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CharlesFourier August Bebel THE ALB LIBRARY

Charles Fourier

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Charles Fourier Sein Leben und seine Theorien. Von A. Bebel. Stuttgart Verlag von J. H. W. Diek 1890 Vorrede. Das achtzehnte Jahrhundert z�hlt in der Geschichte der Entwicklung der Menschheit zu jenen Perioden, auf denen der Blick des Kulturforschers und Fortschrittsfreundes mit besonderem Interesse ruht. Nach den religi�sen, politischen und sozialen K�mpfen des Reformationszeitalters war, wie das stets nach gro�en Volks- und Massenbewegungen zu geschehen pflegt, eine Art Stillstand und R�ckschlag f�r die Fortentwicklung eingetreten. Die durch die Reformationsbewegungen zur Geltung gekommenen St�nde und Interessen suchten sich zu konsolidiren und die daraus hervorgehenden Reibungen f�hrten wieder zu gewaltsamen K�mpfen und Ersch�tterungen von mehr oder weniger langer Dauer, die alle �brigen Interessen absorbirten, den materiellen wie den geistigen Fortschritt der Massen f�r lange Zeit hemmten. In Deutschland hatte die Reformation dem Landesf�rstenthum Oberwasser verschafft. Die Landesf�rsten hatten die Reformation benutzt, um unter dem Deckmantel der Religion die eigene Hausmacht nach M�glichkeit zu st�rken dadurch, da� sie den kleinen Adel sich unterth�nig und von sich abh�ngig machten, die Macht der Geistlichkeit brachen, sich selbst die bisch�fliche Gewalt beilegten, Kloster und Kirchengut konfiszirten und die gewonnene Macht benutzten, sich immer mehr von der Kaisergewalt zu emanzipiren, diese zum blo�en Schatten zu degradiren. Aus diesem Interessenkampf der F�rsten entstanden die sogenannten Religionskriege, der schmalkaldische und der drei�igj�hrige Krieg, die Deutschlands politische Ohnmacht und Zerrissenheit auf Jahrhunderte besiegelten, seine �konomische Schw�chung -- die schon durch die Umgestaltung der Weltmarktsbeziehungen in Folge der Entdeckung von Amerika und des Seewegs nach Ostindien veranla�t war -- noch vergr��erten und allgemeine Armuth, schweren geistigen und geistlichen Druck �ber L�nder und V�lker verbreiteten. In Frankreich erzeugte die Reformation die K�mpfe der Hugenotten, d.h. des hugenottisch gesinnten B�rgerthums und die des frondirenden Adels gegen das fr�hzeitig sich entwickelnde, alles zentralisirende absolute K�nigthum. Nach l�ngeren K�mpfen siegte das letztere und fand in Ludwig XIV. seinen gl�nzendsten, aber auch seinen bedr�ckendsten und gewaltth�tigsten Vertreter. Die inneren und �u�eren K�mpfe Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert hemmten die freie Entwicklung des materiellen wie geistigen Fortschritts. B�rgerthum und Adel gegenseitig feindlich, das Land nach au�en, namentlich unter dem erw�hnten Ludwig, von einem Krieg in den anderen gest�rzt, war schlie�lich ersch�pft und verarmt. Solche Zeitalter sind nicht geeignet, gro�e Ideen zu geb�ren, f�r geistige K�mpfe die Bahn frei zu machen. Dagegen zeigte das achtzehnte Jahrhundert in Frankreich ein ganz anderes Bild. Frankreich bildete f�r dieses Zeitalter die Wiege des menschlichen Fortschritts auf allen Gebieten; hier entwickelte sich allm�lig eine F�lle von geistigem Glanz und Leben, wie sie bis dahin kein Volk und kein Zeitalter in gleichem Ma�e erlebte. Die Menschen wuchsen sozusagen �ber sich selbst hinaus und setzten alle Geister und Herzen in der ganzen Kulturwelt in Bewegung. Frankreich mag viel ges�ndigt haben, die Dienste, die es w�hrend des achtzehnten Jahrhunderts der Menschheit leistete, werden ihm, so lange Menschen leben, unvergessen bleiben. Die Fortschritte begannen unmittelbar nach dem Tode Ludwig's XIV., dessen Gewalt mit eisernem Drucke auf dem Lande gelastet, alle freie b�rgerliche Regung erdr�ckt, alle freie geistige Bewegung erstickt hatte. Das Land stand nach seinem Tode am Rande des materiellen und geistigen Bankerotts. Allm�lig erholte sich das Volk und arbeitete sich, wenigstens in den St�dten, wo die feudale Macht des Adels und der Geistlichkeit am wenigsten sich f�hlbar machen konnte, empor. Die M�nner von Bildung und Geist, die nach der Entwicklung und Entfaltung der Kr�fte des Landes strebten, eilten nach jenseits des Kanals, nach England, um dort, an den Quellen des �ffentlichen Lebens, die Studien zu machen, zu denen ihnen im eigenen Lande die Gelegenheit und die M�glichkeit fehlte. Zur�ckgekehrt nach der Heimath, begannen sie die Arbeit, die langsam aber sicher den stolzen Bau des absoluten Staats und der feudalen Gesellschaft untergrub und unterh�hlte, bis zu Ende des Jahrhunderts in einem Riesenzusammenbruch Beides, Staat und Gesellschaft, zusammenst�rzten, und durch ihren Fall ganz Europa aus den Fugen trieben. Das K�nigthum gerieth nach Ludwig XIV. in die H�nde von Schw�chlingen, die Geistlichkeit und der Adel waren verlottert und verweichlicht; eine Minorit�t unter den beiden St�nden war geneigt, angeekelt von dem Treiben der eigenen Klasse und den Zust�nden um sich, neuen Ideen sich zug�nglich zu erweisen und spielte mit dem Feuer, dessen Gef�hrlichkeit sie nicht kannte. So erkl�rt sich, da� die M�nner der neuen Zeit mit ihren alles Alte angreifenden und ersch�tternden Ideen vielfach gerade dort einen bereiten Boden fanden, wo man ihn am wenigsten h�tte erwarten sollen. Aber es hatte sich auch des B�rgerthums ein Drang nach Wissen und Bildung, nach politischen Rechten, ein Geist der Unzufriedenheit �ber das Bestehende bem�chtigt, wodurch die Bewegung schlie�lich zum Alles niederrei�enden Strom anschwoll. Das B�rgerthum, politisch so gut wie rechtlos und machtlos, die Vertretung seiner Magistrate in den alten st�ndischen Parlamenten mi�achtet, mit Abgaben unangenehmster Art beschwert, durch Zunft-, Bann- und H�ferechte in seiner materiellen Entwicklung behindert, von Adel und Geistlichkeit geringsch�tzig und ver�chtlich behandelt, aller pers�nlichen Rechte und der Garantien pers�nlicher Freiheit beraubt, sehend, wie die ungerecht vertheilten und gewaltsam beigetriebenen Steuern und Abgaben von einem in der Liederlichkeit verfaulenden Hof verschlemmt und verpra�t wurden, erfa�te mit Gier die neuen Ideen, welche die Rechtm��igkeit der feudalen Vorrechte angriffen, die religi�sen Vorurtheile, unter deren Druck es litt, in Zweifel zogen, die allgemeine Freiheit und Rechtsgleichheit lehrten. Der neue Staat und die neue Gesellschaft wurden in den verf�hrerischsten Farben dargestellt, politische Macht, Reichthum, geistige Freiheit und Gleichheit Allen in Aussicht gestellt. Wenn in einem Gesellschaftszustand die Dinge sich einmal so weit entwickelten, da� ein gro�er Theil der Betheiligten und Interessirten von Unzufriedenheit und Mi�stimmung gegen das Bestehende und von Sehnsucht nach besseren Zust�nden erf�llt ist, so wird der alte Zustand sich auf die Dauer nicht halten k�nnen, was immer f�r Mittel und Praktiken in Anwendung kommen, ihn zu erhalten und zu st�tzen. Mag die Sehnsucht der Masse nach Ver�nderung des Bestehenden, nach Umgestaltung ihrer Lage zun�chst nur eine Sache des Gef�hls sein, das aber in dem thats�chlichen Zustand der Verh�ltnisse seine Begr�ndung und seine Berechtigung findet. Mag diese Masse sich �ber den Weg wie �ber die Mittel, durch die ihr geholfen werden k�nnte, noch so unklar sein, der Moment kommt, wo sie mit elementarer Macht, _instinktiv stets richtig_, nach dem bestimmten Ziele dr�ngt und die bewu�ten und wissenden Geister zwingt, sich zu ihrem Organ, zu ihrem Mundst�ck und zu ihren Werkzeugen aufzuwerfen, um die Bewegung zum richtigen und nach Lage der Verh�ltnisse m�glichen Ziele zu leiten. Die F�hrer sind unter solchen Umst�nden stets Werkzeuge, nicht Macher, und sie werden bei Seite geworfen, sobald sie sich zu Machern aufwerfen, die Bewegung f�r sich und nach eigenem Gutd�nken, statt im Interesse der Betheiligten zu benutzen suchen. Die rasche Abwirthschaftung der F�hrer in akut gewordenen Volksbewegungen hat in diesem Geheimni� ihren Grund, sie wollen Allesmacher sein, wo sie nur Werkzeuge sein sollen und k�nnen. Da man sich h�ben wie dr�ben dieses Verh�ltnisses selten bewu�t ist, schreien die Einen �ber Verrath, die Andern �ber Undankbarkeit der Masse; das Erstere ist selten wahr, das Letztere zu behaupten stets eine Narrheit, ein Verlangen, das nur Diejenigen stellen k�nnen, die sich �ber die Natur ihrer Stellung nie klar waren, Schieber zu sein glaubten, wo sie nur Geschobene sein konnten. Jeder gro�en Umgestaltung in der Gesellschaft geht zun�chst eine Periode der G�hrung voraus, eine Periode, die, je nach dem Stande der allgemeinen Bildung und Kultur, nach dem Gewicht der betheiligten Klassen und nach der Kraft und der Macht der widerstrebenden Gewalten, bald l�ngere, bald k�rzere Zeit dauert, ehe die Bewegung zum offenen Ausbruch kommt und ihr Ziel in irgend einer Form, das wieder von dem mathematischen Kraftverh�ltni� der gegeneinander wirkenden Faktoren abh�ngt, erreicht. Geht eine Bewegung �ber ihr Ziel hinaus, d.h. erreicht sie mehr, als sie, in sich selbst zur Ruhe gekommen, im Interesse der nun in der Macht befindlichen Gewalten, die nunmehr den Schwerpunkt bilden, um den Alles gravitirt, erreichen _soll_ und, setzen wir hinzu, erreichen _darf_, so folgen die R�ckschl�ge. Mit andern Worten, eine ihrem inneren Wesen nach selbst wieder auf Klassenherrschaft abzielende Bewegung darf nicht weiter gehen, als sie die Unterst�tzung der ma�gebenden Interessirten findet. Scheinbar ist bis jetzt jeder Revolution eine Reaktion gefolgt, in Wahrheit wurde die Bewegung stets auf ihren _nat�rlichen_ Schwer- und Ruhepunkt zur�ckgef�hrt, weil sie dar�ber hinaus ging. Dieser Zustand ist aber stets, auch wenn er durch eine gegen die weiter vorw�rts dr�ngenden Elemente gerichtete gewaltsame Reaktion herbeigef�hrt wurde, dem Zustande, der _vor_ der Bewegung bestand, weit voraus. Man h�rt z.B. so h�ufig die Bemerkung machen, da� die b�rgerliche Revolution der Jahre 1848 und 1849 in Deutschland an der Macht der Reaktion gescheitert sei. Das ist einfach nicht wahr. Die Bewegung hat erreicht, was sie nach ihrem _wahren innern Gehalt_ erreichen konnte. Revolution und Reaktion rangen so lange mit einander, bis sie auf dem Punkt ankamen, auf dem sie sich zu verst�ndigen vermochten. Die Grenze war, wo die Lebensf�higkeit des Alten aufh�rte und die Lebensmacht des Neuen begann. Von vornherein war ein gro�er Theil der anfangs revolution�ren Kr�fte, die das beh�bige B�rgerthum umfa�ten, entschlossen, �ber eine gewisse Grenze nicht hinaus zu gehen. An diesem Punkt angekommen, trennten sich diese Kr�fte von den weiter dr�ngenden Elementen. Dadurch verlor die Bewegung einen Theil ihrer Kraft, sie war ohnm�chtig, weiter zu gehen. Und wie immer nach 1849 die Reaktion in Deutschland hauste, das, was thats�chlich jetzt bestand, ging weit �ber das hinaus, was vor 1848 bestanden hatte. Die neuen Ideen hatten trotz alledem gesiegt und Alles, was seitdem in Deutschland geschah, ist nur durch diesen Sieg im �tollen Jahr� m�glich geworden. R�ckschl�ge werden nun nothwendig in jeder Bewegung kommen, die selbst wieder auf Klassenherrschaft, wenn auch sich selbst unbewu�t, hinausl�uft. Ein solcher R�ckschlag kann erst dann unterbleiben, wenn eine Bewegung siegt, die in ihrem Wesen und Prinzip die Aufhebung _aller_ Klassenherrschaft _bedingt_ und daher _alle_ Formen sozialer und politischer Herrschaft _aufheben mu�_. Bisher waren alle Bewegungen, die ihr Ziel erreichten, Bewegungen der ersteren Art, und so begreift sich von vornherein, da� auch _die_ Bewegung, die gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich begann und im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts zur Entscheidung kam, diesem Schicksal aller bisherigen gro�en Volksbewegungen nicht entgehen konnte. Ihr Charakter als Klassenbewegung des B�rgerthums, ihr Ziel, die Herrschaft desselben zu begr�nden, zwang sie schlie�lich, sich gegen die revolution�reren Elemente in ihrer eignen Mitte zu richten, und, da man innerhalb der Bewegungselemente und nachdem die Bewegung absolut gesiegt hatte, weder h�ben noch dr�ben diesen inneren Widerspruch, in dem man sich zu einander befand, begriff, mu�te man sich gegenseitig bis zur Vernichtung bek�mpfen und im Blute ersticken. Die Interessen des Gro�b�rgerthums mu�ten, weil sie die entscheidenden waren, die Oberhand behalten, aber aus Furcht vor neuen inneren Gegens�tzen und K�mpfen warf sich dieses der Milit�rdiktatur des Konsulats und des Kaiserreichs in die Arme, um sich, d.h. _die neue Gesellschaft_, zur Ruhe und zum Genu� des Errungenen kommen zu lassen. Der Kampf gegen das alte System richtete sich in Frankreich gegen alle bisherigen Grundlagen der alten Gesellschaft, gegen die Kirche, den Adel, die absolute Staatsgewalt, gegen die Besteuerungs-, die Eigenthumsformen, das Erziehungssystem, die sozialen Einrichtungen. Nichts blieb im Laufe der Jahrzehnte, die dieser zun�chst rein literarische Kampf w�hrte, unangetastet. Die Angriffe wurden immer k�hner. Ganz neue Staats- und Gesellschaftssysteme (Condorcet, Morelli, Mably, Rousseau) tauchten auf und erkl�rten dem Bestehenden den Krieg; ebenso wurden fast alle Zweige der Naturwissenschaften und insbesondere auch die Philosophie in der radikalsten Weise behandelt. Die Verfolgungen, welche die Staatsgewalt und die Kirche gegen diese Feinde der alten Ordnung in Szene setzten, hatten so gut wie keine Wirkung, sie gossen nur Oel in's Feuer. Jahrelange Gef�ngni�strafen, Verbannungen, Degradirungen, Ausweisungen gegen die Verfasser, Verbrennung ihrer B�cher und Schriften, Verbote gegen ihre Verbreitung, gesellschaftliche Aechtung der Autoren, Alles half nichts. Die Bewegung schwoll von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr an, sie ergriff Alles, was Kenntnisse und Intelligenz besa�, sie erfa�te sogar die Frauen und wuchs so, da� die Gewaltmittel des Staates versiegten und dieser wie die Kirche von einer Position in die andere zur�ck gedr�ngt wurden. Im vorletzten Jahrzehnt vor der Revolution gab es in Frankreich keinen Schriftsteller von einiger Bedeutung, der nicht im Gef�ngni� gesessen oder Verbannung erlitten, oder dessen Werke nicht verboten oder �ffentlicht verbrannt worden, oder der nicht in irgend sonst einer Weise verfolgt, drangsalirt und gesch�digt worden war. Voltaire, Montesquieu, Rousseau, Beaumarchais, Diderot, d'Alembert, La Mettrie, La Harpe, Marmontel, Morellet, Buffon, Linguet und viele, viele Andere verfielen der Verfolgung. Wenn Holbach und Helvetius, Turgot, Quesnay, Necker, Condillac, Laylain, Cuvier, Lavoisiers, Bichot, Mirabeau der Aeltere solchen Verfolgungen entgingen, geschah es, da� sie, wie die beiden Erstgenannten, anonym schrieben, oder da� sie zu einer Zeit schrieben, wo das System, von der Nutzlosigkeit der Verfolgungen betroffen, erm�det war, oder da� sie wissenschaftliche Thematas behandelten, die dasselbe nicht direkt ber�hrten. Und auch in letzterer Beziehung ging das Mi�trauen sehr weit; so mu�te Buffon, als er 1751 seine Naturgeschichte ver�ffentlichte, der Pariser theologischen Fakult�t ausdr�cklich versprechen, da� Alles, was er in seinem Buche lehre, mit der biblischen Sch�pfungsgeschichte nicht in Widerspruch stehe. Die Enzyklop�die der d'Alembert, Diderot und Genossen aber wurde mit der Motivirung verboten, �da� sie Grunds�tze enthalte, welche darauf hinzielten, den Geist der Unabh�ngigkeit und Emp�rung zu wecken und unter dunkeln und zweideutigen Ausdr�cken den Grund zum Irrthum, zur Sittenverderbni� und zum Unglauben zu legen.� Doch alle diese Ma�nahmen retteten das System nicht. Die Bewegung hatte endlich ihren H�hepunkt erreicht, die Gesellschaft wollte statt der Theorien Thaten sehen. Der Hof suchte durch halbe Konzessionen und kleinliche Ma�regeln, die das Gegentheil erzeugten von dem, was sie bezweckten, dem Dr�ngen nachzugeben. Der Sturm brach endlich los. Wir beschreiben nicht die franz�sische Revolution, wir skizziren sie nur kurz, weil dies f�r unsern Zweck gen�gt. Die Nationalversammlung, anfangs den Bestand des K�nigthums als selbstverst�ndlich ansehend, wurde im Laufe der Ereignisse �ber sich selbst hinaus getrieben. War die Konstituante noch k�niglich, der Konvent wurde republikanisch. Die zunehmende Noth der Massen, Mangel an Lebensmitteln, Mangel an Arbeit, Wucher, Mi�trauen gegen Oben sch�rten den Brand. Die royalistischen und pf�ffischen Intriguen im In- und Ausland, die Alles beunruhigten, weil sie alles Gewonnene in Frage zu stellen schienen, verst�rkten die schon vorhandene heftige Aufregung. Der Fluchtversuch des K�nigs, seine ganze zweideutige Haltung steigerten das Mi�trauen und den Ha� gegen ihn und die alten St�nde. Der Zustand der Staatsmaschinerie, die durch die Ereignisse in Unordnung gebracht, durch die Aufhebung der alten dr�ckenden Steuerlasten und Abgaben der Mittel zur Funktionirung beraubt war, zwang zur Ausgabe von Massen Papiergeld (Assignaten), die als Zahlungsanweisungen auf die konfiszirten Kircheng�ter und sp�ter auch auf die konfiszirten G�ter der emigrirten Adeligen ausgegeben wurden. Aber da in dem allgemeinen Tohuwabohu der Verkauf dieser G�ter sehr langsam vor sich ging und die Staatsbed�rfnisse in's Riesenm��ige stiegen, als das Land gezwungen wurde, nach dem Sturz des K�nigthums und der Enthauptung des Tr�gers der Krone, gegen das ganze zivilisirte monarchische Europa Krieg zu f�hren, fielen die Assignaten sehr bedeutend im Werth. Ende 1790 schon 1200 Millionen betragend, stiegen sie im Laufe der Jahre auf 8, dann auf 12, endlich auf 24 Milliarden. Ihre Vermehrung steigerte ihre Werthlosigkeit, die schlie�lich nur noch ein Hundertstel und weniger ihres Nennwerthes betrug, und dies erzeugte eine vollst�ndige Revolution aller Preise. Zu den K�mpfen nach Au�en kamen gewaltige K�mpfe im Innern. Adel und Geistlichkeit intriguirten und konspirirten in hunderterlei Formen, um wieder zur Herrschaft zu kommen. England, das unter dem Ministerium Pitt die inneren K�mpfe Frankreichs vortrefflich ausnutzte, um seine See- und Kolonialmacht auf Kosten Frankreichs zur allbeherrschenden zu machen, das jetzt Rache nahm f�r die H�lfe, die Frankreich anderthalb Jahrzehnte zuvor der Unabh�ngigkeitsmachung der Vereinigten Staaten von England geliehen, dieses England sandte geheime Agenten �ber geheime Agenten, die mit Geld reichlich ausgestattet den inneren Kampf sch�ren mu�ten. Im Westen des Reiches erhob sich, ebenfalls von England unterst�tzt, die streng konservativ und kirchlich gebliebene Bev�lkerung der Vendee und Bretagne, im S�den erhoben sich die theils royalistisch, theils girondistisch gesinnten St�dte, vor allem Lyon, dessen Luxusindustrie unter all diesen Ereignissen au�erordentlich litt. Im Konvent brach nach dem Sturz des K�nigthums der Kampf der verschiedenen b�rgerlichen Parteien unter sich aus. Die kleinb�rgerlichen Massen, haupts�chlich in den Klubs und speziell in dem Jakobinerklub organisirt, nahmen thats�chlich die Leitung der Ereignisse in die Hand und dr�ngten den Konvent von Handlung zu Handlung. Vergebens suchten die Vertreter der eigentlichen Bourgeoisie, die Girondisten, zu widerstehen, sie unterlagen und endeten durch Aussto�ung oder auf dem Schaffot. Die Schreckensherrschaft begann. Das in seinen tiefsten Tiefen aufgeregte Volk, im Inneren von den royalistischen Verschw�rungen bedroht, an den Landesgrenzen die europ�ischen Heere erblickend, welche drohten als Hersteller des Alten das ganze Land zu �berziehen, von Arbeits- und Verdienstlosigkeit heimgesucht, vom Hunger gepeinigt, rapide Entwerthung des Geldes, rapide Verteuerung der Lebensmittel sehend, ohne sich all dies gen�gend erkl�ren zu k�nnen, gerieth in Raserei. Die Gewaltszenen h�uften sich und das Blut der Feinde der Republik und Derer, die man als Feinde des Volks ansah, flo� in Str�men. Um der zunehmenden Verzweiflung der Massen zu steuern, war der Konvent gezwungen, das sog. Maximum einzuf�hren, d.h. den Preis festzustellen, zu dem die nothwendigsten Lebensmittel abgegeben werden mu�ten; und als 1794 abermals eine Hungersnoth drohte, weil die Verk�ufer der Lebensmittel allerorts mit ihren Waaren zur�ckhielten, mu�te er sogar die Rationirung des Brotes f�r die pariser Bev�lkerung einf�hren. Aber da alle diese Ma�regeln den ersehnten Zustand nicht herbeif�hren wollten, Arbeitslosigkeit, Wucher, Geldentwerthung, Beunruhigung fortdauerten, die sch�nste Verfassung, welche die Welt gesehen, mit all ihren Freiheiten und Rechten, weder die Freiheit, noch die Gleichheit, noch die Br�derlichkeit begr�ndete, der ganze Zustand immer wirrer aber auch unfa�barer wurde und Keiner die L�sung des R�thsels fand, _was war nat�rlicher, als da� man die Personen verantwortlich_ machte _f�r die Dinge, deren Natur man nicht begreifen konnte_! Eine Partei klagte die andere an, suchte sie als die Ursache des allgemeinen Ungl�cks zu vernichten. Die Royalisten waren in Schaaren geopfert, proskribirt, eingekerkert, fl�chtig, die Girondisten waren vernichtet. Jetzt traf die Reihe die Dantonisten, ihnen folgten die Hebertisten, schlie�lich kamen die, welche alle Andern geopfert, die Terroristen, die Robespierrianer selbst an die Reihe. Diese �Tugendhaften� hatten die Republik und das allgemeine Wohl nicht retten k�nnen; die ihnen jetzt in der Herrschaft folgten, die M�nner der richtigen Mitte, des ehemaligen Sumpfes im Konvent, die Schlauberger, die es mit allen Parteien gehalten, um es mit keiner zu verderben, die keine Ideale und keine Leidenschaften besa�en, retteten auch weder die Republik, noch begr�ndeten sie das allgemeine Wohl. An Beiden lag ihnen herzlich wenig, aber sie thaten etwas Besseres, sie retteten sich und das Wohl ihrer Klasse, und dies war schlie�lich das �allgemeine Wohl�. In allen K�mpfen und Wirrnissen der Revolution, als die Leidenschaften den h�chsten Grad erreichten, andererseits die Begeisterung ergl�hte, die gl�nzendsten Gedanken, die bis dahin nur menschliche Hirne erfassen konnten, in Worte und Thaten sich umsetzten, gab es ein geheimni�volles Etwas, das wie der Geist �ber den Wassern schwebte, mit d�monischer Kaltbl�tigkeit in alle Pl�ne und Projekte eingriff, sie f�rderte oder zerst�rte, wie es seinem Interesse entsprach, dabei Allen sichtbar und doch unfa�bar war, diese Macht war -- _das Kapital_. Das Kapital hatte unter all den Ruinen und Zerst�rungen, welche die Revolution geschaffen, allein die Beute eingeheimst und schlie�lich den Sieg davon getragen. Das Kapital hatte aus allen inneren und �u�eren Verlegenheiten des K�nigthums und der Republik den alleinigen Nutzen gezogen; es hatte die G�terkonfiskationen, die Assignatenwirthschaft, das Maximum, die Rationirungen, die Feldz�ge mit ihren Waffen-, Bekleidungs- und Lebensmittellieferungen, die Waareneinfuhrsperre gegen England, kurz alle und jede Ma�regel, welche die Konstituante, dann der Konvent, dann der Wohlfahrtsausschu�, jetzt das Direktorium im Interesse des Landes vollzogen, in seinem Nutzen auszubeuten und auszuschlachten gewu�t. Mitten unter den Blutszenen der Revolution sa� es bei der Ernte und berechnete kaltbl�tig die Profite, die ihm diese oder jene Ma�regel der Gewalthaber abwerfen werde. Ueberall seine Agenten habend, in den Klubs, im Konvent, im Wohlfahrts- und im Sicherheitsausschu�, unter den Konventsdelegationen in den Provinzen, in der Leitung und Verwaltung der Armeen, in den Zivilverwaltungen der eroberten Staaten, St�dte und Provinzen, machte es ungeheuere Gewinne. Es feierte Orgien wie nie zuvor und kaum je nachher. Die gro�en Verm�gen wuchsen wie Pilze aus dem Boden, der Spekulations- und der Handelsgeist griff immer weiter um sich und beherrschte das ganze �ffentliche und private Leben, alle Beziehungen der Menschen. Die Lehren eines Adam Smith fanden ganz spontan, aus der Natur der Dinge heraus, ihre Anerkennung und ihre Verwirklichung, und es kamen die Lobredner der neuen Ordnung, wie sie immer sich finden, sobald eine neue Macht im Besitz der Gewalt und dadurch im Recht ist, und streuten den Weihrauch und priesen die neue Welt als die beste aller Welten. Und da man w�hrend der Revolution, wie es die �tugendhaften� Lehren eines Rousseau vorschrieben, �u�erlich sehr einfach, sehr sparsam und sehr �tugendhaft� gelebt hatte, so brach jetzt die lange k�nstlich zur�ckgehaltene Genu�sucht mit aller Gewalt hervor und �berschritt alle Schranken. Man pra�te und schwelgte und fr�hnte exzentrisch der Liebe, wie es das �ancien regime� unter Ludwig XV, dem Vielgeliebten, und der Hof von Versailles kaum toller getrieben hatten. Die Masse aber war wieder in's alte Joch gespannt, ihre S�hne schlugen mit Begeisterung in aller Herren L�nder die Schlachten und der freie Bauer und B�rger des beginnenden 19. Jahrhunderts sorgten neben der Blut- f�r die Geldsteuer, welche die neue b�rgerlich-z�sarische Herrlichkeit unter dem �glorreichen� Szepter Napoleon's I. ihnen auferlegte. * * * * * Unsere Vorrede ist etwas lang geworden, aber sie war nicht �berfl�ssig zum Verst�ndni� der Ausspr�che und Theorien des Mannes, dessen Leben und Lehren diese Abhandlung gewidmet ist. Das Streben und der Ideengang eines Menschen von Bedeutung wird ja nur dann verst�ndlich, wenn man die Zeitverh�ltnisse kennt, unter denen er geboren, und die auf seine Entwicklung, also auch auf seinen Ideengang eingewirkt haben. Wie weit ein Mensch auch �ber seine Zeit hinaus denken mag, loszul�sen von ihr vermag er sich nicht, er wird von ihr beeinflu�t und beherrscht, und so werden seine weitgehendsten Gedanken stets den Stempel des Zeitalters tragen, in dem er lebte und wirkte. Das ist schon oft gesagt worden, es kann aber nicht oft genug wiederholt werden, weil jeden Tag noch in der Beurtheilung des Wirkens von Pers�nlichkeiten gegen diese Auffassung ges�ndigt wird. Fran�ois Marie Charles _Fourier_ wurde den 7. Februar 1772 zu Besan�on als Sohn eines wohlhabenden Gro�h�ndlers geboren. Der Vater geno� in seiner Heimath eines ziemlichen Ansehens, er wurde 1776 zum Handelsrichter gew�hlt. Charles (Karl) war das vierte Kind seiner Eltern, die drei �lteren Geschwister waren M�dchen. Der Vater, der 1781 starb, hinterlie� ein Verm�gen von zweihunderttausend Livres, wovon laut Testament der Sohn zwei F�nftel, also 80.000 Livres, erbte. Fourier liebte es nie, �ber seine pers�nlichen Verh�ltnisse zu sprechen; geschah es dennoch, so nur, um eine seiner Theorien in dieser oder jener Weise damit zu unterst�tzen. Seine Sch�ler und selbst seine intimsten Freunde erfuhren erst nach seinem Tode, da� er in der Belagerung von Lyon, 1793, durch die Konventstruppen das ziemlich betr�chtliche v�terliche Verm�gen vollst�ndig eingeb��t hatte. Stoiker ohne Ziererei und K�nstelei, sprach er nie von der ersten Ursache, die ihm ein Leben voll Entbehrungen und Einschr�nkungen auferlegte. Fourier zeigte von fr�hester Jugend einen entschiedenen Willen, eine unersch�tterliche Rechtschaffenheit. Als einziger Sohn vom Vater f�r den Handel bestimmt, erz�hlt er selbst in einem seiner Werke, wie er fr�hzeitig gegen denselben eingenommen wurde. Da diese Stelle f�r den ganzen Mann charakteristisch ist, geben wir sie ihrem Hauptinhalt nach wieder. Er sagt: Man mu� den Handel als ein grau gewordener Praktiker, der vom sechsten Jahre ab im kommerziellen Schafstall erzogen wurde, kennen. Er habe in diesem Alter den Unterschied zwischen dem Handel und der Wahrheit kennen gelernt. Im Katechismus und in der Schule habe man ihm gelehrt, nie zu l�gen, dann f�hrte man ihn in den Laden, um ihn fr�hzeitig in dem edlen Handwerk der L�ge oder der Kunst, wie man verkauft, zu �ben. Betroffen �ber die Betr�gereien und Schwindeleien, habe er K�ufer, die betrogen werden sollten, bei Seite genommen und ihnen den Betrug entdeckt. Einer von diesen sei unanst�ndig genug gewesen, ihn zu verrathen, was ihm eine Tracht Pr�gel einbrachte, und im Tone des Vorwurfs h�tten seine Eltern erkl�rt: der Junge wird nie f�r den Handel taugen. In der That, er habe eine tiefe Abneigung gegen ihn empfunden, und, sieben Jahre alt, habe er einen Eid gegen den Handel geschworen, wie ihn �hnlich Hannibal, neun Jahre alt, gegen Rom schwur: �Ich schw�re ewigen Ha� dem Handel.� Fourier's Ha� gegen Ungerechtigkeit veranla�te, da� er schon als Knabe sich stets der schwachen unter seinen Gespielen gegen die st�rkeren annahm, und obgleich er mehr schw�chlich als robust war, f�rchteten ihn die st�rkeren und �lteren seiner Gespielen. Dabei war er ein harter Kopf, aber ein vortrefflicher Kamerad und voll Zuneigung. Auch lernte er mit au�erordentlicher Leichtigkeit und gewann mehrfach die ersten Preise, namentlich in lateinischer Poesie. Aelter geworden, wollte er nach Paris, um dort namentlich Logik und Physik zu studiren, aber ein Freund der Mutter, der um Rath gefragt wurde, rieth ab, ihn den Gefahren der Gro�stadt auszusetzen, auch seien die erw�hnten Wissenschaften einem Kaufmann nicht vonn�then; er setzte allerdings hinzu, er glaube, da� ihr Sohn am Handel keinen Geschmack habe und rieth, ihn nicht wider seinen Willen zu zwingen. Das Letztere geschah aber dennoch. Fourier sollte zun�chst nach Lyon zu einem Bankier kommen, aber an dessen Th�re desertirte er, erkl�rend, da� er niemals Kaufmann werden wolle. Darauf kam er nach Rouen, wo er ein zweites Mal auskniff. Schlie�lich beugte er sich unter das Joch und trat in Lyon in die Lehre, und so habe er, wie er selbst sagt, die sch�nsten Jahre seines Lebens in den Werkst�tten der L�ge zugebracht, �berall und stets die Wahrsagung h�rend: �Ein rechtschaffener junger Mann, aber er taugt nicht f�r den Handel.