Library / Art / Michelangelo Gedichte und Briefe
Das Museum Viii.
MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE
In Auswahl herausgegeben von
R. A. GUARDINI
Pan-Verlag, Berlin
1907
[Illustration: Marcello Venusti pinx]
Michelangelo hat fast nur Pers�nlichkeitsgedichte geschrieben. Was er in
jenem Madrigal �ber sein bildnerisches Schaffen aussprach,
Mich deucht, stets bild' ich mich,
Und meine doch _ihr_ Antlitz zu gestalten,
h�tte er auch von seinem Dichten -- er mehr als irgend einer -- sagen
k�nnen. Mit wenig Ausnahmen erz�hlen seine Verse, auch wenn er von anderen
spricht, nur von _seinem_ Empfinden, _seinem_ K�mpfen, von den Werten und
Idealen, die _er_ suchte und in den geliebten Menschen verk�rpert sah. Er
war, zumal in reiferem Alter, stets mit sich allein, stets ein Mensch, der
einsam mit der eigenen Seele zu ringen, sein edleres Selbst gegen
Leidenschaften zu behaupten hatte, deren Wucht seine Sch�pfungen ahnen
lassen; und so liessen ihn die Spannungen in seinem Innern nicht zur Ruhe
dessen kommen, der ein Geschautes schildert.
Er wusste in seinen Dichtungen fast nur unmittelbar von sich zu sprechen
oder sehns�chtig die Menschen anzuschauen, anzurufen, in denen er den
Frieden und die Sch�nheit zu sehen glaubte. Und es will scheinen, als sei
es ihm auch in seiner Liebe nicht gelungen, sich wirklich an den Anderen zu
verlieren, wirklich diesen, wie er war, zu sehen, als habe er auch in ihr
den Genossen eigentlich nicht gefunden. Selbst in den Gedichten an
Vittoria, von der er doch am ehesten hoffen durfte, sie gehe mit ihm den
gleichen Weg, konnten Gedanken wie diese auftauchen:
Sage mir, Liebe, ob ich die heissersehnte
Sch�nheit wirklich hier sehe, oder ob drinnen
In meiner Seele sie lebt, und ich der Herrin
Antlitz anschauend verkl�re?
Es ist wie eine Ahnung, dass er auch in den geliebten Menschen nur
Sch�nheiten sehe, die _er_ ihnen erst verliehen, dass er nur von den
Bildern seiner eigenen Vollkommenheitssehnsucht spreche, wenn er ihre
Hoheit verehre.
Michelangelos eigene ringende Seele, mehr enthalten seine Dichtungen nicht.
Dieser Gedanke liegt der Anordnung zugrunde. Sie fasst die Gedichte
zusammen, denen in der Seele ihres Sch�pfers gleiche Voraussetzungen
entsprechen, Grundkr�fte, Anlagen seines Wesens, Ziele, die er erstrebte,
Werte, die er bejahte und in denen er sein letztes Gen�gen fand. Die
Ordnung dieser Gruppen untereinander versucht von der Wertung auszugehen,
die Michelangelo selbst an ihrem Inhalt vollzogen hat, indem sie ihn an dem
Bilde des Menschen misst, den er in sich zu verwirklichen strebte.
Ist dies gelungen, dann bilden die Gedichte eine Reihe, die von relativ
�usserlichem ausgehend immer mehr zu dem vordringt, was Michelangelo als
sein Wertvollstes und Eigenstes beurteilte.
Dass bei diesem Versuch die Gefahr der Subjektivit�t nahe sei, habe ich mir
nicht verhehlt; aber hier schien die beste M�glichkeit zu liegen, aus einer
blossen Aneinanderreihung ein innerlich verbundenes Ganzes zu machen.
Die Briefe sind chronologisch geordnet. Aus der grossen Zahl mussten sehr
wenige ausgew�hlt werden. Es sind besonders solche, in denen das
eigenartige Verh�ltnis des Meisters zur Familie, sein stetes Sorgen und
bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung zu Freunden und
Auftraggebern zum Ausdruck kommt.
Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe Vittorias an ihn beigef�gt.
Die �bersetzungen der Gedichte sind teils schon vorliegende �ltere, deren
Wiederdruck von den Herren Verlegern in liebensw�rdiger Weise gestattet
wurde, teils Neu�bertragungen von _Bettina Jacobson_.[1] Die Briefe wurden
vom Herausgeber s�mtlich neu �bersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel
aus Ascanio Condivis "Leben Michelangelos" voraus, die etwa zehn Jahre vor
seinem Tode unter seinen Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich
"die geschnittenen Steine" der Dichtungen vielleicht zu klarerem Schimmer
einf�gen.
Die wiedergegebenen �lteren �bertragungen stammen aus:
Michelangelos Gedichte, �bersetzt von Sophie Hasenclever, Leipzig, D�rr
1875.
�bersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben Michelangelos, Berlin,
Spemann.
�bersetzungen von Bodenstedt in: Nord und S�d. Bd. 34.
�bersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871.
�bersetzungen von Hans Grasberger in: Le Rime di Michelangelo 1872.
_R. A. Guardini._
"Michelangelo beschr�nkte sich in seiner Jugend nicht auf Skulptur und
Malerei, sondern er widmete sich auch allen verwandten und �hnlichen
K�nsten; und das tat er mit solchem Eifer, dass er sich f�r einige Zeit
fast v�llig der Gemeinschaft der Menschen entzog und nur mit ganz wenigen
Umgang pflegte. Dies brachte ihn in den Ruf eines hochm�tigen oder
seltsamen und phantastischen Menschen, und doch waren beide Fehler ihm
gleich fremd. Es war die Liebe zur T�chtigkeit und die treue Hingabe an die
edlen K�nste, die ihn -- wie es vielen ausgezeichneten M�nnern geschah --
einsam machten und ihn nur in deren Dienste Gen�ge und Erg�tzung finden
liessen. Darum war ihm die Geselligkeit keine Freude, ja verhasst, denn sie
st�rte ihn in seiner Gedankenarbeit; war er doch, wie jener grosse Scipio
zu sagen pflegte, nie weniger allein, als wenn er allein war.
Doch suchte er gerne die Freundschaft derer, die ihm in t�chtigen und
weisen Gespr�chen irgendwelche n�tzliche Frucht boten, oder in deren Seele
ein Strahl des Aussergew�hnlichen aufblitzte ... Eine besondere und grosse
Liebe verband ihn mit der Marchesana von Pescara, deren hoher Geist ihn
gefangen hielt, und die ihm mit ausserordentlicher Liebe vergalt. Von ihr
bewahrt er noch viele Briefe, voll von reiner und s�sser Liebe, wie sie aus
so edlem Herzen kommen mussten, und er hat an sie viele gar kunstvolle
Sonette gerichtet, in denen eine innige Sehnsucht lebt. Sie verliess oft
Viterbo oder andere Orte, wohin sie sich zur geistigen Sammlung oder zum
Sommeraufenthalt zur�ckgezogen hatte, und kam nach Rom, einzig um
Michelangelo zu sehen; und er trug zu ihr solche Liebe, dass ich ihn einst
sagen h�rte, er habe nur den Schmerz, dass er sie nicht, als sie aus diesem
Leben schied, auf die Stirn oder den Mund k�sste, wie er ihre Hand gek�sst
hatte. Und der Gedanke an ihren Tod liess ihn oft im Schmerz gleichsam
erstarren.
Wie er die Gespr�che mit gelehrten Menschen sehr liebte, so fand er auch
Erg�tzen am Lesen der Schriftsteller, ob sie nun in Prosa oder in Versen
schrieben, und besonders tr�gt er Verehrung f�r Dante, dessen wunderbares
Genie ihn anzieht, und dessen Werke er fast ganz in treuem Ged�chtnis
bewahrt. Den Petrarca sch�tzt er vielleicht fast eben so hoch. Doch
begn�gte er sich nicht damit, sie zu lesen, sondern fand auch seine Lust
daran, selbst zu dichten, und manche seiner Sonette legen f�r die grosse
Kraft seiner Erfindung und seinen reinen Geschmack gutes Zeugnis ab ...
Aber all dies trieb er nur zu seinem Erg�tzen und masste sich keinerlei
Sachkenntnis darin an, setzte sich selbst vielmehr stets herab und betonte
seine Unerfahrenheit in solcherlei K�nsten.
Mit gleichem Eifer und gleicher Aufmerksamkeit las er die heiligen
Schriften des Alten und Neuen Testaments und suchte mit stetem Bem�hen in
ihren Sinn einzudringen. Gleicherweise studierte er die Werke Savonarolas,
zu dem er stets grosse Zuneigung hatte, und noch bewahrt er im Ged�chtnis
den lebendigen Klang seiner Stimme.
Auch liebt er die Sch�nheit des K�rpers, ist er doch am tiefsten mit ihrem
Wesen vertraut. Ja er liebt sie so sehr, dass sinnliche Menschen, die nur
in unlauterer und unehrenhafter Weise die Sch�nheit zu lieben verm�gen,
Schlimmes von ihm dachten und sagten. Und doch wurde Alcibiades, der
�beraus sch�ne J�ngling, von Sokrates mit der keuschesten Liebe umfasst und
er pflegte zu sagen, so oft er an dessen Seite geruht habe, sei er nie
anders als wie ein Sohn von der Seite des Vaters aufgestanden. Ich habe oft
Michelangelo �ber die Liebe reden und sich unterhalten h�ren, habe aber
stets, auch von den �brigen, die dabei waren, vernommen, dass er nicht
anders �ber die Liebe spreche, als wie bei Plato geschrieben steht. Ich
weiss ja nun nicht, was Plato �ber diesen Gegenstand sagt; das aber weiss
ich gewiss, dass ich lange seinen vertrauten Umgang genoss und aus seinem
Munde stets nur Worte von strengster Lauterkeit vernahm, die in jedem
J�ngling alle ungeordneten und z�gellosen W�nsche niedergezwungen und
ausgerottet h�tten. Und dass sein Geist h�ssliche Gedanken nicht duldete,
kann man auch daraus erkennen, dass er stets nicht nur die
Menschensch�nheit liebte, sondern alles Sch�ne, ein sch�nes Pferd und einen
sch�nen Hund, die Sch�nheit einer Landschaft, eines Berges, eines Waldes,
jede sch�ne Gegend und jegliches sch�ne und in seiner Art seltne Ding mit
tiefer und wunderbarer Verehrung anschaute. So entnahm er �berall der Natur
das Sch�ne, wie die Bienen aus den Bl�ten den Honig sammeln, und legte es
in seinen Werken nieder. Das haben aber alle die getan, die sich in der
Kunst eines gr�sseren Rufes erfreuten. Jener Meister des Altertums begn�gte
sich, um die Venus zu bilden, nicht damit, nur _eine_ Jungfrau zu sehen,
sondern er wollte viele anschauen. Und indem er so von jeder das Sch�nste
und Vollendetste nahm, schuf er daraus die G�ttin. Und so viel steht fest:
wer sich einbildet, er werde auf anderem, als auf diesem Wege, der allein
zur rechten Anschauung f�hrt, Grosses in der Kunst leisten, der t�uscht
sich in verh�ngnisvoller Weise.
In seinem ganzen Leben beobachtete Michelangelo eine grosse M�ssigkeit und
bediente sich, zumal wenn er arbeitete, mehr aus Notdurft als zum Genusse
der Speise. Meist begn�gte er sich dann mit einem St�ck Brot, das er ass,
ohne die Arbeit zu unterbrechen ... Oft h�rte ich ihn sagen: "Ascanio, wenn
ich auch noch so reich war, stets habe ich arm gelebt." Und wie er nie viel
ass, so schlief er auch wenig; pflegte er doch selbst zu sagen, der
Schlummer habe ihm nie gut getan, habe ihm vielmehr fast immer, wenn er
l�nger geschlafen habe, Kopfschmerzen verursacht. Als er noch von
kr�ftigerer Gesundheit war, schlief er �fter in Kleidern und Stiefeln --
dieser bediente er sich, weil er stets am Krampf litt und noch aus anderen
Gr�nden -- und manchmal liessen sie sich so schwer ausziehen, dass mit den
Stiefeln auch die Haut mitging, so wie es bei der Schlange geschieht, wenn
sie sich h�utet.
Nie geizte er nach Geld, noch strebte er danach, Reicht�mer aufzuh�ufen;
vielmehr war er zufrieden, wenn er genug besass, um ruhig leben zu
k�nnen ... Viele seiner Werke hat er verschenkt und h�tte doch durch ihren
Verkauf unermessliche Summen l�sen k�nnen ... Er war aber nicht nur mit
seinen Werken freigebig, sondern hat auch oft einem armen, doch t�chtigen
jungen Menschen, der sich den K�nsten oder der Wissenschaft widmete, mit
seiner B�rse geholfen; ich kann das bezeugen, denn mir selbst ist so von
ihm geschehen. Nie war er neidisch auf die Erfolge anderer in seiner Kunst,
und das mehr aus nat�rlicher Herzensg�te, als weil er von sich selbst eine
hohe Meinung h�tte. Er lobte das Gute in allen, selbst in Raffael von
Urbino, mit dem er doch, wie ich oben schrieb, im Felde der Malerei manchen
Kampf ausgefochten hat. Nur h�rte ich ihn sagen, Raffael habe seine Kunst
nicht von der Natur erhalten, sondern sie sich durch langes Studium
erworben ...
Er besitzt ein ausserordentlich treues Ged�chtnis, so dass er, der doch,
wie man sehen kann, Tausende von Gestalten gemalt hat, nie auch nur zwei
bildete, die sich �hnlich gesehen, oder die gleiche Haltung eingenommen
h�tten. Ich h�rte ihn sagen, dass er keine Linie ziehe, ohne zu wissen, ob
er sie bereits einmal gezogen habe; und wenn dies geschehen ist, l�sst er
sie nie stehen, falls das Werk f�r die �ffentlichkeit bestimmt ist. Auch
besitzt er eine ungeheure Kraft gestaltender Phantasie, und daher kommt es
vor allem, dass er stets so unzufrieden mit seinen Werken ist, und sie
stets herabsetzt, denn noch nie schien es ihm, als sei es seiner Hand
gelungen, das Bild zu formen, wie es in seinem Innern aufstieg. Und aus den
gleichen Gr�nden ist er sch�chtern, wie es die sind, die sich in Musse
einem beschauenden Leben hingeben. Nur wenn ihm oder anderen Unrecht
zugef�gt wird, oder man seine Rechte verletzt, flammt er in gerechtem Zorne
auf. Dann aber ist die Wucht seiner Abwehr gr�sser, als bei denen, die man
f�r mutig h�lt ..."
Ascanio Condivi, Leben Michelangelos,
Kap. 62-68.
* * * * *
DICHTUNGEN.
AN FLORENZ.
Nur dich erfreut mein Gram! Sieh, welch Erbarmen
Die holden Frau'n bewegt, dass Qual und Sterben
Zu s�ss du noch erachtest f�r mich Armen.
Wo ist nun Mitleid? Wen zum Sch�tzer werben
Vor Weibes Grimm, wenn M�nner sich vernichten,
In Hass und Kampf sich st�rzen ins Verderben?
Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten!
Und reiche nur den Bogen ihren H�nden;
Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten.
Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerw�nden,
Der, den zum Tod man schleift in wilder Hetze,
An welch ein Tribunal soll der sich wenden?
Was n�tzen ihm und mir Recht und Gesetze?
Doch sag', warum lehrt dich mein Lieben hassen?
Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze?
Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen
Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme,
Muss schauernd sein Verderben hier umfassen.
Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme,
Ihr Augen, spottend der im Netz Verstrickten,
Ihr H�nde, h�hnisch deutend auf uns Arme,
Ihr Gaben all, verliehen der Begl�ckten
Zu hohem Ruhm, nicht schuf euch Gottes Wille,
Um Tod und Schmach zu bringen uns Entz�ckten!
Ihr sollt im Spiegel eurer Sch�nheitsf�lle
Den Glanz uns ahnen lassen jener Sph�ren,
Die noch uns birgt des Staubes Schleierh�lle.
Die ird'sche Sch�nheit soll uns glauben lehren
An ew'ge Sch�nheit, g�ttliche Vollendung;
Und du lebst nur zu t�ten, zu verheeren!
Ein Himmelsbote, spottend seiner Sendung,
Verdient den Untergang noch mehr als jene,
Die ihm gefolgt in menschlicher Verblendung.
Die Liebe zeigt dein Ende mir, du Sch�ne,
Dass meine Warnung deinen Stolz vernichtet
Und dir ins Auge lockt die Reuetr�ne.
O f�hle doch der Welt dich auch verpflichtet,
F�r die so sch�n geschaffen du; gefallen
Lass dir die Lieder, dir zum Ruhm gedichtet.
Die Tugend n�tzt sich selbst nicht nur, nein allen,
Dem Himmel gleich, der Licht am meisten spendet,
Wo sich am dunkelsten die Schatten ballen,
Du aber hast dich geizig abgewendet;
Wir sterben, du bleibst ungestraft auf Erden;
Nun seht ihr, dass nicht hier das Dasein endet,
Und dass Gerechtigkeit ge�bt muss werden
In andern Welten. Weh, dass treue Dienste
Man lohnt durch Qual und t�dliche Gef�hrden!
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1. Sophie Hasenclever.
AUF DIE "NACHT" DES BUONARROTI VON GIOVANNI STROZZI.
"Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen,
Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein,
Und weil sie schl�ft, muss sie lebendig sein,
Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen."
ENTGEGNUNG MICHELANGELOS.
"Schlaf ist mein Gl�ck; so lange Schmach und Kummer
Auf Erden dauern, besser Stein zu bleiben,
Nicht sehn, nicht h�ren bei so schn�dem Treiben.
Sprich leise drum und st�r' nicht meinen Schlummer."
2. Sophie Hasenclever.
FLORENZ UND DIE VERBANNTEN.
"F�r tausend Liebende bist du geboren
In Engelssch�nheit! Schl�ft der Himmel heute,
Dass du des einen Beute,
Du allen einst geschenkt und nun verloren?
Sind wir, ach fern geboren,
Nicht ganz verschm�ht, so lass f�r uns auch tagen,
F�r uns Verbannte deiner Augen Sonnen!"
"Wohlan, nicht sinke euer Mut, ihr Toren,
Denn nicht den grossen Raub l�sst grosses Zagen
Geniessen den, der mich zum Schein gewonnen;
Und seht, ist nicht inmitten aller Wonnen
Unf�hig zum Genusse sein, viel schlimmer,
Als dulden bei der Hoffnung fernstem Schimmer?"
3. Sophie Hasenclever.
AN JULIUS II.
Herr, hatte je ein altes Sprichwort Wert,
So hat es dies: Wer kann, der will noch nicht.
Auf hohle Reden legtest du Gewicht
Und hast mit Gunst der Wahrheit Feind geehrt.
Stets hab' ich mich in deinem Dienst bew�hrt,
Dein, wie der Sonne ihrer Strahlen Licht;
Doch, wenn ich Zeit verloren, r�hrt's dich nicht,
Und schaltest mehr, je mehr ich m�hbeschwert.
Mein Hoffen hatt' ich ganz auf dich gestellt,
Nur war ein gutes Schwert und rechte Wage
Mehr angebracht als hohles Echowort.
Doch wahrer Tugend wert h�lt diese Welt
Der Himmel nicht, will er, dass Fr�chte trage
Ein hohler Baum f�r uns, der schon verdorrt.
4. Bettina Jacobson.
AN GIOVANNI DI PISTOJA.
Schon wuchs ein Kropf mir bei den Qu�lerei'n,
Wie's Katzen in der Lombardei geschieht
Vom Wasser, (oder wie man's sonst wo sieht),
Denn in den Bauch dr�ckt schon das Kinn sich ein.
Der Bart starrt aufw�rts, der Ged�chtnisschrein
Liegt im Genick; wie bei Harpyien flieht
Die Brust, und �bers Antlitz tr�pfelnd zieht
Der Pinsel Mosa�ken reich und fein.
Die Lenden sind mir in den Wanst gespannt,
Dagegen ward mein Hinterteil zur Kruppe;
Unsichern Schritts, ein Blinder, wanke ich.
Vorn nimmt die Haut in Falten �berhand,
Und hinten spannt sie �ber harter Kuppe,
Denn wie ein Syrerbogen kr�mm' ich mich.
So geht auch wunderlich
Und falsch das Urteil aus dem Hirn hervor,
Denn schlecht nur f�hrt ein Schuss aus schiefem Rohr.
Such' nun, o Freund, hervor,
Was noch f�r meine toten Bilder spricht!
Schlecht ist mein Platz, zum Malen taug' ich nicht!
5. Bettina Jacobson.
SPOTTGEDICHT.
So s�ss wie Mus ist dein Gesicht, o Sch�ne,
So glatt, als w�r' ein Schnecklein drauf spaziert,
Wie R�ben zart; es gleichen deine Z�hne
Den Pastinaken, und dein Auge stiert
So wie die Theriakpflanze gr�n; ich w�hne,
Durch solchen Glanz wird selbst ein Papst verf�hrt.
Wie Zwiebeln weiss und blond sind deine Haare!
Erbarm' dich schnell, sonst lieg' ich auf der Bahre!
6. Sophie Hasenclever.
So rasch, so k�hn, mit Lug und Trug im Bunde
Ist meine Freundin, dass sie Huld versprochen
Im Augenblick, da sie mein Herz durchstochen,
Und schon das Eisen steckte in der Wunde.
Ach, zu derselben Stunde
Durchw�rmt mich Leben, da mich Tod durchschauert!
Die bange Seele trauert,
Denn wenn dies Schwanken dauert,
Besiegt der Tod das Leben. Mehr vernichtet
Das B�se, als das Gute heilt und schlichtet.
7. Sophie Hasenclever.
Gen�ss' ich mindre Gnade,
Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft,
Nun aber ist erschlafft
Durch Z�hren, die in Doppelb�chen fliessen,
Mein Herz und krank vom Tr�nenbade.
So muss das hohe Gl�ck die Schw�che b�ssen!
Kein Weiser will geniessen,
Wozu die Kraft ihm fehlet,
Denn Wonne ohne Mass erdr�ckt hienieden.
Ein stilles Gl�ck wird spriessen,
Vom Friedenshauch beseelet,
Dem Herzen, das in Demut sich beschieden.
Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden;
Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten,
Das H�chste du, so wird das Gl�ck ihn t�ten.
8. Sophie Hasenclever.
Wenn sich die Schmerzen, die mein Antlitz tr�ben,
Dir, teure Herrin, zeigen,
So scheinen sie zu steigen
In gleichem Mass, wie in dem deinen, lieben,
Das frei von Gram geblieben,
Die Reize sich erh�h'n; durch meine Leiden
Will Amor dich Geliebte noch versch�nen;
Da Ruhm dir bringt solch Lieben,
So duld' ich denn mit Freuden.
Macht schon mein Gram dich sch�n, wie erst mein Sterben!
Und doch, wenn meine Tr�nen,
Die Glanz und Reiz erh�h'n in deinen Z�gen,
Einst durch den Tod versiegen,
So bringt mein Tod statt Ehre dir Verderben.
Nun will ich nicht mehr sterben,
Nein, dulden will ich gern in deiner N�he,
Denn s�ss ist Gram, der solche Sch�nheit n�hret;
Wem sie zu schau'n bescheret,
Der tr�gt ja leicht zugleich ein grosses Wehe.
9. Sophie Hasenclever.
Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entz�cken
Das blonde Haar mit Bl�ten rings umf�ngt,
Es darf die Blume, die am tiefsten h�ngt,
Den ersten Kuss auf deine Stirne dr�cken.
Wie freudig das Gewand den langen Tag
Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet
Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet,
Das dir die Wangen gern ber�hren mag.
Sieh aber hier, wie mit verschr�nkten Schn�ren
Nachgiebig und doch eng das seidne Band
Begl�ckt ist, deinen Busen zu ber�hren.
Der G�rtel spricht: Lass mich die Lust geniessen,
Dass ewig meine Haft dich so umspannt --
Wie w�rden da erst Arme dich umschliessen!
10. Hermann Grimm.
Weil man wie Seelenzwang,
Erscheint sie auch als Labe,
Die Gunst empfindet, sich gebunden glaubt,
So klagt mein Freiheitsdrang
Ob deiner werten Gabe
Mehr noch, als h�tte mich ein Dieb beraubt.
Und kann zum Strahlenhaupt
Der Sonne ungeschw�cht kein Auge dringen,
Das doch erstarken m�sst' bei solchem Wagen,
So m�chte kraftberaubt
Nicht mein Verm�gen sein, dir Dank zu bringen.
Oft muss vorm �berfluss der Mangel zagen,
Und jener wieder �ber diesen klagen:
Denn Liebe will nur solche Freunde nennen,
(Wie selten ach)! die gleich an Gl�ck und K�nnen.
11. Bettina Jacobson.
AN GIORGIO VASARI.
Mit deinem Griffel, deinen Farbent�nen
Hast gleich die Kunst du der Natur gemacht,
Ja �bertroffen sie zum Teil an Macht,
Da f�hig du, ihr Sch�nes zu versch�nen.
Doch heut erst wird vollst�nd'ger Sieg dich kr�nen,
Dich, der auf h�h're Werke jetzt bedacht,
Denn deine Schrift erhellt des Grabes Nacht
Und gibt Unsterblichkeit den Erdens�hnen.
