrot, da� deine Zeugnisse mein ewiges Erbteil seien, meines Herzens wahre Freude, meiner Seele Seligkeit. Amen! [Fu�note 28: 5. Buch Mosis 8, 3.] 36. Heute, da ich der h�chsten und heiligsten Gabe gedenke, mit welcher du, mein Gott, vom Sinai aus deine Menschenkinder begnadigt hast,--wie danke ich dir da, da� ich Israels Glauben bekenne! Wie hilflos und verlassen w�rde ich sein, wollte ich Licht und Leitung bei den Weisen der Welt suchen, die so oft einander widersprechen, und von denen der eine niederrei�t, was der andere als ein unersch�tterliches Geb�ude aufgerichtet. Ja, ich danke dir, mein Gott, da� ich ein Israelit bin, und ich die heiligen Stammv�ter und alle Propheten, die du mit deinem heiligen Geiste erf�lltest, zu Leitsternen f�r mich auf meiner Bahn habe, und da� du auch f�r mich das Wort leuchten lie�est, welches du selbst in deiner Gnade kund getan hast, das Wort, das felsenfest allen St�rmen der Zeit Widerstand geleistet, und das der Spott der Leichtsinnigen, die Geringsch�tzung der Weltlichgesinnten nicht zu ersch�ttern vermocht hat. Ja, wohl mu� ich meines Glaubens wegen zuweilen Kummer und Beschwerden erdulden, und wo ich als ernster Israelit nach deinem Gesetze und deiner Lehre wandern will, da werde ich oft von au�en und von innen von Feinden bedr�ngt;�denn die, welche an deinem Worte festhalten und in seinem reinen Geiste wandern, m�ssen oft unter Kedars H�tten wohnen, unter denen, die den himmlischen Frieden hassen.� Aber du l��t mich die Wahrheit deiner himmlischen Lehre erkennen, und nicht weltliche Freuden und nicht irdische Bande sind es, die mich an sie binden; denn du hast sie als Preis f�r mannigf�ltige K�mpfe gegeben, und gerade unter diesen soll sie ihre Gotteskraft beweisen. O, so st�rke mich denn, wie du unsere Vorfahren gest�rkt, da� ich dieses Kleinod wie meinen Augapfel bewahre und es auf die kommenden Geschlechter vererbe. La� seine Herrlichkeit immer mehr mir strahlen, und la� mich darin unabl�ssig f�r mich und f�r alle die Meinigen Leben und Licht, Trost und Frieden finden. Amen! Am Neujahrsfest (Rosch Haschana). Am Vorabend des Festes. 37. Herr, unver�nderlicher, ewiglebender Gott! sieh gnadenvoll nieder auf dein Kind, das kaum sich aufrecht zu erhalten vermag unter den wechselnden Gef�hlen, die es an diesem heiligen Abend �berw�ltigen, der das hingeschwundene Jahr von dem neuen trennt, welches sich aufzurollen beginnt. Denn erscheine ich mir doch fast selbst ein Wunder, wenn ich mir alles in Erinnerung zur�ckrufe, was mir in dem dahingeschwundenen Jahre widerfahren und begegnet: Freuden und Sorgen, Erquickungen und Bek�mmernisse, Leiden und Momente des Gl�cks. Ja, jede Stunde, jeder Augenblick gab das Zeugnis, da� du mich auf den Armen deiner Liebe tr�gst, da� deine Huld mich umschwebt. Und ach! wie wenig habe ich all dieser G�te entsprochen, wie oft verzagte ich, und wie oft strauchelte ich! Und sehe ich hin auf die vielen W�nsche und Erwartungen, die sich nun in meiner Brust regen, und die ich nun vor dir f�r die kommende Zeit aussprechen will, o Herr und Vater, wo soll ich da beginnen und wo enden? O du, der du den Gedanken kennst, ehe er noch ausgesprochen wird, du wei�t ja, wessen ich bedarf, und was zu meinem Wohle und dem Wohle der Meinen dienen kann. Darum empfehle ich mich deinem gn�digen Schutze und bitte nur um dieses: la� mich mit dem hingeschwundenen Jahre auch aller meiner S�nden ledig werden, und la� f�r mich ein Jahr beginnen, welches in Wahrheit ein neues ist, ein Jahr, in welchem ich mehr und mehr deine Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe erkenne, ein Jahr, das von Anfang bis zum Ende Zeugnis gebe von meinem eifrigen Streben, dir zu gefallen, und von meiner Hingebung an deine v�terliche Leitung. Und so will ich denn getrost das neue Jahr antreten, denn ich wei�, da� du, Allg�tiger, mir nahe bist, und da� du mein Gebet erh�rest. Amen! Neujahrstag. 38.�Lobsinge dem Herrn meine Seele und vergi� nicht, was er dir Gutes getan hat�, das ist mein erster Gedanke, mein erstes Gef�hl an diesem Tage. Und dieses Sinnen taucht nicht in meinem Innern auf, ohne da� meine ganze Seele sich zu der Bitte erhebt:�Mein Gott, vergib mir meine S�nden!� Denn ich wei� es gar wohl, da� ich alle Zeit vor deinem Angesichte stehe, und da� dein Auge mir folgt auf allen meinen Wegen. Aber heute, da ich so vieler Wohltaten mich erinnere, die du in einer langen Reihe von Tagen mir erwiesen hast, wie oft du meine Seele mit Freude erf�lltest, mir Stunden schenktest, in denen ich mich so gl�cklich f�hlte, wie oft du mir halfst bei meiner Arbeit, mich erfreutest durch den Anblick meiner Lieben, durch die Umgebung liebevoller Herzen und froher, freundlicher Gesichter, mich st�rktest in schweren Augenblicken, mich Trost und Linderung finden lie�est unter Schmerz und Sorge, ja mir so oft helfend zur Seite standest, mich, wenn die Versuchung mir nahte, und ich nahe daran war zu wanken, aufrecht hieltest in meiner Schw�che--heute mu� ich die Last aller meiner S�nden um vieles schwerer f�hlen, und all meine Schuld tritt mir vor die Seele. Jeder Tag, jede Stunde des verflossenen Jahres klagt mich ob meiner Vers�umnisse an; wie oft habe ich nicht meine Pflicht vergessen, meinen Beruf als Mensch, als Israelit! Heute, da ich nicht nur so viele deiner Wohltaten gegen mich vergessen habe, sondern auch so manchen s�ndigen Gedanken, so manche unrechte Tat, die ich mir habe zuschulden kommen lassen, heute f�hle ich es mit Furcht und Beben, da� ich von dir gerichtet werden soll, dir, dem Allwissenden, der all mein Tun und Lassen kennt, dem auch die verborgensten Gedanken meines Herzens offenbar sind und dessen Auge die Tat sieht, die keinen irdischen Zeugen hatte; o ja, heute erkenne ich vollkommen, wie ich all deiner G�te und Barmherzigkeit nicht wert gewesen bin. Und stehe ich nicht heute vor einer unbekannten Zukunft? Wie zahlreich sind meine W�nsche, wie mannigfaltig meine Hoffnungen, die ich an die kommenden Tage kn�pfe, und wie erbebe ich bei dem Gedanken, was sie vielleicht f�r mich oder f�r diejenigen in ihrem Scho�e bergen, die ich mehr noch liebe als mich selbst! O, wie konnte ich wohl der Zukunft vertrauensvoll entgegen sehen, wenn nicht deine Verzeihung mir w�rde auf meinem neuen Wege. O Allg�tiger! Nimm mich und die Meinen in deine treue Hut, la� deine Gnade mir leuchten in dem neuen Jahre, unterst�tze mich darin, da� ich das Gute �be, hilf mir, jede s�ndige Lust zu �berwinden. Halte fern von mir jede Versuchung, und wenn du mir K�mpfe auferlegst, so verleihe du mir auch die Kraft, siegreich aus ihnen hervorzugehen, und st�rke mich, Ha� und Neid, Rachsucht und der Sinne Lust zu bezwingen durch eine innige Liebe zu dir. Erneuere du selbst in mir das feste Vertrauen auf deine H�lfe, da� ich fest stehen m�ge im Glauben, und lehre mich, an jedem Tage mit neuen Liedern dir zu lobsingen, und deinen heiligen Namen zu preisen. Amen! 39.�Herr Gott, tausend Jahre sind ja vor dir, wie der Tag, der gestern vergangen ist, aber unsere Tage fahren dahin wie Rauch und verschwinden wie Schatten�,[29] und ehe wir es merken, stehen wir vor den Pforten der Ewigkeit. So haben wir, ich und die Meinen, heute wiederum ein Jahr zur�ckgelegt, wir stehen an der Schwelle eines neuen, und wir wissen nicht, wie viele unter uns am heutigen Tage vielleicht zum letzten Male die Neujahrssonne aufgehen sehen. O, mein Vater, ich habe so viele, die meinem Herzen wert und teuer sind, und denen ich so gerne noch eine Weile meine volle Liebe erweisen m�chte, o, erhalte du sie doch am Leben und schenke ihnen Freude und Segen! Erhalte am Leben (meine alten Eltern, meinen teuren Vater, meine geliebte Mutter, meinen guten treuen Gatten usw.) breite deine schirmende Hand aus �ber (meinen Gro�vater, meine Gro�mutter, meinen Bruder, meine Schwester, Geschwister, Wohlt�ter, Freunde usw.) O, himmlischer Vater, von ganzem Herzen bete ich auch zu dir f�r die, welche ich mit m�tterlicher Liebe umfasse: o, la� meine S�hne und T�chter leben, und la� dieses Jahr ihnen Gl�ck und Frieden bringen, f�hre du sie den richtigen Weg, da� auch meine Seele sich dar�ber freuen m�ge; verleihe du ihnen Kraft und Gesundheit; la� sie erzogen werden und aufwachsen in deiner Furcht und Erkenntnis, dir zum Wohlgefallen und den Menschen.--Allerbarmer! auch f�r mich wage ich zu beten, wie sehr ich auch erkenne, da� ich s�ndenbelastet bin. O, verleihe du mir St�rke! Solltest du in diesem Jahre meiner Seele gebieten, zu dir einzukehren, so la� sie dahinziehen in Frieden, ist es aber dein Wille, mir noch ein Lebensjahr zu schenken, so la� es zum Segen f�r mich werden. Ja, solltest du es mir verg�nnen, die Tage zu erleben, �da des Hauses W�chter erzittern, die St�tzen sich beugen und der Blick umdunkelt wird!�[30] �so verwirf mich nicht, mein Gott, in meinem hohen Alter und verla� mich nicht, wenn mein Haar grau wird und meine Kr�fte abnehmen!�[31] Und wenn die Freude an dieser Welt mir schwindet, so la� du die Freude an dir und die Sehnsucht nach deinem Himmel um so st�rker in meinem Innern werden. Ach Herr! st�rke mich, da� weder Gl�ck noch Ungl�ck, weder Freud noch Leid mich von dir entfernen m�ge, da� alles dazu diene, mich meiner Vollendung n�her zu bringen, und da� auch ich dereinst ein freundliches Andenken hinterlassen m�ge, und mein Ged�chtnis in Segen bleibe. Amen! [Fu�note 29: Ps. 90.] Beim Schofarblasen. 40. Dir, o allm�chtiger und liebreicher Gott, will ich huldigen als dem K�nig der Welt! Deshalb ruft mich heute Schofars (der Posaunen) Schall auf zum Kampfe wider den Feind, der in meiner eignen Brust hauset, siehe, alle die verflossenen Zeiten mit ihren denkw�rdigen Begebenheiten ziehen an meiner Seele vor�ber, indem mein Ohr auf diese T�ne lauscht. Im Geiste sehe ich des Widders Horn vom Geb�sch festgehalten, mich daran erinnernd, wie jener Patriarch die schwere Pr�fung bestanden. Ach Herr, wie oft seufzte ich doch, selbst bei dem Geringsten das mich heimsuchte; wie werde ich bestehen, wenn du beschlossen haben solltest, meine Treue auf gleiche Art zu pr�fen? Und im Geiste h�re ich gleichsam das Wort des Bundes, wie es verk�ndigt wird unter Posaunenschall, und ich erbebe; denn mit zerknirschtem Herzen mu� ich es bekennen: Ich habe deinen heiligen Bund nicht gehalten. Es ist mir, als ob der Propheten gewaltige Stimme, ihre Warnungsrufe und Ermahnungen, ihre Predigt zur Bu�e und Umkehr und die Verk�ndigung des mahnenden Gerichts in dieser Stunde an mein Ohr dringe, und ich erbebe. O Ewiger! la� diese T�ne mich aus meinem Schlummer wecken, la� sie mich mit Reue erf�llen �ber die Tage der Vergangenheit, welche ich nicht f�r das ewige Leben benutzt habe, aber auch zugleich mit dem Trost, da� du als ein huldreicher Herr mit Erbarmen auf deinen bu�fertigen Diener herabschauen, und da� du, ein g�tiger Vater, dein reuiges Kind in Liebe wieder zu Gnaden aufnehmen wirst. St�rke mich in der Pr�fungszeit, la� mich widerstehen allen Versuchungen der Welt, la� mich siegen �ber die s�ndige Lust und verachten den Spott der Ungl�ubigen. Ja, la� diese Stunde gnadenbringend sein f�r mein Herz und meine Seele, da� ich von dieser Zeit an wandern m�ge in dem Lichte deines Angesichtes. Amen! [Fu�note 30: Koheleth 12, 3. ff.] [Fu�note 31: Ps. 71. 9.] Am gro�en Vers�hnungsfeste (Jom hakippurim). Zu Anfang des Abendgottesdienstes (Kol nidre). 41. Barmherziger Vater! Wie erbebt mein Herz, wie zittert meine Seele, da ich mich dir an diesem heiligen Abend nahe, da des Himmels Tore sich vor dem bu�fertigen S�nder, der um Vers�hnung bittet, auftun. So will ich denn mit all meinen Gedanken dich suchen und bei dir weilen, und mit aufrichtigen Worten der Reue deine Verzeihung mir erflehen. Ach Herr! Treten nicht meine Gedanken und Reden vor deinem Richterstuhle wider mich auf? Wer verm�chte alle s�ndigen Gedanken z�hlen, die in meiner Seele aufgestiegen; und wie oft hatten nicht unlautere, habs�chtige, rachgierige W�nsche und Begierden in meiner Brust sich geregt! Es tauchen verlangende Gedanken in meinem Herzen auf, vor denen ich selbst erschrecken mu�, und doch habe ich ihnen damals Raum gegeben, anstatt sie zu verscheuchen, und habe so oft meine Seele mit ihnen befleckt!--Herr! Herr! Wie k�nnte ich wohl ohne Err�ten meine Gedanken jetzt zu dir erheben, und wie darf ich es wagen, meine Lippen jetzt zum Gebet zu �ffnen, da ich doch wei�, wie oft dieselben Lippen sich schon zur Schmeichelei oder zum Spott, zu Verleumdung, Hohn und Kr�nkung �ffneten! O ewiger Richter! Ich habe leichtsinnige, zweideutige, heuchlerische, falsche, verf�hrerische und unlautere Worte geredet, Worte die dich und dein Gesetz schm�hten! Ich habe un�berlegt Versprechungen gemacht, die ich nicht gehalten habe! Ach ich erinnere mich in dieser Stunde nicht nur der leeren Versprechungen, die ich meinen N�chsten gegeben, sondern ich denke auch daran, wie oft ich gelobt habe, mein Leben dir, mein Gott, zu weihen, und in Zucht und Rechtschaffenheit vor dir zu wandeln, wie oft ich gelobt habe, deine Gebote zu halten, und mich und mein ganzes Wirken zu heiligen, und da� ich, ach, nicht minder oft mein Gel�bde dir gebrochen habe! Darf da derselbe Mund nun wagen, um Gnade zu bitten, der so oft die Sprache, die Gabe deiner Gnade mi�braucht hat? Ach, ich will an die Pforte deiner Gnade anpochen und um Eingang flehen, und sieh! die Schl�ssel, welche du mir gabst, des Himmels Tore mir zu �ffnen, und mir den Weg zu dir zu bahnen: �Gedanken und Worte�, die treten anklagend wider mich auf. O! so vergib mir vor allen Dingen, was ich bis auf diese Stunde in Gedanken und Worten ges�ndigt! Sieh, Allg�tiger, die tiefe Trauer, welche mich ergreift, und verbirg die Menge meiner S�nden unter dem Mantel deines Erbarmens: reinige meine Seele von unlauteren Gedanken und la� die Glut der Andacht hier in deinem Heiligtum alles Unlautere meines Geistes verzehren! La� meines Herzens Angst und Reue �eine gl�hende Kohle von deinem heiligen Altar� sein, die meinen Mund ber�hrt, w�hrend mich deine Zusage tr�stet:�Siehe! diese hat deine Lippen ber�hrt, dein Vergehen ist getilgt, und deine S�nde soll ges�hnt sein!�[32] Vergib mir jedes �bereilte Wort, das ich gesagt habe, und lehre mich von dieser Stunde an, meine lose Zunge z�geln; vergib mir die unbedachten Versprechungen, die ich gegeben habe, und erf�lle mich mit der Gewi�heit, da� du ein huldvoller Vater bist, der seinen Kindern gerne vergibt. Ja la� mich dir danken, da� du mich diesen Tag hast erleben lassen, und la� mich ihn vom Abend bis zum Abend dazu benutzen, durch Gebet und Bu�e in innerliche Gemeinschaft mit dir zu treten. Amen! Zum Morgengottesdienst (Schacharis). 42.�Herr! Herr! allm�chtiger, barmherziger und gn�diger Gott, langm�tiger und von gro�er G�te und Treue, der die Liebe bewahrt bis ins tausendste Geschlecht, �bertretungen und S�nden vergibt und doch nichts ungestraft l��t!�[33] Du unersch�pflicher Quell der Gnade! ich beuge mich vor dir in den Staub und bete deinen Namen mit unendlichem Danke an, denn du hast mir diesen Tag zur Rettung meiner Seele geschenkt. Was w�re ich doch, und wie sollte ich die schwere B�rde aller meiner S�nden tragen k�nnen, wenn du nicht diesen heiligen Tag dazu bestimmt h�ttest, sie von mir zu nehmen, von meinen �bertretungen mich zu reinigen und meine Schuld zu s�hnen, oder wie k�nnte ich mich davor retten, tiefer und tiefer zu sinken, wenn ich nicht durch Fasten, Gebet und Bu�e am heutigen Tage an alle meine S�ndenschuld erinnert w�rde, und deine liebende Vaterstimme mich heute nicht von meinem Irrweg zur�ckriefe und mir den Tag des Gerichts vor Augen stellte, der einst f�r jeden Sterblichen erscheinen wird, aber mir auch zugleich wiederum deine Gnade zeigte, die gerne verzeiht und mir zuruft, da� ich, �dich suchen und leben soll�. Wohl wei� ich, o Gott, da� du stets alle meine Wege schaust, und da� deine Stimme mich ohne Unterla� zu warnen sucht, aber das ist ja gerade mein Vergehen, da� ich darauf nicht achte. Ja gewi�, meiner S�nden Menge w�rde zuletzt allen Frieden und jegliche Ruhe aus meiner Brust verjagen, sie w�rde mich tiefer und tiefer ins Verderben st�rzen und niemals zur Pr�fung meiner selbst kommen lassen, wenn du nicht diesen gro�en Sabbat[34] eingesetzt h�ttest, der meiner Seele den heiligsten Frieden und die seligste Ruhe verschaffen soll. Siehe, indem ich diesen heiligen Tag in deinem Heiligtum zubringe, so werde ich daran erinnert, da� ich selbst heilig sein soll, denn du, o Gott, bist heilig und in deinem Lichte soll ich mich, meinen Sinn und meinen Wandel l�utern.--Ach, Herr, wenn ich alle meine Vers�ndigungen bekennen wollte, wo sollte ich da anfangen und wo aufh�ren? O! so oft ich an diesem Tage mit der Gemeinde das S�ndenbekenntnis (Viduj) widerhole, so la� mich tief in das Innere meines Herzens schauen und mich selbst pr�fen, ob die S�nden mich nicht in ihr Garn gelockt haben. La� mich untersuchen, ob ich auch unverr�ckbar ein sittlich heiliges Ziel bei all meinem Tun und Handeln vor Augen habe, das ich vor den Menschen dereinst zeigen und mir selber auch gegen�ber stellen darf, wenn ich im Gebete vor deinem Angesicht stehe. Schaue gn�dig auf die Tr�nen meiner Reue herab, und la� die Zerknirschung meines Herzens dir ein angenehmes S�hnopfer sein. Schenke mir deine Verzeihung f�r jedes Mal, da� ich meine Pflicht als Mensch (als Mutter, Tochter, Schwester, Verwandte usw.), als Israelitin vers�umt habe, vergib mir, da� ich so oft die Menschen mehr als dich gef�rchtet habe, verzeihe mir, da� ich rasch zur Lust der Welt und z�gernd zu deinem Dienste, da� ich eifrig zum Schlechten und langsam zum Guten, verschwenderisch f�r den Genu� und geizig f�r Wohltaten gewesen bin. Gerechter Gott! Verfahre nicht mit mir nach meinen S�nden, sondern nach deiner gro�en Barmherzigkeit welche gern vergibt. Ja, erbarme dich �ber mich und hilf mir in deiner Liebe, da� ich an diesem Tage der Vers�hnung von neuem geheiligt werde; f�hre du mich selbst zur�ck auf deinem Wege, da� ich zum Guten und zur Wahrheit Umkehr halten m�ge, denn du bist Herr, mein Gott. Amen! [Fu�note 32: Jesaias, Kap. 6.] [Fu�note 33: 2. Buch Mosis, 34, 6. ff.] [Fu�note 34: Schabbos Schabbo�aun.] Beim Mittagsgebet (Mussaph). 43. Je l�nger ich heute in deinem Haus verweile, Allheiliger, je mehr ich mich selbst betrachte, indem die Quelle jeder Sinneslust gehemmt ist, und das Brausen der Leidenschaften in meiner Brust erstirbt, je klarer ich mir bewu�t werde, da� ich hier vor deinem ewigen Richterstuhle stehe, wo nicht nur die S�nden, welche alle Welt sieht und verurteilt, mir vorgehalten werden, sondern wo eine jede s�ndige Neigung, jede gottlose Begierde, jedes unn�tze Wort, ja selbst die geringste Vers�umnis in der Aus�bung des Guten, die ich mir habe zu schulden kommen lassen, als Zeugen gegen mich auftreten, mich ohne Schonung vor dich zu Gericht bringen, dem alles offenbar ist, und mich meiner Selbstt�uschung entrei�en, die meinen Geist sonst gefangen h�lt, um so mehr mu� ich wieder und wieder dein Erbarmen anflehen: O, vergib, vergib mir, Allbarmherziger, wende mir deine Gnade wieder zu, da� ich in meinen S�nden nicht verderben mu�! Aber darf ich mein Angesicht wohl zu dir erheben und deine Verzeihung mir erflehen, so lange noch die Stimme eines gekr�nkten Bruders meine Stimme �bert�nt, und so lange dies mein Herz noch nicht erf�llt ist mit �der Liebe, welche alle Vergehen zudeckt�?[35] �ber wie manchen habe ich nicht in Blindheit und Leidenschaft ein ungerechtes Urteil gef�llt, wie oft habe ich meines N�chsten Absicht verkannt, wie oft ihm feindlich entgegengestrebt! Herr! soweit ich meiner eigenen Lieblosigkeit S�nde kenne, will ich mich bestreben das Meinige zu tun, um meines Bruders, meiner Schwester Verzeihung zu erlangen, aber, ach, wie viel habe ich nicht vergessen, wie manche sind nicht von mir geschieden, ohne da� ich damals ihre Verzeihung erhielt oder sie jetzt noch erhalten k�nnte. So la� mich denn vor deinem Angesicht f�r mein Vergehen, das ich gegen diese begangen habe, Abbitte tun. Dein ewiger Geist, der in ihnen wirkt, tilge meine Schuld in ihrem Andenken. Und mich, o Herr, mich erf�lle du mit dem reinen Geiste der Vers�hnung. O, ich will allen Groll und allen Ha� aus meiner Seele ausmerzen! Ich will jede Kr�nkung f�r nicht geschehen erachten und jedes Versehen gegen mich verzeihen, und wenn jemand auch noch so schlecht gegen mich und die Meinigen gehandelt h�tte, und wer versucht hat, mir zu schaden und meine Ehre zu beflecken, ja, Herr, selbst meinem Todfeinde, ich will ihnen allen verzeihen, und sollte es mir schwer fallen, so will ich mich daran erinnern, da� gegen mich sich doch keiner so schwer vergangen hat, als ich mich gegen dich, Allg�tiger, vers�ndigt habe, und da� ich doch auf deine Verzeihung hoffe, weil du meine Schw�che kennst, und will mir ins Bewu�tsein rufen, da� meines Bruders Versehen gegen mich auch aus derselben Quelle der Schw�che und des b�sen Willens flie�en. Ich will eingedenk sein dessen, was unsere Weisen sagen, da� wir von dir mit demselben Ma� gemessen werden, mit dem wir andere messen und andere richten, und da�[36] des Menschen sch�nster Schmuck darin besteht, alle Verschuldung zu �bersehen und zu vergessen!--O gnadenreicher Richter! so schaue denn herab auf meine Seele, die erf�llt ist mit Gef�hlen der Vergebung, in der ein himmlischer Friede wohnt, den kein bitteres Gef�hl gegen irgend einen Menschen mehr st�rt! Erh�re du auch meine Bitte um Vergebung meiner S�nden und erf�lle meinen Geist mit der beseligenden Verk�ndigung: �Heute sollen deine �bertretungen getilgt werden und du sollst rein sein von allen deinen S�nden wider den Ewigen.