Library / Philosophy / Charles Fourier
Charles Fourier
Sein Leben und seine Theorien.
Von
A. Bebel.
Stuttgart
Verlag von J. H. W. Diek
1890
Vorrede.
Das achtzehnte Jahrhundert z�hlt in der Geschichte der Entwicklung
der Menschheit zu jenen Perioden, auf denen der Blick des
Kulturforschers und Fortschrittsfreundes mit besonderem Interesse
ruht. Nach den religi�sen, politischen und sozialen K�mpfen des
Reformationszeitalters war, wie das stets nach gro�en Volks- und
Massenbewegungen zu geschehen pflegt, eine Art Stillstand und
R�ckschlag f�r die Fortentwicklung eingetreten. Die durch die
Reformationsbewegungen zur Geltung gekommenen St�nde und Interessen
suchten sich zu konsolidiren und die daraus hervorgehenden
Reibungen f�hrten wieder zu gewaltsamen K�mpfen und Ersch�tterungen
von mehr oder weniger langer Dauer, die alle �brigen Interessen
absorbirten, den materiellen wie den geistigen Fortschritt der
Massen f�r lange Zeit hemmten.
In Deutschland hatte die Reformation dem Landesf�rstenthum
Oberwasser verschafft. Die Landesf�rsten hatten die Reformation
benutzt, um unter dem Deckmantel der Religion die eigene Hausmacht
nach M�glichkeit zu st�rken dadurch, da� sie den kleinen Adel
sich unterth�nig und von sich abh�ngig machten, die Macht der
Geistlichkeit brachen, sich selbst die bisch�fliche Gewalt
beilegten, Kloster und Kirchengut konfiszirten und die gewonnene
Macht benutzten, sich immer mehr von der Kaisergewalt zu emanzipiren,
diese zum blo�en Schatten zu degradiren. Aus diesem Interessenkampf
der F�rsten entstanden die sogenannten Religionskriege, der
schmalkaldische und der drei�igj�hrige Krieg, die Deutschlands
politische Ohnmacht und Zerrissenheit auf Jahrhunderte besiegelten,
seine �konomische Schw�chung -- die schon durch die Umgestaltung
der Weltmarktsbeziehungen in Folge der Entdeckung von Amerika und
des Seewegs nach Ostindien veranla�t war -- noch vergr��erten und
allgemeine Armuth, schweren geistigen und geistlichen Druck �ber
L�nder und V�lker verbreiteten.
In Frankreich erzeugte die Reformation die K�mpfe der Hugenotten,
d.h. des hugenottisch gesinnten B�rgerthums und die des
frondirenden Adels gegen das fr�hzeitig sich entwickelnde, alles
zentralisirende absolute K�nigthum. Nach l�ngeren K�mpfen siegte
das letztere und fand in Ludwig XIV. seinen gl�nzendsten, aber auch
seinen bedr�ckendsten und gewaltth�tigsten Vertreter. Die inneren
und �u�eren K�mpfe Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert hemmten
die freie Entwicklung des materiellen wie geistigen Fortschritts.
B�rgerthum und Adel gegenseitig feindlich, das Land nach au�en,
namentlich unter dem erw�hnten Ludwig, von einem Krieg in den
anderen gest�rzt, war schlie�lich ersch�pft und verarmt. Solche
Zeitalter sind nicht geeignet, gro�e Ideen zu geb�ren, f�r geistige
K�mpfe die Bahn frei zu machen. Dagegen zeigte das achtzehnte
Jahrhundert in Frankreich ein ganz anderes Bild. Frankreich bildete
f�r dieses Zeitalter die Wiege des menschlichen Fortschritts auf
allen Gebieten; hier entwickelte sich allm�lig eine F�lle von
geistigem Glanz und Leben, wie sie bis dahin kein Volk und kein
Zeitalter in gleichem Ma�e erlebte. Die Menschen wuchsen sozusagen
�ber sich selbst hinaus und setzten alle Geister und Herzen in der
ganzen Kulturwelt in Bewegung. Frankreich mag viel ges�ndigt haben,
die Dienste, die es w�hrend des achtzehnten Jahrhunderts der
Menschheit leistete, werden ihm, so lange Menschen leben,
unvergessen bleiben.
Die Fortschritte begannen unmittelbar nach dem Tode Ludwig's XIV.,
dessen Gewalt mit eisernem Drucke auf dem Lande gelastet, alle
freie b�rgerliche Regung erdr�ckt, alle freie geistige Bewegung
erstickt hatte. Das Land stand nach seinem Tode am Rande des
materiellen und geistigen Bankerotts. Allm�lig erholte sich das
Volk und arbeitete sich, wenigstens in den St�dten, wo die feudale
Macht des Adels und der Geistlichkeit am wenigsten sich f�hlbar
machen konnte, empor. Die M�nner von Bildung und Geist, die nach
der Entwicklung und Entfaltung der Kr�fte des Landes strebten,
eilten nach jenseits des Kanals, nach England, um dort, an den
Quellen des �ffentlichen Lebens, die Studien zu machen, zu denen
ihnen im eigenen Lande die Gelegenheit und die M�glichkeit fehlte.
Zur�ckgekehrt nach der Heimath, begannen sie die Arbeit, die
langsam aber sicher den stolzen Bau des absoluten Staats und der
feudalen Gesellschaft untergrub und unterh�hlte, bis zu Ende des
Jahrhunderts in einem Riesenzusammenbruch Beides, Staat und
Gesellschaft, zusammenst�rzten, und durch ihren Fall ganz Europa
aus den Fugen trieben.
Das K�nigthum gerieth nach Ludwig XIV. in die H�nde von
Schw�chlingen, die Geistlichkeit und der Adel waren verlottert und
verweichlicht; eine Minorit�t unter den beiden St�nden war geneigt,
angeekelt von dem Treiben der eigenen Klasse und den Zust�nden um
sich, neuen Ideen sich zug�nglich zu erweisen und spielte mit dem
Feuer, dessen Gef�hrlichkeit sie nicht kannte. So erkl�rt sich, da�
die M�nner der neuen Zeit mit ihren alles Alte angreifenden und
ersch�tternden Ideen vielfach gerade dort einen bereiten Boden
fanden, wo man ihn am wenigsten h�tte erwarten sollen. Aber es
hatte sich auch des B�rgerthums ein Drang nach Wissen und Bildung,
nach politischen Rechten, ein Geist der Unzufriedenheit �ber das
Bestehende bem�chtigt, wodurch die Bewegung schlie�lich zum Alles
niederrei�enden Strom anschwoll.
Das B�rgerthum, politisch so gut wie rechtlos und machtlos, die
Vertretung seiner Magistrate in den alten st�ndischen Parlamenten
mi�achtet, mit Abgaben unangenehmster Art beschwert, durch Zunft-,
Bann- und H�ferechte in seiner materiellen Entwicklung behindert,
von Adel und Geistlichkeit geringsch�tzig und ver�chtlich
behandelt, aller pers�nlichen Rechte und der Garantien pers�nlicher
Freiheit beraubt, sehend, wie die ungerecht vertheilten und
gewaltsam beigetriebenen Steuern und Abgaben von einem in der
Liederlichkeit verfaulenden Hof verschlemmt und verpra�t wurden,
erfa�te mit Gier die neuen Ideen, welche die Rechtm��igkeit der
feudalen Vorrechte angriffen, die religi�sen Vorurtheile, unter
deren Druck es litt, in Zweifel zogen, die allgemeine Freiheit und
Rechtsgleichheit lehrten. Der neue Staat und die neue Gesellschaft
wurden in den verf�hrerischsten Farben dargestellt, politische
Macht, Reichthum, geistige Freiheit und Gleichheit Allen in
Aussicht gestellt.
Wenn in einem Gesellschaftszustand die Dinge sich einmal so weit
entwickelten, da� ein gro�er Theil der Betheiligten und
Interessirten von Unzufriedenheit und Mi�stimmung gegen das
Bestehende und von Sehnsucht nach besseren Zust�nden erf�llt ist,
so wird der alte Zustand sich auf die Dauer nicht halten k�nnen,
was immer f�r Mittel und Praktiken in Anwendung kommen, ihn zu
erhalten und zu st�tzen. Mag die Sehnsucht der Masse nach
Ver�nderung des Bestehenden, nach Umgestaltung ihrer Lage zun�chst
nur eine Sache des Gef�hls sein, das aber in dem thats�chlichen
Zustand der Verh�ltnisse seine Begr�ndung und seine Berechtigung
findet. Mag diese Masse sich �ber den Weg wie �ber die Mittel,
durch die ihr geholfen werden k�nnte, noch so unklar sein, der
Moment kommt, wo sie mit elementarer Macht, _instinktiv stets
richtig_, nach dem bestimmten Ziele dr�ngt und die bewu�ten und
wissenden Geister zwingt, sich zu ihrem Organ, zu ihrem Mundst�ck
und zu ihren Werkzeugen aufzuwerfen, um die Bewegung zum richtigen
und nach Lage der Verh�ltnisse m�glichen Ziele zu leiten. Die
F�hrer sind unter solchen Umst�nden stets Werkzeuge, nicht Macher,
und sie werden bei Seite geworfen, sobald sie sich zu Machern
aufwerfen, die Bewegung f�r sich und nach eigenem Gutd�nken, statt
im Interesse der Betheiligten zu benutzen suchen. Die rasche
Abwirthschaftung der F�hrer in akut gewordenen Volksbewegungen hat
in diesem Geheimni� ihren Grund, sie wollen Allesmacher sein, wo
sie nur Werkzeuge sein sollen und k�nnen. Da man sich h�ben wie
dr�ben dieses Verh�ltnisses selten bewu�t ist, schreien die Einen
�ber Verrath, die Andern �ber Undankbarkeit der Masse; das Erstere
ist selten wahr, das Letztere zu behaupten stets eine Narrheit, ein
Verlangen, das nur Diejenigen stellen k�nnen, die sich �ber die
Natur ihrer Stellung nie klar waren, Schieber zu sein glaubten, wo
sie nur Geschobene sein konnten.
Jeder gro�en Umgestaltung in der Gesellschaft geht zun�chst eine
Periode der G�hrung voraus, eine Periode, die, je nach dem Stande
der allgemeinen Bildung und Kultur, nach dem Gewicht der
betheiligten Klassen und nach der Kraft und der Macht der
widerstrebenden Gewalten, bald l�ngere, bald k�rzere Zeit dauert,
ehe die Bewegung zum offenen Ausbruch kommt und ihr Ziel in irgend
einer Form, das wieder von dem mathematischen Kraftverh�ltni� der
gegeneinander wirkenden Faktoren abh�ngt, erreicht. Geht eine
Bewegung �ber ihr Ziel hinaus, d.h. erreicht sie mehr, als sie, in
sich selbst zur Ruhe gekommen, im Interesse der nun in der Macht
befindlichen Gewalten, die nunmehr den Schwerpunkt bilden, um den
Alles gravitirt, erreichen _soll_ und, setzen wir hinzu, erreichen
_darf_, so folgen die R�ckschl�ge. Mit andern Worten, eine ihrem
inneren Wesen nach selbst wieder auf Klassenherrschaft abzielende
Bewegung darf nicht weiter gehen, als sie die Unterst�tzung der
ma�gebenden Interessirten findet.
Scheinbar ist bis jetzt jeder Revolution eine Reaktion gefolgt, in
Wahrheit wurde die Bewegung stets auf ihren _nat�rlichen_ Schwer-
und Ruhepunkt zur�ckgef�hrt, weil sie dar�ber hinaus ging. Dieser
Zustand ist aber stets, auch wenn er durch eine gegen die weiter
vorw�rts dr�ngenden Elemente gerichtete gewaltsame Reaktion
herbeigef�hrt wurde, dem Zustande, der _vor_ der Bewegung bestand,
weit voraus. Man h�rt z.B. so h�ufig die Bemerkung machen, da� die
b�rgerliche Revolution der Jahre 1848 und 1849 in Deutschland an
der Macht der Reaktion gescheitert sei. Das ist einfach nicht wahr.
Die Bewegung hat erreicht, was sie nach ihrem _wahren innern
Gehalt_ erreichen konnte. Revolution und Reaktion rangen so lange
mit einander, bis sie auf dem Punkt ankamen, auf dem sie sich zu
verst�ndigen vermochten. Die Grenze war, wo die Lebensf�higkeit des
Alten aufh�rte und die Lebensmacht des Neuen begann. Von vornherein
war ein gro�er Theil der anfangs revolution�ren Kr�fte, die das
beh�bige B�rgerthum umfa�ten, entschlossen, �ber eine gewisse
Grenze nicht hinaus zu gehen. An diesem Punkt angekommen, trennten
sich diese Kr�fte von den weiter dr�ngenden Elementen. Dadurch
verlor die Bewegung einen Theil ihrer Kraft, sie war ohnm�chtig,
weiter zu gehen. Und wie immer nach 1849 die Reaktion in
Deutschland hauste, das, was thats�chlich jetzt bestand, ging weit
�ber das hinaus, was vor 1848 bestanden hatte. Die neuen Ideen
hatten trotz alledem gesiegt und Alles, was seitdem in Deutschland
geschah, ist nur durch diesen Sieg im �tollen Jahr� m�glich
geworden.
R�ckschl�ge werden nun nothwendig in jeder Bewegung kommen, die
selbst wieder auf Klassenherrschaft, wenn auch sich selbst
unbewu�t, hinausl�uft. Ein solcher R�ckschlag kann erst dann
unterbleiben, wenn eine Bewegung siegt, die in ihrem Wesen und
Prinzip die Aufhebung _aller_ Klassenherrschaft _bedingt_ und daher
_alle_ Formen sozialer und politischer Herrschaft _aufheben mu�_.
Bisher waren alle Bewegungen, die ihr Ziel erreichten, Bewegungen der
ersteren Art, und so begreift sich von vornherein, da� auch _die_
Bewegung, die gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich
begann und im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts zur Entscheidung
kam, diesem Schicksal aller bisherigen gro�en Volksbewegungen nicht
entgehen konnte. Ihr Charakter als Klassenbewegung des B�rgerthums,
ihr Ziel, die Herrschaft desselben zu begr�nden, zwang sie
schlie�lich, sich gegen die revolution�reren Elemente in ihrer
eignen Mitte zu richten, und, da man innerhalb der Bewegungselemente
und nachdem die Bewegung absolut gesiegt hatte, weder h�ben noch
dr�ben diesen inneren Widerspruch, in dem man sich zu einander
befand, begriff, mu�te man sich gegenseitig bis zur Vernichtung
bek�mpfen und im Blute ersticken. Die Interessen des Gro�b�rgerthums
mu�ten, weil sie die entscheidenden waren, die Oberhand behalten,
aber aus Furcht vor neuen inneren Gegens�tzen und K�mpfen warf sich
dieses der Milit�rdiktatur des Konsulats und des Kaiserreichs in
die Arme, um sich, d.h. _die neue Gesellschaft_, zur Ruhe und zum
Genu� des Errungenen kommen zu lassen.
Der Kampf gegen das alte System richtete sich in Frankreich gegen
alle bisherigen Grundlagen der alten Gesellschaft, gegen die Kirche,
den Adel, die absolute Staatsgewalt, gegen die Besteuerungs-, die
Eigenthumsformen, das Erziehungssystem, die sozialen Einrichtungen.
Nichts blieb im Laufe der Jahrzehnte, die dieser zun�chst rein
literarische Kampf w�hrte, unangetastet. Die Angriffe wurden immer
k�hner. Ganz neue Staats- und Gesellschaftssysteme (Condorcet,
Morelli, Mably, Rousseau) tauchten auf und erkl�rten dem
Bestehenden den Krieg; ebenso wurden fast alle Zweige der
Naturwissenschaften und insbesondere auch die Philosophie in der
radikalsten Weise behandelt. Die Verfolgungen, welche die
Staatsgewalt und die Kirche gegen diese Feinde der alten Ordnung
in Szene setzten, hatten so gut wie keine Wirkung, sie gossen nur
Oel in's Feuer. Jahrelange Gef�ngni�strafen, Verbannungen,
Degradirungen, Ausweisungen gegen die Verfasser, Verbrennung
ihrer B�cher und Schriften, Verbote gegen ihre Verbreitung,
gesellschaftliche Aechtung der Autoren, Alles half nichts. Die
Bewegung schwoll von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr an, sie
ergriff Alles, was Kenntnisse und Intelligenz besa�, sie erfa�te
sogar die Frauen und wuchs so, da� die Gewaltmittel des Staates
versiegten und dieser wie die Kirche von einer Position in die
andere zur�ck gedr�ngt wurden. Im vorletzten Jahrzehnt vor der
Revolution gab es in Frankreich keinen Schriftsteller von einiger
Bedeutung, der nicht im Gef�ngni� gesessen oder Verbannung
erlitten, oder dessen Werke nicht verboten oder �ffentlicht
verbrannt worden, oder der nicht in irgend sonst einer Weise
verfolgt, drangsalirt und gesch�digt worden war. Voltaire,
Montesquieu, Rousseau, Beaumarchais, Diderot, d'Alembert, La
Mettrie, La Harpe, Marmontel, Morellet, Buffon, Linguet und viele,
viele Andere verfielen der Verfolgung. Wenn Holbach und Helvetius,
Turgot, Quesnay, Necker, Condillac, Laylain, Cuvier, Lavoisiers,
Bichot, Mirabeau der Aeltere solchen Verfolgungen entgingen,
geschah es, da� sie, wie die beiden Erstgenannten, anonym
schrieben, oder da� sie zu einer Zeit schrieben, wo das System, von
der Nutzlosigkeit der Verfolgungen betroffen, erm�det war, oder da�
sie wissenschaftliche Thematas behandelten, die dasselbe nicht
direkt ber�hrten. Und auch in letzterer Beziehung ging das
Mi�trauen sehr weit; so mu�te Buffon, als er 1751 seine
Naturgeschichte ver�ffentlichte, der Pariser theologischen Fakult�t
ausdr�cklich versprechen, da� Alles, was er in seinem Buche lehre,
mit der biblischen Sch�pfungsgeschichte nicht in Widerspruch stehe.
Die Enzyklop�die der d'Alembert, Diderot und Genossen aber wurde
mit der Motivirung verboten, �da� sie Grunds�tze enthalte, welche
darauf hinzielten, den Geist der Unabh�ngigkeit und Emp�rung zu
wecken und unter dunkeln und zweideutigen Ausdr�cken den Grund zum
Irrthum, zur Sittenverderbni� und zum Unglauben zu legen.� Doch
alle diese Ma�nahmen retteten das System nicht.
Die Bewegung hatte endlich ihren H�hepunkt erreicht, die
Gesellschaft wollte statt der Theorien Thaten sehen. Der Hof suchte
durch halbe Konzessionen und kleinliche Ma�regeln, die das
Gegentheil erzeugten von dem, was sie bezweckten, dem Dr�ngen
nachzugeben. Der Sturm brach endlich los. Wir beschreiben nicht die
franz�sische Revolution, wir skizziren sie nur kurz, weil dies f�r
unsern Zweck gen�gt. Die Nationalversammlung, anfangs den Bestand
des K�nigthums als selbstverst�ndlich ansehend, wurde im Laufe der
Ereignisse �ber sich selbst hinaus getrieben. War die Konstituante
noch k�niglich, der Konvent wurde republikanisch. Die zunehmende
Noth der Massen, Mangel an Lebensmitteln, Mangel an Arbeit, Wucher,
Mi�trauen gegen Oben sch�rten den Brand. Die royalistischen und
pf�ffischen Intriguen im In- und Ausland, die Alles beunruhigten,
weil sie alles Gewonnene in Frage zu stellen schienen, verst�rkten
die schon vorhandene heftige Aufregung. Der Fluchtversuch des
K�nigs, seine ganze zweideutige Haltung steigerten das Mi�trauen
und den Ha� gegen ihn und die alten St�nde. Der Zustand der
Staatsmaschinerie, die durch die Ereignisse in Unordnung gebracht,
durch die Aufhebung der alten dr�ckenden Steuerlasten und Abgaben
der Mittel zur Funktionirung beraubt war, zwang zur Ausgabe von
Massen Papiergeld (Assignaten), die als Zahlungsanweisungen auf die
konfiszirten Kircheng�ter und sp�ter auch auf die konfiszirten
G�ter der emigrirten Adeligen ausgegeben wurden. Aber da in dem
allgemeinen Tohuwabohu der Verkauf dieser G�ter sehr langsam vor
sich ging und die Staatsbed�rfnisse in's Riesenm��ige stiegen, als
das Land gezwungen wurde, nach dem Sturz des K�nigthums und der
Enthauptung des Tr�gers der Krone, gegen das ganze zivilisirte
monarchische Europa Krieg zu f�hren, fielen die Assignaten sehr
bedeutend im Werth. Ende 1790 schon 1200 Millionen betragend,
stiegen sie im Laufe der Jahre auf 8, dann auf 12, endlich auf 24
Milliarden. Ihre Vermehrung steigerte ihre Werthlosigkeit, die
schlie�lich nur noch ein Hundertstel und weniger ihres Nennwerthes
betrug, und dies erzeugte eine vollst�ndige Revolution aller
Preise. Zu den K�mpfen nach Au�en kamen gewaltige K�mpfe im Innern.
Adel und Geistlichkeit intriguirten und konspirirten in
hunderterlei Formen, um wieder zur Herrschaft zu kommen. England,
das unter dem Ministerium Pitt die inneren K�mpfe Frankreichs
vortrefflich ausnutzte, um seine See- und Kolonialmacht auf Kosten
Frankreichs zur allbeherrschenden zu machen, das jetzt Rache nahm
f�r die H�lfe, die Frankreich anderthalb Jahrzehnte zuvor der
Unabh�ngigkeitsmachung der Vereinigten Staaten von England
geliehen, dieses England sandte geheime Agenten �ber geheime
Agenten, die mit Geld reichlich ausgestattet den inneren Kampf
sch�ren mu�ten. Im Westen des Reiches erhob sich, ebenfalls von
England unterst�tzt, die streng konservativ und kirchlich
gebliebene Bev�lkerung der Vendee und Bretagne, im S�den erhoben
sich die theils royalistisch, theils girondistisch gesinnten
St�dte, vor allem Lyon, dessen Luxusindustrie unter all diesen
Ereignissen au�erordentlich litt. Im Konvent brach nach dem Sturz
des K�nigthums der Kampf der verschiedenen b�rgerlichen Parteien
unter sich aus. Die kleinb�rgerlichen Massen, haupts�chlich in den
Klubs und speziell in dem Jakobinerklub organisirt, nahmen
thats�chlich die Leitung der Ereignisse in die Hand und dr�ngten
den Konvent von Handlung zu Handlung. Vergebens suchten die
Vertreter der eigentlichen Bourgeoisie, die Girondisten, zu
widerstehen, sie unterlagen und endeten durch Aussto�ung oder auf
dem Schaffot.
Die Schreckensherrschaft begann. Das in seinen tiefsten Tiefen
aufgeregte Volk, im Inneren von den royalistischen Verschw�rungen
bedroht, an den Landesgrenzen die europ�ischen Heere erblickend,
welche drohten als Hersteller des Alten das ganze Land zu
�berziehen, von Arbeits- und Verdienstlosigkeit heimgesucht, vom
Hunger gepeinigt, rapide Entwerthung des Geldes, rapide Verteuerung
der Lebensmittel sehend, ohne sich all dies gen�gend erkl�ren zu
k�nnen, gerieth in Raserei. Die Gewaltszenen h�uften sich und das
Blut der Feinde der Republik und Derer, die man als Feinde des
Volks ansah, flo� in Str�men. Um der zunehmenden Verzweiflung der
Massen zu steuern, war der Konvent gezwungen, das sog. Maximum
einzuf�hren, d.h. den Preis festzustellen, zu dem die nothwendigsten
Lebensmittel abgegeben werden mu�ten; und als 1794 abermals eine
Hungersnoth drohte, weil die Verk�ufer der Lebensmittel allerorts
mit ihren Waaren zur�ckhielten, mu�te er sogar die Rationirung des
Brotes f�r die pariser Bev�lkerung einf�hren. Aber da alle diese
Ma�regeln den ersehnten Zustand nicht herbeif�hren wollten,
Arbeitslosigkeit, Wucher, Geldentwerthung, Beunruhigung fortdauerten,
die sch�nste Verfassung, welche die Welt gesehen, mit all ihren
Freiheiten und Rechten, weder die Freiheit, noch die Gleichheit,
noch die Br�derlichkeit begr�ndete, der ganze Zustand immer wirrer
aber auch unfa�barer wurde und Keiner die L�sung des R�thsels fand,
_was war nat�rlicher, als da� man die Personen verantwortlich_
machte _f�r die Dinge, deren Natur man nicht begreifen konnte_!
Eine Partei klagte die andere an, suchte sie als die Ursache des
allgemeinen Ungl�cks zu vernichten. Die Royalisten waren in
Schaaren geopfert, proskribirt, eingekerkert, fl�chtig, die
Girondisten waren vernichtet. Jetzt traf die Reihe die Dantonisten,
ihnen folgten die Hebertisten, schlie�lich kamen die, welche alle
Andern geopfert, die Terroristen, die Robespierrianer selbst an die
Reihe. Diese �Tugendhaften� hatten die Republik und das allgemeine
Wohl nicht retten k�nnen; die ihnen jetzt in der Herrschaft
folgten, die M�nner der richtigen Mitte, des ehemaligen Sumpfes im
Konvent, die Schlauberger, die es mit allen Parteien gehalten, um
es mit keiner zu verderben, die keine Ideale und keine Leidenschaften
besa�en, retteten auch weder die Republik, noch begr�ndeten sie das
allgemeine Wohl. An Beiden lag ihnen herzlich wenig, aber sie
thaten etwas Besseres, sie retteten sich und das Wohl ihrer Klasse,
und dies war schlie�lich das �allgemeine Wohl�.
In allen K�mpfen und Wirrnissen der Revolution, als die
Leidenschaften den h�chsten Grad erreichten, andererseits die
Begeisterung ergl�hte, die gl�nzendsten Gedanken, die bis dahin nur
menschliche Hirne erfassen konnten, in Worte und Thaten sich
umsetzten, gab es ein geheimni�volles Etwas, das wie der Geist �ber
den Wassern schwebte, mit d�monischer Kaltbl�tigkeit in alle Pl�ne
und Projekte eingriff, sie f�rderte oder zerst�rte, wie es seinem
Interesse entsprach, dabei Allen sichtbar und doch unfa�bar war,
diese Macht war -- _das Kapital_. Das Kapital hatte unter all den
Ruinen und Zerst�rungen, welche die Revolution geschaffen, allein
die Beute eingeheimst und schlie�lich den Sieg davon getragen. Das
Kapital hatte aus allen inneren und �u�eren Verlegenheiten des
K�nigthums und der Republik den alleinigen Nutzen gezogen; es hatte
die G�terkonfiskationen, die Assignatenwirthschaft, das Maximum,
die Rationirungen, die Feldz�ge mit ihren Waffen-, Bekleidungs- und
Lebensmittellieferungen, die Waareneinfuhrsperre gegen England,
kurz alle und jede Ma�regel, welche die Konstituante, dann der
Konvent, dann der Wohlfahrtsausschu�, jetzt das Direktorium im
Interesse des Landes vollzogen, in seinem Nutzen auszubeuten und
auszuschlachten gewu�t. Mitten unter den Blutszenen der Revolution
sa� es bei der Ernte und berechnete kaltbl�tig die Profite, die ihm
diese oder jene Ma�regel der Gewalthaber abwerfen werde. Ueberall
seine Agenten habend, in den Klubs, im Konvent, im Wohlfahrts- und
im Sicherheitsausschu�, unter den Konventsdelegationen in den
Provinzen, in der Leitung und Verwaltung der Armeen, in den
Zivilverwaltungen der eroberten Staaten, St�dte und Provinzen,
machte es ungeheuere Gewinne. Es feierte Orgien wie nie zuvor und
kaum je nachher. Die gro�en Verm�gen wuchsen wie Pilze aus dem
Boden, der Spekulations- und der Handelsgeist griff immer weiter um
sich und beherrschte das ganze �ffentliche und private Leben, alle
Beziehungen der Menschen. Die Lehren eines Adam Smith fanden ganz
spontan, aus der Natur der Dinge heraus, ihre Anerkennung und ihre
Verwirklichung, und es kamen die Lobredner der neuen Ordnung, wie
sie immer sich finden, sobald eine neue Macht im Besitz der Gewalt
und dadurch im Recht ist, und streuten den Weihrauch und priesen
die neue Welt als die beste aller Welten.
Und da man w�hrend der Revolution, wie es die �tugendhaften� Lehren
eines Rousseau vorschrieben, �u�erlich sehr einfach, sehr sparsam
und sehr �tugendhaft� gelebt hatte, so brach jetzt die lange
k�nstlich zur�ckgehaltene Genu�sucht mit aller Gewalt hervor und
�berschritt alle Schranken. Man pra�te und schwelgte und fr�hnte
exzentrisch der Liebe, wie es das �ancien regime� unter Ludwig XV,
dem Vielgeliebten, und der Hof von Versailles kaum toller getrieben
hatten. Die Masse aber war wieder in's alte Joch gespannt, ihre
S�hne schlugen mit Begeisterung in aller Herren L�nder die
Schlachten und der freie Bauer und B�rger des beginnenden 19.
Jahrhunderts sorgten neben der Blut- f�r die Geldsteuer, welche die
neue b�rgerlich-z�sarische Herrlichkeit unter dem �glorreichen�
Szepter Napoleon's I. ihnen auferlegte.
* * * * *
Unsere Vorrede ist etwas lang geworden, aber sie war nicht
�berfl�ssig zum Verst�ndni� der Ausspr�che und Theorien des Mannes,
dessen Leben und Lehren diese Abhandlung gewidmet ist. Das Streben
und der Ideengang eines Menschen von Bedeutung wird ja nur dann
verst�ndlich, wenn man die Zeitverh�ltnisse kennt, unter denen er
geboren, und die auf seine Entwicklung, also auch auf seinen
Ideengang eingewirkt haben. Wie weit ein Mensch auch �ber seine
Zeit hinaus denken mag, loszul�sen von ihr vermag er sich nicht, er
wird von ihr beeinflu�t und beherrscht, und so werden seine
weitgehendsten Gedanken stets den Stempel des Zeitalters tragen, in
dem er lebte und wirkte. Das ist schon oft gesagt worden, es kann
aber nicht oft genug wiederholt werden, weil jeden Tag noch in der
Beurtheilung des Wirkens von Pers�nlichkeiten gegen diese
Auffassung ges�ndigt wird.
Fran�ois Marie Charles _Fourier_ wurde den 7. Februar 1772 zu
Besan�on als Sohn eines wohlhabenden Gro�h�ndlers geboren. Der
Vater geno� in seiner Heimath eines ziemlichen Ansehens, er wurde
1776 zum Handelsrichter gew�hlt. Charles (Karl) war das vierte
Kind seiner Eltern, die drei �lteren Geschwister waren M�dchen.
Der Vater, der 1781 starb, hinterlie� ein Verm�gen von
zweihunderttausend Livres, wovon laut Testament der Sohn zwei
F�nftel, also 80.000 Livres, erbte.
Fourier liebte es nie, �ber seine pers�nlichen Verh�ltnisse zu
sprechen; geschah es dennoch, so nur, um eine seiner Theorien in
dieser oder jener Weise damit zu unterst�tzen. Seine Sch�ler und
selbst seine intimsten Freunde erfuhren erst nach seinem Tode, da�
er in der Belagerung von Lyon, 1793, durch die Konventstruppen das
ziemlich betr�chtliche v�terliche Verm�gen vollst�ndig eingeb��t
hatte.
Stoiker ohne Ziererei und K�nstelei, sprach er nie von der ersten
Ursache, die ihm ein Leben voll Entbehrungen und Einschr�nkungen
auferlegte.
Fourier zeigte von fr�hester Jugend einen entschiedenen Willen,
eine unersch�tterliche Rechtschaffenheit. Als einziger Sohn vom
Vater f�r den Handel bestimmt, erz�hlt er selbst in einem seiner
Werke, wie er fr�hzeitig gegen denselben eingenommen wurde. Da
diese Stelle f�r den ganzen Mann charakteristisch ist, geben wir
sie ihrem Hauptinhalt nach wieder. Er sagt: Man mu� den Handel als
ein grau gewordener Praktiker, der vom sechsten Jahre ab im
kommerziellen Schafstall erzogen wurde, kennen. Er habe in diesem
Alter den Unterschied zwischen dem Handel und der Wahrheit kennen
gelernt. Im Katechismus und in der Schule habe man ihm gelehrt, nie
zu l�gen, dann f�hrte man ihn in den Laden, um ihn fr�hzeitig in
dem edlen Handwerk der L�ge oder der Kunst, wie man verkauft, zu
�ben. Betroffen �ber die Betr�gereien und Schwindeleien, habe er
K�ufer, die betrogen werden sollten, bei Seite genommen und ihnen
den Betrug entdeckt. Einer von diesen sei unanst�ndig genug
gewesen, ihn zu verrathen, was ihm eine Tracht Pr�gel einbrachte,
und im Tone des Vorwurfs h�tten seine Eltern erkl�rt: der Junge
wird nie f�r den Handel taugen. In der That, er habe eine tiefe
Abneigung gegen ihn empfunden, und, sieben Jahre alt, habe er einen
Eid gegen den Handel geschworen, wie ihn �hnlich Hannibal, neun
Jahre alt, gegen Rom schwur: �Ich schw�re ewigen Ha� dem Handel.�
Fourier's Ha� gegen Ungerechtigkeit veranla�te, da� er schon als
Knabe sich stets der schwachen unter seinen Gespielen gegen die
st�rkeren annahm, und obgleich er mehr schw�chlich als robust war,
f�rchteten ihn die st�rkeren und �lteren seiner Gespielen. Dabei
war er ein harter Kopf, aber ein vortrefflicher Kamerad und voll
Zuneigung. Auch lernte er mit au�erordentlicher Leichtigkeit und
gewann mehrfach die ersten Preise, namentlich in lateinischer
Poesie. Aelter geworden, wollte er nach Paris, um dort namentlich
Logik und Physik zu studiren, aber ein Freund der Mutter, der um
Rath gefragt wurde, rieth ab, ihn den Gefahren der Gro�stadt
auszusetzen, auch seien die erw�hnten Wissenschaften einem Kaufmann
nicht vonn�then; er setzte allerdings hinzu, er glaube, da� ihr
Sohn am Handel keinen Geschmack habe und rieth, ihn nicht wider
seinen Willen zu zwingen. Das Letztere geschah aber dennoch.
Fourier sollte zun�chst nach Lyon zu einem Bankier kommen, aber an
dessen Th�re desertirte er, erkl�rend, da� er niemals Kaufmann
werden wolle. Darauf kam er nach Rouen, wo er ein zweites Mal
auskniff. Schlie�lich beugte er sich unter das Joch und trat in
Lyon in die Lehre, und so habe er, wie er selbst sagt, die
sch�nsten Jahre seines Lebens in den Werkst�tten der L�ge
zugebracht, �berall und stets die Wahrsagung h�rend: �Ein
rechtschaffener junger Mann, aber er taugt nicht f�r den Handel.�
Besondere Neigung besa� Fourier f�r die Geographie, und so
verwandte er sein Taschengeld haupts�chlich f�r die Anschaffung von
Karten und Atlanten; n�chstdem liebte er au�erordentlich die
Blumenzucht und kultivirte solche in vielen Arten und Abarten;
ferner hatte er gro�en Hang zur Musik und lernte mehrere
Instrumente, und zwar ohne Lehrer, spielen.
Ein h�bscher Zug ist aus seinen Schuljahren bekannt geworden.
Obgleich er kein starker Esser war, nahm er t�glich ein t�chtiges
St�ck Brot mit kaltem Fleisch belegt, zur Schule mit. Als er sich
eines Tages auf einer kleinen Reise befand, stellt sich ein armer
Knabe im Laden ein, und frug, ob der kleine Herr krank sei. Als man
dies verneinte und ihm mittheilte, er sei verreist, brach der
Kleine in Weinen aus. Nach der Ursache befragt, antwortete er: da�
er nunmehr sein Fr�hst�ck verloren habe, das ihm der junge Herr
t�glich gebracht habe. Er wurde getr�stet und wurde ihm f�r Ersatz
gesorgt.
Fourier machte, bevor er sich dem Wunsche seiner Mutter, Kaufmann
zu werden, f�gte, noch einen Versuch, in die Militair-Ingenieurschule
zu M�zieres aufgenommen zu werden, aber wegen seiner b�rgerlichen
Abkunft wurde er zur�ckgewiesen, wor�ber er sich in sp�teren Jahren
selbst begl�ckw�nschte, weil er sonst von seinen Studien �ber den
sozialen Mechanismus w�rde abgezogen worden sein. So entscheidet
das sp�tere Schicksal der Menschen meist der Zufall, und da spricht
man best�ndig von den pers�nlichen Verdiensten. Wie viel bedeutende
M�nner hatten, als sie eine gew�nschte Laufbahn verfehlten, eine
Ahnung, da� gerade in diesem _Verfehlen_ die erste Ursache zu ihrer
k�nftigen Ber�hmtheit lag? --
Nachdem Fourier seine Lehrzeit in Lyon absolvirt hatte, kam er,
1790 auf einer Reise nach Rouen begriffen, um dort eine Stellung
als Reisender anzunehmen, ein Posten, der zu jener Zeit ein ganz
besonderes Vertrauen voraussetzte, zum ersten Mal auf einige Zeit
nach Paris, das ihm sehr gefiel. Mit H�lfe der Zusch�sse, die er
aus seinem Verm�gen besa�, besuchte er allm�lig die meisten St�dte
Frankreichs, bereiste Deutschland, Holland und Belgien, �berall
sorgf�ltig beobachtend und studirend. Von den Deutschen empfing er
eine sehr g�nstige Meinung, er nannte sie das unterrichtetste und
vern�nftigste Volk. Besonders imponirten ihm die vielen deutschen
St�dte, die Sitze von Kunstanstalten, Universit�ten und h�heren
Bildungsanstalten waren -- die gute Seite und Wirkung der deutschen
Kleinstaaterei. Er beklagte sp�ter tief, da� f�r Frankreich Alles
in Paris konzentrirt w�re, und in Folge dessen alle �brigen St�dte
Frankreichs langweilige, monotone und versimpelte Orte seien, in
denen jeder h�here geistige Flug fehle. Auf allen diesen Reisen
studirte Fourier das Klima der verschiedenen Gegenden, ihre
Bodenbeschaffenheit, die Gewerbe, die Bauart der St�dte und Stra�en
und nicht zuletzt den Charakter der Bewohner. Es gab in keiner
gr��eren Stadt, die er besucht hatte, ein hervorragendes Geb�ude,
dessen Architektur und Dimensionen er nicht genau kannte. Nur f�r
die Sprachen hatte er wenig Sinn, daher auch sein Verlangen in
seinem Hauptwerk, das schon im Titel seine Auffassung ausdr�ckt.
�Theorie der universellen Einheit�, da� die Vielsprachigkeit eine
der schlimmsten Fehler des Menschengeschlechts sei, und die
Schaffung einer Weltsprache, wof�r er die franz�sische am
geeignetsten hielt, eine der ersten Aufgaben einer neuen sozialen
Ordnung der Dinge sein m�sse. Den Deutschen machte er zum Vorwurf,
da� sie mit Hartn�ckigkeit an ihrer besonderen Schriftsprache
festhielten, die doch andere germanische V�lker, wie die Engl�nder
und die Holl�nder, l�ngst aufgegeben h�tten. Bekanntlich ist heute,
nach mehr als siebenzig Jahren, diese Frage in Deutschland noch
kontrovers, wenn auch f�r wissenschaftliche Werke im Sinne
Fourier's entschieden.
Da Fourier durch sein Gesch�ft �ber Tag stets vollst�ndig in
Anspruch genommen war, ben�tzte er, und namentlich dann, nachdem er
sein Verm�gen verloren und auf das Einkommen aus seiner
kaufm�nnischen Stellung allein angewiesen war, die N�chte, um sich
weiter zu bilden. Er befa�te sich haupts�chlich mit Anatomie,
Physik, Chemie, Astronomie und Naturgeschichte. Sein Ha� gegen den
Handel steigerte sich mit den Jahren, je genauer er das Treiben in
demselben kennen lernte, immer mehr und spornte ihn zu seinen
sozialen Studien an. Namentlich machte es einen tiefen Eindruck auf
ihn, als er 1799 in einer Stellung in Marseille seitens seines
Chefs den Befehl erhielt, eine Schiffsladung Reis in's Meer zu
versenken, damit die Waare im Preise steige.
Mit dem Gang der Revolution konnte er sich nicht befreunden.
Nach seiner Meinung hatte die Masse des Volks sehr wenig dadurch
gewonnen, dahingegen hatte die Klasse, die er auf's Tiefste ha�te.
die handeltreibende Klasse, am meisten profitirt. Und da� die
Schriftsteller und Verherrlicher der neuen Ordnung der Dinge das
Lob des Handels in allen Tonarten priesen, die Handelsfreiheit als
das Ei des Columbus r�hmten, als die Einrichtung, aus welcher die
allgemeine Wohlfahrt und das allgemeine Gl�ck ersprie�en werde,
erbitterte ihn noch mehr. Auch war seine Abneigung gegen jede
Gewaltth�tigkeit, mochte sie von welcher Seite immer kommen, so
ausgepr�gt, da� er sich nie mit den Gewaltakten der Revolution,
deren Nothwendigkeit er nicht einsehen konnte, zu befreunden
vermochte, und namentlich ha�te er die Jakobiner, als die Vertreter
des Schreckensregiments und der Rousseau'schen Philosophie. Nichts
konnte ihn sp�ter mehr in Aufregung und Zorn bringen, als wenn die
Gegner ihm vorwarfen, da� seine sozialen Theorien nur auf dem
von den Jakobinern eingeschlagenen Wege verwirklicht werden
k�nnten; dann brach er heftig los. �Nein und tausendmal nein, meine
Theorie hat nichts zu thun mit der jener Leute, noch mit ihren
Umsturzprojekten.� Er hatte mit seinem kritischen Blick erkannt,
da� in der Revolution trotz allem Heroismus und aller Aufopferung
des Volkes, trotz einer idealen Verfassung, trotzdem Alles die
Freiheit, die Gleichheit und die Br�derlichkeit im Munde f�hrte,
die Ausbeutung, die Unterdr�ckung, die Dem�thigung der Masse, Lug,
Trug und Heuchelei nicht nur geblieben waren, sondern sich wo
m�glich noch gesteigert hatten. Er hatte gesehen, da�, w�hrend die
Revolution�re sich bem�hten, mit gr��ter R�cksichtslosigkeit Alles
mit blutiger Gewalt niederzuschlagen, was ihren Begriffen von
gesellschaftlichem Gl�ck entgegenstand, das Kapital im schreiendsten
Widerspruch mit den gepredigten Grunds�tzen agirte. Er sah, wie der
G�terschacher, der Lebensmittelwucher, die Lieferungsschwindeleien
bl�hten und die neu emporgekommenen und pl�tzlich reich gewordenen
Besitzer ihre Orgien feierten. Ihm war auch der Hunger und das
Elend der Massen, ihre Begeisterung und ihre Opferwilligkeit bei
der Verteidigung des Vaterlandes nicht entgangen, und alle diese
Wahrnehmungen, verbunden mit denen, die er tagt�glich im kleineren
Kreise um sich und im Gesch�ftsleben machte, waren es, die ihn auf
den Gedanken brachten, da� die Gesellschaft unm�glich richtig
organisirt sein k�nne, und es eine Ordnung der Dinge geben m�sse,
die alle diese Ausw�chse und Uebel unm�glich mache. Ihm erschien es
eine Ungeheuerlichkeit, da� die Revolution�re und nach ihnen die
Ordnungsm�nner mit Menschenk�pfen wie mit Kegelkugeln spielten; da�
man in der gewaltsamen Vernichtung der Parteien das menschliche
Gl�ck zu begr�nden glauben k�nne. Er begriff nicht, da� alle diese
K�mpfe nur stattfanden, weil man der wahren treibenden Kraft, jener
geheimni�vollen unfa�baren Macht, dem unpers�nlichen Kapital, nicht
auf die Spur kommen und seinen Einflu� nicht beseitigen konnte,
noch viel weniger wollte, jenes Dinges, �ber dessen Definirung die
b�rgerlichen Ideologen sich bis heute die K�pfe zerbrachen, dessen
R�thsel erst der moderne wissenschaftliche Sozialismus l�ste, der
endlich auch diese moderne Sphinx in den Abgrund st�rzen wird.
Fourier, der von Natur f�r die politischen K�mpfe nicht inklinirte,
der durch die vor seinen Augen sich abspielenden Ereignisse in
dieser Abneigung noch best�rkt wurde, kam in Folge davon zu der
vorgefa�ten Meinung, da� die politische Verfassung der Gesellschaft
�berhaupt eine gleichg�ltige Sache sei, da� diese mit dem sozialen
Zustand nichts zu schaffen habe, und da� es sich darum handele, den
letzteren zu verbessern und die politischen Fragen ganz bei Seite
zu lassen. Er verfiel also in den entgegengesetzten Fehler der
b�rgerlichen Ideologen. Diese glaubten durch die Beseitigung des
Adels, der Priesterschaft und des K�nigthums, durch die Begr�ndung
der Republik, die Verk�ndigung der Menschenrechte, die Anstellung
idealer Grunds�tze Alles geleistet zu haben, was zu leisten m�glich
sei. Blieben dennoch die Zust�nde mangelhaft, so lag das nur an der
Niedertr�chtigkeit der sogenannten Volksfeinde, der Aristokraten,
der Pfaffen, der heimlichen Anh�nger des K�nigthums, deren man
trotz aller Gewaltma�regeln nicht Herr werden konnte. Man mu�te das
Volk zur �Tugend� erziehen, zur Vaterlandsliebe, zur Opferwilligkeit,
zur Arbeitsamkeit, zur Enthaltsamkeit. Wenn das geschah und Alle
�tugendhaft� waren, so konnte der gl�ckliche Zustand nicht fehlen.
Die b�rgerliche Welt ist am Ende des 19. Jahrhunderts den gro�en
Begr�ndern ihrer Herrlichkeit am Ende des 18. Jahrhunderts noch
nicht um Vieles in der Erkenntni� der gesellschaftlichen
Entwicklungsgesetze voraus gekommen, sie dreht sich noch immer in
demselben Ideengang und sie wird darin stecken bleiben. Dar�ber
hinauszugehen w�re ihr Tod.
Nach Fourier besteht also kein wesentlicher Zusammenhang zwischen
dem politischen und sozialen Zustand der Gesellschaft, der erstere
ist willk�rlich, wie auch der letztere mehr oder weniger
willk�rlich ist. Er hat zwar mit gro�em Scharfsinn verschiedene
Stufen der menschlichen Entwicklung gekennzeichnet, die er als
Edenismus, oder Zustand des primitiven Gl�cks, als Zustand der
Wildheit, des Patriarchats oder der Halbbarbarei, der Barbarei und
der Zivilisation charakterisirt; aber es unterliegt nach ihm keinem
Zweifel, da� die Zivilisation, die er mit den Griechen beginnen
l��t, schon l�ngst in den n�chst h�heren Zustand der Entwicklung,
den des Garantismus �bergegangen w�re, wenn der richtige Mann sich
fand, der den Ausgang aus der Zivilisation entdeckte. Dieser Mann
fehlte bisher. Newton war durch die Entdeckung der Gesetze der
Attraktion der Weltk�rper hart an dem rechten Weg vorbeigestreift,
aber er hatte das Bewegungsgesetz nur f�r die materielle Welt
gefunden. Diese Entdeckung war also, so wichtig sie auch sein
mochte, f�r das Gl�ck der Menschheit die minder werthvolle. Die
Gesetze der sozialen Attraktion zu entdecken und darauf die
universelle Einheit des gesammten Weltalls, die Beziehungen
zwischen den verschiedenen Naturreichen und dem Menschen, zwischen
dem Menschen, der Entwicklung des Erdballs und des ganzen Planeten-
und Weltsystems, und namentlich auch seine wahren Beziehungen zu
dem Weltensch�pfer zu entdecken, dessen ermangelte Newton. Diese
Gesetze zu entdecken und damit die wahre Bestimmung des Menschen,
die Wege zu seinem Gl�ck, das blieb ihm, Fourier, vorbehalten. Er
hat das Mittel entdeckt, das die Menschheit aus Noth, Elend,
Unterdr�ckung, Verk�mmerung, Langeweile erl�st, den Menschen mit
Gott und dem All in Harmonie setzt. Dieses Mittel ist die
Entdeckung der Gesetze der Attraktion der menschlichen Triebe,
angewandt auf alle menschlichen Arbeiten und Besch�ftigungen, und
ihre Beth�tigung in der Assoziation durch die Bildung der Serien
(Reihen) und Gruppen von Harmonisirenden.
Da� er, Fourier, dieses Mittel f�r das Gl�ck der Menschheit
entdeckte, ist nach ihm reiner Zufall. Es h�tte jeder Andere vor
ihm und namentlich die Philosophen, die sich seit mehr als 2500
Jahren bem�hten, das Weltr�thsel zu l�sen und das menschliche Gl�ck
zu suchen, es auch entdecken k�nnen. Sie haben aber immer nur damit
sich begn�gt, das Bestehende zu loben und haben jede Neuerung, wenn
sie ihren Lehren gef�hrlich oder bedenklich schien, bek�mpft und
verfolgt. Darum sind auch die 400.000 B�nde, die sie ihm zufolge im
Laufe der Zeiten in den Bibliotheken, vollgepfropft mit ihren
Theorien, aufgestapelt haben, von sehr zweifelhaftem Werth. Um so
heftiger bek�mpfen sie aber jede Neuerung, die, wie die seine, alle
diese Werke �ber den Haufen wirft und sie nahezu werthlos macht.
Diese Philosophen, unter welchen er, wie er wiederholt hervorhebt,
die Moralisten, die Metaphysiker, die Politiker und die
Oekonomisten _ausschlie�lich_ verstanden wissen will, weil sie ihm
als Vertreter der unsicheren Wissenschaften (�sciences
incertaines�) gelten, haben sich deshalb auch gegen ihn
verschworen, seine Lehren nicht zur Geltung kommen zu lassen; sie
treten ihm �berall in den Weg und suchen die Besprechung, selbst
die blo�e Erw�hnung seiner Schriften zu hintertreiben. Gegen sie
richtet sich daher sein ganz besonderer Zorn, und er �bersch�ttet
sie mit seinem Witz, seiner Satyre und seinem Ha�.
Da�, einmal ganz abgesehen von der Frage der Ausf�hrbarkeit seines
Systems, seine Theorien, wie sich zeigen wird, im letzten Grunde
darauf hinaus laufen, die bestehende Gesellschaft aufzuheben, und
da� also das Klasseninteresse der Besitzenden und Herrschenden
diese zwingt, seinen Ideen naturgem�� feindlich zu sein, sieht er
trotz des au�erordentlichen Scharfsinns, der ihm bei der
Entwicklung seiner Ideen eigen ist, nicht ein. Er giebt sich
allerdings die gr��te M�he, die verschiedenen Klassen und
Interessen auszus�hnen. Nicht nur sollen alle Regierungen, ohne
R�cksicht auf das ihnen zu Grunde liegende politische System,
bestehen bleiben, er l��t sogar noch eine gro�e Zahl neuer Staaten
und Reiche in den bis jetzt von den Wilden und Barbaren bewohnten
L�ndern und Erdtheilen sich bilden, wenn erst der ganze Erdball
sein System angenommen haben wird, was nach Gr�ndung der ersten
Versuchsphalanx -- die Phalanx ist die Genossenschaft, in der sich
sein System vollzieht[1] -- nur wenige Jahre dauern wird. Denn die
Vortheile, die sein phalansteres System der Menschheit bietet, sind
so in die Augen springende, so zur Nachahmung hinrei�ende, da�,
nachdem die Neugierigen von allen Enden des Erdballs sich von den
gro�artigen Vortheilen und Annehmlichkeiten dieses Systems durch
den Besuch der Versuchsphalanx �berzeugten, sie die gr��te Eile
haben werden, desselben Gl�ckes theilhaftig zu werden.
[Fu�note 1: Phalanx ist der Name einer von Philipp II. von
Macedonien in seinem Heere eingef�hrten Schlachtordnung; die
Phalanx war ein dichtgeschlossener, keilf�rmig geformter, mit
Speeren bewaffneter Truppenk�rper, der mit seiner Spitze in den
Feind eindrang und ihn auseinander sprengte. Der Name f�r sein
System ist also von Fourier nicht �bel gew�hlt.]
Inde� waren um das Jahr 1793, wo Fourier in Lyon lebte, diese Ideen
bei ihm noch nicht zur Reife gekommen, obgleich die Keime dazu
bereits bei ihm vorhanden waren und seine Denk- und Handlungsweise
bestimmten. Es war in diesem Jahr, da� der Konvent das ihm
oppositionell gesinnte Lyon belagern und nach der Eroberung in
einem erheblichen Theil zerst�ren lie�, wobei auch Fourier sein
Verm�gen einb��te. Fourier mu�te zur Verteidigung der Stadt die
Waffen ergreifen und entging bei einem Ausfall nur mit genauer Noth
dem Tode. Nach Eroberung der Stadt wurde er gefangen genommen und
sollte f�silirt werden; er wu�te sich durch die Flucht zu retten.
Man kann sich vorstellen, da� diese Vorg�nge auf ihn einen tiefen
Eindruck machten und sein sp�teres Denken und Urtheilen wesentlich
beeinflu�ten. Kurze Zeit darnach mu�te er sich in Folge der vom
Konvent beorderten �lev�e en masse� (des Massenaufgebots) zur
Vertheidigung der Grenzen stellen, und zwar war er als
Unverheiratheter unter der ersten Portion der Ausgehobenen, die
nach der nothd�rftigsten Ein�bung zur Armee abgehen sollten. Er
wurde unter die J�ger zu Pferde der Rhein- und Moselarmee rangirt,
doch wurde er nach einigen Monaten auf ein Untauglichkeitszeugni�
hin -- F. war klein und schw�chlich von K�rper -- vom Dienst
befreit. Ein w�hrend seiner Dienstzeit an das Kriegsdepartement
gerichteter Brief, in dem er der obersten milit�rischen Leitung
Vorschl�ge bez�glich der Ueberschreitung des Rheins und der Alpen
machte, verschaffte ihm seitens der genannten Beh�rde ein
Dankschreiben, unterzeichnet von Carnot.
In den n�chsten Jahren besch�ftigte sich Fourier -- neben seinem
Beruf -- mit allerlei sozial-reformatorischen Vorschl�gen, die er
bald der Regierungsgewalt, bald einzelnen Deputaten unterbreitete,
aber ohne Anklang damit zu finden. Zu Anfang dieses Jahrhunderts
hatte er sich, um eine gr��ere Freiheit und Selbst�ndigkeit zu
genie�en, als Winkelmakler, wie er sich selbst nannte, etablirt,
ein Beruf, den er mit seiner gewohnten Offenheit also
charakterisirt. �Ein Makler ist ein Mensch, der mit den L�gen
Anderer hausirt und diesen L�gen seine eignen hinzuf�gt.� Nebenbei
ver�ffentlichte er ab und zu politische Artikel im �Bulletin de
Lyon�. In einem solchen Artikel vom 25. Frimaire des Jahres XII.
(17. Dezember 1803), betitelt. �Das kontinentale Triumvirat und ein
drei�ig Jahre dauernder Friede�, behandelte er die Frage der
Theilung Europas. Bekanntlich hatte damals bereits der Ruhm
Napoleon's eine au�erordentliche H�he erlangt, man stand kurz vor
seiner Kr�nung zum Kaiser und alle Welt besch�ftigte sich mit der
Frage, ob endlich dauernd Frieden einkehren, oder welcher Staat das
n�chste Angriffsobjekt bilden werde. Fourier setzte auseinander,
da� zun�chst noch kein Friede kommen d�rfe, da� unter den vier
Staaten, die als selbstst�ndige Reiche in Frage k�men. Frankreich,
Ru�land, Oesterreich, Preu�en, letzteres, als das schw�chste,
zuerst an die Reihe kommen und verschwinden werde. Mit einer
einzigen Schlacht sei es niedergeworfen -- was bekanntlich
thats�chlich geschah -- und dann werde es das Schicksal Polens
finden und unter die anderen drei getheilt werden. Jetzt sei das
Triumvirat und ein l�ngerer Friede m�glich; einige man sich nicht,
so komme Oesterreich an die Reihe, zuletzt entbrenne der Kampf
zwischen Ru�land und Frankreich um die Herrschaft der Welt. England
lie� er au�er Betracht, weil es als insularer Staat und einzige
Alles beherrschende Seemacht zun�chst unangreifbar war. Aber wer in
Europa Sieger bleibe, werde Indien nehmen, die H�fen Asiens und
Europas schlie�en und so England zu Grunde richten. Gegen England,
in dem er die St�tze des Handelssystems und den Repr�sentanten
aller Niedertr�chtigkeiten des Handelsgutes sah, empfand er einen
besonderen Ha�, der h�ufig aus seinen Schriften hervorbricht. Der
erw�hnte Artikel erregte die Aufmerksamkeit Napoleon's und f�hrte
zu Untersuchungen �ber den Verfasser; dem Verleger wurde bedeutet,
k�nftig �hnliche Artikel nicht wieder aufzunehmen.
Im Jahre 1808 ver�ffentlichte Fourier sein erstes und grundlegendes
Werk unter dem Titel: �La Theorie des quatre Mouvements et des
destin�es generales� (�Die Lehre von den vier Bewegungen und den
allgemeinen Bestimmungen�). In diesem Werke sind seine Ideen
bereits vollkommen enthalten, obgleich es noch vielfach der
Klarheit und namentlich der logischen Entwicklung entbehrt; daf�r
ist es aber mit dem ganzen Feuer der ersten Begeisterung eines
Mannes geschrieben, der an seine Mission und die Unfehlbarkeit
seiner Theorien glaubt. Fourier lie� das genannte Werk allerdings
zun�chst nur als Prospekt seiner Entdeckung erscheinen, dem sp�ter
noch acht lange Abhandlungen �ber die Gesammtheit seiner Theorien
folgen sollten. Diese erschienen nun zwar nicht, aber was erschien,
enthielt im Grunde doch nur umf�nglichere Erl�uterungen und gr��ere
Detailschilderungen seines Systems, untermischt mit
philosophisch-polemischen Abhandlungen gegen seine Gegner, worin er
sich gegen die auf ihn und gegen seine Theorien gerichteten
Angriffe wandte, dabei immer dem Grundsatze folgend: die beste
Taktik zur Abwehr ist der Angriff. Auch liebte er es, in seinen
Werken immer wieder seine positiven Hauptgedanken, wie seine
Hauptanklagen gegen die bestehenden Zust�nde zu wiederholen,
nachdr�cklich hervorhebend, da� dies n�thig sei, einestheils, um
seine Ideen, die dem Leser neu und fremd seien, besser und sicherer
in dessen K�pfe haften zu lassen, anderntheils, um die in den
K�pfen tief eingewurzelten Vorurtheile um so gr�ndlicher zu
beseitigen. Eine unzweifelhaft sehr richtige Taktik, die auch die
Gegner alles Neuen bisher stets angewandt haben, wodurch sie es
fertig brachten, selbst die absurdesten Vorurtheile lange Zeit
aufrecht zu erhalten.
Die gro�e Masse in allen Kreisen denkt nur gewohnheitsm��ig, die
einmal �bernommenen Ideen bewegen sich in gewisserma�en
ausgefahrenen Hirngeleisen, und es bedarf erst starker und
wiederholter, durch greifbare Thatsachen und f�hlbare Uebel
unterst�tzter Argumente, um sie aus der gewohnten Denkbahn zu
rei�en. Und ist das Interesse nicht mit den neuen Ideen verkn�pft,
so ist alle Arbeit vergebens, vereinzelte Idealisten ausgenommen,
die schlie�lich doch auch nur aus Interesse geleitet werden, weil
sie weiter blicken und das Neue als das Zuk�nftige, als
unab�nderliche Nothwendigkeit und Verbesserung f�r Alle ansehen und
darum f�r erstrebenswerth halten.
Der Gedankengang, den Fourier in seinem ersten Werk entwickelt, ist
kurz folgender: die Welt besteht aus drei ewigen, unerschaffenen
und unzerst�rbaren Prinzipien:
-- Gott, oder dem Geist, aktives und bewegendes Prinzip;
-- der Materie, passives und bewegtes Prinzip;
-- der Gerechtigkeit oder den mathematischen Gesetzen, regulirendes
Prinzip.
Analog dem Weltall besteht auch der Mensch aus drei Prinzipien:
-- den Trieben (�passions�), aktives und bewegendes Prinzip;
-- dem K�rper, passives und bewegtes Prinzip;
-- der Intelligenz, neutrales und regulirendes Prinizp.
Gott, welcher der Leiter und Lenker des Weltalls ist, kann nur die
Einheit und Harmonie desselben wollen, weil sonst er mit sich
selbst in Widerspruch st�nde. Daher existirt eine ununterbrochene
Kette von Beziehungen zwischen Allem, was vorhanden ist. Zwischen
den drei Reichen der Natur -- Thieren, Pflanzen, Mineralien -- und
dem Menschen, zwischen dem Menschen und Gott, wie zwischen dem
Menschen und dem Erdball, und dem ganzen Planeten- und
Weltsystem.[2] Indem Gott den Menschen schuf, ihn mit Trieben und
Leidenschaften ausstattete, wollte er, da� der Mensch damit
gl�cklich sei. Es ist also nicht anzunehmen, da� diese Triebe
sch�dliche sind, da� der eine oder der andere unterdr�ckt werde
oder unbefriedigt bleibe. Die Befriedigung seiner Triebe schafft
vielmehr die Harmonie des Menschen mit sich selbst und mit Gott.
Wenn wir trotzdem h�ufig sehen, da� diese Triebe des Menschen sich
oft nur in sch�dlicher Richtung oder gar nicht �u�ern und nicht
befriedigt werden k�nnen, so beweist dies nichts gegen _die Triebe
und die Ordnung Gottes, sondern spricht gegen die soziale
Organisation der Gesellschaft_, welche diese Triebe sich falsch zu
beth�tigen zwingt oder sie gar unterdr�ckt.
[Fu�note 2: Fourier spricht hier denselben Gedanken aus, dem
Robinet in seinem 1766 in Amsterdam erschienenen Werke �Ueber die
Natur� (�De la nature�) Ausdruck giebt: �Alles in der Natur steht
miteinander in Verbindung�, und ebenso spricht R. einen Gedanken
aus, den Fourier �hnlich wiederholt: �Da� die Natur mit m�glichst
sparsamer Ausnutzung der vorhandenen Stoffe arbeite.� Holbach sagt
im �Systeme de la nature�: �In der ganzen Sch�pfung herrscht
Wesenseinheit.� Die Ideenassoziation ist augenf�llig.]
Es sind nun vier Bewegungen, oder wie er sp�ter aufstellte, f�nf,
welche die ganze Welt in Th�tigkeit setzen und sie den Bestimmungen
entgegenf�hren.
1. Die normale Bewegung; Gesetze der Anziehung f�r die imponderablen
(unw�gbaren) Elemente, Elektrizit�t, Magnetismus, Ger�che.
2. Die thierische oder instinktuelle Bewegung; Gesetze der Anziehung
f�r die Triebe und Instinkte aller erschaffenen Wesen, wann und wo
immer sie waren, sind und sein werden.
3. Die organische Bewegung. Gesetze der Anziehung f�r die
Eigenschaften der K�rper: Form, Farbe, Geschmack, Geruch etc.
4. Die materielle Bewegung -- bereits durch die Mathematiker
(Newton) entdeckt -- Gesetze der Anziehung und Gravitation der
Weltk�rper (Planeten Fixsterne). Die Kometen sind nach Fourier
irregul�re Weltraumbummler.
5. Die soziale Bewegung -- der eigentliche Angelpunkt (Pivot) des
Ganzen -- die Gesetze, welche die Ordnung und Aufeinanderfolge der
verschiedenen sozialen Gestaltungen auf allen Weltk�rpern regeln.
Der Mittelpunkt dieser sozialen Gesetze ist der Mensch, der im
Grunde damit zum Mittelpunkt des Ganzen wird um den sich Alles
dreht.
Was hat die Welt �berhaupt f�r einen Zweck, wenn sie nicht f�r den
Menschen geschaffen ist? Das ist der Hauptgedanke, der seiner
Weltauffassung zu Grunde liegt.
Die Bestimmung des Menschen ist das Gl�ck, das in der Entwicklung
aller seiner Anlagen, der Befriedigung aller seiner Triebe liegt.
Der Mensch soll genie�en und abermals genie�en Alles, wonach sein
Herz ihn dr�ngt, das ist das Fourier'sche Evangelium und nach ihm
die Bestimmung des Menschen durch Gott. Man sieht, dieser
Fourier'sche Gott ist ein sehr materialistischer Gott, der sich in
starkem Gegensatz zu dem Gott des Christenthums befindet, der die
Enthaltsamkeit, die Demuth, die Kreuzigung des Fleisches predigt.
Seiner Bestimmung gem�� strebt also der Mensch nach dem Gl�ck, und
Reichthum und Gesundheit bilden sein Gl�ck. Er will Reichthum, um
sich Genu� verschaffen zu k�nnen, und er will Gesundheit, um sie
genie�en zu k�nnen. Den Reichthum genie�en nur Wenige, und meist
Jene, die ihn am wenigsten verdienen; die Gesundheit mangelt fast
Allen. Den Einen in Folge von Noth, Elend, Tr�bsal, Entbehrungen,
den Anderen in Folge von Ueber�ppigkeit, Schwelgerei, Ueberma� der
Gen�sse. Das Eine wie das Andere ist Folge unserer sozialen
Einrichtungen, die keinem Theil der Gesellschaft, weder dem Reichen
noch dem Armen, die vern�nftige und gesunde Entwicklung aller
seiner Kr�fte und F�higkeiten, die Abwechslung und befriedigende
Anwendung seiner Triebe gestatten. Zwar will die Gesellschaft, und
namentlich die Zivilisation, das allgemeine Gl�ck, aber was sie
erstrebt, schl�gt stets in das Gegentheil um. Wir behaupten, die
Wahrheit zu wollen, und �berall herrscht L�ge, Heuchelei,
Unterdr�ckung; wir wollen die Moral und es herrscht Diebstahl,
Betrug, Verf�hrung, Ehebruch, Prostitution, kurz allgemeine
Sittenlosigkeit; wir erstreben das allgemeine Gl�ck und sieben
Achtel bis acht Neuntel der Menschen sind ungl�cklich, weil sie von
Uebeln umgeben sind, die zu beseitigen nicht in ihrer Macht liegt.
So herrscht statt der Einheitlichkeit die Zweideutigkeit in allen
Beziehungen. Jede gute Seite hat ihre schlimme, und zwar ist die
schlimme die �berwiegende.
Fourier nennt das Streben nach Gl�ck streben nach innerem und
�u�erem Luxus. Der innere Luxus ist die Gesundheit, der �u�ere der
Reichthum. Den inneren Luxus bilden die Triebe, _die um so ges�nder
sind, je lebhafter sie sind_, und deren es f�nf sensuelle oder
Sinne des K�rpers giebt: Geruch, Gesicht, Geh�r, Geschmack und
Gef�hl, und vier Triebe der Seele: Liebe, Freundschaft, Ehrgeiz,[3]
Familiensinn, die s�mmtlich alle neun von drei sie steuernden
Trieben beherrscht werden. Diese drei sind: Die Kabalist, Trieb der
Intrigue, d.h. der Trieb, der th�tig ist, um die Neigungen zu
theilen, die Willen zu bestimmen, sich zu gemeinsamen Handlungen zu
vereinigen; die Alternant oder Papillone, Trieb, der nach
best�ndiger Abwechslung, nach Kontrasten, nach Ver�nderungen in der
Handlung strebt; die Komposit, Trieb, der die Begeisterung, den
Enthusiasmus erregt, nach dem Guten und Sch�nen strebt, alle
Hindernisse �berwindet. Diese letzten drei Triebe wirken ihm
zufolge auf die vier affektiven und diese auf die f�nf sensitiven.
[Fu�note 3: Herm. Greulich bezeichnet in seiner Schrift: �Karl
Fourier, ein Vielverkannter� (Hottingen-Z�rich, Volksbuchhandlung
1881), den Ehrgeiz als Auszeichnungstrieb, weil das Wort Ehrgeiz
einen h��lichen Beigeschmack habe. Der von Gr. gew�hlte Ausdruck
ist unzweifelhaft korrekt, aber wir wollen doch nochmals
ausdr�cklich konstatiren, da� nach Fourier's Theorie _alle Triebe
gut sind_ und der Ausdruck Ehrgeiz ebensowenig anst��ig sein darf,
als die nach unserer landl�ufigen Auffassung von Fourier
gebrauchten Ausdr�cke Kabalist und Intrigue. Der Ehrgeiz ist auch
in der b�rgerlichen Gesellschaft an sich eine ganz l�bliche
Eigenschaft, der nur unangenehm und sch�dlich wird, wenn er auf
Kosten Anderer oder der Allgemeinheit sich Geltung verschaffen
will. Im Uebrigen scheint uns, hat Greulich in seiner Schrift, in
dem Streben, Fourier zur verdienten Anerkennung zu bringen, ihn ein
wenig zu sehr modernisirt und in der Sprache unserer Zeit reden
lassen, ohne seiner Einseitigkeit und Schrullen gen�gend Erw�hnung
zu thun. Ein solches Zug�nstigf�rben erkl�rt sich aus dem
Bestreben, Fourier gegen die ungerechten und unqualifizirbaren
Angriffe eines D�hring, Most und Bernhard Becker in Schutz zu
nehmen. Alle drei bezeichnen Fourier -- und D�hring und Most
offenbar, ohne sich n�her mit seinen Werken vertraut gemacht zu
haben -- einfach als Narren, womit sie glauben, ihn abgethan zu
haben. Ob dieser, Fourier schon zu Lebzeiten von Seiten seiner
Gegner entgegengeschleuderte Vorwurf eine Berechtigung hat, mag der
Leser am Schlusse obiger Abhandlung entscheiden. Wir m�chten aber
schon jetzt konstatiren, da� Joh. Most, der sich heute als
Anarchistenchef aufspielt, gar keine Ahnung gehabt zu haben
scheint, da� er Fourier als _Vater des Anarchismus_ anzusehen hat
-- das Wort hier in seinem wahren Sinne, der Regierungs- und
Staatlosigkeit genommen, und nicht im Sinne der blinden
Gewaltstheorie, wie sie Most als anarchistisches Prinzip predigt.
Die Fourier'sche Theorie in die Praxis umgesetzt, d.h. der Erdball
mit Phalanst�ren bedeckt, machte jede Staatsorganisation
�berfl�ssig, es w�re die F�deration der Phalanxen, also
produzirender und konsumirender Kommunen. Da� Fourier trotzdem
nicht blos alle bestehenden Staaten als weiter bestehend
voraussetzt, sondern auch noch so viele neue dazu zu gr�nden in
Aussicht stellte, ist einer der Widerspr�che seines Systems, die
ihm nicht zum Bewu�tsein kamen. Aber es ist ein Widerspruch, der
das System selbst nicht besser und nicht schlechter macht, es in
seinem Wesen unber�hrt l��t.]
Will aber der Mensch alle seine Triebe beth�tigen und befriedigen
und den dazu n�thigen Reichthum erlangen, ein Streben, das seiner
Natur inh�rent ist, so kann er dies nicht als isolirtes Einzelwesen,
er bedarf hierzu einer Organisation mit Seinesgleichen. Diese
Organisation, die Fourier entdeckte und als Heilmittel bietet, ist
-- die l�ndliche und hauswirthschaftliche Assoziation, die mit der
industriellen zu verbinden und auf die Anwendung der Serien
(Reihen) und Gruppen der Triebe organisirt sein soll.
Fourier legt auf die Ackerbaugenossenschaft oder die agrikole
Assoziation das Hauptgewicht, er sieht sie als die eigentliche
Grundlage f�r die menschliche Existenz, als diejenige Th�tigkeit
an, welche die meiste und angenehmste Abwechslung der Verrichtungen
bietet. Aber auch die ganze h�usliche Th�tigkeit, die
Hauswirthschaft im weitesten Umfang, Handel und Gewerbe, die
Erziehung, die K�nste, die Wissenschaften sollen soziet�r betrieben
werden. Die eigentliche Gro�industrie hatte im Zeitalter Fourier's
noch wenig Bedeutung in Frankreich, sie war haupts�chlich in der
sog. Manufaktur organisirt, jener h�her entwickelten Theilung der
Handarbeit, vereinigt in gro�en Werkst�tten, oder vertheilt in
Hausbetrieben, die f�r einen gemeinsamen Unternehmer arbeiten. Der
gro�e Fabrikbetrieb entstand erst in einiger Bedeutung gegen das
Lebensende Fourier's. Der manufakturm��ige Gro�betrieb wurde zu
Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich treibhausm��ig durch die
Zoll- und Gewerbepolitik Napoleon's beg�nstigt, dessen Ha� und
Eifersucht, sowie Rachsucht gegen England ihn zur Kontinentalsperre
trieben und ihn die gr��ten Anstrengungen machen lie�en, neben der
Sperrung der seiner Machtsph�re unterworfenen H�fen f�r englische
Waaren, die inl�ndische Industrie vermittelst enormer Schutzz�lle,
Staatsunterst�tzungen und Pr�mien k�nstlich gro�zuziehen und
dadurch England zu st�rzen. Immerhin w�rde sich auch unsere heutige
Gro�industrie in die Fourier'sche phalanstere Organisation
einreihen lassen.
Die Arbeit ist nach Fourier eine Nothwendigkeit f�r _Alle_ ohne
Unterschied des Lebensalters und des Geschlechts, aber sie darf
keine Last, sondern sie mu� eine Lust sein, mit anderen Worten: sie
mu� anziehend sein. Das kann sie nur sein, wenn Jeder das treibt,
wozu seine Triebe ihn dr�ngen, was ihm also Vergn�gen macht; dabei
mu� die Besch�ftigung h�ufig abwechseln und d�rfen zu diesem Zwecke
die einzelnen Arbeitssitzungen nur kurze sein. Jede Besch�ftigung
wie jedes Vergn�gen darf nicht �ber ein und eine halbe bis zwei
Stunden w�hren, weil man sonst erm�det. Um aber das rivalisirende
Element in die Besch�ftigung zu bringen, mu� sie von einer Anzahl
Gleichstrebenden zugleich ge�bt werden. Es bilden sich also Gruppen
von Gleichgesinnten f�r eine bestimmte Th�tigkeit. Jede dieser
Gruppen mu� der lebhafteren Rivalit�t und der Ausgleichung halber
mindestens sieben, gew�hnlich neun Personen umfassen. Es bilden
sich eben so viel Gruppen, als Unterarten von Besch�ftigungen bei
einem bestimmten Produktionszweig vorhanden sind; diese
verschiedenen Gruppen bilden eine Serie (Reihe). Es giebt z.B. eine
Serie der Birnen- und eine solche der Aepfelz�chter, aber f�r die
Variet�ten jeder Obstart bestehen Gruppen. Es rivalisiren also die
Serien, um die beste Obstart, die Gruppen, um die besten Sorten
(Variet�ten) zu z�chten. Da ferner zwei Menschen nie in Allem den
gleichen Geschmack und die gleichen Triebe haben, so werden
dieselben Personen, die soeben in einer Gruppe zusammen wirkten,
sich in den nachfolgenden Arbeitssitzungen in rivalisirenden
Gruppen oder Serien in anderen Produktionszweigen gegen�berstehen.
Es wechselt also nicht blos die Besch�ftigung, es wechselt auch
best�ndig der gesellschaftliche Umgang bei der Arbeit. Dieser
immerw�hrende Wechsel der Besch�ftigung und der besch�ftigten
Personen, und die daraus hervorgehenden, sich bald anziehenden,
bald absto�enden Wechselbeziehungen bilden nach Fourier die h�chste
Befriedigung, weil alle Triebe dabei in's Spiel kommen. Aber die
Befriedigung w�rde keine vollkommene sein, wenn nicht der �u�ere
Erfolg, also die Reichthumserzeugung, durch diese Th�tigkeitsweise
auch erzielt w�rde. Diese planm��ig organisirte, assoziirte
Th�tigkeit von Hunderten von Familien in einer Phalanx wird, so
behauptet Fourier, im Gegensatz zur einzelnen Privatwirthschaft und
Privatunternehmerschaft eine gro�e Menge von Ersparungen an Kraft,
Zeit, Mittel, Werkzeugen etc. einerseits, und durch die geschickt
kombinirte und rivalisirende Th�tigkeit Aller andererseits eine
Reichthumsvermehrung zur Folge haben, die sich im Vergleich zu
jetzt verzehn-, verzwanzig-, selbst vervierzigfacht und dem
Aermsten eine Bed�rfni�befriedigung erm�glicht, wie sie heute kaum
ein reicher Mann sich verschaffen kann.
In der Fourier'schen Phalanx besteht der Unterschied des Besitzes
fort. Da der Genu� des Lebens auf Kontrastwirkungen beruht, ist
auch der Unterschied des Besitzes nothwendig. Je gr��er die
Verschiedenheiten an Besitz, Charaktereigenschaften, Trieben, also
je lebhafter die Kontraste sind, um so besser f�r die Phalanx.
Man sieht, Fourier ist der Begriff des _Klassengegensatzes_ und die
Entwicklung der verschiedenen Gesellschaftsformationen aus
_Klassenk�mpfen_, eine Grundanschauung des modernen Sozialismus,
fremd. Sein Sozialismus ist auf die Vers�hnung, die Harmonie der
heute feindlichen Gegens�tze, die nach seiner Meinung nur aus
Mi�verstand oder mangelhafter Kenntni� der wahren Bestimmung der
menschlichen Gesellschaft feindliche wurden, gerichtet. Sein
Sozialismus pa�t sich, wie er nicht m�de wird, immer wiederholt zu
versichern, allen Regierungsformen und allen Religionssystemen an,
er hat weder mit politischen noch religi�sen Streitfragen das
Geringste zu thun. Daher wendet er sich in seinen Schriften nicht
an die Arbeiter und die Masse der Geringen, von denen die erstern
zu seiner Zeit als Klasse noch wenig entwickelt waren und
�ffentlich gar keine Rolle spielten, sondern er wendet sich an die
Einsicht der Gro�en und Reichen. Letztere allein konnten ihm
helfen, weil sie allein die Mittel zur Gr�ndung einer Versuchsphalanx
besa�en, von deren Zustandekommen nach ihm die Einf�hrung seines
Systems abhing. War diese begr�ndet, dann zog sie durch ihren Glanz
und ihre Vortheile nicht nur die Zivilisirten, sondern auch die
noch im Zustande der Barbarei und der Wildheit befindlichen V�lker
-- �die von der Zivilisation nichts wissen wollen� -- an, eiligst
in die neue Gesellschaftsorganisation einzutreten. Die Phalanx ist
das Zaubermittel, das die Entwicklungsperiode der Zivilisation, wie
der Barbarei und der Wildheit abk�rzt, Barbaren und Wilden das
Durchgangsstadium durch die Zivilisation erspart und den Aufschwung
zu immer h�herer Vollendung herbeif�hrt.
So wandte sich denn Fourier nacheinander bald direkt, bald indirekt
an alle ihm jeweilig zug�ngig erscheinenden Kreise und Personen, um
diese f�r sein System zu interessiren und von ihnen die Mittel zur
Begr�ndung der Versuchsphalanx zu erlangen. Er schilderte ihnen den
eigenen materiellen Vortheil, wie die Ehren und den Ruhm, den sie
dadurch bei Mit- und Nachwelt erlangten, in den gl�nzendsten,
gl�hendsten Farben. So suchte er abwechselnd und nacheinander
Napoleon, franz�sische Volksvertreter, den Adel und Klerus der
Restauration, die Bourbonen, die englischen Gro�en, die sich f�r
das gleichzeitig auftauchende Robert Owen'sche Assoziationsprojekt
in New-Lamark interessirten, die Liberalen, ferner seine w�thendsten
Gegner, die Philosophen, Rothschild, dem er ein K�nigreich Jerusalem
in Aussicht stellte, Lord Byron, George Sand und nach der
Julirevolution die Herren von Lafitte und Thiers, die emigrirten
Polen etc. zu gewinnen. Er versuchte schlie�lich selbst mit den
Saint Simonisten, insbesondere mit Enfantin, F�hlung zu bekommen.
Die Saint Simonisten benutzten zwar theilweise seine Theorien,
indem sie dieselben mit ihren Lehren vermischten, aber auf Weiteres
lie�en sie sich nicht ein.
Alles war also vergeblich. Die Einen fanden sich unter der
bestehenden Ordnung so wohl, da� sie keine Sehnsucht nach einer
anderen hatten, Andere, die Wohlwollenden, hielten seine Ideen f�r
unausf�hrbar, sahen in denselben eine sch�ne Illusion oder Vision,
die Dritten zuckten die Achsel und lachten �ber ihn als einen
Tr�umer und Narren. Dieser Widerstand, diese Ungl�ubigkeit, die
Fourier unbegreiflich fand und auf b�sen Willen oder Vorurtheil
zur�ckf�hrte, denn er selbst glaubte an sich und sein System wie je
ein Neuerer daran geglaubt hat, wird unser Zeitalter sehr nat�rlich
finden. Wir wissen Alle, da� Entwicklungsperioden, die Bestehendes
von Grund aus umgestalten sollen, nie durch noch so scharfsinnig
und detaillirt ausgedachte, fertige Pl�ne von einer Idealgesellschaft
herbeigef�hrt werden, auch nicht, wenn die gr��ten finanziellen
Mittel und das gr��te Wohlwollen m�chtiger Pers�nlichkeiten
dahinter steht, sondern da� die Umgestaltung aus dem
Entwicklungsproze� der ganzen Gesellschaft sich vollzieht und, wenn
die Bedingungen einer neuen Gesellschaftsformation vorhanden sind,
diese sich mit elementarer Gewalt auch Bahn bricht. Sie wird nicht
gemacht, sie vollzieht sich, und stets unter der Form von
Klassenk�mpfen, _gegen_ den Willen der alten
Gesellschaftsschichten.
Fourier will in seiner Phalanx Kapital, Arbeit und Talent
ber�cksichtigen und zwar in der Weise, da� die Arbeit F�nfzw�lftel,
das Kapital Vierzw�lftel, das Talent Dreizw�lftel des Ertrags
zugewiesen erh�lt. Die beiden Geschlechter sind vollkommen
gleichberechtigt, sie arbeiten, vergn�gen und lieben sich
miteinander, wie die Neigung sie zu einander f�hrt. Wie alle
Th�tigkeit und die Vergn�gen gemeinsam sind, so ist auch die
Kindererziehung eine gemeinsame. Die Kinder sind das dritte
neutrale Geschlecht, ihrer Erziehung widmet er in seinen Werken
einen breiten und hochinteressanten Raum. Es existiren nicht viele
Menschen, die, wie Fourier, die menschliche Gesellschaft in allen
Lebensaltern und Lebensstellungen beobachteten und studirten, und
so hat er auch den Kindescharakter mit wunderbarer Gr�ndlichkeit
und Tiefe erfa�t und darauf sein Erziehungssystem begr�ndet. Es
wird keinen P�dagogen geben, der nicht heute noch die bez�glichen
Kapitel mit gro�em Vergn�gen und mit Nutzen liest.