� Besondere Neigung besa� Fourier f�r die Geographie, und so verwandte er sein Taschengeld haupts�chlich f�r die Anschaffung von Karten und Atlanten; n�chstdem liebte er au�erordentlich die Blumenzucht und kultivirte solche in vielen Arten und Abarten; ferner hatte er gro�en Hang zur Musik und lernte mehrere Instrumente, und zwar ohne Lehrer, spielen. Ein h�bscher Zug ist aus seinen Schuljahren bekannt geworden. Obgleich er kein starker Esser war, nahm er t�glich ein t�chtiges St�ck Brot mit kaltem Fleisch belegt, zur Schule mit. Als er sich eines Tages auf einer kleinen Reise befand, stellt sich ein armer Knabe im Laden ein, und frug, ob der kleine Herr krank sei. Als man dies verneinte und ihm mittheilte, er sei verreist, brach der Kleine in Weinen aus. Nach der Ursache befragt, antwortete er: da� er nunmehr sein Fr�hst�ck verloren habe, das ihm der junge Herr t�glich gebracht habe. Er wurde getr�stet und wurde ihm f�r Ersatz gesorgt. Fourier machte, bevor er sich dem Wunsche seiner Mutter, Kaufmann zu werden, f�gte, noch einen Versuch, in die Militair-Ingenieurschule zu M�zieres aufgenommen zu werden, aber wegen seiner b�rgerlichen Abkunft wurde er zur�ckgewiesen, wor�ber er sich in sp�teren Jahren selbst begl�ckw�nschte, weil er sonst von seinen Studien �ber den sozialen Mechanismus w�rde abgezogen worden sein. So entscheidet das sp�tere Schicksal der Menschen meist der Zufall, und da spricht man best�ndig von den pers�nlichen Verdiensten. Wie viel bedeutende M�nner hatten, als sie eine gew�nschte Laufbahn verfehlten, eine Ahnung, da� gerade in diesem _Verfehlen_ die erste Ursache zu ihrer k�nftigen Ber�hmtheit lag? -- Nachdem Fourier seine Lehrzeit in Lyon absolvirt hatte, kam er, 1790 auf einer Reise nach Rouen begriffen, um dort eine Stellung als Reisender anzunehmen, ein Posten, der zu jener Zeit ein ganz besonderes Vertrauen voraussetzte, zum ersten Mal auf einige Zeit nach Paris, das ihm sehr gefiel. Mit H�lfe der Zusch�sse, die er aus seinem Verm�gen besa�, besuchte er allm�lig die meisten St�dte Frankreichs, bereiste Deutschland, Holland und Belgien, �berall sorgf�ltig beobachtend und studirend. Von den Deutschen empfing er eine sehr g�nstige Meinung, er nannte sie das unterrichtetste und vern�nftigste Volk. Besonders imponirten ihm die vielen deutschen St�dte, die Sitze von Kunstanstalten, Universit�ten und h�heren Bildungsanstalten waren -- die gute Seite und Wirkung der deutschen Kleinstaaterei. Er beklagte sp�ter tief, da� f�r Frankreich Alles in Paris konzentrirt w�re, und in Folge dessen alle �brigen St�dte Frankreichs langweilige, monotone und versimpelte Orte seien, in denen jeder h�here geistige Flug fehle. Auf allen diesen Reisen studirte Fourier das Klima der verschiedenen Gegenden, ihre Bodenbeschaffenheit, die Gewerbe, die Bauart der St�dte und Stra�en und nicht zuletzt den Charakter der Bewohner. Es gab in keiner gr��eren Stadt, die er besucht hatte, ein hervorragendes Geb�ude, dessen Architektur und Dimensionen er nicht genau kannte. Nur f�r die Sprachen hatte er wenig Sinn, daher auch sein Verlangen in seinem Hauptwerk, das schon im Titel seine Auffassung ausdr�ckt. �Theorie der universellen Einheit�, da� die Vielsprachigkeit eine der schlimmsten Fehler des Menschengeschlechts sei, und die Schaffung einer Weltsprache, wof�r er die franz�sische am geeignetsten hielt, eine der ersten Aufgaben einer neuen sozialen Ordnung der Dinge sein m�sse. Den Deutschen machte er zum Vorwurf, da� sie mit Hartn�ckigkeit an ihrer besonderen Schriftsprache festhielten, die doch andere germanische V�lker, wie die Engl�nder und die Holl�nder, l�ngst aufgegeben h�tten. Bekanntlich ist heute, nach mehr als siebenzig Jahren, diese Frage in Deutschland noch kontrovers, wenn auch f�r wissenschaftliche Werke im Sinne Fourier's entschieden. Da Fourier durch sein Gesch�ft �ber Tag stets vollst�ndig in Anspruch genommen war, ben�tzte er, und namentlich dann, nachdem er sein Verm�gen verloren und auf das Einkommen aus seiner kaufm�nnischen Stellung allein angewiesen war, die N�chte, um sich weiter zu bilden. Er befa�te sich haupts�chlich mit Anatomie, Physik, Chemie, Astronomie und Naturgeschichte. Sein Ha� gegen den Handel steigerte sich mit den Jahren, je genauer er das Treiben in demselben kennen lernte, immer mehr und spornte ihn zu seinen sozialen Studien an. Namentlich machte es einen tiefen Eindruck auf ihn, als er 1799 in einer Stellung in Marseille seitens seines Chefs den Befehl erhielt, eine Schiffsladung Reis in's Meer zu versenken, damit die Waare im Preise steige. Mit dem Gang der Revolution konnte er sich nicht befreunden. Nach seiner Meinung hatte die Masse des Volks sehr wenig dadurch gewonnen, dahingegen hatte die Klasse, die er auf's Tiefste ha�te. die handeltreibende Klasse, am meisten profitirt. Und da� die Schriftsteller und Verherrlicher der neuen Ordnung der Dinge das Lob des Handels in allen Tonarten priesen, die Handelsfreiheit als das Ei des Columbus r�hmten, als die Einrichtung, aus welcher die allgemeine Wohlfahrt und das allgemeine Gl�ck ersprie�en werde, erbitterte ihn noch mehr. Auch war seine Abneigung gegen jede Gewaltth�tigkeit, mochte sie von welcher Seite immer kommen, so ausgepr�gt, da� er sich nie mit den Gewaltakten der Revolution, deren Nothwendigkeit er nicht einsehen konnte, zu befreunden vermochte, und namentlich ha�te er die Jakobiner, als die Vertreter des Schreckensregiments und der Rousseau'schen Philosophie. Nichts konnte ihn sp�ter mehr in Aufregung und Zorn bringen, als wenn die Gegner ihm vorwarfen, da� seine sozialen Theorien nur auf dem von den Jakobinern eingeschlagenen Wege verwirklicht werden k�nnten; dann brach er heftig los. �Nein und tausendmal nein, meine Theorie hat nichts zu thun mit der jener Leute, noch mit ihren Umsturzprojekten.� Er hatte mit seinem kritischen Blick erkannt, da� in der Revolution trotz allem Heroismus und aller Aufopferung des Volkes, trotz einer idealen Verfassung, trotzdem Alles die Freiheit, die Gleichheit und die Br�derlichkeit im Munde f�hrte, die Ausbeutung, die Unterdr�ckung, die Dem�thigung der Masse, Lug, Trug und Heuchelei nicht nur geblieben waren, sondern sich wo m�glich noch gesteigert hatten. Er hatte gesehen, da�, w�hrend die Revolution�re sich bem�hten, mit gr��ter R�cksichtslosigkeit Alles mit blutiger Gewalt niederzuschlagen, was ihren Begriffen von gesellschaftlichem Gl�ck entgegenstand, das Kapital im schreiendsten Widerspruch mit den gepredigten Grunds�tzen agirte. Er sah, wie der G�terschacher, der Lebensmittelwucher, die Lieferungsschwindeleien bl�hten und die neu emporgekommenen und pl�tzlich reich gewordenen Besitzer ihre Orgien feierten. Ihm war auch der Hunger und das Elend der Massen, ihre Begeisterung und ihre Opferwilligkeit bei der Verteidigung des Vaterlandes nicht entgangen, und alle diese Wahrnehmungen, verbunden mit denen, die er tagt�glich im kleineren Kreise um sich und im Gesch�ftsleben machte, waren es, die ihn auf den Gedanken brachten, da� die Gesellschaft unm�glich richtig organisirt sein k�nne, und es eine Ordnung der Dinge geben m�sse, die alle diese Ausw�chse und Uebel unm�glich mache. Ihm erschien es eine Ungeheuerlichkeit, da� die Revolution�re und nach ihnen die Ordnungsm�nner mit Menschenk�pfen wie mit Kegelkugeln spielten; da� man in der gewaltsamen Vernichtung der Parteien das menschliche Gl�ck zu begr�nden glauben k�nne. Er begriff nicht, da� alle diese K�mpfe nur stattfanden, weil man der wahren treibenden Kraft, jener geheimni�vollen unfa�baren Macht, dem unpers�nlichen Kapital, nicht auf die Spur kommen und seinen Einflu� nicht beseitigen konnte, noch viel weniger wollte, jenes Dinges, �ber dessen Definirung die b�rgerlichen Ideologen sich bis heute die K�pfe zerbrachen, dessen R�thsel erst der moderne wissenschaftliche Sozialismus l�ste, der endlich auch diese moderne Sphinx in den Abgrund st�rzen wird. Fourier, der von Natur f�r die politischen K�mpfe nicht inklinirte, der durch die vor seinen Augen sich abspielenden Ereignisse in dieser Abneigung noch best�rkt wurde, kam in Folge davon zu der vorgefa�ten Meinung, da� die politische Verfassung der Gesellschaft �berhaupt eine gleichg�ltige Sache sei, da� diese mit dem sozialen Zustand nichts zu schaffen habe, und da� es sich darum handele, den letzteren zu verbessern und die politischen Fragen ganz bei Seite zu lassen. Er verfiel also in den entgegengesetzten Fehler der b�rgerlichen Ideologen. Diese glaubten durch die Beseitigung des Adels, der Priesterschaft und des K�nigthums, durch die Begr�ndung der Republik, die Verk�ndigung der Menschenrechte, die Anstellung idealer Grunds�tze Alles geleistet zu haben, was zu leisten m�glich sei. Blieben dennoch die Zust�nde mangelhaft, so lag das nur an der Niedertr�chtigkeit der sogenannten Volksfeinde, der Aristokraten, der Pfaffen, der heimlichen Anh�nger des K�nigthums, deren man trotz aller Gewaltma�regeln nicht Herr werden konnte. Man mu�te das Volk zur �Tugend� erziehen, zur Vaterlandsliebe, zur Opferwilligkeit, zur Arbeitsamkeit, zur Enthaltsamkeit. Wenn das geschah und Alle �tugendhaft� waren, so konnte der gl�ckliche Zustand nicht fehlen. Die b�rgerliche Welt ist am Ende des 19. Jahrhunderts den gro�en Begr�ndern ihrer Herrlichkeit am Ende des 18. Jahrhunderts noch nicht um Vieles in der Erkenntni� der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze voraus gekommen, sie dreht sich noch immer in demselben Ideengang und sie wird darin stecken bleiben. Dar�ber hinauszugehen w�re ihr Tod. Nach Fourier besteht also kein wesentlicher Zusammenhang zwischen dem politischen und sozialen Zustand der Gesellschaft, der erstere ist willk�rlich, wie auch der letztere mehr oder weniger willk�rlich ist. Er hat zwar mit gro�em Scharfsinn verschiedene Stufen der menschlichen Entwicklung gekennzeichnet, die er als Edenismus, oder Zustand des primitiven Gl�cks, als Zustand der Wildheit, des Patriarchats oder der Halbbarbarei, der Barbarei und der Zivilisation charakterisirt; aber es unterliegt nach ihm keinem Zweifel, da� die Zivilisation, die er mit den Griechen beginnen l��t, schon l�ngst in den n�chst h�heren Zustand der Entwicklung, den des Garantismus �bergegangen w�re, wenn der richtige Mann sich fand, der den Ausgang aus der Zivilisation entdeckte. Dieser Mann fehlte bisher. Newton war durch die Entdeckung der Gesetze der Attraktion der Weltk�rper hart an dem rechten Weg vorbeigestreift, aber er hatte das Bewegungsgesetz nur f�r die materielle Welt gefunden. Diese Entdeckung war also, so wichtig sie auch sein mochte, f�r das Gl�ck der Menschheit die minder werthvolle. Die Gesetze der sozialen Attraktion zu entdecken und darauf die universelle Einheit des gesammten Weltalls, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Naturreichen und dem Menschen, zwischen dem Menschen, der Entwicklung des Erdballs und des ganzen Planeten- und Weltsystems, und namentlich auch seine wahren Beziehungen zu dem Weltensch�pfer zu entdecken, dessen ermangelte Newton. Diese Gesetze zu entdecken und damit die wahre Bestimmung des Menschen, die Wege zu seinem Gl�ck, das blieb ihm, Fourier, vorbehalten. Er hat das Mittel entdeckt, das die Menschheit aus Noth, Elend, Unterdr�ckung, Verk�mmerung, Langeweile erl�st, den Menschen mit Gott und dem All in Harmonie setzt. Dieses Mittel ist die Entdeckung der Gesetze der Attraktion der menschlichen Triebe, angewandt auf alle menschlichen Arbeiten und Besch�ftigungen, und ihre Beth�tigung in der Assoziation durch die Bildung der Serien (Reihen) und Gruppen von Harmonisirenden. Da� er, Fourier, dieses Mittel f�r das Gl�ck der Menschheit entdeckte, ist nach ihm reiner Zufall. Es h�tte jeder Andere vor ihm und namentlich die Philosophen, die sich seit mehr als 2500 Jahren bem�hten, das Weltr�thsel zu l�sen und das menschliche Gl�ck zu suchen, es auch entdecken k�nnen. Sie haben aber immer nur damit sich begn�gt, das Bestehende zu loben und haben jede Neuerung, wenn sie ihren Lehren gef�hrlich oder bedenklich schien, bek�mpft und verfolgt. Darum sind auch die 400.000 B�nde, die sie ihm zufolge im Laufe der Zeiten in den Bibliotheken, vollgepfropft mit ihren Theorien, aufgestapelt haben, von sehr zweifelhaftem Werth. Um so heftiger bek�mpfen sie aber jede Neuerung, die, wie die seine, alle diese Werke �ber den Haufen wirft und sie nahezu werthlos macht. Diese Philosophen, unter welchen er, wie er wiederholt hervorhebt, die Moralisten, die Metaphysiker, die Politiker und die Oekonomisten _ausschlie�lich_ verstanden wissen will, weil sie ihm als Vertreter der unsicheren Wissenschaften (�sciences incertaines�) gelten, haben sich deshalb auch gegen ihn verschworen, seine Lehren nicht zur Geltung kommen zu lassen; sie treten ihm �berall in den Weg und suchen die Besprechung, selbst die blo�e Erw�hnung seiner Schriften zu hintertreiben. Gegen sie richtet sich daher sein ganz besonderer Zorn, und er �bersch�ttet sie mit seinem Witz, seiner Satyre und seinem Ha�. Da�, einmal ganz abgesehen von der Frage der Ausf�hrbarkeit seines Systems, seine Theorien, wie sich zeigen wird, im letzten Grunde darauf hinaus laufen, die bestehende Gesellschaft aufzuheben, und da� also das Klasseninteresse der Besitzenden und Herrschenden diese zwingt, seinen Ideen naturgem�� feindlich zu sein, sieht er trotz des au�erordentlichen Scharfsinns, der ihm bei der Entwicklung seiner Ideen eigen ist, nicht ein. Er giebt sich allerdings die gr��te M�he, die verschiedenen Klassen und Interessen auszus�hnen. Nicht nur sollen alle Regierungen, ohne R�cksicht auf das ihnen zu Grunde liegende politische System, bestehen bleiben, er l��t sogar noch eine gro�e Zahl neuer Staaten und Reiche in den bis jetzt von den Wilden und Barbaren bewohnten L�ndern und Erdtheilen sich bilden, wenn erst der ganze Erdball sein System angenommen haben wird, was nach Gr�ndung der ersten Versuchsphalanx -- die Phalanx ist die Genossenschaft, in der sich sein System vollzieht[1] -- nur wenige Jahre dauern wird. Denn die Vortheile, die sein phalansteres System der Menschheit bietet, sind so in die Augen springende, so zur Nachahmung hinrei�ende, da�, nachdem die Neugierigen von allen Enden des Erdballs sich von den gro�artigen Vortheilen und Annehmlichkeiten dieses Systems durch den Besuch der Versuchsphalanx �berzeugten, sie die gr��te Eile haben werden, desselben Gl�ckes theilhaftig zu werden. [Fu�note 1: Phalanx ist der Name einer von Philipp II. von Macedonien in seinem Heere eingef�hrten Schlachtordnung; die Phalanx war ein dichtgeschlossener, keilf�rmig geformter, mit Speeren bewaffneter Truppenk�rper, der mit seiner Spitze in den Feind eindrang und ihn auseinander sprengte. Der Name f�r sein System ist also von Fourier nicht �bel gew�hlt.] Inde� waren um das Jahr 1793, wo Fourier in Lyon lebte, diese Ideen bei ihm noch nicht zur Reife gekommen, obgleich die Keime dazu bereits bei ihm vorhanden waren und seine Denk- und Handlungsweise bestimmten. Es war in diesem Jahr, da� der Konvent das ihm oppositionell gesinnte Lyon belagern und nach der Eroberung in einem erheblichen Theil zerst�ren lie�, wobei auch Fourier sein Verm�gen einb��te. Fourier mu�te zur Verteidigung der Stadt die Waffen ergreifen und entging bei einem Ausfall nur mit genauer Noth dem Tode. Nach Eroberung der Stadt wurde er gefangen genommen und sollte f�silirt werden; er wu�te sich durch die Flucht zu retten. Man kann sich vorstellen, da� diese Vorg�nge auf ihn einen tiefen Eindruck machten und sein sp�teres Denken und Urtheilen wesentlich beeinflu�ten. Kurze Zeit darnach mu�te er sich in Folge der vom Konvent beorderten �lev�e en masse� (des Massenaufgebots) zur Vertheidigung der Grenzen stellen, und zwar war er als Unverheiratheter unter der ersten Portion der Ausgehobenen, die nach der nothd�rftigsten Ein�bung zur Armee abgehen sollten. Er wurde unter die J�ger zu Pferde der Rhein- und Moselarmee rangirt, doch wurde er nach einigen Monaten auf ein Untauglichkeitszeugni� hin -- F. war klein und schw�chlich von K�rper -- vom Dienst befreit. Ein w�hrend seiner Dienstzeit an das Kriegsdepartement gerichteter Brief, in dem er der obersten milit�rischen Leitung Vorschl�ge bez�glich der Ueberschreitung des Rheins und der Alpen machte, verschaffte ihm seitens der genannten Beh�rde ein Dankschreiben, unterzeichnet von Carnot. In den n�chsten Jahren besch�ftigte sich Fourier -- neben seinem Beruf -- mit allerlei sozial-reformatorischen Vorschl�gen, die er bald der Regierungsgewalt, bald einzelnen Deputaten unterbreitete, aber ohne Anklang damit zu finden. Zu Anfang dieses Jahrhunderts hatte er sich, um eine gr��ere Freiheit und Selbst�ndigkeit zu genie�en, als Winkelmakler, wie er sich selbst nannte, etablirt, ein Beruf, den er mit seiner gewohnten Offenheit also charakterisirt. �Ein Makler ist ein Mensch, der mit den L�gen Anderer hausirt und diesen L�gen seine eignen hinzuf�gt.� Nebenbei ver�ffentlichte er ab und zu politische Artikel im �Bulletin de Lyon�. In einem solchen Artikel vom 25. Frimaire des Jahres XII. (17. Dezember 1803), betitelt. �Das kontinentale Triumvirat und ein drei�ig Jahre dauernder Friede�, behandelte er die Frage der Theilung Europas. Bekanntlich hatte damals bereits der Ruhm Napoleon's eine au�erordentliche H�he erlangt, man stand kurz vor seiner Kr�nung zum Kaiser und alle Welt besch�ftigte sich mit der Frage, ob endlich dauernd Frieden einkehren, oder welcher Staat das n�chste Angriffsobjekt bilden werde. Fourier setzte auseinander, da� zun�chst noch kein Friede kommen d�rfe, da� unter den vier Staaten, die als selbstst�ndige Reiche in Frage k�men. Frankreich, Ru�land, Oesterreich, Preu�en, letzteres, als das schw�chste, zuerst an die Reihe kommen und verschwinden werde. Mit einer einzigen Schlacht sei es niedergeworfen -- was bekanntlich thats�chlich geschah -- und dann werde es das Schicksal Polens finden und unter die anderen drei getheilt werden. Jetzt sei das Triumvirat und ein l�ngerer Friede m�glich; einige man sich nicht, so komme Oesterreich an die Reihe, zuletzt entbrenne der Kampf zwischen Ru�land und Frankreich um die Herrschaft der Welt. England lie� er au�er Betracht, weil es als insularer Staat und einzige Alles beherrschende Seemacht zun�chst unangreifbar war. Aber wer in Europa Sieger bleibe, werde Indien nehmen, die H�fen Asiens und Europas schlie�en und so England zu Grunde richten. Gegen England, in dem er die St�tze des Handelssystems und den Repr�sentanten aller Niedertr�chtigkeiten des Handelsgutes sah, empfand er einen besonderen Ha�, der h�ufig aus seinen Schriften hervorbricht. Der erw�hnte Artikel erregte die Aufmerksamkeit Napoleon's und f�hrte zu Untersuchungen �ber den Verfasser; dem Verleger wurde bedeutet, k�nftig �hnliche Artikel nicht wieder aufzunehmen. Im Jahre 1808 ver�ffentlichte Fourier sein erstes und grundlegendes Werk unter dem Titel: �La Theorie des quatre Mouvements et des destin�es generales� (�Die Lehre von den vier Bewegungen und den allgemeinen Bestimmungen�). In diesem Werke sind seine Ideen bereits vollkommen enthalten, obgleich es noch vielfach der Klarheit und namentlich der logischen Entwicklung entbehrt; daf�r ist es aber mit dem ganzen Feuer der ersten Begeisterung eines Mannes geschrieben, der an seine Mission und die Unfehlbarkeit seiner Theorien glaubt. Fourier lie� das genannte Werk allerdings zun�chst nur als Prospekt seiner Entdeckung erscheinen, dem sp�ter noch acht lange Abhandlungen �ber die Gesammtheit seiner Theorien folgen sollten. Diese erschienen nun zwar nicht, aber was erschien, enthielt im Grunde doch nur umf�nglichere Erl�uterungen und gr��ere Detailschilderungen seines Systems, untermischt mit philosophisch-polemischen Abhandlungen gegen seine Gegner, worin er sich gegen die auf ihn und gegen seine Theorien gerichteten Angriffe wandte, dabei immer dem Grundsatze folgend: die beste Taktik zur Abwehr ist der Angriff. Auch liebte er es, in seinen Werken immer wieder seine positiven Hauptgedanken, wie seine Hauptanklagen gegen die bestehenden Zust�nde zu wiederholen, nachdr�cklich hervorhebend, da� dies n�thig sei, einestheils, um seine Ideen, die dem Leser neu und fremd seien, besser und sicherer in dessen K�pfe haften zu lassen, anderntheils, um die in den K�pfen tief eingewurzelten Vorurtheile um so gr�ndlicher zu beseitigen. Eine unzweifelhaft sehr richtige Taktik, die auch die Gegner alles Neuen bisher stets angewandt haben, wodurch sie es fertig brachten, selbst die absurdesten Vorurtheile lange Zeit aufrecht zu erhalten. Die gro�e Masse in allen Kreisen denkt nur gewohnheitsm��ig, die einmal �bernommenen Ideen bewegen sich in gewisserma�en ausgefahrenen Hirngeleisen, und es bedarf erst starker und wiederholter, durch greifbare Thatsachen und f�hlbare Uebel unterst�tzter Argumente, um sie aus der gewohnten Denkbahn zu rei�en. Und ist das Interesse nicht mit den neuen Ideen verkn�pft, so ist alle Arbeit vergebens, vereinzelte Idealisten ausgenommen, die schlie�lich doch auch nur aus Interesse geleitet werden, weil sie weiter blicken und das Neue als das Zuk�nftige, als unab�nderliche Nothwendigkeit und Verbesserung f�r Alle ansehen und darum f�r erstrebenswerth halten. Der Gedankengang, den Fourier in seinem ersten Werk entwickelt, ist kurz folgender: die Welt besteht aus drei ewigen, unerschaffenen und unzerst�rbaren Prinzipien: -- Gott, oder dem Geist, aktives und bewegendes Prinzip; -- der Materie, passives und bewegtes Prinzip; -- der Gerechtigkeit oder den mathematischen Gesetzen, regulirendes Prinzip. Analog dem Weltall besteht auch der Mensch aus drei Prinzipien: -- den Trieben (�passions�), aktives und bewegendes Prinzip; -- dem K�rper, passives und bewegtes Prinzip; -- der Intelligenz, neutrales und regulirendes Prinizp. Gott, welcher der Leiter und Lenker des Weltalls ist, kann nur die Einheit und Harmonie desselben wollen, weil sonst er mit sich selbst in Widerspruch st�nde. Daher existirt eine ununterbrochene Kette von Beziehungen zwischen Allem, was vorhanden ist. Zwischen den drei Reichen der Natur -- Thieren, Pflanzen, Mineralien -- und dem Menschen, zwischen dem Menschen und Gott, wie zwischen dem Menschen und dem Erdball, und dem ganzen Planeten- und Weltsystem.[2] Indem Gott den Menschen schuf, ihn mit Trieben und Leidenschaften ausstattete, wollte er, da� der Mensch damit gl�cklich sei. Es ist also nicht anzunehmen, da� diese Triebe sch�dliche sind, da� der eine oder der andere unterdr�ckt werde oder unbefriedigt bleibe. Die Befriedigung seiner Triebe schafft vielmehr die Harmonie des Menschen mit sich selbst und mit Gott. Wenn wir trotzdem h�ufig sehen, da� diese Triebe des Menschen sich oft nur in sch�dlicher Richtung oder gar nicht �u�ern und nicht befriedigt werden k�nnen, so beweist dies nichts gegen _die Triebe und die Ordnung Gottes, sondern spricht gegen die soziale Organisation der Gesellschaft_, welche diese Triebe sich falsch zu beth�tigen zwingt oder sie gar unterdr�ckt. [Fu�note 2: Fourier spricht hier denselben Gedanken aus, dem Robinet in seinem 1766 in Amsterdam erschienenen Werke �Ueber die Natur� (�De la nature�) Ausdruck giebt: �Alles in der Natur steht miteinander in Verbindung�, und ebenso spricht R. einen Gedanken aus, den Fourier �hnlich wiederholt: �Da� die Natur mit m�glichst sparsamer Ausnutzung der vorhandenen Stoffe arbeite.� Holbach sagt im �Systeme de la nature�: �In der ganzen Sch�pfung herrscht Wesenseinheit.� Die Ideenassoziation ist augenf�llig.] Es sind nun vier Bewegungen, oder wie er sp�ter aufstellte, f�nf, welche die ganze Welt in Th�tigkeit setzen und sie den Bestimmungen entgegenf�hren. 1. Die normale Bewegung; Gesetze der Anziehung f�r die imponderablen (unw�gbaren) Elemente, Elektrizit�t, Magnetismus, Ger�che. 2. Die thierische oder instinktuelle Bewegung; Gesetze der Anziehung f�r die Triebe und Instinkte aller erschaffenen Wesen, wann und wo immer sie waren, sind und sein werden. 3. Die organische Bewegung. Gesetze der Anziehung f�r die Eigenschaften der K�rper: Form, Farbe, Geschmack, Geruch etc. 4. Die materielle Bewegung -- bereits durch die Mathematiker (Newton) entdeckt -- Gesetze der Anziehung und Gravitation der Weltk�rper (Planeten Fixsterne). Die Kometen sind nach Fourier irregul�re Weltraumbummler. 5. Die soziale Bewegung -- der eigentliche Angelpunkt (Pivot) des Ganzen -- die Gesetze, welche die Ordnung und Aufeinanderfolge der verschiedenen sozialen Gestaltungen auf allen Weltk�rpern regeln. Der Mittelpunkt dieser sozialen Gesetze ist der Mensch, der im Grunde damit zum Mittelpunkt des Ganzen wird um den sich Alles dreht. Was hat die Welt �berhaupt f�r einen Zweck, wenn sie nicht f�r den Menschen geschaffen ist? Das ist der Hauptgedanke, der seiner Weltauffassung zu Grunde liegt. Die Bestimmung des Menschen ist das Gl�ck, das in der Entwicklung aller seiner Anlagen, der Befriedigung aller seiner Triebe liegt. Der Mensch soll genie�en und abermals genie�en Alles, wonach sein Herz ihn dr�ngt, das ist das Fourier'sche Evangelium und nach ihm die Bestimmung des Menschen durch Gott. Man sieht, dieser Fourier'sche Gott ist ein sehr materialistischer Gott, der sich in starkem Gegensatz zu dem Gott des Christenthums befindet, der die Enthaltsamkeit, die Demuth, die Kreuzigung des Fleisches predigt. Seiner Bestimmung gem�� strebt also der Mensch nach dem Gl�ck, und Reichthum und Gesundheit bilden sein Gl�ck. Er will Reichthum, um sich Genu� verschaffen zu k�nnen, und er will Gesundheit, um sie genie�en zu k�nnen. Den Reichthum genie�en nur Wenige, und meist Jene, die ihn am wenigsten verdienen; die Gesundheit mangelt fast Allen. Den Einen in Folge von Noth, Elend, Tr�bsal, Entbehrungen, den Anderen in Folge von Ueber�ppigkeit, Schwelgerei, Ueberma� der Gen�sse. Das Eine wie das Andere ist Folge unserer sozialen Einrichtungen, die keinem Theil der Gesellschaft, weder dem Reichen noch dem Armen, die vern�nftige und gesunde Entwicklung aller seiner Kr�fte und F�higkeiten, die Abwechslung und befriedigende Anwendung seiner Triebe gestatten. Zwar will die Gesellschaft, und namentlich die Zivilisation, das allgemeine Gl�ck, aber was sie erstrebt, schl�gt stets in das Gegentheil um. Wir behaupten, die Wahrheit zu wollen, und �berall herrscht L�ge, Heuchelei, Unterdr�ckung; wir wollen die Moral und es herrscht Diebstahl, Betrug, Verf�hrung, Ehebruch, Prostitution, kurz allgemeine Sittenlosigkeit; wir erstreben das allgemeine Gl�ck und sieben Achtel bis acht Neuntel der Menschen sind ungl�cklich, weil sie von Uebeln umgeben sind, die zu beseitigen nicht in ihrer Macht liegt. So herrscht statt der Einheitlichkeit die Zweideutigkeit in allen Beziehungen. Jede gute Seite hat ihre schlimme, und zwar ist die schlimme die �berwiegende. Fourier nennt das Streben nach Gl�ck streben nach innerem und �u�erem Luxus. Der innere Luxus ist die Gesundheit, der �u�ere der Reichthum. Den inneren Luxus bilden die Triebe, _die um so ges�nder sind, je lebhafter sie sind_, und deren es f�nf sensuelle oder Sinne des K�rpers giebt: Geruch, Gesicht, Geh�r, Geschmack und Gef�hl, und vier Triebe der Seele: Liebe, Freundschaft, Ehrgeiz,[3] Familiensinn, die s�mmtlich alle neun von drei sie steuernden Trieben beherrscht werden. Diese drei sind: Die Kabalist, Trieb der Intrigue, d.h. der Trieb, der th�tig ist, um die Neigungen zu theilen, die Willen zu bestimmen, sich zu gemeinsamen Handlungen zu vereinigen; die Alternant oder Papillone, Trieb, der nach best�ndiger Abwechslung, nach Kontrasten, nach Ver�nderungen in der Handlung strebt; die Komposit, Trieb, der die Begeisterung, den Enthusiasmus erregt, nach dem Guten und Sch�nen strebt, alle Hindernisse �berwindet. Diese letzten drei Triebe wirken ihm zufolge auf die vier affektiven und diese auf die f�nf sensitiven. [Fu�note 3: Herm. Greulich bezeichnet in seiner Schrift: �Karl Fourier, ein Vielverkannter� (Hottingen-Z�rich, Volksbuchhandlung 1881), den Ehrgeiz als Auszeichnungstrieb, weil das Wort Ehrgeiz einen h��lichen Beigeschmack habe. Der von Gr. gew�hlte Ausdruck ist unzweifelhaft korrekt, aber wir wollen doch nochmals ausdr�cklich konstatiren, da� nach Fourier's Theorie _alle Triebe gut sind_ und der Ausdruck Ehrgeiz ebensowenig anst��ig sein darf, als die nach unserer landl�ufigen Auffassung von Fourier gebrauchten Ausdr�cke Kabalist und Intrigue. Der Ehrgeiz ist auch in der b�rgerlichen Gesellschaft an sich eine ganz l�bliche Eigenschaft, der nur unangenehm und sch�dlich wird, wenn er auf Kosten Anderer oder der Allgemeinheit sich Geltung verschaffen will. Im Uebrigen scheint uns, hat Greulich in seiner Schrift, in dem Streben, Fourier zur verdienten Anerkennung zu bringen, ihn ein wenig zu sehr modernisirt und in der Sprache unserer Zeit reden lassen, ohne seiner Einseitigkeit und Schrullen gen�gend Erw�hnung zu thun. Ein solches Zug�nstigf�rben erkl�rt sich aus dem Bestreben, Fourier gegen die ungerechten und unqualifizirbaren Angriffe eines D�hring, Most und Bernhard Becker in Schutz zu nehmen. Alle drei bezeichnen Fourier -- und D�hring und Most offenbar, ohne sich n�her mit seinen Werken vertraut gemacht zu haben -- einfach als Narren, womit sie glauben, ihn abgethan zu haben. Ob dieser, Fourier schon zu Lebzeiten von Seiten seiner Gegner entgegengeschleuderte Vorwurf eine Berechtigung hat, mag der Leser am Schlusse obiger Abhandlung entscheiden. Wir m�chten aber schon jetzt konstatiren, da� Joh. Most, der sich heute als Anarchistenchef aufspielt, gar keine Ahnung gehabt zu haben scheint, da� er Fourier als _Vater des Anarchismus_ anzusehen hat -- das Wort hier in seinem wahren Sinne, der Regierungs- und Staatlosigkeit genommen, und nicht im Sinne der blinden Gewaltstheorie, wie sie Most als anarchistisches Prinzip predigt. Die Fourier'sche Theorie in die Praxis umgesetzt, d.h. der Erdball mit Phalanst�ren bedeckt, machte jede Staatsorganisation �berfl�ssig, es w�re die F�deration der Phalanxen, also produzirender und konsumirender Kommunen. Da� Fourier trotzdem nicht blos alle bestehenden Staaten als weiter bestehend voraussetzt, sondern auch noch so viele neue dazu zu gr�nden in Aussicht stellte, ist einer der Widerspr�che seines Systems, die ihm nicht zum Bewu�tsein kamen. Aber es ist ein Widerspruch, der das System selbst nicht besser und nicht schlechter macht, es in seinem Wesen unber�hrt l��t.] Will aber der Mensch alle seine Triebe beth�tigen und befriedigen und den dazu n�thigen Reichthum erlangen, ein Streben, das seiner Natur inh�rent ist, so kann er dies nicht als isolirtes Einzelwesen, er bedarf hierzu einer Organisation mit Seinesgleichen. Diese Organisation, die Fourier entdeckte und als Heilmittel bietet, ist -- die l�ndliche und hauswirthschaftliche Assoziation, die mit der industriellen zu verbinden und auf die Anwendung der Serien (Reihen) und Gruppen der Triebe organisirt sein soll. Fourier legt auf die Ackerbaugenossenschaft oder die agrikole Assoziation das Hauptgewicht, er sieht sie als die eigentliche Grundlage f�r die menschliche Existenz, als diejenige Th�tigkeit an, welche die meiste und angenehmste Abwechslung der Verrichtungen bietet. Aber auch die ganze h�usliche Th�tigkeit, die Hauswirthschaft im weitesten Umfang, Handel und Gewerbe, die Erziehung, die K�nste, die Wissenschaften sollen soziet�r betrieben werden. Die eigentliche Gro�industrie hatte im Zeitalter Fourier's noch wenig Bedeutung in Frankreich, sie war haupts�chlich in der sog. Manufaktur organisirt, jener h�her entwickelten Theilung der Handarbeit, vereinigt in gro�en Werkst�tten, oder vertheilt in Hausbetrieben, die f�r einen gemeinsamen Unternehmer arbeiten. Der gro�e Fabrikbetrieb entstand erst in einiger Bedeutung gegen das Lebensende Fourier's. Der manufakturm��ige Gro�betrieb wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich treibhausm��ig durch die Zoll- und Gewerbepolitik Napoleon's beg�nstigt, dessen Ha� und Eifersucht, sowie Rachsucht gegen England ihn zur Kontinentalsperre trieben und ihn die gr��ten Anstrengungen machen lie�en, neben der Sperrung der seiner Machtsph�re unterworfenen H�fen f�r englische Waaren, die inl�ndische Industrie vermittelst enormer Schutzz�lle, Staatsunterst�tzungen und Pr�mien k�nstlich gro�zuziehen und dadurch England zu st�rzen. Immerhin w�rde sich auch unsere heutige Gro�industrie in die Fourier'sche phalanstere Organisation einreihen lassen. Die Arbeit ist nach Fourier eine Nothwendigkeit f�r _Alle_ ohne Unterschied des Lebensalters und des Geschlechts, aber sie darf keine Last, sondern sie mu� eine Lust sein, mit anderen Worten: sie mu� anziehend sein. Das kann sie nur sein, wenn Jeder das treibt, wozu seine Triebe ihn dr�ngen, was ihm also Vergn�gen macht; dabei mu� die Besch�ftigung h�ufig abwechseln und d�rfen zu diesem Zwecke die einzelnen Arbeitssitzungen nur kurze sein. Jede Besch�ftigung wie jedes Vergn�gen darf nicht �ber ein und eine halbe bis zwei Stunden w�hren, weil man sonst erm�det. Um aber das rivalisirende Element in die Besch�ftigung zu bringen, mu� sie von einer