Ob auch die Kunst oft die Natur bezwungen,
Ob Jahre ihre Werke nicht verletzen,
Sie hindert's nicht, dass alle einst zerst�uben.
Du aber, Taten singend, die verklungen,
Du, Tote weckend trotz Naturgesetzen,
Wirst du und werden sie lebendig bleiben.
12. Sophie Hasenclever.
AN GIORGIO VASARI.
Ein Maultier, Kerzen, wahre Zuckermassen!
So �ber mein Verm�gen handelt Ihr,
Dazu die grosse Flasche Malvasier,
Dass ich Sankt Michael muss die Wage lassen.
Zu sch�nes Wetter l�sst kein L�ftchen blasen:
Das Segel h�ngt, der Kurs entschwindet mir,
Mein schwaches Schifflein scheint ein Splitter schier,
Den wilden Meeresfluten �berlassen.
Erw�g' ich Eure Gaben, Eure G�te
Und Speis' und Trank und freundliches Bedenken,
Dass man auf Reisen sorglich mich beh�te, --
Dann w�rde sich mein Dank auf nichts beschr�nken,
Selbst wenn ich Euch mich selbst als solchen biete,
Denn eine Schuld bezahlen, heisst nicht schenken.
13. Bettina Jacobson.
AUS DEN STANZEN ZUM LOB DES LANDLEBENS.
(Michelangelo schildert im ersten Teil des Gedichtes die Reize des
l�ndlichen Lebens und stellt diesem die Reihe der Laster gegen�ber, die dem
Reichen in der Stadt das Leben verbittern: Zweifelsucht, Falschheit,
Schmeichelei, Zwist, Betrug, L�ge, endlich, in den folgenden Stanzen, den
Hochmut, die Missgunst und die sieben Tods�nden, ihre Kinder.)
Der Riese Stolz bl�ht sich so hoch, dass nimmer
Er uns im Staub gewahrt; manch sch�ne Stadt
Zermalmt mit plumpen Sohlen er in Tr�mmer;
Zur Sonne will er schaffen sich den Pfad,
So baut er Turm auf Turm, doch ihren Schimmer
Sah er noch nie, da nur ein Aug' er hat,
Und dies ihm an der Ferse sitzt. Im Wahne
Durchrast die Himmel er gleich dem Orkane.
Die Berge sind den Sohlen jenes H�nen,
Was uns ein Sandkorn ist. Der Drachen Brut
Birgt sich in seinem Fell und neben ihnen
Erscheint der Walfisch in der Meeresflut
Wie eine Fliege klein. Es schreckt den K�hnen
Nur eins: Wenn sich erhebt der St�rme Wut
Und Staub und Halme wirbelnd aufw�rts sendet,
Sein einzig' Auge durch den Qualm ihm blendet.
Auch eine tr�ge Alte ist ihm teuer,
Die grosse Amme seiner Ungestalt,
Sie n�hrt in ihm der wilden K�hnheit Feuer,
Sie reizt ihn an zu Frechheit und Gewalt.
Wohnt nicht das Weib bei diesem Ungeheuer,
So birgt es sich im tiefsten Felsenspalt.
Geht m�ssig er, hockt sie in dunkler Kammer
Und schickt dem Volke Hungersnot und Jammer.
Im Busen, aus dem alle �bel stammen,
Tr�gt sie das Zeichen ihres Herrn; die Qual
Des N�chsten m�stet sie, sie schrumpft zusammen
Bei andrer Gl�ck, die Gier stillt ihr kein Mahl;
Sie peinigt alle mit des Hasses Flammen
Und liebt, o Wunder, selbst sich nicht einmal.
Ihr Arm ist Eisen, Stein das liebeleere
Das eis'ge Herz; sie schlinget Berg und Meere.
Und beider Kinder -- sieben sind's -- durchfliegen
Die Welt von Pol zu Pol, ein H�llenchor;
Nur die Gerechten wollen sie bekriegen,
Sie schliessen auf und zu des Abgrunds Tor,
Denn Beute bringen sie nach grossen Siegen;
Unz�hl'ge Arme strecken sie hervor,
Um nach und nach die Seelen ganz zu binden
Wie Eupheuranken einen Turm umwinden.
14. Sophie Hasenclever.
EPITAPHIEN.
O f�hlest du mit mir, der hier im Staube
Verschlossen ruht, der Welt entr�ckt, Erbarmen,
So spare deine Tr�nen f�r die Armen,
Die leben, wechselndem Geschick zum Raube.
* * * * *
Warum ergreifst du Tod nicht m�de Greise,
Warum soll ich in meiner Bl�te sterben?
"Weil das, was altert in der Welt Verderben,
Nicht aufschwebt und nicht weilt im Himmelskreise."
* * * * *
Nicht mordete mit hoher Jahre Waffen
Der Tod die Sch�nheit, die der Staub hier deckt,
Er nahm sie schnell, auf dass sie unbefleckt
Zum Himmel kehre, sch�n wie sie geschaffen.
* * * * *
Geboren war ich erst vor kurzer Frist,
Als man mich hier begrub; so schnell entf�hret
Der Tod mich, dass der freie Geist kaum sp�ret,
Wie sehr sein Zustand jetzt verwandelt ist.
* * * * *
Nicht gab der Himmel meiner Reize F�lle,
Die Vielen er zum Schmuck f�r mich entriss,
Durch meinen Tod zur�ck, da ich gewiss
Am j�ngsten Tag mich kleid' in gleiche H�lle.
* * * * *
Man glaubt mich tot, der ich gelebt zum Frommen
Der Welt, im Busen tragend tausend Seelen,
Die mich geliebt; wie kann mir Leben fehlen,
Da eine Seele nur der Tod genommen?
* * * * *
O w�rden Fleisch und Blut f�r meine Knochen --
Dass ich aufs neue lebte -- eure Tr�nen,
Dann w�r' aus Mitleid hart, wer weint; sein Sehnen
Zw�ng' mich zur�ck ins Joch, das ich zerbrochen.
* * * * *
Dass ich gelebt, weiss nur mein Leichenstein,
Und denkt ein Mensch an mich, dann d�nkt's ihn gar
Wie Traum; so wirkt der Tod, dass das, was war,
Erscheint, als k�nnt' es nie gewesen sein.
* * * * *
Ich, Braccio von Geschlecht, sah, seit in Schmerzen
Zur Welt ich kam, nur kurze Zeit den Tag;
Nun bin ich hier, wo gern ich harren mag,
Leb' ich nur fort in meines Freundes Herzen.
* * * * *
War ich im Leben, der ich Staub jetzt bin,
Des Freundes Leben, muss nicht Tod allein,
Nein eifers�cht'ge Qual dem Freund es sein,
Stirbt je vor ihm ein andrer f�r mich hin?
* * * * *
Der Bracci Sonne sank hinab ins Grab,
Mit ihr die Sonne der Natur. Nicht Waffen
Bedurft' der Tod, um ihn dahin zu raffen;
Ein Hauch schon bricht die Fr�hlingsblume ab.
15. Sophie Hasenclever.
DANTE.
Kein Lob erreicht ihn, denn was k�nnt' ich sagen,
Da selbst den Blinden er voll Glanz erschienen?
Doch dazu soll die Sprache jetzt mir dienen,
Das Volk, das ihn beleidigt, anzuklagen!
Ihm, der zum Reich der Seelen, die verloren,
Hinabstieg, ihr Geheimnis zu erraten;
Ihm, dem die Himmelstore auf sich taten,
Verschloss die eigne Vaterstadt die Tore.
O Vaterland des Undanks! Dir zum Schaden
Hast du ihn ausgestossen! Du, das stets
Die Besten mit dem schwersten Schmerz beladen.
Nur seinen Namen braucht die Welt zu lesen!
Denn ward ein Mann unw�rd'ger je verbannt
Und ist ein Mann so gross wie er gewesen?
16. Hermann Grimm.
Wie kommt's, dass ich nicht mehr mein eigen bin?
Wer ist's, durch den ich mich verlor,
Der, fremd, in mir sich dr�ngte vor,
Mehr gilt in mir als eigner Sinn?
Und wie durchschnitt
Die harte Brust,
Wer mich nicht einmal anger�hrt?
Wer bist du, Liebe, Qual und Lust,
Die nun mein Herz gefangen f�hrt,
Die durch das Aug' in meine Seele glitt
Und da so masslos w�chst und schwillt,
Dass sie an tausend Enden �berquillt?
17. Hans Grasberger.
Den Augen gebt zur�ck, o Fluss, o Quelle,
Das Wasser, nicht entsprungen euren Bronnen,
Die Tr�nen, die in eure Flut verronnen,
Zu wilder H�he trieben eure Welle!
Du tr�be Luft, die mir das Licht, das helle,
In Nebel h�llt, verdunkelnd meine Wonnen,
Gib wieder, um die Blicke neu zu sonnen,
Die Seufzer mir, dass es kein Dunst entstelle!
Die Schritte, Erde, gib zur�ck den F�ssen,
Es sprosse neu das Gras auf meinem Wege;
Gib, Echo, heut zur�ck mir Klag' und St�hnen,
Gebt meinem Aug' ihr Augen, o ihr s�ssen,
Die Blicke wieder, dass ich lieben m�ge
Ein andres Weib, da euch verhasst mein Sehnen.
18. Sophie Hasenclever.
So kehren wirklich die befreiten Seelen,
Auf kurz bemess'ne Zeit,
Zur�ck in anderm Kleid,
Dass Leben sie und Tod von neuem w�hlen?
Wird strenge im Befehlen,
Wie einst, die Liebste nah'n,
Noch ganz von ihrem alten Reiz umflossen?
Fast m�cht' ich darauf z�hlen,
Sie zeigte sich alsdann
Ganz ohne Groll, von Milde �bergossen.
Und, war ihr Aug' geschlossen,
Hat, neubelebt, sie Mitleid wohl erworben
Mit meinem Tod, -- die selber schon gestorben!
19. Bettina Jacobson.
AN VITTORIA COLONNA.
Des besten K�nstlers herrlichsten Gedanken,
Ein einz'ger Marmor kann ihn ganz enthalten,
Doch muss, will ihn der Meister uns entfalten,
Die Hand dem Geist gehorchen ohne Wanken.
In dir auch birgt sich Gl�ck und Pein; verdanken
K�nnt' ich dir h�chstes Heil, doch zu gestalten
Dies Gl�ck, es zu gewinnen, zu erhalten,
Fehlt mir die Kunst; so muss an Gram ich kranken.
Nicht tr�gt denn Liebe Schuld an meinen Leiden,
Nicht darf das Schicksal ich zu schm�hen wagen;
Kann Heil ich oder Tod von dir erwerben,
Tr�gst du im Busen sie und ward von beiden
Mir Tod zuteil, muss ich mich selbst verklagen;
Mein schwacher Geist verschuldet mein Verderben.
20. Sophie Hasenclever.
AN VITTORIA COLONNA.
Dein leuchtend helles Diadem erringen,
Auf steilem Pfade rauh und lang,
O das vermag im Liebesdrang
Ein Herz voll Demut nur und edler Sitte.
Dir w�chst die Kraft, mir werden lahm die Schwingen,
Versagt der Odem auf des Weges Mitte.
O h�re meine Bitte:
Obgleich mein Herz sich freut an deiner Ehre,
Und jauchzt, dass deine Tugend so erhaben,
So fleht es dennoch: lenke deine Schritte
Ein wenig nur herab zu mir und wehre
Mir Schwachem nicht, den Geist an dir zu laben;
Wenn minder gross, du Hehre,
Mein Herz dich w�nscht, nicht h�h'ren Flug will dulden,
O so vergib dir selber mein Verschulden.
21. Sophie Hasenclever.
AN VITTORIA COLONNA.
Der Freundlichkeit, mit der Ihr mich bedenkt,
Nicht allzu unwert, Herrin, mich zu zeigen,
Wollt ich mit dem, was meinem Geiste eigen,
Erst das erwidern, was Ihr mir geschenkt.
Bald aber f�hlt' ich: da Euch nachzusteigen,
Wohin der Genius Euch empor gelenkt,
Gibt's keinen Weg f�r mich: verzeiht und denkt,
Wie sehr ich weiss, warum mir ziemt zu schweigen.
Denn Irrtum w�r' mein Glaube, wenn ich d�chte,
Dem gleichzutun mit meinem schwachen Werke,
Was von Euch wie des Himmels Gnade regnet.
Das Feuer fehlt, die Kunst, die es vollbr�chte,
Mir Sterblichem, dem kein Versuch die St�rke
Verleiht, mit der der Himmel Euch gesegnet.
22. Hermann Grimm.
AN VITTORIA COLONNA.
Ach neben dir, die durch zu grosse Wonne
Das Leben mir entreisst,
Wie arm bin ich an Geist,
An Kraft und Kunst! Ja deinen Strahlensegen
Flieht, wie der Blick die Sonne,
Mein bl�der Geist; die Fl�gel m�cht' er regen
Weit �ber sein Verm�gen;
Er �bertrifft sich selbst, nur deiner kleinsten Spende
Auch wert zu sein; bald aber, ach zum Schaden,
Erlahmt sein Flug, und klar sieht er am Ende,
Nie kann der Dankesschuld er sich entladen,
F�r so viel Gnaden!
Je m�cht'ger lodern deiner Seele Flammen,
Je mehr sink' ich in toten Staub zusammen.
23. Sophie Hasenclever.
Was ist es, das die Seele mir entz�ndet?
Ahn' ich der Gottheit Glanz, die Strahlen kr�nen?
Sah ich auf Erden je ein Bild des Sch�nen,
Das meine Seele zitternd nachempfindet?
Blieb mir ein Himmelsstrahl, der nie erblindet,
Von jener Seligkeit, nach der mit Tr�nen
Sich die verbannten Menschenherzen sehnen,
Die niemals ganz aus dem Ged�chtnis schwindet?
Das, was ich f�hl' und schau', das, was mich leitet,
Ist nicht in mir, noch weiss ich, wo es finden!
Zeig' du es mir, denn seit ich dich erschaue,
F�hl' ich, wie sich in meinem Busen streitet
Ein Ja und Nein, ein bitters�ss Empfinden;
Gewiss dein Auge ist es, holde Fraue!
24. Sophie Hasenclever.
"Sprich Amor, ist es Wahrheit, ist's ein W�hnen,
Dass G�tterpracht der Herrin Antlitz schm�ckt,
Oder hat mich ein inn'res Bild entz�ckt,
Und seh' ich hier den Abglanz jenes Sch�nen?
Du weisst es, denn du kamst mit ihr; mein Sehnen
Entfachst nur du, nur du hast mich ber�ckt;
Doch fleh' ich, trotz der Qual, die mich bedr�ckt,
Nicht mindre diese Flammen, diese Tr�nen!"
"Die Sch�nheit, die du siehst, entstammt der Erde,
Doch w�chst ihr Glanz, steigt sie zu h�hern Sph�ren;
Durch deine Augen tritt sie in die Seele,
Und diese, dass gleich ihr unsterblich werde
Die Sch�nheit, nimmt sie auf, sie zu verkl�ren;
So laut're Sch�nheit siehst du, ohne Fehle."
25. Sophie Hasenclever.
O meine Augen, wisst:
Die Zeit vergeht, die Stunde kommt heran,
Wo tr�ber Tr�nen Born sich schliesst!
Gott halt' euch aufgetan,
So lange meiner Herrin Huldgestalt
Auf Erden wallt.
Schliesst sich der Himmel auf,
Und meine Erdensonne
Lenkt, euch entr�ckt, den Lauf
Hinan zu aller Sel'gen Wonne,
Was bleibt euch f�rder noch zu schauen dann?
26. Hans Grasberger.
AN VITTORIA COLONNA.
Wenn Kunst, im Stein gestaltend,
Erschaffend und erhaltend,
Dir dauernd Leben gibt durch Menschenh�nde
Bis an der Zeiten Ende,
Wie k�nnte erst der Himmel dich verkl�ren,
Der Himmel, g�ttlich waltend,
Der h�h'rer Sch�nheit Spende
Als Menschenkunst verleiht, wollt' er dir Hehren
Auf Erden schon Unsterblichkeit gew�hren!
Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben?
Wer r�cht hier dein Verderben?
Dich r�che die Natur, denn sieh, es bleibet
Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerst�ubet.
27. Sophie Hasenclever.
AUF VITTORIA COLONNAS TOD.
Als sie, um die viel Seufzer mich verzehren,
Der Erde, meinem Blick und sich entschwand,
Da blieb Natur, die ihrer wert uns fand,
Besch�mt zur�ck, und, der sie sah, voll Z�hren.
Heut wird man nicht den Tod sich r�hmen h�ren,
Ob dieser Sonnen Sonne: ihm entwand
Die Liebe sie: hier lebend festgebannt,
Weilt sie dort oben unter Engelch�ren.
Wohl meinte dieser arge, b�se Tod:
Verstummen m�ssten hier die Ruhmeskl�nge,
Darin man Tugend, Seelensch�nheit ehrte.
Und dennoch spenden jetzt uns die Ges�nge
Mehr Lebensglanz, als einst ihr Leben bot:
Der Himmel liess uns, was ihm nicht geh�rte.
28. Bettina Jacobson.
AUF VITTORIA COLONNAS TOD.
Dass nah dem Feuer mich die Glut verzehrte,
Was Wunder? Und, dass jetzt, wo es verglommen,
Ich mich bek�mmert f�hle und beklommen,
So dass ich nach und nach zu Asche werde?
Ich sah, wie Flammenschein den Ort verkl�rte,
Von dem mir all die schwere Pein gekommen,
Doch gab der Anblick schon mir Heil und Frommen,
Der Qual und Tod in Wonne mir verkehrte.
Jetzt, da der Himmel mir des Feuers Helle, --
Die mich entz�ndet, mich ern�hrte, -- nimmt,
Gl�h' ich als Kohle noch im Aschengrabe.
Schafft mir nicht Amor Feuerstoff zur Stelle,
Bleibt auch kein F�nklein mehr, das weiterglimmt,
Wenn ich zu Asche mich verwandelt habe.
29. Bettina Jacobson.
AUF VITTORIA COLONNAS TOD.
Um so vollkommne Sch�nheit nicht von allen
Zur�ckzufordern, wenn der Tod erschien,
Ward einer sie verliehn:
Der Hohen, Reinen, unter zartem Schleier.
H�tt' allen Sterblichen es Gott gefallen,
Sie zu gew�hren, war der R�ckkauf teuer.
Ein Hauch ward zum Befreier,
Ein Augenblick, an Dauer kaum gemessen,
Gen�gte, dass sie Gott
Zur�ckgeholt: Kein Auge schaut sie wieder! --
Doch bleiben unvergessen,
Ob auch die H�lle tot,
Uns ihre sch�nen, heilgen, s�ssen Lieder.
Lieh Gott an schlimme Br�der
So viel wie ihr, wollt' es zur�ckerwerben,
Mitleid, gesteh's: Wir alle m�ssten sterben! --
30. Bettina Jacobson.
AUF VITTORIA COLONNAS TOD.
Ward auch schon manches Menschenbild gesehn,
Das aus dem harten Stein mein Hammer bricht,
So steht er doch in Meisters Bann und Pflicht,
Durch den allein kann Schlag und F�hrung gehn.
Nur was da g�ttlich wohnt in Himmelsh�hn,
Ist sch�n durch sich, versendet eignes Licht;
Doch wird ein Hammer ohne Hammer nicht,
Kann Leben auch aus Leben nur erstehn.
Weil nun der Schlag nur st�rker niederf�hrt,
Je h�her wir hinauf den Hammer schwingen,
Flog �ber mich der deine himmelan.
So, wenn Gott gn�dig Hilfe nicht gew�hrt,
Kann des Unfert'gen Bildung nur misslingen,
Weil sie kein andrer hier vollbringen kann.
31. Bettina Jacobson.
NACH VITTORIA COLONNAS TOD.
Versetz' in jene Zeit zur�ck mich heute,
Wo zaumlos toben mochte blinde Glut!
Gib mir das Antlitz wieder engelgut,
Dem alle Jugendkraft gewelkt zur Seite;
Die Schritte ohne Zahl in alle Weite,
Die schwer und m�h'voll nur das Alter tut,
Dem Busen Feuer gib und Tr�nenflut,
Willst du noch einmal, Amor, mich zur Beute.
Denn lebst von Z�hren wirklich du, vergossen
In Leid und Lust, was macht den Greis dir teuer,
Der fast am andern Ufer angekommen?
Schon wehrt der Geist mit himmlischen Geschossen
Sich gegen deinen Pfeil. Das st�rkste Feuer,
Es z�ndet nicht im Holz, das schon verglommen.
32. Sophie Hasenclever.
Ein frohes Herz versch�nt, und h�sslich macht
Ein traurig Herz; so werd' ich umgestaltet
Durch dich, die meins verwaltet.
-- Nur eins begreif' ich nicht: du m�sstest gl�hen,
Da du die Glut entfacht! --
Ein Auge klar und helle
Hat f�r das Sch�ne mir mein Stern verliehen,
Und willst du mir entziehen
Des Trostes letzte Strahlen,
Wirst du, seh' ich, dir schaden, denn ich meine,
In jedes Bildnis malen
Zugleich mit dem Modelle
Wir K�nstler uns hinein; wie wird das deine,
Wenn ich so trostlos weine?
Begl�cke mich, dann mal' ich ohne Tr�nen,
Und du wirst sch�n und wirst auch mich versch�nen.
33. Sophie Hasenclever.
Oft gleicht ein Bild dem Bildner mehr, o Jammer!
Als dem Modell; so bilde
Ich jetzt nur schmerzlich wilde
Entstellte Z�ge, kl�gliche Gestalten!
Dich formen will mein Hammer,
Und formt mich selbst, die Stirn voll Schmerzensfalten.
Was k�nnt' ich auch gestalten,
Da Liebe mich vernichtet,
Als diesen m�den Leib voll Angst und Trauer?
Gleicht nicht dem Stein, dem kalten,
Aus dem ihr Bild errichtet,
Die strenge Herrin? Felsen sind nicht rauher.
Die Kunst allein gibt Dauer;
Drum, willst du, dass dein Reiz dich �berlebe,
Begl�cke mich, dass ich dir Sch�nheit gebe!
34. Sophie Hasenclever.
Wohl muss ein reiner t�cht'ger Sinn sich freuen
An von der Kunst geschaffenen Gestalten,
Die liebe Z�g' und Formen aufbehalten
Und Menschen bilden in Wachs, Ton und Stein.
Wenn dann f�hllose Zeiten sie entweihen,
Solch edles Werk zertr�mmern und zerspalten,
So wird das Bild sich dennoch in der alten
Sch�nheit im Geist, der es erfasst, erneuen.
So ist es deiner Sch�nheit widerfahren:
Als Bild des Heiles, das den Himmel schm�ckt,
Hat sie der ew'ge K�nstler ausgesendet.
Verringert sie nun gleich sich mit den Jahren,
Sieht meine Sehnsucht sie nur mehr vollendet,
Der Sch�nheit denkend, die kein Alter knickt.
35. Carl Witte.
Herrin, wie mag's nur sein -- und doch bew�hrt
Es die Erfahrung -- dass weit l�ngeres Leben
Dem Bildwerk als dem Bildner wird gegeben,
Des Meisterhand den rohen Stein verkl�rt?
Der Sch�pfer schwindet das Geschaffne w�hrt,
Kurzlebig muss Natur vor Kunst erbeben,
Ich weiss es, der ich ganz der Kunst ergeben,
Klar sehe, wie die Zeit mit mir verf�hrt.
So k�nnt' ich langes Leben wohl uns beiden
Verleih'n, ob Stein, ob Farbe dir beliebt,
Liess ich ein Bild von uns ganz treu und wahr:
Dass man noch tausend Jahr nach unserm Scheiden
S�h', wie du sch�n warst, wie ich dich geliebt,
Und dass mein Lieben keine Torheit war.
36. Friedrich Bodenstedt.
AN VITTORIA COLONNA.
Nach vielen Jahren, vielem Suchen, Ringen,
Erreicht der Weise erst, nah seinem Ende,
Wie er durch Geist und H�nde
Lebendig aus dem Stein ein Bildnis schafft.
Denn zu so hohen Dingen
Gelangt man sp�t, und bald erlischt die Kraft.
Dein Antlitz, g�tterhaft,
Hat, lange suchend und nach vielem Irren,
Natur, am Gipfel angelangt, gefunden;
Nun ist sie alt, und ihre Kraft verzehrt.
Darum ist Furchtverwirren
Mit Sch�nheit oft verbunden,
Das wundersam ein stark Verlangen n�hrt.
Wer ist's nun, der mich lehrt,
Was besser sei, nachdem ich dich gesehn:
Die h�chste Lust? Der Erde Untergehn? --
37. Bettina Jacobson.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe
Mit Worten nimmer ich; doch was es k�ndet
Hob oft den Geist, den noch der K�rper bindet,
Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe.
Dien' ich dem Spott des P�bels auch zur Scheibe,
Zeiht er der Regung mich, die er empfindet,
So hoff' ich doch, dass Treue fest gegr�ndet,
Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe!
Die ird'sche Sch�nheit, f�r den Blick des Weisen
Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen;
Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben,
Nicht andre Fr�chte kann die Erde weisen;
Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen,
Ist s�ss der Tod und frei mein Flug nach oben.
38. Sophie Hasenclever.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Ich sehe sanftes Licht mit deinen Blicken,
Mit meinen eignen Augen bin ich blind,
Mit dir im gleichen Schritte wandelnd, sind
Leicht mir die Lasten, die mich sonst erdr�cken.