�[37] Mit diesem Trost will ich mich heute vor dir in den Staub niederwerfen, vor dir, der du selbst verzeihst und gerne die Vergehen tilgst. Amen! [Fu�note 35: Spr. Sal. 10, 13.] Beim Nachmittagsgebet (Mincha[38]). 44. Hilf, o Ewiger, denn der Frommen Anzahl ist geschwunden und der Gl�ubigen sind wenig, erh�re mein Gebet f�r die S�nder, welche frech ihr Haupt erheben, und vergib die schweren �bertretungen, die so zahlreich und h�ufig sind. Ach, der Himmel umdunkelt sich vor meinen Blicken, wenn ich daran denke, wie schamlos Wollust und Unm��igkeit auftreten und die jungen Seelen bestricken, wie sie die sch�nsten Verh�ltnisse vergiften, das Wohl der Familien untergraben und so manche den wilden, unm��igen L�sten zum Opfer fallen lassen, w�hrend sie zugleich ihre Laster unter besch�nigenden Namen verbergen, oder wenn ich an den Trotz gedenke, mit dem man deine Gebote �bertritt, dein mildes himmlisches Joch verh�hnt, ja sich sogar r�hmt, es abgeworfen, und daf�r das Joch auf sich genommen zu haben, welches die Welt in ihrer Verderbnis geschmiedet hat! O du, mein Gott, dessen Barmherzigkeit kein Ende nimmt, ich bitte dich: Vergib meinen Br�dern ihren Abfall und ihre Schuld, gehe nicht mit ihnen ins Gericht und strafe uns nicht in deinem Zorn um ihrer �bertretung willen! Und doch, darf ich wohl eine F�rbitte f�r die S�nder zu dir emporsenden, ohne da� mich mein eigenes Gewissen als Teilnehmer an ihren Vergehen anklagt? Wie oft bin ich es vielleicht gewesen, der Veranlassung zum S�ndigen gab, oder habe ich stets hinreichend meine Abscheu vor dem Laster zu erkennen gegeben und all den Kummer sehen lassen, von dem ich ergriffen wurde, wenn die S�nde ohne Err�ten auftrat? War meine Betr�bnis nicht viel gr��er �ber den geringsten Verlust an zeitlichen G�tern, als dar�ber, da� sich die Frechheit und die Ruchlosigkeit meinen Blicken darstellten, oder da� ich sah, wie eine Menschenseele verloren ging! Entflammte mein Zorn nicht weit mehr �ber die geringste Beleidigung, die mir widerfuhr, als wenn ich Zeuge war, wie dein Name und dein Haus entweiht wurden! Ach, Herr, �flossen Tr�nenstr�me aus meinen Augen, weil deine Gesetze nicht beobachtet wurden? Wurde ich von Kummer verzehrt, weil deine Worte vergessen wurden?[39] Habe ich freim�tig dich und deine Lehre bekannt, wenn der Gottlosen Hohn mich mit Schmerz erf�llte?� O, es ist so schwer, ohne Fehler zu wandeln, selbst wenn auch der Edlen und Heiligen Beispiel mir stets voranleuchtet, wenn meine Augen jederzeit sehen, allenthalben, was dir verha�t ist, und mein Ohr best�ndig h�rt, was Sinne und Gedanken irreleitet und st�rt. O du, �der du dich �ber uns erbarmest, wie ein Vater �ber seine Kinder�, la� deine Gnade gro� sein gegen die s�ndige Welt und hilf mir, mit Sorgfalt alles zu vermeiden, was mir zu einer Schlinge werden k�nnte. Errette mich bei den ernsten und heiligen Erinnerungen dieses Tages, o Herr, errette auch (meine Kinder, meine Angeh�rigen, meine Verwandten und Freunde, meine Dienstboten), da� kein s�ndiger Umgang sie von dir entfernen m�ge.�L�utere mich, o Allg�tiger, erforsche mein Herz, pr�fe meine Gedanken, sieh, ob der Weg, den ich wandle, zum Verderben, f�hrt, und leite mich auf den Weg zur Ewigkeit!�[40] M�chten alle S�nder bedenken, wie nahe ihnen ihr Ende ist, wie bald das Leben ihnen verronnen, da� sie zur Zerknirschung gef�hrt werden und zu dir umkehren m�chten.�Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, sondern la� mich deiner Gnade wieder froh werden, und schenke mir einen neuen und willigen Geist, da� ich den �bertretern deine Wege kund tue, und die S�nder sich zu dir bekehren m�chten.�[41] [Fu�note 36: Spr. Sal. 19. 11.] [Fu�note 37: 3. B. M. 16, 30.] [Fu�note 38: Nach dem Thora-Lesen, 3 B. Mos. 18] [Fu�note 39: Ps. 119, 139.] [Fu�note 40: Ps. 139, 23.] [Fu�note 41: Ps. 51.] Zum Schlu�gebet (Ne�lah). 45. Vater, barmherziger Vater im Himmel! Es ist die letzte Stunde des heiligen Tages, welche jetzt naht. O, da� doch meine ganze Seele in diesem Augenblick sich von der Erde hin zu dir erheben m�chte, als ob des Lebens letzte Stunde mir erschienen sei. Mit Gebet und Bu�e habe ich nun heute die Gel�ste und Begierden meines Leibes besiegt, und doch, wie leicht ist nicht die Sehnsucht nach des Lebens Lust selbst mitten in meiner Andacht bei mir wach geworden, und selbst w�hrend ich reuevoll meine S�nden bekannte, konnte das Verlangen nach ihnen in meiner Brust nicht erstickt werden; ja, ja, vielleicht hat mich sogar der Wunsch erf�llt, da� dieser Tag schon �berstanden sein m�chte, gerade als ob dieser Tag an sich durch Fasten und Bu�e mir Abla� f�r meine S�nden verschaffen k�nnte, und als ob ich alsdann frei wieder den Weg meiner alten Verirrungen betreten k�nnte, wenn er geendet habe. O, la� mich deshalb noch einmal aus allen meinen Kr�ften meine Gedanken und mein Inneres l�utern, und la� meine hei�en Tr�nen die Aufrichtigkeit meiner Reue bezeugen und dir ein angenehmes S�hnopfer sein, mit dem ich meines Herzens Gel�bde besiegele, da� ich dich stets vor Augen haben will, und da� die Erinnerung an diesen Tag mit unverl�schbarer Schrift in die Tafeln meines Herzens eingegraben und mir nahe sein soll in jeder Stunde der Versuchung.--Herr! Z�rne mir nicht, da� ich noch dieses letzte Mal zu dir bete; die Schatten des Abends breiten sich schon aus, und die dunklen Schatten meiner S�nden verfolgen mich; ich will sie verjagen und noch einmal meine Schuld bekennen, ich will an die T�re deiner Gnade anklopfen und deinen Namen anrufen, du einziger, ewiglebender Gott! Ich will mich unter dieser Anrufung dir heiligen mit Leib und Seele, und ich gelobe feierlichst, mich selbst in Liebe zu opfern. O, la� mich deiner Gnade Stimme vernehmen:�Ich, ich selbst tilge deine �bertretungen und will deine S�nden vergessen�[42] O la� meine Seele beim Ende dieses Tages mit heiliger Freude erf�llt sein, da� sie jubeln k�nne:�Selig, selig ist der, dem seine �bertretung vergeben und dessen S�nde getilgt ist! Selig ist der Mensch, dem der Herr seine Schuld nicht anrechnet, und selig der Geist, den der Herr von der Last seiner S�nden befreit hat!�[43]--Ja, la� meine erl�ste Seele deinen Namen in alle Ewigkeit lobpreisen, du, mein Herr und mein Gott. Amen! Am Laubh�ttenfest (Succoth). 46. Herrscher der Welt, der du die Liebe bist! Heute erinnere ich mich, wie wunderbar du unsere V�ter durch die W�ste f�hrtest, da du sie in H�tten wohnen lie�est, und vertrauensvoll rufe ich aus:�Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln�[44] O, Dank sei dir gebracht, da� du mir dieses Freudenfest verliehen hast, das mich jedes Jahr in der Zuversicht best�rken soll, niemals vor der unbekannten Zukunft mich zu �ngstigen, und niemals mich von den mannigfachen Sorgen �berw�ltigen zu lassen, die ja oft in den Menschenherzen auftauchen. Denn meine H�tte ist in deinem Namen erbaut, und wenn ich auch jetzt nichts s�he als die �de Wildnis, so wei� ich doch, da� du dein Manna herniederfallen lassen kannst, da� du mir alles, dessen ich bedarf, verleihen und da� du deinen Schatten ausbreiten kannst �ber meine Wohnung. Und, wenn auch St�rme tosen und sie umzust�rzen drohen, so will ich doch mit frohem Mute durch die W�lbung der Laubh�tte zu deinem Himmel aufschauen, der seine Strahlen in meine Wohnung hernieder sendet und ich will mein Vertrauen auf dich setzen, der gerade unter den brausenden St�rmen die Saaten reifen l��t und den B�umen die Kraft gibt, Frucht zu tragen, und der da will, da� auch der innere Mensch unter den St�rmen der Geschicke und der Zeit reifen und Kraft gewinnen soll, edle Frucht zu tragen. Aber auch daran will ich heute denken, da� gerade dieses Fest dazu eingesetzt ist, mich an die Pflicht zu erinnern, auch eine geb�hrende Sorge f�r meinen K�rper zu hegen, und ich will froh sein, da� ich mich zu einem Glauben bekenne, der nicht von mir fordert, da� ich mein Fleisch mit selbstverursachten Martern peinige oder mir jede Freude versage, die du auf meinem Wege mir erbl�hen l��t, noch da� ich ganz der Welt entsagen und abgeschieden von ihr leben soll; nein, vielmehr einen Glauben, der gerade will und mich durch diese Feier dazu auffordert, da� ich die Freuden der Erde mit meinen Verwandten und Freunden genie�en soll und mich �freuen all des Guten, das du mir gegeben hast�, so da� jeder sinnliche Genu� dadurch geheiligt wird, da� er in dir genossen wird und so, da� ich mich selber bei allem, was meinen Leib erquickt und freut, in deinem Dienste f�hle, als einer, der dein heiliges Gebot erf�llt. So gib denn du, mein Gott, da� so selbst jede irdische Lust, die du mir bereitest, mich dir n�her f�hren und da� ich, indem mein Vertrauen auf dich gekr�ftigt wird, erfahren m�ge, da߻wer auf dich baut, mit Gnade umgeben werden und sein Haus und seine H�tte in Frieden stehen soll�.[45] Amen! [Fu�note 42: Jes. 43, 25.] [Fu�note 43: Ps. 32.] [Fu�note 44: Ps. 23, 1.] [Fu�note 45: Ps. 32, 10.] Am Laubh�ttenfest als Erntefest.[46] 47. Ewiger, der du sowohl in der H�he als in der Tiefe die verborgenen Quellen �ffnest und aus unersch�pflicher F�lle Segen niederstr�men l��t �ber alle Gesch�pfe, dir bringen jetzt alle ihren Dank, weil ihre Vorratskammern wiederum gef�llt sind,--wie k�nnte ich da allein schweigen? Sollte ich dir meinen Dank nicht bringen, der du deine milde Hand aufgetan und allem, was lebt, seine Nahrung gegeben hast? Nein, und wenn auch alle Welt schwiege, ich m��te doch in dieser Stunde die Stimme meiner Dankbarkeit erheben, denn du hast ja selber dieses Fest in deiner G�te dazu geweiht, da� es in der Brust des Israeliten die Stimme des Dankes wecken soll, auf da�, wie unsere V�ter in der W�ste jeden Tag der Woche, so auch wir jetzt zu diesen festlichen Stunden erkennen, da� das Brot vom Himmel kommt, und da� wir nicht sein sollen wie diejenigen, welche �ber die Gabe den allg�tigen Geber vergessen. Und kann ich auch nicht wie der Landmann zur Erntezeit, in meine Scheuern gehen, um den reichen Segen zu sehen, so hast du doch mir und den Meinen eine nicht minder reiche Ernte verliehen. Die Tat, welche ich vollf�hre, der Beruf, den ich erf�lle, das ist ja der Acker, den ich pfl�ge und bes�e, und wie reich hast du mich ernten lassen! Und h�tte ich auch nur wenig geerntet, flossen auch die Quellen der Nahrung nur sp�rlich, so ist doch selbst dieses Geringe eine unverdiente Gabe aus deiner Hand. Aufs neue wird mir die Gewi�heit, da� du deinen Bund h�ltst, �da� Saat und Ernte niemals aufh�ren und der Flei�ige gesegnet werden soll.� Wieder habe ich tausende von Erquickungen empfangen, und jede einzelne von ihnen lehrte mich, da�, �wenn auch junge L�wen schmachten und hungern, so soll doch denen, die dich von ganzem Herzen suchen, nichts Gutes mangeln�.[47] So will ich mich denn heute in diesem Troste freuen, und ich will meine Freude erh�hen, indem ich Freude nah und fern verbreite, und meinen Dank will ich dir dadurch beweisen, da� ich jedem meiner Br�der und jeder meiner Schwestern mit freundlichem Angesicht, mit mildem, wohlt�tigem Sinn entgegenkommen will, da� auch ihr Dank f�r alles, womit du uns gesegnet hast, zu dir aufsteige. Nun bitte ich dich, allen sch�ne, festliche Tage zu bereiten, ich bitte dich, Frieden und Freude �ber mich und mein Haus auszubreiten, da� es von deinem Lob best�ndig widerhallen m�ge. Geheiliget sei dein Name! Amen! [Fu�note 46: Einsammlungsfest 2. Mos. 23, 16, 34. 22.--5. Mos. 16, 13.] 48. Dir danke ich, o mein Gott, da� dein Name nahe ist, und da�, der du deine hohe Wohnung dir im Himmel erbaut hast, du auch deinen Bund auf Erden gegr�ndet und deine H�tte unter den Kindern der Menschen aufgeschlagen hast, da� auch mein Leben in der Gemeinschaft der Frommen geheiligt wird. Denn heute ist es ja das Fest, welches du dereinst angeordnet hast, um dem gemeinsamen Leben der Gl�ubigen Nahrung zu geben, und noch jetzt ist es diesem Zweck geweiht; und wie vormals alle diejenigen an ihm vereinigt wurden, welche in zahlreichen Scharen zur heiligen Stadt hinzogen, deinen Namen zu preisen und deiner Lehre zu lauschen, auf da� sie neu belebt w�rden und mit des Glaubens heiligen Gaben in ihre H�user heimkehrten, also umschlingt dasselbe Fest noch immer mit einem heiligen Band alle diejenigen, die �ber die weite Erde zerstreut und zersplittert sind, aber eine geistige Gemeinschaft sich bewahrt haben. Es verbindet uns alle als Br�der im Glauben, die wenig Begabten mit den an Kenntnis Reichen, und die, welche durch ihre frommen und edlen Handlungen sich einen Namen und guten Ruf erworben haben, mit denen, die nur wenig vollf�hrt, aber doch zur Gr�ndung des Himmelreiches auf Erden mitgewirkt haben, wenn sie nur treu geblieben sind und sich dem heiligen Bund von ganzem Herzen angeschlossen haben. Es sind ja nicht nur die M�chtigen und Gro�en, die hie und da nur sp�rlich zu finden sind, durch welche die Aufgabe, die du deinem Volke gestellt hast, erf�llt werden soll; auch nicht allein diejenigen, welche die Menschen dazu bestellt haben, deinen Weinberg zu h�ten und zu pflegen, nein, es sind auch diejenigen, welche mit geringen Kr�ften Stein auf Stein zu dem heiligen Bau tragen, die Geringen, welche in einf�ltiger Fr�mmigkeit das Ihrige zu seinem Wachstum beitragen, und �berall sich finden, wo der Lebensstrom deiner Lehre flie�t, gleich der unansehnlichen Weide, die an jedem Strom w�chst und die ganze Erde ziert, w�hrend die Palme nur ein Schmuck der s�dlichen L�nder ist. O Gott, la� auch mich ein lebendiges Glied in diesem Bunde sein, mich, der ich mit ganzem Herzen mich deiner Gemeinde anschlie�e; und kann ich auch nichts Gro�es wirken, so erf�lle mich doch mit der freudigen Gewi�heit, da� selbst durch das Wenige, welches ich beizutragen vermag, das Ganze und Gro�e auch gef�rdert werde. St�rke mich in dem Vorsatz, mit Bereitwilligkeit mein Scherflein f�r alles zu geben, was zum Bedarf der Gemeinde sowohl, wie deines Hauses dient, und f�r alles, was die Gemeinschaft mit dir f�rdert. Und Herr, mit Sorgfalt will ich alles vermeiden, was Zwistigkeit erregen k�nnte, und was dazu dienen m�chte, das Band zu l�sen, welches uns alle in einem Gedanken und in einem Sinne vereinen soll. La� nun dieses Fest �ber mich und die Meinigen seine erquickenden Schatten breiten, da� ich von seiner Freude ges�ttigt werde, als von dem Vorgeschmack der Seligkeit. Amen! [Fu�note 47: Ps. 31, 11.] Am Schlu�feste (Schemini Azeres). 49. Ewiger Gott! Das Fest und die Natur vereinen sich, um mir zu predigen;�Alles ist eitel, alles ist ganz eitel!�[48] Wohin ich jetzt meine Blicke wende, �berall in der Natur treten mir die Zeichen der Verg�nglichkeit entgegen. Die Sch�nheit der Ebene ist geschwunden, der Schmuck der Fluren ist dahingewelkt, auf d�rre, welke Bl�tter tritt mein Fu�, und ich f�hle mich tief von dem Gedanken ergriffen:�Des Menschen Leben ist wie Gras, er bl�ht wie eine Blume des Feldes, ein Wind f�hrt dar�ber hin und sie ist nicht mehr und ihre St�tte kennt man nicht l�nger;�[49] bald welkt die Sch�nheit des Lebens dahin, ach, gar bald werde ich dastehen wie ein entlaubter Baum, von dem Blatt nach Blatt herunterf�llt. Und wird mir nicht dasselbe von diesem heiligen Schlu�fest gepredigt, das mich daran erinnern soll, wie bald meine Tage zu Ende sind und mein Tagewerk abgeschlossen werden soll? Noch einmal will ich mich in dir und vor deinem Angesichte freuen, o Ewiger, und in meiner Seele alle die beseligenden Eindr�cke sammeln, welche diese vielen Festtage auf mich gemacht haben, und ich will mich h�ten, da� ich nichts von der mir noch verg�nnten Zeit verliere. So will ich mich denn beeilen, ehe des Lebens Winter herannaht und die Kr�fte mir versagen, das zu vollf�hren, wozu ich berufen worden bin, und ich will die wenigen Tage, welche mir zugemessen sind, noch mehr dazu benutzen, ein Leben zu f�hren, dir angenehm und den Menschen segenbringend. Mein himmlischer Vater! Nimm das Opfer meines Herzens gn�dig an, das fromme Gel�bde, da� ich in dem Verg�nglichen das Ewige erfassen will, damit ich einst, wenn du mich rufst, ein Schlu�fest bei dir in Seligkeit und ewiger Freude feiern m�ge. Amen! [Fu�note 48: Prediger Sal. 1, 2.] [Fu�note 49: Ps. 103, 15-16.] Am Freudenfeste �ber die Thora (Simchas Thora). 50.�Das Gras verdorrt und die Blumen welken dahin, aber dein Wort, o Gott, bleibt in alle Ewigkeit.�[50] Das ist mein Freudenruf, mein Psalm, mein Lobgesang, mit dem ich mich dir am heutigen Tage, an dem Israel die heilige Thora beendigt und von neuem wieder beginnt, nahe. Alles Irdische vergeht, nur dein Wort besteht in Ewigkeit, und die, welche es uns verk�ndigt haben, leben ewig in unserer Erinnerung. Das flammende Wort, welches Moses Lippen entstr�mte, ist die unverg�ngliche Richtschnur unseres Lebens, ein ewiges, das aller Zeiten St�rme doch nicht zu vernichten vermochten. O Vater, ich danke dir, da� dieses Wort des Lebens noch mein Eigentum ist, und da� ich es rein und unverf�lscht besitze, wie es urspr�nglich lautete. Ich danke dir, da� du mir den Zugang zu demselben er�ffnet hast, ja, du hast es ja einem jeden Israeliten zur Pflicht gemacht, sich recht vertraut damit zu machen, in seine Tiefen einzudringen und Leben und Geist daraus zu sch�pfen, die Wahrheit darin zu suchen, zur Liebe dadurch erw�rmt zu werden, und Trost und selige Hoffnung darin zu finden. Ich danke dir, da� du in den 24 B�chern der heiligen Schrift (Thora, Nebiim und Kethubim) auch mir die reine Quelle des Lebens f�r alle Zeiten und Geschlechter hast str�men lassen. Und indem ich dir f�r deine geschriebene Lehre danke, sende ich auch meinen Dank f�r die m�ndliche zu dir empor, welche uns den Inhalt der Schrift erst verstehen und richtig erfassen l��t. O, mein Gott, wie oft habe ich nicht dieses dein Wort gering geachtet, wie oft eine Gelegenheit vers�umt, darin belehrt zu werden oder die Zeit verschlafen, da ich seiner Verk�ndigung lauschen sollte, w�hrend ich meine beste Zeit f�r Schriften vergeudete, welche den Geist beflecken und Herz wie Sinn verderben! O lehre du selbst mich den Schatz h�ten, den du mir geschenkt hast, da� ich in Zukunft m�chte sagen k�nnen:�Ich hasse Fabel und Tand, aber ich liebe deine Lehre!�[51] Die langen Winterabende will ich dir weihen, indem ich bei deinem heiligen Wort verweile, ich will aufmerken auf die m�ndlichen Auslegungen desselben und dahin eilen, wo ich es in lebendiger Verk�ndigung h�ren kann, da� meine Seele errettet werde.[52] Ich will ein waches Auge �ber alle die Meinigen haben, da� sie nicht die giftigen B�cher lesen, welche ihre Gedanken beflecken und will sie den Wert deines Wortes erkennen lassen, welches uns von dem Irdischen zum Himmlischen emporhebt. Nun breite du deinen Frieden �ber mich und die Meinigen aus, den Frieden, welcher denen versprochen ist, die dein Wort lieben, da� ich niemals straucheln m�ge und meine Seele in dir lebe und dich in alle Ewigkeit preise.[53] Amen! [Fu�note 50: Jes. 40, 8.] [Fu�note 51: Ps. 119, 113, 163.] [Fu�note 52: Jes. 55, 3.] [Fu�note 53: Ps. 119, 175.] Am Feste der Tempelweihe (Chanuka, Lichterfest). 51. Lieber Gott! Wie soll ich dir genugsam danken und dich preisen f�r all die Freude und all die Hoffnung, welche mir aus den Lichtern entgegenstrahlen, die wir in diesen Tagen zum Ged�chtnis an den Kampf der Makkab�er anz�nden, die f�r das h�chste Gut, f�r den Glauben, stritten; zum Ged�chtnis an den Sieg, welchen du sie gewinnen lie�est, zum Ged�chtnis an die M�rtyrer, die um des Glaubens willen, und um das ewige Leben zu retten, freudig in den Tod gingen. So hast du Israel nicht nur dazu erkoren, deinen Bund zu schlie�en und deine Gotteslehre zu bewahren, sondern du hast es auch dazu gew�rdigt, das erste Volk zu sein, welches ein Beispiel zur Nachahmung gegeben, f�r die h�chsten und heiligsten G�ter des Menschen, f�r die Freiheit des Glaubens und des Geistes zu k�mpfen und alles Irdische zu verachten, wenn der Glaube in Gefahr schwebt, ja bereitwillig selbst lieber das Leben opfern, als die heilige �berzeugung aufzugeben. Das erz�hlt uns ja die Geschichte unseres Festes, wie unsere V�ter in jenen Schreckenszeiten allen Drohungen und Verlockungen trotzten; wie sowohl Frauen als M�nner, sowohl Greise als Kinder standhaft alle Marter ertrugen; wie sie den Scheiterhaufen bestiegen und selbst im Tode noch ihren Glauben bezeugten. Und wenn auch alles dem Glauben Israels den Untergang verk�ndete, so ging er doch durch deine allm�chtige Hilfe gerade aus jenen Tagen siegreich hervor, und du hast aller Welt gezeigt, da� die Kraft des Geistes m�chtiger ist, als gewaltige Heere. O Herr! Ich danke dir, da� die Zeit der blutigen Verfolgung um des Glaubens willen ein Ende genommen hat; aber ach, mein Gott! wie oft sind nicht Hohn und Spott weit schneidendere und giftigere Waffen, und selbst die Mutigsten, die sich nicht f�rchten w�rden, f�r den Glauben in den Tod zu gehen, zittern vor der Verachtung der Welt und den Pfeilen des Spottes. Wie viele sind nicht dem Falle ausgesetzt durch die Schlinge, welche der Versucher ihrer Fr�mmigkeit legt, wenn er ihnen sowohl zufl�stert, als auch laut entgegenruft, da� sie noch in einer veralteten Lehre befangen sind, und wie mu� es nicht mein Herz mit Sorgen und Bek�mmernis erf�llen, wenn ich die L�ssigkeit im Glauben sehe, die �berall hervortritt und mich fast f�rchten l��t, da� derselbe ganz auf Erden untergehen k�nnte.