Anzahl Gleichstrebenden zugleich ge�bt werden. Es bilden sich also Gruppen von Gleichgesinnten f�r eine bestimmte Th�tigkeit. Jede dieser Gruppen mu� der lebhafteren Rivalit�t und der Ausgleichung halber mindestens sieben, gew�hnlich neun Personen umfassen. Es bilden sich eben so viel Gruppen, als Unterarten von Besch�ftigungen bei einem bestimmten Produktionszweig vorhanden sind; diese verschiedenen Gruppen bilden eine Serie (Reihe). Es giebt z.B. eine Serie der Birnen- und eine solche der Aepfelz�chter, aber f�r die Variet�ten jeder Obstart bestehen Gruppen. Es rivalisiren also die Serien, um die beste Obstart, die Gruppen, um die besten Sorten (Variet�ten) zu z�chten. Da ferner zwei Menschen nie in Allem den gleichen Geschmack und die gleichen Triebe haben, so werden dieselben Personen, die soeben in einer Gruppe zusammen wirkten, sich in den nachfolgenden Arbeitssitzungen in rivalisirenden Gruppen oder Serien in anderen Produktionszweigen gegen�berstehen. Es wechselt also nicht blos die Besch�ftigung, es wechselt auch best�ndig der gesellschaftliche Umgang bei der Arbeit. Dieser immerw�hrende Wechsel der Besch�ftigung und der besch�ftigten Personen, und die daraus hervorgehenden, sich bald anziehenden, bald absto�enden Wechselbeziehungen bilden nach Fourier die h�chste Befriedigung, weil alle Triebe dabei in's Spiel kommen. Aber die Befriedigung w�rde keine vollkommene sein, wenn nicht der �u�ere Erfolg, also die Reichthumserzeugung, durch diese Th�tigkeitsweise auch erzielt w�rde. Diese planm��ig organisirte, assoziirte Th�tigkeit von Hunderten von Familien in einer Phalanx wird, so behauptet Fourier, im Gegensatz zur einzelnen Privatwirthschaft und Privatunternehmerschaft eine gro�e Menge von Ersparungen an Kraft, Zeit, Mittel, Werkzeugen etc. einerseits, und durch die geschickt kombinirte und rivalisirende Th�tigkeit Aller andererseits eine Reichthumsvermehrung zur Folge haben, die sich im Vergleich zu jetzt verzehn-, verzwanzig-, selbst vervierzigfacht und dem Aermsten eine Bed�rfni�befriedigung erm�glicht, wie sie heute kaum ein reicher Mann sich verschaffen kann. In der Fourier'schen Phalanx besteht der Unterschied des Besitzes fort. Da der Genu� des Lebens auf Kontrastwirkungen beruht, ist auch der Unterschied des Besitzes nothwendig. Je gr��er die Verschiedenheiten an Besitz, Charaktereigenschaften, Trieben, also je lebhafter die Kontraste sind, um so besser f�r die Phalanx. Man sieht, Fourier ist der Begriff des _Klassengegensatzes_ und die Entwicklung der verschiedenen Gesellschaftsformationen aus _Klassenk�mpfen_, eine Grundanschauung des modernen Sozialismus, fremd. Sein Sozialismus ist auf die Vers�hnung, die Harmonie der heute feindlichen Gegens�tze, die nach seiner Meinung nur aus Mi�verstand oder mangelhafter Kenntni� der wahren Bestimmung der menschlichen Gesellschaft feindliche wurden, gerichtet. Sein Sozialismus pa�t sich, wie er nicht m�de wird, immer wiederholt zu versichern, allen Regierungsformen und allen Religionssystemen an, er hat weder mit politischen noch religi�sen Streitfragen das Geringste zu thun. Daher wendet er sich in seinen Schriften nicht an die Arbeiter und die Masse der Geringen, von denen die erstern zu seiner Zeit als Klasse noch wenig entwickelt waren und �ffentlich gar keine Rolle spielten, sondern er wendet sich an die Einsicht der Gro�en und Reichen. Letztere allein konnten ihm helfen, weil sie allein die Mittel zur Gr�ndung einer Versuchsphalanx besa�en, von deren Zustandekommen nach ihm die Einf�hrung seines Systems abhing. War diese begr�ndet, dann zog sie durch ihren Glanz und ihre Vortheile nicht nur die Zivilisirten, sondern auch die noch im Zustande der Barbarei und der Wildheit befindlichen V�lker -- �die von der Zivilisation nichts wissen wollen� -- an, eiligst in die neue Gesellschaftsorganisation einzutreten. Die Phalanx ist das Zaubermittel, das die Entwicklungsperiode der Zivilisation, wie der Barbarei und der Wildheit abk�rzt, Barbaren und Wilden das Durchgangsstadium durch die Zivilisation erspart und den Aufschwung zu immer h�herer Vollendung herbeif�hrt. So wandte sich denn Fourier nacheinander bald direkt, bald indirekt an alle ihm jeweilig zug�ngig erscheinenden Kreise und Personen, um diese f�r sein System zu interessiren und von ihnen die Mittel zur Begr�ndung der Versuchsphalanx zu erlangen. Er schilderte ihnen den eigenen materiellen Vortheil, wie die Ehren und den Ruhm, den sie dadurch bei Mit- und Nachwelt erlangten, in den gl�nzendsten, gl�hendsten Farben. So suchte er abwechselnd und nacheinander Napoleon, franz�sische Volksvertreter, den Adel und Klerus der Restauration, die Bourbonen, die englischen Gro�en, die sich f�r das gleichzeitig auftauchende Robert Owen'sche Assoziationsprojekt in New-Lamark interessirten, die Liberalen, ferner seine w�thendsten Gegner, die Philosophen, Rothschild, dem er ein K�nigreich Jerusalem in Aussicht stellte, Lord Byron, George Sand und nach der Julirevolution die Herren von Lafitte und Thiers, die emigrirten Polen etc. zu gewinnen. Er versuchte schlie�lich selbst mit den Saint Simonisten, insbesondere mit Enfantin, F�hlung zu bekommen. Die Saint Simonisten benutzten zwar theilweise seine Theorien, indem sie dieselben mit ihren Lehren vermischten, aber auf Weiteres lie�en sie sich nicht ein. Alles war also vergeblich. Die Einen fanden sich unter der bestehenden Ordnung so wohl, da� sie keine Sehnsucht nach einer anderen hatten, Andere, die Wohlwollenden, hielten seine Ideen f�r unausf�hrbar, sahen in denselben eine sch�ne Illusion oder Vision, die Dritten zuckten die Achsel und lachten �ber ihn als einen Tr�umer und Narren. Dieser Widerstand, diese Ungl�ubigkeit, die Fourier unbegreiflich fand und auf b�sen Willen oder Vorurtheil zur�ckf�hrte, denn er selbst glaubte an sich und sein System wie je ein Neuerer daran geglaubt hat, wird unser Zeitalter sehr nat�rlich finden. Wir wissen Alle, da� Entwicklungsperioden, die Bestehendes von Grund aus umgestalten sollen, nie durch noch so scharfsinnig und detaillirt ausgedachte, fertige Pl�ne von einer Idealgesellschaft herbeigef�hrt werden, auch nicht, wenn die gr��ten finanziellen Mittel und das gr��te Wohlwollen m�chtiger Pers�nlichkeiten dahinter steht, sondern da� die Umgestaltung aus dem Entwicklungsproze� der ganzen Gesellschaft sich vollzieht und, wenn die Bedingungen einer neuen Gesellschaftsformation vorhanden sind, diese sich mit elementarer Gewalt auch Bahn bricht. Sie wird nicht gemacht, sie vollzieht sich, und stets unter der Form von Klassenk�mpfen, _gegen_ den Willen der alten Gesellschaftsschichten. Fourier will in seiner Phalanx Kapital, Arbeit und Talent ber�cksichtigen und zwar in der Weise, da� die Arbeit F�nfzw�lftel, das Kapital Vierzw�lftel, das Talent Dreizw�lftel des Ertrags zugewiesen erh�lt. Die beiden Geschlechter sind vollkommen gleichberechtigt, sie arbeiten, vergn�gen und lieben sich miteinander, wie die Neigung sie zu einander f�hrt. Wie alle Th�tigkeit und die Vergn�gen gemeinsam sind, so ist auch die Kindererziehung eine gemeinsame. Die Kinder sind das dritte neutrale Geschlecht, ihrer Erziehung widmet er in seinen Werken einen breiten und hochinteressanten Raum. Es existiren nicht viele Menschen, die, wie Fourier, die menschliche Gesellschaft in allen Lebensaltern und Lebensstellungen beobachteten und studirten, und so hat er auch den Kindescharakter mit wunderbarer Gr�ndlichkeit und Tiefe erfa�t und darauf sein Erziehungssystem begr�ndet. Es wird keinen P�dagogen geben, der nicht heute noch die bez�glichen Kapitel mit gro�em Vergn�gen und mit Nutzen liest. Die Kinder werden vom ersten Tage der Geburt ab gemeinsam in gro�en, f�r diesen Zweck auf's Bequemste und Opulenteste eingerichteten S�len gepflegt und erzogen. Ihre Pflege �bernehmen Pflegerinnen von verschiedenem Lebensalter, die sich freiwillig und aus Trieb, wie bei Allem, was in der Phalanx geschieht, diesem Dienste widmen. Sobald sich der Charakter der Kinder entwickelt, werden sie darnach in die verschiedenen S�le vertheilt. Die Pflegerinnen sind in Serien und Gruppen organisirt, sie sind Tag und Nacht zugegen und werden in den �blichen Zwischenr�umen abgel�st. Die M�tter k�nnen nach Neigung unter den Pflegerinnen leben. Fourier meint aber, die Mehrzahl werde es vorziehen, ihren gewohnten Besch�ftigungen und Unterhaltungen nachzugehen und nur in den Stunden der Nahrung sich einfinden, �berzeugt, da� ihren Kleinen Nichts fehlt und Nichts abgeht. F�r Spielen und Unterhaltungen der Kleinen ist reichlich gesorgt. Vom dritten Lebensjahre ab werden sie nach ihrem Alter klassifizirt und spielend in die verschiedenen leichten Besch�ftigungen des Haushalts eingef�hrt und zu Handarbeiten angehalten. _Jeder Zwang ist ausgeschlossen_. Zweckdienlich eingerichtete Spiels�le, K�chen, kleine Werkst�tten, mit kleinen Werkzeugen und Maschinen versehen, geben ihnen Gelegenheit, ihre Triebe und F�higkeiten zu beth�tigen. Der eigentliche geistige Unterricht beginnt erst mit dem neunten Jahr, nachdem inzwischen die k�rperliche Erziehung, die unter dem Namen der �Oper� Ges�nge, T�nze, Musik, k�rperliche Uebungen aller Art umfa�t, um die Kinder gewandt zu machen, zu richtigem Ma� und Ausdruck im Sprechen, in Geberden und Bewegungen zu erziehen, eine feste Grundlage erlangt hat. Die Erziehung w�hrt in verschiedenalterigen Abstufungen bis zur vollst�ndigen k�rperlichen Reife der Geschlechter, also bis zum 16., 18. und selbst 20. Lebensjahr. Wir kommen bei der sp�teren Darlegung der Fourier'schen Theorien auf diese Dinge ausf�hrlicher zur�ck. Das Verh�ltni� der beiden Geschlechter zueinander ist im Fourier'schen System das denkbar freieste. Die Kritik, die Fourier an die Beziehungen der Geschlechter in unserer Gesellschaft, an die Form der heutigen Ehe mit ihren Ausw�chsen, ihrer K�uflichkeit, ihrer Heuchelei, ihrem Zwange gegen den einen oder anderen, oder gegen beide Theile, �bt, geh�rt zu dem Sch�rfsten, was hier�ber geschrieben wurde. Die Kritik der Beziehungen der Geschlechter zu einander, wie die Kritik des Handels, den er wie kein Zweiter kannte, zogen ihm haupts�chlich die Entr�stung und den Zorn der Gegner zu, verletzten Diejenigen am meisten, die in dem einmal Ueberlieferten die beste der Welten sahen. Mit seiner Theorie der freien Liebe, seiner Darstellung der sechsunddrei�ig Arten der Hahnreischaft und des Ehebruchs, die nach ihm existiren und die er noch zu vervollst�ndigen sich anheischig machte; mit seiner Blo�legung der l�gnerischen und gaunerhaften Praktiken des Handels, des Geld- und Lebensmittelwuchers, des Schachers mit Grundst�cken und Effekten, der B�rsenman�ver, hatte er in verschiedene und sehr gef�hrliche Wespennester gestochen. Er rief einen solchen Sturm gegen sich wach, da� er selbst sp�ter f�r angemessen fand, zu erkl�ren, Alles, was er �ber die Beziehungen der Geschlechter in seinen Schriften ausgef�hrt habe, k�nne erst von der dritten Generation ab, nach Gr�ndung seines Systems, zur Durchf�hrung kommen. Die jetzt noch �berm��ig herrschenden Vorurtheile, wie die physischen Uebel und Gebrechen, die das gegenw�rtige System erzeugt habe, m��ten erst allm�lig ausgerottet werden. Dagegen fuhr er fort, durch historische Darlegung und Kritik der geschlechtlichen und der Eheverh�ltnisse bei den alten V�lkern, besonders an der Hand der Bibel, ihrer Erz�hlungen �ber die Nachkommen der ersten Menschen, die Lebensweise der Erzv�ter, dann David's, Salomo's u.s.w. nachzuweisen, welche Phasen die Geschlechtsverh�ltnisse der Menschen durchgemacht und wie wenig Ansto� selbst Gott daran genommen habe, indem er allen diesen aus dem alten Testament angef�hrten Personen fortgesetzt sein Wohlwollen und seine Gnade erhalten habe. Unter den neuen Lebensverh�ltnissen, die Fourier erstrebt, genie�en die Menschen nicht nur das volle Gl�ck, sie werden auch bei ihrer gesunden und naturgem��en Lebensweise ein sehr viel h�heres Lebensalter erreichen, als heute. 144 Jahre werden das Durchschnittsalter sein. Sie k�nnten also wenigstens volle achtzig Jahre die Liebe genie�en, was doch wohl, wie er meint, eine zu lange Zeit sei, um mit einem Mann oder einer Frau ausschlie�lich leben zu sollen, �t�glich von derselben Platte zu essen�. Da ferner mit dieser l�ngeren Lebensdauer auch die Vermehrung der Menschen entsprechend wachse, sei Urbarmachung neuen Bodens, Ansiedelung in bisher wenig bev�lkerten L�ndern und Erdtheilen geboten. Aber auch dieses H�lfsmittel werde bald der Vermehrung ein Ziel setzen, wenn nicht gleichzeitig mit der Entwicklung des Menschengeschlechts durch die neue soziale Organisation unser Erdball in klimatischer Beziehung bis zum h�chsten Nord- und S�dpol eine vollst�ndige klimatische Umwandlung durchmache, die auch auf den anderen Planeten und Fixsternen �hnlich sich vollziehen soll. Hier entwickelt nun Fourier ein kosmogenetisches System, das zu dem Phantastischsten geh�rt, das ein Mensch erdenken kann. Es ist namentlich dieser Theil seiner Abhandlungen, der ihm den meisten Spott, ihm haupts�chlich den Titel des �Vision�rs�, des �Narren� eingetragen hat. Das ganze Universum ist nach Fourier, und hier beruft er sich auf Schelling, �das Spiegelbild der menschlichen Seele�. Die Welt ist dem Menschen zu Liebe geschaffen; nach seinem Tode wandert er von Planet zu Planet zu immer h�herer Vollkommenheit, eine Idee, die freilich auch in anderen K�pfen, selbst heute noch, spukt und nicht blos in den untern Schichten. -- �Die Kanaille will ewig leben.� Jeder Planet wird geboren; er hat, wie der Mensch, sein Alter der Kindheit, der auf- und absteigenden Entwicklung und des Todes. Auch die Menschheit stirbt, und zwar nach einer Gesammtlebensdauer von 80.000 Jahren, die sich in vier Phasen abwickeln. Die Phase der Kindheit, in deren letzter Periode wir uns befinden, dauert 5000 Jahre; die Phase der aufsteigenden Entwicklung w�hrt 35.000 Jahre; die Phase des allm�ligen Niedergangs ebenfalls 35.000 Jahre. Dann folgt die Phase der Altersschw�che wieder mit 5000 Jahren, worauf der Tod der Menschheit und der Erde eintritt. Innerhalb des Zeitraums von 80.000 Jahren erlebt die Menschheit 32 Entwicklungsperioden -- wir befinden uns in der f�nften, der Zivilisation --, und innerhalb der verschiedenen Perioden giebt es verschiedene Neusch�pfungen, durch welche auch die Thier- und Pflanzenwelt und das Klima, entsprechend der h�heren Entwicklung des Menschen, sich in h�herer Vollkommenheit entfalten werden. Mit der achten Periode, der Harmonie, beginnt die Aurora des Gl�cks. Es wird die Nordpolkrone (�Couronne bor�ale�) geboren, die dann, gleich der Sonne, nicht blos Licht, sondern auch W�rme verbreitet und damit eine Reihe neuer Sch�pfungen einleitet. Die Wirkung der Nordpolkrone wird sein, da� Petersburg und Ochotsk ein �hnliches Klima bekommen, wie Kadix und Konstantinopel, da� das Klima der sibirischen Eisk�sten dem von Marseille und dem Golf von Genua gleicht, und da� eine Fruchtbarkeit dieser n�rdlichen Erdtheile beginnt, die mit jener der tropischen L�nder wetteifert. Gleichzeitig wird durch die Einwirkung des Fluidums der Nordpolkrone und durch die Ver�nderung des Klimas das Meer sich umbilden und einen limonadeartigen Geschmack annehmen. Die jetzigen, den Menschen feindlichen und sch�dlichen Meerungeheuer, wie der Hai etc., werden zu Grunde gehen und durch neue Sch�pfungen, wie Anti-Hai, Anti-Walfisch, ersetzt werden, Thiere, die dem Menschen freundlich sind und ihm ihre Dienste zum Ziehen der Schiffe etc. leihen werden. Alle _n�tzlichen_ Fische und Seethiere, wie der Hering, der Kabeljau, die Auster u.s.w., werden trotz der Ver�nderung des Meeres erhalten bleiben und sich wesentlich vermehren. Ganz �hnlich vollzieht sich die Umgestaltung auf dem Lande. Alle wilden Thiere (L�we, Tiger, Leopard, Wolf etc.) und alle giftigen Reptile oder widerlichen Insekten, ebenso die giftigen und sch�dlichen Pflanzen verschwinden und werden durch f�r den Menschen n�tzliche Neusch�pfungen ersetzt. So entsteht z.B. der Anti-L�we, der zahm ist und sich freiwillig dem Menschen als Reitthier anbietet. Sobald der ganze Erdball mit Phalanxen bedeckt ist, wird er zwei Millionen derselben mit vier Milliarden Menschen aufweisen. Alsdann wird Konstantinopel Hauptstadt der Welt und wird der von allen Phalanxen ernannte Omniarch, als Herrscher der Welt, seinen Sitz dort nehmen. Worin aber das Herrscheramt dieses Omniarchen besteht, ist schwer zu sagen, dar�ber giebt Fourier keine Auskunft. Mit der Zahl von vier Milliarden ist das Maximum der Bev�lkerungsziffer erreicht; denn wenn die Menschen sich anfangs stark vermehrten, so l��t die Fruchtbarkeit des Geschlechts allm�lig und namentlich in dem Ma�e nach, wie neben den M�nnern insbesondere auch die Frauen gr��er und st�rker werden, ihre geistige und k�rperliche Entwicklung und die opulente Lebensweise zunimmt. Fourier glaubt, schon jetzt in unserer Gesellschaft die Beobachtung gemacht zu haben, da� Frauen von gro�er K�rperkraft und K�rperf�lle und h�herer geistiger Entwicklung und in g�nstigen materiellen Verh�ltnissen lebend, weniger Kinder geb�ren, als solche von schw�chlicher, magerer Konstitution, so da� Erstere h�ufig sogar unfruchtbar seien. Aehnliche Umgestaltungen und Ver�nderungen, wie auf unserm Globus, vollziehen sich auf allen �brigen Planeten und geben dem Menschen die Gew�hr, da� er auch nach seinem Tode auf der Erde in ungemessenen Zeitr�umen von einem zum andern Planeten wandert, von denen immer einer vollkommener als der andere ist und immer h�here Gen�sse dem Menschen in Aussicht stellt. Ganze Planetensysteme werden sich noch bilden, um in der Sternenwelt dieselbe Harmonie, das obere Klavier (�clavier majeur�) herzustellen, wie diese Harmonie auf der Erde in dem Klavier der menschlichen Seele, das 810 Charaktereigenschaften aufweist, sich hergestellt hat. Das Charakteristische in allen diesen Auseinandersetzungen Fourier's sind die bestimmten mathematischen Verh�ltnisse und die Analogien, mit denen er rechnet. Alles dr�ckt sich bei ihm in bestimmten Zahlen aus. Alle Lebens�u�erungen und Erscheinungen in der Welt lassen sich in bestimmten mathematischen Zahlenverh�ltnissen zum Ausdruck bringen. Fourier steht hier ganz auf dem Boden des Pythagoras (540-500 vor unserer Zeitrechnung), der bekanntlich eine Philosophie der Zahlenlehre f�r alle Erscheinungen begr�ndete. Ebenso sieht Fourier �berall Analogien; jede unserer Pflanzen, jedes Thier entspricht irgend einem Menschencharakter, dabei kommt er zu erg�tzlichen Vergleichen. Ferner entsprechen die 32 Z�hne des Menschen den 32 Entwicklungsperioden der Menschheit und den 32 Planeten unseres Planetensystems, die nach ihm dieses z�hlen mu�. Die phantastischen Spekulationen Fourier's �ber die Entwicklung von Menschen und Welt waren es, die ihm im spotts�chtigen Frankreich am meisten schadeten. Sp�ter gab er auch diesen Theil seiner Ansichten ausdr�cklich preis, sich damit entschuldigend, da� im Jahre 1808 seine Kenntnisse und Entdeckungen noch sehr mangelhaft gewesen seien, da� er f�r das Studium auf die N�chte angewiesen gewesen sei und er manche ihm n�thige Wissenschaft habe vernachl�ssigen m�ssen. Im Uebrigen aber h�tten, meinte er, diese seine kosmogenetischen Ansichten mit seinem eigentlichen sozialen System nichts zu thun und sch�digten und ber�hrten dieses eben so wenig, als die Tr�umereien Newton's �ber die Auslegung der Apokalypse dessen Entdeckung �ber die Attraktion und Gravitation der Weltk�rper gesch�digt und ber�hrt habe. Ueberdies erlebte Fourier die Erfindung und Anwendung des Dampfschiffs und der Eisenbahnen, und damit war f�r ihn handgreiflich der Beweis geliefert, da� die Menschheit nunmehr mit einer Schnelligkeit Meere zu durchschneiden und L�nder zu durcheilen vermochte, da� sie den Anti-Hai des Meeres und den Anti-L�wen des Landes sehr wohl entbehren konnte. Wer hatte �berhaupt zu Anfang dieses Jahrhunderts von bedeutenden M�nnern keine Tr�umereien? Schiller in seinen R�ubern, G�the in seinen Wilhelm Meister's Lehr- und Wanderjahren, Fichte in seinem �geschlossenen Handelsstaat� malten die Welt auch ganz anders, als sie der gro�en Mehrzahl der gleichzeitig mit ihnen lebenden �vern�nftigen Leute� sich darstellte. Geniale Menschen haben das Recht, zu �tr�umen�, sie helfen mit ihren �Tr�umen� der Menschheit mehr, als der gro�e Tro� des Philisterthums mit seinen �vern�nftigen� Gedanken. Wir wiederholen, man darf nie einen Mann und seine Geistesprodukte mit dem Ma�stab einer _sp�teren_ Zeit messen. Wie jeder Mensch, der bedeutendste wie der geringste, das Kind seiner Zeit ist, so wird er auch �ber seine Zeit nicht hinaus k�nnen; er kann der Vorgeschrittenste in ihr sein, au�er ihr steht er nicht. Eine bewu�te Arbeiterklasse gab es zu Anfang dieses Jahrhunderts nicht, konnte es nicht geben; die moderne, industrielle Arbeiterklasse war erst im Entstehen, und so weit die Arbeiter am �ffentlichen Leben sich betheiligten und sich daf�r interessirten, bildeten sie die Gefolgschaft der Bourgeoisie, wie sie dies in Deutschland im Anfang der sechziger Jahre noch waren. In Frankreich lagen damals die Verh�ltnisse noch ganz anders. Die Ideen der gro�en Revolution besa�en noch einen Glanz und hatten einen Enthusiasmus in den Massen verbreitet, der lange und tief nachwirkte. Warum jene gl�nzenden Ideen der b�rgerlichen Ideologen in der Revolution sich nicht verwirklicht hatten, nicht verwirklichen konnten, erw�hnten wir schon. Dazu kam, da� die napoleonischen Kriege Frankreich unausgesetzt in Athem hielten und die �ffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Ueberdies hatten zu jener Periode die Arbeiter in Frankreich ihre goldene Zeit. Durch das bereits erw�hnte gegen England gerichtete vollst�ndige Abschlie�ungssystem und die damit treibhausartig gez�chtete Gro�industrie -- Zuckerfabrikation, Baumwollenfabrikation, Seidenindustrie etc. -- in Verbindung mit der fortgesetzten Hinopferung von Hunderttausenden der besten Kr�fte im Mannesalter, in den ununterbrochenen Kriegen, war die Nachfrage nach Arbeitern gro�, die L�hne standen hoch und die Arbeiter lernten erst jetzt eine Menge Bed�rfnisse kennen und befriedigen, von denen sie fr�her keine Ahnung hatten. Da bek�mmerten sie sich nicht um neue soziale Theorien, namentlich wenn diese ihnen in so fremder, schwer verbindlicher und unverdaulicher Form geboten wurden, wie sie Fourier's erstes Hauptwerk enthielt. Fourier ist �berhaupt schwer verst�ndlich, es mangelt ihm die logische Zusammenfassung und die klare Ausdrucksweise. Daneben hat er sich eine Nomenklatur gebildet und wendet diese mit Vorliebe an, die eine Verdeutlichung sehr schwer, manchmal fast unm�glich macht. Als nach Beendigung der napoleonischen Kriege und nach der Beseitigung Napoleon's Frankreich anfing, sich wieder mit sich selbst zu besch�ftigen, traten andere Erscheinungen in den Vordergrund, die das allgemeine Interesse in Anspruch nahmen. Gleichzeitig mit den Bourbonen und unter dem Schutz der Bayonette der heiligen Allianz war ein ganzes Heer ehemals emigrirter Pfaffen und Adeliger mit ihrer Nachkommenschaft einger�ckt, die jetzt wie ein Schwarm Heuschrecken sich �ber das Land ergossen, Ersatz f�r das einst Verlorene, Belohnung und Vergeltung f�r das meist sehr zweifelhaft Geleistete aus �ffentlichen Mitteln verlangten, und nach m�glichster Wiederherstellung der Zust�nde des �ancien regime� sich sehnten und dazu dr�ngten. Zwar hatte schon Napoleon versucht, seinen Frieden mit den alten St�nden zu machen; er hatte neben dem alten einen neuen Adel kreirt, weil er einsah, da� er seinen neu gezimmerten Thron nicht ohne solche St�tzen auf die L�nge zu halten vermochte, und mit dem Papst hatte er sich auch verst�ndigt. Aber es war doch nur ein kleiner Theil des Adels, der von Napoleon befriedigt war, und der Herr und Meister zwang diesen Adel zur Bescheidenheit. Das wurde nach 1815 anders. Jetzt brach der alte Adel in Schaaren in das Land, er hielt den Tag der Ernte nach so langer Entbehrung f�r gekommen. Die reaktion�ren Strebungen kamen �berall zum Vorschein. Eine Reihe von Jahren lie� sich das niedergetretene Frankreich diesen Zustand gefallen, dann aber ermannte es sich allm�lig. Die Bourgeoisie, die sich in erster Stelle zur�ckgedr�ngt und beunruhigt sah, wurde oppositionell, und Alles, was von den Ideen der gro�en Revolution erf�llt war, noch voll Begeisterung und Enthusiasmus gl�hte, erhob sich zum Kampf, der schlie�lich in dem Sturz der Bourbonen in der Julirevolution zun�chst sein Ende fand. Aber sp�ter dauerten die K�mpfe fort und f�hrten namentlich zur Gr�ndung der geheimen revolution�ren Gesellschaften, an denen auch die Arbeiter in st�rkerem Ma�e sich betheiligten. Das war keine Str�mung, die den auf Auss�hnung und Ausgleichung der Gegens�tze gerichteten Bestrebungen Fourier's g�nstig war. Dazu kam noch eine gewisse Zur�ckhaltung seinerseits, er blieb den politischen K�mpfen vollst�ndig fern, seine Natur war nicht f�r die �ffentliche Propaganda und die Agitation gemacht. Die Aufnahme, die Fourier's erstes Werk: �Die Theorie der vier Bewegungen�, gefunden hatte, war nicht sehr ermunternd. Das Buch fand geringen Absatz und Fourier's Mittel waren ersch�pft. Eine kleine H�lse, die ihn vor dem Mangel sch�tzte, erhielt er durch ein Legat seiner Mutter, die 1812 starb, ein Legat, das ihm j�hrlich 900 Franken einbrachte. Bis zum Jahre 1816 arbeitete er in verschiedenen kaufm�nnischen Stellungen, dann zog er sich auf's Land zur�ck und widmete sich f�nf Jahre g�nzlich seinen Studien und Berechnungen. Endlich, im Jahre 1822, erschien sein umf�nglichstes Werk: �Die Theorie der universellen Einheit�, zwei starke B�nde umfassend, bei dessen Herausgabe ihn namentlich sein Freund und Anh�nger Just Muiron, der als st�dtischer Beamter in Besan�on lebte und in leidlichen materiellen Verh�ltnissen war, unterst�tzte. Bei der zweiten Herausgabe (1842) wurde dem Werke die ein Jahr nach seiner ersten Herausgabe geschriebene Abhandlung: �Summarisches� eingef�gt und das Ganze unter dem ersterw�hnten Titel in vier B�nden herausgegeben. Bei der ersten Ausgabe f�hrte das Werk den Titel: �Abhandlung �ber die hauswirthschaftlich-landwirthschaftliche Assoziation�, obgleich Fourier ihm den sp�teren Titel von vornherein zugedacht, ihn aber durch den zweiten ersetzt hatte, weil damals �die erschreckte �ffentliche Meinung gegen die allgemeinen Systeme eingenommen gewesen sei.� In diesem Werk begr�ndet Fourier in der ausf�hrlichsten Weise alle die in seinem ersten Werk aufgestellten Postulate, sie hier und da in Folge genauerer Studien und Berechnungen richtig stellend. Einen erheblichen Theil des Werkes bilden philosophische Abhandlungen scharf polemischer Natur -- in der Polemik war er �berhaupt Meister -- in denen er die Systeme der Gegner angriff und die gegen ihn gerichteten Angriffe mit viel Witz und Satyre zur�ckwies. Im Jahre 1829 erschien eine weitere Arbeit Fourier's unter dem Titel: �Die industrielle und soziet�re Neue Welt.� (�Le Nouveau Monde industriel et soci�taire.