Von deinen Schwingen mit emporgetragen
Flieg' ich mit dir hinauf zum Himmel ewig;
Wie du es willst: k�hn oder zitternd leb' ich,
Kalt in der Sonne, warm in Wintertagen.
In deinem Willen ruht allein der meine,
Dein Herz, wo die Gedanken mir entstehn,
Dem Geist, in dem der Worte Quell sich findet:
So kommt's, dass ich dem Monde gleich erscheine,
Den wir soweit am Himmel nur ersehn
Als ihn der Sonne Feuerstrahl entz�ndet.
39. Hermann Grimm.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Wenn in zwei Liebenden des Schicksals Walten,
Wenn keusche Lieb' sich gleich und Fr�mmigkeit,
Wenn einer weinet bei des andern Leid,
Ein Will' und Geist in beiden Herzen schalten;
Wenn eine Seele lebt in zwei Gestalten,
Verkl�rt in beiden, sie zu gleicher Zeit
Mit einem Fl�gel tr�gt zur Seligkeit,
Ein goldner Pfeil zwei Busen hat gespalten;
Wenn beide f�reinander liebend brennen,
Doch keiner selbst sich liebt, wenn jeder t�glich
Zum h�chsten Ziel den andern will begeistern,
Und wenn dies schwacher Abglanz nur zu nennen
Von uns'rer Liebe, sag mir, ist's dann m�glich,
Dass Groll das Band l�st zwischen solchen Geistern?
40. Sophie Hasenclever.
Durch dich erst kenn' ich mich und aus der Ferne
Streb' ich dem Himmel zu, von dem wir kamen,
Und wie der Fisch gek�dert wird vom Hamen,
Reichst du mir Speise, und ich komme gerne.
Nur schwach kann ein geteiltes Herze schlagen,
Drum gab ich dir das meine ganz und gar:
Was von mir bleibt, du weisst es, der mich kennt!
Ans Beste nur soll sich die Seele wagen,
Drum muss ich heiss dich lieben, will ich leben!
Denn ich bin Holz nur, du bist Holz, das brennt.
41. Bettina Jacobson.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Wohl darf mit meiner Liebe heissen Flammen
Gerechte Hoffnung sich zum Himmel schwingen,
Denn wollte unsre W�nsche Gott verdammen,
Warum hiess er die Welt aus Nichts entspringen?
Wie sollt' ich auch f�r H�h'res mich entflammen,
Als um der ew'gen Sch�nheit Ruhm zu bringen,
Von der die Reize, die dich zieren, stammen,
Die keusch und rein'gend jedes Herz durchdringen?
Tr�g'risch ist nur die Hoffnung jener Lust,
Die mit der Sch�nheit stirbt und stets entflieht,
Weil sie der Z�ge Wechsel untertan.
Doch die ist unfehlbar in treuer Brust,
Die um der H�lle Wandlung nicht vergl�ht;
Durch sie wird uns der Himmel aufgetan.
42. Carl Witte.
AN TOMMASO CAVALIERI.
W�re der Sch�nheit deiner Augensterne
Das Feuer gleich, das sie ringsum entz�nden,
Dann flammte wohl die Welt aus Feuerschl�nden,
Es schm�lzen selbst des Poles eis'ge Kerne.
Doch hat der g�t'ge Himmel, der sich gerne
Erbarmt des Schwachen, dass wir nicht erblinden,
Die Augen uns umflort, und wir empfinden
Den Glanz nur wie ein Licht in weiter Ferne.
Nie wird, wie's deinem Reiz geb�hrt, entbrennen
Der Liebe Glut; nur St�ckwerk schau'n wir Toren
Des Ew'gen, lieben das nur, was wir sehen.
Mich auch bewahrt mein mangelhaft Erkennen,
Die Schw�che nur, dem Menschen angeboren,
F�r dich im Flammentode zu vergehen.
43. Sophie Hasenclever.
Ein sch�nes Antlitz spornt mich himmelan,
Nichts andres freut mich mehr, da schon im Leben
Ich darf empor zu sel'gen Geistern schweben --
Ein Gl�ck, wie selten es ein Mensch gewann.
So sehr zum Sch�pfer stimmt sein Werk: ich kann
durch Gottgedanken mich zu Gott erheben,
Vom Himmel wird mir Geist und Wort gegeben,
Seit ich ergl�ht in holdem Liebesbann.
Drum kann ich von zwei sch�nen Augen nimmer
Den Blick abzieh'n, als ob zum h�chsten Gl�ck,
Empor zu Gott ihr Licht den Weg mir wiese.
Und f�hl' ich mich durchgl�ht von ihrem Schimmer,
Strahlt mir aus ihrer edlen Glut zur�ck
Das ew'ge L�cheln sel'ger Paradiese.
44. Friedrich Bodenstedt.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Ein Schwefelherz in einem strohernen Leibe,
Mit Knochen wie geschnitzt aus d�rren Asten,
Ein Flackergeist, der sich der ersten, besten
Hingibt, bet�rt von jedem �pp'gen Weibe;
Ein Scheinmensch, blind f�r H�h'res, m�rb wie Zunder,
Dergleichen viele auf der Gl�cksjagd rennen,
Mag lichterloh im Augenblick entbrennen
Gleich wie vom Blitz ger�hrt; es ist kein Wunder!
Mir konnte nur die h�chste Sch�nheit taugen,
Zu ew'gen Werken heil'ge Glut zu sch�ren:
Ihr Glanz allein k�nnt' mich so hoch erheben.
Klein schien mein Gr�sstes mir in deinen Augen;
Ich floh das Volk, dich Einz'gen zu erk�ren;
Mein Werk gab meiner Liebe ew'ges Leben.
45. Friedrich Bodenstedt.
Das Feuer darf der ems'ge Schmied nicht scheuen,
Sein Eisen neu und kunstvoll zu gestalten;
Mit Kraft des Feuers muss der Meister schalten,
Will er des lautern Goldes sich erfreuen.
Der einz'ge Ph�nix kann sich nicht erneuen,
Eh' er verbrennt. So auch in Glutgewalten
Hoff' ich zu sterben, mit den Lichtgestalten
Vereint, die Tod und Zeit nicht mehr bedr�uen.
O s�sses Sterben! Selig, wer so brennt!
Wenn ich zu Asche nach und nach verstoben,
Nicht unter Toten leben muss fortan.
Ja wenn sich von Natur dies Element
Zum Himmel hebt, steig' ich, mit ihm erhoben,
Grad' auf, feurig verwandelt, himmelan.
46. Friedrich Bodenstedt.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Dein Geist stieg in des Leibes Kerkerzelle
Von dort herab, wohin er einst enteilt,
Dass sich ein Engel, der die Seelen heilt
Und Ruhm der Welt verleiht, uns zugeselle.
Dein Wesen, nicht die Sch�nheit sonnenhelle,
Entflammt mich, denn ein Herz, wo Tugend weilt,
Baut niemals seine Hoffnung �bereilt
Auf das, was rasch entf�hrt der Zeiten Welle.
Doch lebt solch' edler Geist in sch�ner H�lle,
Dann fasst ihn jeder, wie man an der Scheide
Die Klinge kennt, eh' eine Hand sie z�ckte.
Nichts in der Welt lehrt so wie Sch�nheitsf�lle
Den Sch�pfer lieben! Sieh, es streiten beide,
Natur und Himmel, wer zumeist dich schm�ckte.
47. Sophie Hasenclever.
Nicht Gl�ck, nicht Gnade wird dem �belt�ter,
So sagt das Volk, das auch f�r mich es sprach,
Denn seit am eig'nen Selbst ich war Verr�ter
Um dein zu sein, floh mich das Gl�ck, und ach,
Die Zeit verbeut's, dass gleich dem Ph�nix sp�ter
Zu neuen Sonnen ich mich schwingen mag.
Eins ist mein Trost, dass mehr ich mir geh�re,
Wenn dein ich bin, als wenn nur mein ich w�re.
48. Sophie Hasenclever.
DIE NACHT.
Der aus dem Nichts, eh' noch die Welt bewohnt,
Die Zeit in Zwiegestalt hervorgebracht,
Er gab der _einen_ hoher Sonne Pracht,
Der _andern_ gab er dann den nahen Mond.
So wird im voraus jedermann gelohnt,
Gl�ck, Zufall und Geschick ihm zugedacht.
_Mir_ fiel die dunkle Seite zu, die Nacht;
Schon in der Wiege blieb ich nicht verschont.
Und wie bei dem, der eignem Gl�cke wehrt,
In tiefrer Nacht mehr Schatten sich verbreiten,
So sorg' und klag' ich, dass ich schlecht gehandelt.
Doch Trost gibt, dass es meiner Nacht beschert,
Der Sonne deines Tages vorzuschreiten,
Die von Geburt an �ber dir gewandelt.
49. Bettina Jacobson.
DIE NACHT.
Jedweder Raum, bedeckt und eingef�gt, --
Was er im Innern auch umschliessen mag, --
Bewahrt die dunkle Nacht am hellen Tag,
Wo alles sich im Strahlenschimmer wiegt.
Doch wird sie von der Flamme Glut besiegt,
Verjagt die Sonne, was im Finstern lag,
So bleibt nichts Arges mehr im dunkeln Hag,
Ja, auch ein Gl�hwurm h�tte schon gen�gt.
Was in der Sonne treibt an Lebenskraft,
An tausend Keimen, Pflanzen zu erkennen,
Wird durchgepfl�gt vom starken Ackerknechte.
Die Nacht hingegen ist's, die Menschen schafft,
Und weil wir ihn der Wesen bestes nennen,
Sind heil'ger als die Tage uns die N�chte.
50. Bettina Jacobson.
AN DIE NACHT.
O Nacht, du liebe, wenn auch dunkle Zeit,
Die jeder Arbeit stilles Ende bringt,
Wohl sieht und kennt dich, wer dein Loblied singt,
Und wer dich w�rd'gen kann, der weiss Bescheid.
Du schl�ferst ein des Hirnes M�digkeit,
Wie feuchter Nebel ruhvoll niedersinkt;
Aus Tiefen zu ersehnten H�hen schwingt
Mich oft ein Traum empor, durch dein Geleit.
Du hemmst und scheuchst zur�ck, o Todesschatten,
Des Herzens schlimmste Feindin, jede Pein,
Tust, letztes Mittel, tief Betr�bten gut.
Du kr�ftigst unsre Glieder, unsre matten,
Du trocknest Tr�nen, wiegst die Sorgen ein,
Und rettest Edle vor Verdruss und Wut.
51. Bettina Jacobson.
DIE NACHT.
Wenn Ph�bus Arme sich nicht strahlend winden
Um dieses kalte, feuchte Erdenrund,
Heisst solche Stunden "Nacht" der Leute Mund,
Weil sie die Sonne dann nicht mehr empfinden.
Doch ist sie arm und schwach: Schon das Entz�nden
Der kleinsten Kerze raubt ihr Leben, und
Ein Zunder an der Flinte macht sie wund,
So dass wir sie gar schnell zerrissen finden.
Will man noch wirklich Wesenskraft ihr geben,
Muss Ph�bus' Kind sie und der Erde sein:
_Sie_ tr�gt den Schatten, _jener_ gibt ihm Leben.
Doch, wie's auch sei: Wer lobt, der irrt. Voll Pein,
Verd�stert, muss die Witwe schon erbeben
Vor Eifersucht bei eines Gl�hwurms Schein.
52. Bettina Jacobson.
GESANG DER TOTEN.
Wer geboren wird, muss sterben
In der Zeiten Flucht; die Sonne
Duldet jegliches Verderben.
Schnell vergehen Leid und Wonne,
Geist und Wort sind bald verloren;
Alle, die nach uns geboren,
Schatten sind sie, leichter Rauch.
Menschen waren wir ja auch,
Froh und traurig so wie ihr,
Und ihr seht, nun sind wir hier,
Mussten schon zu Staub verderben;
Alle Wesen m�ssen sterben.
Unsre Augen konnten schauen,
Aus den H�hlen voll und hell;
Heute sind sie leer, voll Grauen,
Denn die Zeit entf�hrte schnell.
----
53. Bettina Jacobson.
AN VITTORIA COLONNA.
Die Sch�nheit ward als Vorbild mir auf Erden
F�r meinen doppelten Beruf geschenket;
In beiden K�nsten sollte sie mir strahlen,
Ein Spiegel, eine Leuchte mir zu werden;
Sie ist es, die zu jenem Ziel mich lenket,
F�r das ich einzig meisseln mag und malen.
O t�richter, vermessener Gedanke,
Die hohe Sch�nheit Sinnenlust zu schelten!
Gesundem Geiste zeigt sie Himmelspfade,
Am Staube aber klebt der Blick, der kranke;
Ein reines Auge nur sieht jene Welten,
Die einzig uns erschliesst der Strahl der Gnade.
54. Sophie Hasenclever
AN VITTORIA COLONNA.
Nicht sch�n zu sein, unm�glich ist's dir Sch�nen,
Nicht gut zu sein, dir Guten! Dein Erbarmen,
Verderblich ist's mir Armen,
Es schmilzt mein Herz in deiner Gnadensonnen
Aufl�send sich in Wonnen!
Stirbt eh'r nicht deines Herzens Liebesf�lle,
Als deine s�sse H�lle,
So duld', ich fleh's mit Tr�nen,
Dass ich bei dir verweile
Bis du der Welt entronnen!
O dann entr�ckt mein Sehnen
Der Erde mich, ich eile
Empor zum ew'gen Heile;
Gibt uns der Sch�pfer einst am j�ngsten Tage,
Den Leib zur�ck, zu Wonne oder Plage,
Dann nimm mich auf, ob unsch�n ich geblieben,
Dort gilt ja mehr als Sch�nheit treues Lieben!
55. Sophie Hasenclever.
AN TOMMASO CAVALIERI.
Als mir dein Augenstern zuerst ergl�hte,
Da war's kein irdisch Licht, das mich getroffen,
Schon sah mein Geist entz�ckt den Himmel offen,
Ein ew'ger Friede zog in mein Gem�te;
Denn nimmer stillt mein Herz der Anmut Bl�te,
Erzeugt aus dieser Erde niedren Stoffen;
Der Sch�nheit Ursprung ist sein Ziel und Hoffen;
Es fliegt der ew'gen Sch�nheit zu und G�te.
Nie hoffe denn ein weises Herz den Frieden
Von jener Bl�te, die zu Staub verkehren
Die rauhe Zeit, und Tod, der uns beschieden;
Wohl mag der Sinne Glut den Greis versehren,
Die Liebe nicht, sie heiligt uns hienieden,
Doch erst der Himmel wird uns ganz verkl�ren.
56. Sophie Hasenclever.
Die Augen, stets der Sch�nheit zugetan,
Der Geist, ihr hold und auf sein Heil bedacht,
Sie dringen durch die Nacht
Nur an der Hand der Sch�nheit himmelan;
Denn aus der Sternenbahn
Str�mt Glanz vom Firmament,
So klar, dass ihm zu nah'n,
Die Menschenseele brennt,
Und solch Empfinden nennt
Man Liebe hier; ein edles Herz befl�gelt,
Entflammt der Blick nur, der den Himmel spiegelt.
57. Sophie Hasenclever.
AN VITTORIA COLONNA.
Im Herzen nicht ist meiner Liebe Leben;
Das Herz, das irdisch, sterblich ist, enth�lt
Die ew'ge Liebe nicht, sie lebt gesellt
Dem Wahn, der S�nde nicht, von Schuld umgeben.
_Mir_ hat die Liebe klaren Blick gegeben,
Die Sch�nheit _dir_ beim Eintritt in die Welt,
So dass ich selbst in dem, was einst zerf�llt,
In deinem Reiz erkenn' der Gottheit Weben!
Vom ewig Sch�nen trennt in mir sich nimmer
Die Liebe, wie die W�rme nie vom Feuer;
Was ihm entstammt und gleicht, das m�cht' ich schauen!
Du tr�gst in deiner Augen sel'gem Schimmer
Das Paradies, wo du zuerst mir teuer,
Und seine Pforten sind mir deine Brauen!
58. Sophie Hasenclever.
DANTE.
Als Mensch vom Himmel einst herabgestiegen,
Hat H�lle er und L�ut'rungsglut gesehn,
Dann bracht' er lebend, aus des Himmels H�hn,
Uns wahres Licht, die wir im Dunkeln liegen.
Dass du bestrahlt die St�tte meiner Wiegen,
O lichter Stern, ist unverdient geschehn;
Die ganze arge Welt dir zugestehn,
W�r' kleiner Preis: Nur Gott kann dir gen�gen.
Von Dante red' ich, dessen Werk verkannt,
Missachtet ward vom Volk, dem undankbaren,
Das stets sich von Gerechten abgewandt.
W�r' ich wie er! H�tt' ich wie er den wahren,
Tatkr�ft'gen Geist, und w�r' wie er verbannt:
Das sch�nste Gl�ck der Erde liess' ich fahren.
59. Bettina Jacobson.
So viel scheint gross und kostbar, und es blickt
Das Volk drauf hin bewundernd, aber einer
Steht abseits; ihm erscheint es um so kleiner
Und gallenbitter, was sie hoch entz�ckt.
Und das sogar: der eitlen unverst�nd'gen
Gedankenlosen Welt muss er sich f�gen,
Muss reden, wie sie spricht und Freude l�gen,
Und l�chelnd die verborg'nen Tr�nen b�nd'gen.
Mein Gl�ck ist nur, dass ganz verborgen sei,
Was ich beweine und was heimlich trachtend
Des Herzens W�nsche wollen, die ich hege.
Blind ist die Welt und nur Verr�tern treu,
Ich aber, Hass und Ehre gleich verachtend,
Geh still und einsam weiter meine Wege.
60. Hermann Grimm.
Ich bin jetzt vor mir selbst an Wert gestiegen,
Bin lieber mir, seit dich mein Herze hegt;
So wird erst auf den Stein ein Wert gelegt,
Wenn ihn der K�nstler formt mit edlen Z�gen.
Und wie der Blick am Blatt sich mag vergn�gen,
Mit Schrift und Bild geziert, nach dem nicht fr�gt,
Das leer und kahl, so kann erst, seit gepr�gt
In meinen Geist dein Bild, ich mir gen�gen.
Als w�ren Zauber, w�ren Waffen mein,
So zieh' ich, ohne dass Gefahr mich trifft,
Mit solchem Schutzbrief aus nach allen Winden;
Stark gegen Feu'r und Wasser werd' ich sein,
Mit meinem Speichel tilg' ich jedes Gift,
Und mache sehend durch dein Bild die Blinden.
61. Sophie Hasenclever.
AN VITTORIA COLONNA.
Wie sich im unbehau'nen, toten Stein,
Je mehr der Marmor unter'm Meissel schwindet,
Anwachsend immer voll'res Leben findet,
So mag es, edle Frau, mit mir auch sein.
Was Gutes in mir ist, es h�llt sich ein
Tief in mein eigen Fleisch, und so, umrindet
Vom rauhen, rohen Stoffe, der mich bindet,
Dr�ngt sich zu mir umsonst das Leben ein.
Zu matt und kraftlos f�hl' ich mich allein,
Das Ende naht und Tag auf Tag verschwindet:
Nimm fort, was sich um meine Seele windet!
Ich k�nnt' es nicht, doch du kannst mich befrei'n!
62. Hermann Grimm.
AN VITTORIA COLONNA.
Bald auf dem rechten Fuss, bald auf dem linken,
Bald steigend, bald erm�det zum Versinken,
Hintaumelnd ratlos zwischen Gut und B�se,
Such' ich, wer meiner Seele Zweifel l�se;
Denn wem Gew�lk verh�llt des Himmels Weiten,
Wie k�nnen den des Himmels Sterne leiten?
Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt,
Und was das deine aus sich selbst gefunden,
O schreib' es nieder! was in allen Stunden
Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat,
Damit im Irrsal dieser Lebenstage
Mir Antwort werde auf des Lebens Frage:
Ob die geringere Gnade einstmals finden,
Die demutvoll sich nah'n mit tausend S�nden,
Als die, die stolz auf das was sie getan,
Im �berfluss der guten Werke nah'n?
63. Hermann Grimm.
AN VITTORIA COLONNA.
Es spricht ein Mann, es spricht ein Gott mit Kraft
Aus eines Weibes Munde,
Und was sie sprach, die Kunde,
Hat mich mir selbst f�r alle Zeit entrafft.
Seit ich in ihrer Haft,
Mir selbst durch sie genommen,
F�hl' Mitleid ich mit mir, den sie betrauert.
Tief schweigt die Leidenschaft;
Ihr Reiz nur ausgenommen,
D�nkt hohl die Sch�nheit mich; in Rosen lauert
Der Tod, vor dem mich schauert.
Du, die durch Feu'r und Wasser f�hrt zum Frieden,
O gib mich nie mir selbst zur�ck hienieden!
64. Sophie Hasenclever.
AN VITTORIA COLONNA.
Hat Antlitz, Glieder, eines Menschen Sein
Des K�nstlers Geist erfasst, den Gott verliehn,
Dazu ein Tonmodell, mit leichtem M�hn
Bringt er dann Leben in den harten Stein.
So greift, nach roh entworfnen Zeichnerein,
Der kl�gste, erste unter allen k�hn
Zum Pinsel, w�hlt, was ihm das beste schien,
Nach pr�fenden Vergleichen mancher Reihn.
Auch ich kam als gering' Modell zur Welt,
Doch anders ward ich, besser erst geartet,
Durch Euch, o edle Frau, von hohem Mut.
Werd' ich gefeilter, h�her noch gestellt,
Durch Eure Hand, -- welch Strafgericht erwartet,
Nach solcher Zucht noch meine wilde Glut?
65. Bettina Jacobson.
Die Augen kr�nkt so vieles, was sie schau'n,
Und alles hier muss, ach, mein Herz verletzen;
Wozu noch leben, w�r' mit seinen Sch�tzen
Nicht mein das Herz der edelsten der Frauen?
Darf auf Verzeihung ich, auf Hilfe trauen,
Entflieh' ich der Gewohnheit S�ndennetzen,
Dem b�sen Beispiel, dieser Nacht Entsetzen?
Du kommst! Genug, nun darf auf Heil ich bauen.
----
66. Sophie Hasenclever.
Dem Tod entgegen steu'r ich will'ger nicht,
Als wer mit Widerstreben
Zum Richtplatz folgt dem strafenden Gericht
Und lassen muss sein Leben.
Wie dieser bin dem Tod ich nah' vielleicht,
Falls nicht mein Restchen minder schnell entweicht;
Und dennoch g�nnt mir nicht die Minne,
Dass ich ein St�ndchen Rast gewinne.
Ich wach' und schlafe zwischen zwei Gefahren:
Kaum dass ich leise Lebenshoffnung f�hlt',
Ist tiefer Seelenkummer aufgew�hlt,
Weil ich noch Gluten habe zu befahren,
Und weil die Lieb' um so viel minder frommt,
Als sp�t sie kommt.
67. Hans Grasberger.
Ich sehe meine Zukunft wie im Spiegel,
Wenn bald vom Frost und bald von Glut getroffen,
Ich, dem das Grab schon offen,
Voll Scham vergangner Zeiten denken muss.
Gleich blieb sich Lieb' und Hoffen,
Doch weil mit schnellrem Fl�gel
Die Zeit jetzt flieht, und nah der Freude Schluss
Dem Greise ist, d�nkt Schmerz fast der Genuss!
Entweicht denn beide, Lust so wie Beschwerde!
Der Gl�cklichste ist ja auf dieser Erde,
Wer, ach, auf ihr nur kurze Stunden weilet,
Denn Tod nur ist der Arzt, der alles heilet.
68. Sophie Hasenclever.
Der frischen Jugend wird es nicht bewusst,
Wie so ganz anders, Herr, kurz vor dem Ende,
Gedanken, Hoffen, Lieb' und W�nsche werden.
W�chst unsere Seele, bringt's der Welt Verlust;
Die Kunst reimt mit dem Tod sich nicht zusammen,
Drum, was erwart' ich noch von mir auf Erden?
----
69. Bettina Jacobson.
Ich leb' der S�nde, leb', um mir zu sterben,
Mein Leben ist nicht mein, von Schuld umstrickt
Geh�rt's der S�nde. Gott, der gern begl�ckt,
Gab Segen nur, ich selbst gab mir Verderben.
Die Freiheit macht' ich, die wir alle erben,
Zur Sklavin, Staub zum G�tzen, wahnber�ckt;
Zu welcher Schmach hab' ich das Licht erblickt!
----
70. Sophie Hasenclever.
Hier am �ussersten Rande des Lebensmeeres
Lern' ich zu sp�t erkennen, o Welt, den Inhalt
Deiner Freuden, wie du den Frieden, den du
Nicht zu gew�hren vermagst, versprichst und jene
Ruhe des Daseins, die schon vor der Geburt stirbt.
Angstvoll blick' ich zur�ck, nun da der Himmel
Meinen Tagen ein Ziel setzt: unaufh�rlich
Hab' ich vor Augen den alten, s�ssen Irrtum,
Der dem, den er erfasst, die Seele vernichtet.
Nun beweis' ich es selber: den erwartet
Droben das gl�cklichste Los, der von der Geburt ab
Sich auf dem k�rzesten Pfad zum Tode wandte.