--Doch nein, nein! Indem ich der Zeit der Makkab�er gedenke, will ich mich zugleich daran erinnern, wie oft das Verderben gedroht hat, wie oft es geschienen, als ob das heilige Licht des Glaubens erl�schen sollte, und doch flammte es von neuem auf und strahlte nur um so klarer und heller. Ich will beim Anblick dieser Lichter meinen Eifer entflammen und meine Treue in deinem Dienste st�rken, sowohl ich, wie auch mein Haus, ja, ich will auf die Fahne meines Lebens die Inschrift setzen:�Wer unter den M�chtigen kann sich vergleichen mit dir�, und sicher und ruhig werde ich im Glauben wandeln.�Ewiger, du bist mein Licht und meine Hilfe, wen sollte ich da wohl f�rchten? Du bist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte mir da wohl grauen? H�re mein Flehen, sei mir gn�dig und erh�re mich.�[54] Amen! Am Purimfest. 52.�Mein Mund lobsinge dem Herrn und preise ihn unter vielen, denn er steht zur Rechten des Unschuldigen, um ihn von denen zu erretten, die seine Seele richteten.�[55] �Du machst des Listigen Anschl�ge zu schanden, so da� sie keine Macht haben, ihre Absicht auszuf�hren, du f�ngst die Boshaften in ihrer eigenen T�cke und vereitelst die Pl�ne des B�sen.�[56] So errettetest du ja unsere V�ter von Tod und Verderben, als der M�chtige die Unschuldigen anklagte und in gekr�nktem Hochmut einen Plan schmiedete, deine Treuen aus dem Lande zu vertilgen. Du, Israels Schirmherr, der niemals schlummert und niemals schl�ft, du lie�est die Ruhe das Lager jenes K�nigs fliehen, du �ffnetest sein Auge, den Anschlag des Verr�ters zu erkennen; ja du hattest schon zuvor das Mittel zur Errettung Israels bereit, jene fromme Seele, die ihr Leben opfern wollte, f�r das Heil ihres Volkes! So wurde selbst das schlimme Los uns zu Gl�ck und Ehre, du lie�est es zu Israels Rettung und Wohl fallen, und �die Sorge ward in Gl�ck, der Kummer verwandelt in Freude.�--O, weshalb erschrecke ich da, wenn schlimme Nachricht mein Ohr erreicht, weshalb erbeben die Menschen, wenn von Ruchlosen Pl�ne gegen ihr Wohl geschmiedet werden? Du regierst ja alles, du lenkst jeden Anschlag zu seinem Ausgang und l�st die Verwickelungen des Lebens, und die Schandtat des B�sen mu� ebenso gut meinem Wohle dienen, als die Segnungen der Edlen und Frommen. So werde meine Seele denn froh in dir, und Freude umgebe mich diesen Tag. So weit ich vermag, will ich den Unterdr�ckten auch selber helfen, und meine Freude mir dadurch erh�hen, ich will mit meinen Gaben manchen Armen unterst�tzen, und mein Hallelujah soll den ganzen Tag vor dir erschallen. Amen! [Fu�note 54: Ps. 27.] [Fu�note 55: Ps. 109, 30.] 53. Mein Gott! Mein Mund vermag nicht all den Dank und all die Freude auszudr�cken, die mein Herz f�hlt, so oft dieser Tag der Errettung wiederkehrt.�Wenn du nicht mit uns gewesen w�rest, als die Menschen sich wider uns erhoben, so h�tten die Gottlosen uns in ihrem Zorn verschlungen. Ihr Gl�ck w�rde dann wie die Wellen in rasendem Sturm uns �berflutet haben. Dir sei Lob und Preis, o Gott, der uns nicht zu einem Raub ihrer Z�hne werden lie�. Wir entgingen unsern Verfolgern; denn unsere Hilfe ruht in dem Namen des Allm�chtigen, der Himmel und Erde erschaffen hat.�[57]--Zu allen Zeiten und �berall hast du, unser Vater, uns beschirmt; und dieser Tag ruft uns nicht nur den Sieg Israels �ber Haman ins Ged�chtnis, sondern alle die Ereignisse, da deine Vorsehung unsere V�ter errettet hat, da du ihre Betr�bnis in Jubel, den Ruf ihrer Angst und ihres Schmerzes in Tr�nen der Freude und der Dankbarkeit verwandelt hast. Ja sicherlich, Herr unser Gott, Israel ist ein lebendes Zeugnis deiner ewigen Treue:�Die, welche auf dich hoffen, sollen niemals zu schanden werden.� Israel wurde verachtet und gedem�tigt, aber sein Vertrauen auf dich war st�rker als seine Leiden, und du hattest Mitleid mit seinem Schmerze; hellere und freundlichere Tage sind ja gefolgt auf die Zeit des Hasses und der Verfolgung. Allvaters Stimme hat den Geist aller seiner Kinder durchdrungen, ihre Herzen erreicht, und Israel findet �berall unter den Nachkommen seiner Unterdr�cker nunmehr Br�der. Ja, die Erinnerung an das, was unsere V�ter gelitten haben, erh�ht in unsern Herzen nur die Freude �ber unser Vaterland, das all unsere Wunden geheilt hat, all unsere Schmach getilgt und unserm Glauben seine Freiheit und seinen Glanz zur�ckgegeben hat. Gelobt seiest du, unser Gott, unser Erretter! O, da� doch das Bewu�tsein all der Freuden, die wir in diesem unsern Geburtslande genie�en, unsere Herzen zu br�derlicher und liebevoller Gesinnung gegen alle Menschen, unsere Br�der, erwecken m�chte!--Sei gelobt, du Ewiger, unser Gott, f�r all die Wunder, welche du an unsern V�tern vollf�hrt hast und f�r den ewigen Schutz, den du ihren Kindern angedeihen l��t. Amen! [Fu�note 56: Ijob. 5. 12, 13.] [Fu�note 57: Ps. 124.] Am Tage der Zerst�rung des Tempels (Tischoh b'ab). 54. O du, dessen Liebe ohne Ende ist und dessen Barmherzigkeit ohne Grenzen, heute werde ich erinnert an die Stunde, �da du Israels Schmuck vom Himmel zur Erde st�rztest und am Tage der Heimsuchung den Schemel deiner F��e nicht achtetest,�[58] und meine Bitte wird von Wehmut erf�llt, und Sorgen erfassen mein Herz. Wie k�nnte es auch anders sein? Ist nicht das gerade das Gro�e und Erhabene der heiligen Ged�chtnistage meines Glaubens, da� ich nicht nur die gl�cklichen Zeiten, die Tage der Errettung, des Sieges und der Freude mir vor die Seele rufen soll, sondern auch jene, die ein trauriges Zeugnis f�r die S�nde und den Abfall der V�ter ablegen, wie sie es selbst verschuldeten, da� du nicht einmal dein Heiligtum schontest, welches �ber alle Ebenen der Welt sein Licht verbreiten sollte, da� �Zion, von wo die Thora ausgehen sollte, wie ein Acker gepfl�gt wird, und da� Jerusalem, die St�tte, welche zur Verk�ndigung deines Namens geheiligt war, zu einem Steinhaufen wurde.�[59] Mit Sorgen stimme ich in die Klage des Propheten ein:�Unsere V�ter haben ges�ndigt und sind nicht mehr, und wir tragen ihre S�nde.�[60] Sie h�rten nicht auf den Ruf deiner Gnade, und vergebens zeigtest du ihnen deine Langmut; ja, sie gruben sich mit eigner Hand ihr Grab, indem sie gegen einander w�teten und sich durch eigenen Streit in die H�nde ihrer Feinde gaben. Da wurde der heilige Bau zerschmettert und zermalmte in seinem Falle alle, die ihm anhingen. Ach Herr! Bitterlich weine ich �ber diesen Fall, und um so bitterer, weil die S�nden der damaligen Zeit noch immer unter uns herrschen. Aber �je mehr ich mir das Innerliche zu Herzen nehme, um so fester ist auch meine Hoffnung,�[61] und je tiefer meine Sorge ist, um so gewisser ist auch mein Vertrauen auf dich und deinen Trost. Ja, so gewi�, wie jenes Gotteswort in Erf�llung ging, welches dem s�ndigen Volke seinen Untergang verk�ndigte, und da� die Tage des Zornes kommen sollten, so gewi� wird auch jene Zeit erscheinen, wo es wieder zu Gnaden aufgenommen wird und sich erf�llt, was der Prophet verk�ndet:�Und in den letzten Tagen soll es geschehen, da soll der Tempelberg des Herrn �ber alle H�hen erhoben werden, und alle V�lker sollen dahin str�men und sagen: Kommet! la�t uns hinaufziehen zu dem Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, auf da� er uns seine Wege lehre, da� wir in seinen Fu�tapfen wandern m�gen, und Freude soll �ber alle sich verbreiten, die in Sorgen leben ob seines Falles.�[62] Ewiger! st�rke du mich in dieser meiner Hoffnung und la� mein Leben ein Zeugnis davon sein, da� ich Wahrheit und Frieden liebe. Amen! [Fu�note 58: Klagelieder 2, 1.] [Fu�note 59: Micha 3, 12.] [Fu�note 60: Klagelieder 5, 7.] [Fu�note 61: Klagelieder 3, 21.] [Fu�note 62: Micha 4.] Schlu�gebet beim Gottesdienste (Olenu). 55. Uns geziemt es dich zu loben und dich zu verehren, o Herr des Weltalls, und deine Gr��e und Herrlichkeit zu bezeugen, da du uns berufen hast, deine Worte und deine Taten in der �bung frommer Werke zu verk�nden und dich durch unseren Lebenswandel zu heiligen. Darum verneigen wir uns ehrfurchtsvoll vor dir, und bekennen dich als den Herrn des Himmels und der Erde. Ja wir hoffen auf dich und glauben in fester und unersch�tterlicher Treue, da� deine Gr��e und Allmacht, o Gott, immer mehr erkannt werde und sich sichtbar verbreite nach allen Richtungen der Erde, damit aller Irrtum hienieden verschwinde und alle Wesen erkennen, da� du nur allein Gott und Herr bist �ber alle erschaffenen Dinge. Alsdann werden alle Bewohner des Weltalls vor dir sich neigen und deiner Herrschaft sich willig unterwerfen, deinen Namen die Ehre geben und so den wahren Frieden allseitig hienieden begr�nden. So lehren ja auch deine Propheten mit ihrem hellen Seherblicke in die Zukunft.�Gottes Reich ist ein ewig dauerndes.� Und an anderer Stelle hei�t es:�Und Gott wird K�nig sein �ber die ganze Erde, alsdann wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig.�! Amen! Die Hausfrau, wenn sie Chala nimmt. 56. Wie du einst unsere V�ter in der W�ste speistest und sie am Tage alles zum Unterhalte ihres Lebens finden lie�est, dessen sie bedurften, so bist du, o mein Gott, mit meinem Gatten, (meines Hauses Versorger) gewesen und hast seinen Flei� gesegnet, da� wir den Unterhalt unseres Lebens nicht entbehren. Bevor nun der heilige Tag beginnt, will ich nach Vorschrift auf bildliche Weise dir meinen Dank darbringen, und als ein echtes Weib Israels will ich unsern Glauben bekennen, da� selbst jeder sinnliche Genu�, den du uns gew�hrst, durch fromme Gedanken geheiligt werden soll. Denn du lie�est es zum hohen Beruf des Weibes werden, den Segen des Glaubens in das sch�ne Heim zu bringen; ihr legtest du die Pflicht auf, das t�gliche Brot zu heiligen. O, mein Gott, so la� es denn dir gedeckt sein, was ich bereite, und segne du unsers Lebens Brot. Amen! Die Hausfrau, wenn sie die Sabbatlichter oder die Festlichter anz�ndet. 57. Freude soll alle Zeit in Israels Wohnungen leuchten; das israelitische Weib soll die Wolke der Bek�mmernis zerstreuen, die sich zeitweilig �ber den Gatten ausbreitet und den h�uslichen Kreis verdunkelt. Mit dem warmen und reinen Glauben in ihrer Brust soll sie tr�sten, ermuntern und erquicken. O! habe Dank, o Vater, da� ich jetzt wieder an meinen sch�nen und heiligen Beruf dadurch erinnert werde, da� ich die Sabbat-(Fest-)Lichter anz�nde, durch aufopfernde T�tigkeit, Freude zu verbreiten und das Licht des Glaubens zu bewahren. Amen! IV. Gelegenheitsgebete. I. Am Geburtstage. Aus meines Herzens tiefstem Grunde sende ich heute mein Gebet zu dir empor, allg�tiger Gott und Vater, dessen Huld und Gnade �ber mich gewacht und heute mich in mein (--) Lebensjahr treten l��t. Leben und Liebe hast du mir zuteil werden lassen und deine Vorsehung hat meinen Geist bewahrt. Ja, ich bin allzu schwach und zu geringe, um dir meinen Dank auszusprechen f�r jeden Segen, mit dem du mich begnadigt hast seit der Stunde, da ich zum ersten Male das Licht der Welt erblickte.--Es kommen heute meine Lieben mit ihren Gl�ckw�nschen mir entgegen, aber ach Herr, der du Herz und Nieren untersuchst, kann ich wohl diese W�nsche f�r meine Zukunft h�ren, ohne da� mein Herz mir Vorw�rfe macht f�r die Zeiten, welche vergangen sind? Kann ich mir selbst Gl�ck w�nschen, weil ich �lter geworden, wenn die Erfahrungen und Pr�fungen des Lebens mich nicht weiser, besser und frommer gemacht? Wenn ich heute auf die dahingeschwundenen Geburtstage schaue, die ich bereits erlebt habe, und wenn ich an die vielen Hoffnungen denke, die sich an jene kn�pften, an die Erwartungen, mit welchen meine Eltern mich umarmten, und ich da mich selbst frage: Habe ich diese Hoffnungen und Erwartungen erf�llt? Habe ich den Arbeitstag, den der Herr der Zeiten mir verg�nnte, mit Eifer und im Dienste des Allheiligen angewendet, so da� ich auf seinen Beifall und auf seinen Lohn hoffen darf, wenn die Abendstunde kommt? O mein Gott, was darf ich dann antworten?--Sieh, du hast in diesem Jahre mir in deiner Gnade viel Freude gesendet, und in deiner Weisheit hast du mich mit Schmerzen heimgesucht,--alles, um mich zu erinnern, da� ich unter deiner v�terlichen Leitung stehe, und da� ich nur ein Pilger bin, der einen m�hsamen Weg zu wandern hat, bevor er die himmlische Heimat erreicht. Dunkel ist f�r mich der Weg, den ich noch zur�ckzulegen habe, aber du, dessen Auge mich geschaut vom Lebensanfang, und in dessen Buch alle meine Lebenstage verzeichnet waren, ehe ich noch da war,[63] nimm du mich ferner in deinen Schutz, beschirme und segne alle, die mir teuer sind, und bilde du mein Herz nach deinem Wohlgefallen! O, da� ich in der festen �berzeugung gest�rkt werde, da� mir keine B�rde auferlegt wird, zu der du mir nicht auch die Kraft verleihest, sie zu tragen, und da� ich Tag und Nacht eingedenk sein m�chte, da� alles Fleisch Gras ist, da� hingegen jegliche Tat auf Erden, selbst die geringste, eine Saat ist, die ihre Fr�chte in der Ewigkeit tr�gt; ja da� ich dessen stets eingedenk sein m�chte, auf da� ich meine Hoffnung nicht auf das Verg�ngliche baue, und nimmer verzage und verzweifle unter Widerw�rtigkeit und Ungl�ck, sondern selbst in Leiden und Schmerzen mich dir dankbar zeige; da� die �berzeugung mich stets beselige, da� dein g�tiger Geist mich �berall leitet, segnet und st�rkt, und da� deine Huld und Gnade mich erf�llt und bewahrt, auf da� ich dir treu bleibe im Leben und im Tode.--Ja, du bist der Gott meines Herzens, getrost �bergebe ich mich deiner Hand und f�rchte nichts, du, Herr, bist meine St�rke, dir lobsinge ich, du bist meine Hilfe und meine Zuflucht, in dir findet meine Seele Heil in aller Ewigkeit. Amen! II. Am Verlobungstage. Herr, du mein Fels, meine Zuflucht, leite du mich und f�hre du mich um deines Namens willen! Entschieden ist es heute worden, wem mein Herz angeh�rt, an wen ich mein ferneres Geschick kn�pfen, mit wem ich durchs Leben wandern soll. Allzu schwach bin ich, o Herr, und allzu kurzsichtig, um das Innere eines anderen Menschen zu durchschauen, oder um zu wissen, was in den kommenden Tagen zu meinem wahren Heil und Wohl dienen kann und soll, darum sende ich mein Gebet zu dir empor: O la� deinen Segen auf meiner Wahl ruhen! Gib, da� der, welcher mir heute sein Gel�bde gegeben, solches nicht leichtsinnig getan haben m�ge, sondern zuvor, wie ich, zu Rat gegangen sei, nicht blos mit den Angeh�rigen, sondern vor allem mit dir, mein Gott. La� die kommenden Tage von dir gesegnet sein, da� eine reine und lautere Liebe, die auf Gottesfurcht gegr�ndet ist, in unsern Herzen Wurzel schlage. Ja, Allg�tiger, du, der du mit so vieler Huld meinen Weg gebahnt und mich mit so vieler Gnade umgeben hast, la� diese Tage f�r mich eine Vorbereitungszeit sein, da� ich, wenn die Zeit nahet, vor deinen Augen w�rdig gefunden werde, den Bund der Ehe zu schlie�en. O, sei du mein Hirt und Leiter, und f�hre mich auf den rechten Weg um deines Namens willen. Amen! [Fu�note 63: Ps. 139, 16.] III. Am Hochzeitstage. Gekommen ist nun der Tag, an dem der Bund meines Herzens in deinem Namen besiegelt werden soll, du ewiger, alliebender Vater, der Tag, der das Weh und Wohl meiner ganzen Zukunft in seinem Scho�e tr�gt. O, wie k�nnte ich mich wohl dem heiligen Augenblick n�hern, wie k�nnte ich hintreten, um dem Auserw�hlten meines Herzens meine Hand zu reichen, ohne dir zuvor zu danken f�r all deine v�terliche G�te gegen mich, f�r deinen Schutz bis auf diesen Tag, f�r die geliebten Wesen, mit welchen du mich bisher umgeben, und die mit Z�rtlichkeit und Sorgfalt �ber mich gewacht und mich geleitet haben, ja, ohne dir daf�r zu danken, da� du mich den hast finden lassen, mit dem ich die wechselnden Geschicke des Lebens teilen soll, ohne dir zu danken f�r die himmlische, beseligende Freude, die mich nun umstr�mt, da das Band der Ehe uns verbinden soll. Wie k�nnte ich wohl all deine G�te empfangen und bereits heute die heiligen Pflichten der Ehe �bernehmen, die der Ehestand mir auferlegt, wenn ich nicht zuvor mit reuigem Sinne mein Herz vor dir aussch�tte, ehe ich den wichtigsten und meine ganze Zukunft entscheidenden Schritt meines Lebens tun und dich um deine gnadenvolle Vergebung bitte. Wenn ich aber in dieser Stunde meinen Blick auf die hingeschwundene Zeit richte, o welche schwere Klage erhebt sich da in meiner eigenen Brust gegen mich! S�ndenvoll waren meine Gedanken, und meine Taten, wie wenig konnten sie dir wohlgefallen. Habe ich wohl gelebt, wie ich sollte? Habe ich als Kind von ganzem Herzen Vater und Mutter geehrt? Habe ich die weisen Lehren meiner Lehrer befolgt? Habe ich als Israelitin in meiner Jugend an meinen Sch�pfer gedacht und mit W�rme meinen Glauben umfa�t? O, vergib sowohl mir, Allg�tiger, als der Seele, die nun mit der meinigen sich verbinden soll, jedes Vergehen und Versehen. Sieh auf uns in Gnade, wenn wir nun einander vor deinem Antlitze im Geiste gegenseitig das Gel�bde der Treue geben, und la� deinen Segen mit diesem Bunde sein. Heilige unsere Liebe in der Liebe zu dir, da� wir, indem wir dich lieben, unsere gegenseitige Hingebung und Liebe n�hren und st�rken. H�re, o Gott, mein Gel�bde, das ich hier ablege. In gl�cklichen, wie in tr�ben Tagen, will ich eine treue Gattin sein, die Geduld, Kraft und Selbstverleugnung zeigt, die als echte Israelitin durch den Glauben an dich stark ist, alles zu besiegen, auch sich selbst; stark ist, alles f�r den zu tragen und zu dulden, den ihre Seele auserkoren hat. Gib, da� wir, die von dieser Stunde ab mit einander wandern sollen, in Sanftmut und Milde einander begegnen, und uns gegenseitig unsere Schw�chen in Liebe nachsehen! Ja, sei du mit uns, da� wir einander zum Heil und Segen werden, und da� durch diesen unsern Bund dein Name verherrlicht werde. Dazu hilfst du uns, o Gott. Amen! IV. In einer gl�cklichen Ehe. (J�hrlich am Hochzeitstage.) Unendliche Liebe! Allg�tiger Gott! Was kann wohl mit dem Gl�cke verglichen werden, das du mich hast finden lassen, indem du mir die Gl�ckseligkeit meiner Ehe zuteil werden lie�est!--Wo f�nde ich wohl ein irdisches Gut, das h�heren Wert h�tte, als das, welches du mir in meinem teuren Gatten verliehen hast, mit dem ich des Lebens Freuden und Leiden teile. Mit jedem Tage lerne ich mehr und mehr sch�tzen, was ich an ihm besitze, als Ratgeber und Helfer; wie vers��te er mir sogar des Lebens bittere Stunden, wie hielt er mich unter mancherlei Pr�fungen aufrecht! O, mein Gott, jedes Jahr, das verflie�t, kn�pft uns noch fester an einander; in den freudigen, wie in den kummervollen Tagen bewahrheitet es sich immer mehr an uns, da� Liebe ein Paradies voll Segnungen ist, die so sch�n, so friedlich und freudenvoll. Ja, ich f�hle alle Segnungen, die der Besitz eines treuen Gatten in sich schlie�t. Alliebender, wodurch habe ich so viel Gl�ck verdient? Und doch soll auch dieses mich so begl�ckende Band einmal zerrissen werden, und dann wird die Stunde der Rechenschaft kommen, da du mich fragen wirst, ob ich die Zeit des Gl�cks auch dazu ben�tzt habe, selbst geheiligt zu werden und die Seele zu heiligen, welche du mit mir vereinigt hast. Deshalb, o Ewiger, bitte ich dich, indem ich dir f�r all mein Gl�ck danke, erhalte in uns denselben liebevollen treuen Sinn, la� uns die freundliche F�rsorge f�r einander verdoppeln, wie unsere innerliche Ergebenheit gegen einander, und gib mir Kraft, meinen teuren Ehegatten nicht nur zu begl�cken, sondern auch zu veredeln und zu heiligen, da� wir, in Fr�mmigkeit vereint, dereinst in den Wohnungen der Seligen mit einander das Gl�ck und den Frieden der Seligkeit genie�en m�gen. Wache �ber uns, da� wir einander in Hoffnung und Treue unter den Sorgen des Lebens st�rken m�gen, und da� wir in des Lebens frohen Tagen vor deinem Angesichte wandeln. Halte deine schirmende Hand �ber meinen geliebten Ehegatten, und la� mich ihm lange, lange noch Freude bereiten. Ewig danke ich dir, du reicher Gott voll Gnaden und mein allm�chtiger Besch�tzer. Amen! V. In einer kinderlosen Ehe. Ewiger!�Kinder sind ja deine Himmelsgabe und Leibesfrucht eine Segnung, die von deiner Hand kommt!�[64] Wie sollte ich da nicht von ganzer Seele w�nschen, mit Kindern gesegnet zu werden, die meines Herzens Freude sein und zu deiner Ehre erzogen werden sollten? O Herr! Wie der Vorzeit fromme V�ter und M�tter bitte ich dich, mir diesen Segen zu verleihen, und mich noch Mutterfreuden genie�en zu lassen. Aber wenn es in deinem unwandelbaren Rat beschlossen ist, mir dieses Gl�ck zu versagen, so erf�lle mein Herz mit innerlicher Ergebung in deinen Willen und mit vermehrter Liebe zu meinem Gatten, da� ich darin zehnf�ltigen Ersatz finde. Es sei ferne von mir, meinen Trost in dem Gedanken zu suchen, welch' eine schwere B�rde oft die Erziehung und die Versorgung der Kinder ist, wie viel Kummer sie nicht selten verursachen,--dient doch das gerade zu der Eltern Heil, o Herr! da diese erst aus der M�he und Sorge, die ihnen ihre Kinder machen, erkennen, welchen Dank sie ihren Eltern schuldig sind.--In dieser meiner Sehnsucht nach Kindern will ich einen v�terlichen Wink erkennen, den du mir gibst, die mir verliehenen irdischen Kr�fte und Besitzt�mer zum Wohle derer anzuwenden, die in Bedr�ngnis sind. Ich will meinen Beistand der Kinderschar des Armen zuwenden, ich will ihnen zur Erkenntnis der heiligen Lehre f�rderlich sein, da� sie zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht aufwachsen, ich will den Verwaisten eine Mutter sein und reichen Beitrag spenden zum Besten jeder Wohlt�tigkeit, wie zu deinem heiligen Hause. Ich will in Fr�mmigkeit und Liebe wandeln, da� ich dadurch vielleicht eine Seele zur Tugend, zur Wahrheit und zum Glauben f�hren kann, da� sie geistig zu meinem Kinde werden m�ge. Ach Herr! St�rke mich in diesem Vorsatz und gib mir Kraft, ihn auszuf�hren, da� jene Worte, die du den Propheten verk�ndigen lie�est, einst wie himmlischer Gesang vor meinen Ohren erschallen m�gen:�So spricht der Herr zu den Unfruchtbaren, welche meine Sabbattage halten und w�hlen, was mir angenehm, und an meinem Bunde festhalten,--diesen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern Hand und Namen geben, was da besser ist, als S�hne und T�chter; einen ewigen Namen gebe ich ihm, der nicht ausgetilgt werden soll.