�) Dieses Werk umfa�t einen Band und ist von allen Schriften Fourier's das pr�ziseste und am klarsten geschriebene; es vermeidet m�glichst die spekulativen und kosmogenetischen Tr�umereien, befa�t sich dagegen um so mehr mit allen praktischen Fragen seines Systems; es kann als die eigentliche Quintessenz seiner Theorien angesehen werden. Wer sich �ber Fourier's Ideen gen�gend orientiren will, ohne die f�nf ersten B�nde zu studiren, wird in �Der industriellen und soziet�ren Neuen Welt� alles W�nschbare finden. Sieben Jahre sp�ter erschien abermals eine gr��ere Arbeit von ihm unter dem Titeln �Falsche Industrie�. Aber dieses Buch enth�lt keine irgendwie neuen Ideen, noch weniger zeichnet es sich durch Uebersichtlichkeit aus, es ist die letzte, aber auch geringwerthigste seiner gr��eren Abhandlungen. Neben diesen gr��eren Schriften erschienen von ihm eine Menge Aufs�tze �ber die verschiedensten Fragen, die sp�ter ebenfalls gesammelt und von seinen Anh�ngern herausgegeben wurden. Allm�lig hatte sich eine kleine Anh�ngerzahl um Fourier geschaart. Neben dem bereits erw�hnten, ihm sehr ergebenen Muiron war es Victor Consid�rant, der als junger Mann und als Z�gling der Ingenieurschule zu Metz mit Feuereifer sich seinen Ideen hingab, unter seinen milit�rischen Genossen f�r dieselben Propaganda machte und auch sp�ter Fourier treu blieb, als er in der milit�rischen Karri�re bis zum Hauptmann des Geniekorps emporstieg, noch sp�ter Mitglied des Generalraths der Seine und Volksvertreter wurde. Consid�rant wurde das eigentliche Haupt der Schule, der Paulus des Fourierismus, der in Wort und Schrift unerm�dlich f�r ihn wirkte. Doch da wir die ausschlie�liche Aufgabe haben, uns mit dem Wirken Fourier's zu besch�ftigen, k�nnen wir nicht ausf�hrlicher auf die Th�tigkeit der Schule eingehen. Die Zahl ihrer schriftstellerischen Kr�fte, und dem entsprechend auch die Zahl ihrer Schriften, wurde im Laufe der Jahre eine sehr bedeutende, doch hat sie nie einen gro�en Massenanhang gewonnen; sie hatte, wie die meisten der sozialistischen Schulen in Frankreich, ihre Hauptst�tzen in den jugendlichen Kreisen der Gebildeten. Schriftsteller, Advokaten, Offiziere, Aerzte, K�nstler bildeten den Kern. Im Jahre 1832 gelang es Kurier und seinen Sch�lern, eine Zeitschrift f�r die Verbreitung ihrer Lehren zu gr�nden, die unter dem Titel: �La Reforme industrielle ou le Phalanst�re� (Die industrielle Reform oder das Phalansterium) bis zum Jahre 1833 in zwei B�nden gro� Oktav erschien, dann aber einging. Eine neue Zeitschrift erschien 1836 unter dem Titel: �La Phalange, journal de la science social� (Die Phalanx, Zeitschrift f�r die soziale Wissenschaft), welche in den Jahren 1836-1840 zwei bis drei Mal im Monat herauskam. Von 1840-1843 erschien sie w�chentlich drei Mal und ging 1843 in ein Tageblatt �ber unter dem Titel: �Democratie pacifique� (Friedliche Demokratie). Fourier betheiligte sich bei diesen Zeitschriften schriftstellerisch sehr eifrig und leistete zahlreiche Beitr�ge. Au�erdem f�hrte er auch den Kampf in der �brigen Presse, so weit diese seine Arbeiten aufnahm. Gegen Ende der zwanziger Jahre war er dauernd nach Paris �bergesiedelt. Er hatte eingesehen, da� wenn er f�r seine Theorien mit Erfolg wirken wollte, er mitten in dem Zentralpunkt des �ffentlichen Lebens von Frankreich sein mu�te. Er hatte den durch die Zentralisation des Landes begr�ndeten m�chtigen Einflu� von Paris auf Frankreich f�r dessen ganzes �ffentliches, wissenschaftliches, k�nstlerisches Leben entschieden bek�mpft, ein Einflu�, der dazu f�hre, da� die gr��ten St�dte Frankreichs, wie Lyon, Bordeaux, Rouen u.s.w., in Bezug auf geistiges und k�nstlerisches Leben reine Landgemeinden seien und bei der in Deutschland herrschenden Dezentralisation von weit kleineren St�dten, wie Weimar, Stuttgart, Gotha oder jeder beliebigen deutschen Universit�tsstadt, �berfl�gelt w�rden. Fourier beurtheilte �berhaupt Paris, Frankreich und den Charakter seiner Landsleute im guten wie im schlimmen Sinne wie wenige seiner Zeitgenossen. Das war die Frucht seiner au�erordentlichen scharfen Beobachtungsgabe. Aber der zentralisirenden Wirkung und dem Einflu� von Paris konnte er sich nat�rlich als Einzelner und als Mann, der auf seine Zeitgenossen wirken wollte, nicht entziehen, und so w�hlte er es zum Schauplatz seiner Th�tigkeit. Da ist es denn f�r den Mann und den festen Glauben an sein System charakteristisch, da� w�hrend der letzten zehn Jahre, die er bis zu seinem am 9. Oktober 1837 in Paris erfolgten Tode verlebte, er Tag f�r Tag in der Mittagsstunde in seiner Wohnung den �Kandidaten�[4] erwartete, der ihm die Mittel f�r die Gr�ndung einer Versuchsphalanx zur Verf�gung stellen sollte. Vergeblich! Dagegen wurde im Jahre 1832 aus der Mitte seiner Anh�nger heraus der Versuch, eine Phalanx zu gr�nden, gemacht, indem Einer derselben in der N�he von Rambouillet 500 Hektaren Land f�r diesen Zweck zur Verf�gung stellte. Aber man kam �ber die ersten Versuche nicht hinaus, weil die Mittel sehr bald ausgingen, ein Resultat, das Fourier bis an sein Lebensende mit begreiflicher Bitterkeit erf�llte. [Fu�note 4: Fourier bezeichnete Diejenigen, die nach seiner Meinung die Mittel f�r die Versuchsphalanx bes��en, als Kandidaten und berechnete, da� es solcher 4000 in Europa g�be.] * * * * * Hiermit haben wir in der Hauptsache den Lebenslauf des Begr�nders des Phalanst�ren-Systems dargelegt, wie in einigen Hauptpunkten seine Grundgedanken entwickelt, und die Zeitverh�ltnisse kurz geschildert, unter welchen er sich Geltung zu verschaffen suchte. Es handelt sich nunmehr darum, sein System und seine Auffassungen nach seinen eigenen Ausf�hrungen, wenn auch nur in knappster Form, zum Ausdruck zu bringen. Seine Sch�ler haben im Jahre 1848 ein zweib�ndiges Sammelwerk herausgegeben, in dem sie unter dem Titel: �Die universelle Harmonie und das Phalansterium� (�L'harmonie Universelle et le Phalanst�re�) eine Uebersicht der Theorien Fourier's gaben, worin ausschlie�lich er selbst zum Wort kommt. Dieses Werk haben wir theilweise f�r Nachstehendes mit zu Grunde gelegt. Fourier beginnt: �Ich dachte an nichts weniger, als an Untersuchungen �ber die Bestimmung von Mensch und Welt, ich theilte die allgemeine Ansicht, welche sie als undurchdringlich ansah und ihre Berechnung unter die Visionen der Astrologen und Magiker reihte ... Seitdem die Philosophen[5] in ihrem ersten Versuch (in der franz�sischen Revolution) den Beweis ihrer Unerfahrenheit geliefert haben, betrachtet Jeder ihre Wissenschaft als f�r immer abgethan. Die Str�me von politischer und moralischer Aufkl�rung erscheinen nur mehr als Illusionen. Nachdem diese Gelehrten seit f�nfundzwanzig Jahrhunderten ihre Theorien vervollkommnet, alles alte und neue Wissen zusammengetragen haben, zeigt sich, da� sie uns statt der versprochenen Wohlthaten eben so viel Kalamit�ten verschafften und da� die Zivilisation zur Barbarei neigt. Nach der Katastrophe von 1793 gab es keinerlei Gl�ck von den erworbenen Aufkl�rungen mehr zu hoffen, man mu�te das soziale Wohl durch eine neue Wissenschaft zu verwirklichen suchen. Solcher Art war die erste Betrachtung, welche mich die Existenz einer bisher noch unbekannten sozialen Wissenschaft vermuthen lie� und mich anregte, ihre Entdeckung zu versuchen. Ich ward dazu ermuthigt durch zahlreiche Merkmale, die Verirrungen der Vernunft und haupts�chlich durch den Anblick der schweren Geiseln, von denen unsere sozialen Zust�nde betroffen sind: Mangel, Entbehrungen, �berall herrschender Betrug, Seer�uberei, Handelsmonopol, Sklavenhandel und viele andere Uebel. Ich gab dem Zweifel statt, ob dieser soziale Zustand nicht eine von Gott erfundene Kalamit�t sei, um das Menschengeschlecht zu z�chtigen. Ich schlo�, da� in diesem sozialen Zustand eine Umkehrung der nat�rlichen Ordnung vorhanden sei. Endlich dachte ich, wenn die menschliche Gesellschaft nach der Ansicht Montesquieu's 'von einer Krankheit der Entkr�ftung, einem inneren Uebel, einem geheimen versteckten Gift' behaftet sei, man ein Heilmittel finden k�nne, wenn man die von unseren Philosophen bisher innegehaltenen Wege vermeide. So machte ich zur Regel meiner Untersuchungen: _den absoluten Zweifel und die absolute Vermeidung bisher beschrittener Wege_ ... Da ich bisher keinerlei Beziehungen zu irgend einer wissenschaftlichen Partei hatte, so war es mir um so leichter, den Zweifel unterschiedslos anzuwenden und Ansichten mit Mi�trauen zu begegnen, die bisher universelle Zustimmung gefunden hatten. Was konnte es Unvollkommeneres geben, als diese Zivilisation mit allen ihren Uebeln? Was war _zweifelhafter, als ihre Nothwendigkeit und k�nftige Dauer_? Wenn vor ihr schon drei andere Gesellschaften bestanden, die Wildheit, das Patriarchat und die Barbarei, folgte daraus, da� sie die letzte sei, weil sie die vierte ist? Kann nicht noch eine f�nfte, sechste, siebente soziale Ordnung entstehen, die weniger verh�ngni�voll sind, als die Zivilisation, die aber noch unbekannt sind, weil Niemand sich die M�he gab, sie zu entdecken? Man mu� also die Nothwendigkeit, Vortrefflichkeit und stetige Dauer der Zivilisation in Zweifel stellen. Das haben die Philosophen nicht gewagt, weil sonst die Nichtigkeit ihrer bisherigen Theorien, die alle die Zivilisation verherrlichen, an den Tag kommen w�rde.� [Fu�note 5: �Unter den Philosophen begreife ich�, sagt Fourier an einer Stelle, �nur die Autoren der unsicheren Wissenschaften (�sciences incertaines�), die Politiker, Moralisten, Oekonomisten und Methaphysiker, deren Theorien nicht auf der Erfahrung beruhen, sondern nur die Phantasie ihrer Urheber zur Basis haben. Wenn ich also von Philosophen spreche, spreche ich nur von dieser zweifelhaften Klasse, nicht von den Vertretern der bestimmten Wissenschaften (�sciences fixes�).� Fourier ging von der Ansicht aus, da� die franz�sische Revolution nur ein Werk der Philosophen sei.] In diesen wenigen S�tzen steckt bereits die Utopie, von der er und alle Seinesgleichen ausgingen. Der bestehende Zustand ist schlecht, kein Zweifel, aber er wird nur festgehalten, weil man keinen besseren kennt. Machen wir uns also an die Arbeit, erfinden wir einen besseren und dem Uebel ist geholfen. Doch sollte nach Fourier diese neue Gesellschaft keine willk�rlich erfundene sein, sie sollte auf bestimmten mathematischen Berechnungen beruhen, und stimmten diese Rechnungen, und das entschied nat�rlich er selbst, so war der neue Zustand gegeben, und es hing nur von dem eignen Entschlu� der Gesellschaft ab, ihren sozialen Zustand wie ein Paar Handschuhe zu wechseln, ruhig, friedlich, ohne Kampf und ohne Reibung. Denn wo Allen das Gl�ck bl�ht, wie kann da Jemand zaudern? Er entschlo� sich also, Alles zu bezweifeln, doch dachte er noch nicht an die Bestimmungen. Er verfiel zun�chst, wie er sagt, auf zwei sehr gew�hnliche Probleme, deren beide Prinzipien waren �die Ackerbaugesellschaft� (�association agricole�) und die indirecte Unterdr�ckung des Handelsmonopols der Insularen, der Engl�nder. England sah bekanntlich in dem Aufschwung Frankreichs nach der franz�sischen Revolution einen gef�hrlichen Konkurrenten entstehen, dazu kam die Bef�rchtung wegen der R�ckwirkung der revolution�ren Ideen auf die eigene Bev�lkerung und, wie schon bemerkt, der Ha�, da� Frankreich die Unabh�ngigkeitsmachung seiner nordamerikanischen Kolonien, der sp�teren Vereinigten Staaten, unterst�tzt hatte. Mit seiner Seemacht beherrschte England alle Meere und den ganzen Handel, und bei dem Widerwillen, den Fourier in der eignen Praxis gegen den Handel eingesogen hatte, mu�te sich dieser Widerwille auch auf die gr��te Handelsmacht, die, wie er behauptete, alle diese perfiden Handelsdoktrinen nicht blos vertrat, sondern auch erzeugt hatte, wenden. Zun�chst besch�ftigte er sich mit der l�ndlichen Assoziation, und �ber dem Nachdenken �ber ihre Organisation kam er auf die Theorie der Bestimmungen. Die L�sung dieses Problems f�hrt, nach ihm, zur L�sung aller politischen Probleme. �Die Philosophen hielten die Ackerbaugenossenschaft f�r ebenso unm�glich, wie die Abschaffung der Sklaverei, weil die Genossenschaft bisher nie existirte. Sehend, da� bei dem Dorfbewohner jede Haushaltung auf eigene Faust arbeitet, kannten sie keine Mittel, sie zu vereinigen, und doch w�rden unz�hlige Verbesserungen daraus entstehen, wenn man die Bewohner jedes Fleckens zu gemeinsamer Th�tigkeit vereinigen k�nne, proportional ihrem Kapital und ihrer Th�tigkeit. Also 2-300 Familien, ungleich an Verm�gen, die einen Bezirk (�canton�) kultivirten. Das Hinderni� schien enorm. Man kann kaum 20, 30, 40 Individuen zu gemeinsamer Th�tigkeit verbinden, wie hunderte? Und doch w�ren mindestens achthundert n�thig f�r eine nat�rliche und ihre Mitglieder anziehende Assoziation.� �Ich verstehe darunter�, sagt er, �eine Gesellschaft, deren Mitglieder durch Wetteifer und Eigenliebe und andere Mittel, die mit dem Interesse vertr�glich, an die Arbeit gefesselt sind. Die Ordnung, um die es sich handelt, mu� f�r die, welche sie �ben, anziehend sein, w�hrend heute die Besch�ftigung mit der Landwirthschaft widerw�rtig erscheint und nur ausge�bt wird aus Furcht, Hungers zu sterben. Eine solche Organisation erscheint l�cherlich, und doch ist sie m�glich. Die landwirthschaftliche Assoziation, die, wie ich unterstelle, an tausend Personen umfa�t, liefert so enorme Vortheile, da� sie im Vergleich zum heutigen Zustand als Zustand der Sorglosigkeit erscheint. Das hat selbst ein Theil der Oekonomen zugestanden, nur haben sie sich nicht die M�he gegeben, die Ausf�hrungsweise zu entdecken. Sie erkennen selbst an, da� z.B. dreihundert Dorffamilien nur einen einzigen, sorgf�ltig erbauten und eingerichteten Kornboden w�rden n�thig haben, anstatt 300 meist sehr schlechter; eine einzige Kellerei (f�r den Wein) anstatt 300 derselben, die meist mit vollst�ndiger Unkenntni� behandelt werden. Statt da� hundert Boten mit Milch nach der Stadt gehen und hundert halbe Tage vers�umen, w�rde ein einziger gen�gen, der mit einem Wagen f�hrt. Das sind nur einige von den zun�chst in die Augen fallenden Ersparnissen, und sie w�rden sich verzwanzigfachen lassen. Aber wie eine Gesellschaft verschmelzen, in der die eine Familie 10.000 Franken, die andere keinen Obolus besitzt? Wie alle die Eifers�chteleien vermeiden und zu _einem_ Plan die Interessen verbinden? Wie auss�hnen so viel widerstreitende Interessen und so viel entgegenstrebende Willen vers�hnen? Darauf antworte ich: durch die Lockung von Reichthum und Verm�gen. Der st�rkste Trieb f�r den Landmann wie f�r den St�dter ist der Gewinn. Wenn die Betheiligten sehen, da� die soziet�r organisirte Arbeit ihnen drei-, f�nf-, sechsmal mehr Vortheile einbringt, als in der isolirten Privatwirthschaft, da� allen Assoziirten die verschiedensten Gen�sse gesichert sind, so werden sie alle ihre Eifers�chteleien vergessen und sich beeilen, der Assoziation beizutreten; sie wird sich rasch �ber alle Regionen ausbreiten, denn �berall haben die Menschen den Trieb nach Reichthum und Gen�ssen.� �Wenn die G�tter allen Sterblichen drei W�nsche auszusprechen gestatteten, welches w�rden die einstimmigsten W�nsche sein, die der Gelehrten eingeschlossen: Reichthum, Gesundheit und Langlebigkeit; und damit w�re der vierte Wunsch eingeschlossen: gen�gend Klugheit, um diese G�ter entsprechend zu benutzen�, so definirt er an einer andern Stelle das Streben der Menschen. �Die landwirthschaftliche Assoziation wird also das Schicksal des Menschengeschlechts �ndern, weil sie den Allen gemeinsamen Trieben Rechnung tr�gt. Wilde und Barbaren werden sich ihr anschlie�en, da die Triebe �berall die gleichen sind. Dieser neuen Organisation gebe ich drei Namen: �progressive Serien� (Reihen) oder Serien �von Gruppen�, �Serien der Triebe�. Ich verstehe unter der Bezeichnung Serie einen Zusammenhang mehrerer assoziirter Gruppen, welche sich den verschiedenen Zweigen ein und derselben Industrie -- das Wort �Industrie� bedeutet bei Fourier jede n�tzliche, menschliche Beth�tigung -- �oder ein und desselben Triebes sich widmen.� �Die Theorie von den Serien der Triebe ist nicht willk�rlich eingebildet, wie unsere sozialen Theorien. Die Ordnung der Serien ist in allen St�cken analog den geometrischen Serien aller unserer Eigenschaften, wie das Gleichgewicht der Rivalit�ten zwischen den extremen und den mittleren Gruppen vorhanden ist. Die Triebe harmonisiren sich, je mehr sie sich in den Serien der Gruppen regelm��ig entwickeln; au�erhalb dieses Mechanismus sind sie entfesselte Tiger, unbegreifliche R�thsel, darum verlangen die Philosophen, da� man die Triebe (das Wort Triebe ist auch stets im Sinne von Leidenschaften, �passions�, zu verstehen. Anmerk. des Verf.) unterdr�cken m�sse. Das ist eine doppelte Absurdit�t. Man kann die Triebe nicht anders als durch Gewalt unterdr�cken, oder dadurch, da� sie sich gegenseitig aufzehren. Unterdr�ckt man sie aber, so mu� der zivilisirte Zustand rasch in Verfall gerathen und in das Nomadenthum zur�ckfallen. Ich glaube weder an die Tugend der Hirten, noch an diejenige ihrer Apologeten.�[6] [Fu�note 6: Ein Hieb gegen Jean Jacques Rousseau und seine Verehrer, die den �Naturzustand� als den gl�cklichsten, tugendhaftesten Zustand priesen und im Hirtenleben eine Art Ideal sahen. Jahrzehnte vorher schon spielte die feudale Gesellschaft in ganz Europa, der franz�sischen Hofgesellschaft nach�ffend, ihre idyllischen Sch�ferspiele, wobei aber regelm��ig die Wolfsnaturen zum Vorschein kamen. Der Verfasser.] Die soziet�re Ordnung wird der Zivilisation folgen, aber sie l��t weder M��igung noch Gleichheit, noch andere Gesichtspunkte der Philosophen zu; je gl�hender und gel�uterter die Triebe, je lebhafter und zahlreicher sie sind, um so leichter wird die Assoziation sich bilden. Man soll nicht die Natur der Triebe, die Gott dem Menschen gegeben hat, �ndern, man soll ihnen nur die rechte Richtung geben. Meine Theorie beschr�nkt sich auf die n�tzliche Anwendung der Triebe, wie die Natur sie giebt und ohne sie zu �ndern. Darin besteht das ganze Geheimni� von der Berechnung �ber die Attraktionen der Triebe. Man streitet nicht, ob Gott Recht oder Unrecht hatte, da� er dem Menschen so oder so die Triebe schenkte, die soziet�re Ordnung wendet sie an, wie Gott sie gab, ohne etwas daran zu �ndern.� �Wenn also in der soziet�ren Ordnung die Geschm�cker sich �ndern, so z.B., da� die Menschen das Landleben der Stadt vorziehen, so �ndert sich _nur_ der Geschmack, nicht die Triebe. Die Liebe zum Reichthum und f�r die Vergn�gungen bleibt immer. Die Zivilisirten werden �ber den neuen Sozialzustand ganz anders urtheilen, sobald sie sehen, da� z.B. die Kinder, die heute nur schreien und sich zanken, Alles zerbrechen und sich zu besch�ftigen weigern, in der Serie von Gruppen sich nur mit n�tzlichen Arbeiten aller Art besch�ftigen, unter sich in Wetteifer gerathen, ohne da� man sie dazu anreizt; da� sie sich gegenseitig aus freiem Willen �ber die Kulturen, die industriellen Besch�ftigungen, die K�nste und Wissenschaften belehren, also da� sie erzeugen und Vortheile schaffen, indem sie sich zu erg�tzen glauben. Wenn ferner die Zivilisirten sehen, da� man in einer Phalanx f�r ein Drittheil der Kosten ein viel besseres Mahl erh�lt, als in der Privatwirthschaft; da� man in der Serie dreimal angenehmer, reichlicher bedient ist; da� man dreimal besser sich n�hrt und dreimal weniger ausgiebt, als in der alten Ordnung und dabei all' die Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten f�r die Vorbereitungen und Anschaffungen erspart; wenn ferner bewiesen wird, da� die Beziehungen in der Serie keinerlei T�uschungen zulassen; da� bei dem Volk, heute so ungeschliffen und falsch, die Wahrheit und Gesittung einkehren wird; wenn das Alles die Zivilisirten sehen, so werden sie einen Abscheu vor ihrem jetzigen Zustand bekommen, sie werden sich beeilen, in die Assoziation einzutreten und ihr Geb�ude zu errichten.� Fourier geht nun dazu �ber, darzulegen, wie er zu der neuen Wissenschaft gekommen sei. �Das Erste, was ich entdeckte, war die Anziehung der Triebe. Ich erkannte, da� die fortschreitenden Serien den Trieben der beiden Geschlechter, den verschiedenen Lebensaltern und Klassen die volle Entwicklung sichern, da� in der neuen Ordnung man um so mehr Kraft und Verm�gen erlangen werde, je mehr Triebe man habe und schlo�, da�, _wenn Gott so viel Einflu�_ der _Anziehung der Triebe gegeben_ und _so wenig Einflu� der Vernunft, ihrem Feinde_, dieses geschehen sei, um uns zur Organisation der fortschreitenden Serien zu f�hren, welche in jedem Sinne die Anziehung befriedigen ... Die Sophisten glauben das Problem, das daraus entsteht, da� unsere Triebe scheinbar mit unserer Vernunft im Widerspruch stehen, dadurch zu erkl�ren, da� sie sagen: Gott gab die Vernunft, damit wir den Trieben widerstehen. Es ist aber sicher, da� er sie dazu _nicht_ gab. Will man die Vernunft der Anziehung der Triebe gegen�berstellen, so ist dies selbst von Seiten der Verherrlicher der Vernunft ein ohnm�chtiges Beginnen; die Vernunft hat _nie_ Bedeutung, sobald es sich darum handelt, unsere Neigungen zu unterdr�cken. Die Kinder werden nur durch Furcht, junge Leuten nur durch Mangel an Geld zur�ckgehalten, ihren Neigungen zu fr�hnen. Das Volk wird durch die Zur�stungen f�r Strafen, das Alter durch verschlagene Berechnungen, welche die wilden Leidenschaften des Jugendalters aufsaugen, zur�ckgehalten, aber Niemand durch die Vernunft, die ohne Zwangsmittel nichts gegen die Leidenschaften vermag.� �Die Vernunft ist also ohne irgend welchen Einflu�, und je mehr man den Menschen beobachtet, um so mehr gewahrt man, da� Alles in ihm auf Attraktion beruht. Der Mensch h�rt nur insofern auf seine Vernunft, als sie ihn lehrt, die Gen�sse zu raffiniren und damit die Attraktion um so mehr zu befriedigen.� Gott hat also die Vernunft dem Menschen nur gegeben, damit sie ihm hilft, seine Triebe zu vern�tzlichen, ihnen erst den rechten Aufschwung zu verleihen. �Die Theorie der Anziehung und des R�cksto�es der Triebe ist fixirt und voll anwendbar auf die Theoreme der Geometrie und mu� gro�er Entwicklungen f�hig sein. Ich erkannte bald, da� die Gesetze der Attraktion der Triebe in jedem Punkt den durch Newton und Leibnitz angewandten Gesetzen der materiellen Anziehung konform seien und _da� es eine Einheit des Systems der Bewegung f�r die materielle und geistige Welt gebe_. Ich kam dann durch Untersuchungen zu der Ueberzeugung, da� die Analogie der allgemeinen Gesetze sich auf die besonderen Gesetze ausdehne, da� die Attraktion und die Eigenschaften der Thiere, Pflanzen, Mineralien koordinirt seien nach demselben Plan, wie diejenigen der Menschen und Gestirne. So kam ich zu der neuen Wissenschaft: _der Analogie der vier Bewegungen_, der materiellen, organischen, thierischen und sozialen, oder zur Analogie der Modifikation der Materie mit der mathematischen Theorie der Triebe des Menschen und der Thiere.�[7] [Fu�note 7: Sp�ter �nderte Fourier die Bezeichnung der Bewegungen und erh�hte sie, wie schon erw�hnt wurde, auf f�nf: 1. Die materielle, welcher die Erde, 2. die organische, welcher das Wasser, 3. die normale, welcher die Arome (Elektrizit�t, Magnetismus), 4. die instinktuellen, welcher die Luft, 5. die soziale oder passionelle, welcher das Feuer entspricht. Die eigentliche praktische Bedeutung dieser f�nf Bewegungen oder Antriebe wurde bereits weiter oben auseinandergesetzt.] Das ist also das Gesetz, aus welchem Fourier sowohl die Ver�nderungen in den sozialen Beziehungen der Menschen und der Thiere, als auch die materiellen Ver�nderungen in der Natur des Erdballs und der �brigen Gestirne ableitete. So kam er zu seiner Kosmogonie. Man sieht, sein Lehrgeb�ude ist logisch, wenn es auch auf falschem Grunde gebaut wurde. Jetzt, wo er die Theorie der Anziehungen und die Einheit der vier Bewegungen entdeckt zu haben glaubte, war ihm Alles klar; er begann �im Zauberbuch der Natur zu lesen�. Er gelangte nunmehr auch, wie er ausf�hrt, zur Berechnung der Bestimmungen, d.h. er kannte nunmehr das fundamentale System, durch das alle vergangenen, gegenw�rtigen und zuk�nftigen Gesetze geregelt werden. Jetzt sah er alle Fehler und Schnitzer, die der bisherige Entwicklungsgang der Menschheit gemacht, und nun kannte er auch die Heilmittel, die alle sozialen und physischen Uebel beseitigten. Unter anderm auch die Pest, die Gicht, die Cholera, das gelbe Fieber etc. Nun sind auch die Philosophen, die Plato, die Seneka, die Rousseau, die Voltaire, diese Hauptvertreter der zweifelhaften Wissenschaften, in ihrer ganzen Unzul�nglichkeit blosgestellt. Hat Voltaire nicht selbst in einem Augenblick der Selbsterkenntni� ausgerufen: �O! welch' dicke Finsterni� verschleiert noch die Natur!� Die Bibliotheken der Philosophen sollen die erhabensten Wissenschaften bergen, und sie sind nur ein dem�thigender Aufbewahrungsort f�r Widerspr�che und Irrth�mer. Die neue soziet�re Ordnung wird also um so gl�nzender sein, je l�nger sie bisher verz�gert wurde, denn eigentlich h�tten sie schon die Griechen im Zeitalter des Solon (639-559 vor unserer Zeitrechnung) begr�nden k�nnen, da ihr �Luxus� -- Fourier versteht hierunter die gesammte materielle Entwicklung eines Zeitalters -- schon gen�gend weit dazu vorgeschritten war; heute sei unser �Luxus� mindestens doppelt so gro�, als zur Zeit der Athener. Man trete jetzt mit um so mehr Glanz in die neue Ordnung, als nunmehr erst die Fr�chte von den Fortschritten in den physikalischen Wissenschaften, die das achtzehnte Jahrhundert gebracht habe, und die bis in diese Tage sehr unfruchtbar geblieben seien, gepfl�ckt werden w�rden. Freilich, jetzt weise man noch seine Entdeckung zur�ck, aber sei es nicht immer so gewesen? Ist nicht Columbus mit seiner Behauptung, da� es jenseits des Ozeans noch einen Erdtheil geben m�sse, verlacht, verspottet, mit seiner Lehre selbst vom Papste verflucht worden, obgleich dieser am meisten dabei interessirt war, weil er neue Gl�ubige unter seine Herrschaft bekam? Man sei im neunzehnten Jahrhundert noch ebenso feindlich jeder neuen gro�en Entdeckung als im f�nfzehnten. Die Philosophen behaupteten, weil sie selbst nicht den Schleier zu l�pfen vermochten, die Natur sei ein mit einem ehernen Schleier bedecktes Schreckbild, ein undurchdringliches Heiligthum; warum habe denn Newton wenigstens eine Ecke dieses Schleiers zu l�pfen vermocht? Man sage auch, Gott sei nicht zu erkennen. Der gesunde Sinn sage das Gegentheil, weil nichts leichter sei. Das Alterthum habe den Sch�pfer travestirt, indem es ihn unter einer Horde von 35.000 G�ttern vermengte und verdeckte; da sei es schwierig gewesen, seine Meinung zu studiren, ihn aus dieser himmlischen Maskerade zu entwirren. Sokrates und Cicero trennten sich von den Sottisen ihrer Zeit, sie bewunderten den �unbekannten Gott�; Sokrates wurde ein Opfer seiner Ueberzeugung. Heute sei dieser fr�here Aberglaube �berwunden, das Christenthum f�hrte uns zu gesunden Ideen zur�ck, es brachte den Glauben an einen Gott. �Wir haben jetzt einen Kompa�, der uns den Weg zum Studium der Natur zeigt.� Es sei nun wichtig, eine kleine Zahl von Charaktereigenschaften Gottes zu kennen, deren Studium uns zu weiteren Schl�ssen f�hre. �Dahin geh�ren: 1. die vollst�ndige Leitung der Bewegung; 2. die Oekonomie der Spannkr�fte; 3. die vertheilende Gerechtigkeit; 4. die Universalit�t der Vorsehung; 5. die Einheit des Systems.� Man sieht, Fourier macht sich allerdings die Arbeit leichter als die Philosophen; die Existenz Gottes ist f�r ihn unbestritten, er setzt das Descartes'sche: �Ich denke, also bin ich�, einfach um in den Satz: �Die Welt ist da, also besteht Gott.� Und ist einmal dieser Gott als Weltsch�pfer anerkannt, so mu� er nat�rlich auch die ihm zugeschriebenen Eigenschaften haben, denn ohne diese Eigenschaften w�re er nicht Gott. Er f�hrt nun weiter fort: �Wenn Gott der Leiter der Bewegung ist, der einzige Herr des Weltalls und sein Sch�pfer, so hat er auch alle Theile des Weltalls zu lenken, also auch die edelsten, die sozialen Beziehungen: folglich ist die Regelung der menschlichen Gesellschaften das Werk Gottes und nicht das der Menschen; und um nun unsere Gesellschaft dem Gl�ck zuzuf�hren, m�ssen wir das soziale Gesetz studiren, das er f�r sie gebildet hat.� Mit andern Worten hei�t das: Gott ist zwar der oberste Leiter der Geschicke und hat die Grundgesetze der Bewegung f�r die menschliche Gesellschaft zurechtgerichtet, aber da er sich bei seinen vielen Gesch�ften um die Details und ihre Ausf�hrung nicht k�mmern kann, mu� der Mensch sie entdecken und ausf�hren. Die Logik hinkt zwar etwas, aber Gott wird auf diese Weise vollst�ndig deplazirt und es sind schlie�lich die Menschen, die Alles allein besorgen; er hat die Allmacht Gottes und den freien Willen des Menschen innerhalb der ihm von Gott �berlassenen Grenzen gerettet. Fourier kommt schlie�lich auf dasselbe hinaus, was er den Philosophen vorwirft, sie h�tten die menschliche Vernunft auf den ersten Rang und Gott auf den zweiten gesetzt. Genau so schlie�t er �ber den zweiten Punkt. Ist Gott der h�chste Verwalter der vorhandenen Spannkr�fte, so kann er doch nur mit den gr��ten gesellschaftlichen Vereinigungen sich besch�ftigen, die kleinsten, die Frage, wie die Familie, die Ehe zu organisiren sei, ist Sache des Menschen. Das sind also wiederum sehr willk�rliche, ketzerische und im Grunde materialistische Gedanken. Zum dritten Punkt bemerkt er: �Im Schatten der vorhandenen sozialen Gesetzgebung sieht man nicht, _da� das Elend der V�lker mit dem sozialen Fortschritt w�chst_. Wir sehen die gef�hrliche Wirkung in dem Einflu� des Handelsgutes, der dahin f�hrt, die hei�e Zone mit schwarzen Sklaven zu bedecken, die man ihrem Heimathlande entrei�t, und die gem��igte Zone mit wei�en Sklaven, die man in die industriellen Bagnos treibt, wie dies heute in England sich offenbart und in allen L�ndern Nachahmung finden wird. Kann man irgend welche Gerechtigkeit in einem Zustand der Dinge erblicken, _wo der Fortschritt der Industrie selbst nicht einmal den Armen die Arbeit garantirt_?� Die Universalit�t der Vorsehung mu� viertens sich nach ihm auf alle V�lker, wilde wie zivilisirte, erstrecken. Das ganze zivilisirte System, das die Wilden anzunehmen als wirklich Freie sich weigern, widerspricht den W�nschen Gottes. Den Zustand, den wir ihnen bieten, die agrikole Zerst�ckelung und die Einzelwirthschaft, befriedige nicht Menschen, die der Natur am n�chsten stehen. Unsere ganze Ordnung beruhe auf der Gewalt und daher m�sse ein anderer Zustand begr�ndet werden, der alle Kasten, alle V�lker befriedige, wenn die Vorsehung universell sein solle. Die Einheit des Systems endlich implizire f�nftens die Anwendung der Attraktion der Spannkr�fte der sozialen Harmonien des Weltalls, die sich von den Gestirnen bis zu den Insekten erstreckten. Man m�sse also im Studium der Attraktion das soziale Gesetz zu entdecken suchen ... �Unsere Einrichtungen sind unsern eigenen V�lkern so verha�t, da� sie in allen L�ndern sich erheben und sich davon zu befreien suchen w�rden, wenn nicht die Furcht vor der Gewalt sie zur�ckschreckte. Wir sind nicht im Stande, das Menschengeschlecht zu vereinigen, weil die Barbaren f�r unsere Einrichtungen nur eine tiefe Verachtung besitzen und unsere Gewohnheiten nur die Ironie derselben erregen. Es ist die st�rkste Verw�nschung, die sie einem Feind entgegenschleudern: �M�gest du gezwungen sein, ein Feld zu bebauen.� Ja, die zivilisirte Industrie wird von der Natur wie von allen freien V�lkern verabscheut, die sich in dem Augenblick zu ihr dr�ngen werden, wo sie mit den Trieben der Menschen sich in Uebereinstimmung setzt.� Fourier meint also, da� keine soziale Organisation die rechte sein k�nne, die nicht von allen Menschen, ohne R�cksicht auf ihre Kulturstufe, freudig begr��t w�rde, so gro� m��ten ihre Vortheile und ihre Annehmlichkeiten sein. �Es gilt also eine soziale Ordnung zu finden, welche dem geringsten Arbeiter ein gen�gendes Wohlsein sichert. Die Arbeiter m�ssen den neuen Zustand dem Zustand der Tr�gheit und der Stra�enr�uberei (�brigandage�), nach dem sie heute Sehnsucht empfinden, vorziehen. So lange dieses Problem nicht gel�st ist, werden die Reiche _best�ndigen St�rmen ausgesetzt sein, werden sie von einer Revolution in die andere st�rzen_; die wissenschaftlichen Wunderkuren laufen immer nur auf die D�rftigkeit der Masse und folglich auf den Umsturz hinaus; die Helden, die Gesetzgeber st�tzen sich nur auf den S�bel; aber alle Voraussicht eines Friedrich kann nicht verhindern, da� schwache Nachfolger den Degen auf seinem Sarge rauben lassen.[8] Die zivilisirte Ordnung ist mehr und mehr im Wanken, der _vulkanische Ausbruch von 1793 ist nur ihre erste Eruption, andere werden folgen_; ein schwaches Regiment wird sie beg�nstigen. Der Krieg der Armen gegen die Reichen hat so gl�cklich begonnen, da� R�nkeschmiede in allen L�ndern darnach streben, ihn zu erneuern. Vergebens sucht man das zu verh�ten; die Natur der Gesellschaft spielt mit unserer Aufkl�rung, unserer Vorsicht, sie wird immer neue Revolutionen in dem Ma�e geb�ren, wie wir die Ruhe gesichert zu haben glauben. Und wenn die Zivilisation sich noch um ein halbes Jahrhundert verl�ngert, wie viel Kinder werden, veranla�t durch ihre V�ter, vor den Th�ren der Reichen betteln? (In Folge von Klassenelend.) Ich w�rde nicht wagen, diese schreckliche Perspektive darzustellen, wenn ich nicht die Berechnungen br�chte, welche die Politik in dem Labyrinth der Triebe zurecht weisen und die Zivilisation von ihrem Alp erl�sen werden, diese Zivilisation, die immer revolution�rer und verh�ngni�voller wird.� [Fu�note 8: Anspielung auf die Wegnahme des Degens Friedrich's des Gro�en von seinem Sarge in der Milit�rkirche zu Potsdam durch Napoleon I. 1806.] Diese Voraussagungen machen Fourier's Scharfsinn und Einsicht alle Ehre, sie sind �berraschend. Man halte fest, da� Fourier diese Warnungen und Mahnrufe im Jahre 1808 ver�ffentlichte, wo au�er ihm nur sehr Wenige an eine soziale Frage �berhaupt dachten, und man wird den Weitblick und die Richtigkeit seiner Voraussagungen bewundern m�ssen. Er f�hrt nun weiter aus, wie viele Reiche bereits an innerer Zerr�ttung zu Grunde gingen, weil sie die sozialen Uebel nicht zu l�sen vermochten. �Welche Monumente diese Reiche immer �berlebten, sie stehen da, eine Schande ihrer Politik. Rom und Byzanz (Konstantinopel), ehemals die Hauptst�dte der gr��ten Reiche, sind heute zwei l�cherlich gewordene Metropolen. Auf dem Kapitol sind die Tempel Z�sar's durch obskure G�tter aus Jud�a verdr�ngt, am Bosporus werden die christlichen Basiliken durch die G�tter der Unwissenheit beschmutzt. Hier wird Jesus auf das Piedestal von Jupiter erhoben, dort setzt sich Mahomed auf den Altar von Jesu. Rom und Byzanz, die Natur bewahrte euch vor der Verachtung der Nationen, die ihr gefesselt hattet; ihr wurdet zwei Arenas politischer Maskeraden, zwei Pandorab�chsen, die im Orient den Vandalismus und die Pest, im Occident den Aberglauben und seine Raserei verbreiteten; ihr seid zwei konservirte Mumien, um den Triumphwagen zu schm�cken und den modernen Hauptst�dten einen Vorgeschmack von dem Schicksal zu geben, das den Denkm�lern und den Arbeiten der Zivilisation bereitet wird. Zivilisirte! studirt die sozialen Uebel des Menschengeschlechts und schafft Wandel!