71. Hermann Grimm.
Mein Lebenslauf gelangt durch Sturm und Wogen
Auf schwankem Boot nun zu dem grossen Port,
Dahin wir alle steuern fort und fort,
F�r alles Tun zur Rechenschaft gezogen.
Wohl merk' ich nun, wie sehr du mir gelogen,
O Phantasie, die du als Herrn und Hort
Die Kunst mir gabst, wie irrig Tat und Wort,
Und wie auch mich manch eitler Wunsch betrogen.
Was wird aus lang verflog'nem Liebesweben,
Wenn bald der Doppeltod mir nahen soll?
Nicht ahn' ich, was man bei dem zweiten leidet.
Mir kann nicht Stift noch Meissel Ruhe geben,
Nur Gottes Liebe noch, die mitleidvoll
Am Kreuz die Arme nach uns ausgebreitet.
72. Bettina Jacobson.
Ihr meine vielen, irrtumsschweren Tr�ume,
Ihr solltet euch, da sich das Leben neigt,
Zu einem einz'gen formen, der mir reicht
Die F�hrerhand in lichte Himmelsr�ume.
----
73.
Mir raubten Eitelkeiten dieser Welt
Die mir verlieh'ne Zeit, in Gott zu leben,
Der Gunst vergass ich, die er mir gegeben,
Hab' mehr mit ihr, als ohne sie gefehlt.
Mich machte blind, was andre aufgehellt,
Zu sp�t erkannt' ich Tor mein irrig' Streben,
Verzagt fleh' ich dich an, den Bann zu heben,
Darin mich noch die Eigenliebe h�lt.
Den halben Weg, Herr, wolle mir erlassen,
Der aufw�rts f�hrt, doch ohne deine Hand
F�rcht' ich, dass ich auch diesen nicht vollende;
Lehr' mich, was diese Welt so hoch hielt, hassen,
Auch das, was ich verehrte, k�stlich fand,
Dass ew'ges Heil mir sicher vor dem Ende.
74. Bettina Jacobson.
Vom Alter und von S�ndenlast beschwert,
Von festgewurzelt argem Trieb gehalten,
Droh'n mir des Todes zwiefache Gestalten,
Und oft hab' ich mein Herz mit Gift gen�hrt.
Auch kann ich, da die Kraft mir nicht beschert,
Nicht Leben, Liebe, Schicksal umgestalten,
Wenn f�rder dein erleuchtend g�ttlich Walten
Nicht leitend, z�gelnd mich die Wege lehrt.
Doch nicht genug, o Herr, wenn es mich treibt,
Dass meine Seele wieder dorthin fahre,
Wo du sie einst geschaffen aus dem Leeren,
Gib, wenn an ihr nichts Irdisches mehr bleibt,
Dass Reue ihr den halben Weg erspare
Zu seligem und reinem Wiederkehren.
75. Bettina Jacobson.
Was nicht ich will, o Herr, das m�cht' ich wollen!
Vom heil'gen Brand trennt mich ein Schlei'r von Eis
Und l�scht die Glut; nicht passt mein Tun zum Preis
Der Feder; L�gen sind ihr nur entquollen.
Dem Herrn kann mit der Zunge Lob ich zollen,
Nicht mit dem Herzen! Ach, dass ich nicht weiss,
Welch' Tor der Gnade auftun? Ihr Geheiss
Verjagt allein den Stolz, den r�nkevollen.
Zerreiss', o Herr, den eisigkalten Schleier;
Die Mauer, hart und starr, wirf sie zusammen,
Sie, die dein Licht verbirgt, die Wehr der S�nde.
Gib deiner sch�nen Braut dein Himmelsfeuer,
Gib das verheiss'ne Licht, dass ich in Flammen,
Von Zweifeln frei nur einzig dich empfinde.
76. Sophie Hasenclever.
Dich lass an jedem Ort mich schau'n! Dein Feuer
Verschlinge jeder Erdenliebe Flammen,
In Gluten brenn' ich dann, die dir entflammen,
So hell wie damals, als die Welt mir teuer.
Zerreisse du des Irrtums dunkle Schleier,
Die S�nden, die das Herz zur Qual verdammen,
Vernichte sie; o lass ersteh'n zusammen
Vernunft und Kraft und Willen, mein Befreier!
Der Zeit hast du die Seele �bergeben,
Mit hartem Spruch h�ltst du ein g�ttlich Wesen
Gefangen in des Leibes Kerkerw�nden,
Nicht ich kann wandeln dies mein s�ndig Leben;
Nichts ohne dich ist gut in mir, erl�sen
Kannst du allein, nur du mein Schicksal wenden!
77. Sophie Hasenclever.
Es f�hlen Schmerz, es f�hlen Trost nicht minder
Die auserw�hlten Geister, dass erkoren
Du hast f�r sie den Tod, um zu den Himmelstoren
Den Eingang zu erk�mpfen f�r uns S�nder.
Sie jauchzen, weil ents�hnt die Menschenkinder
Von ihrer ersten Schuld wie neugeboren,
Sie weinen, weil die N�gel dich durchbohren,
Weil Knecht der Knechte wird des Heiles Gr�nder.
Der Himmel zeugt f�r dich, denn in den L�ften
Erlischt das Weltenauge, Berge wanken,
Die Erde birst, das Meer erbraust im Laufe,
Die grossen V�ter steigen aus den Gr�ften,
Indes die b�sen Engel niedersanken,
Der Mensch nur freut sich, den ents�hnt die Taufe.
78. Sophie Hasenclever.
Erinnrung ist mir lieb, doch mehr beschweret
Sie noch mit Gram das Herz, der Schuld, der fr�hen,
Gedenkend, will zur Rechenschaft sie ziehen
F�r eine Zeit mich, die nicht wiederkehret;
Lieb ist sie mir, weil vor dem Tod sie lehret,
Dass alle Erdenfreuden treulos fliehen,
Herb, weil vom Himmel Gnad' herabzuziehen
Dem schwer gelingt, der sich so sp�t bekehret.
Wie fest wir auch auf die Verheissung bauen,
So ist doch jener Glaube Frevelmut,
Dass leicht des Z�gerns Schuld verzieh'n uns Armen;
Und dennoch tut, verspritzt in Todesgrauen,
Vom Kreuz herab uns kund dein str�mend Blut:
So masslos wie dein Schmerz sei dein Erbarmen!
79. Sophie Hasenclever.
O Herr, befreit von schwerer B�rde, wende
Ich mich zu dir, die Weltlust gibt mich her;
Ein schwankes Boot, im Sturm auf wildem Meer,
Treib' ich nun m�d' an ruhiges Gel�nde.
Die Dornenkrone, die durchbohrten H�nde,
Dein g�tig mildes Antlitz, mitleidschwer,
Verheissen Gnade reu'ger Wiederkehr,
Und tr�ben Seelen k�nft'ge Heilesspende.
Lass deine heil'gen Augen, lass dein Ohr
Nicht richten �ber mein vergangnes Leben,
Zeig nicht dorthin mit drohender Geb�rde.
Nur reicher str�me mir dein Blut hervor,
Je greiser ich, die S�nden aufzuheben,
Dass schnell mir Hilfe und Verzeihung werde.
80. Bettina Jacobson.
BRIEFE MICHELANGELOS.
�bersetzt von R. A. Guardini.
1.
AN MEISTER GIULIANO DA SANGALLO AUS FLORENZ, ARCHITEKT DES PAPSTES IN ROM.
_Florenz_, den 2. Mai 1506.
Giuliano! Ich entnahm aus Eurem Briefe, der Papst habe mir meine Abreise
�belgenommen, ferner, dass Seine Heiligkeit jetzt bereit sei, den Betrag zu
erlegen und auch im �brigen alles unserer Abrede gem�ss zu erf�llen und
endlich, dass ich ohne Besorgnis zur�ckkehren solle.
�ber meine Abreise folgendes: Am Samstag der Karwoche h�rte ich -- ich sage
Euch die volle Wahrheit -- den Papst im Gespr�ch mit einem Goldschmied und
dem Zeremonienmeister bei Tisch sagen, er wolle weder f�r grosse noch f�r
kleine Steine auch nur noch einen Heller hergeben. Dar�ber wunderte ich
mich sehr; trotzdem bat ich ihn vor meiner Abreise um einen Teil des
Geldes, das ich zur Weiterf�hrung des Werkes brauchte. Seine Heiligkeit
erwiderte mir, ich solle am Montag wiederkommen. Am Montag kam ich wieder
und kam am Dienstag und am Mittwoch und am Donnerstag, wie sie selbst
best�tigen kann. Endlich, am Freitag, wurde ich hinausgeschickt, nein,
weggejagt. Der mich hinauswies, sagte, er kenne mich wohl, allein er habe
nun einmal den Befehl. Als ich so die Best�tigung der Worte sah, die ich am
Samstag geh�rt hatte, geriet ich in grosse Verzweiflung. Doch war das nicht
der einzige Grund, weshalb ich Rom verliess. Es war da noch etwas, wor�ber
ich schweigen will. Nur so viel will ich sagen, dass ich bef�rchten musste,
wenn ich noch in Rom bliebe, w�rde eher _mein_ Grabmal, als das des Papstes
aufgerichtet werden. Das war der Grund meiner pl�tzlichen Abreise.
Nun schreibt Ihr mir im Auftrag des Papstes; Ihr werdet ihm also diesen
Brief vorlesen. Seine Heiligkeit soll wissen, dass ich mehr als je bereit
bin, das Werk fortzuf�hren; und wenn sie das Grabmal durchaus haben will,
so kann es ihr gleichg�ltig sein, wo ich daran arbeite, wenn es nur nach
Ablauf von f�nf Jahren, wie wir vereinbart haben, in Sankt Peter an der ihr
genehmen Stelle aufgerichtet und ein sch�nes Werk ist, wie ich versprochen
habe. Denn dessen bin ich gewiss, wenn es zustande kommt, wird die Welt
nicht seinesgleichen besitzen.
Wenn also Seine Heiligkeit jetzt das Werk fortzuf�hren gedenkt, m�ge sie
mir besagten Betrag hier in Florenz anweisen, an dem Orte, den ich ihr
bezeichnen werde. In Carrara stehen mir viele Marmorbl�cke zur Verf�gung;
die werde ich hierher schaffen lassen und ebenso die St�cke, die ich in Rom
habe. Dadurch wurden mir zwar viele Kosten entstehen, allein das sollte
mich nicht k�mmern, wenn ich nur das Werk hier ausf�hren k�nnte. Dann w�rde
ich die einzelnen Teile gleich nach ihrer Vollendung nach Rom schicken, und
so gut gearbeitet, dass Seine Heiligkeit ebenso zufrieden sein sollte, als
wenn ich in Rom w�re; ja noch zufriedener, weil sie dann ohne weitere
Bel�stigung bloss die fertigen Werke sehen w�rde. F�r die besagten
Geldsummen und zur Durchf�hrung besagten Werkes werde ich mich ganz so
verpflichten, wie Seine Heiligkeit es w�nscht und hier in Florenz jede
geforderte Sicherheit geben. Es mag sein, was es will, ich werde jede
B�rgschaft aufbringen: ganz Florenz wird doch gen�gen! Und dann noch dies:
In Rom kann ich zu diesem Preise das Werk nicht vollenden; hier hingegen
vermag ich es, weil ich mir vielerlei Erleichterungen verschaffen kann, die
ich dort nicht finde. Ich werde auch besser und mit gr�sserer Liebe
arbeiten, weil ich dann nicht mehr an so viele Sachen zu denken brauche.
Einstweilen bitte ich Euch, mein liebster Giuliano, Ihr wollet mir Antwort
geben und das bald. Das sei's.
Euer Michelangelo, Bildhauer.
2.
AN GIOVANNI SIMONE DI LODOVICO BUONARROTI IN FLORENZ.
_Rom_, [Juli 1508].
Giovan Simone! -- Man sagt, dass durch Wohltaten der Gute gebessert, der
B�se aber nur noch schlimmer gemacht wird. Ich habe schon seit Jahren
versucht, Dich durch gutes Wort und gute Tat zu einem rechtschaffenen und
friedlichen Zusammenleben mit Deinem Vater und uns zu bringen, doch Du
wirst immer schlimmer. Ich sage nicht, dass Du schlecht seist; aber Du
f�hrst Dich in einer Weise auf, die weder mir noch den andern gef�llt. Ich
k�nnte Dir eine lange Rede �ber Dein Betragen halten, allein es w�rden
nutzlose Worte bleiben, wie alles, was ich Dir bisher gesagt habe. Ich will
Dir darum kurz erkl�ren, dass Du nichts in der Welt Dein eigen nennst.
Lebensunterhalt gebe ich Dir seit geraumer Zeit, und auch das Reisegeld
hast Du von mir erhalten. Um Gottes willen und weil ich glaubte, Du seiest
mein Bruder wie die andern, habe ich Dir all das geschenkt. Jetzt aber
weiss ich, dass Du mein Bruder nicht bist, denn w�rest Du es, so w�rdest Du
meinem Vater nicht drohen. Du bist vielmehr ein Tier, und als Tier werde
ich Dich auch behandeln! Das lass Dir gesagt sein: Wer sieht, wie sein
Vater bedroht oder geschlagen wird, hat die Pflicht, sein Leben f�r ihn
einzusetzen, und damit genug! Ich wiederhole Dir, dass Du nichts besitzest,
was Dir geh�rte, und dass ich bei der ersten schlimmen Nachricht �ber Dich
auf dem schnellsten Wege nach Florenz komme. Dann will ich Dich �ber Deinen
Irrtum aufkl�ren und Dich lehren, Dein Gut zu vergeuden und die H�user und
Grundst�cke, die Du nicht durch Arbeit erworben hast, zu Grund zu richten.
Du bist nicht, wo Du zu sein glaubst! Wenn ich hinkomme, will ich Dir die
Augen �ffnen, dass Du heisse Tr�nen weinen und erkennen sollst, auf welchem
Grund Dein Hochmut steht.
Ich wiederhole Dir: Wenn Du ein rechtschaffenes Leben f�hren und Deinen
Vater achten und ehren willst, so werde ich Dir wie den anderen helfen und
Euch bald eine sch�ne Werkstatt bauen lassen. Tust Du das aber nicht, dann
werde ich kommen und die Sache in einer Weise ordnen, dass Du ganz klar
einsehen sollst, was Du bist und was Du hast und es nie mehr vergessen
sollst. Das sei's. Wo es an Worten fehlt, werde ich mit Taten sprechen.
Michelangelo.
Ich kann es nicht �ber mich bringen; ich muss Dir noch einige Zeilen
schreiben. Seit zw�lf Jahren gehe ich bettelnd durch ganz Italien, dulde
jede Schmach, ertrage jede Entbehrung, reibe meinen K�rper auf in jederlei
Anstrengung, setze mein Leben jeder Gefahr aus, nur um meiner Familie zu
helfen; und dass nun, da ich sie ein wenig in die H�he gebracht habe, Du es
sein sollst, der in _einer_ Stunde all das zerst�rt und vernichtet, was ich
in so vielen Jahren harter Arbeit gebaut habe, beim Leib des Heilandes, das
will ich nicht erleben! Mit zehntausend Deinesgleichen will ich fertig
werden, wenn es sein muss! Und nun sei gut, und bring' nicht einen Menschen
auf, der wirklich andere Sorgen im Kopf hat.
3.
AN LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.
_Rom_, den 20. Januar 1509.
Liebster Vater! -- Ich habe heute einen Brief von Euch erhalten. Was ich
daraus erfuhr, hat mich sehr geschmerzt. Ich f�rchte, Ihr macht Euch mehr
Sorge, als n�tig ist. Wie hoch w�rde sich wohl der Schaden belaufen, den
sie Euch im schlimmsten Falle zuf�gen k�nnte? Es w�re mir lieb, wenn Ihr
mir das mitteilen wolltet. Sonst habe ich nichts zu sagen. Es bek�mmert
mich, dass Ihr Euch so �ngstigt; darum rafft Euch auf und bereitet Euch gut
auf ihre Angriffe vor; beratet Euch, dann aber denkt nicht l�nger daran.
Denn wenn sie Euch auch alles n�hme, was Ihr hier auf Erden besitzet, so
wird es Euch doch nicht an Mitteln zu einem bequemen Leben fehlen, wenn
auch niemand als ich da w�re, f�r Euch zu sorgen. Deshalb bleibt guten
Mutes! Ich bin noch in grossen N�ten, denn ich habe seit nun schon einem
Jahr keinen Heller mehr vom Papst bekommen; ich bitte ihn auch um nichts,
denn meine Arbeit geht nicht so voran, dass ich etwas beanspruchen d�rfte.
Die Arbeit ist eben schwierig und schl�gt dazu nicht in mein Fach. So
verliere ich meine Zeit und erreiche nichts. ----
Euer Michelangelo.
4.
AN BUONARROTO DI LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.
_Rom_, [den 17. Oktober 1509].
Buonarroto! ---- In Deinem letzten Brief sagst Du, Lorenzo werde hier
durchreisen, und ich solle ihn gut aufnehmen. Mir scheint, Du weisst nicht,
wie ich hier lebe. Doch f�r diesmal will ich Dir verzeihen und werde tun,
was ich kann. Ich h�re, Gismondo will hierher kommen, um seine
Angelegenheit zu ordnen. Sag ihm in meinem Namen, er d�rfe nicht auf mich
z�hlen; wohl ist er mir als Bruder lieb, aber ich kann ihm in keiner Weise
helfen. Ich sollte auf mich mehr R�cksicht nehmen als auf die andern und
kann nicht einmal mir das N�tige beschaffen. Ich bin hier sehr geplagt und
lebe unter grossen k�rperlichen Entbehrungen, habe keinen Freund und will
auch keinen. Ich habe nicht so viel Zeit, um das N�tigste zu essen, und
will darum von keinerlei Bel�stigung mehr wissen, k�nnte auch keine Unze
mehr davon ertragen.
Seid eifrig in Euerem Gewerbe. Es freut mich, dass Giovansimone sich
gebessert hat. Seht zu, dass Ihr Euren Besitz in gerechter Weise vermehrt
oder erhaltet, damit Ihr sp�ter Gr�sseres unternehmen k�nnt, denn ich
hoffe, Ihr k�nnt Euch einst selbst�ndig machen, wenn ich heimkehre, und Ihr
t�chtige Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete, weil ich
keine Zeit hatte, und wundert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe.
Michelangelo, Bildhauer.
5.
AN LODOVICO ...
_Rom_, den 15. September [1510].
Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertf�nfzig
doppelte Golddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll.
Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und
er wird sie Euch auszahlen. (Dreihundertundf�nfzig doppelte Golddukaten.)
Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er
solle sie so anlegen, wie er es mit dem fr�heren Geld getan hat. Es bleiben
dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten.
Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so
nehmt, soviel Euch gut d�nkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht, und wenn
Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet. Wenn es einer Weisung an den
Spitalmeister bedarf, so lasst es mich wissen.
Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure Sache steht. Es bek�mmert
mich sehr, aber ich kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht
entmutigen lassen und Euch auch kein bisschen gr�men, denn wenn das Gut
verloren geht, ist darum doch nicht das Leben verloren, und ich werde so
viel verdienen, dass der Verlust reichlich gutgemacht wird. Doch bedenkt
wohl, Ihr d�rft nicht darauf z�hlen, denn die Erf�llung solcher
Versprechungen ist doch unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket
Gott, dass diese Pr�fung, wenn sie schon kommen soll, doch zu einer Zeit
kommt, da Ihr Euch besser behelfen k�nnt, als es fr�her h�tte geschehen
k�nnen. Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren, als dass Ihr
Euch Kummer macht. Ich will Euch am Leben haben, und w�re es auch in Armut;
denn mit Eurem Tod m�chte ich nicht alles Gold der Welt erkaufen. Und wenn
die Schw�tzer dort oder sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es
sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe.
Euer Michelangelo, Bildhauer.
6.
AN LODOVICO ...
_Rom_, [Oktober 1512.]
Liebster Vater! -- Ihr warnt mich in Eurem letzten Brief davor, Geld im
Haus zu halten oder bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erz�hle sich
bei Euch, ich habe B�ses gegen die Medici gesagt.
Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei Balduccio auf der Bank liegen
und behalte nur das im Haus oder in der Tasche, was ich f�r den Tag
brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht anders �ber sie
gesprochen, als es allgemein und von jedermann geschieht, wie j�ngst �ber
das Geschick von Prato. Und da h�tten die Steine geredet, wenn sie sprechen
k�nnten. Auch sonst wurde hier vielerlei gesagt; wenn ich es h�rte,
erwiderte ich stets: Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht
als ob ich es geglaubt h�tte; wolle Gott, dass es nicht so sei! Noch vor
einem Monat haben einige, die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von
den Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und sagte, sie t�ten
unrecht, so zu reden, und sie sollten nichts mehr dergleichen in meiner
Gegenwart �ussern. Ich w�nschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in
Erfahrung zu bringen suchte, woher der Betreffende geh�rt hat, ich rede
gegen die Medici. Vielleicht kann ich dann ermitteln, von wem diese
Ger�chte stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht einer von
denen ist, die sich meine Freunde nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen.
Ich bin noch unt�tig und warte, dass der Papst mir einen Auftrag gibt.
Euer Michelangelo, Bildhauer.
7.
AN BUONARROTO ... IN FLORENZ.
_Rom_, den 30. Juli [1513].
Buonarroto! ---- Michele erz�hlte mir, Du habest ihm vorgerechnet, dass Du
in Settignano f�r uns ungef�hr sechzig Dukaten von Deinem Gelde ausgegeben
habest. Ich erinnere mich, dass Du auch hier bei Tisch zu mir sagtest, Du
habest eine grosse Summe aufgewandt. Doch ich stellte mich, als verst�nde
ich nicht, wunderte mich aber nicht, denn ich kenne Dich. Ich denke, Du
wirst Dir den Betrag aufgeschrieben haben, um ihn eines Tages von uns
zur�ckfordern zu k�nnen. Ich m�chte aber von Dir undankbarem Menschen
wissen, mit welchem Geld Du ihn erworben hast; und ebenso m�chte ich
wissen, ob Ihr nicht mehr an jene zweihundertundachtundzwanzig Dukaten
denkt, die Ihr mir von meinem Guthaben in Santa Maria Nuova genommen habt,
an die vielen Hunderte, die ich f�r Euer Haus und die Familie ausgegeben
habe, und an die Drangsale und Entbehrungen, die ich ertrug, um Euch zu
helfen. Ich m�chte wissen, ob Du daran denkst! Wenn Du nur soviel Verstand
h�ttest, um die Wahrheit erkennen zu k�nnen, w�rdest Du nicht sagen: 'ich
habe mein Geld ausgegeben', w�rest auch nicht gekommen, um mich an Eure
Forderungen zu mahnen; Du h�ttest vielmehr daran gedacht, wie ich mich Euch
gegen�ber in der vergangenen Zeit betragen habe. Du h�ttest Dir gesagt:
'Michelangelo weiss, was er uns zugesichert hat, und wenn er es jetzt nicht
erf�llt, so muss ihn irgend etwas, was wir nicht wissen, gehindert haben',
und Ihr w�rdet Euch gedulden. Denn es tut nicht gut, dem Pferd noch die
Sporen zu geben, das schon so schnell l�uft, als es vermag. Aber Ihr habt
mich nie gekannt und kennt mich auch jetzt nicht. Gott verzeihe es Euch! Er
hat mir die Kraft gegeben, auszuharren unter der Last, die ich trage, damit
Euch geholfen werde. Ihr werdet all dies schon einsehen, wenn Ihr mich
nicht mehr habt.
Ich glaube in diesem Sommer nicht nach Florenz kommen zu k�nnen, denn ich
bin in einer Weise in Anspruch genommen, dass ich nicht einmal zum Essen
Zeit habe. Gebe Gott, dass ich nicht erliege! Doch will ich -- und kann es
auch -- Lodovico die Anweisung ausstellen, wie ich versprach, denn ich habe
es nicht vergessen. Ich will Euch tausend doppelte Golddukaten geben, damit
Ihr Euch mit diesem Geld und dem, was Ihr schon habt, selbst forthelfen
k�nnt. Von Eurem Verdienst beanspruche ich nichts. Nur will ich die
Sicherheit haben, dass Ihr mir nach Ablauf von zehn Jahren, wenn anders ich
noch lebe, diese tausend Dukaten in Geld oder anderem Gut zur�ckgebt,
sobald ich sie fordere. Ich glaube nicht, dass dieser Fall eintritt, aber
wenn ich sie brauche, muss ich sie, wie gesagt, wiederbekommen. Das wird
auch ein Z�gel f�r Euch sein, damit Ihr sie nicht verschleudert. �berlegt
Euch deshalb die Sache, beratet Euch und schreibt mir, was Ihr zu tun
gedenkt. Die vierhundert Dukaten, die Ihr noch von mir habt, schenke ich
Euch; sie sollen in vier Teile geteilt werden, so dass jeder von Euch
hundert erh�lt. Hundert f�r Lodovico, hundert f�r Dich, hundert f�r
Giovansimone und hundert f�r Gismondo, mit der Bedingung, dass Ihr das Geld
zusammen in Euer Gewerbe steckt. Das sei's. Zeig' den Brief Lodovico;
entschliesst Euch und gebt mir die Sicherheit, von der ich sprach. Am
dreissigsten Juli. Vergiss nicht, das Geld, das ich Dir f�r Michele
mitschicke, auch abzugeben.
Michelangelo, Bildhauer.
8.
AN LODOVICO ... IN SETTIGNANO.