�[65] Ja, o Gott, gib mir einen ewigen Namen im Buche des Lebens, und ich f�hle mich getr�stet. Amen! [Fu�note 64: Psalm 127, 3.] [Fu�note 65: Es. 56, 5-10.] VI. In der Schwangerschaft. Heiliger, allm�chtiger Sch�pfer, allbarmherziger Vater im Himmel! Ich danke dir f�r die beseligende Hoffnung, mit der du mich begnadigt hast. Wie gl�cklich hast du mich gemacht, indem du mir des Weibes h�chste Freude verliehest, die Gewi�heit, da� ich Mutter werden soll! Siehe, schon hast du mir des Weibes h�chste und heiligste Pflicht auferlegt, m�tterliche F�rsorge f�r den noch Ungeborenen zu hegen. O, was vermag ich ohne dich! Erh�re deshalb mein Gebet: La� auch f�r mich das Wort gesprochen sein, welches du einst Israel verk�nden lie�est: �Gesegnet sei die Frucht deines Leibes!�[66] H�te du meine Schritte, da� das Kind, welches ich unter meinem Herzen trage, jeder Gefahr entgehen m�ge; beschirme mich um des Kindes willen, da� nicht Schrecken noch Angst, nicht Furcht noch Aufregung mir nahe. St�rke mich darin, �ber mich selbst zu wachen, da� nicht der Mutter Unvorsichtigkeit, t�richter Genu� oder s�ndiger Wandel schon dem Ungeborenen schaden m�ge. Ja, je mehr ich mir bewu�t bin, da� selbst meine Gedanken und Gef�hle auf den Spr��ling hier unter meinem Herzen ihre Wirkung aus�ben, um so mehr bitte ich dich, mir dazu helfen zu wollen, da� ich mich selbst beherrschen m�ge.--O Herr! Durch Fr�mmigkeit will ich diese Tage heiligen, bis ich sie �berstanden habe, durch Gebet und fromme Werke will ich meine Seele erheben und reinigen, und treulich will ich deine Wege wandeln.--Schenke du mir nun einen ruhigen Sinn, unersch�tterlich im Vertrauen auf deine unendliche Vaterg�te, da� ich fr�hlichen, getrosten Mutes und guter Hoffnung der Stunde der Entscheidung entgegen gehe, in dem zuversichtlichen Glauben, da߻den, der sich auf dich verl��t, deine Gnade umgeben soll.�[67] Amen! [Fu�note 66: 5. Mos. 28, 3.] VII. Vor der Niederkunft. Lieber Gott, du Gott der Gnade! Siehe, die Zeit n�hert sich, da� ich geb�ren soll, und ich wei�, da� du in deiner Weisheit meinem Geschlecht bestimmt hast, da� wir in Schmerzen geb�ren sollen; o, willig unterwerfe ich mich deinem Vaterwillen; doch bitte ich: Vergilt' mir nicht nach meinen S�nden, sondern la� dein Erbarmen �ber mich wachen; st�rke mich, da� ich in Kraft geb�ren m�ge, sei mir nahe mit deiner Hilfe, da� mein Herz bald froh werde, wenn ich den Neugeborenen gesund und frisch erblicke. La� mich deine freundliche Stimme h�ren, die mir zuruft: �f�rchte dich nicht, denn ich bin mit dir; bebe nicht, denn ich bin dein Gott; ich st�rke dich, ich helfe dir und st�tze dich mit meiner Rechten, ich selbst erl�se dich!�[68] Ja, Ewiger, du bist meine St�tze, meine feste Burg, meine Zuflucht in der Not, zu dir will ich mit Andacht aufschauen, da� du mir Kraft gebest, die Schmerzen der Geburt zu ertragen, du, meine ganze Hoffnung. Amen! [Fu�note 67: Ps. 32, 10.] [Fu�note 68: Jes. 41, 10. 43, 1.] VIII. Nach der Niederkunft. La� den schwachen Dank der Begl�ckten zu deinem Thron aufsteigen, du Besch�tzer meines Lebens, mein geliebter Vater im Himmel! da� du mich erh�rt und dein starker Arm mich unterst�tzt hat.�Von meinem ganzen Herzen will ich dir danken und alle deine Wunder verk�nden, ja ich will froh sein und mich freuen in dir, und deinen Namen will ich lobsingen, dem Namen des Allerh�chsten.� Amen! IX. Bei der Beschneidung. Sieben Sch�pfungstage sind nun gl�cklich �ber dem Leben meines neugeborenen Knaben verronnen, und heute am achten soll es nach deinem unverbr�chlichen Gesetz, o du Allheiliger, �der du deinen Bund und dein Erbarmen denen bewahrst, die dich lieben und deine Gebote halten�, vor dich gebracht werden und das Siegel der Gnade durch die Beschneidung erhalten; heute soll er in den ewigen Gnadenbund aufgenommen werden, den du mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hast, da� sie zum Segen werden sollen f�r alle Geschlechter der Erde und das himmlische Reich erwerben.--O, nimm dieses mein Kind gn�dig an, da� es treu dem Bunde leben m�ge, la� den geringen und rasch verschwundenen Schmerz, den es erleiden soll, eine Erinnerung und ein Zeichen sein, da� das Hohe und Ewige nur durch M�he und Schmerzen erreicht werden kann, da� der Mensch sich das Himmelreich nur erringen kann, indem er gegen die Lust des Fleisches streitet, und da� ein treuer Israelit bereit sein soll, mit Leben und Blut f�r seinen Glauben zu k�mpfen, da� er deinen Namen heilige. Besch�tze mein Kind von dieser Stunde an, da� es wohl gedeihen und kr�ftig wachsen m�ge, f�r das Zeitliche, wie f�r das Ewige gesegnet, dir zur Ehre und mir und meinem Gatten zur Freude. Amen! X. Eine W�chnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus. �Gehet ein zu Gottes Tor mit Danksagungen und in seinen Vorhof mit Lobsingen! Dankt ihm und preiset seinen Namen!� So ermahnt mich eine heilige Stimme, und es ist ja nur durch deine v�terliche G�te, o Gott, da� ich heute wieder deinem Hause nahen kann. Hast du selbst ja geboten, da� jede gl�ckliche W�chnerin, nachdem sie ihre Gesundheit wiedergewonnen hat, deinem Altar mit Dank und S�hnopfer,[69] mit Gebet und frommen Gel�bden sich nahen soll. Und wie sehr mu� ich dir nicht danken, nicht nur f�r deine Gabe, f�r das Kind, das du mir geschenkt hast, sondern auch f�r deine Hilfe und deinen Beistand, f�r die Kraft, die du mir verliehen hast, alle Schmerzen zu ertragen, f�r deinen Schutz in der Stunde der Gefahr und f�r meine Genesung, da� ich wieder vor dein Angesicht treten kann und mit meinem Gatten dir meinen Dank zu bringen im Stande bin. O, womit habe ich doch so viel Gnade verdient! ach, hab' ich mich denn nicht oft und schwer gegen dich vers�ndigt, bin ich nicht manches Mal verzagt und schwach in meinem Vertrauen auf dich gewesen; wie oft vers�umte ich nicht meine Pflicht, die du mir auferlegt hast? O Herr, vergib mir und halte mich auch fernerhin in deiner v�terlichen Gnade. La� mich mein Kind deinem Schutze anbefehlen (bei einem M�dchen f�ge man hier hinzu: und wie es heute vor dir in deinem Hause genannt wird, so zeichne du es in das Buch des Lebens ein, da� seines Namens Unverg�nglichkeit zu wahrem Schmuck und wahrer Ehre ihm gereiche); wache du �ber das Neugeborene, st�rke du mich, an ihm die Mutterpflicht vollkommen zu erf�llen. Ja, mit m�tterlicher Sorge will ich mein Kind pflegen und ihm meine ganze Obhut widmen, und gerne selbst Entbehrung auf mich nehmen zu seinem Wohlergehen. Segne, o Herr, auch das Streben meines Gatten, den Lebensunterhalt uns zu erwerben, und sobald die Schwingen des Geistes sich bei dem S�ugling zu entfalten beginnen, so soll es unsere gr��te Sorge sein, ihn zum Guten zu lenken und ihn mit Abscheu gegen alles zu erf�llen, was b�se ist, da� es bei Zeiten deinen Namen kennen lerne und in Gottesfurcht und Tugend aufwachse. Ewiger, dir will ich angeh�ren; o, la� deinen Segen von deinem Hause zu meinem Herd mir folgen, und la� meinen h�uslichen Kreis fr�h und sp�t von herzlichem Dank widerhallen f�r all das Gl�ck, welches du mir zuerteilt hast. Amen! [Fu�note 69: 3. Mos. 12.] XI. Beim ersten Gang ins Gotteshaus nach der Geburt eines totgeborenen Kindes. Blicke gn�dig herab, o, du allweiser und gerechter Sch�pfer, auf deine Dienerin, die sich dir in Demut und Anbetung naht, um dir zu danken, weil du ihr das Leben erhalten, und ihr St�rke verliehen hast, da� sie wieder in die Versammlung der Gl�ubigen hat kommen k�nnen, um deinen Namen zu preisen. Ist mein Herz auch noch betr�bt dar�ber, da� das Kind, welches ich zur Welt brachte, nicht des Lebens Tag gesehen hat, und meine so lange gehegte Hoffnung sich nicht erf�llte, so wei� ich doch, da� eine Israelitin deinen Namen lobt, magst du nur geben oder nehmen.[70] O, h�re mich, Allerbarmer! Wenn ich durch eigene Unvorsichtigkeit es bewirkt habe, da� mein Kind hienieden nicht das Licht der Welt sehen sollte, o, so bedenke meine Schw�che und vergib mir; rechne mir es nicht als S�nde an, sondern schone meiner um deiner gro�en Barmherzigkeit willen. Aber war es in deiner unwandelbaren Weisheit so beschlossen, da� ich die Mutterfreuden ahnen, aber nicht genie�en sollte, o, so lehre mich, mein Los in Geduld tragen, und fl��e mir den Trost ein, da� dieses Kind in der Stunde, wo es zur Welt kommen sollte, bereits bestimmt war zu einem seligeren Zustand einzugehen, ohne den Kampf der Welt bestehen zu m�ssen, ohne ihre Sorge und Qual kennen zu lernen, und da� es dereinst in der Ewigkeit mir die Schmerzen erstatten soll, mit denen ich es getragen und geboren habe, ohne durch sein Leben begl�ckt zu werden. O Allg�tiger, la� mit meines Herzens Dank meine Bitte um reichen Segen vereinen, la� die Freude wieder in meiner Seele erwachen, und la� mich Freude und Gl�ck �ber meinen teuren Gatten ausbreiten. Amen! [Fu�note 70: Ijob. 1, 21.] XII. Eine Ehegattin. Allg�tiger! du, dessen Antlitz in Gnade �ber alle leuchtet, die dich f�rchten, o, blicke in Gnaden herab auf mich, da� ich in dem Lichte deines Angesichtes wandeln und von dir beschirmt werden m�ge. O! breite die Schwingen deiner Barmherzigkeit �ber meinen Gatten und meine Kinder aus. Sei mit ihm, den mein Herz liebt auf allen seinen Wegen, beh�te ihn vor Krankheit, Schmerz und Kummer, erhalte ihm die Lust und Liebe zu seinem Gesch�fte, und la� keine Sorgen ihm sein Leben verbittern. Lehre mich, st�ndig an dem Vorsatz festzuhalten, ihm ein freundliches Heim zu bereiten, so da� er am liebsten bei mir an unserm gemeinschaftlichen Herd verweile, und h�uslicher Friede und Freude ihm von demselben entgegenstrahlen m�ge, und da� unser sch�nster Genu� der sei, mit unsern Kindern in freundlicher und milder Vertraulichkeit bei einander zu sitzen. La� uns niemals die hohen und heiligen Pflichten vergessen, welche wir gegen die Kinder zu erf�llen haben, mit denen du uns gesegnet hast. O, la� uns nicht nur f�r ihre leibliche Wohlfahrt Sorge tragen, sondern in und durch unsere Gebete ihren Seelenfrieden deiner Obhut anbefehlen. Ach, lieber Vater im Himmel! das ist doch der Eltern heiligstes, aber auch zugleich schwerstes Wirken in der Brust ihrer Kinder die Gottesfurcht zu wecken und des Glaubens reine Flamme anzufachen, zu h�ten und zu n�hren. So hilf uns denn, da� wir uns fern von t�richter Weichlichkeit halten, und da� wir mit Freundlichkeit und liebevollem Ernst ihnen die n�tigen Ermahnungen und Erinnerungen geben, da� wir eintr�chtig einander bei dieser Arbeit in deinem Dienste uns zur Seite stehen m�gen! Mit Tr�nen befehle ich dir meine Kinder, da� keines von ihnen mi�raten m�ge, und mein Herz durch S�nde wider dich verwunde! Bewahre sie vor schlechten Freunden, und la� Vater und Mutter ihnen eine Leuchte sein, die ihnen auf ihren Wegen leuchte, da� sie nicht fallen; aber wenn sie im Gewirr des Lebens verf�hrt werden, ach, so la� du die Erinnerung an uns sie wieder zur�ck auf deinen Weg f�hren! Herr, setze du eine Schutzwehr um unser Haus, da� es von keiner Schlechtigkeit befleckt werde. La� deinen Namen �ber unsere Wohnung genannt sein zum Leben und zur Seligkeit. Amen! XIII. Eine Tochter f�r die Eltern. Unsichtbarer, alliebender Gott! Wie soll ich dir danken f�r die unendliche Liebe, die du mir bewiesen hast und mir noch jeden Augenblick erweist, und deren Strahlen sich in der Freundlichkeit und Liebe abspiegeln, womit mich die umfangen, welche mir das Leben gegeben haben. Ach ja, mein geliebter Vater, meine teure Mutter sind mir wie zwei Engel, denen du befohlen hast, da� sie mich h�ten sollen auf dem Wege, da� sie mich auf ihren Armen tragen und alle meine Schritte bewahren sollen, die sowohl f�r mein zeitliches, wie f�r mein geistiges Wohl Sorge tragen. Welche Segnung hast du nicht durch sie �ber mich ausgebreitet, wo gibt es wohl Eltern, die mit gr��erer Obhut f�r ihre Kinder sorgen k�nnten? Versagen sie sich nicht alles, um mir nur Freude und Gl�ck zu bereiten? O mein Gott! indem ich daf�r meines Herzens w�rmsten Dank emporsende, bitte ich dich zugleich: Belohne du sie f�r alles mit deinem reichsten Segen. Verleihe ihnen viele und lange Lebenstage, da� sie noch lange meines Lebens Schmuck und Ehre seien; bewahre ihnen die Gesundheit und bereite ihnen eine F�lle der Freude. La� sie in der Liebe und in der Hingebung ihrer S�hne und T�chter Ersatz f�r alle Bek�mmernisse eines Vaters und einer Mutter finden, Ersatz f�r jeden m�hevollen Tag und jede schlaflose Nacht, die wir ihnen bereitet haben. O, m�chte es auch in mein Los fallen, ihnen Freude zu bereiten! St�rke mich, auf einen jeden Wink ihrer Hand acht zu geben, in Liebe und Gehorsam auf ihre Warnungen und Ermahnungen zu h�ren, und nach meinem ganzen Verm�gen ihnen Freude zu bereiten. Erleichtere ihnen jede B�rde, und gib, da� sie selbst in ihrem hohen Alter, gl�cklich im Schutz der Liebe ihrer Kinder und Kindeskinder lebend, dir f�r deine gnadenreiche F�hrung bei vollen Geisteskr�ften danken m�gen. Amen! XIV. Im Witwenstande. Allerbarmer, du, �der du gerecht bist in allen deinen Wegen und barmherzig in allen deinen Handlungen,� blicke in Gnaden auf eine tief betr�bte Seele herab, die ihre Zuflucht zu dir nimmt. Jetzt stehe ich, verlassen von dem, der meine St�tze, mein Trost und mein Ratgeber war; jetzt mu� ich alle B�rden des Lebens allein tragen und den vermissen, der mich durch sein ermunterndes Wort st�rken konnte, mich in der Hitze des Tages erquickte und, wenn das Dunkel der Nacht meinen Geist erschreckte, mir Licht verbreitete;--ach, meines Herzens Angst ist gro�, und es wird mir schwer, kindliche Ergebung in deinen Willen zu zeigen. O, so errette du mich selbst aus meiner Not, lege den beseligenden Trost deines Wortes in meine Seele und zeige dich mir als den rechten Helfer. Sieh, hier bin ich mit den Kindern, die du mir gegeben hast, o, la� mich in Gnaden erfahren, da� du in Wahrheit �der Witwen Verteidiger und Besch�tzer und der Verwaisten Vater� bist! St�rke mich, da� ich unter den doppelten Verpflichtungen nicht erliege, die auf mir ruhen, sondern da� ich vielmehr mit Geduld �in fester Hoffnung und lebendigem Glauben f�r dein Haus sorge�, im Vertrauen darauf, da� die, �so mit Tr�nen s�en, dereinst mit Freuden ernten� sollen. Erbarme dich meiner Kinder; hilf und rette, besch�tze und segne uns. Ja, o Ewiger, �sei du meine St�rke, meine Burg und mein Fels, auf dich hoffe ich und mir ist geholfen.� Amen! XV. Eine Waise. Ewiger, gerechter Gott! hart ist die Pr�fung, die du mir auferlegt hast, ich bin elend und verlassen; denn meinen Vater, den du mir zum treuen F�hrer und Versorger gabst und meine Mutter, deren Obhut und Liebe mich zu dir leiten sollte, ich sehe sie nicht mehr!--Ach, wo soll ich denn jetzt hingehen, wo Trost und Rat suchen? O, wie sehr habe ich mich nicht vers�ndigt, da� ich das Gl�ck, einen lieben Vater, eine liebe Mutter zu besitzen, nicht hinreichend zu w�rdigen wu�te, und da� ich nicht dankbar genug war f�r alles, was du mir in ihnen gegeben hast. Ach, wie einsam und niedergeschlagen f�hle ich mich jetzt! O, du selbst, Allg�tiger! �ffne du mir den Schatz deines Trostes! Noch hast du ja niemals eine Seele verlassen, welche dich nicht verlie�, sondern du halfst dem Elenden, der dich um deinen Beistand bat, und auch mir wirst du helfen. Du verk�ndigst mir in deinem Worte, da�, �wenn auch Vater und Mutter mich verlassen haben, so willst du dich, mein ewiger Gott und Vater, doch meiner annehmen.� Leite mich denn und f�hre mich; la� im Geiste mich stets umschwebt f�hlen von jenen geliebten und verkl�rten Seelen, und la� mich durch einen gottesf�rchtigen Wandel ihr Andenken ehren und ihnen so den schuldigen Dank darbringen. Sei du nun selbst mein Vater, der mich auf den Armen seiner Liebe tr�gt und mir den Bedarf des Lebens spendet. O gib, da� die Menschen, die sich freundlich an Stelle meiner Eltern meiner annehmen, auch Sorge tragen f�r das Wohl meiner Seele, und vergilt du ihnen all das Gute, welches sie in deinem Namen mir erweisen. Wohne du in meinem Herzen, und lenke meinen Weg so, da� ich mit Recht mich dein Kind nennen kann, mein himmlischer Vater, das Wohlgefallen vor dir und in den Augen der Menschen findet. Erh�re mein und aller Waisen Gebet; o gnadenreicher Gott, du ewiger Helfer. Amen! XVI. Im Alter. Treuer, ewig lebendiger Gott, �der den M�den Kraft verleiht und dem Ohnm�chtigen gro�e St�rke,� du, der versprochen hat, bis zum Alter mit uns zu sein, o, du hast gn�dig diese Zusage f�r mich gehalten, und ich bringe dir meinen Dank, �da� du mich von meiner Jugend an geleitet und mich mit Barmherzigkeit und Gnade umgeben hast, bis ich alt geworden bin.--O, verla� mich denn nun auch jetzt nicht, da ich f�hle, da� meine Kr�fte schwinden und meine Sinne stumpf werden.�Erinnere dich der S�nden und �bertretungen meiner Jugend nicht, aber gedenke meiner nach deinem Erbarmen um deiner Liebe willen.�[71] Verleihe mir Kraft, die B�rden des Alters mit Geduld zu tragen, und la� mich durch fromme Ergebung f�r alle, die um mich her wohnen, eine lebendige Ermahnung sein. Und je schw�cher meines Leibes Augen werden, um so mehr la� mich den Blick nach Innen wenden, da� ich mein Inneres l�utere und in den Gedanken an dich Ruhe gewinne. Ja, la� es mir in den paar Tagen, die mir noch zugemessen sind, gl�cken, dem j�ngeren Geschlecht ein gutes Beispiel zu geben, da� die Worte, welche ich rede, zur Verherrlichung deines Namens dienen m�gen, und die Handlungen, welche ich vollbringe, ein Zeugnis seien der Reinheit und Treue meines Glaubens und der Liebe in meinem Herzen. Und st�rke so mich in des Lebens letztem Streit, da� ich dann deutlich den Ruf deiner Liebe vernehme:�F�rchte nichts, denn ich erl�se dich; ich rufe dich bei deinem Namen, denn du bist mein,� und da� ich noch mit meinem letzten Atemzug deinen Namen bekennen und preisen m�ge. Amen! [Fu�note 71: Ps. 25, 7.] XVII. Bei der Fortreise von der Heimat. Allg�tiger Gott, der du unsere Schritte lenkst und einem jeden Menschen seinen Weg bahnst, la� mich in deinem Namen diese Reise antreten und beendigen. Sei du in deiner Gnade mein Begleiter, da� ich sicher wandern und Ziel und Zweck erreichen m�ge. Besch�tze mich auf meinem Wege, da� mich kein Unheil treffe, entferne jede Gefahr von mir, jedes Hindernis, da� ich meine Reise gesund und rasch zur�cklege, da� ich ungest�rt ausziehen und in Frieden wieder heimkehren k�nne. Aber w�hrend ich in der Ferne bin, nimm du meine Lieben (meinen Vater, Mutter, meinen Mann, meine Kinder usw.) in deinen Schutz, da� ich sie in Freuden wieder umarmen kann, wenn ich zur�ckgekehrt bin. Deine Rechte leite mich, wo ich auch gehe, und dein Gotteswort sei mir ein leuchtender Stern auf meinem Pfade. Es preise dich mein Mund und stimme froh an als Wanderlied:�Gottes Name ist eine feste Burg, in ihm pilgert der Fromme und ist gesch�tzt.�[72] Amen! [Fu�note 72: Spr. Sal. 18, 10.] XVIII. F�r einen Abwesenden, der auf der Reise ist. Lieber Gott! Mit Vertrauen wende ich mich an dich, um dich um deinen Schutz f�r den zu bitten, mit dem meine Seele so fest verbunden ist, f�r meinen teuren Gatten (meinen Vater usw.), der so fern von seiner Heimat ist. Wie meine Gedanken bei ihm verweilen, so wache du �ber ihn auf allen seinen Wegen; wenn er reist und wenn er sich ausruht, so sei du sein Besch�tzer und sein Schirmer, sch�tze ihn vor des Tages Hitze und den Gefahren der Nacht, halte jedes �bel fern von ihm und la� all sein Vorhaben gelingen. F�hre du, von dem allein alle Hilfe und aller Segen kommt, ihn gl�cklich zur�ck, und wir wollen dich einm�tig preisen und dir danken, du Gott der Barmherzigkeit, mein Schild, auf den ich mich verlasse. Amen! XIX. Wenn ein Kind auf Reisen ist, f�ge man hinzu: Ewiger, du, vor dessen Angesicht meine V�ter gewandelt sind, du, der du bis auf diesen Tag mein H�ter gewesen bist, segne du mein Kind auf seinem Wege und la� deinen Engel ihn (sie) leiten, da� er (sie) Wohlgefallen vor deinen und der Menschen Augen finden m�ge. F�hre ihn (sie) sicher und ruhig, wo er (sie) vielleicht einen gef�hrlichen Weg wandelt, la� ihn (sie) an Kenntnis, Einsicht und n�tzlicher Erfahrung wachsen, da� sein (ihr) Werk gesegnet werde. Lenke seinen (ihren) Fu� auf den Pfad der Frommen, wo Leben und Wahrheit ist, da� er (sie) nicht auf den Weg des Unrechts gerate, und da� er (sie) den Versuchungen und Verf�hrungen entgehe, die seine (ihre) Tugend und seinen (ihren) Glauben bedrohen. La� seinen (ihren) Gedanken oft die Erinnerungen und Ermahnungen vorschweben, die ich ihm (ihr) gegeben habe, lenke oft seine (ihre) Schritte in dein Haus, da� er (sie) in der Versammlung der Gemeinde dich anbete und das Bekenntnis seines (ihres) Glaubens erneuere, da� meine Seele dereinst, sei es hier auf Erden oder dort in der Ewigkeit, Freude an ihm (ihr) habe.�Auf dich, o Gott, setze ich alle meine Hoffnung, du wirst mich erh�ren.� Amen! XX. Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst. (Heimlicher Kummer, Verfolgung, Verleumdung, Untreue der Freunde und Anfechtungen.) 1. O, Gott der Liebe, der du so oft meine Gebete erh�rt hast, versto�e mich nicht von deinem Angesichte, wenn ich in heimlicher Bek�mmernis und Betr�bnis mich zu dir wende. Du allein kennst meine Sorge; du kennst die Angst, die mich erdr�cken will, und du wei�t, was es ist, das mich qu�lt. Du wei�t, unter welcher B�rde mein Herz seufzt, und du bist Zeuge meiner Tr�nen, die ich heimlich weine; denn du bist es ja, der selber mir diese Pr�fung geschickt hat. O du, mein Gott, �auf den ich von Jugend an meine Sorge geworfen habe,� sei du dann auch mein Trost und hilf mir. Sei mir nicht ferne, sondern komm und stehe mir bei, o Herr, mein Helfer, da� ich dir danken m�ge, wenn die Betr�bnis von meiner leidenden Seele wieder gewichen ist. Amen! 2.