� -- �Drei Gesellschaftsbildungen theilen sich in die Erde: Die Zivilisation, die Barbarei und die Wildheit. Die eine ist nothwendig besser als die beiden andern, und die beiden unvollkommneren, die sich nicht zur besseren erheben, sind von jener Krankheit der Entkr�ftung erfa�t, von der nach Montesquieu das Menschengeschlecht betroffen ist. Die dritte, die beste, welche die andern nicht zu sich zu erheben vermag, ist offenbar unzureichend f�r das Wohl des Menschengeschlechts; sie hat den gr��eren Theil desselben in einem tieferen Zustand ermatten lassen. Die beiden ersten Gesellschaftsbildungen sind von der L�hmung betroffen, die dritte, die Zivilisation, von der politischen Ohnmacht; sie m�ssen also alle drei aus einem krankhaften Zustand heraus, der den ganzen Erdball in seinem sozialen Mechanismus beunruhigt. V�lker! eure sehnlichsten W�nsche verwirklichen sich, die gl�nzendste Mission ist dem gr��ten der Helden aufbewahrt. Der soziale Kompa� ist entdeckt, der euch auf den Ruinen der Barbarei und der Zivilisation zur universellen Harmonie f�hren wird.� �Die modernen Sophisten haben, namentlich in Frankreich, immer behauptet, die Einheit des Systems der Natur zu erkl�ren, sie haben aber nie ernste Studien �ber diesen Gegenstand gemacht und man hat nie das Geringste �ber die allgemeine Einheit erfahren. Sie bildet sich aus folgenden drei Zweigen: Einheit des Menschen mit sich, mit Gott und mit dem Weltall. Der innere Widerspruch des Menschen mit sich selbst (Fourier meint hier den Widerspruch im Menschen, seine Triebe befriedigen zu wollen, aber nicht befriedigen zu k�nnen, oder nicht befriedigen zu d�rfen. Der Verf.) hat die Wissenschaft der Moral geboren, welche die Doppelseitigkeit (�duplicit�) der Handlung als wesentlichen Zustand und unwandelbare Bestimmung des Menschen betrachtet. Sie lehrt: man m�sse seinen Trieben widerstehen, im Krieg mit ihnen leben, also im Krieg mit sich selbst sein; ein Prinzip, wodurch der Mensch auch in den Kriegszustand mit Gott ger�th, denn die Triebe und Instinkte kommen von Gott, der sie dem Menschen und allen Kreaturen zum F�hrer gab.� �Man antwortet zwar: Gott habe uns die Vernunft zum F�hrer und M��iger der Triebe gegeben, woraus also resultirte: 1. da� Gott uns zwei unvers�hnlichen und sich antipathischen F�hrern, den Trieben und der Vernunft, �berliefert hat; 2. da� Gott gegen neunundneunzig Prozent der Menschen sehr ungerecht handelte, weil er ihrer Vernunft nicht die St�rke gew�hrte, ihre Triebe bek�mpfen zu k�nnen; 3. da� Gott, indem er uns zum Gegengewicht die Vernunft gab, mit einem untauglichen Mechanismus handelte, denn es ist unzweifelhaft, da� diese Schwerkraft selbst bei dem hundertsten Menschen, der allein nur damit versehen ist, ohnm�chtig ist, _wie ja die Distributeure der Vernunft, z.B. ein Voltaire, am meisten von ihren Trieben unterjocht wurden_.� �Alle drei Hypothesen sind nichtig. Die Darlegung der Attraktion der Triebe wird beweisen, da� im soziet�ren Zustand Vernunft und Triebe sich ausgleichen und auss�hnen und da� sie nur im heutigen sozialen Zustand sich im Diskord befinden. Man sagt: der Mensch sei f�r die Gesellschaft geboren, man vergi�t aber, da� es nur zwei Gesellschaftsordnungen giebt, die der Privatwirthschaft und der Gemeinwirthschaft; der isolirte Zustand und der soziet�re Zustand. Der gegenw�rtige Zustand setzt die isolirte Familie voraus, der soziet�re die Arbeit und die Lebensweise in zahlreichen Vereinigungen, welche nach einer bestimmten Regel f�r Jeden sich theilen und ausgleichen, nach den drei Eigenschaften: Arbeit, Kapital und Talent. Gott, als h�chster �konomischer Leiter, mu� nothwendig die Assoziation als den besseren Zustand wollen.� �Es giebt nunmehr viererlei Wissenschaften zu beachten: �ber die Assoziation, den aromalen Mechanismus, die Attraktion der Triebe und die universelle Analogie.� Die vier Hauptbewegungen und die f�nfte, die soziale als pivotale oder Angelpunkt, sind bereits hervorgehoben worden. Gehen wir also �ber zum �Studium der Assoziation�. �Das Band ist die Basis jeder Oekonomie; wir finden die Keime in dem ganzen sozialen Mechanismus zerstreut, von der m�chtigen Ostindischen Kompagnie bis zu den armen Gesellschaften der f�r eine bestimmte Industrie vereinigten Dorfbewohner. So sieht man die Bergbewohner des Jura sich zur K�sefabrikation vereinigen; 20-30 Haushaltungen bringen t�glich ihre Milch zum Fabrikanten und am Ende der Saison erh�lt jede ihren Theil an K�se, entsprechend der Quantit�t Milch, die sie lieferte. Wir haben �berall im Kleinen wie im Gro�en diese Keime f�r das Wohlsein bei der Hand, es sind rohe Diamanten, welche die Wissenschaft schleifen mu�. Das Problem ist, diese Fetzen einer Assoziation, die in allen Zweigen der menschlichen Arbeit zerstreut sind, zu einem Mechanismus, einer allgemeinen Einheit zu verbinden, wo sie bisher nur mit H�lfe des Instinktes entstanden. Bisher hat die Wissenschaft diese Studie vermieden, die allein wahrhaft dringlich war. Ein Jahrhundert, das sich so vieler Vernachl�ssigungen in wissenschaftlicher Ordnung und Erforschung schuldig machte, mu�te des Ueberblicks �ber das Ganze ermangeln; es hat weder die Eintheilung des ganzen Systems der Bewegung, noch die drei Einheiten wahrgenommen, woraus es h�tte schlie�en m�ssen, da� die soziale und die materielle Welt im Widerspruch miteinander, also im Widerspruch mit der Einheit organisirt sind.�[9] [Fu�note 9: Wir brauchen hier nicht auf die Einseitigkeit des Urtheils Fourier's �ber das achtzehnte Jahrhundert hinzuweisen; das achtzehnte Jahrhundert hat mehr geleistet, als vor ihm viele Jahrhunderte zusammengenommen.] �_Was die soziale Bewegung betrifft, so sieht man jede interessirte Klasse der anderen das B�se w�nschen, �berall setzt sich das pers�nliche Interesse in Gegensatz zu dem Allgemeininteresse_. Der Arzt w�nscht, da� seine Mitb�rger recht viel Krankheiten bekommen, denn er w�rde zu Grunde gerichtet sein, wenn alle Welt ohne Krankheit st�rbe; dasselbe gesch�he den Advokaten, wenn jeder Streit schiedsrichterlich auszugleichen w�re. Der Geistliche ist interessirt, da� es viel Todte giebt und zwar viele reiche Todte, Beerdigungen � 1000 Franks. Der Richter ersehnt j�hrlich wenigstens 45.000 Verbrechen, damit die Gerichtsh�fe stets besch�ftigt, also nothwendig sind. Der Wucherer w�nscht Hungersnoth; der Weinh�ndler Hagel; Architekten und Baumeister ersehnen Feuersbr�nste. So handeln in diesem l�cherlichen Mechanismus der Zivilisation die Theile gegen das Ganze und jeder Einzelne gegen Alle. Die ganze Ungeheuerlichkeit eines solchen Zustandes wird man erst begreifen, wenn man die soziet�re Organisation kennen lernt, wo die Interessen eine ganz entgegengesetzte Richtung nehmen; wo Jeder das Gesammtwohl w�nscht, weil dieses seinem pers�nlichen Wohl am meisten entspricht. So zeigt sich �berall statt der Einheitlichkeit der Handlung, welche die moralischen und politischen Wissenschaften r�hmen, die allgemeine Doppelseitigkeit. Wenn je die Zivilisation �ber sich err�then und das Bed�rfni� nach einem anderen Zustande empfinden mu�, so heute, wo alle ihre Illusionen zerst�rt sind; wo ihre Freiheit _als der Weg zur Anarchie_ erkannt ist, ihre Zerw�rfnisse zum Despotismus f�hren und ihre Handelsmaximen den Wucher, den Betrug, den Bankerott beg�nstigen, _die Nationen schlie�lich unter das Joch des Monopols beugen_ und zur D�rftigkeit und Verarmung der Masse f�hren. So l�sen sich alle Chim�ren von der Vollkommenheit dieser Gesellschaft auf, wodurch man uns in ihren Schafstall f�hrte.� �Will die Wissenschaft zum Ziele kommen, so mu� sie folgende Grunds�tze zur Richtschnur ihrer Beth�tigung nehmen: �Sie mu� 1. das ganze Gebiet des Wissens erforschen und mu� festhalten, da� nichts gethan ist, so lange noch etwas zu thun �brig bleibt; 2. die Erfahrung zu Rathe ziehen und sie zum F�hrer nehmen; 3. vom Bekannten zum Unbekannten vermittelst der Analogie vorschreiten; 4. von der Analyse zur Synthese �bergehen; 5. nicht glauben, da� die Natur auf die uns bekannten Mittel beschr�nkt ist; 6. die Spannkr�fte im ganzen sozialen und materiellen Mechanismus vereinfachen; 7. sich nur an die durch das Experiment festgestellte Wahrheit halten; 8. sich an die Natur schlie�en; 9. beachten, da� aus Irrth�mern entstandene Vorurtheile keine Prinzipien sind; 10. die Thatsachen beobachten, die wir kennen lernen wollen und sich solche nicht vorstellen; 11. vermeiden, da� zum Schlie�en Worte mi�braucht werden, die man nicht versteht; 12. vergessen, was wir gelernt haben! Man mu� die Ideen wieder an ihrer Quelle aufnehmen und die menschliche Einsicht wieder herstellen. Alsdann wird man zu der Einsicht kommen, da� Alles im System der Natur verbunden ist, und da� es zwischen ihren Theilen eine Einheit giebt. Der Mensch, als einer ihrer edelsten Theile, mu� in Uebereinstimmung sein mit den Harmonien des Weltalls, also mit der mathematischen oder rationellen Harmonie, der planet�ren oder sozialen, der musikalischen oder sprechenden. (Einheit der Sprache, Weltsprache.) Ist der Mensch also bestimmt, sich den Harmonien zu assimiliren, so mu� er das Band suchen, das ihn mit Allem vereinigt, dieses Band ist die Synthese von der Attraktion der Triebe.� Fourier f�hrt dann fort: Er wolle an der Hand von Prinzipien, welche nicht er, sondern die Philosophen feststellten, die Erforschung der sozialen Bewegung vornehmen. Man werde sehen, wie die Sophisten, trotz solcher vortrefflichen F�hrer, wie ihre Prinzipien, auf alle Klippen geworfen wurden und der Menschheit nur sieben Gei�eln brachten: D�rftigkeit, Betrug, Unterdr�ckung, Menschenschl�chterei, klimatische Exzesse (Folge von Waldverw�stungen etc.), Krankheiten erzeugende Gifte, dogmatische Finsterni�. Es sei in der Natur begr�ndet, da� jede soziale Periode ihre Aufmerksamkeit auf Fragen richte, die sie zu einer h�heren Stufe der Entwicklung f�hrten; so besch�ftige man sich unter den Zivilisirten mit zwei Wegen, dem Handelssystem und der Freiheit. Das seien die beiden Paradepferde der Philosophen, die sie mit Vorliebe ritten. Man wolle die freie Zirkulation im Handel und komme zum Seehandelsmonopol; man wolle die Meinungsfreiheit und komme zur Herrschaft der Denunzianten und des Schaffots.[10] [Fu�note 10: Anspielung auf die Zust�nde in der franz�sischen Revolution w�hrend der Herrschaft des rothen und des wei�en Schreckens.] Nach der Gesundheit und dem Reichthum sei nichts werthvoller, als die Freiheit, diese m�sse man in k�rperliche und soziale Freiheit scheiden. Der Gewohnheit entsprechend, Alles nur einseitig anzusehen, habe man nicht erkannt, da� die Freiheit zwei- und mehrseitig sein k�nne. Tausend Jahre vergingen, ehe man nur an die k�rperliche Freiheit (die Beseitigung der Sklaverei) dachte. Plato und Aristoteles hielten die Sklaverei f�r nothwendig. Letzterer erkl�rte sogar, �der Sklave sei der Tugend nicht f�hig�. Unter dem Christenthum wurde die k�rperliche Freiheit allm�lig durchgesetzt, aber noch existirte die Sklaverei vielfach. �Aber was ist diese k�rperliche Freiheit werth ohne die soziale? Der Bettler hat ein Einkommen, das kaum zum Leben gen�gt, trotzdem genie�t er gr��ere Freiheit als der Arbeiter, der, um leben zu k�nnen, an die Arbeit gefesselt ist. Doch seine Triebe bleiben unbefriedigt. Er will in's Theater gehen, aber er hat kaum genug, um sich zu n�hren, er m�chte Volksvertreter werden, aber dazu geh�rt ein gro�es Verm�gen.[11] Mit dem stolzen Titel, ein freier Mensch zu sein, hat er nur den Dunst statt der Wirklichkeit der sozialen Freiheit; er ist nur ein passives Mitglied der Gesellschaft. Streng genommen hat der Arbeiter nur einen Tag in der Woche, den Sonntag, wo er k�rperlich frei ist, alle anderen Tage ist er gebunden. So sehen wir die Freiheit nur sehr einfach, rein k�rperlich. Doppelt ist die Freiheit, wo sie k�rperlich und sozial aktiv ist; sie genie�t der Wilde. Der Wilde berathschlagt �ber Krieg und Frieden, wie bei uns ein Minister; er hat, soweit dies �berhaupt in seiner Horde m�glich ist, den freien Aufschwung der Triebe seiner Seele, er genie�t eine Sorglosigkeit, die der Zivilisirte nicht kennt. Er mu� zwar jagen und fischen, um sich zu ern�hren, aber das sind anziehende Besch�ftigungen, die ihm die k�rperliche aktive Freiheit nicht nehmen. Eine Arbeit, die Freude macht, wird nicht als dr�ckende Verpflichtung empfunden. So geht's auch dem Kaufmann; wenn er Stoffe ausbreitet, flott L�gen verzapft und dabei seine Waaren verkauft, so ist ihm das ein Vergn�gen; er w�rde sehr m�rrisch und gr�mlich sein, wenn kein K�ufer k�me und er weder l�gen noch verkaufen k�nnte.� [Fu�note 11: In der ersten H�lfte des Jahrhunderts und zwar bis 1848 herrschte in Frankreich ein sehr hohes Zensussystem, das nur die Wahl der Reichsten erm�glichte.] �Die Freiheit des Wilden ist also zweifach, aber diese zweifache Freiheit weicht noch ab von der Bestimmung, die produktive Arbeit verlangt; es ist also die anziehende, produktive Arbeit n�thig. Diese unterstellt eine Einheitlichkeit der Verbindung, die pers�nliche Zustimmung jedes Betheiligten, ob Mann, Frau, Kind, die Verbindung aus Trieb f�r die Aus�bung der Arbeit und die Aufrechterhaltung der begr�ndeten Ordnung. Diese vollst�ndig freie Wahl der Arbeit, bestimmt durch die Triebe, ist die Bestimmung des Menschen. Von der Masse der Zivilisirten mag ein Achtel mit ihrer Lage zufrieden sein, aber sieben Achtel sind unzufrieden. Die gro�e Menge ist nur auf die k�rperliche Arbeit beschr�nkt, ihre Besch�ftigung ist indirekte Sklaverei, eine Qual, von der sie sich zu befreien w�nscht.� �Die kleine zufriedene Minderheit besteht aus M��igen, oder Solchen, die privilegirte Stellungen einnehmen, und doch hat kaum Einer, Monarch und Minister nicht ausgenommen, seine volle Freiheit erreicht. Kann man also behaupten, da� die soziale Freiheit besteht? Sie ist wie die Gleichheit und die Br�derlichkeit nur Chim�re. Die Br�derlichkeit sandte Einen nach dem Andern ihrer Koryph�en zur Guillotine, die Gleichheit dekorirte das Volk mit dem Titel Souver�n, schaffte ihm aber weder Arbeit noch Brot; es verkauft sein Leben um 5 Sous pro Tag[12] und man schleift es, die Kette am Hals, zur Schlachtbank. So sind Freiheit, Gleichheit, Br�derlichkeit nur Phantome.� [Fu�note 12: Der Sold des franz�sischen Soldaten jener Zeit.] �Die Freiheit ist illusorisch, wenn sie nicht allgemein ist. Wo der freie Aufschwung der Triebe auf eine sehr kleine Minderheit beschr�nkt ist, da giebt es nur Unterdr�ckung. Um aber der Menge die Entfaltung und die Befriedigung der Triebe zu sichern, ist eine soziale Organisation n�thig, die drei Bedingungen erf�llt. Man mu� 1. ein Regime der industriellen Attraktion suchen, entdecken und organisiren; 2. Jedem das Aequivalent der sieben nat�rlichen Rechte des Wilden garantiren;[13] 3. die Interessen des Volks mit denjenigen der Gro�en verbinden, denn das Volk wird auf sie eifers�chtig sein und sie hassen, so lange es nicht an ihrem Wohlsein gradweise Antheil hat. Nur unter diesen drei Bedingungen kann man dem Volk ein Minimum an Nahrungsmitteln, Bekleidung, Wohnung und haupts�chlich auch an Vergn�gungen sichern, denn ohne das Angenehme w�rde dem Menschen auch der neue Zustand nicht gen�gen.� [Fu�note 13: Als die sieben nat�rlichen Rechte des Wilden betrachtet Fourier: 1. Sammelfreiheit der Fr�chte; 2. Weidefreiheit; 3. freien Fischfang; 4. freie Jagd; 5. innere Verbindung der Horde; 6. Sorglosigkeit; 7. ausw�rtigen Raub (�vol exterieur�). Unter diesem etwas seltsam scheinenden Recht versteht Fourier das Recht des Wilden, Alles, was er au�erhalb des gemeinsamen Eigenthums der Horde oder des Stammes der Aneignung werth findet, nehmen zu d�rfen. In der Zivilisation findet der Raub innerhalb der eigenen Gesellschaft, an Gliedern derselben statt, diesen Raub an der eigenen Genossenschaft kennt der Wilde nicht, der innerhalb der Horde, des Stammes Gemeineigenthum besitzt und dieses respektirt. In der Regel lebt der Wilde mit den benachbarten St�mmen in Feindschaft und so wird dieses Recht des �ausw�rtigen Raubs� einfaches Kriegsrecht. Bei uns Zivilisirten sind noch die Rudimente ganz �hnlicher Auffassung vorhanden, die Kontribution der Lebensmittel im Kriege ist in unsern Augen kein Raub, und die Annexion fremder L�nder und Provinzen wird auch nicht als solcher angesehen. Fourier will mit seiner ganzen Auseinandersetzung sagen: der Wilde hat einestheils mehr Freiheit und Wohlsein, als der arme Zivilisirte, andererseits weit mehr _Solidarit�tsgef�hl_, als die Zivilisirten �berhaupt. Um das Solidarit�tsgef�hl, das der Wilde in der Horde, im Stamm hat, in unserer Gesellschaft zu begr�nden, brauchen wir eine ganz neue soziale Organisation.] �Pr�fen wir also, wie die soziet�re Ordnung dem Individuum die freie Aus�bung der erw�hnten sieben Rechte, die mit dem Mechanismus der Barbarei und der Zivilisation so unvertr�glich sind, in entsprechender Form gew�hren kann.� �Schreiten wir zun�chst dazu, sie wie ihre Angelpunkte (�pivots�) zu erkl�ren.� Fourier giebt nun nachfolgendes Tableau, begleitet von drei Analogien, um Diejenigen zu entt�uschen, die es als ein von ihm systematisch angewandtes Vorurtheil ansehen, da� er gew�hnlich den Zahlen 7 und 12 (also wie Pythagoras es that) den Vorzug gebe. Er will beweisen, da� diese Zahlenverh�ltnisse in der Natur der Dinge liegen, also gegebene sind, nicht willk�rlich erfundene. | Rechte | Triebe | Farben | geometrische | | | | Linien ---+-------------------+-----------------+------------+-------------- | kardinale oder | Haupt- | | | industrielle | Triebe | | | | | | 1. | Sammelfreiheit | Freundschaft | Violet | Kreis 2. | Weide | Liebe | Azur | Elipse 3. | Fischfang | Familiensinn | Gelb | Parabel 4. | Jagd | Ehrgeiz | Roth | Hyperbel ---+-------------------+-----------------+------------+-------------- | Distributive | Distributive | | | | Triebe | | | | | | 1. | Innere Verbindung | Kabaliste | Indigoblau | Spirale 2. | Sorglosigkeit | Papillone | Gr�n | Muschellinie 3. | Ausw�rtiger Raub | Komposite | Orangegelb | Logarithmus ---+-------------------+-----------------+------------+-------------- | Minimum | Einheitlichkeit | Wei� | X. | | | | | Freiheit | Gunst | Schwarz | Nebenkreis Die Freiheit kommt nur als Folge der sieben andern Rechte, sie ist das Resultat ihrer Verbindung, so wie Wei� oder Schwarz die Verbindung oder Aufsaugung der sieben Farbenstrahlen ist. Fourier f�hrt dann weiter aus, da� aber die Freiheit nur einfach oder falsch sei, wenn sie nicht von der Hauptsache, dem Prinzipalen aller Rechte, dem _Minimum_ begleitet sei, was die Periode der Wildheit nicht biete. Auch genie�en die Freiheit in der Wildheit nur die M�nner, die Frauen sind ausgeschlossen und ist ihre Lage schlimmer, als in der Zivilisation. Es gen�gt weder die Freiheit, wie sie die Zivilisation bietet, noch gen�gen die sieben Naturrechte, die der Wilde besitzt, um einen befriedigenden Zustand herzustellen. Der neue soziet�re Zustand m�sse also alle drei Geschlechter gleichm��ig ber�cksichtigen und ihren Trieben Befriedigung gew�hren. Die bez�gliche Auffassung Fourier's von der Lage der Wilden und der Zivilisirten lassen wir, da sie charakteristisch ist, hier ausf�hrlicher folgen. �Die Sorglosigkeit, dieses Gl�ck der Thiere, dieses Recht des Wilden, genie�t man in der Zivilisation nur im Besitz gro�er Sch�tze. Aber neun Zehntel der Zivilisirten, weit entfernt, dem n�chsten Tag ohne Sorgen entgegensehen zu k�nnen, sind mit t�glichen Sorgen �berladen und m�ssen eine widerw�rtige und aufgezwungene Arbeit erledigen. Den Sonntag eilen sie dann in die Schenken und an die Vergn�gungsorte, um wenigstens f�r einige Augenblicke eine Sorglosigkeit zu genie�en, die so viele Reiche, von der Unruhe verfolgt, vergebens suchen.� �Die Rechthaber (�ergoteurs�) werden sagen, die Sorglosigkeit sei eine Charaktereigenschaft und kein Recht; aber sie wird ein Recht, indem sie im Zustand der Zivilisation ge�chtet ist, wo man die Leichtlebigkeit als entehrend betrachtet und laut verurtheilt. Versucht ein mit wenig Gl�cksg�tern bedachter Familienvater sich mit den Seinen einem Vergn�gen zu �berlassen und verl��t er seine Werkstatt, ohne f�r Steuern, Miethe und die k�nftigen Bed�rfnisse gesorgt zu haben, so belehrt ihn die �ffentliche Meinung durch ihre Kritiken und der Steuereinnehmer durch seine Exekutoren, da� er kein Recht zur Sorglosigkeit habe, und er mu�, trotz seines Hangs dazu, sich derselben entschlagen. Ueberdies ist schon die zivilisirte Erziehung systematisch darauf bedacht, den Geschmack an der Sorglosigkeit zu bek�mpfen, ein Vergn�gen, dessen freie Entfaltung in der Harmonie durch nichts beeintr�chtigt wird.� �Der Wilde genie�t diese Sorglosigkeit und beunruhigt sich nicht �ber die Zukunft. W�re es anders, f�rchtete er da� seine Kinder, seine Horde Hunger litte, er w�rde die Anerbietungen an Ackerbauger�then und den notwendigen Gegenst�nden f�r die Kultur des Bodens, welche die Regierungen der Zivilisirten ihm machen, annehmen. Aber er will keins seiner Rechte einb��en. G�be er seine Sorglosigkeit auf, er w�rde allm�lig seine ganze Freiheit, alle seine Rechte verlieren. Er macht freilich diese Berechnung nicht, aber die Natur macht sie f�r ihn. Die Attraktion leitet ihn auf den rechten Weg, wie man sp�ter sehen wird.� �Den einzigen plausiblen Einwand, den man gegen dieses Gl�ck des Wilden machen kann, ist, da� die Frauen es nicht genie�en: die Frauen bilden die H�lfte des Menschengeschlechts und sie haben bei den Wilden eine sehr tiefe und ungl�ckliche Stellung.� �Nichts wahrer als das. Aber wenn ich diese Thatsache nicht anf�hrte, die Philosophen w�rden keine Notiz davon nehmen, denn sie selbst haben die Gewohnheit, die Frauen f�r Nichts anzusehen. Von den drei Geschlechtern, aus denen das Menschengeschlecht sich zusammensetzt, dem oberen, den M�nnern, dem niederen, den Frauen, und dem gemachten oder neutralen Geschlecht, den Kindern, sehen sie nur _ein_ Geschlecht und arbeiten nur f�r dieses, f�r das obere oder m�nnliche. Aber welches Gl�ck verschafften diesem die Philosophen? Statt der sieben Rechte, aus welchen die Freiheit sich zusammensetzt, nur die sieben Gei�eln.� �Ich bin einem vorauszusehenden Einwand bereits begegnet, indem ich die Freiheit des Wilden als divergirend zusammengesetzt bezeichnete; sie ist in doppelter Weise divergirend; sozial, durch die Unvertr�glichkeit des sozialen K�rpers, Horde genannt, mit der industriellen Arbeit oder Bestimmung, materiell durch Ausschlie�ung des weiblichen Geschlechts, das wenig oder gar nicht an den sieben nat�rlichen Rechten theilnimmt.� Trotzdem, so f�hrt Fourier weiter aus, stehe der m�nnliche Wilde durch den Genu� der genannten sieben Rechte an Freiheit �ber der gro�en Mehrheit der Zivilisirten, welche die immense Mehrheit beider Geschlechter von diesen Vortheilen ausschl�sse. Die Zivilisation schulde f�r das Ausgeben dieser nat�rlichen Rechte einem Jeden ein Minimum an Lebensnothwendigkeiten, Kleidung, Wohnung, und zwar proportional der sozialen Stellung, zu der er geh�re, denn _nothd�rftig_ gen�hrt, gekleidet und logirt werde man auch in den Armenh�usern, wo der Mensch aber nichts als ein Gefangener und sehr ungl�cklich sei. Statt den Zivilisirten f�r den Verlust seiner sieben nat�rlichen Rechte durch eine menschenw�rdige Existenz zu entsch�digen, garantirten ihm unsere Publizisten einige Tr�umereien und Gaskonnaden, wie: �da� er stolz sein d�rfe auf den Namen eines freien Mannes und das Gl�ck habe, unter einer Verfassung zu leben.� Diese L�cherlichkeiten verdienten nicht einmal den Namen der Illusion und befriedigten keinen Arbeitenden, der vor Allem nach seinem Geschmack zu essen, sorglos und vergn�gt zu leben w�nsche. �Der soziet�re Zustand garantirt dem Volk die sieben Rechte des Wilden in F�lle, indem er ihm ein ausreichendes Aequivalent bietet; er gew�hrt jedem Menschen so viel Wohlsein, da� z.B. Niemand mehr auf den Gedanken kommt, zu stehlen, was er so haben kann, oder da� er sich durch eine Handlung in der �ffentlichen Meinung mehr zu Grunde richtet, als er durch eine schlechte Handlung zu gewinnen vermag. Schlie�lich werden alle Kinder in den Begriffen der Ehre erzogen und k�nnen alle Bequemlichkeiten des Lebens reichlich genie�en. Es wird also Niemand mehr an Diebstahl denken, wo Alle im Ueberflu� leben.� �Die Zivilisation, indem sie den Menschen der sieben Rechte des Wilden beraubt, gew�hrt ihm keinerlei entsprechende Aequivalente. Fragt einmal einen ungl�cklichen Arbeiter der Zivilisation, der keine Arbeit und kein Brot hat, vom Gl�ubiger und Exekutor bedr�ngt wird, ob er nicht lieber wie der Wilde das Recht der Jagd und des Fischfangs, des Fr�chtesammelns und der freien Weide seinem Zustand vorziehe und er wird keinen Augenblick z�gern, sich f�r den Wilden zu entscheiden. Was giebt ihm die Zivilisation f�r seinen Verlust? Das Gl�ck, unter der Verfassung zu leben. Dem Hungernden ist nicht damit gedient, da� er, anstatt eine gute Mahlzeit zu genie�en, die Verfassung lesen kann; es hei�t den Nothleidenden in seinem Elend beleidigen, wenn man ihm eine solche Entsch�digung bietet.� �Daraus folgt: in der industriellen Gesellschaft wird die Freiheit illusorisch und verh�ngnisvoll, wenn man sie nur in einfacher Anwendung einf�hrt.� Fourier sagt also: die Freiheit ohne Garantie eines Minimums, die Freiheit ohne Brot, ist f�r die gro�e Menge der Bev�lkerung unter Umst�nden nur die Freiheit des Verhungerns. Die Freiheit hat nur Werth, ja sie ist erst dann vorhanden, wenn auch der Mensch zu leben hat, und diesen Lebensunterhalt garantirt die Zivilisation nicht. �So haben unsere Tr�umereien von den Menschenrechten und der Freiheit, die man in Versuch setzte, nichts als T�uschungen und verh�ngni�volle Ersch�tterungen erzeugt. Unsere Gesellschaft hat zu ihren Angelpunkten zwei Triebfedern, welche der Einheitlichkeit der Freiheit und dem proportionalen Existenzminimum des soziet�ren Zustandes schnurstracks gegen�berstehen: allgemeiner Egoismus und Zweideutigkeit aller Handlungen. Diese beiderseitigen Charaktereigenschaften lassen sich nicht vereinigen, sie schlie�en sich aus.� �Volle einheitliche Freiheit und menschenw�rdige Existenz lassen sich nur durch die Anwendung des Mechanismus der Serien der Triebe erreichen, au�erhalb desselben ist das ganze System der Triebe im Widerspruch mit sich, es herrschen Egoismus und Zweideutigkeit.� ... Es gilt also f�r Fourier, eine entsprechende Organisation zu schaffen, bei welcher alle Klassen gleichm��ig, unter voller Ber�cksichtigung ihrer sozialen Lebensstellung, zufriedengestellt werden. �Vermittelst der gradweisen Abstufung der Interessen ist der Niedere an dem Wohlsein des H�heren interessirt; die gewohnte Begegnung bei den anziehenden Arbeiten in den Intriguen der verschiedenen Serien dient als Kitt f�r die Einheitlichkeit. Man hat nichts mehr von der vollen Freiheit des Volkes zu f�rchten, das in dem gegenw�rtigen Zustande des Elends und der Eifersucht gegen die H�heren seine Unabh�ngigkeit nur zur Pl�nderung und Erw�rgung derselben benutzen w�rde.� �Aus dieser Darlegung resultirt, da� die Gew�hrung einer ausk�mmlichen Lebenshaltung ausschlie�lich von der Entdeckung des soziet�ren Regimes und der anziehenden Arbeit abh�ngt. Wie kann man dem Volk von Freiheit zu sprechen wagen, wenn man ihm selbst nicht einmal die widerwillige Arbeit, von der heute seine Existenz abh�ngt, zu garantiren vermag? In einem solchen Zustande der Dinge, wie dem gegenw�rtigen, wird alle Freiheit nur ein Keim des Aufruhrs. Die Agitatoren f�hlen das wohl und darum haben sie die Macht an sich gerissen. Ihre erste Sorge ist, dem Volk den Maulkorb anzulegen und die philosophischen Schw�tzer, die Bonaparte knebelte und Robespierre in Masse auf's Schaffot schickte, zu unterdr�cken.� �_In der Zivilisation kann also keine wirkliche Freiheit existiren_, sie existirt nur im Zustande der Wildheit, aber dort unvollst�ndig und gef�hrlich, weil sie die Horde dem Hunger, dem Krieg, der Pest aussetzt und weder sich auf die Frauen, noch auf die Greise ausdehnt, welch letztere man opfert, wenn sie unbrauchbar werden.� �Obschon die Freiheit des m�nnlichen Wilden dem Schicksal unserer Arbeiter und Bettler vorzuziehen ist, ist sie nur ein rohes, der Vernunft unw�rdiges Gl�ck, weil die industrielle Th�tigkeit ihm fremd ist. Andererseits ist der Zustand des Elends und der Unterdr�ckung, in dem unsere Arbeiter seufzen, nicht die Frucht des sozialen Genies, sondern des Mangels an einem solchen und eine Schmach f�r die Wissenschaft. Weit entfernt, da� diese verstand, uns zur Freiheit zu erheben, hat sie nicht einmal sie zu definiren gewu�t, noch vermochte sie ihre verschiedenen Charaktereigenschaften darzulegen. Der Wissenschaft bleibt die Schande, unter dem Vorwand, uns ein Gut zu geben, dessen Wesen sie selbst nicht kannte, tausend politische St�rme erregt zu haben. Sie ist mit der Freiheit wie mit dem Handel verfahren, sie hat einen Hebel zu literarischen Intriguen aus ihnen gemacht und weit entfernt, einen Schatten von Ehrlichkeit in ihre Debatten zu tragen, hat sie selbst weder die Probleme bezeichnet, noch empfohlen, welche auf's Lebhafteste die Anstrengungen des Genies herausfordern, n�mlich: �In Sachen des Handels: das Bed�rfni� der Assoziation, die Garantie der Wahrheit und die Unterdr�ckung der zahlreichen Verbrechen der handeltreibenden K�rperschaften: der Bankerotte, des Wuchers, des B�rsenspiels etc.� �In Sachen der Freiheit: das Bed�rfni� der industriellen Attraktion; ein Aequivalent f�r die nat�rlichen Rechte (die der Wilde hat) und Garantien f�r ein gradweise abgestuftes Minimum f�r die verschiedenen Klassen.� ... �Der Streit �ber die Freiheit hat erst neuerdings vier Millionen K�pfe gekostet (Fourier spielt hier auf die der gro�en Revolution folgenden Kriege an), die den politischen Sophismen und der Handelseifersucht geopfert wurden, gen�gend, um dieses Chaos von irrigen Lehren �ber die Freiheit und den Handel zu entwirren.� �Es geh�rt zu den Gebr�uchen der Zivilisirten, einem Dogma zu Ehren, dessen Sinn, noch dessen praktische Wirkungen man kennt, sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren. Beweis daf�r sind die aus den Debatten �ber die Verwandlung (�Transsubstantiation�) und die Wesenseinheit (�Consubstantialit�) hervorgegangenen Kriege. Unser Jahrhundert hat �hnlich �ber die Menschenrechte spekulirt; um sie zu erhalten, massakrirte man sich und doch kannte man ihr wahres Wesen nicht.� Nach Fourier liegt das wahre Wesen der Freiheit in der Anerkennung �des Rechts auf Arbeit�, das �f�r den Armen allein werthvoll ist.