_Florenz_ [1516].
Liebster Vater! -- Ich war sehr erstaunt �ber Euer Tun, als ich Euch
neulich nicht zu Hause fand. Nun h�re ich, dass Ihr Euch �ber mich beklagt,
dass Ihr erz�hlt, ich habe Euch vertrieben, und wundere mich immer mehr.
Bin ich doch sicher, dass ich vom Tage meiner Geburt bis heute nie die
Absicht hatte, Euch in irgend etwas, in Grossem oder Kleinem zu nahe zu
treten, dass ich vielmehr alle M�hen meines Lebens Euch zu Liebe getragen
habe. Und Ihr wisst, dass ich es seit meiner R�ckkehr aus Rom nach Florenz
stets mit Euch gehalten und jederzeit mein Eigentum zu Eurer Verf�gung
gestellt habe. Erst vor wenigen Tagen noch, als Ihr unwohl waret,
versicherte und versprach ich Euch, mit all meinen Kr�ften und mein Leben
lang Euch zu Diensten zu sein und best�tige es auch jetzt noch. Darum
wundere ich mich heute, dass Ihr alles das so bald vergessen habt. Ihr samt
Euren Kindern habt doch schon dreissig Jahre lang meine Treue erprobt und
wisst, dass ich Euch immer wohl gesinnt war und Euch Gutes tat, so viel ich
konnte. Wie k�nnt Ihr da sagen, ich habe Euch weggejagt? Seht Ihr denn
nicht, in welch' schlechten Ruf Ihr mich gebracht habt, wenn man sich
erz�hlt, ich habe Euch vertrieben? Nur dies Schlimmste fehlte mir noch in
all meinen M�hseligkeiten, die ich Euch zu Liebe ertragen habe! Ihr
vergeltet sie mir gut! Doch mag die Sache sein, wie sie wolle, ich will
glauben, ich habe Euch stets Schande und Schaden gebracht, und bitte Euch
so inst�ndig um Vergebung, als ob ich es wirklich getan h�tte. Denkt, Ihr
habet einem Sohn zu verzeihen, der stets ein schlimmes Leben gef�hrt und
Euch alles Leid dieser Welt zugef�gt hat, und ich bitte von neuem, Ihr
m�get mir schlechtem Menschen vergeben und mich nicht in den Ruf bringen,
als habe ich Euch aus dem Hause gejagt, denn das geht mir n�her als Ihr
denkt, bin ich doch immer Euer Sohn. Diesen Brief wird Euch Raffaello da
Gagliano bringen. Ich bitte Euch um Gottes-, nicht um meinetwillen, kommt
nach Florenz, denn ich muss abreisen und habe Euch sehr wichtige
Mitteilungen zu machen, kann aber nicht zu Euch kommen. Von meinem Diener
Pietro habe ich aus seinem eigenen Munde Dinge geh�rt, die mir nicht
gefallen. Ich habe ihn darum heute morgen nach Pistoja heimgeschickt, und
er wird nicht mehr zu mir zur�ckkehren, denn ich will nicht, dass er
unserem Hause Schaden bringt. Ihr h�ttet mich aber wirklich schon fr�her
von der Sache in Kenntnis setzen k�nnen, denn ihr wusstet alle um sein
Betragen und liesset mich dar�ber doch ganz im Dunkeln. Ich muss notwendig
abreisen, will aber nicht fort, ehe ich Euch gesprochen habe und Euch hier
im Haus zur�cklassen kann. Ich bitte Euch, lasst allen Groll fahren und
kommt!
Euer Michelangelo.
9.
AN BUONARROTO ... IN FLORENZ.
[_Carrara_], den 23. November 1516.
Buonarroto! -- Du schreibst mir in Deinen zwei letzten Briefen, Lodovico
sei todkrank gewesen, der Arzt habe aber neuerdings erkl�rt, bis auf
weiteres sei er ausser Gefahr. Wenn es so ist, komme ich nicht nach
Florenz, denn es w�rde mir sehr schwer fallen. Sollte aber noch Gefahr
sein, so will ich ihn um jeden Preis noch einmal sehen, ehe er stirbt, und
m�sste ich auch mit ihm sterben. Aber ich hoffe zuversichtlich, es geht ihm
gut, und deshalb komme ich nicht. Sollte ein R�ckfall eintreten, wovor Gott
ihn und uns beh�ten m�ge, so sieh zu, dass ihm die geistlichen Tr�stungen
und die Sakramente der Kirche nicht fehlen, und lass Dir von ihm sagen, ob
er w�nscht, dass wir etwas Bestimmtes f�r sein Seelenheil tun. Sorge auch,
dass ihm f�r sein leibliches Wohl nichts abgeht, denn ich habe mich nur f�r
ihn geplagt, um ihm noch bis zu seinem Tode helfen zu k�nnen. Sag' Deiner
Frau, sie solle mit Liebe f�r seinen Haushalt sorgen; ich werde Euch alles
verg�ten, wenn es n�tig ist. Sparet nichts, und sollten wir auch alles
darangeben, was wir besitzen. Damit mag es genug sein. Lebt in Frieden und
Du schreibe mir, wie es steht, denn ich bin in grosser Angst und Sorge.
----
10.
AN PAPST CLEMENS VII. IN ROM.
_Florenz_, [1524].
Heiliger Vater! -- Mittelspersonen verursachen oft viel Arger und
Verwirrung, deshalb wage ich es, ohne eine solche an Eure Heiligkeit �ber
die Gr�ber hier in San Lorenzo zu schreiben. Ich weiss wirklich nicht, was
besser ist, das Schlimme, das Nutzen bringt, oder das Gute, das Unheil
anrichtet. Doch so viel weiss ich gewiss: ich mag noch so untauglich und
unvern�nftig sein, aber wenn man mich ruhig h�tte fortfahren lassen, wie
ich angefangen hatte, dann w�ren jetzt alle Marmorbl�cke f�r die Arbeiten
in Florenz, und zwar mit geringeren Kosten, als bis jetzt bereits
aufgewendet wurden, schon f�r ihren Zweck zugehauen und in so gutem
Zustande, wie alle anderen, die ich bisher schon hergebracht habe.
Nun f�rchte ich, dass sich die Sache noch lange hinziehen wird, und weiss
nicht, wie sie ausgehen kann. Ich bitte daher im voraus Eure Heiligkeit um
Entschuldigung f�r den Fall, dass sich etwas Missliches ereignen sollte,
denn ich habe keine Autorit�t und glaube deshalb auch f�r nichts
verantwortlich zu sein. Ich bitte aber Eure Heiligkeit, wenn Ihr mir
irgendeinen Auftrag zuweisen wollt, mir in meiner Arbeit keinen
Vorgesetzten zu geben, sondern mir Vertrauen zu schenken und freie Hand zu
lassen. Ihr werdet dann sehen, was ich vollbringen und wie ich Euch
Rechenschaft �ber meine T�tigkeit geben werde.
Die Laterne der Kapelle von San Lorenzo hat Stefano vollendet und enth�llt.
Sie gef�llt jedermann und wird, so hoffe ich, auch Eurer Heiligkeit
zusagen, wenn Ihr sie seht. Wir lassen jetzt die Kugel anfertigen. Sie wird
einen Arm im Durchmesser betragen. Ich dachte, sie facettieren zu lassen,
um sie von den �brigen etwas zu unterscheiden, und so wird sie denn auch
ausgef�hrt.
Eurer Heiligkeit Diener
Michelangelo, Bildhauer.
11.
AN SEBASTIANO DEL PIOMBO IN ROM.
[_Florenz_, Mai 1525.]
Mein teuerster Sebastiano! -- Gestern abend nahmen mich unser Freund, der
Hauptmann Cujo, und einige Edelleute g�tigerweise zum Abendessen mit. Das
machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich f�r kurze Zeit aus meiner
Melancholie -- wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll -- gerissen. Die
Mahlzeit war sehr erg�tzlich. Noch mehr freuten mich die Gespr�che, die da
gef�hrt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen h�rte,
war ich ganz entz�ckt. Und wie nun besagter Hauptmann erkl�rte, Ihr seiet
einzig auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend in Rom
gesch�tzt, w�re meine Freude noch gewachsen, wenn das nur m�glich gewesen
w�re. Auf diese Art wurde mir best�tigt, dass mein Urteil �ber Euch nicht
falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen
Briefen "einzig" nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier
ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben.
12.
AN GIOVAN SIMONE ... IN SETTIGNANO.
_Florenz_, [1533].
Giovan Simone! -- Mona Margherita hat mich falsch verstanden. Als ich
vorgestern morgen von Dir und Gismondo sprach -- Ser Giovanni Francesco war
dabei --, sagte ich, ich habe f�r Euch stets mehr getan als f�r mich und
viele M�hen auf mich genommen, damit Ihr keine zu tragen h�ttet, Ihr aber
habet nichts getan, als mich in ganz Florenz zu verleumden. So viel habe
ich gesagt, und wollte Gott, es w�re nicht wahr, dass Ihr Euch wie Tiere
benommen habt! Was Deinen Aufenthalt in Settignano angeht, so bleib nur
dort, pflege dich und sieh zu, dass Du gesund wirst. Was an mir liegt, will
ich stets f�r Euch tun, denn ich achte nur auf meine Pflicht, nicht auf
Eure Reden. Dann w�nschte ich, Du beschafftest dort eine Wohnung, damit
auch Mona Margherita hinkommen kann, denn mein Vater hat sie mir vor seinem
Tode empfohlen, und ich werde sie deshalb nie verlassen.
Michelangelo.
13.
AN MESSER LUIGI DEL RICCIO IN ROM.
[_Rom_, 1542.]
Dieses [Madrigal] habe ich vor l�ngerer Zeit nach Florenz geschickt. Nun
ich es umgearbeitet habe, sende ich es Euch, damit Ihr, wenn es Euch so
beliebt, es den Flammen gebet, denen, meine ich, die mich verzehren. Noch
bitte ich Euch um eine andere Gnade. Ihr sollt mich n�mlich von einem
Zwiespalt erl�sen, in den mein Geist heute nacht geriet. Denn als ich
unsern Liebling im Traum gr�sste, schien es mir, als ob er mit einem
L�cheln mir drohte. Da ich nun ungewiss bin, welcher der beiden Geb�rden
ich glauben soll, so bitte ich Euch, fragt ihn selbst; und wenn wir uns am
Sonntag wiedersehen, lasst es mich wissen.
Ich bleibe, Euch stets verpflichtet, der Eurige.
----
14.
AN MESSER LUIGI DEL RICCIO, MEINEN FREUND ODER VIELMEHR VEREHRUNGSW�RDIGEN
HERRN, IN ROM.
[_Rom_, 1543.]
Mein lieber Messer Luigi! -- Ich weiss, dass Ihr im Zeremonienwesen ein
ebenso vollendeter Meister seid, als ich darin untauglich bin. Ich habe nun
von Monsignor di Todi das Geschenk erhalten, von dem Euch Urbino berichten
wird, und da ich glaube, dass Ihr mit Seinen Gnaden befreundet seid, so
bitte ich Euch, danket ihm in meinem Namen mit den Zeremonien, die Euch
leicht, mir aber schwer fallen. ----
Euer Michelangelo Buonarroti.
15.
AN MESSER LUIGI DEL RICCIO.
[_Rom_ 1545.]
Unser toter Freund redet und spricht: Der Himmel nahm allen Menschen der
Welt ihre Sch�nheit und schenkte sie mir allein. Durch g�ttliches Gesetz
werde ich am Tage des Gerichts auferstehen, wie ich im Leben war. Darum
kann der Himmel die Sch�nheit, mit der er mich begabt hat, jenen nimmer
wiedergeben, denen er sie raubte, und so muss ich in Ewigkeit sch�ner
bleiben als alle, und alle anderen h�sslich.
Diese Auffassung ist das Gegenteil von der, die Du mir gestern
auseinandersetztest und ist die rechte, jene aber ist ein Gefabel.
Euer Michelangelo Buonarroti.
16.
AN VITTORIA COLONNA IN ROM.
[_Rom_ 1545.]
Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade mir schon oft zugedacht
hatte, nicht annehmen, bevor ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten
k�nnte, um so ihrer weniger unw�rdig zu sein. Aber ich sah ein und
erkannte, dass man die Gnade Gottes nicht kaufen kann, und dass es grosse
S�nde ist, ihr Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine Schuld und
nehme Eure Gaben freudig an. Und wenn sie mein sind, werde ich mich im
Paradies f�hlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben werde, sondern
weil ich in ihrem Hause wohnen darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch
mehr in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies �berhaupt m�glich
ist.
Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino bringen. Ihm werdet Ihr sagen
k�nnen, wann ich nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu sehen, den
Ihr mir zu zeigen versprachet.
Ich empfehle mich Eurer Gnade.
Michelangelo Buonarroti.
17.
AN VITTORIA COLONNA IN ROM.
[_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.]
Frau Marchesa! -- Da ich in Rom bin, h�tte ich eigentlich den Kruzifixus
nicht Messer Tommaso anzuvertrauen und ihn so zum Mittler zwischen Euch und
mir, Eurem Diener, zu machen brauchen. Ich w�nsche f�r Euch Gr�sseres zu
schaffen, als f�r irgendeinen anderen mir bekannten Menschen dieser Welt.
Allein ich war und bin noch in so viele Gesch�fte verwickelt, dass ich Euer
Gnaden dies nicht zu beweisen vermochte. Ich weiss ja, Euch ist bekannt,
dass die Liebe den Weg stets findet, und der Liebende nicht schl�ft, und
h�tte darum um so weniger eines Mittlers bedurft. Aber wenn es auch den
Anschein hatte, als ob ich nicht an Euch d�chte, tat ich doch, was ich
nicht aussprach, um Unerwartetes zu vollbringen. Mein Plan ist misslungen.
"Unrecht tut der, der solche Treue schnell vergisst."
Eurer Gnaden Diener
Michelangelo Buonarroti.
18.
AN LIONARDO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ.
_Rom_, [den 6. Februar 1546].
Lionardo! -- Du bist mit Deiner Auskunft �ber die Besitzung der Corboli
sehr rasch zur Stelle gewesen. Ich dachte nicht, dass Du noch in Florenz
seiest. Hast Du am Ende Furcht, mein Anerbieten k�nnte mich reuen, wie man
Dir vielleicht eingeredet hat? Ich sage Dir, dass ich langsam vorgehen
will, denn ich habe das Geld hier mit einer M�he verdient, die der nicht
kennt, der wie Du im �berfluss geboren ist.
Ich glaube auch nicht, dass Du mit solcher Eile nach Rom gekommen w�rest,
wenn ich im Elend lebte und es mir an Brot fehlte. Du brauchst ja nur das
Geld wegzuwerfen, das Du nicht verdient hast. So eifrig bist Du, diese
Erbschaft nicht zu verlieren! Und sagst noch, es sei Deine Pflicht gewesen,
zu kommen, weil Du mich liebest! Wie der Holzwurm die Balken! Wenn Du
wirklich Liebe f�r mich hegtest, h�ttest Du mir jetzt geschrieben:
"Michelangelo, verwendet Euer Geld f�r Euch, denn uns habt Ihr schon so
viel gegeben, dass wir genug haben. Uns ist Euer Leben lieber als Euer
Geld."
Ihr habt seit vierzig Jahren von meiner Arbeit gelebt, aber noch nie habe
ich von Euch auch nur ein gutes Wort bekommen. Freilich hast Du voriges
Jahr so viel Tadel h�ren m�ssen, dass Du mir aus Scham eine Last Trebbianer
schicktest, aber ich w�nschte, Du h�ttest auch die behalten!
Ich schreibe dies nicht deshalb, weil ich dem Ankauf abgeneigt bin; ich
will kaufen, um mir eine Rente zu sichern, weil ich nicht mehr arbeiten
kann; aber ich werde langsam vorgehen, denn ich will mir keine
Verdriesslichkeiten kaufen. -- Darum eile Dich nicht.
Michelangelo.
Wenn man Dir in Florenz etwas in meinem Namen ausrichtet, oder Dich um
etwas bittet, so darfst Du niemandem Glauben schenken, wenn er Dir nichts
Handschriftliches von mir vorweisen kann. ----
19.
AN DEN ALLERCHRISTLICHSTEN K�NIG VON FRANKREICH.
_Rom_, den 26. April 1546.
Heilige Majest�t! -- Ich weiss nicht, was gr�sser ist, Eure Gnade oder mein
Erstaunen dar�ber, dass Eure Majest�t sich herabgelassen hat, an
meinesgleichen zu schreiben, ja mehr noch, mich um Arbeiten zu bitten, die
des Namens Eurer Majest�t wirklich nicht w�rdig sind. Doch m�gen diese
sein, wie sie wollen; Eure Majest�t soll wissen, dass ich schon seit langem
w�nschte, Euch zu dienen. Da ich aber hierzu nicht, wie in Italien,
Gelegenheit fand, habe ich es noch nicht tun k�nnen. Nun bin ich alt und
noch f�r einige Monate mit Arbeiten f�r Papst Paul besch�ftigt. Wenn ich
aber nach deren Vollendung noch am Leben bin, so werde ich versuchen, das,
was ich schon lange f�r Eure Majest�t zu tun w�nschte, auch wirklich
auszuf�hren, und zwar ein Werk in Marmor, eins in Bronze und ein Gem�lde.
Und wenn der Tod die Verwirklichung dieses Wunsches vereitelt, und man im
anderen Leben noch meisseln und malen kann, so werde ich dort, wo man nicht
altert, es an mir nicht fehlen lassen. Eurer Majest�t aber erflehe ich von
Gott ein langes und gl�ckliches Leben.
Aus Rom am XXVI. April MDXLVI.
Eurer Allerchristlichsten Majest�t
untert�nigster Diener
Michelangelo Buonarroti.
20.
AN LIONARDO ...
_Rom_, [August 1547].
Lionardo! -- Mit Deinem Brief erhielt ich die Quittung �ber die
f�nfhundertundf�nfzig Dukaten in Gold, die ich hier bei Bettino eingezahlt
habe. Du schreibst mir, vier davon werdest Du jener Frau zu Gottes Ehre
geben. Damit bin ich wohl zufrieden. Ich w�nsche, dass weitere
sechsundvierzig zu Gottes Ehre, f�r das Seelenheil Deines Vaters Buonarroto
und f�r das meinige verschenkt werden. Suche irgend einen bed�rftigen
B�rger, der T�chter zu verheiraten oder in einem Kloster unterzubringen
hat. Dem gib, aber heimlich. Sieh zu, dass Du nicht betrogen wirst, lass
Dir eine Quittung ausstellen und schicke sie mir; ich rede von B�rgern und
weiss, dass sie sich zu betteln sch�men, wenn sie in Not sind. ---- Ich
rate Euch, legt das Geld, das ich Euch schickte, in einem guten Grundst�ck
oder dergleichen an, denn es ist gef�hrlich, es im Haus zu behalten, zumal
heutzutage. Seid deshalb vorsichtig und haltet die Augen offen.
Michelangelo Buonarroti.
21.
AN LIONARDO ...
_Rom_, [den 16. Januar 1548].
Lionardo! -- Durch Deinen letzten Brief erfuhr ich vom Tode Giovansimones.
Die Nachricht hat mich tief geschmerzt, denn wenn ich auch schon so alt
bin, hoffte ich doch, ihn vor seinem und meinem Tode noch einmal zu sehen.
Gott hat es so gewollt, ertragen wir es! Ich m�chte gern ausf�hrlicher
h�ren, wie er gestorben ist, ob er vor seinem Tode gebeichtet und
kommuniziert hat, und alle seine religi�sen Angelegenheiten geordnet sind;
denn wenn ich erfahren habe, dass es so ist, werde ich weniger bek�mmert
sein. ----
Michelangelo Buonarroti.
22.
AN MESSER BENEDETTO VARCHI.
_Rom_, [1549].
Messer Benedetto! -- Damit Ihr sehet, dass ich Euer B�chlein wirklich
empfangen habe, will ich auf die Frage, die darin gestellt wird, einiges
antworten, wenn auch bescheiden und als Laie. Ich meine, die Malerei sei um
so h�her zu achten, je mehr sie sich der Plastik n�hert, und diese um so
geringer, je mehr sie der Malerei nahekommt. So schien mir auch stets, als
sei die Skulptur die Leuchte der Malerei und zwischen jener und dieser der
gleiche Unterschied, wie zwischen Sonne und Mond. Seitdem ich aber Euer
B�chlein gelesen habe, in dem Ihr auseinandersetzt, dass, philosophisch
betrachtet, beide K�nste das gleiche Ziel haben, beide das Gleiche sind,
bin ich anderer Meinung geworden und sage so: Wenn nicht ein gr�sserer
Aufwand von �berlegung und M�he, gr�ssere Schwierigkeiten und Anstrengungen
dem Werke auch gr�sseren Adel verleihen, dann sind Malerei und Skulptur ein
Ding. Und damit sie auch als solches anerkannt w�rden, d�rfte kein Maler
die Bildhauerei weniger als die Malerei betreiben, und ebenso m�sste jeder
Bildhauer in gleichem Masse Maler wie Bildhauer sein. Ich verstehe unter
Skulptur die Kunst, die durch Wegnehmen ge�bt wird, w�hrend die, die durch
Auflegen arbeitet, Malerei ist. Dann sollte man es aber auch kurz machen
und beide K�nste, Skulptur und Malerei, weil sie doch durch die gleiche
Intelligenz ge�bt werden, einen rechtschaffenen Frieden schliessen und das
viele Disputieren sein lassen, denn das kostet mehr Zeit, als die Bildwerke
selbst zu machen. Versteht aber der, der die Malerei edler nannte als die
Skulptur, alle Dinge, wor�ber er schreibt, so gut wie dies, so h�tte meine
Magd seine Schriften wohl besser geschrieben. Unendlich viele nie
ausgesprochene Dinge liessen sich noch �ber dergleichen K�nste sagen; aber,
wie ich bemerkte, das w�rde viel Zeit erfordern, und ich habe nur wenig,
denn ich bin nicht nur alt, sondern stehe schon fast im Grabe. Darum bitte
ich Euch, haltet mich f�r entschuldigt. Euch aber empfehle ich mich und
danke Euch nach bestem K�nnen f�r die allzugrosse Ehre, die Ihr mir
erweiset, und die mir nicht zukommt.
Euer Michelangelo Buonarroti.
23.
AN LIONARDO ...
[_Rom_,] den 1. Februar 1549.
Lionardo! -- Ich schickte Dir mit meinem letzten Brief ein Verzeichnis
mehrerer heiratsf�higer M�dchen, das mir von Florenz zugesandt wurde, ich
glaube von einem Vermittler, der �brigens ein wenig vern�nftiger Mann sein
muss, denn er konnte sich doch denken, dass ich, nun schon seit sechzehn
oder siebzehn Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von den florentinischen
Familien haben kann.
Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine Meinung, wenn Du heiraten
willst, denn ich vermag Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich Dir
ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach, sondern sieh auf Herzensg�te und
guten Ruf.
Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte, adlige Familien, f�r die es
eine Wohltat w�re, wenn Du mit ihnen Verwandtschaft ankn�pftest. Auf die
Mitgift k�nntest Du verzichten, wenn nur auch kein Hochmut da w�re. Du
brauchst eine Frau, die bei Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand
liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und Gastereien gehen will, denn wo
ein Hof ist, ist es nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst Dich
auch nicht um das Gerede zu k�mmern, Du wollest Dich adlig machen, denn es
ist bekannt, dass wir alteingesessene B�rger von Florenz und so vornehmen
Geschlechts wie irgendeine andere Familie sind. Nun empfiehl Dich Gott,
dass er Dir das Rechte gebe. Ich w�nschte, Du liessest es mich wissen,
sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu haben glaubst, und zwar bevor Du die
Verbindung eingehst.
24.
AN LIONARDO ...
_Rom_, den 20. Mai 1553.
Lionardo! -- In Deinem letzten Brief schriebst Du mir, Du habest Deine Frau
nun heimgef�hrt, seiest sehr befriedigt und sollest mich in ihrem Namen
gr�ssen. ---- Es freut mich innig, dass Du so zufrieden bist, und ich
denke, man soll Gott daf�r nach bestem K�nnen preisen. ---- F�r ihren Gruss
danke ihr; sag' ihr in meinem Namen all das, was Du m�ndlich zu sagen
weisst, ich aber nicht zu schreiben verstehe. Ich w�nsche auch, dass man
sie als die Frau eines meiner Neffen erkenne; bisher konnte ich das nicht
durch die Tat beweisen, weil Urbino noch nicht da war. Nun ist er seit zwei
Tagen zur�ckgekehrt, und ich will meinen guten Willen zeigen. Man sagt mir,
ein sch�ner Schmuck von guten Perlen werde hier wohl anstehen. Ich habe
darum einen mit Urbino befreundeten Goldschmied beauftragt, nach solchen zu
suchen und hoffe, er wird sie finden. Doch sag' ihr noch nichts davon.
Solltest Du aber etwas anderes f�r besser halten, so schreibe mir. Das
sei's. Sorge f�r Deine Gesundheit und vergiss nicht, dass es stets mehr
Witwen als Witwer gibt.
Michelangelo Buonarroti.
25.
AN GIORGIO VASARI.
_Rom_, April 1554.
Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Euer Brief hat mir grosse Freude
gemacht, denn er bewies mir, dass Ihr Euch noch des armen Alten erinnert.