Die Kinder werden vom ersten Tage der Geburt ab gemeinsam in
gro�en, f�r diesen Zweck auf's Bequemste und Opulenteste
eingerichteten S�len gepflegt und erzogen. Ihre Pflege �bernehmen
Pflegerinnen von verschiedenem Lebensalter, die sich freiwillig und
aus Trieb, wie bei Allem, was in der Phalanx geschieht, diesem
Dienste widmen. Sobald sich der Charakter der Kinder entwickelt,
werden sie darnach in die verschiedenen S�le vertheilt. Die
Pflegerinnen sind in Serien und Gruppen organisirt, sie sind Tag
und Nacht zugegen und werden in den �blichen Zwischenr�umen
abgel�st. Die M�tter k�nnen nach Neigung unter den Pflegerinnen
leben. Fourier meint aber, die Mehrzahl werde es vorziehen, ihren
gewohnten Besch�ftigungen und Unterhaltungen nachzugehen und nur in
den Stunden der Nahrung sich einfinden, �berzeugt, da� ihren
Kleinen Nichts fehlt und Nichts abgeht. F�r Spielen und
Unterhaltungen der Kleinen ist reichlich gesorgt. Vom dritten
Lebensjahre ab werden sie nach ihrem Alter klassifizirt und
spielend in die verschiedenen leichten Besch�ftigungen des
Haushalts eingef�hrt und zu Handarbeiten angehalten. _Jeder Zwang
ist ausgeschlossen_. Zweckdienlich eingerichtete Spiels�le, K�chen,
kleine Werkst�tten, mit kleinen Werkzeugen und Maschinen versehen,
geben ihnen Gelegenheit, ihre Triebe und F�higkeiten zu beth�tigen.
Der eigentliche geistige Unterricht beginnt erst mit dem neunten
Jahr, nachdem inzwischen die k�rperliche Erziehung, die unter dem
Namen der �Oper� Ges�nge, T�nze, Musik, k�rperliche Uebungen aller
Art umfa�t, um die Kinder gewandt zu machen, zu richtigem Ma� und
Ausdruck im Sprechen, in Geberden und Bewegungen zu erziehen, eine
feste Grundlage erlangt hat. Die Erziehung w�hrt in
verschiedenalterigen Abstufungen bis zur vollst�ndigen k�rperlichen
Reife der Geschlechter, also bis zum 16., 18. und selbst 20.
Lebensjahr. Wir kommen bei der sp�teren Darlegung der Fourier'schen
Theorien auf diese Dinge ausf�hrlicher zur�ck.
Das Verh�ltni� der beiden Geschlechter zueinander ist im
Fourier'schen System das denkbar freieste. Die Kritik, die Fourier
an die Beziehungen der Geschlechter in unserer Gesellschaft, an die
Form der heutigen Ehe mit ihren Ausw�chsen, ihrer K�uflichkeit,
ihrer Heuchelei, ihrem Zwange gegen den einen oder anderen, oder
gegen beide Theile, �bt, geh�rt zu dem Sch�rfsten, was hier�ber
geschrieben wurde.
Die Kritik der Beziehungen der Geschlechter zu einander, wie die
Kritik des Handels, den er wie kein Zweiter kannte, zogen ihm
haupts�chlich die Entr�stung und den Zorn der Gegner zu, verletzten
Diejenigen am meisten, die in dem einmal Ueberlieferten die beste
der Welten sahen. Mit seiner Theorie der freien Liebe, seiner
Darstellung der sechsunddrei�ig Arten der Hahnreischaft und des
Ehebruchs, die nach ihm existiren und die er noch zu
vervollst�ndigen sich anheischig machte; mit seiner Blo�legung der
l�gnerischen und gaunerhaften Praktiken des Handels, des Geld- und
Lebensmittelwuchers, des Schachers mit Grundst�cken und Effekten,
der B�rsenman�ver, hatte er in verschiedene und sehr gef�hrliche
Wespennester gestochen. Er rief einen solchen Sturm gegen sich
wach, da� er selbst sp�ter f�r angemessen fand, zu erkl�ren, Alles,
was er �ber die Beziehungen der Geschlechter in seinen Schriften
ausgef�hrt habe, k�nne erst von der dritten Generation ab, nach
Gr�ndung seines Systems, zur Durchf�hrung kommen. Die jetzt noch
�berm��ig herrschenden Vorurtheile, wie die physischen Uebel und
Gebrechen, die das gegenw�rtige System erzeugt habe, m��ten erst
allm�lig ausgerottet werden. Dagegen fuhr er fort, durch
historische Darlegung und Kritik der geschlechtlichen und der
Eheverh�ltnisse bei den alten V�lkern, besonders an der Hand der
Bibel, ihrer Erz�hlungen �ber die Nachkommen der ersten Menschen,
die Lebensweise der Erzv�ter, dann David's, Salomo's u.s.w.
nachzuweisen, welche Phasen die Geschlechtsverh�ltnisse der
Menschen durchgemacht und wie wenig Ansto� selbst Gott daran
genommen habe, indem er allen diesen aus dem alten Testament
angef�hrten Personen fortgesetzt sein Wohlwollen und seine Gnade
erhalten habe.
Unter den neuen Lebensverh�ltnissen, die Fourier erstrebt, genie�en
die Menschen nicht nur das volle Gl�ck, sie werden auch bei ihrer
gesunden und naturgem��en Lebensweise ein sehr viel h�heres
Lebensalter erreichen, als heute. 144 Jahre werden das
Durchschnittsalter sein. Sie k�nnten also wenigstens volle achtzig
Jahre die Liebe genie�en, was doch wohl, wie er meint, eine zu
lange Zeit sei, um mit einem Mann oder einer Frau ausschlie�lich
leben zu sollen, �t�glich von derselben Platte zu essen�. Da ferner
mit dieser l�ngeren Lebensdauer auch die Vermehrung der Menschen
entsprechend wachse, sei Urbarmachung neuen Bodens, Ansiedelung in
bisher wenig bev�lkerten L�ndern und Erdtheilen geboten. Aber auch
dieses H�lfsmittel werde bald der Vermehrung ein Ziel setzen, wenn
nicht gleichzeitig mit der Entwicklung des Menschengeschlechts
durch die neue soziale Organisation unser Erdball in klimatischer
Beziehung bis zum h�chsten Nord- und S�dpol eine vollst�ndige
klimatische Umwandlung durchmache, die auch auf den anderen
Planeten und Fixsternen �hnlich sich vollziehen soll.
Hier entwickelt nun Fourier ein kosmogenetisches System, das zu dem
Phantastischsten geh�rt, das ein Mensch erdenken kann. Es ist
namentlich dieser Theil seiner Abhandlungen, der ihm den meisten
Spott, ihm haupts�chlich den Titel des �Vision�rs�, des �Narren�
eingetragen hat. Das ganze Universum ist nach Fourier, und hier
beruft er sich auf Schelling, �das Spiegelbild der menschlichen
Seele�.
Die Welt ist dem Menschen zu Liebe geschaffen; nach seinem Tode
wandert er von Planet zu Planet zu immer h�herer Vollkommenheit,
eine Idee, die freilich auch in anderen K�pfen, selbst heute noch,
spukt und nicht blos in den untern Schichten. -- �Die Kanaille will
ewig leben.�
Jeder Planet wird geboren; er hat, wie der Mensch, sein Alter der
Kindheit, der auf- und absteigenden Entwicklung und des Todes. Auch
die Menschheit stirbt, und zwar nach einer Gesammtlebensdauer von
80.000 Jahren, die sich in vier Phasen abwickeln. Die Phase der
Kindheit, in deren letzter Periode wir uns befinden, dauert 5000
Jahre; die Phase der aufsteigenden Entwicklung w�hrt 35.000 Jahre;
die Phase des allm�ligen Niedergangs ebenfalls 35.000 Jahre. Dann
folgt die Phase der Altersschw�che wieder mit 5000 Jahren, worauf
der Tod der Menschheit und der Erde eintritt. Innerhalb des
Zeitraums von 80.000 Jahren erlebt die Menschheit 32
Entwicklungsperioden -- wir befinden uns in der f�nften, der
Zivilisation --, und innerhalb der verschiedenen Perioden giebt es
verschiedene Neusch�pfungen, durch welche auch die Thier- und
Pflanzenwelt und das Klima, entsprechend der h�heren Entwicklung
des Menschen, sich in h�herer Vollkommenheit entfalten werden. Mit
der achten Periode, der Harmonie, beginnt die Aurora des Gl�cks. Es
wird die Nordpolkrone (�Couronne bor�ale�) geboren, die dann,
gleich der Sonne, nicht blos Licht, sondern auch W�rme verbreitet
und damit eine Reihe neuer Sch�pfungen einleitet. Die Wirkung der
Nordpolkrone wird sein, da� Petersburg und Ochotsk ein �hnliches
Klima bekommen, wie Kadix und Konstantinopel, da� das Klima der
sibirischen Eisk�sten dem von Marseille und dem Golf von Genua
gleicht, und da� eine Fruchtbarkeit dieser n�rdlichen Erdtheile
beginnt, die mit jener der tropischen L�nder wetteifert.
Gleichzeitig wird durch die Einwirkung des Fluidums der
Nordpolkrone und durch die Ver�nderung des Klimas das Meer sich
umbilden und einen limonadeartigen Geschmack annehmen. Die
jetzigen, den Menschen feindlichen und sch�dlichen Meerungeheuer,
wie der Hai etc., werden zu Grunde gehen und durch neue
Sch�pfungen, wie Anti-Hai, Anti-Walfisch, ersetzt werden, Thiere,
die dem Menschen freundlich sind und ihm ihre Dienste zum Ziehen
der Schiffe etc. leihen werden. Alle _n�tzlichen_ Fische und
Seethiere, wie der Hering, der Kabeljau, die Auster u.s.w., werden
trotz der Ver�nderung des Meeres erhalten bleiben und sich
wesentlich vermehren. Ganz �hnlich vollzieht sich die Umgestaltung
auf dem Lande. Alle wilden Thiere (L�we, Tiger, Leopard, Wolf etc.)
und alle giftigen Reptile oder widerlichen Insekten, ebenso die
giftigen und sch�dlichen Pflanzen verschwinden und werden durch f�r
den Menschen n�tzliche Neusch�pfungen ersetzt. So entsteht z.B. der
Anti-L�we, der zahm ist und sich freiwillig dem Menschen als
Reitthier anbietet.
Sobald der ganze Erdball mit Phalanxen bedeckt ist, wird er zwei
Millionen derselben mit vier Milliarden Menschen aufweisen. Alsdann
wird Konstantinopel Hauptstadt der Welt und wird der von allen
Phalanxen ernannte Omniarch, als Herrscher der Welt, seinen Sitz
dort nehmen. Worin aber das Herrscheramt dieses Omniarchen besteht,
ist schwer zu sagen, dar�ber giebt Fourier keine Auskunft. Mit der
Zahl von vier Milliarden ist das Maximum der Bev�lkerungsziffer
erreicht; denn wenn die Menschen sich anfangs stark vermehrten, so
l��t die Fruchtbarkeit des Geschlechts allm�lig und namentlich in
dem Ma�e nach, wie neben den M�nnern insbesondere auch die Frauen
gr��er und st�rker werden, ihre geistige und k�rperliche
Entwicklung und die opulente Lebensweise zunimmt. Fourier glaubt,
schon jetzt in unserer Gesellschaft die Beobachtung gemacht zu
haben, da� Frauen von gro�er K�rperkraft und K�rperf�lle und
h�herer geistiger Entwicklung und in g�nstigen materiellen
Verh�ltnissen lebend, weniger Kinder geb�ren, als solche von
schw�chlicher, magerer Konstitution, so da� Erstere h�ufig sogar
unfruchtbar seien.
Aehnliche Umgestaltungen und Ver�nderungen, wie auf unserm Globus,
vollziehen sich auf allen �brigen Planeten und geben dem Menschen
die Gew�hr, da� er auch nach seinem Tode auf der Erde in
ungemessenen Zeitr�umen von einem zum andern Planeten wandert, von
denen immer einer vollkommener als der andere ist und immer h�here
Gen�sse dem Menschen in Aussicht stellt. Ganze Planetensysteme
werden sich noch bilden, um in der Sternenwelt dieselbe Harmonie,
das obere Klavier (�clavier majeur�) herzustellen, wie diese
Harmonie auf der Erde in dem Klavier der menschlichen Seele, das
810 Charaktereigenschaften aufweist, sich hergestellt hat. Das
Charakteristische in allen diesen Auseinandersetzungen Fourier's
sind die bestimmten mathematischen Verh�ltnisse und die Analogien,
mit denen er rechnet. Alles dr�ckt sich bei ihm in bestimmten
Zahlen aus. Alle Lebens�u�erungen und Erscheinungen in der Welt
lassen sich in bestimmten mathematischen Zahlenverh�ltnissen zum
Ausdruck bringen. Fourier steht hier ganz auf dem Boden des
Pythagoras (540-500 vor unserer Zeitrechnung), der bekanntlich eine
Philosophie der Zahlenlehre f�r alle Erscheinungen begr�ndete.
Ebenso sieht Fourier �berall Analogien; jede unserer Pflanzen,
jedes Thier entspricht irgend einem Menschencharakter, dabei kommt
er zu erg�tzlichen Vergleichen. Ferner entsprechen die 32 Z�hne des
Menschen den 32 Entwicklungsperioden der Menschheit und den 32
Planeten unseres Planetensystems, die nach ihm dieses z�hlen mu�.
Die phantastischen Spekulationen Fourier's �ber die Entwicklung von
Menschen und Welt waren es, die ihm im spotts�chtigen Frankreich am
meisten schadeten. Sp�ter gab er auch diesen Theil seiner Ansichten
ausdr�cklich preis, sich damit entschuldigend, da� im Jahre 1808
seine Kenntnisse und Entdeckungen noch sehr mangelhaft gewesen
seien, da� er f�r das Studium auf die N�chte angewiesen gewesen sei
und er manche ihm n�thige Wissenschaft habe vernachl�ssigen m�ssen.
Im Uebrigen aber h�tten, meinte er, diese seine kosmogenetischen
Ansichten mit seinem eigentlichen sozialen System nichts zu thun
und sch�digten und ber�hrten dieses eben so wenig, als die
Tr�umereien Newton's �ber die Auslegung der Apokalypse dessen
Entdeckung �ber die Attraktion und Gravitation der Weltk�rper
gesch�digt und ber�hrt habe. Ueberdies erlebte Fourier die
Erfindung und Anwendung des Dampfschiffs und der Eisenbahnen, und
damit war f�r ihn handgreiflich der Beweis geliefert, da� die
Menschheit nunmehr mit einer Schnelligkeit Meere zu durchschneiden
und L�nder zu durcheilen vermochte, da� sie den Anti-Hai des Meeres
und den Anti-L�wen des Landes sehr wohl entbehren konnte. Wer hatte
�berhaupt zu Anfang dieses Jahrhunderts von bedeutenden M�nnern
keine Tr�umereien? Schiller in seinen R�ubern, G�the in seinen
Wilhelm Meister's Lehr- und Wanderjahren, Fichte in seinem
�geschlossenen Handelsstaat� malten die Welt auch ganz anders, als
sie der gro�en Mehrzahl der gleichzeitig mit ihnen lebenden
�vern�nftigen Leute� sich darstellte. Geniale Menschen haben das
Recht, zu �tr�umen�, sie helfen mit ihren �Tr�umen� der Menschheit
mehr, als der gro�e Tro� des Philisterthums mit seinen
�vern�nftigen� Gedanken.
Wir wiederholen, man darf nie einen Mann und seine Geistesprodukte
mit dem Ma�stab einer _sp�teren_ Zeit messen. Wie jeder Mensch, der
bedeutendste wie der geringste, das Kind seiner Zeit ist, so wird
er auch �ber seine Zeit nicht hinaus k�nnen; er kann der
Vorgeschrittenste in ihr sein, au�er ihr steht er nicht. Eine
bewu�te Arbeiterklasse gab es zu Anfang dieses Jahrhunderts nicht,
konnte es nicht geben; die moderne, industrielle Arbeiterklasse war
erst im Entstehen, und so weit die Arbeiter am �ffentlichen Leben
sich betheiligten und sich daf�r interessirten, bildeten sie die
Gefolgschaft der Bourgeoisie, wie sie dies in Deutschland im Anfang
der sechziger Jahre noch waren. In Frankreich lagen damals die
Verh�ltnisse noch ganz anders. Die Ideen der gro�en Revolution
besa�en noch einen Glanz und hatten einen Enthusiasmus in den
Massen verbreitet, der lange und tief nachwirkte.
Warum jene gl�nzenden Ideen der b�rgerlichen Ideologen in der
Revolution sich nicht verwirklicht hatten, nicht verwirklichen
konnten, erw�hnten wir schon. Dazu kam, da� die napoleonischen
Kriege Frankreich unausgesetzt in Athem hielten und die �ffentliche
Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Ueberdies hatten zu jener
Periode die Arbeiter in Frankreich ihre goldene Zeit. Durch das
bereits erw�hnte gegen England gerichtete vollst�ndige
Abschlie�ungssystem und die damit treibhausartig gez�chtete
Gro�industrie -- Zuckerfabrikation, Baumwollenfabrikation,
Seidenindustrie etc. -- in Verbindung mit der fortgesetzten
Hinopferung von Hunderttausenden der besten Kr�fte im Mannesalter,
in den ununterbrochenen Kriegen, war die Nachfrage nach Arbeitern
gro�, die L�hne standen hoch und die Arbeiter lernten erst jetzt
eine Menge Bed�rfnisse kennen und befriedigen, von denen sie fr�her
keine Ahnung hatten. Da bek�mmerten sie sich nicht um neue soziale
Theorien, namentlich wenn diese ihnen in so fremder, schwer
verbindlicher und unverdaulicher Form geboten wurden, wie sie
Fourier's erstes Hauptwerk enthielt. Fourier ist �berhaupt schwer
verst�ndlich, es mangelt ihm die logische Zusammenfassung und die
klare Ausdrucksweise. Daneben hat er sich eine Nomenklatur gebildet
und wendet diese mit Vorliebe an, die eine Verdeutlichung sehr
schwer, manchmal fast unm�glich macht.
Als nach Beendigung der napoleonischen Kriege und nach der
Beseitigung Napoleon's Frankreich anfing, sich wieder mit sich
selbst zu besch�ftigen, traten andere Erscheinungen in den
Vordergrund, die das allgemeine Interesse in Anspruch nahmen.
Gleichzeitig mit den Bourbonen und unter dem Schutz der Bayonette
der heiligen Allianz war ein ganzes Heer ehemals emigrirter Pfaffen
und Adeliger mit ihrer Nachkommenschaft einger�ckt, die jetzt wie
ein Schwarm Heuschrecken sich �ber das Land ergossen, Ersatz f�r
das einst Verlorene, Belohnung und Vergeltung f�r das meist sehr
zweifelhaft Geleistete aus �ffentlichen Mitteln verlangten, und
nach m�glichster Wiederherstellung der Zust�nde des �ancien regime�
sich sehnten und dazu dr�ngten. Zwar hatte schon Napoleon versucht,
seinen Frieden mit den alten St�nden zu machen; er hatte neben dem
alten einen neuen Adel kreirt, weil er einsah, da� er seinen neu
gezimmerten Thron nicht ohne solche St�tzen auf die L�nge zu halten
vermochte, und mit dem Papst hatte er sich auch verst�ndigt. Aber
es war doch nur ein kleiner Theil des Adels, der von Napoleon
befriedigt war, und der Herr und Meister zwang diesen Adel zur
Bescheidenheit. Das wurde nach 1815 anders. Jetzt brach der alte
Adel in Schaaren in das Land, er hielt den Tag der Ernte nach so
langer Entbehrung f�r gekommen. Die reaktion�ren Strebungen kamen
�berall zum Vorschein. Eine Reihe von Jahren lie� sich das
niedergetretene Frankreich diesen Zustand gefallen, dann aber
ermannte es sich allm�lig. Die Bourgeoisie, die sich in erster
Stelle zur�ckgedr�ngt und beunruhigt sah, wurde oppositionell, und
Alles, was von den Ideen der gro�en Revolution erf�llt war, noch
voll Begeisterung und Enthusiasmus gl�hte, erhob sich zum Kampf,
der schlie�lich in dem Sturz der Bourbonen in der Julirevolution
zun�chst sein Ende fand. Aber sp�ter dauerten die K�mpfe fort und
f�hrten namentlich zur Gr�ndung der geheimen revolution�ren
Gesellschaften, an denen auch die Arbeiter in st�rkerem Ma�e sich
betheiligten. Das war keine Str�mung, die den auf Auss�hnung und
Ausgleichung der Gegens�tze gerichteten Bestrebungen Fourier's
g�nstig war. Dazu kam noch eine gewisse Zur�ckhaltung seinerseits,
er blieb den politischen K�mpfen vollst�ndig fern, seine Natur war
nicht f�r die �ffentliche Propaganda und die Agitation gemacht.
Die Aufnahme, die Fourier's erstes Werk: �Die Theorie der vier
Bewegungen�, gefunden hatte, war nicht sehr ermunternd. Das Buch
fand geringen Absatz und Fourier's Mittel waren ersch�pft. Eine
kleine H�lse, die ihn vor dem Mangel sch�tzte, erhielt er durch ein
Legat seiner Mutter, die 1812 starb, ein Legat, das ihm j�hrlich
900 Franken einbrachte. Bis zum Jahre 1816 arbeitete er in
verschiedenen kaufm�nnischen Stellungen, dann zog er sich auf's
Land zur�ck und widmete sich f�nf Jahre g�nzlich seinen Studien und
Berechnungen. Endlich, im Jahre 1822, erschien sein umf�nglichstes
Werk: �Die Theorie der universellen Einheit�, zwei starke B�nde
umfassend, bei dessen Herausgabe ihn namentlich sein Freund und
Anh�nger Just Muiron, der als st�dtischer Beamter in Besan�on lebte
und in leidlichen materiellen Verh�ltnissen war, unterst�tzte. Bei
der zweiten Herausgabe (1842) wurde dem Werke die ein Jahr nach
seiner ersten Herausgabe geschriebene Abhandlung: �Summarisches�
eingef�gt und das Ganze unter dem ersterw�hnten Titel in vier
B�nden herausgegeben. Bei der ersten Ausgabe f�hrte das Werk den
Titel: �Abhandlung �ber die hauswirthschaftlich-landwirthschaftliche
Assoziation�, obgleich Fourier ihm den sp�teren Titel von vornherein
zugedacht, ihn aber durch den zweiten ersetzt hatte, weil damals
�die erschreckte �ffentliche Meinung gegen die allgemeinen Systeme
eingenommen gewesen sei.� In diesem Werk begr�ndet Fourier in der
ausf�hrlichsten Weise alle die in seinem ersten Werk aufgestellten
Postulate, sie hier und da in Folge genauerer Studien und
Berechnungen richtig stellend. Einen erheblichen Theil des Werkes
bilden philosophische Abhandlungen scharf polemischer Natur -- in
der Polemik war er �berhaupt Meister -- in denen er die Systeme der
Gegner angriff und die gegen ihn gerichteten Angriffe mit viel Witz
und Satyre zur�ckwies.
Im Jahre 1829 erschien eine weitere Arbeit Fourier's unter dem
Titel: �Die industrielle und soziet�re Neue Welt.� (�Le Nouveau
Monde industriel et soci�taire.�) Dieses Werk umfa�t einen Band und
ist von allen Schriften Fourier's das pr�ziseste und am klarsten
geschriebene; es vermeidet m�glichst die spekulativen und
kosmogenetischen Tr�umereien, befa�t sich dagegen um so mehr mit
allen praktischen Fragen seines Systems; es kann als die
eigentliche Quintessenz seiner Theorien angesehen werden. Wer sich
�ber Fourier's Ideen gen�gend orientiren will, ohne die f�nf ersten
B�nde zu studiren, wird in �Der industriellen und soziet�ren Neuen
Welt� alles W�nschbare finden. Sieben Jahre sp�ter erschien
abermals eine gr��ere Arbeit von ihm unter dem Titeln �Falsche
Industrie�. Aber dieses Buch enth�lt keine irgendwie neuen Ideen,
noch weniger zeichnet es sich durch Uebersichtlichkeit aus, es ist
die letzte, aber auch geringwerthigste seiner gr��eren
Abhandlungen. Neben diesen gr��eren Schriften erschienen von ihm
eine Menge Aufs�tze �ber die verschiedensten Fragen, die sp�ter
ebenfalls gesammelt und von seinen Anh�ngern herausgegeben wurden.
Allm�lig hatte sich eine kleine Anh�ngerzahl um Fourier geschaart.
Neben dem bereits erw�hnten, ihm sehr ergebenen Muiron war es
Victor Consid�rant, der als junger Mann und als Z�gling der
Ingenieurschule zu Metz mit Feuereifer sich seinen Ideen hingab,
unter seinen milit�rischen Genossen f�r dieselben Propaganda machte
und auch sp�ter Fourier treu blieb, als er in der milit�rischen
Karri�re bis zum Hauptmann des Geniekorps emporstieg, noch sp�ter
Mitglied des Generalraths der Seine und Volksvertreter wurde.
Consid�rant wurde das eigentliche Haupt der Schule, der Paulus des
Fourierismus, der in Wort und Schrift unerm�dlich f�r ihn wirkte.
Doch da wir die ausschlie�liche Aufgabe haben, uns mit dem Wirken
Fourier's zu besch�ftigen, k�nnen wir nicht ausf�hrlicher auf die
Th�tigkeit der Schule eingehen. Die Zahl ihrer schriftstellerischen
Kr�fte, und dem entsprechend auch die Zahl ihrer Schriften, wurde
im Laufe der Jahre eine sehr bedeutende, doch hat sie nie einen
gro�en Massenanhang gewonnen; sie hatte, wie die meisten der
sozialistischen Schulen in Frankreich, ihre Hauptst�tzen in den
jugendlichen Kreisen der Gebildeten. Schriftsteller, Advokaten,
Offiziere, Aerzte, K�nstler bildeten den Kern. Im Jahre 1832 gelang
es Kurier und seinen Sch�lern, eine Zeitschrift f�r die Verbreitung
ihrer Lehren zu gr�nden, die unter dem Titel: �La Reforme
industrielle ou le Phalanst�re� (Die industrielle Reform oder das
Phalansterium) bis zum Jahre 1833 in zwei B�nden gro� Oktav
erschien, dann aber einging. Eine neue Zeitschrift erschien 1836
unter dem Titel: �La Phalange, journal de la science social� (Die
Phalanx, Zeitschrift f�r die soziale Wissenschaft), welche in den
Jahren 1836-1840 zwei bis drei Mal im Monat herauskam. Von
1840-1843 erschien sie w�chentlich drei Mal und ging 1843 in ein
Tageblatt �ber unter dem Titel: �Democratie pacifique� (Friedliche
Demokratie).
Fourier betheiligte sich bei diesen Zeitschriften
schriftstellerisch sehr eifrig und leistete zahlreiche Beitr�ge.
Au�erdem f�hrte er auch den Kampf in der �brigen Presse, so weit
diese seine Arbeiten aufnahm. Gegen Ende der zwanziger Jahre war er
dauernd nach Paris �bergesiedelt. Er hatte eingesehen, da� wenn er
f�r seine Theorien mit Erfolg wirken wollte, er mitten in dem
Zentralpunkt des �ffentlichen Lebens von Frankreich sein mu�te. Er
hatte den durch die Zentralisation des Landes begr�ndeten m�chtigen
Einflu� von Paris auf Frankreich f�r dessen ganzes �ffentliches,
wissenschaftliches, k�nstlerisches Leben entschieden bek�mpft, ein
Einflu�, der dazu f�hre, da� die gr��ten St�dte Frankreichs, wie
Lyon, Bordeaux, Rouen u.s.w., in Bezug auf geistiges und
k�nstlerisches Leben reine Landgemeinden seien und bei der in
Deutschland herrschenden Dezentralisation von weit kleineren
St�dten, wie Weimar, Stuttgart, Gotha oder jeder beliebigen
deutschen Universit�tsstadt, �berfl�gelt w�rden. Fourier
beurtheilte �berhaupt Paris, Frankreich und den Charakter seiner
Landsleute im guten wie im schlimmen Sinne wie wenige seiner
Zeitgenossen. Das war die Frucht seiner au�erordentlichen scharfen
Beobachtungsgabe. Aber der zentralisirenden Wirkung und dem Einflu�
von Paris konnte er sich nat�rlich als Einzelner und als Mann, der
auf seine Zeitgenossen wirken wollte, nicht entziehen, und so
w�hlte er es zum Schauplatz seiner Th�tigkeit. Da ist es denn f�r
den Mann und den festen Glauben an sein System charakteristisch,
da� w�hrend der letzten zehn Jahre, die er bis zu seinem am 9.
Oktober 1837 in Paris erfolgten Tode verlebte, er Tag f�r Tag in
der Mittagsstunde in seiner Wohnung den �Kandidaten�[4] erwartete,
der ihm die Mittel f�r die Gr�ndung einer Versuchsphalanx zur
Verf�gung stellen sollte. Vergeblich! Dagegen wurde im Jahre 1832
aus der Mitte seiner Anh�nger heraus der Versuch, eine Phalanx zu
gr�nden, gemacht, indem Einer derselben in der N�he von Rambouillet
500 Hektaren Land f�r diesen Zweck zur Verf�gung stellte. Aber man
kam �ber die ersten Versuche nicht hinaus, weil die Mittel sehr
bald ausgingen, ein Resultat, das Fourier bis an sein Lebensende
mit begreiflicher Bitterkeit erf�llte.
[Fu�note 4: Fourier bezeichnete Diejenigen, die nach seiner
Meinung die Mittel f�r die Versuchsphalanx bes��en, als Kandidaten
und berechnete, da� es solcher 4000 in Europa g�be.]
* * * * *
Hiermit haben wir in der Hauptsache den Lebenslauf des Begr�nders
des Phalanst�ren-Systems dargelegt, wie in einigen Hauptpunkten
seine Grundgedanken entwickelt, und die Zeitverh�ltnisse kurz
geschildert, unter welchen er sich Geltung zu verschaffen suchte.
Es handelt sich nunmehr darum, sein System und seine Auffassungen
nach seinen eigenen Ausf�hrungen, wenn auch nur in knappster Form,
zum Ausdruck zu bringen.
Seine Sch�ler haben im Jahre 1848 ein zweib�ndiges Sammelwerk
herausgegeben, in dem sie unter dem Titel: �Die universelle
Harmonie und das Phalansterium� (�L'harmonie Universelle et le
Phalanst�re�) eine Uebersicht der Theorien Fourier's gaben, worin
ausschlie�lich er selbst zum Wort kommt. Dieses Werk haben wir
theilweise f�r Nachstehendes mit zu Grunde gelegt. Fourier beginnt:
�Ich dachte an nichts weniger, als an Untersuchungen �ber die
Bestimmung von Mensch und Welt, ich theilte die allgemeine Ansicht,
welche sie als undurchdringlich ansah und ihre Berechnung unter die
Visionen der Astrologen und Magiker reihte ... Seitdem die
Philosophen[5] in ihrem ersten Versuch (in der franz�sischen
Revolution) den Beweis ihrer Unerfahrenheit geliefert haben,
betrachtet Jeder ihre Wissenschaft als f�r immer abgethan. Die
Str�me von politischer und moralischer Aufkl�rung erscheinen nur
mehr als Illusionen. Nachdem diese Gelehrten seit f�nfundzwanzig
Jahrhunderten ihre Theorien vervollkommnet, alles alte und neue
Wissen zusammengetragen haben, zeigt sich, da� sie uns statt der
versprochenen Wohlthaten eben so viel Kalamit�ten verschafften und
da� die Zivilisation zur Barbarei neigt. Nach der Katastrophe von
1793 gab es keinerlei Gl�ck von den erworbenen Aufkl�rungen mehr zu
hoffen, man mu�te das soziale Wohl durch eine neue Wissenschaft zu
verwirklichen suchen. Solcher Art war die erste Betrachtung, welche
mich die Existenz einer bisher noch unbekannten sozialen
Wissenschaft vermuthen lie� und mich anregte, ihre Entdeckung zu
versuchen. Ich ward dazu ermuthigt durch zahlreiche Merkmale, die
Verirrungen der Vernunft und haupts�chlich durch den Anblick der
schweren Geiseln, von denen unsere sozialen Zust�nde betroffen
sind: Mangel, Entbehrungen, �berall herrschender Betrug,
Seer�uberei, Handelsmonopol, Sklavenhandel und viele andere Uebel.
Ich gab dem Zweifel statt, ob dieser soziale Zustand nicht eine von
Gott erfundene Kalamit�t sei, um das Menschengeschlecht zu
z�chtigen. Ich schlo�, da� in diesem sozialen Zustand eine
Umkehrung der nat�rlichen Ordnung vorhanden sei. Endlich dachte
ich, wenn die menschliche Gesellschaft nach der Ansicht
Montesquieu's 'von einer Krankheit der Entkr�ftung, einem inneren
Uebel, einem geheimen versteckten Gift' behaftet sei, man ein
Heilmittel finden k�nne, wenn man die von unseren Philosophen
bisher innegehaltenen Wege vermeide. So machte ich zur Regel meiner
Untersuchungen: _den absoluten Zweifel und die absolute Vermeidung
bisher beschrittener Wege_ ... Da ich bisher keinerlei Beziehungen
zu irgend einer wissenschaftlichen Partei hatte, so war es mir um
so leichter, den Zweifel unterschiedslos anzuwenden und Ansichten
mit Mi�trauen zu begegnen, die bisher universelle Zustimmung
gefunden hatten. Was konnte es Unvollkommeneres geben, als diese
Zivilisation mit allen ihren Uebeln? Was war _zweifelhafter, als
ihre Nothwendigkeit und k�nftige Dauer_? Wenn vor ihr schon drei
andere Gesellschaften bestanden, die Wildheit, das Patriarchat und
die Barbarei, folgte daraus, da� sie die letzte sei, weil sie die
vierte ist? Kann nicht noch eine f�nfte, sechste, siebente soziale
Ordnung entstehen, die weniger verh�ngni�voll sind, als die
Zivilisation, die aber noch unbekannt sind, weil Niemand sich die
M�he gab, sie zu entdecken? Man mu� also die Nothwendigkeit,
Vortrefflichkeit und stetige Dauer der Zivilisation in Zweifel
stellen. Das haben die Philosophen nicht gewagt, weil sonst die
Nichtigkeit ihrer bisherigen Theorien, die alle die Zivilisation
verherrlichen, an den Tag kommen w�rde.�
[Fu�note 5: �Unter den Philosophen begreife ich�, sagt Fourier an
einer Stelle, �nur die Autoren der unsicheren Wissenschaften
(�sciences incertaines�), die Politiker, Moralisten, Oekonomisten
und Methaphysiker, deren Theorien nicht auf der Erfahrung beruhen,
sondern nur die Phantasie ihrer Urheber zur Basis haben. Wenn ich
also von Philosophen spreche, spreche ich nur von dieser
zweifelhaften Klasse, nicht von den Vertretern der bestimmten
Wissenschaften (�sciences fixes�).� Fourier ging von der Ansicht
aus, da� die franz�sische Revolution nur ein Werk der Philosophen
sei.]
In diesen wenigen S�tzen steckt bereits die Utopie, von der er und
alle Seinesgleichen ausgingen. Der bestehende Zustand ist schlecht,
kein Zweifel, aber er wird nur festgehalten, weil man keinen
besseren kennt. Machen wir uns also an die Arbeit, erfinden wir
einen besseren und dem Uebel ist geholfen. Doch sollte nach Fourier
diese neue Gesellschaft keine willk�rlich erfundene sein, sie
sollte auf bestimmten mathematischen Berechnungen beruhen, und
stimmten diese Rechnungen, und das entschied nat�rlich er selbst,
so war der neue Zustand gegeben, und es hing nur von dem eignen
Entschlu� der Gesellschaft ab, ihren sozialen Zustand wie ein Paar
Handschuhe zu wechseln, ruhig, friedlich, ohne Kampf und ohne
Reibung. Denn wo Allen das Gl�ck bl�ht, wie kann da Jemand zaudern?
Er entschlo� sich also, Alles zu bezweifeln, doch dachte er noch
nicht an die Bestimmungen. Er verfiel zun�chst, wie er sagt, auf
zwei sehr gew�hnliche Probleme, deren beide Prinzipien waren �die
Ackerbaugesellschaft� (�association agricole�) und die indirecte
Unterdr�ckung des Handelsmonopols der Insularen, der Engl�nder.
England sah bekanntlich in dem Aufschwung Frankreichs nach der
franz�sischen Revolution einen gef�hrlichen Konkurrenten entstehen,
dazu kam die Bef�rchtung wegen der R�ckwirkung der revolution�ren
Ideen auf die eigene Bev�lkerung und, wie schon bemerkt, der Ha�,
da� Frankreich die Unabh�ngigkeitsmachung seiner nordamerikanischen
Kolonien, der sp�teren Vereinigten Staaten, unterst�tzt hatte. Mit
seiner Seemacht beherrschte England alle Meere und den ganzen
Handel, und bei dem Widerwillen, den Fourier in der eignen Praxis
gegen den Handel eingesogen hatte, mu�te sich dieser Widerwille
auch auf die gr��te Handelsmacht, die, wie er behauptete, alle
diese perfiden Handelsdoktrinen nicht blos vertrat, sondern auch
erzeugt hatte, wenden. Zun�chst besch�ftigte er sich mit der
l�ndlichen Assoziation, und �ber dem Nachdenken �ber ihre
Organisation kam er auf die Theorie der Bestimmungen. Die L�sung
dieses Problems f�hrt, nach ihm, zur L�sung aller politischen
Probleme. �Die Philosophen hielten die Ackerbaugenossenschaft f�r
ebenso unm�glich, wie die Abschaffung der Sklaverei, weil die
Genossenschaft bisher nie existirte. Sehend, da� bei dem
Dorfbewohner jede Haushaltung auf eigene Faust arbeitet, kannten
sie keine Mittel, sie zu vereinigen, und doch w�rden unz�hlige
Verbesserungen daraus entstehen, wenn man die Bewohner jedes
Fleckens zu gemeinsamer Th�tigkeit vereinigen k�nne, proportional
ihrem Kapital und ihrer Th�tigkeit. Also 2-300 Familien, ungleich
an Verm�gen, die einen Bezirk (�canton�) kultivirten. Das Hinderni�
schien enorm. Man kann kaum 20, 30, 40 Individuen zu gemeinsamer
Th�tigkeit verbinden, wie hunderte? Und doch w�ren mindestens
achthundert n�thig f�r eine nat�rliche und ihre Mitglieder
anziehende Assoziation.�
�Ich verstehe darunter�, sagt er, �eine Gesellschaft, deren
Mitglieder durch Wetteifer und Eigenliebe und andere Mittel, die
mit dem Interesse vertr�glich, an die Arbeit gefesselt sind. Die
Ordnung, um die es sich handelt, mu� f�r die, welche sie �ben,
anziehend sein, w�hrend heute die Besch�ftigung mit der
Landwirthschaft widerw�rtig erscheint und nur ausge�bt wird aus
Furcht, Hungers zu sterben. Eine solche Organisation erscheint
l�cherlich, und doch ist sie m�glich. Die landwirthschaftliche
Assoziation, die, wie ich unterstelle, an tausend Personen umfa�t,
liefert so enorme Vortheile, da� sie im Vergleich zum heutigen
Zustand als Zustand der Sorglosigkeit erscheint. Das hat selbst ein
Theil der Oekonomen zugestanden, nur haben sie sich nicht die M�he
gegeben, die Ausf�hrungsweise zu entdecken. Sie erkennen selbst an,
da� z.B. dreihundert Dorffamilien nur einen einzigen, sorgf�ltig
erbauten und eingerichteten Kornboden w�rden n�thig haben, anstatt
300 meist sehr schlechter; eine einzige Kellerei (f�r den Wein)
anstatt 300 derselben, die meist mit vollst�ndiger Unkenntni�
behandelt werden. Statt da� hundert Boten mit Milch nach der Stadt
gehen und hundert halbe Tage vers�umen, w�rde ein einziger gen�gen,
der mit einem Wagen f�hrt. Das sind nur einige von den zun�chst in
die Augen fallenden Ersparnissen, und sie w�rden sich
verzwanzigfachen lassen. Aber wie eine Gesellschaft verschmelzen,
in der die eine Familie 10.000 Franken, die andere keinen Obolus
besitzt? Wie alle die Eifers�chteleien vermeiden und zu _einem_
Plan die Interessen verbinden? Wie auss�hnen so viel
widerstreitende Interessen und so viel entgegenstrebende Willen
vers�hnen? Darauf antworte ich: durch die Lockung von Reichthum und
Verm�gen. Der st�rkste Trieb f�r den Landmann wie f�r den St�dter
ist der Gewinn. Wenn die Betheiligten sehen, da� die soziet�r
organisirte Arbeit ihnen drei-, f�nf-, sechsmal mehr Vortheile
einbringt, als in der isolirten Privatwirthschaft, da� allen
Assoziirten die verschiedensten Gen�sse gesichert sind, so werden
sie alle ihre Eifers�chteleien vergessen und sich beeilen, der
Assoziation beizutreten; sie wird sich rasch �ber alle Regionen
ausbreiten, denn �berall haben die Menschen den Trieb nach
Reichthum und Gen�ssen.�
�Wenn die G�tter allen Sterblichen drei W�nsche auszusprechen
gestatteten, welches w�rden die einstimmigsten W�nsche sein, die
der Gelehrten eingeschlossen: Reichthum, Gesundheit und Langlebigkeit;
und damit w�re der vierte Wunsch eingeschlossen: gen�gend Klugheit,
um diese G�ter entsprechend zu benutzen�, so definirt er an einer
andern Stelle das Streben der Menschen.
�Die landwirthschaftliche Assoziation wird also das Schicksal des
Menschengeschlechts �ndern, weil sie den Allen gemeinsamen Trieben
Rechnung tr�gt. Wilde und Barbaren werden sich ihr anschlie�en, da
die Triebe �berall die gleichen sind. Dieser neuen Organisation
gebe ich drei Namen: �progressive Serien� (Reihen) oder Serien �von
Gruppen�, �Serien der Triebe�. Ich verstehe unter der Bezeichnung
Serie einen Zusammenhang mehrerer assoziirter Gruppen, welche sich
den verschiedenen Zweigen ein und derselben Industrie -- das Wort
�Industrie� bedeutet bei Fourier jede n�tzliche, menschliche
Beth�tigung -- �oder ein und desselben Triebes sich widmen.�
�Die Theorie von den Serien der Triebe ist nicht willk�rlich
eingebildet, wie unsere sozialen Theorien. Die Ordnung der Serien
ist in allen St�cken analog den geometrischen Serien aller unserer
Eigenschaften, wie das Gleichgewicht der Rivalit�ten zwischen den
extremen und den mittleren Gruppen vorhanden ist. Die Triebe
harmonisiren sich, je mehr sie sich in den Serien der Gruppen
regelm��ig entwickeln; au�erhalb dieses Mechanismus sind sie
entfesselte Tiger, unbegreifliche R�thsel, darum verlangen die
Philosophen, da� man die Triebe (das Wort Triebe ist auch stets im
Sinne von Leidenschaften, �passions�, zu verstehen. Anmerk. des
Verf.) unterdr�cken m�sse. Das ist eine doppelte Absurdit�t. Man
kann die Triebe nicht anders als durch Gewalt unterdr�cken, oder
dadurch, da� sie sich gegenseitig aufzehren. Unterdr�ckt man sie
aber, so mu� der zivilisirte Zustand rasch in Verfall gerathen und
in das Nomadenthum zur�ckfallen. Ich glaube weder an die Tugend der
Hirten, noch an diejenige ihrer Apologeten.�[6]
[Fu�note 6: Ein Hieb gegen Jean Jacques Rousseau und seine
Verehrer, die den �Naturzustand� als den gl�cklichsten,
tugendhaftesten Zustand priesen und im Hirtenleben eine Art Ideal
sahen. Jahrzehnte vorher schon spielte die feudale Gesellschaft in
ganz Europa, der franz�sischen Hofgesellschaft nach�ffend, ihre
idyllischen Sch�ferspiele, wobei aber regelm��ig die Wolfsnaturen
zum Vorschein kamen. Der Verfasser.]
Die soziet�re Ordnung wird der Zivilisation folgen, aber sie l��t
weder M��igung noch Gleichheit, noch andere Gesichtspunkte der
Philosophen zu; je gl�hender und gel�uterter die Triebe, je
lebhafter und zahlreicher sie sind, um so leichter wird die
Assoziation sich bilden. Man soll nicht die Natur der Triebe, die
Gott dem Menschen gegeben hat, �ndern, man soll ihnen nur die
rechte Richtung geben. Meine Theorie beschr�nkt sich auf die
n�tzliche Anwendung der Triebe, wie die Natur sie giebt und ohne
sie zu �ndern. Darin besteht das ganze Geheimni� von der Berechnung
�ber die Attraktionen der Triebe. Man streitet nicht, ob Gott Recht
oder Unrecht hatte, da� er dem Menschen so oder so die Triebe
schenkte, die soziet�re Ordnung wendet sie an, wie Gott sie gab,
ohne etwas daran zu �ndern.�
�Wenn also in der soziet�ren Ordnung die Geschm�cker sich �ndern,
so z.B., da� die Menschen das Landleben der Stadt vorziehen, so
�ndert sich _nur_ der Geschmack, nicht die Triebe. Die Liebe zum
Reichthum und f�r die Vergn�gungen bleibt immer. Die Zivilisirten
werden �ber den neuen Sozialzustand ganz anders urtheilen, sobald
sie sehen, da� z.B. die Kinder, die heute nur schreien und sich
zanken, Alles zerbrechen und sich zu besch�ftigen weigern, in der
Serie von Gruppen sich nur mit n�tzlichen Arbeiten aller Art
besch�ftigen, unter sich in Wetteifer gerathen, ohne da� man sie
dazu anreizt; da� sie sich gegenseitig aus freiem Willen �ber die
Kulturen, die industriellen Besch�ftigungen, die K�nste und
Wissenschaften belehren, also da� sie erzeugen und Vortheile
schaffen, indem sie sich zu erg�tzen glauben. Wenn ferner die
Zivilisirten sehen, da� man in einer Phalanx f�r ein Drittheil der
Kosten ein viel besseres Mahl erh�lt, als in der Privatwirthschaft;
da� man in der Serie dreimal angenehmer, reichlicher bedient ist;
da� man dreimal besser sich n�hrt und dreimal weniger ausgiebt, als
in der alten Ordnung und dabei all' die Unannehmlichkeiten und
Verlegenheiten f�r die Vorbereitungen und Anschaffungen erspart;
wenn ferner bewiesen wird, da� die Beziehungen in der Serie
keinerlei T�uschungen zulassen; da� bei dem Volk, heute so
ungeschliffen und falsch, die Wahrheit und Gesittung einkehren
wird; wenn das Alles die Zivilisirten sehen, so werden sie einen
Abscheu vor ihrem jetzigen Zustand bekommen, sie werden sich
beeilen, in die Assoziation einzutreten und ihr Geb�ude zu
errichten.�
Fourier geht nun dazu �ber, darzulegen, wie er zu der neuen
Wissenschaft gekommen sei. �Das Erste, was ich entdeckte, war die
Anziehung der Triebe. Ich erkannte, da� die fortschreitenden Serien
den Trieben der beiden Geschlechter, den verschiedenen Lebensaltern
und Klassen die volle Entwicklung sichern, da� in der neuen Ordnung
man um so mehr Kraft und Verm�gen erlangen werde, je mehr Triebe
man habe und schlo�, da�, _wenn Gott so viel Einflu�_ der
_Anziehung der Triebe gegeben_ und _so wenig Einflu� der Vernunft,
ihrem Feinde_, dieses geschehen sei, um uns zur Organisation der
fortschreitenden Serien zu f�hren, welche in jedem Sinne die
Anziehung befriedigen ... Die Sophisten glauben das Problem, das
daraus entsteht, da� unsere Triebe scheinbar mit unserer Vernunft
im Widerspruch stehen, dadurch zu erkl�ren, da� sie sagen: Gott gab
die Vernunft, damit wir den Trieben widerstehen. Es ist aber
sicher, da� er sie dazu _nicht_ gab. Will man die Vernunft der
Anziehung der Triebe gegen�berstellen, so ist dies selbst von
Seiten der Verherrlicher der Vernunft ein ohnm�chtiges Beginnen;
die Vernunft hat _nie_ Bedeutung, sobald es sich darum handelt,
unsere Neigungen zu unterdr�cken. Die Kinder werden nur durch
Furcht, junge Leuten nur durch Mangel an Geld zur�ckgehalten, ihren
Neigungen zu fr�hnen. Das Volk wird durch die Zur�stungen f�r
Strafen, das Alter durch verschlagene Berechnungen, welche die
wilden Leidenschaften des Jugendalters aufsaugen, zur�ckgehalten,
aber Niemand durch die Vernunft, die ohne Zwangsmittel nichts gegen
die Leidenschaften vermag.�
�Die Vernunft ist also ohne irgend welchen Einflu�, und je mehr man
den Menschen beobachtet, um so mehr gewahrt man, da� Alles in ihm
auf Attraktion beruht. Der Mensch h�rt nur insofern auf seine
Vernunft, als sie ihn lehrt, die Gen�sse zu raffiniren und damit
die Attraktion um so mehr zu befriedigen.� Gott hat also die
Vernunft dem Menschen nur gegeben, damit sie ihm hilft, seine
Triebe zu vern�tzlichen, ihnen erst den rechten Aufschwung zu
verleihen.
�Die Theorie der Anziehung und des R�cksto�es der Triebe ist fixirt
und voll anwendbar auf die Theoreme der Geometrie und mu� gro�er
Entwicklungen f�hig sein. Ich erkannte bald, da� die Gesetze der
Attraktion der Triebe in jedem Punkt den durch Newton und Leibnitz
angewandten Gesetzen der materiellen Anziehung konform seien und
_da� es eine Einheit des Systems der Bewegung f�r die materielle
und geistige Welt gebe_. Ich kam dann durch Untersuchungen zu der
Ueberzeugung, da� die Analogie der allgemeinen Gesetze sich auf die
besonderen Gesetze ausdehne, da� die Attraktion und die
Eigenschaften der Thiere, Pflanzen, Mineralien koordinirt seien
nach demselben Plan, wie diejenigen der Menschen und Gestirne. So
kam ich zu der neuen Wissenschaft: _der Analogie der vier
Bewegungen_, der materiellen, organischen, thierischen und
sozialen, oder zur Analogie der Modifikation der Materie mit der
mathematischen Theorie der Triebe des Menschen und der Thiere.�[7]
[Fu�note 7: Sp�ter �nderte Fourier die Bezeichnung der Bewegungen
und erh�hte sie, wie schon erw�hnt wurde, auf f�nf: 1. Die
materielle, welcher die Erde, 2. die organische, welcher das
Wasser, 3. die normale, welcher die Arome (Elektrizit�t,
Magnetismus), 4. die instinktuellen, welcher die Luft, 5. die
soziale oder passionelle, welcher das Feuer entspricht. Die
eigentliche praktische Bedeutung dieser f�nf Bewegungen oder
Antriebe wurde bereits weiter oben auseinandergesetzt.]
Das ist also das Gesetz, aus welchem Fourier sowohl die
Ver�nderungen in den sozialen Beziehungen der Menschen und der
Thiere, als auch die materiellen Ver�nderungen in der Natur des
Erdballs und der �brigen Gestirne ableitete. So kam er zu seiner
Kosmogonie. Man sieht, sein Lehrgeb�ude ist logisch, wenn es auch
auf falschem Grunde gebaut wurde. Jetzt, wo er die Theorie der
Anziehungen und die Einheit der vier Bewegungen entdeckt zu haben
glaubte, war ihm Alles klar; er begann �im Zauberbuch der Natur zu
lesen�. Er gelangte nunmehr auch, wie er ausf�hrt, zur Berechnung
der Bestimmungen, d.h. er kannte nunmehr das fundamentale System,
durch das alle vergangenen, gegenw�rtigen und zuk�nftigen Gesetze
geregelt werden. Jetzt sah er alle Fehler und Schnitzer, die der
bisherige Entwicklungsgang der Menschheit gemacht, und nun kannte
er auch die Heilmittel, die alle sozialen und physischen Uebel
beseitigten. Unter anderm auch die Pest, die Gicht, die Cholera,
das gelbe Fieber etc. Nun sind auch die Philosophen, die Plato, die
Seneka, die Rousseau, die Voltaire, diese Hauptvertreter der
zweifelhaften Wissenschaften, in ihrer ganzen Unzul�nglichkeit
blosgestellt. Hat Voltaire nicht selbst in einem Augenblick der
Selbsterkenntni� ausgerufen: �O! welch' dicke Finsterni�
verschleiert noch die Natur!� Die Bibliotheken der Philosophen
sollen die erhabensten Wissenschaften bergen, und sie sind nur ein
dem�thigender Aufbewahrungsort f�r Widerspr�che und Irrth�mer. Die
neue soziet�re Ordnung wird also um so gl�nzender sein, je l�nger
sie bisher verz�gert wurde, denn eigentlich h�tten sie schon die
Griechen im Zeitalter des Solon (639-559 vor unserer Zeitrechnung)
begr�nden k�nnen, da ihr �Luxus� -- Fourier versteht hierunter die
gesammte materielle Entwicklung eines Zeitalters -- schon gen�gend
weit dazu vorgeschritten war; heute sei unser �Luxus� mindestens
doppelt so gro�, als zur Zeit der Athener. Man trete jetzt mit um
so mehr Glanz in die neue Ordnung, als nunmehr erst die Fr�chte von
den Fortschritten in den physikalischen Wissenschaften, die das
achtzehnte Jahrhundert gebracht habe, und die bis in diese Tage
sehr unfruchtbar geblieben seien, gepfl�ckt werden w�rden.
Freilich, jetzt weise man noch seine Entdeckung zur�ck, aber sei es
nicht immer so gewesen? Ist nicht Columbus mit seiner Behauptung,
da� es jenseits des Ozeans noch einen Erdtheil geben m�sse,
verlacht, verspottet, mit seiner Lehre selbst vom Papste verflucht
worden, obgleich dieser am meisten dabei interessirt war, weil er
neue Gl�ubige unter seine Herrschaft bekam? Man sei im neunzehnten
Jahrhundert noch ebenso feindlich jeder neuen gro�en Entdeckung als
im f�nfzehnten. Die Philosophen behaupteten, weil sie selbst nicht
den Schleier zu l�pfen vermochten, die Natur sei ein mit einem
ehernen Schleier bedecktes Schreckbild, ein undurchdringliches
Heiligthum; warum habe denn Newton wenigstens eine Ecke dieses
Schleiers zu l�pfen vermocht? Man sage auch, Gott sei nicht zu
erkennen. Der gesunde Sinn sage das Gegentheil, weil nichts
leichter sei. Das Alterthum habe den Sch�pfer travestirt, indem es
ihn unter einer Horde von 35.000 G�ttern vermengte und verdeckte;
da sei es schwierig gewesen, seine Meinung zu studiren, ihn aus
dieser himmlischen Maskerade zu entwirren. Sokrates und Cicero
trennten sich von den Sottisen ihrer Zeit, sie bewunderten den
�unbekannten Gott�; Sokrates wurde ein Opfer seiner Ueberzeugung.
Heute sei dieser fr�here Aberglaube �berwunden, das Christenthum
f�hrte uns zu gesunden Ideen zur�ck, es brachte den Glauben an
einen Gott. �Wir haben jetzt einen Kompa�, der uns den Weg zum
Studium der Natur zeigt.�
Es sei nun wichtig, eine kleine Zahl von Charaktereigenschaften
Gottes zu kennen, deren Studium uns zu weiteren Schl�ssen f�hre.
�Dahin geh�ren: 1. die vollst�ndige Leitung der Bewegung; 2. die
Oekonomie der Spannkr�fte; 3. die vertheilende Gerechtigkeit; 4.
die Universalit�t der Vorsehung; 5. die Einheit des Systems.�
Man sieht, Fourier macht sich allerdings die Arbeit leichter als
die Philosophen; die Existenz Gottes ist f�r ihn unbestritten, er
setzt das Descartes'sche: �Ich denke, also bin ich�, einfach um in
den Satz: �Die Welt ist da, also besteht Gott.� Und ist einmal
dieser Gott als Weltsch�pfer anerkannt, so mu� er nat�rlich auch
die ihm zugeschriebenen Eigenschaften haben, denn ohne diese
Eigenschaften w�re er nicht Gott. Er f�hrt nun weiter fort:
�Wenn Gott der Leiter der Bewegung ist, der einzige Herr des
Weltalls und sein Sch�pfer, so hat er auch alle Theile des Weltalls
zu lenken, also auch die edelsten, die sozialen Beziehungen:
folglich ist die Regelung der menschlichen Gesellschaften das Werk
Gottes und nicht das der Menschen; und um nun unsere Gesellschaft
dem Gl�ck zuzuf�hren, m�ssen wir das soziale Gesetz studiren, das
er f�r sie gebildet hat.� Mit andern Worten hei�t das: Gott ist
zwar der oberste Leiter der Geschicke und hat die Grundgesetze der
Bewegung f�r die menschliche Gesellschaft zurechtgerichtet, aber da
er sich bei seinen vielen Gesch�ften um die Details und ihre
Ausf�hrung nicht k�mmern kann, mu� der Mensch sie entdecken und
ausf�hren. Die Logik hinkt zwar etwas, aber Gott wird auf diese
Weise vollst�ndig deplazirt und es sind schlie�lich die Menschen,
die Alles allein besorgen; er hat die Allmacht Gottes und den
freien Willen des Menschen innerhalb der ihm von Gott �berlassenen
Grenzen gerettet. Fourier kommt schlie�lich auf dasselbe hinaus,
was er den Philosophen vorwirft, sie h�tten die menschliche
Vernunft auf den ersten Rang und Gott auf den zweiten gesetzt.
Genau so schlie�t er �ber den zweiten Punkt. Ist Gott der h�chste
Verwalter der vorhandenen Spannkr�fte, so kann er doch nur mit den
gr��ten gesellschaftlichen Vereinigungen sich besch�ftigen, die
kleinsten, die Frage, wie die Familie, die Ehe zu organisiren sei,
ist Sache des Menschen. Das sind also wiederum sehr willk�rliche,
ketzerische und im Grunde materialistische Gedanken.
Zum dritten Punkt bemerkt er: �Im Schatten der vorhandenen sozialen
Gesetzgebung sieht man nicht, _da� das Elend der V�lker mit dem
sozialen Fortschritt w�chst_. Wir sehen die gef�hrliche Wirkung in
dem Einflu� des Handelsgutes, der dahin f�hrt, die hei�e Zone mit
schwarzen Sklaven zu bedecken, die man ihrem Heimathlande entrei�t,
und die gem��igte Zone mit wei�en Sklaven, die man in die
industriellen Bagnos treibt, wie dies heute in England sich
offenbart und in allen L�ndern Nachahmung finden wird. Kann man
irgend welche Gerechtigkeit in einem Zustand der Dinge erblicken,
_wo der Fortschritt der Industrie selbst nicht einmal den Armen die
Arbeit garantirt_?�
Die Universalit�t der Vorsehung mu� viertens sich nach ihm auf alle
V�lker, wilde wie zivilisirte, erstrecken. Das ganze zivilisirte
System, das die Wilden anzunehmen als wirklich Freie sich weigern,
widerspricht den W�nschen Gottes. Den Zustand, den wir ihnen
bieten, die agrikole Zerst�ckelung und die Einzelwirthschaft,
befriedige nicht Menschen, die der Natur am n�chsten stehen. Unsere
ganze Ordnung beruhe auf der Gewalt und daher m�sse ein anderer
Zustand begr�ndet werden, der alle Kasten, alle V�lker befriedige,
wenn die Vorsehung universell sein solle. Die Einheit des Systems
endlich implizire f�nftens die Anwendung der Attraktion der
Spannkr�fte der sozialen Harmonien des Weltalls, die sich von den
Gestirnen bis zu den Insekten erstreckten. Man m�sse also im
Studium der Attraktion das soziale Gesetz zu entdecken suchen ...
�Unsere Einrichtungen sind unsern eigenen V�lkern so verha�t, da�
sie in allen L�ndern sich erheben und sich davon zu befreien suchen
w�rden, wenn nicht die Furcht vor der Gewalt sie zur�ckschreckte.
Wir sind nicht im Stande, das Menschengeschlecht zu vereinigen,
weil die Barbaren f�r unsere Einrichtungen nur eine tiefe
Verachtung besitzen und unsere Gewohnheiten nur die Ironie
derselben erregen. Es ist die st�rkste Verw�nschung, die sie einem
Feind entgegenschleudern: �M�gest du gezwungen sein, ein Feld zu
bebauen.� Ja, die zivilisirte Industrie wird von der Natur wie von
allen freien V�lkern verabscheut, die sich in dem Augenblick zu ihr
dr�ngen werden, wo sie mit den Trieben der Menschen sich in
Uebereinstimmung setzt.�
Fourier meint also, da� keine soziale Organisation die rechte sein
k�nne, die nicht von allen Menschen, ohne R�cksicht auf ihre
Kulturstufe, freudig begr��t w�rde, so gro� m��ten ihre Vortheile
und ihre Annehmlichkeiten sein. �Es gilt also eine soziale Ordnung
zu finden, welche dem geringsten Arbeiter ein gen�gendes Wohlsein
sichert. Die Arbeiter m�ssen den neuen Zustand dem Zustand der
Tr�gheit und der Stra�enr�uberei (�brigandage�), nach dem sie heute
Sehnsucht empfinden, vorziehen. So lange dieses Problem nicht
gel�st ist, werden die Reiche _best�ndigen St�rmen ausgesetzt sein,
werden sie von einer Revolution in die andere st�rzen_; die
wissenschaftlichen Wunderkuren laufen immer nur auf die D�rftigkeit
der Masse und folglich auf den Umsturz hinaus; die Helden, die
Gesetzgeber st�tzen sich nur auf den S�bel; aber alle Voraussicht
eines Friedrich kann nicht verhindern, da� schwache Nachfolger den
Degen auf seinem Sarge rauben lassen.[8] Die zivilisirte Ordnung
ist mehr und mehr im Wanken, der _vulkanische Ausbruch von 1793 ist
nur ihre erste Eruption, andere werden folgen_; ein schwaches
Regiment wird sie beg�nstigen. Der Krieg der Armen gegen die
Reichen hat so gl�cklich begonnen, da� R�nkeschmiede in allen
L�ndern darnach streben, ihn zu erneuern. Vergebens sucht man das
zu verh�ten; die Natur der Gesellschaft spielt mit unserer
Aufkl�rung, unserer Vorsicht, sie wird immer neue Revolutionen in
dem Ma�e geb�ren, wie wir die Ruhe gesichert zu haben glauben. Und
wenn die Zivilisation sich noch um ein halbes Jahrhundert
verl�ngert, wie viel Kinder werden, veranla�t durch ihre V�ter, vor
den Th�ren der Reichen betteln? (In Folge von Klassenelend.) Ich
w�rde nicht wagen, diese schreckliche Perspektive darzustellen,
wenn ich nicht die Berechnungen br�chte, welche die Politik in dem
Labyrinth der Triebe zurecht weisen und die Zivilisation von ihrem
Alp erl�sen werden, diese Zivilisation, die immer revolution�rer
und verh�ngni�voller wird.�
[Fu�note 8: Anspielung auf die Wegnahme des Degens Friedrich's des
Gro�en von seinem Sarge in der Milit�rkirche zu Potsdam durch
Napoleon I. 1806.]
Diese Voraussagungen machen Fourier's Scharfsinn und Einsicht alle
Ehre, sie sind �berraschend. Man halte fest, da� Fourier diese
Warnungen und Mahnrufe im Jahre 1808 ver�ffentlichte, wo au�er ihm
nur sehr Wenige an eine soziale Frage �berhaupt dachten, und man
wird den Weitblick und die Richtigkeit seiner Voraussagungen
bewundern m�ssen. Er f�hrt nun weiter aus, wie viele Reiche bereits
an innerer Zerr�ttung zu Grunde gingen, weil sie die sozialen Uebel
nicht zu l�sen vermochten. �Welche Monumente diese Reiche immer
�berlebten, sie stehen da, eine Schande ihrer Politik. Rom und
Byzanz (Konstantinopel), ehemals die Hauptst�dte der gr��ten
Reiche, sind heute zwei l�cherlich gewordene Metropolen. Auf dem
Kapitol sind die Tempel Z�sar's durch obskure G�tter aus Jud�a
verdr�ngt, am Bosporus werden die christlichen Basiliken durch die
G�tter der Unwissenheit beschmutzt. Hier wird Jesus auf das
Piedestal von Jupiter erhoben, dort setzt sich Mahomed auf den
Altar von Jesu. Rom und Byzanz, die Natur bewahrte euch vor der
Verachtung der Nationen, die ihr gefesselt hattet; ihr wurdet zwei
Arenas politischer Maskeraden, zwei Pandorab�chsen, die im Orient
den Vandalismus und die Pest, im Occident den Aberglauben und seine
Raserei verbreiteten; ihr seid zwei konservirte Mumien, um den
Triumphwagen zu schm�cken und den modernen Hauptst�dten einen
Vorgeschmack von dem Schicksal zu geben, das den Denkm�lern und den
Arbeiten der Zivilisation bereitet wird. Zivilisirte! studirt die
sozialen Uebel des Menschengeschlechts und schafft Wandel!� --
�Drei Gesellschaftsbildungen theilen sich in die Erde: Die
Zivilisation, die Barbarei und die Wildheit. Die eine ist
nothwendig besser als die beiden andern, und die beiden
unvollkommneren, die sich nicht zur besseren erheben, sind von
jener Krankheit der Entkr�ftung erfa�t, von der nach Montesquieu
das Menschengeschlecht betroffen ist. Die dritte, die beste, welche
die andern nicht zu sich zu erheben vermag, ist offenbar
unzureichend f�r das Wohl des Menschengeschlechts; sie hat den
gr��eren Theil desselben in einem tieferen Zustand ermatten lassen.
Die beiden ersten Gesellschaftsbildungen sind von der L�hmung
betroffen, die dritte, die Zivilisation, von der politischen
Ohnmacht; sie m�ssen also alle drei aus einem krankhaften Zustand
heraus, der den ganzen Erdball in seinem sozialen Mechanismus
beunruhigt. V�lker! eure sehnlichsten W�nsche verwirklichen sich,
die gl�nzendste Mission ist dem gr��ten der Helden aufbewahrt. Der
soziale Kompa� ist entdeckt, der euch auf den Ruinen der Barbarei
und der Zivilisation zur universellen Harmonie f�hren wird.�
�Die modernen Sophisten haben, namentlich in Frankreich, immer
behauptet, die Einheit des Systems der Natur zu erkl�ren, sie haben
aber nie ernste Studien �ber diesen Gegenstand gemacht und man hat
nie das Geringste �ber die allgemeine Einheit erfahren. Sie bildet
sich aus folgenden drei Zweigen: Einheit des Menschen mit sich, mit
Gott und mit dem Weltall. Der innere Widerspruch des Menschen mit
sich selbst (Fourier meint hier den Widerspruch im Menschen, seine
Triebe befriedigen zu wollen, aber nicht befriedigen zu k�nnen,
oder nicht befriedigen zu d�rfen. Der Verf.) hat die Wissenschaft
der Moral geboren, welche die Doppelseitigkeit (�duplicit�) der
Handlung als wesentlichen Zustand und unwandelbare Bestimmung des
Menschen betrachtet. Sie lehrt: man m�sse seinen Trieben
widerstehen, im Krieg mit ihnen leben, also im Krieg mit sich
selbst sein; ein Prinzip, wodurch der Mensch auch in den
Kriegszustand mit Gott ger�th, denn die Triebe und Instinkte kommen
von Gott, der sie dem Menschen und allen Kreaturen zum F�hrer gab.�
�Man antwortet zwar: Gott habe uns die Vernunft zum F�hrer und
M��iger der Triebe gegeben, woraus also resultirte: 1. da� Gott uns
zwei unvers�hnlichen und sich antipathischen F�hrern, den Trieben
und der Vernunft, �berliefert hat; 2. da� Gott gegen neunundneunzig
Prozent der Menschen sehr ungerecht handelte, weil er ihrer
Vernunft nicht die St�rke gew�hrte, ihre Triebe bek�mpfen zu
k�nnen; 3. da� Gott, indem er uns zum Gegengewicht die Vernunft
gab, mit einem untauglichen Mechanismus handelte, denn es ist
unzweifelhaft, da� diese Schwerkraft selbst bei dem hundertsten
Menschen, der allein nur damit versehen ist, ohnm�chtig ist, _wie
ja die Distributeure der Vernunft, z.B. ein Voltaire, am meisten
von ihren Trieben unterjocht wurden_.�
�Alle drei Hypothesen sind nichtig. Die Darlegung der Attraktion
der Triebe wird beweisen, da� im soziet�ren Zustand Vernunft und
Triebe sich ausgleichen und auss�hnen und da� sie nur im heutigen
sozialen Zustand sich im Diskord befinden. Man sagt: der Mensch sei
f�r die Gesellschaft geboren, man vergi�t aber, da� es nur zwei
Gesellschaftsordnungen giebt, die der Privatwirthschaft und der
Gemeinwirthschaft; der isolirte Zustand und der soziet�re Zustand.
Der gegenw�rtige Zustand setzt die isolirte Familie voraus, der
soziet�re die Arbeit und die Lebensweise in zahlreichen
Vereinigungen, welche nach einer bestimmten Regel f�r Jeden sich
theilen und ausgleichen, nach den drei Eigenschaften: Arbeit,
Kapital und Talent. Gott, als h�chster �konomischer Leiter, mu�
nothwendig die Assoziation als den besseren Zustand wollen.�
�Es giebt nunmehr viererlei Wissenschaften zu beachten: �ber die
Assoziation, den aromalen Mechanismus, die Attraktion der Triebe
und die universelle Analogie.�
Die vier Hauptbewegungen und die f�nfte, die soziale als pivotale
oder Angelpunkt, sind bereits hervorgehoben worden. Gehen wir also
�ber zum �Studium der Assoziation�.
�Das Band ist die Basis jeder Oekonomie; wir finden die Keime in
dem ganzen sozialen Mechanismus zerstreut, von der m�chtigen
Ostindischen Kompagnie bis zu den armen Gesellschaften der f�r eine
bestimmte Industrie vereinigten Dorfbewohner. So sieht man die
Bergbewohner des Jura sich zur K�sefabrikation vereinigen; 20-30
Haushaltungen bringen t�glich ihre Milch zum Fabrikanten und am
Ende der Saison erh�lt jede ihren Theil an K�se, entsprechend der
Quantit�t Milch, die sie lieferte. Wir haben �berall im Kleinen wie
im Gro�en diese Keime f�r das Wohlsein bei der Hand, es sind rohe
Diamanten, welche die Wissenschaft schleifen mu�. Das Problem ist,
diese Fetzen einer Assoziation, die in allen Zweigen der
menschlichen Arbeit zerstreut sind, zu einem Mechanismus, einer
allgemeinen Einheit zu verbinden, wo sie bisher nur mit H�lfe des
Instinktes entstanden. Bisher hat die Wissenschaft diese Studie
vermieden, die allein wahrhaft dringlich war. Ein Jahrhundert, das
sich so vieler Vernachl�ssigungen in wissenschaftlicher Ordnung und
Erforschung schuldig machte, mu�te des Ueberblicks �ber das Ganze
ermangeln; es hat weder die Eintheilung des ganzen Systems der
Bewegung, noch die drei Einheiten wahrgenommen, woraus es h�tte
schlie�en m�ssen, da� die soziale und die materielle Welt im
Widerspruch miteinander, also im Widerspruch mit der Einheit
organisirt sind.�[9]
[Fu�note 9: Wir brauchen hier nicht auf die Einseitigkeit des
Urtheils Fourier's �ber das achtzehnte Jahrhundert hinzuweisen; das
achtzehnte Jahrhundert hat mehr geleistet, als vor ihm viele
Jahrhunderte zusammengenommen.]
�_Was die soziale Bewegung betrifft, so sieht man jede interessirte
Klasse der anderen das B�se w�nschen, �berall setzt sich das
pers�nliche Interesse in Gegensatz zu dem Allgemeininteresse_. Der
Arzt w�nscht, da� seine Mitb�rger recht viel Krankheiten bekommen,
denn er w�rde zu Grunde gerichtet sein, wenn alle Welt ohne
Krankheit st�rbe; dasselbe gesch�he den Advokaten, wenn jeder
Streit schiedsrichterlich auszugleichen w�re. Der Geistliche ist
interessirt, da� es viel Todte giebt und zwar viele reiche Todte,
Beerdigungen � 1000 Franks. Der Richter ersehnt j�hrlich wenigstens
45.000 Verbrechen, damit die Gerichtsh�fe stets besch�ftigt, also
nothwendig sind. Der Wucherer w�nscht Hungersnoth; der Weinh�ndler
Hagel; Architekten und Baumeister ersehnen Feuersbr�nste. So
handeln in diesem l�cherlichen Mechanismus der Zivilisation die
Theile gegen das Ganze und jeder Einzelne gegen Alle. Die ganze
Ungeheuerlichkeit eines solchen Zustandes wird man erst begreifen,
wenn man die soziet�re Organisation kennen lernt, wo die Interessen
eine ganz entgegengesetzte Richtung nehmen; wo Jeder das
Gesammtwohl w�nscht, weil dieses seinem pers�nlichen Wohl am
meisten entspricht. So zeigt sich �berall statt der Einheitlichkeit
der Handlung, welche die moralischen und politischen Wissenschaften
r�hmen, die allgemeine Doppelseitigkeit. Wenn je die Zivilisation
�ber sich err�then und das Bed�rfni� nach einem anderen Zustande
empfinden mu�, so heute, wo alle ihre Illusionen zerst�rt sind; wo
ihre Freiheit _als der Weg zur Anarchie_ erkannt ist, ihre
Zerw�rfnisse zum Despotismus f�hren und ihre Handelsmaximen den
Wucher, den Betrug, den Bankerott beg�nstigen, _die Nationen
schlie�lich unter das Joch des Monopols beugen_ und zur D�rftigkeit
und Verarmung der Masse f�hren. So l�sen sich alle Chim�ren von der
Vollkommenheit dieser Gesellschaft auf, wodurch man uns in ihren
Schafstall f�hrte.�
�Will die Wissenschaft zum Ziele kommen, so mu� sie folgende
Grunds�tze zur Richtschnur ihrer Beth�tigung nehmen:
�Sie mu� 1. das ganze Gebiet des Wissens erforschen und mu�
festhalten, da� nichts gethan ist, so lange noch etwas zu thun
�brig bleibt; 2. die Erfahrung zu Rathe ziehen und sie zum F�hrer
nehmen; 3. vom Bekannten zum Unbekannten vermittelst der Analogie
vorschreiten; 4. von der Analyse zur Synthese �bergehen; 5. nicht
glauben, da� die Natur auf die uns bekannten Mittel beschr�nkt ist;
6. die Spannkr�fte im ganzen sozialen und materiellen Mechanismus
vereinfachen; 7. sich nur an die durch das Experiment festgestellte
Wahrheit halten; 8. sich an die Natur schlie�en; 9. beachten, da�
aus Irrth�mern entstandene Vorurtheile keine Prinzipien sind; 10.
die Thatsachen beobachten, die wir kennen lernen wollen und sich
solche nicht vorstellen; 11. vermeiden, da� zum Schlie�en Worte
mi�braucht werden, die man nicht versteht; 12. vergessen, was wir
gelernt haben! Man mu� die Ideen wieder an ihrer Quelle aufnehmen
und die menschliche Einsicht wieder herstellen. Alsdann wird man zu
der Einsicht kommen, da� Alles im System der Natur verbunden ist,
und da� es zwischen ihren Theilen eine Einheit giebt. Der Mensch,
als einer ihrer edelsten Theile, mu� in Uebereinstimmung sein mit
den Harmonien des Weltalls, also mit der mathematischen oder
rationellen Harmonie, der planet�ren oder sozialen, der
musikalischen oder sprechenden. (Einheit der Sprache, Weltsprache.)
Ist der Mensch also bestimmt, sich den Harmonien zu assimiliren, so
mu� er das Band suchen, das ihn mit Allem vereinigt, dieses Band
ist die Synthese von der Attraktion der Triebe.�
Fourier f�hrt dann fort: Er wolle an der Hand von Prinzipien,
welche nicht er, sondern die Philosophen feststellten, die
Erforschung der sozialen Bewegung vornehmen. Man werde sehen, wie
die Sophisten, trotz solcher vortrefflichen F�hrer, wie ihre
Prinzipien, auf alle Klippen geworfen wurden und der Menschheit nur
sieben Gei�eln brachten: D�rftigkeit, Betrug, Unterdr�ckung,
Menschenschl�chterei, klimatische Exzesse (Folge von
Waldverw�stungen etc.), Krankheiten erzeugende Gifte, dogmatische
Finsterni�. Es sei in der Natur begr�ndet, da� jede soziale Periode
ihre Aufmerksamkeit auf Fragen richte, die sie zu einer h�heren
Stufe der Entwicklung f�hrten; so besch�ftige man sich unter den
Zivilisirten mit zwei Wegen, dem Handelssystem und der Freiheit.
Das seien die beiden Paradepferde der Philosophen, die sie mit
Vorliebe ritten. Man wolle die freie Zirkulation im Handel und
komme zum Seehandelsmonopol; man wolle die Meinungsfreiheit und
komme zur Herrschaft der Denunzianten und des Schaffots.[10]
[Fu�note 10: Anspielung auf die Zust�nde in der franz�sischen
Revolution w�hrend der Herrschaft des rothen und des wei�en
Schreckens.]
Nach der Gesundheit und dem Reichthum sei nichts werthvoller, als
die Freiheit, diese m�sse man in k�rperliche und soziale Freiheit
scheiden. Der Gewohnheit entsprechend, Alles nur einseitig
anzusehen, habe man nicht erkannt, da� die Freiheit zwei- und
mehrseitig sein k�nne. Tausend Jahre vergingen, ehe man nur an die
k�rperliche Freiheit (die Beseitigung der Sklaverei) dachte. Plato
und Aristoteles hielten die Sklaverei f�r nothwendig. Letzterer
erkl�rte sogar, �der Sklave sei der Tugend nicht f�hig�. Unter dem
Christenthum wurde die k�rperliche Freiheit allm�lig durchgesetzt,
aber noch existirte die Sklaverei vielfach.
�Aber was ist diese k�rperliche Freiheit werth ohne die soziale?
Der Bettler hat ein Einkommen, das kaum zum Leben gen�gt, trotzdem
genie�t er gr��ere Freiheit als der Arbeiter, der, um leben zu
k�nnen, an die Arbeit gefesselt ist. Doch seine Triebe bleiben
unbefriedigt. Er will in's Theater gehen, aber er hat kaum genug,
um sich zu n�hren, er m�chte Volksvertreter werden, aber dazu
geh�rt ein gro�es Verm�gen.[11] Mit dem stolzen Titel, ein freier
Mensch zu sein, hat er nur den Dunst statt der Wirklichkeit der
sozialen Freiheit; er ist nur ein passives Mitglied der
Gesellschaft. Streng genommen hat der Arbeiter nur einen Tag in der
Woche, den Sonntag, wo er k�rperlich frei ist, alle anderen Tage
ist er gebunden. So sehen wir die Freiheit nur sehr einfach, rein
k�rperlich. Doppelt ist die Freiheit, wo sie k�rperlich und sozial
aktiv ist; sie genie�t der Wilde. Der Wilde berathschlagt �ber
Krieg und Frieden, wie bei uns ein Minister; er hat, soweit dies
�berhaupt in seiner Horde m�glich ist, den freien Aufschwung der
Triebe seiner Seele, er genie�t eine Sorglosigkeit, die der
Zivilisirte nicht kennt. Er mu� zwar jagen und fischen, um sich zu
ern�hren, aber das sind anziehende Besch�ftigungen, die ihm die
k�rperliche aktive Freiheit nicht nehmen. Eine Arbeit, die Freude
macht, wird nicht als dr�ckende Verpflichtung empfunden. So geht's
auch dem Kaufmann; wenn er Stoffe ausbreitet, flott L�gen verzapft
und dabei seine Waaren verkauft, so ist ihm das ein Vergn�gen; er
w�rde sehr m�rrisch und gr�mlich sein, wenn kein K�ufer k�me und er
weder l�gen noch verkaufen k�nnte.�
[Fu�note 11: In der ersten H�lfte des Jahrhunderts und zwar bis
1848 herrschte in Frankreich ein sehr hohes Zensussystem, das nur
die Wahl der Reichsten erm�glichte.]
�Die Freiheit des Wilden ist also zweifach, aber diese zweifache
Freiheit weicht noch ab von der Bestimmung, die produktive Arbeit
verlangt; es ist also die anziehende, produktive Arbeit n�thig.
Diese unterstellt eine Einheitlichkeit der Verbindung, die
pers�nliche Zustimmung jedes Betheiligten, ob Mann, Frau, Kind, die
Verbindung aus Trieb f�r die Aus�bung der Arbeit und die
Aufrechterhaltung der begr�ndeten Ordnung. Diese vollst�ndig freie
Wahl der Arbeit, bestimmt durch die Triebe, ist die Bestimmung des
Menschen. Von der Masse der Zivilisirten mag ein Achtel mit ihrer
Lage zufrieden sein, aber sieben Achtel sind unzufrieden. Die gro�e
Menge ist nur auf die k�rperliche Arbeit beschr�nkt, ihre
Besch�ftigung ist indirekte Sklaverei, eine Qual, von der sie sich
zu befreien w�nscht.�
�Die kleine zufriedene Minderheit besteht aus M��igen, oder
Solchen, die privilegirte Stellungen einnehmen, und doch hat kaum
Einer, Monarch und Minister nicht ausgenommen, seine volle Freiheit
erreicht. Kann man also behaupten, da� die soziale Freiheit
besteht? Sie ist wie die Gleichheit und die Br�derlichkeit nur
Chim�re. Die Br�derlichkeit sandte Einen nach dem Andern ihrer
Koryph�en zur Guillotine, die Gleichheit dekorirte das Volk mit dem
Titel Souver�n, schaffte ihm aber weder Arbeit noch Brot; es
verkauft sein Leben um 5 Sous pro Tag[12] und man schleift es, die
Kette am Hals, zur Schlachtbank. So sind Freiheit, Gleichheit,
Br�derlichkeit nur Phantome.�
[Fu�note 12: Der Sold des franz�sischen Soldaten jener Zeit.]
�Die Freiheit ist illusorisch, wenn sie nicht allgemein ist. Wo der
freie Aufschwung der Triebe auf eine sehr kleine Minderheit
beschr�nkt ist, da giebt es nur Unterdr�ckung. Um aber der Menge
die Entfaltung und die Befriedigung der Triebe zu sichern, ist eine
soziale Organisation n�thig, die drei Bedingungen erf�llt. Man mu�
1. ein Regime der industriellen Attraktion suchen, entdecken und
organisiren; 2. Jedem das Aequivalent der sieben nat�rlichen Rechte
des Wilden garantiren;[13] 3. die Interessen des Volks mit
denjenigen der Gro�en verbinden, denn das Volk wird auf sie
eifers�chtig sein und sie hassen, so lange es nicht an ihrem
Wohlsein gradweise Antheil hat. Nur unter diesen drei Bedingungen
kann man dem Volk ein Minimum an Nahrungsmitteln, Bekleidung,
Wohnung und haupts�chlich auch an Vergn�gungen sichern, denn ohne
das Angenehme w�rde dem Menschen auch der neue Zustand nicht
gen�gen.�
[Fu�note 13: Als die sieben nat�rlichen Rechte des Wilden
betrachtet Fourier: 1. Sammelfreiheit der Fr�chte; 2.