� Die Erfahrung hat uns zur Gen�ge gelehrt, da� mit dieser Anerkennung auch nichts gethan ist. Es ist auch �ber dieses �Recht� gar viel gestritten worden und zuletzt, im Jahre 1848 in Paris in den Junitagen, viel Blut geflossen. Das Recht auf Arbeit steht in Bezug auf seine Phrasenhaftigkeit um kein Haar breit hinter der �Freiheit� und den �Menschenrechten� zur�ck, Jeder legt sich dieses �Recht� zurecht, wie er es braucht und es seinem Interessenstandpunkt entspricht. Gewisse Sozialisten betrachten noch heute das Wort als eine Art Schiboleth, das die soziale Frage l�se; bei den Anh�ngern des preu�ischen Landrechts, die dieses �Recht� ebenfalls anerkennen, schrumpft es zu einem Recht auf Armenhausarbeit und Armenunterst�tzung zusammen. Auch nach der Junirevolution hat es noch die K�pfe in der franz�sischen Kammer erhitzt, man schlug gro�e Redeschlachten und dabei ist es bis heute geblieben. Schlie�lich waren bei all diesen Schlagworten es immer und immer die Vertreter der kleinb�rgerlichen Demokratie, die sich am eifrigsten f�r sie begeisterten und sich zu ihren Champions aufwarfen. Ganz begreiflich. Diese Demokratie repr�sentirt eine Gesellschaftsschicht, die zwischen der gro�b�rgerlichen und der proletarischen Klasse mitten innesteht, in Folge davon ohnm�chtig ist und in Bezug auf die Heilung der sozialen Uebel an chronischer Impotenz leidet und daher ihr Thatenbed�rfni� in gro�en Worten und Kraftphrasen zu verpuffen gen�thigt ist. Die b�rgerlichen Ideologen lieben es, am Klang der Worte sich zu berauschen, sie sind aber allm�lig sehr einflu�los und harmlos geworden. Fourier war allerdings ein viel zu mathematisch denkender und logisch schlie�ender Kopf, um sich durch eine Phrase, die er bei Andern klar durchschaute, beirren zu lassen, und so folgert er: es giebt keine wie immer zusammengesetzte Freiheit ohne das Minimum; kein Minimum ohne die industrielle Anziehung (�attraction�); keine industrielle Anziehung in der zerst�ckelten (�morcel�) Arbeit, womit er sagen will, in der auf Privatwirthschaft beruhenden Arbeit. Die industrielle Anziehung kann nur aus den Serien der Triebe geboren werden; also: Das Minimum, gest�tzt auf die industrielle Anziehung, ist der einzige Weg zur Freiheit, einen andern giebt es nicht. Aber um in diesen Weg einzutreten, mu� man die Zivilisation verlassen, mu� man ihre Produktions- und Distributionsform aufheben; und da es hierzu, nach ihm, zw�lf Wege giebt, mu� man den g�nstigsten w�hlen, um zur Assoziation zu gelangen. Es handelt sich also darum, den neuen Zustand dergestalt zu organisiren, da� folgende sieben Funktionen voll angewendet und ausge�bt werden k�nnen: h�usliche Arbeiten, l�ndliche Arbeiten, industrielle Arbeiten, Austausch, Unterricht, Wissenschaften, sch�ne K�nste. Es mu� vorhanden sein: Anziehung f�r alle Besch�ftigungen, proportionale Vertheilung des Erzeugten, Gleichgewicht der Bev�lkerung, Oekonomie in den H�lfsmitteln. Die Anziehung an die Arbeiten kann nur vorhanden sein, wenn jede Arbeit angenehm _und_ lukrativ ist. Die Vertheilung findet statt nach den drei industriellen F�higkeiten: Arbeit, Kapital, Talent. Die Bev�lkerungszahl einer Phalanx darf 1800-2000 Personen nicht �berschreiten, weil in dieser Zahl, nach Fourier's Berechnung, die verschiedenen Triebe und Charaktereigenschaften voll und zweckm��ig vertheilt enthalten sind und eine gr��ere oder kleinere Zahl die Ausgleichung st�ren w�rde. Die Oekonomie der H�lfsmittel ergiebt sich aus dem m�glichst zweckm��igen Zusammenwirken aller mit einander Operirenden, die alle gleichm��ig an der Ersparni� von Materialien, Zeit und Kraft interessirt sind. So wird man in einer Phalanx von 400 Familien nicht 400 K�chenfeuer, 400 Einzelwirthschaften erhalten, sondern man wird nur 4 oder 5 gro�e K�chenfeuer anlegen und die Bewohner in 4 oder 5 Klassen, nach dem Stande ihres Verm�gens, eintheilen und sie in einem gemeinsamen Palast wohnen lassen. Der soziet�re Zustand l��t keine Gleichheit zu. Ebenso werden bei dem Ackerbau wie bei der Industrie die Vortheile in positiver Beziehung -- Erh�hung der Produkte durch zweckm��igste Kombinirung und Anwendung der Kr�fte und H�lfsmittel -- und in negativer Beziehung -- Ersparnisse an Kraft, Zeit, Materialien -- sehr bedeutende sein. Es entsteht wieder rationelle Waldzucht, Quellenschonung, Klimaverbesserung. Ueber alle diese Vortheile, welche die assoziirte Th�tigkeit erzeugen m�sse, �u�ert sich Fourier wie folgt: �Eine Phalanx, die sich z.B. mit Wein- oder Oelbau befa�t, wird nur einen einzigen Werkraum f�r die Fertigstellung n�thig haben, statt der vielen, die jetzt in einer Gemeinde von 15-1800 Seelen n�thig sind; statt 300 Bottiche wird sie nur ein Dutzend bed�rfen. Man wird ferner f�r die Reben- und Oelbaumanlagen die Ueberwachung, die Einfriedigungen und Ummauerungen ersparen. Man wird die Lese nicht auf einmal vornehmen, wie dies jetzt der kleine Privatbesitzer, um Kosten und Zeit zu ersparen, thun mu�, sondern in dem Ma�e, wie die Trauben reifen, und damit gro�e Verluste an Quantit�t oder Qualit�t verh�ten. Statt der 1000 F�sser, welche heute 300 Familien ben�thigen, werden 30 gro�e Tonnen gen�gen. Man wird neun Zehntel der Kosten f�r die Lagerr�ume, neunzehn Zwanzigstel f�r das Fa�werk ersparen. Die richtige Behandlung des Weins ist dem kleinen Besitzer unm�glich, weder kann er ihm die n�thige Lagerung gew�hren in trockenen gut gel�fteten nach Norden gelegenen Lagerr�umen, noch hat er die Einrichtungen und Vorrichtungen f�r die t�gliche K�hlung der Keller und F�sser. Auch fehlt der Ueberzahl der Besitzer die M�glichkeit, die Weine durch verschiedene F�llungen zu verbessern, leichte mit schweren Qualit�ten zu schneiden, oder sich fremde w�rmere Weine zu verschaffen. Ferner wird heute der Wein, unmittelbar nach der Ernte, von vielen Eigenth�mern zum billigsten Preis verkauft, weil sie ihn verkaufen m�ssen, sei es, da� sie Geld n�thig haben, der Gl�ubiger schon wartet, oder da� es ihnen an geeigneten Aufbewahrungsr�umen fehlt, und sie der Mittel oder des Verst�ndnisses zur Pflege entbehren. In der Phalanx wird der Wein in Folge guter Aufbewahrung und Pflege schon nach einem Jahre das F�nffache des Preises werth sein und mit dem Alter entsprechend im Preise steigen. Die Phalanx verkauft ihn, wie ihr Interesse gebietet. Und so noch viele andere Vortheile, die aus der Gemeinwirthschaft entspringen, stets Kosten ersparen und die Produkte verbessern. Man wird bessern Saamen, bessere Pflanzen anschaffen, im Ankauf nie betrogen werden; man wird f�r die verschiedenen Pflanzungen die besten und geeignetsten Bodenarten aussuchen k�nnen, Maschinen, Geb�ude, St�lle, Lagerr�ume werden die zweckm��igsten sein, die verf�gbaren Kr�fte werden jede Arbeit im richtigen Moment erm�glichen.� �Eine der gl�nzendsten Seiten der soziet�ren Arbeit wird die Einf�hrung der Wahrheit in Handel und Wandel werden. Indem die Assoziation die kooperative, solidarische, sehr vereinfachte, auf Wahrhaftigkeit und Garantie beruhende Konkurrenz an die Stelle der individuellen, unsoliden, l�gnerischen, verschlungenen und willk�rlichen Konkurrenz der Zivilisation setzt, wird sie nur ein Zwanzigstel der Arme und der Kapitalien ben�thigen. Man wird also den heutigen Handel als parasitisch unterdr�cken, denn parasitisch ist Alles, was unterdr�ckt werden kann, ohne da� der Zweck gesch�digt wird. Man wird in der Phalanx statt hunderter konkurrirender und gegen einander intriguirender Kaufleute und Kr�mer mit ihren Verkaufshallen und L�den nur ein gro�es Waarenlager und verh�ltni�m��ig sehr wenig Personen brauchen, da alle K�ufe und Verk�ufe nach au�en die Phalanxen unter sich abschlie�en.� �In der Zivilisation ist der Mechanismus in jeder Art der ruin�seste und falscheste. So giebt es au�er im Handel noch tausende und abertausende von parasitischen Existenzen, z.B. die in der Rechtspflege besch�ftigten Personen, eine Institution, die nur auf den Fehlern der zivilisirten Ordnung beruht ... Andererseits fehlen die Mittel f�r das N�thigste. So mangeln Frankreich heute einige hundert Millionen Franken f�r die Verbesserung der Wege und Stra�en; im soziet�ren Zustand, wo Phalanx an Phalanx sich reiht, bestehen die ausgezeichneten Verbindungsmittel, f�r die jedes Phalanst�re (das Phalanst�re ist der ganze Bezirk [Kanton] inklusive der Geb�ude. Der Kanton soll nach Fourier eine Quadratstunde Fl�cheninhalt haben) aufzukommen hat, ohne da� es der Staatssteuern dazu bedarf. Ebenso f�llt die kostspielige Katastrirung der Grundst�cke f�r den Staat fort. Eine Wahl, die heute unendlich viel Zeit und Geldopfer erfordert, eine Menge der widerlichsten Kabalen erzeugt, wird in der Phalanx dem Einzelnen kaum eine Minute Zeit kosten, eine Reise dazu hat er nicht n�thig zu machen.� ... �Unter die Unproduktiven geh�ren ferner die Soldaten, die Grenzw�chter, die Steuerbeamten; auch sind ein gro�er Theil der Dienstboten und viele von den in der isolirten Wirthschaft besch�ftigten Personen unter die Parasiten zu rechnen. Sobald M�nner, Frauen, Kinder, letztere vom dritten Lebensjahre ab, aus Anziehung th�tig sind, wenn Trieb, Geschicklichkeit, Wetteifer, der verbesserte Mechanismus der Arbeit, Einheitlichkeit der Handlungen, freier Verkehr, Verbesserungen des Klimas, h�here Kraft und Langlebigkeit der Menschen zusammenwirken, werden die Arbeitsmittel und Kr�fte in's Unberechenbare sich steigern und wird das Produkt quantitativ und qualitativ sich dem entsprechend veredeln und vermehren.� �Am meisten wird das Schicksal der Kinder in der soziet�ren Organisation sich verbessern. In der meist sehr �bel und mangelhaft geleiteten Privatwirthschaft finden die Kinder in ihren H�tten, Hofwerkstellen, Scheuern weder die H�lfsmittel, noch die Belehrung, noch die Beurtheilung, noch den Antrieb, den sie n�thig haben, um sich geh�rig zu entwickeln. Dabei sterben sie massenhaft in Folge ihrer ungesunden Wohn- und Lebensweise, oder sie siechen dahin. Im soziet�ren Zustand wird die Sterblichkeit sich au�erordentlich vermindern, die Kinder werden an k�rperlicher und geistiger Gesundheit in heute ungeahnter Weise zunehmen. Drohende Ueberv�lkerung wird die soziet�re Organisation auszugleichen wissen.� Die Zivilisation befindet sich allen diesen Fragen gegen�ber in einem falschen Kreisschlu� (�cercle vicieux�) und das erkennt man allm�lig. Man ist erstaunt, zu finden, da� _in der Zivilisation die Armuth selbst den Ueberflu� erzeugt_. Unser Zustand bringt nicht das Gl�ck, sondern das Nichtgl�ck hervor; die Exzesse der Industrie f�hren zu den gr��ten Uebeln, sie werfen uns von der Scylla in die Charybdis, und warum? Weil wir ohne Leitfaden in einem Labyrinthe wandeln. Das zeigt sich �berall. W�hlen wir als Beispiel die nat�rlichen Anlagen des Menschen und die Kunst, sie zum Aufbruch zu bringen. Ein K�rrner f�hrt Metall in eine Gie�erei.[14] Bei dem Anblick ihrer Einrichtungen erfa�t ihn die Neigung, als Lehrling einzutreten. Er entdeckt bei sich einen Trieb, den bisher weder er, noch seine Eltern kannten; er tritt wirklich als Lehrling ein und macht so erstaunliche Fortschritte, da� er schon nach einem Jahre einen sehr geschickten Arbeiter ersetzte und pro Tag 22 Franken verdiente. Welche Anklage liegt in diesem einen Beispiel gegen unsere Arbeits- und Erziehungsmethoden, gegen unsere Theorie der Vervollkommnung und des Studiums des Menschen. Jedes Kind hat vom jugendlichsten Alter an Anlagen und Triebe verschiedenster Art, aber wie erm�glichen, da� wir sie kennen lernen? Dazu ist die Zivilisation unf�hig. Uns mangelt der Kompa�, der Schl�ssel, der uns dieses Zauberbuch �ber die Anziehungen und die industriellen und wissenschaftlichen Anlagen und Triebe entziffert. Das kann nur durch die Anwendung der Serien der Triebe geschehen; sie bilden den Schl�ssel zu jedem Zweig des sozialen Mechanismus und haupts�chlich auch f�r die Erziehung. Das Problem, das es hier zu l�sen gilt, ist, nicht nur eine, sondern selbst zwanzig Anlagen zum Aufbruch zu bringen bei einem Kinde, das kaum drei Jahre alt ist. Vom vierten Jahre ab soll es schon spielend in zwanzig verschiedenen Serien industrieller Th�tigkeit geschickt sein und mehr gewinnen, als seine Nahrung und sein Unterhalt kosten; es �bt abwechselnd alle physischen und intellektuellen F�higkeiten, Alles mit Eifer ergreifend. Statt zwanzig Anlagen im Alter von vier Jahren finden wir bei dem Zivilisirten oft nicht eine im Alter von zwanzig Jahren, sie wurden unterdr�ckt, erstickt, weil die Eltern arm waren, oder die Triebe und Anlagen nicht anzuregen verstanden, oder die Gelegenheit fehlte. So steht es �hnlich selbst bei der wohlhabenden Klasse. Unter zwanzig jungen Leuten, die man auf die Universit�ten und Hochschulen schickt, ist �fter kaum einer, der die in ihn gesetzten Hoffnungen erf�llt. Die Anlagen zum Aufbruch zu bringen, die Kunst, sie vom niedersten Lebensalter an zu entwickeln, das ist die Klippe, an der unsere Wissenschaften scheitern. Wir verstehen das nicht einmal in der Agrikultur, woher es kommt, da� diese selbst unserer Dorfjugend widerw�rtig erscheint. Unsere wissenschaftliche, unsere industrielle Erziehung steht, wie Alles, au�erhalb der Natur, au�erhalb der Anziehung. Es ist klar, wir brauchen einen Wegweiser, eine neue Wissenschaft und diese ist die Lehre von den Serien der Triebe. Ohne sie werden die Nebel immer gr��er. Man behauptet, die Menschen seien heute nicht falscher als fr�her. Inde� vor einem halben Jahrhundert konnte man f�r wenig Geld noch Stoffe von guter Farbe und Qualit�t und nat�rliche, d.h. unverf�lschte Nahrungsmittel kaufen; heute herrschen �berall Verf�lschung und Betr�gerei. Der Landmann selbst ist ein F�lscher geworden, wie es der Kaufmann schon vor ihm war. Milch, Oel, Wein, Branntwein, Zucker, Mehl, Kaffee, Alles ist schamlos verf�lscht. Die arme Menge kann sich keine nat�rlichen Lebensmittel mehr verschaffen, man verkauft ihr langsam wirkende Gifte; solche Fortschritte machte der Handelsgeist selbst bis in die entlegensten D�rfer. Seit f�nfzig Jahren hat sich die Zahl der Handeltreibenden vervierfacht, ohne da� die Besch�ftigung f�r sie sich entsprechend vermehrte, der Schwindel ist in demselben Ma�e gewachsen und ebenso die Aufsaugung der Kapitalien.�[15] �Zu allen Zeiten und an allen Orten wird die Anziehung der Triebe zu drei Zielen zu kommen suchen: Zum Luxus oder zur Befriedigung der f�nf Sinne; zu Gruppenbildungen und Serien der Gruppen -- Bande der Zuneigung --; zu dem Mechanismus der Triebe, der Charaktere und Instinkte; und durch sie alle drei zur universellen Einheitlichkeit.� [Fu�note 14: Fourier erw�hnt hier einen selbsterlebten Fall und f�hrt die Namen an, die wir als gleichg�ltig weglassen.] [Fu�note 15: Der Leser will nicht vergessen, da� das nicht heute, sondern schon vor dreiviertel Jahrhunderten geschrieben wurde.] �Der Luxus umfa�t alle sinnlichen Vergn�gungen. Indem sich die Triebe nach Befriedigung sehnen, w�nschen wir uns implicite Gesundheit und Reichthum als Mittel der Befriedigung; wir w�nschen uns inneren Luxus oder k�rperliche Kraft, Verfeinerung und St�rke der Sinne, und �u�eren Luxus oder Reichthum. Man mu� diese beiden Mittel besitzen, um den ersten Zweck der Anziehung der Triebe zu erreichen. Wir m�ssen also befriedigen: Geschmack, Gef�hl, Gesicht, Geh�r, Geruch. F�r das zweite Ziel sucht die Anziehung Gruppen zu bilden und zwar in der Zahl von vier: Gruppe der Freundschaft, des Ehrgeizes, als h�here; der Liebe, der Elternschaft oder der Familie, als niedere Ziele. Alle Gruppen, die sich in voller Freiheit und nach Neigung bilden, beziehen sich auf eins dieser vier Ziele. Wird eine Gruppe zahlreich, so theilt sie sich in Untergruppen, indem sie eine Serie von Theilen bildet, abgestuft in Nuancen nach Neigungen und Geschmack. Alle Gruppen suchen eine Serie (Reihe) oder Stufenleiter zu bilden, verschieden in Gattung und Art. Die Serien der Gruppen sind also zweites Ziel der Anziehung, indem sie sich f�r alle Funktionen der Sinne und der Seele bilden. Das dritte Ziel ist der Mechanismus der Triebe oder der Serien von Gruppen. Es ist das Bestreben der f�nf sinnlichen Triebe (1. Geschmack, 2. Gef�hl, 3. Geruch, 4. Gesicht, 5. Geh�r) mit den vier affektiven: 6. Freundschaft, 7. Ehrgeiz, 8. Liebe, 9. Elternschaft, in Uebereinstimmung zu bringen. Diese Uebereinstimmung vollzieht sich durch Vermittelung der drei wenig bekannten und viel verkannten Triebe. 10. der Kabalist, Trieb durch Intrigue nach Vereinigung der Gleichstrebenden; 11. der Papillon, Trieb nach Abwechslung, nach Kontrasten; 12. der Komposit, Trieb der Aneiferung, der Begeisterung, des Strebens nach Vervollkommnung.� �Diese zw�lf zusammenwirkenden Triebe stellen die Harmonie der Triebe her. Ein Jeder w�nscht im Spiel seiner Triebe eine solche Ausgleichung sich zu verschaffen, da� der Aufschwung des einen Triebes den Aufschwung aller �brigen beg�nstigt. Z.B. Liebe, Ehrgeiz wollen ihr Ziel erreichen und nicht entt�uscht sein; die Gourmandis hat die Absicht, die Gesundheit zu verbessern, und nicht zu sch�digen ... Gegenw�rtig ist der Mensch im Kriege mit sich selbst. Seine Triebe gerathen aneinander. Der Ehrgeiz wirkt der Liebe, die Elternschaft der Freundschaft entgegen, und so befinden sich alle Triebe best�ndig in Disharmonie. Aus diesem Kampf der Triebe entstand die Wissenschaft der Moral, die verlangt, man solle die Triebe unterdr�cken; aber unterdr�cken hei�t nicht organisiren, harmoniren. Unser Zweck ist, den freiwillig ineinander greifenden Mechanismus der Triebe zu schaffen, _ohne einen zu unterdr�cken_. Dies geschieht, wenn jedes Individuum, indem es sein pers�nliches Interesse verfolgt, damit auch dem Allgemeininteresse best�ndig dient. Heute ist das Gegentheil der Fall. Die Zivilisation ist ein Krieg des Einen gegen Alle und Aller gegen Einen; eine Ordnung, wo Jeder sein Interesse dabei findet, alle Anderen zu t�uschen, sie ist ein den Trieben fremder Diskord; aber das Ziel der Triebe mu� sein, zur inneren und �u�eren Harmonie zu kommen.� �Die Kunst zu assoziiren, besteht darin, eine Phalanx von Serien der Triebe in voller Uebereinstimmung bilden und entwickeln zu k�nnen, die vollkommen frei nur durch Anziehung bewegt sein sollen und angewendet werden auf die sieben bereits erw�hnten industriellen Funktionen. Hauswirthschaft, Ackerbau, Industrie, Handel und Verkehr, Unterricht, Wissenschaften, sch�ne K�nste ... Eine Serie der Triebe ist eine Verbindung verschiedener in auf- und absteigender Stufenfolge verbundener Gruppen, die vereinigt sind durch Uebereinstimmung des Geschmacks f�r irgend eine Th�tigkeit, wie den Anbau einer Frucht, und in welcher f�r jeden Zweig der Arbeit hierbei eine spezielle Gruppe sich bildet. Wenn die Serie Hyazinthen oder Kartoffeln baut, mu� sie eben so viel Gruppen bilden, als Arten von Hyazinthen oder Kartoffeln kultivirt werden sollen. Jede Gruppe bildet sich aus Gliedern der Serie, die f�r eine bestimmte Art inkliniren. Es sind mindestens 45-50 Serien nothwendig, wenn einigerma�en die n�thige Abwechslung und Ausgleichung herbeigef�hrt werden soll. Die Serien benutzen die Verschiedenheiten der Charaktere, des Geschmacks, der Instinkte, der Verm�gen, der Anspr�che, der Bildungsstufen. Jede Serie setzt sich aus kontrastirenden und abgestuften Ungleichheiten zusammen, sie erheischt ebensoviel Gegens�tze oder Antipathien als Uebereinstimmungen oder Sympathien, wie ja auch in der Musik ein Akkord dadurch sich herstellt, da� man ebensoviel Noten ausfallen l��t, als man zusetzt. Die Kontraste der T�ne erzeugen den Akkord. Eine Vereinigung von Serien der Triebe hat f�r die soziale Harmonie gl�nzende Eigenschaften, sie erzeugt Bewegung, Wahrheit, Gerechtigkeit, direkte und indirekte Uebereinstimmung, Einheitlichkeit. Die Zivilisation hat alle entgegengesetzten Eigenschaften: Entkr�ftung, Ungerechtigkeit, Betrug, Mi�stimmung, Zweideutigkeit. Aber die Serie der Triebe w�rde nicht richtig funktioniren, wenn sie nicht drei Eigenschaften bes��e. Die verschiedenen Gruppen m�ssen miteinander rivalisiren oder gegeneinander in Bewegung gerathen; das ist nur m�glich, wenn die Gruppen nicht grundverschiedene Leistungen vollziehen, sondern nur gradweise verschiedene, also z.B. nicht verschiedene Arten von Obst, sondern verschiedene Sorten einer Art bauen. Ferner m�ssen die einzelnen Sitzungen kurz sein, sie d�rfen sich nicht �ber zwei Stunden ausdehnen, weil sonst die Erm�dung eintritt. Soll eine Arbeit anziehend sein, so mu� sie kurzzeitig sein und man mu� dann zu einer andern kontrastirenden Th�tigkeit �bergehen k�nnen. Endlich mu� Jedes in der Gruppe eine bestimmte Arbeit haben, die es im Wetteifer mit den Uebrigen am besten zu machen sucht. So kommen die Kabalist, die Papillon, die Komposit in Anwendung. Eine Gruppe gen�gt, wenn sie sieben Mitglieder z�hlt; sie ist vollkommen, wenn sie neun hat; sie theilt sich dann unwillk�rlich wieder in Untergruppen, in die beiden Fl�gel und das Zentrum. Vierundzwanzig Gruppen ist die niedrigste Anzahl f�r eine Serie.� * * * * * �Die Zivilisirten treffen �berall instinktiv das Falsche, sie ziehen immer das Falsche dem Wahren vor und so ist auch der Angelpunkt ihres Systems eine falsche Gruppe, die sie auf die kleinste Zahl, auf zwei beschr�nkten. Diese Gruppe ist das Ehepaar. Diese Gruppe ist falsch durch die Beschr�nkung der Zahl, falsch durch das Fehlen der Freiheit, falsch durch das Auseinandergehen und die Spaltungen des Geschmacks. Diese Differenzen machen sich schon nach den ersten Tagen f�hlbar; man differirt bez�glich der Gerichte, der ehelichen Besuche, der Ausgaben, der Unterhaltung, und wegen hundert anderer Dinge. Nun, wenn die Zivilisirten nicht einmal die urspr�nglichste ihrer Gruppen harmonisiren k�nnen, dann k�nnen sie dies noch weniger mit dem Ganzen. _Der Mensch ist aus Instinkt Feind des Zwanges und der Gleichheit, er strebt in jeder Beziehung best�ndig nach Ver�nderung_.� Da nach Fourier also der Mensch in jeder Beziehung Feind der Gleichheit ist, weshalb auch die Verm�gensunterschiede bestehen bleiben m�ssen, giebt es in der Phalanx eine hierarchische Ordnung, die freilich, bei Lichte besehen, sehr harmlos ist, und sich auch nur zum Besten des Ganzen beth�tigen kann. Freund milit�rischer Einrichtungen, die ihm durch ihre strenge Ordnung und ihre regelm��ige Funktionirung imponiren -- er soll mit gro�er Vorliebe bis an sein Lebensende den milit�rischen Uebungen und Paraden beigewohnt haben --, giebt er seiner phalansteren Hierarchie einen milit�risch-monarchischen Anstrich, obgleich ihr Grundtypus ein rein demokratischer ist. Die Leiter der Serien und Gruppen werden Offiziere genannt und haben milit�rische Grade. Es sind Hauptleute, Lieutenants, Fahnenjunker; es giebt ganze St�be in der Phalanx und werden alle W�rden ohne R�cksicht auf das Geschlecht erworben. Sind in einer Gruppe oder Serie haupts�chlich Frauen, so werden die Offiziersstellen haupts�chlich Frauen bekleiden. Dasselbe gilt von den Kindern, Knaben wie M�dchen. Die Mitglieder der Serien und Gruppen w�hlen zu ihren Leitern Diejenigen, die sich innerhalb ihres Kreises am meisten auszeichnen und dadurch die Sympathien der Uebrigen erwerben. Fourier ist ferner der Ansicht, da� die Menschen, mit sehr wenig Ausnahmen, an �u�eren Auszeichnungen, an sch�nen Farbenzusammenstellungen in ihrer Kleidung, an Uniformen, gl�nzenden Schaustellungen und Festen, opulenten Einrichtungen, pr�chtigen Denkm�lern und Bauten ihre Freude haben. Nach all diesen Richtungen soll die Phalanx das H�chste bieten. Zur Leitung werden zweierlei Arten von Offizieren gew�hlt; die Einen, welche die eigentliche gesch�ftliche Leitung haben, und die Andern, welche den sogenannten �u�eren Dienst versehen, die f�r den Glanz und das w�rdige Auftreten der Gruppen und Serien bei Festen, Aufz�gen, Schaustellungen und f�r die Ausschm�ckung sorgen. Auch in letzterer Beziehung wird ein lebhafter Wetteifer zwischen den einzelnen Serien und Gruppen entstehen. Man wird f�r die zuletzt erw�hnten Funktionen haupts�chlich solche Personen zu Offizieren erw�hlen, die gr��eren Reichthum besitzen. Denn da in der Phalanx das Kapital f�nf- und sechsfach h�here Zinsen erlangt, als in der Zivilisation, ohne da� Arbeit und Talent dabei zu kurz kommen, und die reichen Leute in der Phalanx sehr bedeutend billiger und doch viel besser leben, als in unserer gegenw�rtigen sozialen Ordnung, werden sie eine Ehre darein setzen, ihren eigentlich sonst gar nicht unterzubringenden Ueberflu� zum Besten des Ganzen anzuwenden. Sie werden also �fter f�r ihre Serien- und Gruppengenossen besonders opulente Mahlzeiten veranstalten, die ihnen gar nicht so au�ergew�hnlich theuer kommen, weil sie nur das Plus des Preises �ber die regelm��ige Mahlzeit, deren Kosten Jedem Tag f�r Tag von der Phalanx angerechnet werden, zu bezahlen haben; ferner werden sie den Bau pr�chtiger Pavillons, die Aufstellung von Statuen, Alt�ren und dergleichen in dem Theile des Kantons, in dem die Serie oder Gruppe, in welcher sie die hervorragende Rolle spielen, besch�ftigt ist, auf ihre Kosten betreiben. Alle Arten von Serien und Gruppen, gebildet in Uebereinstimmung mit den Trieben, deren Ordnung und Mechanismus der Zivilisation als ein undurchdringliches Geheimni� erscheint, sind nach Fourier das Ergebni� geometrischer Berechnungen auf Grund der Anziehungen und der Bestimmungen. Die Richtigkeit dieser von ihm unternommenen Berechnungen ist nach seiner Meinung unzweifelhaft. Er kennt das Geheimni� des ganzen Mechanismus der Gesellschaft und von einem guten Theil des Weltalls; Alles organisirt sich nach bestimmten mathematischen Zahlenverh�ltnissen, die zun�chst nur ihm bekannt sind. Wenn einmal Jemand sich im Besitz eines solchen Geheimnisses und solcher Kenntnisse w�hnt, so ist nat�rlich, da� jede andere Theorie, die auf dasselbe Ziel hinaus l�uft, ihm als eine Art Profanation seiner eigenen Ideen, als eine Art Sakrilegium erscheint, und da� er die fremden Theorien dementsprechend als Charlatanerie behandelt und verurtheilt. Da nun um dieselbe Zeit, als Fourier mit seinen Theorien vor die Oeffentlichkeit trat, Owen in England mit seinen Assoziationsversuchen ebenfalls hervortrat und gro�es Aufsehen erregte, sp�ter auch schriftstellerisch und pers�nlich agitatorisch f�r dieselben wirkte, konnten diese Bestrebungen Fourier nicht unbekannt bleiben. Er griff Owen heftig an, als einen Mann, der vom Mechanismus der Assoziation nichts verstehe, nur Sophismen verbreite und mit seinem Kommunismus und Atheismus das gr��te Unheil anstifte. In �hnlicher Weise wandte er sich sp�ter auch gegen die Saint Simonisten, die er mit ihrer neuen Religionsgr�ndung l�cherlich machte. Unbegreiflich war ihm nur, da� Beide, Owen und Saint Simon, mehr Beachtung und Anhang fanden, als er. Fourier f�hrt nun weiter fort: �Das Bed�rfni� nach periodischer Verschiedenheit, kontrastirenden Situationen, Szenenver�nderungen, nach pikanten Zuf�llen, nach Neuigkeiten, welche die Illusion erregen, ist dem Menschen eingeboren. Dieser Trieb ist die Papillon. Das Bed�rfni� nach Abwechslung macht sich bei dem Menschen von Stunde zu Stunde, lebhaft von zwei zu zwei Stunden bemerkbar. Wird es nicht befriedigt, so verf�llt er der Lauheit und Langeweile. Auf der Befriedigung dieses Triebes nach Ver�nderung beruht das Gl�ck der Pariser Sybariten. Es ist die Kunst, �gut und rasch zu leben�. Verschiedenheit und Verkettung der Vergn�gungen, Raschheit der Bewegung ist nothwendig.� Indem nun im soziet�ren Zustand alle Besch�ftigung in kurzen Sitzungen von etwa einundeinhalbst�ndiger Dauer sich vollzieht, kann Jeder im Laufe des Tages acht bis zehn ihn anziehende und seine Triebe befriedigende verschiedene Th�tigkeiten aus�ben, die durch die Art ihrer Aus�bung ihm nur Vergn�gen bereiten. Den n�chsten Tag besucht er Gruppen und Serien, die von denen des vorhergehenden Tages in ihrer Zusammensetzung wie in ihrer Th�tigkeit verschieden sind. So eilt der Mensch, entsprechend seinen Trieben, selbst indem er n�tzlich th�tig ist, von Vergn�gen zu Vergn�gen, _ohne in Exzesse zu verfallen_, denen der Zivilisirte nicht entgeht. Denn dieser widmet einer Arbeit sechs Stunden und mehr, einem Fest sechs Stunden, einem Ball die ganze Nacht auf Kosten seines Schlafes und seiner Gesundheit. Dann sind auch die Vergn�gungen der Zivilisirten immer unproduktiv, w�hrend im soziet�ren Zustand die Arbeiten selbst zu Vergn�gen und also produktiv werden. Sehen wir zu, wie ein Unbemittelter und wie ein Reicher in der Phalanx ihren Tag verbringen. Wir nehmen den Monat Juni als Beispiel der Lebensweise f�r den Unbemittelten. �Fr�h 3� Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Sitzung[16] in einer Gruppe f�r die Pflege der Thiere in den Stallungen; 5 Uhr Sitzung in einer Gruppe der G�rtner; 7 Uhr Fr�hst�ck; 7� Uhr Sitzung der M�her; 9� Uhr Sitzung der Gem�sebauer, und zwar werden diese Gartenarbeiten bei gr��erer W�rme unter k�nstlich konstruirten transportablen Zelten vorgenommen; 11 Uhr zweite Sitzung in den Stallungen; um 1 Uhr Mittagstisch; 2 Uhr Waldarbeiten; 4 Uhr Besch�ftigung in einer Manufaktur; 6 Uhr Bew�sserung; 8 Uhr B�rse; 8� Uhr Abendessen; 9 Uhr Unterhaltungen; 10 Uhr Schlafengehen.� [Fu�note 16: Jede dieser kurzzeitigen Besch�ftigungen nennt Fourier Sitzung (�s�ance�).] Die B�rse der Phalanx besch�ftigt sich nicht mit dem Handel von Papieren und dem Schacher der Lebensmittel, sondern es werden hier die Abmachungen f�r den n�chsten Tag getroffen; es bilden sich neue Gruppen und Serien. Auch wird sp�ter, wenn die Phalanx in voller Wirksamkeit ist, die Zahl der Ruhepausen und Mahlzeiten sich auf f�nf erh�hen und werden die Sitzungen k�rzer. Der Reiche, dessen Tagesbesch�ftigung wir nun folgen lassen, ist ein Gutsbesitzer, der probeweise in die Phalanx trat. �Fr�h 3� Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Zusammenkunft im Morgensaal, Unterhaltungen �ber die Nachterlebnisse; 4� Uhr erste Erholung, gefolgt von der industriellen Parade -- Kinder und Erwachsene, M�nner und Frauen ziehen mit Fahnen und Emblemen unter Musik in ihren Gruppen und Serien auf das Feld --; 5� Uhr Jagd; 7 Uhr Fischfang; 8 Uhr Fr�hst�ck; Zeitungen; 9 Uhr Gartenkultur unter Zelten; 10� Uhr Fasanerie; 11� Uhr Bibliothek; 1 Uhr Mittagessen; 2� Uhr Gew�chsh�user; 4 Uhr Pflege exotischer Pflanzen; 5 Uhr Pflege der Fischteiche; 6 Uhr Vesperbrot auf dem Felde; 6� Uhr Schafzucht; 8 Uhr B�rse; 8� Uhr Abendessen; 9� Uhr Schaustellungen; 10� Uhr Schlafengehen.� Die kurze Schlafzeit -- sechs Stunden -- erkl�rt Fourier damit, da� die Harmonisten in Folge ihrer vern�nftigen und angenehmen Lebensweise, die Niemand �beranstrenge, weniger Schlaf brauchten, als die Zivilisirten, auch w�rden sie von Kindheit an an diese Lebensweise gew�hnt. Bei der minuti�sen Ausarbeitung, die Fourier allen Einrichtungen seiner Phalanx zu Theil werden l��t, hat er sich auch ausf�hrlich mit den baulichen Einrichtungen befa�t und die entsprechenden Pl�ne seinen Werken einverleibt. Die Phalanx ist eben ein Uhrwerk, das nach den Pl�nen seines Erfinders konstruirt werden mu�, wenn es den beabsichtigten Zweck erreichen soll. Das Geb�ude der Phalanx, das Phalanst�re, besitzt ringsum Gallerien, die im Winter gleichm��ig durchw�rmt, im Sommer von erfrischender K�hle sind. Der L�nge nach laufen durch das m�chtige Geb�ude, in dem die 1800-2000 Angeh�rigen der Phalanx wohnen, S�ulenhallen, die nach allen Theilen f�hren, nach den S�len, den Wohnungen, der B�rse. Verdeckte G�nge stellen bequeme Verbindungen nach den Ateliers, Werkst�tten und Stallungen her. Man behaupte, meint F., durch die kurzen Sitzungen werde viel Zeit verbraucht, um von einem Ort zum andern zu kommen. Das sei inde� falsch, da das Geb�ude mitten im Bezirk liege und von allen Seiten in 5-10, h�chstens 15 Minuten zu erreichen sei. Auch k�men die Kosten des Baues nicht in Betracht, da die Arbeitsweise in der Phalanx gegen diejenige in der Zivilisation immense Vortheile biete, und der Eifer, mit dem Jedermann sich betheilige, herbeif�hre, da� in einer Stunde geleistet werde, was in der Zivilisation kaum in drei Stunden geleistet werden k�nne. Man betrachte nur einmal unsere Arbeiter auf dem Felde, die, wenn ein Vogel vor�ber fliege, sich hinstellten und ihm nachs�hen, die H�nde auf die Hacke gest�tzt. Das komme daher, weil unsere Arbeiten Ueberdru� erweckten und erm�deten und jeden Reizes entbehrten. �Die Besch�ftigung in der Phalanx erzeugt das die Gesundheit f�rdernde k�rperliche Gleichgewicht. Die Gesundheit mu� nothwendig gesch�digt werden, wenn der Mensch sich zw�lf Stunden einer gleichm��igen Arbeit �berlassen mu�, die, welcher Art sie immer ist, die verschiedenen Glieder des K�rpers und seinen Geist nicht gen�gend besch�ftigt. Dies wird noch schlimmer, wenn dieselbe Arbeit Tag f�r Tag das ganze Jahr hindurch sich wiederholt. Daraus entstehen neben dem allgemeinen Widerwillen an der Arbeit die vielen Berufskrankheiten; so sind gewisse chemische Fabriken wahre M�rdergruben, in denen eine Besch�ftigung von zweist�ndigen Sitzungen, zwei- oder dreimal die Woche f�r den Einzelnen, ohne jeden Nachtheil ertragen wird. Die reiche Klasse verf�llt wieder andern Krankheiten, der Gicht, der Apoplexie, dem Podagra, Krankheiten, die dem Landmann fremd sind. Die Fettleibigkeit, bei den Reichen so gew�hnlich, ist ein Zustand, der k�rperliches Gleichgewicht und Wohlbefinden gr�blich st�rt. Fast alle Besch�ftigungen und Vergn�gungen der Reichen stehen mit der Natur im Widerspruch. Die sanit�re Bestimmung schreibt dem Menschen best�ndige Abwechslung in der Th�tigkeit sowohl f�r den K�rper als f�r den Geist vor, diese h�lt allein die Aktivit�t und das Gleichgewicht aufrecht.