�Wie lange, Herr, willst du mich so ganz vergessen? Wie lange willst du dein Angesicht vor mir verbergen? Wie lange soll ich in meiner Seele sorgen und t�gliche Trauer in meinem Herzen f�hlen?�[73] Vergebens wende ich mich zur Rechten und vergebens zur Linken; ach Herr, mein Gott, die Menschen sind nur schlechte Tr�ster, die fassen meinen Schmerz nicht und wollen meine Klagen nicht h�ren, ja, selbst die, auf deren Freundschaft ich rechnete, sind mir untreu geworden, und ihre Gunst und Hingebung war nur auf fl�chtigem Sand gebaut. O du, der du ewig derselbe bist, �mein Herz bringt vor dich dein eigen Wort.��Suche mein Angesicht!� Nun suche ich dein Angesicht, Herr, und du hast ja gelobt, da� du den nicht verlassen willst, der dir vertraut, und da� du deine Hand nicht von ihm ziehen willst; o, so la� mich deine v�terliche Liebe zu mir auch in der Z�chtigung erkennen, und �ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, denn du bist es ja, der es getan hat.�[74] Ja �ich will stille sein und auf dich hoffen und dadurch wahre St�rke gewinnen.�[75] O, so zeige mir deine Gnade wieder; sprich zu mir:�Ich bin bei dir in der Not; f�rchte dich nicht, zage nicht, denn ich bin dein Gott, ich st�rke und erhalte dich.� Amen! [Fu�note 73: Ps. 13, 1-2.] [Fu�note 74: Ps. 27, 8.] [Fu�note 75: Ps. 39, 9.] 3. Ewiger,[76] du bist mein Licht und meine Seligkeit, vor wem sollte ich mich da f�rchten? Du bist meines Lebens Kraft, o Herr, vor wem sollte mir wohl grauen? La� nur meine Feinde sich wider mich erheben und wider meine Seele st�rmen; denn sie werden st�rzen. Wenn auch rings um mich her Heere lagern, so soll mein Herz doch nicht verzagen; denn du birgst mich in deiner H�tte in der schlimmen Zeit, und du �ffnest deine feste Burg mir als Zufluchtsst�tte, da� ich ruhig und sicher leben kann trotz aller Gefahr. B�se Zungen erheben sich wider mich und suchen mit ihren giftigen Pfeilen mich zu treffen; aber du, o Gott, bist mein Schild, so da� ich frei mein Haupt erheben kann, und du willst mich zu Ehren bringen. O, so la� mich denn deine Gnade im Land der Lebenden erfahren; la� mich ruhig meinen Weg wandeln und erf�lle meine Seele mit Geduld, da� ich auf dich vertraue, da� ich nicht verzage, und da� auch dieses Ungemach meinem Geist zum Frommen und zur Rettung diene.�La� jedes unfreundliche Urteil, das �ber mich gef�llt wird, jede Verkennung, die mich trifft, eine ernstliche Erinnerung daran sein, da� ich einst zur Rechenschaft gefordert werden soll, so da� ich Selbstpr�fung �ber meinen Sinn und meinen Wandel anstelle; la� mich einen Beweis darin sehen, �da� ich Wohlgefallen vor deinen Augen gefunden habe,� und st�rke mich so in der sicheren Hoffnung, �da� du mich hier auf Erden erh�ltst und mich einst zu ewiger Seligkeit bei dir erheben wirst.�[77] Amen! [Fu�note 76: Nach Ps. 27.] [Fu�note 77: Ps. 41, 12-13.] 4. Tr�be Gedanken umdunkeln meine Seele, und Angst und Verwirrung �berkommen mich. Ach Herr, was hab' ich doch getan, da� ich keinen Frieden finden kann? Es ist, als wenn am Tage b�se Geister mich bei allen meinen Handlungen verfolgten und als ob sie bei Nacht mein stilles Lager umschwebten und sich eindr�ngten, wenn ich meine Seele zu dir erheben will. Vergebens k�mpfe ich, alle die b�sen und schrecklichen Vorstellungen zu verjagen, aber es gibt nichts, das mich erretten kann.�O, so erh�re du mein Flehen, und la� mein banges Seufzen nicht unerh�rt von dir zur�ckkehren,� du, Allm�chtiger, denn du allein nur kannst alle meine Plagen enden. O, sei mir nicht ferne, sondern gib mir durch deinen Geist Kraft, diesen finstern und b�sen Gedanken zu widerstehen. Auf dich setze ich meine ganze Hoffnung, ach, la� sie nicht zu schanden werden, sondern la� das Licht deines Angesichtes mir leuchten, wenn die b�sen Stunden kommen, da� ich mich von deiner Vaterliebe umgeben f�hle und errettet werde. Amen! XXI. Gebete in Krankheit. Eine Kranke. 1. Ewiger, der du lauter Erbarmen und Wahrheit bist, gar vielfach sind die Wege, auf denen du den Menschen zu dir ziehst, wenn wir nur w��ten, uns ihrer mit Nutzen zu bedienen. Lange hast du in deiner G�te mir gesunde Tage geschenkt; ach, vielleicht habe ich dir nicht genugsam daf�r gedankt; vielleicht habe ich die Kr�fte meines K�rpers nicht gebraucht, wie ich sollte, und habe nicht geachtet der Seufzer und Klagen der Leidenden, da� ich ihnen zur Hilfe eilte und ihre Not linderte; vielleicht achtete ich die eitlen G�ter zu hoch;--siehe, da f�hrst du mich jetzt andere Wege. Krankheit hat meinen Leib ergriffen und in Schmerzen liege ich danieder auf meinem Lager und w�lze mich hin und her in der schlaflosen Nacht und finde am Tage keine Ruhe. Du, der du nur das Gute willst, hast mich vielleicht von Krankheit heimsuchen lassen, damit ich, der in den Zerstreuungen der Welt sich verlor, mein eigenes Herz l�utere und pr�fe und auf des Schmerzes hartem Lager lernen sollte, dich zu suchen. Siehe des Fiebers Glut, die mich verzehrt, soll mich vielleicht an meine Lauheit und K�lte in deinem Dienste erinnern, in dem Beruf, den ich erf�llen sollte, in der Anbetung deines Namens, und der brennende Durst meiner Zunge an die Vers�umnis, die ich mir zu schulden kommen lie�, da� ich nicht t�glich den Labetrunk aus der reichen Quelle deines Wortes sch�pfte. Der eiskalte Schauer, der mich sch�ttelt, soll vielleicht die gl�hende Leidenschaft strafen, mit der ich die Befriedigung meiner Fleischeslust suchte, und diese Schw�che und Ohnmacht soll meine H�rte gegen die Schwachen und Bedr�ngten strafen, denen ich keine hilfreiche Hand reichte; mein Bed�rfnis nach der Pflege und den Beistand anderer soll meine Seele mit Scham �ber all mein t�richtes Selbstvertrauen und meinen eitlen Stolz erf�llen, mit denen ich geringsch�tzend auf andere herabsah. O Herr, ich unterwerfe mich mit Ergebung deinem Willen und bitte nur: Gehe nicht hart mit mir ins Gericht, sondern la� mich deine Gnade erfahren. Habe ich mich vers�ndigt, und ich verdiene deine Z�chtigung, o, so erbarme dich �ber mich, wie ein Vater, der sein Kind z�chtigt; fl��e mir den Trost ein, �da� der Herr mich wohl z�chtigt, aber mich nicht dem Tode �berliefert.�[78] Mache du selbst, o mein Vater, mein Krankenlager zu einer Schule der Weisheit f�r mich und la� durch die Leiden meines Leibes meine Seele genesen. Herr, ich werfe mich in deine Arme, st�rke mich, lehre mich mein Inneres l�utern und mich mit meinem ganzen Herzen zu dir zu wenden; schenke sowohl mir Geduld in den Stunden der Schmerzen, als auch denen, die mich freundlich pflegen;�vergib mir alle meine S�nden, und la� mich deine Gnade wieder schauen, die so gro� ist �ber den Staubgeborenen,� und ein Wandel, der dir gef�llt, soll Zeugnis davon sein, da� die Krankheit mich auf den rechten Weg zur�ckgef�hrt hat, wie er in den Tagen der Gesundheit von denen betreten werden soll, die �dich suchen und lieben.� Amen! [Fu�note 78: Ps. 118, 18.] Besonders in bedenklicher Krankheit. 2. Alliebender, ewiger Vater, du, �der alle S�nden vergibt und alle Krankheiten heilt,�[79] auf mein Krankenlager niedergestreckt, sende ich meine Gebete hinauf zu dir, o, sende mir Linderung und stehe mir bei in der Stunde der Gefahr! Du, �der kein Wohlgefallen an dem Tod des S�nders findet, sondern darin, da� er auf seinem Wege umkehre und lebe�, o, la� es dein Wille sein, mir die Gaben der Gesundheit wieder zu geben, da� ich noch in dem Lande der Lebenden wirken m�ge. Ach, ich bitte dich nicht wegen meiner, nein, vielmehr um derer willen, die so innig an mir h�ngen, und deren Herzen bluten w�rden, wenn du mich abriefest. (Ich bitte dich um meines geliebten Gatten willen, um meiner unm�ndigen Kinder willen, ich bitte dich um meiner alten Eltern willen, um der heiligen Pflichten willen, die ich zu vollf�hren habe, errette mich!) Ich wei�, da� die Menschen nichts verm�gen, und da� alle irdische Kunst und Wissenschaft nichts n�tzt, wenn du nicht, o himmlischer Arzt, die Genesung von oben sendest. Ach, so la� es dir denn gefallen, mich zu retten; o, sei mir gn�dig und heile meine Seele; denn ich habe wider dich ges�ndigt![80] Sollen meine Leiden noch lange w�hren, so sei du mir nahe mit deinem Geiste, la� ihn am Tage �ber mich schweben und mir St�rkung und K�hlung zuf�cheln und la� ihn in der Nacht um mich sein, da� fromme Gedanken mir die Stunden der Dunkelheit verk�rzen, und die Schmerzen durch die Gewi�heit, da� sie die Mittel meiner Seelenrettung seien, gelindert werden. Aber sollte es der Wille deiner unerforschlichen Weisheit sein, mich abzurufen, o, so erf�lle meine Seele mit Gedanken der Ewigkeit und st�rke mich in meinem letzten Kampf durch die Gewi�heit des Trostes, da� du mein Leben an dem Grabe erl�sen und mich mit Gnade und Barmherzigkeit[81] kr�nen willst, da� du, der du alles versorgst, was da lebt, in deiner F�rsorge dich der Meinen annehmen und sie in den Schutz deiner Fittige nehmen m�gest. Herr tue mit mir nach deinem Willen!�Heile mich und ich bin geheilt, hilf mir und mir ist geholfen, denn du bist mein Hort.�[82] Du wirst mich erl�sen, Herr, du treuer Gott. Amen! [Fu�note 79: Ps. 103, 3.] [Fu�note 80: Ps. 41, 5.] [Fu�note 81: Ps. 103, 4.] [Fu�note 82: Jer. 17, 14.] Bei derselben Veranlassung in Bibelversen. 3. Aus der Tiefe ruf ich zu dir, o Herr, neige dein Ohr meinem Rufe, du Ewiger, h�re meine Klage und mein Flehen. Schwer ruht deine Hand auf mir, und meine Schmerzen suchen mich heim alle Zeit; von Angst und Seufzer wird mein Fleisch verzehrt. Am Tage verschmachte ich, und viele leidenvolle N�chte fallen in mein Los; o Allerbarmer, sieh meinen Jammer und mein Elend. Wie Mutterlose, niedergeschlagen und verlassen, stehen meine Kinder um mein Lager, und ich sehe Tr�nen die Wangen meines Gatten netzen, wie sehr er es auch vor mir verbirgt. Ach Herr, warum so lange? Am Tage rufe ich zu dir, aber ich bekomme keine Antwort und in der Nacht h�re ich nicht auf zu flehen. Wie ein Sklave, der nach Schatten seufzt und wie ein Tagl�hner, der sich nach der Ruhe des Abends sehnt, habe ich Monate (Wochen) in Kampf und Schmerzen zugebracht. O Herr, lindre meine Not und mein Leiden! Sollte keine Heilkraft in Gilead sein, du ewiger Arzt, da� ich errettet w�rde? Ja, gewi�, wer auf dich hofft, ist nicht verlassen! Du wirst in deiner G�te mich st�tzen und alle meine Krankheit heben. Du hast mich ja so oft gro�e Bedr�ngnis, Angst und Not schauen lassen und mich doch aufs neue belebt und mich aus dem Abgrund der Erde emporgezogen. Ja, ich sagte in meiner Qual: Ich bin vor deinen Augen versto�en; aber du h�rtest meine verborgene Stimme, da ich zu dir rief, und du tr�stetest mich wieder. Und wenn auch noch mehr Weinen uns bevorsteht, so werden ich und die Meinen am Ende doch deine Hilfe erfahren, und �die mit Tr�nen s�en, werden mit Freuden ernten.� Ja, du wirst mich von aller Sorge befreien, unter den Frommen hienieden oder bei den Verkl�rten dort; ja, ich soll deine Taten verk�nden! Amen! Vor einer gef�hrlichen Operation. 4. Mein Gott, meine St�rke und meine Hoffnung!�Du, in dessen Hand die Seelen aller Lebenden und der Geist ist, der das Fleisch eines jeden Menschen belebt, � du hast mir heute eine Stunde gesandt, voller Schmerzen und Gefahr, in der versucht werden soll, mir meine Gesundheit zur�ck zu gewinnen, (in der ich ein Glied meines K�rpers verlieren soll, um wo m�glich mir dadurch das Leben zu erhalten), o, sei mir denn mit deiner Liebe in diesen Augenblicken nahe. St�rke meinen Mut und lehre mich den schwersten Schmerz in dem Gedanken ertragen, da� du es bist, der �sowohl Wunden schl�gt als auch sie verbindet,� da� deine Weisheit es also beschlossen hat und es deshalb zu meinem Heile dienen soll. Ach, da� du mich deines Beistandes und Trostes in diesem Kampfe w�rdig hieltest! Vergib mir, o, vergib mir alle meine S�nden, (hier lese man das S�ndenbekenntsis, Oschamnu), la� meine Seele zu dieser Stunde sich mit aller Welt vers�hnen und la� mich alle Bitterkeit aus meinem Herzen tilgen! La� mich erfahren, da߻nur eine kleine Stunde �ber deinen Zorn verrinnt, aber das Leben deine Lust ist. Du verl��t den Menschen nur eine kurze Weile, aber du nimmst dich seiner mit gro�em Erbarmen wieder an.� Rufe mir ins Ged�chtnis, wie viele sich den schwersten Martern unterworfen, um deinen Namen zu heiligen, und durch ihren festen Glauben sich die Herrschaft �ber den Schmerz errungen haben, wie viele Mut und Standhaftigkeit in den herbsten Leiden zeigten und unter deinem Segen f�r ihre fromme Standhaftigkeit durch eine freundliche Zukunft belohnt worden sind. La� die Liebe und das Vertrauen zu dir, Allg�tiger und Allbarmherziger, mich keinen Augenblick verlassen; la� deine Rechte mich halten. Nun wohlan denn! in deinem Namen!�In deine H�nde befehle ich meinen Geist� mit meinem irdischen Leibe. Gott ist mit mir, ich f�rchte mich nicht! Sch�ma Jisroel Ad�nai El�henu Ad�nai Echod!--H�re Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger Gott! Gelobt sei er in alle Ewigkeit! Amen! F�rbitte f�r einen Kranken. 5. Herr! du selber hast gesagt:�Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.� O, la� denn das Gebet meines bek�mmerten Herzens zu dir aufsteigen. Bei dir sollte ich wohl St�rke finden unter der schweren Krankheit, die meinen lieben... (hier wird der Name des Kranken genannt) an das Lager fesselt. Wohl wei� ich, da� deine Wege nicht unsere Wege und da� die Ratschl�sse deiner Weisheit unerforschlich sind und verborgen unserer Kurzsichtigkeit, und da� auch diese Schmerzen, unter denen der Teure leidet, von dir gesandt sind; aber ich wei� auch, da� du gn�dig auf die herniederblickst, die in ihrer Angst zu dir rufen, und da� die Tr�nen, die meinen Augen entstr�men, dir nicht mi�fallen.--Du, der du selbst uns hast verk�nden lassen, da� du unser Arzt sein willst, wenn wir auf deinen Wegen wandeln, o, vergib dem Kranken alle seine �bertretungen, tilge das Andenken seiner S�nden und la� es dein Willen sein, da� mein....... wieder rasch geheilt werden und noch lange leben m�ge zur Verherrlichung deines Namens. Lindre sein (ihr) Leiden und la� ihn (sie) Erquickung und Ruhe finden. Erh�re die Gebete, die er (sie) zu dir sendet und schenke mir ihn (sie) wieder, da� ich dir danken m�ge, mein Helfer und Gott. Amen! Der Kinder Gebet f�r einen kranken Vater oder eine kranke Mutter.[83] 6.�Erh�re, o Gott, mein hei�es Gebet, und schweige nicht zu meinen Tr�nen,�[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterf�lltes Herz! Denn ach, die G�ter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater (meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!--O Herr, welche Wehmut erfa�t mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn (sie) zu verlieren.�Strafe mich nicht in deinem Zorn und z�chtige mich nicht in deinem Groll,�[85] sondern vergib mir alle meine S�nden und sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine Mutter) nicht von mir. Vergib mir alles, worin ich mich gegen ihn (sie) vergangen habe, und la� ihn (sie) noch den Tag erleben, wo ich ihm (ihr) meine ganze kindliche Liebe und Hingebung beweisen kann. O Herr, errette ihn (sie) um deines heiligen Namens willen, �du, mein Gott, der ein Gott der Errettung ist, der Herr, der Ewige, der vom Tode errettet,�[86] und erf�lle so f�r mich (und meine Geschwister) deine Zusage, da� dein Name nicht von uns weichen und der Bund deines Friedens dem Geschlechte der Frommen erhalten werden soll. Amen! [Fu�note 83: Dieses Gebet kann auch von einer Gattin f�r den Gatten bei dessen Krankheit gebetet werden, wenn die Worte darnach ver�ndert werden.] [Fu�note 84: Ps. 39, 13.] [Fu�note 85: Ps. 6, 3.] [Fu�note 86: Ps. 68, 21.] Dankgebet nach einer �berstandenen Krankheit. 7.�Wie soll ich dir danken, o Herr, f�r alle deine Wohltaten,�[87] da� du nicht nach meinen S�nden mit mir verfahren und mir nicht nach meinen Missetaten vergolten, sondern dich �ber mich erbarmt hast, wie ein Vater sich �ber seine Kinder erbarmt? Wie soll ich dir danken, da� du meine St�tze in all meiner Schw�che warst!�Siehe, ich kam der Pforte des Todes nahe; da rief ich zu dir, und du sandtest mir dein Wort und heiltest mich.�[88] O, la� den geringen Dank meines Herzens f�r jede Linderung, f�r jede Tr�stung und Erquickung als ein Rauchopfer zu dir emporsteigen.�Ja, Du gabst mich dem Leben zur�ck, und alle Tage meines Lebens will ich dir daf�r danken, indem ich dem�tig deine Wege wandle und stetig mir vergegenw�rtigen will, da� du es gewesen, der mich aus dieser Gefahr und Seelenangst errettet hast.� Verleihe mir deinen Beistand zur Erf�llung meiner Gel�bde, da� ich mein Leben deinem Dienste weihe (und der Erziehung meiner Kinder in deiner Furcht) und deinen Namen und deine G�te vor meinem Geschlechte preise. La� mich stets mit einem dankbaren Sinn mich aller Hilfe, Teilnahme und Tr�stungen erinnern, welche treue Verwandte und Freunde mir auf meinem Krankenlager zuteil werden lie�en, und alle Freundlichkeit und Sorgfalt und Geduld, die selbst bezahlte Diener mir bewiesen. Jetzt habe ich vollkommen das Weh der Krankheit kennen gelernt; jetzt verstehe ich den Schmerz der Armen, welche auf dem Siechbette seufzen; ach wollest du, o Gott, mir deinen Geist und deine Kraft mir dazu verleihen, sie zu pflegen, ihren sinkenden Mut aufrecht zu halten und ihre Hoffnung durch dein Wort zu beleben! O, Allbarmherziger, la� meine Krankheit meinen Geist gel�utert und mich von den S�nden gereinigt haben, da� ich auch ferner deines v�terlichen Schutzes w�rdig sein m�ge! Beh�te du meine Wege, und niemals wird meine Seele aufh�ren, dir Lob und Dank und Preis zu bringen. Amen! [Fu�note 87: Ps. 103, 31.] [Fu�note 88: Ps. 107, 17-22.] Gebet f�r Kranke. (Nach dem Hebr�ischen) In einem Krankheitsfalle bete man folgende Schriftstellen: Ein Leidender, wenn er verschmachtet und seine Klage aussch�ttet vor dem Herrn. (Ps. 102, 1.) 8. Herr! o h�re mein Gebet und la� meine Klage vor dich kommen; verbirg dein Angesicht nicht vor mir, sondern neige dein Ohr mir zu in der Stunde der Not, und erh�re mich rasch an dem Tage, da ich zu dir rufe. Ja, zu dir, o Herr, bete ich; dem�tig flehe ich zu dir; o, sei du auch mein Schild, erhebe mein Haupt und erh�re mich von deinem heiligen Berge. O, h�re mich, wenn ich bete, du mein gerechter Gott, der mich in der Not errettet, sei mir gn�dig und erh�re mein Gebet. Lausche meiner wehm�tigen Klage, o mein K�nig und Gott, denn zu dir bete ich. In meiner Not rufe ich zum Herrn, bete zu meinem Gott, und er h�rt meine Stimme von seinem hohen Himmel; meine dem�tige Bitte erreicht sein Ohr. Ja, h�re meine Stimme, o Herr, nun ich dich anrufe, sei mir gn�dig, und erh�re mich. Ich rufe zu Gott und der Herr errettet mich. H�re, o Herr, meinen Ruf und lausche meinem Gebet. Sei mir gn�dig, o Herr, den ganzen Tag rufe ich zu dir; erf�lle die Seele deines Dieners mit Freude, denn zu dir, o Herr, erhebt sich mein Geist, und du, o Herr, bist gut und gn�dig und erbarmst dich �ber den, der dich anruft. Mit lauter Stimme bete ich zum Herrn, und ich sch�tte vor ihm meine Klage aus und erz�hle ihm meine Drangsale. Herr, du kennst mein Sehnen und mein Seufzer ist dir nicht verborgen, o erinnere dich nicht meiner Jugends�nden, sondern sei gnadenreich gegen mich um deiner G�te willen, o Herr! Reinige mich von meinen S�nden, l�utere mich von meiner Schuld. Ja, gedenke nicht der S�nden meiner Vorzeit, sondern la� dein Erbarmen mir rasch zuteil werden, denn ich bin sehr elend. Um deines Namens willen, o Herr, vergib mir meine S�nden, denn sie sind sehr schwer, und wolltest du nach der S�nde bestrafen, o Herr, wer k�nnte da vor dir bestehen? Behandle uns nicht nach unserer Schuld und strafe uns nicht nach unserer S�nde. Und zeugen unsere S�nden wider uns, o Herr, so achte nicht darauf, um deines Namens willen, denn ich kenne meine S�nden und bin bek�mmert ob der Schuld meiner Vergehen. Errette mich von den Folgen aller meiner �bertretungen, da� ich nicht zum Spott der Toren werde. Ich bitte, o Herr, sei mir gn�dig, heile meine Seele, denn ich habe wider dich ges�ndigt; sei mir gn�dig in deiner Barmherzigkeit und tilge meine Schuld in deinem unendlichen Erbarmen, denn ich bekenne meine Schuld und habe stets meine S�nden vor Augen. Ja, so wende dein Angesicht von meiner Schuld ab und tilge meine S�nde. Ich mu� erliegen unter meiner S�ndenschuld, aber vergib du sie mir, denn du Allbarmherziger vergibst die Schuld und vernichtest nicht; so manches Mal hast du deinen Zorn bes�nftigt, o, so la� deinen Groll denn auch �ber mich nicht entflammen! Hilf mir, errettender Gott, um der Ehre deines Namens willen. H�tte ich auch Unrechtes in meinem Herzen gedacht, in dem Wahn, da� du es nicht wissest, du, der Allwissende, o Gott, so h�re doch nur auf meine betende Stimme: Strafe mich nicht in deinem Zorn, o Herr, denn ich welke dahin; heile mich Herr, denn meine Glieder werden matt und meine Seele ist gar m�de! Ach Herr! Wie lange soll es w�hren? Wende dich wieder zu mir, o Herr! Rette meine Seele, hilf mir um deiner Gnade willen, meine Augen schauen mit Sehnsucht aus nach deiner Hilfe, nach der Vergebung deiner Gnade; o la� dein Erbarmen sich mir nahen, o Herr, sende mir die Hilfe, die du versprochen hast. Ich will wieder umkehren zu dem Herrn, denn er verwundet wohl, aber er heilt auch wieder, und wie er verletzt, so verbindet er auch. Ja, du, o Herr, bist barmherzig und gn�dig, schenke deinem Diener Kraft und hilf dem Kinde deiner Dienerin. Sch�tze mich vor Not, umgib mich mit dem Jubel der Errettung. Vertraue dem Herrn auf ewig, denn der Herr ist der ewige Fels. Der Herr gibt seinem Volk den Sieg und segnet es mit Frieden. Gott der Heerscharen! Gl�cklich ist der Mensch, der sein Vertrauen auf dich setzt; Herr, errette mich, mein K�nig! erh�re mich, wenn ich zu dir rufe. Herr der Welt! Ich wei�, da� dein Urteil gerecht ist: Du hast mich vor deinen Richterstuhl gerufen, aber ich bin nicht rein vor dir, und keiner kann mich vor dir rechtfertigen. Aber du willst meine schlafende Seele retten, da� sie sich wende zu dir; o siehe ich trete vor dich im Vertrauen auf deine heilige Zusage, da� ich durch Gebet mir Linderung und Errettung bereiten soll, um gerechtfertigt vor deinen Richterstuhl treten zu k�nnen. O, wende du in deiner gro�en Gnade das strenge Urteil von mir ab und befiehl dem Engel des Verderbens, da� seine Hand von mir ablasse! Vergib mir alle meine Schuld in deiner gro�en Barmherzigkeit, denn ich halte Umkehr und tue Bu�e und sehe vollkommen meine Schuld ein und bereue sie von ganzer Seele. Siehe, mein Herz wird von Scham erf�llt und mein Angesicht wird rot vor Besch�mung, denn ich habe gar sehr ges�ndigt, und deshalb eile ich, zu dir zur�ckzukehren. Schaue denn, o Herr, meine Not an und rechne sie mir zur Vers�hnung; o, wache �ber mich und alle Meinen und sprich: Es sei genug! Im Namen des Ewigen! La� doch meine Leiden ihr Ende nehmen und wende mein Los zum Guten und sende mir und allen Kranken in Israel baldige Heilung. Zeige mir ein Zeichen der Errettung und erbarme dich �ber mich um deiner Gnade willen, denn deine Barmherzigkeit ist so hoch wie der Himmel, und deine Treue reicht weiter, denn die Wolken gehen. O Herr! Ewig will ich dir dann danken und deine Wunder verk�nden. Ich beuge mich in Demut vor dir, und ehre deinen Namen. Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit. Amen! Betet man f�r einen andern, so f�ge man hinzu: Erbarme dich �ber meinen kranken (Gatten, Sohn usw.), denn du bist barmherzig und gn�dig, und sende ihm (ihr) und allen Kranken in Israel vollkommene Genesung. Herr, zeige mir ein Zeichen der Errettung zum Guten, erbarme dich �ber mich um deines Namens willen, denn deine G�te und Treue reichen hinauf zum Himmel und so weit die Wolken gehen. Ewig will ich dir dann danken und alle deine Wunder verk�nden. Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit[89]. Amen! XXII. Gebete w�hrend einer ansteckenden Krankheit. Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor er es finster werden l��t, und bevor eure F��e ansto�en gegen die dunkle H�he. (Jer. 13, 16.) 1. Allm�chtiger Gott! Du erinnerst uns Menschenkinder daran, da� wir Staub und Asche sind; denn �ber unsere Stadt ist die schlimme Zeit hereingebrochen, von der es hei�t: � Das Volk soll ge�ngstigt werden und umhergehen wie Blinde, weil es gegen mich ges�ndigt hat�(Zeph. 1, 17). Ach, schon h�ren wir das Seufzen der Angst und bemerken die Zeichen des Schreckens auf dem Antlitz vieler Leute, w�hrend unser Inneres bebt und fragt: wer kann oder wird uns doch retten? Wir tappen umher in der Finsternis, die sich �ber uns gelagert hat.--O du, dessen Barmherzigkeit ohne Ende ist, dessen G�te sich mit jedem Morgen erneuert, sieh unsere Bek�mmernis, �ffne unsere Augen und lehre uns begreifen, da� du es bist, der Allbarmherzige, der diese Zeit �ber uns geschickt hat, auf da� wir unsere Ohnmacht erkennen und uns �berzeugen, da� du dich gegen dein s�ndiges Kind als ein lieber Vater zeigst, der es wieder in Gnaden annehmen will. Sende uns deinen Geist, da� diese Zeit der Heimsuchung zu unserer Heiligung diene; denn ach, wir m�ssen bekennen, da� wir dich lange nicht �ber alles in der Welt geliebt haben, wie wir es dir schulden. Nicht auf dich haben wir unser Vertrauen gesetzt, sondern auf verg�ngliche Dinge, auf schwache Menschen. Eitelkeit und Habsucht, Hochmut und Ha�, Neid und Wollust beherrschen uns. O lieber Gott, la� uns deine G�te in dieser schlimmen Schickung erkennen, da� sie uns l�utere und reinige, und la� sie auch mich also r�hren, da� ich zu dir wieder mit getrostem Mute aufschauen kann, wie ein Kind zu seinem Vater, in der Gewi�heit, �da� du mich nur strafst, aber nicht auch dem Tode hingibst.� O du, der du gut bist und gerne vergibst, der du Erbarmen gegen den zeigst, der dich anruft, o vergib mir meine S�nden und la� mich deine Vaterstimme h�ren, die mir zuruft:�Du bist nicht verlassen, ich bin bei dir in der Not, ich will mich �ber dich erbarmen und will dich aus derselben erl�sen!� Erschaffe in mir ein reines Herz und einen neuen, best�ndigen Geist erneuere in meinem Innern. Du, der du mein Vater bist, mein ewiger Erl�ser, gelobt sei dein Name. Amen! [Fu�note 89: Ps. 57, 11. 108, 2.] Gebet um Mut. Wenn ich mitten in Angst wandere, so erquickst du mich. (Ps. 138, 1.) 2.�Zu dir, o Gott, rufe ich, und bete, o, la� mein Seufzen nicht unerh�rt zur�ckkehren.� Dich suche ich auf in dieser Zeit der Not und nach dir strecke ich meine Hand aus in der Nacht, wenn nichts meine bange Seele erquicken will, denn rings um mich her verbreitet der Tod seine Schrecken, und der Mut verl��t mich. O, mein Vater, du bist bisher mit mir gewesen, verla� mich auch jetzt nicht, sondern erneuere in mir deine gnadenreiche Verhei�ung:�F�rchte dich nicht, denn ich bin bei dir in der Not; verzage nicht, ich bin dein Helfer; ich st�rke dich und beh�te dich, ich unterst�tze dich mit der Hand meiner Gerechtigkeit.� Fl��e mir Mut ein, da� ich, umringt von den Schrecknissen des Todes, sicher ausrufen m�ge:�Der Herr ist mit mir, deshalb f�rchte ich nichts!� O, nicht nur um meinetwillen sondern auch f�r die, welche verzagt und in des Todes �ngsten wandeln, bitte ich dich: gib mir Mut, da� ich sie in ihrer Furcht beruhigen, da� ich zur Hilfe eilen k�nne, wo jemand niedersinken will, und da� ich ihre angsterf�llten Herzen st�rken k�nne.--Ich bitte um Mut und Kraft f�r die, deren Beruf es ist, die Kranken zu besuchen, da� sie auf dich vertrauen und es erfahren, wie �du ihren Mut und ihre Kraft vermehrst, da� sie gehen und nicht ermatten, da� sie laufen und nicht m�de werden!� Wir sind ja in deiner Hand, wie sehr wir auch bedroht sind, und nichts kann uns widerfahren, ohne da� es von dir geschickt ist, und niemand stirbt, bevor seine Zeit verflossen, die du ihm zugemessen hast! Soll ich da Furcht hegen in den b�sen Tagen, in denen meine Treue ja recht gepr�ft werden soll, wenn ich glaube, da� es ein weiser und liebevoller Lenker ist, dessen Augen offen sind �ber den Wegen aller Menschenkinder, und der �ber Leben und Gesundheit eines jeden wacht; wenn ich glaube, da� � wir einen Gott haben, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet!� O, Herr, vergib mir meine s�ndige Schw�che, la� mich sch�pfen aus der Quelle des Lebens, aus der Gottesfurcht und den Schlingen des Todes entgehen. So sei denn ruhig, meine Seele; weshalb bist du so niedergebeugt und st�rmst in mir? Warte auf den Herrn, denn ich soll ihm noch danken, da� er mein Helfer war! O Herr, st�rke mich, durch Unerschrockenheit deinen Namen zu verherrlichen und ihn vor den kommenden Geschlechtern zu preisen. Zeige dich g�tig gegen mich, da� ich leben m�ge und deine Gebote halte. Amen! Tr�stung. Gott, wir h�ren deine Stimme durch die Welt erschallen--und beben:--o Ewiger, erhalte deine Gesch�pfe, denke im Zorn daran, dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, da� der Himmel mit deiner Herrlichkeit erf�llt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab. 3.) 3. Der Herr ist meine St�rke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige D�nste sich ausbreiten, mein Herz f�rchtet sich doch nicht, denn der Herr stillt das brausende Meer und das Get�se der verheerenden Wogen. Ja, du, Herr! h�ltst deine Hand �ber mich, da� kein �bel mich vernichte, wie gro� und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich leitet; du birgst mich in deiner H�tte zu der schlimmen Zeit und bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl f�r eine kleine Stunde zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner gro�en Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, da� du mich wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, da� ich alle deine Wundertaten verk�nden kann. Amen! Ergebenheit in Gottes Willen. Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer Angst. (Ps. 107, 13.) 4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den �ngsten der Drangsale und der Betr�bnis, sucht mein bek�mmertes Herz dich, du Herr des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, da� du meine Seele mit Ergebung in deinen Willen erf�llen m�gest, so da� ich vertrauensvoll mich dir hingebe und spreche:�Siehe, hier bin ich, Allg�tiger, tue mit mir, wie dir am besten scheint!�(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Fl�gelschlag des Todes trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein Herz st�rken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der Gedanke, da� meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht? Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe wieder zur�ckzunehmen, aber gewi� wirst du es nicht tun, ohne da� auch darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.�Herr, in deine Hand befehle ich meinen Geist; du wirst mich erl�sen, wenn du es f�r gut findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!�--Mit Sorgfalt will ich mich vor allem h�ten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen k�nnte, und will suchen, dasselbe durch M��igkeit, durch Ordnung in meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu besch�tzen. Aber ich will auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit allen vers�hnen, die irgendwie mich gekr�nkt oder beleidigt haben, und ich will alle �u�eren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, da� ich nicht unvorbereitet vor dein Angesicht treten m�ge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen solltest.--Allg�tiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir �berantworte ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig und gefa�t. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und wird von deiner Liebe beh�tet, die st�rker ist als der Tod. Deshalb verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen. Amen! Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu beschlie�en. 5. Herrscher der Welt! Ewiger, barmherziger Gott, der voll G�te und Erbarmen ist, und in dessen Hand die Seelen aller Lebendigen ruhen, o, gehe nicht ins Gericht mit uns, denn kein Menschenkind kann sich vor dir rechtfertigen. Wie sollen wir, o Allm�chtiger, unsere Schuld abbitten, und womit uns vor dir verantworten? Wenn du uns unsere S�nde anrechnen willst, wer k�nnte da vor deinem Zorn bestehen, aber erh�re uns um deines heiligen Namens willen und blicke gn�dig vom Himmel auf uns nieder und la� mein und aller Gebete, die in dieser Zeit zu dir aufsteigen, dir angenehm sein wie das reinste Rauchopfer, welches uns in fr�heren Tagen deine Vers�hnung und Errettung gewann. Vergib und verzeihe diesem Volke seine S�nden in deinem gro�en Erbarmen, o du, der du allen denen nahe bist, die dich in Wahrheit anrufen! Neige dein Ohr unserer hei�en Bitte und wende jede Krankheit und Seuche von uns ab; errette alle, die in dieser Stadt und diesem Lande wohnen von Pest und Plage! La� deine Barmherzigkeit �ber uns alle, nah und fern, wachen, und sende deinen Engel vor uns her, da� wir unerschrocken im Vertrauen auf dich wandeln, und keine Plage sich unserer Wohnung n�here; heile uns, so sind wir geheilt, hilf uns, so ist uns geholfen, denn du allein bist unser Ruhm und unsere Zuflucht. Allerbarmer, treuer Arzt, alliebender Vater! verbirg dein Angesicht nicht vor uns, sondern lausche in unserer Not auf unsern Angstruf; schweige nicht zu unsern Tr�nen und z�chtige uns nicht in deinem Zorne; suche uns nicht heim in deinem Grimme, verla� uns nicht in unserem Kummer, verwirf uns nicht, wenn unsere Kr�fte schwinden, sondern erinnere dich deiner unendlichen G�te und behalte zur�ck das schlimme Verh�ngnis; st�rke die Schwachen, da� unsere Herzen mit Mut erf�llt werden, und sei uns gn�dig um deines heiligen Namens willen. O, eile uns zu Hilfe, da� wir nicht unter dem Drucke der Leiden erliegen, befreie uns von allem B�sen, und la� uns nicht unerh�rt von deinem Angesichte gehen, sondern la� dein Antlitz uns in Gnade leuchten, auf da� ich und wir alle uns deiner Hilfe freuen und durch deine Rettung froh werden m�gen. Amen! Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20. 23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116. 118. 121. 130. 143. Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschlie�en. 6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in deiner Langmut uns unsere S�nden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben vom Grabe errettest und uns mit G�te und Barmherzigkeit kr�nst, o, neige dein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende Heilung f�r mein zerknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, da� meine S�nden gro� und zahlreich sind, ach, und da� keiner von uns vor dir w�rde bestehen k�nnen, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest; aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der Himmel �ber der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade �ber uns; du erbarmst dich ja �ber uns, wie sich ein Vater �ber seine Kinder erbarmt, o la� denn deine G�te mit uns sein und zeige uns das Zeichen der Errettung! Hilf uns unter allen schlimmen Heimsuchungen, unter all den schweren Schickungen und Strafgerichten, welche du �ber die Welt verh�ngst; sei uns nahe, w�hrend wir beten, zerteile die dunkle Wolke, die sich �ber uns gelagert hat, und entferne von uns jede Krankheit und Plage, ja errette uns von der b�sen Seuche, die sich �ber so viele Lande verbreitet hat! O, nimm dieses Unheil fort von deiner Erde und la� das Verderben unsere Wohnung nicht erreichen; befreie uns von aller Angst, vor der Pest, die im Dunkel einherschleicht, und vor der Plage, die in der hellen Mittagsstunde Verderben bringt. Erf�lle an uns deine Zusage, �da� du denjenigen Speise und Trank segnen und von denen jede Krankheit abwenden willst, die dir dienen! Und sind wir auch nicht w�rdig, erh�rt zu werden, o, so tue es um der Unm�ndigen und S�uglinge willen, die dein Reich auf Erden befestigen sollen, und die nicht ges�ndigt haben! O, siehe unsere Reue, h�re auf unser Seufzen, und la� es uns erfahren, da� du keine schlimme Krankheit �ber uns kommen lassen willst, wenn wir deiner Stimme gehorchen und tun, was recht vor deinen Augen ist und deine Gebote halten, denn du, Allwissender, Ewiger, bist unser Arzt! O, so heile denn mein zerknirschtes Herz, heile die Wunden aller! Erbarme dich �ber alle diejenigen, welche von Bek�mmernis, Leiden oder Schmerzen ergriffen sind, sei allen denen nahe, die da krank sind, unterst�tze sie auf ihrem Lager, la� sie gesunden, verl�ngere die Zahl ihrer Tage und schenke ihnen wieder ein freudenreiches Jahr! La� die Stimmen des Frohsinnes in unserem Lande wieder laut werden, la� die Stunde der Freude aufs neue f�r diese Stadt erscheinen, da� wir in dein Haus eilen und dir Dankopfer f�r die Errettung, die du uns gesandt hast, darbringen k�nnen. Schenke mir und schenke uns allen Leben und Kraft, deinen Namen zu preisen und zu bekennen, da� auch dieser bittere Kelch zu unserm Seelenfrieden gedient, uns vom Verderben gerettet hat; denn �du warfst alle unsere S�nden hinter uns.� O, la� die Worte meines Mundes, die Gedanken meines Herzens dir gefallen, Herr, mein Erretter. Amen! XXIII. Gebete auf dem Friedhof. �ber die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort zu beten. �Siehe, ich lege dir Leben und Tod vor, w�hle das Leben!�(5. B. Mos. 30, 15. 19) So lauten die Worte der Schrift: W�hle das Leben, denn alle Lehren und Gebote in der heiligen Thora gehen nur auf das Leben (Ezech. 20, 11.), und des Glaubens Kraft soll sich f�r das Leben und in demselben wirksam zeigen. Diese Worte geben uns den Grund daf�r an, warum der Israelit seine Heiligt�mer nicht auf Grabesw�lbungen baut, nicht das Tote zum Grund f�r die Saat des Glaubens w�hlt und keinen Reliquien-Dienst kennt; und wie hoch er auch den entseelten Leichnam achtet, als die H�lle, die einst gew�rdigt gewesen ist, den g�ttlichen Geist zu tragen, so da� die Geringsch�tzung einer Leiche als Gottesl�sterung bezeichnet wird (Berachoth 19), so verbietet seine Religion doch, eine Leiche zur Schau zu stellen oder Prunk mit derselben zu entfalten, um der Eitelkeit Nahrung zu geben, wenn die Verwesung schon davon zeugt, da� sie eine Beute des Grabes ist. Bei jedem Todesfall soll das Gef�hl von dem Ernst des Lebens und seinem raschen Entschwinden bei uns geweckt werden, so da� wir aufs neue unser Dasein zur n�tzlichen Wirksamkeit unter den Menschen heiligen, zu einem heiligen Wandel vor dem Unsichtbaren, und wenn man auch die St�tten bezeichnen soll, wo teure Entschlafene ruhen (Ezech. 39, 15.), so soll es doch nicht durch kostbare Denkm�ler geschehen; denn gute Werke sind die sch�nsten Monumente, welche die Hinterbliebenen f�r die Verkl�rten errichten und edle Handlungen die sch�nsten Blumen, die auf ihren Grabesh�geln gepflanzt werden.[90] [Fu�note 90: Wenn man in der sp�teren Zeit auch auf j�dischen Friedh�fen prachtvolle Grabm�ler, sogar mit heidnischen Sinnbildern geschm�ckt, hervorragen sieht, so kann man nur beklagen, da� der erhabene Geist der j�dischen Religion so wenig erkannt wird; denn dieser gebietet einen bescheidenen Wandel im Leben, um wie viel mehr verbietet er also das Entgegengesetzte im Grabe. Man mu� beklagen, da� die Kurzsichtigen nicht einsehen wollen, da� alle diese Denkm�ler zuletzt verwittern werden, so da� niemand die St�tte mehr kennt, wo sie gestanden haben. Wie viel besser, wenn die Summen, welche darauf verwendet worden sind, zu Wohltaten gespendet worden w�ren. Und ist es auch nur eine geringe Summe, so k�nnte doch die Rente davon einer armen Familie j�hrlich eine frohe Woche verschaffen, und da w�rden Freudentr�nen als dankbare Beweise dem Ged�chtnisse eines l�ngst Entschlafenen flie�en.] Wenn es demnach eine uralte Sitte ist, an gewissen Tagen im Jahre die Gr�ber zu besuchen, besonders, wenn der Tag wiederkehrt, an dem man einen seiner Verwandten verloren hat, oder wenn Sorgen und Bek�mmernis unsern Sinn darniederdr�cken,[91] so ist es eine Selbstfolge, da� eine jede abergl�ubische Vorstellung davon fern gehalten werden mu�, jene schw�rmerischen Gedanken, als ob man mit den Toten verkehren oder sie sogar anbeten k�nne, was ganz und gar wider die Grunds�tze unserer erhabenen Religion streitet (5. Mos. 18, 9. 11.); denn die, denen Gott sich offenbart hat, hei�t es bei den Propheten (Jes. 8, 19.), die sollen sich zu ihm wenden, der einen jeden erh�rt, der ihn in Wahrheit anruft, und nicht die Toten f�r die Lebenden fragen. [Fu�note 91: Cir. Taanith. Fol. 16 u. 23, wonach in �lteren Zeiten die ganze Gemeinde in Zeiten der Bedr�ngnis, z. B. bei Mi�ernte, in Kriegszeiten, u. s. w. sich auf dem Friedhofe zum Gebet versammelte.] Nein! Ganz andere Gesichtspunkte sind es, von denen aus der Besuch der Gr�ber bei den Juden verstanden und begriffen werden soll. Zuerst und vor allen Dingen soll er den Namen Gottes heiligen und es laut verk�nden, da� der Allg�tige gerecht ist, wie unerforschlich auch seine Wege sind. Dort legt er, wenn einer seiner Lieben zur Erde getragen wird, das Bekenntnis ab, da� des Allm�chtigen Sch�pfers Werk vollkommen und alle seine Wege gerecht sind (5. Mos. 32, 4). Je mehr es uns in dem schweren Augenblick, wo der Leichnam eines unserer Lieben versenkt wird, vorkommen k�nnte, als ob manches Menschen Dasein unvollendet geblieben sei, und wir in der Bitterkeit des Schmerzes versucht werden k�nnten, Gottes Gerechtigkeit zu bezweifeln, destomehr sollen wir unsere wahre Ergebenheit in Gottes Willen, unsern unverr�ckbaren Glauben beweisen, und indem wir der k�nftigen Welt gedenken, es bekennen, da� der Herr gerecht ist. Und diesen Glauben sollen wir jedesmal st�rken, da wir die Gr�ber besuchen. Sowohl das Leben als der Tod scheinen uns in Wahrheit r�tselhaft. Wir sehen hier nicht nur Menschen jeden Alters und Standes bestattet, und scheinen oft Grund zu der Frage zu haben, weshalb es diesen oder jenen treffen mu�te, sondern wir sehen auch solche, deren Wirksamkeit uns von der gr��ten Wichtigkeit zu sein schien, in der Bl�te der Jugend fortgerissen, w�hrend die, welche nach unserer Meinung f�r die Welt ganz entbehrlich waren, erst hochbetagt zu den Ihrigen versammelt wurden. M�tter wurden von den Kindern fortgerissen, w�hrend diese noch der m�tterlichen Pflege bed�rftig waren, und die Hoffnung der Zukunft, die lebendige Jugend, ging den Weg alles Fleisches, w�hrend schw�chliche Greise erst sp�t ihr Haupt zur Ruhe legten. Aber je r�tselhafter hier uns alles erscheint, desto innerlicher sollen wir das Wort des Glaubens erfassen, da� der Herr wohl wunderbar in seinem Rate ist, aber doch herrlich in seiner Tat, und da� das, was er geschaffen hat, vollkommen ist, und das, was uns als gestorben erscheint, begonnen hat, seiner Vollendung entgegenzugehen. Denn beide Welten stehen in Verbindung mit einander; das ewige Leben nimmt seinen Anfang schon mit diesem, und was der Unerforschliche bestimmt, mu� gerecht sein. Bereits hier auf Erden nimmt das ewige Leben seinen Anfang, und gerade dieser Gedanke ist es, der dadurch lebendig in uns werden soll, da� wir die Grabstellen der Entschlafenen besuchen,[92] wo aller Stolz und alle Eitelkeit uns verlassen sollen und die Macht der Sinnlichkeit gebrochen wird. Nur allzu leicht vergessen wir unsere wahre Bestimmung im Taumel des Lebens, allzu leicht betrachten wir Reichtum, Ehre und Vergn�gungen als die G�ter, welche wir zumeist erstreben sollen, als ob sie uns niemals entfliehen w�rden, aber hier auf dem Friedhof: �Hier zeiget deutlich uns das Grab, Wie Glanz und Reichtum nichts als Staub, Der Jugend Bl�ten fallen ab, Und Weltenruhm welkt hin wie Laub!