Weidefreiheit; 3. freien Fischfang; 4. freie Jagd; 5. innere
Verbindung der Horde; 6. Sorglosigkeit; 7. ausw�rtigen Raub (�vol
exterieur�). Unter diesem etwas seltsam scheinenden Recht versteht
Fourier das Recht des Wilden, Alles, was er au�erhalb des
gemeinsamen Eigenthums der Horde oder des Stammes der Aneignung
werth findet, nehmen zu d�rfen. In der Zivilisation findet der Raub
innerhalb der eigenen Gesellschaft, an Gliedern derselben statt,
diesen Raub an der eigenen Genossenschaft kennt der Wilde nicht,
der innerhalb der Horde, des Stammes Gemeineigenthum besitzt und
dieses respektirt. In der Regel lebt der Wilde mit den benachbarten
St�mmen in Feindschaft und so wird dieses Recht des �ausw�rtigen
Raubs� einfaches Kriegsrecht. Bei uns Zivilisirten sind noch die
Rudimente ganz �hnlicher Auffassung vorhanden, die Kontribution der
Lebensmittel im Kriege ist in unsern Augen kein Raub, und die
Annexion fremder L�nder und Provinzen wird auch nicht als solcher
angesehen. Fourier will mit seiner ganzen Auseinandersetzung sagen:
der Wilde hat einestheils mehr Freiheit und Wohlsein, als der arme
Zivilisirte, andererseits weit mehr _Solidarit�tsgef�hl_, als die
Zivilisirten �berhaupt. Um das Solidarit�tsgef�hl, das der Wilde in
der Horde, im Stamm hat, in unserer Gesellschaft zu begr�nden,
brauchen wir eine ganz neue soziale Organisation.]
�Pr�fen wir also, wie die soziet�re Ordnung dem Individuum die
freie Aus�bung der erw�hnten sieben Rechte, die mit dem Mechanismus
der Barbarei und der Zivilisation so unvertr�glich sind, in
entsprechender Form gew�hren kann.�
�Schreiten wir zun�chst dazu, sie wie ihre Angelpunkte (�pivots�)
zu erkl�ren.�
Fourier giebt nun nachfolgendes Tableau, begleitet von drei
Analogien, um Diejenigen zu entt�uschen, die es als ein von ihm
systematisch angewandtes Vorurtheil ansehen, da� er gew�hnlich den
Zahlen 7 und 12 (also wie Pythagoras es that) den Vorzug gebe. Er
will beweisen, da� diese Zahlenverh�ltnisse in der Natur der Dinge
liegen, also gegebene sind, nicht willk�rlich erfundene.
| Rechte | Triebe | Farben | geometrische
| | | | Linien
---+-------------------+-----------------+------------+--------------
| kardinale oder | Haupt- | |
| industrielle | Triebe | |
| | | |
1. | Sammelfreiheit | Freundschaft | Violet | Kreis
2. | Weide | Liebe | Azur | Elipse
3. | Fischfang | Familiensinn | Gelb | Parabel
4. | Jagd | Ehrgeiz | Roth | Hyperbel
---+-------------------+-----------------+------------+--------------
| Distributive | Distributive | |
| | Triebe | |
| | | |
1. | Innere Verbindung | Kabaliste | Indigoblau | Spirale
2. | Sorglosigkeit | Papillone | Gr�n | Muschellinie
3. | Ausw�rtiger Raub | Komposite | Orangegelb | Logarithmus
---+-------------------+-----------------+------------+--------------
| Minimum | Einheitlichkeit | Wei� |
X. | | | |
| Freiheit | Gunst | Schwarz | Nebenkreis
Die Freiheit kommt nur als Folge der sieben andern Rechte, sie ist
das Resultat ihrer Verbindung, so wie Wei� oder Schwarz die
Verbindung oder Aufsaugung der sieben Farbenstrahlen ist.
Fourier f�hrt dann weiter aus, da� aber die Freiheit nur einfach
oder falsch sei, wenn sie nicht von der Hauptsache, dem Prinzipalen
aller Rechte, dem _Minimum_ begleitet sei, was die Periode der
Wildheit nicht biete. Auch genie�en die Freiheit in der Wildheit
nur die M�nner, die Frauen sind ausgeschlossen und ist ihre Lage
schlimmer, als in der Zivilisation. Es gen�gt weder die Freiheit,
wie sie die Zivilisation bietet, noch gen�gen die sieben
Naturrechte, die der Wilde besitzt, um einen befriedigenden Zustand
herzustellen. Der neue soziet�re Zustand m�sse also alle drei
Geschlechter gleichm��ig ber�cksichtigen und ihren Trieben
Befriedigung gew�hren.
Die bez�gliche Auffassung Fourier's von der Lage der Wilden und der
Zivilisirten lassen wir, da sie charakteristisch ist, hier
ausf�hrlicher folgen.
�Die Sorglosigkeit, dieses Gl�ck der Thiere, dieses Recht des
Wilden, genie�t man in der Zivilisation nur im Besitz gro�er
Sch�tze. Aber neun Zehntel der Zivilisirten, weit entfernt, dem
n�chsten Tag ohne Sorgen entgegensehen zu k�nnen, sind mit
t�glichen Sorgen �berladen und m�ssen eine widerw�rtige und
aufgezwungene Arbeit erledigen. Den Sonntag eilen sie dann in die
Schenken und an die Vergn�gungsorte, um wenigstens f�r einige
Augenblicke eine Sorglosigkeit zu genie�en, die so viele Reiche,
von der Unruhe verfolgt, vergebens suchen.�
�Die Rechthaber (�ergoteurs�) werden sagen, die Sorglosigkeit sei
eine Charaktereigenschaft und kein Recht; aber sie wird ein Recht,
indem sie im Zustand der Zivilisation ge�chtet ist, wo man die
Leichtlebigkeit als entehrend betrachtet und laut verurtheilt.
Versucht ein mit wenig Gl�cksg�tern bedachter Familienvater sich
mit den Seinen einem Vergn�gen zu �berlassen und verl��t er seine
Werkstatt, ohne f�r Steuern, Miethe und die k�nftigen Bed�rfnisse
gesorgt zu haben, so belehrt ihn die �ffentliche Meinung durch ihre
Kritiken und der Steuereinnehmer durch seine Exekutoren, da� er
kein Recht zur Sorglosigkeit habe, und er mu�, trotz seines Hangs
dazu, sich derselben entschlagen. Ueberdies ist schon die
zivilisirte Erziehung systematisch darauf bedacht, den Geschmack an
der Sorglosigkeit zu bek�mpfen, ein Vergn�gen, dessen freie
Entfaltung in der Harmonie durch nichts beeintr�chtigt wird.�
�Der Wilde genie�t diese Sorglosigkeit und beunruhigt sich nicht
�ber die Zukunft. W�re es anders, f�rchtete er da� seine Kinder,
seine Horde Hunger litte, er w�rde die Anerbietungen an
Ackerbauger�then und den notwendigen Gegenst�nden f�r die Kultur
des Bodens, welche die Regierungen der Zivilisirten ihm machen,
annehmen. Aber er will keins seiner Rechte einb��en. G�be er seine
Sorglosigkeit auf, er w�rde allm�lig seine ganze Freiheit, alle
seine Rechte verlieren. Er macht freilich diese Berechnung nicht,
aber die Natur macht sie f�r ihn. Die Attraktion leitet ihn auf den
rechten Weg, wie man sp�ter sehen wird.�
�Den einzigen plausiblen Einwand, den man gegen dieses Gl�ck des
Wilden machen kann, ist, da� die Frauen es nicht genie�en: die
Frauen bilden die H�lfte des Menschengeschlechts und sie haben bei
den Wilden eine sehr tiefe und ungl�ckliche Stellung.�
�Nichts wahrer als das. Aber wenn ich diese Thatsache nicht
anf�hrte, die Philosophen w�rden keine Notiz davon nehmen, denn sie
selbst haben die Gewohnheit, die Frauen f�r Nichts anzusehen. Von
den drei Geschlechtern, aus denen das Menschengeschlecht sich
zusammensetzt, dem oberen, den M�nnern, dem niederen, den Frauen,
und dem gemachten oder neutralen Geschlecht, den Kindern, sehen sie
nur _ein_ Geschlecht und arbeiten nur f�r dieses, f�r das obere
oder m�nnliche. Aber welches Gl�ck verschafften diesem die
Philosophen? Statt der sieben Rechte, aus welchen die Freiheit sich
zusammensetzt, nur die sieben Gei�eln.�
�Ich bin einem vorauszusehenden Einwand bereits begegnet, indem ich
die Freiheit des Wilden als divergirend zusammengesetzt
bezeichnete; sie ist in doppelter Weise divergirend; sozial, durch
die Unvertr�glichkeit des sozialen K�rpers, Horde genannt, mit der
industriellen Arbeit oder Bestimmung, materiell durch Ausschlie�ung
des weiblichen Geschlechts, das wenig oder gar nicht an den sieben
nat�rlichen Rechten theilnimmt.�
Trotzdem, so f�hrt Fourier weiter aus, stehe der m�nnliche Wilde
durch den Genu� der genannten sieben Rechte an Freiheit �ber der
gro�en Mehrheit der Zivilisirten, welche die immense Mehrheit
beider Geschlechter von diesen Vortheilen ausschl�sse. Die
Zivilisation schulde f�r das Ausgeben dieser nat�rlichen Rechte
einem Jeden ein Minimum an Lebensnothwendigkeiten, Kleidung,
Wohnung, und zwar proportional der sozialen Stellung, zu der er
geh�re, denn _nothd�rftig_ gen�hrt, gekleidet und logirt werde man
auch in den Armenh�usern, wo der Mensch aber nichts als ein
Gefangener und sehr ungl�cklich sei.
Statt den Zivilisirten f�r den Verlust seiner sieben nat�rlichen
Rechte durch eine menschenw�rdige Existenz zu entsch�digen,
garantirten ihm unsere Publizisten einige Tr�umereien und
Gaskonnaden, wie: �da� er stolz sein d�rfe auf den Namen eines
freien Mannes und das Gl�ck habe, unter einer Verfassung zu leben.�
Diese L�cherlichkeiten verdienten nicht einmal den Namen der
Illusion und befriedigten keinen Arbeitenden, der vor Allem nach
seinem Geschmack zu essen, sorglos und vergn�gt zu leben w�nsche.
�Der soziet�re Zustand garantirt dem Volk die sieben Rechte des
Wilden in F�lle, indem er ihm ein ausreichendes Aequivalent bietet;
er gew�hrt jedem Menschen so viel Wohlsein, da� z.B. Niemand mehr
auf den Gedanken kommt, zu stehlen, was er so haben kann, oder da�
er sich durch eine Handlung in der �ffentlichen Meinung mehr zu
Grunde richtet, als er durch eine schlechte Handlung zu gewinnen
vermag. Schlie�lich werden alle Kinder in den Begriffen der Ehre
erzogen und k�nnen alle Bequemlichkeiten des Lebens reichlich
genie�en. Es wird also Niemand mehr an Diebstahl denken, wo Alle im
Ueberflu� leben.�
�Die Zivilisation, indem sie den Menschen der sieben Rechte des
Wilden beraubt, gew�hrt ihm keinerlei entsprechende Aequivalente.
Fragt einmal einen ungl�cklichen Arbeiter der Zivilisation, der
keine Arbeit und kein Brot hat, vom Gl�ubiger und Exekutor bedr�ngt
wird, ob er nicht lieber wie der Wilde das Recht der Jagd und des
Fischfangs, des Fr�chtesammelns und der freien Weide seinem Zustand
vorziehe und er wird keinen Augenblick z�gern, sich f�r den Wilden
zu entscheiden. Was giebt ihm die Zivilisation f�r seinen Verlust?
Das Gl�ck, unter der Verfassung zu leben. Dem Hungernden ist nicht
damit gedient, da� er, anstatt eine gute Mahlzeit zu genie�en, die
Verfassung lesen kann; es hei�t den Nothleidenden in seinem Elend
beleidigen, wenn man ihm eine solche Entsch�digung bietet.�
�Daraus folgt: in der industriellen Gesellschaft wird die Freiheit
illusorisch und verh�ngnisvoll, wenn man sie nur in einfacher
Anwendung einf�hrt.�
Fourier sagt also: die Freiheit ohne Garantie eines Minimums, die
Freiheit ohne Brot, ist f�r die gro�e Menge der Bev�lkerung unter
Umst�nden nur die Freiheit des Verhungerns. Die Freiheit hat nur
Werth, ja sie ist erst dann vorhanden, wenn auch der Mensch zu
leben hat, und diesen Lebensunterhalt garantirt die Zivilisation
nicht. �So haben unsere Tr�umereien von den Menschenrechten und der
Freiheit, die man in Versuch setzte, nichts als T�uschungen und
verh�ngni�volle Ersch�tterungen erzeugt. Unsere Gesellschaft hat zu
ihren Angelpunkten zwei Triebfedern, welche der Einheitlichkeit der
Freiheit und dem proportionalen Existenzminimum des soziet�ren
Zustandes schnurstracks gegen�berstehen: allgemeiner Egoismus und
Zweideutigkeit aller Handlungen. Diese beiderseitigen
Charaktereigenschaften lassen sich nicht vereinigen, sie schlie�en
sich aus.�
�Volle einheitliche Freiheit und menschenw�rdige Existenz lassen
sich nur durch die Anwendung des Mechanismus der Serien der Triebe
erreichen, au�erhalb desselben ist das ganze System der Triebe im
Widerspruch mit sich, es herrschen Egoismus und Zweideutigkeit.� ...
Es gilt also f�r Fourier, eine entsprechende Organisation zu
schaffen, bei welcher alle Klassen gleichm��ig, unter voller
Ber�cksichtigung ihrer sozialen Lebensstellung, zufriedengestellt
werden.
�Vermittelst der gradweisen Abstufung der Interessen ist der
Niedere an dem Wohlsein des H�heren interessirt; die gewohnte
Begegnung bei den anziehenden Arbeiten in den Intriguen der
verschiedenen Serien dient als Kitt f�r die Einheitlichkeit. Man
hat nichts mehr von der vollen Freiheit des Volkes zu f�rchten, das
in dem gegenw�rtigen Zustande des Elends und der Eifersucht gegen
die H�heren seine Unabh�ngigkeit nur zur Pl�nderung und Erw�rgung
derselben benutzen w�rde.�
�Aus dieser Darlegung resultirt, da� die Gew�hrung einer
ausk�mmlichen Lebenshaltung ausschlie�lich von der Entdeckung des
soziet�ren Regimes und der anziehenden Arbeit abh�ngt. Wie kann man
dem Volk von Freiheit zu sprechen wagen, wenn man ihm selbst nicht
einmal die widerwillige Arbeit, von der heute seine Existenz
abh�ngt, zu garantiren vermag? In einem solchen Zustande der Dinge,
wie dem gegenw�rtigen, wird alle Freiheit nur ein Keim des
Aufruhrs. Die Agitatoren f�hlen das wohl und darum haben sie die
Macht an sich gerissen. Ihre erste Sorge ist, dem Volk den Maulkorb
anzulegen und die philosophischen Schw�tzer, die Bonaparte knebelte
und Robespierre in Masse auf's Schaffot schickte, zu unterdr�cken.�
�_In der Zivilisation kann also keine wirkliche Freiheit
existiren_, sie existirt nur im Zustande der Wildheit, aber dort
unvollst�ndig und gef�hrlich, weil sie die Horde dem Hunger, dem
Krieg, der Pest aussetzt und weder sich auf die Frauen, noch auf
die Greise ausdehnt, welch letztere man opfert, wenn sie
unbrauchbar werden.�
�Obschon die Freiheit des m�nnlichen Wilden dem Schicksal unserer
Arbeiter und Bettler vorzuziehen ist, ist sie nur ein rohes, der
Vernunft unw�rdiges Gl�ck, weil die industrielle Th�tigkeit ihm
fremd ist. Andererseits ist der Zustand des Elends und der
Unterdr�ckung, in dem unsere Arbeiter seufzen, nicht die Frucht des
sozialen Genies, sondern des Mangels an einem solchen und eine
Schmach f�r die Wissenschaft. Weit entfernt, da� diese verstand,
uns zur Freiheit zu erheben, hat sie nicht einmal sie zu definiren
gewu�t, noch vermochte sie ihre verschiedenen Charaktereigenschaften
darzulegen. Der Wissenschaft bleibt die Schande, unter dem Vorwand,
uns ein Gut zu geben, dessen Wesen sie selbst nicht kannte, tausend
politische St�rme erregt zu haben. Sie ist mit der Freiheit wie mit
dem Handel verfahren, sie hat einen Hebel zu literarischen
Intriguen aus ihnen gemacht und weit entfernt, einen Schatten von
Ehrlichkeit in ihre Debatten zu tragen, hat sie selbst weder die
Probleme bezeichnet, noch empfohlen, welche auf's Lebhafteste die
Anstrengungen des Genies herausfordern, n�mlich:
�In Sachen des Handels: das Bed�rfni� der Assoziation, die Garantie
der Wahrheit und die Unterdr�ckung der zahlreichen Verbrechen der
handeltreibenden K�rperschaften: der Bankerotte, des Wuchers, des
B�rsenspiels etc.�
�In Sachen der Freiheit: das Bed�rfni� der industriellen
Attraktion; ein Aequivalent f�r die nat�rlichen Rechte (die der
Wilde hat) und Garantien f�r ein gradweise abgestuftes Minimum f�r
die verschiedenen Klassen.� ...
�Der Streit �ber die Freiheit hat erst neuerdings vier Millionen
K�pfe gekostet (Fourier spielt hier auf die der gro�en Revolution
folgenden Kriege an), die den politischen Sophismen und der
Handelseifersucht geopfert wurden, gen�gend, um dieses Chaos von
irrigen Lehren �ber die Freiheit und den Handel zu entwirren.�
�Es geh�rt zu den Gebr�uchen der Zivilisirten, einem Dogma zu
Ehren, dessen Sinn, noch dessen praktische Wirkungen man kennt,
sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren. Beweis daf�r sind die aus
den Debatten �ber die Verwandlung (�Transsubstantiation�) und die
Wesenseinheit (�Consubstantialit�) hervorgegangenen Kriege. Unser
Jahrhundert hat �hnlich �ber die Menschenrechte spekulirt; um sie
zu erhalten, massakrirte man sich und doch kannte man ihr wahres
Wesen nicht.�
Nach Fourier liegt das wahre Wesen der Freiheit in der Anerkennung
�des Rechts auf Arbeit�, das �f�r den Armen allein werthvoll ist.�
Die Erfahrung hat uns zur Gen�ge gelehrt, da� mit dieser
Anerkennung auch nichts gethan ist. Es ist auch �ber dieses �Recht�
gar viel gestritten worden und zuletzt, im Jahre 1848 in Paris in
den Junitagen, viel Blut geflossen. Das Recht auf Arbeit steht in
Bezug auf seine Phrasenhaftigkeit um kein Haar breit hinter der
�Freiheit� und den �Menschenrechten� zur�ck, Jeder legt sich dieses
�Recht� zurecht, wie er es braucht und es seinem
Interessenstandpunkt entspricht. Gewisse Sozialisten betrachten
noch heute das Wort als eine Art Schiboleth, das die soziale Frage
l�se; bei den Anh�ngern des preu�ischen Landrechts, die dieses
�Recht� ebenfalls anerkennen, schrumpft es zu einem Recht auf
Armenhausarbeit und Armenunterst�tzung zusammen. Auch nach der
Junirevolution hat es noch die K�pfe in der franz�sischen Kammer
erhitzt, man schlug gro�e Redeschlachten und dabei ist es bis heute
geblieben. Schlie�lich waren bei all diesen Schlagworten es immer
und immer die Vertreter der kleinb�rgerlichen Demokratie, die sich
am eifrigsten f�r sie begeisterten und sich zu ihren Champions
aufwarfen. Ganz begreiflich. Diese Demokratie repr�sentirt eine
Gesellschaftsschicht, die zwischen der gro�b�rgerlichen und der
proletarischen Klasse mitten innesteht, in Folge davon ohnm�chtig
ist und in Bezug auf die Heilung der sozialen Uebel an chronischer
Impotenz leidet und daher ihr Thatenbed�rfni� in gro�en Worten und
Kraftphrasen zu verpuffen gen�thigt ist. Die b�rgerlichen Ideologen
lieben es, am Klang der Worte sich zu berauschen, sie sind aber
allm�lig sehr einflu�los und harmlos geworden.
Fourier war allerdings ein viel zu mathematisch denkender und
logisch schlie�ender Kopf, um sich durch eine Phrase, die er bei
Andern klar durchschaute, beirren zu lassen, und so folgert er: es
giebt keine wie immer zusammengesetzte Freiheit ohne das Minimum;
kein Minimum ohne die industrielle Anziehung (�attraction�); keine
industrielle Anziehung in der zerst�ckelten (�morcel�) Arbeit,
womit er sagen will, in der auf Privatwirthschaft beruhenden
Arbeit. Die industrielle Anziehung kann nur aus den Serien der
Triebe geboren werden; also:
Das Minimum, gest�tzt auf die industrielle Anziehung, ist der
einzige Weg zur Freiheit, einen andern giebt es nicht. Aber um in
diesen Weg einzutreten, mu� man die Zivilisation verlassen, mu� man
ihre Produktions- und Distributionsform aufheben; und da es hierzu,
nach ihm, zw�lf Wege giebt, mu� man den g�nstigsten w�hlen, um zur
Assoziation zu gelangen.
Es handelt sich also darum, den neuen Zustand dergestalt zu
organisiren, da� folgende sieben Funktionen voll angewendet und
ausge�bt werden k�nnen: h�usliche Arbeiten, l�ndliche Arbeiten,
industrielle Arbeiten, Austausch, Unterricht, Wissenschaften,
sch�ne K�nste. Es mu� vorhanden sein: Anziehung f�r alle
Besch�ftigungen, proportionale Vertheilung des Erzeugten,
Gleichgewicht der Bev�lkerung, Oekonomie in den H�lfsmitteln.
Die Anziehung an die Arbeiten kann nur vorhanden sein, wenn jede
Arbeit angenehm _und_ lukrativ ist. Die Vertheilung findet statt
nach den drei industriellen F�higkeiten: Arbeit, Kapital, Talent.
Die Bev�lkerungszahl einer Phalanx darf 1800-2000 Personen nicht
�berschreiten, weil in dieser Zahl, nach Fourier's Berechnung, die
verschiedenen Triebe und Charaktereigenschaften voll und zweckm��ig
vertheilt enthalten sind und eine gr��ere oder kleinere Zahl die
Ausgleichung st�ren w�rde. Die Oekonomie der H�lfsmittel ergiebt
sich aus dem m�glichst zweckm��igen Zusammenwirken aller mit
einander Operirenden, die alle gleichm��ig an der Ersparni� von
Materialien, Zeit und Kraft interessirt sind. So wird man in einer
Phalanx von 400 Familien nicht 400 K�chenfeuer, 400
Einzelwirthschaften erhalten, sondern man wird nur 4 oder 5 gro�e
K�chenfeuer anlegen und die Bewohner in 4 oder 5 Klassen, nach dem
Stande ihres Verm�gens, eintheilen und sie in einem gemeinsamen
Palast wohnen lassen. Der soziet�re Zustand l��t keine Gleichheit
zu. Ebenso werden bei dem Ackerbau wie bei der Industrie die
Vortheile in positiver Beziehung -- Erh�hung der Produkte durch
zweckm��igste Kombinirung und Anwendung der Kr�fte und H�lfsmittel
-- und in negativer Beziehung -- Ersparnisse an Kraft, Zeit,
Materialien -- sehr bedeutende sein. Es entsteht wieder rationelle
Waldzucht, Quellenschonung, Klimaverbesserung. Ueber alle diese
Vortheile, welche die assoziirte Th�tigkeit erzeugen m�sse, �u�ert
sich Fourier wie folgt:
�Eine Phalanx, die sich z.B. mit Wein- oder Oelbau befa�t, wird nur
einen einzigen Werkraum f�r die Fertigstellung n�thig haben, statt
der vielen, die jetzt in einer Gemeinde von 15-1800 Seelen n�thig
sind; statt 300 Bottiche wird sie nur ein Dutzend bed�rfen. Man
wird ferner f�r die Reben- und Oelbaumanlagen die Ueberwachung, die
Einfriedigungen und Ummauerungen ersparen. Man wird die Lese nicht
auf einmal vornehmen, wie dies jetzt der kleine Privatbesitzer, um
Kosten und Zeit zu ersparen, thun mu�, sondern in dem Ma�e, wie die
Trauben reifen, und damit gro�e Verluste an Quantit�t oder Qualit�t
verh�ten. Statt der 1000 F�sser, welche heute 300 Familien
ben�thigen, werden 30 gro�e Tonnen gen�gen. Man wird neun Zehntel
der Kosten f�r die Lagerr�ume, neunzehn Zwanzigstel f�r das Fa�werk
ersparen. Die richtige Behandlung des Weins ist dem kleinen Besitzer
unm�glich, weder kann er ihm die n�thige Lagerung gew�hren in
trockenen gut gel�fteten nach Norden gelegenen Lagerr�umen, noch
hat er die Einrichtungen und Vorrichtungen f�r die t�gliche K�hlung
der Keller und F�sser. Auch fehlt der Ueberzahl der Besitzer die
M�glichkeit, die Weine durch verschiedene F�llungen zu verbessern,
leichte mit schweren Qualit�ten zu schneiden, oder sich fremde
w�rmere Weine zu verschaffen. Ferner wird heute der Wein,
unmittelbar nach der Ernte, von vielen Eigenth�mern zum billigsten
Preis verkauft, weil sie ihn verkaufen m�ssen, sei es, da� sie Geld
n�thig haben, der Gl�ubiger schon wartet, oder da� es ihnen an
geeigneten Aufbewahrungsr�umen fehlt, und sie der Mittel oder des
Verst�ndnisses zur Pflege entbehren. In der Phalanx wird der Wein
in Folge guter Aufbewahrung und Pflege schon nach einem Jahre das
F�nffache des Preises werth sein und mit dem Alter entsprechend im
Preise steigen. Die Phalanx verkauft ihn, wie ihr Interesse
gebietet. Und so noch viele andere Vortheile, die aus der
Gemeinwirthschaft entspringen, stets Kosten ersparen und die
Produkte verbessern. Man wird bessern Saamen, bessere Pflanzen
anschaffen, im Ankauf nie betrogen werden; man wird f�r die
verschiedenen Pflanzungen die besten und geeignetsten Bodenarten
aussuchen k�nnen, Maschinen, Geb�ude, St�lle, Lagerr�ume werden die
zweckm��igsten sein, die verf�gbaren Kr�fte werden jede Arbeit im
richtigen Moment erm�glichen.�
�Eine der gl�nzendsten Seiten der soziet�ren Arbeit wird die
Einf�hrung der Wahrheit in Handel und Wandel werden. Indem die
Assoziation die kooperative, solidarische, sehr vereinfachte, auf
Wahrhaftigkeit und Garantie beruhende Konkurrenz an die Stelle der
individuellen, unsoliden, l�gnerischen, verschlungenen und
willk�rlichen Konkurrenz der Zivilisation setzt, wird sie nur ein
Zwanzigstel der Arme und der Kapitalien ben�thigen. Man wird also
den heutigen Handel als parasitisch unterdr�cken, denn parasitisch
ist Alles, was unterdr�ckt werden kann, ohne da� der Zweck
gesch�digt wird. Man wird in der Phalanx statt hunderter
konkurrirender und gegen einander intriguirender Kaufleute und
Kr�mer mit ihren Verkaufshallen und L�den nur ein gro�es
Waarenlager und verh�ltni�m��ig sehr wenig Personen brauchen, da
alle K�ufe und Verk�ufe nach au�en die Phalanxen unter sich
abschlie�en.�
�In der Zivilisation ist der Mechanismus in jeder Art der
ruin�seste und falscheste. So giebt es au�er im Handel noch
tausende und abertausende von parasitischen Existenzen, z.B. die in
der Rechtspflege besch�ftigten Personen, eine Institution, die nur
auf den Fehlern der zivilisirten Ordnung beruht ... Andererseits
fehlen die Mittel f�r das N�thigste. So mangeln Frankreich heute
einige hundert Millionen Franken f�r die Verbesserung der Wege und
Stra�en; im soziet�ren Zustand, wo Phalanx an Phalanx sich reiht,
bestehen die ausgezeichneten Verbindungsmittel, f�r die jedes
Phalanst�re (das Phalanst�re ist der ganze Bezirk [Kanton]
inklusive der Geb�ude. Der Kanton soll nach Fourier eine
Quadratstunde Fl�cheninhalt haben) aufzukommen hat, ohne da� es der
Staatssteuern dazu bedarf. Ebenso f�llt die kostspielige
Katastrirung der Grundst�cke f�r den Staat fort. Eine Wahl, die
heute unendlich viel Zeit und Geldopfer erfordert, eine Menge der
widerlichsten Kabalen erzeugt, wird in der Phalanx dem Einzelnen
kaum eine Minute Zeit kosten, eine Reise dazu hat er nicht n�thig
zu machen.� ...
�Unter die Unproduktiven geh�ren ferner die Soldaten, die
Grenzw�chter, die Steuerbeamten; auch sind ein gro�er Theil der
Dienstboten und viele von den in der isolirten Wirthschaft
besch�ftigten Personen unter die Parasiten zu rechnen. Sobald
M�nner, Frauen, Kinder, letztere vom dritten Lebensjahre ab, aus
Anziehung th�tig sind, wenn Trieb, Geschicklichkeit, Wetteifer, der
verbesserte Mechanismus der Arbeit, Einheitlichkeit der Handlungen,
freier Verkehr, Verbesserungen des Klimas, h�here Kraft und
Langlebigkeit der Menschen zusammenwirken, werden die Arbeitsmittel
und Kr�fte in's Unberechenbare sich steigern und wird das Produkt
quantitativ und qualitativ sich dem entsprechend veredeln und
vermehren.�
�Am meisten wird das Schicksal der Kinder in der soziet�ren
Organisation sich verbessern. In der meist sehr �bel und mangelhaft
geleiteten Privatwirthschaft finden die Kinder in ihren H�tten,
Hofwerkstellen, Scheuern weder die H�lfsmittel, noch die Belehrung,
noch die Beurtheilung, noch den Antrieb, den sie n�thig haben, um
sich geh�rig zu entwickeln. Dabei sterben sie massenhaft in Folge
ihrer ungesunden Wohn- und Lebensweise, oder sie siechen dahin. Im
soziet�ren Zustand wird die Sterblichkeit sich au�erordentlich
vermindern, die Kinder werden an k�rperlicher und geistiger
Gesundheit in heute ungeahnter Weise zunehmen. Drohende
Ueberv�lkerung wird die soziet�re Organisation auszugleichen
wissen.�
Die Zivilisation befindet sich allen diesen Fragen gegen�ber in
einem falschen Kreisschlu� (�cercle vicieux�) und das erkennt man
allm�lig. Man ist erstaunt, zu finden, da� _in der Zivilisation die
Armuth selbst den Ueberflu� erzeugt_. Unser Zustand bringt nicht
das Gl�ck, sondern das Nichtgl�ck hervor; die Exzesse der Industrie
f�hren zu den gr��ten Uebeln, sie werfen uns von der Scylla in die
Charybdis, und warum? Weil wir ohne Leitfaden in einem Labyrinthe
wandeln. Das zeigt sich �berall. W�hlen wir als Beispiel die
nat�rlichen Anlagen des Menschen und die Kunst, sie zum Aufbruch zu
bringen. Ein K�rrner f�hrt Metall in eine Gie�erei.[14] Bei dem
Anblick ihrer Einrichtungen erfa�t ihn die Neigung, als Lehrling
einzutreten. Er entdeckt bei sich einen Trieb, den bisher weder er,
noch seine Eltern kannten; er tritt wirklich als Lehrling ein und
macht so erstaunliche Fortschritte, da� er schon nach einem Jahre
einen sehr geschickten Arbeiter ersetzte und pro Tag 22 Franken
verdiente. Welche Anklage liegt in diesem einen Beispiel gegen
unsere Arbeits- und Erziehungsmethoden, gegen unsere Theorie der
Vervollkommnung und des Studiums des Menschen. Jedes Kind hat vom
jugendlichsten Alter an Anlagen und Triebe verschiedenster Art,
aber wie erm�glichen, da� wir sie kennen lernen? Dazu ist die
Zivilisation unf�hig. Uns mangelt der Kompa�, der Schl�ssel, der
uns dieses Zauberbuch �ber die Anziehungen und die industriellen
und wissenschaftlichen Anlagen und Triebe entziffert. Das kann nur
durch die Anwendung der Serien der Triebe geschehen; sie bilden den
Schl�ssel zu jedem Zweig des sozialen Mechanismus und haupts�chlich
auch f�r die Erziehung. Das Problem, das es hier zu l�sen gilt,
ist, nicht nur eine, sondern selbst zwanzig Anlagen zum Aufbruch zu
bringen bei einem Kinde, das kaum drei Jahre alt ist. Vom vierten
Jahre ab soll es schon spielend in zwanzig verschiedenen Serien
industrieller Th�tigkeit geschickt sein und mehr gewinnen, als
seine Nahrung und sein Unterhalt kosten; es �bt abwechselnd alle
physischen und intellektuellen F�higkeiten, Alles mit Eifer
ergreifend. Statt zwanzig Anlagen im Alter von vier Jahren finden
wir bei dem Zivilisirten oft nicht eine im Alter von zwanzig
Jahren, sie wurden unterdr�ckt, erstickt, weil die Eltern arm
waren, oder die Triebe und Anlagen nicht anzuregen verstanden, oder
die Gelegenheit fehlte. So steht es �hnlich selbst bei der
wohlhabenden Klasse. Unter zwanzig jungen Leuten, die man auf die
Universit�ten und Hochschulen schickt, ist �fter kaum einer, der
die in ihn gesetzten Hoffnungen erf�llt. Die Anlagen zum Aufbruch
zu bringen, die Kunst, sie vom niedersten Lebensalter an zu
entwickeln, das ist die Klippe, an der unsere Wissenschaften
scheitern. Wir verstehen das nicht einmal in der Agrikultur, woher
es kommt, da� diese selbst unserer Dorfjugend widerw�rtig
erscheint. Unsere wissenschaftliche, unsere industrielle Erziehung
steht, wie Alles, au�erhalb der Natur, au�erhalb der Anziehung. Es
ist klar, wir brauchen einen Wegweiser, eine neue Wissenschaft und
diese ist die Lehre von den Serien der Triebe. Ohne sie werden die
Nebel immer gr��er. Man behauptet, die Menschen seien heute nicht
falscher als fr�her. Inde� vor einem halben Jahrhundert konnte man
f�r wenig Geld noch Stoffe von guter Farbe und Qualit�t und
nat�rliche, d.h. unverf�lschte Nahrungsmittel kaufen; heute
herrschen �berall Verf�lschung und Betr�gerei. Der Landmann selbst
ist ein F�lscher geworden, wie es der Kaufmann schon vor ihm war.
Milch, Oel, Wein, Branntwein, Zucker, Mehl, Kaffee, Alles ist
schamlos verf�lscht. Die arme Menge kann sich keine nat�rlichen
Lebensmittel mehr verschaffen, man verkauft ihr langsam wirkende
Gifte; solche Fortschritte machte der Handelsgeist selbst bis in
die entlegensten D�rfer. Seit f�nfzig Jahren hat sich die Zahl der
Handeltreibenden vervierfacht, ohne da� die Besch�ftigung f�r sie
sich entsprechend vermehrte, der Schwindel ist in demselben Ma�e
gewachsen und ebenso die Aufsaugung der Kapitalien.�[15] �Zu allen
Zeiten und an allen Orten wird die Anziehung der Triebe zu drei
Zielen zu kommen suchen: Zum Luxus oder zur Befriedigung der f�nf
Sinne; zu Gruppenbildungen und Serien der Gruppen -- Bande der
Zuneigung --; zu dem Mechanismus der Triebe, der Charaktere und
Instinkte; und durch sie alle drei zur universellen
Einheitlichkeit.�
[Fu�note 14: Fourier erw�hnt hier einen selbsterlebten Fall und
f�hrt die Namen an, die wir als gleichg�ltig weglassen.]
[Fu�note 15: Der Leser will nicht vergessen, da� das nicht heute,
sondern schon vor dreiviertel Jahrhunderten geschrieben wurde.]
�Der Luxus umfa�t alle sinnlichen Vergn�gungen. Indem sich die
Triebe nach Befriedigung sehnen, w�nschen wir uns implicite
Gesundheit und Reichthum als Mittel der Befriedigung; wir w�nschen
uns inneren Luxus oder k�rperliche Kraft, Verfeinerung und St�rke
der Sinne, und �u�eren Luxus oder Reichthum. Man mu� diese beiden
Mittel besitzen, um den ersten Zweck der Anziehung der Triebe zu
erreichen. Wir m�ssen also befriedigen: Geschmack, Gef�hl, Gesicht,
Geh�r, Geruch. F�r das zweite Ziel sucht die Anziehung Gruppen zu
bilden und zwar in der Zahl von vier: Gruppe der Freundschaft, des
Ehrgeizes, als h�here; der Liebe, der Elternschaft oder der
Familie, als niedere Ziele. Alle Gruppen, die sich in voller
Freiheit und nach Neigung bilden, beziehen sich auf eins dieser
vier Ziele. Wird eine Gruppe zahlreich, so theilt sie sich in
Untergruppen, indem sie eine Serie von Theilen bildet, abgestuft in
Nuancen nach Neigungen und Geschmack. Alle Gruppen suchen eine
Serie (Reihe) oder Stufenleiter zu bilden, verschieden in Gattung
und Art. Die Serien der Gruppen sind also zweites Ziel der
Anziehung, indem sie sich f�r alle Funktionen der Sinne und der
Seele bilden. Das dritte Ziel ist der Mechanismus der Triebe oder
der Serien von Gruppen. Es ist das Bestreben der f�nf sinnlichen
Triebe (1. Geschmack, 2. Gef�hl, 3. Geruch, 4. Gesicht, 5. Geh�r)
mit den vier affektiven: 6. Freundschaft, 7. Ehrgeiz, 8. Liebe, 9.
Elternschaft, in Uebereinstimmung zu bringen. Diese
Uebereinstimmung vollzieht sich durch Vermittelung der drei wenig
bekannten und viel verkannten Triebe. 10. der Kabalist, Trieb durch
Intrigue nach Vereinigung der Gleichstrebenden; 11. der Papillon,
Trieb nach Abwechslung, nach Kontrasten; 12. der Komposit, Trieb
der Aneiferung, der Begeisterung, des Strebens nach
Vervollkommnung.�
�Diese zw�lf zusammenwirkenden Triebe stellen die Harmonie der
Triebe her. Ein Jeder w�nscht im Spiel seiner Triebe eine solche
Ausgleichung sich zu verschaffen, da� der Aufschwung des einen
Triebes den Aufschwung aller �brigen beg�nstigt. Z.B. Liebe,
Ehrgeiz wollen ihr Ziel erreichen und nicht entt�uscht sein; die
Gourmandis hat die Absicht, die Gesundheit zu verbessern, und nicht
zu sch�digen ... Gegenw�rtig ist der Mensch im Kriege mit sich
selbst. Seine Triebe gerathen aneinander. Der Ehrgeiz wirkt der
Liebe, die Elternschaft der Freundschaft entgegen, und so befinden
sich alle Triebe best�ndig in Disharmonie. Aus diesem Kampf der
Triebe entstand die Wissenschaft der Moral, die verlangt, man solle
die Triebe unterdr�cken; aber unterdr�cken hei�t nicht organisiren,
harmoniren. Unser Zweck ist, den freiwillig ineinander greifenden
Mechanismus der Triebe zu schaffen, _ohne einen zu unterdr�cken_.
Dies geschieht, wenn jedes Individuum, indem es sein pers�nliches
Interesse verfolgt, damit auch dem Allgemeininteresse best�ndig
dient. Heute ist das Gegentheil der Fall. Die Zivilisation ist ein
Krieg des Einen gegen Alle und Aller gegen Einen; eine Ordnung, wo
Jeder sein Interesse dabei findet, alle Anderen zu t�uschen, sie
ist ein den Trieben fremder Diskord; aber das Ziel der Triebe mu�
sein, zur inneren und �u�eren Harmonie zu kommen.�
�Die Kunst zu assoziiren, besteht darin, eine Phalanx von Serien
der Triebe in voller Uebereinstimmung bilden und entwickeln zu
k�nnen, die vollkommen frei nur durch Anziehung bewegt sein sollen
und angewendet werden auf die sieben bereits erw�hnten
industriellen Funktionen. Hauswirthschaft, Ackerbau, Industrie,
Handel und Verkehr, Unterricht, Wissenschaften, sch�ne K�nste ...
Eine Serie der Triebe ist eine Verbindung verschiedener in auf- und
absteigender Stufenfolge verbundener Gruppen, die vereinigt sind
durch Uebereinstimmung des Geschmacks f�r irgend eine Th�tigkeit,
wie den Anbau einer Frucht, und in welcher f�r jeden Zweig der
Arbeit hierbei eine spezielle Gruppe sich bildet. Wenn die Serie
Hyazinthen oder Kartoffeln baut, mu� sie eben so viel Gruppen
bilden, als Arten von Hyazinthen oder Kartoffeln kultivirt werden
sollen. Jede Gruppe bildet sich aus Gliedern der Serie, die f�r
eine bestimmte Art inkliniren. Es sind mindestens 45-50 Serien
nothwendig, wenn einigerma�en die n�thige Abwechslung und
Ausgleichung herbeigef�hrt werden soll. Die Serien benutzen die
Verschiedenheiten der Charaktere, des Geschmacks, der Instinkte,
der Verm�gen, der Anspr�che, der Bildungsstufen. Jede Serie setzt
sich aus kontrastirenden und abgestuften Ungleichheiten zusammen,
sie erheischt ebensoviel Gegens�tze oder Antipathien als
Uebereinstimmungen oder Sympathien, wie ja auch in der Musik ein
Akkord dadurch sich herstellt, da� man ebensoviel Noten ausfallen
l��t, als man zusetzt. Die Kontraste der T�ne erzeugen den Akkord.
Eine Vereinigung von Serien der Triebe hat f�r die soziale Harmonie
gl�nzende Eigenschaften, sie erzeugt Bewegung, Wahrheit,
Gerechtigkeit, direkte und indirekte Uebereinstimmung, Einheitlichkeit.
Die Zivilisation hat alle entgegengesetzten Eigenschaften:
Entkr�ftung, Ungerechtigkeit, Betrug, Mi�stimmung, Zweideutigkeit.
Aber die Serie der Triebe w�rde nicht richtig funktioniren, wenn
sie nicht drei Eigenschaften bes��e. Die verschiedenen Gruppen
m�ssen miteinander rivalisiren oder gegeneinander in Bewegung
gerathen; das ist nur m�glich, wenn die Gruppen nicht
grundverschiedene Leistungen vollziehen, sondern nur gradweise
verschiedene, also z.B. nicht verschiedene Arten von Obst, sondern
verschiedene Sorten einer Art bauen. Ferner m�ssen die einzelnen
Sitzungen kurz sein, sie d�rfen sich nicht �ber zwei Stunden
ausdehnen, weil sonst die Erm�dung eintritt. Soll eine Arbeit
anziehend sein, so mu� sie kurzzeitig sein und man mu� dann zu
einer andern kontrastirenden Th�tigkeit �bergehen k�nnen. Endlich
mu� Jedes in der Gruppe eine bestimmte Arbeit haben, die es im
Wetteifer mit den Uebrigen am besten zu machen sucht. So kommen die
Kabalist, die Papillon, die Komposit in Anwendung. Eine Gruppe
gen�gt, wenn sie sieben Mitglieder z�hlt; sie ist vollkommen, wenn
sie neun hat; sie theilt sich dann unwillk�rlich wieder in
Untergruppen, in die beiden Fl�gel und das Zentrum. Vierundzwanzig
Gruppen ist die niedrigste Anzahl f�r eine Serie.�
* * * * *
�Die Zivilisirten treffen �berall instinktiv das Falsche, sie ziehen
immer das Falsche dem Wahren vor und so ist auch der Angelpunkt
ihres Systems eine falsche Gruppe, die sie auf die kleinste Zahl,
auf zwei beschr�nkten. Diese Gruppe ist das Ehepaar. Diese Gruppe
ist falsch durch die Beschr�nkung der Zahl, falsch durch das Fehlen
der Freiheit, falsch durch das Auseinandergehen und die Spaltungen
des Geschmacks. Diese Differenzen machen sich schon nach den ersten
Tagen f�hlbar; man differirt bez�glich der Gerichte, der ehelichen
Besuche, der Ausgaben, der Unterhaltung, und wegen hundert anderer
Dinge. Nun, wenn die Zivilisirten nicht einmal die urspr�nglichste
ihrer Gruppen harmonisiren k�nnen, dann k�nnen sie dies noch
weniger mit dem Ganzen. _Der Mensch ist aus Instinkt Feind des
Zwanges und der Gleichheit, er strebt in jeder Beziehung best�ndig
nach Ver�nderung_.�
Da nach Fourier also der Mensch in jeder Beziehung Feind der
Gleichheit ist, weshalb auch die Verm�gensunterschiede bestehen
bleiben m�ssen, giebt es in der Phalanx eine hierarchische
Ordnung, die freilich, bei Lichte besehen, sehr harmlos ist, und
sich auch nur zum Besten des Ganzen beth�tigen kann. Freund
milit�rischer Einrichtungen, die ihm durch ihre strenge Ordnung
und ihre regelm��ige Funktionirung imponiren -- er soll mit gro�er
Vorliebe bis an sein Lebensende den milit�rischen Uebungen und
Paraden beigewohnt haben --, giebt er seiner phalansteren Hierarchie
einen milit�risch-monarchischen Anstrich, obgleich ihr Grundtypus
ein rein demokratischer ist. Die Leiter der Serien und Gruppen
werden Offiziere genannt und haben milit�rische Grade. Es sind
Hauptleute, Lieutenants, Fahnenjunker; es giebt ganze St�be in der
Phalanx und werden alle W�rden ohne R�cksicht auf das Geschlecht
erworben. Sind in einer Gruppe oder Serie haupts�chlich Frauen, so
werden die Offiziersstellen haupts�chlich Frauen bekleiden.
Dasselbe gilt von den Kindern, Knaben wie M�dchen. Die Mitglieder
der Serien und Gruppen w�hlen zu ihren Leitern Diejenigen, die sich
innerhalb ihres Kreises am meisten auszeichnen und dadurch die
Sympathien der Uebrigen erwerben. Fourier ist ferner der Ansicht,
da� die Menschen, mit sehr wenig Ausnahmen, an �u�eren
Auszeichnungen, an sch�nen Farbenzusammenstellungen in ihrer
Kleidung, an Uniformen, gl�nzenden Schaustellungen und Festen,
opulenten Einrichtungen, pr�chtigen Denkm�lern und Bauten ihre
Freude haben. Nach all diesen Richtungen soll die Phalanx das
H�chste bieten.
Zur Leitung werden zweierlei Arten von Offizieren gew�hlt; die
Einen, welche die eigentliche gesch�ftliche Leitung haben, und die
Andern, welche den sogenannten �u�eren Dienst versehen, die f�r den
Glanz und das w�rdige Auftreten der Gruppen und Serien bei Festen,
Aufz�gen, Schaustellungen und f�r die Ausschm�ckung sorgen. Auch in
letzterer Beziehung wird ein lebhafter Wetteifer zwischen den
einzelnen Serien und Gruppen entstehen. Man wird f�r die zuletzt
erw�hnten Funktionen haupts�chlich solche Personen zu Offizieren
erw�hlen, die gr��eren Reichthum besitzen. Denn da in der Phalanx
das Kapital f�nf- und sechsfach h�here Zinsen erlangt, als in der
Zivilisation, ohne da� Arbeit und Talent dabei zu kurz kommen, und
die reichen Leute in der Phalanx sehr bedeutend billiger und doch
viel besser leben, als in unserer gegenw�rtigen sozialen Ordnung,
werden sie eine Ehre darein setzen, ihren eigentlich sonst gar
nicht unterzubringenden Ueberflu� zum Besten des Ganzen anzuwenden.
Sie werden also �fter f�r ihre Serien- und Gruppengenossen
besonders opulente Mahlzeiten veranstalten, die ihnen gar nicht so
au�ergew�hnlich theuer kommen, weil sie nur das Plus des Preises
�ber die regelm��ige Mahlzeit, deren Kosten Jedem Tag f�r Tag von
der Phalanx angerechnet werden, zu bezahlen haben; ferner werden
sie den Bau pr�chtiger Pavillons, die Aufstellung von Statuen,
Alt�ren und dergleichen in dem Theile des Kantons, in dem die Serie
oder Gruppe, in welcher sie die hervorragende Rolle spielen,
besch�ftigt ist, auf ihre Kosten betreiben.
Alle Arten von Serien und Gruppen, gebildet in Uebereinstimmung mit
den Trieben, deren Ordnung und Mechanismus der Zivilisation als ein
undurchdringliches Geheimni� erscheint, sind nach Fourier das
Ergebni� geometrischer Berechnungen auf Grund der Anziehungen und
der Bestimmungen. Die Richtigkeit dieser von ihm unternommenen
Berechnungen ist nach seiner Meinung unzweifelhaft. Er kennt das
Geheimni� des ganzen Mechanismus der Gesellschaft und von einem
guten Theil des Weltalls; Alles organisirt sich nach bestimmten
mathematischen Zahlenverh�ltnissen, die zun�chst nur ihm bekannt
sind.
Wenn einmal Jemand sich im Besitz eines solchen Geheimnisses und
solcher Kenntnisse w�hnt, so ist nat�rlich, da� jede andere
Theorie, die auf dasselbe Ziel hinaus l�uft, ihm als eine Art
Profanation seiner eigenen Ideen, als eine Art Sakrilegium
erscheint, und da� er die fremden Theorien dementsprechend als
Charlatanerie behandelt und verurtheilt. Da nun um dieselbe Zeit,
als Fourier mit seinen Theorien vor die Oeffentlichkeit trat, Owen
in England mit seinen Assoziationsversuchen ebenfalls hervortrat
und gro�es Aufsehen erregte, sp�ter auch schriftstellerisch und
pers�nlich agitatorisch f�r dieselben wirkte, konnten diese
Bestrebungen Fourier nicht unbekannt bleiben. Er griff Owen heftig
an, als einen Mann, der vom Mechanismus der Assoziation nichts
verstehe, nur Sophismen verbreite und mit seinem Kommunismus und
Atheismus das gr��te Unheil anstifte. In �hnlicher Weise wandte er
sich sp�ter auch gegen die Saint Simonisten, die er mit ihrer neuen
Religionsgr�ndung l�cherlich machte. Unbegreiflich war ihm nur, da�
Beide, Owen und Saint Simon, mehr Beachtung und Anhang fanden, als
er.
Fourier f�hrt nun weiter fort:
�Das Bed�rfni� nach periodischer Verschiedenheit, kontrastirenden
Situationen, Szenenver�nderungen, nach pikanten Zuf�llen, nach
Neuigkeiten, welche die Illusion erregen, ist dem Menschen eingeboren.
Dieser Trieb ist die Papillon. Das Bed�rfni� nach Abwechslung macht
sich bei dem Menschen von Stunde zu Stunde, lebhaft von zwei zu
zwei Stunden bemerkbar. Wird es nicht befriedigt, so verf�llt er
der Lauheit und Langeweile. Auf der Befriedigung dieses Triebes
nach Ver�nderung beruht das Gl�ck der Pariser Sybariten. Es ist die
Kunst, �gut und rasch zu leben�. Verschiedenheit und Verkettung der
Vergn�gungen, Raschheit der Bewegung ist nothwendig.�
Indem nun im soziet�ren Zustand alle Besch�ftigung in kurzen
Sitzungen von etwa einundeinhalbst�ndiger Dauer sich vollzieht,
kann Jeder im Laufe des Tages acht bis zehn ihn anziehende und
seine Triebe befriedigende verschiedene Th�tigkeiten aus�ben, die
durch die Art ihrer Aus�bung ihm nur Vergn�gen bereiten. Den
n�chsten Tag besucht er Gruppen und Serien, die von denen des
vorhergehenden Tages in ihrer Zusammensetzung wie in ihrer Th�tigkeit
verschieden sind. So eilt der Mensch, entsprechend seinen Trieben,
selbst indem er n�tzlich th�tig ist, von Vergn�gen zu Vergn�gen,
_ohne in Exzesse zu verfallen_, denen der Zivilisirte nicht
entgeht. Denn dieser widmet einer Arbeit sechs Stunden und mehr,
einem Fest sechs Stunden, einem Ball die ganze Nacht auf Kosten
seines Schlafes und seiner Gesundheit. Dann sind auch die
Vergn�gungen der Zivilisirten immer unproduktiv, w�hrend im
soziet�ren Zustand die Arbeiten selbst zu Vergn�gen und also
produktiv werden. Sehen wir zu, wie ein Unbemittelter und wie ein
Reicher in der Phalanx ihren Tag verbringen. Wir nehmen den Monat
Juni als Beispiel der Lebensweise f�r den Unbemittelten.
�Fr�h 3� Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Sitzung[16] in einer
Gruppe f�r die Pflege der Thiere in den Stallungen; 5 Uhr Sitzung
in einer Gruppe der G�rtner; 7 Uhr Fr�hst�ck; 7� Uhr Sitzung der
M�her; 9� Uhr Sitzung der Gem�sebauer, und zwar werden diese
Gartenarbeiten bei gr��erer W�rme unter k�nstlich konstruirten
transportablen Zelten vorgenommen; 11 Uhr zweite Sitzung in den
Stallungen; um 1 Uhr Mittagstisch; 2 Uhr Waldarbeiten; 4 Uhr
Besch�ftigung in einer Manufaktur; 6 Uhr Bew�sserung; 8 Uhr B�rse;
8� Uhr Abendessen; 9 Uhr Unterhaltungen; 10 Uhr Schlafengehen.�
[Fu�note 16: Jede dieser kurzzeitigen Besch�ftigungen nennt
Fourier Sitzung (�s�ance�).]
Die B�rse der Phalanx besch�ftigt sich nicht mit dem Handel von
Papieren und dem Schacher der Lebensmittel, sondern es werden hier
die Abmachungen f�r den n�chsten Tag getroffen; es bilden sich neue
Gruppen und Serien. Auch wird sp�ter, wenn die Phalanx in voller
Wirksamkeit ist, die Zahl der Ruhepausen und Mahlzeiten sich auf
f�nf erh�hen und werden die Sitzungen k�rzer. Der Reiche, dessen
Tagesbesch�ftigung wir nun folgen lassen, ist ein Gutsbesitzer, der
probeweise in die Phalanx trat.
�Fr�h 3� Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Zusammenkunft im
Morgensaal, Unterhaltungen �ber die Nachterlebnisse; 4� Uhr
erste Erholung, gefolgt von der industriellen Parade -- Kinder und
Erwachsene, M�nner und Frauen ziehen mit Fahnen und Emblemen unter
Musik in ihren Gruppen und Serien auf das Feld --; 5� Uhr Jagd;
7 Uhr Fischfang; 8 Uhr Fr�hst�ck; Zeitungen; 9 Uhr Gartenkultur
unter Zelten; 10� Uhr Fasanerie; 11� Uhr Bibliothek; 1 Uhr
Mittagessen; 2� Uhr Gew�chsh�user; 4 Uhr Pflege exotischer
Pflanzen; 5 Uhr Pflege der Fischteiche; 6 Uhr Vesperbrot auf dem
Felde; 6� Uhr Schafzucht; 8 Uhr B�rse; 8� Uhr Abendessen;
9� Uhr Schaustellungen; 10� Uhr Schlafengehen.�
Die kurze Schlafzeit -- sechs Stunden -- erkl�rt Fourier damit, da�
die Harmonisten in Folge ihrer vern�nftigen und angenehmen
Lebensweise, die Niemand �beranstrenge, weniger Schlaf brauchten,
als die Zivilisirten, auch w�rden sie von Kindheit an an diese
Lebensweise gew�hnt. Bei der minuti�sen Ausarbeitung, die Fourier
allen Einrichtungen seiner Phalanx zu Theil werden l��t, hat er
sich auch ausf�hrlich mit den baulichen Einrichtungen befa�t und
die entsprechenden Pl�ne seinen Werken einverleibt. Die Phalanx ist
eben ein Uhrwerk, das nach den Pl�nen seines Erfinders konstruirt
werden mu�, wenn es den beabsichtigten Zweck erreichen soll. Das
Geb�ude der Phalanx, das Phalanst�re, besitzt ringsum Gallerien,
die im Winter gleichm��ig durchw�rmt, im Sommer von erfrischender
K�hle sind. Der L�nge nach laufen durch das m�chtige Geb�ude, in
dem die 1800-2000 Angeh�rigen der Phalanx wohnen, S�ulenhallen,
die nach allen Theilen f�hren, nach den S�len, den Wohnungen, der
B�rse. Verdeckte G�nge stellen bequeme Verbindungen nach den
Ateliers, Werkst�tten und Stallungen her. Man behaupte, meint F.,
durch die kurzen Sitzungen werde viel Zeit verbraucht, um von einem
Ort zum andern zu kommen. Das sei inde� falsch, da das Geb�ude
mitten im Bezirk liege und von allen Seiten in 5-10, h�chstens 15
Minuten zu erreichen sei. Auch k�men die Kosten des Baues nicht in
Betracht, da die Arbeitsweise in der Phalanx gegen diejenige in der
Zivilisation immense Vortheile biete, und der Eifer, mit dem
Jedermann sich betheilige, herbeif�hre, da� in einer Stunde
geleistet werde, was in der Zivilisation kaum in drei Stunden
geleistet werden k�nne. Man betrachte nur einmal unsere Arbeiter
auf dem Felde, die, wenn ein Vogel vor�ber fliege, sich hinstellten
und ihm nachs�hen, die H�nde auf die Hacke gest�tzt. Das komme
daher, weil unsere Arbeiten Ueberdru� erweckten und erm�deten und
jeden Reizes entbehrten.
�Die Besch�ftigung in der Phalanx erzeugt das die Gesundheit
f�rdernde k�rperliche Gleichgewicht. Die Gesundheit mu� nothwendig
gesch�digt werden, wenn der Mensch sich zw�lf Stunden einer
gleichm��igen Arbeit �berlassen mu�, die, welcher Art sie immer
ist, die verschiedenen Glieder des K�rpers und seinen Geist nicht
gen�gend besch�ftigt. Dies wird noch schlimmer, wenn dieselbe
Arbeit Tag f�r Tag das ganze Jahr hindurch sich wiederholt. Daraus
entstehen neben dem allgemeinen Widerwillen an der Arbeit die
vielen Berufskrankheiten; so sind gewisse chemische Fabriken wahre
M�rdergruben, in denen eine Besch�ftigung von zweist�ndigen
Sitzungen, zwei- oder dreimal die Woche f�r den Einzelnen, ohne
jeden Nachtheil ertragen wird. Die reiche Klasse verf�llt wieder
andern Krankheiten, der Gicht, der Apoplexie, dem Podagra,
Krankheiten, die dem Landmann fremd sind. Die Fettleibigkeit, bei
den Reichen so gew�hnlich, ist ein Zustand, der k�rperliches
Gleichgewicht und Wohlbefinden gr�blich st�rt. Fast alle
Besch�ftigungen und Vergn�gungen der Reichen stehen mit der Natur
im Widerspruch. Die sanit�re Bestimmung schreibt dem Menschen
best�ndige Abwechslung in der Th�tigkeit sowohl f�r den K�rper als
f�r den Geist vor, diese h�lt allein die Aktivit�t und das
Gleichgewicht aufrecht.�
�Was vorzugsweise das k�rperliche Wohlbefinden f�rdert, wird auch
das seelische f�rdern. Vereinigt in der Zivilisation das Interesse
Freunde, so vereinigt es im soziet�ren Zustand sogar die Feinde, es
s�hnt die antipathischen Charaktere durch indirekte Kooperation
aus, und zwar, weil in einer gro�en Reihe von Serien und Gruppen,
in die jeder Einzelne nach der Verschiedenheit seiner Neigungen und
Triebe nach und nach eintritt, er durch die Ber�hrung findet, da�
Diejenigen, die ihm auf dem einen Gebiet antipathisch waren, ihm
auf anderen sympathisch sind. Auch wird das Nebeneinanderarbeiten
nach demselben Ziel unwiderstehlich seine auss�hnende Wirkung
�ben.�
�Die seelischen Triebe verlangen so gut wie die sensuellen Abwechslung,
um befriedigt zu werden; es sind also auch die Herzen der gro�en
Mehrheit der beiden Geschlechter dem Bed�rfni� nach Ver�nderung und
Abwechslung unterworfen. Der Mann wie die Frau w�nschte sich ein
Serail, wenn Abh�ngigkeit, Sitte und Gesetz sich dem nicht
widersetzten. Die ernsten Holl�nder, die in Amsterdam so hoch
moralisch scheinen, haben in Batavia ihre Serails, gef�llt mit
Frauen aller Hautfarben. Da haben wir das Geheimni� unserer Moral;
sie wird zur Heuchlerin, wenn die Umst�nde es gebieten, und sie
wirft die Maske ab, wenn sie dies ungestraft thun kann.�
�Pflanzen und Thiere haben das Bed�rfni� nach Wechsel und Kreuzung.
Mangels eines solchen Wechsels arten sie aus. Ebenso hat der Magen
das Bed�rfni� nach Wechsel; entsprechende Ver�nderung in den
Speisen erleichtert die Verdauung und erh�ht das Behagen und die
Befriedigung; aber man gebe dem Magen dieselbe ausgesuchteste
Speise t�glich und er wird sie mit Widerwillen zur�ckweisen. Geist
und Seele sind von dem Trieb nach Ver�nderung beherrscht; oft
wirken zwei und drei Triebe gleichzeitig; so Liebe und Ehrgeiz.�
�Die Erde selbst hat ihre internirenden Zeiten, die der Besaamung,
der Erzeugung. Der Boden bedarf alternirender Anwendung der
Pflanzen; die ganze Natur verlangt nach Wechsel. In der ganzen Welt
existiren nur die Moralisten und die Chinesen, welche die
Einf�rmigkeit, die Uniformit�t verlangen; aber die Chinesen sind
auch die falschesten, der Natur am meisten widerstrebenden Wesen.�
Fourier, der, wie wiederholt hervorgehoben wurde, Alles ha�te, was
mit dem Handel zu thun hatte, ha�te die Chinesen besonders, weil
sie, nach dem Vorurtheil seiner Zeit, die gr��ten Diebe und
Betr�ger im Handel seien. Wir wissen heute, da� dies eine falsche
Ansicht ist, obgleich die Vorurtheile gegen die Chinesen noch sehr
stark in Europa sind. Ebenso wie die Chinesen waren Fourier als
haupts�chlich handeltreibendes Volk die Juden verha�t, die er
unmittelbar den Chinesen in der Rangordnung folgen lie�. Er war
sehr ungl�cklich, als man in Frankreich den Juden die vollen
b�rgerlichen Rechte einr�umte, was ihn freilich nicht abhielt, wie
wir sahen, Herrn von Rothschild unter die Kandidaten f�r seine
Versuchsphalanx zu reihen und ihm ein K�nigreich Jerusalem in
Aussicht zu stellen.
�Die Moral�, f�hrt Fourier weiter aus, �welche die drei Triebe:
Kabalist, Papillone, Komposit, am heftigsten kritisirt, ist selbst
im st�rksten Widerspruch mit der Natur. Diese drei Triebe spielen
eine gro�e Rolle im sozialen Mechanismus, wie die Natur es will;
sie haben die Herrschaft, denn sie dirigiren die Serien der Triebe;
jede Serie ist in ihrem Mechanismus gef�lscht, wenn sie nicht den
kombinirten Schwung dieser drei Triebe beg�nstigt; sie bilden die
neutrale Gattung in der Tonleiter der zw�lf Triebe.�
�Aktiver Gattung sind die vier Triebe der Seele: Freundschaft,
Ehrgeiz, Liebe, Elternschaft; passiver Gattung die f�nf sensuellen
Triebe: Geh�r, Geruch, Geschmack, Gesicht, Gef�hl. Die neutrale
Gattung -- die mechanisirenden Triebe -- macht sich besonders
bemerklich bei den Kindern, denen die zwei affektiven Triebe --
Geschlechtsliebe und Elternschaft -- noch fehlen; sie �berlassen
sich den mechanisirenden Trieben in ihren Spielen am meisten,
welche sie sehr selten �ber zwei Stunden aus�ben, ohne zu wechseln.
Diese Disposition wird man f�r sie bei der Organisation ihrer
Erziehung und Besch�ftigung besonders in Anwendung bringen.�
�Die Anziehung kann dreierlei Art sein: direkt oder
�bereinstimmend; indirekt oder gemischt; verkehrt oder abweichend,
d.h. gef�lscht. Direkt ist sie, wenn sie aus Freude an dem
Gegenstand selbst die Th�tigkeit aus�bt. So haben Archimedes in der
Geometrie, Linn� in der Botanik, Lavoisier in der Chemie nicht des
Gewinnes wegen, sondern aus hei�er Liebe zur Wissenschaft
gearbeitet. So kann ein F�rst aus Liebe an dem Gegenstand Orangen-
oder Nelkenzucht treiben, oder wie Ludwig XVI. die Schlosserei;
kann eine F�rstin Zeisige oder Fasanen pflegen. Hier herrscht
direkte Anziehung zur bestimmten Besch�ftigung, und so werden in
der soziet�ren Gesellschaft sieben Achtel der Arbeiten beschaffen
sein.�
�Die indirekte Anziehung ist vorhanden, wenn Jemand eine Th�tigkeit
mehr des Gewinnes wegen, oder der Resultate seiner Arbeit als des
Gegenstandes selbst wegen aus�bt. Zum Beispiel ein Naturforscher,
der widerliche Reptile oder Giftpflanzen unterh�lt. Er liebt weder
das Eine, noch das Andere an sich, aber er �berwindet seinen
Widerwillen durch den Eifer, den die in Aussicht stehenden
wissenschaftlichen Resultate in ihm erwecken. Solche indirekte
Anziehung wird soziet�re Funktionen erregen, die einer besonderen
Anziehung beraubt sind, aber gr��eren Gewinn oder gr��ere
Anerkennung finden. Dieser Art Arbeiten wird es ein Achtel geben.�
�Die verkehrte oder gef�lschte Anziehung herrscht dort, wo die
Arbeit den Trieben Verstimmung erzeugt. Das ist der Fall, wo der
Arbeiter nur dem Zwang gehorcht, wo seine Arbeitskraft gekauft ist,
wo moralische Erw�gungen ihn treiben, aber weder Freudigkeit f�r,
noch Geschmack an der Th�tigkeit vorhanden ist. Diese Nichtattraktion
kann in der Phalanx nicht existiren, sie herrscht aber in sieben
Achteln der Arbeiten der Zivilisation vor. Diese Zivilisirten
hassen ihre Th�tigkeit, sie �ben sie entweder aus Hunger oder
Langeweile, sie erscheint ihnen eine Strafe, zu der sie tr�gen
Schrittes, mit tr�bsinnigem, niedergedr�cktem Aussehen gehen.�
�Der Gewinnanreiz, der bei den f�r Lohn oder Gehalt Arbeitenden nur
eine divergirende Anziehung aus�bt, kann in der Assoziation oft ein
edles H�lfsmittel sein. Zum Beispiel es handele sich um eine
Erfindung wie die, die Rauchverbrennung herbeizuf�hren. Hier
handelt es sich um Gewinn und Ruhm. Wer das Mittel entdeckt,
empf�ngt von der Phalanx f�nf Franken, da aber eine Million
Phalanxen auf dem Erdboden bei dieser Erfindung interessirt sind,
so erh�lt er f�nf Millionen Franken und empf�ngt au�erdem als
Erfinder das Diplom als einer der Magnaten des Erdballs, wodurch er
auf der ganzen Erde die diesem Rang zugebilligten Ehrenbezeugungen
empf�ngt.�
�Durch diese Form der Belohnung f�r allgemein n�tzlich oder
angenehm erkannte Leistungen wird selbst in den kleinsten Dingen der
Gewinn enorm sein. Wird f�r eine Ode oder Symphonie eine Belohnung
von zwei Sous gew�hrt und erkl�ren sich bei der Abstimmung 500.000
Phalanxen f�r dieselbe, so werden dem Dichter oder Komponisten
50.000 Franken ausgezahlt. Er empf�ngt zu diesem Zweck die
entsprechende Anzeige von dem Weltkongre�, und wird diese Summe ihm
in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, ausgeh�ndigt. So wird
Jeder f�r au�ergew�hnliche Leistungen in demselben Verh�ltni�
Belohnungen und Ehren empfangen, als diese Anerkennung finden. Denn
nur diejenigen Phalanxen steuern, die sich zu Gunsten einer
Leistung aussprachen, sie also f�r w�rdig erachteten und werthvoll
fanden.�
�Die indirekte Anziehung wird man in der Zivilisation selten
finden, sie kann nur durch einen m�chtigen Ansto� angeregt werden.
Ein Beispiel. Im Jahre 1810 gerieth bei L�ttich eine Kohlenmine in
Brand und wurden achtzig Arbeiter, ohne Nahrungsmittel zu haben,
darin eingeschlossen. Um sie zu befreien, mu�te in wenig Tagen ein
bedeutender Durchstich fertiggestellt werden. Alle Kameraden der
Eingeschlossenen gingen mit Feuereifer an die Arbeit, Jeder setzte
eine Ehre darein, das H�chste zu leisten, und nach vier Tagen war
eine Arbeit vollbracht, zu der man sonst mindestens zwanzig
gebraucht h�tte. Es war nicht der Geldgewinn, der sie trieb, denn
die Arbeiter wiesen jede Belohnung als eine Beleidigung zur�ck, es
war der Drang, ihre Genossen um jeden Preis zu retten. So kann also
die widerlichste unangenehmste Arbeit indirekt anziehend werden,
wenn edle Impulse ihr zu H�lfe kommen.�
Fourier erl�utert nun weiter die innere Organisation und Verwaltung
der Phalanx. �In der Zivilisation kennt man keine andere
Rangordnung, als die nach Stand und Verm�gen; die soziet�re Ordnung
dagegen wendet eine uns heute g�nzlich unbekannte Klassifikation
an, diejenige der Charaktere nach dem Lebensalter und nach
Temperamenten. Die verschiedenen Alter vom dritten Lebensjahre an
bis zum Greisenalter theilen sich in sechzehn St�mme (�tribus�)
und, den beiden Geschlechtern entsprechend, in zweiunddrei�ig
Ch�re.� Die Kinder vom fr�hesten Lebensalter -- bis zu einem Jahre
S�uglinge, bis zum zweiten Poupons und bis zum dritten Lutins
genannt -- z�hlen als unentwickelt noch nicht mit. Jeder der
sechzehn St�mme hat seine besondere Bezeichnung. Stamm Nr. 1,
3-4� Jahre z�hlend, umfa�t die Bambins; Nr. 2, 4�-6�
Jahre, die Cherubins; Nr. 3, 6�-9 Jahre, die Seraphins; Nr. 4,
9-12 Jahre, die Lyzeisten; Nr. 5, 12-15� Jahre, die Gymnasiasten;
Nr. 6, 15�-20 Jahre, die Jugendlichen. Die weiter folgenden
St�mme sind nicht streng nach den Lebensaltern geregelt; die drei
letzten, aus den h�chsten Lebensaltern gebildet, hei�en: die
Ehrw�rdigen, die Verehrten, die Patriarchen. Abgesehen von den
sechs ersten St�mmen, f�r die eine besondere Organisation und ein
besonderes Erziehungssystem besteht, wobei beim Aufsteigen von
einem Stamm in den andern besondere Pr�fungen verlangt werden, hat
diese Stammeseintheilung kaum einen praktischen Zweck, wenigstens
ist er nicht zu erkennen. Nur die �ltesten St�mme haben gewisse
Ehrenposten in der Phalanx inne, sie sind aber ohne wesentlichen
Einflu�.
Die werthvollste Anwendung von dieser Stufenleiter wird bei den
Kindern gemacht, sie soll die nat�rliche Erziehung erleichtern und
den Korpsgeist erzeugen, mit H�lfe dessen sie mit Eifer zu den
Studien und zu den Arbeiten hingezogen werden. Sobald die Kinder in
das Reifealter �bergetreten sind, besuchen sie wie die �lteren
Lebensalter t�glich die B�rse, wo alle Abmachungen f�r die Arbeiten
und die Vergn�gungen des n�chsten Tages besprochen und geordnet
werden.
Die oberste Leitung der Phalanx liegt in den H�nden der
Regentschaft. Diese wird aus den Mitgliedern des Areopags gew�hlt,
der sich zusammensetzt: 1. aus den Chefs aller Serien; 2. aus den
drei �ltesten St�mmen: den Ehrw�rdigen, Verehrten und Patriarchen;
3. aus den Aktion�ren und 4. aus den Magnaten und Magnatinnen der
Phalanx. Der Areopag hat wenig zu thun, da sich Alles durch
Anziehung und den Korpsgeist der St�mme, Ch�re und Serien regelt;
er giebt nur �ber wichtige Gesch�fte, wie die beste Erntezeit, die
Weinlese, Neubauten etc., seine Meinung kund, doch ist diese
Meinung nicht verpflichtend. �Weder sind der Areopag noch die
Regentschaft mit l�cherlichen Verantwortlichkeiten belastet, wie
z.B. ein Finanzminister in der Zivilisation.� Das Rechnungswesen
ist Sache einer besonderen Serie, welche die B�cher f�hrt, die
jedes Mitglied der Phalanx einsehen kann. Ueberdies ist das
Rechnungswesen so einfach wie m�glich. T�gliche Zahlungen giebt es
nicht, jedes Mitglied hat, entsprechend seinem Verm�gensantheil und
dem voraussichtlichen Arbeitsertrag, Kredit. Ebenso rechnen die
verschiedenen Phalanxen auf Grund ihrer Bucheintragungen von Zeit
zu Zeit miteinander ab. Die Rechnung f�r die Einzelnen wird am Ende
des Jahres, wenn die Bilanz gezogen ist und die Vertheilungen
vorgenommen werden, beglichen. Dasselbe Verfahren wird seitens der
Phalanxen dem Fiskus gegen�ber beobachtet, der viertelj�hrlich
seine Steuern f�r die Gesammtheit der Mitglieder einer Phalanx
p�nktlich, und bei dem viel ergiebigeren Ertrag aller Arbeit auch
in entsprechend h�heren Betr�gen, abgef�hrt erh�lt. Herr Fiskus
erspart also seine gesammten Steuerbeamten, Exekutoren und die f�r
diesen Zweck in Th�tigkeit zu setzenden Gerichtsbeamten. Ebenso
geben die industriellen Armeen, worunter diejenigen Abordnungen der
Phalanxen verstanden werden, welche sich in einem mehr oder weniger
entfernten Lande oder in einer Provinz mit Abordnungen anderer
Phalanxen zu gemeinsamen, besonders gearteten gr��eren
Arbeitsleistungen zusammenfinden, auf ihrer Reise einfache
Schuldverschreibungen ab, die der betreffenden Phalanx pr�sentirt
und von dieser berichtigt werden. Da nun solche industriellen
Armeen ziemlich oft zusammentreten und Reisen unternehmen, ist
jedes Phalansterium mit den entsprechenden Unterkunftsr�umen f�r
Menschen und Thiere versehen. Ferner haben die Kinder keinen
Vormund mehr n�thig, das gro�e Buch der Phalanx hat f�r jedes
derselben sein Konto und verwaltet seinen Besitzstand und sein
Einkommen. Die Kinder k�nnen sogar vom f�nften Lebensjahre ab schon
�ber ihr Einkommen verf�gen.
Fourier geht nun �ber zur Kostenberechnung f�r die Gr�ndung einer
Phalanx. Diese veranschlagt er auf f�nfzehn Millionen Franken. Das
Hauptgeb�ude, ungef�hr 500 Fu� lang und 250 Fu� tief, bilden zwei
hintereinander liegende, durch Gallerien verbundene parallel
laufende Bauten und besteht aus Parterre, Entresol und vier Etagen.
Das Zentrum des Geb�udes tritt nach hinten zur�ck, wodurch ein
gro�er freier Platz zwischen den Fl�geln entsteht, der als
Paradeplatz Verwendung findet. Der Raum zwischen den beiden
parallel laufenden Bauten ist mit Blumenparterren, Orangerien,
Springbrunnen ausgef�llt. Der gro�e Mitteleingang f�hrt in eine
m�chtige S�ulenhalle, von wo Gallerien und Treppen nach allen
Theilen des Geb�udes fuhren. Im Parterre des Mittelraums befindet
sich der gro�e Wintergarten. Die Alten wohnen in den
Parterrer�umen, die Kinder im Entresol. In den Fl�geln der ersten
Etage logiren die reichen Phalansterianer, in der Mitte der ersten
Etage befindet sich der B�rsensaal, die Speise- und
Vergn�gungss�le. Au�erdem giebt es eine Menge R�ume f�r kleine
Gesellschaften. Die oberste Etage bleibt f�r die Fremden und die
Besucher reservirt. K�chen und B�der befinden sich im Souterrain.
Die Werkst�tten, Waaren- und Getreidelager und Stallungen liegen
symmetrisch geordnet dem Hauptgeb�ude gegen�ber, getrennt durch
eine breite mit B�umen und Blumenbosquets bepflanzte Stra�e. Alle
Passagen und Ueberg�nge sind gegen die Unbilden der Witterung
gesch�tzt und im Winter erw�rmt. Hinter den beiden Fl�geln des
Hauptgeb�udes liegen rechts und links die Kirche und das Theater,
beide ebenfalls durch verdeckte G�nge mit dem Wohngeb�ude in
Verbindung stehend.
Die Th�tigkeit der Phalanx wird sich besonders erstrecken auf die
Vieh- und Gefl�gelzucht, eine Th�tigkeit, die namentlich in der
ung�nstigsten Jahreszeit ausgenutzt werden kann. Garten- und
Feldbau wird im ausgedehnteren Ma�stab betrieben, und wird w�hrend
der milden Jahreszeit die meisten H�nde in Anspruch nehmen. Die
K�chenarbeiten mit ihren umf�nglichen Vorarbeiten erfordern Tag f�r
Tag eine gro�e Anzahl verschiedener Kr�fte. Der K�che werden die
Phalansterianer eine besondere Sorgfalt schenken, denn gut zu essen
betrachten sie als eine ihrer vornehmsten Pflichten, und daher wird
allen Th�tigkeitszweigen, die mit der K�che in Verbindung stehen,
eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Dazu geh�ren
also insbesondere Gem�se und Obstzucht, Vieh- und Gefl�gelzucht,
Fischzucht, Wildpflege, Konservenbereitung. Manufakturen und
Gewerbe sollen nach Bed�rfni� eingerichtet und haupts�chlich im
Winter betrieben werden.
Die Phalanx richtet ihre ganze Th�tigkeit und ihr Bestreben dahin,
da� Alles, was sie leistet, sich durch Solidit�t wie durch
Sch�nheit und Geschmack auszeichnet, sie sucht mir einem Wort in
Allem das Vollendete zu liefern. Dadurch wird sie im Vergleich zu
der Zivilisation in vielen Dingen geringere Quantit�ten an
Produkten verbrauchen, z.B. an Tuchen, Kleidungsstoffen, M�beln,
Werkzeugen.
In einer gut und voll eingerichteten Phalanx werden nach Fourier's
Berechnung n�thig sein: f�r Thier- und Gefl�gelzucht 30 Serien; f�r
Garten- und Landwirthschaft, inklusive Wiesenbau und
Waldbewirthschaftung, 50 Serien; f�r die Manufakturen 20 Serien;
f�r Hauswirthschaft und Erziehung 40 Serien; f�r K�che und Kellerei
60 Serien; im Ganzen also 200.
In der Manufaktur wird man wieder diejenigen Besch�ftigungen, die
t�glich in Anspruch genommen werden, wie: Schneiderei,
Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Sattlerei u.s.w., von denen
unterscheiden, in denen eigentliche Massenfabrikation, wie die
Anfertigung der Halbfabrikate, W�schefabrikation u.s.w., betrieben
wird. Diese Massenfabrikation l��t sich auf bestimmte Zeiten
beschr�nken. Die Anwendung in den verschiedenen Th�tigkeiten bleibt
der freien Wahl der Geschlechter �berlassen, auch werden die
rivalisirenden Serien nach den verschiedensten Methoden th�tig sein
und immer neue Methoden zu erfinden suchen. Manche Gewerbe werden
besonderen Anklang finden, wie die Kunsttischlerei, die Parfumerie
-- letztere haupts�chlich bei den Frauen --, die Konditorei. Die
Geschlechter werden sich dabei die ihrer Natur besonders zusagenden
Th�tigkeiten ganz von selbst ausw�hlen. So wird in der Konditorei
das Anmachen des Teigs haupts�chlich M�nnerarbeit sein, die Frauen
werden sich mit der Herrichtung der Fr�chte und Materialien
besch�ftigen, die Kinder werden bei dem Formen, dem Auslesen und
Einlegen in Anspruch genommen sein. Auch wird, weil alle Einrichtungen
auf das Beste und Zweckm��igste getroffen sind, die peinlichste
Reinlichkeit in den Werkst�tten und Arbeitsr�umen aufrecht erhalten
werden k�nnen. Ist Butter- und K�sefabrikation vorzugsweise Frauen-
und Kinderbesch�ftigung, so die Fleischerei M�nnerarbeit. Fourier
f�hrt dies Alles sehr im Detail aus, um zu zeigen, wie alle
Geschlechter in zweckm��iger Weise ihrem Charakter und ihren
Anlagen entsprechend ihre Besch�ftigungen zu finden verm�chten. Der
ganze Mechanismus der industriellen Anziehung w�rde umgest�rzt und
die Phalanx unm�glich werden, wenn man in der Assoziation, sowie
heute in der Zivilisation, keine R�cksicht auf die verschiedenen
Triebe nehmen und die Arbeitssitzungen �ber das zul�ssige Ma�
ausdehnen wollte.
Die Fabriken werden aus den St�dten allm�lig auf das Land verlegt,
damit der Arbeiter die volle Abwechslung der Besch�ftigung, wie die
Vortheile und Annehmlichkeiten des Landlebens und der l�ndlichen
Besch�ftigung genie�en kann.