� �Was vorzugsweise das k�rperliche Wohlbefinden f�rdert, wird auch das seelische f�rdern. Vereinigt in der Zivilisation das Interesse Freunde, so vereinigt es im soziet�ren Zustand sogar die Feinde, es s�hnt die antipathischen Charaktere durch indirekte Kooperation aus, und zwar, weil in einer gro�en Reihe von Serien und Gruppen, in die jeder Einzelne nach der Verschiedenheit seiner Neigungen und Triebe nach und nach eintritt, er durch die Ber�hrung findet, da� Diejenigen, die ihm auf dem einen Gebiet antipathisch waren, ihm auf anderen sympathisch sind. Auch wird das Nebeneinanderarbeiten nach demselben Ziel unwiderstehlich seine auss�hnende Wirkung �ben.� �Die seelischen Triebe verlangen so gut wie die sensuellen Abwechslung, um befriedigt zu werden; es sind also auch die Herzen der gro�en Mehrheit der beiden Geschlechter dem Bed�rfni� nach Ver�nderung und Abwechslung unterworfen. Der Mann wie die Frau w�nschte sich ein Serail, wenn Abh�ngigkeit, Sitte und Gesetz sich dem nicht widersetzten. Die ernsten Holl�nder, die in Amsterdam so hoch moralisch scheinen, haben in Batavia ihre Serails, gef�llt mit Frauen aller Hautfarben. Da haben wir das Geheimni� unserer Moral; sie wird zur Heuchlerin, wenn die Umst�nde es gebieten, und sie wirft die Maske ab, wenn sie dies ungestraft thun kann.� �Pflanzen und Thiere haben das Bed�rfni� nach Wechsel und Kreuzung. Mangels eines solchen Wechsels arten sie aus. Ebenso hat der Magen das Bed�rfni� nach Wechsel; entsprechende Ver�nderung in den Speisen erleichtert die Verdauung und erh�ht das Behagen und die Befriedigung; aber man gebe dem Magen dieselbe ausgesuchteste Speise t�glich und er wird sie mit Widerwillen zur�ckweisen. Geist und Seele sind von dem Trieb nach Ver�nderung beherrscht; oft wirken zwei und drei Triebe gleichzeitig; so Liebe und Ehrgeiz.� �Die Erde selbst hat ihre internirenden Zeiten, die der Besaamung, der Erzeugung. Der Boden bedarf alternirender Anwendung der Pflanzen; die ganze Natur verlangt nach Wechsel. In der ganzen Welt existiren nur die Moralisten und die Chinesen, welche die Einf�rmigkeit, die Uniformit�t verlangen; aber die Chinesen sind auch die falschesten, der Natur am meisten widerstrebenden Wesen.� Fourier, der, wie wiederholt hervorgehoben wurde, Alles ha�te, was mit dem Handel zu thun hatte, ha�te die Chinesen besonders, weil sie, nach dem Vorurtheil seiner Zeit, die gr��ten Diebe und Betr�ger im Handel seien. Wir wissen heute, da� dies eine falsche Ansicht ist, obgleich die Vorurtheile gegen die Chinesen noch sehr stark in Europa sind. Ebenso wie die Chinesen waren Fourier als haupts�chlich handeltreibendes Volk die Juden verha�t, die er unmittelbar den Chinesen in der Rangordnung folgen lie�. Er war sehr ungl�cklich, als man in Frankreich den Juden die vollen b�rgerlichen Rechte einr�umte, was ihn freilich nicht abhielt, wie wir sahen, Herrn von Rothschild unter die Kandidaten f�r seine Versuchsphalanx zu reihen und ihm ein K�nigreich Jerusalem in Aussicht zu stellen. �Die Moral�, f�hrt Fourier weiter aus, �welche die drei Triebe: Kabalist, Papillone, Komposit, am heftigsten kritisirt, ist selbst im st�rksten Widerspruch mit der Natur. Diese drei Triebe spielen eine gro�e Rolle im sozialen Mechanismus, wie die Natur es will; sie haben die Herrschaft, denn sie dirigiren die Serien der Triebe; jede Serie ist in ihrem Mechanismus gef�lscht, wenn sie nicht den kombinirten Schwung dieser drei Triebe beg�nstigt; sie bilden die neutrale Gattung in der Tonleiter der zw�lf Triebe.� �Aktiver Gattung sind die vier Triebe der Seele: Freundschaft, Ehrgeiz, Liebe, Elternschaft; passiver Gattung die f�nf sensuellen Triebe: Geh�r, Geruch, Geschmack, Gesicht, Gef�hl. Die neutrale Gattung -- die mechanisirenden Triebe -- macht sich besonders bemerklich bei den Kindern, denen die zwei affektiven Triebe -- Geschlechtsliebe und Elternschaft -- noch fehlen; sie �berlassen sich den mechanisirenden Trieben in ihren Spielen am meisten, welche sie sehr selten �ber zwei Stunden aus�ben, ohne zu wechseln. Diese Disposition wird man f�r sie bei der Organisation ihrer Erziehung und Besch�ftigung besonders in Anwendung bringen.� �Die Anziehung kann dreierlei Art sein: direkt oder �bereinstimmend; indirekt oder gemischt; verkehrt oder abweichend, d.h. gef�lscht. Direkt ist sie, wenn sie aus Freude an dem Gegenstand selbst die Th�tigkeit aus�bt. So haben Archimedes in der Geometrie, Linn� in der Botanik, Lavoisier in der Chemie nicht des Gewinnes wegen, sondern aus hei�er Liebe zur Wissenschaft gearbeitet. So kann ein F�rst aus Liebe an dem Gegenstand Orangen- oder Nelkenzucht treiben, oder wie Ludwig XVI. die Schlosserei; kann eine F�rstin Zeisige oder Fasanen pflegen. Hier herrscht direkte Anziehung zur bestimmten Besch�ftigung, und so werden in der soziet�ren Gesellschaft sieben Achtel der Arbeiten beschaffen sein.� �Die indirekte Anziehung ist vorhanden, wenn Jemand eine Th�tigkeit mehr des Gewinnes wegen, oder der Resultate seiner Arbeit als des Gegenstandes selbst wegen aus�bt. Zum Beispiel ein Naturforscher, der widerliche Reptile oder Giftpflanzen unterh�lt. Er liebt weder das Eine, noch das Andere an sich, aber er �berwindet seinen Widerwillen durch den Eifer, den die in Aussicht stehenden wissenschaftlichen Resultate in ihm erwecken. Solche indirekte Anziehung wird soziet�re Funktionen erregen, die einer besonderen Anziehung beraubt sind, aber gr��eren Gewinn oder gr��ere Anerkennung finden. Dieser Art Arbeiten wird es ein Achtel geben.� �Die verkehrte oder gef�lschte Anziehung herrscht dort, wo die Arbeit den Trieben Verstimmung erzeugt. Das ist der Fall, wo der Arbeiter nur dem Zwang gehorcht, wo seine Arbeitskraft gekauft ist, wo moralische Erw�gungen ihn treiben, aber weder Freudigkeit f�r, noch Geschmack an der Th�tigkeit vorhanden ist. Diese Nichtattraktion kann in der Phalanx nicht existiren, sie herrscht aber in sieben Achteln der Arbeiten der Zivilisation vor. Diese Zivilisirten hassen ihre Th�tigkeit, sie �ben sie entweder aus Hunger oder Langeweile, sie erscheint ihnen eine Strafe, zu der sie tr�gen Schrittes, mit tr�bsinnigem, niedergedr�cktem Aussehen gehen.� �Der Gewinnanreiz, der bei den f�r Lohn oder Gehalt Arbeitenden nur eine divergirende Anziehung aus�bt, kann in der Assoziation oft ein edles H�lfsmittel sein. Zum Beispiel es handele sich um eine Erfindung wie die, die Rauchverbrennung herbeizuf�hren. Hier handelt es sich um Gewinn und Ruhm. Wer das Mittel entdeckt, empf�ngt von der Phalanx f�nf Franken, da aber eine Million Phalanxen auf dem Erdboden bei dieser Erfindung interessirt sind, so erh�lt er f�nf Millionen Franken und empf�ngt au�erdem als Erfinder das Diplom als einer der Magnaten des Erdballs, wodurch er auf der ganzen Erde die diesem Rang zugebilligten Ehrenbezeugungen empf�ngt.� �Durch diese Form der Belohnung f�r allgemein n�tzlich oder angenehm erkannte Leistungen wird selbst in den kleinsten Dingen der Gewinn enorm sein. Wird f�r eine Ode oder Symphonie eine Belohnung von zwei Sous gew�hrt und erkl�ren sich bei der Abstimmung 500.000 Phalanxen f�r dieselbe, so werden dem Dichter oder Komponisten 50.000 Franken ausgezahlt. Er empf�ngt zu diesem Zweck die entsprechende Anzeige von dem Weltkongre�, und wird diese Summe ihm in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, ausgeh�ndigt. So wird Jeder f�r au�ergew�hnliche Leistungen in demselben Verh�ltni� Belohnungen und Ehren empfangen, als diese Anerkennung finden. Denn nur diejenigen Phalanxen steuern, die sich zu Gunsten einer Leistung aussprachen, sie also f�r w�rdig erachteten und werthvoll fanden.� �Die indirekte Anziehung wird man in der Zivilisation selten finden, sie kann nur durch einen m�chtigen Ansto� angeregt werden. Ein Beispiel. Im Jahre 1810 gerieth bei L�ttich eine Kohlenmine in Brand und wurden achtzig Arbeiter, ohne Nahrungsmittel zu haben, darin eingeschlossen. Um sie zu befreien, mu�te in wenig Tagen ein bedeutender Durchstich fertiggestellt werden. Alle Kameraden der Eingeschlossenen gingen mit Feuereifer an die Arbeit, Jeder setzte eine Ehre darein, das H�chste zu leisten, und nach vier Tagen war eine Arbeit vollbracht, zu der man sonst mindestens zwanzig gebraucht h�tte. Es war nicht der Geldgewinn, der sie trieb, denn die Arbeiter wiesen jede Belohnung als eine Beleidigung zur�ck, es war der Drang, ihre Genossen um jeden Preis zu retten. So kann also die widerlichste unangenehmste Arbeit indirekt anziehend werden, wenn edle Impulse ihr zu H�lfe kommen.� Fourier erl�utert nun weiter die innere Organisation und Verwaltung der Phalanx. �In der Zivilisation kennt man keine andere Rangordnung, als die nach Stand und Verm�gen; die soziet�re Ordnung dagegen wendet eine uns heute g�nzlich unbekannte Klassifikation an, diejenige der Charaktere nach dem Lebensalter und nach Temperamenten. Die verschiedenen Alter vom dritten Lebensjahre an bis zum Greisenalter theilen sich in sechzehn St�mme (�tribus�) und, den beiden Geschlechtern entsprechend, in zweiunddrei�ig Ch�re.� Die Kinder vom fr�hesten Lebensalter -- bis zu einem Jahre S�uglinge, bis zum zweiten Poupons und bis zum dritten Lutins genannt -- z�hlen als unentwickelt noch nicht mit. Jeder der sechzehn St�mme hat seine besondere Bezeichnung. Stamm Nr. 1, 3-4� Jahre z�hlend, umfa�t die Bambins; Nr. 2, 4�-6� Jahre, die Cherubins; Nr. 3, 6�-9 Jahre, die Seraphins; Nr. 4, 9-12 Jahre, die Lyzeisten; Nr. 5, 12-15� Jahre, die Gymnasiasten; Nr. 6, 15�-20 Jahre, die Jugendlichen. Die weiter folgenden St�mme sind nicht streng nach den Lebensaltern geregelt; die drei letzten, aus den h�chsten Lebensaltern gebildet, hei�en: die Ehrw�rdigen, die Verehrten, die Patriarchen. Abgesehen von den sechs ersten St�mmen, f�r die eine besondere Organisation und ein besonderes Erziehungssystem besteht, wobei beim Aufsteigen von einem Stamm in den andern besondere Pr�fungen verlangt werden, hat diese Stammeseintheilung kaum einen praktischen Zweck, wenigstens ist er nicht zu erkennen. Nur die �ltesten St�mme haben gewisse Ehrenposten in der Phalanx inne, sie sind aber ohne wesentlichen Einflu�. Die werthvollste Anwendung von dieser Stufenleiter wird bei den Kindern gemacht, sie soll die nat�rliche Erziehung erleichtern und den Korpsgeist erzeugen, mit H�lfe dessen sie mit Eifer zu den Studien und zu den Arbeiten hingezogen werden. Sobald die Kinder in das Reifealter �bergetreten sind, besuchen sie wie die �lteren Lebensalter t�glich die B�rse, wo alle Abmachungen f�r die Arbeiten und die Vergn�gungen des n�chsten Tages besprochen und geordnet werden. Die oberste Leitung der Phalanx liegt in den H�nden der Regentschaft. Diese wird aus den Mitgliedern des Areopags gew�hlt, der sich zusammensetzt: 1. aus den Chefs aller Serien; 2. aus den drei �ltesten St�mmen: den Ehrw�rdigen, Verehrten und Patriarchen; 3. aus den Aktion�ren und 4. aus den Magnaten und Magnatinnen der Phalanx. Der Areopag hat wenig zu thun, da sich Alles durch Anziehung und den Korpsgeist der St�mme, Ch�re und Serien regelt; er giebt nur �ber wichtige Gesch�fte, wie die beste Erntezeit, die Weinlese, Neubauten etc., seine Meinung kund, doch ist diese Meinung nicht verpflichtend. �Weder sind der Areopag noch die Regentschaft mit l�cherlichen Verantwortlichkeiten belastet, wie z.B. ein Finanzminister in der Zivilisation.� Das Rechnungswesen ist Sache einer besonderen Serie, welche die B�cher f�hrt, die jedes Mitglied der Phalanx einsehen kann. Ueberdies ist das Rechnungswesen so einfach wie m�glich. T�gliche Zahlungen giebt es nicht, jedes Mitglied hat, entsprechend seinem Verm�gensantheil und dem voraussichtlichen Arbeitsertrag, Kredit. Ebenso rechnen die verschiedenen Phalanxen auf Grund ihrer Bucheintragungen von Zeit zu Zeit miteinander ab. Die Rechnung f�r die Einzelnen wird am Ende des Jahres, wenn die Bilanz gezogen ist und die Vertheilungen vorgenommen werden, beglichen. Dasselbe Verfahren wird seitens der Phalanxen dem Fiskus gegen�ber beobachtet, der viertelj�hrlich seine Steuern f�r die Gesammtheit der Mitglieder einer Phalanx p�nktlich, und bei dem viel ergiebigeren Ertrag aller Arbeit auch in entsprechend h�heren Betr�gen, abgef�hrt erh�lt. Herr Fiskus erspart also seine gesammten Steuerbeamten, Exekutoren und die f�r diesen Zweck in Th�tigkeit zu setzenden Gerichtsbeamten. Ebenso geben die industriellen Armeen, worunter diejenigen Abordnungen der Phalanxen verstanden werden, welche sich in einem mehr oder weniger entfernten Lande oder in einer Provinz mit Abordnungen anderer Phalanxen zu gemeinsamen, besonders gearteten gr��eren Arbeitsleistungen zusammenfinden, auf ihrer Reise einfache Schuldverschreibungen ab, die der betreffenden Phalanx pr�sentirt und von dieser berichtigt werden. Da nun solche industriellen Armeen ziemlich oft zusammentreten und Reisen unternehmen, ist jedes Phalansterium mit den entsprechenden Unterkunftsr�umen f�r Menschen und Thiere versehen. Ferner haben die Kinder keinen Vormund mehr n�thig, das gro�e Buch der Phalanx hat f�r jedes derselben sein Konto und verwaltet seinen Besitzstand und sein Einkommen. Die Kinder k�nnen sogar vom f�nften Lebensjahre ab schon �ber ihr Einkommen verf�gen. Fourier geht nun �ber zur Kostenberechnung f�r die Gr�ndung einer Phalanx. Diese veranschlagt er auf f�nfzehn Millionen Franken. Das Hauptgeb�ude, ungef�hr 500 Fu� lang und 250 Fu� tief, bilden zwei hintereinander liegende, durch Gallerien verbundene parallel laufende Bauten und besteht aus Parterre, Entresol und vier Etagen. Das Zentrum des Geb�udes tritt nach hinten zur�ck, wodurch ein gro�er freier Platz zwischen den Fl�geln entsteht, der als Paradeplatz Verwendung findet. Der Raum zwischen den beiden parallel laufenden Bauten ist mit Blumenparterren, Orangerien, Springbrunnen ausgef�llt. Der gro�e Mitteleingang f�hrt in eine m�chtige S�ulenhalle, von wo Gallerien und Treppen nach allen Theilen des Geb�udes fuhren. Im Parterre des Mittelraums befindet sich der gro�e Wintergarten. Die Alten wohnen in den Parterrer�umen, die Kinder im Entresol. In den Fl�geln der ersten Etage logiren die reichen Phalansterianer, in der Mitte der ersten Etage befindet sich der B�rsensaal, die Speise- und Vergn�gungss�le. Au�erdem giebt es eine Menge R�ume f�r kleine Gesellschaften. Die oberste Etage bleibt f�r die Fremden und die Besucher reservirt. K�chen und B�der befinden sich im Souterrain. Die Werkst�tten, Waaren- und Getreidelager und Stallungen liegen symmetrisch geordnet dem Hauptgeb�ude gegen�ber, getrennt durch eine breite mit B�umen und Blumenbosquets bepflanzte Stra�e. Alle Passagen und Ueberg�nge sind gegen die Unbilden der Witterung gesch�tzt und im Winter erw�rmt. Hinter den beiden Fl�geln des Hauptgeb�udes liegen rechts und links die Kirche und das Theater, beide ebenfalls durch verdeckte G�nge mit dem Wohngeb�ude in Verbindung stehend. Die Th�tigkeit der Phalanx wird sich besonders erstrecken auf die Vieh- und Gefl�gelzucht, eine Th�tigkeit, die namentlich in der ung�nstigsten Jahreszeit ausgenutzt werden kann. Garten- und Feldbau wird im ausgedehnteren Ma�stab betrieben, und wird w�hrend der milden Jahreszeit die meisten H�nde in Anspruch nehmen. Die K�chenarbeiten mit ihren umf�nglichen Vorarbeiten erfordern Tag f�r Tag eine gro�e Anzahl verschiedener Kr�fte. Der K�che werden die Phalansterianer eine besondere Sorgfalt schenken, denn gut zu essen betrachten sie als eine ihrer vornehmsten Pflichten, und daher wird allen Th�tigkeitszweigen, die mit der K�che in Verbindung stehen, eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Dazu geh�ren also insbesondere Gem�se und Obstzucht, Vieh- und Gefl�gelzucht, Fischzucht, Wildpflege, Konservenbereitung. Manufakturen und Gewerbe sollen nach Bed�rfni� eingerichtet und haupts�chlich im Winter betrieben werden. Die Phalanx richtet ihre ganze Th�tigkeit und ihr Bestreben dahin, da� Alles, was sie leistet, sich durch Solidit�t wie durch Sch�nheit und Geschmack auszeichnet, sie sucht mir einem Wort in Allem das Vollendete zu liefern. Dadurch wird sie im Vergleich zu der Zivilisation in vielen Dingen geringere Quantit�ten an Produkten verbrauchen, z.B. an Tuchen, Kleidungsstoffen, M�beln, Werkzeugen. In einer gut und voll eingerichteten Phalanx werden nach Fourier's Berechnung n�thig sein: f�r Thier- und Gefl�gelzucht 30 Serien; f�r Garten- und Landwirthschaft, inklusive Wiesenbau und Waldbewirthschaftung, 50 Serien; f�r die Manufakturen 20 Serien; f�r Hauswirthschaft und Erziehung 40 Serien; f�r K�che und Kellerei 60 Serien; im Ganzen also 200. In der Manufaktur wird man wieder diejenigen Besch�ftigungen, die t�glich in Anspruch genommen werden, wie: Schneiderei, Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Sattlerei u.s.w., von denen unterscheiden, in denen eigentliche Massenfabrikation, wie die Anfertigung der Halbfabrikate, W�schefabrikation u.s.w., betrieben wird. Diese Massenfabrikation l��t sich auf bestimmte Zeiten beschr�nken. Die Anwendung in den verschiedenen Th�tigkeiten bleibt der freien Wahl der Geschlechter �berlassen, auch werden die rivalisirenden Serien nach den verschiedensten Methoden th�tig sein und immer neue Methoden zu erfinden suchen. Manche Gewerbe werden besonderen Anklang finden, wie die Kunsttischlerei, die Parfumerie -- letztere haupts�chlich bei den Frauen --, die Konditorei. Die Geschlechter werden sich dabei die ihrer Natur besonders zusagenden Th�tigkeiten ganz von selbst ausw�hlen. So wird in der Konditorei das Anmachen des Teigs haupts�chlich M�nnerarbeit sein, die Frauen werden sich mit der Herrichtung der Fr�chte und Materialien besch�ftigen, die Kinder werden bei dem Formen, dem Auslesen und Einlegen in Anspruch genommen sein. Auch wird, weil alle Einrichtungen auf das Beste und Zweckm��igste getroffen sind, die peinlichste Reinlichkeit in den Werkst�tten und Arbeitsr�umen aufrecht erhalten werden k�nnen. Ist Butter- und K�sefabrikation vorzugsweise Frauen- und Kinderbesch�ftigung, so die Fleischerei M�nnerarbeit. Fourier f�hrt dies Alles sehr im Detail aus, um zu zeigen, wie alle Geschlechter in zweckm��iger Weise ihrem Charakter und ihren Anlagen entsprechend ihre Besch�ftigungen zu finden verm�chten. Der ganze Mechanismus der industriellen Anziehung w�rde umgest�rzt und die Phalanx unm�glich werden, wenn man in der Assoziation, sowie heute in der Zivilisation, keine R�cksicht auf die verschiedenen Triebe nehmen und die Arbeitssitzungen �ber das zul�ssige Ma� ausdehnen wollte. Die Fabriken werden aus den St�dten allm�lig auf das Land verlegt, damit der Arbeiter die volle Abwechslung der Besch�ftigung, wie die Vortheile und Annehmlichkeiten des Landlebens und der l�ndlichen Besch�ftigung genie�en kann. * * * * * �F�r den neuen soziet�ren Zustand ist die Erziehung von der gr��ten Wichtigkeit; sie hat zum Zweck, alle k�rperlichen und geistigen F�higkeiten zur vollen Entwicklung zu bringen, und soll �berall, selbst in den Vergn�gungen, produktiv angewendet werden. Unsere heutige Erziehung wirkt entgegengesetzt; sie unterdr�ckt und verschlechtert die F�higkeiten des Kindes; sie leitet die Jugend im Widerspruch mit der Natur, denn der erste Zweck der Natur oder der Anziehung ist der Luxus -- k�rperliche Kraft und Verfeinerung der Sinne. Der Luxus erzeugt bei dem Kinde eine lebhafte Anziehung f�r produktive Th�tigkeit, die ihm heute verha�t ist. Seine Entwicklung ist also eine falsche, die heutige Erziehung schw�cht seine Gesundheit. Man nehme hundert Kinder, ganz nach Zufall, aus der reichen Klasse, die gute Pflege und gute Nahrung haben, und man wird finden, da� sie weniger kr�ftig sind, als hundert halbnackte Dorfkinder, die mit Schwarzbrot gen�hrt werden und wenig Pflege haben. Aber der treffendste Beweis f�r unser falsches Erziehungssystem ist, da� es die Anlagen des Kindes nicht zur Entfaltung bringt, sondern dies dem Zufall �berl��t. Abgesehen von den verschiedenen Systemen der Erziehung, man zerst�rt die Anlagen, sei es in der H�uslichkeit, sei es in der Welt, durch ein Dutzend ganz entgegengesetzter Methoden, die dem Kinde ganz widersprechende Impulse geben, seine erste Erziehung durch eine ganz neue absorbiren. Das geschieht durch das, was man den Geist der Welt nennt. Ist ein junger Mann sechzehn Jahre alt geworden und tritt in die Welt ein, so lehren ihn V�ter, Verwandte, Nachbaren, Diener, Kameraden, sich �ber die Lehren, die ihn im j�ngeren Alter einsch�chterten, lustig zu machen, sich mit den Sitten der galanten Welt in Einklang zu setzen; sie rathen ihm, �ber die Lehren der Moral, die den Vergn�gungen feind sind, zu lachen und sich dar�ber hinwegzusetzen, um sp�ter von den Liebeleien, nachdem er sie gen�gend genossen, zu den Gesch�ften des Ehrgeizes �berzugehen. Welch eine Absurdit�t unserer Erzieher, dem Kinde ein System von Ansichten einzutrichtern, die jetzt bei ihm �ber den Haufen zu werfen alle Welt sich bem�ht! Man wird keinen jungen Mann von zwanzig Jahren treffen, der, eine gl�ckliche Gelegenheit zum Ehebruch findend, das Beispiel des keuschen Joseph nachahmt, �der Moral und den gesunden Doktrinen� folgt. F�nde man ihn, er w�rde dem Publikum und den Moralisten selbst ein R�thsel sein. Ebenso w�rde sich die �ltere Welt �ber einen Finanzmann moquiren, der, obgleich er es ungestraft thun kann, sich mit fremdem Eigenthum die Taschen nicht f�llte: er w�rde als ein Dummkopf, ein Vision�r betrachtet, der nicht wei�, �da�, wenn man an der Krippe sitzt, auch essen soll�. In welch falscher Stellung befinden sich da nicht unsere Erziehungsdoktrinen.� �Der gro�e Zweck und die Aufgabe der Erziehung mu� sein, Charaktere wie die von Nero, Tiberius, Ludwig XI. ebenso n�tzlich f�r die Gesellschaft zu machen, wie diejenigen eines Titus, Marc Aurelius, Heinrich IV.[17] Um diesen Zweck zu erreichen, mu� von der Wiege an das Naturell des Kindes sich frei entwickeln, w�hrend wir bem�ht sind, von der Wiege an dieses Naturell zu ersticken und zu verk�nsteln. In der Zivilisation denkt man bei dem niedrigsten Lebensalter nur an die rein physische Sorge, wohingegen der soziet�re Zustand schon vom Alter von sechs Monaten ab sehr wirksam auf die intellektuelle wie materiellen F�higkeiten des Kindes achtet.� [Fu�note 17: Der Letztere d�rfte wohl kein passend gew�hltes Muster sein, inde� man mu� stets beachten, _wann_ das Gesagte geschrieben wurde. Die historische Forschung stak damals noch in den Kinderschuhen, Fourier folgte hier dem allgemeinen Vorurtheil, das zu Gunsten Heinrich's IV. sprach. Der Verf.] �Zun�chst sei festgestellt, da� in der Assoziation die Pflege und Unterhaltung der extremen Alter, der Kinder bis zu drei Jahren und der Patriarchen, als Liebeswerk der Gesammtheit angesehen wird. (Man halte fest, da� nach Fourier vom dritten Jahre ab die Kinder in der Phalanx sich schon so n�tzlich erweisen, da� sie ihre Erziehungs- und Unterhaltungskosten voll decken.) Das Prinzip in der Erziehung ist dasselbe wie in allen andern Funktionen der Assoziation. Man bildet Serien f�r die Funktion�re, wie f�r die Funktionen.� �Die Bonnen bilden Serien, und ebenso werden die Kinder nach den Charaktereigenschaften und Temperamenten, die sie alsbald nach ihrer Geburt offenbaren, in Serien geordnet und in die bez�glichen S�le vertheilt. Da bildet sich eine Serie der Friedlichen, der Widerspenstigen, der Verw�ster oder Teufelchen. Die Bonnen, die Tag und Nacht ihre Posten versehen, wechseln ihren Dienst wie in allen �brigen Besch�ftigungen alle ein und einhalb bis zwei Stunden. Die Bonnen werden von Unterbonnen -- jungen M�dchen, die f�r die Pflege der Kleinen Neigung haben -- unterst�tzt. Die M�tter k�nnen -- wie schon erw�hnt -- ebenfalls als Bonnen eintreten, anderen Falles finden sie sich zu den Stunden ein, wo sie dem Kinde die Mutterbrust geben oder sich nach seinem Befinden erkundigen wollen. Die Mutter ist also nicht, wie die meisten M�tter in der Zivilisation -- namentlich wenn sie unbemittelt sind und keine Pflegerin halten k�nnen --, Tag und Nacht an das Kind gefesselt. Die Bonnen w�hlen sich die S�le, in denen sie ihre Pflichten versehen wollen; Jede ist bem�ht, f�r ihr Verhalten und die Pflege, die sie den Kindern zu Theil werden l��t, den Beifall und den Dank der M�tter zu erwerben. Auch ist Tag und Nacht �rztlicher Beistand vorhanden, sobald er gebraucht wird. Die Aerzte nehmen in der Phalanx eine ganz andere Stellung ein, als in der Zivilisation; sie erhalten ihre Belohnung nicht nach der Zahl der Kranken, _sondern nach der Zahl der Gesunden_; sie sind also dabei interessirt, da� die Phalansterianer m�glichst gesund bleiben, wohingegen heute sich die Aerzte recht viel Kranke, namentlich reiche Kranke w�nschen. Um den Zweck guter Pflege und Gesundheit zu erreichen, sind alle Einrichtungen f�r die Kleinen auf das denkbar Beste und Zweckm��igste getroffen. Die Kleinen befinden sich in einer Lage, wie sie in der heutigen Ordnung kaum die Reichsten ihren Kindern zu schaffen verm�gen, bei denen die Bonnen Tag und Nacht ununterbrochen in Anspruch genommen sind und erm�den. Sobald das Kind sechs Monate alt ist, ist man bem�ht, seine Sinne zu wecken. Was es h�rt und sieht, ist darauf berechnet, seine Sinne zu raffiniren: es h�rt nur guten Gesang und gute Musik, es sieht nur die sch�nsten Bilder, die elegantesten Spielsachen, es empf�ngt sp�ter die passende Unterweisung und freundliche Belehrung. In Folge dieser Erziehung wird das Kind in der Assoziation mit drei Jahren intelligenter und geschickter sein, als es bei uns mit sechs Jahren ist. In der Zivilisation tr�gt Alles dazu bei, Geist und Sinne des Kindes zu f�lschen, wenn sie nicht gar unterdr�ckt werden. Eltern, Dienstboten, Verwandte verderben durch ihr widersprechendes Verhalten und h�ufigen Unverstand den Charakter des Kindes und hindern die Erziehung.� �In der Phalanx ist man bem�ht, die Triebe, sobald sie sich zeigen, in geeigneter Weise zu befriedigen und die Anlagen des Kindes dadurch zu wecken. Die Bonnen f�hren das Kind in die Spielwerkst�tten und K�chen, wo es Alles sieht und durch das Beispiel der �lteren Kinder der Nachahmungstrieb bei ihm geweckt wird. Es wird sich alsdann zeigen, da� der Trieb des Kindes, Alles zu sehen, Alles zu untersuchen, Alles anzuwenden; die Liebhaberei f�r l�rmende Besch�ftigung; die Sucht, Alles nachzuahmen und selbst zu hantiren, und namentlich die Neigung, sich den _Aelteren, St�rkeren und Geschickteren anzuschlie�en und diese als seine Lehrer zu betrachten, in ungeahnter Weise seine Entwicklung f�rdert_. Diese letztere Eigenschaft ist die wesentlichste, weil sie am besten alle Anlagen im Kinde weckt. Hierzu kommt der Eifer, es Seinesgleichen zuvor zu thun.� �Es giebt eine ganze Reihe von Mitteln, die das Kind anreizen und anziehen und seine Anlagen zum Aufbruch bringen. Dahin geh�ren also vorzugsweise: Die Freude an kleinen Werkzeugen, den verschiedenen Altern angepa�t; der Reiz zum Schmuck: Uniformen, Waffen, Fahnen, die nach Graden gegeben werden; Paraden der kleinen Geschm�ckten; passende Tischgenossenschaften, wobei der Geschmack geweckt wird; Stolz des Kindes, wenn es glaubt, etwas von gr��erem Werth geleistet zu haben, ein Glaube, in dem man es best�rkt; der Nachahmungstrieb, der veranla�t wird, wenn es von �lteren Kindern f�r seine Leistungen Lob empf�ngt; volle Freiheit in der Wahl seiner Besch�ftigung, es mu� jeden Augenblick eine solche unterbrechen und zu einer andern �bergehen k�nnen; der Korpsgeist, der sich bei Kindern leicht entwickelt; die Rivalit�ten zwischen den einzelnen Ch�ren, Gruppen, Serien.� Fourier f�hrt vierundzwanzig solcher Anreize auf, wir begn�gen uns mit den aufgez�hlten neun. Den Kindern wird ferner mit der gr��ten Wahrheitsliebe begegnet, Niemand schmeichelt ihnen. Ihre nat�rlichen Lehrer sind die �lteren und erfahreneren Kinder, denen sie mit gro�er Anh�nglichkeit folgen; jedes wird streben, �ber seine Altersklasse hinauszukommen. Ein Verweis, den es von einem �lteren Kinde bekommt, das es als Beispiel sich vorgenommen, wird ihm die h�rteste Strafe sein, ein Lob der h�chste Lohn. Will das Kind in eine h�here Erziehungsstufe aufr�cken, so hat es eine Pr�fung seiner Fertigkeiten abzulegen; je nach dem Ausfall derselben bekommt es eine Ehrenerweisung oder einen Grad. Bis zum neunten Lebensjahre ist die Erziehung physisch und materiell, dann beginnt auch die intellektuelle. Der K�rper mu� erst die n�thige Festigkeit erlangt haben, ehe die geistige Th�tigkeit mit gutem Erfolg beginnen kann. Trieb und Anlagen der beiden Geschlechter werden sp�ter in Folge der verschiedenen Natur ganz von selbst differiren. Man darf annehmen, da� f�r die Wissenschaften zwei Drittel M�nner und ein Drittel Frauen, f�r die K�nste ein Drittel M�nner und zwei Drittel Frauen neigen. Zwei Drittel der M�nner werden mehr Neigung f�r die gro�e Kultur und ein Drittel mehr f�r die kleine haben, bei den Frauen umgekehrt. Aehnlich werden sich die Ausgleichungen auf allen Gebieten finden. �In dem Alter, wo bei uns die Erziehung erst beginnt, mit f�nf Jahren, sind bei dem Kind der Assoziation bereits alle Anlagen zum Aufbruch gekommen. Bis zum 20. Jahre wird kein Zweig der Agrikultur, der Industrie, der Gewerbe, der K�nste und Wissenschaften ihm fremd sein; seine k�rperliche und geistige Erziehung ist dann eine harmonische. Der Unterschied des Erziehungssystems in der Zivilisation und der Assoziation ist: Dort wird die Erziehung auf der kleinsten h�uslichen Verbindung, der Familie, begr�ndet, in der Assoziation auf drei gro�en Gruppen: Ch�re, Serien von Gruppen und die Serien der Phalanx. Dort �berall St�rungen, Mangel an Mitteln, Unfreiheit, Unterdr�ckung, Einseitigkeit, hier volle Freiheit, Ueberflu� der Mittel, Vielseitigkeit. Dort Klassen- und Standesunterschied, hier Gleichberechtigung f�r Alle, kein anderer Unterschied als der, welchen die nat�rlichen Anlagen und F�higkeiten ergeben.