� Hier sehen wir wie schnell alle Herrlichkeit verschwindet, wie der Ehrgeizige mitten in seinem hochstrebenden Vorhaben gehemmt wird, und die stolzesten Pl�ne im Nu vernichtet sind. Und hier, wo Gro� und Klein gleich sind, (Ijob 3, 19.), wo wir erfahren, da� deren Namen im Dunkeln verborgen bleiben (Pred. 6, 14.), die mit Eitelkeit kommen und im Finstern gehen, hier beschlie�en wir, im Licht zu wandeln und nach einem guten Namen zu streben (Pred. 7, 1.), denn der Mensch in all seiner Herrlichkeit ist nichts, wenn er nicht durch seine Taten und Handlungen darnach strebt, das ewige Leben zu erreichen. [Fu�note 92: Der Friedhof wird deshalb nicht nur das Haus der Gr�ber (Beit Hakvarot]) sondern auch das Haus der Lebenden (Beit Hachayim) (Beit Olam)] genannt oder das Haus der Ewigkeit.] Und zu einem solchen Streben soll der Gang nach den Gr�bern uns entflammen. Wir sind die Arbeiter, die der Herr in seinen Weinberg gestellt, da� sie ihr Tagewerk verrichten sollen; ob wir fr�h oder sp�t davon abberufen werden, das ist nicht unsere Sache, nur das ist unsere Sache, da� wir vollf�hren, so viel wir verm�gen. Aber der Tag ist kurz, und die Arbeit ist gro� (Ijob 7, 1-6), und nur allzu oft glauben wir, da� noch Zeit genug ist, zur T�tigkeit und zur Umkehr. O, hier werden wir erinnert, wie viele Menschen in ihrer Bl�tezeit starben, wie wenige auch nur einen Teil ihres Berufes haben erf�llen k�nnen, wie wenige, deren Arbeit f�r die Zeit gen�gte, die ihnen zugemessen war; hier werden wir daran erinnert, da� das irdische Leben dahinf�hrt wie ein Schatten, und wir werden zu eifriger T�tigkeit ermuntert, die Zeit zu benutzen, ehe sie verronnen ist. Wie viel tragen hierzu nicht die Gedanken an den frommen und wohlt�tigen Wandel der Verkl�rten bei! Wohl sollen wir uns im Leben nach Vorbildern umschauen und ihnen nachzuahmen suchen; aber so lange die H�lle des Staubes die Seele umgibt, bemerken wir nur zu leicht die M�ngel, die an jener kleben. Erst wenn wir die irdische Gestalt nicht mehr sehen, dann steht die lautere Tugend der Heimgegangenen, ihrer Seele reiner Adel klar vor unseren Blicken; rein ist jetzt unsere Liebe zu ihnen, und mit gr��erer Liebe umfassen wir am Grabe die Teuren, �ber deren Gegenwart wir uns noch freuen k�nnen, und wir erfahren in Wahrheit, �da� das Ged�chtnis der Frommen zum Segen ist.� Denn unser Sinn weilt nicht nur bei den auf dem Friedhof schlummernden Abgeschiedenen, sondern auch bei den schon l�ngst Heimgegangenen, bei allen V�tern und M�ttern, den Propheten und M�rtyrern, den Lehrern und F�hrern, die einstmals gelebt haben und deren Andenken uns heilig ist. Nicht als ob wir an sie d�chten, wie an Heilige, die angebetet werden sollten, denn des gr��ten Propheten Moses Grab wurde gerade verborgen, damit es nicht ein Gegenstand abergl�ubischer Anbetung und Wallfahrt werde, sondern wir gedenken ihrer hier, um uns ins Ged�chtnis zu rufen, wie sie f�r die Wahrheit gelitten und gestritten haben, um uns zu erinnern an die Verfolgungen, die sie um des Glaubens willen geduldet haben, wir gedenken ihrer, weil ihr Leben ein Zeugnis f�r die Unsterblichkeit ablegt. Hier erinnern wir uns auch der Liebe, welche die Heimgegangenen zu uns hegten, w�hrend sie noch in der H�lle des Staubes wandelten, einer Liebe, die gewi� im Reich der Ewigkeit erh�ht werden mu�, die bei uns die �berzeugung eines Wiedersehens jenseits des Grabes weckt, und Balsam in das wunde Herz tr�ufelt. Ja, der Gang zum Grabe soll uns besonders Tr�stung und Frieden verschaffen, wenn der Weg des Lebens rauh wird, wenn irdisches Weh uns ergreift und unsre Seele Ruhe sucht. Am Jahrestage des Todes eines der Eltern. 1. Herr des Lebens und des Todes, der du dem Menschen das Leben gibst und ihn zur bestimmten Zeit und Stunde wieder abrufst, hier stehe ich vor dir an dieser St�tte, die eines der teuersten G�ter meines Lebens in sich birgt; hier liegen meines teuren Vaters (meiner geliebten Mutter) Gebeine; hier schl�fst du den ewigen Schlaf, du, dem (der) ich meines Lebens ganzes Gl�ck schulde, du meines Herzens sch�nster Schmuck, meiner Seele kostbarster Schatz. O! erst jetzt, da ich dich f�r immer vermisse, f�hle ich, was du mir gewesen bist, was ich f�r dich h�tte sein sollen, o, wie oft habe ich schon als Kind deine treue Liebe verkannt, mit Undank dir deine freundliche F�rsorge vergolten. Siehe, deshalb will ich hier an deinem Grabe meine Reue vor Gott aussprechen, da� er mir vergeben m�ge, so ich gegen dich gefehlt habe, will ihn bitten, da� er �ber deine Asche Frieden walten lassen m�ge, und ihm geloben, da� ich, da ich dich verloren habe, noch nach deinem Tode die Pflichten kindlicher Liebe gegen dich dadurch erf�llen will, da� ich deinen Namen stets in Ehren halte. O Gott! st�rke du mich, da� ich fest am Glauben halte, da� ich als frommer und gottesf�rchtiger Israelit (meinen..........) im Himmel Freude bereiten m�ge, verleihe mir Kraft, da� ich mir ein reines Herz bewahre, um das Andenken (meines....) durch gute Werke und durch gottgef�llige Handlungen zu verewigen. Und wenn du mich einst aus diesem Leben abrufst, la� mich dann ohne Scham vor die Seele treten k�nnen, die jetzt bei dir weilt. Dazu sei dieser Todestag mir eine Triebfeder, o himmlischer Vater, gew�hre mir, was ich von dir erbitte, o Gott. Ich bete f�r die Errettung der Seele meines gestorbenen (.........), la� ihn (sie) in den Bund des Lebens aufgenommen sein, la� den frommen Entschlu�, den ich heute fasse, dir wohlgefallen und nimm mich einst in Gnaden auf. Amen! Ein anderes Gebet bei derselben Veranlassung. 2. Herr, o allg�tiger Vater im Himmel, hier bei diesem stillen, bescheidenen Grabesh�gel, der die Asche eines so teuern Verwandten bedeckt, hier erhebe ich, dein schwaches, sterbliches Kind, mein zerknirschtes Herz zu deinem Himmel, wo die unsterblichen Seelen, deren Staub hier ruht, wie die Sterne leuchten. O Gott der Liebe! gedenke mit v�terlichem Erbarmen der Seele, an deren Scheiden dieser Tag mich mit so tief innerlicher Wehmut erinnert. Noch schwebt mir die wehevolle Stunde vor, da du diese teure Seele (meinen Vater, meine Mutter) von mir riefst. Ach, wie ganz anders war doch mein Leben, da sie noch als mein leuchtendes Vorbild hier auf Erden wandelten; wie manche Freude haben sie mir bereitet! Wie oft st�rkten sie mich durch ihren weisen Rat! O! ich erinnere mich ferner, welche Hoffnung (der liebe Vater, die gute Mutter) auf mich setzte, wie ich voll Hoffnung zu ihm, (ihr) aufschaute, wie ich darnach strebte, seines (ihres) Alters St�tze zu sein, und wie er (sie) so rasch von meiner Seite hinweggerissen wurde, ehe diese Hoffnungen noch in Erf�llung gehen konnten. Doch mein Glaube lehrt mich, da�, was du Allm�chtiger tust, gerecht, weise und heilbringend ist, er belebt mich mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen jenseits des Grabes, wo mir offenbar werden soll, da� des Menschen h�heres Hoffen erf�llt wird. O, verg�nne mir denn heute, da� ich mich deinem Throne n�here und dich um Kraft dazu anflehe, da� es mir gl�cke, auf meiner Pilgerreise etwas zu wirken, das von dem frommen Geist zeugen m�ge, den der Heimgegangene in meiner Seele gepflegt hat. Stehe mir bei, da� ich die Gaben, welche du mir verliehen hast, dazu anwende, durch meine Handlungen dem Verkl�rten ein ewiges Angedenken in der Gemeinde zu gr�nden. O, Herr leite mich, da� meine Wege dir gefallen m�gen, und nimm mich zuletzt mit Ehren auf. Amen! Am Grabe des Vaters, am Jahrestage seines Todes. 3. An diesem Tage, der mich so lebhaft an die Sorge erinnert, die mein Herz erf�llte, als du zur Ewigkeit abgerufen wurdest und nur der Gedanke an die Unsterblichkeit, den du, mein heimgegangener Vater, mir eingepr�gt hast, mir Trost verleihen konnte,--an diesem Tage nahe ich mich deinem Staube, um meinem niemals gen�gend ausgesprochenen Dank zu �u�ern, den ich dir f�r all deine v�terliche F�rsorge, die du mir mit so vieler Aufopferung bewiesen hast, schuldig bin. Der alliebende Vergelter wird dort gewi� deine Seele daf�r belohnen, und sie wird himmlische Freude und Gl�ckseligkeit in dem Bewu�tsein finden, da� dein Kind darnach strebt, den Weg der Frommen zu gehen, auf dem es die Vollkommenheit erreichen kann. Dein Andenken soll mir deshalb stets heilig und unverge�lich sein; oft will ich der guten Lehre, der liebevollen Ermahnungen und n�tzlichen Warnungen mich erinnern, die ich aus deinem Munde empfangen habe. Wenn die Versuchung kommen sollte, will ich mich damit wider sie kr�ftigen und sie besiegen, da� ich mich frage: entspricht deine Handlung wohl der frommen Weisung, die du von deinem Vater erhalten, stimmt sie mit seinem r�hmlichen und wohlt�tigen Wandel �berein? W�rde er sie billigen k�nnen und ihr seine Zustimmung verleihen? W�rdest du ihn nicht damit betr�bt und das Herz verwundet haben, welches stets f�r dein Wohl schlug? Ja, geliebter Entschlafener! Dein Leben soll mir ein leuchtendes Vorbild auf meiner irdischen Laufbahn sein. Ich will der unersch�tterlichen Standhaftigkeit gedenken, mit der du an deinem Glauben hieltest, der innigen Teilnahme, mit der du dich in der Schar der Betenden einfandest, der Sparsamkeit, die du bewiesest, wenn es die Gen�sse des Lebens galt, und der Freigebigkeit, womit du den Bedr�ngten halfest. O, du Allm�chtiger im Himmel! der du gewi� der Seele meines verstorbenen Vaters das Reich der Ewigkeit aufgetan hast, la� auch meinen Wandel mehr und mehr dazu beitragen, da� sie froh werde, dein Angesicht in voller Klarheit zu schauen; erh�re die verkl�rte Seele, wenn sie vor deinem Thron ihre F�rbitte f�r mich niederlegt. Zeige du mir den Weg des Lebens, denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Lichte sollen wir Licht und Seligkeit schauen in Ewigkeit. Amen! Am Grabe der Mutter, am Jahrestage ihres Todes. 4. Mutter! Liebe Mutter! Das Kind, welches du einst unter deinem Herzen getragen und das du so treulich mit innigster Liebe gepflegt hast, als du noch unter den Sterblichen wandeltest, dieses dein Kind kommt an diesem heiligen Ged�chtnistage zu deinem Grabe, indem Tr�nen der Wehmut und der Liebe seine Augen f�llen. O, da� dein Geist dorten wahrnehme die dankbaren Gef�hle, die mich in diesem Augenblick durchstr�men. Ach, wie wenig war ich doch imstande, meine kindliche Erkenntlichkeit dir zu beweisen; kaum verstand ich die m�tterliche Liebe zu sch�tzen. Aber seit ich dich nicht mehr habe, habe ich erst recht die Gr��e meines Verlustes kennen gelernt, seit der Zeit, da du nicht mehr auf Erden wandelst, werde ich t�glich daran erinnert, wie viel Dank ich deiner m�tterlichen F�rsorge schulde, wie du Selbstverleugnung �btest, um das Gl�ck und Wohl deines Kindes zu f�rdern. Ich wei� nicht, wie ich meine Schuld bezahlen soll, au�er da� ich mich bestrebe so zu leben, da� ein Jeder, der meinen Wandel auf Erden sieht, ausrufen mu�:�Heil dem Weibe, das ihn geboren hat,� und da� ich so deinen Namen mit Ruhm verewige. Deine Seele sei ein unsichtbarer Engel, der mich stets umschwebe, mich von S�nden und Lastern fern halte, und mich stets an die heilige Andacht erinnere, mit welcher du in deinem Heim, wie im Gotteshause zu dem Herrn betetest, soda� mein Herz dadurch fromm und mein Sinn milde werde.--Und du, himmlischer Vater, der so gerne die Gebete seiner Kinder erh�rt, o! erh�re mich, wenn ich bete: schenke meiner heimgegangenen Mutter dort, wo nur Liebe und Friede herrscht, jene beseligende Wonne, die du deinen Heiligen bereitet hast, zu denen auch sie ja sicher z�hlt, da� sie es wissen, wenn ihre Nachkommen in Reinheit und Fr�mmigkeit vor dir wandeln. St�rke mich dazu, da� ich einst, wenn die Bande des Staubes fallen, und der Geist zu dir emporsteigt, mit heiliger Freude einer seligen Wiedervereinigung mit meiner verkl�rten Mutter und allen Edlen, die bei dir sind, gewi� sein kann. Dein Name sei gepriesen in aller Ewigkeit. Amen! Am Grabe eines Kindes. 5. Allweiser! du, dessen Gedanken weit hinausreichen �ber die unseren, vergib, wenn mein betr�btes Herz hier am Grabe eines geliebten Kindes seufzt, an das meine Seele so fest gekn�pft, das meines Lebens Stolz, Freude und Hoffnung war. Ach, so oft ich mich seiner Asche n�here, werden die traurigen Betrachtungen erneuert, die sein Verlust verursachte; ach, welch freudige Aussichten wurden durch seinen Tod vernichtet, welche Hoffnungen mit ihm bestattet! Doch es ist deine Weisheit, erhabenes Wesen, das ich anbete; du wei�t ja besser, als die schwachen Sterblichen, was zu ihrem Heile dient. Die fernste Zukunft liegt ja vor deinem Blicke offen da, und du kennst die Tage deiner Frommen, wenn sie zum ewigen Erbe und Lohn erf�llt sind. (Ps. 36, 18.) Du wolltest vielleicht meinen so fr�h heimgegangenen Liebling vor gro�en Gefahren und Versuchungen, vor unz�hligen Beschwerden bewahren. Wohl rinnen meine Tr�nen bei dem Gedanken, da� ich niemals mehr hier auf der Erde dem begegnen soll, was meine Augenweide war, aber ich will in dem Gedanken Trost suchen, da� die Unschuldigen, welche fr�h sterben, doch lange gelebt haben; denn ihre Pr�fungszeit war bald vor�ber, ihre Seele gefiel dem Ewigen, deshalb beeilte er sich, dieselbe von dem s�ndigen Leib zu befreien und sie dorthin zu versetzen, wo sie besser der Vollkommenheit entgegenreisen kann. Ich will Trost in der �berzeugung finden, da� ich durch Ergebenheit in deinen Willen deinen Namen heiligen soll, du Heiliger!--O, mein geliebtes Kind, sehe ich dich auch nicht mehr um mich, ewig will ich dich doch mein nennen und in der Hoffnung leben, da� ich dich einst verkl�rt unter den Engeln in der Ewigkeit wiedersehen werde. O, wenn ich nur nichts vers�umt habe in der Ausbildung deines unverg�nglichen Geistes! (Dein fr�hzeitiger Tod soll mich noch mehr bestimmen, deine Geschwister nicht nur f�r die Welt, sondern auch f�r den Himmel zu erziehen, indem ich in ihrem Herzen den Glauben befestige und so dieselben zur Seligkeit vorbereite.) O Herr! vergib mir, wenn ich je meine m�tterlichen Pflichten vergessen habe, und la� die teure Seele, die jetzt bei dir ist, schon mehr und mehr deinem Reiche entgegenreisen! Erh�re mich, o himmlischer Vater, und la� Trost, Ruhe und Seligkeit mein Inneres erf�llen, so da� ich freudig deinen Namen in aller Ewigkeit preisen kann. Amen! Eine Witwe am Grabe ihres Mannes. 6. Friede sei mit deinem Staube, du meines Lebens leitender Stern, du meiner Kinder Versorger und F�hrer![93] Ach, wenn auch viele Tage verflossen sind, seit der Allweise in seinem unerforschlichen Ratschlu� dich von mir rief, so f�hle ich doch jedesmal, wenn ich mich deiner Ruhest�tte n�here, meinen tiefen Schmerz und erinnere mich mit s��er Wehmut unseres gl�cklichen Zusammenlebens, von dem Augenblick an, da du mir freundlich entgegen l�cheltest und den Fr�hling meines Lebens mir verherrlichtest, da deine Gedanken nur darauf zielten, mir Gl�ck und Frieden zu bereiten, f�r das Wohl unserer Kinder zu sorgen, bis zu der Stunde, da dein Auge brach, und das Licht, das mein Haus erhellte, verdunkelt wurde, und Sorge und Bek�mmernis f�r meine Kleinen mein Herz �berw�ltigten. O, ich kann nicht ohne Tr�nen fragen: weshalb, o Herr, sollte er mir genommen werden? Aber gerade dieser Schmerz �ber deinen Verlust l�st sich in dem seligen Bewu�tsein auf, da� du mir nahe bist! Ja, ich habe, ich besitze dich noch. In meines Herzens Tiefe schlie�e ich dich ein, denn das, was uns vereinigt hat, ist unsterblich. Das leibliche Auge sieht dich nicht mehr, aber mein geistiges Auge erblickt dich noch, und es ist mir, als ob deine ermunternde Stimme mich st�rke. Zeige du mich hin zu ihm, der den Witwen ein F�hrer und den Vaterlosen ein Vater ist, der die heimsucht, welche er liebt, und dessen Wege all zu erhaben sind, als da� wir Sterbliche sie verstehen k�nnten, die aber sicherlich zum Guten f�hren. Ja, Allheiliger! St�rke mich zur Ergebung in deinen heiligen Willen, gie�e Balsam in mein wundes Herz, vergib mir meine S�nden und erbarme dich �ber meine Kinder. Gib mir Kraft sie zu allem Guten zu erziehen, und wecke du in ihrem Innern eine fromme Denkungsart, da� sie dir um Wohlgefallen, mir zur Freude und meinem heimgegangenen Gatten zum r�hmlichen Ged�chtnis werden m�chten. Beschirme die Tage meiner Zukunft und gedenke stets der teuren Seele, deren Verlust ich beweine, zum Guten und zur ewigen Gl�ckseligkeit. Amen! [Fu�note 93: Wenn sie keine Kinder hat, mu� nat�rlich alles, was darauf hindeutet, aus diesem Gebet weggelassen werden.] Am Grabe eines gefallenen Vaterlandsverteidigers. 7. Mit Ehrfurcht und Dankbarkeit nahe ich mich diesem Grabe, o Ewiger! wo der Staub dessen ruht, der heldenm�tig sein Leben geopfert hat, um des Vaterlands Recht und Wohlfahrt zu sch�tzen. O, Allgerechter, wie sein Andenken ewig teuer ist und sein mu� f�r einen jeden, der es aufrichtig mit seinem Volke und Vaterlande meint, und wie seine Ruhest�tte allezeit von den Tr�nen heiligster Erinnerung benetzt werden wird, so belohne du ihn dort f�r seine fromme Tat, wo allein wahre Treue und Aufopferung f�r die Mitmenschen vollkommen belohnt werden kann. Ja, du, der du hier schlummerst, du hast es gezeigt, da�, so kostbar auch das Gut des Lebens ist, doch noch ein h�heres Gut vorhanden ist, f�r das man jenes hingeben mu�. Du t�uschtest das Vertrauen nicht, das man in der Stunde der Gefahr auf dich setzte; unerschrocken tratest du dem Tode entgegen, und welch s��e Bande dich auch fesselten, du rissest dich von ihnen los und k�mpftest mit Mut und Kraft, wie die Helden des Altertums, sicher, da� nur der verg�ngliche Teil des Menschen �berwunden werden und fallen kann, der unverg�ngliche aber siegen mu�. An deinem Grabe soll sich die Jugend f�r Vaterlandsliebe begeistern, soll der Mut in den S�hnen des Landes entflammt werden, ja, hier will ich mich begeistern, jedes Opfer, das in meinen Kr�ften steht, f�r das Vaterland, f�r die Br�der, f�r die Gemeinde zu bringen. Hier will ich lernen, f�r meinen Glauben zu dulden und zu streiten, hier will ich als ein treuer B�rger lernen, alles zu bek�mpfen, was dem Wohle des Vaterlandes schaden kann, und als ein wahrhafter Diener Gottes in jedem Kampfe f�r mein himmlisches Vaterland bis zum Letzten ausharren. Hilf du mir, Allheiliger, da� meine Seele den Tod der Gerechten sterben und mein Ende dem der Frommen gleichen m�ge. Sei mit mir, Allgegenw�rtiger, und la� meinen Wandel dir stets wohlgefallen. Amen! Beim Grabe eines Verwandten. (Nach einem �lteren hebr�ischen Gebet.) 8. Hier an dieser St�tte, wo der Gedanke an ihn, der zum Tode wie zum Leben f�hrt, in unserm Innern lebendig wird, hier erhebe ich meinen Geist zu dem Unendlichen und sage: mein Gott, du mein teuerstes Gut, das mir �ber alles geht, n�chst dir strebt meine Sehnsucht nach jenen wahrhaft Frommen, welche jetzt die Erde deckt, und hier weilt die Asche eines mir teuren K�rpers; Mutter oder Gro�mutter am Grabe eines Kindes: Siehe, ich deine Mutter, welche dich (geboren), gepflegt und geliebt hat, mit treuer m�tterlicher Sorge mit inniger Zuneigung, * * * * * Kinder oder Enkel am Grabe der Eltern oder der Gro�eltern: Siehe, ich deine Tochter (Enkelin), die durch die heiligen Banden des Blutes mit dir verbunden ist; * * * * * Am Grabe eines Ehegatten: Siehe, ich, deine treue Gattin, welche dich innigst liebt! * * * * * Am Grabe eines Bruders oder eines sonstigen Angeh�rigen: Siehe, ich deine Schwester, (Schwiegertochter, Freundin, Sch�lerin usw.) * * * * * besuche deinen Grabesh�gel! Ehre sei Gott in der H�he! Friede mit deinem Staub! Die Freude der Seligkeit mit deiner Seele! Innige Liebe zu dir, die eben so warm ist, als damals, wo du noch am Leben warst, durchdringt mich, f�hrte mich hierher zu deiner Ruhest�tte, wo ich vor dem Gott der Geister meine Seele aussch�tten und ihn bitten will, dir gn�dig zu sein und deine Seele im Eden im Verein mit deiner Stammv�ter verkl�rten Seelen zu erfreuen, da� du in Seligkeit das ewige Gut genie�en m�gest, das Er seinen Frommen vorbehalten hat. M�gest du von dem Tau der Seligkeit im ewigen Leben erquickt werden, wie der Tau des Himmels die Pflanze erquickt.