* * * * *
�F�r den neuen soziet�ren Zustand ist die Erziehung von der gr��ten
Wichtigkeit; sie hat zum Zweck, alle k�rperlichen und geistigen
F�higkeiten zur vollen Entwicklung zu bringen, und soll �berall,
selbst in den Vergn�gungen, produktiv angewendet werden. Unsere
heutige Erziehung wirkt entgegengesetzt; sie unterdr�ckt und
verschlechtert die F�higkeiten des Kindes; sie leitet die Jugend im
Widerspruch mit der Natur, denn der erste Zweck der Natur oder der
Anziehung ist der Luxus -- k�rperliche Kraft und Verfeinerung der
Sinne. Der Luxus erzeugt bei dem Kinde eine lebhafte Anziehung f�r
produktive Th�tigkeit, die ihm heute verha�t ist. Seine Entwicklung
ist also eine falsche, die heutige Erziehung schw�cht seine
Gesundheit. Man nehme hundert Kinder, ganz nach Zufall, aus der
reichen Klasse, die gute Pflege und gute Nahrung haben, und man
wird finden, da� sie weniger kr�ftig sind, als hundert halbnackte
Dorfkinder, die mit Schwarzbrot gen�hrt werden und wenig Pflege
haben. Aber der treffendste Beweis f�r unser falsches
Erziehungssystem ist, da� es die Anlagen des Kindes nicht zur
Entfaltung bringt, sondern dies dem Zufall �berl��t. Abgesehen von
den verschiedenen Systemen der Erziehung, man zerst�rt die Anlagen,
sei es in der H�uslichkeit, sei es in der Welt, durch ein Dutzend
ganz entgegengesetzter Methoden, die dem Kinde ganz widersprechende
Impulse geben, seine erste Erziehung durch eine ganz neue
absorbiren. Das geschieht durch das, was man den Geist der Welt
nennt. Ist ein junger Mann sechzehn Jahre alt geworden und tritt in
die Welt ein, so lehren ihn V�ter, Verwandte, Nachbaren, Diener,
Kameraden, sich �ber die Lehren, die ihn im j�ngeren Alter
einsch�chterten, lustig zu machen, sich mit den Sitten der galanten
Welt in Einklang zu setzen; sie rathen ihm, �ber die Lehren der
Moral, die den Vergn�gungen feind sind, zu lachen und sich dar�ber
hinwegzusetzen, um sp�ter von den Liebeleien, nachdem er sie
gen�gend genossen, zu den Gesch�ften des Ehrgeizes �berzugehen.
Welch eine Absurdit�t unserer Erzieher, dem Kinde ein System von
Ansichten einzutrichtern, die jetzt bei ihm �ber den Haufen zu
werfen alle Welt sich bem�ht! Man wird keinen jungen Mann von
zwanzig Jahren treffen, der, eine gl�ckliche Gelegenheit zum
Ehebruch findend, das Beispiel des keuschen Joseph nachahmt, �der
Moral und den gesunden Doktrinen� folgt. F�nde man ihn, er w�rde
dem Publikum und den Moralisten selbst ein R�thsel sein. Ebenso
w�rde sich die �ltere Welt �ber einen Finanzmann moquiren, der,
obgleich er es ungestraft thun kann, sich mit fremdem Eigenthum die
Taschen nicht f�llte: er w�rde als ein Dummkopf, ein Vision�r
betrachtet, der nicht wei�, �da�, wenn man an der Krippe sitzt,
auch essen soll�. In welch falscher Stellung befinden sich da nicht
unsere Erziehungsdoktrinen.�
�Der gro�e Zweck und die Aufgabe der Erziehung mu� sein, Charaktere
wie die von Nero, Tiberius, Ludwig XI. ebenso n�tzlich f�r die
Gesellschaft zu machen, wie diejenigen eines Titus, Marc Aurelius,
Heinrich IV.[17] Um diesen Zweck zu erreichen, mu� von der Wiege an
das Naturell des Kindes sich frei entwickeln, w�hrend wir bem�ht
sind, von der Wiege an dieses Naturell zu ersticken und zu
verk�nsteln. In der Zivilisation denkt man bei dem niedrigsten
Lebensalter nur an die rein physische Sorge, wohingegen der
soziet�re Zustand schon vom Alter von sechs Monaten ab sehr wirksam
auf die intellektuelle wie materiellen F�higkeiten des Kindes
achtet.�
[Fu�note 17: Der Letztere d�rfte wohl kein passend gew�hltes
Muster sein, inde� man mu� stets beachten, _wann_ das Gesagte
geschrieben wurde. Die historische Forschung stak damals noch in
den Kinderschuhen, Fourier folgte hier dem allgemeinen Vorurtheil,
das zu Gunsten Heinrich's IV. sprach. Der Verf.]
�Zun�chst sei festgestellt, da� in der Assoziation die Pflege und
Unterhaltung der extremen Alter, der Kinder bis zu drei Jahren und
der Patriarchen, als Liebeswerk der Gesammtheit angesehen wird.
(Man halte fest, da� nach Fourier vom dritten Jahre ab die Kinder
in der Phalanx sich schon so n�tzlich erweisen, da� sie ihre
Erziehungs- und Unterhaltungskosten voll decken.) Das Prinzip in
der Erziehung ist dasselbe wie in allen andern Funktionen der
Assoziation. Man bildet Serien f�r die Funktion�re, wie f�r die
Funktionen.�
�Die Bonnen bilden Serien, und ebenso werden die Kinder nach den
Charaktereigenschaften und Temperamenten, die sie alsbald nach
ihrer Geburt offenbaren, in Serien geordnet und in die bez�glichen
S�le vertheilt. Da bildet sich eine Serie der Friedlichen, der
Widerspenstigen, der Verw�ster oder Teufelchen. Die Bonnen, die Tag
und Nacht ihre Posten versehen, wechseln ihren Dienst wie in allen
�brigen Besch�ftigungen alle ein und einhalb bis zwei Stunden. Die
Bonnen werden von Unterbonnen -- jungen M�dchen, die f�r die Pflege
der Kleinen Neigung haben -- unterst�tzt. Die M�tter k�nnen -- wie
schon erw�hnt -- ebenfalls als Bonnen eintreten, anderen Falles
finden sie sich zu den Stunden ein, wo sie dem Kinde die
Mutterbrust geben oder sich nach seinem Befinden erkundigen wollen.
Die Mutter ist also nicht, wie die meisten M�tter in der
Zivilisation -- namentlich wenn sie unbemittelt sind und keine
Pflegerin halten k�nnen --, Tag und Nacht an das Kind gefesselt.
Die Bonnen w�hlen sich die S�le, in denen sie ihre Pflichten
versehen wollen; Jede ist bem�ht, f�r ihr Verhalten und die Pflege,
die sie den Kindern zu Theil werden l��t, den Beifall und den Dank
der M�tter zu erwerben. Auch ist Tag und Nacht �rztlicher Beistand
vorhanden, sobald er gebraucht wird. Die Aerzte nehmen in der
Phalanx eine ganz andere Stellung ein, als in der Zivilisation; sie
erhalten ihre Belohnung nicht nach der Zahl der Kranken, _sondern
nach der Zahl der Gesunden_; sie sind also dabei interessirt, da�
die Phalansterianer m�glichst gesund bleiben, wohingegen heute sich
die Aerzte recht viel Kranke, namentlich reiche Kranke w�nschen.
Um den Zweck guter Pflege und Gesundheit zu erreichen, sind alle
Einrichtungen f�r die Kleinen auf das denkbar Beste und
Zweckm��igste getroffen. Die Kleinen befinden sich in einer Lage,
wie sie in der heutigen Ordnung kaum die Reichsten ihren Kindern zu
schaffen verm�gen, bei denen die Bonnen Tag und Nacht
ununterbrochen in Anspruch genommen sind und erm�den. Sobald das
Kind sechs Monate alt ist, ist man bem�ht, seine Sinne zu wecken.
Was es h�rt und sieht, ist darauf berechnet, seine Sinne zu
raffiniren: es h�rt nur guten Gesang und gute Musik, es sieht nur
die sch�nsten Bilder, die elegantesten Spielsachen, es empf�ngt
sp�ter die passende Unterweisung und freundliche Belehrung. In
Folge dieser Erziehung wird das Kind in der Assoziation mit drei
Jahren intelligenter und geschickter sein, als es bei uns mit sechs
Jahren ist. In der Zivilisation tr�gt Alles dazu bei, Geist und
Sinne des Kindes zu f�lschen, wenn sie nicht gar unterdr�ckt
werden. Eltern, Dienstboten, Verwandte verderben durch ihr
widersprechendes Verhalten und h�ufigen Unverstand den Charakter
des Kindes und hindern die Erziehung.�
�In der Phalanx ist man bem�ht, die Triebe, sobald sie sich zeigen,
in geeigneter Weise zu befriedigen und die Anlagen des Kindes
dadurch zu wecken. Die Bonnen f�hren das Kind in die
Spielwerkst�tten und K�chen, wo es Alles sieht und durch das
Beispiel der �lteren Kinder der Nachahmungstrieb bei ihm geweckt
wird. Es wird sich alsdann zeigen, da� der Trieb des Kindes, Alles
zu sehen, Alles zu untersuchen, Alles anzuwenden; die Liebhaberei
f�r l�rmende Besch�ftigung; die Sucht, Alles nachzuahmen und selbst
zu hantiren, und namentlich die Neigung, sich den _Aelteren,
St�rkeren und Geschickteren anzuschlie�en und diese als seine
Lehrer zu betrachten, in ungeahnter Weise seine Entwicklung
f�rdert_. Diese letztere Eigenschaft ist die wesentlichste, weil
sie am besten alle Anlagen im Kinde weckt. Hierzu kommt der Eifer,
es Seinesgleichen zuvor zu thun.�
�Es giebt eine ganze Reihe von Mitteln, die das Kind anreizen und
anziehen und seine Anlagen zum Aufbruch bringen. Dahin geh�ren also
vorzugsweise: Die Freude an kleinen Werkzeugen, den verschiedenen
Altern angepa�t; der Reiz zum Schmuck: Uniformen, Waffen, Fahnen,
die nach Graden gegeben werden; Paraden der kleinen Geschm�ckten;
passende Tischgenossenschaften, wobei der Geschmack geweckt wird;
Stolz des Kindes, wenn es glaubt, etwas von gr��erem Werth
geleistet zu haben, ein Glaube, in dem man es best�rkt; der
Nachahmungstrieb, der veranla�t wird, wenn es von �lteren Kindern
f�r seine Leistungen Lob empf�ngt; volle Freiheit in der Wahl
seiner Besch�ftigung, es mu� jeden Augenblick eine solche
unterbrechen und zu einer andern �bergehen k�nnen; der Korpsgeist,
der sich bei Kindern leicht entwickelt; die Rivalit�ten zwischen
den einzelnen Ch�ren, Gruppen, Serien.�
Fourier f�hrt vierundzwanzig solcher Anreize auf, wir begn�gen uns
mit den aufgez�hlten neun. Den Kindern wird ferner mit der gr��ten
Wahrheitsliebe begegnet, Niemand schmeichelt ihnen. Ihre nat�rlichen
Lehrer sind die �lteren und erfahreneren Kinder, denen sie mit
gro�er Anh�nglichkeit folgen; jedes wird streben, �ber seine
Altersklasse hinauszukommen. Ein Verweis, den es von einem �lteren
Kinde bekommt, das es als Beispiel sich vorgenommen, wird ihm die
h�rteste Strafe sein, ein Lob der h�chste Lohn. Will das Kind in
eine h�here Erziehungsstufe aufr�cken, so hat es eine Pr�fung
seiner Fertigkeiten abzulegen; je nach dem Ausfall derselben
bekommt es eine Ehrenerweisung oder einen Grad. Bis zum neunten
Lebensjahre ist die Erziehung physisch und materiell, dann beginnt
auch die intellektuelle. Der K�rper mu� erst die n�thige Festigkeit
erlangt haben, ehe die geistige Th�tigkeit mit gutem Erfolg beginnen
kann. Trieb und Anlagen der beiden Geschlechter werden sp�ter in
Folge der verschiedenen Natur ganz von selbst differiren. Man darf
annehmen, da� f�r die Wissenschaften zwei Drittel M�nner und ein
Drittel Frauen, f�r die K�nste ein Drittel M�nner und zwei Drittel
Frauen neigen. Zwei Drittel der M�nner werden mehr Neigung f�r die
gro�e Kultur und ein Drittel mehr f�r die kleine haben, bei den
Frauen umgekehrt. Aehnlich werden sich die Ausgleichungen auf allen
Gebieten finden.
�In dem Alter, wo bei uns die Erziehung erst beginnt, mit f�nf
Jahren, sind bei dem Kind der Assoziation bereits alle Anlagen zum
Aufbruch gekommen. Bis zum 20. Jahre wird kein Zweig der
Agrikultur, der Industrie, der Gewerbe, der K�nste und
Wissenschaften ihm fremd sein; seine k�rperliche und geistige
Erziehung ist dann eine harmonische. Der Unterschied des
Erziehungssystems in der Zivilisation und der Assoziation ist: Dort
wird die Erziehung auf der kleinsten h�uslichen Verbindung, der
Familie, begr�ndet, in der Assoziation auf drei gro�en Gruppen:
Ch�re, Serien von Gruppen und die Serien der Phalanx. Dort �berall
St�rungen, Mangel an Mitteln, Unfreiheit, Unterdr�ckung,
Einseitigkeit, hier volle Freiheit, Ueberflu� der Mittel,
Vielseitigkeit. Dort Klassen- und Standesunterschied, hier
Gleichberechtigung f�r Alle, kein anderer Unterschied als der,
welchen die nat�rlichen Anlagen und F�higkeiten ergeben.�
�In der Harmonie nehmen die Kinder lebhaften Antheil an den
Rivalit�ten der einzelnen Kantone, die selbst wieder als
Erziehungsmittel benutzt werden. Zum Beispiel: In der Phalanx von
Meudon kultivirt eine Gruppe Kinder Aurikeln und ist pikirt, da�
die bez�gliche Gruppe in der Phalanx von Marly bei dem Wettbewerb
den Preis davon trug. Die Kinder wollen also die Ursache ihres
Mi�erfolgs kennen lernen, der vielleicht in der Verschiedenheit des
Bodens zu suchen ist. Der Reverend, welcher die bez�gliche Gruppe
leitet, giebt ihnen darauf Unterweisung �ber die Verschiedenheit
der Bodenarten, und dieses Studium, in den andern Gruppen
wiederholt, bringt ihnen allm�lig die Elementarkenntnisse �ber
einen Zweig des Mineralreichs bei. Diese Belehrungen werden der
K�der, da� die Kinder in der Schule nach bez�glichen Lehrb�chern
verlangen, und so bilden sie sich weiter.�
�Diese Verbindung der verschiedenen Hebel und Anreize existirt in
der Zivilisation nicht, und dann ist man erstaunt, da� das Kind
sich weder zur Landkultur, noch zu den exakten Wissenschaften
hingezogen f�hlt, wohingegen die Rivalit�ten in der Serie in ihm
schon sehr fr�hzeitig das Bed�rfni� nach Wissen und Unterweisung
wecken, ohne da� man ihm merkbar die Anregung dazu beibringt. Bei
den Kindern in der Zivilisation finden wir �berall den
Zerst�rungstrieb und den Hang zum M��iggang, in der Harmonie
�berall Antrieb zu n�tzlicher Besch�ftigung und zu Studien. Das ist
der Unterschied zwischen den beiden Gesellschaftsformen. Die
Zivilisation, die kleine Vandalen z�chtet, darf sich nicht wundern,
wenn sie sp�ter so viele erwachsene Vandalen besitzt.�
Nach Fourier sollen aber die Kinder auch in h�herem Grade f�r die
Allgemeinheit sich n�tzlich machen. Wie in der Assoziation das
Vergn�gen selbst materiellen Nutzen schafft, so auch die Erziehung.
Wie schon bemerkt, umfassen die beiden ersten St�mme: die Cherubins
und Seraphins, das Alter von 4�-9 Jahren, und die dritte Phase
der Kindheit umfa�t die St�mme der Lyzeisten und Gymnasiasten im
Alter von 9-15� Jahren; Lebensalter, in denen die Betheiligten
der Assoziation wichtige Dienste leisten k�nnen, immer, indem sie
sich vergn�gen. Bei den Kindern treten gewisse
Charaktereigenschaften auf, die f�r die Gesammtheit n�tzlich
verwandt werden k�nnen. Es ist eine bekannte Thatsache, da� die
Knaben durchschnittlich zur Unsauberkeit neigen, dagegen die
M�dchen f�r den Putz eingenommen sind. Nun giebt es in der
Assoziation Besch�ftigungen, die unangenehm sind, f�r diese sind
die Charaktereigenschaften der Kinder n�tzlich zu verwerthen.
Fourier rechnet, da� unter den Knaben zwei Drittel und unter den
M�dchen ein Drittel zu unsauberen Besch�ftigungen eine gewisse
Neigung haben. Diese nennt er die �kleinen Horden�. Umgekehrt sind
zwei Drittel der M�dchen und ein Drittel der Knaben f�r den Putz
und die Reinlichkeit eingenommen, diese nennt er die �kleinen
Banden�. Die kleinen Horden und die kleinen Banden setzen sich aus
den 4 St�mmen im Alter von 4�-15� Jahren zusammen. �Die
kleinen Horden streben zum Sch�nen auf dem Weg des Guten, die
kleinen Banden streben zum Guten auf dem Wege des Sch�nen.�
�Die kleinen Horden, die von lebhaftem Ehrgef�hl und mit
Unerm�dlichkeit erf�llt sind, vollziehen jede unangenehme Arbeit,
f�r welche sich sonst kaum Jemand findet. Sie sind �berall, wo der
Einheitlichkeit der Phalanx durch Unordnung Gefahr droht; sie
stehen stets in der Bresche.� (Fourier will hiermit sagen, da�,
ohne die Hingabe der kleinen Horden an die unangenehmen Arbeiten,
die Phalanx zum Zwang w�rde greifen m�ssen, wodurch der auf voller
Freiwilligkeit und Anziehung beruhende Mechanismus der Phalanx
t�dtlichen Schaden erlitte. In der Phalanx darf kein Schatten von
Zwang vorhanden sein, wenn sie ihren idealen Zweck erreichen soll.)
Die kleinen Horden theilen sich in drei Klassen; die erste
beseitigt den Unrath, reinigt Stra�en und Rinnen, schafft die
K�chen- und Fleischereiabf�lle fort; die zweite vollzieht die
gef�hrlichen Arbeiten, sie verfolgt die Reptilien, t�dtet die
kleinen Raubthiere, sie mu� stets am Platze sein, wo gro�e
Gewandtheit erfordert wird: Klettern, Springen. Die dritte Klasse
bildet gewisserma�en die Reserve, sie hilft, wo sie gebraucht wird.
Die kleinen Horden haben ferner das Raupen, Unkrautj�ten und die
Vertilgung der Giftschlangen zu besorgen; sie halten Stra�en und
Wege in Ordnung und legen gro�en Werth darauf, von Fremden f�r ihre
Ordnungsliebe belobt zu werden. Um �berall rasch bei der Hand zu
sein, reiten sie auf Zwergpferden.
Obgleich die Arbeit der kleinen Horden wegen Mangel an direkter
Anziehung die schwierigste ist, werden sie von allen Serien
materiell doch am niedrigsten gelohnt; sie nehmen aber auch kein
Geschenk an, selbst wenn es in der Assoziation f�r anst�ndig gelte,
ein solches anzunehmen; sie setzen ihren Stolz darein, aus Hingabe
f�r die Assoziation, die f�r ihren Bestand so n�tzlichen und
notwendigen Arbeiten zu verrichten. F�r ihre freiwillige Hingebung
tragen sie den Titel �Verbindung f�r Verbesserungen�.
�Die kleinen Horden sind also in Wahrheit der Ausbund aller
b�rgerlichen Tugenden; sie �ben zur Ehre der Gesellschaft die
Selbstverleugnung, die das Christenthum empfiehlt, und verachten
die Reichth�mer, wie die Philosophen empfehlen; sie verwirklichen
alle ertr�umten Tugenden der Zivilisation. Bewahrer der sozialen
Ehre, zertreten sie nicht nur bildlich, sondern physisch und
thats�chlich der Schlange den Kopf, befreien sie die Gesellschaft
von dem schlimmen Gift der Viper; sie ersticken den Stolz und
verh�ten das Aufkommen des Kastengeistes.�
F�r alles das Gute, das sie der Gesellschaft leisten, werden sie
hoch geehrt. Bei allen Paraden und Festlichkeiten marschiren sie an
der Spitze. Handelt es sich um besonders schwierige und rasch zu
erledigende Arbeiten -- z.B. da� ein Gewitter Stra�en und Wege
verletzt, B�ume und Str�ucher schwer besch�digte, oder da� eine
Ueberschwemmung eingetreten ist --, so versammeln sich die kleinen
Horden von vier oder f�nf Nachbarphalanxen zu gemeinsamer Handlung;
sie treffen Morgens gegen f�nf Uhr zusammen, und nachdem sie einer
religi�sen Hymne beigewohnt, brechen sie mit voller Begeisterung
unter einem wahren H�llenl�rm auf. Die Sturmglocke und alle �brigen
Glocken werden gel�utet, Trompeten schmettern, Trommeln wirbeln,
die Hunde heulen, das Vieh br�llt. So geht es im Sturm an die
Arbeit. Gegen acht Uhr kehren sie, noch erregt von ihren Thaten,
zur�ck und machen Toilette. Darauf giebt es gemeinsames Fr�hst�ck.
Nach demselben erh�lt jede der kleinen Horden zur Belohnung einen
Eichenkranz, den sie an ihre Fahne heftet, darauf steigen sie zu
Pferde und kehren unter Musikbegleitung zu ihren Phalanxen zur�ck.
�Um von unsern Kindern Wunder von Tugenden zu erhalten, mu� man
nach Ansicht der Zivilisirten zu �bernat�rlichen Mitteln greifen,
wie es in unsern Kl�stern geschieht, wo durch ein sehr strenges
Noviziat die Neophyten zur Selbstverleugnung erzogen werden. Die
soziet�re Ordnung kommt auf einem ganz entgegengesetzten Wege zum
Ziel, indem sie die kleinen Horden durch den Anreiz des Vergn�gens
sich dienstbar macht. Analysiren wir die H�lfsmittel f�r diese
Tugenden. Es sind vier, die alle vier unsere Moral verwirft:
Geschmack an Unreinlichkeit, Stolz, Unversch�mtheit, Ungehorsam.�
�Indem die kleinen Horden sich diesen angeblichen Lastern
�berlassen, erheben sie sich zu allen Tugenden. Sehen wir zu: Die
Theorie der Anziehung erfordert, da� alle Triebe, die Gott dem
Menschen gab, sich n�tzlich machen k�nnen, _ohne, da� man die
Triebe selbst �ndert_. So sehen wir, da� bei den j�ngsten Kindern
die Neugier und die Unbest�ndigkeit sich n�tzlich erwies, weil sie
das Kind zu einer Menge von Gruppen hinzogen, wodurch seine Anlagen
sich offenbarten. Der Trieb, die Ungezogenheiten Aelterer
nachzuahmen, wird, wie wir sahen, in der Assoziation Impuls zur
Anziehung zu n�tzlichen Arbeiten. Ebenso der Ungehorsam gegen
Eltern und Erzieher, die nicht erziehen k�nnen. Die Erziehung mu�
durch kabalistische Rivalit�ten der Gruppen herbeigef�hrt werden.
So werden alle Impulse bei kleinen wie gro�en Kindern in der
Harmonie gut, vorausgesetzt, da� man sie durch Serien der Triebe
zur Uebung bringen kann. Man wird nicht vom ersten Tage an die
kleinen Horden an die widerw�rtigen Arbeiten bringen, man erregt
zun�chst ihren Stolz nach Rang. Jede Autorit�t, sogar der Monarch,
schuldet ihnen den ersten Gru�; keine industrielle Armee r�ckt aus,
ohne da� die kleinen Horden an der Spitze marschiren; sie haben das
Vorrecht, bei allen Arbeiten der Einheit (das sind gro�e Arbeiten,
welche die Phalanxen eines oder mehrerer Reiche unternehmen, gro�e
Kanalbauten etc.) die erste Hand an's Werk zu legen; sie sind die
Ueberall und Nirgends, ohne deren Mitwirkung nichts Bedeutendes
geschieht. An ihrer Spitze stehen die kleinen Kane (Kan und Kanin),
die selbst gew�hlten Offiziere; die kleinen Horden haben auch ihre
besondere Kunstsprache und ihre kleine Artillerie. Ferner w�hlen
sie aus der Zahl der Alten Druiden und Druidinnen, deren Aufgabe es
ist, den Geschmack f�r die Funktionen der kleinen Horden zu
bewahren; sie haben ferner bei allen religi�sen Uebungen bestimmte
Dienste zu versehen und erhalten daf�r besondere Abzeichen.
Fr�hzeitig zu Bette gehend (acht Uhr Abends), erheben sie sich um
drei Uhr Morgens und geben die Initiative f�r alle Arbeiten der
Phalanx. Es ist also eine Korporation von Kindern, die, indem sie
sich allen Neigungen, welche die Moral der Zivilisation ihrem Alter
verbietet, �berl��t, alle Chim�ren der Tugend, an denen die
Moralisten sich erg�tzen, verwirklicht. Die kleinen Horden
verachten keineswegs den Reichthum, aber heute macht nur der
Egoismus Gebrauch davon; sie opfern sogar einen Theil ihres
Besitzes zum Nutzen der Phalanx und erhalten so die wahre Quelle
des Reichthums, die industrielle Anziehung, die sich auf alle
Klassen erstreckt. Die Kinder der Reichen werden sich ebenso zu den
kleinen Horden hingezogen f�hlen, wie die Kinder der Geringen. Sie
sind die Repr�sentanten der Einheit der Phalanx, und das ist ihr
entscheidender Charakter. Indem ferner die kleinen Horden die
Tugend der sozialen Liebe �ben, rei�en sie Jedermann zur indirekten
Aus�bung von wohlthuenden Handlungen hin, ebnen sie den Weg zur
Edelm�thigkeit, durch welche die Reichen in der Harmonie sich
verbinden, um den Armen zu beg�nstigen, wogegen sie heute
�bereinkommen, ihn zu pl�ndern.�
�Es wird sich zeigen, da� alle Triumphe der Tugend der guten
Organisation der kleinen Horden geschuldet sind; sie allein k�nnen
im sozialen Mechanismus den Despotismus des Geldes balanziren,
dieses elenden Metalls, elend in den Augen der Philosophen, das
aber sehr edel wird, wenn es zur Aufrechthaltung der industriellen
Einheit dient. In unserer Gesellschaft, wo Diejenigen, die sich auf
den Reichthum st�tzen, als Leute �comme il faut� bezeichnet werden,
da ist das Geld die Klippe. Die es besitzen, sind die Leute, �die
nichts thun und zu nichts zu gebrauchen sind.� Leider ist der
Beiname �comme il faut� (wie man sein mu�) in unserer Gesellschaft
nur zu berechtigt, denn in der Zivilisation gr�ndet sich die
Zirkulation auf die Phantasien der M��igen, sie sind in Wahrheit
die Leute �comme il faut� (wie man dazu sein mu�), um die verkehrte
Zirkulation und die verkehrte Konsumtion aufrechtzuerhalten.�
Fourier ist hier der Meinung, da� der Hauptfehler unserer
b�rgerlichen Gesellschaft in der falschen Anwendung liege, welche
die Geldbesitzer von ihrem Gelde machten, er ist ferner der
Ansicht, da� es heute haupts�chlich die Luxusbed�rfnisse der
Reichen seien, welche die Geld- und Waarenzirkulation bestimmten.
Es ist dies die Aufstellung des auch heute noch im gew�hnlichen
Leben und selbst seitens sogenannter Gelehrter vielfach
wiederholten Glaubenssatzes, der namentlich in Zeiten allgemeiner
gesch�ftlicher Stagnation, also in Zeiten der Krisen laut wird, da�
die reichen Leute mehr Geld ausgeben m��ten, �um das Gesch�ft zu
heben�, weil ihr Bedarf entscheidend sei. Und man macht es ihnen zu
einer Art sozialer Pflicht, durch Luxusausgaben �Geld unter die
Leute zu bringen�.
Wir sehen auch nicht selten Aristokratie und Bourgeoisie nach
diesem Rezepte handeln, wobei die Betreffenden sich noch das
M�ntelchen der Gesellschaftswohlth�ter umh�ngen. Man i�t und trinkt
gut, kleidet sich noch besser, tanzt und am�sirt sich in dem
stolzen und befriedigenden Bewu�tsein, �indem man seine Triebe
befriedigte�, sich und die Gesellschaft zu retten. Die Leute, die
so handeln, geh�ren zu dem Achtel, f�r die, nach Fourier, die
b�rgerliche Welt die vollkommenste Welt ist. Wir wissen heute, da�
diese Zahl kein Achtel, nicht einmal ein Zwanzigstel der
Gesellschaft bildet.
Da� die Ansicht Fourier's von der Bedeutung der Reichen f�r die
Waarenzirkulation und Konsumtion irrig ist, bedarf heute f�r
Niemand, der einigerma�en den Organismus unserer Gesellschaft
kennt, eines Beweises. Nicht der Verbrauch dieser handvoll Reicher,
und sei ihr Verbrauch noch so bedeutend, sondern der Verbrauch der
Masse stimulirt die Zirkulation. Wo der Massenverbrauch nachl��t,
weil die Masse �rmer wird, oder weil, wie in der Regel in den
modernen Krisen der Ueberproduktion, der Konsum der
Waarenproduktion nicht zu folgen vermag, einestheils, weil die
Kaufkraft fehlt, anderntheils, weil Waaren bestimmter Gattungen
weit �ber das normale Bed�rfni� erzeugt wurden, da tritt die
Stagnation mit allen ihren Folgen ein. Der Luxusverbrauch der
Reichen hat nie eine allgemeine Krise gehoben, noch hat er durch
sein Fehlen eine solche erzeugt. Es ist aber ein charakteristisches
Merkmal f�r einen Gesellschaftszustand, da� eine Klasse, �die
nichts thut und zu nichts n�tze ist�, wie Fourier sich ausdr�ckt,
so viel verbrauchen kann und doch immer reicher wird. Welch geringe
Rolle der Verbrauch der reichen Klasse im Verh�ltni� zum Verbrauch
der Masse der Bev�lkerung spielt, zeigend schlagend die Ergebnisse
der indirekten Steuern. �Die Steuer auf Luxusartikel der Reichen
bringt nichts ein�, sagte F�rst Bismarck in seiner ber�hmten
Steuerprogrammrede im Herbst 1876 im Reichstag; �was n�tzt die
Steuer auf Austern, Champagner, Equipagen, sie bringt nichts,
nehmen wir daf�r die 'Luxusbed�rfnisse' der Masse, Bier, Kaffee,
Branntwein, Tabak.� Unsere Steuertabellen geben ihm Recht.
Indem nun Fourier, weil er die eigentlich treibenden Gesetze der
b�rgerlichen Gesellschaft nicht erkannte und in seinem Zeitalter
noch nicht erkennen konnte, sein phalansteres System auf der
Beibehaltung des Geldes gr�ndete und dem Kapital einen erheblichen
Theil des Arbeitsertrags -- vier Zw�lftel -- zuschrieb, entging ihm
nicht, da� bei dem Reichthum, den die Phalanx durch ihre
Organisation der Arbeit erzeugen sollte, das Mi�verh�ltni� im
Verm�gen und Einkommen der verschiedenen Klassen sich in der
Phalanx noch mehr steigern m�sse, als in der Zivilisation. Er mu�te
also ein Mittel finden, um dieser klaffenden Ungleichheit
einigerma�en vorzubeugen. Er verfiel, wie sich sp�ter zeigen wird,
auf das Mittel der Massenanwendung testamentarischer Legate, welche
die reichen Leute der Phalanx allen Denen zuweisen w�rden, f�r die
sie im Laufe ihrer phalansteren Th�tigkeit aus irgend einem Grunde
eine besondere Zuneigung gefa�t, aber selbst mittellos seien. Die
Frage liegt freilich nahe, was denn diese ganze
Reichthumsaufh�ufung in Privath�nden f�r einen Sinn und f�r eine
Berechtigung hat, wenn die _soziet�re Arbeit_ diesen Reichthum
erzeugt und dieser so gro� ist, da� er allen Gliedern der Phalanx
den gr��ten Luxus gestattet und selbst die verw�hntesten
Geschm�cker zu befriedigen vermag. Diesem Widerspruch sucht also
Fourier durch das bezeichnete Mittel aus dem Wege zu gehen, es soll
der Wiederkehr �der verkehrten Zirkulation nach den Phantasien der
M��igen begegnen�, und die Reichen sollen durch das selbstlose
Auftreten der kleinen Horden zu Akten der Edelm�thigkeit gegen die
Unbemittelten angeeifert werden. Das ist die gro�e moralische
Aufgabe, die er den kleinen Horden zuweist.
Fourier f�hrt fort:
�Die Th�tigkeit und Erregung der kleinen Horden wird sich
verdoppeln, wenn ihnen der Kontrast, den die Natur ihnen
vorbehielt, entgegentritt, die kleinen Banden. Der Keim des
Widerspruchs, der darin liegt, da� zwei Drittel der Kinder
m�nnlichen Geschlechts zur Unsauberheit, zum Ungehorsam, zur
Wildheit neigen, zwei Drittel der Kinder weiblichen Geschlechts zum
Putz und zu guten Manieren, mu� entwickelt und f�r die Phalanx
ausgenutzt werden. Je mehr die kleinen Horden durch Tugend und
Hingebung sich auszeichnen, um so mehr mu� die rivalisirende
Korporation -- m�ssen die kleinen Banden -- Eigenschaften annehmen,
welche den W�nschen der �ffentlichen Meinungen entsprechend, das
Gleichgewicht herstellen. Die kleinen Banden sind die Bewahrer der
sozialen Anmuth; dies ist ein weniger gl�nzender Posten als jener
der kleinen Horden, St�tze der sozialen Uebereinstimmung zu sein.
Aber die Sorge f�r den Schmuck und das Ganze des Luxus in der
Phalanx ist in der Harmonie nicht weniger werthvoll. In dieser Art
Arbeiten sind die kleinen Banden sehr n�tzlich und unentbehrlich;
sie haben im ganzen Kanton der Phalanx die spirituelle und
materielle Ausschm�ckung bei allen Festen, Aufz�gen,
Schaustellungen auszuf�hren. In der Wahl der Kleider ist Niemand in
der Harmonie an Vorschriften gebunden, aber sobald es sich um
korporative Vereinigungen handelt, hat jede Gruppe, jede Serie ihre
Kost�me und trifft die Wahl. Sache der kleinen Banden ist, die
Modelle zu liefern. Im Gegensatz zu den kleinen Horden zeichnen
sich die kleinen Banden durch H�flichkeit und angenehme Manieren
aus. Der m�nnliche Theil der kleinen Banden wird haupts�chlich die
jungen Gelehrten stellen, die fr�hreifen Geister, wie Pascal, die
fr�hzeitig Anlagen zum Studium entwickeln; ferner die kleinen
Verweichlichten, die zur Weichlichkeit und Ueppigkeit neigen.
Weniger th�tig als die kleinen Horden, erheben sie sich auch sp�ter
und erscheinen erst um vier Uhr Morgens in den Ateliers. W�hrend
sich die kleinen Horden mit der Pflege der gro�en Hausthiere
besch�ftigen, pflegen die kleinen Banden die Brieftauben, H�hner,
V�gel, Biber etc.; sie �berwachen ferner die Blumen- und
Gartenanlagen, damit diese nicht besch�digt oder zerst�rt werden.
Wer Dergleichen sich zu Schulden kommen l��t, wird vor ihren
Richterstuhl gef�hrt und geb��t; sie �ben ferner die Zensur �ber
die schlechte oder fehlerhafte Aussprache. Wie die kleinen Horden
ihre Druiden und Druidinnen, so w�hlen sich die kleinen Banden aus
den mannbaren Altern zu Kooperateuren: Korybanten und
Korybantinnen. Derselbe Kontrast besteht in den beiderseitigen
Beziehungen auf Reisen; die kleinen Banden verbinden sich mit den
gro�en Banden, den fahrenden Rittern und Ritterinnen, die kleinen
Horden mit den gro�en Horden, den Abenteurern und Abenteurerinnen.
Die Natur hat eben f�r die Vertheilung der Charaktere eine
Scheidung von Grund aus in kr�ftige und milde N�anzen vorgenommen,
eine Vertheilung, die sich in allen erschaffenen Dingen zeigt; in
den Farben, dem Hintergrunde der Luft, der Musik. Dieser Kontrast
ist es auch, der die Scheidung der Kinder in kleine Banden und
kleine Horden naturgem�� herbeif�hrt.�
�Jede industrielle Serie w�rde fehlerhaft sein, wenn sie der
Geschlossenheit ermangelte; um sie geschlossen zu machen, mu� man
die feinsten Unterscheidungen in den Geschm�ckern in's Spiel
setzen. Man wird fr�hzeitig die Kinder an diese feinen
Unterscheidungen in den Neigungen gew�hnen. Das ist also die
Aufgabe der kleinen Banden, welche die Kinder vereinigen, die zu
den minuti�sesten Raffinements im Schmuck, im Geschmack, in der
Kleidung neigen; ihr Blick wird so gesch�rft, da� sie wie unsere
Schriftsteller und K�nstler einen Fehler sehen, der dem
gew�hnlichen Menschen entgeht. Die kleinen Banden haben also die
Gewandtheit, Spaltungen unter den Geschmacksrichtungen zu
veranlassen, die Feinheiten der Kunst zu klassifiziren und durch
Raffinement der Phantasien und durch Abstufungen die
Geschlossenheit der Serien herbeizuf�hren. So sch�pft die Erziehung
in der Harmonie ihre Mittel der Ausgleichung aus den beiden
entgegengesetzten Geschmacksrichtungen, aus dem Hang zur
Unsauberheit und zur Eleganz, zwei Richtungen die beide heute
verurtheilt werden. Die kleinen Horden wirken negativ ebenso viel,
wie die kleinen Banden positiv. Die einen beseitigen die
Hindernisse, die der Harmonie in der Phalanx sich entgegenstellen,
sie vernichten den Kastengeist, der aus den unangenehmen Arbeiten
leicht geboren wird; die anderen schaffen durch ihre Gewandtheit
die Abstufungen der Geschm�cker und organisiren die n�anzirten
Spaltungen in den verschiedenen Gruppen. So gehen die kleinen
Horden vom Guten auf den Weg zum Sch�nen, die kleinen Banden vom
Sch�nen auf den Weg zum Guten; eine kontrastirende Handlung, die
ein allgemeines Gesetz in der ganzen Natur ist.�
* * * * *
�Die Erziehungssysteme der Zivilisirten verfallen alle dem Fehler,
da� sie die Theorie �ber die Praxis setzen. Sie verstehen nicht,
das Kind zur Th�tigkeit anzureizen; sie sind gen�thigt, es bis zum
sechsten oder siebenten Jahre unth�tig zu lassen, ein Alter, in dem
es schon ein geschickter Praktiker sein k�nnte. Im siebenten Jahre
wollen sie ihm dann Theorie, Kenntnisse, Studien beibringen, f�r
die sie den Wunsch bei ihm nicht zu wecken verstanden. Dem Kinde in
der Harmonie kann dieser Wunsch nicht fehlen, weil es vom dritten
Jahre bereits praktisch th�tig war und bis zum siebenten spielend
eine Menge praktischer Kenntnisse erlangt hat. Es besitzt jetzt das
Bed�rfni�, sich auf das Studium der exakten Wissenschaften zu
st�tzen ... Die Erziehung der Zivilisirten ist im Widerspruch mit
der Natur des Kindes, es ist die verkehrte Welt wie ihr ganzes
System, von dem ihre Erziehung ein Theil ist. Ferner: Das Kind ist
auf die Arbeit des Studirens beschr�nkt, es bleibt vom Morgen bis
Abend w�hrend neun bis zehn Monate des Jahres �ber den
Anfangsgr�nden und der Grammatik sitzen, mu� ihm da nicht der
Widerwille gegen die Studien kommen? Das Kind hat das Bed�rfni�,
w�hrend der sch�nen Jahreszeit im Garten, im Wald, in den Wiesen
sich besch�ftigend zu tummeln, statt dessen mu� es an sch�nen wie
an Regentagen sitzen und studiren. Es kann keine Einheitlichkeit in
der Handlung geben, wo es nur eine einfache Funktion giebt.�
�Eine Gesellschaft, welche die V�ter den ganzen Tag als Gefangene
in die Bureaux, Komptoirs und Fabriken sperrt, kann auch die
Sottise begehen, das Kind das ganze Jahr in die Schule zu sperren,
wobei es sich ebenso langweilt wie die Lehrer. Unsere Politiker und
Moralisten sprechen best�ndig von der Natur, sie ziehen sie aber
keinen Augenblick zu Rathe. Beobachteten sie die in den Ferien
weilenden Kinder, wie sie, mit leichten Blousen bekleidet, sich im
Heu kugeln, vergn�glich sich in der Weinlese, bei dem N�sse- und
Obstpfl�cken, bei der Jagd auf sch�dliche V�gel etc. anwenden, und
w�rden sie die Kinder in einem solchen Augenblicke einladen, zu
ihren Studien zur�ckzukehren, so w�rden sie beobachten k�nnen, ob
es die Natur des Kindes ist, w�hrend der sch�nen Jahreszeit in der
Umgebung von B�chern und Pedanten eingeschlossen zu werden. Man
antwortet: Man mu� im jugendlichen Alter lernen, damit man sich des
Namens eines freien Mannes w�rdig macht, w�rdig des Handels und der
Verfassung! -- Gut! Aber wenn die Kinder durch Anziehung und
kabalistische Rivalit�ten zum Lernen sich begeben, so werden sie in
hundert Lektionen im _Winter_, beschr�nkt auf zweist�ndige
Sitzungen, mehr lernen, als in 300 Tagen, da man sie in den Schulen
oder im Pensionat eingeschlossen h�lt.
Das zivilisirte Kind kann nur mit H�lfe von Entziehungen, Pensums,
Ruthenstreichen zum Lernen angehalten werden. Erst seit einem
halben Jahrhundert sucht die Wissenschaft, verwirrt �ber dieses
elende System, durch weniger herbes Vorgehen das Kind zu gewinnen;
sie versucht sich, die Langeweile der Kinder in den Schulen zu
enth�llen, ein G�tzenbild des Nacheifers bei den Sch�lern,
Zuneigung f�r die Lehrer zu schaffen. Das beweist, da� sie erkannt
hat, wie es sein sollte, aber sie hat kein Mittel, ihre Gedanken zu
verwirklichen. Die mit Zuneigung verkn�pfte Uebereinstimmung
zwischen Lehrern und Kindern kann nur in dem Fall einer als Gunst
erscheinenden anregenden Unterweisung erzeugt werden. Das wird in
der Zivilisation, in welcher der ganze Unterricht durch den
Widersinn, die Theorie �ber die Praxis zu stellen, gef�lscht ist,
nie geschehen. Der Unterricht ist ferner gef�lscht durch seine
Einseitigkeit und ununterbrochene Dauer. Man findet vielleicht ein
Achtel unter den Kindern, die den gegenw�rtigen Unterricht mit
Leichtigkeit, aber ohne davon besonders angeregt zu sein, annehmen.
Daraus schlie�en die Lehrer, da� die �brigen sieben Achtel nichts
taugen; sie argumentiren auf die Ausnahme und machen diese zur
Regel. Das ist die gew�hnliche Illusion bei allen Lobliedern auf
die Vollkommenheit. Es giebt �berall eine kleine Zahl Ausnahmen,
aber sie darf man nicht in Ber�cksichtigung ziehen, sondern die
gro�e Menge, welche die Regel ist. Ich fragte Kinder, die aus den
ber�hmtesten Schulen kamen, wie von Pestalozzi und Andern, ich fand
stets nur einen mittelm��igen Schatz von Kenntnissen und eine gro�e
Unbek�mmertheit f�r Studien und Lehrer.�
�Wir haben heute eine Erziehungsmethode, und diese wird auf alle
Sch�ler angewendet, als wenn alle vollkommen gleichartig seien. Ich
kenne nun verschiedene Methoden, die alle gut w�ren, und es lie�en
sich noch andere finden. Schlie�lich ist jede Methode gut, wenn sie
dem Charakter des Sch�lers entspricht. D'Alembert ward ausgelacht,
als er vorschlug, das Studium der Geschichte im Gegensatz zur
chronologischen Ordnung zu betreiben, dergestalt, da� man nicht von
der Vergangenheit zur Gegenwart, sondern von der Gegenwart nach
R�ckw�rts in die Vergangenheit schreite. Man warf ihm vor, den Reiz
am Studium zu zerst�ren und die mathematische Trockenheit in die
Methode des Unterrichts zu bringen. Das ist ein l�cherlicher
Sophismus. Keine Methode ist an sich trocken, sie sind alle
fruchtbar, wenn man sie den Charakteren anzupassen und schmackhaft
zu machen versteht. Man gebe den Kindern eine ganze Reihe von
Methoden zur Auswahl, viele werden doch keinen Geschmack am Studium
finden. Unsere Lehrmethoden ermangeln nicht nur des aktiven
H�lfsmittels, sie ermangeln ebenso der materiellen Anziehung, als
welche ich die Oper und die Gourmandis betrachte.�
�Die Oper bildet das Kind zur ma�vollen Einheit, welche f�r es eine
Quelle des Wohlbefindens und der Gesundheit wird; sie verschafft
ihm also den inneren und �u�eren Luxus, welches der erste Zweck der
Anziehung ist. Das Kind wird durch die Oper von fr�hester Jugend an
in allen gymnastischen und choreographischen Uebungen geschult. Die
Anziehung ist darin sehr kr�ftig, es erwirbt die nothwendige
Gewandtheit f�r alle Arbeiten in den Serien, wo Alles sich mit
Sicherheit, Ma� und Einheit, wie man diese in der Oper herrschen
sieht, vollziehen soll. Die Oper nimmt also unter den H�lfsmitteln
f�r die Erziehung vom niederen Lebensalter an den ersten Rang ein.
Unter der Oper sind alle k�rperlichen Uebungen begriffen, sowohl
die mit der Flinte als mit dem Rauchfa�. Diese choreographischen
Evolutionen, werden sie nun mit der Flinte oder dem Rauchfa� oder
in der Oper vollzogen, gefallen den Kindern au�erordentlich, sie
betrachten es als eine hohe Gunst, zugelassen zu werden. Man w�rde
die Natur des Menschen vollst�ndig verkennen, wenn man die Oper
nicht in erster Linie unter die H�lfsmittel der Erziehung vom
fr�hesten Alter an setzte, welche f�r die materiellen Studien nur
anziehend wirkt. Um den K�rper nach allen Richtungen hin m�glichst
vollkommen zu machen, m�ssen, bevor man mit der Seele beginnt, zwei
unseren sog. moralischen Methoden sehr fremde H�lfsmittel in's
Spiel gesetzt werden: die Oper und die K�che, oder die angewandte
Gourmandis.�
�Das Kind soll zwei aktive Sinne �ben: Geschmack und Geruch, und
zwar durch die K�che, und zwei passive: Gesicht und Geh�r, und
diese durch die Oper; den Taktsinn endlich durch die Arbeiten, in
denen es sich auszeichnet. Die K�che und die Oper sind die beiden
H�lfsmittel, die das Kind durch die Anziehung unter das Regime der
Serien der Triebe f�hren. Die Magie und die Feerien der Oper ziehen
das Kind m�chtig an. Dagegen erwirbt es in den K�chen der Phalanx
die Intelligenz und Geschicklichkeit in all den Vorbereitungen f�r
die Tafel; es lernt alle Produkte kennen, f�r welche es sich schon
durch die Tischunterhaltungen interessirte; es werden Pflanzen und
Thiere besprochen, und so wird es in Hof, Stallungen und G�rten
eingef�hrt. Die K�che wird das Band f�r diese Funktionen.�
�Die Oper ist die Vereinigung f�r die materielle Uebereinstimmung,
sie dient allen Altern und Geschlechtern. In ihr werden ge�bt: 1.
Gesang, oder das Ma� der menschlichen Stimme; 2. Instrumente, oder
das Ma� k�nstlicher T�ne; 3. Poesie, oder Ausdruck der Gedanken und
Worte nach Ma�; 4. Pantomimen, oder Harmonie der Gesten; 5. Tanz,
oder Bewegung nach Ma�; 6. Gymnastik, oder harmonische Uebungen; 7.
Malerei und harmonische Kost�me. Das Ganze beruht also auf einem
regelm��igen Mechanismus und in geometrischer Ausf�hrung.�
�Bei uns ist die Oper nur eine Arena der Galanterie, eine Anreizung
zu Ausgaben, und da begreift sich, da� sie durch die moralischen
und religi�sen Klassen zur�ckgewiesen wird; in der Harmonie ist sie
eine freundschaftliche Vereinigung, in der keinerlei bedenkliche
Intriguen zwischen Leuten stattfinden k�nnen, die sich jeden
Augenblick bei den verschiedensten Arbeiten in den industriellen
Serien begegnen.�
�Die Oper, heute so kostspielig, kostet fast nichts in der
Harmonie. T�nzer, S�nger, Musiker, Maler, alle Handwerker und
K�nstler stellt die Phalanx aus ihrer Mitte. Ohne die Mitwirkung
der Nachbaren und die H�lfe der Durchreisenden wird die Phalanx
eine Auswahl von 12-1300 Akteuren haben, die in irgend einer Weise
sich betheiligen. Die geringste Phalanx wird eine besser
ausgestattete Oper besitzen, als heute unsere gro�en St�dte.�
Fourier widmet dann mehrere Kapitel der K�che der Phalanx, ihrer
Einrichtung und Organisation und der Verwendung der Kinder in
derselben. Die Neigung zu gutem Essen, zur Gourmandis, ist in
seinem System auch Erziehungsmittel. Was das Kind i�t, soll es in
der Praxis kennen lernen, es soll die Substanzen, ihre
Zusammensetzung und ihre Zubereitung erfahren. Wir fassen uns
hier�ber kurz, da aus dem bisher Gesagten der Leser wird
beurtheilen k�nnen, wie auch hier sich die verschiedenen Serien
beth�tigen. Die Kinder werden zun�chst an der Hand passend f�r sie
eingerichteter K�chen in die Geheimnisse der Kochkunst spielend
eingeweiht, Neugier und Interesse wird geweckt; sie treten allm�lig
in die gro�en Zentralk�chen mit ihren Appendixen f�r die
Vorbereitung der Speisen �ber, lernen eine Anzahl interessanter
Details kennen -- das Einmachen, die Konservirung --, in denen sie
n�tzliche Verwendung finden. Die Zubereitung der Materialien f�hrt
ganz von selbst dazu, auch das Werden und Entwickeln der
verarbeiteten Materialien zu beobachten. Mit zunehmendem Alter wird
das Kind mit der Gefl�gelzucht, der Stallwirthschaft, der Obst- und
Gem�sezucht bekannt und darin eingeweiht. In allen diesen
Beth�tigungen kommt, wie im ganzen Mechanismus der Phalanx, die
Serien- und Gruppenbildung nach Trieben, die Abwechslung durch
kurze Sitzungen und die Kontrastwirkung zur Geltung; die
Rivalit�ten regen den Eifer und die Erfindungsgabe an.
Nach diesen selben Grunds�tzen und Methoden werden darauf die
Kinder in die verschiedenen Wissenschaften eingeweiht; �berall
entscheiden die eigenen Triebe, die durch das Beispiel der
Mitsch�ler und das Vorbild der �lteren Sch�ler angeregt und
stimulirt werden. Die Auswahl der Lehrmittel ist die gr��te. Alles
ist auf das Vortrefflichste eingerichtet, Zwang ist nirgends
vorhanden, ebenso wird kein Unterschied zwischen den beiden
Geschlechtern gemacht. �Die Studien sollen nicht an zweiter Stelle
figuriren, aber das Interesse soll durch die physische Beth�tigung
f�r die verschiedenen Zweige des Studiums geweckt werden. Die
Arbeiten der Schule sollen mit denen in den Werkst�tten und in den
G�rten eng verbunden sein, die letzteren sollen die ersteren
unterst�tzen.�
Mit 15 bis 16 Jahren treten die Kinder in das Reifealter, es
beginnen die Jahre der Pubert�t und der Geschlechtstrieb macht sich
allm�lig geltend; damit beginnt auch f�r die Phalanx die Aufgabe,
die Erziehung entsprechend umzugestalten.
�Hier ist der Punkt�, f�hrt Fourier fort, �wo alle unsere auf die
Unterdr�ckung der Geschlechtsliebe berechneten Methoden, die in den
Beziehungen der Liebe nur die allgemeine Heuchelei zu begr�nden
wissen, in die Br�che gehen. Das geschieht von hier ab im ganzen
Verlauf des Liebeslebens. In keiner Angelegenheit zeigt sich unsere
Wissenschaft so unf�hig und ungeschickt, als hier. F�r alle anderen
Mi�br�uche und Uebel haben unsere Philosophen wenigstens die
Anwendung einiger Gegenmittel versucht, aber keine in Sachen der
Liebe, von wo demnach ihr ganzes Werk in Unordnung gest�rzt wird,
denn sie haben nur die Unwahrheit und die geheime Rebellion gegen
die Natur und die Gesetze begr�ndet. Indem die Liebe keinen anderen
Weg zur Befriedigung findet, als mit Anwendung der
Doppelz�ngigkeit, wird sie ein permanenter Verschw�rer, der
unaufh�rlich daran arbeitet, die Gesellschaft zu desorganisiren,
alle ihre Regeln zu untergraben.�
�Ich habe gefunden, da� die Zivilisation in Bezug auf die Liebe nur
unausf�hrbare Gesetze hat, die �berall der Heuchelei die
Ungestraftheit sichern; die Uebertreter werden um so mehr
protegirt, je k�hner sie sind. In allen Salons, in der ganzen
Gesellschaft sind jene die Angesehensten, die in Liebesangelegenheiten
die Leichtherzigsten sind, welche die meisten Eroberungen aufweisen
k�nnen, d.h. mit dem, was die zivilisirte Sitte und Moral
verlangt, auf dem gespanntesten Fu�e stehen. Nirgends ist die
Scheinheiligkeit und Duperie gr��er, als in unserem Ehe- und
Liebesleben, ist zwischen dem, was die Natur beansprucht und die
Moral vorschreibt, ein sch�rferer Widerspruch. Anstatt dieser
Skandale, welche die Zwangsgesetzgebung der Zivilisation erzeugt,
mu� die Harmonie, indem sie die volle Freiheit der ersten Liebe
sichert, hervorzurufen wissen: 1. die Begeisterung der verschiedenen
Alter f�r die Arbeit; 2. die Konkurrenz der Geschlechter f�r die
guten Sitten; 3. Belohnung der wirklichen Tugenden; 4. Anwendung
dieser Tugenden f�r das �ffentliche Wohl, von dem sie in der
Zivilisation getrennt sind.�
�Die wesentlichste Aufgabe Derer, die in der Harmonie die erste
Liebe genie�en werden, ist, da� sie die beiden Lebensalter, die
unmittelbar unter und �ber der Pubert�t sind, zur Arbeit anziehen.
Man mu� also unter den Jugendlichen zwei Korporationen bilden, die
�hnlich wie die kleinen Banden und die kleinen Horden aufeinander
wirken. Diese beiden Korporationen sind das Vestalat, bestehend aus
zwei Drittel Vestalinnen und ein Drittel Vestalen, und des
Damoiselat, bestehend aus zwei Drittel Damoiseaux und ein Drittel
Damoiselles. Die Korporation des Vestalats widmet sich bis zum
achtzehnten oder neunzehnten Jahr der Keuschheit, die Korporation
des Damoiselats widmet sich der fr�hen Liebe. Die Wahl steht allen
Theilen frei. Jedes kann nach Belieben in die eine oder in die
andere Korporation ein- und austreten, aber man mu�, so lange man zu
einer der Korporationen geh�rt, auch die Gewohnheiten und Regeln
derselben beobachten: Keuschheit im Vestalat, Treue im Damoiselat.
Die jungen M�nner neigen in der Regel selten dazu, dem Beispiel des
keuschen Joseph zu folgen, sie sind dementsprechend auch im
Vestalat in der Minorit�t. Im Allgemeinen werden es die festen
Charaktere sein, welche f�r das Vestalat sich entscheiden, w�hrend
die milderen f�r das Damoiselat die Wahl treffen. Hingegen werden
die jungen M�dchen, die eben erst aus dem Chor der Gymnasiastinnen
austreten, in der Regel einige Zeit im Vestalat zubringen.� ...
�Damoiselles und Damoiseaux, die der Versuchung nachgaben, m�ssen
von da ab den Morgenzusammenk�nften der Kinder fern bleiben; sie
besuchen nunmehr Abends einen der Liebesh�fe der Erwachsenen -- die
sich allabendlich zwischen neun und zehn Uhr in den S�len
zusammenfinden -- und erheben sich in Folge dessen auch sp�ter von
der Nachtruhe. Dagegen erhebt sich das Vestalat mit den Kindern.
Wegen dieser fortdauernden Beziehungen zu den Kindern wird das
Vestalat mit besonderer Achtung und Anh�nglichkeit von diesen
behandelt, umgekehrt wird das Damoiselat von ihnen mi�achtet. Die
�lteren St�mme von zwanzig und mehr Jahren haben wieder aus anderen
Motiven f�r das Vestalat und die Virginit�t eine tiefe Zuneigung.
So vereinigt das Vestalat in sich den h�chsten Grad der Gunst der
Kindheit und des m�nnlichen Alters. Die Keuschheit der Vestalinnen
und Vestalen ist um so besser gesichert, da sie die volle Freiheit
haben, jederzeit die Korporation zu verlassen und auf die Vortheile
der Rolle zu verzichten.�
�Mit Ausnahme der Schlafzeit, welche die Vestalen und Vestalinnen
nach Geschlechtern getrennt in verschiedenen R�umen zubringen,
haben sie ihre volle Freiheit; sie gehen den gewohnten
Besch�ftigungen in den verschiedenen Serien und Gruppen nach; sie
haben aber auch ihre besonderen Sitzungen und gew�hren den Besten
unter sich den Titel �Bewerber� oder �Bewerberin�. Diejenigen, die
diesen Titel f�hren, haben den Vortheil, in der industriellen
Armee, in der sie eine besondere Stellung einnehmen, auch mit
besonderen Ehren empfangen zu werden. Uebertritt ein zum Vestalat
geh�riges Mitglied die vorgeschriebenen Gepflogenheiten und wird
dies festgestellt, so macht man ihm aus seiner Unbest�ndigkeit kein
Verbrechen, aber es hat aus der K�rperschaft auszuscheiden. Nichts
verschafft einem M�dchen von 16-18 Jahren mehr Achtung, als eine
nicht bezweifelte Keuschheit, eine warme Hingabe an die Arbeit und
die Studien. Mit Ausnahme der schmutzigen Arbeiten sind die
Vestalinnen die Kooperatrizen der kleinen Horden; ist Gefahr im
Verzuge, handelt es sich z.B. darum, wegen drohenden Unwetters
rasch eine Ernte zu bergen, so sind sie stets an der Spitze. Jede
Phalanx wird sich bem�hen, die gefeiertsten Vestalinnen zu besitzen
und sie nach der Art ihres Verdienstes als Reine durch Titel
auszuzeichnen, wie die Sch�ne, die Hingebende, die Talentirte, die
Gunstbezeugende. Das Vestalat w�hlt aus seiner Mitte die
pr�sidirende Quadrille, welche bei den Zeremonien den Ehrenwagen
besetzt und an den Fest- und Ehrentagen der Phalanx die Honneurs
macht. Kommt ein Monarch, so sendet man ihm nicht wie bei uns
beglac�handschuhte Schwadroneure entgegen, die vor ihm �ber die
Sch�nheiten der Verfassung und das Gl�ck des Handels peroriren,
sondern man deputirt die liebensw�rdigsten Vestalinnen, die ihn an
der Grenze begr��en. Kommt eine F�rstin, so w�hlt man Vestalen.
Versammelt sich eine industrielle Armee, so sind es die Vestalen,
die ihr die Oriflamme �bergeben und die erste Rolle bei den Festen
wie bei den Arbeiten einnehmen. Die Arbeiten dieser Armeen werden
durch die Anwesenheit der Vestalen und Vestalinnen einen besonderen
Reiz gewinnen und sie werden, so stimulirt, ihre Arbeiten, ohne da�
sie Erm�dung verursachen, ausf�hren. Indem man ferner den Armeen
jeden Abend gl�nzende Feste giebt, hat man nicht n�thig, mit der
Kette am Hals die jungen Leute hinzuf�hren, wie das bei unseren
jungen Ausgehobenen geschieht, die stolz auf den sch�nen Namen
�freie M�nner� sind. Die industrielle Armee wird zu einem Drittel
aus Bacchantinnen, Bajaderen, Heroinen, Feen gebildet sein, und so
werden mehr junge M�nner und Frauen herzustr�men, als man n�thig
hat. Ferner werden F�rsten und F�rstinnen diese Armeen besuchen, um
sich dort nach ihrem Geschmack ihre Gattin oder ihren Gatten zu
w�hlen, und es ist anzunehmen, da� eine solche Wahl meist auf eine
Vestalin oder einen Vestalen f�llt. Diese Herrschaften werden in
der Harmonie nicht mehr die Sklaven sein, wie in der Zivilisation,
in welcher man ihnen nach chinesischer Manier einen Mann oder eine
Frau aufn�thigt, die sie niemals gesehen haben.�
�Von allen Seiten mit den g�nstigsten Blicken betrachtet, wird der
vestalische K�rper Gegenstand einer sozialen Abg�tterei, eines
halbreligi�sen Kultus. Die Menschen lieben einmal, sich Idole zu
schaffen, und so wird in Folge dieses Bed�rfnisses das Vestalat ein
Idol der Phalanx. Die kleinen Horden, die keiner Macht der Erde den
ersten Gru� bewilligen, werden vor dem Vestalat ihre Fahne neigen
und ihm als Ehrengarde dienen.�
Die Ehren, die Fourier dieser K�rperschaft f�r das Opfer, ihre
Keuschheit einige Jahre zu bewahren, zugedenkt, sind noch gr��erer
Art. Ist die ganze Erde einmal mit Phalanxen bedeckt, so wird sich
auch die Nothwendigkeit einer allgemeinen Eintheilung im Reiche
verschiedener Grade ergeben, die, wie Alles bei ihm, geometrisch
abgemessen sind. Der oberste Leiter des Erdballs ist der Omniarch,
der in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, seinen Sitz hat;
dann folgen 3 Auguste, 12 Z�sarinnen, ungef�hr 48 Kaiserinnen, 144
Kalifen, 576 Sultane, 1721 K�niginnen, 6912 Kaziken u.s.w. Man
fragt sich freilich vergeblich, was alle diese F�rsten, F�rstinnen
und hohen m�nnlichen und weiblichen W�rdentr�ger in dieser sozialen
Organisation f�r einen Zweck und eine Bedeutung haben, inwiefern
ihre Funktionen f�r das Gedeihen dieser phalansteren Gesellschaft
notwendig sind. Dar�ber giebt auch Fourier keine Auskunft. Sie
geh�ren eben in sein System, das bem�ht ist, den Trieben und
Neigungen, wir pflegen auch zu sagen Schw�chen, der Menschen nach
Titeln und Auszeichnungen Rechnung zu tragen. Auch hofft er, da�
sein System in um so h�herem Grade die Unterst�tzung der h�heren
Klassen finden werde, als es ihnen besondere Aussicht f�r die
Erlangung von Titeln und W�rden er�ffnet.
Eine solche Schaar hoher W�rdentr�ger und W�rdentr�gerinnen bedarf
entsprechender Frauen und M�nner, und da haben Vestalinnen und
Vestalen in erster Linie die sch�nste Aussicht, zu diesen Ehren zu
kommen.
�Auch bewilligt die Harmonie der Virginit�t Ehrentafeln. Welch ein
Unterschied zwischen dieser und der Zivilisation, wo die Virginit�t
nur Geringsch�tzung findet und Gunstbezeigungen nur Denen zu Theil
werden, die sich einen falschen Heiligenschein f�r die Gaukeleien
der Libertins zu geben wissen. Diese W�stlinge, die in ihren
Liaisons die Kunst gelernt haben, die Menschen zu betr�gen und zu
d�piren, werfen sich unter den Spitzbuben, welche die �ffentliche
Meinung leiten, als Lobredner der Tugend auf. Welche Ermuthigung
findet unter uns ein junges, sch�nes M�dchen, um ihre Virginit�t zu
bewahren? Ist sie arm, wird sie ihre Anbeter, die alle gute Rechner
sind, nicht beth�ren, sie wissen, da� die Tugend keinen
Lebensunterhalt f�r die Haushaltung schafft. Ihre Eltern werden
gezwungen, auf einen Sechzigj�hrigen oder irgend eine andere
Schamlosigkeit zu spekuliren und sie wird durch diese Spekulation
prostituirt; sie findet kaum einen Mann von mittlerem Alter, der
ihr eine anst�ndige Existenz zu bieten vermag. So wird ihre
Sch�nheit ein Gegenstand elterlicher Beunruhigung, ihre Tugend wird
f�r die Zukunft verd�chtig sein. Hat sie einiges Verm�gen, so ist
sie w�hrend langer Zeit zwischen m�nnlichen und weiblichen Maklern
Gegenstand eines gemeinen Handels. Endlich wird sie einem durch
Laster verdorbenen Manne �berliefert; denn es giebt weit mehr
verdorbene als gute Ehem�nner.�
�Findet ein M�dchen unter uns bis zum f�nfundzwanzigsten
Lebensjahre keinen Ehemann, so beginnt man sich �ber sie lustig zu
machen, man glossirt sie wie eine verd�chtig gewordene Waare. Um
den Preis einer in Entbehrungen verlebten Jugend sammelt sie in dem
Ma�e, wie sie �lter wird, eine Ernte gemeiner Witze, mit der jedes
alte M�dchen �bersch�ttet wird. Das ist eine der Zivilisation
w�rdige Ungerechtigkeit. Das Opfer, das sie fordert erniedrigt sie;
undankbar, wie sie ist, belohnt sie die Hingebung der jungen
M�dchen an ihre Morallehren mit Beschimpfungen und Aergernissen. Da
braucht man sich nicht zu wundern, da� man bei jungen M�dchen, die
nicht �berwacht werden, nur eine Maske der Keuschheit findet.
Leistet ein junges M�dchen Gehorsam, so wird es, als M�dchen alt
geworden, von derselben �ffentlichen Meinung bestraft, die es
zwang, seine sch�ne Jugend ihrem Vorurtheil zu opfern. Was kann es
Unn�tzeres geben, als diese ewige Virginit�t? Sie ist eine Frucht,
die man, statt sie zu genie�en, verderben l��t. Das sind
Ungeheuerlichkeiten, die vollkommen w�rdig sind dieser zivilisirten
Ordnung, welche stolz auf ihre Weisheit und ihre Wissenschaft ist.
Aber wenn man einem sch�nen M�dchen, um den Preis, ihre Keuschheit
zu bewahren, eine Vergeltung in Aussicht stellt, ist diese ihr
gewi�? Sie l�uft nicht geringe Gefahr, einen Spieler, oder einen
durch Ausschweifung br�chig Gewordenen, einen rappelk�pfischen oder
brutalen Mann zum Gatten zu erhalten. Ferner hat ein anst�ndiges
M�dchen selten genug Finesse, um die Heucheleien, die tr�gerischen
Aufmerksamkeiten ihrer Bewerber zu erkennen, durch die eine ein
wenig erfahrene Frau nicht mehr get�uscht wird. Hat sie aber eine
gute Partie in Aussicht, so wird irgend eine Intriguantin, die in
der Kunst zu bezaubern ge�bt ist, sie ihr entfremden. Das
anst�ndige M�dchen wird darum betrogen, es erh�lt nur einen
unfruchtbaren Tribut der Achtung und altert oft in der
Ehelosigkeit.�
�Ich kann mich nicht so, wie ich es w�nschte, hier aussprechen,
weil die Er�rterung dieser Fragen dem allgemeinen Vorurtheil
zuwider ist, und doch sollte man sie gr�ndlich behandeln, um die
Unanst�ndigkeit, die Heuchelei und die schlechten Sitten der
Zivilisirten in Allem, was das Verh�ltni� der Geschlechter
betrifft, an den Pranger zu stellen. Die Sitten in der Harmonie
m�gen auf den ersten Anblick Ansto� erregen, sie werden aber alle
Tugenden geb�ren, von denen sehr �berfl�ssiger Weise die
Zivilisation nur tr�umt.�
�Wenn ich das Erziehungssystem darlege, nach dem die Kinder in der
Harmonie sich entwickeln, so werden die meisten V�ter rufen. 'Ah,
das ist sch�n, das ist, was ich l�ngst gew�nscht, so sollte und
m��te es sein'; aber wenn ich es auch unternehme, die
Liebesbeziehungen darzulegen, so schreien die bissigen Moralisten,
da� ich die guten Sitten verletze. Sie werden �ber jede Parallele
verwundert sein, die ich zwischen den Gewohnheiten der beiden
Gesellschaftsordnungen ziehe. Zum Beispiel, wenn ich die
vestalischen Verm�hlungen mit denen der Zivilisation vergleiche,
deren Moral nur unanst�ndige und skandal�se Gewohnheiten zu Grunde
liegen: so die zweideutigen Zeremonien, die der Verbindung des
Paares vorausgehen; die zweideutigen Wortspiele, die Trunkenheit
der Festbetheiligten, das Herfallen mit schlechten Scherzen �ber
die Braut. Die Gepflogenheit der Saufgelage kann einer dezenten
Gesellschaft, wie sie die Vestalen sind, nicht gefallen; sie haben
die Methode, ihre Vereinigung zu vollziehen, ohne da� sie zuvor den
Sp�ttereien und Witzeleien ausgesetzt sind, die den n�chsten Morgen
noch immer fr�h genug kommen. Es bleibt weder Zeit f�r die ewigen
zweideutigen Wortspiele, noch f�r die moralischen Schlemmereien.�
�Man begeht, wie man sieht, in der Harmonie nicht die Inkonsequenz,
Vestalinnen zu schaffen ohne Vestalen, sie ahmte sonst den
Widerspruch der Zivilisation nach, die den M�dchen die Keuschheit
vorschreibt, aber die Ausschweifungen der jungen M�nner tolerirt,
d.h. man provozirt bei den Einen, was man den Andern verbietet,
eine Zweideutigkeit, die der Zivilisation w�rdig ist. Welcher Art
werden die jungen M�nner sein, die in der Harmonie sich f�r das
Vestalat erkl�ren? -- Diejenigen, die, wie die S�hne des Theseus,
f�r aktive Th�tigkeiten, aber wenig f�r die Liebe neigen. Wenn
Hippolyt die Jagd allein gen�gte, um ihn von der Liebe abzuziehen,
so wird eine soziale Ordnung, die jedem Jugendlichen drei�ig und
mehr Gelegenheiten bietet, wo er seine Kr�fte �ben und seinen
Ehrgeiz befriedigen kann, interessanter sein, als das mittelm��ige
Vergn�gen der Jagd.�
�Vergegenw�rtige man sich immer wieder, da� alle diese anscheinend
so romantischen Gepflogenheiten den Zweck verfolgen, den wirklichen
Reichthum der Phalanx zu steigern, indem sie die Liebe in allen
ihren Unterarten f�r den Fortschritt der Arbeit und der Entwicklung
nutzbar machen. Der Reichthum steigt in demselben Ma�e, wie allen
Trieben der freie Aufschwung gesichert ist. Es wird geschehen, da�
die Alten, die in der Harmonie den Reichthum und die Vergn�gungen
mehr lieben werden, als man sie heute liebt, die Ersten sein
werden, welche die Freiheit der Liebe herzustellen verlangen. Die
n�thigen Gegengewichte werden sich in gen�gender Zahl aus der
Konkurrenz der Instinkte und der Geschlechter ergeben.� ...
�Man sieht, da� meine Theorie �berall eine einheitliche ist, alle
Probleme haben dieselbe L�sung, die Bildung von Serien, freien
Gruppen, und diese nach den drei Regeln zu entwickeln: geschlossene
Abstufung der Triebe (Kabalist), Wechsel in der Aus�bung aller
Th�tigkeiten (Papillone), kurze Sitzungen (Komposit). Das ist die
feste Regel f�r die Bildung und Entwicklung der Serien; ihr Zweck
mu� sein, �berall die Konkurrenz der Geschlechter, der Lebensalter
und der Instinkte zu begr�nden.�
�Den Leser choquirt die Idee der freien Liebe, weil daraus ein
Durcheinander der Kinder verschiedener Abstammung resultire; um
diese Vorurtheile zur�ckzuweisen, m��te ich zu sehr weitl�ufigen
Auseinandersetzungen greifen, die ich hier nicht geben kann; ich
werde beweisen, da� das zivilisirte Regime alle die Uebel erzeugt,
die man von der Freiheit der Liebe bef�rchtet, da� aber diese
Freiheit, auf eine Phalanx mit Serien der Triebe angewandt, alle
Unordnungen, die sie in der Zivilisation hervorruft, vermeidet. Wie
es in der Zivilisation aussieht, daf�r m�gen einige Beweise folgen.
Die Statistik von Paris ergiebt, da� ein Drittel der V�ter ihre
Kinder verlassen und verleugnen. Auf 27.000 Geburten rechnet man
�ber 9000 Bastarde, und doch ist Paris der Mittelpunkt der
�moralischen Erleuchtung� und die �Vollendung der Vervollkommnung
der Vervollkommnungsf�higkeit�. Wenn �berall ebenso viel
Vollkommenheit existirt als in Paris, ist ein Drittel der Kinder
von ihren V�tern verlassen. Ferner sind da die syphilitischen
Krankheiten, die in unserer Ordnung zahlreiche Opfer erfordern. Die
Jugend wird bei unseren Sitten zur Unaufrichtigkeit erzogen, sie
macht sich ein Spiel daraus, diese Krankheiten zu verbreiten, deren
Gefahr jede kluge Person zwingt, sich von der galanten Welt zu
isoliren und so die unnat�rliche Befriedigung der Triebe
herausfordert. Ferner: Wenn im jugendlichen Alter die M�dchen �ber
die Treue get�uscht werden, so t�uschen sp�ter ihrerseits die
Frauen; sie nehmen einfach Repressalien. Wenn in Paris, �dem Hort
der Moral�, man j�hrlich �ber 9000 V�ter sieht, die ihre Kinder
verlassen, so wird die Rache der M�tter eine entsprechende sein.
Auf 27.000 Geburten schw�ren die Frauen 9000 Kinder ihren
Ehem�nnern zu, die sie von ihren Liebhabern bekommen haben. Das ist
Reziprozit�t der V�ter und M�tter f�r ihre Kinder. Ferner: Nach dem
Liebesalter gefallen sich die Alten inmitten ihrer z�rtlichen
Kinder und Enkel, die nat�rlich in den gesunden Doktrinen der
Philosophie erzogen wurden, und freuen sich der ihnen erwiesenen
Zuneigung. Es ist meist nur Duperie und Scheinheiligkeit. Alle
diese Aufmerksamkeiten gelten nicht ihnen, sondern ihrem Verm�gen.
Um sich davon zu �berzeugen, brauchten sie nur den Zusammenk�nften
beizuwohnen, bei welchen die Liebenden ihre Eltern glossiren. Sie
werden als l�cherliche Harpagons oder unbequeme Argusse behandelt;
man unterh�lt sich mit W�nschen, wie, da� der Augenblick bald
kommen m�ge, um ein Verm�gen genie�en zu k�nnen, das nach der
Meinung der Jungen die Alten nicht anzuwenden verstehen. Man
antwortet: da� ehrenhafte Familien vor geheimen Orgien sicher sind.
Ja, so lange die Furcht darin herrscht. Aber sind die V�ter und die
Argusse todt oder abwesend, in demselben Augenblick kommt auch die
Orgie, oft selbst w�hrend die V�ter leben. Die jungen Leute
�berzeugen die V�ter, da� sie nicht kommen, ihre T�chter zu
verf�hren, da� sie wahre Freunde der Moral und der Verfassung sind,
andererseits �berzeugen sie die Mutter, da� sie eben so h�bsch wie
die Tochter ist, �was manchmal wahr ist�. Gest�tzt auf diese
Argumente, organisiren sie im Hause die maskirte Orgie. Der Vater
gewahrt den Kniff und versucht widerspenstig zu werden, aber die
Frau beweist ihm, da� er nicht die rechte Einsicht habe und er
schweigt. Und selbst wenn die V�ter solche Fallen zu vermeiden
wissen, gerathen sie nicht in zwanzig andere Unannehmlichkeiten, in
einen wahren �Cercle vicieux� von moralischen Sottisen? Hier f�llt
eine gehorsame Tochter in Krankheit und stirbt, weil ein Band ihr
versagt blieb, das die Natur gebot. Dort wird eine entf�hrt oder
schwanger und alle v�terlichen Berechnungen werden zu Schanden. Und
welch eine Verlegenheitsquelle sind T�chter ohne Aussteuer? Um sich
zu erleichtern, schlie�t der Vater die Augen �ber die Freiheiten
der Sch�nsten, damit ihm die Kosten ihres Flitterstaats erspart
bleiben. Die wenigst Sch�ne steckt er in ein ewiges Gef�ngni�,[18]
ihr sagend, da� sie gl�cklicher sein werde, wenn sie Gott diene.
Oder er hat eine Tochter verheiratet, aber die Verbindung geht zu
Grunde, und statt eine Tochter los und ledig zu sein, hat er sie
und ihre ruinirte Familie zu erhalten. Und so lie�en sich noch
viele F�lle der Entt�uschung anf�hren.�
[Fu�note 18: Das Kloster, ein in Frankreich in sogenannten
besseren Familien, wo das n�thige Verm�gen zu einer Aussteuer
fehlt, oft vorkommendes Auskunftsmittel, sich unbequem gewordener
T�chter zu entledigen. Der Verfasser.]
�Da kommt die Moral und beweist an einigen gl�cklichen Ausnahmen,
welche segensreiche, Gl�ck bringende Einrichtung diese Ehe unserer
Zivilisation sei, aber die gro�e Majorit�t, die dieses Gl�ckes
beraubt ist, sieht und empfindet dieses Gl�ck nicht. V�ter wie
Kinder sind in falscher Position, die gute Ordnung beruht auf einem
mehr oder weniger maskirten Zwang, und dieser Zwang erstickt die
Zuneigung; er reduzirt das Familienleben zu einem Trugbild. Die
Eltern erhalten das wahre Gl�ck nur in einer Ordnung, die den
W�nschen der Natur entspricht, aber unsere Moralisten haben nie
eine Studie �ber die Beziehungen der Liebe gemacht. Ein Beispiel
lehrt dies.�
Fourier bezieht sich hier zum Beweis f�r die Richtigkeit seiner
Anschauung �ber die Moralisten auf einen Vorgang, der ihm zufolge
im Pensionat des ber�hmten Pestalozzi in Yverdon vorgefallen sein
soll, und er verspottet hierbei zugleich die sogenannte intuitive
Methode, nach der Pestalozzi bei seinem Erziehungssystem verfuhr.
Wie weit der zu erz�hlende Vorfall auf Wahrheit beruht, k�nnen wir
nicht kontroliren, inde� sind �hnliche Vorg�nge auch heutzutage
durchaus nichts Seltenes. Fourier erz�hlt also, da�, w�hrend
Pestalozzi in seinem Institut nach seiner intuitiven Methode
J�nglinge und junge M�dchen unterrichtete, er gar nicht gewahr
wurde, wie diese unter sich nach der sensitiven Methode handelten.
Daraus entstand denn eines Tages eine schreckliche Entdeckung. Es
gab ein f�rchterliches Durcheinander. Es ward entdeckt, da� eine
Anzahl der Sch�lerinnen theils durch Lehrer, theils durch Sch�ler
schwanger geworden war, wor�ber, sehr begreiflich, der ber�hmte
Lehrer ganz au�er sich gerieth, der, wie Fourier boshaft
hinzusetzt, �bei dem Gr�beln �ber seine intuitiven Subtilit�ten
ganz und gar vergessen hatte, der Intuition der Liebe Rechnung zu
tragen�. �W�hrend so die Philosophen die Triebe unterdr�cken
wollen, kommen diese und unterdr�cken unvermutheter Weise die arme
Philosophie. Es zeigt sich hier, da�, wie immer man sich in der
Zivilisation der Freiheit n�hern will, sei es in Sachen der Liebe,
sei es in Sachen der anderen Triebe, man f�llt stets in einen
Abgrund von Sottisen, weil die Freiheit nur im soziet�ren Zustand
zur Geltung kommen kann, wovon die Moral keine Ahnung hat.�
Fourier sagt dann weiter: Die Freiheit zu besitzen und zu sichern,
sei der Wunsch des Menschengeschlechtes, aber das k�nne man nicht,
ohne den Mechanismus der Gegengewichte zu kennen, die den Mi�brauch
der Freiheit verh�teten. Deshalb tappte bisher der menschliche
Geist im Finstern und fielen alle Neuerer, die revolution�ren
Politiker, mit ihren Versuchen, wie die Pestalozzi und Owen und
andere politische Halsbrecher, stets von der Charybdis in die
Skilla.
Es ist nicht uninteressant, hier auch ein Urtheil anzuf�hren, das
Fourier �ber Kant und, indem er �ber die Methode Pestalozzi's
spricht, �ber die Deutschen �berhaupt f�llt. Er sagt �ber Kant:
Welches Wesen habe man von ihm gemacht. Er sei der erste
Metaphysiker der Schule. Kein Anderer solle wie er mit analytischer
Gr�ndlichkeit �ber die Wahrnehmungen der Anschauungen des
Erkenntni�verm�gens, die Willens�u�erung der Empfindungen, Klarheit
gebracht haben. Er sei ein Eroberer, der Alles an sich rei�e, der
das Angesicht der Wissenschaft g�nzlich �ndere. Er (Fourier) habe
zu diesem Urtheil �Ja� gesagt, obgleich er nicht die F�higkeit
besitze, �ber Kant oder die anderen Ideologen ein Urtheil
abzugeben; er habe nie eine Zeile von ihrer Wissenschaft begriffen,
was ihn aber nicht verhindere, �ber ihre Bedeutung auf Grund der
vorliegenden _Resultate_ zu urtheilen. Heute rangire man die alten
Ideologen unter die Alchimisten, man betrachte ihre Lehren als
Visionen; damit sei nicht gesagt, da� die modernen Ideologen mit
den Chemikern auf eine Stufe zu stellen seien, denn diese st�tzten
sich auf die Erfahrung. Die Ideologen, Kant nicht ausgenommen,
seien Sch�ngeister, Rechthaber (�ergoteurs�), die in einem
Jahrhundert zu Ansehen k�men, das, wie das unsere, neue
G�tzenbilder brauche.
Charakteristisch an diesem Urtheil ist die Offenheit, womit Fourier
zugiebt, Kant nie verstanden zu haben; damit, k�nnte man sagen, sei
auch das Urtheil �ber Fourier gesprochen, und doch th�te man ihm
Unrecht, denn f�r ihn entscheiden, wie er selbst sagt, die
greifbaren Resultate, und diese allein. Fourier ist trotz aller
Spekulationen, denen er selbst in seiner Ideenentwicklung verf�llt,
eine durchaus auf das Konkrete gerichtete Natur. Eine Spekulation,
die keine praktischen Resultate f�r das Leben verspricht, verwirft
er. Da� Kant mit Begriffen operirte, �ber Begriffe spekulirte,
scheint ihm eine unfruchtbare Arbeit; eine solche Wissenschaft kann
f�r die Menschen, die, nach ihm, nur das Gl�ck wollen und zwar
sichtbar und greifbar, keine Wissenschaft sein. Die Philosophie
m�ht sich ab, den Begriff des Gl�cks zu definiren, Fourier ist
damit sehr rasch fertig: Gl�ck hei�t volle Befriedigung aller
Triebe des Menschen, suchen wir also ihm diese Befriedigung zu
verschaffen. Was nicht darauf abzielt, ist, nach seiner Meinung,
vom Uebel, metaphysische Spekulation ohne Werth; die Praxis und die
Erfahrung entscheiden.