Ein wahrer Triumph war f�r mich Eure Botschaft, ein neuer Buonarroto sei
geboren. Ich danke Euch darum von ganzem Herzen und soviel ich kann. Doch
missfiel mir der Aufwand, der getrieben wurde. Der Mensch soll nicht
lachen, wenn die Welt ringsum weint. Ich meine daher, Lionardo hat nicht
eben vern�nftig gehandelt, als er eines Neugeborenen wegen solche Pracht
entfaltete. Solche Festlichkeit soll man f�r den Tod dessen aufsparen, der
rechtschaffen gelebt hat. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich danke Euch
aufrichtig f�r die Liebe, die Ihr mir beweiset, obwohl ich Ihrer nicht
w�rdig bin. Die Dinge gehen hier ihren alten Gang. Am -- ich weiss nicht
wievielten -- April 1554.
Euer Michelangelo Buonarroti.
26.
AN MESSER GIORGIO, DEN VORTREFFLICHEN MALER, IN FLORENZ.
_Rom_, den 15. Mai 1555.
Ich wurde mit Gewalt zur Leitung des Baues von Sankt Peter gezwungen und
habe nun schon ungef�hr acht Jahre ohne Entgelt, ja mit grossem Schaden und
viel �rger der Aufgabe geopfert. Nun geht die Arbeit voran, wir haben Geld
und ich bin im Begriff, die Kuppel zu w�lben; wollte ich jetzt abreisen, so
w�rde das den Bau zugrunde richten. Das m�sste mir in der ganzen
Christenheit die gr�sste Schande bringen und w�rde eine schwere Schuld f�r
meine Seele sein. Darum bitte ich Euch, mein lieber Herr Giorgio, dankt dem
Herzog in meinem Namen f�r die grossen Anerbietungen, von denen Ihr mir
schreibt und bittet ihn, er m�ge mich in Gnaden noch so lange hier arbeiten
lassen, bis ich in gutem Ruf und mit Ehren und ohne S�nde von hier abreisen
kann.
Euer Michelangelo Buonarroti.
27.
AN MESSER GIORGIO VASARI, MEINEN LIEBEN FREUND, IN FLORENZ.
_Rom_, den 23. Februar 1556.
Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Das Schreiben kommt mich schwer an,
aber um Euch zu antworten, will ich einiges sagen. Ihr wisst, dass Urbino
gestorben ist. Durch seinen Tod hat Gott mir eine grosse Gnade gegeben,
aber ich habe sie mit einem teuren Gut und mit unendlichem Schmerz bezahlen
m�ssen. Die Gnade war die, dass er, der w�hrend seines Lebens mich am Leben
hielt, durch seinen Tod mich sterben lehrte. Und nun sehe ich dem Tode
nicht mehr mit Widerwillen, sondern mit Sehnsucht entgegen. Ich habe ihn
sechsundzwanzig Jahre bei mir gehabt und ihn f�r ganz wahrhaftig und treu
befunden; und nun, da ich ihn reich gemacht hatte und hoffte, er werde der
Stab meines Alters sein, ist er mir entschwunden, und ich habe keine
Hoffnung mehr als die, ihn im Himmel wiederzusehen. F�r diese aber hat uns
Gott seinen seligen Tod B�rge sein lassen. Nun schmerzt es mich nicht mehr,
dass ich sterben muss, sondern dass er mich mit so viel Leiden in dieser
treulosen Welt lebend zur�ckliess, denn der gr�ssere Teil von mir ist mit
ihm gegangen, und mir ist nur ein tiefes Elend geblieben. Ich bitte Euch
inst�ndig, entschuldigt mich, wenn es Euch keine M�he macht, bei Messer
Benvenuto, dass ich ihm noch nicht auf seinen Brief antwortete. Ich bin so
in diesen traurigen Gedanken versunken, dass ich nicht schreiben kann.
Empfehlt mich ihm, und ich empfehle mich Euch.
Euer Michelangelo.
28.
AN LIONARDO ...
_Rom_, den 31. Mai 1556.
Lionardo! -- Francesca bittet mich in einem Brief, ich m�ge ihrem
Beichtvater zehn Dukaten geben, um ein armes M�dchen im Kloster von Santa
Lucia unterzubringen. Ihr zu Liebe will ich es tun, denn ich weiss, sie
w�rde mich nicht bitten, wenn es kein wohlangebrachtes Almosen w�re. Aber
ich weiss nicht, wie ich das Geld in Florenz auszahlen lassen soll. Ich
w�nschte darum, dieser Beichtvater h�tte hier einen zuverl�ssigen Freund;
dem w�rde ich es geben, sobald ich benachrichtigt w�rde.
Es freut mich zu h�ren, dass es Cassandra gut geht; empfiehl mich ihr, und
haltet Euch gesund.
Michelangelo Buonarroti.
29.
AN GIORGIO VASARI.
_Rom_, den 18. Dezember 1556.
Messer Giorgio! -- Ich habe das B�chlein Messer Cosimos, das Ihr mir
schicktet, erhalten. In diesem Brief liegt ein Dankschreiben an seine
Gnaden. Ich bitte Euch, gebt es ihm und empfehlt mich ihm. Ich habe dieser
Tage unter grossen M�hen und Kosten, aber mit innigem Vergn�gen einen
Besuch bei den Einsiedlern in den Bergen von Spoleto gemacht und bin nur
halb wieder hier in Rom, denn wirklichen Frieden findet man nur in den
W�ldern. Sonst weiss ich Euch nichts zu sagen. Es freut mich, dass Ihr
gesund und fr�hlich seid, und ich empfehle mich Euch.
Euer Michelangelo Buonarroti.
30.
AN LIONARDO ...
_Rom_, den 16. Juni 1557.
Lionardo! ---- Mit meiner Gesundheit steht es schlecht; ich habe all die
Beschwerden, die das Alter heimsuchen, ein Steinleiden, dass ich nicht
urinieren kann, dazu Schmerzen in den Seiten und im R�cken, dass es mir oft
unm�glich ist, eine Treppe zu ersteigen. Das Schlimmste sind aber die
Sorgen, die mich qu�len. Denn wenn ich all die Bequemlichkeiten aufgebe,
�ber die ich hier verf�gen kann, so lebe ich keine drei Tage mehr. Doch
m�chte ich auch nicht die Gnade des Herzogs verlieren, ebensowenig aber den
Bau von Sankt Peter im Stich lassen oder mich selbst vernachl�ssigen. Bitte
Gott, dass er mir helfe und rate. Sollte es mit mir schlimmer werden, mich
etwa ein gef�hrliches Fieber anfallen, dann werde ich gleich nach Dir
schicken. Lass Dir aber nicht einfallen, zu kommen, bevor Dich ein Brief
von mir ruft.
Empfiehl mich Messer Giorgio. Er kann mir sehr n�tzlich sein, wenn er will,
denn der Herzog ist ihm wohlgesinnt.
Michelangelo Buonarroti.
31.
AN LIONARDO ...
_Rom_, den 15. Juni 1559.
Lionardo! ---- Ich erhielt von Dir zwei Briefe, in denen Du mich sehr
angelegentlich bittest, ich m�chte nach Florenz zur�ckkehren. Du weisst,
glaube ich, noch nicht, dass ich vor ungef�hr vier Monaten durch den
Kardinal von Carpi, der zur Baukommission von Sankt Peter geh�rt, vom
Herzog von Florenz die Erlaubnis erhielt, in Rom beim Bau von Sankt Peter
zu bleiben. Ich dankte Gott daf�r und freute mich sehr. Nun, wie schon
gesagt, schreibst Du mir so angelegentlich, ich weiss aber nicht, tust Du
das, weil Du mich dort haben m�chtest, oder steht die Sache anders. Sprich
Dich deshalb ein wenig klarer aus, denn alles Derartige regt mich auf und
ist mir l�stig. ----
Michelangelo Buonarroti.
Das Schreiben f�llt mir sehr schwer, Hand, Augen und Ged�chtnis versagen.
Ich bin alt!
32.
AN LIONARDO ...
_Rom_, [den 15. M�rz 1560].
Lionardo! -- Ich antwortete auf Dein Schreiben vom Samstag nicht, denn ich
hatte keine Zeit. Nun sage ich Dir, dass ich mich �ber die Geburt Deiner
Tochter sehr freute. Unsere Familie steht allein; so wird sie uns einst
eine gute Verwandtschaft erwerben k�nnen. Haltet sie gut. Ich werde ja
nicht mehr am Leben sein, wenn es soweit ist. Wenn es Zeit ist, dass Du
nach Rom kommst, werde ich Dich benachrichtigen, wie ich Dir ja schon
schrieb. Wisse, dass die gr�sste Plage f�r mich hier in Rom die
Beantwortung Deiner Briefe ist.
Michelangelo Buonarroti.
33.
AN LIONARDO ...
_Rom_, den 21. August 1563.
Lionardo! -- Ich ersehe aus Deinem Schreiben, dass Du neidischen,
schlechten Menschen Glauben schenkst, die dir L�genbriefe schicken, weil
sie mich nicht bestehlen und nach Gutd�nken regieren k�nnen. Es ist eine
Bande habs�chtiger Kerle, und Du bist ein Tor, dass Du ihrem Gerede �ber
mich glaubst, als ob ich ein Kind w�re! Schaff' Dir die schamlosen,
neidischen, verkommenen Menschen aus den Augen! Dann schreibst Du, ich habe
Scherereien im Haushalt und anderes. Lass Dir gesagt sein, dass es mir
nicht besser gehen und dass ich in jeder Beziehung nicht sorgsamer
behandelt werden k�nnte. Ich habe ganz vertrauensw�rdige und ehrliche Leute
im Hause, die mich durchaus nicht bestehlen, wie Du zu glauben scheinst.
Sieh zu, dass Deine Angelegenheiten gut gehen und k�mmere Dich nicht um die
meinigen, denn ich weiss mir zu helfen, wenn es n�tig ist und bin kein
Kind. Lass es Dir gut gehen!
Michelangelo.
34.
AN LIONARDO ...
_Rom_, den 28. Dezember 1563.
Leonardo! -- Zugleich mit Deinem letzten Brief erhielt ich zw�lf h�bsche
und wohlschmeckende M�rzk�schen. Besten Dank! Ich freue mich, dass es Euch
wohl geht. Auch ich befinde mich nicht schlecht. In der letzten Zeit habe
ich mehrere Briefe von Dir erhalten, konnte aber nicht antworten, denn
meine Hand gehorcht mir nicht mehr. Von nun an werde ich andere schreiben
lassen und selbst nur noch unterzeichnen. Das sei's.
Ich Michelangelo Buonarroti.
BRIEFE DER VITTORIA COLONNA AN MICHELANGELO.
�bersetzt von R. A. Guardini.
1.
[_Rom_, 1538-41, oder 1545/46.]
Mein teuerster Meister Michelangelo! -- Ich bitte Euch, schickt mir auf
kurze Zeit den Kruzifixus, wenn er auch noch nicht vollendet ist, denn ich
will ihn einigen Kavalieren des Hochw�rdigsten Kardinals von Mantua zeigen;
und wenn Ihr heute nicht durch Arbeiten in Anspruch genommen seid, k�nntet
Ihr ganz nach Eurer Bequemlichkeit zu einem Plauderst�ndchen zu mir kommen.
Eure ergebene
Marchesa di Pescara.
2.
[_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.]
Einziger Meister Michelangelo und mein ganz besonderer Freund! -- Ich habe
Euren Brief erhalten und den Kruzifixus gesehen. Er hat wahrhaftig in
meinem Ged�chtnis alle anderen Darstellungen, die mir je zu Gesicht
gekommen sind, ans Kreuz geschlagen. Man kann sich nichts Lebendigeres und
Vollendeteres denken als dieses Bild, und ich w�rde mich vergeblich
bem�hen, wenn ich die ausserordentliche und wunderbare Feinheit seiner
Ausf�hrung schildern wollte. Ich bin entschlossen, das Bild von keinem
anderen malen zu lassen. Gebt mir darum Gewissheit; r�hrt die Zeichnung von
einem anderen her, dann muss ich wohl auf sie verzichten, sollte sie aber
Euch geh�ren, so w�rde ich sie Euch unter allen Umst�nden rauben.
Stammt sie nicht von Euch, und wolltet Ihr das Bild von einem Eurer
Gesellen ausf�hren lassen, so m�ssten wir erst dar�ber reden. Ich kenne
n�mlich recht wohl die Schwierigkeit, die Eigenart der Zeichnung in der
Ausf�hrung zu bewahren, und w�rde dann lieber den Betreffenden etwas
anderes malen lassen. Wenn sie aber Euer Werk ist, dann -- vergebt --
erhaltet Ihr sie nicht wieder. Ich habe sie bei Licht und mit der Lupe und
im Spiegel betrachtet und versichere Euch, ich habe nie etwas Vollendeteres
gesehen.
Eure ergebene
Marchesa di Pescara.
3.
[_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.]
Die Taten Eurer K�nstlerkraft reizen den beschauenden Geist, ungen�gsam
H�heres zu begehren. Auch mich fasste dies Verlangen, und darum fragte ich,
ob die Vollkommenheit Eurer Werke wohl noch einer Steigerung f�hig sei. Ich
habe eingesehen, dass omnia sunt possibilia credenti. Ich hatte den festen
Glauben, Gott werde Euch zur Darstellung dieses Christus �bernat�rliche
Gnade geben, und als ich ihn sah, �bertraf er in jeder Weise all meine
Erwartungen. Eure Wundertaten machten mich k�hn, und so sprach ich W�nsche
aus, die ich jetzt staunend erf�llt sehe: Das Bild ist in allen Teilen von
wunderbarer Vollendung, und kein Mensch verm�chte mehr, ja auch nur so viel
zu w�nschen. Und wisst, das freut mich besonders, dass der Engel zur
Rechten viel sch�ner ist, als der andere; denn der heilige Michael wird
Euch Michelangelo am j�ngsten Tage zur Rechten des Herrn stellen. Ich aber
kann daf�r nichts tun, als zu diesem milden Christus darum zu beten, den
Ihr so vollkommen gebildet habt; zugleich Euch zu bitten, dass Ihr �ber
mich in jeder Weise gebietet.
Eure ergebene
Marchesa di Pescara.
4.
Im Kloster zu _Viterbo_, den 20. Juli [1541-1543].
Kunstreicher Meister Michelangelo! -- Euer Brief war gewissermassen eine
Antwort auf den meinigen; dies ist der Grund, weshalb ich Euch noch nicht
antwortete. Dann dachte ich auch, wenn wir beide wie bisher in unserem
Briefwechsel fortfahren wollten, wie es Euch Eure Liebensw�rdigkeit und mir
die Pflicht der Dankbarkeit vorschreiben, so k�nnte ich mich nicht mehr zu
den vorgeschriebenen Stunden mit den Schwestern in der Kapelle der heiligen
Katharina einfinden, und Ihr k�nntet nicht in der des heiligen Paulus vom
fr�hen Morgen an den Tag in vertrauter Unterredung mit Euren Gem�lden
verbringen, die doch zu Euch in der nat�rlichen Sprache ihrer Linien ebenso
verst�ndlich reden, wie zu mir die lebendigen Menschen meiner Umgebung: und
so w�rde ich gegen die Br�ute und Ihr w�rdet gegen den Statthalter Christi
fehlen. Ich kenne die Treue Eurer Freundschaft und die Kraft Eurer in
christlichem Geiste gefestigten Zuneigung und denke darum, ich brauche Euch
nicht durch eigene Briefe den Empfang der Euren zu best�tigen. Vielmehr
will ich mich bereit halten und die erste Gelegenheit erwarten, um Euch
gewichtigere Dienste zu leisten. Unterdessen bitte ich den Herrn, �ber den
Ihr mir bei meiner Abreise Worte so gl�hender und dem�tiger Liebe sagtet,
er m�ge mich bei meiner R�ckkehr in Eurem Herzen sein Bild erneuert und so
glaubenslebendig finden lassen, wie Ihr es mir auf dem Bild der
Samaritanerin gemalt habt.
Euch und Eurem Urbino empfehle ich mich.
Eure ergebene
Marchesa di Pescara.
5.
[_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.]
Der Ruhm, den Eure Kunst Euch schafft, ist so gross, dass Ihr vielleicht
geglaubt h�ttet, weder die Zeit noch irgend ein Ereignis k�nnte ihm den Tod
bringen, w�re nicht jener Strahl g�ttlichen Lichtes Euch ins Herz
gedrungen, und Euch offenbar geworden, dass jeder irdische Ruhm stirbt und
lebte er noch so lange. Wenn Ihr darum aus Euren Bildwerken die G�te dessen
erkennt, der Euch zum einzigen Meister in dieser Kunst machte, werdet Ihr
auch verstehen, dass ich nur dem Herrn f�r meine schon fast toten Schriften
danken kann, denn dichtend beleidigte ich ihn weniger, als ich in meinem
M�ssiggang jetzt tue. Ich bitte Euch darum, nehmt diesen Ausdruck meiner
Gesinnung als Unterpfand k�nftiger Werke an.
Eure ergebene
Marchesa di Pescara.
ANMERKUNGEN.
Die Erl�uterungen beschr�nken sich auf die notwendigsten biographischen und
historischen Notizen. Zur leichteren Orientierung ist eine kurze Skizze von
Michelangelos �usserem Leben vorangestellt.
Er wurde am 6. M�rz 1475 im St�dtchen Caprese (Toscana) geboren, wo sein
Vater Lodovico das Amt eines Podest� bekleidete. Nach Ablauf seiner
Amtszeit kehrte dieser nach Florenz zur�ck. Urspr�nglich f�r das Gewerbe
der Seidenweberei bestimmt, setzte Michelangelo seine Neigung durch und kam
in die Werkstatt des Ghirlandajo. 1489 wurde er in Lorenzo des Pr�chtigen
Bildhauerschule, 1490 in dessen Hausgemeinschaft aufgenommen und genoss den
Verkehr mit dem um den Magnifico versammelten Gelehrten- und K�nstlerkreis.
(Madonna an der Treppe, Centaurenkampf.) 1492 starb Lorenzo, 1494 wurde
sein Nachfolger Piero vertrieben. Michelangelo war schon vorher nach
Venedig, darauf nach Bologna gegangen. Er blieb dort ein Jahr, und kehrte
dann nach Florenz zur�ck, in dem Savonarola an der Spitze des Volkes stand.
(Giovannino, schlafender Amor.) 1496 kam er nach Rom, wo er sich bis 1500
aufhielt. (Bacchus, Piet�.) 1501 war er wieder in Florenz. (1501-04 der
David, 1504 der Karton zur Pisanerschlacht.) 1505 wurde er von Julius II.
nach Rom berufen und mit der Errichtung von dessen Grabdenkmal beauftragt.
Bis Ende 1505 war er in Carrara (Madonna von Br�gge) mit der Zurichtung des
Materials besch�ftigt und ging dann nach Rom. 1506 entstand ein Konflikt
mit dem Papst, und Michelangelo floh aus Rom auf Florentiner Gebiet. Lange
Bem�hungen Julius' vermochten ihn nicht zur R�ckkehr zu bewegen. Erst als
dieser 1506 Perugia und Bologna unterworfen hatte und sich in letzterer
Stadt aufhielt, erreichte eine erneuerte Aufforderung an die Regierung von
Florenz ihren Zweck. Michelangelo begab sich nach Bologna und s�hnte sich
mit dem Papste aus. 1507-08 schuf er dort die Erzstatue Julius' und ging
dann nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz nach Rom, in der Hoffnung,
jetzt das Juliusgrab ausf�hren zu k�nnen. Der Papst n�tigte ihn aber zur
Ausmalung der Sixtinadecke. (1508-12). Nach deren Vollendung durfte er sich
den Arbeiten am Grabmal wieder zuwenden, und Julius beauftragte seinen
Notar und den Kardinal Grossi, f�r die Ausf�hrung zu sorgen. 1513 wurde
Giovanni de Medici als Leo X. Papst. Noch im gleichen Jahr wurde durch
einen Vertrag das Grabmal sichergestellt. (Die zwei Gefangenen, der Moses.)
1516 musste Michelangelo sich eine Einschr�nkung des Planes gefallen
lassen; ein neuer Vertrag bestimmte das Jahr 1525 als letzten Termin und
gestattete ihm, auch in Florenz oder Carrara daran zu arbeiten. Aber schon
1516 sah sich der Meister trotz seines energischen Widerstands gen�tigt,
f�r Leo X. den Bau der Lorenzofassade in Florenz zu �bernehmen. Die Arbeit
kostete ihn vier Jahre und verlief ohne jedes Ergebnis, da besonders
endlose Verordnungen und Intriguen die Lieferung des Materials
verhinderten. 1520 wurde er von dem Auftrag befreit und widmete sich wieder
dem Grabmal, musste aber 1520/21 im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici
mit Vorarbeiten f�r die Mediceergr�ber beginnen. Das Schwanken des
Kardinals und Geldschwierigkeiten zogen die Ausf�hrungen hinaus. 1523 wurde
Giulio Papst (Clemens VII.) und nun gingen die Arbeiten besser voran,
obwohl Michelangelo sich fortw�hrend mit dem Gedanken an das unvollendete
Juliusgrab qu�lte. Der Papst beruhigte ihn etwas, und die Erben Julius' II.
wagten nicht mit Forderungen aufzutreten. 1525 machten sie ihre Anspr�che
doch wieder geltend und die Verhandlungen zogen sich durch die n�chsten
zwei Jahre hin. 1527 wurde Rom gepl�ndert; die Republikaner in Florenz
standen auf und richteten ihre Regierungsform ein. 1529 musste die Stadt
sich gegen Clemens und die Kaiserlichen r�sten, und Michelangelo wurde zum
Leiter der Befestigungsarbeiten ernannt. 1530 ergab sich die Stadt, und
Alexander de Medici wurde als Herzog eingesetzt. Michelangelo erhielt vom
Papst f�r seine Sicherheit Gew�hr und nahm die Arbeit an den
Mediceergr�bern wieder auf, aber stets verfolgt durch den Gedanken an das
Juliusgrab. Endlich, 1532, ging er auf Anraten des Papstes nach Rom, um die
Angelegenheit zu ordnen, und es kam ein Vertrag zustande, nach dem das
Denkmal in S. Pietro in Vincoli in sehr bescheidenen Verh�ltnissen
aufgestellt werden sollte. Michelangelo solle zugleich in Florenz arbeiten
d�rfen. Zur selben Zeit erhielt er den Auftrag zur Ausmalung der
Sixtinaw�nde und fertigte den Entwurf zum letzten Gericht. Als er 1534
Florenz verliess, geschah es f�r immer. Clemens starb; dadurch war ihm der
m�chtige Besch�tzer gegen Alessandro, der ihn hasste, genommen, und er
f�hlte sich in seiner Heimatstadt nicht mehr sicher. Die Mediceergr�ber
blieben unvollendet; der ihm befreundete Vasari sorgte f�r die Anordnung
der Teile, die fertig geworden waren. Auch jetzt sollte es noch nicht zur
Vollendung des Juliusdenkmals kommen. Paul III. n�tigte den Meister zur
Ausf�hrung des letzten Gerichts. 1535-41 arbeitete er daran. Erst 1545,
nach einem letzten Vertrag mit dem Erben Julius' II., konnte Michelangelo
das Werk zu Ende bringen. Unterdessen liefen von 1542-49 die Malereien in
der Capella Paolina, im Auftrag vom Papst Paul. Seine letzte grosse Arbeit
war die Leitung des Baues von St. Peter, die 17 Jahre, von 1547 bis zu
seinem Tode am 15. Februar 1564 in seinen H�nden lag.
* * * * *
ZU DEN GEDICHTEN.
Die �usseren Ereignisse in Michelangelos Leben hatten f�r sein Dichten
keine grosse Bedeutung. Gelegenheitsgedichte finden sich nur in sehr
geringer Zahl in seinem Canzoniere. Einige an Rom und Florenz, an den
Papst, einige an Freunde, Dank oder Entgegnungen -- und selbst von diesen
scheinen mehrere langgetragene Gedanken zu enthalten, die nur bei einem
bestimmten Anlass ihre Form fanden.
Ein tieferer Zusammenhang wird wohl zwischen seinen bildnerischen Werken
und seinen Dichtungen bestehen, und es w�rde Gegenstand einer besonderen
Untersuchung sein m�ssen, Parallelen in der Entwicklung von Gedanken und
Form auf den verschiedenen Gebieten seines k�nstlerischen Schaffens
aufzuzeigen.
Von grossem Einfluss f�r sein Dichten waren die Menschen, die er liebte:
Die Unbekannten, an die er die Liebesgedichte vor und nach der Colonnazeit
mit ihren wechselnden Stimmungen richtete, Febo di Poggio (vor 1534, als er
Florenz f�r immer verliess), Cecchin Bracci, und vor allem jene beiden, die
die sch�nsten seiner Gedichte werden liessen, Tommaso Cavalieri und
Vittoria Colonna.
Zwischen und in den so entstehenden grossen Gruppen liegen einzelne
Dichtungen von, man m�chte sagen, objektiverem Charakter, soweit hiervon
bei einem Michelangelo �berhaupt die Rede sein kann. So der Gesang der
Toten, die Epitaphien, die Stanzen auf Stadt und Land, die Sonette auf die
Nacht und jene zwei auf Dante, in denen er wie mit Autorit�t �ber seinen
grossen Landsmann spricht.