--Und sollte in jenem Leben die Liebe, welche einst dein Herz bewegt hat, denn aufh�ren k�nnen? Nein, so innig, wie ich deiner gedenke, und wie meine Gebete f�r deine Seligkeit aufsteigen, eben so innig gedenkt deine Seele der meinigen, w�nscht mir alles Gute und betet f�r meine Wohlfahrt zu dem Allerbarmer. O, da� unsere gemeinsamen Gebete ihm wohlgefallen m�chten, und er in seiner G�te alles B�se von mir und allen deinen Angeh�rigen abwenden wollte. Gott der Liebe! du, in dessen Hand die Seelen aller Toten und Lebendigen stehen, erh�re unsere Gebete, die zum Throne deiner Herrlichkeit aufsteigen, segne mich, da� ich ein dir wohlgef�lliges Leben f�hren m�ge, zur Ehre und zum Ruhm f�r den, dessen ich heute gedenke, und da� ich also gl�cklich hier auf Erden sei und einst selig werde dort in der Ewigkeit, wenn ich in das g�ttliche Reich bei dir aufgenommen werde, mein Vater und mein Richter. Amen! Am legten Tage im Jahre. (Ereb R�sch Haschonoh.) Herr! tue mir mein Ende kund, und was das Ma� meiner Tage sei, da� ich erkenne, wie verg�nglich ich bin. 10. Nach uralter heiliger Sitte besuche ich am letzten Tage des Jahres die St�tte, wo viele Grabh�gel an l�ngst vergangene Geschlechter und die frisch aufgeworfenen an die Teuren erinnern, die in diesem Jahre entschlafen sind. Wie k�nnte ich wohl an diesem Tag, der so lebhaft den Gedanken an des Lebens Verg�nglichkeit erweckt, und der mich dazu auffordert, Rechenschaft dar�ber abzulegen, wie weit ich mich der erhabenen Bestimmung meines Lebens gen�hert habe und in Glauben und Tugend vor dem Herrn gewandelt bin,--wo k�nnte ich besser eine erhebende, vers�hnende Stunde zubringen, als hier, wo ich meinen Blick auf diejenigen richte, welche in diesen Gr�bern ruhen, ach, zum Teil solche, die nach dem Eitlen jagten und ihre Befriedigung in dem Zeitlichen suchten, und die nun Moder bedeckt, oder wenn ich am Grabe derjenigen weile, welche in ihrem verg�nglichen Leben das Ewige suchten und nun die F�lle der Freude bei dem Unendlichen genie�en. Ach Herr, da fragt mein Geist: unter welchen von diesen werde ich einst gefunden werden, wenn des Lebens letzter Tag gekommen ist? Hier trete ich deshalb hervor und ergreife das Ewige; denn hier, wo ich von Tod und Moder umgeben bin, verliert alles Gold seinen Schein, alle Ehre ihre Strahlen, alles Ansehen bei den Menschen seine Macht, alle Sch�nheit ihren Zauber, alle Sinneslust ihren Reiz; hier f�hle ich tief, da� meinen Tagen ein Ziel gesetzt ist, da� ich von hier fort mu�, und meine Tage wie ein Schatten sind. Ach sollten sie wirklich dahin schwinden, ohne etwas Licht �ber meinen irdischen Wandel zu verbreiten, ohne da� sie ein Andenken zum Segen hinterlie�en?--Ach, der Strom der Zeit eilt so rasch dahin und rei�t auf seinem schnellen Wege alles mit sich fort, was mir teuer und wert ist! Wie manche Freunde habe ich schon verloren, wie mancher ging fort im Jugendalter, wie mancher, der sein Ende noch nicht erwartete, und heute ruft mir die Erinnerung daran zu: auch deine Stunde kann unerwartet kommen; willst du unvorbereitet vor den Allerheiligsten treten? Ja, ich will heute mit Tr�nen eurer in der Ewigkeit gedenken, die meines Lebens Ehre und Schmuck waren, eurer, meine Eltern usw. (ob euer Staub nun hier ruht, oder weit entfernt in fremder Erde); Jahre sind dar�ber hingegangen, seit ich euch verloren habe, und die Hoffnung auf Wiedersehen war mein einziger Trost; aber habe ich auch so gelebt, da� der Gedanke an eine Wiedervereinigung mit euch mich mit himmlischer Freude erf�llen kann? K�nnte ich euch mit einem s�ndhaften Sinn gegen�bertreten, mit einem unreinen Herzen mich der ewigen Klarheit n�hern, welche die Frommen umgibt? O! indem ich euch heute meine Tr�nen der Erinnerung weihe, will ich �ber meine S�nden weinen, will ich im Vorausgef�hl meines endlichen Heimganges alles abwerfen, was mich als Menschen entw�rdigt, was mir nicht ziemt als Israelit; ich will die Ketten brechen, welche mich an das Zeitliche fesseln und den Wahn bannen, als sei das, was die Welt mir bietet, etwas Best�ndiges, und ich will mich bestreben, dir anzuhangen, du Ewiger und Unwandelbarer!--Allerbarmer! vergib mir meine S�nden und meine �bertretungen und st�rke mich in meinem frommen Vorsatz, beh�te mich vor einem jeden Fehltritt, der Besch�mung �ber meine Tage bringen k�nnte; schirme mich wider jede Versuchung, da� weder Eitelkeit noch Habsucht, noch Ehrgeiz Macht �ber mich gewinne, sondern da� ich, geleitet von deiner heiligen Lehre, so rein werden m�ge, als ich an dem Tage war, da ich geboren wurde. La� die frommen Handlungen meiner teuren Seligen meine F�rsprecher sein vor deinem heiligen Throne, auf da� meine Gebete f�r das neue Jahr erh�rt werden. La�, o Quell der Liebe, meine (meines Gatten, meiner Kinder usw.) Bu�e dir wohlgefallen und verleihe uns ein Jahr voll Segen und Gl�ck, ein Jahr, in dem deine Versprechungen an Israel zu seinem und der ganzen Menschheit Heil sich erf�llen m�gen. Bewahre mich und die Meinen vor Drangsal und Not, vor Armut und Schande, auf da� wir mit freiem Geiste dir dienen k�nnen. La� mich und meine Lieben erfahren, �da� ich noch deine Segnungen im Lande der Lebenden sehen soll�(Ps. 27, 15.), �da� ich noch in dem Lichte der Lebendigen vor deinem Angesichte wandeln soll�(Ps. 56, 14.). Deine Gnade sei mit mir und allen, welche dich mit einem treuen Herzen anbeten, da� wir auf unserer Pilgerreise noch viel Gutes wirken k�nnen und ein Wohlgefallen bei dir finden in alle Ewigkeit. Amen! XXIV. Schlu� Dankgebet bei Vollendung eines Werkes. Ewiger, allg�tiger Gott! Wie ich in deinem Namen diese Arbeit begonnen habe, so la� mich sie auch damit schlie�en, da� ich zu dir aufschaue und dir meinen Dank f�r deinen Beistand darbringe. Du warst es ja, der die Gedanken in meine Seele legte, und dein allm�chtiger Schutz hielt meine Kraft aufrecht, es war dein Geist, der mich trieb, so da� ich stets mit Freudigkeit und Lust zur Arbeit schritt. O, wie oft verzagte ich, wie oft erf�llte sich meine Seele mit Furcht, da� ich mein Vorhaben nicht zu vollenden verm�gen w�rde, und siehe, da h�rte ich gleichsam eine erweckende Stimme von oben; mein Geist belebte sich aufs neue, und du erfreutest mein Herz dadurch, da� meine Arbeit gedieh und vorw�rts schritt.--O, nimm mein Dankopfer an;�denn es stammt ja alles von dir, und was ich selbst von dir empfangen habe, das gebe ich dir wieder zur�ck.�[94] Nun erh�re du denn mein Gebet, da� du diesem Werke dein Siegel aufdr�cken wollest, auf da� es f�r viele zu einem Segen werde. Gelobt seist du, o Herr, in Ewigkeit. Amen! [Fu�note 94: 1. Chron. 29, 14] XXV. Anhang. Esehu Mek�mon. (Betrachtung �ber die Opfer, anstatt einer �bersetzung). Meine Gedanken, o Herr, weilen bei den Opfergesetzen, welche du unsern V�tern gabst, und mein Herz wird voll des Dankes, indem ich deine Gnade erkenne, da� du durch diese deine Gebote hast Israel fest an dich kn�pfen wollen; m�gen sie deshalb mir auch zur Richtschnur dienen bei der Anbetung deines heiligen Namens. Wenn nun gleichwohl auch bei mir der tiefere Sinn verborgen ist, und ich die g�ttlichen Geheimnisse nicht zu erforschen vermag, die mit den Opfern, welche du befahlst, verbunden sind, und nicht ergr�nden kann, weshalb du sie mit so vielen Vorschriften anordnetest, und wie sie dazu dienen sollen, den Sohn des Staubes mit dir, dem Unendlichen, zu vereinen, ihn deiner Gnade gewi� zu machen, denn �dir geh�rt das Verborgene, o Ewiger, aber was du offenbart hast, ist f�r uns�,[95] und wie herrlich ist nicht das, was uns offenbart worden ist! Wenn ich all der Scheu�lichkeit gedenke, die mit der Opfermahlzeit der Heiden verbunden war, durch welche sie ihre Schuld s�hnen wollten, wie sie von dem Blute des Opfers tranken und sich zu Wollust und Blutdurst reizten, wie sie Menschenleben opferten, w�hrend sie das Tier als heilig betrachteten, o, wie k�nnte ich da wohl anders, als erkennen, da� bei Israels Opfer alles nur dazu dienen sollte, die Reinheit des Glaubes zu besch�tzen, Sittlichkeit und Gerechtigkeit zu wahren und alles fern zu halten, was Sinnenlust und t�richten Aberglauben f�rdern k�nnte. Deshalb verbotest du in deiner Weisheit jeden Gebrauch des Blutes, verbotest jedem, der unrein war, zu opfern, deshalb konnte eine absichtlich begangene S�nde nicht durch ein Opfer ges�hnt werden, deshalb mu�ten die Vergehen wider den N�chsten erst gut gemacht werden, bevor das Opfer gebracht werden konnte. Ja, du lehrtest uns, da� ein Opfer f�r sich allein nichts n�tzt, wenn es nicht in Wahrheit von einem innern frommen Sinne zeugt, und du und deine Propheten straften die, welche da meinten, da� sie durch Darbringung eines Opfers allein geheiligt werden k�nnten. Du lie�est deine Propheten verk�ndigen, �da� Gehorsam besser als Opfer ist�,[96] da� �Opfer bei einem s�ndigen Wandel dir zuwider sind�,[97] da� du Wohlgefallen an der Liebe findest, und nicht am Opfer, und �da� die Erkenntnis deiner mehr ist, als Brandopfer.�[98] [Fu�note 95: 5. Mos. 29, 28.] [Fu�note 96: 1. Sam. 15, 22. Ps. 40, 7. Spr. Sal. 21, 3.] [Fu�note 97: Spr. Sal. 15, 8. Es. 11-17 Jer 6, 21. Amos 5, 22.] [Fu�note 98: Hos. 6, 6] Aber besonders sind es die t�glichen Opfer, welche den M�nnern der gro�en Synode[99] zum Muster dienten bei der Anordnung des �Morgen-und Abendgottesdienstes�, deren ich gedenken soll, und w�hrend ich mich an ihr Wesen und an ihre Bedeutung erinnere, erwecke ich in meinem Innern eine wahrhafte Erbauung und die Sehnsucht darnach, dich best�ndig und richtig durch meine Gebete zu verehren. Da tritt mir denn zuerst der Gedanke entgegen, da� es--ein Opfer war, und da� mein Gebet deshalb auch ein Opfer sein soll. Ja, ich will im Gebet mich selbst zum Opfer darbringen, will mich mit all meinen W�nschen, meinen Gel�sten und Sehnen, mit all meiner Furcht und all meinem Hoffen ganz und ohne R�ckhalt dir hingeben, und wie das t�gliche Opfer ganz dargebracht wurde, so will ich jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich zu dir bete, mich dir auch ganz hingeben und mich v�llig deinem Willen unterordnen.[100] [Fu�note 99: Ansche keneseth hagdolo (ecclesia magna) setzten im Hinblick auf die st�ndigen Opfer das Schacharith--, Mincha--, und Maarib Gebet f�r jeden Tag, das Mussaph--Gebet f�r Sabbat-und Festtage und das Ne�lah--Gebet f�r den Vers�hnungstag ein.] [Fu�note 100: Taanith 27. Sanhedrin 43.] Jenes Opfer konnte von keinem dargebracht werden, der nicht vollst�ndig rein war, der nicht durch seinen Willen alle st�renden Gedanken zu beherrschen und unangefochten von der �u�eren Welt, ganz mit seiner vollen Seele sich der heiligen Handlung hinzugeben vermochte; denn das Opfer wurde verworfen, wenn nicht sein eigentlicher Zweck, die rechte Andacht, den Opfernden erf�llte. So will denn auch ich mich zuvor pr�fen, ob ich rein bin, ob ich w�rdig bin, vor dich, den Allheiligen hinzutreten, will deshalb zuvor Bu�e tun, will mich von allen weltlichen Gedanken losrei�en, will die tierischen Triebe in mir t�ten und den irdischen Sinn abwerfen, jedesmal da ich vor dich hintrete, da ich vor deinem Angesicht in meinem, wie in der ganzen Gemeinde Namen erscheine. Denn das t�gliche Opfer wurde ja im Namen der ganzen israelitischen Gemeinde gebracht und sollte dazu dienen, was man so oft vergi�t, f�r all das Gute zu danken, das best�ndig in so reicher F�lle dem Menschen zuteil wird; dir daf�r zu danken, da� du �ber ihn in der Nacht wachtest und ihm neues Leben schenktest, wenn des Morgens Licht ihn auf seinem Lager weckte, und da� du ihn den ganzen Tag alles finden l��t, dessen er bedarf. Dieses Opfer sollte in Israels Heiligtum ein Lamm sein, das dir als Dankopfer dargebracht wurde, der du durch den Schlummer der Nacht alle gest�rkt, und wiederum am Abend, wenn es dunkelt als Dankopfer f�r den gl�cklich verlebten Tag. Und es war begleitet von einem Speiseopfer, wohl um f�r das Brot zu danken, welches der Mensch wiederum gefunden hatte, f�r Kraft und Sch�nheit des K�rpers, was durch das �l bezeichnet wurde, f�r die Gabe und den Vorzug des Geistes, was bildlich der Wein andeutete. So will auch ich, o Herr, jeden Morgen und jeden Abend deiner Wundertaten eingedenk sein und dir danken, weil du meinen Geist und meinen K�rper erh�ltst, so will auch ich dir f�r alle zeitlichen G�ter, die du mir verleihst, f�r die Sonne, welche ihre Strahlen auf meinen Weg sendet, f�r den erquickenden Schatten der Nacht, wie f�r das himmlische Licht, das Wort des Lebens, welches du mir gegeben hast, das Dankopfer meines Gebets darbringen. Aber das t�gliche Opfer war ja auch ein S�hnopfer, welches t�glich f�r die Gesamtheit Israels, wie f�r den Einzelnen, dargebracht werden sollte, nicht offenbare Vergehungen, sondern f�r diejenigen, deren der Mensch sich schuldig macht, ohne da� er sie sich zur S�nde anrechnet, und so sollte t�glich das Bewu�tsein der S�nde in der Brust des Israeliten geweckt werden. Dein, o Herr! ist der Tag und dein, o Herr! ist die Nacht, und best�ndig sollen wir dich vor Augen haben; unsere Arbeit wie unsere Ruhe soll von dem Gedanken an dich begleitet sein. Aber, wenn der Schlummer der Nacht uns in seine Arme schlie�en will, bevor der Schlaf unsere Sinne und Gedanken gebunden h�lt, da denken wir nicht an dich, da benutzen wir die ruhigen Augenblicke nicht dazu, dich zu erkennen und zu suchen; und in des Tages gesch�ftigem Treiben richten sich nicht die Gedanken auf dich, und wir vergessen es, deiner zu gedenken. Deshalb soll am Morgen ein Opfer gebracht werden f�r die S�nde der Nacht und am Abend f�r des Tages S�nde. Aber au�erdem kann die ganze Gemeinde auch dem nicht entgehen, da� sie best�ndig s�ndigt, und jede einzelne Seele ist mitschuldig der S�ndenschuld der gro�en Gesamtheit, und wer sich f�r unschuldig h�lt wie ein Lamm, ist s�ndig. Aber was ehemals das t�gliche Opfer f�r mich wirkte, das soll jetzt durch mein t�gliches Gebet erreicht werden, da� ich nicht in Leichtsinn wandeln m�ge, sondern das Bewu�tsein der S�nde in mir wecke, die Erkenntnis dessen, wie weit meine Gedanken und Handlungen, meine Arbeit und meine Ruhe, im Gro�en wie im Kleinen von der Pflicht Israels abweichen, soda� ich jeden Morgen und jeden Abend aufs neue geheiligt werde und den Vorsatz fasse, deinem Dienste zu leben, o Herr! ob ich nun meinen Erwerb mir suche, oder danach trachte, meines Hauses oder meines Namens Ansehen zu erweitern, oder ob ich in Freude und Frohsinn weile, wo der Wein des Menschen Herz erfreut. Und endlich sollte das t�gliche Opfer von Best�ndigkeit im Glauben und in Gottergebenheit ein Zeugnis sein, und jeden Morgen und jeden Abend sollten Israels Kinder die Lebendigkeit dieses Glaubens zu erkennen geben, ob nun das Gl�ck ihnen zul�chelte oder ob Ungl�ck sie in das Dunkel der Nacht h�llte. Ebenso will auch ich es fr�h und sp�t an den Tag legen, da�, welches Schicksal du mir auch sendest, ich stets mit Vertrauen mich dir n�hern will und es soll stets nach Vorschrift am Morgen und am Abend geschehen; und indem ich mich an die heilige Ordnung binde, will ich den Geist des Gebetes in mir wecken und bewahren. Denn wenn auch die Pflicht zu beten, das Opfer des Herzens darzubringen, nicht an Ort oder Zeit gebunden ist, sondern wir stets und �berall beten sollen, so oft wir uns dazu gedrungen f�hlen, so sollen wir doch zu den festgesetzten Zeiten beten, wenn auch unser Herz uns nicht dazu dr�ngt, weil wir sonst in dem Gewirre der Welt vielleicht niemals dazu veranla�t w�rden. Aber gerade durch das t�gliche Gebet, dadurch, da� wir mit aller Kraft unseres Willens darnach streben, von dem Geiste des Gebetes durchdrungen zu werden, sollen wir die Unlust zum Gebete �berwinden, die Hindernisse besiegen, welche sich zwischen dich und uns stellen, o Gott, und den Geist der Welt ert�ten, der uns den h�chsten Schatz unserer Seele rauben will,--die Anbetung deines Wesens. So will ich denn dir mein t�gliches Opfer darbringen, mein Gott, will meinen Willen dir ergeben, will jeden Morgen meinen Dank zu dir aufsteigen lassen und mich deiner Leitung anvertrauen und mich jeden Abend sorglos deiner F�hrung hingeben. Ich will Kr�nkungen ertragen, will das Schlechte nicht vergelten, das mir zugef�gt wird, will um deinen Schutz bitten f�r alle, die auf Erden wandeln, will darnach streben von jeder s�ndigen Lust mich zu reinigen, will fest in meinem Glauben verharren, und will, wenn auch die Menge der Versuchungen mich umringt, wie manchen Kampf ich auch zu bestehen habe, meine Standhaftigkeit als Israelit zeigen, der nicht nach dem Lohne und der Ehre der Welt trachtet, sondern allein darnach strebt, dir wohlzugefallen und der gewi� ist, da� du den errettest, der dir best�ndig dient.[101] [Fu�note 101: Dan. 6, 27.] XXVI. Freitagabendbetrachtung. Bame madlikin. (Eine Betrachtung anstatt der �bersetzung.) Der letzte Tag in dieser Woche n�hert sich seinem Ende und wieder schlie�t mit ihm ein Abschnitt meines Lebens ab, in dem ich deine G�te erfahren habe, du, mein Sch�pfer, w�hrend ich meiner h�uslichen T�tigkeit oblag. Die heilige Stunde ist nahe, mit welcher der Sabbat beginnt, der dazu da ist und da sein soll, eine heilige Ruhe in dir zu suchen und zu finden, indem ich auf das hinblicke, was du f�r mich vollf�hrst hast, und indem ich pr�fe, was ich vollbracht, und mit welcher Gesinnung ich gehandelt habe. O, schaue ich hin auf deine Liebe und G�te gegen mich in den sechs verflogenen Tagen, wie kann ich da Worte finden dir zu danken, der du wiederum das Werk der Sch�pfung vor meinen Augen erneuert hast, der du am Tage deine Gnade �ber mich ausstr�men und mich bei Nacht in deinem Schatten weilen lie�est und der du mich mit so unendlich vielen Gnadenbeweisen, Wohltaten und Segnungen �bersch�ttest hast, da� ich sie nicht zu z�hlen vermag! Du hast dich �ber mich erbarmt, mich jeden Tag zu meiner T�tigkeit gest�rkt und hast mich durch so vieles erfreut; Du warst in tr�ben Stunden meine Kraft und mein Schild und du hieltest mich aufrecht im Ungl�ck. O Herr! Ich bin nicht wert so gro�er G�te; denn gedenke ich meiner Aufgabe, die mir in diesen Tagen der Arbeit zu vollf�hren auferlegt war,--ach, wie oft war ich da nicht schlaff und nachl�ssig; wie oft verga� ich nicht in meiner T�tigkeit zu dir aufzuschauen, zu wirken und zu schaffen, wie einer, der sich in deinem Dienste f�hlt, der bei all seinem Tun dich stets vor Augen hat, da� er den rechten Weg nicht verliere und dir wohlgefalle. Ich wei�, da� ich leben soll, um das Wohl meiner Mitmenschen zu f�rdern und mit liebevollem Sinne ihnen Wohltaten zu erweisen; ach, und ich erkenne wie viel eigenn�tzige und eitle Zwecke mich noch gebunden halten. Als Israelitin soll ich, was auch mein Beruf sei, beweisen, da� ich von einem Glauben beseelt bin, der voll Ergebung und Geduld ist, und deshalb ein Leben f�hren, das allen denen, die mir nahe stehen, heilbringend sei,--aber wie wenig schwebte solch ein Ziel mir bei all meinem Wirken vor! Wohl habe ich in der vergangenen Woche Zeit gefunden zu allem, was mein Herz begehrte, aber habe nicht, so wie ich sollte, mich bestrebt, mich als ein Glied der Genossenschaft zu beweisen, welche dein offenbartes Wort bewahren und das Licht, das g�ttliche Licht, der Welt leuchtend erhalten soll, und wenn ich auch einige fl�chtige Augenblicke dazu anwandte, so konnte das doch nur wenig bedeuten f�r den, welchem die Sorge f�r die Bed�rfnisse des Lebens keine Zeit lassen, frei zu atmen und an deine heiligen Wahrheiten zu denken. O Herr, deshalb bete ich zu dir: la� den heiligen Sabbat mir anbrechen, da� er meiner Seele Frieden bringe, auf da� ich deine unendliche G�te erkennen m�ge und aufs neue zu allem Guten ergl�hen und dazu beseelt werden m�ge, im Verein mit deinen wahren Anbetern dir zu dienen, den Glauben zu pflegen, zu f�rdern, was der Gesamtheit zum besten dient, mich allem fern zu halten, was den Israeliten entheiligt und mit neuer Lust aus der Quelle des Lebens zu sch�pfen, in deinem Wort zu forschen, da� es mich in deiner Wahrheit st�rke und wie eine reine Flamme voller Klarheit �ber die Erde leuchte und mich auf meinem Pilgerwege begleite, bis ich es in Herrlichkeit aufleuchten sehe, wenn die ewige Sabbatruhe kommt, wo seliger Friede und himmlische Ruhe mich bei dir erwarten! Amen! XXVII. Betrachtung zum Mussaphgebet. (Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat Krit�th), welches die Art und Weise behandelt, in der das Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen �bersetzung wird folgendes Gebet gegeben). Pittum hak't�res. So n�hert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende, und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des wahren Gebetes stritt! Wie oft regten sich nicht s�ndige Gef�hle in unserer Brust; wie oft st�rten wir durch unser Benehmen nicht die Andacht anderer, wie oft wankten wir nicht beim Gebet im Glauben an Erh�rung; wie oft �rgerten wir uns nicht �ber die Herrlichkeit und den Glanz der Gottlosen und lie�en den N�chsten, lie�en den Abgefallenen aus unserm Gebete ausgeschlossen sein, so da� unsere Anbetung dir nicht zum Wohlgefallen sein konnte! Deshalb, o Allerbarmer, wollen wir des Rauchopfers gedenken, das vormals im Heiligtum dir zu einem wohlgef�lligen Dufte dargebracht wurde, auf da� es alles Widerliche vom Opfer entferne. Wir wollen uns an die vier Hauptbestandteile des R�ucherwerks erinnern, da� jede Andachtstr�ne, die heute flo�, wie ein Balsamtropfen sein, jeden bek�mmerten Sinn heilen und von wahrer und innerlicher Bu�e hervorgerufen sein m�ge; da� des Herzens harte Schale zermalmt werde, und wir keinen Zweifel n�hren m�gen, da� du das Gebet eines zerknirschten Herzens[102] nicht verachtest. Und wir wollen uns erinnern, da� man dem Weihrauch auch Galban, eine Substanz von unangenehmen Geruch, zusetzte, eine Erinnerung f�r uns daran, da� du selbst die Tiefgefallenen erh�rst, welche bereuend ihre Gebete in das Gebet der Gemeinde mischen, ja eine Erinnerung daran, da� unsere eigene, fromme Erbauung[103] dadurch vermehrt wird, wenn wir diese in unser Gebet einschlie�en, wenn wir uns selbst zu ihnen rechnen und in Demut deinen Namen anflehen; eine Versicherung, da� wenn wir auch eine Stunde verga�en, da� wir vor dir stehen und andachtslos hier weilten, du uns doch vergeben willst, wenn wir mit heiligem Sinne kommen und unsere Gebete wie Weihrauch zu dir aufsteigen lassen, und wenn wir noch zum Schlu� recht innig unsern Geist zu dir erheben. O, Allheiliger, erh�re uns und la� unser Gebet vor dir wie ein Rauchopfer ein.[104] Amen! [Fu�note 102: Ps. 51, 19.] [Fu�note 103: Krit�th Fol. 6, 66.] [Fu�note 104: Ps. 141, 2.]