So urtheilt er auch weiter absprechend �ber Pestalozzi. Nach ihm
ist Pestalozzi der praktische Metaphysiker, wie Kant der
theoretische. Sein (Pestalozzi's) Institut sei jedenfalls das beste
in Europa, es werde nach einer Methode geleitet, die von Montaigne
bis Jean Jacques Rousseau empfohlen worden sei. Das Pensionat sei
renommirt, und die Kinder seien stolz, ihm anzugeh�ren, wie der
Soldat stolz sei, in einem sch�nen Regiment zu dienen. Aber um das
Kind anzuregen, seinen Wetteifer zu entfachen, habe man nichts als
die intuitive Methode. Aber kein Kind bei�e an die Angel.
Pestalozzi gestehe selbst, da� er nur selten Kinder gewinne, und
da� zwei Drittel desertirten und ungeduldig w�rden. Dazu komme, da�
er wegen Mangel an Verm�gen das Pensionat nur mangelhaft ausstatten
k�nne. �Man traktirt vergeblich die Kinder mit der intuitiven
Methode, um sie �ber ihre Unbehaglichkeit zu tr�sten, sie wollen
nicht die von diesem ideologischen Dunst Get�uschten sein.�
Schlie�lich habe man die deutschen Kinder an diesen metaphysischen
Jargon gew�hnt. Das sei nicht zu verwundern. Deutsche Kinder seien
sehr geschmeidig, man bringe Tausende zum Gehorsam mit der
Erkl�rung: �Es mu� sein.� Die Deutschen seien eine Nation �von
Freunden der Ordnung�, der Deutsche sei ein Mechanismmus, den man
jederzeit mit dem: �es mu� sein� in Bewegung setzen k�nne, da sei
es leicht, die Kinder nach irgend welchen Zierereien der
Metaphysik, wie diese intuitive Methode, zu bilden, aber f�r die
Vortrefflichkeit der Erziehung beweise das nichts.
In Ausf�hrung seiner Theorie erkl�rt Fourier weiter, da�, bevor die
Bedingungen, unter denen die von ihm dargelegten Prinzipien freier
Liebe sich verwirklichen k�nnten, mehrere Generationen im
phalansteren System vergehen m��ten. Das Geschlecht m�sse erst dazu
gesund erzogen und vorbereitet sein. Zun�chst gelte es, die
Syphilis, die ganze Geschlechter geschw�cht habe, vollst�ndig
auszurotten, dann die politischen Hindernisse des Verkehrs der
Geschlechter zu beseitigen; das Schwierigste aber sei, zu
verhindern, da� nicht in dem Augenblick, wo man der Liebe gr��ere
Freiheit gebe, die geheime und korporative Orgie -- worunter
Fourier den ungeregelten, durch kein System der Serien der Triebe
gez�gelten Geschlechtsgenu� versteht -- hervorbreche. Die Orgie
k�nne nicht durch Unterdr�ckungsmittel verh�tet werden, sondern
durch die Oberherrschaft von Ehre und Tugend, erzeugt durch
Einrichtungen, wie er sie in Bezug auf das Vestalat vorgeschlagen.
Er glaubt ferner die Richtigkeit seiner Ansichten �ber die Liebe
aus dem neuen Testament beweisen zu k�nnen, eine Beweisf�hrung, die
bekanntlich bis in die neueste Zeit von den auf religi�ser
Grundlage beruhenden kommunistischen Sekten sowohl f�r die
Gemeinschaft der G�ter, wie f�r die Freiheit des
Geschlechtsverkehrs und die Gleichheit von Mann und Frau in's
Treffen gef�hrt worden ist, aber von Anderen und durch andere
Stellen des neuen Testaments ebenso bek�mpft wird.
Die Liebesbeziehungen, wie sie in der Zivilisation m�glich seien,
behauptet Fourier, z�gen die Jugend von den Arbeiten und den
Studien ab, sie erregten die Indolenz, die Frivolit�t und
verf�hrten zu unsinnigen Ausgaben. Umgekehrt werde in der Harmonie
die Liebe zur Kultur und zum Studium anreizen und den Eifer daf�r
verdoppeln.
Fourier geht nun dazu �ber, zu untersuchen, wie die verschiedenen
Geschlechter und Klassen f�r die neue Ordnung zu gewinnen seien und
wo man den Hebel ansetzen m�sse. Das einflu�reichste Geschlecht
seien die Kinder. Die Kinder wirkten auf die M�tter und die M�tter
und Kinder zusammen auf die V�ter; einem solchen Ansturm k�nnten
letztere nicht widerstehen. Unter den Klassen seien es die Reichen,
die auf die niederen Klassen den Einflu� h�tten. Es gelte, die
Reichen zu verf�hren, denn bequemten diese sich zur Arbeit in der
Serie, so w�rden die �brigen Klassen, durch deren Beispiel
angefeuert, erst recht eifrig bei der Sache sein. Welche Arbeiten
w�rden es also sein, die Reiche und Kinder am ehesten zum Eintritt
in die soziet�re Ordnung verf�hren k�nnten? Man merke wohl, es
handelt sich nicht um ein Ueberzeugen, um ein Wirken auf den
Verstand, sondern um ein Verf�hren, ein Wirken auf die
Leidenschaften und Triebe. Auf die Kinder wird den gr��ten Anreiz
gutes Essen und Trinken �ben, also die Gourmandis. Eine K�che f�r
sie und die freie Befriedigung ihrer Geschm�cker wird ihre ganze
Phantasie in Beschlag nehmen und gewinnen. Man wird also die Kinder
in Serien und Gruppen organisiren und sie mit der Herstellung der
gew�nschten Herrlichkeiten vertraut machen. Von jetzt ab werden sie
die eifrigsten Werber f�r die Phalanx werden. Dazu kommen die schon
erw�hnten anderen Anreize: Kleine Ateliers, kleine Werkzeuge,
k�rperliche Exerzitien und choreographische Uebungen mit
Vorstellungen, Ferien etc. in der Oper.
Die reiche Klasse wird anfangs z�gern; die Einzelnen werden in
diese und jene Serie treten und die Arbeit auf kurze Zeit
versuchen. Aber eingetreten, naht die Verf�hrung. Da ist ein
reicher Mann, Namens Mondor, der von Natur Hang zu Gartenarbeiten
hat. Er interessirt sich namentlich f�r Pflanzensamen, das Sammeln
der Fr�chte und ihre Konservirung. Nun liebt Mondor besonders
Rothkohl, den er an der Tafel der Phalanx ausgezeichnet findet;
auch hat er davon sch�ne Beete auf den Feldern der Phalanx gesehen.
Mondor l��t sich den Samen zeigen, untersucht ihn und giebt einer
Gruppe von S�ern einige gute Winke, wor�ber diese Mondor ihr Lob
zollen, dessen Eigenliebe dadurch geschmeichelt wird. Er tritt in
die Gruppe der S�er ein und betheiligt sich an ihren Arbeiten, aber
ohne andern Gruppen beizutreten. Den Tag nach diesem Engagement
erlebt Mondor, da� bei der Fr�hparade die Kinder ihn mit einer
Fanfare begr��en, worauf ein Herold vortritt und ihn zum
Baccalaureus des Rothkohls, in R�cksicht auf seine Kenntnisse f�r
diesen Zweig des Gartenbaues, ausruft. Dann tritt eine Vestalin
vor, welche ihm die Abzeichen dieser Serie �berreicht und ihn
umarmt. Darauf empf�ngt er die Begl�ckw�nschungen der Chefs, die
durch die Kinder mit einer neuen Fanfare begleitet werden. All das
gef�llt Mondor so, da� er sich entschlie�t, ganz in die Phalanx
einzutreten und an ihren Arbeiten seinen Neigungen entsprechend
theilzunehmen.
�Auf �hnliche Weise wird jeder reiche Mann und jede reiche Frau�,
meint Fourier weiter, �nachdem sie einige Tage in der Phalanx
zugebracht haben und allen Vorg�ngen gefolgt sind, gewonnen, und
sie werden �berrascht sein, pl�tzlich zwanzig und mehr industrielle
Anziehungen bei sich zu entdecken, die sie bisher selbst nicht
kannten. Es ist der h�ufige Wechsel in der freien Wahl der
Th�tigkeit, was ihnen besonders gef�llt. Der Einflu� dieser
parzell�ren Anwendungen, bald hierin, bald darin, wird die Wirkung
haben, da� sieben Achtel der Frauen sich f�r die verschiedensten
Besch�ftigungen der Hauswirthschaft interessiren, die ihnen heute
meist widrig erscheinen. Diese liebt nicht, sich mit der Pflege
kleiner Kinder abzugeben, sie wird aber gern in eine Gruppe
eintreten, die sich mit einem Zweig der Schneiderei oder N�hterei
befa�t; die andere will nicht am Herde stehen, sie ist dagegen
eingenommen f�r die Herstellung verzuckerter Kr�me und die Arbeiten
der Konservirung; umgekehrt werden Andere angenehm finden, was Jene
verwerfen. So werden die Frauen zwanzig und mehr Besch�ftigungen
finden, f�r die sie in der Zivilisation nicht die Mittel und die
Einrichtungen besa�en, oder die sie erm�deten und mi�stimmten, weil
sie dieselben ohne Abwechslung und bis zum �u�ersten Ma� ihrer
Kr�fte erf�llen mu�ten.�
�Gew�hnlich geben die Ehem�nner und Moralisten der Frau in der Ehe
wenig Geld, aber viel gute Rathschl�ge, und so finden die Frauen in
der Haushaltung nur Plackerei und Entbehrungen, wie die M�nner in
der Bodenkultur nur Erm�dung und Spitzb�berei finden. Der
immerw�hrende Wechsel der Besch�ftigung nach Wahl wird die
Hauptquelle der industriellen Anziehung und daraus werden andere
Anreize hervorgehen. Chloe hat mehrere Male an einer Tafel der
Serie der Lautenmacher servirt und hat aus den gepflogenen
Unterhaltungen Interesse f�r diese Besch�ftigung gewonnen; sie fa�t
eines Tages den Entschlu�, das Atelier derselben zu besuchen, und
was sie sieht und h�rt, gef�llt ihr so, da� sie beschlie�t, in die
Serie der Lautenmacher einzutreten. Ohne da� sie diese Gesellschaft
kennen lernte und ihr Atelier besuchte, w�rde sie nie Interesse und
Trieb f�r diese Besch�ftigung empfunden haben. Weiter: Sebastian,
ein junger Mann ohne Verm�gen, zerrei�t eines Tages an einem Haken
sein sch�nstes Kleid. Den n�chsten Tag entdeckt dies bei der
Ordnung von Sebastian's Zimmer eine der Zimmerordnerinnen und diese
bringt das Kleid zu den Ausbesserinnen, wo Celiante, eine reiche
Dame von f�nfzig Jahren, die Leitung hat. Celiante ist sehr
passionirt f�r solche Arbeiten und betrachtet sich selbst mit Stolz
als die Geschickteste in der Serie. Celiante kennt Sebastian, dem
sie mehrfach in Gruppen, in welchen er sich auszeichnete, begegnete
und empfindet Wohlwollen f�r ihn. Sie benutzt also diese
Gelegenheit, ihm ein Zeichen ihrer Wohlgeneigtheit zu geben, indem
sie selbst in meisterlicher Weise an Sebastian's Kleid die
Reparatur vornimmt. So wird der unverm�gende Sebastian in der
Phalanx von einer Dame bedient, die Million�rin ist. Solche
Begegnungen und Zuf�lle giebt es in der Phalanx t�glich in Menge,
die h�ufig auch zu ernsteren Beziehungen f�hren.�
�Die Leistung wird nie von Person zu Person bezahlt, die Phalanx
stellt sie in Rechnung; die Leistung erlangt dadurch den Charakter
der rein unpers�nlichen Beziehung. Arm arbeitet f�r Reich, Alt f�r
Jung und umgekehrt. Die Greise und Greisinnen, die zu keiner
Leistung mehr verpflichtet sind, werden es sich zum besonderen
Vergn�gen machen, die Kinder in den Th�tigkeiten zu unterweisen,
f�r die sie selbst ein lebhaftes Interesse besa�en, oder noch
besitzen; sie werden in diesen Kindern die Erben und Nachfolger
ihrer Lieblingsbesch�ftigungen erblicken, und ein Kind ohne
Verm�gen wird h�ufig von ihnen adoptirt oder mit Legaten bedacht
werden. In der Phalanx hat Jeder die Gewi�heit, da� er in seinen
Lieblingsvergn�gen und Besch�ftigungen Nachfolger findet, in der
Zivilisation nicht. Die Natur scheint ein solches Verh�ltni�
zwischen Eltern und Kindern h�ufig nicht zu beg�nstigen, indem die
S�hne oft ganz andere Neigungen und Anlagen als die V�ter haben,
wor�ber in der Zivilisation die Eltern oft bitter klagen.�
�Im Widerspruch mit dem auf Ausgleichung und Uebereinstimmung
berechneten Charakter der Harmonie l�uft die Zivilisation darauf
hinaus, die verschiedensten Klassen und Lebensalter miteinander zu
�berwerfen. Eltern und Kinder, Vorgesetzte und Untergebene,
Unternehmer und Arbeiter befinden sich meist in Differenzen �ber
Anschauungen und Neigungen, Befugnisse und Pflichten. Gehalt- und
Lohnfragen f�hren zu Streitigkeiten ohne Ende, und das pers�nliche
Kommando wird Gegenstand des Hasses, denn jedes willk�rliche
Befehlen ist dem�thigend f�r den, welcher gehorcht. Das pers�nliche
Regiment ist in der soziet�ren Ordnung unm�glich; Alles ordnet sich
nach freier Uebereinkunft und passioneller Zustimmung. In einem
Solchen Zustande giebt es keine Willk�r in der gegebenen Ordnung,
nichts Beleidigendes im freiwilligen Gehorchen. Da, wo die
zivilisirte Ordnung mit ihrer Privatwirthschaft und ihren
abh�ngigen Existenzen stets zwei- und dreifache Disharmonie und
Unordnung schafft, erzeugt der soziet�re Zustand drei- und
vierfache Freude, Bande der Uebereinstimmung jeder Art.�
�Aber der soziet�re Zustand wird auch h�ufig zu gemischten Gruppen
und Serien greifen m�ssen, in denen ein uns fremder und von uns
ver�chtlich behandelter Geschmack, f�r den wir keine Verwendung
haben, zur Anwendung kommt. Zum Beispiel, wenn es sich um
Ausf�hrung einer schwierigen, nicht sehr angenehmen Arbeit handelt,
wie die, einen Berg mit der Anpflanzung eines Forstes zu kr�nen.
Hierf�r wird man kaum eine Serie finden, die sich aus Trieb mit der
ganzen Arbeit belasten will; man wird also gemischte Serien, die
nacheinander folgen, in's Spiel setzen m�ssen, denn man wird
Erdtransporte und grobe Arbeiten vorzunehmen haben. Man schickt
also zun�chst die Beginner (�initiateurs�) in's Treffen, d.h.
Leute, die alles Neue mit Feuereifer beginnen, aber nichts zu Ende
bringen, deren Strohfeuer nach einigen Sitzungen verraucht ist, die
aber �berall, wo es einen gef�hrlichen oder unangenehmen Schritt zu
thun giebt, bei der Hand und darum sehr werthvoll sind. Es sind
Charaktere, die man leicht stimuliren kann und die vor keiner
Schwierigkeit zur�ckschrecken. Bis sie erm�det sind, hat das Werk
ein anderes Angesicht gewonnen, und nun kommen die
_Gelegenheitscharaktere_ oder die _Wetterfahnen_ an die Reihe,
Leute, die sich mit jedem Winde drehen, immer die Ansicht des
zuletzt Gekommenen haben und f�r jede Neuheit, die Kredit erlangt
hat, zu gewinnen sind. Sie schw�ren, wenn sie das Unternehmen in
Angriff genommen sehen, da� es sehr plausibel sei, und werden sich
mit den Beginnern, die zur�ckgeblieben sind, verbinden. Darauf
folgen die Wunderlichen oder ewig Beweglichen, Leute, die sich in
Alles mischen, was _halb_ gethan ist, es modifiziren und um�ndern,
best�ndig ihre Th�tigkeit wechseln, einen guten Posten f�r einen
schlechten hergeben, ohne einen anderen Grund, als ihre nat�rliche
Unruhe. Sie machen sich eifrig an die Anpflanzung, sobald sie
sehen, da� die Arbeiten vorgeschritten sind, und man wird ihnen
jede nichts bedeutende Aenderung gestatten, um sie zu streicheln.
Diese werden mit dem Rest der Vorhergehenden einige Zeit bei ihrer
Arbeit aushalten. Dann folgen die _Cham�leons_ oder
_Ver�nderlichen_, eine in der Zivilisation sehr zahlreiche Klasse,
die immer dabei sind, wo eine Sache Erfolg hat. Sie werden bei
einem Werk nicht unth�tig bleiben wollen, das zu zwei Dritteln
beendet ist, sie werden die Arbeit bis ziemlich zu Ende f�hren,
aber dann sie verlassen. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die
Fertigmacher (�finiteurs�) antreten k�nnen. Das sind die Leute, die
sich immer erst dann f�r ein Werk begeistern, wenn sie es fast
vollendet sehen. Niemals erh�lt man f�r einen Anfang ihre Stimme,
sie erkl�ren jedes Unternehmen f�r unm�glich, f�r l�cherlich und
ergehen sich in �bertreibenden Anklagen gegen die, welche eine
Verbesserung beginnen, und behandeln als Narren oder hirnlosen
Neuerer Jeden, der etwas Gro�es unternimmt. Ist aber das Werk zu
drei Vierteln fertig, dann �ndern diese Aristarchen den Ton; sie
werden Lobredner von dem, was sie erst beschrieen und behaupten,
da� sie von vornherein das Unternehmen unterst�tzt, das ohne ihre
H�lfe nicht geworden w�re. Sie werden ihre Inkonsequenz nicht
gewahr und machen sich jetzt voll Hingebung an das Werk. Dieser
letztere Charakter ist sehr h�ufig in Frankreich; nach geschehener
That fordern die Franzosen alle Neuerungen zur�ck, die sie anfangs
verlachten.�
Fourier benutzt diese Gelegenheit, um seinen Landsleuten den Text
zu lesen �ber die Art, wie sie ihn selbst und seine Entdeckung
behandelten. In Sachen der Harmonie oder industriellen Anziehung
ermangelten sie nicht, sich als echte Fertigmacher, d.h. Leute,
die zuletzt kommen, wenn die Hauptarbeit gethan ist, zu zeigen. Sie
haben begonnen, ihn, den Entdecker und Autor der Phalanx, zu
beschimpfen, sp�ter werden sie die Gr�ndungsaktion�re verlachen,
dann, wenn sie die Vorbereitungen zu der Versuchsphalanx
vorschreiten sehen, werden sie sich eines Besseren besinnen und
schlie�lich in dem Moment der Er�ffnung die Aktien zum drei- und
vierfachen Preise zur�ckkaufen. Nun werden sie behaupten, da� sie
den Autor von Anfang an protegirt und bewundert haben und ihn in
seiner Entdeckung ermuthigten. Und wie die Extreme sich ber�hrten,
so seien die Franzosen gro�e Unternehmer f�r bekannte Dinge, die
Andere probirt. Kein Volk neige mehr dazu wie sie, Alles zu
beginnen, aber ohne etwas zu beenden, den Plan der Arbeit zu
�ndern, wenn er zur H�lfte vollendet sei. Nie sehe man einen Sohn
einen Plan vollenden, den der Vater begonnen, nie einen Architekten
einen Plan fortf�hren, den sein Vorg�nger angefangen. Die Franzosen
seien Wetterfahnen, die sich nie an einen bestimmten Geschmack, nie
an eine Meinung b�nden, pl�tzlich von einem Extrem in's andere
fielen und das Widerstreitendste zu verbinden suchten. Vor einem
halben Jahrhundert seien sie voll Verachtung f�r den Handel gewesen
und heute l�gen sie voll kriechender Schmeichelei vor ihm auf dem
Bauch; ehemals r�hmten sie sich ihrer Rechtschaffenheit und heute
seien sie ebenso betr�gerisch im Handel wie Chinesen und Juden.
Kurz, der nationale Charakter der Franzosen sei in jeder Beziehung
ein Gemisch von Gegens�tzen, und wenn k�nftige Geschichtsschreiber,
in der Harmonie die Geschichte der Zivilisation schreibend, die
Charaktere klassifizirten, w�rden die Franzosen als Typus der
Widerspr�che an der Spitze der Stufenleiter stehen.
Wie Fourier seine Landsleute kannte, geht auch noch aus einer
anderen Stelle seiner Schriften selbst hervor, wo er von zwei
Personen ein Zwiegespr�ch �ber sich und sein Werk f�hren l��t.
Wir lassen die amusante Stelle hier folgen:
�Was steht in diesem Buch �ber die Anziehung? -- Bah! Narrheiten.
Der Mensch, der es schrieb, behauptet, da� man bisher die
Entdeckung �ber die Bestimmungen verfehlt habe; da� dem
Menschengeschlecht ein unerme�liches Gl�ck vorbehalten sei; da�
eine Berechnung �ber die universelle Harmonie der Triebe existire;
da� diese strebten, eine neue soziale Ordnung zu gr�nden, welche
nichts mit der Unordnung der Zivilisation zu thun habe und ihr
entgegengesetzt sei; eine Ordnung, in der alle V�lker in Freuden
schw�mmen und trotz der Ungleichheit der Verm�gen f�r Alle
Ueberflu� herrsche; eine Ordnung, wo die Arbeit anziehender werde,
als unsere B�lle und Schauspiele; eine Ordnung, die, sobald sie nur
versuchsweise an einem Orte eingef�hrt sei, von allen V�lkern der
Erde ohne Unterschied des Kulturgrades mit Begeisterung angenommen
werde! -- Das ist ein gigantischer Roman, wie je einer existirte;
gro�artig in Wahrheit, aber unm�glich. Alle unsere Philosophen
h�tten sich also get�uscht, wenn der Autor Recht h�tte; so viel
wissenschaftliche Erleuchtung von Plato und Seneka bis Montesquieu
und Rousseau sollte ein Nichts sein? Unm�glich; sicherlich tr�umt
dieser Mensch. Und wer ist er? Ein Akademiker, ein ber�hmter
Philosoph? -- Nein! es ist einer der unbekanntesten Provinzialen.
-- Bah, ihm mangelt der gesunde Verstand! Ja, ja, die Provinz
liefert solch originelle K�uze!�
* * * * *
Fourier stellt im weiteren Verlauf seiner Ausf�hrungen ferner die
These auf, da� im soziet�ren Regime die Gourmandise die Quelle der
Einsicht, der Aufkl�rung und sozialen Uebereinstimmung werde und
begr�ndet diese uns sehr fremd erscheinende These also:
Kein Trieb sei �bler angesehen, als die Gourmandise
(Leckerm�ulerei). K�nne man aber annehmen, da� Gott als Laster
einen Trieb betrachtet haben wolle, dem er eine so gro�e Herrschaft
gegeben? Seine Herrschaft sei die allgemeinste. Andere Triebe, wie
Liebe, Ehrgeiz �bten nur auf das reife und m�nnliche Alter mehr
Einflu�, aber die Gourmandise verliere niemals ihre Herrschaft �ber
die verschiedensten Alter, Klassen und V�lker, sie sei permanent
bis zum Lebensende; sie herrsche �ber die Kinder wie �ber die
Erwachsenen. Man habe Soldaten Revolutionen machen sehen, um sich
betrinken zu k�nnen, und der Wilde, der die Zivilisation
verabscheue, gebe sich f�r eine Flasche Branntwein zur Arbeit her
und verkaufe f�r eine Flasche starken Liqueurs seine Frau und
Tochter. W�rde das Menschengeschlecht so gebieterisch diesem Trieb
unterworfen sein, wenn er nicht zu einer hochwichtigen Rolle in dem
Mechanismus unserer Bestimmung ausersehen w�re? Und wenn nun dieser
Mechanismus die industrielle Anziehung sei, m�sse dieser sich dann
nicht innig mit diesem gastronomischen Trieb -- der Gourmandise --
verbinden? Sie m�sse in der That das allgemeine Band der
industriellen Serien, die Seele ihrer alles bewegenden Intriguen
bilden. In der Zivilisation k�nne die Gourmandise nicht mit der
Arbeit verbunden sein, weil der Produzent selbst nicht genie�e, was
er erzeuge. Die Befriedigung dieses Triebes sei hier Vorrecht der
M��igen und dadurch _allein_ werde er lasterhaft, wenn er es nicht
schon durch die Ausgaben und die Exzesse, die er erzeuge, w�re. --
�In der Harmonie spielt die Gourmandise die entgegengesetzte Rolle,
sie ist nicht Belohnung des M��igganges, _sondern der Arbeit_, denn
der Aermste nimmt Theil an den werthvollsten Genu�artikeln. Sie
wird ihn, Kraft der Abwechslung vor Exzessen bewahren, aber indem
sie die Intriguen der Konsumtion mit denen der Produktion
verbindet, wird sie die Arbeit stimuliren. Wollen Alle die h�chsten
Tafelfreuden genie�en, so m�ssen Alle sich anstrengen, die
vorz�glichsten Qualit�ten der Nahrungsmittel zu erzeugen. Das
Mittelm��ige wird verschwinden und binnen wenig Jahren wird aller
Boden so kultivirt sein, da� er nur noch das Beste tr�gt. Man wird
die Eigenschaften des Bodens zur h�chsten Vollkommenheit zu bringen
suchen; man wird gute Erde anfahren, wo jetzt schlechte ist, und wo
der Boden nicht zu verbessern ist, ihn aufforsten. Acker- und
Gartenbau m�ssen mit der Industrie wetteifern. In der ganzen
Phalanx mu� das Prinzip herrschen, durch alle m�glichen
Verbesserungen: Nahrungsmittel, Kleidung, M�bel und Alles, was zur
Erh�hung der Lebensannehmlichkeiten beitr�gt, zu stetig steigender
Vervollkommnung zu bringen. Dies Prinzip erkennen auch die
Moralisten an, die gegen den schlechten Geschmack des Publikums
eifern. Aber in diesem, wie in allen anderen, ist die Moral in
Widerspruch mit sich selbst; sie will Literatur und K�nste heben
und verbessern, aber sie will uns in der _wesentlichsten_ Branche,
in der _materiellen Lebenshaltung_, im Zustand der Rohheit halten,
obgleich grade hier der Keim ist, der die industrielle Anziehung
gebiert und das Bed�rfni� nach Vervollkommnung weckt. So wenden die
Moralisten da ihr Prinzip zuerst an, wo es _zuletzt_ angewandt
werden sollte.�
�Man mu� in der Phalanx alle Geschm�cker entwickeln, selbst die
bizarrsten, namentlich auch bei den Frauen, die oft eine starke
nat�rliche Neigung zu Gen�ssen haben, die mit dem guten Ton sich
schwer vertragen. Die Gastronomie ist es zun�chst, welche die
Zur�ckf�hrung zur Natur bewerkstelligen wird, wenn man ohne
Aufschub das Hervorbrechen industrieller Serien f�r die
Ausgleichung der Triebe erreichen will. Beispiel: Ein neunj�hriges
M�dchen liebt allem L�cherlichmachen zum Trotz den Knoblauch. Man
spekulirt also auf diesen Geschmack durch ein doppeltes
Ineinandergreifen von Umst�nden. Zun�chst auf die Vermischung der
Geschlechter in einer Serie; denn die Serie, welche zwiebelartige
Gew�chse kultivirt, wie Knoblauch, Zwiebeln, Schnittlauch,
Schalotten, besteht gew�hnlich aus M�nnern. Man mu� ihr also ein
Achtel Frauen zuf�hren, die man aber meist im jugendlichen Alter
wird suchen m�ssen, da selten ein M�dchen �ber 16 Jahren am
Knoblauch Geschmack finden d�rfte. Man wird zweitens aber auch die
Vermischung der Arbeiten bei den Individuen herbeif�hren m�ssen.
Ein junges M�dchen liebt den Knoblauch, aber es liebt nicht das
Studium der Grammatik, wohingegen ihre Eltern w�nschen, da� sie den
Genu� des Knoblauchs unterlasse, aber sich den Studien hingebe.
Diese W�nsche sind in doppelter Beziehung gegen ihr Naturell. Man
sucht also lieber Beides in doppeltem Sinne zu entwickeln. Sie
steht im Garten und an der Tafel mit Liebhabern des Knoblauchs in
Beziehung, und so erh�lt sie eines Tages von Marzellus eine Ode zum
Lobe des Knoblauchs beh�ndigt. Lebhaft pikirt �ber die L�sterer des
Knoblauchs, ist sie beeifert, die Ode kennen zu lernen. Man benutzt
also die Gelegenheit, um sie in freier Weise in die Sch�nheiten der
lyrischen Poesie, des Versma�es einzuf�hren; vielleicht kann sie
sich eher f�r die Poesie als f�r die Grammatik begeistern, und so
f�hrt man sie von einem Studium zum andern. In dieser Weise
verbindet die soziet�re Erziehung den kabalistischen Geist und den
Hang zum Bizarren, um bei einem Kinde die Neigung f�r die Studien
zu wecken, es indirekt zu einem Studium zu f�hren, das es ohne
irgend eine stimulirende Intrigue zur�ckgewiesen haben w�rde. Es
ist unzweifelhaft der nat�rlichste Weg, mit H�lfe solcher Intriguen
die Kinder zur Initiative f�r die Arbeit zu gewinnen; man benutzt
die Gourmandise als Mittel zum Zweck.�
Fourier vergleicht den Geschmackssinn mit einem Wagen, der auf vier
R�dern l�uft, die bezeichnet werden k�nnten mit Gastronomie,
K�chenwirthschaft, Konservirung und Kultur der Lebensmittel. In der
Zivilisation finde man es zwar h�ufig gerechtfertigt, die Kinder in
die drei letzteren Th�tigkeitszweige nach M�glichkeit einzuweihen,
aber von der ersteren, der Hauptsache, halte man sie fern, sie
gelte als ein Uebel. Die Gastronomie werde allerdings erst dann als
Wissenschaft zu Ehren kommen, wenn sie den Bed�rfnissen Aller
gen�ge. Gegenw�rtig sei es Thatsache, da� die Menge, statt in Bezug
auf guten Tisch Fortschritte zu machen, mehr und mehr zur�ckkomme
und immer schlechter sich n�hre; ihre Nahrungsmittel lie�en sowohl
bez�glich ihrer Nahrhaftigkeit als ihrer Menge zu w�nschen �brig.
Wohl sehe man in Paris einige Tausend sich den Bauch pflegen und am
Besten sich g�tlich thun, aber Hunderttausende bek�men nicht einmal
eine nat�rliche Suppe. Die Bouillon sei nur Schein, man bereite sie
aus ranzigem Speck, Talg und fauligem Wasser. Der Handelsgeist sei
im Wachsen und die niederen Klassen w�rden mehr und mehr von seinen
Betr�gereien erdr�ckt. Die Gastronomie sei nur unter zwei
Bedingungen lobenswerth, einmal, da� sie direkt f�r die produktiven
Funktionen angewendet, mit den Arbeiten f�r die Kultur des Bodens
und der Vorbereitung in Haus und K�che verbunden werde und der
Gastronom, also der Genie�ende, selbst dabei th�tig sein m�sse;
dann, da� sie zum Wohlsein der arbeitenden Menge in Anwendung komme
und so das Volk an den Raffinements eines guten Tisches Theil
nehme, der jetzt nur f�r die M��igg�nger vorhanden sei. Dieser
Zweck werde erreicht, wenn alle auf die Konsumtion abzielenden
Funktionen sich so zu sagen um die Gourmandise raillirten, denn
letztere werde stets anziehend bleiben; sie m�sse also die Basis
des Geb�udes bilden, wenn man dieses dauerhaft errichten wolle.
Unsere Philosophen stellten zwar das Prinzip auf, da� im System der
Natur Alles verbunden sei, aber in unserm industriellen System sei
nichts passionell verbunden. Die Industrie m�sse durch auf die
Gourmandise berechnete Serien ihre Verbindungen bilden, diese durch
Trieb wie Anregungen an der Tafel zu den Arbeiten in der K�che, der
Konservirung der Nahrungsmittel und dem Garten- und Feldbau f�hren.
Kein Trieb habe mehr Anziehung, als derjenige des Geschmacks, um
ein Ineinandergreifen der Th�tigkeiten herbeizuf�hren; aber in der
Zivilisation arbeite man diesem Trieb am Heftigsten entgegen, und
zwar sei es haupts�chlich jene Verbindung, die ihrer Natur nach
stets nur die Beschr�nktheit und die Einseitigkeit aufrecht
erhalte: _das Familienband_.
* * * * *
Fourier beurtheilt den Kulturgrad einer Gesellschaft nach der
Stellung, welche die Frau in derselben einnimmt, ein heute
allgemein getheilter Standpunkt. Er geht aber weiter und macht die
Gesellschaftsentwicklung �berhaupt von der Stellung der Frau
abh�ngig; nach ihm geht die Ver�nderung in der Stellung der Frau
einem neuen Kulturzustand voraus, was nicht richtig ist, sondern
diese Ver�nderung ist Folge. Wohl hat die b�rgerliche Gesellschaft
scheinbar Recht, und so urtheilt Fourier, da� die monogamische Ehe
mit ihren legitimen Kindern Grundlage ihrer Gesellschaft ist, aber
dieser monogamischen Ehe _voraus_ geht das b�rgerliche Eigenthum,
der Privatbesitz an Grund und Boden und an den Produktionsmitteln.
Der Privateigent�mer ist bestrebt, sein Eigenthum zusammenzuhalten,
auch �ber seinen Tod hinaus; er will in seinem Eigenthum
gewisserma�en fortleben. Er sucht also einen Erben, der seinen
Intentionen gem�� sein Eigenthum verwaltet und wo m�glich vermehrt.
Wo kann er diesen seinen Intentionen entsprechenden Erben besser
finden, als in dem von ihm selbst gezeugten Kinde, das vielleicht
auch der Erbe seiner Charaktereigenschaften ist und das er vor
allen Dingen durch die Gewalt, die er �ber es aus�ben kann, seinen
Absichten gem�� zu bilden und zu erziehen suchen wird? Damit aber
der Erbe auch sein wirklich _legitimer_ Erbe sei, mu� er m�glichst
sich vor der Gefahr sichern, die Kinder eines Fremden als die
seinen ansehen zu m�ssen, und deshalb umgiebt er die Ehe mit all
den gesetzlichen Zwangseigenschaften, die sie heute besitzt.
Die b�rgerliche Ehe ist also mit dem b�rgerlichen Eigenthum innig
verwachsen, _sie geht daraus hervor_, und es ist ein ganz falscher
Schlu�, den Fourier macht, wenn er glaubt, in der b�rgerlichen Ehe
das Haupt�bel sehen zu m�ssen, das der Umwandlung des b�rgerlichen
Zustandes in seinen soziet�ren sich entgegenstellt. Er ist von
seiner Ueberzeugung, da� nur die Einehe das Hinderni� f�r den
Ausgang aus der Zivilisation bilde, so durchdrungen, da� er dem
Konvent vorwirft, dadurch die Revolution in ihrer Wirkung
beschr�nkt zu haben, da� er vor der Ehe stehen geblieben sei. Wie
konnte er nur eine halbe Ma�regel, wie die Ehescheidung, guthei�en?
Es waren die Philosophen, durch welche der Konvent sich gefangen
nehmen lie�, sonst h�tte nach seiner Meinung es geschehen k�nnen,
da� die Revolution von 1793 eine zweite gebar, die eben so
wunderbar gewesen w�re, als die erste entsetzlich war.
An sich ist es vollkommen richtig, wenn Fourier die H�he eines
Kulturzustandes bemi�t nach der Stellung, welche die Frau in ihm
einnimmt, es ist aber falsch, wenn er die Stellung der Frau als das
Prim�re, die Eigenthumsverh�ltnisse als das Sekund�re ansieht. Das
Umgekehrte ist die Wahrheit. Im gesellschaftlichen Urzustand
herrscht der Kommunismus an Grund und Boden, und wo dieser
herrschte oder noch herrscht, existirt auch �berall die freie
Liebe, eingeschr�nkt durch gewisse Grenzen, die der allzunahen
Blutsverwandtschaft gezogen werden. In diesem Zustand herrscht auch
das Mutterrecht; wohl l��t sich die Mutter, aber nicht der Vater
des Kindes nachweisen. In dem Ma�e, wie die Eigenthumsverh�ltnisse
sich �ndern, �ndern sich auch die Beziehungen der Geschlechter. Mit
der Entstehung von pers�nlichem Eigenthum wird auch die Frau
pers�nliches Eigenthum, und da sie zugleich Arbeitsmittel wird,
entsteht die Polygamie. Es giebt jetzt viele M�tter, aber einen
Vater. Aber der Vater, der T�chter besitzt, w�nscht seinen
T�chtern, wenn er sie verheirathet, eine bevorzugte Stellung unter
den anderen Frauen. Dieser Wunsch ist der Wunsch aller Eigenth�mer,
ihre W�nsche begegnen sich und man sucht durch gr��ere Mitgift die
Befriedigung dieser W�nsche zu erleichtern. Das Heirathsgut ist der
Preis. Noch aber sind die T�chter im Gegensatz zu den S�hnen des
Erbrechts beraubt. Allm�lig erlangen sie auch dieses, sei es als
Kaufpreis neben dem Heirathsgut, sei es als Tochter, die keine
konkurrirenden Br�der hat. Damit kommt die Frau in die Lage, wo
sie, statt der bevorzugten Frau, die _einzige_ Frau wird. Aus der
Polygamie wird allm�lig die Monogamie. Eigenthum und Erbrecht in
ihrer weiteren Entwicklung sind die Klammern, welche die Einehe
zusammenhalten, und da die Eigenth�mer auch die Gesetzgeber sind,
wird die Einehe, ganz abgesehen von dem Mangel an materiellen
Mitteln, der bei Privateigenthum den meisten M�nnern es unm�glich
macht, mehrere Frauen ern�hren zu k�nnen, Zwangsordnung auch f�r
Jene, die kein Eigenthum und folglich nichts zu vererben haben. Die
hierarchische Ordnung und die Gesetze, d.h. der Zwang, kommen
stets von Oben, _sie sind die in Paragraphen formulirten Interessen
der herrschenden Klassen_. Der Kampf gegen diese Ordnung geht stets
von Unten aus, und aus diesem Kampf, der selbst wieder auf der
Entwicklung der sozialen und materiellen Lebensbedingungen der
Masse beruht, entsteht der gesellschaftliche Fortschritt. Mu�ten
also hiernach Fourier's positive Vorschl�ge, weil sie auf einer
falschen Grundanschauung beruhten, negativ bleiben, so hat hingegen
seine negative Kritik an den bestehenden Zust�nden sehr positiv
gewirkt.
Fourier geht nunmehr dazu �ber, die b�rgerliche Familie, die er als
das Haupthinderni� seines Systems ansieht, in ihrem Wesen zu
kritisiren. Halten wir seinen Hauptgedankengang fest: Gott hat die
Welt erschaffen, und da er sie erschaffen hat, mu� er sie auch gut
erschaffen haben, sonst k�me er in Widerspruch mit sich selbst. Der
Mensch ist das von Gott geschaffene h�chste lebende Wesen, f�r den
er, wenn die Welt �berhaupt einen Zweck haben soll, diese Welt
erschaffen hat. Wie die Welt gut, so soll der Mensch, dem Willen
Gottes entsprechend, gl�cklich sein. Statt dessen sehen wir die
gro�e Mehrzahl ungl�cklich, und zwar ungl�cklich, weil sie die
Triebe, die Gott ihnen gegeben, nicht befriedigen k�nnen. Aus
Unkenntni� ihrer Natur und ihres Zwecks haben sie sich eine Ordnung
gegeben, in der diese Triebe meist unterdr�ckt werden, zur
Einseitigkeit gelangen, kurz ihren Zweck verfehlten. Die
Einheitlichkeit, d.h. die volle Harmonie zwischen den Menschen und
der Welt und der Welt und Gott, ist aber der gro�e Zweck Gottes,
und um diese Einheitlichkeit zu erm�glichen, ist die Vielseitigkeit
der Beziehungen auf ausgedehnter Stufenleiter die einzige L�sung.
Dieser Vielseitigkeit der Beziehungen und der Ausdehnung derselben
auf alle Menschen und die sie umgebende Natur steht die isolirte
Wirthschaft des Menschen entgegen. Diese isolirte Wirthschaft ist
aber nur wieder Folge des m�glichst kleinsten Gruppenbandes, der
Ehe, resp. Familie, �ergo� m�ssen Ehe und Familie in ihrer heutigen
Gestalt verschwinden.
In diesem Gedankengang bewegt sich Fourier und von diesem
Standpunkt aus kritisirt er die Ehe und Familie, wobei der Leser
beachten will, da� Fourier haupts�chlich Pariser und
gro�st�dtisches Leben seiner Kritik zu Grunde legt. Er f�hrt
weiter aus:
�In der Zivilisation ist das System der Liebe ein System
allgemeinen Zwangs und in Folge davon allgemeiner Falschheit. Wie
im Handel so sind auch in Sachen der Liebe die Schutzma�regeln
(�prohibitions�) und die Kontrebande unzertrennlich. Wo die Liebe
mit Schutzma�regeln umgeben wird, darf man auf deren allgemeine
Uebertretung rechnen. Schon daraus folgt, da� alle Familienbeziehungen
verdorben sind. Der Gatte wird durch seine Frau betrogen, die
Tochter verheimlicht ihm ihre Beziehungen und dies wirkt zur�ck auf
seine Treue in der Ehe. Die schmachvollste aller sozialen Perfidien
ist, da� er nicht selten �ber den Ursprung seiner Kinder get�uscht
wird, ein Vorkommni�, das auf der B�hne zum Gegenstand des Spottes
und der L�cherlichmachung dient.�
�Diejenigen, die beanspruchen, die Wahrhaftigkeit in die sozialen
Verh�ltnisse einzuf�hren, ohne darunter auch die Beziehungen der
Liebe zu begreifen, sind mit Blindheit geschlagen. Sie scheinen
nicht zu wissen, da� die Liebe eine der vier Hauptleidenschaften
ist und eine der m�chtigsten; ist sie gef�lscht, so gen�gt dies, um
durch ihren Kontakt den Mechanismus des ganzen sozialen Systems zu
f�lschen. Wer glaubt, hier F�lschungen zulassen zu k�nnen, handelt
wie eine Regierung, die um eine achtzig Meilen lange Grenze gegen
die Pest abzusperren, sich begn�gt, sechzig Meilen durch einen
Truppenkordon zu besetzen und den Rest der freien Passage den
Pestkranken offen l��t ...�
�Die Welt besteht aus Betr�gern und Betrogenen, und so sollte man
annehmen, da� die �ffentlichen Einrichtungen die dem Betrug
ausgesetzte Klasse sch�tze. Die Ehe, scheint es, ist ganz im
Gegentheil eine Einrichtung zum Nachtheil der vertrauenden Leute,
sie scheint erfunden zu sein, um die Verderbten zu belohnen. Je
schlauer ein Mann ist und sich durch Verf�hrungsk�nste auszeichnet,
um so leichter gelangt er zu einer reichen Heirath und gewinnt die
�ffentliche Achtung. Man bringe die infamsten H�lfsmittel in
Anwendung, um eine reiche Partie zu machen, sobald es ihm gelingt,
zu heirathen, ist er ein kleiner Heiliger, ein Muster von Tugend.
Erwirbt Jemand pl�tzlich ein gro�es Verm�gen dadurch, da� es ihm
gelang, ein junges M�dchen zu gewinnen, so ist das ein der
�ffentlichen Meinung so gut gefallendes Resultat, da� sie alle
Intriguen verzeiht. Alle Welt preist ihn nun als guten Ehemann,
guten Vater, guten Verwandten, als guten Freund und Nachbar, guten
B�rger und guten Republikaner. Das ist die Manier der Lobhudler,
sie loben ihn vom Scheitel bis zu den Zehen, im Ganzen und im
Einzelnen.�
�Eine gute Heirath ist der Taufe vergleichbar durch die Raschheit,
mit welcher sie allen fr�heren Schmutz verwischt. Daher wissen
V�ter und M�tter nichts Besseres zu thun, als ihre S�hne zu
unterweisen, wie sie zu einer reichen Partie gelangen k�nnen,
einerlei auf welchem Wege, denn eine reiche Heirath ist die wahre,
b�rgerliche Taufe, welche in den Augen der Oeffentlichkeit alle
S�nden abw�scht. Dieselbe �ffentliche Meinung hat lange nicht diese
Nachsicht mit den anderen Parven�s, denen sie ihre Sch�ndlichkeiten,
durch die sie zu Verm�gen gelangten, lange nachtr�gt.�
�Welche Aussicht auf Erfolg f�r die Ehe hat dagegen ein
Tugendhafter, welcher, gehorsam den b�rgerlichen und religi�sen
Vorschriften, erkl�rt, da� er seine Tugend bis zum drei�igsten
Jahre bewahren wolle, um sie seiner k�nftigen Frau als Geschenk in
die Ehe zu bringen? Der, getreu den Lehren jenes vortrefflichen
Buches, das sich �Einf�hrung in einen gottergebenen Lebenswandel�
betitelt, sich bis zum drei�igsten Jahre enth�lt �aus dem Becher
der Unzucht den Wein der Prostitution zu Babylon� zu trinken?
Welche Aussicht hat er? Und wenn es ihm einf�llt, eine solche
Erkl�rung abzugeben, welchen Dank findet er bei den Frauen? M�tter
wie T�chter werden dies scherzhaft finden und bei gleichem
Verm�gen, gleichem Alter, gleich g�nstiger �u�erer Gestalt werden
Mutter und T�chter einen �ge�bten� jungen Mann ihm, dem �T�lpel�,
der seine Tugend nach den Vorschriften der Religion und Moral
bewahrte, vorziehen.�
�Bei der Untersuchung �ber das Wesen der Ehe sind also alle
Vortheile auf Seiten der Intriguanten und Verderbten, woraus zu
schlie�en, da� dieses Band eine Lockspeise ist, sich pers�nlich zu
depraviren.�
Dieselbe �ble Meinung, die Fourier hier durchschnittlich von den
M�nnern unter den gegebenen Verh�ltnissen hat, besitzt er auch von
den Frauen. Von ihnen r�hmt er die Leichtigkeit, mit der sie die
Fehler ihrer Ehem�nner ann�hmen, aber nicht ihre Tugenden.
�Verheirathet eine Heilige an einen Spitzbuben und sie wird ihm
bald in der Spitzb�berei nacheifern, seine Komplizin im Hehlen
sein. Besitzt sie einen tugendhaften Mann, weit entfernt, seine
Tugenden zu adoptiren, wird sie dagegen den Eindr�cken eines
leichtfertigen Kourmachers zug�nglich sein. Eine sch�ne Eigenschaft
der Ehe, die den Frauen nur die Laster der M�nner, nie ihre
Tugenden mittheilt. Da es aber unter den Ehem�nnern der
Zivilisation 99/100 lasterhafte und nur 1/100 tugendhafte giebt, so
kann man nach diesem Ma�stabe die moralische Vollkommenheit
sch�tzen, welche die Ehe bei den Frauen erzeugt.� ...
�Durchschnittlich betrachten die M�nner die Ehe als eine Falle, die
ihnen gestellt wird, und so sind es die V�ter selbst, welche ihre
S�hne veranlassen, das eheliche Band von diesem Standpunkt aus
anzusehen. Und warum? Weil sie aus eigener Erfahrung wissen, da�
der Reinfall unreparirbar ist. Und indem sie sich bem�hen, ihre
S�hne von dieser Wahrheit zu �berzeugen, machen sie dieselben f�r
den Ehehandel habgierig und verschlagen.�
�So kommt es, da� die �Drei�igj�hrigen� oder Ehestandskandidaten
sich in Berechnungen ersch�pfen, ehe sie zum ersten Schritt sich
entschlie�en. Nichts spa�hafter, als die Unterweisungen zu h�ren,
die sie sich gegenseitig geben �ber die Art und Weise, der
k�nftigen Gattin das Joch aufzuerlegen und sie g�nstig f�r sich
einzunehmen. Nichts merkw�rdiger, als diese vertraulichen
Zusammenk�nfte (�consiliabules�) der Junggesellen, in welchen an
den zu heirathenden M�dchen die kritische Analyse vorgenommen wird,
und zu beobachten die Fallstricke der V�ter, die sich ihrer T�chter
entledigen wollen. Der Schlu� aller Debatten ist, da� man auf Geld
sehen m�sse, da�, wenn man das Risiko trage, von der Frau betrogen
zu werden, man wenigstens nicht auch mit dem Heirathsgut betrogen
sein wolle. Nehme man einmal eine Frau, so m�sse man sich eine
Entsch�digung f�r die Unzutr�glichkeiten sichern, die die Ehe mit
sich bringe. Das nennt man nach einem Kunstausdruck �die
Anhaltseile (�les attrapes�) fassen�.
Und wie die M�nner r�sonniren, so r�sonniren �hnlich die Frauen.
Fourier hebt dann die Widerspr�che in dem ehelichen Zustande
hervor, da� der Mann, der sonst alle Freiheit f�r sich beanspruche
und die Frau unterdr�cke, im wichtigsten Punkt der Ehe �ffentliche
Meinung und Gesetz gegen sich habe, wobei man wohl beachten will,
da� es sich um die Schilderung franz�sischer Zust�nde handelt,
wonach noch bis in die neueste Zeit das Gesetz die Untersuchung
�ber die Vaterschaft untersagte. Dieses Gesetz, von der M�nnerwelt
zu ihrem Schutze entworfen, schl�gt in den F�llen, die Fourier hier
im Auge hat, zu ihrem Schaden und ihrer Schande aus.
Er sagt: �Trotz des Unterdr�ckungssystems, das auf den Frauen
lastet, haben sie das einzige Privilegium, das ihnen verweigert
sein sollte, sich bewahrt, dasjenige, den Mann zu n�thigen, ein
Kind, das nicht das seine ist und auf dessen Angesicht die Natur
selbst den wahren Namen des Vaters geschrieben hat, als das seine
anzunehmen.�
�In dem einzigen Fall, wo die Frau sich mit schwerer Schuld
beladet, genie�t sie den Schutz der Gesetze, und in dem einzigen
Fall, wo der Mann auf's Schwerste beschimpft ist, hat er die
�ffentliche Meinung und das Gesetz �bereinstimmend gegen sich, um
seine Schmach zu verschlimmern.�
Dar�ber gie�t nun Fourier seinen Spott aus: �Oh!� ruft er. �Wie die
Zivilisirten, die so strenge Verfolger der Verletzung der
Keuschheit bei den Frauen sind, und diesen sie aufzwingen, so
gutwillig sich unter das schmachvolle Joch beugen und eine Frucht
offenbaren Ehebruchs bei sich aufnehmen und derselben ihren Namen
und ihr Verm�gen gew�hren. So sind also die W�nsche der Philosophen
erf�llt: In der Ehe ist es, wo die M�nner wahrhaft �eine Familie
von Br�dern� werden, wo die G�ter gemeinsam sind und das Kind des
Nachbaren auch das unsere ist. Die Edelm�thigkeit dieser braven
zivilisirten Ehem�nner wird der Zukunft noch reichlich Gelegenheit
zu Gel�chter geben, und man mu� einige dieser erg�tzlichen Vorg�nge
aufbewahren, um die sonst schale Lekt�re der Geschichte der
Zivilisation etwas genie�bar zu machen ...�
�Diese sehr weitgehende Duldung der Ehem�nner gegen die
schmachvollste Beleidigung und die Geschmeidigkeit der Gesetze �ber
das Vergehen den Mantel zu decken, steht in Uebereinstimmung mit
anderen Widerspr�chen im Liebessystem der Zivilisirten. Die
Verwirrung ist solcher Art, da� man auf der einen Seite eine Kirche
und auf der anderen ein Theater sieht, zwei Anstalten, in welchen
die entgegengesetzten Moralanschauungen vertreten und ein und
denselben Personen gepredigt werden. In der Kirche lehrt man die
Verabscheuung der Galanterien und der Wollust, und im Theater
findet sich dasselbe Auditorium wieder, das man jetzt in die
galanten Schliche und Raffinements aller Sinnenl�ste einweiht. Eine
junge Frau, die soeben eine Predigt h�rte, in welcher ihr Achtung
vor dem Gemahl und den h�heren Gewalten gelehrt wurde, geht eine
Stunde darauf in's Theater, um Unterricht in der Kunst zu
empfangen, wie man den Gatten oder Vormund oder sonst einen Argus
betr�gt. Und Gott wei�, welche von den beiden Lehren bei ihr auf
den fruchtbarsten Boden f�llt. Diese wenigen Widerspr�che gen�gen,
um den Werth unserer Theorien von der Einheit der Handlung im
sozialen Mechanismus in das rechte Licht zu setzen.�
Fourier ergeht sich nun weiter in Auseinandersetzungen �ber die
Unnatur unserer sozialen Zust�nde, welche die Geschlechter mit
ihren Trieben und den bestehenden gesellschaftlichen Anschauungen
und Morallehren in fortgesetzte Widerspr�che bringen und
demoralisirend wirken. Wenn unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten
vorschreiben, da� der Mann durchschnittlich erst mit dem
drei�igsten, das M�dchen mit dem achtzehnten Jahre heirathe, so
liege auf der Hand, da� der Mann diese zw�lf Jahre des Z�libats
benutze, um alle m�glichen illegitimen geschlechtlichen
Verbindungen einzugehen. Rechne man auf jedes Jahr nur eine solche
Verbindung, und zwar sechs in Beziehungen zur Prostitution, sechs
im Ehebruch, so gew�hre dieses einen traurigen Einblick in die
Moral der Zust�nde, und man brauche nicht erstaunt zu sein, wenn
junge M�nner im mittleren Alter sich r�hmten, schon mit mehr als
zwanzig f�r anst�ndig geltenden Frauen in intimsten Beziehungen
gestanden zu haben.
�Der Zweck der Ehe soll sein, das h�usliche Gl�ck auf den guten
Sitten und der Einigkeit der Familie zu gr�nden und die Wahrheit
zur Geltung kommen zu lassen, denn Arglist und Perfidie m�ssen
Uneinigkeit und Unordnung erzeugen. Man wird ferner zugeben, da�
die Wahrheit in der Familie nicht herrschen kann, wenn sie nicht
auch in der Liebe vorhanden ist. Sagen doch die Lobredner der
zivilisirten Ehe selbst, �da� das h�usliche Gl�ck unzertrennlich
von der Wahrhaftigkeit in der Liebe ist und da�, wenn das
Gleichgewicht in den Beziehungen der Liebe mangelt, auch das
Gegengewicht in den Beziehungen der Familie fehlt. Herrscht die
Unwahrheit in der Liebe, herrscht sie nothwendig in der Familie und
in der H�uslichkeit.� Wie vertr�gt sich aber das Ehegl�ck mit dem
Bestand der Serails in allen zivilisirten L�ndern? Die christlichen
Kolonisten haben diese �berall aus Negerinnen gebildet; die
ernsten, so moralisch scheinenden Holl�nder bilden sie in Batavia
mit Frauen aller Farben. Und wie viele heimliche H�user giebt es
bei uns, die, �u�erlich anst�ndig aussehend, in Wahrheit niedliche
Serails sind, die im Geheimen jedem reichen und angesehenen Manne
offen stehen.�
�Der reiche Zivilisirte hat die volle Freiheit, sich sein Serail zu
bilden, eine intelligente Matrone in sein Landhaus zu setzen, die
ihm Frauen und M�dchen, sogar von hoher Geburt, beschafft. Und
neben diesem fixen oder geschlossenen Serail giebt es das vage oder
freie. Ueber dieses erz�hlt uns Ritter Joconde auf der B�hne. �Ich
bin nicht auf Treue versessen, ich eile von Liebschaft zu
Liebschaft. Ich liebe nie nur eine Sch�ne, auch liebe ich sie
selten l�nger, als einen Tag. Es ist nicht Unbest�ndigkeit,
vielmehr Klugheit, denn auf die Frauen, ich kenne ihren Leichtsinn,
darf man sich nicht verlassen, und so verlasse ich sie, um nicht
verlassen zu werden.� So stellt sich das Leben dar, das unsere
meisten reichen jungen M�nner, die vom Gl�ck beg�nstigt sind,
f�hren. Und dieser Joconde wird auf der B�hne von Frauen und
M�nnern beklatscht, wenn er solche Sitten r�hmt. Man antwortet:
Aber wer applaudirt? Es sind die Schwelger, welche diese
Schauspiele besuchen. Darauf antworte ich: wenn Viele diese Sitten
nicht nachahmen, geschieht es, weil sie es nicht k�nnen. Die Einen
h�lt die Furcht vor Krankheiten, die Anderen das Interesse, der
Korpsgeist, die �ffentliche W�rde, der Mangel an Mitteln zur�ck.
Man lasse einmal Jedem die Z�gel schie�en, �berlasse ihn der
gesunden Natur und man wird sehen, da� die gr��te Zahl sich beeilt,
das Beispiel von Salomo und Ritter Joconde nachzuahmen. Jeder junge
mit Mitteln ausgestattete oder von der Natur ein wenig beg�nstigte
Stadtbewohner besucht dieses freie Serail, ohne wie die Barbaren
(die in der Polygamie leben) auch f�r die Kosten der Unterhaltung
sorgen zu m�ssen, es giebt sogar eine gute Zahl dieser Herrchen,
welche die Frauen pl�ndern und arm essen.�
�Und ferner: Wie viele Frauen von hoher Stellung sind zu dieser Art
Korruption geneigt! Es giebt Schriftsteller, die solchen Frauen ein
Recht dazu zusprechen. Warum auch nicht? Doch schweigen wir, wenn
wir von der guten Gesellschaft sprechen. Im Volke ist die
K�uflichkeit der Liebe kein Geheimni�, man kennt die Tarife, wie
die Preiskourante an der B�rse. Man braucht dar�ber nicht erstaunt
zu sein, wenn Walpole sogar �ffentlich erkl�ren konnte, er habe in
seinem Portefeuille den Preiskourant f�r die Biederkeit des
englischen Parlaments.[19] Wie mu� unter solchen Sitten das
h�usliche Gl�ck beschaffen sein, das auf die eheliche Treue und die
Wahrhaftigkeit in den gegenseitigen Beziehungen begr�ndet sein
soll?�
[Fu�note 19: Robert Walpole, ber�hmter englischer Staatsmann, von
1721-1742 Kanzler der Schatzkammer.]
�Und nun die geheimen Liebschaften. Diese bilden ein sehr
umf�ngliches Kapitel, das f�r Paris allein sechs dicke B�nde f�llen
w�rde. Alle diese Schliche sind nur Verletzungen der b�rgerlichen,
religi�sen und Moralgesetze. Welche Auflehnung, welche Rebellion in
dieser galanten Welt gegen Alles, was die Gesellschaft f�r
unverletzbar erkl�rt. Wie kann man beim Anblick von so viel offenen
und geheimen Verletzungen aller festgestellten Ordnung z�gern,
anzuerkennen, da� entweder das Regime der Liebe bei uns im
Widerspruch mit der Wahrheit und der Moral organisirt ist, oder da�
ein solcher Zustand unvertr�glich ist mit der Zivilisation, da� die
Zivilisation der Antipode der Moral und der Wahrheit.�
�In den niederen Klassen herrscht vollkommene Emanzipation, dort
existirt die freie Liebe offen. Und diese Klasse, die so offen die
religi�sen und die Moralgesetze verletzt, umfa�t die H�lfte der
weiblichen Bev�lkerung unserer gro�en St�dte. Ich will nicht unsere
Zofen und Zimmerm�dchen zitiren, die im Rufe stehen, keine Kenntni�
von den Gesetzen der Enthaltsamkeit zu besitzen, wenigstens handeln
sie, als h�tten sie nie davon sprechen h�ren. Und wie in der
kleinen, so ist es in der gro�en Welt. Bei den Leuten �comme il
faut� hat der Ehemann seine bekannten Maitressen und die Dame vom
Hause ihre anerkannten Liebhaber. Das geh�rt zur Harmonie der
Haushaltung und das hei�t man: �man mu� zu leben wissen� (�il faut
savoir vivre�). Manchmal entsteht allerdings eine kleine
Unzutr�glichkeit daraus; man wei� nicht, von welchem Vater die
Kinder sind. Doch zum Gl�ck verbietet das Gesetz, nach der
Vaterschaft zu forschen. Schlimmsten Falles erkl�rt der Hausarzt
bei dem Fehlen jeder Aehnlichkeit, wodurch der Ursprung des Kindes
verd�chtig werden kann, da� die Frau w�hrend ihrer Schwangerschaft
von dem Anblick irgend einer fremden Physiognomie betroffen worden
sei. Schlie�lich hat auch der arme Ehemann schlechten Dank, wenn er
gegen den Wortlaut des Gesetzes und die Zeugenschaft des Arztes
aufkommen will. Das Eine ist so unfehlbar wie das Andere. Auch
geh�rt es in der guten Gesellschaft zum guten Ton, nicht
eifers�chtig zu sein. Man hat meist geheirathet eines guten
Heirathsgutes oder sonst eines Vortheils wegen, und man wurde darin
vielleicht nicht get�uscht, also mu� man in anderer Beziehung
nachsichtig sein, und schlie�lich hei�t es: �was Dir recht ist, ist
mir billig.�
�So giebt es in der Welt der Zivilisirten nur Lacher und Betrogene.
Die Moral und die Ehe werden benutzt, um die Orgie zu maskiren, und
Alle erreichen ihren Zweck. Unsere Kritik erscheint abgedroschen,
doch f�r die Partisane des Zwangs war eine Antwort am Platze, man
mu� sie in Verwirrung setzen, indem man ihnen die Fr�chte ihres
Systems vor Augen h�lt.�
�Aber diese Engherzigkeit und Unwahrheit des Familienbandes hat
auch nach anderer Seite f�r die Entwicklung der Gesellschaft ihr
Schlimmes. Nichts ist in unserem sozialen Leben von Dauer. Der
zuf�llige Tod des Familienhauptes kann alle seine Unternehmungen in
Frage stellen. Die Theilung der Erbschaft, der Umstand, da� den
S�hnen die Eigenschaften des Vaters und seine Kenntnisse fehlen,
wie zwanzig andere Ursachen, k�nnen das ganze Werk des Vaters
st�rzen. Seine Pflanzungen werden zerst�ckelt, an Andere
�berlassen, oder sie verfallen; seine Werkst�tten gerathen in
Unordnung, seine Bibliothek kommt in die H�nde des B�chertr�dlers,
seine Gem�lde in die des H�ndlers. Genau das Gegentheil hat in der
Phalanx statt. Alles wird erhalten und vervollkommnet, der Tod
eines Individuums beunruhigt in nichts die industriellen
Dispositionen und das Gemeinwesen.�
�Ferner: Ein Industrieller w�nscht sich einen Sohn, der ihn ersetzt
und seine Arbeiten weiter f�hrt, aber das Schicksal giebt ihm nur
T�chter; sein Name erlischt. Er f�nde wohl geeignete Fortsetzer,
aber in Klassen, die durch Verm�gen und Lebensstellung ihm nicht
zusagen. Ein ander Mal verweigern die Kinder ihm zu folgen, oder
sie sind g�nzlich unf�hig. Oft ist es wieder der �berreiche
Kindersegen, der Erziehungsausgaben verursacht, welche die
Unternehmungen des Vaters sch�digen; seine undankbare Arbeit gen�gt
kaum, die Kinder zu erziehen und ihnen eine Existenz zu gr�nden,
und zum Dank f�r so viel Anstrengungen merkt er, da� dieses oder
jenes seiner Kinder ihm den Tod w�nscht, aus Ungeduld, in den
Besitz der Erbschaft zu kommen. Oefter treten andere eheliche und
h�usliche Unannehmlichkeiten ein, deren Zahl eine sehr gro�e ist.
Ein Gesch�ftsmann wird entmuthigt durch ungeh�riges Betragen seiner
Frau oder seiner Kinder, durch Geldschneidereien von am Gesch�ft
Betheiligten, durch Verleumdungen und Prozesse seiner Neider, durch
den Verlust eines Kindes, auf dem seine ganze Hoffnung ruhte. Nicht
selten sieht man Eltern �ber den Verlust eines Lieblingskindes dem
Tiefsinn verfallen; sie haben kein Gegengewicht gegen solch ein
Ungl�ck, noch gegen andere, die sie treffen. Solch ein
Familienleben ist ein stetes Straucheln, eine Pandorab�chse. Wie
kann man annehmen, da� Gott die Industrie und die menschliche
Th�tigkeit auf einen so kritischen Boden f�r die, welche die Leiter
sind, und noch viel mehr f�r Diejenigen, welche die Untergebenen
sind und ausf�hren, hat gr�nden wollen?�
�Weder die Politik noch die Moral wissen die industrielle Anziehung
zu schaffen, sie nehmen nur die Arglist zu H�lfe; sie r�hmen die
Freuden der Ehe, wenn auch ohne Verm�gen, und bauen ihr ganzes
soziales System darauf, den Armen zur Ehe zu bringen, damit er
unter der Last der Kinderzahl, um die Hungernden zu n�hren, zu
flei�iger Arbeit gezwungen werde. So kommt es, da� sieben Achtel
dieser V�ter rufen: �Oh! in welche Galeere bin ich gerathen.� Es
war der geheime Zweck der Moralisten, mit ihrem Lob von der s��en
Ehe diese Falle zu legen; damit erreichen sie, da� sie einen
Ueberflu� an Rekruten f�r die Armee und an hungernden Arbeitern f�r
die Fabriken haben, die um niedrigen Preis arbeiten, damit die
Unternehmer sich bereichern k�nnen.�
�Die weitere Folge dieses ganzen Systems ist der Widerwille gegen
die Arbeit, der schon beim Kinde stark ausgepr�gt ist; es arbeitet
nur aus Furcht vor Z�chtigung. Aber die Unordnung steigert sich in
dem Ma�e, wie es zur Reife kommt. Die Liebe stellt sich ein und
vermehrt den Widerwillen gegen die Zwangsarbeit und verleitet zu
Ausgaben f�r Beziehungen, die den W�nschen des Vaters wie der
Harmonie der Familie sehr entgegen sind. Man sollte meinen, das
Aufbrechen der Liebe m��te, als eines neuen H�lfsmittels, den
industriellen Mechanismus verbessern, denn wo ein neuer Faktor
auftritt, sollte er das Spiel der Kr�fte vervollkommnen. Das
geschieht im soziet�ren Zustand, aber nicht in der Zivilisation. In
der Harmonie wird die Liebe die industrielle Anziehung verst�rken,
durch sie wird der J�ngling wie die Jungfrau f�r die Vereinigungen
der beiden Geschlechter in den Ateliers, den G�rten, den
Wirthschaftsanlagen, an der Tafel immer neue Anreize finden. Die
Wirkung in der Zivilisation ist die entgegengesetzte, sie erzeugt
Beunruhigung der Eltern, n�thigt zu fortgesetzter Ueberwachung,
verursacht Ausgaben f�r Putz und Geschenke und f�hrt nicht selten
zu Schulden und anderen Ausschweifungen der Jugend. So wird die Ehe
f�r die V�ter zu einem Pfad von Schwierigkeiten aller Art, mit
wenig Ausnahmen f�r die Reichen, und die Erwachsenen werden durch
die Liebe nur verdorben.�
�Ein anderes gro�es Uebel in der Familiengruppe ist, da� sie keine
Freiheit gestattet. Man kann nach freiem Willen Freunde,
Maitressen, Assozi�s wechseln, aber man kann nichts an den Banden
des Blutes �ndern. Das ist ein Uebel, das man noch nicht wahrnahm
und das so schwer ist, da� die Harmonie ihm viele es aufhebende
Gegengewichte gegen�berstellen mu�, unter Anderem die industrielle
Adoption (wovon bereits gesprochen wurde) und die Theilnahme an der
Erbschaft. Das Uebel herrscht, und seit lange, aber seine
Herrschaft ist in unseren Tagen stetig gewachsen und zwar durch den
Sieg des Handelsgeistes, der die Zivilisirten immer mehr erniedrigt
und sie l�gnerischer macht, als sie urspr�nglich waren. Die
Sophisten stellen die Frage: ob der Mensch von Natur lasterhaft sei
und die meisten bejahen dies; man schlie�t also wie die
mahommedanischen Fatalisten, welche die Pest f�r ein unumg�ngliches
Uebel erkl�ren, weil sie sich scheuen, Schutzma�regeln gegen sie zu
ergreifen. Unsere Philosophen ziehen dieselbe Stra�e; um sich davon
zu befreien, ein Heilmittel zu suchen, erkl�ren sie das Uebel als
unabwendbare Bestimmung. Man mu� nur die Sch�ngeister in irgend
eine Angelegenheit sich mischen lassen und man kann sicher sein,
da� sie dieselbe in Unordnung bringen.�
�In allen �brigen Vereinigungen verlangt der Mensch Freiheit der
Bewegung und sucht die m�glichste Ausdehnung seiner Verbindungen.
Unsere Philosophen selbst predigen, da� man die philanthropische
Freundschaft auf die ganze Menschheit ausdehnen und Alle als Br�der
betrachten m�sse, der Ehrgeiz solle uns treiben, uns mit den
Freunden des Handels auf dem ganzen Erdboden zu verbinden, aber in
Sachen der Liebe und des Familienbandes zwingt man uns in den
m�glichst kleinsten Kreis. Man �berlasse die Liebe ihrem
nat�rlichen Hang und �berlasse ihr selbst, sich ihre Grenzen zu
ziehen. Man wird sehen, da� ein Mann bald mit einer gleichen Zahl
von Frauen wird zu thun gehabt haben, wie der weise Salomo, und da�
die Frau ihrerseits es auch nicht an der Auswahl der M�nner wird
haben fehlen lassen. Diese Vielheit in der Liebe ist so nat�rlich,
da� selbst ein altersschwacher Sultan sich nie auf eine einzige
Frau beschr�nken l��t. In einem zuk�nftigen Zeitalter wird man
diese Freiheit der Liebeswahl ganz nat�rlich finden, und ein Greis
wird direkte und indirekte Nachkommen, Adoptivkinder und Erben in
die hunderte haben. Dann wird das goldene Zeitalter der Vaterschaft
angebrochen sein und wird die Freuden genie�en, die sie im
gegenw�rtigen Zustand vergeblich sucht. Die Adoptionen und die
Legate werden in der Harmonie so zahlreich sein, wie sie in der
Zivilisation unm�glich sind; man wird die Fortsetzer
(�continuateurs�) aus Passion haben, die Mangels an eigenen, von
gleichen Trieben beseelten Kindern, das Begonnene weiter f�hren.
Au�erdem, welcher Egoismus, welche Eifersucht herrscht in unseren
Familien, die nicht leiden, da� ein Au�enstehender sich in die
Neigungen des Vaters theilt: gezwungen sich an die eigenen Kinder
zu halten, begegnet er nur zu oft in seinen Pl�nen und
Unternehmungen den Antipathien derselben, mu� er in ihnen die
Zerst�rer seines Werkes sehen. Es kann also kein Zweifel sein, da�
das Familienband die anti�konomischste Verbindung ist und den
W�nschen Gottes, welcher der h�chste Oekonom ist, und mit
Aufwendung der geringsten Mittel das Vollkommenste zu erreichen
strebt, auf's Direkteste entgegensteht.�
* * * * *
Fourier erl�utert jetzt die Art der Vertheilung der materiellen
Gen�sse in der Phalanx. Die Uebereinstimmung in der Vertheilung sei
garantirt, wenn man zwei bestimmte Mittel, die mehr als gen�gten,
in Anwendung bringe: Das erste sei die Gierigkeit, die bei den
Menschen nie fehlen werde. Finde man ein Mittel, die Gier des
Einzelnen in ein Pfand billiger Vertheilung umzuwandeln, so werde
die Herrschaft der Gerechtigkeit schon gesichert. Das zweite
Mittel, um das Gleichgewicht der Vertheilung herbeizuf�hren, sei
die Generosit�t. Diese halte man wohl f�r unm�glich, sie sei aber
durchzuf�hren.
Jeder, der sich mit Anderen gesch�ftlich verbinde, wolle daraus
Vortheil ziehen. Trete ein solcher nicht ein, l�se die Verbindung
sich auf. Diese Gefahr sei in der Phalanx nicht vorhanden, da die
Vortheile f�r das Wachsthum des Einkommens kolossale seien und
dieses im Vergleich zu heute sich wenigstens verdrei�ig- und
vervierzigfache. Zwei Beispiele m�chten dies beweisen. Eine
Familie, die in Paris 60.000 Franken j�hrlich ausgebe und daf�r
Pferde, Wappen, Diener und Wohnung in der Stadt und auf dem Lande
unterhalte, k�nne in der Phalanx mit 6000 Franken dasselbe haben.
Dieser zehnfache Vortheil werde ein zwanzigfacher, wenn man erw�ge,
welch gro�e Auswahl in Bezug auf Wagen aller Art man in der Phalanx
habe, da� man von den Streitereien mit H�ndlern und Kaufleuten, von
den Ausgaben f�r Lakaien und von ihren Diebereien und Betr�gereien,
von der Spionage und anderen Widerlichkeiten, welche das Gesinde zu
einer Gei�el der Gro�en machten, befreit sei. Man solle ferner an
die Verbesserung der Stra�en und Wege denken, deren Zustand heute
auf dem Lande den Aufenthalt verbittere und sie einen gro�en Theil
des Jahres fast unpassirbar mache. Das Gegentheil in der Phalanx,
wo alle Stra�en und Wege mit Trottoirs f�r Equipagen und leichte
Wagen, f�r Fu�g�nger wie f�r Pferde und Zebras versehen, die Wege
schattig und mit Fu�steigen, die man nach Bed�rfni� besprenge,
ausgestattet seien. Dazu k�men die Annehmlichkeiten der �berdeckten
Verbindungen zwischen den Wohnungen, Ateliers, Werkst�tten,
Stallungen; f�r Kirche, Theater, Balls�le u.s.w., und da� alle
diese verdeckten Passagen im Winter erw�rmt seien, so da� man kaum
wissen werde, ob es drau�en warm oder kalt sei. Es seien dies alles
Erleichterungen und Annehmlichkeiten, wie sie in der Zivilisation
selbst ein K�nig sich nicht verschaffen k�nne. Das Wohlsein werde
sich also in der Phalanx in das unz�hlbar Vielfache steigern.
Dasselbe sei mit den Mahlzeiten der Fall. Die Raffinements, die aus
der stetigen Verbesserung der Materialien in Garten, Feld, Stallung
und Keller hervorgingen, in der K�che durch die verbesserten
Methoden der Fertigstellung sich steigerten, k�nne kein Einzelner,
und sei er der Reichste, herbei- und durchf�hren. Und an alledem
n�hme der Aermste in der Phalanx Theil.
Fourier, der offenbar in den Dingen der K�che und was damit
zusammenh�ngt genaue Spezialstudien gemacht hat, f�hrt dies im
Detail sehr anziehend und Lust erweckend aus; so wird es nach ihm
eine Kleinigkeit sein, da� man auf jeder Tafel bei jeder Mahlzeit
wenigstens dreierlei Arten K�se, jeden wieder in verschiedenen
Qualit�ten, zum Nachtisch haben kann, so da� eine zw�lffache
Auswahl gew�hnlich sei. Fleisch, Gefl�gel, Wild, Fische, Gem�se,
Kompots, Eier- und Mehlspeisen w�rden in einer Vielseitigkeit der
Herstellung und in einem Raffinement geliefert, von dem gegenw�rtig
kaum Jemand eine Vorstellung habe. Die Tafel der Reichen in der
Phalanx sei t�glich bei einer Mahlzeit mit mindestens drei�ig
Gerichten bedeckt, und selbst die Armen d�rften, wenn erst die
Phalanx in vollem Gange sei, auf mindestens zehn Gerichte zum
Mittagtisch rechnen. Es kann, ihm zufolge, daher auch gar nicht
fehlen, da� selbst die K�nige, nachdem sie die Phalanx besucht und
sich von ihrer Opulenz nach allen Richtungen durch den Augenschein
�berzeugt haben, sich beeilen werden, die Gr�ndung der Phalanxen
nicht nur zu unterst�tzen, sondern selbst mit ihrem Hofstaat in
eine solche einzutreten.
Die Phalanx verbindet also, nach F. Ansicht, die sensuellen
Vergn�gungen mit der Abwesenheit aller materiellen Sorgen, die
heute V�tern und M�ttern so viel Kopfschmerzen verursachen. Sie
findet rasch die Zustimmung der V�ter, die von den Kosten der
Haushaltung, der Erziehung und der Ausstattung der Kinder befreit
sind; sie findet die Zustimmung der Frauen, welche alle der vielen
Widerw�rtigkeiten der Haushaltung, wo die Mittel fehlen, los und
ledig sind; sie findet die Zustimmung der Kinder, denen nur
anziehende Besch�ftigungen, Vergn�gungen und die besten Mahlzeiten
in Aussicht stehen; und sie findet endlich auch die Zustimmung der
Reichen, die erhebliches Wachsthum ihres Verm�gens und das
Verschwinden aller Risikos und die Beseitigung des Aergernisses,
von dem, wie Fourier behauptet, sie stets umgeben sein sollen, zu
erwarten haben. Der Arme kann nat�rlich gar nichts Besseres thun,
als sofort mit beiden H�nden zugreifen, denn er hat Nichts zu
verlieren, aber Alles zu gewinnen. So werden die Serien, die
Gruppen, die Individuen in der Phalanx alle in den edelm�thigsten
Entschl�ssen �bereinstimmen und werden selbst zu materiellen Opfern
entschlossen sein, die aber nicht einmal n�thig sind. Bei dem
Gedanken, wieder in die Zivilisation zur�ckzufallen, wird Jeder
erschreckt sein, wie bei dem Gedanken, in die Arme des Teufels zu
st�rzen; Jeder w�rde bereit sein, lieber sein halbes Verm�gen zu
opfern. So wird sich die Uebereinstimmung und die Aufrechterhaltung
der Einheitlichkeit in allen materiellen Dingen auf die h�chste
Stufe erheben.
Wie nach Fourier in der Phalanx sich die materiellen Interessen zur
gr��ten Zufriedenheit Aller ausgleichen, so wird auch die
Vermischung und aus Zuneigung entstehende Uebereinstimmung der drei
Klassen sich vollziehen. �Die reiche Klasse mu� nur gewahr werden,
da� man sich ihr seitens der anderen Klassen h�flich und ohne
pers�nliches Interesse und ohne Gefahr der Hintergehung n�hert, und
sie wird bereitwilligst der Phalanx ihre Kr�fte und ihr Verm�gen
leihen. Damon, der ein gro�er Blumenfreund ist und in Paris wohnt,
macht j�hrlich bedeutende Ausgaben f�r seine Blumenbouquets, aber
er wird �bel berathen und betrogen durch die Verk�ufer, bestohlen
durch G�rtner und Diener. Dadurch wird ihm die Blumenzucht
verleidet und er entschlie�t sich, die Kultur derselben aufzugeben,
so sehr er sie liebt. Darauf besucht Damon die Versuchsphalanx, wo
er sieht, da� die Blumenzucht eifrig gepflegt wird und er
Unterst�tzung an Anderen findet, die gleich ihm daf�r begeistert
sind. Statt Mi�trauen zu begegnen, sieht er, da� man seinen
W�nschen und Rathschl�gen, als von einem Sachkenner kommend,
bereitwillig Folge leistet und alle Arbeiten ausf�hrt. Ihn trennt
keine Verschiedenheit der Interessen von den Mitwirkenden, denn
alle Kosten tr�gt die Phalanx; er sieht sich geachtet und geliebt,
weil man seine Kenntnisse sch�tzt und ihn als eine St�tze der Serie
betrachtet. Namentlich sind es die Kinder, die sich um ihn dr�ngen
und bei dem drohenden starken Regen Schutzzelte �ber die Beete
spannen. Er f�hlt sich unter diesen Blumenfreunden wie in einer
zweiten Familie und entschlie�t sich zu mehreren Adoptionen. Da ist
Aminte, ein M�dchen ohne Verm�gen, aber eine der geschicktesten
Seriesten, die f�r Damon begeistert ist; sie sieht in ihm, dem
Sechzigj�hrigen, die St�tze der ihr theuren Kultur; sie will sich
ihm erkenntlich zeigen, und da sie auch ein Mitglied einer Gruppe
der Zimmerordnerinnen ist, �bernimmt sie die Sorge f�r Damon's
Zimmer und Garderobe. Sie dient Damon nicht aus materiellem
Interesse, denn er bezahlt sie nicht, und dies w�re �berhaupt
unzul�ssig, sondern aus Dankbarkeit f�r seinen Eifer f�r die Kultur
der Blumen. Damon hat also doppelte Freude, er hat in Aminte eine
eifrige und gelehrige Sch�lerin und eine aufmerksame Gouvernante,
und zum Dank adoptirt er sie. Bei dieser industriellen Kooperation
war also die Freundschaft im Spiel, ein Trieb, der namentlich bei
den Kindern einen sch�nen Aufschwung nimmt, weil ihm weder durch
Liebe, noch durch Gewinnsucht, noch durch Familieninteresse
entgegengearbeitet wird.�
�Im Jugendalter ist's haupts�chlich die Liebe, welche den
Rangunterschied verwischt und selbst einen Monarchen auf die Stufe
einer Sch�ferin, die ihn gefangen genommen hat, stellt. Wir haben
also Keime zur Ausgleichung von Rang- und Standesunterschieden
selbst in der Zivilisation, aber sie kommen nicht zum Ausbruch.