F�r sich steht die lang vorbereitete Gruppe der letzten Jahre. Diese
Gedichte sind zum grossen Teil an Christus gerichtet, und die Ideen der
Schuld, der Reue, des Ringens nach Erl�sung finden in ihnen oft
wundervollen Ausdruck.
Die meisten seiner Dichtungen entstanden, indem lange in ihm arbeitende
Gedanken sich endlich zur Formung durchrangen, oder es ihm unter dem
Eindruck von Pers�nlichkeiten oder Ereignissen gelang, sich, sein Streben
und Sehnen auszusprechen. Dann l�sten sie sich aus diesem Zusammenhang los
und wurden immer mehr Gegenstand rein k�nstlerischer, unerm�deter Arbeit.
Mit Freunden wurden sie durchgesprochen, beurteilt, Version auf Version
entstand, Zeile auf Zeile wurde variiert, bis der Dichter, befriedigt,
vielleicht das Gedicht mit seiner sch�nen, malenden Schrift noch einmal
abschrieb. Oder aber es wurde noch nach Jahren wieder hervorgeholt und
umgearbeitet. Andere blieben Fragment; entweder war die Stimmung ersch�pft,
oder der Dichter vermochte ihr keine volle Form zu schaffen, liess das
Begonnene liegen und versuchte es vielleicht in einem neuen Anlauf. --
Wenn nun hier die Gedichte unter bestimmte Adressen gesetzt sind, so will
damit nicht gesagt sein, dass Michelangelo sie alle ausdr�cklich an die
betreffende Pers�nlichkeit gerichtet habe, sondern dass sie unter ihrem
Einfluss entstanden und tats�chlich auch oft an sie gelangt seien. --
Wortschatz und Bilder nahm er aus der literarischen Sprache seiner Zeit.
Besonders Petrarca und Dante, den er wohl wie kein zweiter mit kongenialem
Geiste verstand, haben stark auf ihn gewirkt. Eben aus ihnen und durch den
Verkehr mit den Gelehrten am Hofe Lorenzos wurden ihm auch die Gedanken der
platonischen Philosophie vertraut. In ihnen fand er die Formeln f�r sein
eigenes Suchen nach dem Ewigg�ltigen, und sie sind so tief durch sein Wesen
gegangen, dass sie ganz als sein Eigentum gelten m�ssen. Vollends in jenen
Dichtungen, in denen er die Bilder aus "seiner" Kunst, der Plastik, nahm,
schuf er v�llig Neues. Und diese Bilder sind gerade da am h�ufigsten, wo er
in vollendetster Form sein Sehnen nach der Vollkommenheit ausspricht, in
den Gedichten an Vittoria. --
Der Gedankengang dieser Auswahl ist etwa dieser: einige Gedichte an
Florenz, den Papst; Gelegenheitsgedichte; leichtere Liebesgedichte; Dank
und Freundschaft; einige Dichtungen "objektiveren" Inhalts; tiefere,
pers�nlichere Liebesgedichte; Vittorias Tod; f�r Michelangelos
Kunstauffassung bedeutsame Gedanken; Suchen nach ewiger Sch�nheit
(Cavalieri); die Nacht, der Gesang der Toten; der Vollkommenheitsgedanke
(Vittoria); endlich die geistlichen Dichtungen, Schuld, Reue, Tod,
Erl�sung.
Den �bersetzungen liegt der Text von Guasti zugrunde; es wird deshalb in
den Anmerkungen auf ihn verwiesen (G. p. = Cesare Guasti, Le rime de
Michelangelo Buonarroti ... Firenze MDCCCLXIII, Seite ... ). Sonst h�tte
die neuere Ausgabe von G. Frey, Die Dichtungen des Michelagniolo
Buonarroti, Berlin 1897, angezogen werden m�ssen. Auf ihren sehr
umfangreichen kritischen Apparat st�tzen sich haupts�chlich die Anmerkungen
zu den Gedichten, ebenso die Zuweisung der Dichtungen an die betreffenden
Adressaten. --
In den �bersetzungen von Sophie Hasenclever wurden einige kleine �nderungen
da vorgenommen, wo das Original nicht sinngerecht wiedergegeben schien.
1. G. p. 303. -- Capitolo, Fragment, wahrscheinlich 1524-26, in Florenz.
Die Auffassung des Gedichtes schliesst sich an die H. Grimms an. In
jener Zeit arbeitete Michelangelo in Florenz an den Grabdenkm�lern der
Medici. Die Unbest�ndigkeit seines Auftraggebers, Clemens VII., der
seine Arbeiten durch andere Pl�ne unterbrach und auch �ber die
Ausf�hrung der Gr�ber �fter seine Ansichten wechselte, Zwistigkeiten
mit seiner Familie, Schw�tzereien der Florentiner, Verd�chtigungen und
Intriguen seiner Feinde brachten ihn in diese Stimmung, in der ihm die
Stadt wie eine grausame, spottlustige, launische Geliebte erschien.
(Vgl. Grimm, "Fiorenza", Pr. Jahrb. Bd. 47, p. 319ff.). -- Frey h�lt
das Capitolo f�r ein Liebesgedicht, eine von vier Versionen, die 1546
von Michelangelo zu einem Madrigal (G. p. 100) verarbeitet wurden.
2. G. p. 3. -- Epigramme, 1545. -- 1492 war Lorenzo il Magnifico
gestorben. Auf ihn folgte sein Sohn Piero II. 1494 zog Karl VIII. von
Frankreich �ber die Alpen, um seine Anspr�che auf Neapel geltend zu
machen. Nun hatte Piero mit Alfons II. von Neapel Beziehungen
angekn�pft und war so dem Angriff des Franzosen ausgesetzt, zumal auch
Lodovico il Moro Karl gegen Florenz hetzte. In der Gefahr verlor er
alle Fassung und lieferte schon in den ersten Verhandlungen die
Festungen des Landes aus. Die entr�steten Florentiner vertrieben ihn
bei seiner R�ckkehr aus der Stadt, die nun in die H�nde der Franzosen
fiel. Es folgte die Zeit Savonarolas, der 1498 gest�rzt wurde. Die 1495
eingerichtete republikanische Regierungsform musste wieder fallen, als
1512 Julius II. Giovanni und Giuliano de Medici, die Br�der Pieros II.,
in die Stadt zur�ckf�hrte. Giovanni wurde 1513 als Leo X. Papst; auf
ihn folgte Giuliano und dieser gab bald seine Herrschaft an Pieros Sohn
Lorenzo II. Nach ihm Giulio, der 1523 als Clemens VII. den p�pstlichen
Thron bestieg, die Herrschaft �ber Florenz aber mitbehielt. Als 1527
Rom durch die kaiserlichen Truppen erobert und gepl�ndert wurde,
machten in Florenz die Republikaner den Versuch, die fr�here
Regierungsform wieder herzustellen, aber das vereinigte Heer der
Kaiserlichen und des Papstes zwangen die Stadt nach zehnmonatlicher
Belagerung (Michelangelo war bei der Befestigung t�tig) zur �bergabe
(1530). Zur Herrschaft kam Lorenzos II. nat�rlicher Sohn Alexander, der
1537 durch seinen Vetter Lorenzino ermordet wurde. Nun gelangte Cosimo,
des ersten Cosimo Urenkel, zur Herzogsw�rde und wusste in geschickter
Weise seine Herrschaft endg�ltig zu befestigen. -- 1545, als f�r die
aus Florenz gefl�chteten Republikaner jede begr�ndete Hoffnung auf
Wiederherstellung der Republik geschwunden war, entstanden die
Epigramme. Michelangelo antwortet in Rom auf einen Vierzeiler des
Giovanni di Carlo Strozzi (1517-1570). Dieser lebte in Florenz
humanistischen Studien und war Mitglied der Akademie.
3. G. p. 25. -- Madrigal, 1545-46. -- Ein Zwiegespr�ch der verbannten
Florentiner mit ihrer Heimatstadt.
4. G. p. 156. -- Sonett, wohl 1511, gegen Ende der Arbeiten an der
Sixtinadecke (1508-12).
5. G. p. 158. -- Sonetto caudato oder ritornellato; das eigentliche Sonett
schliessen 1-2 Ritornelle, Kehrreime. Etwa 1508-11. -- Giovanni da
Pistoja, vielleicht, was Frey bezweifelt, Kanzler der Florentiner
Akademie. -- Das Gedicht spricht von den M�hen der Arbeit an der
Sixtinadecke.
6. G. p. 338. -- Stanzen, Fragment, etwa 1518-24. Ein Spottgedicht auf
eine Unbekannte in Florenz.
7. G. p. 68. -- Madr., 1535-46. An eine Unbekannte.
8. G. p. 58. -- Madr., 1534-46. Nach Frey ist es an Vittoria Colonna in
der ersten Zeit der Freundschaft gerichtet.
9. G. p. 97. -- Madr., 1546. An eine Unbekannte, die vielleicht mit der
Adressatin von No. 33 und 34 identisch ist.
10. G. p. 178. -- Son., 1507-08, in Bologna, an ein unbekanntes M�dchen der
Stadt.
11. G. p. 29. -- Madr., 1546. -- Luigi del Riccio war Gesch�ftstr�ger der
Strozzi in Florenz. Mit Michelangelo war er eng befreundet und leistete
ihm wichtige Dienste. Er verfolgte mit besonderem Interesse die
dichterische T�tigkeit des Meisters, mit feinem Verst�ndnis
beurteilend, besprechend. Er bem�hte sich auch um eine Herausgabe der
Gedichte und vereinigte deren 87 in der nach ihm benannten
Ricciosammlung. -- Auf ein unbekanntes Vorkommnis hin schrieb
Michelangelo das Gedicht in seiner ersten Fassung. Riccio erwiderte mit
folgendem Madrigal:
Es darf kein Liebesdienst
Des Freundes l�stig sein
Dem Freunde, denn ein alter, weltbekannter Satz
Verlangt, dass jedes Gut
Und jegliches Geschick
Ihnen gemeinsam sei. Ja Kerker, Tod
Sah man schon einen f�r den andern leiden,
Und Gut und Ehr' und Leben tauschen sie.
Drum kann ein Streit uns beide nicht entzweien,
Denn alles zu verzeihn, ist Freundschaft stets bereit.
Darauf arbeitete Michelangelo sein Madrigal zu einer zweiten, l�ngeren
Fassung um, die hier gegeben ist.
12. G. p. 167. -- Son., 1551. -- Giorgio Vasari lebte 1512-74 und bet�tigte
sich als Maler, Architekt und Schriftsteller. Er stand beim Herzog von
Florenz in grosser Gunst und hatte in Michelangelos sp�teren Jahren
zwischen diesem und dem Herzog zu vermitteln (vgl. Brief 26. und 30).
Mit dem Sonett dankt ihm der Meister f�r die Zusendung der "Vite degli
artisti".
13. G. p. 164. -- Son., 1555. Dank f�r Geschenke.
14. G. p. 325-328. -- Fragment einer Dichtung in Stanzen. Nach Frey w�rde
dieser Teil in die Jahre 1536-40 fallen, w�hrend die Stanzengruppe, in
denen der Dichter das Landleben preist und die �brigen Laster geisselt
(G. p. 317-24), aus seinen letzten Jahren (1556) stammen, also zwei
selbst�ndige Dichtungen vorliegen w�rden. -- Andere Deutungen f�r die
Gestalten der Dichtung: der Gigant der Stolz, das Weib die Grausamkeit,
oder Habsucht, oder der Geiz. Dazu Frey (a.a.O. 350): "All diese
Interpretationen sind individueller Art und unverbindlich. Es muss
gesagt werden, dass, so real Michelangelo diese Bilder ausgef�hrt hat,
so unbestimmt ist gleichwohl f�r uns ihre Bedeutung gelassen, wohl weil
auch dem Dichter w�hrend des Sch�pfungsprozesses immer neue Gedanken,
Vergleiche und Z�ge in den Sinn kamen, die die urspr�ngliche Richtung
ab�nderten. Gleichwohl lassen sich meiner �berzeugung nach doch
Michelangelos Intentionen ahnen und deuten, wenn man, was durchaus
n�tig ist, mit den Stanzen das Sonett gegen die Pistojesen (G. p. 160)
vereint. Dort die Pistojesen, die al ciel nemici, invidiosi, superbi;
S�hne Kains hiessen sie, weil sie im Bruderkampfe sich gegenseitig
totschlugen. Hier tr�gt das Weib das Kainszeichen; freut es sich und
w�chst del mal d'altrui, und die Pistojesen sind del danno loro amici.
Wie zur Zeit Dantes Neri und Bianchi in Pistoja sich zerfleischten, so
wieder zur Zeit der Revolution in Florenz. Und dann die Ermordung des
Herzogs Alessandro (1537). Die citt� intera, die der Gigant mit dem
Fusse deckt, w�re Pistoja, die montagne die dortigen Apenninen, die
vielfach den Parteien ricovero boten wie dem Weibe le gran rocche.
Besonders im Fr�hjahr 1537 waren die Wirren in Pistoja gross. ... Man
k�nnte annehmen, dass [Giovanni da Pistoja] ... ausf�hrlich von allen
diesen Ereignissen Michelangelo unterhalten habe, und Schmerz und Zorn
�ber das Geh�rte h�tten ihn zu Dichtungen veranlasst, die wohl niemals
abgesandt worden sind."
15. G. p. 5-21, No. 2, 3, 4, 7, 8, 12, 18, 20, 23, 31, 38, Epitaphien,
1544. -- Im Jahre 1544 starb in Rom Cecchino (Francesco) de Zanobi
Bracci im Alter von 15 Jahren. Er war Riccios Neffe und wurde von
diesem z�rtlich geliebt. Seit 1534 lebte er als verbannter Florentiner
in Rom, wegen seiner Sch�nheit allgemein bewundert. Sein Tod war f�r
Riccio ein herber Verlust. Die Freunde, unter ihnen auch Michelangelo,
bem�hten sich, ihn zu tr�sten, und zu diesen Versuchen z�hlen auch die
ersten dieser Vierzeiler. Die Abfassung der Gedichte war anfangs
lebendig mit der Erinnerung an Cecchino verkn�pft, l�ste sich aber bald
davon los, und das Grab des Freundes wurde zum Ort, an dem der Dichter
in stets neuen Beziehungen und knappster Fassung eigenartige Gedanken
�ber Leben und Tod aussprach. Riccio ermunterte den Freund durch Bitten
und Geschenke, durch Besprechung und Kritik zur Fortsetzung, und so
entstand im Laufe des Jahres 1544 eine Reihe von 48 vierzeiligen
Grabschriften. Kurze scherzhafte Bemerkungen unter den
Gedichtmanuskripten, die Michelangelo dem Freunde zusandte, zeigen, wie
sehr ihm dieser zusetzte. So zum Epitaph
12. "Wenn Ihr keine mehr wollt, so schickt mir nichts mehr."
16. (nicht in dieser Auswahl) "Ich wollte es Euch eigentlich nicht
schicken. Es ist ein gar zu plumpes Ding; aber die Forellen und
Tr�ffeln w�rden selbst den Himmel bezwingen. Ich empfehle mich
Euch."
20. "F�r die gesalzenen Schw�mme, wenn Ihr schon nichts weiter wollt!"
21. (n. i. d. A.) "Dies plumpe Ding, schon tausendmal aufgetischt, f�r
den Fenchel."
23. "Hier reden die Forellen, nicht ich; wenn Euch die Verse nicht
gefallen, dann mariniert sie das n�chste Mal nicht mehr ohne
Pfeffer."
33. (n. i. d. A.) "Unbeholfene Sachen! Der Brunnen ist ausgetrocknet;
man muss abwarten, bis es regnet. Ihr habt zu grosse Eile!"
36. (n. i. d. A.) "Tolle Sachen! Wenn man aber von mir verlangt, ich
soll sie zu Tausenden fabrizieren, so muss schon von jeder Sorte
darunter sein!"
16. G. p. 155. -- Son., 1545. Zugleich mit No. 59 entstanden.
17. G. p. 50. -- Madr., Fragm., 1504/5-11. Adressat und Anlass unbekannt.
18. G. p. 197. -- Son., Zeit, Adressat ist fraglich. Vielleicht 1534-38 in
Rom.
19. G. p. 81. -- Madr., Adressat unbekannt. Entstehungszeit etwa Beginn der
40er Jahre.
20. G. p. 173. -- Son., am Anfang der Freundschaft mit Vittoria Colonna
entstanden, also in den n�chsten Jahren nach 1536. -- Vittoria wurde
1490 im Kastell Marino am Abhang der Albanerberge geboren. 1509
verm�hlte sie sich mit Ferrante Francesco d'Avalos, dem Markgrafen von
Pescara. W�hrend ihr Gemahl ein unstetes Kriegsleben f�hrte, lebte
Vittoria meist auf Ischia und unterhielt mit den bedeutendsten Geistern
ihrer Zeit rege Beziehungen. Sie musste fr�h auf Muttergl�ck verzichten
und wandte sich ganz geistigen Interessen zu. In das Jahr 1512 f�llt
das erste ihrer erhaltenen Gedichte und bald entfaltete sie ein reiches
Schaffen, von ihrer Zeit als die bedeutendste Frau, "la diva Vittoria
Colonna", gefeiert. 1525 starb Francesco. Von nun an lebte sie immer
eingezogener, obwohl stets in Beziehung mit der politischen und
k�nstlerischen Welt, meist in Kl�stern, wie San Silvestro in Capite in
Rom, San Paolo in Orvieto, Santa Caterina in Viterbo (vgl. den vierten
ihrer Briefe an Michelangelo). Infolge der politischen Verh�ltnisse
�nderte sie ihren Aufenthalt oft. 1534 kam sie durch die Ber�hrung mit
Bernardino Ochino in die religi�sen Reformbewegungen des 4. und 5.
Jahrzehnts und spielte in ihnen eine nicht unwichtige Rolle. 1534-40
hielt sie sich viel in Rom im Kloster San Silvestro auf, und in die
fr�here Zeit dieser Periode f�llt wohl ihr erstes Zusammentreffen mit
Michelangelo, mit dem sie besonders in den Jahren 1538-40 regen Verkehr
unterhielt. Die n�chste Zeit brachte ihr schweres Leid. In den K�mpfen
mit Paul III., 1540-41, wurde die Macht der Colonna vernichtet. Sie zog
sich nach Viterbo zur�ck und blieb dort bis 1544. 1544-47 war sie
wieder in Rom, von k�rperlichen und seelischen Leiden heimgesucht, aber
fortw�hrend in regem Austausch mit den bedeutendsten Pers�nlichkeiten
und selbst literarisch t�tig. Die tiefsten ihrer religi�sen Dichtungen
fallen in diese Zeit. 1547 starb sie im Kloster Sant' Anna de Funari,
das ihr letzter Aufenthaltsort gewesen war.
21. G. p. 46. -- Madr., vielleicht um 1540/41.
22. G. p. 169. -- Son. Es liegt in 6 Versionen vor. Diese ist die zweite
und wurde 1546 abgefasst. Die erste Fassung, die mit dem Brief 16. an
Vittoria abgesandt wurde, f�llt in die Jahre 1538-41 oder 1544-46. --
Vittoria hatte dem Dichter �fter "Dinge" (cose), vielleicht eigene
Dichtungen, angeboten, und er hatte sich lange geweigert, sie
anzunehmen, bevor er ihr nicht ein w�rdiges Gegengeschenk bieten k�nne.
23. G. p. 80. -- Madr., 1534-46.
24. G. p. 199. -- Son., in 8 Versionen �berliefert; die hier �bersetzte ist
die Schlussfassung, 1542-46. Die Ausarbeitung der fr�heren liegt wohl
um 10-20 Jahre zur�ck. Letztere sind an eine Frau, die gegebene Fassung
ist an einen Mann (signor) gerichtet. (Die �bersetzung sagt allerdings
"holde Fraue".) Gemeint ist Tommaso Cavalieri. �ber ihn siehe zu No.
38.
25. G. p. 183. -- Son., 1529-30 in Florenz, an eine Unbekannte.
26. G. p. 74. -- Madr., etwa 1544-46. Nach Frey an Vittoria, in den letzten
Jahren ihres Lebens.
27. G. p. 38. -- Madr., Anfang der 40er Jahre.
28.-31. G. p. 227, 229, 31, 226. -- Sonette, No. 30 Madr., s�mtlich 1547
entstanden, No. 28 als letzte von drei Versionen.
32. G. p. 212. -- Son., nicht lange nach Vittorias Tod (1547), als letzte
von vier Versionen.
33. G. p. 34. -- Madr., 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9.
34. G. p. 35. -- Madr., wohl 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9.
35. G. p. 253. -- Son., Entstehungszeit und Adressat unbekannt.
36. G. p. 175. -- Son., 1546 als letzte von drei Versionen. Die fr�heren
fallen wohl in die Jahre 1538-42.
37. G. p. 36. -- Madr., etwa 1542-44.
38. G. p. 216. -- Son., vor 1534. -- Anfang der 30er Jahre begann
Michelangelos Freundschaft mit Tommaso Cavalieri, einem jungen R�mer,
um bis zu seinem Tode, durch 32 Jahre, zu dauern. Was sie f�r den
unabl�ssig nach der Sch�nheit und dem sittlich Hohen ringenden Meister
bedeutete, wie lauter er diese Beziehungen auffasste, zeigen besonders
die Dichtungen der 40er Jahre.
39. G. p. 188. -- Son., 1533/34.
40. G. p. 190. -- 1532-33.
41. G. p. 92. -- Madr., vielleicht 1524 in Florenz, an eine unbekannte
Adresse.
42. G. p. 224. -- Son., 1546, als Schlussfassung verschiedener, bis in die
zweite H�lfte der 30er Jahre zur�ckgehender Versuche.
43. G. p. 208. -- Son., Florenz 1533.
44. G. p. 250. -- Son., in seiner sp�teren Lebenszeit.
45. G. p. 176. -- Son., nicht lange nach 1534.
46. G. p. 223. -- Son., in dieser Fassung 1546.
47. G. p. 218. -- Es liegen 7 Versionen und viele Varianten einzelner Verse
vor. Die fr�heren Fassungen (1.-4.) fallen in die Jahre 1536-42, die
hier gegebene f�nfte 1546.
48. G. p. 337. -- Stanze, vielleicht 1536-38, an einen unbekannten
Adressaten oder aber an Tommaso Cavalieri.
49.-52. G. p. 202, 203, 205, 204. -- Sonette, aus der Periode, w�hrend der
Michelangelo am J�ngsten Gericht arbeitete, 1533-41. -- Der Anordnung
innerhalb der Gruppe folgt Frey a.a.O. 367: "Das erste g�be das Thema
an, das die �brigen weiter entwickelten, wobei die teilweise noch
allgemeinen und unbestimmten Anschauungen zuletzt eine Steigerung und
konkreteren Inhalt erhalten h�tten."
53. G. p. 350. -- Canzonenfragment. Frey l�sst Spielraum vom 2. Jahrzehnt
bis ins Alter des Dichters.
54. G. p. 32. -- Madr., 1541-44, w�hrend Vittoria zur�ckgezogen in Viterbo
lebte.
55. G. p. 83. -- Madr., 1534-46.
56. G. p. 214. -- Son., nach 1534, in der sp�teren Zeit von Michelangelos
Freundschaft mit Cavalieri.
57. G. p. 33. -- Madr., wohl 1534-42; vielleicht an Vittoria.
58. G. p. 186. -- Son., Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre.
59. G. p. 153. -- Son., 1545 als zweite von 5 Versionen. -- Vgl. No. 16. --
Zur Entstehung des Gedichtes vgl. Frey, a.a.O. 425; Michelangelo
besch�ftigte sich damals, nach Vollendung des J�ngsten Gerichts,
besonders intensiv mit Dante.
60. G. p. 27. -- Madr., etwa 1544-46, nach einer wohl in den 30er Jahren
entstandenen Urversion.
61. G. p. 177. -- Son., vor 1546; W. Robert-tornow (Die Gedichte des
Michelangelo Buonarroti, Berlin 1896) fasst das Gedicht als an Christus
gerichtet auf (p. 391). Freys Ansicht, der es den Cavalieri-Dichtungen
zuordnet, scheint wahrscheinlicher.
62. G. p. 37. -- Madr., 1536-47.
63. G. p. 30. -- Madr., vielleicht 1538-41 oder 1545/6.
64. G. p. 94. -- Madr., vielleicht 1544/45.
65. G. p. 172. -- Son., die letzte von 5 Versionen, 1550. (Die fr�heren
1544/45 --.)
66. G. p. 261. -- Son., Fragm., etwa 1560.
67. G. p. 141. -- Madr., 1546.
68. G. p. 128. -- Madr., nach 1547.
69. G. p. 274. -- Son., Fragm., 1552-54.
70. G. p. 259. -- Son., Fragm., nach 1525; ebenso wie No. 71 aus
vor�bergehenden Stimmungen entstanden, Vorl�ufer der nach 50 h�ufig
auftretenden Gem�tsverfassungen des Dichters.
71. G. p. 123. -- Madr, die erste Fassung etwa 1536-42, die vorliegende
1545/46.
72. G. p. 230. -- Son., Frey, a.a.O. 486: "Vielleicht Michelangelos
sch�nstes Gedicht, nicht nur der letzten Epoche, sondern seines
Canzoniere �berhaupt."