Auch sehen wir, da� in Sachen des Ehrgeizes der H�here den Niederen
unter Umst�nden nicht verschm�ht. Zum Beispiel in Partei- und
Wahlk�mpfen. Es sind nicht blos die Scipione und Catone, die, um
seine Stimme zu erhalten, dem Landbebauer die Hand dr�cken. Aber
hier wirkt nur die Sucht nach pers�nlichem Gewinn und Befriedigung
pers�nlichen Ehrgeizes. Vollziehen also diese niederen Mittel schon
die Ann�herung verschiedener Klassen, dann ist dies viel leichter
durch edle Mittel, durch Bande freiwilliger Zuneigung, wie das
Beispiel zwischen Damon und Aminte zeigt.�
�Nun kann Damon, bei zwanzig verschiedenen Th�tigkeiten
besch�ftigt, �berall �hnliche Bande kn�pfen. Alle Serien und
Gruppen bestehen aus Gleichstrebenden, und da Jeder bei einer
speziellen Arbeit in einer Branche in Uebung ist und er darin
leicht sich auszeichnen kann, wird es ihm an Anerkennung der
Genossen nicht fehlen. Der Reiche genie�t aber doppelte
Anerkennung, einmal wegen der Geschicklichkeit, durch die er sich
in irgend welchen Arbeiten auszeichnen kann, dann durch die
Munifizenz, die er den von ihm gew�hlten Industrien erweist. So
macht Damon Ausgaben f�r sehr werthvolle Pflanzen, die auf Kosten
der Phalanx anzuschaffen die Regentschaft sich weigert. F�r diese
Dienste wird Damon seitens der Serie zum Chef der Zur�stungen
gew�hlt; so wird ihm sein Geschenk mit doppelter Zuneigung
vergolten; seine intelligenten und eifrigen Genossen erweisen sich
ihm dankbar und ihre Freundschaft und sein Ansehen steigt bei ihnen
und den rivalisirenden Nachbarn. Der Reiche kann also sich mit
vollem Vertrauen der Phalanx �berlassen, er hat keine Falle zu
f�rchten, kein ungeh�riges Verlangen wird ihn beunruhigen. Kein
Zweifel, da� in der Harmonie die Ungleichheiten sich leicht
verbinden. Lustigkeit, Wohlbefinden, H�flichkeit und
Rechtschaffenheit der niederen Klassen werden den Reichen zum
Eintritt in die Vereinigungen verf�hren, dazu kommen die
prunkvollen Zur�stungen f�r die Arbeiten der Phalanx und die
Einigkeit der Soziet�re. Die Aermeren wieder werden auf ihre neue
Lage und die hohe Bestimmung ihrer Phalanx stolz sein und werden
Alles aufbieten, der neuen Stellung w�rdig zu erscheinen. Unter
solchen Verh�ltnissen werden Alle bem�ht sein, die gerechte
Vertheilung des Einkommens der Phalanx, wovon die Aufrechterhaltung
der soziet�ren Ordnung abh�ngt, zu erleichtern. Man frage wohl, wie
k�nne die Habsucht, die Liebe zum Gelde, die in der Phalanx
fortbestehen solle, eine gerechte Vertheilung erm�glichen? aber man
werde sehen, da� in den Serien der Triebe gerade die Liebe zum
Gelde der Weg zur Tugend und zur Gerechtigkeit sei, so sehr die
Moralisten die Liebe zum Gelde verurtheilten.�
Fourier explizirt dieses also: Nichts sei leichter in einem
Unternehmen, als die Vertheilung des Ertrages nach dem Ma�stab des
eingeschossenen Kapitals, das sei eine Jedermann wohlbekannte, rein
arithmetische Aufgabe; aber auch Arbeit und Talent gerecht zu
honoriren und zufrieden zu stellen, das sei eine Kunst, welche die
Zivilisirten nicht verst�nden, und so beklagten sie sich best�ndig
�ber Ungerechtigkeit und Uebelwollen. Wolle die Phalanx freilich
jedem Einzelnen, entsprechend seiner Theilarbeit, in vielleicht
drei�ig oder mehr Serien und hundert Gruppen seinen Antheil
�berweisen, so w�rde dies eine au�erordentlich umst�ndliche und
schwer zu l�sende Aufgabe sein. Der Mechanismus der Vertheilung sei
nicht auf die Individuen, sondern auf die Serien berechnet, und
diese werden nicht nach ihrer speziellen Leistung, sondern nach
ihrer Bedeutung f�r die Phalanx in Betracht gezogen. Die Serien
gelten als die einzelnen Assozi�s, und kraft des Rangs, den sie in
dem Tableau der Arbeiten einnehmen, wird die Dividende nach drei
Klassen vertheilt: 1. nach der Nothwendigkeit, 2. der N�tzlichkeit
und 3. der Annehmlichkeit der Arbeit. Wird z.B. die Serie des
Wiesenbaues als solche von hoher Wichtigkeit anerkannt, so erh�lt
sie ein Loos erster Ordnung in der Klasse, in der sie figurirt. Die
Erzeugung von K�rnerfr�chten ist Arbeit erster Nothwendigkeit, aber
die Serien darin bilden selbst wieder f�nf Ordnungen, und so ist
wahrscheinlich, da� die Erzeugung von Korn, Weizen, Mais etc. auf
der Stufenleiter der Nothwendigkeiten erst in dritter Ordnung
kommen.
�Die h�chste Dividende f�llt den unangenehmsten Arbeiten zu und
diese erhalten in der Phalanx die kleinen Horden; darauf kommt die
Fleischerei in R�cksicht auf die damit verbundenen widerlichen und
�belriechenden Arbeiten. Die Pflege und Ern�hrung der S�uglinge und
Kinder in den niedersten Lebensaltern wird f�r eine schwerere
Arbeit anerkannt als die eigentliche Feldarbeit. Mediziner,
Chirurgen und die groben Handarbeiter rangiren in der ersten
Ordnung der Nothwendigkeit, werden also wie die Arbeit der kleinen
Horden am h�chsten belohnt. Die Arbeit wird nicht nach dem Werth
bemessen, sondern nach dem Ma� der Anziehung, das sie aus�bt, je
h�her die Anziehung, also auch die Annehmlichkeit, je geringer die
Belohnung.�
�Fragt man den Zivilisirten, was nach seiner Meinung die h�here
Belohnung verdiene, ob die Serien der Obstz�chter oder die der
Blumenz�chter, so wird er antworten: die ersteren, und zwar h�tten
diese in der Klasse der N�tzlichkeiten, die Blumenz�chter in der
Klasse der Annehmlichkeiten zu rangiren. Aber das ist ein ganz
falscher Schlu�. Obgleich die Obstbaum- und Fr�chtezucht sehr
produktiv ist, rangirt sie in der Harmonie in die Klasse der
Annehmlichkeiten, weil sie au�erordentlich anziehend ist. Die
Obstbaumzucht ist in der Harmonie eine der reizvollsten Erholungen.
Jeder Obstgarten ist mit Blumenalt�ren bes�et, die von Zierstauden
umgeben sind; hier werden die Ruhepausen abgehalten, hier
vereinigen sich die Geschlechter, und so bietet diese Kultur neben
der Gefl�gelzucht die meiste Anziehung. Dadurch wird die Obstzucht
in die dritte Klasse, in die der Annehmlichkeiten gereiht, und
empf�ngt die niederste Belohnung. Was die Blumenzucht betrifft, die
im Allgemeinen in der Zivilisation nicht sehr gesch�tzt wird und
kaum die Kosten deckt, so erwecken zwar ihre Produkte Liebreiz,
aber die Arbeit erfordert gro�e P�nktlichkeit, erhebliche
Kenntnisse und viele Sorgfalt und das Vergn�gen ist von kurzer
Dauer. Aber diese Kultur ist, sowohl um die Kinder zu bilden, als
um die Frauen f�r das Erforderni� der Kultur und das Studium
agronomischer Verfeinerungen zu gewinnen, sehr werthvoll. Auch
eignen sich die Arbeiten der Obstzucht nicht immer f�r die Kinder,
wof�r hingegen die Pflege der verschiedenen Blumensorten sehr
geeignet ist. Aus diesen Gr�nden werden die Serien der
Blumenz�chter in die zweite Klasse, die der N�tzlichkeiten,
versetzt werden.�
�Wird also die Obstbaumzucht, die noch besonders werthvoll dadurch
wird, da� ihre Produkte, sei es in Natur, sei es als Kompot,
Marmelade u.s.w. f�r die Ern�hrung und Verfeinerung der Lebensweise
die wichtigsten Dienste leisten, in die dritte Klasse, des
Angenehmen, versetzt, so gelangt die Oper, die wir f�r rein
�berfl�ssig anzusehen geneigt sind, in die zweite Ordnung der
ersten Klasse, die der Nothwendigkeiten. Man wird freilich sagen,
M�ller und B�cker sind n�tzlicher, aber das kann nur von einem
Gesellschaftszustand gelten, der die industrielle Anziehung nicht
kennt. Von letzterem Standpunkt aus ist aber die Oper f�r die
Harmonie sehr werthvoll, weil sie f�r die Kinder das m�chtigste
H�lfsmittel ist, sie zur Gewandtheit und zur Einheitlichkeit der
industriellen Th�tigkeiten zu erziehen. Von diesem Standpunkt aus
geh�rt sie in die erste Klasse, die der Nothwendigkeiten, soweit
hingegen sie den Erwachsenen als Mittel zum Vergn�gen dient,
rangirt sie in die dritte Klasse, die der Annehmlichkeiten.�
�Ma�stab der Vertheilung f�r die Arbeit ist also: 1. die direkte
Wirkung, die sie f�r die Bande der Einheitlichkeit der Phalanx im
Spiel des sozialen Mechanismus besitzt; 2. der Werth, den sie hat
f�r die Beseitigung widriger Hindernisse und 3. im umgekehrten
Verh�ltnisse steht zu der St�rke der Anziehung, die sie erweckt.
Unter den ersten Fall sind, wie schon bemerkt, die Besch�ftigung
der kleinen Horden, unter den dritten die Oper f�r die Erwachsenen,
unter den zweiten unter Anderem die Besch�ftigung in den Minen und
Bergwerken zu z�hlen.�
�In dieser Art gruppiren sich die verschiedenen Th�tigkeiten, deren
Klassifizirung und Ordnung die Mitglieder der Phalanx selbst
bestimmen. Die Verst�ndigung ist um so leichter, da jedes Mitglied
in einer ganzen Menge von Serien und in einer noch gr��eren Zahl
von Gruppen besch�ftigt ist. Die Gunst, die ein Mitglied einer
Serie oder Gruppe in der Zubilligung der Dividende erw�rbe, w�rde
es in den anderen Gruppen und Serien sch�digen; sein eigenes
Interesse zwingt es also zur gr��ten Objektivit�t; auch ist es
interessirt, da� die Harmonie nicht gest�rt wird, weil diese
Sch�digung des Ganzen unfehlbar den gr��ten Schaden f�r es selbst
br�chte. Von diesen Gesichtspunkten aus vertheilt sich auch das
Einkommen auf Kapital, Arbeit und Talent.�
�Alippus ist ein reicher Aktion�r, der bis dahin in der
Zivilisation f�r die Ausleihung seines Kapitals auf G�ter 3-4
Prozent erhalten hat. In der Phalanx hat er Aussicht, 12-15
Prozent zu bekommen. Er ist sehr f�r gerechte Vertheilung des
Ertrages, doch dr�ngt ihn seine Habsucht, als Kapitalist die H�lfte
der Dividende in Anspruch zu nehmen. Er mu� sich aber sagen, da�
dann die beiden anderen zahlreichen Klassen, die Arbeit und Talent
aufwandten, sehr unzufrieden sein werden und wahrscheinlich binnen
wenig Jahren die Phalanx sich aufl�se und dies sein gr��ter Schade
sei. Diese Einsicht veranla�t ihn, sich in seinem eigenen Interesse
mit weniger zu begn�gen und eine Theilung zu akzeptiren, die dem
Kapital 4/12, der Arbeit 5/12 und dem Talent 3/12 zuweist. Er hat
nach diesem Ma�stab noch drei- bis viermal mehr Einkommen, als die
Zivilisation ihm gew�hrte, er lebt viel billiger in der Phalanx,
als in der Zivilisation, und er sieht au�erdem die beiden anderen
Klassen befriedigt und dies sichert den Bestand der Gesellschaft.
Was ihn au�erdem bestimmt, sich zufrieden zu geben, ist, da� er
gleichzeitig als Mitglied einer Anzahl Serien, in denen er viel
Vergn�gen geno�, freundschaftliche und Liebesbeziehungen ankn�pfte,
seinen Antheil als Th�tiger und, soweit er darin durch Talent sich
auszeichnete, auch daf�r seinen Antheil erh�lt. Seine Habsucht
wurde also durch zwei Gegengewichte in der richtigen Mitte
gehalten, er hat die Ueberzeugung, da� im Interesse Aller er sein
eigenes Interesse wahrt und daf�r die Zustimmung der Phalanx
findet, und da� der Fortschritt der industriellen Anziehung f�r ihn
zur Quelle gro�en Reichthums wird.�
Sehen wir weiter zu. Johannes hat kein Kapital und keine Aktien, er
w�re also als Zivilisirter sehr daf�r, da� die Arbeit auf Kosten
des Kapitals und Talents den L�wenantheil erlangt und rechnet 7/12
f�r die Arbeit, 3/12 f�r das Kapital und 2/12 f�r das Talent.
Johannes, als Mitglied der Assoziation, denkt inde� anders. Wohl
hat er den lebhaften Trieb, der Arbeit den Hauptantheil zuzuweisen,
aber da er in einer Reihe von Serien und Gruppen durch Talent der
Erste ist, so verkennt er nicht, da� auch dem Talent sein
entsprechender Antheil geb�hre. Au�erdem begreift er als
einsichtiger B�rger die Bedeutung des Kapitals, welche Vortheile
der Arme aus den Ausgaben der Kapitalisten zieht, welche
Annehmlichkeiten reiche Angeh�rige ihren Serien und Gruppen
erweisen, endlich, da� seine Kinder Aussicht haben, mit Legaten
bedacht zu werden. Alles das genau erwogen, findet auch er, da� man
ein Einsehen haben und da� die Arbeit zu Gunsten von Kapital und
Talent ein wenig zur�cktreten m�sse. Er k�mpft also auch gegen die
�unvern�nftige Raubsucht� (�rapacit� d�raison�e�), deren ein
Zivilisirter f�hig w�re und findet ebenfalls bei der Repartition
von 4/12 f�r das Kapital, 5/12 f�r die Arbeit und 3/12 f�r das
Talent seine Seele und sein Gewissen befriedigt.
Fourier glaubt mit besonderem Nachdruck auf dieser Art Vertheilung
beharren zu m�ssen, was man bei seinem Bestreben und seinem festen
Glauben, diese von ihm entdeckte und konstruirte ideale
Gesellschaft mit freiwilliger Zustimmung aller Klassen und zum
Wohlsein aller Klassen ohne irgend welche gewaltsame
Ersch�tterungen begr�nden zu k�nnen, begreifen wird. W�re die
Fourier'sche Phalanx �berhaupt m�glich und keine Utopie, so w�re
unfa�bar, warum das Kapital, bei all den sich ihm er�ffnenden
gl�nzenden Aussichten, sich nicht beeilte, Hals �ber Kopf diesen
neuen Gesellschaftszustand zu begr�nden. Fourier glaubt felsenfest
an diese M�glichkeit und die Richtigkeit der von ihm gemachten
Aufstellungen; er konstruirt sich die Pr�missen und da m�ssen die
Konklusionen stimmen. Falsch sind nicht seine Voraussetzungen,
sondern falsch ist die Gesellschaft, die in ihrer Kurzsichtigkeit
und Verblendung den Weg, der sich ihrem Gl�ck �ffnet, nicht sieht
oder zur�ckweist. Er behauptet also mit Ueberzeugung, da� der Arme
in der Harmonie die reiche Klasse und den Antheil des Kapitals am
Ertrag bereitwillig unterst�tzen werde, weil ihm mit H�lfe des
Kapitals in der Phalanx so zahlreiche Chancen, zu Verm�gen zu
kommen, sich darb�ten. Der Arbeiter der Phalanx sei nicht
entmuthigt, wie der Arbeiter der Zivilisation, der keine Aussicht
habe, selbstst�ndiger Unternehmer zu werden. �Seine Kinder k�nnen
durch Kenntnisse, Talent, Sch�nheit zu hohen W�rden und Stellungen
kommen, auch kann er, da er stets mehr erwirbt als er ausgiebt,
Ersparnisse machen, und so selbst allm�lig Aktion�r werden.� N�hrt
ihm doch die Phalanx die Kinder, die vom dritten Lebensjahre ab
bereits selbst voll verdienen, was sie brauchen und sp�ter mehr
verdienen, als sie n�thig haben; liefert ihm doch die Phalanx alle
Werkzeuge und nicht weniger als drei Paradeuniformen f�r die Feste
und Aufz�ge; auch besucht er weder Kneipen noch Caf�'s, da er nach
f�nf vortrefflichen Mahlzeiten und all den Abwechslungen und
Vergn�gungen, die ihm die t�gliche Besch�ftigung bietet, f�r solche
Orte kein Bed�rfni� mehr empfindet; endlich besteht �berall die
volle Gleichberechtigung: er nimmt an allen Berathungen Theil, hat
das gleiche Stimmrecht und somit nach keiner Richtung einen Grund,
gegen die Reichen Abneigung zu empfinden. In der That, es geh�rt
viel Verbohrtheit dazu, all diesen Verlockungen zu widerstehen.
Fourier kommt nat�rlich nicht im Traum der Gedanke, da�, wenn all
diese sch�nen Ausmalungen und scharfsinnigen mathematischen
Berechnungen dennoch ihre Wirkungen verfehlen, das ganze System auf
falschen Voraussetzungen beruhen m�sse, denn f�r ihr Interesse sind
die Menschen in allen Zeitaltern und bei allen V�lkern sehr
empf�nglich gewesen und namentlich die herrschenden Klassen. Aber
aller Widerstand und alle Feindseligkeit, die ihm begegneten,
machten ihn an der Richtigkeit seiner Theorien und seiner
Berechnungen nicht irre, diese sind f�r ihn unbestreitbar, und so
ist selbstverst�ndlich, da� der einmal begonnene Faden sich ruhig
bis zu Ende spinnt, und ein Geb�ude entsteht, in dem jeder Stein
genau auf den anderen pa�t, bei dem Alles auf's Genaueste und
Scharfsinnigste berechnet und vorgesehen ist, dem aber die
Hauptsache fehlt, das reale Fundament. Die Erkenntni� der
eigentlichen Entwicklungsgesetze der Gesellschaft, welche zwar die
Gesellschaft einst zu einem �hnlichen Zustande, wie ihn Fourier als
scharfsichtiger Seher voraussetzt, f�hren werden, aber auf anderem
Wege und durch andere Mittel und -- wann die Entwicklung reif ist,
-- die Erkenntni� ihrer Entwicklungsgesetze blieb ihm und seinem
Zeitalter fremd.
Wie der Kapitalist und der Arbeiter sich zufrieden geben und genau
so schlie�en, wie es der Konstrukteur dieser idealen Gesellschaft
w�nscht, so nat�rlich auch das Talent. Philint ist Mitglied von 36
Serien. In zw�lf zeichnet er sich als alter erfahrener Serist durch
gro�e Geschicklichkeit und durch Talent aus, in zw�lf anderen ist
er nur mittelm��iger Arbeiter und in den zw�lf letzten Neuling.
Nachdem beim Jahresschlu� die Inventur gemacht wurde und die
Mitglieder der Phalanx zur Entscheidung berufen werden, k�nnte er
in Anbetracht der Talente, die er in zw�lf Serien entwickelte, sehr
geneigt sein, den Antheil des Talents besonders zu beg�nstigen.
Aber als �berlegender Mann mu� er sich sagen, da� damit weder sein
Interesse noch das der Phalanx gewahrt w�rde. Einmal stehen nicht
nur den 12 Serien, in denen er sich auszeichnet, 24 gegen�ber, in
denen er nur mittelm��iger Arbeiter oder gar Neuling ist, es findet
sich auch, da� von den 12 Serien, in denen er sich hervorthut, nur
vier in die erste, also h�chst belohnte Klasse, die der
Nothwendigkeiten, fallen, vier andere in die zweite und die letzten
vier in die dritte Klasse. Daraus ergiebt sich f�r ihn von selbst,
da� er den einseitigen Ma�stab der Bevorzugung des Talents nicht
zur Geltung kommen lassen kann. Ein anderer Umstand tritt bei all
diesen Erw�gungen �ber die Vertheilungen hinzu. Da die Interessen
aller Mitglieder in den dutzenden von Serien und hunderten von
Gruppen pers�nlich voneinander differiren, in einer Serie oder
Gruppe, wo zwei oder mehrere harmoniren, diese wieder in allen
anderen Serien und Gruppen in ihren Interessen auseinandergehen,
ist ein Intriguenspiel zu Gunsten einzelner Serien oder Gruppen
unm�glich. In diesen hunderten durcheinandergehenden und sich
kreuzenden Interessen, wobei kein Einzelner etwas vermag und keine
Verbindung gleicher Interessen m�glich ist, mu� schlie�lich das
Allgemeininteresse, das damit das Interesse Aller wird, siegen.
Diese Idee ist ungemein geistreich und scharfsinnig, und die
Richtigkeit der Vorders�tze, von denen Fourier ausgeht, zugegeben,
hat er vollkommen recht, triumphirend auszurufen, da� sowohl in den
Details wie im Ganzen bei der Vertheilung die distributive
Gerechtigkeit in der Phalanx herrscht. �Das Regime der Serien der
Triebe ist die gewollte Gerechtigkeit, die das angebliche Laster,
den _Durst nach Gold, in den Durst nach Gerechtigkeit umwandelt_.�
Die Habsucht, eines der schlimmsten Laster in der Zivilisation,
wird also auch in der Phalanx zur Tugend. Unsere heute als am
lasterhaftesten bezeichneten Triebe werden in der soziet�ren
Ordnung n�tzlich und gut, wie es die von Gott gewollte Bestimmung
ist. Die Bewegung der Organisation der Triebe wird nach der von
Schelling ausgesprochenen Idee �in jedem Sinn der Spiegel der
universellen Analogie�. Schlie�lich hat Fourier nichts dagegen
einzuwenden, wenn die Vertheilung auch derart stattfindet, da� die
Arbeit 6/12, das Kapital 4/12 und das Talent nur 2/12 erh�lt. Das
ganze Vertheilungsgesetz formulirt er also: �Es m�sse die
individuelle Habsucht durch das Kollektivinteresse jeder Serie und
der gesammten Phalanx und die kollektiven Anspr�che jeder Serie
durch das individuelle Interesse eines jeden Seristen, als
Angeh�riger einer Menge anderer Serien, absorbirt werden.� Und
dieses Gesetz wird erreicht �durch das direkte Verh�ltni� der Zahl
der frequentirten Serien im umgekehrten Verh�ltni� zu der Dauer der
Arbeit in den einzelnen Serien�. Mit anderen Worten: Je mehr Serien
der Einzelne angeh�rt und je k�rzer in Folge dessen die einzelnen
Arbeitssitzungen werden, um so leichter wird die ausgleichende
Gerechtigkeit in der Vertheilung des Arbeitsertrags sich
herstellen. Mit der Zahl der differirenden Interessen des Einzelnen
w�chst die M�glichkeit der gerechtesten Ausgleichung und die
Einheitlichkeit des Ganzen.
Die Habsucht wirkt also schlie�lich ausgleichend in der Harmonie,
aber ihr steht noch ein zweiter Impuls zur Ausgleichung gegen�ber,
die Edelm�thigkeit. Erstere wirkt direkt, letztere indirekt. Zum
Beispiel: �Es handelt sich um die Vertheilung eines Ertrags von 216
Frks. unter neun Mitglieder einer Gruppe, wobei sich zuf�llig
herausstellt, da� die Reichsten und Wohlhabendsten unter den neun
Gruppisten in Folge ihrer Leistungen das Meiste erhalten. Darauf
erkl�ren die beiden Ersten, da� sie in Anbetracht ihres
Kapitaleinkommens und des Vergn�gens, das ihnen die Arbeit
gebracht, sich mit dem Minimum begn�gen -- auf das Ganze d�rfen sie
nicht verzichten -- was vier Franken betr�gt. In Folge dessen
bleiben 52 Franken an die Uebrigen weiter zu vertheilen. Aber dem
Beispiel der beiden Ersten folgen zwei Andere, nur da� diese
entsprechend ihrem geringeren Verm�gen von dem ihnen zufallenden
Antheil nur auf die H�lfte verzichten, wobei weiter 20 Franken zu
vertheilen �brig bleiben. Diese 72 Franken werden nun dergestalt
unter die f�nf armen Soziet�re vertheilt, da� sie je 24, 18, 12, 9
und 9 Franken erhalten, und zwar erh�lt davon eine sch�ne Vestalin,
nicht wegen ihrer Leistungen, sondern weil sie bei den Gebern wie
bei den �brigen Mitgliedern in Gunst steht, den h�chsten Satz.
Diese Gunstbezeugung ist keine Ungerechtigkeit, denn sie sch�digt
Niemand in seinen Rechten, sie wird aber in der Harmonie eine
Quelle der Uebereinstimmung. So werden auch eine gro�e Zahl von
W�rden und Szeptern, bis zu dem des Omniarchen des Erdballs, als
Gunstbezeugungen vergeben, weil alle diese W�rden durch Wahl
erfolgen.
Wenn nun hieraus sich ergiebt, da� die reichsten Soziet�re nur den
m�glichst geringsten Arbeitsantheil empfangen -- die
Verzichtleistung soll nach Fourier in Folge des Beispiels
allgemeine Regel werden -- und den gr��ten Theil ihres Einkommens
nur nach Ma�gabe ihrer Kapitalien beanspruchen, so resultirt
daraus, da� ihr Antheil am allgemeinen Benefizium im umgekehrten
Verh�ltni� zu der Entfernung (�distance�) der Kapitalien von
einander steht, denn f�r Arbeit und Talent tendiren sie nur den
kleinsten Theil in Anspruch zu nehmen. Dagegen steht ihr Antheil am
allgemeinen Benifizium bez�glich des Kapitalantheils im direkten
Verh�ltni� der Masse der Kapitalien. Es kommen also hier genau wie
in der physischen Welt zwei entgegenwirkende Kr�fte in Betracht,
die zentripetale, welche hier die Habsucht ist, und die
zentrifugale, die Edelm�thigkeit.
Der Leser wird bereits erkannt haben, da� Fourier hier das von
Newton entdeckte Gesetz der Anziehung der Weltk�rper, wonach diese
wirkt im graden Verh�ltni� zu ihrer Masse und im umgekehrten
Verh�ltni� zum Quadrat ihrer Entfernung, auf den Vertheilungsmodus
seiner Phalanx anzuwenden sucht. Alle Beziehungen der Menschen
unter sich und zum Weltall sind ja nach Fourier durch mathematische
Verh�ltni�zahlen zum Ausdruck zu bringen und nach Analogien
geordnet, also mu� auch die Phalanx, welche im Kleinen das
Spiegelbild der Einheitlichkeit der Welt darstellt, diese
mathematischen Verh�ltnisse zum Ausdruck bringen. Freilich ist
dieser Versuch im vorliegenden Fall ein verungl�ckter, denn unter
dem Ausdruck Entfernung kann doch nichts Anderes als die Gr��e der
Kapitalien verstanden werden, und ihre Gr��e deckt sich wieder mit
ihrer Masse, mit dem Quadrat der Entfernung haperts �berhaupt; und
was ist der Mittelpunkt, um den die Kapitalien gravitiren? Im
b�rgerlichen Leben ist der Mittelpunkt, nach dem Alles strebt, das
Kapital selbst, in der Phalanx schwebt es in der Luft. Doch
vergessen wir nicht, da� es sich hier um ein geistreiches, mit
gro�em Scharfsinn aufgebautes Utopien handelt.
Fourier ist nun weiter der Ansicht, da� in seiner Phalanx die
Generosit�t, welche die reichen Leute �ben, wenigstens 7/8 des
Betrags ihrer Dividenden, und bei den Mittelleuten die H�lfte
derselben umfassen werde, diese also den �rmeren Soziet�ren zu Gute
kommen. Das klinge freilich wie eine romantische Vision, weil man
sich in der Zivilisation ein solches Ma� von Gro�muth gar nicht
vorstellen k�nne. Mit den bereits hervorgehobenen Triebfedern f�r
eine solche Handlungsweise verbinden sich allerdings noch andere,
wie diejenigen, die aus den Liebesbeziehungen resultiren. Doch bei
den Vorurtheilen der Zivilisation gegen alles, was das Kapitel der
freien Liebe betreffe, sei er gen�thigt, grade dieses f�r die
Harmonie so werthvolle und �u�erst interessante Gebiet nicht weiter
zu ber�hren; so viel aber sei sicher, da� die freie Liebe und die
freie Vaterschaft seelische und physische Kraftquellen erschlie�en
werde, die der Lebensfreudigkeit und der Entwicklung der Menschheit
die gl�nzendsten Aussichten er�ffneten.
Was schlie�lich den Loosantheil betreffe, der dem Talent zufalle,
so gew�hre dies besonders den unbemittelten Alten in der Phalanx,
die in Folge einer langen Erfahrung in den verschiedensten
Arbeitszweigen und in der Leitung der Arbeiten hervorragten,
Aussicht auf Gewinn. In der Zivilisation sei die Arbeit des
Talents, die in der Harmonie eine Ausgleichung zwischen dem, was
dem Kapital und dem, was der Arbeit zufalle, herbeif�hren solle,
nur eine Art Fu�schemel, auf dem der Reichere auf Kosten des
Aermeren, dessen Kenntnisse er f�r sich ausbeute, in die H�he
steige; der gesellschaftlich Beg�nstigte schm�ckte sich mit den
Federn des Armen. Die Handlungen aus Edelmuth in der Phalanx seien
es ferner, die haupts�chlich die Grenzen zwischen den Armen und
Reichen verwischten, daher werde ein Monarch in der Harmonie
mitleidig l�cheln, wenn man ihm eine Schutzgarde anbiete. Alle, die
ihn umgeben, seien ihm von Herzen und nicht wegen der Bezahlung
ergeben, der Monarch genie�e ohne alle Kosten eine Zuneigung, die
er sich in der Zivilisation nie zu erwerben verm�ge, wo er seine
Sicherheit nur in der Umgebung von erkauften S�ldlingen zu glauben
finde und doch nicht vor der Ermordung sicher sei.[20]
[Fu�note 20: Anspielung auf die verschiedenen Attentatsversuche
und Verschw�rungen, denen trotz aller Sicherheitsma�regeln Napoleon
I. wie Ludwig XVIII. und Louis Philipp ausgesetzt waren.]
Die gro�e Ungleichheit der Verm�gen werde es gerade sein, die in
der soziet�ren Gesellschaft die Harmonie geb�re; nur ein Schatten
von Gleichheit hierin w�rde sie zerst�ren. Kein mittelreicher Mann
werde deshalb den Ansto� geben, mehr zu �berlassen, als was das
Minimum �berschreite. Es gen�ge, um einen solchen Akt des
Wohlwollens begehen zu k�nnen, den Soziet�ren das betr�chtliche
Einkommen, das ihnen die zugestandene Dividende aus den Aktien
einbringe. So werde, den moralischen Diatriben gegen die gro�en
Verm�gen zum Trotz, die Phalanx, wo die Ungleichheit des Verm�gens
die gr��te und best abgestufteste sei, die doppelte Harmonie, in
Folge des Spiels der Impulse der Habsucht und der Gro�muth, am
besten erreichen. �Wie weit entfernt war doch die arme Moral, in
das Geheimni� der Harmonie der Vertheilung, die f�r alle anderen
Harmonien die Grundlage bildet, einzudringen.� Und da griffen die
Philosophen seine Theorie als bizarr und unbegreiflich an, die doch
im Gegentheil gar nichts Willk�rliches habe, sondern auf
unersch�tterlichen geometrischen Theorien aufgebaut sei. Man preise
Newton als das gr��te moderne Genie, weil er die Berechnung der
Gesetze der Anziehung begonnen habe, worin er sich aber nur auf
einen Zweig beschr�nkte; warum unterdr�cke man da ihn, den Mann,
der diese Berechnung fortgesetzt und sie vom materiellen auf das
passionelle Gebiet, ein Zweig, der f�r die Menschheit sehr viel
n�tzlicher sei, als den, welchen Newton behandelte, �bertragen
habe. Es sei nichts, als die Furcht, da� diese von ihm begr�ndete
neue Wissenschaft das Handelsgesch�ft mit den philosophischen
Systemen und B�chern sch�dige.
Neben den bisher angef�hrten Faktoren, die nach Fourier eingreifen,
um das Leben in der Phalanx zu einem m�glichst angenehmen zu
gestalten, wirken noch solche, welche die gegenseitige
Uebereinstimmung und die Vers�hnung der Klassen und
Standesunterschiede herbeif�hren, so die Beziehungen, welche die
Freundschaften zwischen Armen und Reichen und die Liebe zwischen
Jungen und Alten herstellen wird. Die Zivilisation erzeuge zwar
auch ausnahmsweise die eine oder die andere dieser Beziehungen,
aber bei dem Mangel der Serien der Triebe k�nnten sie zu keinem
System werden. Wie Freundschaften zwischen Arm und Reich in der
Harmonie entstehen, ist schon ausgef�hrt worden. Die Beziehungen,
welche die freie Liebe hervorruft, m��ten in R�cksicht auf die
ebenfalls schon erw�hnten Vorurtheile der Zivilisirten uner�rtert
bleiben, so sind nur die aus Ehrgeiz und der Vaterschaft sich
ergebenden Verh�ltnisse n�her zu betrachten.
�In unserer Zivilisation herrscht unter den verschiedenen Klassen
und Standesabstufungen �berall nur Ha� und Feindseligkeit oder
Geringsch�tzung. Der hohe Adel sieht auf den niederen, der Adel
�berhaupt auf die Bourgeoisie, die Bourgeoisie wieder auf das Volk
mit mehr oder weniger gro�er Feindseligkeit oder Geringsch�tzung
herab, und diese Gef�hle werden von unten nach oben erwidert.
Innerhalb der einzelnen Schichten selbst giebt es wieder
verschiedene Abstufungen, zwischen denen �hnliche Gef�hle
herrschen. Kurz, mit der s��en Br�derlichkeit, welche die Moral und
die Philosophie predigen, sieht es in der Wirklichkeit recht windig
aus. Da verachtet der gro�e Kaufmann den kleinen, der Gelehrte den
Nichtgelehrten, der B�rger den Bauern und Arbeiter. Aber wo das
Merkenlassen dieser Gef�hle den Interessen schadet, versteckt man
sie, und das nennt man dann Gewandtheit oder Klugheit (�savoir
faire�). Wo in der Zivilisation sich der H�here dem Niederen
scheinbar freundschaftlich n�hert, sind in der Regel Hintergedanken
im Spiel und sie f�hren zum Ueblen und zu Unordnungen. So, wenn der
Gro�e einer Frau aus dem Volke sich n�hert, die Folge ist
gew�hnlich ein Bastardkind; oder wenn wirklich Ehen stattfinden,
f�hren sie zu Ueberwerfungen in der Familie. Betrifft es hingegen
Sachen des Ehrgeizes, so handelt es sich um Wahlintriguen,
Parteistreitigkeiten, B�ndnisse zur Unterdr�ckung. Und gleichwohl
ist der Ehrgeiz in der Harmonie ein sehr geeignetes Mittel, alle
widerstrebenden Elemente zu verbinden. Napoleon sagt man nach, er
habe in Moskau eine Medaille pr�gen lassen, welche die Inschrift
enthielt: �Der Himmel f�r Gott, die Erde f�r Napoleon.� Das ist
damals den Franzosen gar schrecklich vorgekommen. In Wahrheit hat
er damit eine sehr vern�nftige Absicht, die Gr�ndung einer
Weltmonarchie ausgesprochen. Dieser Gedanke ist durchaus korrekt
und es ist nur zu bedauern, da� Napoleon ihn nicht verwirklichen
konnte, er w�rde damit der neuen sozialen Ordnung wesentlich
Vorschub geleistet haben. Gleiche Sprache, gleiche Schrift, gleiche
Kommunikationsmittel, gleiches Geld, Ma� und Gewicht zu schaffen,
gleiche Unternehmungen in Industrie, Handel und Verkehr,
Wissenschaft und Kunst zu begr�nden und zu vollbringen, einen
Weltmeridian aufzustellen, alles dem Menschen Sch�dliche und
Feindliche im Pflanzen- und Thierreich zu vernichten, das h�chste
Wohlsein durch die Gr�ndung der Phalanxen auf dem ganzen Erdboden
herbeizuf�hren und damit auch die Aenderung und Verbesserung der
Temperaturen zu bewerkstelligen, das ist das Ziel der soziet�ren
Ordnung, und es werden mit dieser Ordnung die Weltmonarchie und die
Territorialmonarchien �ber den ganzen Erdboden begr�ndet werden.�
K�nftig k�nnten also Mann wie Frau ihren Ehrgeiz darauf richten,
Herrscher oder Herrscherin der Welt oder einer der
Territorialmonarchien zu werden, und f�r einen politischen Eunuchen
gelte, wessen Ehrgeiz sich mit Geringerem begn�ge. Diese Ansicht
scheine bizarr, sie sei es aber nicht, denn nichts sei leichter in
der soziet�ren Ordnung, �als C�sar und Pompejus zu vers�hnen�.
C�sar und Pompejus k�nnten an demselben Ort in ganz verschiedenen
W�rden nebeneinander regieren. Giebt es doch nicht weniger als
sechszehn verschiedene Szepter und eine gro�e Auswahl von W�rden
und Titeln. Da giebt es W�rden und Titel f�r die Erblichkeit, die
Adoption, den Favoritismus, das Vestalat u.s.w. Alle diese Szepter,
W�rden, Titel, Grade, er�ffnen sich Jedem. �Kennt der Monarch in
der Zivilisation nur den legitimen Erben, in der Harmonie wird er
auch das Recht der Adoption haben, eine Freiheit, deren er bei uns
beraubt ist und ihm nicht selten den Lebensabend verbittert. Auch
kann der Souver�n wie die Souver�nin, um der Erblichkeit zu
gen�gen, sich eine Zeugerin oder einen Zeuger w�hlen; ferner jeder
Monarch kann Nachfolger bestimmen, welchen er nur bestimmte
Funktionen, also einen Theil seiner Regierungsgewalt �bertr�gt. Die
Harmonisten k�nnen alle neu gegr�ndeten Throne durch Wahl aus ihrer
Mitte besetzen, dagegen k�nnen die erblichen Throninhaber und
Throninhaberinnen ihre vollen oder Theilnachfolger, wie ihre
eigenen Gatten und Gattinnen nach Wahl sich aussuchen. Welche
Aussichten er�ffnen sich da f�r V�ter und M�tter, f�r junge M�nner
und junge M�dchen! Und welcher Ausblick f�r sch�ne, liebensw�rdige
Frauen, deren Aussichten, einen Thron zu erobern, in unserer
Zivilisation so geringe sind. Welche Mittel immer sie in Anwendung
bringen, ein gestecktes Ziel zu erreichen: Unschuld, Talent,
Sch�nheit, Liebensw�rdigkeit, Gef�lligkeit, alles ist ihnen
erlaubt, sie schaden Niemand damit. Welch m�chtige Mittel, das Volk
an die Gro�en zum Anschlu� zu bringen und alle Quellen des Hasses,
der Feindseligkeit, der Mi�gunst zu verstopfen.
�Zu diesen Anziehungs- und Auss�hnungsmitteln zwischen Hoch und
Niedrig kommt in der Phalanx auch noch das Mittel der Vaterschaft,
ein Thema, das etwas schwierig zu behandeln ist, weshalb es sich
empfiehlt, die Thatsachen statt der Prinzipien sprechen zu lassen.
Man vergesse nicht, da� in Folge der vern�nftigen und naturgem��en
Lebensweise der Harmonisten auch die Langlebigkeit in der Phalanx
herrscht; unter je zw�lf Personen giebt es _mindestens_ eine,
welche ein Alter von 150 Jahren erreicht. Nehmen wir des Beispiels
halber Einen dieser Aeltesten. Ithuriel, ein sehr reicher Mann, der
150 Jahre z�hlt, sieht auf sieben Generationen herab. Er hat 120
direkte Nachkommen, welche er in seinem Testament zu bedenken
gewillt ist. Die n�chsten Nachkommen, ein Sohn und eine Tochter,
welche schon reich sind, bedenkt er nur mit einem kleinen Theil
seines Verm�gens, die n�chstfolgenden bedenkt er etwas mehr. Er
giebt aber auch der sechsten und siebenten Generation erhebliche
Antheile, damit sie nicht in Versuchung kommen, den Tod �lterer
Verwandten zu w�nschen. Er verbraucht f�r diese Verm�chtnisse die
H�lfte seines Verm�gens. Die anderen beiden Viertel legirt er
dergestalt, da� ein Viertel auf hundert Adoptirte kommt, das andere
Viertel an hundert Freunde und Seitenverwandte f�llt, darunter
seine Frauen, die selbst reich sind und keiner gr��eren Erbschaften
bed�rfen. Diese einzige Erbschaft umfa�t also direkt und indirekt
einen gro�en Theil der Mitglieder der Phalanx. Da viele Frauen und
M�nner in der gleichen Lage wie Ithuriel sind, werden sie in
�hnlicher Weise testiren und es geht schlie�lich Niemand leer aus.�
�Da kommt die Moral und predigt, wir sollten uns Alle als eine
Familie von Br�dern und Schwestern betrachten. Leeres Geschw�tz.
Kann Lazarus, ein armer junger Mann, den reichen Patriarchen
Ithuriel als seinen Bruder betrachten? Wenn er in der Zivilisation
auf ihn spekuliren wollte, bek�me er nichts. Aber in der Phalanx
ist er vielleicht einer seiner entfernten Nachkommen, oder ein
Seitenverwandter, oder einer der Adoptirten; sicher braucht er sich
nicht wie sein Namensvetter in der Bibel mit den Brosamen zu
begn�gen, die von der Reichen Tische fielen. Es giebt in der
Phalanx f�r ihn eine Menge Gelegenheiten, zu Ansehen und
Beliebtheit und damit unzweifelhaft auch zu Wohlhabenheit zu
kommen. Schlie�lich ist in der Phalanx, wo die Arbeit Jedem sein
Wohlsein garantirt, Niemand auf die Erbschaftslungerei angewiesen,
wie dies in der Zivilisation so gew�hnlich ist, wo der Tod des
Erblassers nicht erwartet werden kann. Und andererseits, wie darf
ein Vater in der Zivilisation es wagen, auch den Gef�hlen der
Philanthropie und der Freundschaft Rechnung zu tragen, ohne das
Mi�fallen und selbst die Erbitterung seiner direkten Nachkommen zu
erregen?�
�In der soziet�ren Ordnung wird also auch die Frage gel�st, wie
kann zwischen Testator und Erben ein Verh�ltni� hervorgerufen
werden, das die Zuneigung der Erben dem Erblasser erh�lt, sie
veranla�t, ihm die Verl�ngerung des Lebens zu w�nschen, dessen Ende
heute in den meisten F�llen ungeduldig erwartet wird.�
* * * * *
Alle Schriftsteller, alte wie neuere, die sich bisher eingehend mit
den sozialen Fragen besch�ftigten, konnten nicht umhin, auch die
Bev�lkerungsfrage in den Kreis ihrer Er�rterungen zu ziehen, so
auch Fourier. Fourier mu�te dies um so mehr, als er einen in's
kleinste Detail ausgearbeiteten Organisationsplan f�r die ganze
Erde entwarf, eine Organisation, welche die Grundlage f�r alle
weitere Entwicklung der Menschheit bilden sollte. Wer so f�r die
Zukunft sorgt, mu� auch die Bev�lkerungsfrage seiner Pr�fung
unterziehen und eine L�sung f�r sie finden. Wie in allen �brigen
Fragen, so geht auch hier Fourier seinen eigenen Weg. Seine
Ansichten sind um so interessanter, als in der Zeit seines ersten
schriftstellerischen Auftretens die Schrift von Malthus �ber die
Bev�lkerungstheorie bereits erschienen war und pro und kontra in
den interessirten Kreisen lebhaft er�rtert wurde. Malthus stellte,
sich anlehnend an �ltere Schriftsteller, bekanntlich die Theorie
auf, da� die Menschheit die Tendenz habe, sich in geometrischer
Progression, also in dem Zahlenverh�ltni� 1, 2, 4, 8, 16, 32 u.s.w.
zu vermehren, dagegen die Nahrungsmittel die Tendenz h�tten, sich
in arithmetischer Progression zu vermehren 1, 2, 3, 4, 5 u.s.w.
Aus diesen beiden sich widersprechenden Tendenzen folge, da� in
kurzer Zeit -- Malthus setzte einen Zeitraum von 25 Jahren voraus,
die gen�gten, um die Verdoppelung der Menschenzahl herbeizuf�hren
-- die Erde so �berv�lkert sei, da� die Menschen an Nahrungsmangel
zu Grunde gehen m��ten. Malthus betrachtete es als �g�ttliche
Bestimmung�, da� Alle, die am Gastmahl des Lebens keinen Platz
f�nden, zu verhungern h�tten; das sei der nat�rliche Lauf der
Entwicklung, so nur werde Raum f�r die Nachkommenden geschaffen.
Diese brutale Theorie, welche der herrschenden Klasse das Gewissen
erleichterte, fand bei dem Einen ebenso lebhaften Anklang, als bei
dem Andern Widerspruch. Man wandte ein, da� die Erfahrung die
Theorie nicht rechtfertige, weder habe die Bev�lkerungszahl in dem
angegebenen Ma�stab bisher sich vermehrt, noch sei nachzuweisen,
da� die Vermehrung der Nahrungsmittel in den gezogenen Grenzen sich
bewege. Trete �berhaupt einmal Ueberv�lkerung ein, dann geschehe es
in einer f�r die jetzigen und die nachfolgenden Generationen so
fernen Zeit, da� die Frage jedes akute Interesse verliere. U.s.w.
Fourier fa�t die Frage an einem anderen Ende an. Zun�chst wirft er
den Politikern und Oekonomen vor, da� sie durch ihre Inkonsequenzen
und Unbesonnenheiten �berhaupt �bers�hen, das Verh�ltni� der
Bev�lkerung als Konsumenten zu der Zahl der vorhandenen produktiven
Kr�fte n�her zu bestimmen, da es darauf vor Allem ankomme. Er
huldigt also dem Grundsatz, steigende Produktivkr�fte schaffen
steigendes Produkt, beides steht im Verh�ltni� zueinander.
�Vergebens werde die Zivilisation Mittel zu entdecken suchen, eine
vier- selbst hundertfache Vermehrung des Produkts zu erzielen, wenn
die Menschen verurtheilt seien, sich unter dem bisherigen sozialen
Zustand zu vermehren, der in Folge un�konomischer Verwendung die
Gesellschaft zwinge, best�ndig das drei- und vierfache Produkt
aufzuh�ufen, um das gewohnte graduirte Auskommen der verschiedenen
Klassen zu erm�glichen.�
Zu allen Zeiten sei in der Zivilisation die Ausgleichung der
Bev�lkerung im Verh�ltni� zu den Nahrungsmitteln eine der Klippen
der Politik gewesen. Schon die Alten, die ringsum sich so viel
unkultivirte Regionen liegen sahen, die der Kolonisirung f�hig
waren, h�tten gegen die Ueberv�lkerung kein anderes Mittel als
Aussetzung, Kindest�dtung, Erw�rgung der �bersch�ssigen Sklaven
gehabt.
�Darin zeichneten sich die tugendhaften Spartaner besonders aus.
Die r�mischen B�rger, die so stolz auf den Namen freier M�nner,
aber weit entfernt waren, gerechte M�nner zu sein, vergn�gten sich,
ihre Sklaven in den Kampfspielen zu Grunde gehen zu sehen ...
Neuerdings haben sich Stewart, Wallace und Malthus �ber die Frage
ausgelassen. Stewart stellt die Frage, woher man auf einer Insel
die Lebensmittel nehmen wolle, wenn die Bev�lkerung von 1000 auf
10.000 oder gar 20.000 sich vermehre, w�hrend die Insel gut
kultivirt nur f�r 1000 Nahrung habe. Darauf hat man geantwortet:
man m�sse alsdann den Ueberschu� fortsenden und anderw�rts weiter
kolonisiren. Damit ist aber die Frage umgangen. Wie dann, wenn der
ganze Globus so bev�lkert ist, da� f�r den Ueberschu� nichts mehr
zu kolonisiren �brig bleibt? Man antwortete, und darin stimmen auch
die Owenisten ein, da� die Erde noch nicht �berv�lkert sei und es
noch wenigstens 300 Jahre dauere, ehe dieser Zeitpunkt komme. Das
ist ein Irrthum, denn schon nach 150 Jahren ist die Erde
�berv�lkert. Auf alle F�lle ist nach 150 oder 300 Jahren die Frage
brennend und nicht gel�st, wenn man bei den jetzigen Anschauungen
und Mitteln bleibt. Nun, die soziet�re Ordnung hat sehr wirksame
Mittel, die Ueberv�lkerung zu verh�ten und sie auf dem rechten
Stande zu erhalten. Es sind ungef�hr f�nf Milliarden, die
ausk�mmlich existiren k�nnen, wenn der ganze Erdboden mit Phalanxen
bedeckt ist und die von mir vorausgesehenen klimatischen
Verbesserungen eintreten, im anderen Falle ern�hrt er nur drei
Milliarden.�
�Im soziet�ren Zustand stellt die Natur der exzessiven Vermehrung
der Bev�lkerung vier wirksame D�mme entgegen: 1. die gr��ere Kraft
und K�rperentwicklung der Frauen; 2. die �ppige Lebensweise; 3. die
phanegoramischen Sitten; 4. die gleichm��ige k�rperliche Uebung
aller Kr�fte. Was die gro�e K�rperentwicklung bewirkt, das sehen
wir bei den starken Frauen in unseren St�dten; auf vier Frauen, die
�berhaupt unfruchtbar sind, kommen drei robuste, wohingegen die
zarten Frauen von der gr��ten Fruchtbarkeit sind. Man antwortet,
da� die Frauen auf dem Lande meist robust und doch fruchtbar seien.
Das ist richtig, aber das ist nur ein Beweis mehr, da� alle vier
Mittel kombinirt angewendet und miteinander verkettet werden
m�ssen. Die Frauen auf dem Lande sind fruchtbar, weil sie m��ig
leben und eine grobe, haupts�chlich vegetabilische Nahrung zu sich
nehmen. Die St�dterinnen leben �ppiger und raffinirter und daher
kommt ihre gr��ere Unfruchtbarkeit. Verbindet sich nun in der
Harmonie die k�rperliche Kraftentwicklung der Frauen mit �ppiger
Lebensweise und Nahrung, so wird man zwei wirksame Mittel, die der
Fruchtbarkeit entgegenwirken, verbunden haben.�
Zu den phanegoramischen Mitteln �bergehend, l��t Fourier aus
naheliegenden Gr�nden eine L�cke. Das vierte Mittel, die
gleichm��ige k�rperliche Uebung, werde durch den h�ufigen Wechsel
der Besch�ftigungen und die kurzen Arbeitssitzungen in hohem Ma�e
bewirkt. Man habe nie beobachtet, wie auf Pubert�t und
Fruchtbarkeit k�rperliche Uebungen einwirkten. Dies sei frappant.
Daher erlangten unsere D�rflerinnen sp�ter die Geschlechtsreife als
die St�dterinnen oder die reichen Landbewohnerinnen. Die
Fruchtbarkeit sei den Einfl�ssen k�rperlicher Uebungen gleichfalls
unterworfen. Seien die k�rperlichen Uebungen gleichm��ig und w�rden
sie abwechselnd und proportionell auf alle Theile des K�rpers
angewandt, so sei kein Zweifel, da� die Geschlechtsorgane sich
sp�ter entwickelten. Das sehe man �berall, wo die Erziehung
vorzugsweise auf die geistige und wo sie haupts�chlich auf die
k�rperliche Entwicklung gerichtet werde. Kinder von hoher Geburt
�bten den Geist mehr als den K�rper, daraus resultire, da� ihre
geschlechtlichen Eigenschaften m�chtig angefeuert w�rden und
fr�hzeitig sexuelle Eruptionen vorzeitige Geschlechtsreife
erzeugten.
In der Harmonie werde das Gegentheil eintreten. Die Harmonisten
w�rden noch sp�ter als die heutigen Landbewohner ihre
Geschlechtsreife erlangen, weil die fortgesetzten und abwechselnden
k�rperlichen Uebungen alle Glieder in Anspruch n�hmen, lange Zeit
die Lebenss�fte absorbirten; sie w�rden also den Augenblick
verz�gern, wo in Folge ermangelnder Absorption der Ueberschu� der
S�fte unvermuthet die Pubert�t vor dem von der Natur gewollten
Zeitpunkt herbeif�hre. Ebenso w�rden die gleichm��ig gehandhabten
gymnastischen Uebungen bei den Frauen die Fruchtbarkeit hemmen und
zwar in solchem Ma�e, da� eine Frau, welche die Empf�ngni� w�nsche,
sich nun umgekehrt durch Enthaltung k�rperlicher Uebungen und
gr��erer industrieller Anstrengungen auf diesen Zustand vorbereiten
m�sse. Die allzugro�e k�rperliche Ruhe in der Lebensweise der
heutigen St�dterinnen sei es haupts�chlich, welche den
Geschlechtstrieb und die Empf�nglichkeit steigerten, es fehle das
Gegengewicht der k�rperlichen Anstrengungen und Uebungen.
Wende man also die vier bezeichneten Mittel in Verbindung
miteinander an, so w�rden die Chancen der Fruchtbarkeit im
Gegensatz zu heute sich wenden und es sei statt eines Ueberschusses
eher ein Defizit in der Bev�lkerungsentwicklung zu f�rchten, man
werde mithin die Mittel anwenden, wie die Umst�nde sie erforderten.
Man sei also in der Harmonie im Stande, ein Gleichgewicht zwischen
der Menge der Lebensmittel und der Menschenzahl herbeizuf�hren. Der
vern�nftige Mann habe nur so viel Kinder, da� er ihnen das n�thige
Verm�gen sichern k�nne, ohne welches es kein Gl�ck gebe, nur der
unvern�nftige setze die Kinder zu Dutzenden in die Welt, sich
entschuldigend wie jener Schah von Persien: �Gott schickt sie und
es kann nie zu viel rechtschaffene Menschen geben.� Der soziale
Mensch sinke auf die Stufe der Insekten, wenn er ameisenartig
Kinder zeuge, die schlie�lich in Folge ihrer Ueberzahl gen�thigt
seien, sich gegenseitig aufzuzehren. Wenn sie dies nicht
buchst�blich wie die Insekten, Fische, wilden Thiere machten, so
zehrten sie sich politisch auf, durch R�ubereien, Kriege und
Perfidien aller Art in der besten der Welten. Unter der
Zivilisation werde ein Land, wie bev�lkert es auch sei, nie dazu
gelangen, es wahrhaft zu kultiviren, das zeige sich an Frankreich,
dessen Boden zu einem Drittel brach liege, an Irland, das zwar
nicht das bev�lkertste Land, dessen Bev�lkerung aber die �rmste und
verkommenste in Europa sei, trotzdem fruchtbares Land in H�lle und
F�lle vorhanden sei.
So zeige sich �berall, da� das Gleichgewicht auf umfassender
Entwicklung und nicht auf Erstickung begr�ndet sein m�sse, da� alle
Neigungen wie der Hang nach Reichthum, nach Befriedigung des
Ehrgeizes, Herrschaftsgel�ste, Habsucht, Gier nach Erbschaft,
Verlangen nach Befriedigung der Liebesbed�rfnisse und was sonst
noch die Zivilisation Alles als Fehler und Uebel ansehe, welche die
Natur des Menschen erzeuge, ohne sie befriedigen zu k�nnen, in der
Harmonie eben so viel Wege der Tugend und des allgemeinen Gl�ckes
w�rden. Das gen�ge wohl, um die sogenannten starken Geister, die
stets behaupteten, da� die Bewegung und die Triebe nur Wirkungen
des Zufalls seien, die man beliebig modeln und unterdr�cken k�nne,
und die den Glauben erweckten, als bed�rfe Gott der Unterweisungen
eines Plato und Seneka, um zu wissen, wie er die Welten zu schaffen
und die Triebe in Harmonie zu leiten habe, zu verwirren.
Unzweifelhaft liegt der Idee Fourier's in Bezug auf das
Bev�lkerungsgesetz eine gro�artige und fruchtbare Auffassung zu
Grunde. Er erkl�rt mit vollem Recht, da� die Zivilisation, in
unserer Sprache ausgedr�ckt die b�rgerliche Gesellschaft, wie sie
�berhaupt unf�hig ist, die sozialen Gegens�tze aufzuheben, auch
unf�hig ist, die Bev�lkerungsfrage zu l�sen. Das zeigt sich nicht
nur an dem auch von Fourier angef�hrten klassischen Beispiel, an
Irland, dessen Bev�lkerung in demselben Ma�e �rmer wird, als sie an
Zahl im Lande abnimmt, w�hrend die Zahl der unter den Pflug
genommenen Acker Landes und die H�upterzahl der Viehherden w�chst;
wir sehen ganz Aehnliches gegenw�rtig auch in Ungarn und in Ru�land
sich vollziehen, wo die b�rgerliche Raubwirthschaft an Grund und
Boden die Massenverarmung, die steigende Verschuldung und die
Verminderung der ackerbautreibenden Bev�lkerung, verbunden mit
Massenbankerotten im Gefolge hat. Und geht die Entwicklung in der
gegenw�rtigen Richtung noch einige Jahrzehnte weiter, so werden die
Vereinigten Staaten, Ostindien und Neuholland dasselbe Bild uns
bieten. Die Raubwirthschaft an Grund und Boden beg�nstigt die
treibhausm��ige Entwicklung der Industrie und des Verkehrs, und so
erzeugt, wie Fourier vollkommen richtig und seiner Zeit weit
vorauseilend ausf�hrte, �_die Zivilisation die Armuth aus dem
Ueberflu�_,� und macht �jedes Uebel und jedes Laster, das die
Barbarei nur auf einfache Weise aus�bt, zu einem doppelseitigen,�
sie geht an ihrem �cercle vicieux�, an ihren inneren Widerspr�chen
zu Grunde. Was Fourier vorausahnend in Bezug auf das
Bev�lkerungsgesetz zu begr�nden versuchte, hat Karl Marx positiv in
den Satz formulirt: da� jede �konomische Entwicklungsperiode auch
ihr besonderes, ihr eigenth�mliches Bev�lkerungsgesetz hat.
In der That wird Niemand, der die gesellschaftliche Entwicklung in
ihren verschiedenen Entwicklungsphasen einigerma�en verfolgte --
Wildheit, Barbarei, Patriarchat, Zivilisation, und hier wieder
antiker, feudaler, b�rgerlicher Staat -- bestreiten k�nnen, da� die
jeweilige Entwicklung der Eigenthumsformen, der materiellen
Lebensbedingungen der Gesellschaft, auch in jeder Periode
entsprechende Bev�lkerungszust�nde schaffte. So wird auch eine
sozialistische Gesellschaft mit von Grund aus ver�nderter
materieller Lage f�r die Gesammtheit und mit ihren Ver�nderungen in
den Beziehungen der Geschlechter ein von der b�rgerlichen
Gesellschaft abweichendes Bev�lkerungsgesetz f�r ihre Entwicklung
haben. Der Unterschied wird haupts�chlich sein, da�, w�hrend bisher
alle Gesellschaftsordnungen sich ihre Lebensbedingungen schufen,
ihrer eignen treibenden Gesetze unbewu�t, aber auch die Bedingungen
ihres Untergangs unbewu�t erzeugten, eine sozialistische
Gesellschaft sowohl ihr Entwicklungsgesetz wie ihr
Bev�lkerungsgesetz erkennt und beide bewu�t anwenden wird; sie wird
sich �ber ihre eigene Zukunft ebensowenig wie �ber den einstmaligen
Untergang des Menschengeschlechts t�uschen.
* * * * *
Nach Fourier's Auffassung ist die Welt einheitlich organisirt,
Alles verbunden und in Beziehungen zu einander. Der Sch�pfer dieser
Welt ist Gott, aber der eigentliche Mittelpunkt derselben ist der
Mensch. Zwischen Gott und dem Menschen bestehen die innigsten
Wechselbeziehungen, und will der Mensch das Gl�ck, das seine
Bestimmung ist, erreichen, mu� er Gott als den obersten Leiter der
Welt anerkennen. Diese Erkenntni� hat man aber von Alters her zu
verhindern gesucht. Man hatte sich gew�hnt, die Welt mit 35.000
G�ttern zu bev�lkern, statt den einen Gott anzuerkennen. Das war
eine himmlische Maskerade, unter welcher es schwierig war, die
wahren Absichten Gottes zu entschleiern. Selbst Sokrates und Cicero
beschr�nkten sich darauf, sich in ihrem Jahrhundert von diesen
G�ttersottisen zu isoliren und den �unbekannten Gott� zu
verherrlichen, ohne weitere Untersuchungen anzustellen, die dem
Geist der Zeit entgegen waren. Sokrates ward ein Opfer seiner
Bekenntnisse.
Heute, nachdem der Christianismus uns zu gesunden Ideen wieder
zur�ckgef�hrt, zu dem Glauben an einen einzigen Gott, seien jene
Superstitionen zerst�rt. Die menschliche Vernunft m�sse anerkennen,
da� alle Erleuchtung von Gott komme, sie m�sse sich seinem Geist
unterwerfen, und also bleibe nur �brig zu bestimmen, welch
wesentliche Charaktereigenschaften, Attribute, Ansichten und
Methoden Gott in Bezug auf die Harmonie des Weltalls habe.
Die Antwort auf die Frage Feuerbach's: �Wer hat Gott geschaffen?�,
Antwort: �der Mensch�, trifft schlagend hier bei Fourier zu, der
sich seinen Gott konstruirt, wie er ihn f�r sein soziales System
braucht.
Dieser sein Gott hat f�nf wesentliche Eigenschaften, die ihn zu der
ihm zugedachten Stelle bef�higen. Er ist alleiniger und
vollkommener Leiter aller Bewegung im Weltall; denn, sagt Fourier,
wenn Gott, dieser oberste Leiter, der alleinige Herr des
Universums, der Sch�pfer und Vertheiler von und f�r Alles ist, so
hat er auch alle Theile des Weltalls zu lenken und besonders die
_wichtigsten_, die sozialen Beziehungen. Also ist er der soziale
Gesetzgeber und nicht die Menschen. Letztere haben nur das soziale
Gesetz zu suchen, das Gott ihnen bestimmte. Da erhebe nun die
Philosophie ihr Geschrei und setze sich, d.h. also die menschliche
Vernunft, an die erste, und Gott an die zweite Stelle. Das bedeute,
da� sie Gott von der Pr�rogative der Gesetzgebung in Sachen der
sozialen Ordnung ausschlie�e und sich an seine Stelle setze. Wem
leuchte nicht diese Anma�ung ein? Eine zweite Haupteigenschaft
Gottes sei, oberster Oekonom aller H�lfsmittel zu sein. Diese
Stellung erfordere, da� er die gr��ten soziet�ren Vereinigungen den
kleinsten, wie der Familie und der isolirten Privatwirthschaft
vorziehe, da� er ferner als Motor die Anziehung der Triebe anwende,
welche zw�lf gro�e Ersparungen im Vergleich zu dem Regime der
Einschr�nkung und des Zwangs, wie es die Zivilisation besitze,
erm�gliche. Diese zw�lf Ersparungen z�hlt er auf. Die dritte
Haupteigenschaft Gottes bilde die distributive Gerechtigkeit. Davon
sehe man nicht einmal einen Schatten in der Zivilisation, _wo das
Elend der V�lker in demselben Ma�e wachse, wie die Industrie
zunehme_. Das erste Zeichen von Gerechtigkeit in der Zivilisation
solle ein dem Volk garantirtes Minimum des Lebensunterhaltes sein.
Aber statt dessen sehe man das Gegentheil. Der Handelsgeist f�hre
dahin, die hei�e Zone mit ihren den Heimathl�ndern entrissenen
schwarzen Sklaven, die gem��igte Zone mit wei�en Sklaven zu
bedecken, die man in die industriellen Bagnos (die Fabriken)
zwinge. Wo sei auch nur ein Funke von Gerechtigkeit vorhanden, wenn
trotz des Wachsthums der Industrie den Armen nicht einmal die
M�glichkeit, Arbeit zu erhalten, garantirt sei? Wo diese Zust�nde
hintrieben, sehe man an England. Die distributive Gerechtigkeit,
die Gott wolle, gebe es nur in der Harmonie.
Die vierte Haupteigenschaft Gottes sei die Allgemeinheit der
Vorsehung. Sie m�sse sich auf alle V�lker, Wilde wie Zivilisirte,
ausdehnen. Da nun die Annahme unserer sozialen Ordnung von Wilden
und Barbaren verweigert werde, so sei dies ein Beweis, da� diese
Ordnung nicht den Ansichten Gottes entspreche, welcher ein System
wolle, das die Harmonie unter allen Menschen herstelle. Jede
Ordnung aber, die auf Gewalt beruhe, widerspreche der menschlichen
Natur. Jede Klasse, die wie die Sklaven, durch das heutige System
direkt, oder wie die Arbeiter indirekt unterdr�ckt w�rde, sei der
St�tze der Vorsehung beraubt, die auf der Erde durch die Anziehung
der Triebe in den industriellen Anwendungen allein zur Geltung
komme. Jeder Zustand, der auf der Gewalt beruhe, sei den Ansichten
Gottes entgegen, es m�sse also eine soziale Ordnung hergestellt
werden, vor der alle V�lker und alle Klassen sich neigten, wenn die
Vorsehung universell sein solle. Endlich, die f�nfte
Haupteigenschaft Gottes sei, als Sch�pfer des Weltalls auch die
Einheitlichkeit des Systems zu wollen, welche die Anwendung der
Anziehung als Triebfeder f�r alle sozialen Harmonien und alle
Welten voraussetze, von den Sternen bis zu den Insekten. Es sei
also das Studium der Anziehung, in dem man das g�ttliche, das ganze
All beherrschende Gesetz zu suchen habe. Weder Voltaire noch
Rousseau seien im Stande gewesen, dieses soziale Gesetz zu
entdecken; Voltaire habe in Gasconaden (prahlerischen Redensarten)
sich ergangen, Rousseau habe dem philosophischen Obskurantismus die
Wege gebahnt, Beide h�tten das Ziel verfehlt.
Fourier greift also direkt die beiden Heiligen der franz�sischen
Bourgeoisie an: Voltaire, der die Macht des Klerus und der Kirche
wie kein Zweiter untergrub und ersch�tterte, und Rousseau, der das
sozial-philosophische Lehrgeb�ude errichtete, dessen Theorien das
franz�sische B�rgerthum in der gro�en Revolution in die Praxis
umzusetzen versuchte und, soweit auch wirklich umsetzte, als dies
die Praxis des Lebens, d.h. die materiellen Interessen der nunmehr
in Staat und Gesellschaft zur Herrschaft gekommenen Klasse
zulie�en. In der Selbstt�uschung befangen, nagelte man als
Firmenschild die Devise: Freiheit, Gleichheit, Br�derlichkeit an,
jene Devise, die in so grellem Kontrast zur Wirklichkeit stand und
deren unbegreiflicher Widerspruch mit den Thatsachen die K�mpfe in
der Konstituante und im Konvent hervorriefen, die
Schreckensherrschaft der �Tugendhaftesten�, der blindesten Verehrer
Jean Jacques Rousseau's, der Robespierre, St. Just und Genossen
gebaren und schlie�lich mit der Diktatur eines Napoleon Bonaparte
endeten und enden mu�ten. Diesen Widerspruch zwischen den Theorien
und der Praxis hatte Fourier so scharf wie nur noch Einer, St.
Simon, erkannt und daher seine Angriffe und sein �tzender Spott
gegen die Philosophen, die Moralisten, die Metaphysiker, die
Politiker und Oekonomen, die geistigen Tr�ger und Lobredner, die
Ideologen des b�rgerlichen Systems.
Wie nun Fourier das Bed�rfni� empfand, sein soziales System als mit
den Absichten Gottes in Einklang stehend darzustellen, sich selbst
als den Propheten der neuen von Gott gewollten Ordnung anzusehen,
so versuchte er auch den Nachweis, da� seine Theorien mit der Lehre
Jesu, den Schriften des Neuen Testaments im Einklang st�nden. Nach
der Revolution war man in Frankreich wieder sehr fromm geworden,
Napoleon hatte sich schlie�lich mit dem Papstthum ausges�hnt und es
als Vorspann f�r seine Kaiserherrlichkeit zu benutzen versucht. Der
Weizen der Kirche bl�hte erst recht, als nach dem Sturze
Bonaparte's die Restauration, gest�tzt auf die Bajonette der
heiligen Allianz, in Frankreich ihren Einzug hielt. Es konnte also
die Berufung auf die Ausspr�che Christi unter keinen Umst�nden
schaden, namentlich wenn man, wie Fourier, entschlossen war, die
Unterst�tzung f�r sein soziales System zu nehmen, wo man sie fand,
und die er, wenn �berhaupt, nur in den Kreisen der Gro�en und
Reichen finden konnte. Er war daher sehr �rgerlich und sogar
�berrascht -- letzteres ein Beweis daf�r, da� Ueberzeugung und
nicht blos Berechnung im Spiele war -- als er erfuhr, da� der Papst
seine Werke gleich denen von Owen und Lamartine auf den Index
gesetzt habe. Er, der scharfsinnige Denker, konnte nicht fassen,
da� der Gott, dem er huldigte, der Sch�tzer und Beg�nstiger aller
sinnlichen Triebe, dessen Kredo lautete: �Mensch genie�e, und je
mehr du genie�est, um so besser entsprichst du dir selbst als
Mensch, deiner menschlichen Bestimmung und Gott als deinem
Sch�pfer,� wir sagen, er konnte nicht fassen, da� dieser Gott ein
ganz anderer Gott war, als jener der christlichen Askese, der die
Verachtung des Reichthums, der irdischen G�ter, der fleischlichen
Gen�sse und Begierden, kurz die Verachtung der Welt predigte.
Fourier legte ein besonderes Gewicht darauf, wie er in seinen
Schriften nachdr�cklich und wiederholt hervorhebt, in Sachen der
Wissenschaft mit Newton, in Sachen seiner sozialen Theorien mit
Christus �bereinzustimmen. Indem er sich auf die Ausspr�che Jesu im
Neuen Testamente st�tzt, bricht um so heftiger sein Zorn gegen die
Philosophen los, die, wie er voraussetzt, aus niedrigen,
egoistischen Motiven und verletzter Eitelkeit ihn bek�mpfen, da�
er, der Mann ohne Rang und Namen, der keine wissenschaftlichen
Schulstudien absolvirt, eine Entdeckung gemacht habe, die bestimmt
sei, das Schicksal des Menschengeschlechts und das Aussehen des
Erdballs zu ver�ndern.
Wie er die Ausspr�che Jesu zu seinen Gunsten und zugleich zu
Angriffen auf seine ihm verha�testen Gegner zu verwenden sucht,
daf�r m�gen die folgenden Beispiele zeugen:
�'Gl�cklich die Armen am Geist, denn das himmlische K�nigreich ist
ihnen.' Kein Gleichni� ist bekannter, keins weniger begriffen. Wer
sind die Armen am Geiste, die Christus hier r�hmt? Es sind
Diejenigen, die sich vor dem falschen Wissen der zweifelhaften
Philosophie bewahren. Dieses falsche Wissen ist f�r das Genie die
Klippe, der Weg zum Ruin, der es von dem rechten Wege, der zu allen
n�tzlichen Studien f�hrt, aus denen die soziet�re Harmonie, das
himmlische K�nigreich und die Gerechtigkeit, die Jesus zu suchen
befiehlt, hervorgehen, ablenkt. Vor dem Mi�brauch unseres Geistes,
vor dem Labyrinth dieser durch ihre eigenen Autoren verurtheilten
Philosophie, die wie Voltaire zu ihrer eigenen Schmach sagen: Oh!
welch dicke Finsterni� bedeckt noch die Natur! mu� man uns
sch�tzen. Die wahre Erleuchtung bringt Jesus. Die Entdeckung des
soziet�ren Mechanismus und des Studiums der Anziehung ist den
geraden Geistern vorbehalten, welche die Sophismen verabscheuen.
Sagt doch Jesus (Matth. XI, 25): 'Ich preise Dich Vater und Herr
des Himmels und der Erde, da� Du solches den Weisen und Klugen
verborgen hast, und hast es den Unm�ndigen geoffenbaret.' Die
Erkenntni� ist also den einfachen Geistern bewahrt, die Philosophen
k�nnen sie nicht entdecken. Indem Jesus von den Armen am Geiste
spricht, will er der Unwissenheit kein Lob zollen, wie die Sp�tter
ihm unterschieben, er bezeugt damit nur seine Verachtung f�r die
hartn�ckig gepredigten wissenschaftlichen Dunkelheiten.�
�Die soziale Welt kann das Geheimni� der Bestimmungen nur erfassen,
wenn sie darauf hin ihre Untersuchungen macht, aber die Erkenntni�
wird ihr vorenthalten sein, so lange sie nicht sucht. Das sagt
Jesus deutlich, indem er spricht (St. Luc. XI): 'Suchet, so werdet
ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgethan' und (St. Luc. XII):
'Glaubt ihr, da� Gott f�r euch weniger als f�r die V�gel unter dem
Himmel sorgt?' Was w�rde das Suchen n�tzen, wenn man keinen anderen
Ausgang f�nde, als die Zivilisation, diesen Abgrund von Elend, der
immer dieselben Gei�eln, nur unter wechselnden Formen, erzeugt?
Zweifellos bleibt also eine gl�cklichere Gesellschaft zu entdecken
�brig, wenn der Retter uns selbst zum Suchen auffordert. Aber warum
hat er nicht selbst uns �ber diese aufgekl�rt? Kannte er nach
seinen eigenen Worten, Vergangenheit und Zukunft, das Ganze der
Bestimmungen, indem er sagt: 'Mein Vater hat alles in meine H�nde
gegeben', konnte er uns da nicht �ber unsere soziet�re Bestimmung
belehren, anstatt uns zu veranlassen, die Entdeckung zu machen, die
dann durch unser blindes Vertrauen in die Philosophen so viele
Jahrhunderte verz�gert wurde?� Fourier, der diese Fragen stellt,
ist nat�rlich um die Antwort nicht verlegen, er antwortet: �Da
Jesus von seinem Vater mit der religi�sen Offenbarung beauftragt
war, konnte er nicht noch mit der sozialen belastet werden, sie war
vielmehr ausdr�cklich ausgenommen, wie er selbst in den Worten
ausspricht: 'Gebt C�sar, was des C�sars ist, und Gott, was Gottes
ist.' Er trennte also die Funktionen streng, je nachdem sie der
Autorit�t oder der sozialen Politik zufielen. Er that also nicht,
was nicht seine Aufgabe war, aber er kannte die gl�ckliche
Bestimmung des Menschengeschlechts, denn er sagt: 'Gott hat seinen
Sohn nicht in die Welt gesandt, da� er die Welt richte, sondern da�
die Welt durch ihn selig werde.' Seine Mission beschr�nkte sich auf
das Wohl der Seelen und das ist der edelste Theil unserer
Bestimmung, dagegen bleibt der untergeordnete Theil, der �ber das
politische Wohl der Gesellschaften, der menschlichen Vernunft
vorbehalten, und demzufolge auch die Untersuchung des sozialen
Mechanismus nach den W�nschen Gottes; ein Weg, welcher durch die
Berechnung der Anziehung entdeckt wurde.�
�Jesus liebt es, sich in Anspielungen auf unsere gl�ckliche
Bestimmung zu ergehen und auf das, was uns bevorsteht; so sagt er
uns im Wesentlichen: Das Wohl der Seelen geht allem voran, was die
K�rper, die weltlichen Gesellschaften betrifft, sie sind noch im
Abgrund der Ungerechtigkeit, genannt Zivilisation; lasset sie
darin; es ist eure Aufgabe, den Zankapfel unter sie zu tragen:
'Denn von nun an werden f�nf in einem Hause uneins sein, drei wider
zwei und zwei wider drei. Es wird der Vater wider den Sohn und der
Sohn wider den Vater sein; die Mutter wider die Tochter und die
Tochter wider die Mutter etc.' Gen�thigt, auch den Ausgang aus
dieser sozialen H�lle zu verheimlichen, 'bin ich gekommen, ein
Feuer auf Erden anzuz�nden; was wollte ich lieber, denn es brennte
schon.' (St. Luc. XII.) Dieser Wunsch Jesu, da� es schon brenne,
ist weit entfernt, ein �belwollender zu sein, es spricht vielmehr
aus ihm die edle Ungeduld, das Ma� der Irrth�mer der Philosophie
gef�llt zu sehen, jener Philosophie, die alle Uebel, die sie zu
heilen vorgiebt, verschlimmert und durch das blinde Vertrauen, das
wir in sie gesetzt, uns schmachvoll zwingt, den Ausgang aus dem
politischen Labyrinth, in das sie uns gef�hrt, zu suchen. Darum
erhebt er auch mit W�rme gegen die Sophisten, die uns vom rechten
Studium abwenden wollen, seine Stimme, indem er sie verfluchend
sagt: 'Wehe euch Schriftgelehrten und Pharis�er, ihr Heuchler, da�
ihr seid, wie die verdeckten Todtengr�ber, dar�ber die Leute
laufen, und kennen sie nicht. Wehe euch Schriftgelehrten, die ihr
die Menschen mit unertr�glichen Lasten beladet und r�hret sie nicht
mit einem Finger an. Wehe euch, die ihr den Schl�ssel der
Erkenntni� weggenommen habt; ihr kommt nicht hinein, und wehret
denen, so hinein wollen.' (St. Luc. XI.) Ja die Philosophen wehren
uns den Eintritt, indem sie sich bem�hen, mit metaphysischen
Subtilit�ten das Studium des Menschen zu verbarrikadiren, das
einfachste Studium von allen, das nichts als eine von Vorurtheilen
freie Vernunft erfordert, vertrauend der Anziehung wie die Kinder.
Darum sagt auch Jesu: 'La�t die Kindlein zu mir kommen und wehret
ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich Gottes.' Und: 'Wer das Reich
Gottes nicht empf�ngt wie ein Kindlein, der wird nicht
hineinkommen.'�
Das gr��te Hinderni�, da� die Philosophen nicht den rechten Weg f�r
ihre Studien einschlugen, sei ihr Egoismus, den sie unter der Maske
der Philanthropie versteckten, darum ruft ihnen Jesu mit Heftigkeit
zu: 'Ihr, die ihr b�se seid von Jugend auf, k�nnt ihr sagen, da�
ihr irgend etwas Gutes thatet?' Und: 'Wehe euch Schriftgelehrten
und Pharis�ern, ihr Heuchler, die ihr gleich seid �bert�nchten
Gr�bern, die auswendig h�bsch scheinen, aber inwendig voller
Todtenbeine und Unflaths sind. Von au�en scheint ihr den Menschen
fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.' Der
niedrigste Egoismus habe die Philosophie auch verhindert, dem Volke
das einfachste und nat�rlichste Recht, das Recht auf ein Minimum
des Lebensunterhalts, zuzusprechen, ein Minimum, das Christus den
Pharis�ern gegen�ber ausdr�cklich in den Worten anerkannt habe:
'Habt ihr nie gelesen, was David that, da es ihm noth war, und ihn
hungerte, sammt denen, die bei ihm waren? Wie er in das Haus Gottes
ging, zur Zeit Obadja's, des Hohenpriesters, und a� die Schaubrote,
die Niemand durfte essen, denn die Priester; und er gab sie auch
denen, die bei ihm waren?' _Jesus hat also damit das Recht, zu
nehmen, wo man das Nothwendige findet, geheiligt, und dieses Recht
schlie�t implizite die Pflicht ein, dem Volk ein Minimum zu
sichern_; so lange diese Pflicht nicht anerkannt wird, besteht f�r
das Volk der soziale Vertrag nicht. Das ist das erste Gebot der
christlichen Liebe. Die Philosophie weigert sich hartn�ckig, dieses
Recht zu lehren, einfach, weil sie nicht wei�, durch welche Mittel
sie es dem Volk verschaffen soll, das ist freilich auch unm�glich,
so lange man nicht wei� die Zivilisation zu einer h�heren
Gesellschaftsordnung zu erheben.�
Fourier sieht aber nicht blos sein System an und f�r sich durch die
Ausspr�che Jesu als sicher in Aussicht gestellt, er findet sogar
einige seiner Haupttheorien durch sie gerechtfertigt, so die
Anerkennung der Gourmandise und die Nachsicht gegen die armen
S�nderinnen, die unter der Herrschaft der Zivilisation ihrem
Liebes- und Lebenstrieb nur in der Form der Prostitution Rechnung
zu tragen verm�gen. Er (Fourier) f�hrt Folgendes an: �Auf den
Vorwurf der Juden, die Jesu vorwerfen, gute Mahlzeiten zu lieben,
antwortete er: 'Johannes der T�ufer ist gekommen und a� kein Brot
und trank keinen Wein; da sagtet ihr: Er hat den Teufel. Des
Menschen Sohn ist gekommen, isset und trinket, da saget ihr: Siehe
der Mensch ist ein Fresser und Weins�ufer, der Z�llner und S�nder
Freund.' Und er antwortet weiter: 'Die Weisheit wird gerechtfertigt
sein von allen ihren Kindern.' (St. Luc. VII.) Jesus beurtheilte
also die Weisheit als sehr vertr�glich mit den Gen�ssen. Und um dem
vorgef�hrten Beispiel zu entsprechen, setzt er sich an die reich
bedeckte Tafel eines Pharis�ers, der ihn eingeladen hatte. Da kommt
eine Kourtisane, w�scht ihm die F��e und salbt ihn mit
wohlriechender Salbe. Der Pharis�er h�lt sich dar�ber auf, da� er
sich von einem solchen Weibe das gefallen lasse. Jesus aber
antwortete ihm: �Ihr sind viele S�nden vergeben, denn sie hat viel
geliebt; welchem aber wenig vergeben wird, der hat wenig geliebt.�
Voll Mitleid f�r das unterdr�ckte Geschlecht, verzeiht er der
S�nderin und der Ehebrecherin Magdalena. Auch sagt er uns: �Mein
Joch ist s�� und meine Last leicht.�
�Christus will also, da� man weder Feind des Reichthums noch der
Vergn�gungen sei, er fordert nur, da� man mit dem Genie�en des
Guten den Glauben verbinde, weil es der Glaube ist, der uns zur
Entdeckung des soziet�ren Regimes, des himmlischen K�nigreichs
f�hrt, 'wo alle G�ter im Ueberma� vorhanden sein werden'. (St. Luc.
XII.) Den Reichthum tadelt er nur r�cksichtlich der Laster, zu
denen er in der Zivilisation verf�hrt, weshalb er sagt: �Es ist
leichter, da� ein Kameel durch ein Nadel�hr geht, als da� ein
Reicher in's Himmelreich kommt.'�
Aus alledem gehe hervor, meint Fourier weiter, da� man die Worte
Jesu erst dann richtig fassen k�nne, wenn man die Bestimmung der
Menschheit kenne, denn hierf�r enthielten sie die verschleierten
Vorhersagungen. Wohl beachten m�ge man, was Jesus gegen die
Sophisten sage, wenn er diesen zurufe: �Sehet euch vor, vor den
falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig
aber sind sie rei�ende W�lfe. An ihren Fr�chten sollt ihr sie
erkennen. Kann man Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von
den Disteln?� (Matth. VII.) Man m��te nach alledem fragen, wie es
komme, da� die Kirche, die doch sehr bedeutende M�nner, wie
Bossuet, Fenelon und viele Andere gehabt habe, zu keinem Zweig des
Studiums der Anziehung gekommen sei; aber da hei�e es von ihr wie
im Kap. XXIII von Matth.: �Sie sagen wohl, was man thun soll, aber
sie thun es nicht.� Er greift dann auf's Neue die Philosophen,
namentlich Voltaire und Rousseau an, und wendet sich wiederholt
gegen Owen und seine Anh�nger, jene Sektirer, die unter dem Namen
der Assoziation anti-soziet�re Vereinigungen bildeten und die
Methoden, durch die allein die Uebereinstimmung der Triebe und die
Anziehung der Arbeit erzeugt werden k�nne, zur�ckwiesen. Au�erdem,
was k�nne man von einer Sekte, wie die Owen'sche, erwarten, die
darauf ausgehe, Gott zu leugnen und ihm die Huldigung zu
verweigern? Owen habe es sorgf�ltig vermieden, seine Assoziation
auf der Grundlage des soziet�ren Regimes zu begr�nden, das habe
seinen Stolz verwundet. Owen sei nur ein mittelm��iger Sophist,
welcher G. Penn (den Gr�nder der Sekte der Qu�ker) kopirt habe.