73. G. p. 279. -- Son., Fragm., 1554.
74. G. p. 232. -- Son., 1554/55.
75. G. p. 238. -- Son., 1555.
76. G. p. 244. -- Son., 1550-54.
77. G. p. 240. -- Son., 1547-50.
78. G. p. 245. -- Son., 1555.
79. G. p. 246. -- Son., 1555.
80. G. p. 241. -- Son., 1555 oder sp�ter.
* * * * *
ZU DEN BRIEFEN MICHELANGELOS.
Der italienische Text nach Gaetano Milanesi, Le lettere di Michelangelo
Buonarroti, Firenze MDCCCLXXV (Mil. l. = Milanesi, lettera No. ...).
Ebendaher stammt die Datierung der Briefe, die nicht von Michelangelo
selbst herr�hrt. Leider konnte den �bersetzungen und Anmerkungen die in
Aussicht stehende kritische Gesamtausgabe der Briefe von C. Frey nicht mehr
zugrunde gelegt werden.
1. Mil. l. CCCXLIII. -- Giuliano da San Gallo 1443 (45) bis 1516 (17), aus
Florenz, war Bildhauer und vor allem Architekt. Er baute in Rom f�r
Lorenzo den Pr�chtigen, wurde sp�ter nach Neapel gerufen und arbeitete
2 Jahre f�r den Bischof von Ostia, den nachmaligen Papst Julius II.
Unter Julius veranlasste er den Bau einer besonderen Grabkirche f�r das
Denkmal, mit dessen Ausf�hrung Michelangelo betraut war, unterlag er
aber mit seinem Entwurf gegen Bramante und verliess Rom. Nach kurzer
Zeit ernannte ihn der Papst zum Ingenieur, dann zum Architekten am Bau
der neuen Peterskirche. -- Durch seine Vermittlung war Michelangelo
1505 nach Rom gekommen. �ber dessen Flucht folgendes: 1505 hatte er vom
Papste den Auftrag erhalten, ihm ein Grabmonument zu errichten und war
noch im April desselben Jahres nach Carrara gegangen. Dort leitete er
bis zum Januar 1506 die Zurichtung der Bl�cke und erwartete dann in Rom
deren Ankunft. Unterdessen hatte aber Julius den Plan des Grabdenkmals
fallen lassen und sich dem Neubau der Peterskirche zugewandt, f�r die,
wie oben gesagt, Bramantes Pl�ne gesiegt hatten. Als Michelangelo an
der ver�nderten Sachlage nicht mehr zweifeln konnte, floh er in seiner
Entt�uschung nach Florenz. Der Papst bem�hte sich, ihn zur R�ckkehr zu
bewegen, und veranlasste viele Freunde und G�nner des Meisters, ihm
brieflich oder m�ndlich zuzureden. Auf einen solchen Vermittlungsbrief
antwortet das vorliegende Schreiben.
2. Mil. l. CXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 3. -- Der alte Buonarroti hatte
Michelangelo geschrieben, das Betragen seiner S�hne, besonders
Giovansimones, mache ihm viel Kummer. In seiner Antwort (Mil. l. VII)
verspricht ihm Michelangelo, diesem einen Brief zu schreiben "auf meine
Art" -- eben den vorliegenden.
3. Mil. l. X. -- Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni (1444-1534)
trieb keinerlei Gewerbe, sondern lebte von dem geringen Ertrag seiner
wenigen G�ter und dem Gehalt einer Zollschreiberstelle. Michelangelo
sorgte bis an sein Lebensende in aufopfernder Weise f�r seine Familie.
Von seinen Br�dern werden in den Briefen genannt: Buonarroto, von dem
das bis in unsere Zeit lebende Geschlecht der Buonarroti abstammt,
1477-1528, Giovan Simone 1479-1548, Gismondo 1481-1555. -- Mona
Cassandra, Lodovicos Schw�gerin, hatte mit diesem nach dem Tode ihres
Gatten einen Streit wegen ihrer Mitgift. -- Michelangelo malte damals
in der Sixtina.
4. Mil. l. LXXX. -- Lorenzo Strozzi besass in Florenz eine Wollwirkerei,
in der Buonarroto besch�ftigt war.
5. Mil. l. XXII. -- Michelangelo pflegte sein Geld der Spitalverwaltung
von Santa Maria Nuova in Florenz anzuvertrauen. Der Spitalverwalter
wird auch noch in sp�teren Briefen �fter erw�hnt.
6. Mil. l. XXXVI. -- Vgl. Anm. zu Ged. No. 2. Als Julius II. mit
kaiserlichen Truppen Giuliano de Medici nach Florenz zur�ckf�hrte,
wurde in den Tagen vom 29. August bis 19. September die Stadt Prato
besetzt und in furchtbarer Weise gepl�ndert.
7. Mil. l. XCII. -- Im fortgelassenen ersten Teil des Briefes gibt
Michelangelo seinem Bruder den Auftrag, eine gewisse Summe im Namen von
Michele di Piero da Settignano, eines seiner Steinmetzen, in Florenz
auszuzahlen. -- Die Arbeiten, �ber die er klagt, sind die f�r das
Juliusdenkmal.
8. Mil. l. XXXIX. -- Michelangelo erhielt von den Erben Julius II. 1516
die Erlaubnis, nach Belieben in Rom, Florenz oder Carrara an dem
Denkmal zu arbeiten. Tats�chlich ging er 1516 nach Carrara, um Material
zu beschaffen, und war auch einige Zeit in Florenz. Von hier aus
schrieb er an seinen Vater, der sich in Settignano, einem kleinen Ort
nahe bei Florenz, aufhielt, den Brief. Siehe auch Br. 9.
9. Mil. l. CXII.
10. Mil. l. CCCLXXXI. -- 1520 wurde Michelangelo vom Kardinal Giulio de
Medici beauftragt, f�r die Mediceer in Florenz ein Familiengrab zu
bauen. 1521 erhielt er eine Anzahlung und schloss mit einigen
Steinmetzgewerkschaften in Carrara Vertr�ge auf Lieferung grosser
Marmormengen. Bald machte ihm aber der unbest�ndige Kardinal, der zudem
durch die politischen Wirren (die K�mpfe Karls V. mit Franz I.) in
Geldn�te geraten war, Schwierigkeiten. Er erkl�rte sich nicht bestimmt
�ber die Art der Ausf�hrung und z�gerte mit den Zahlungen. Die Arbeiten
ruhten, his Giulio 1523 als Clemens VII. den p�pstlichen Thron bestieg.
1524 begann der Bau der Kapelle (nuova sagrestia di San Lorenzo) und
war bald zu Ende gef�hrt. �ber die letzten Arbeiten, Laterne und
Goldkugel, berichtet der Brief. Der Papst, der wohl wissen musste, dass
es Michelangelos Charakter unm�glich war, die Leitung einer Arbeit mit
einem anderen zu teilen, versprach doch Andrea Sansovino die Teilnahme
an dem Werke. Im vorliegenden Brief verwahrt sich Michelangelo dagegen.
-- �ber seine Stimmung w�hrend dieser Arbeiten vgl. Ged. No. 1 und Br.
No. 11.
11. Mil. l. CCCXCVII. -- Sebastiano del Piombo (1485-1547) geh�rte in Rom
zur Partei Michelangelos gegen Raffael. -- In dem am Schluss des
Briefes erw�hnten Portr�t vermutet Milanesi das wahrscheinlich
verlorene Bildnis des Francesco degli Albizzi, das Sebastiano in jener
Zeit vollendet und nach Florenz gesandt hatte.
12. Mil. l. CXXIX. -- Der 1532 mit den Erben Julius II. abgeschlossene
Vertrag bestimmte, dass Michelangelo Zeit und Arbeit zwischen Rom und
Florenz teilen d�rfe. -- Mona Margherita war eine nahe Verwandte. --
Ser Giovan Francesco Fattucci war Kaplan von Santa Maria del Fiore in
Florenz und mit Michelangelo sehr eng befreundet.
13. Mil. l. CDXXIII. -- Der "Abgott", der wohl auch das Feuer entz�ndet
hat, das Michelangelo verzehrt, ist Cecchin Bracci. -- Der Dichter
schickt seinem Freunde ein bereits umgearbeitetes Madrigal und spricht
von einer Zusammenkunft am Sonntag. Bei solchen Gelegenheiten wurden
die Gedichte durchgesprochen und gemeinsam ausgefeilt.
14. Mil. l. CDXXXIX. -- Monsignor di Todi, Federigo Cesi, sp�ter Kardinal
von San Pancrazio. -- Urbino, eigentlich Francesco di Bernardino degli
Amatori, war Michelangelos Diener, Farbenreiber, Gehilfe, Sch�ler und
auch Freund. Vgl. Br. 27.
15. Mil. l. CDXLVII. -- Der Brief begleitete eines der Epitaphien auf
Cecchinos Tod (G. No. 8: das 5. der unter No. 15 der Auswahl
zusammengestellten.). -- Riccio hatte wohl am vorhergehenden Tage eine
Ansicht ausgesprochen, die Brief und Gedicht widerlegen.
16. Mil. l. CDLIV. -- Die Datierung von Brief 16 und 17 ist die von
Milanesi getroffene. Nach Frey besteht f�r sie ebenso wie f�r die von
Ged. No. 22, das mit Br. 16 abgeschickt wurde, der Spielraum von
1538-41 oder 1544-46. (41-44 war Vittoria in Viterbo.) -- Vgl. Anm. zu
Ged. No. 22.
17. Mil. l. CDLV. -- Vgl. die Briefe Vittorias No. 1 und 2; der vorliegende
Brief f�llt wohl zwischen sie. -- Die letzten Zeilen deuten vielleicht
auf eine Absicht Michelangelos, die Zeichnung -- den Cruzifixus -- als
Gem�lde auszuf�hren. "Mein Plan ist misslungen" �bersetzt: "� stato
guasto il mio disegno" und w�rde auf eine Vereitelung dieser "Absicht"
anspielen, "disegno" kann auch mit "Zeichnung" �bersetzt werden. "Meine
Zeichnung ist misslungen." Der Sinn w�re wohl derselbe.
18. Mil. l. CLXII. -- Lionardo di Buonarroto Simoni, also ein Sohn von
Buonarroto, dem Bruder Michelangelos. An ihn ist ein grosser Teil der
Briefe gerichtet, etwa 200 von fast 500. -- Michelangelo hatte in einem
Briefe an Lionardo vom 16. Januar 1546 von einer Besitzung des
Francesco Corboli gesprochen, der falliert hatte und zu verkaufen
w�nschte. Er hatte sich bereit erkl�rt, eine gr�ssere Summe in einem
derartigen Wertobjekt anzulegen, und seinen Neffen beauftragt,
Erkundigungen einzuziehen. Seiner Familie in Florenz war daran gelegen,
sich die Summe zu sichern, und so war die Antwort sehr rasch gekommen
-- zu rasch f�r den etwas misstrauischen Meister. -- Der Trebbianer,
ein s�sser oberitalienischer Wein, war sein Lieblingsgetr�nk.
19. Mil. l. CDLIX. -- Franz I. von Frankreich schrieb im Februar 1546 den
hier erw�hnten Brief. Michelangelo wurde durch den bald danach
erfolgten Tod des K�nigs (1547) von seinem Versprechen entbunden. -- Zu
jener Zeit arbeitete er an den Fresken der Capella Paolina in Rom
(1542-49) im Auftrag von Paul III.
20. Mil. l. CLXXXVII.
21. Mil. l. CXCI.
22. Mil. l. CDLXII. -- Benedetto Varchi (1502-65), Historiker und Dichter,
geh�rte zu den durch die Medici Vertriebenen. Durch Cosimo I. wurde er
zur�ckgerufen und schrieb in dessen Auftrag seine Geschichte von
Florenz. Das hier genannte Buch, eine seiner vielen kleinen Schriften,
behandelt die damals vieler�rterte Frage, ob die Malerei oder die
Skulptur den Vorrang verdiene. (Due lezioni di Messer Benedetto
Varchi ... Firenze appr. Lorenzo Torrentino ... MDXLIX.) --
Michelangelo war damals 74 Jahre alt.
23. Mil. l. CCX. -- Die Frage der Heirat Lionardos und der Wahl einer
geeigneten Gattin wird im Briefwechsel seit Anfang 1547 er�rtert.
Dieser Brief ist typisch f�r die Stellung des Meisters zur Frage. Erst
im Fr�hjahr 1553 (vgl. Br. 24) kam die Angelegenheit zum Abschluss, als
Lionardo Cassandra di Donato Ridolfi heimf�hrte.
24. Mil. l. CCLXIII.
25. Mil. l. CDLXXII. -- Durch Vasari hatte Michelangelo die Nachricht von
der Geburt seines Grossneffen Buonarroto di Lionardo Simoni erhalten.
26. Mil. l. CDLXXV. -- 1547 wurde Michelangelo, halb gegen seinen Willen,
als Nachfolger von Antonio da Sangallo zum Architekten von Sankt Peter
ernannt und widmete sich dieser Aufgabe bis an sein Lebensende. In
diesem und anderen Briefen wehrt er sich gegen die Bem�hungen Cosimos,
ihn nach Florenz zu ziehen. Er hatte die Arbeit als eine ihm von Gott
auferlegte heilige Pflicht auffassen gelernt und f�hrt dies als einen
Hauptgrund f�r sein Bleiben oft an.
27. Mil. l. CDLXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 14. -- Der am Schluss Genannte
ist Benvenuto Cellini.
28. Mil. I. CCXC. -- Francesca war Michelangelos Nichte.
29. Mil. l. CDLXXIX. -- Cosimo Bartoli, Difesa della lingua fiorentina e di
Dante ... 1566. -- 1556 unternahm Michelangelo eine Wallfahrt nach
Loreto, wurde aber in Spoleto, wo er sich einige Zeit aufhielt, durch
eine p�pstliche Botschaft zur�ckgerufen.
30. Mil. l. CCCIV.
31. Mil. l. CCCXIV. -- Der Kardinal Rodolfo Pio da Carpi.
32. Mil. l. CCCXX.
33. Mil. l. CCCXL.
34. Mil. l. CCCXLI.
* * * * *
ZU DEN BRIEFEN VITTORIAS AN MICHELANGELO.
Der italienische Text bei Frey, a.a.O. in den Regesten p. 533 ff., ebendort
die Datierung.
1. Von der Zeichnung, die der Brief nennt, sagt Ascanio Condivi, Vita,
Cap. LXIII: "Ihr zu Liebe zeichnete er Jesum Christum am Kreuze, aber
nicht mit dem Aussehen eines Toten, wie er gew�hnlich dargestellt wird,
sondern mit einer g�ttlichen Geb�rde, das Antlitz zum Vater erhoben,
als ob er die Worte spr�che "Eli, Eli". Sein K�rper sinkt nicht tot und
schlaff herab, sondern kr�mmt sich lebendig in bitterer Qual."
2. Von einer Ausf�hrung der Zeichnung in Farben ist nichts bekannt. Vgl.
Br. 17.
3. Condivi, Cap. LXIII: Auf die Bitte dieser Dame zeichnete er einen
nackten Christus, der vom Kreuz genommen ist. Wenn nicht zwei Engelchen
mit ihren Armen den Leichnam hielten, w�rde er schlaff zu den F�ssen
seiner heiligsten Mutter niedersinken. Sie aber sitzt unter dem Kreuze
mit tr�nen�berstr�mtem, schmerzbewegtem Antlitz, hebt mit
ausgebreiteten Armen beide H�nde zum Himmel und spricht diese Worte,
die auch auf dem Stamm des Kreuzes geschrieben stehen: "Und niemand
w�gt den Preis, die Str�me Blutes". (Dante Par. 29, 91.)
4. W�hrend Vittoria sich im Katharinenkloster zu Viterbo aufhielt,
arbeitete Michelangelo in der Paolina. -- Die "Samaritanerin" ist eine
Zeichnung des Meisters: Christus in der Unterredung mit der
samaritanischen Frau am Brunnen.
5. Der Brief hat vielleicht eine der vielen Gedichtsendungen Vittorias an
den Freund begleitet.
* * * * *
INHALTSVERZEICHNIS.
Die erste Zeile des italienischen Textes (nach Guasti) ist zur leichteren
Vergleichung mit anderen Ausgaben angegeben.
Seite
Vorbemerkung, Verzeichnis der benutzten �bersetzungen V-VIII
Condivi, Leben Michelangelos, Kap. 62-68 1-6
Dichtungen 7-92
1. An Florenz 9
Te sola del mie mal contenta veggio
2. Auf die "Nacht" 11
La notte, che tu vedi in s� dolci atti
3. Florenz und die Verbannten 12
Per molti, donna, anzi per mille amanti
4. An Julius II 13
Signor, se vero � alcun proverbio antico
5. An Giovanni di Pistoja 14
I'ho gi� fatto un gozzo in questo stento
6. An eine H�ssliche 15
Tu ha' 'l viso pi� dolce che la sapa;
7. Questa mia donna � s� pronta ed ardita 16
8. Con pi� certa salute 17
9. Quanto pi� par che il mio mal maggior senta 18
10. Quanto si gode, lieta e ben contesta 19
11. An Luigi del Riccio 20
Perch� � troppo molesta
12. An Giorgio Vasari 21
Se con lo stile o coi colori avete
13. An denselben 22
Al zucchero, alla mula, alle candele
14. Aus den Stanzen zum Lob des Landlebens 23
Un gigante v' � ancor, d'altezza tanta
15. Epitaphien 25
Deh serbi, s' � di me pietate alcuna
Perch� ne' volti offesi non entrasti
Non volse morte non ancider senza
Qui son sepulto, e poco innanzi nato
Non pu� per morte gi� chi qui mi serra
Qui son morto creduto; e per conforto
Se fussin, perch' i' viva un' altra volta
S' i' fu' gi� vivo, tu sol, pietra, il sai
De' Bracci naqqui; e dopo 'l primo pianto
Se, vivo al mondo, d'alcun vita fui,
Col sol de' Bracci il sol della natura
16. Dante 28
Quanto dirne si de', non si pu� dire
17. Come pu� esser ch' io non sia pi� mio? 29
18. Rendete a gli occhi miei, o fonte o fiume 30
19. Se l'alma � ver, dal suo corpo disciolta 31
20. An Vittoria Colonna 32
Non ha l'ottimo artista alcun concetto
21. An dieselbe 33
A l'alta tuo lucente diadema
22. An dieselbe 34
Per esser manco almen, Signiora, indegnio
23. An dieselbe 35
Non posso non mancar d'ingegno e d'arte
24. Non so se s' � la desiata luce 36
25. Dimmi di grazia, amor, se gli occhi miei 37
26. Occhi mie' siete certi 38
27. An Vittoria Colonna 39
Se d'una pietra viva
28. Auf Vittoria Colonnas Tod 40
Quand' el ministro de' sospir me' tanti
29. Aus demselben Anlass 41
Qual maraviglia � se prossimo al foco
30. Aus demselben Anlass 42
Per non s' avere a ripigliar da tanti
31. Aus demselben Anlass 43
Se 'l mie rozzo martello i duri sassi
32. Nach Vittoria Colonnas Tod 44
Tornami al tempo allor che lenta e sciolta
33. Se dal cor lieto divien bello il volto 45
34. S'egli � che 'n dura pietra alcun somigli 46
35. Molto diletta al gusto intero e sano 47
36. An Vittoria Colonna 48
Com' esser, donna, pu� quel ch'alcun vede
37. An dieselbe 49
Negli anni molti e nelle molte pruove
38. An Tommaso Cavalieri 50
Veggio nel tuo bel viso, signior mio
39. An denselben 51
Veggio co' bei vostri occhi un dolce lume
40. An denselben 52
S'un casto amor, s'una piet� superna
41. Di te me veggo e di lontan mi chiamo 53
42. An Tommaso Cavalieri 54
Ben pu� talor col mio ardente desio
43. An denselben 55
Se 'l foco alla bellezza fusse equale
44. La forza d'un bel viso a che mi sprona? 56
45. An Tommaso Cavalieri 57
Al cor di zolfo, alla carne di stoppa
46. Non pi� che 'l foco il fabbro il ferro istende 58
47. An Tommaso Cavalieri 59
Per ritornar l� donde venne fora
48. Indarno spera, come il vulgo dice 60
49. Die Nacht 61
Colui che fece e non di cosa alcuna
50. Die Nacht 62
Ogni van chiuso, ogni coperto loco
51. An die Nacht 63
O nott', o dolce tempo bench� nero
52. Die Nacht 64
Perch� Febo non torc' e non distende
53. Gesang der Toten 65
Chiunche nascie a morte arriva
54. An Vittoria Colonna 66
Per fido esemplo alla mia vocazione
55. An dieselbe 67
Come non puoi non esser cosa bella
56. An Tommaso Cavalieri 68
Non vider gli occhi miei cosa mortale
57. Gli occhi miei vaghi delle cose belle 69
58. An Vittoria Colonna 70
La vita del mie amor non � 'l cor mio
59. Dante 71
Dal ciel discese, e col mortal suo, poi
60. Non sempre al mondo � s� pregiato e caro 72
61. Io mi son caro assai pi� ch' io non soglio 73
62. An Vittoria Colonna 74
S� come per levar, donna, si pone
63. An dieselbe 75
Ora in sul destro, ora in sul manco piede
64. An dieselbe 76
Un uomo in una donna, anzi un dio
65. An dieselbe 77
Da che concetto ha l'arte intera e diva
66. Di pi� cose s' attristan ghi occhi miei 78
67. Non altrimenti contro a s� cammina 79
68. Or d'un fler diaccio or d'un ardente foco 80
69. Non pu�, signor mio car, la fresca e verde 81
70. Vivo al peccato, a me morendo vivo 82
71. Condotto da molt' anni all' ultim' ore 83
72. Giunto � gi� 'l corso della vita mia 84
73. Gl' infiniti pensier miei, d'error pieni 85
74. Le favole del mondo m'hanno tolto 86
75. Carico d'anni e di peccati pieno 87
76. Vorrei voler, Signior, quel ch' io non voglio 88
77. Deh fammiti vedere in ogni loco 89
78. Non fur men lieti che turbati e tristi 90
79. Mentre m'attrista e duol, parte m'� caro 91
80. Scarco d'un' importuna e grave salma 92
Briefe Michelangelos 93-131
An Benedetto Varchi 120
An Buonarroto 101, 104, 109
An Clemens VII. 110
An Franz I. von Frankreich 118
An Giorgio Vasari 124, 125, 125, 127
An Giovanni Simone 97, 112
An Giuliano da Sangallo 95
An Lionardo 116, 119, 120, 122, 123, 126, 128, 128, 129, 130, 131
An Lodovico 100, 102, 103, 107
An Luigi del Riccio 113, 114, 114
An Sebastiano del Piombo 111
An Vittoria Colonna 115, 116
Briefe Vittorias an Michelangelo 135-138
Anmerkungen zu den Gedichten 141-157
Anmerkungen zu den Briefen 157-164
Inhaltsverzeichnis 165-169
DAS MUSEUM
Eine Sammlung klassischer Denkm�ler
der Literatur und Kultur.
I. Schillers Flucht von Andreas Streicher. 2. Auflage. Elegant gebunden
2 Mk.
II. Russlands soziale Zust�nde von Alexander Herzen. Aus dem Russischen
von Malvida von Meysenbug. Elegant gebunden 2 Mk.
III. Das Liederbuch "Annette" (mit einer Heliograv�re von K�thchen
Sch�nkopf) von Goethe. Elegant gebunden 1.50 Mk.
IV. Das Athen�um. Eine romantische Zeitschrift von August Wilhelm und
Friedrich Schlegel. Elegant gebunden 4 Mk.
V. Napoleon-Briefe. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4 Mk., elegant
gebunden 4.50 Mk.
VI. Napoleon von Hippolyte Taine. Karton. 2 Mk., elegant gebunden 2.50
Mk.
VII. Napoleons Reden und Gespr�che. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4
Mk., elegant gebunden 4.50 Mk.
VIII. Michelangelo, Gedichte und Briefe. Karton. 3 Mk., elegant gebunden
3.50 Mk.
Jeder Band ist einzeln k�uflich.
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Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.
MODERNE GEISTER
Essays zur Kunst und Literatur.
Herausgeber: Dr. Hans Landsberg.
1. Ein Jahrhundert deutscher Malerei (1800-1900) von Rudolf Klein. 128
Seiten mit 4 Vollbildern. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
2/3. Brahms von Dr. Walter Pauli. 1.50 Mk. gebunden 2 Mk.
4. Paul Heyse von Viktor Klemperer. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
5. Gerhart Hauptmann von Dr. Hans Landsberg. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
6. Bernard Shaw von Eduard Bernstein. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk.
Weitere Essays �ber Strindberg, Frenssen u.a. in Vorbereitung.
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PAN-BIBLIOTHEK
I. Das Venusg�rtlein. Ein Liederbuch aus der galanten Zeit. Herausg. von
Dr. Hans Landsberg. 2 Mk., elegant gebunden 3 Mk.
II/III. Heine-Briefe. Gesammelt und herausg. von Dr. Hans Daffis. 2 Bde. 6
Mk., elegant gebunden 8 Mk.
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Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.
Herros� & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg
FUSSNOTE
[1] An dieser Stelle sei den Herren Alphons D�rr, die den Wiederabdruck der
�bertragungen von Sophie Hasenclever gestatteten, der Spemannschen
Verlagshandlung und Herrn Prof. Reinhold Steig (Hermann Grimms
�bertragungen), der Schlesischen Verlagsanstalt (Bodenstedt) der
verbindlichste Dank ausgesprochen.