Darauf wendet sich Fourier gegen den Widerstand, den er mit seinen
Theorien in Paris gefunden. Es scheine, da� das neunzehnte
Jahrhundert dasselbe Schauspiel bieten wolle, das die Zeitalter
eines Kolumbus und Galilei der Nachwelt geboten; allen voran gehe
Paris, in welchem der satanische Geist, der Geist des f�nfzehnten
Jahrhunderts, noch heute herrsche. Paris sei das moderne Babylon
und von ihm gelte, was Jesu �ber Jerusalem ausgerufen: �Jerusalem!
Jerusalem! die du t�dtest die Propheten und steinigst, die zu dir
gesandt wurden.� Seine Gelehrten seien eine Legion von Eiferern,
die Jesu kennzeichnete, als er sagte: �Wehe euch Schriftgelehrten
und Pharis�ern, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gr�ber bauet,
und schm�cket der Gerechten Gr�ber. Und sprecht: W�ren wir zu
unserer V�ter Zeiten gewesen, so wollten wir nicht theilhaftig
sein, mit ihnen an der Propheten Blut.� Was seien die
Unternehmungen der Zivilisirten? Nichts als Verfeinerungen der
Barbarei, indem man vermittelst der Reduktion der L�hne den V�lkern
die Eisen verniete, und durch Einschlie�ung der armen Klasse in die
modernen Bagnos, Manufakturen genannt, ihnen weder Wohlsein noch
R�ckkehr gestatte. Diese merkantilen Bedr�ckungen seien durch Jesu
wie die Kirchenv�ter gen�gend gekennzeichnet. Chrisostomus erkl�re:
�ein Kaufmann kann Gott nicht angenehm sein�, und Christus habe sie
mit Ruthenhieben aus dem Tempel getrieben, ihnen zurufend: �Ihr
habt mein Haus zu einer Diebsh�hle gemacht.� Endlich sende die
Vorsehung einen F�hrer, welcher die schwachen Seiten der
merkantilen Hydra zu fassen wisse, und der, indem er das wahre und
allein heilbringende soziale System inaugurire, die Welt von dem
goldenen Kalb, �dem w�rdigen Ideal einer blinden Sekte, die Blinde
f�hrt�, befreie.
So wird also Fourier in seinen eigenen Augen zu einem von Gott
gesandten Erl�ser der Welt von den sozialen Uebeln, wie Christus,
seiner Lehre gem��, der Erl�ser aus geistiger Knechtschaft war. Die
Utopisten und die Propheten rangiren in derselben Klasse, beide
glauben an die Unfehlbarkeit ihrer Lehren, d.h. also an ihre
eigene Unfehlbarkeit. Und dieser Glaube, �der Berge versetzt�,
macht die Ausdauer und die Hartn�ckigkeit begreiflich, womit sie
allen Hindernissen trotzen, allen Einw�rfen begegnen, und wenn die
Umst�nde es erfordern, freudig zum M�rtyrer ihrer Ueberzeugungen
werden. Indem Fourier die geistige Macht der herrschenden Klassen
auf's wuchtigste angriff, die erfahrungsgem�� und
selbstverst�ndlich sich auch mit seinem System nicht befreundet und
es bek�mpft haben w�rden, wenn er in seiner Kritik weniger scharf
und bitter, in seinen Angriffen ma�voller und wenn er sein System
mehr mit den herrschenden Zust�nden in Einklang gebracht haben
w�rde, suchte er in den Ausspr�chen Jesu sich eine Waffe und eine
St�tze zu schaffen. Das Priesterthum war trotz Allem, was die
Revolution Uebles f�r es gebracht hatte, in Frankreich noch eine
bedeutende Macht, weil die herrschenden Klassen sehr rasch
erkannten, da� wenn sie seine Macht beseitigten, sie einen der
Aeste abs�gten, auf denen sie selber sa�en. Die einfache Klugheit
gebot ihnen, sich mit der Kirche zu rangiren, und wer, wie Fourier,
mit dem Bestehenden rechnete, und dies zur Basis seines Systems in
so fern nahm, als er an die Einsicht und die H�lfe der oberen
Klassen appellirte und sie in erster Linie, ja ausschlie�lich, zur
Inangriffnahme einer Versuchsphalanx, die dann durch ihre Resultate
unfehlbar seinem System zum Siege verhelfen w�rde, aufforderte, der
mu�te auch dem religi�sen Kultus Rechnung tragen. So handelte also
Fourier vollkommen logisch. Er that, was allen sozialen Neuerer das
ganze Mittelalter hindurch auch gethan hatten. Allerdings ist er
mit Jenen nicht in Vergleich zu stellen; er ragt eben so weit �ber
sie hinaus, als ein genial angelegter Geist zu Beginn des
neunzehnten Jahrhunderts �ber einen fanatischen M�nch des zw�lften
oder sechszehnten Jahrhunderts, dessen Hauptwissen in der Kenntni�
der Bibel und den Schriften der Kirchenv�ter bestand, hinaus ragen
konnte. Fourier ist, neben St. Simon, der letzte der Utopisten,
dessen System sich auf die religi�sen Lehren der herrschenden
Kirche zu st�tzen versuchte, sie wenigstens als Anh�ngsel benutzte.
Wohingegen alle sozialen Bewegungen des Mittelalters einen rein
religi�sen Charakter annahmen, und zwar so sehr, da� die meisten
Geschichtsschreiber _nur_ den religi�sen Charakter der Bewegungen
sahen, den sozialen -- der mehr oder weniger auf einem rohen, auf
die entsprechenden Ausspr�che des Alten und Neuen Testaments
gest�tzten Kommunismus beruhte -- aber g�nzlich �bersahen. Unter
dem geistigen Druck der Kirche und bei der Beschr�nktheit der
Geister war im Mittelalter keine soziale Bewegung ohne ausgepr�gt
religi�sen Charakter denkbar. Was im Mittelalter Hauptsache war,
wurde nat�rlich bei einem Fourier zu Beginn des neunzehnten
Jahrhunderts mehr Nebensache, es war eine Waffe und eine St�tze,
die er glaubte nicht entbehren zu k�nnen. So erkl�rt sich die sehr
gezwungene Auslegung, die er den meisten der zitirten Stellen geben
mu�te, wobei wir keineswegs behaupten, da� er sich dieses Zwangs
bewu�t war. Es ist selbst f�r m��ig begabte Kritiker, die in einer
sp�teren, aufgekl�rteren und klarer sehenden Zeit leben, leicht,
die M�ngel in den Systemen und Lehren vorangegangener bedeutender
Geister scharf zu erkennen, aber daraus zu schlie�en, da� das, was
sie erkannten, auch Jene leicht erkennen mu�ten, ist falsch.
Andererseits l��t sich nicht leicht nachweisen, wo bei vorhandenen
Widerspr�chen eines Menschen die Ueberzeugung aufh�rt und die sog.
Klugheit, Rechnungstr�gerei oder gar der beabsichtigte Betrug
beginnt. Der Beweis f�r Letzteres wird leicht zu f�hren sein, wo
offenbare, grobe und direkte Widerspr�che vorliegen, bei Fourier
wird man diese nicht leicht nachweisen k�nnen. Sein System ist ein
streng geschlossenes und gegliedertes System mit allen Vorz�gen und
Schw�chen. Ein System, das in seiner Geschlossenheit selbst den
Keim einer Religion enth�lt, weshalb nur eine Schule, keine Partei
sich aus ihm entwickelte. Man kann eben so gut von einer
Fourier'schen Sekte sprechen, wie Fourier selbst, und stets mit
gro�er Geringsch�tzung, von einer Owen'schen oder St.
Simonistischen Sekte sprach.
* * * * *
Glaubte Fourier durch die auszugsweise mitgetheilten Ausspr�che den
Beweis gef�hrt zu haben, da� Jesus und das Neue Testament f�r seine
Theorien spr�chen, so geht er nunmehr dazu �ber, auch den
Gegenbeweis zu Gunsten seiner Lehre zu erbringen, d.h. er sucht
nachzuweisen, in welcher Unwissenheit sich die Modernen �ber
Charakter, Eigenschaften, Gang und Ende der Zivilisation bef�nden,
von der sie immer noch leichtgl�ubig genug die Vervollkommnung
hofften. Er versucht ferner nachzuweisen, welche Wege sie betreten
m��ten, um allm�lig in die sechste Entwicklungsperiode, die des
Garantismus, zu gelangen. Da� die Zivilisation �berhaupt sich zu
vervollkommnen suche, zeige das unbewu�te Streben, �ber sich selbst
hinaus zu gehen, sich zu Garantien zu erheben, von denen einige
St�ckchen verwirklicht zu haben sie sich einbilde. Aber diese
Garantien, wie das Geldsystem und die Versicherungen, verdanke sie
mehr dem Zufall, dem Instinkt, aber nicht der Wissenschaft.
Es sei hier bemerkt, da� Fourier zwar die Einf�hrung des Geldes als
Fortschritt f�r ein besseres Ausgleichungssystem ansieht, aber
auszusetzen hat, da� es �individuelles� Geld sei, wie er es
bezeichnet, also in den H�nden des Privateigenth�mers Mittel der
Ausbeutung, des Betrugs und der Unterdr�ckung werde. Das Geld soll
nach ihm gesellschaftliches Besitzthum sein, es w�rde also in
seinem System Besitzthum der Phalanxen werden. Da� das Geld seinen
Zweck nur erf�llt, wenn es zwar gesellschaftlich anerkanntes
Tauschmittel f�r alle Waaren, aber gleichzeitig im Privatbesitz
ist, weil es _nur_ in einer auf Privatbesitz und Waarenproduktion
beruhenden Gesellschaft einen Sinn und die M�glichkeit der Existenz
hat, entging ihm. Mit der Aufhebung der Waarenproduktion, also auch
der Privatwirthschaft und mit der Einf�hrung gesellschaftlicher
Produktion f�llt der Gegenpol der Waarenwirthschaft, die
Geldwirthschaft, von selbst, der Boden seiner Existenz, allgemein
anerkanntes Tauschmittel f�r alle Waarenaustausche zu sein, wird
ihm entzogen. Da wo Produkt gegen Produkt, richtiger Arbeit gegen
Arbeit gesellschaftlicher Vereinigungen sich austauscht, wird der
Austausch ein einfaches Rechenexempel, das auf dem Wege der Buchung
der austauschenden Faktoren beglichen wird. Dagegen mu� in einer
auf Millionen Einzelwirthschaften beruhenden Produktion, wo das
Produkt als Waare den einzigen Zweck hat, so rasch als m�glich die
H�nde seines Produzenten zu verlassen, um durch Dutzende von H�nden
die verschlungensten Kan�le zu durchwandern, welche die Spekulation
ihm anweist, bis es endlich in die H�nde des Bed�rfers gelangt, wir
sagen, hier mu� nothwendig ein gesellschaftlich anerkanntes
Aequivalent zur Ausgleichung aller dieser Manipulationen vorhanden
sein, und dieses ist das Geld, das den Doppelcharakter besitzt,
gesellschaftlich anerkanntes Werthma� und Waare zu sein.
Andererseits, f�hrt Fourier fort, habe die Zivilisation falsche
Methoden adoptirt, so das System der anarchischen Industrie und der
l�gnerischen individuellen Konkurrenz; aber haupts�chlich habe sie
den Fehlgriff begangen, die Aktiengesellschaft f�r die Assoziation
anzusehen, alles Fehler, die sie weitab vom Wege der sozialen
Garantien f�hrten. Es sei also nothwendig, um dieses politische
Chaos zu entwirren, eine detaillirte Analyse der Zivilisation und
ihres Charakters zu geben, eine Aufgabe, der sich bisher die
Gesellschaft und ihre wissenschaftlichen F�hrer entzogen h�tten.
Man glaube noch an die Vervollkommnung, _w�hrend die Zivilisation
bereits rapide ihrem Untergang entgegeneile_.
Wie der menschliche K�rper so bes��en auch die Gesellschaften ihre
vier, durch bestimmte Charaktereigenschaften sich unterscheidenden
Lebensalter, die einander sich folgten. Man k�nne weder den
Aufschwung noch den Niedergang einer Gesellschaft beurtheilen, so
lange man nicht die sehr unterscheidenden Charaktereigenschaften zu
bezeichnen verm�ge, die eine bestimmte Gesellschaft besitze. Unsere
Naturwissenschaftler seien, wenn es sich um die Unterscheidung
ziemlich nutzloser Pflanzen handele, so sehr skrupul�s, warum seien
dies nicht auch unsere Politiker und Oekonomisten? Warum folgten
sie nicht dieser naturwissenschaftlichen Methode, wenn es sich um
die ihnen so theure Zivilisation handele, um die von jeder der vier
Phasen adoptirten Eigenschaften zu bezeichnen? Es sei dies das
einzige Mittel, um zu erkennen, ob man noch vorw�rts schreite oder
im Niedergang sich befinde.
Nach Fourier sind nun die vier Phasen der Zivilisation und die
einer jeden eigent�mlichen Charaktereigenschaften folgende:
/ 1. Phase: KINDHEIT.
| Einfacher Keim . . . . . . . Monogamie.
| Zusammengesetzter Keim . . . Patriarchalische oder
| adelige Feudalit�t.
| Angelpunkt der Periode: . B�rgerliche Rechte
| der Frau.
Auf- | Gegengewicht . . . . . . . . F�deration der gro�en
steigende / Vasallen.
\ Ton oder Stimmung . . . . . Ritterliche Illusionen.
Schwingung |
| 2. Phase: JUGEND.
| Einfacher Keim . . . . . . . St�dtische Privilegien.
| Zusammengesetzter Keim . . . Pflege der Wissenschaften
| und K�nste.
| Angelpunkt der Periode: . Befreiung der Arbeit.
| Gegengewicht . . . . . . . . Repr�sentativsystem.
\ Ton oder Stimmung . . . . . Illusionen �ber Freiheit.
MITTAGSPHASE
Keim . . . . . . . . . . Seeschiffahrtskunst, experimentale Chemie.
Charakter-
eigenth�mlichkeiten . . Entt�uschungen, Staatsanleihen.
/ 3. Phase: MANNBARKEIT.
| Einfacher Keim . . . . . . . Handelsgeist, Fiskalismus.
| Zusammengesetzter Keim . . . Aktien-Gesellschaften.
| Angelpunkt der Periode: . Monopol der Seeherrschaft.
| Gegengewicht . . . . . . . . Handels-Anarchie.
Ab- | Ton oder Stimmung . . . . . Oekonomische Illusionen.
steigende /
\ 4. Phase: ALTERSSCHW�CHE.
Schwingung | Einfacher Keim . . . . . . . Leihh�user.
| Zusammengesetzter Keim . . . Unternehmerschaft in
| bestimmter Anzahl.
| Angelpunkt der Periode: . Industrielle Feudalit�t.
| Gegengewicht . . . . . . . . Monopolwirthschaft.
| Ton oder Stimmung . . . . . Illusionen �ber
\ Assoziationen.
Man wird dem hier wiedergegebenen Tableau Scharfsinn in der
Aufstellung und Interessantheit in der Gruppirung nicht absprechen
k�nnen, mehrfach charakterisirt es die verschiedenen Perioden der
zivilisirten Gesellschaft sehr treffend.
Fourier bemerkt dazu erl�uternd: er habe diejenigen
Charaktereigenschaften nicht hervorgehoben, die allen vier Phasen
gemeinsam seien, sondern nur die, welche die eine oder andere
auszeichneten und jene, die mit der einen oder anderen gemischt
seien. So sei die zweite Phase, in der die Athener lebten, eine
unvollst�ndige, eine Bastardperiode, indem ihr noch Merkmale der
Periode der Barbarei anklebten und der Angelpunkt der zweiten
Phase, die Befreiung der Arbeit, ihr fehlte. In England und
Frankreich befinde sich die Zivilisation im absteigenden Ast der
dritten Phase und neige stark zur vierten, deren beide Keime sie
bereits besitze. Dieser Zustand zeige eine schmerzlich empfundene
Stagnation; das Genie f�hle sich erm�det von seiner Unfruchtbarkeit
wie ein Gefangener, und arbeite sich vergeblich ab, um irgend eine
neue Idee zu erzeugen. Mangels des erfinderischen Genies z�gere
aber der fiskalische Geist nicht, die Mittel zu entdecken, um die
vierte Phase zu organisiren, die zwar ein Fortschritt aber nicht
zum Guten sei. Es handele sich darum, einen Zwischenzustand zu
schaffen, der die Zivilisation in den Garantismus �berleite und
diesen dem Liberalismus entgegenzustellen, diesem station�ren
Geist, der sich auf das Repr�sentativsystem, eine der Charaktere
der zweiten Phase, verbissen habe. Ein System, das f�r eine kleine
Republik, nicht f�r ein gro�es reiches Land wie Frankreich tauglich
sei. Umgekehrt wollten die Antiliberalen die Ungeschicklichkeit
begehen, uns in die erste Phase zur�ckzuf�hren, w�hrend das
wachsende Staatsschuldenwesen uns unwiderstehlich in die vierte
Phase, die Altersschw�che, risse.
Wer das Tableau der Charaktereigenschaften der Zivilisation genau
pr�fe, werde erkennen, da� der Glaube, unsere Gesellschaft befinde
sich in einem �erhabenen Flug�, eine Illusion sei, denn in Wahrheit
bef�nden wir uns auf dem Krebsgang. �Es ist der Fortschritt nach
abw�rts, vergleichbar dem einer Frau, die ihre wei�en Haare, die
sie mit sechzig Jahren besitzt, als Vervollkommnung der
Vollkommenheit ihres Haarwuchses anpreisen wollte. Dar�ber wird
Jeder mitleidig l�cheln. _Wie der menschliche K�rper so
vervollkommnet sich auch die Gesellschaft nicht, wenn sie altert_.�
Die Gesellschaften wie die Individuen gingen zu Grunde, wenn sie
sich dem Wucherer �berlie�en, _und es sei die That unseres
Jahrhunderts, von Anleihe zu Anleihe zu eilen_.
Man sage, �das Gef�� ist durchweicht, der Stoff hat seine bleibende
Form angenommen.� Das gelte auch von den fiskalischen Anleihen. Sie
blieben und jedes Ministerium mache eine neue, denn �man mu� essen,
wenn man an der Krippe sitzt.� _Welche Partei auch immer herrsche,
die Finanz halte stets die Z�gel des Gef�hrtes, damit der Marsch
nicht gegen ihr Wirthschaftssystem sich richte_. Was werde also das
Ende sein, dem alle unsere mit Schulden �berladenen Reiche zueilen,
wohin uns die Oekonomisten gef�hrt? Der Sturz in den Abgrund. Man
k�nne unsere Oekonomisten und Politiker jenem Reiter vergleichen,
von dem die Sp�tter sagten: �Er f�hrt nicht das Pferd, das Pferd
f�hrt ihn.�
Fourier hat in diesen Auseinandersetzungen wieder einmal, seiner
Zeit vorauseilend, den wahren Charakter der Staatsanleihen sehr
richtig erkannt. Damit ein Staat von den Geldm�chten beherrscht,
�konomisch und finanziell ausgebeutet und gepl�ndert werden kann,
mu� man ihn zu Anleihen verleiten. Mit jeder neuen Anleihe wird ihm
der Strick fester gedreht, genau wie dem Privatmann. Die
Staatsgewalt wird Werkzeug in den H�nden der gro�en Finanzm�chte,
die schlie�lich weit mehr als die Minister selbst die
Staatsangelegenheiten beherrschen und lenken, Gesetze dekretiren,
Kriege f�hren oder verhindern, wie es ihrem Interesse pa�t. Und
damit die Staatsmaschine nach Wunsch gehe, die Regierung jeder Zeit
durch die Kontrole ihrer abh�ngigen Stellung bewu�t bleibe, damit
ferner die n�thigen Einnahmequellen in Form von Steuern aller Art
zur Verzinsung und Amortisirung der Schulden vorhanden seien,
bedarf man des Repr�sentativsystems, durch welches die Drahtzieher
der hohen Finanz den noch fehlenden Einflu� auf die ganze
Gesetzgebung und Staatsverwaltung gewinnen und den Staat zu einer
melkenden Kuh der Geldm�chte machen. Durch solche Manipulationen
ist heute die Regierung und Verwaltung Frankreichs in den H�nden
der gro�en Finanzm�chte, die es in die Abenteuer von Tunis und
Tonkin st�rzten, durch Privilegien und Staatssubventionen an die
gro�en Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaften das Volk berauben,
durch die Ueberlast der indirekten Steuern es brandschatzen und
pl�ndern. Durch die gleichen Manipulationen ist Oesterreich dahin
gekommen, wo es heute steht, hat man die T�rkei zu Grunde
gerichtet, Ungarn binnen zwei Jahrzehnten an den Rand des
finanziellen Untergangs gebracht, Egypten ruinirt. Wie der kleine
Bauer und der in die Klemme gerathene Grundbesitzer die
finanziellen Wohlth�ter bereit finden, ihnen gegen gen�gende
hypothekarische Sicherheiten zu guten Zinsen Geld zu borgen, oft
mehr als sie haben wollen, und nun den H�nden des Gl�ubigers
rettungslos �berantwortet sind, der die Hand auf ihre Ernten legt,
ihnen jederzeit mit Subhastationen droht, und sie zwingt, das ganze
Jahr die Frohnarbeit f�r ihn, den Kapitalisten, zu verrichten, so
sind die Staatsangeh�rigen �berschuldeter Reiche die Bienen, die
durch ihre Arbeit, mit ihrem Honig der Finanzaristokratie die
Kisten und Kasten f�llen m�ssen. Das ist heute, wo die
Staatsschulden in fast allen Staaten in die Milliarden gewachsen
sind und weiter wachsen, eine sich Jedem leicht aufdr�ngende
Thatsache. Zu Fourier's Zeit stak das Staatsschuldenwesen noch in
den Kinderschuhen und es war ungleich schwerer, seinen Charakter zu
erkennen als heute.
Unter die permanenten Charaktere der Zivilisation rechnet Fourier
denjenigen, der sich schon seit alter Zeit in dem Sprichwort
ausdr�ckt: �Die gro�en Diebe l��t man laufen, die kleinen h�ngt
man.� Aehnliche Charaktereigenschaften k�nne man noch eine Menge
anf�hren. So �berlasse man sich bitteren Klagen �ber auff�llige
Thatsachen wie die, da� die Tugend und das Gute stets l�cherlich
gemacht, �bel behandelt und verfolgt w�rden. Ohne Zweifel sei die
Indignation dar�ber gerechtfertigt, aber wenn gegenw�rtig die
Zivilisation eine Aufh�ufung dieser beklagenswerthen Resultate
zeige, dann klassifizire und konstatire man diese Uebel, damit man
einen Ueberblick �ber das Wesen und die Fr�chte dieser
abscheulichen Gesellschaftsordnung erhalte.
Aber man schenke allen diesen Uebeln so wenig Aufmerksamkeit, weil
man sie mit dem gegenw�rtigen Zustand unzertrennlich halte. Eine
von diesen �blen permanenten Charaktereigenschaften sei auch die
Fesselung der �ffentlichen Meinung, und zwar auch unter der
Herrschaft der Philosophen, die nicht wollten, da� das Volk sein
urspr�nglichstes Recht erkenne und das Recht auf ein
Existenzminimum fordere, was freilich nur unter dem Regime der
industriellen Anziehung garantirt werden k�nne. Andere Uebel
erkenne man nicht, weil sie unter falscher Flagge segelten, so die
Tyrannei des pers�nlichen Eigenthums. Der Grundeigenth�mer erlaube
sich hundert Anordnungen �ber sein Eigenthum, die mit dem
�ffentlichen Wohl, dem Wohl der Masse in Widerspruch st�nden, er
erlaube sich dies alles unter dem Vorwande der �Freiheit�. Das
komme, weil die Zivilisation von sozialen Garantien keine Ahnung
habe. Wieder ein anderes meist nicht erkanntes Uebel sei die
indirekte Verweigerung der Gerechtigkeit f�r die Armen. Der Arme
k�nne wohl das Recht suchen, aber was n�tze dieses, wenn er die
Kosten der Prozedur nicht aufbringen k�nne. Bei den gerechtesten
Klagen werde er von dem reichen Pl�nderer durch Appellation und
Gegenappellation m�rbe gemacht und zum Nachgeben gezwungen. Man
gebe dem K�nigsm�rder einen Vertheidiger, aber nicht dem Armen,
denn �er k�nnte zu viele Prozesse haben�. Die Gesellschaft sei
�berf�llt mit Armen, die unter dieser Handhabung der Gerechtigkeit
litten. Aber diese Gesellschaft sei eben ein falscher Kreisschlu�
(�cercle vicieux�), das sei ihr wesentlichster Charakter. Die
M�ngel der Zivilisation lie�en sich in zw�lf Hauptpunkte
zusammenfassen. 1. Eine Minorit�t, die Herrschenden, bewaffnet
Sklaven, die eine Majorit�t unbewaffneter Sklaven im Zaum halten.
2. Mangel an Solidarit�t der Massen und dadurch erzwungener
Egoismus. 3. Zweideutigkeit aller Handlungen der Gesellschaft und
ihrer sozialen Elemente. 4. Innerer Kampf des Menschen mit sich
selbst. 5. Die Unvernunft zum Prinzip erhoben. 6. In der Politik
wird die Ausnahme als Grundlage f�r die Regel. 7. Das knorrigste
und hartn�ckigste Genie wird gebeugt und kleinm�thig gemacht. 8.
Erzwungene Begeisterung f�r das Schlechte. 9. Stetige
Verschlimmerung, indem man zu verbessern glaubt. 10. Vielseitiges
Ungl�ck f�r die ungeheure Mehrheit. 11. Fehlen einer
wissenschaftlichen Opposition gegen die herrschenden Theorien. 12.
Verschlechterung der Klimate. Letzteres, durch die Zerst�rung der
W�lder und daraus folgendes Austrocknen der Quellen herbeigef�hrt,
m�sse nothwendig und sicher bis gegen Ende des Jahrhunderts
klimatische Exzesse erzeugen.
Fourier geht dann dazu �ber, die Natur des Handels zu er�rtern. Er
fragt: �Woher kommt diese Bewunderung der Modernen f�r den Handel,
welchen doch im Geheimen alle Klassen au�er den Handeltreibenden
verabscheuen? Woher dieses stupide Vorurtheil f�r die Kaufleute,
die Christus mit Ruthen aus dem Tempel trieb? Die Antwort ist: sie
besitzen viel Geld und eine Haupthandelsmacht (England) �bt �ber
die industrielle Welt die Tyrannei des Handels-Monopols aus.� Auch
habe die politische Oekonomie die Analyse des Handels nicht zu
machen gewagt und so komme es, da� die soziale Welt nicht wisse,
was eigentlich das Wesen des Handels sei. �Der Handel ist die
schwache Seite der Zivilisation, der Punkt, auf dem man sie
angreifen mu�. Im Geheimen wird der Handel von den Regierungen wie
von den V�lkern geha�t. Nirgends sehen weder der Adel noch die
Grundeigent�mer die Handeltreibenden mit g�nstigen Augen an, diese
Parven�s, die in Holzschuhen angekommen sind und bald mit einem
Verm�gen von Millionen prunken. Der rechtschaffene Eigenth�mer
begreift nicht die Mittel, durch die man sich so gut zu bereichern
vermag; welche Sorgfalt er immer der Verwaltung seines Gutes
widmet, es gelingt ihm schwer, sein Einkommen um einige Tausend
Franken zu steigern. Er wird perplex �ber die gro�en Profite dieser
Agioteure, er m�chte seinem Erstaunen, seinem Verdacht �ber diese
ihm fremde Art, Verm�gen zusammen zu scharren, Ausdruck geben, aber
da kommen die Oekonomisten, fallen ihm in den Arm und schleudern
ihr Anathema gegen Jeden, der es wagt, diesen gro�artigen Handel
und die Gro�artigkeit des Handels (�le commerce immence et
l'immense commerce�) zu verd�chtigen. Welch sch�ne Phrasen sind
nicht zu seiner Verherrlichung Mode geworden! Da spricht man mit
Pathos von der 'Ausgleichung, dem Gegengewicht, der Garantie, dem
Gleichgewicht des gro�artigen Handels und der Gro�artigkeit des
Handels, von den Freunden des Handels, von dem Wohl des Handels'.�
F�r einen ungl�cklichen Philosophen gebe es nichts Imposanteres,
als wenn eine Kohorte von Million�ren mit tiefsinnigem Aussehen zur
B�rse wandelten. Man glaube die r�mischen Patrizier �ber dem
Schicksal Karthagos br�ten zu sehen. Speichellecker der Agiotage
malten die Kaufleute und B�rsenm�nner als eine Legion von
Halbg�ttern; Jeder, der sie kenne, wisse im Gegentheil, da� es eine
Legion von Betr�gern sei; aber ob mit Recht oder Unrecht, sie
h�tten allen Einflu� an sich gerissen. Die Philosophen seien ihnen
zu Gunsten, selbst die Minister und der Hof beugten sich vor diesen
Geiern des Handels; alles infolge des durch die Oekonomisten
gegebenen Impulses. Die Folge davon sei, da� der ganze soziale
K�rper den merkantilen R�ubereien vollst�ndig unterworfen sei, und
wie der von dem Blick der Schlange faszinirte Vogel dieser in den
Rachen fliege, so lasse sich die Gesellschaft vom Handel zu Grunde
richten.
Eine vern�nftige und rechtschaffene Politik habe Mittel des
Widerstandes in Anwendung bringen und sich von Fehlgriffen
losmachen m�ssen, welche die Herrschaft der Welt in die H�nde einer
unproduktiven, l�gnerischen und �belwollenden Klasse liefere. Man
d�rfe die Handeltreibenden nicht mit den Manufakturisten
verwechseln.[21] Die Hauptschacherer, die Rohmaterialienh�ndler
s�nnen nur, wie sie Manufakturisten und Konsumenten pl�ndern
k�nnten. Zu diesem Zwecke unterrichteten sie sich �ber die
vorhandenen Vorr�the, kauften sie auf, hielten die Waaren zur�ck
und verteuerten sie, um so auf Fabrikant und B�rger den Druck
auszu�ben. Die sog. Oekonomisten stellten diese Aufk�ufer und
Wucherer als tiefsinnige Genies hin, die doch nichts als elende
Schw�tzer, abenteuerliche Spieler und tolerirte B�sewichter seien.
Den schlagendsten Beweis habe das Jahr 1826 gegeben, wo mitten in
der tiefsten Ruhe pl�tzlich eine Stagnation und Ueberf�lle an
Produkten hervorgetreten sei, als alle Journale noch unmittelbar
zuvor auf die dem Handel neuen und g�nstigen Chancen hinwiesen,
welche die Befreiung beider Amerika im Gefolge haben werde. Nun,
welches sei die Ursache dieser �berraschenden Krise gewesen? Es war
die Wirkung eines komplizirten Spiels zweier charakteristischer
Eigenschaften des Handels: des Zur�ckschlagens der Vollsaftigkeit
(�refoulement pl�thorique�) und eines Gegenschlags durch verfehlte
Spekulation.
[Fu�note 21: Unter den Manufakturisten sind hier sowohl die
Fabrikanten wie diejenigen Handeltreibenden verstanden, die
entweder in eigener Behausung nach dem Prinzip der Arbeitstheilung,
aber ohne Anwendung von Dampf und Maschinenkr�ften -- die damals
erst im Entstehen waren -- oder, wie dies heute noch in manchen
Industriezweigen auch in Deutschland geschieht, z.B. in der
Spielwaaren-, Messer-, Kleineisenwaaren-Fabrikation, der
Hausweberei, Posamentirerei, Strumpfwirkerei, der Bijouterie etc.,
auf dem Wege der Hausindustrie produziren lassen, wobei der
Kaufmann die Rohmaterialien liefert. So weit Massenerzeugung in
Betracht kam, war zu Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich die
Manufaktur die ma�gebende Produktionsform. Unter den
Handeltreibenden versteht Fourier, wie der Leser bereits erkannt
haben wird, nicht allein die Kaufleute im engeren Sinn, sondern
auch alle an der B�rse betheiligten Kreise, die Grund- und
Bodenwucherer etc., kurz Alle, �welche ohne zu s�en ernten�.]
Die erstere Eigenschaft sei die periodische Wirkung blinder Habgier
der Kaufleute. Sobald irgendwo ein Absatzweg sich �ffne, w�rden
viermal mehr Waaren zugef�hrt, als der Markt aufnehmen k�nne. So
sei es auch hier gewesen. Wenn man die Wilden, die Neger und die
spanische Bettelbev�lkerung in Abzug bringe, z�hlten die beiden
(Nord- und S�d-) Amerika kaum 20 Millionen konsumtionsf�higer
Bewohner, man habe aber f�r 200 Millionen konsumtionsf�higer
Menschen Waaren zugef�hrt. Daher die Stockung und der R�ckschlag.
Im Jahre 1825 h�tten die franz�sischen und englischen Hosenh�ndler
Waarenmassen zugef�hrt, die wenigstens auf 3 bis 4 Jahre reichten,
so entstanden Massenverk�ufe, Stockung, Entwerthung der Stoffe,
Bankerotte der Verk�ufer. Das war die nothwendige Wirkung dieser
Ueberf�lle (�pl�thore�), verursacht durch die Unklugheiten des
Handels, der in seiner Gier nach Gewinn sich stets �ber das Quantum
der absatzf�higen Produkte den gr��ten Illusionen �berlasse. Was
k�nne man auch von einer Kohorte eifers�chtiger, durch Habgier
verblendeter Verk�ufer anders erwarten? Wie wollten wohl diese die
Grenzen der Aufnahmef�higkeit eines Marktes erkennen?
�Gen�gte schon die Ueberzufuhr von Waaren, um Bankerotte und die
�u�erste Beunruhigung der M�rkte und Fabriken hervorzurufen, so
trat in demselben Augenblick ein anderer Umstand dazwischen, um das
Uebel zu vervielfachen. Die Baumwollenaufk�ufer in New-York,
Philadelphia, Baltimore, Charleston etc. hatten im Einverst�ndni�
mit ihren Vertrauten in Liverpool, London, Amsterdam, Havre und
Paris sich aller Vorr�the bem�chtigt. Aber da geschah, da� Egypten
und andere M�rkte eine au�erordentlich reiche Ernte hatten. Die
Hausse war nur ein kurzes Strohfeuer. Die wucherischen Geier
Amerikas wie ihre Kooperateure in Europa erstickten im Ueberflu�.
Die durch die �Crise pl�thorique� verursachte Preisschleuderei
zwang die Fabriken zu feiern und brachte die Baumwollenspekulanten,
die auf Hausse gerechnet und jetzt einer tiefen Baisse sich
gegen�ber sahen, zum Sturz. Den verungl�ckten Machinationen in
Amerika folgten als Gegenschlag die Bankerotte in Europa. Das ist
der einfache Hergang der so r�thselhaft erschienenen Ereignisse.
Journale und Schriften, die dar�ber sich �u�erten, verfielen alle
in denselben Irrthum. Nach ihnen war nur eine Ursache vorhanden:
die Unordnung, welche durch die beiden gleichzeitig sich
vollziehenden Operationen auf dem Markt entstanden war. Niemand
gestand die wahren Ursachen offen ein, man bem�hte sich vielmehr,
die beiden Parteien, die das Uebel verursacht hatten, als
unschuldig darzustellen, man gab weder zu, da� die Einen durch
Zufuhr von Riesenmengen an Waaren die M�rkte lahmlegten, noch da�
die Anderen durch Vorenthaltung des n�thigen Rohmaterials die
M�rkte beraubten. Auf der einen Seite herrschte verr�ckte
Verschwendung, auf der anderen vexatorische Unterschlagung. Es gab
also in jeder Weise Exzesse und Konfusion im Mechanismus. Das ist
der Handel, das Ideal der Dummk�pfe.�
Wie im vorliegenden Falle zwei, erl�utert Fourier weiter, so
wirkten oft drei und vier Ursachen zusammen, um Krisen zu erzeugen,
und was die verschiedenen Charaktere der Bankerotte betreffe, so
habe er eine Liste von zweiundsiebenzig verschiedenen Arten
aufgestellt. Wollte man alle Formen des Betrugs und der Bankerotte
zeichnen, man m��te dicke B�cher schreiben. Von den Haupt�beln, die
der Handel geb�re und die als die Triebfeder zu allem Unheil
ansehen seien, wolle er nur zw�lf auff�hren: B�rsenspiel,
Lebensmittelwucher, Bankerott, Geldwucher, Parasitenthum, Mangel an
Solidarit�t, fallendes Gehalt und fallende L�hne, Theuerung,
Verletzungen der Gesundheit,[22] willk�rliche Festsetzung der
Preise, legalisirte Doppelz�ngigkeit im Verkehr, individuelles
Geld.
[Fu�note 22: Fourier hat hier haupts�chlich den Baustellen- und
H�userwucher im Auge, der auf Kosten der Gesundheit und
Lebensannehmlichkeit der St�dtebewohner sich breit mache, Luft und
Licht der Bev�lkerung schm�lere.]
Fourier spricht dann von der �Absonderung� der Kapitalien, worunter
er die Konzentration auf der einen und den daraus folgenden
Kapitalmangel auf der anderen Seite versteht. Die
Kapitalkonzentration erzeuge auch den Ueberflu� -- an
Bodenerzeugnissen durch den Handel --, der den Preisdruck f�r die
Erzeugnisse des Bodenbesitzers hervorrufe. Die Kapitalien h�uften
sich nur auf Seiten der unproduktiven Klasse. Bankiers und
Kaufleute beklagten sich h�ufig, nicht zu wissen, was sie mit ihren
Fonds beginnen sollten, sie empfingen Geld f�r 3 Prozent, wo der
Landmann es kaum f�r 6 auftreiben k�nne. Wenn er es nominell zu 5
Prozent erhalte, koste es ihn mit allen Spesen und Lasten, die
damit verbunden seien, 16 und 17 Prozent. Der Handel, dieser
Vampyr, der das Blut aus dem industriellen K�rper sauge,
konzentrire Alles in seine Taschen und zwinge die produktive
Klasse, sich dem Wucherer zu �berliefern. Selbst die Jahre des
Ueberflusses w�rden f�r die Agrikultur eine Gei�el, wie man das
1816 und 1817 gesehen habe. Das Jahr 1816 brachte Mi�ernte und
zwang den Landmann zum Schuldenmachen, als aber 1817 eine sehr
reiche Ernte brachte, ward er gezwungen, dieselbe rasch und in
Folge dessen zum niedrigsten Preis zu verkaufen, um seine Gl�ubiger
zu bezahlen. So zerstreue der soziale Mechanismus die kleinen
Kapitalien, um sie in den H�nden der Handeltreibenden zu
konzentriren. Der Ackerbauer seufze, gebrochen durch den
Gegenschlag, unter dem Ueberflu� der Ernten, deren Werth weder bei
dem Verkauf noch bei der Konsumtion ihm geh�re, weil die Konsumtion
auf umgest�rzter Basis ruhe, �_denn die Klasse, die produzirt,
nimmt an der Konsumtion nicht Theil_�. So w�rden Eigent�mer wie
Bodenbebauer oft gezwungen, Gei�eln, wie Frost und Hagel,
herbeizuw�nschen. Man habe 1828 den Schrecken gesehen, als man im
Juni in allen weinbautreibenden L�ndern eine gute Ernte und damit
erdr�ckenden Ueberflu� zu f�rchten hatte.[23]
[Fu�note 23: Diese Charakteristik k�nnte ebenso gut heute
geschrieben sein. Sprach doch im Herbste 1885 die k�nigl.
s�chsische �Leipz. Zeitung� es offen aus, da� man heut zu Tage im
Zweifel sei, ob man eine gute Ernte w�nschen d�rfe. Und doch
veranstaltet man j�hrlich f�r die Ernte auf allen Kanzeln Gebete
und feiert Dankfeste.]
�Gen�gen diese Monstrosit�ten nicht, um zu beweisen, da� das
gegenw�rtige System des Handels, wie der ganze Mechanismus der
Zivilisation die verkehrte Welt darstellt? Aber wie will man sich
in diesem Labyrinth zurechtfinden, so lange man die
Charaktereigenschaften dieser Gesellschaft nicht analysirt?
Schmeichler unseres Handelssystems haben wir im Ueberflu�, deren
alleiniges Talent darin besteht, alle Fehler der Hydra des Handels
zu ber�uchern. Wenn man erst die wahre Natur dieses l�gnerischen
Systems erkennt, wird man erstaunt sein, da� man so lange sich von
einem System dupiren lie�, das schon der Instinkt uns denunzirt,
denn alle anderen Klassen hassen den Handel.�
�Die Falschheit und Zweideutigkeit, wozu dieses System gekommen
ist, gen�gt, um den Betroffenen die Augen zu �ffnen; die Betr�gerei
und die F�lschung aller Lebensmittel hat eine H�he erreicht, da�
man die Einf�hrung des Handelsmonopols als eine Schutzma�regel
gegen _diesen_ Handel begr��en w�rde. Eine Staatsregie w�rde viel
weniger sich auf Zweideutigkeiten einlassen k�nnen, sie w�rde zu
einem festgesetzten Preis wenigstens nat�rliche Produkte geben,
w�hrend es heute fast unm�glich ist, im Handel etwas nat�rlich zu
erhalten.�
�In Paris findet man kein Zuckerbrot, das nicht mit Runkelr�ben
gef�lscht ist,[24] keine Tasse reiner Milch oder ein Glas reinen
Branntweins. Kurz Unordnung und Aergerni� sind auf die Spitze
getrieben und gehen die Dinge so weiter, so bleibt nichts �brig,
als das Monopol.� Fourier setzt freilich hinzu, da� dies durch
Entdeckung seines soziet�ren Systems und dessen Einf�hrung unn�tz
werde.
[Fu�note 24: Fourier meint hier die Herstellung des Zuckers aus
Runkelr�ben, den er als ein gef�lschtes Produkt ansah, weil man bis
dahin nur Zucker aus Zuckerrohr gewonnen kannte. Die Einf�hrung des
Kontinentalsystems durch Napoleon I. und das Verbot der Einfuhr
englischer Kolonialwaaren, hatte zur Erfindung der Zuckerbereitung
aus Runkelr�ben den Ansto� gegeben und diese Art Zucker b�rgerte
sich von da ab immer mehr ein. Fourier, der offenbar die
S��igkeiten sehr liebte, sah den R�benzucker als eine F�lschung des
nat�rlichen Zuckers an. Wir, die wir heute fast nur aus Runkelr�ben
bereiteten Zucker kennen, denken dar�ber anders. Schlie�lich ist
kein auf k�nstlichem Wege gewonnenes Lebensmittel einem sog.
Naturprodukt gegen�ber als F�lschung zu betrachten, vorausgesetzt,
da� �ber die Art seiner Entstehung kein Zweifel besteht und es dem
sog. Naturprodukt, das es ersetzen soll, v�llig gleichwerthig ist.
Wir werden in dieser Beziehung in Zukunft noch viele Vorurtheile
ablegen m�ssen. Der Verfasser.]
Fourier �u�ert sich dann �ber den Bankerott, �ber die Art, wie die
�ffentliche Meinung ihn zum Theil behandelt und wie der Bankerott
selbst wieder zu T�uschungen benutzt wird. Auf der B�hne werde ein
Falliment mit f�nfzig Prozent als Lustspiel behandelt. Wenn aber
ein Bankier die anvertrauten Depots von Ersparnissen zahlreicher
Dienstboten veruntreue, die diese w�hrend zwanzig Jahren m�hselig
zusammengescharrt, so sei das sicherlich keine l�cherliche Sache,
sondern ein Verbrechen, das zu bestrafen sei.
�Welche Verdorbenheit in der philosophischen Welt. Die Literatur
ist eine Prostituirte, die nur studirt, wie sie sich mit dem Laster
auf's Beste stellen kann; sie malt Alles in den sch�nsten Farben,
damit die Theaterkasse ihre gute Einnahme hat. Die Moral ist eine
in Mi�kredit gerathene Schw�tzerin, die nicht mehr wagt, gegen
straflose Verbrechen, wie den Bankerott, zu deklamiren; sie
speichelleckert allen Klassen von Dieben. Und der Oekonomismus, der
nichts zu entdecken versteht, sucht die zu Tage liegenden Laster
als unschuldige hinzustellen, sind es doch die Laster seiner
Favoriten, der Handeltreibenden. So denkt keine Wissenschaft daran,
ihre Aufgabe, die Analyse der Uebel der Zivilisation und das Suchen
nach einem Heilmittel, zu erf�llen.�
Fourier f�hrt, wie er Alles zu klassifiziren und zu ordnen liebt,
nicht weniger als vierundzwanzig Arten von Bankerotten auf, bei
denen die Schw�chen oder die Liebhabereien der Bankerotteure die
Ursachen ihres Zusammenbruchs sind. Bei dem Einen sind zerr�ttete
Familienverh�ltnisse, eine liederliche Frau, verdorbene Kinder, bei
dem Anderen eine Maitresse, bei dem Dritten die galanten Neigungen,
bei dem Vierten Sentimentalit�t, die ihn zum Gesch�ft unbrauchbar
machen u.s.w., die Ursachen, welche die Katastrophen erzeugen. Er
k�nne, setzt er weiter hinzu, recht am�sante Kapitel zu den Details
aller Arten von Bankerotten liefern, er treibe das Gesch�ft seines
Vaters und sei im Waarenladen erzogen worden, er habe mit eigenen
Augen die Infamien des Handels gesehen und beschreibe ihn nicht,
wie die Moralisten vom H�rensagen, die den Handel nur in den Salons
der Agioteure kennen lernten und einen Bankerott als etwas ans�hen,
das man sich in guter Gesellschaft erlauben d�rfe. Jeder Bankerott,
namentlich wenn er einen Bankier oder Wechselagenten betreffe,
werde unter ihrer Feder zu einem beklagenswerthen Unfall, f�r den
die Gl�ubiger im Grunde dem Falliten noch verbunden seien, da� er
sie in seine edlen Spekulationen verwickelt habe. Man zeige den
Gl�ubigern den Vorgang als eine unverschuldete Fatalit�t, eine
unvorhergesehene Katastrophe an, die durch das Ungl�ck der Zeiten,
widrige Umst�nde, einen beweinenswerthen Wechselfall herbeigef�hrt
sei. Das sei der gew�hnliche Inhalt der Briefe, mit welchen ein
Fallissement angezeigt werde.
�Alsdann kommen der Notar und seine Gevatter, denen im Geheimen
ihre Provisionen f�r alle Vortheile, die sie erzielen, zugesichert
sind und stellen den Falliten als so ehrenhaft, der Achtung so
w�rdig hin. Da ist eine z�rtliche Mutter, die sich dem Wohle ihrer
Kinder opfert, ein tugendhafter Vater, der sie in der Liebe zur
Verfassung erzieht, eine trostlose eines besseren Schicksals
w�rdige Familie, die von der aufrichtigsten Liebe f�r jeden ihrer
Gl�ubiger beseelt ist. Man m��te wahrhaftig ein Ungeheuer sein,
wenn man einer solchen Familie nicht helfen wollte, um sie wieder
zu erheben. Das ist sogar eine Pflicht f�r jede rechtschaffene
Seele. Dazwischen interveniren einige moralische Spitzbuben, die
man bestochen hat, und die gegen Jedermann hervorheben, wie sch�n
es sei, in einem solchen Falle seine Gef�hle walten zu lassen und
da� man dem Ungl�ck Erbarmen schulde. Diese werden durch einige
h�bsche F�rsprecherinnen, die sehr n�tzlich sind, um die
Widerspenstigsten zu beruhigen, unterst�tzt. Durch alle diese
Umtriebe ersch�ttert, kommen Dreiviertel der Gl�ubiger sehr bewegt
und irre geleitet in die Sitzung. Der Notar schl�gt ihnen einen
Nachla� von 70 Prozent ihrer Forderungen vor, indem er wieder
ausmalt, wie diese tugendhafte Familie aus Sorge, die geheiligten
Pflichten der Ehre zu erf�llen, sich des Letzten beraube. Ist die
Situation g�nstig, so schl�gt man den Gl�ubigern weiter vor, da�
sie, um ihr Gewissen zu befriedigen und um der edlen Eigenschaften
einer Familie willen, die so w�rdig der Achtung und so eifrig f�r
die Interessen ihrer Gl�ubiger eingenommen ist, eine Huldigung
bringen und statt auf siebzig auf achtzig Prozent verzichten.
Einige Barbaren wollen widerstehen, aber die im Saale geschickt
vertheilten Vertrauten �bernehmen das Gesch�ft der heimlichen
Anschw�rzung der Widerstrebenden, die sie als unmoralisch
bezeichnen. Dieser, tuscheln sie, besucht nie die Kirche und hat
folglich kein Erbarmen; Jener unterh�lt eine Maitresse; der Dritte
ist ein Geizhals und Wucherer; der Vierte hat selbst schon einmal
fallirt und besitzt ein Herz von Stein, das f�r seine ungl�cklichen
Mitmenschen ohne Nachsicht und Mitleid schl�gt. Endlich erkl�rt die
so bearbeitete Mehrheit ihre Zustimmung und unterzeichnet den
Vertrag. Der Notar h�lt eine salbungsvolle Rede, versichernd, da�
man im Grunde ein gutes Gesch�ft gemacht habe, denn durch die
Dazwischenkunft der Gerichte w�rde nichts �brig geblieben sein und
dabei habe man ein gutes Werk gethan und habe einer braven Familie
geholfen. Schlie�lich gehen Alle voll Bewunderung f�r die Tugenden
dieser w�rdigen Familie, die man als ein Muster betrachten m�sse,
nach Hause.�
So vollziehe sich ein �gef�hlvoller Bankerott�, bei dem die
Gl�ubiger um drei Viertel ihrer Forderungen geprellt wurden; werde
mit f�nfzig Prozent ein Fallissement arrangirt, so sei dies ein
rechtschaffener Bankerott, etwas so Allt�gliches, da� wer sich mit
einer so m��igen Brandschatzung seiner Gl�ubiger begn�ge, nicht
n�thig habe, au�erordentliche Triebfedern und H�lfsmittel in
Bewegung zu setzen. Sei nicht Dummheit des Bankerotteurs im Spiele,
so sei ein Gesch�ft, bei dem man nicht mehr als f�nfzig Prozent
einstreichen wolle, stets sicher.
Die wahre Natur des Bankerotts kennen zu lernen, diesem h�tten sich
die Philosophen eben so entzogen, wie den Untersuchungen �ber die
Agiotage und den Wucher, sie w�rden dann auch das Wesen der freien
Konkurrenz begriffen haben. Napoleon habe Recht gehabt, zu sagen:
Man kenne nicht das eigentliche Wesen des Handels. Napoleon sei
eingesch�chtert worden durch die Erfahrung, da� jede Sch�digung,
die eine Regierung gegen den Handel versuche, von diesem auf die
arbeitenden Klassen abgew�lzt werde. Sobald der Handel bedroht
w�rde, z�ge er die Kapitalien zur�ck, s�e er Mi�trauen, hemme er
die Zirkulation. Der Handel sei das Bild des Igels, den der Hund an
keinem Punkte fassen k�nne. Das sei, was im Geheimen alle
Regierungen qu�le, was sie zwinge, sich vor dem goldenen Kalb zu
beugen. Eines Tages habe der �sterreichische Minister Wallichs
(1810) gegen die Schliche der B�rse in Wien auszuschlagen versucht,
indem er eine Ueberwachung des B�rsenspiels einf�hren wollte; er
sei von der B�rse in die Pfanne gehauen worden und habe schm�hlich
seinen Platz r�umen m�ssen. Man m�sse also Entdeckungen machen, um
gegen diese kommerzielle Hydra k�mpfen zu k�nnen. Schlie�lich sei
nichts leichter, als diesen Kolo� der L�ge anzugreifen; kenne man
die Batterien, die anzuwenden seien, so werde er nicht einmal
Widerstand versuchen.
Nat�rlich t�uscht sich Fourier hier, weil er die Wirkung f�r die
Ursache nimmt. Der Handel ist nur eine der Erscheinungen des
kapitalistischen Systems. Ihm an den Kragen zu wollen, ohne das
System mit der Wurzel auszuheben, ist einfach unm�glich. Fourier,
der als Uebergangsstadium das Staatsmonopol f�r den Handel
vorschl�gt, w�rde, falls der Versuch der Durchf�hrung gemacht
worden w�re, gefunden haben, da� dies eben so unm�glich ist, wie
alle Versuche von Wallichs bis zu Herrn v. Scholz und Herrn v.
Maibach, der B�rse auch nur ein Haar zu kr�mmen. Der Kapitalismus
mag einwilligen, diesen oder jenen Industriezweig verstaatlichen zu
lassen, und er wird dies thun, wenn er dabei seine Rechnung findet,
aber nur dann: doch den Versuch der Monopolisirung eines Gebietes,
wie es der Handel ist, w�rde er ebenso auf Tod und Leben bek�mpfen
wie eine Verstaatlichung der gesammten Industrie, und er w�rde
siegreich bleiben. Au�erdem wird der Staat, der in seiner ganzen
Organisation und Gesetzgebung, und speziell in den gesetzgebenden
Faktoren, den Volksvertretungen und Ministerien, der Ausdruck der
kapitalistischen Interessen ist, dieser Staat wird nie weiter
gehen, als sein _fiskalisches Interesse_ ihn n�thigt, und was immer
er verstaatlicht, wird selbst wieder nur in kapitalistischer Form
verwaltet und ausgebeutet. Fourier konnte zu seiner Zeit noch einen
gewissen ausgepr�gten Gegensatz zwischen der Staatsgewalt und den
leitenden �konomischen Klassen konstruiren, weil insbesondere der
alte Adel mit der emporstrebenden Bourgeoisie, den M�nnern von 1789
und ihren Nachfolgern, sich in den Haaren lag und beide Parteien
die Staatsgewalt als Schiedsrichterin anriefen. Aber hier bestand
kein Klassengegensatz, wie zwischen Kapital und Arbeit, es war nur
der Kampf um die Beute, wie wir heute noch diesen Kampf in voller
Bl�the sehen, wo grundbesitzende, industrielle und handeltreibende
Bourgeoisie die Staatsgewalt und die Staatsgesetzgebung f�r ihre
spezifischen Interessen auszunutzen suchen. Diese Differenzen
werden dauern, so lange es eine b�rgerliche Gesellschaft giebt, sie
werden immer nur quantitativer, nie qualitativer, prinzipieller
Natur sein. _Die Existenz des Staats erfordert die
Aufrechterhaltung der Klassengegens�tze_; er kann sie -- und das
liegt in seinem Interesse -- zu mildern versuchen, aufzuheben
vermag er sie nicht, _weil er sich selbst damit aufheben w�rde_.
Die Entstehung des Klassengegensatzes in der Gesellschaft _erzeugte
den Staat_, die Aufhebung des Klassengegensatzes machte ihn
verschwinden. Der Klassengegensatz, von seinem Entstehen an in den
Formen stetig wechselnd, aber seit dem Bestand des Staats stets
vorhanden, _ist das Gesetz der Existenz des Staates_. Wir hoben
bereits hervor, da� wenn der ganze Erdboden mit Fourier'schen
Phalanxen bedeckt w�re, seine Omniarchen, C�sare, Auguste,
Monarchen u.s.w. eine sehr zwecklose Staffage w�ren, die keinen
Sinn und keine Bedeutung h�tte. Kriege g�be es nicht mehr -- also
ist die Armee mit Allem, was damit zusammenh�ngt, �berfl�ssig.
Diebe, Betr�ger, Verbrecher existirten auch nicht mehr -- also
w�ren Justiz, Polizei, Gef�ngnisse nicht mehr von N�then. Die
Steuerbeh�rden w�ren, wie er selbst ausf�hrte, ebenfalls nutzlos.
Die Verwaltung ihrer Angelegenheiten leitete jede Phalanx
ausschlie�lich; die Beziehungen der Phalanxen unter sich w�ren sehr
einfache, sie bez�gen sich auf den gegenseitigen Austausch und die
gegenseitige H�lfeleistung bei der Herstellung gro�er gemeinsamer
Unternehmungen, auf die Mittheilung und Unterst�tzung von
Erfindungen, Verbesserungen und Entdeckungen aller Art f�r das
praktische Leben, f�r Wissenschaften und K�nste. Das sind Dinge,
wozu schlie�lich eine Staatsgewalt in unserem Sinne nicht n�thig
w�re. Denn diese Staatsgewalt ist eine repressive und befehlende
Gewalt und nicht eine blos ausf�hrende und anordnende Instanz; ihre
Hauptaufgabe besteht darin, den Gegensatz innerhalb der
Gesellschaft niederzuhalten, Ausbr�che nationaler Streitigkeiten
niederschlagen und alle Diejenigen, welche, sei es individuell, sei
es korporativ, die bestehenden Staatsnormen verletzen, zur
Verantwortung zu ziehen. F�r alle diese Leistungen braucht die
Staatsgewalt die n�thigen Werkzeuge und Institutionen: Armee,
Gerichte, Polizei, Gef�ngnisse, Steuerbeh�rden etc. Mit dem Zweck
fielen auch die Mittel. Monarchen, die unter dem Regime der Phalanx
regieren wollten, w�rden unbek�mmert um ihre Stellung und ihren
Titel, in noch viel h�herem Grade die Rolle spielen, die das
bekannte drastische Wort Napoleon's den Monarchen sogenannter
konstitutioneller Musterstaaten, wie wir solche in Europa nur
wenige -- England, Italien, Belgien -- haben, anweist; ihre
Existenz w�rde durch die Natur der Dinge im phalansteren System
unm�glich sein.
* * * * *
Im weiteren Verlauf seiner Kritik der Zivilisation kommt Fourier
auf diejenigen Charaktere zu sprechen, die nach dem R�ckschritt
streben, denen der Hang zur r�ckg�ngigen Bewegung eingeimpft
(�greff�e�) sei, und auf diejenigen Charaktere, die zum Niedergang
der dritten Phase treiben.
Eine Partei, welche die Mi�br�uche der falschen Freiheit
erschreckte, halte es f�r klug, auf die Gebr�uche und
Gepflogenheiten des zehnten Jahrhunderts, auf die Feudalit�t und
den religi�sen Obskurantismus zur�ckzukommen. Aber man finde weder
ein Volk noch eine Bourgeoisie, welche sich f�r das zehnte
Jahrhundert begeisterten. Der Versuch, das zehnte Jahrhundert auf
das neunzehnte, die erste Phase der Zivilisation auf die dritte zu
pfropfen, werde scheitern, Handel und Finanz seien allm�chtig und
eine Partei sei verloren, welche glaube, diese beiden M�chte
beherrschen zu k�nnen.
Andererseits seien die Champions des �erhabenen Flugs� unserer
Gesellschaftsordnung, die Liberalen, auch noch eine Partei von
R�ckw�rtslern, die im Flittergold der Athener und der R�mer
st�bernd, die alten Schwindeleien, die falschen Menschenrechte, in
Szene zu setzen suchten und auf das neunzehnte Jahrhundert
Illusionen pfropften, welche die Zivilisation zu einem Mischmasch
der zweiten und der dritten Phase machten.
Schlie�lich werde die Partei die Oberhand behalten, welche nach der
vierten Phase der Entwicklung vorw�rts und nicht r�ckw�rts gehe.
Wenn beide Parteien sich auszus�hnen und zu vereinigen verm�chten,
k�nnte die Zivilisation in die vierte Phase aufr�cken, die, wenn
sie auch nicht das eigentliche Gl�ck bringe, doch gegen die
fr�heren gro�e Vorz�ge habe; sie werde die Bettelarmuth austilgen,
best�ndig Arbeit dem Volke sichern, Fonds liefern, gen�gend, um die
�ffentlichen Schulden zu decken; W�lder und Wege restauriren.
Was die dritte Phase betreffe, so sei sie eine Sackgasse, aus
welcher der menschliche Geist nicht herauszukommen wisse, er nutze
sich mit Systemen ab, die nur darauf hinaus liefen, alle Gei�eln
zur Herrschaft zu bringen. Diese Phase zeige das Bild des Sisyphus,
der ewig den Felsen w�lzend nie zum Ziele komme. In verschiedenen
Beziehungen seien wir sogar zu R�ckschritten gekommen, verursacht
durch die Chim�ren, welche wir uns �ber das Repr�sentativsystem
machten, was selbst Lobredner des Liberalismus, wie Benjamin
Constant, anerkannt h�tten. Solche Uebel seien: die Korruption der
Volksvertreter durch die Bestechungen; die Aufschreckung der H�fe,
die von Sinnen k�men durch die Angst, die ihnen der falsche
Liberalismus einfl��e; das Schutzsuchen der H�fe bei den Feinden
ihrer Unabh�ngigkeit aus Furcht vor dem Liberalismus, �diesem
Schlimmsten, was ihnen begegnen k�nne�; (heilige Allianz, Kongresse
von Aachen, Troppau, Laibach, Verona, Karlsbader Beschl�sse, auf
diese und �hnliche Vorkommnisse spielt Fourier hier an); die
Mi�helligkeiten unter den verschiedenen Klassen der B�rger in Folge
der Wahlk�mpfe; das Wachsthum der Staatsausgaben in Folge des
Kampfes der Regierungen gegen die V�lker u.s.w.
Fourier verwahrt sich dagegen, da� er ein Vertheidiger des
Absolutismus sei, wenn er die Uebel des herrschenden Systems
bloslege; er kritisire, um zu zeigen, da� weder das Bestehende noch
das Vergangene das Gl�ck der Menschen geschaffen und beweise, da�
man die jetzige Phase so rasch als m�glich verlassen m�sse. Er
nenne den Liberalismus falsch, weil er einen politischen
R�ckschritt unter volksfreundlicher Maske, die Herrschaft der
Oligarchie erstrebe _und immer die seinen Versprechungen
entgegengesetzten Wirkungen erzeuge_. Die Liberalen suchten sich zu
rechtfertigen, indem sie sagten: �Seht Ihr nicht, da� wir ohne das
Repr�sentativsystem und ohne unsere Opposition in den dr�ckendsten
Despotismus fielen?� Das gebe er zu, aber es sei nicht weniger
gewi�, da�, indem die Liberalen durch ihre Taktik den
R�ckschrittlern vor den Kopf stie�en und sie immer mehr
erbitterten, sie diese immer mehr dem Obskurantismus in die Arme
trieben. So arbeiteten die Liberalen indirekt gegen sich selbst.
Ueberdies sei sicher, da� dieses sogenannte liberale System
keineswegs sehr positiv operire, _der liberale Geist sei f�r alle
gro�en Probleme sozialer Verbesserung durchaus steril, er bringe
immer nur Debatten zur Welt, nie eine neue Idee_.
Fourier hat hier mit wenig Worten den Liberalismus schlagend
gekennzeichnet; er hat nichtsdestoweniger nach zwei Seiten Unrecht.
Er hat Unrecht, wenn er sagt, der Liberalismus schade sich selbst,
weil er durch seine Kampfweise den Monarchen und den Konservativen
vor den Kopf sto�e. Das ist derselbe Vorwurf, den in unserer Zeit
die vorgeschrittenen Liberalen den Sozialisten machen. Nun kann
aber keine Partei aus ihrer Haut, sie k�mpft f�r die Ideen und
Interessen, die ihre Lebensbedingungen bilden; ob sie dabei einen
der Gegner, mit dem sie gewisse gleiche Ziele hat, verletzt und
einsch�chtert, kann nicht in Frage kommen. Jede aufstrebende
Partei, die f�r ihren Sieg k�mpft, ist f�r die alten Parteien eine
Gefahr, weil der Sieg der neuen Partei die Verdr�ngung der alten
Parteien und ihre Hinauswerfung aus der innegehabten Position
bedeutet. Dar�ber t�uscht sich keine Partei, die an der Herrschaft
ist, und namentlich dann nicht, wenn ein unvers�hnlicher
prinzipieller Gegensatz zwischen den k�mpfenden Parteien besteht.
Es ist daher th�richt, dem Angreifer seine Taktik zum Vorwurf zu
machen, denn nicht um diese, sondern um seine wahren Bestrebungen
handelt es sich.
Fourier hat ferner Unrecht, wenn er glaubt, da� ein B�ndni� des
Liberalismus seiner Zeit mit dem Konservatismus ein g�nstigeres
Resultat f�r den Fortschritt der Gesellschaft ergeben h�tte.
Deutschland, das heute �hnliche K�mpfe der herrschenden Klassen
unter sich durchzumachen hat, wie das Frankreich der zwanziger und
drei�iger Jahre dieses Jahrhunderts, ist der klassische Zeuge
daf�r, wohin der Liberalismus und der Fortschritt der Gesellschaft
kommt, wenn der Liberalismus sich mit dem Konservatismus verb�ndet.
Indessen wir wissen heute, da� _alle_ wie immer gearteten
politischen Parteik�mpfe nur K�mpfe um materielle Interessen sind,
und da�, wo zwei K�mpfende sich gegen den dritten verb�nden, sie
selbst nur einen Waffenstillstand schlie�en, weil ihnen der dritte
die streitige gemeinsame Beute zu entrei�en droht. Es ist der alte
Kampf um das bevorzugte Dasein, den die Menschen im Gegensatz zu
den �unvern�nftigen� Thieren f�hren, indem jeder sich selbst und
alle sich gegenseitig zu bel�gen und zu betr�gen suchen, sich
vorredend, es seien die �Ideen� und nur die �Ideen�, f�r die sie
stritten und k�mpften. Es ist der gro�e Fortschritt unserer Zeit,
da� der Charakter dieser K�mpfe als Klassen- und Interessenk�mpfe
immer mehr erkannt wird, und vor Allem ist es der moderne
Sozialismus, der diesen Standpunkt voll und ganz einnimmt.
Fourier f�hrt fort:
Die Stehenbleibenden (�immobilistes�) seien eine ebenso l�cherliche
Sekte als die R�ckw�rtsstrebenden, die soziale Bewegung weise jeden
Stillstand zur�ck; sie strebe zum Fortschritt, dies sei ebenso ihr
Bed�rfni� wie, da� Wasser und Luft zirkuliren m��ten, um nicht zu
verderben. Jeder Stillstand korrumpire. Unsere Bestimmung sei,
vorw�rts zu marschiren und so m�sse jede soziale Periode nach einer
h�heren Entwicklung streben. So tendire die Barbarei zur
Zivilisation und diese zum Garantismus und den h�heren
Entwicklungsformen. Wenn eine Gesellschaft zu lange in einer
Entwicklungsphase verharre, ermatte sie, und es entwickle sich in
ihr, wie stehendes Wasser faulig werde, die Verderbni�. Wir
bef�nden uns seit einem Jahrhundert in der dritten Phase, aber in
dieser kurzen Spanne Zeit sei die Entwicklung, Dank den kolossalen
Fortschritten der Industrie, sehr rasch vor sich gegangen. Heute
strebe die dritte Phase �ber ihre Grenzen hinaus. Wir bes��en zu
viel Lebensmittel f�r eine auf der sozialen Stufenleiter
gleichzeitig nicht gen�gend emporgestiegene Gesellschaft, und
dieser Ueberflu� von Lebensmitteln, im sozialen Mechanismus keine
nat�rliche Anwendung findend, �berlaste und verderbe ihn. Daraus
resultire eine zerst�rende G�hrung, es entwickle sich eine gro�e
Menge sch�dlicher Charaktere, es zeigten sich Symptome der
Erschlaffung, alles Wirkungen des Mi�verh�ltnisses, das zwischen
den industriellen Mitteln und den auf einer tieferen Stufenleiter
stehenden Massen der Bev�lkerung vorhanden sei. Wir bes��en zu viel
Industrie f�r eine zu wenig vorgeschrittene noch in der dritten
Phase zur�ckgehaltene Zivilisation, die aber von dem Bed�rfni�
gedr�ngt werde, sich in die vierte Phase zu erheben. Daher diese
Erscheinungen des Ueberflusses und der Verschlechterung, von denen
er die schlimmsten aufz�hlen werde. Als Antwort auf die Prahlereien
von der Vollkommenheit der bestehenden Gesellschaft werde er die zu
Tage liegenden Wirkungen ihrer noch sehr neuen Verschlechterungen
zeigen.
Fourier f�hrt nun ein S�ndenregister der Zivilisation von
vierundzwanzig Eigenschaften auf, die den nothwendigen Verfall der
Gesellschaft zur Folge haben m��ten.
Erstens: Die politische Zentralisation. Die Hauptst�dte w�rden zu
Abgr�nden, die alle H�lfsmittel verschl�ngen, welche die Reichen
zur Agiotage verleiteten, so da� diese mehr und mehr die Agrikultur
verschm�hten. Zweitens: Die Fortschritte der Fiskalit�t. Es
entwickele sich ein System der Erpressung und es entst�nden die
indirekten Bankerotte; man nehme die Mittel voraus und grabe der
Zukunft den Abgrund. 1788 habe Necker nicht gewu�t, womit er ein
j�hrliches Defizit von f�nfzig Millionen decken solle, heute
reichten nicht f�nfzig, man brauche f�nfhundert Millionen.
Drittens: Befestigung des Seehandelsmonopols. 1788 habe man noch
mit England rivalisirt und es zur�ckgehalten, heute herrsche es
ausschlie�lich, ohne da� Europa an die Wiederherstellung einer
wirklichen Rivalit�t denken k�nne. Viertens: Wachsende Angriffe auf
das Eigenthum. Gewohnheit und Beispiele machten diese durch die
Vorw�nde zur Revolution immer h�ufiger. Diese Angriffe w�rden f�r
alle Parteien zur Regel. Nachdem Frankreich -- in der gro�en
Revolution und unter Napoleon -- konfiszirt habe, ahmten Spanien
und Portugal das Beispiel nach und das werde immer schlimmer
werden, weil es heute nur Fortschritt in der Unordnung g�be. Es sei
eine Charaktereigenschaft der Gesellschaft, die in die Barbarei
zur�ckgreife. F�nftens: Beseitigung der Zwischenk�rperschaften;
also derjenigen Institutionen, welche durch die straffe
Zentralisation, die der Konvent schuf, beseitigt wurden:
Provinzialst�nde, Parlamente, Magistrate und Korporationen. Dank
ihrem Sturze befinde man sich vor der j�hrlichen Vergr��erung des
Budgets um f�nfhundert Millionen. Sechstens: Beraubung der Kommune
an Eigenthum und Rechten, die man vergeblich durch die
Lebensmittelsteuern (�octrois�), welche die Industrie sch�digten,
die Bev�lkerung mi�stimmten, zu Steuerhinterziehungen provozirten
und den ganzen legalen Handel vergifteten, zu entsch�digen
versuche. Siebentens: Verdorbenheit der Rechtsprechung; man
vertheuere dem Armen das Rechtsuchen und mache es ihm unm�glich,
und gleichzeitig rufe man, durch die immer gr��er werdende Theilung
des Eigenthums und die H�ufung immer ohnm�chtiger werdender
Gesetze, das Wachsthum der Prozesse hervor. Die Gesetze blieben
todte Buchstaben f�r einen pl�ndernden Lieferanten, der 76
Millionen gestohlen habe, und verurtheilten einen armen Teufel, der
einen Kohlkopf stehle, zum Tode.
Fourier theilt zum Beleg f�r diesen letzteren Ausspruch den Ausgang
zweier Prozesse mit, die sich zu seiner Zeit in Pan im s�dlichen
Frankreich abspielten. Ein Armeelieferant, der durch betr�gerische
Lieferungen ein Verm�gen von 76 Millionen ergaunerte, wurde
freigesprochen, ein armer Teufel, Namens Ellisander, der Kohl
gestohlen hatte, wurde zum Tode verurtheilt.
Achtens: Dauerlosigkeit in Institutionen, die selbst im Falle
besserer Einsicht von Unverm�gen betroffen seien und durch den
Mangel gerechter Methoden in der ganzen Verwaltung der Gesellschaft
das Gegentheil von dem erzeugten, was sie bewirken sollten. Man
k�nne keine regelm��ige, auf allgemein geltenden Grunds�tzen
basirte Landauftheilung und Landvermessung vornehmen, weil es keine
Regel f�r solche Ma�nahmen gebe. Fourier hat hier die zu seiner
Zeit geplante allgemeine Katastrirung im Auge, die theils wegen der
gro�en Kosten, theils wegen des Streits �ber die unterzulegenden
Grunds�tze von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verschoben wurde. Neuntens:
Stetig drohende Schismen, die B�rgerkriege hervorzurufen drohten.
Zehntens: Best�ndige Gefahr des Ausbruchs innerer K�mpfe, die Folge
des N�hrens der Unzufriedenheit durch die Unwissenheit der sozialen
Politiker, die kein Mittel der Auss�hnung und des wirklichen
sozialen Fortschritts zu entdecken verm�chten. Elftens: Die
Vererbung; die Gewohnheit, die durch die besiegte Partei einmal
eingef�hrten Uebel beizubehalten: Lotterien, �ffentliche Spiele und
andere verh�ngni�volle Mittel der Fiskalit�t.
Die politische Schamlosigkeit und Erniedrigung der christlichen
M�chte, die mit den Muselm�nnern und Piraten ein stilles
Vertragsverh�ltni� eingingen, wonach man den Seer�ubern, um sie zu
beschwichtigen, einen Tribut bezahlte und den Negerhandel
unterst�tzte, betrachtete Fourier als die zw�lfte verh�ngni�volle
Charaktereigenschaft der Zivilisation. Zu seiner Zeit standen die
Dinge noch so, da� die meisten europ�ischen M�chte, Mangels der
n�thigen maritimen Kr�fte und um den Seer�ubereien der
nordafrikanischen Raubstaaten Einhalt zu thun, durch Zahlung eines
j�hrlichen Tributs die eigene Flagge vor Angriff zu sch�tzen
suchten. Einen solchen Vertrag schlo� z.B. Oesterreich mit der
T�rkei, als der Schutzmacht der nordafrikanischen Seer�uberstaaten,
ab. Oesterreich, das 1814 mit der Annexion von Venedig auch dessen
Flotte erhielt, -- 8 Linienschiffe, 7 Fregatten etc. -- lie� diese
buchst�blich verfaulen und die im Bau begriffenen Fregatten
unvollendet. Der bankerotte Staat hatte keine Mittel, eine
Kriegsflotte unterhalten zu k�nnen. Der Sklavenhandel, durch
christliche M�chte beg�nstigt, blieb noch bis in unser Zeitalter
ein gewinnbringendes Gesch�ft und eine Schmach unserer Kultur.
Dreizehntens: Fortschritt des Handelsgeistes. Steigende Macht des
B�rsenspiels, das der Gesetze spotte, die Fr�chte der Industrie an
sich rei�e, die Autorit�t mit den Regierungen theile und �berall
die Raserei f�r das Spiel verbreite. Vierzehntens: Beg�nstigung des
Handels trotz seiner Verschlimmerung. Marseille baue f�r die
Seer�uber Schiffe zur Kaperung der Schiffe der Christen, um mit den
gefangenen Christen die afrikanischen Bagnos zu f�llen; Nantes
besitze Fabriken in denen die Marterwerkzeuge f�r die Tortur der
Neger hergestellt und den Strafgesetzen zum Trotz ausgef�hrt
w�rden; andere St�dte ahmten den Engl�ndern nach und bauten Bagnos
(Fabriken), in denen die Arbeiter sechszehn Stunden t�glich
schanzen m��ten. Je mehr der Handel an B�sartigkeit zunehme, um so
mehr werde er beg�nstigt. F�nfzehntens: Industrielle Skandale:
Fortschritte in der Art der Verf�lschungen und der Tolerirung der
Verf�lschung der Lebensbed�rfnisse; Zunahme der aus dr�ckendem
Ueberflu� entstehenden Krisen; unterwerthige Ueberlassung der
Ernten unmittelbar nach ihrer Einbringung gegen vorausgegangene
Lieferung anderer Bed�rfnisse, also zunehmende Abh�ngigkeit des
Bodenbebauers vom Kapitalisten. Sechszehntens: Handel mit wei�en
Favoritinnen. Man lasse eine solche Gewohnheit vertragsm��ig selbst
solchen M�chten zu, welche sie, wie der Pascha von Egypten, bisher
nicht hatten, und widersetze sich nur diplomatischen Albernheiten.
Siebzehntes: Einb�rgerung der Sitten eines Tiberius: zunehmende
Spionage, die bis in die Reihen der Soldaten reiche; geheime
Angeberei; augenscheinlicher Fortschritt in der Heuchelei, der
niedrigen Gesinnung, der dem Parteigeist innewohnenden Uebel.
Achtzehntens: Kommunistischer Jakobinismus. Die Parteien, die ihn
bek�mpften, adoptirten seine Taktik und die Kunst, Verschw�rungen
anzuzetteln; sie raffinirten die Verleumdung, die heute allgemein
geworden sei und n�hmen dem Charakter des Modernen noch das wenige
von Noblesse, das ihm verblieben. Neunzehntens: Vandalistisch
gesinnter Adel (der Restauration), der an die Rechtsideen vor der
Revolution wieder anzukn�pfen suche; er denke nur daran, die
Industrie, die ihm die Wahlst�rme brachte, zu zerst�ren und
verfalle so wieder der Barbarei. Zwanzigstens: Literarische
Luftgefechte, die unsere Schriftsteller und Gelehrten als Banner
ihres Barbarismus aufpflanzten, wobei sie sich gegenseitig, zum
Vergn�gen des Publikums, dem sie den Geschmack an der Verleumdung
beigebracht, zerrissen. Sie einigten sich nur, um wirkliche
Aufkl�rung und n�tzliche Entdeckungen zu ersticken und zu
unterdr�cken. Die Wahlfreiheiten h�tten ein Trio von neuen Tugenden
geboren: einen vandalistisch gesinnten Adel, eine an der
Verleumdung h�ngende Bourgeoisie, ein voll Tadelsucht steckendes
Gelehrtenthum. Einundzwanzigstens: Auf rascheste Zerst�rung
gerichtete Taktik, indem man die Kriege furchtbarer zu machen suche
und immer mehr die barbarischen Gewohnheiten annehme;
Guerillakampf, Landsturm, Bewaffnung von Frauen und Kindern.
(Erinnerungen an Spanien, Tyrol und Preu�en. Der Verf.)
Zweiundzwanzigstens: Tendenz zum Tartarismus, darin bestehend, die
allgemeine Wehrpflicht und das Massenaufgebot, wie es Preu�en
bereits besitze und es Ru�land in h�herem Ma�e nachzuahmen
versuche, einzuf�hren; ein System, das, wenn es erst in einigen
Reichen eingef�hrt sei, alle �brigen zwinge, aus
Sicherheitsr�cksichten diese tartarische Organisation ebenfalls
anzunehmen. Dreiundzwanzigstens: Einweihung der Barbaren in die
Taktik der Zivilisirten, was ein sicheres Mittel sei, die
R�ubereien der Barbaresken noch mehr herauszufordern und der T�rkei
nahezulegen, diese R�ubereien nachzuahmen dadurch, da� sie in den
Dardanellen von den Schiffen aller schwachen M�chte einen
Passagezoll erhebe. Endlich vierundzwanzigstens: Vierfache Pest. Zu
der bereits bekannten alten des Orients komme das gelbe Fieber, der
Typhus, der bereits gro�e Verheerungen anrichte, und die aus
Bengalen stammende Cholera. Das sei eine neue Quadrille von vier
wachsenden Vervollkommnungen.
Wir kritisiren diese von Fourier hier vorgef�hrten vierundzwanzig
Charaktereigenth�mlichkeiten der Zivilisation nicht weiter, jeder
Leser wird sich klar sein, wie weit sie heute noch vorhanden oder
nicht vorhanden sind, sich steigerten oder sich schw�chten; eine
Anzahl derselben waren sehr vor�bergehender Natur und sind
verschwunden, andere lasten in bedenklichem Ma�e auch auf unserem
Zeitalter, sie sind sogar seit Fourier in ihrem Druck gewachsen.
Die Aufstellung der Liste verr�th wieder den Mann der scharfen
Beobachtung und den Denker. Charakteristisch f�r Fourier aber ist
die f�nfundzwanzigste der zivilisirten Untugenden, die er getrennt
von den �brigen hervorhebt und als die �schmachvollste� aller
bezeichnet: �die Zulassung der Juden zu den b�rgerlichen Rechten�.
Es gen�gte den Zivilisirten nicht, sagt er, die Herrschaft des
Betrugs zu sichern, man mu�te die Wuchernationen, die unproduktiven
Patriarchalen zu H�lfe rufen. Die j�dische Nation sei nicht
zivilisirt, sie sei patriarchalisch; sie habe keinen Souver�n,
erkenne auch im Geheimen keinen an und halte jeden Betrug f�r
lobenswerth, wenn es sich darum handele, Diejenigen zu t�uschen,
die nicht ihres Glaubens seien. Sie gebe zwar diese Prinzipien
nicht zu, aber man kenne sie gen�gend. Die Juden verdankten ihre
Zulassung zu den b�rgerlichen Rechten nur den Philosophen. Man
sieht, Fourier's Angriffe gegen die Juden, in welchen er sich noch
weiter ergeht, decken sich fast wortgetreu mit den Angriffen
unserer heutigen Antisemiten.
Fourier meint weiter, die aufgez�hlten Uebel geh�rten nicht
unab�nderlich zum Wesen der Zivilisation, sondern seien nur
Anh�ngsel; sie w�rde dem Einbruch dieser Uebel entgangen sein, wenn
sie ihren Marsch beschleunigt h�tte, wenn sie zeitig sich von der
dritten Phase in die vierte Phase erhoben, ihre Organisation auf
der sozialen Stufenleiter um so viel h�her ausgebildet h�tte als
ihre Industrie sich steigerte; so habe sie f�r die dritte Phase zu
viel und f�r die vierte zu wenig Entwicklung. Die Vollsaftigkeit
(�pl�thore�) sei nur ein Zuf�lliges, die durch eine andere
Organisation der sozialen Ordnung eine andere und gesundere
Vertheilung erlangte. Es handele sich also darum, da� wachsende
Industrie und Verbesserung der sozialen Organisation Hand in Hand
gingen, damit diese kolossale Industrie regulirt und ausgeglichen
werden k�nne, eine Industrie, die zu einem politischen Fleischbruch
(�sarcoc�le politique�) geworden sei und es bliebe, so lange wir in
der dritten Phase verharrten.
Hiermit habe er die Analyse der Zivilisation gegeben. H�tte sich
die Wissenschaft dieser Aufgabe unterzogen, so h�tte sie erkannt,
welche Perioden die Zivilisation durchlaufen habe und w�rde
entdeckt haben, wann man in die Bahn des Uebels oder des Guten
einlenkte. Man w�rde alsdann auch konstatirt haben, da� die
Zivilisation zwar die Industrie vervollkommnete, _da� sie aber in
demselben Ma�e die Sittenzust�nde verschlechtere, wie der
Fortschritt der Industrie sich entwickelte_. Darum gelte es, einen
anderen sozialen Mechanismus zu entdecken, der den Sitten
(�moeurs�) gem�� operire und aus dem Fortschritt der Industrie die
Wahrheit und die Gerechtigkeit schaffe. Anstatt zu diesem Ziel zu
streben, weigere sich die Wissenschaft, eine Aenderung zuzulassen,
behauptend: �der nat�rliche Sinn des Wortes Zivilisation ist die
Idee des Fortschritts in der Entwicklung; es setzt ein Volk voraus,
das marschirt; es bedeutet die Vervollkommnung des b�rgerlichen
Lebens und der sozialen Beziehungen, die billigste Vertheilung der
Gewalt und des Gl�cks aller Glieder der Gesellschaft.�
Einen Professor, der sich in solcher Weise auf seinem Pariser
Lehrstuhl, wo der Sophismus vor jedem Widerspruch sicher sei,
ausdr�cke, solle man als Antwort in die Spiegelmanufakturen und
�hnliche Werkst�tten f�hren, damit er mit eigenen Augen die
�billige Vertheilung� und das �Gl�ck� der Arbeiter sehen k�nne;
jener Arbeiter, die den Phantasien der M��igen, aus denen sich das
Auditorium des Professors zusammensetze, als Vorwurf dienten. W�re
es wahr, da� die Zivilisation jede Vervollkommnung, jeden
Fortschritt, jede Entwicklung beg�nstige, dann w�ren auch die
Barbaren Zivilisirte, deren Industrie in China, Japan, Persien,
Hindostan sich sehr vervollkommnet habe; aber zwischen diesen
beiden Gesellschaften werde man, wenn man sie analysire, einen
m�chtigen Unterschied erkennen. Der Fortschritt d�rfe aber nicht
blos die Industrie betreffen, er m�sse auch die Sitten und den
ganzen sozialen Mechanismus der Gesellschaft umfassen, zwei
Beziehungen, welche die Zivilisation nur zu verschlechtern wisse.
So bleibe ihre Aufgabe nur, Wissenschaft, K�nste, Industrie,
Studien, welche auch die Barbaren begonnen und sehr weit getrieben
h�tten, bis in die dritte Phase zur Anwendung zu bringen. Habe die
Zivilisation diese Aufgabe erf�llt, dann bleibe ihr nichts anderes
�brig, als zu verschwinden und einer anderen Gesellschaft Platz zu
machen, welche, indem sie Sitten, sozialen Mechanismus, Industrie
und Wissenschaft immer mehr vervollkommne und verfeinere, sie auf
eine H�he bringe, deren die Zivilisation nicht zur H�lfte f�hig
sei.
�Indem das Jahrhundert sich abm�ht, fabrizirt es Konstitutionen und
Systeme im Ueberflu�; es gleich dem Eichh�rnchen, das in seinem
Rade springt, ohne da� es vom Flecke kommt.�
* * * * *
Fourier legt nun den Plan dar, der nach seiner Meinung die
Zivilisation auf dem k�rzesten Wege in die h�here
Entwicklungsphase, zun�chst in den Zwischenzustand zwischen
Zivilisation und Garantismus, versetzen k�nne. Es gelte ein
Uebergangsstadium zu schaffen, das den Handel, diese Hydra, vor der
selbst die K�nige erschreckten und sich beugten, st�rze.
Dieses koste nur ein Dekret, und die Banken wie der Handel mit
ihren enormen Ertr�gen k�men in den Besitz der Regierungen. Zwei
Wege gebe es, dies herbeizuf�hren, einen br�sken und einen sanft
zwingenden, einen konkurrirenden und einen untergrabenden; auch
lie�en sich beide Methoden vereinigen.
Er unterstelle, da� es einen K�nig gebe von dem festen und
r�cksichtslosen Charakter eines Mahmud II. (regierte als Sultan von
1808-1839) und also den Zwang vorziehe: dieser werde die ganze
arme Klasse, die nichts besitze, vereinigen und sie in Staatsfarmen
organisiren. Man k�nne rechnen, da� die Zahl der ganz Mittellosen
ungef�hr ein Zehntel der Bev�lkerung betrage und auf je vierhundert
Familien vierzig arme Familien k�men. Es bildeten also je
zweihundert Personen die Bewohner einer Staatsfarm, die ihre
n�thigen Geb�ude, Stallungen, Vieh, G�rten, Werkzeuge u.s.w.
erhielten. Diese Zahl sei gro� genug, um eine zweckm��ige und wenig
kostspielige Verwaltung, abwechselnde Arbeiten und ein lukratives
Unternehmen zu begr�nden.
Diesen Staatsfarmen h�tte sich in der Industrie die Institution der
fixirten Unternehmerschaft anzuschlie�en. Hierunter versteht
Fourier nicht die der Zahl nach fixirte Unternehmerschaft, sondern
eine solche, die unter der Bedingung zugelassen wird, da� sie eine
von Jahr zu Jahr progressiv steigende Abgabe an den Staat leistet,
eine Ma�regel, die zwei Wirkungen haben soll; erstens: dem Staat
eine hohe Einnahme zu bringen; zweitens: den Unbemittelten die
Unternehmerschaft unm�glich zu machen, oder sie zur Aufgabe
derselben zu n�thigen. Die so freigesetzte Bev�lkerung solle in die
Staatsfarmen gedr�ngt werden, die einkommende Steuer aber neben der
Deckung der Staatsausgaben zur Deckung der Staatsschulden verwendet
werden. Fourier setzt voraus, da� diese Einnahmen allm�lig sehr
hoch werden und einen erheblichen Theil des Unternehmergewinns
absorbiren w�rden. Sicher ist von allen utopistischen Vorschl�gen
Fourier's dieser Vorschlag der utopischste.
Indem die Farmen immer zahlreicher w�rden und immer vorz�glichere
Produkte lieferten, auch industrielle, w�rden sie durch die G�te
ihrer Waaren, wie die Reellit�t der Preise die private Konkurrenz
immer mehr in's Gedr�nge bringen und einen Unternehmer nach dem
andern zur Gesch�ftsaufgabe zwingen. Damit dehnten sich die Farmen
immer mehr aus, die Kapitalisten lie�en ihnen ihre Kapitalien
zuflie�en, ein Eigenth�mer nach dem andern trete ihnen durch
Verkauf oder durch Pacht seinen Grund und Boden ab und sie w�rden
schlie�lich selbst Mitglieder der Farmen. Dieser Aufsaugungsproze�
f�hre dann zur Bildung der Phalanxen.
Man sieht, dieser Vorschlag hat eine starke Aehnlichkeit mit dem
von Lassalle vorgeschlagenen Uebergangsstadium, nur da� Lassalle
mit der Industrie beginnen wollte, Fourier das Hauptgewicht auf die
Ackerbaugenossenschaft legt.
Wir haben keine Veranlassung, diesen Vorschlag ausf�hrlicher zu
kritisiren; er ist ebenso wenig durchf�hrbar, wie die Gr�ndung der
Phalanxen durch die Mitwirkung der Reichen. Die Herrscher und die
Klassen m��ten noch geboren werden, die im Besitz der Macht und
aller Gen�sse freiwillig aus rein philanthropischen Gr�nden, um der
Masse der Unbemittelten und Armen zu helfen, ihre eigene bevorzugte
Stellung opferten. Wer in der Macht sitzt, sitzt im Recht und ihm
leuchtet nicht ein, da� seine Stellung eine ungerechte sein k�nne.
Ein Vorschlag, wie der Fourier'sche, kommt einer Zumuthung zum
Selbstmord gleich; diesen begeht nicht einmal der Einzelne
freiwillig, wie viel weniger eine Klasse, die sich im Besitz der
Herrschaftsmittel und im Glauben an ihr Recht befindet. --
Fourier ergeht sich weiter in Auseinandersetzungen und
Spekulationen �ber Einrichtungen und Zust�nde der
Entwicklungsperioden, welche der Zivilisation vorausgegangen sind,
um an der Hand derselben nachzuweisen, da� weitere Entwicklungen
�ber die Zivilisation hinaus folgen w�rden. Nicht nur seien Thiere
und Pflanzen um so mehr der Degeneration verfallen, je n�her sie
unserer Zeitperiode r�ckten, sondern auch der Mensch. Der
urspr�ngliche Mensch, der im Zustand des Edenismus
durchschnittliche 73� pariser Zoll gro� gewesen -- woher er
diese genauen Ma�angaben besitzt, verschweigt er --, aber heute auf
durchschnittlich 63 pariser Zoll zur�ckgekommen sei, werde in der
Harmonie sich wieder zur H�he von 73�-84 pariser Zoll entwickeln.
Alle dem Menschen n�tzliche Thiere und Pflanzen w�rden sich in
demselben Verh�ltni� vervollkommnen und veredeln. In der Barbarei
sei der Angelpunkt des Systems, im Kontrast mit dem in der
Zivilisation, die Einfachheit der Handlung, in der Zivilisation
nehme jede Handlung den Charakter der Doppelseitigkeit an. Ein
Beispiel m�ge dies beweisen.
�Der Pascha eines barbarischen Reichs verlangt Abgaben, einfach,
weil es ihm gef�llt, zu brandschatzen und zu pl�ndern, es f�llt ihm
nicht im Traum ein, erst in den Verfassungen der Griechen oder
R�mer nach den Theorien �ber die Rechte und Pflichten der
Staatsangeh�rigen zu forschen: er begn�gt sich, die Steuer zu
verlangen bei Gefahr f�r die Besteuerten, im Nichtzahlungsfalle den
Kopf zu verlieren. F�r den Pascha giebt es also, um zum Zweck zu
gelangen, nur ein Mittel, die Gewalt; dies ist eine einfache
Handlung. Der zivilisirte Monarch benutzt f�r denselben Zweck
verschiedene Mittel. Zun�chst hat er Polizisten und Soldaten zur
St�tze der Verfassung. Aber man setzt dieser H�lfe das
philosophische Handwerkszeug von moralischen Subtilit�ten �ber das
Gl�ck, Abgaben zum Wohl des Handels und der Verfassung zahlen zu
d�rfen, hinzu. Tugendhafte Finanziers �bernehmen, damit wir unsere
unverj�hrbaren Rechte genie�en k�nnen, bereitwillig die
Ueberwachung der Verwendung dieser Steuern. Der F�rst, der sie
fordert, erscheint dabei als z�rtlicher Vater, nur darauf bedacht,
seine Unterthanen zu bereichern; er empf�ngt die Steuern nur, um
den unsterblichen Volksvertretern zu gehorchen, die ihm dieselben
bewilligten; in Wahrheit ist es das Volk selbst, das die Steuern zu
bezahlen _w�nscht_. Darauf erkl�rt der Landmann zwar, da� er seine
Vertreter nicht gesandt habe, damit sie die Steuern vermehrten,
aber man antwortet ihm: er m�sse die Sch�nheiten der Verfassung
studiren, die ihn lehre, da� die W�rde freier M�nner darin bestehe,
zu bezahlen oder -- in's Gef�ngni� zu wandern.�
Hier sei also, erl�utert Fourier, Doppelseitigkeit der Handlung
vorhanden, man bringe zwei sich gegen�berstehende Mittel in
Anwendung, die Moral und die Gewalt, die Barbarei begn�ge sich mit
der Gewalt. Jedenfalls hat Fourier mit seiner Beweisf�hrung die
Lacher auf seiner Seite.
In die metaphysischen Spekulationen, die Fourier �ber den Plan
Gottes und die Gesammtheit der Bestimmungen anstellt, wollen wir
ihm nicht folgen; ebensowenig in seine Spekulationen �ber die
Unsterblichkeit der Seele und die Wanderungen, welche die Seele von
Planet zu Planet, nach dem System immer gr��erer Vervollkommnung,
vornehme. Heiterkeit erregend ist, wie er ausf�hrt, warum die
Menschen �ber das zuk�nftige Leben nichts Bestimmtes wissen. Er
sagt: �Erstaunen wir nicht �ber die Unkenntni�, welche �ber unsere
Unsterblichkeit herrscht, noch �ber die Unzul�nglichkeit unseres
Wissens �ber das, was uns nach unserem Tode erwartet. W�hrend des
gegenw�rtigen bedenklichen Zustandes unserer Gesellschaft darf Gott
die Menschen keine wissenschaftliche Kenntni� von ihrem k�nftigen
Leben erlangen lassen. Erlangte man sie, s�mmtliche Arme der
Zivilisation w�rden Selbstmord �ben, um dieses k�nftige Gl�ck so
rasch als m�glich zu genie�en; aber die Reichen, die zur�ckblieben,
h�tten weder die F�higkeit, noch die Neigung, die Armen in ihren
undankbaren Besch�ftigungen zu ersetzen. Die Wirkung w�rde also
sein, da� durch das Verschwinden Derer, welche jetzt diese Lasten
tragen, die Industrie der Zivilisirten zu Grunde ginge und der
Globus im Zustand best�ndiger Verwilderung bliebe. Dies w�rde die
sichere Folge von der Ueberzeugung der Unsterblichkeit und ihrer
Herrlichkeit sein.� Originell ist diese Begr�ndung auf alle F�lle.
Der Kuriosit�t und f�r manchen Leser wohl auch des Interesses
halber wollen wir hier ferner einige der Analogien erw�hnen, die
Fourier zwischen den verschiedenen Pflanzen und Thieren und den
verschiedenen Menschencharakteren und ihren sozialen Beziehungen
nachzuweisen sich bem�ht. Diese Analogien erf�llen nach ihm das
ganze Universum, wobei er sich auf die Worte Schellings -- eines
der sonst von ihm so geha�ten metaphysischen Philosophen -- immer
wieder bezieht: �Die menschliche Seele ist das Modell des Weltalls,
es widerspiegelt sich die Idee des Ganzen in jedem Theil.� Nach
Fourier ist also die gro�e Feldr�be, die nur auf dem Tisch des
Unbemittelten und unwissenden Landmannes erscheint, auch dessen
Spiegelbild; im Thierreich der Esel. Die Steckr�be entspricht dem
gebildeten Farmer, die kleine runde R�be dem opulenten Mann. Die
Carotte ist das Bild des verfeinerten, gerne experimentirenden
Agronomen. Der Sellerie mit seinem herb-s�uerlichen Geschmack
entspricht den Beziehungen l�ndlicher Liebender. Die Runkelr�be ist
das Bild des zur Arbeit gezwungenen Sklaven; wie jene durch die
gewaltsame Auspressung ihres Saftes Zucker geben mu�, so entspricht
ihr Saft dem ausgepre�ten Blut des Arbeiters, das Gold wird.
Dagegen gleicht das Zuckerrohr mit seiner angenehmen S��e dem Bilde
der soziet�ren Einheit in der Industrie. Die Kartoffel mit ihren
zahlreichen beieinander liegenden Knollen ist ein Gleichni� f�r die
Gruppen und Serien der Triebe. Ferner ist die Rose das Sinnbild der
Scham, die Mistel das des Schmarotzers, die Tulpe das der Justiz,
der Hahnenfu� das der Etikette, die Hortensie das der Koketterie,
der Hund das der Freundschaft, das Pferd das des Soldaten, die
Viper das der Verleumdung. Es sind also Thiere und Pflanzen bald
das Spiegelbild der Triebe des Menschen und seiner
Charaktereigenschaften, bald seiner sozialen Beziehungen. So wird
die Ehe in den verschiedenen Klassen durch die verschiedenen Arten
der Schwertlilie analogisirt. Die flatterhafte Schwertlilie (�iris
perpillon�) repr�sentirt die Ehe junger Liebenden; die jeder
Annehmlichkeit beraubte Mauer-Schwertlilie entspricht der Ehe armer
D�rfler; die blaue Schwertlilie der Ehe des beh�bigen B�rgers; die
gelb- und azurgestreifte Schwertlilie der Ehe reicher Liebender;
die riesige graue Schwertlilie, die mit ihrer mit Schwarz
durchschossenen Blume einer gro�en Trauerblume �hnlich sieht,
entspricht der f�rstlichen Ehe, wie �berhaupt der Ehe aus Ehrgeiz
oder Politik. Die Blume zeigt an, da� diese Ehen meist ohne Liebe,
oft ohne da� man sich zuvor kennen gelernt, geschlossen werden und
ihres eigentlichen Reizes und der wahren Natur des Menschen, die
nach Liebe d�rstet, entbehren. Schlie�lich bedauert Fourier
lebhaft, da� er zu wenig die Naturgeschichte studirt habe, um diese
Analogien, die eine der interessantesten Studien darb�ten, nach
allen Richtungen verfolgen zu k�nnen, und bef�rwortet, da� man im
soziet�ren Zustand diesem Studium besondere Ber�cksichtigung
schenke, weil es f�r Sinne und Gem�th seine gro�en Annehmlichkeiten
und Reize habe.
* * * * *
Wir glauben im Vorstehenden die Hauptgedanken aus den Theorien
Fourier's so wiedergegeben zu haben, als dies bei dem zugemessenen
Raum m�glich war; da� uns dabei manche sch�ne Stelle in seinen
Ausf�hrungen entgangen ist, wie wir andere wegen Mangel an Raum
�bergehen mu�ten, ist bei dem betr�chtlichen Umfang seiner Werke
nat�rlich. Es ist andererseits keine leichte Aufgabe, sich in der
Menge des Materials und in dem oft krausen Stil und abrupten
Gedankengang zurechtzufinden. Und doch bietet das Studium seiner
Werke einen gro�en Genu�; sie zeigen eine erstaunliche F�lle
origineller Gedanken und Ideen, die zu einem erheblichen Theil auch
f�r die heutige Zeit, wie f�r die zuk�nftige Entwicklung der
Gesellschaft von gro�er Fruchtbarkeit sind. Sein Studium der
menschlichen Triebe und die daraus hervorgehenden Schl�sse sind
eine Arbeit, wie sie unseres Wissens nicht zum zweiten Male
existirt. Die Art, wie er die menschlichen Triebe f�r eine neue
Gesellschaftsorganisation zu verwenden beabsichtigte, ist so tief
gedacht und erfa�t, da� die Zukunft in der Richtung der von ihm
erfa�ten Gedanken nur weiter zu wandeln und aufzubauen braucht.
Gro�artig ist sein System der Kindererziehung, das einem P�dagogen
von Fach eine F�lle neuer Gedanken und Anregungen geben wird und
das zugleich Zeugni� ablegt von der erstaunlichen, in's kleinste
Detail gehenden Beobachtung, mit der Fourier, wie Alles, was ihm
begegnete, so auch das Leben der Kinderwelt studirte. Das ist um so
merkw�rdiger, als er sein Leben unverheiratet beschlo� und keine
Kinder besa�. Merkw�rdig ist auch, da� dieser Mann, der einsam
durch's Leben ging, ganz seinen Studien ergeben, der Liebe jenen
Tempel baute, den sie in seinen Werken findet. Seine intimsten
Freunde und Sch�ler haben keine Ausschweifungen an ihm beobachtet.
Das ist nicht �berfl�ssig zu bemerken in Anbetracht der Angriffe,
welchen gerade die Abschnitte �ber die Liebe in seinen Werken
ausgesetzt waren.
Wir haben seinen Ideen �ber Kindererziehung nur einen
verh�ltnism��ig kleinen Raum widmen k�nnen, sie nehmen aber einen
ziemlich betr�chtlichen in seinen Werken ein und umfassen eine
Menge interessanter Details, die wir �bergehen mu�ten, die aber
neben der denkenden Beobachtung, die Fourier den Kindern widmete,
auch die tiefe Liebe athmen, die er zu diesen die Zukunft der
Gesellschaft repr�sentirenden Wesen besa�.
Wer sich mit all den ber�hrten Fragen eingehender befassen will,
dem rathen wir, die Werke Fourier's zu studiren. Er wird neben
vielem Schrullenhaften und Vielem, was uns heute l�cherlich
erscheint, weil wir mittlerweile fast dreiviertelhundert Jahre
�lter wurden und eine ungeheure F�lle von Wissen, Entdeckungen und
Erfahrungen aufgespeichert haben, die Fourier und seinem Zeitalter
fremd und unbekannt waren, auch viele heute und noch f�r eine
erhebliche Zukunft hinaus sehr werthvolle Gedanken, Anregungen und
Ideen kennen lernen. Und selbst das Schrullenhafte und L�cherliche
in seinen Werken ist stets in so origineller Weise gedacht, da� man
es mit Interesse liest, als ein Denkmal, das zeigt, wie in einem
genialen Geiste, der nicht lange vor unserm Zeitalter lebte und
Menschen und Dinge gr�ndlich kannte, sich die Zukunft der
Menschheit und der Welt widerspiegelte. Wer Goethe's �Wilhelm
Meisters Lehr- und Wanderjahre� und �Wahrheit und Dichtung� gelesen
hat und erw�gt, da� Fourier und Goethe gleichzeitig lebten und
wenige Jahre von einander getrennt starben, wird in den Phantasien
Beider �ber menschliches Gl�ck manches Verwandte finden. Der
Fourier'sche Utopismus h�lt dem Goethe'schen, wie er namentlich in
den Wanderjahren hervortritt, voll die Waage; Fourier �bertrifft
Goethe an realer Menschenkenntni�, an Kenntni� der Lebenslage der
Masse und in Bezug auf die Naturgeschichte der Gesellschaft.
Wir lie�en in der vorliegenden Arbeit g�nzlich unber�cksichtigt,
und mu�ten und konnten dies auch, Fourier's sehr polemisch
abgefa�te Abhandlungen gegen die Philosophen, die er so gr�ndlich
ha�te und, wie es immer geschieht, wenn der Ha� vorzugsweise die
Feder f�hrt, auch schw�rzer malte, als sie es verdienten. Man halte
fest, da� es die Politiker, die Oekonomisten, die Moralisten und
Metaphysiker waren, denen er unter dem Namen der Philosophen zu
Leibe ging. Man beachte ferner, da� seine Feindseligkeit wider sie
daher kam, da� er, der die Wahrhaftigkeit �ber Alles liebte, fand,
da� ihre gro�en Worte und sch�nen Ideen, mit welchen sie den
Menschen das Heil, die Rettung aus allem Elend und das Gl�ck
versprachen, im Widerspruch mit ihren Thaten und im grellsten
Widerspruch mit dem wahren, so eben erst neugeschaffenen Zustand
der Dinge standen. Wer wie Fourier all die gro�en, sch�nen und
gl�nzenden Gedanken, welche die Werke Rousseau's und der
Enzyklop�disten, die Reden der Wortf�hrer der verschiedenen
politischen Parteien, der Konstitutionellen, wie der Siey�s und
Mirabeau, der Girondisten, der Dantonisten, der Robespierrianer
u.s.w. enthielten, kennen gelernt hatte; wer gesehen, wie dem rothen
der wei�e Schrecken folgte, dann die Bourgeoisie das Heft in die
Hand nahm und, raubgierig und schamlos wie immer, allen ihren
gro�en sch�nen Worten und erhabenen Phrasen zum Trotz, nur daran
dachte, das Volk zu unterdr�cken und es um die Fr�chte seiner
Arbeit zu bringen; wie dann statt des verhei�enen Gl�cks das
Massenelend sich einstellte, sich sichtbar vermehrte; wir sagen,
wer das Alles vom Standpunkt Fourier's gesehen und erlebte und
dabei glaubte, sich �ber die Natur der Dinge und der Menschen nicht
zu t�uschen, dessen Herz durfte mit Ha� und Zorn erf�llt werden.
Aber er besa� in hohem Grade auch die Waffen des Witzes und des
bei�enden Spottes, womit er seine Angriffe w�rzte, und dies
erbitterte besonders seine Gegner und veranla�te sie lange Zeit,
und die �berwiegende Zahl derselben stets, die bekannte
Todschweigungstaktik gegen ihn zu beobachten. Einen Mann von
Fourier's Charakter erbitterte dies noch mehr.
Sein System war nicht f�r das Verst�ndni� der Massen berechnet,
wenn auch f�r die Massen geschaffen; er suchte die Zustimmung und
Mitwirkung der Gro�en und Reichen, und diese Kreise konnten, wenn
�berhaupt, nur gewonnen werden, wenn namentlich die vornehmeren
Journale sich seinen Ideen und seinen Werken freundlich
gegen�berstellten. Aber die Schriftsteller dieser Kreise mu�ten
sich wiederum, abgesehen von dem Inhalt seiner Gedanken, durch
seine Kritik am meisten getroffen und verletzt f�hlen. Es geh�rte
der kindliche Glaube eines Fourier dazu, da� die Gegner seine
Kritik nicht als eine pers�nliche, sondern als rein sachliche
auffassen sollten, das hie� in der That ihrer Natur zu viel
zumuthen und der Macht seiner Gr�nde zu sehr vertrauen. Aber
abgesehen von dieser Art seiner Polemik w�rden die herrschenden
Klassen schon aus den mehrfach hervorgehobenen, im Wesen der
Klassenherrschaft und des Klassengegensatzes liegenden Gr�nden,
sich zu keiner freundlicheren Behandlung herbeigelassen haben. Sie
behandelten ihn, und von ihrem Standpunkt aus mit Recht, als
�Narren�. Wie kann man auch dem Wolf zumuthen, ein Lamm zu werden?
Oder verlangen, von den Disteln Trauben zu lesen?
Diese ewigen Abweisungen forderten dann auf's Neue seinen Zorn
heraus, sch�rften seinen Witz und Spott, die er an den zahlreichen
Bl��en �bte, die das System und seine Vertheidiger ihm boten.
Friedrich Engels, sicher ein berufener Beurtheiler, spricht in
seiner Schrift �Herrn Eugen D�hring's Umw�lzung der Wissenschaft�
aus, da� wenn selbst die Fourier'schen Systemausf�hrungen keinen
Werth bes��en, eine Ansicht, die Engels nicht hat, Fourier durch
die Form seiner Kritiken zu den gr��ten Satirikern aller Zeiten
geh�re.
Wie die Philosophen, als Vertreter und Lobredner der b�rgerlichen
Gesellschaft, ihn mi�handelten, so empfing er auch die Angriffe und
Verurtheilung seitens der Kirche. Wir wiesen schon mehrfach im
Obigen darauf hin, wie wenig Fourier's Auffassung von Gott und der
Stellung des Menschen zu Gott den kirchlichen Ansichten behagen
konnte. Setzte der Papst seine Schriften auf den Index, so machten
es sich katholische Organe seiner Zeit, wie �Gazette de France� und
�L'Univers� zum Gesch�ft, ihn als einen Menschen anzugreifen,
welcher den menschlichen Leidenschaften die Z�gel wolle schie�en
lassen, der mit unerh�rter Frechheit die Lehren der Moral antaste,
die heiligsten und intimsten Beziehungen der Geschlechter in der
Familie und Ehe verspotte und untergrabe und durch alles dies und
seine subversiven religi�sen Lehren, die im Grunde rein
atheistische seien, die Gesellschaft, die Religion und die Moral
umzust�rzen versuche.
So wenig das Fourier zugeben wollte und so heftig er sich
insbesondere gegen den Vorwurf des Atheismus wehrte, den er, wie
wir sahen, besonders Owen zum Vorwurf machte, im Grunde hatten die
Vertreter der kirchlichen Ordnung und Autorit�t Recht. Es sind doch
neben bereits Zitirtem sehr ketzerische Ansichten, die er in einer
l�ngeren Abhandlung: �Ueber den freien Willen� lehrt, und �ber die
Beziehungen zwischen Gott und Mensch, Ansichten, die geeignet sind,
die Vertreter der geoffenbarten Religion gegen ihn auf's H�chste
aufzubringen.
Fourier's Ansicht �ber den freien Willen lautet kurz zusammengefa�t
also:
�Die Theologie wie die Philosophie lehren eine falsche Lehre �ber
den freien Willen. Nach der Philosophie soll die Vernunft allein
herrschen und soll die Vernunft die menschlichen Handlungen
bestimmen; f�r sie ist also der freie Wille absolut. Der zur
Vernunft gekommene Mensch ist Herr seiner selbst, er wird handeln,
wie die Vernunft ihm gebietet, ohne R�cksicht auf die Gesetze
seiner Natur und den Willen Gottes.�
�Umgekehrt behaupten die Theologen, da� der Wille Gottes allein
entscheidet, da� er Alles thut, Alles lenkt und der Mensch sich
seinem Willen zu f�gen hat; Gott gegen�ber ist der Mensch macht-
und willenlos.�
Beides ist falsch. Gott und der Mensch sind zwar entgegengesetzt,
sie sind Extreme, aber Extreme, die sich ber�hren und die in
Gemeinschaft mit einander handeln m�ssen, um sich gegenseitig zu
befriedigen. Gott will, da� der Mensch ihm hilft, gewisserma�en
sein Assozi� sei. Um aber diese H�lfe leisten zu k�nnen, mu� der
Mensch die Naturgesetze und die Gesetze der Anziehung studiren.
Sobald er diese begriffen hat, ist er in der Lage, mit Gott
gemeinsam zu operiren. Das Gef�hl, das Beide verbindet, soll
Freundschaft sein, nicht Nichtachtung, wie die Philosophen lehren,
und nicht blinde, dem�thige Unterwerfung, wie die Theologen
predigen. In dem einen wie in dem anderen Falle kann weder Gott
noch der Mensch gl�cklich sein und k�nnen sie ihren Zweck nicht
erreichen.
Wir lassen uns auf keine Kritik dieser Fourier'schen Philosophie
weiter ein, der Leser wird wissen, wie er sie zu beurtheilen hat,
unm�glich konnte aber die Kirche mit ihr sich zufrieden geben.
Als Fourier starb, war sein Anhang gering; die Aussicht, sein
System, an dem er mit dem Feuer eines Fanatikers und eines Neuerers
hing, wie er von Tag zu Tag w�hrend Jahrzehnten gehofft,
verwirklicht zu sehen, war gleich Null. Vielleicht d�mmerte ihm
auch die Ueberzeugung, da� die Entwicklung der Zivilisation doch
auf wesentlich anderem Wege zum Ziele komme, als er sich
vorgestellt, und alle diese Entt�uschungen verbitterten ihm seinen
Lebensabend. Am 10. Oktober 1837 fanden ihn seine Wirthin und seine
J�nger, nachdem er schon l�ngere Zeit vorher gekr�nkelt, fr�h
Morgens todt vor seinem Bette liegen. Einer der gr��ten
Menschenfreunde hatte f�r immer die Augen geschlossen.
Die Fourier'sche Schule hat keine ma�gebende Bedeutung und keinen
entscheidenden Einflu� auf die Geschicke Frankreichs erlangt. Wohl
besa� sie eine nicht kleine Anzahl von Anh�ngern, die sich meist
aus den gebildeten Kreisen, vornehmlich aus den Kreisen der
Studirenden, der K�nstler, der Techniker und selbst der Milit�rs
rekrutirten, welche die Fourier'schen Ideen mit Geist und Geschick
schriftstellerisch vertraten, aber eine Partei, die in den
politisch-sozialen K�mpfen des modernen Frankreich eine
hervorragende Rolle spielte, wurde der Fourierismus nie. Die
zahlreichen Schriftsteller, welche der Schule infolge ihres
Hauptrekrutirungsfeldes f�r ihre Anh�nger, aus den ideologisch
angelegten K�pfen der jungen Bourgeoisie erwuchsen, schufen auch
eine verh�ltni�m��ig reiche Literatur, aber die Zahl der Schriften
stand in starkem Mi�verh�ltni� zu ihrem Einflu� auf die Massen.
Auch der Umstand, da� mehrere ihrer Hauptwortf�hrer, so Victor
Considerant, nach Fourier's Tode das eigentliche Haupt der Schule,
und der erst im Februar 1887 verstorbene Cantagrel lange Jahre
Volksvertreter in Frankreich waren, hat das allm�lige Erl�schen des
Fourierismus nicht verhindern k�nnen. In seinem Bestreben auf
Auss�hnung der Klassengegens�tze durch freiwilliges Entgegenkommen
der Besitzenden mu�te der Fourierismus immer mehr zu einer reinen
Humanit�tsduselei verflachen, oder er wurde, wie im Phalanst�re zu
Guise, als Deckmantel mi�braucht, um unter sozialistischer Flagge
gro�b�rgerliche Ausbeutung zu betreiben. Nothwendigerweise m�ssen
alle sozialistischen Experimente, die innerhalb der b�rgerlichen
Welt versucht werden und naturgem�� auf die Auss�hnung sich
gegenseitig ausschlie�ender Gegens�tze gerichtet sind, zu Grunde
gehen. Wo solche Experimente sich l�ngere Zeit halten, wie in
einzelnen kommunistisch organisirten kleinen Gemeinwesen in den
Vereinigten Staaten, verm�gen sie dies nur durch fast vollkommene
Isolirung von der �brigen Welt und nur unter einer
Wirthschaftsweise, die ihre Anh�nger zu spartanischer Einfachheit
zwingt und ihnen patriarchalische Verh�ltnisse aufn�thigt.
Das ist keine Kulturentwicklung, wie sie die Menschheit erstrebt.
Diese verlangt freie ungehinderte Entfaltung aller menschlichen
Anlagen und F�higkeiten und vollen Genu� an allen
Kulturerrungenschaften, was nur durch steigende Vermehrung der
Kulturmittel auf h�chster technischer und wissenschaftlicher
Stufenleiter zu erreichen ist. Das Alles vermag ein kleines,
isolirtes, in seinen Kr�ften und Mitteln beschr�nktes Gemeinwesen,
mag es noch so kunstvoll organisirt sein, nicht zu schaffen. Es
wird gest�rt durch jeden fremden Einflu�, der von au�en auf es
einwirkt, und diese Einwirkung wird um so mehr vorhanden sein, je
lebhafter die Beziehungen sind, die das Einzelne zum Ganzen f�r
nothwendig erachtet. Entweder hei�t es also mit dem Ganzen gehen
und sich mit ihm entwickeln, oder isolirt bleiben und verkn�chern,
ein Drittes giebt es nicht.
In der b�rgerlichen Welt sind nur b�rgerlich handelnde Menschen
denkbar, der Einzelne steht zum Ganzen in der Rolle eines Z�hnchen
an einem ungeheuren Triebwerk, dessen viele Dutzende von R�dern mit
ihren Tausenden von Z�hnen und Z�hnchen in gesetzm��iger Ordnung
ineinandergreifen. Die Wirkung des Einzelnen liegt in der Wirkung
auf das Ganze und umgekehrt in der Wirkung des Ganzen auf den
Einzelnen. Beides erg�nzt, beides bedingt sich.
Wer als Einzelner dem Ganzen widerstrebt, seinen Sonderweg glaubt
gehen zu k�nnen; wer meint, den sozialen Mechanismus, in den Alle
gebannt sind, willk�rlich durchbrechen zu k�nnen, wer w�hnt, sein
besonderes soziales Himmelreich begr�nden zu k�nnen, der wird,
durch die harten Thatsachen rasch eines andern belehrt, seine
Ohnmacht und Unf�higkeit einsehen. Daher ist alle sozialistische
Experimentirerei mitten in der b�rgerlichen Welt, gehe sie nun von
einem Einzelnen aus, der sich einbildet, als b�rgerlicher
Unternehmer sozialistisch produziren und distributiren zu k�nnen,
oder von einer kleinen Gesammtheit, die dasselbe f�r sich und unter
sich versucht: Utopisterei, Phantasterei. Ein jeder solcher Versuch
ist ein Zeichen geistiger Unreife, der nur die Wirkung haben kann,
Entt�uschungen hervorzurufen, die Ideen bei unklaren K�pfen zu
diskreditiren und den Gegnern die gew�nschte Waffe gegen die von
ihnen gef�rchteten Bestrebungen zu liefern.
Der gro�e Fortschritt unseres Zeitalters ist, da� die Utopisten
ausgestorben oder im Aussterben begriffen sind. In der Masse finden
sie nie Boden, sie finden ihn heute weniger als je. Auch der
einfachste Arbeiter f�hlt, da� sich _k�nstlich_ nichts schaffen
l��t, da� das, was werden soll, sich _entwickeln_ mu� und zwar mit
dem Ganzen durch das Ganze, nicht getrennt und isolirt von ihm.
Es handelt sich darum, der Entwicklung freie Bahn zu schaffen,
alles Alte, Abgestorbene zu beseitigen, dem Absterbenden das Ende
zu erleichtern, und zu diesem Zweck die kritische Sonde �berall
eintreiben, wo Uebelst�nde sich zeigen. Indem man die Kritik
anwendet, mu� man den Ursachen nachsp�ren, die die Uebel erzeugten.
Aus der Erkenntni� der Ursachen ergeben sich die Heilmittel von
selbst.
In der Kritik war nun Fourier Meister, aber was seine Kritik zu
falschen Schl�ssen f�hrte, waren die falschen Voraussetzungen, die
er machte. Die vorhandenen Uebel erkannte er vortrefflich und
schilderte sie gro�artig, aber in der Untersuchung der _Ursachen_,
die diese Uebel erzeugten, ging er von Auffassungen �ber das Wesen
der Gesellschaft aus, die ihn nothwendig zu falschen Ergebnissen
f�hren mu�ten. Wer wie er die Ansicht vertrat -- und sie theilte
sein Zeitalter --, da� der Entwicklungsgang, den die Menschheit
genommen, nicht die gesetzm��ige Wirkung der Existenz- und
Produktionsbedingungen sei, unter denen sie sich seit Jahrtausenden
gebildet und fortentwickelt hatte, sondern von rein zuf�lligen und
willk�rlichen Umst�nden abh�ngig, von dem Dichten und Denken dieses
oder jenes Mannes, von dieser oder jener Handlung m�chtiger
Personen, wer also nicht Gesetzm��igkeit, sondern Zufall und
Willk�r annahm, mu�te auch glauben, da� Zufall und Willk�r die
Zust�nde �ndern k�nne. F�r Fourier war der Wille des Menschen nicht
durch die Umst�nde bestimmt, die sein Gesellschaftsinteresse
beherrschten, f�r ihn war der Wille des Menschen eine selbst�ndige
Macht, die von den sozialen Verh�ltnissen nicht beherrscht wurde,
sondern diese willk�rlich erzeugte. Er erkannte nicht den
Klassencharakter der Gesellschaft, f�r ihn war jede Meinung nur
eine individuelle Meinung, die sich durch sogenannte allgemeine
Vernunftgr�nde zu Gunsten einer Idee, die das allgemeine Gl�ck
bezweckte, gewinnen lie�. Darum wandte er sich auch haupts�chlich
an Diejenigen, die ihrer sozialen Stellung nach zu allerletzt ein
Interesse, richtiger gar kein Interesse hatten, den bestehenden
Zustand zu �ndern. Fourier steckte also, ohne es zu wissen, selbst
tief noch in den Ideen der b�rgerlichen Philosophen, die er sonst
so sehr bek�mpfte und die auch alle von der Ansicht ausgingen, es
bed�rfe nur der Erkenntni� einer �Idee� des Guten, Gerechten,
Vern�nftigen, um diese �Idee� zur Geltung und Herrschaft zu
bringen. Fourier verspottete die Philosophen, da� sie best�ndig
Ideen verherrlichten und als Grunds�tze in die Gesetze eingef�hrt
h�tten, die mit der Thats�chlichkeit der Dinge im Widerspruch
blieben. Schlie�lich predigte er aber selbst Ideen, die an der
Hartn�ckigkeit der Thatsachen scheiterten.
Fourier's gro�es Verdienst besteht darin, da�, wenn er auch nicht
erkannte, _warum_ und _wodurch_ die b�rgerliche Gesellschaft so
war, wie sie war, er sich �ber ihren Charakter nicht t�uschen lie�,
da� er ihre Hohlheit und ihre Widerspr�che erkannte und ihr
schonungslos die Maske vom Angesicht ri�. Niemand vor ihm hat wie
er die b�rgerliche Gesellschaft in ihrem heuchlerischen und
zweideutigen Charakter, der sich, wie er mit Recht hervorhebt,
allen ihren Kundgebungen und Handlungen auspr�gt, erkannt und
Niemand nach ihm hat sie sch�rfer kritisirt. Hierin hat er
Un�bertroffenes geleistet.
Ebenso hat er nach einer anderen Seite hin, und zwar durch seine
Kritik der menschlichen Triebe und Leidenschaften, eine tiefe und
gro�herzige Auffassung der menschlichen Natur gezeigt, die ihn als
einen Meister der Beobachtung erscheinen l��t. Seine Auffassung der
menschlichen Triebe, die im sch�rfsten Widerspruch mit jener der
Theologen und Moralphilosophen stand und steht, da� alle Triebe
nat�rlich und darum n�tzlich und vern�nftig, zum menschlichen
Gl�cke nothwendig seien, und es nur der soziale Zustand der
Gesellschaft sei, der sie unterdr�cke oder f�lsche, und daher diese
Triebe sowohl f�r das Individuum, wie f�r die Gesellschaft
sch�dlich erscheinen lie�e, mu�te den herrschenden Klassen als arge
Ketzerei, als der Anfang zur Aufl�sung aller bisher f�r unantastbar
geltenden gesellschaftlichen Bande erscheinen. In dieser seiner
Auffassung der menschlichen Triebe ist Fourier der eigentliche
Revolution�r. Wer diesen Sensualismus theilt, wird logisch und mit
Nothwendigkeit ein soziales System bek�mpfen und verwerfen m�ssen,
das der menschlichen Natur nur Zwang bereitet, zur F�lschung,
Verk�mmerung und Unterdr�ckung der menschlichen Triebe f�hrt und
dadurch das wahre Wesen der menschlichen Natur aufhebt. Man kann
sich daher wohl vorstellen, welch grimmigen Widerspruch diese Ideen
bei den Lobrednern einer Gesellschaft finden mu�ten, die eben erst
nach den schwersten und blutigsten K�mpfen in der gro�en Revolution
sich konstituirt hatte, die von dem Bewu�tsein durchdrungen war,
die beste aller Welten zu sein. Kaum zum Leben und zur Geltung
gekommen, kaum sich im Glanze ihrer Jugendherrlichkeit sonnend,
tritt ihr in Fourier ein Kritiker von der gr��ten Unerbittlichkeit,
Sch�rfe und R�cksichtslosigkeit gegen�ber und enth�llt alle ihre
Bl��en. Diese Gesellschaft, die eben erst die alte feudale
Gesellschaft gest�rzt, nachdem sie dieselbe vorher durch die Waffen
der Kritik schon moralisch vernichtet hatte, erf�hrt, kaum zur
Macht gekommen, an ihrem eignen Leib dasselbe. Eben erst der
Babeuf'schen Verschw�rung durch Anwendung brutaler Gewalt Herr
geworden, ersteht ihr in dem jungen Fourier ein neuer Gegner, der
sie mit den aus ihrem eigenen Arsenal entnommenen Waffen bek�mpft.
Doch es war nur ein Einzelner, der zun�chst keinen Anhang hinter
sich hatte, der auch weit entfernt war, mit denselben Mitteln, mit
denen das B�rgerthum die Gewalt an sich gerissen hatte, die
Befreiung der Unterdr�ckten zu erstreben. So waren die
Todtschweigepraxis oder der Spott gen�gende Waffen, mit dem neuen
Gegner fertig zu werden. Tausend Andere an Fourier's Stelle w�rden
in diesem vollst�ndig hoffnungslos erscheinenden Kampfe, wo er, der
mittel- und namenlose Kommis, einer Welt m�chtiger Gegner
gegen�berstand, den Muth haben sinken lassen. Fourier that das
nicht. M�nner, die unumst��lich an die Richtigkeit und
Gerechtigkeit des von ihnen Gewollten glauben, werden Fanatiker,
die sich durch nichts ersch�ttern lassen. Zu ihnen geh�rte Fourier.
Die bittersten Erfahrungen, die schwersten und schmerzlichsten
Angriffe, Spott und Hohn, mit denen man ihn �bergo�, machten ihn
nicht irre. Mit wahrhaft eiserner Ausdauer und Energie suchte er
sein System auszubauen und zu propagiren, bis es ihm endlich nach
uns�glichen Anstrengungen gelang, wenigstens einen kleinen Kreis
ergebener Anh�nger um sich zu sammeln, die, was ihnen an Zahl
abging, durch Muth, Begeisterung und Ausdauer ersetzten.
Konnte nun auch der Fourierismus seiner ganzen inneren Anlage nach
keinen Einflu� auf die Massen erlangen und keine gro�e
Parteibewegung in's Leben rufen, und verlor er in demselben Ma�e an
Boden, wie die Klassengegens�tze sich entwickelten und der
Klassenkampf emporloderte, so sind seine Ideen f�r den Fortschritt
der sozialen Bewegung nicht verloren gegangen. Fourier'sche
Gedanken werden bei einer k�nftigen Neugestaltung der
gesellschaftlichen Zust�nde, wenn auch in anderer Form als ihr
Urheber meinte, ihre Auferstehung feiern, w�hrend seine Kritik der
b�rgerlichen Gesellschaft heute von Millionen getheilt wird, die
nie eine Zeile seiner Werke zu Gesicht bekamen. Darin zeigt sich
die wahre Bedeutung eines Menschen, da� Ideen, wegen deren er
verfolgt, verl�stert und verh�hnt wurde, deren Triumph er nie
erlebte, nach seinem Tode weiter wirken, immer mehr Ausbreitung
erlangen und schlie�lich, gereinigt von den Schlacken, die ihnen
anhafteten, Gemeingut einer sp�teren Zeit werden. Dieses Zeugni�
mu� man Fourier und seinem Wirken ausstellen; und wenn es heute
noch Sozialisten giebt, die sich durch das Fremdartige vieler
seiner Ideen abschrecken lassen und dar�ber das Gold, das in seinen
Werken steckt, �bersehen, so beweisen sie damit nur ihre
Oberfl�chlichkeit und ihre Unf�higkeit zu objektivem Urtheil.
Fourier war eine genial angelegte Natur, mit dem w�rmsten Herzen
f�r die Menschheit; sein Name wird erst zu Ehren kommen, wenn das
Andenken an Andere, die heute noch der gro�e Haufe auf den Schild
hebt, l�ngst verbla�t ist.
Die Schule Fourier's besitzt heute nur noch eine kleine Anzahl
versprengter, meist den besitzenden Klassen angeh�riger Anh�nger in
Frankreich, die mit Hartn�ckigkeit dem Traum ihrer Jugend
nachh�ngen. Das ist Alles, was von ihr �brig blieb. Der
Fourierismus ist todt, aber der Sozialismus lebt. Die neuen
sozialen Ideen, wie sie insbesondere durch den modernen
wissenschaftlichen Sozialismus, den man nach seinen Begr�ndern auch
den deutschen wissenschaftlichen Sozialismus nennen darf, vertreten
werden, haben in Frankreich, in dem durch die Utopisten wie Fourier
wohl vorbereiteten Boden, immer mehr Wurzel gefa�t. Die alten
Schulen und Sekten sind zersprengt oder in voller Aufl�sung
begriffen, und in einer kurzen Spanne Zeit wird der Strom der
sozialen Bewegung auch in Frankreich in einem einzigen breiten
Bette flie�en und die Bewegung immer mehr zur Erf�llung ihrer
Mission bef�higen.
Ein Denkmal der Erinnerung setzte dem vielverkannten Fourier der
Dichter Berang�r, der den Todten unter dem Schimpfwort, das ihn im
Leben verfolgte, der �Narr�, besingt, nur da� er das Gedicht allen
�Narren� widmet, die gleich Fourier darnach strebten, der
Menschheit neue Bahnen zu er�ffnen.
Das Gedicht, das wir hier in der Ursprache und dann in der
Uebersetzung eines poetisch veranlagten Freundes folgen lassen,
lautet:
Les fous
Vieux soldats de plomb que nous sommes,
Au cordeau nous alignant tous,
Si des rangs sortent quelques hommes,
Nous crions tous: A bas les fous!
On les pers�cute, on les tue,
Sauf, apr�s un lent examen,
A leur dresser une statue
Pour la gloire du genre humain.
Fourier nous dit: Sors de la fange,
Peuble en proie aux d�ceptions,
Travaille, group� par phalange,
Dans un cercle d'attractions;
La terre, apr�s tant de d�sastres,
Forme avec le ciel un hymen,
Et la loi, qui r�git les astres,
Donne la paix au genre humain.
Qui d�couvrit un nouveau monde?
Un fou qu'on raillait en tout lieu;
Sur la croix que son sang inonde,
Un fou qui meurt nous l�que un Dieu.
Si demain, oubliant d'�clore,
Le jour manquait, eh bien! Demain
Quelque fou trouverait encore
Un flambeau pour le genre humain.
* * * * *
Die Narren
Wir lassen richten, drillen uns und kneten,
Soldaten nur, die des Kommandos harren;
Kommt's Einem bei, aus Reih' und Glied zu treten,
Es schreit die Menge: �Nieder mit dem Narren!�
Er wird gehetzt, verleumdet und vernichtet,
Bis man zuletzt, als w�rde etwas Rechtes
Damit gethan, ein Denkmal ihm errichtet,
Zu Ehr' und Ruhm des menschlichen Geschlechtes.
Dem Volk ruft Fourier zu: �Im Schlamme heute,
Entwinde dich dem Truge deiner Feinde
Und schaare dich, da� Keiner aus dich beute,
Zur br�derlichen, schaffenden Gemeinde.
Der Zwist verstummt, des Hasses Brand erkaltet,
Willk�r und Herrschsucht weichen scheu dem Rechte,
Und das Gesetz, das �ber Sternen waltet,
Bringt Frieden auch dem menschlichen Geschlechte.�
Wer hat den Weg zur neuen Welt gefunden?
Ein �Narr�, verfallen afterweisem Spotte.
Am Kreuz erliegend seinen N�gelwunden,
Wird uns ein �Narr�, der elend stirbt, zum Gotte.
Vers�nk' die Sonne in des Dunkels Schl�nden,
Da� uns das morgen keinen Morgen br�chte,
So w�rde morgen eine Fackel z�nden
Irgend ein Narr dem menschlichen Geschlechte.
* * * * *
Zum Schlusse werfen wir noch einen Blick auf die Ausbreitung,
welche die Fourier'schen Ideen �ber die Grenzen Frankreichs und
speziell auch in Deutschland gefunden hatten. Bei der Bedeutung,
die Frankreich seit der gro�en Revolution f�r alle
vorw�rtsstrebenden Geister in der ganzen Kulturwelt erlangte,
mu�ten auch die Erscheinungen in der sozialen Bewegung, die
namentlich nach der Restauration mit der Entwicklung der
�konomischen Verh�ltnisse immer mehr in den Vordergrund trat,
lebhafte Beachtung finden. Der Kapitalismus begann in allen L�ndern
Europas immer mehr Wurzel zu schlagen und sein Produktionssystem
auszubreiten. Damit kamen selbst f�r den oberfl�chlichen Beobachter
eine Reihe von Erscheinungen zu Tage, welche die Selbstzufriedenen
beunruhigten, die Vertreter und Anh�nger der kleinb�rgerlichen
Wirthschaftsform aber in gr��te Aufregung versetzten. Man sah
vielfach schw�rzer in die Zukunft, als es durch den Gang der Dinge
sich rechtfertigte. Der pessimistischen Schwarzseherei der Einen
stand die optimistische Sch�nf�rberei der Anderen gegen�ber.
Zwischen diesen beiden Lagern stand eine kleine Zahl von kritischen
aber ideal angelegten Geistern, welche weder dem �Kreuzige� der
einen Seite, noch dem �Hosianna� der anderen Seite zustimmen
konnten; sie sahen, da� das alte �konomische System verrottet,
unhaltbar und unm�glich geworden war, aber sie konnten auch vor den
Uebeln, die das neue in seinem Gefolge f�hrte, nicht die Augen
verschlie�en. Diese bem�chtigten sich jetzt mit Gier der neuen
sozialen Ideen, die in dem �konomisch und politisch
vorgeschritteneren Frankreich das Tageslicht erblickten und dort
die ideal angelegten Geister ergriffen hatten. In der Schweiz, in
England, in den Vereinigten Staaten fanden die in Frankreich
auftauchenden utopistischen Ideen f�r Gr�ndung einer auf
friedlicher Verst�ndigung aller Klassen der Gesellschaft basirten
neuen Gesellschaftsordnung begeisterte Anh�nger und die bez�glichen
Schriften Uebersetzer und Dolmetscher. F�r die praktische
Verwirklichung dieser Ideen waren aber ebenso wenig wie in
Frankreich in diesen L�ndern aus schon angef�hrten Gr�nden die
Massen zu gewinnen.
Deutschland, dessen geistige Vertreter damals alle Vorg�nge in
Frankreich aufmerksam verfolgten und aus seiner Literatur
zahlreiche Anregungen zu �hnlichem Vorgehen sch�pften, ward so
ebenfalls im Beginn seiner gro�b�rgerlichen Entwicklung mit einer
sozialistischen Literatur bedacht. W�hrend Karl Marx und Friedrich
Engels, der Eine mehr theoretisch, der Andere mehr praktisch, ihre
�konomischen Studien begannen und die ersten Bausteine zu dem
Lehrgeb�ude des auf rein materialistischer Grundlage beruhenden
wissenschaftlichen Sozialismus, wie er heute die Geister
beherrscht, herbeischafften, begn�gten sich Andere, die Lehren und
Ideen der franz�sischen Utopisten und Sozialisten, mit
deutsch-philosophischem Geist durchtr�nkt, in die deutsche Sprache
zu �bertragen. Das geschah insbesondere dem Begr�nder der
soziet�ren Schule, Fourier, und dem kleinb�rgerlichen Sozialisten
Proudhon. Neben verschiedenen kleineren Schriften, die in Z�rich in
den vierziger und f�nfziger Jahren haupts�chlich auf Veranlassung
Karl B�rkli's, eines alten Sch�lers von Fourier, herauskamen,
liegen mehrere gr��ere Bearbeitungen des Fourier'schen Systems in
deutscher Sprache von A. L. Churoa, Michael ***** und Franz
Stromeyer vor.[25] Ferner erschien 1845 in Kolmar eine im
Fourier'schen Geiste gehaltene Schrift, betitelt: �Die Welt, wie
sie ist und wie sie sein soll�, aus dem Franz�sischen von Math.
Briancourt. Karl Scholl lie� 1855 in Z�rich eine Schrift
erscheinen, betitelt: �Viktor Considerant �ber die Erl�sung der
Menschheit in ihrem wahren Sinn.� Auch erschienen in demselben
Jahre in Z�rich eine Anzahl Schriften, in welchen f�r die
Auswanderung nach Texas zur Gr�ndung von Phalanst�ren im
Fourier'schen Sinne Propaganda gemacht wurde. Diese Versuche sind
kl�glich mi�lungen.
[Fu�note 25: Die Titel dieser Schriften sind: �Der Sozialismus in
seiner Anwendung auf Kredit und Handel� von Franz Coignet, Z�rich
1851; �Bank- und Handelsreform� von F. Coignet, aus dem Franz�sischen
von Karl B�rkli, Z�rich 1855; �Solidarit�t�, kurzgefa�te
Darstellung der Lehre Karl Fourier's von Hipolyte Renaude, deutsch
bearbeitet von Kaspar B�r und Karl B�rkli, Z�rich 1855; �Kritische
Darstellung der Sozialtheorie Fourier's� von A. L. Churoa,
Braunschweig 1840; �Organisation der Arbeit� von Franz Stromeyer,
Bellevue bei Konstanz 1844; �Abbruch und Neubau� oder �Jetztzeit
und Zukunft� von Michael *****, Stuttgart 1846.]
Interessant f�r die Geschichtsauffassung, welche die Sch�ler nach
den Lehren ihres Meisters theilten, ist die Darlegung, die seitens
eines Deutschen in dem Buche: �Abbruch und Neubau� oder �Jetztzeit
und Zukunft� von Michael ***** gegeben wird. Der Verfasser
erl�utert dort die Fourier'sche Geschichts-Entwicklungstabelle, die
wir auf Seite 240 und 241 dieser Schrift anf�hrten und bei dem
Interesse, das diese Erl�uterung nach unserer Auffassung verdient,
geben wir sie ausf�hrlich wieder. Es hei�t da:
�Der Adels-Feudalismus herrscht in der Kindheit der Zivilisation;
die Sklaverei hat der Leibeigenschaft Platz gemacht; die Frau ist
aus dem Gyn�ceum (Frauengemach) oder Harem herausgetreten und hat
ihre b�rgerlichen Rechte erlangt _Mit der Verleihung der
b�rgerlichen Rechte an die Frau ist die Gesellschaft aus dem
Zustand der Barbarei in die Zivilisation �bergegangen_.
�Diese Ver�nderung im Zustande einer H�lfte des Menschengeschlechts
giebt den Sitten eine ganz neue F�rbung, indem sie dieselben
verfeinert und im hohen Grade das Gedeihen der K�nste und
Wissenschaften, der Dichtkunst und der Musik beg�nstigt.
�In der Periode der Barbarei ist die Herrschaft des Oberhauptes der
Gesellschaft eine unumschr�nkte; in der ersten Phase der
Zivilisation ist sie bereits getheilt, indem die Verb�ndung
(F�deration) der gro�en Vasallen der k�niglichen Gewalt Schranken
setzt.
�Nach und nach werden die arbeitenden, dem Betriebe der Gewerbe,
K�nste und Wissenschaften obliegenden Leibeigenen m�chtig: Die
_Gemeinden_ erlangen Rechte und Privilegien; Munizipien, freie
St�dte erstehen. Sie erstehen aber nicht kraft eines willk�rlichen
Befreiungs-Ediktes; sie erstehen nicht, weil es dem Staatsoberhaupt
beliebt hat, sie in's Leben zu rufen. Sie erstehen, weil sie sich
bereits selbst emanzipirt haben, weil die schon erlangte Macht sie
faktisch frei gemacht hat. Kommen solche Edikte vor der Zeit, so
ist es gerade, als w�ren sie nicht da, und der Feudalismus bleibt
zum deutlichen Beweise, _da� Verfassungen blo�e Chroniken
vollendeter Thatsachen sind_, da� sie die Geschichte der
Fortschritte einer Nation schreiben, wenn ich mich so ausdr�cken
darf, nicht aber nothwendig sie hervorrufen.
�Mit der steigenden Aufkl�rung der fr�heren Leibeigenen, mit ihrem
steigenden Reichthume, mit ihrem fortschreitenden Kunst- und
Gewerbeflei�e w�chst auch ihre Macht in demselben Ma�e, in welchem
das Feudal-Element geschw�cht wird.
�Die alten Leibeigenen sind B�rger und Volk geworden. B�rger und
Volk verb�nden sich miteinander gegen den Feudalismus, und der Sieg
ist ihnen gewi�.
�In diesem Stadium ihrer Entwicklung ist die Gesellschaft von
steten St�rmen und Umw�lzungen bedroht. Die Z�higkeit des
Feudal-Elements kann das volksth�mliche Element zu Gewaltthaten
treiben, gegen welche die der Barbarei verschwinden. Die Kritik
liegt mit den alten religi�sen Anschauungen im Kampfe; die
Philosophie stellt die Bedingungen des neuen Staats gegen�ber dem
alten auf.
�Mit der politischen Befreiung, mit der Entfesselung der Gewerbe
und des Ackerbaues spielt das _Repr�sentativ-System_ der Gewalt
gegen�ber dieselbe Rolle, die fr�her die gro�en Vasallen gespielt
hatten.
�Der B�rger braucht nun den Schutz des Ritters nicht l�nger: schon
hat er ihn in der Person Don Quixote's moralisch get�dtet. Der
B�rger hat aber auch die Gleichheit vor dem Gesetz verk�ndet, und
so folgen die _Freiheits-Illusionen_ auf die Illusionen des
Ritterthums. Die Freiheit ist noch nicht da, weil sie in der
Verfassung steht; sie bleibt auf dem Papier, weil die Bedingungen,
unter welchen sie wirklich in's Leben treten kann, noch nicht
erf�llt sind.
�Unterdessen hat die Zivilisation ihren H�hepunkt erreicht, sie hat
die Schifffahrt, �berhaupt erleichterte Verbindungswege, Eisenbahnen,
Kan�le u.s.w., sowie die Experimental-Chemie in's Leben gerufen,
und nun kann sie, wenn ihr die Wissenschaft zu H�lfe kommt, zu
einer h�heren Periode aufsteigen, die wir, mit Fourier,
_Garantismus_ nennen wollen, da sie die Verwirklichung eines
Systems von Garantien w�re, wovon die jetzige Gesellschaft einige
bemerkenswerthe Keime aufzuweisen hat.�
Der Verfasser bezeichnet als solche mit Fourier: Die wissenschaftliche
Einheit, die Quarant�nen, das Assekuranzsystem, die Sparkassen etc.
�Mit der Experimental-Chemie tritt die gro�e Industrie in's Leben;
die kleine Industrie geht in der gro�en auf. Neue Verfahrungsarten
verdr�ngen die alten, eine ganz neue industrielle Welt ist im
Werden; Fabriken mit Hunderten und Tausenden von Arbeitern schie�en
wie Pilze aus dem Boden hervor und versetzen den in altherk�mmlicher
Weise betriebenen Gewerben den Todessto�.
�Aber die Erfindung neuer Verfahrungsarten, sowie die Steigerung
der Produktion gen�gen nicht: die Zivilisation hat auch den Beruf,
diese Verfahrungsarten �berall hin zu verbreiten und so die
M�glichkeit der Erreichung einer h�heren gesellschaftlichen Stufe
anzubahnen. Daher die Erfindung der Schifffahrt, der Eisenbahnen,
des Dampfbootes, kurz die Vervollkommnung der Verbindungsmittel
�berhaupt.
�Indessen hat die Zivilisation -- als Entwicklungsphase der
Menschheit betrachtet -- in Folge eines inneren, in ihrem Wesen
begr�ndeten Zwiespalts die gro�e Industrie nicht in's Leben zu
rufen vermocht, ohne zu gleicher Zeit allgemeine Gebrechen zu
erzeugen, die unter dem Titel _Entwaldungen und Fiskalanleihen_
aufgef�hrt und eine nothwendige Folge der beiden vorangehenden
Phasen sind. In der That f�llt auch der Boden im Ganzen genommen
immer mehr einer anarchischen Kultur anheim, je gr��er der
Zwiespalt der Privatinteressen und des allgemeinen Interesses wird.
Die Entwaldung der Anh�hen, welche die Ausmergelung der Berge und
die Entbl��ung der Abh�nge mit sich f�hrt, ist der h�chste Ausdruck
des Uebelstandes, da diese Entwaldungen zur unausbleiblichen Folge
haben, da� in der Vertheilung der Wasser nach und nach eine
g�nzliche Ver�nderung eintritt. Werden die Entwaldungen bis zum
Ueberma� ausgedehnt, so wird am Ende selbst das Klima ernstlich
Noth leiden: die schroffsten Ueberg�nge werden nichts
Ungew�hnliches sein; heute eine afrikanische Hitze, morgen eine
sibirische K�lte. Die Wissenschaft hat in der Person ihrer
w�rdigsten Vertreter angefangen, auf die �blen klimatischen Folgen
der planlosen Entwaldungen hinzudeuten. Zum deutlichen Beweise,
_da� die Atmosph�re f�r den Menschen ein wahres Ackerfeld ist, das
er durch den Anbau entweder verbessern oder verschlechtern kann_.
�Die Fiskalanleihen sind ein anderes Gebrechen der auf ihrem
H�hepunkte angekommenen Zivilisation. Die Befreiung der V�lker hat
gewaltige Kriege nach sich gezogen; das Feudal-Element hat seine
letzten Kr�fte zusammengerafft, um das neue volksth�mliche Element
zu erdr�cken. Daher der l�stige Kriegsfu�, daher der fast ebenso
l�stige Friedensfu�. Die edelsten Kr�fte der Nation werden in
soldatischen Spielen vergeudet. Eine Menge anderer unproduktiver
Ausgaben vergr��ern das Uebel fortw�hrend, bis endlich das
thurmartige Kartenhaus des Staatsschuldenwesens zusammenst�rzt.�
Der Verfasser setzt nun weiter auseinander, wie die Charaktere des
H�hepunktes der Zivilisation im Keime sowohl die Ursachen ihres
Verfalles, als die Mittel zur Ersteigung einer h�heren Stufe
enthielten. Die Entwaldungen enthielten den Keim zum materiellen
Verfall durch die damit verbundene Verschlechterung des Klimas; die
Fiskalanleihen enthielten den Keim des politischen Verfalls, indem
sie die Ausbildung des _industriellen Feudalismus_ m�chtig
f�rderten. Ebenso k�nnten die neugeschaffenen Verbindungswege in
den H�nden von Aktiengesellschaften die Rolle einer Saugpumpe
spielen, wie die Schifffahrtskunde das den Angelpunkt der dritten
Phase bildende Seemonopol in's Leben rufen k�nne. Endlich gab die
Chemie dem Betruge die Mittel an die Hand, alle Arten von Produkten
zu f�lschen, und der l�gnerische Handel gewann so eine Ausdehnung,
welche die ernstlichsten Besorgnisse einfl��en mu�te.
Zwar k�nne die nun beginnende absteigende Periode ein nat�rlicher
Schritt des Fortschritts werden, aber dieser Weg sei eine Reihe von
Klippen und Sch�ndlichkeiten. Unterliege die Zivilisation auf ihrem
Wege den ihr gegen�bertretenden Einfl�ssen, so falle sie in eine
niedere Periode zur�ck, um den alten Kampf von Neuem zu beginnen.
Gl�cklicherweise sei das Leben der Menschheit ein vielfaches; falle
eine Zivilisation, so sei bei den vielen Nationen und mancherlei
Gesellschaften immer die Hoffnung da, da� eine derselben das Erbe
der fallenden Gesellschaft �bernehme.
Der zweite Theil der Periode, ihre absteigende Bewegung, sei dem
ersten umgekehrt analog (verwandt), wie die Morgend�mmerung und
Abendd�mmerung, die Kindheit und das Greisenalter der Menschen, der
Anfang und das Ende jeder Bewegung sich einander analog seien, ohne
identisch zu sein. Nach diesem aus der allgemeinen Formel der
Bewegung abgeleiteten Grundsatze lie�e sich erwarten, da� die
Zivilisation mit einem Feudalismus enden werde, wie sie mit einem
Feudalismus begonnen habe. Diese Voraussetzung erhalte durch die
vor unseren Augen vor sich gehenden Thatsachen den Charakter einer
mathematischen Wahrheit.
�Der steigende Reichthum des B�rgerthums hat den Adels-Feudalismus
get�dtet: Pergamente und Wappen haben aufgeh�rt, die Herrschaft zu
verleihen, und das Geld ist an ihre Stelle getreten. Wege zum
Reichthum sind Industrie, Handel und Beamtenstellen. Der
herrschende Geist wird demnach der _kaufm�nnische_ und
_fiskalische_ sein. Er ist in der Tabelle als einfacher Keim der
dritten Phase bezeichnet, weil er einen neuen Feudalismus, n�mlich
den industriellen, den wir auch Handels- oder Geldfeudalismus
nennen k�nnen, im Keim enth�lt. Von nun an mu� sich Alles dem neuen
Prinzipe unterordnen. Die Parias der dritten und vierten Phase der
Zivilisation werden daher auch nicht die Leibeigenen der ersten
Phase, sondern die untersten Schichten der Gesellschaft bildenden
Proletarier sein. Der Hunger und das Elend werden sie faktisch
denjenigen �berantworten, welche, Herren des Kapitals, auch die
Werkzeuge der Arbeit in H�nden haben.�
�Die gro�e Industrie mit ihren Kapitalien, Maschinen und
Spekulationen macht die kleine, mit m��igen Geldmitteln betriebene,
unm�glich. Der gro�e Handel unterdr�ckt den kleinen, und diese
Bewegung gestaltet sich immer gro�artiger, je mehr das Kapital
durch gl�ckliche Spekulationen oder durch Gr�ndung von
Aktiengesellschaften sich konzentrirt. In demselben Ma�e, wie das
Kapital sich konzentrirt, w�chst auch der Pauperismus und das
Proletariat, und da die gro�en Kapitalien sich am liebsten in den
gro�en St�dten ansiedeln, so wird zuerst da die Fabrikation in
gr��erem Ma�stabe betrieben. Allm�lig sammeln sich da Heere von
Arbeitern, die von einem Tag zum andern leben und somit viel
schlimmer daran sind als die Leibeigenen der ersten Periode. _Diese
Arbeiter-Heere sind f�r die Zivilisation das Schwert des Damokles_.
Die dritte Phase wird mindestens ebenso sehr von inneren K�mpfen
und B�rgerkriegen bedroht als die zweite. Nur sind die nun
ausbrechenden Revolutionen nicht l�nger _politischer_, sondern
_sozialer_ Natur; die Insurrektion nimmt einen industriellen
Charakter an.�
�Der Handelsgeist und der m�chtige Hebel der Kapitalien-Konzentration,
welche den gro�en Kapitalisten das Monopol der Industrie nach und
nach in die H�nde spielt, sind die Elemente des See-Monopols oder
Gro�handels-Monopols, wodurch der Geist und die Bestrebungen der
ganzen Phase angedeutet werden. Die Politik tritt in die Dienste
des Monopols und erh�lt so eine ganz eigent�mliche F�rbung, bis sie
endlich nur noch das kaufm�nnische Element vertritt. Diplomatie,
Kriege, Kammern, Wissenschaft, Kunst, Alles wirft in unendlich
verschiedenen Schattirungen den im Prisma des Merkantilismus
gebrochenen Zeitgeist zur�ck. _Alles ist k�uflich_; der Durst nach
Gold hat die edlen Regungen erstickt, und der Egoismus zeigt sich
in seiner ganzen Scheu�lichkeit.
�Der Grundsatz der freien Konkurrenz, das �laisser faire laisser
passer�, erzeugt zugleich den _anarchischen Handel_, der unter dem
Titel �Gegengewicht� in der Tabelle aufgef�hrt ist. Da die gro�en
Handelsoperationen von dem gro�en Kapital monopolisirt sind, so
bleibt dem kleinen Kapital nur noch der Kleinhandel. In Folge des
herrschenden merkantilischen Geistes wirft er sich auch auf
denselben mit einer wahren Wuth -- ein Verh�ltni�, das sich in der
gro�en Menge schmarotzerischer Zwischenh�ndler und M�kler am Besten
zu erkennen giebt. Je heftiger der Konkurrenzkrieg dieser
Zwischenh�ndler entbrennt, um so gro�artiger gestalten sich die
Betr�gereien und F�lschungen jeder Art, wodurch die Gesellschaft
systematisch gebrandschatzt wird. Dieser Anarchie allein aber
verdankt der Kleinhandel seine Erhaltung; denn nur sie bildet noch
einen Damm gegen die verheerende Macht des Kapitals. Sie ist also
ein nat�rliches Gegengewicht des gro�en Kapitals. Von dem Tage an,
wo das gro�e Kapital an den Hauptpl�tzen gro�e Niederlagen f�r den
Detailverkauf gr�ndet, wie dies schon jetzt mancher Orten
geschieht, von diesem Tage an mu� der kleine und mittlere Handel
das Gewehr strecken. Von dem Tage an wird aber auch die Anarchie im
Handel und Wandel aufh�ren, und die Regelung des Handels wird immer
leichter werden, je deutlicher die Charaktere des industriellen
Feudalismus hervortreten.
�Wie lie�e sich der Ton der dritten Phase besser bezeichnen, als
mit dem Ausdruck �_�konomische Illusionen_�? Die politische
Oekonomie, ein Erzeugni� des merkantilen Geistes, verh�lt sich zu
der dritten Phase wie die Poesie der Ritterzeit zu der ersten, wie
die philosophische Ideologie und die liberale Dialektik zur
zweiten. Das Ritterthum hat der Liberalismus unter dem Namen des
Donquixotismus zu Grabe getragen, und nun ist der Oekonomismus auf
dem Wege, den Liberalismus durch die _Politik der materiellen
Interessen_ zu t�dten, eine Politik, die den reinen, uneigenn�tzigen
Liberalismus bereits in einem ziemlich l�cherlichen Lichte
erscheinen l��t.�
�Der industrielle Feudalismus w�re eine vollendete Thatsache, sobald
das gro�e Kapital nicht allein die Fabrikation und den Handel,
sondern auch den Grund und Boden an sich gerissen haben w�rde.
�Nun aber wird die steigende Handels-Anarchie mit ihren zahllosen
Betr�gereien, Bankerotten und F�lschungen nicht allein zur Folge
haben, da� die Lage des kleinen Gewerbs- und Handelsmannes immer
kritischer wird, sondern es wird sie auch die �ffentliche Stimmung
nachgerade so energisch verdammen, da� das gro�e Kapital darin eine
Ermunterung finden wird, nun auch den Kleinhandel zu absorbiren.
Und so wird sich dann dieser gewaltsam r�ckwirkende Geist politisch
dadurch beth�tigen, da� er _Meisterschaften in bestimmter Anzahl_
und privilegirte K�rperschaften in's Leben ruft.
�Die _Leihh�user_ oder _Leihkassen_ f�r Landwirthe haben zum Zweck,
dem bedr�ngten Ackerbau zu H�lfe zu kommen. W�hrend die Kapitalien
der Spekulation und den Banken zustr�men, leidet der Ackerbau an
solchen Noth, so da� er dem Wucher in die H�nde f�llt. Schlechte
Ernten, eine schlechte Bewirthschaftung des zerst�ckelten
Grundbesitzes und �hnliche Ursachen werden das Uebrige thun, bis
endlich ein gro�er Theil des Grund und Bodens den Leihkassen
anheimf�llt. So wird der in Atome zerfallene Grundbesitz sich
wieder zusammenf�gen; der kleine Besitz wird vom gro�en
verschlungen werden, wie die Handwerker von den Fabriken, wie das
kleine Kapital von dem gro�en.
�W�hrend alles dies vor sich geht, befindet sich die Gesellschaft
in einer wahrhaft f�rchterlichen Lage. Nichts als Krisen und
Revolutionen. Der Ackerbau wie die Fabrikindustrie ist nur noch ein
unerme�liches industrielles Zuchthaus, ein ungeheures Lager; die
fr�here _individuelle_ Leibeigenschaft ist eine _kollektive_
geworden. Die neuen Leibeigenen werden von Zeit zu Zeit aus ihren
Bagnos st�rmen und ein Spartakus wird sie f�hren.
�Der neue Adel aber, der Geldadel, wird neben der Regierungsgewalt
eine eigene Gewalt bilden und so f�r die vierte Phase das sein, was
der Feudaladel f�r die erste war. Und gleichwie die nationale
Einheit erst dann begr�ndet werden konnte, als das monarchische
Element stark genug geworden war, um das Feudalelement zu z�geln
und zu leiten, ebenso wird auch hier die Gesellschaft nicht eher
zum Garantismus sich erheben, als bis die Regierung das
industrielle Element zu lenken wissen wird.
�Uebrigens keine Burgen, die zerst�rt, keine hochm�tigen Vasallen,
die gek�pft oder gemeuchelt werden m��ten. Die Aufgabe der
Regierung wird darin bestehen, da� sie die Rolle einer Vermittlerin
zwischen den einander feindselig gegen�berstehenden Interessen
�bernimmt, da� sie den Waarenaustausch regulirt, die Einheit der
Ma�e, Gewichte u.s.w. herstellt, mit einem Wort, da� sie in
s�mmtlichen industriellen und kommerziellen Verh�ltnissen die
n�thig gewordenen Garantien herstellt. Dann aber ist die
Zivilisation, wie sie in der Tabelle geschildert worden, schon
�berholt.
�Als Ton der vierten Phase endlich erscheinen in der Tabelle die
_Assoziations-Illusionen_. Wir sagen Illusionen, weil die
Assoziation nur die Kapitalien assoziirt, um ihre Absorptionskraft
zu vermehren, blos das h��liche Zerrbild der _wahren_ Assoziation
ist, die Kapital, Arbeit und Talent assoziirt.
�Fassen wir nun das Gesagte zusammen, so finden wir, da� die
aufsteigende und absteigende Bewegung der Periode der Zivilisation
sich zueinander verhalten, wie die beiden H�lften des Menschenlebens,
d.h. da� sie in Beziehung auf den H�hepunkt oder die Mittelstufe
miteinander symmetrisch sind;
da� die Zivilisation mit einem Feudalismus beginnt und endigt;
da� die Arbeit der beiden Phasen der aufsteigenden Bewegung eine
Verminderung der _pers�nlichen_ oder _direkten_ Dienstbarkeit zur
Folge hat, w�hrend in der Phase der absteigenden Bewegung die
_kollektive_ oder _indirekte_ Dienstbarkeit sich befestigt;
da� die Revolutionen der beiden ersten Phasen politischer Natur
sind, w�hrend die der beiden letzten einen _sozialen_ oder
industriellen Charakter annehmen;
da� das Wesen der von der Zivilisation aufgestellten Gleichgewichte
ein unst�tes soziales Gleichgewicht begr�ndet;
da� die Illusionen der aufsteigenden Bewegung etwas Ritterliches,
Edles haben, w�hrend denen der absteigenden Bewegung nichts als der
gemeinste Materialismus zu Grunde liegt; endlich
da�, w�hrend der Fortschritt in den beiden ersten Phasen sich nach
den Entdeckungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst, nach
der Vervollkommnung der technischen Vefahrungsarten bemessen l��t,
der Ma�stab f�r den Fortschritt in der absteigenden Bewegung, die
Auffindung derjenigen Institutionen ist, welche die Zivilisation
ihrem nat�rlichen Tode zuf�hren und so der Gesellschaft die
Ersteigung einer h�heren Bildungsstufe m�glich machen.�
Dies die Auffassung von der historischen Entwicklung und dem
Untergang der Zivilisation, wie sie im Fourier'schen Geiste unser
deutscher Autor darlegt. Bei ihm tritt in sch�rferem Ma�e als bei
Fourier das Gesetzm��ige in der Entwicklung, unbeeinflu�t von dem
Wirken der einzelnen Person, in den Vordergrund. Wir haben es,
scheint's, mit einem Sch�ler der Hegel'schen Schule zu thun, der
die Lehre von den Gegens�tzen in der Gesellschaft dialektisch
auffa�t und behandelt. Fragt man nun nach der praktischen Wirkung
dieser Anh�nger Fourier's in Deutschland und ihrer Bedeutung f�r
die Bewegung, so wei� Niemand davon zu melden. Die sozialistischen
und kommunistischen Ideen, die meist sehr verschwommen im �tollen
Jahr� in den verschiedensten Gegenden Deutschlands unter der
vorgeschritteneren Arbeiterwelt in die Erscheinung traten, lassen
nirgends Fourieristische Auffassungen erkennen. So weit Marx und
Engels nichts die Arbeiterklasse in den Bewegungsjahren
beeinflu�ten, waren es wesentlich die Ideen Weitling's, die Anklang
fanden. Die Mehrzahl der Arbeiter, die sich an der Bewegung
betheiligten, war von den unklarsten sozialen und politischen Ideen
beherrscht. Woher sollte die Einsicht in die Arbeiterklasse kommen,
wenn die h�her stehende Klasse, das B�rgerthum, in allen ihren
�ffentlichen Handlungen die kompleteste Unreife und Unerfahrenheit
an den Tag legte. Bot doch auch die damals viel weiter
vorgeschrittene franz�sische Arbeiterklasse ein keineswegs
erfreuliches kaleidoskopisches Bild; sie war zersplittert in
Schulen und Sekten, die sich gegenseitig bek�mpften. Es war daher
auch kein Wunder, da� diese in Deutschland eben erst aufkeimende
soziale Bewegung durch die Reaktion der f�nfziger Jahre bis auf die
Erinnerung ausgetilgt wurde.
Die dann im Laufe der f�nfziger Jahre in Deutschland sich
vollziehende kapitalistische Entwicklung schuf allm�lig auch eine
Arbeiterklasse, die besser als ihre Vorg�ngerin aus den vierziger
Jahren f�r ihren Befreiungskampf ausger�stet war. Und nun zeigten
sich auch die Vortheile der besseren Schulung und geistigen
Durchbildung, mit welcher die deutsche Arbeiterklasse der
Arbeiterklasse anderer L�nder voraus war. Sie erfa�te mit scharfem
Verst�ndni� die Theorien und Grundanschauungen ihrer gro�en Lehrer;
der eigentliche Schulstreit, der die franz�sischen Arbeiter
Jahrzehnte lang zerkl�ftete, blieb ihr erspart, und so wuchs die
Bewegung, beg�nstigt durch die politische und soziale Umgestaltung
Deutschlands, so, da� sie heute als die vorgeschrittenste in allen
Kulturstaaten betrachtet werden darf. Keinem Personenkultus
huldigend, nimmt sie dankbar die guten Lehren an, welche die gro�en
Vork�mpfer und Bahnbrecher der sozialistischen Ideen in irgend
einem Lande der Welt hinterlie�en.
Die moderne soziale Bewegung ist wie die ganze moderne Kulturbewegung
eine eminent kosmopolitische. Zun�chst innerhalb des nationalen
Rahmens und der gezogenen Sprachgrenzen wirkend, tragen die
zahllosen Verkehrsmittel, die Sprachstudien, Reisen und Auswanderung,
Literatur, G�teraustausch etc. in fr�her ungeahntem Ma�stab dazu
bei, den Ideenaustausch zu f�rdern, den Nationalit�ten- und
Racenha� zu ert�dten, die Interessensolidarit�t immer inniger zu
verkn�pfen. Die Entstehung einer Weltsprache, die Fourier
bef�rwortete, r�ckt ihrer Verwirklichung, wenn auch anders als er
gedacht, immer n�her, und die Zeit wird auch nicht mehr fern sein,
wo aus der Interessen- und Ideengemeinsamkeit der ganzen Kulturwelt
eine neue soziale Organisation entsteht, die weder nach Landes-
noch nach Sprachgrenzen fragt und den B�rger zum Menschen macht.
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Skizze eines Phalanx-Geb�udes (�Phlanst�re�)
[Abbildung]
Wie das Kreuz der Typus der mittelalterlichen Dome und Kirchen ist,
so ist die Serie der Typus des Wohn- und Arbeitsgeb�udes einer
Phalanx, d.h. ein Zentrum mit zwei mittleren oder Haupt-Fl�geln und
zwei �u�ersten oder Neben-Fl�geln. Die jeweilige Architektur ist
immer nur das �u�ere Abbild der sozialen Verh�ltnisse, und ein
Kenner wird immer an der Architektur auf die Gesellschaftsform
einer Zeitepoche schlie�en k�nnen. -- _Die Gemeinwirthschaft_, in
welcher Form immer, bedingt nat�rlich auch ganz andere
Geb�ulichkeiten, als die _Privatwirthschaft_. -- Das Zentrum soll
diejenigen R�umlichkeiten enthalten, wo die ca. 2000 Personen
mehrmals des Tages verkehren, wie Speises�le, Versammlungslokale,
Bureaux, Bazare, Bibliotheken etc.; die zwei Hauptfl�gel, welche
perpendikul�r vom Zentrum abzweigen und so den Zentralplatz der
Phalanx bilden, sowie die zwei �u�ersten Fl�gel, welche nach links
und rechts abbiegen und an der Hauptstra�e liegen, w�rden die
verschiedenen Werkst�tten, die ger�uschvollsten am �u�ersten Ende,
enthalten. Die Wohnr�ume w�rden die oberen Stockwerke des
Gesammtgeb�udes in Anspruch nehmen. -- Gegen�ber der Phalanx, dem
Zentralplatz und der Hauptstra�e entlang, k�men die Oekonomie- und
Maschinengeb�ude, St�lle etc., welche man hier nicht sieht, zu
liegen. -- Das Phalanxgeb�ude ist ca. 2000 Fu� oder 600 Meter lang
vom �u�ersten linken zum �u�ersten rechten Fl�gelende gemessen. Um
eine allzugro�e Ausdehnung zu vermeiden, ist die Reihe der Geb�ude
doppelt und parallel laufend mit dazwischen liegenden Hofg�rten. --
Eine breite, gedeckte Galerie verbindet im Innern, gegen die
Hofseite hin, alle Theile des Geb�udes und fungirt als Hauptarterie
der Zirkulation.