� �In der Harmonie nehmen die Kinder lebhaften Antheil an den Rivalit�ten der einzelnen Kantone, die selbst wieder als Erziehungsmittel benutzt werden. Zum Beispiel: In der Phalanx von Meudon kultivirt eine Gruppe Kinder Aurikeln und ist pikirt, da� die bez�gliche Gruppe in der Phalanx von Marly bei dem Wettbewerb den Preis davon trug. Die Kinder wollen also die Ursache ihres Mi�erfolgs kennen lernen, der vielleicht in der Verschiedenheit des Bodens zu suchen ist. Der Reverend, welcher die bez�gliche Gruppe leitet, giebt ihnen darauf Unterweisung �ber die Verschiedenheit der Bodenarten, und dieses Studium, in den andern Gruppen wiederholt, bringt ihnen allm�lig die Elementarkenntnisse �ber einen Zweig des Mineralreichs bei. Diese Belehrungen werden der K�der, da� die Kinder in der Schule nach bez�glichen Lehrb�chern verlangen, und so bilden sie sich weiter.� �Diese Verbindung der verschiedenen Hebel und Anreize existirt in der Zivilisation nicht, und dann ist man erstaunt, da� das Kind sich weder zur Landkultur, noch zu den exakten Wissenschaften hingezogen f�hlt, wohingegen die Rivalit�ten in der Serie in ihm schon sehr fr�hzeitig das Bed�rfni� nach Wissen und Unterweisung wecken, ohne da� man ihm merkbar die Anregung dazu beibringt. Bei den Kindern in der Zivilisation finden wir �berall den Zerst�rungstrieb und den Hang zum M��iggang, in der Harmonie �berall Antrieb zu n�tzlicher Besch�ftigung und zu Studien. Das ist der Unterschied zwischen den beiden Gesellschaftsformen. Die Zivilisation, die kleine Vandalen z�chtet, darf sich nicht wundern, wenn sie sp�ter so viele erwachsene Vandalen besitzt.� Nach Fourier sollen aber die Kinder auch in h�herem Grade f�r die Allgemeinheit sich n�tzlich machen. Wie in der Assoziation das Vergn�gen selbst materiellen Nutzen schafft, so auch die Erziehung. Wie schon bemerkt, umfassen die beiden ersten St�mme: die Cherubins und Seraphins, das Alter von 4�-9 Jahren, und die dritte Phase der Kindheit umfa�t die St�mme der Lyzeisten und Gymnasiasten im Alter von 9-15� Jahren; Lebensalter, in denen die Betheiligten der Assoziation wichtige Dienste leisten k�nnen, immer, indem sie sich vergn�gen. Bei den Kindern treten gewisse Charaktereigenschaften auf, die f�r die Gesammtheit n�tzlich verwandt werden k�nnen. Es ist eine bekannte Thatsache, da� die Knaben durchschnittlich zur Unsauberkeit neigen, dagegen die M�dchen f�r den Putz eingenommen sind. Nun giebt es in der Assoziation Besch�ftigungen, die unangenehm sind, f�r diese sind die Charaktereigenschaften der Kinder n�tzlich zu verwerthen. Fourier rechnet, da� unter den Knaben zwei Drittel und unter den M�dchen ein Drittel zu unsauberen Besch�ftigungen eine gewisse Neigung haben. Diese nennt er die �kleinen Horden�. Umgekehrt sind zwei Drittel der M�dchen und ein Drittel der Knaben f�r den Putz und die Reinlichkeit eingenommen, diese nennt er die �kleinen Banden�. Die kleinen Horden und die kleinen Banden setzen sich aus den 4 St�mmen im Alter von 4�-15� Jahren zusammen. �Die kleinen Horden streben zum Sch�nen auf dem Weg des Guten, die kleinen Banden streben zum Guten auf dem Wege des Sch�nen.� �Die kleinen Horden, die von lebhaftem Ehrgef�hl und mit Unerm�dlichkeit erf�llt sind, vollziehen jede unangenehme Arbeit, f�r welche sich sonst kaum Jemand findet. Sie sind �berall, wo der Einheitlichkeit der Phalanx durch Unordnung Gefahr droht; sie stehen stets in der Bresche.� (Fourier will hiermit sagen, da�, ohne die Hingabe der kleinen Horden an die unangenehmen Arbeiten, die Phalanx zum Zwang w�rde greifen m�ssen, wodurch der auf voller Freiwilligkeit und Anziehung beruhende Mechanismus der Phalanx t�dtlichen Schaden erlitte. In der Phalanx darf kein Schatten von Zwang vorhanden sein, wenn sie ihren idealen Zweck erreichen soll.) Die kleinen Horden theilen sich in drei Klassen; die erste beseitigt den Unrath, reinigt Stra�en und Rinnen, schafft die K�chen- und Fleischereiabf�lle fort; die zweite vollzieht die gef�hrlichen Arbeiten, sie verfolgt die Reptilien, t�dtet die kleinen Raubthiere, sie mu� stets am Platze sein, wo gro�e Gewandtheit erfordert wird: Klettern, Springen. Die dritte Klasse bildet gewisserma�en die Reserve, sie hilft, wo sie gebraucht wird. Die kleinen Horden haben ferner das Raupen, Unkrautj�ten und die Vertilgung der Giftschlangen zu besorgen; sie halten Stra�en und Wege in Ordnung und legen gro�en Werth darauf, von Fremden f�r ihre Ordnungsliebe belobt zu werden. Um �berall rasch bei der Hand zu sein, reiten sie auf Zwergpferden. Obgleich die Arbeit der kleinen Horden wegen Mangel an direkter Anziehung die schwierigste ist, werden sie von allen Serien materiell doch am niedrigsten gelohnt; sie nehmen aber auch kein Geschenk an, selbst wenn es in der Assoziation f�r anst�ndig gelte, ein solches anzunehmen; sie setzen ihren Stolz darein, aus Hingabe f�r die Assoziation, die f�r ihren Bestand so n�tzlichen und notwendigen Arbeiten zu verrichten. F�r ihre freiwillige Hingebung tragen sie den Titel �Verbindung f�r Verbesserungen�. �Die kleinen Horden sind also in Wahrheit der Ausbund aller b�rgerlichen Tugenden; sie �ben zur Ehre der Gesellschaft die Selbstverleugnung, die das Christenthum empfiehlt, und verachten die Reichth�mer, wie die Philosophen empfehlen; sie verwirklichen alle ertr�umten Tugenden der Zivilisation. Bewahrer der sozialen Ehre, zertreten sie nicht nur bildlich, sondern physisch und thats�chlich der Schlange den Kopf, befreien sie die Gesellschaft von dem schlimmen Gift der Viper; sie ersticken den Stolz und verh�ten das Aufkommen des Kastengeistes.� F�r alles das Gute, das sie der Gesellschaft leisten, werden sie hoch geehrt. Bei allen Paraden und Festlichkeiten marschiren sie an der Spitze. Handelt es sich um besonders schwierige und rasch zu erledigende Arbeiten -- z.B. da� ein Gewitter Stra�en und Wege verletzt, B�ume und Str�ucher schwer besch�digte, oder da� eine Ueberschwemmung eingetreten ist --, so versammeln sich die kleinen Horden von vier oder f�nf Nachbarphalanxen zu gemeinsamer Handlung; sie treffen Morgens gegen f�nf Uhr zusammen, und nachdem sie einer religi�sen Hymne beigewohnt, brechen sie mit voller Begeisterung unter einem wahren H�llenl�rm auf. Die Sturmglocke und alle �brigen Glocken werden gel�utet, Trompeten schmettern, Trommeln wirbeln, die Hunde heulen, das Vieh br�llt. So geht es im Sturm an die Arbeit. Gegen acht Uhr kehren sie, noch erregt von ihren Thaten, zur�ck und machen Toilette. Darauf giebt es gemeinsames Fr�hst�ck. Nach demselben erh�lt jede der kleinen Horden zur Belohnung einen Eichenkranz, den sie an ihre Fahne heftet, darauf steigen sie zu Pferde und kehren unter Musikbegleitung zu ihren Phalanxen zur�ck. �Um von unsern Kindern Wunder von Tugenden zu erhalten, mu� man nach Ansicht der Zivilisirten zu �bernat�rlichen Mitteln greifen, wie es in unsern Kl�stern geschieht, wo durch ein sehr strenges Noviziat die Neophyten zur Selbstverleugnung erzogen werden. Die soziet�re Ordnung kommt auf einem ganz entgegengesetzten Wege zum Ziel, indem sie die kleinen Horden durch den Anreiz des Vergn�gens sich dienstbar macht. Analysiren wir die H�lfsmittel f�r diese Tugenden. Es sind vier, die alle vier unsere Moral verwirft: Geschmack an Unreinlichkeit, Stolz, Unversch�mtheit, Ungehorsam.� �Indem die kleinen Horden sich diesen angeblichen Lastern �berlassen, erheben sie sich zu allen Tugenden. Sehen wir zu: Die Theorie der Anziehung erfordert, da� alle Triebe, die Gott dem Menschen gab, sich n�tzlich machen k�nnen, _ohne, da� man die Triebe selbst �ndert_. So sehen wir, da� bei den j�ngsten Kindern die Neugier und die Unbest�ndigkeit sich n�tzlich erwies, weil sie das Kind zu einer Menge von Gruppen hinzogen, wodurch seine Anlagen sich offenbarten. Der Trieb, die Ungezogenheiten Aelterer nachzuahmen, wird, wie wir sahen, in der Assoziation Impuls zur Anziehung zu n�tzlichen Arbeiten. Ebenso der Ungehorsam gegen Eltern und Erzieher, die nicht erziehen k�nnen. Die Erziehung mu� durch kabalistische Rivalit�ten der Gruppen herbeigef�hrt werden. So werden alle Impulse bei kleinen wie gro�en Kindern in der Harmonie gut, vorausgesetzt, da� man sie durch Serien der Triebe zur Uebung bringen kann. Man wird nicht vom ersten Tage an die kleinen Horden an die widerw�rtigen Arbeiten bringen, man erregt zun�chst ihren Stolz nach Rang. Jede Autorit�t, sogar der Monarch, schuldet ihnen den ersten Gru�; keine industrielle Armee r�ckt aus, ohne da� die kleinen Horden an der Spitze marschiren; sie haben das Vorrecht, bei allen Arbeiten der Einheit (das sind gro�e Arbeiten, welche die Phalanxen eines oder mehrerer Reiche unternehmen, gro�e Kanalbauten etc.) die erste Hand an's Werk zu legen; sie sind die Ueberall und Nirgends, ohne deren Mitwirkung nichts Bedeutendes geschieht. An ihrer Spitze stehen die kleinen Kane (Kan und Kanin), die selbst gew�hlten Offiziere; die kleinen Horden haben auch ihre besondere Kunstsprache und ihre kleine Artillerie. Ferner w�hlen sie aus der Zahl der Alten Druiden und Druidinnen, deren Aufgabe es ist, den Geschmack f�r die Funktionen der kleinen Horden zu bewahren; sie haben ferner bei allen religi�sen Uebungen bestimmte Dienste zu versehen und erhalten daf�r besondere Abzeichen. Fr�hzeitig zu Bette gehend (acht Uhr Abends), erheben sie sich um drei Uhr Morgens und geben die Initiative f�r alle Arbeiten der Phalanx. Es ist also eine Korporation von Kindern, die, indem sie sich allen Neigungen, welche die Moral der Zivilisation ihrem Alter verbietet, �berl��t, alle Chim�ren der Tugend, an denen die Moralisten sich erg�tzen, verwirklicht. Die kleinen Horden verachten keineswegs den Reichthum, aber heute macht nur der Egoismus Gebrauch davon; sie opfern sogar einen Theil ihres Besitzes zum Nutzen der Phalanx und erhalten so die wahre Quelle des Reichthums, die industrielle Anziehung, die sich auf alle Klassen erstreckt. Die Kinder der Reichen werden sich ebenso zu den kleinen Horden hingezogen f�hlen, wie die Kinder der Geringen. Sie sind die Repr�sentanten der Einheit der Phalanx, und das ist ihr entscheidender Charakter. Indem ferner die kleinen Horden die Tugend der sozialen Liebe �ben, rei�en sie Jedermann zur indirekten Aus�bung von wohlthuenden Handlungen hin, ebnen sie den Weg zur Edelm�thigkeit, durch welche die Reichen in der Harmonie sich verbinden, um den Armen zu beg�nstigen, wogegen sie heute �bereinkommen, ihn zu pl�ndern.� �Es wird sich zeigen, da� alle Triumphe der Tugend der guten Organisation der kleinen Horden geschuldet sind; sie allein k�nnen im sozialen Mechanismus den Despotismus des Geldes balanziren, dieses elenden Metalls, elend in den Augen der Philosophen, das aber sehr edel wird, wenn es zur Aufrechthaltung der industriellen Einheit dient. In unserer Gesellschaft, wo Diejenigen, die sich auf den Reichthum st�tzen, als Leute �comme il faut� bezeichnet werden, da ist das Geld die Klippe. Die es besitzen, sind die Leute, �die nichts thun und zu nichts zu gebrauchen sind.� Leider ist der Beiname �comme il faut� (wie man sein mu�) in unserer Gesellschaft nur zu berechtigt, denn in der Zivilisation gr�ndet sich die Zirkulation auf die Phantasien der M��igen, sie sind in Wahrheit die Leute �comme il faut� (wie man dazu sein mu�), um die verkehrte Zirkulation und die verkehrte Konsumtion aufrechtzuerhalten.� Fourier ist hier der Meinung, da� der Hauptfehler unserer b�rgerlichen Gesellschaft in der falschen Anwendung liege, welche die Geldbesitzer von ihrem Gelde machten, er ist ferner der Ansicht, da� es heute haupts�chlich die Luxusbed�rfnisse der Reichen seien, welche die Geld- und Waarenzirkulation bestimmten. Es ist dies die Aufstellung des auch heute noch im gew�hnlichen Leben und selbst seitens sogenannter Gelehrter vielfach wiederholten Glaubenssatzes, der namentlich in Zeiten allgemeiner gesch�ftlicher Stagnation, also in Zeiten der Krisen laut wird, da� die reichen Leute mehr Geld ausgeben m��ten, �um das Gesch�ft zu heben�, weil ihr Bedarf entscheidend sei. Und man macht es ihnen zu einer Art sozialer Pflicht, durch Luxusausgaben �Geld unter die Leute zu bringen�. Wir sehen auch nicht selten Aristokratie und Bourgeoisie nach diesem Rezepte handeln, wobei die Betreffenden sich noch das M�ntelchen der Gesellschaftswohlth�ter umh�ngen. Man i�t und trinkt gut, kleidet sich noch besser, tanzt und am�sirt sich in dem stolzen und befriedigenden Bewu�tsein, �indem man seine Triebe befriedigte�, sich und die Gesellschaft zu retten. Die Leute, die so handeln, geh�ren zu dem Achtel, f�r die, nach Fourier, die b�rgerliche Welt die vollkommenste Welt ist. Wir wissen heute, da� diese Zahl kein Achtel, nicht einmal ein Zwanzigstel der Gesellschaft bildet. Da� die Ansicht Fourier's von der Bedeutung der Reichen f�r die Waarenzirkulation und Konsumtion irrig ist, bedarf heute f�r Niemand, der einigerma�en den Organismus unserer Gesellschaft kennt, eines Beweises. Nicht der Verbrauch dieser handvoll Reicher, und sei ihr Verbrauch noch so bedeutend, sondern der Verbrauch der Masse stimulirt die Zirkulation. Wo der Massenverbrauch nachl��t, weil die Masse �rmer wird, oder weil, wie in der Regel in den modernen Krisen der Ueberproduktion, der Konsum der Waarenproduktion nicht zu folgen vermag, einestheils, weil die Kaufkraft fehlt, anderntheils, weil Waaren bestimmter Gattungen weit �ber das normale Bed�rfni� erzeugt wurden, da tritt die Stagnation mit allen ihren Folgen ein. Der Luxusverbrauch der Reichen hat nie eine allgemeine Krise gehoben, noch hat er durch sein Fehlen eine solche erzeugt. Es ist aber ein charakteristisches Merkmal f�r einen Gesellschaftszustand, da� eine Klasse, �die nichts thut und zu nichts n�tze ist�, wie Fourier sich ausdr�ckt, so viel verbrauchen kann und doch immer reicher wird. Welch geringe Rolle der Verbrauch der reichen Klasse im Verh�ltni� zum Verbrauch der Masse der Bev�lkerung spielt, zeigend schlagend die Ergebnisse der indirekten Steuern. �Die Steuer auf Luxusartikel der Reichen bringt nichts ein�, sagte F�rst Bismarck in seiner ber�hmten Steuerprogrammrede im Herbst 1876 im Reichstag; �was n�tzt die Steuer auf Austern, Champagner, Equipagen, sie bringt nichts, nehmen wir daf�r die 'Luxusbed�rfnisse' der Masse, Bier, Kaffee, Branntwein, Tabak.� Unsere Steuertabellen geben ihm Recht. Indem nun Fourier, weil er die eigentlich treibenden Gesetze der b�rgerlichen Gesellschaft nicht erkannte und in seinem Zeitalter noch nicht erkennen konnte, sein phalansteres System auf der Beibehaltung des Geldes gr�ndete und dem Kapital einen erheblichen Theil des Arbeitsertrags -- vier Zw�lftel -- zuschrieb, entging ihm nicht, da� bei dem Reichthum, den die Phalanx durch ihre Organisation der Arbeit erzeugen sollte, das Mi�verh�ltni� im Verm�gen und Einkommen der verschiedenen Klassen sich in der Phalanx noch mehr steigern m�sse, als in der Zivilisation. Er mu�te also ein Mittel finden, um dieser klaffenden Ungleichheit einigerma�en vorzubeugen. Er verfiel, wie sich sp�ter zeigen wird, auf das Mittel der Massenanwendung testamentarischer Legate, welche die reichen Leute der Phalanx allen Denen zuweisen w�rden, f�r die sie im Laufe ihrer phalansteren Th�tigkeit aus irgend einem Grunde eine besondere Zuneigung gefa�t, aber selbst mittellos seien. Die Frage liegt freilich nahe, was denn diese ganze Reichthumsaufh�ufung in Privath�nden f�r einen Sinn und f�r eine Berechtigung hat, wenn die _soziet�re Arbeit_ diesen Reichthum erzeugt und dieser so gro� ist, da� er allen Gliedern der Phalanx den gr��ten Luxus gestattet und selbst die verw�hntesten Geschm�cker zu befriedigen vermag. Diesem Widerspruch sucht also Fourier durch das bezeichnete Mittel aus dem Wege zu gehen, es soll der Wiederkehr �der verkehrten Zirkulation nach den Phantasien der M��igen begegnen�, und die Reichen sollen durch das selbstlose Auftreten der kleinen Horden zu Akten der Edelm�thigkeit gegen die Unbemittelten angeeifert werden. Das ist die gro�e moralische Aufgabe, die er den kleinen Horden zuweist. Fourier f�hrt fort: �Die Th�tigkeit und Erregung der kleinen Horden wird sich verdoppeln, wenn ihnen der Kontrast, den die Natur ihnen vorbehielt, entgegentritt, die kleinen Banden. Der Keim des Widerspruchs, der darin liegt, da� zwei Drittel der Kinder m�nnlichen Geschlechts zur Unsauberheit, zum Ungehorsam, zur Wildheit neigen, zwei Drittel der Kinder weiblichen Geschlechts zum Putz und zu guten Manieren, mu� entwickelt und f�r die Phalanx ausgenutzt werden. Je mehr die kleinen Horden durch Tugend und Hingebung sich auszeichnen, um so mehr mu� die rivalisirende Korporation -- m�ssen die kleinen Banden -- Eigenschaften annehmen, welche den W�nschen der �ffentlichen Meinungen entsprechend, das Gleichgewicht herstellen. Die kleinen Banden sind die Bewahrer der sozialen Anmuth; dies ist ein weniger gl�nzender Posten als jener der kleinen Horden, St�tze der sozialen Uebereinstimmung zu sein. Aber die Sorge f�r den Schmuck und das Ganze des Luxus in der Phalanx ist in der Harmonie nicht weniger werthvoll. In dieser Art Arbeiten sind die kleinen Banden sehr n�tzlich und unentbehrlich; sie haben im ganzen Kanton der Phalanx die spirituelle und materielle Ausschm�ckung bei allen Festen, Aufz�gen, Schaustellungen auszuf�hren. In der Wahl der Kleider ist Niemand in der Harmonie an Vorschriften gebunden, aber sobald es sich um korporative Vereinigungen handelt, hat jede Gruppe, jede Serie ihre Kost�me und trifft die Wahl. Sache der kleinen Banden ist, die Modelle zu liefern. Im Gegensatz zu den kleinen Horden zeichnen sich die kleinen Banden durch H�flichkeit und angenehme Manieren aus. Der m�nnliche Theil der kleinen Banden wird haupts�chlich die jungen Gelehrten stellen, die fr�hreifen Geister, wie Pascal, die fr�hzeitig Anlagen zum Studium entwickeln; ferner die kleinen Verweichlichten, die zur Weichlichkeit und Ueppigkeit neigen. Weniger th�tig als die kleinen Horden, erheben sie sich auch sp�ter und erscheinen erst um vier Uhr Morgens in den Ateliers. W�hrend sich die kleinen Horden mit der Pflege der gro�en Hausthiere besch�ftigen, pflegen die kleinen Banden die Brieftauben, H�hner, V�gel, Biber etc.; sie �berwachen ferner die Blumen- und Gartenanlagen, damit diese nicht besch�digt oder zerst�rt werden. Wer Dergleichen sich zu Schulden kommen l��t, wird vor ihren Richterstuhl gef�hrt und geb��t; sie �ben ferner die Zensur �ber die schlechte oder fehlerhafte Aussprache. Wie die kleinen Horden ihre Druiden und Druidinnen, so w�hlen sich die kleinen Banden aus den mannbaren Altern zu Kooperateuren: Korybanten und Korybantinnen. Derselbe Kontrast besteht in den beiderseitigen Beziehungen auf Reisen; die kleinen Banden verbinden sich mit den gro�en Banden, den fahrenden Rittern und Ritterinnen, die kleinen Horden mit den gro�en Horden, den Abenteurern und Abenteurerinnen. Die Natur hat eben f�r die Vertheilung der Charaktere eine Scheidung von Grund aus in kr�ftige und milde N�anzen vorgenommen, eine Vertheilung, die sich in allen erschaffenen Dingen zeigt; in den Farben, dem Hintergrunde der Luft, der Musik. Dieser Kontrast ist es auch, der die Scheidung der Kinder in kleine Banden und kleine Horden naturgem�� herbeif�hrt.� �Jede industrielle Serie w�rde fehlerhaft sein, wenn sie der Geschlossenheit ermangelte; um sie geschlossen zu machen, mu� man die feinsten Unterscheidungen in den Geschm�ckern in's Spiel setzen. Man wird fr�hzeitig die Kinder an diese feinen Unterscheidungen in den Neigungen gew�hnen. Das ist also die Aufgabe der kleinen Banden, welche die Kinder vereinigen, die zu den minuti�sesten Raffinements im Schmuck, im Geschmack, in der Kleidung neigen; ihr Blick wird so gesch�rft, da� sie wie unsere Schriftsteller und K�nstler einen Fehler sehen, der dem gew�hnlichen Menschen entgeht. Die kleinen Banden haben also die Gewandtheit, Spaltungen unter den Geschmacksrichtungen zu veranlassen, die Feinheiten der Kunst zu klassifiziren und durch Raffinement der Phantasien und durch Abstufungen die Geschlossenheit der Serien herbeizuf�hren. So sch�pft die Erziehung in der Harmonie ihre Mittel der Ausgleichung aus den beiden entgegengesetzten Geschmacksrichtungen, aus dem Hang zur Unsauberheit und zur Eleganz, zwei Richtungen die beide heute verurtheilt werden. Die kleinen Horden wirken negativ ebenso viel, wie die kleinen Banden positiv. Die einen beseitigen die Hindernisse, die der Harmonie in der Phalanx sich entgegenstellen, sie vernichten den Kastengeist, der aus den unangenehmen Arbeiten leicht geboren wird; die anderen schaffen durch ihre Gewandtheit die Abstufungen der Geschm�cker und organisiren die n�anzirten Spaltungen in den verschiedenen Gruppen. So gehen die kleinen Horden vom Guten auf den Weg zum Sch�nen, die kleinen Banden vom Sch�nen auf den Weg zum Guten; eine kontrastirende Handlung, die ein allgemeines Gesetz in der ganzen Natur ist.� * * * * * �Die Erziehungssysteme der Zivilisirten verfallen alle dem Fehler, da� sie die Theorie �ber die Praxis setzen. Sie verstehen nicht, das Kind zur Th�tigkeit anzureizen; sie sind gen�thigt, es bis zum sechsten oder siebenten Jahre unth�tig zu lassen, ein Alter, in dem es schon ein geschickter Praktiker sein k�nnte. Im siebenten Jahre wollen sie ihm dann Theorie, Kenntnisse, Studien beibringen, f�r die sie den Wunsch bei ihm nicht zu wecken verstanden. Dem Kinde in der Harmonie kann dieser Wunsch nicht fehlen, weil es vom dritten Jahre bereits praktisch th�tig war und bis zum siebenten spielend eine Menge praktischer Kenntnisse erlangt hat. Es besitzt jetzt das Bed�rfni�, sich auf das Studium der exakten Wissenschaften zu st�tzen ... Die Erziehung der Zivilisirten ist im Widerspruch mit der Natur des Kindes, es ist die verkehrte Welt wie ihr ganzes System, von dem ihre Erziehung ein Theil ist. Ferner: Das Kind ist auf die Arbeit des Studirens beschr�nkt, es bleibt vom Morgen bis Abend w�hrend neun bis zehn Monate des Jahres �ber den Anfangsgr�nden und der Grammatik sitzen, mu� ihm da nicht der Widerwille gegen die Studien kommen? Das Kind hat das Bed�rfni�, w�hrend der sch�nen Jahreszeit im Garten, im Wald, in den Wiesen sich besch�ftigend zu tummeln, statt dessen mu� es an sch�nen wie an Regentagen sitzen und studiren. Es kann keine Einheitlichkeit in der Handlung geben, wo es nur eine einfache Funktion giebt.� �Eine Gesellschaft, welche die V�ter den ganzen Tag als Gefangene in die Bureaux, Komptoirs und Fabriken sperrt, kann auch die Sottise begehen, das Kind das ganze Jahr in die Schule zu sperren, wobei es sich ebenso langweilt wie die Lehrer. Unsere Politiker und Moralisten sprechen best�ndig von der Natur, sie ziehen sie aber keinen Augenblick zu Rathe. Beobachteten sie die in den Ferien weilenden Kinder, wie sie, mit leichten Blousen bekleidet, sich im Heu kugeln, vergn�glich sich in der Weinlese, bei dem N�sse- und Obstpfl�cken, bei der Jagd auf sch�dliche V�gel etc. anwenden, und w�rden sie die Kinder in einem solchen Augenblicke einladen, zu ihren Studien zur�ckzukehren, so w�rden sie beobachten k�nnen, ob es die Natur des Kindes ist, w�hrend der sch�nen Jahreszeit in der Umgebung von B�chern und Pedanten eingeschlossen zu werden. Man antwortet: Man mu� im jugendlichen Alter lernen, damit man sich des Namens eines freien Mannes w�rdig macht, w�rdig des Handels und der Verfassung! -- Gut! Aber wenn die Kinder durch Anziehung und kabalistische Rivalit�ten zum Lernen sich begeben, so werden sie in hundert Lektionen im _Winter_, beschr�nkt auf zweist�ndige Sitzungen, mehr lernen, als in 300 Tagen, da man sie in den Schulen oder im Pensionat eingeschlossen h�lt. Das zivilisirte Kind kann nur mit H�lfe von Entziehungen, Pensums, Ruthenstreichen zum Lernen angehalten werden. Erst seit einem halben Jahrhundert sucht die Wissenschaft, verwirrt �ber dieses elende System, durch weniger herbes Vorgehen das Kind zu gewinnen; sie versucht sich, die Langeweile der Kinder in den Schulen zu enth�llen, ein G�tzenbild des Nacheifers bei den Sch�lern, Zuneigung f�r die Lehrer zu schaffen. Das beweist, da� sie erkannt hat, wie es sein sollte, aber sie hat kein Mittel, ihre Gedanken zu verwirklichen. Die mit Zuneigung verkn�pfte Uebereinstimmung zwischen Lehrern und Kindern kann nur in dem Fall einer als Gunst erscheinenden anregenden Unterweisung erzeugt werden. Das wird in der Zivilisation, in welcher der ganze Unterricht durch den Widersinn, die Theorie �ber die Praxis zu stellen, gef�lscht ist, nie geschehen. Der Unterricht ist ferner gef�lscht durch seine Einseitigkeit und ununterbrochene Dauer. Man findet vielleicht ein Achtel unter den Kindern, die den gegenw�rtigen Unterricht mit Leichtigkeit, aber ohne davon besonders angeregt zu sein, annehmen. Daraus schlie�en die Lehrer, da� die �brigen sieben Achtel nichts taugen; sie argumentiren auf die Ausnahme und machen diese zur Regel. Das ist die gew�hnliche Illusion bei allen Lobliedern auf die Vollkommenheit. Es giebt �berall eine kleine Zahl Ausnahmen, aber sie darf man nicht in Ber�cksichtigung ziehen, sondern die gro�e Menge, welche die Regel ist. Ich fragte Kinder, die aus den ber�hmtesten Schulen kamen, wie von Pestalozzi und Andern, ich fand stets nur einen mittelm��igen Schatz von Kenntnissen und eine gro�e Unbek�mmertheit f�r Studien und Lehrer.� �Wir haben heute eine Erziehungsmethode, und diese wird auf alle Sch�ler angewendet, als wenn alle vollkommen gleichartig seien. Ich kenne nun verschiedene Methoden, die alle gut w�ren, und es lie�en sich noch andere finden. Schlie�lich ist jede Methode gut, wenn sie dem Charakter des Sch�lers entspricht. D'Alembert ward ausgelacht, als er vorschlug, das Studium der Geschichte im Gegensatz zur chronologischen Ordnung zu betreiben, dergestalt, da� man nicht von der Vergangenheit zur Gegenwart, sondern von der Gegenwart nach R�ckw�rts in die Vergangenheit schreite. Man warf ihm vor, den Reiz am Studium zu zerst�ren und die mathematische Trockenheit in die Methode des Unterrichts zu bringen. Das ist ein l�cherlicher Sophismus. Keine Methode ist an sich trocken, sie sind alle fruchtbar, wenn man sie den Charakteren anzupassen und schmackhaft zu machen versteht. Man gebe den Kindern eine ganze Reihe von Methoden zur Auswahl, viele werden doch keinen Geschmack am Studium finden. Unsere Lehrmethoden ermangeln nicht nur des aktiven H�lfsmittels, sie ermangeln ebenso der materiellen Anziehung, als welche ich die Oper und die Gourmandis betrachte.� �Die Oper bildet das Kind zur ma�vollen Einheit, welche f�r es eine Quelle des Wohlbefindens und der Gesundheit wird; sie verschafft ihm also den inneren und �u�eren Luxus, welches der erste Zweck der Anziehung ist. Das Kind wird durch die Oper von fr�hester Jugend an in allen gymnastischen und choreographischen Uebungen geschult. Die Anziehung ist darin sehr kr�ftig, es erwirbt die nothwendige Gewandtheit f�r alle Arbeiten in den Serien, wo Alles sich mit Sicherheit, Ma� und Einheit, wie man diese in der Oper herrschen sieht, vollziehen soll. Die Oper nimmt also unter den H�lfsmitteln f�r die Erziehung vom niederen Lebensalter an den ersten Rang ein. Unter der Oper sind alle k�rperlichen Uebungen begriffen, sowohl die mit der Flinte als mit dem Rauchfa�. Diese choreographischen Evolutionen, werden sie nun mit der Flinte oder dem Rauchfa� oder in der Oper vollzogen, gefallen den Kindern au�erordentlich, sie betrachten es als eine hohe Gunst, zugelassen zu werden. Man w�rde die Natur des Menschen vollst�ndig verkennen, wenn man die Oper nicht in erster Linie unter die H�lfsmittel der Erziehung vom fr�hesten Alter an setzte, welche f�r die materiellen Studien nur anziehend wirkt. Um den K�rper nach allen Richtungen hin m�glichst vollkommen zu machen, m�ssen, bevor man mit der Seele beginnt, zwei unseren sog. moralischen Methoden sehr fremde H�lfsmittel in's Spiel gesetzt werden: die Oper und die K�che, oder die angewandte Gourmandis.� �Das Kind soll zwei aktive Sinne �ben: Geschmack und Geruch, und zwar durch die K�che, und zwei passive: Gesicht und Geh�r, und diese durch die Oper; den Taktsinn endlich durch die Arbeiten, in denen es sich auszeichnet. Die K�che und die Oper sind die beiden H�lfsmittel, die das Kind durch die Anziehung unter das Regime der Serien der Triebe f�hren. Die Magie und die Feerien der Oper ziehen das Kind m�chtig an. Dagegen erwirbt es in den K�chen der Phalanx die Intelligenz und Geschicklichkeit in all den Vorbereitungen f�r die Tafel; es lernt alle Produkte kennen, f�r welche es sich schon durch die Tischunterhaltungen interessirte; es werden Pflanzen und Thiere besprochen, und so wird es in Hof, Stallungen und G�rten eingef�hrt. Die K�che wird das Band f�r diese Funktionen.� �Die Oper ist die Vereinigung f�r die materielle Uebereinstimmung, sie dient allen Altern und Geschlechtern. In ihr werden ge�bt: 1. Gesang, oder das Ma� der menschlichen Stimme; 2. Instrumente, oder das Ma� k�nstlicher T�ne; 3. Poesie, oder Ausdruck der Gedanken und Worte nach Ma�; 4. Pantomimen, oder Harmonie der Gesten; 5. Tanz, oder Bewegung nach Ma�; 6. Gymnastik, oder harmonische Uebungen; 7. Malerei und harmonische Kost�me. Das Ganze beruht also auf einem regelm��igen Mechanismus und in geometrischer Ausf�hrung.� �Bei uns ist die Oper nur eine Arena der Galanterie, eine Anreizung zu Ausgaben, und da begreift sich, da� sie durch die moralischen und religi�sen Klassen zur�ckgewiesen wird; in der Harmonie ist sie eine freundschaftliche Vereinigung, in der keinerlei bedenkliche Intriguen zwischen Leuten stattfinden k�nnen, die sich jeden Augenblick bei den verschiedensten Arbeiten in den industriellen Serien begegnen.� �Die Oper, heute so kostspielig, kostet fast nichts in der Harmonie. T�nzer, S�nger, Musiker, Maler, alle Handwerker und K�nstler stellt die Phalanx aus ihrer Mitte. Ohne die Mitwirkung der Nachbaren und die H�lfe der Durchreisenden wird die Phalanx eine Auswahl von 12-1300 Akteuren haben, die in irgend einer Weise sich betheiligen. Die geringste Phalanx wird eine besser ausgestattete Oper besitzen, als heute unsere gro�en St�dte.� Fourier widmet dann mehrere Kapitel der K�che der Phalanx, ihrer Einrichtung und Organisation und der Verwendung der Kinder in derselben. Die Neigung zu gutem Essen, zur Gourmandis, ist in seinem System auch Erziehungsmittel. Was das Kind i�t, soll es in der Praxis kennen lernen, es soll die Substanzen, ihre Zusammensetzung und ihre Zubereitung erfahren. Wir fassen uns hier�ber kurz, da aus dem bisher Gesagten der Leser wird beurtheilen k�nnen, wie auch hier sich die verschiedenen Serien beth�tigen. Die Kinder werden zun�chst an der Hand passend f�r sie eingerichteter K�chen in die Geheimnisse der Kochkunst spielend eingeweiht, Neugier und Interesse wird geweckt; sie treten allm�lig in die gro�en Zentralk�chen mit ihren Appendixen f�r die Vorbereitung der Speisen �ber, lernen eine Anzahl interessanter Details kennen -- das Einmachen, die Konservirung --, in denen sie n�tzliche Verwendung finden. Die Zubereitung der Materialien f�hrt ganz von selbst dazu, auch das Werden und Entwickeln der verarbeiteten Materialien zu beobachten. Mit zunehmendem Alter wird das Kind mit der Gefl�gelzucht, der Stallwirthschaft, der Obst- und Gem�sezucht bekannt und darin eingeweiht. In allen diesen Beth�tigungen kommt, wie im ganzen Mechanismus der Phalanx, die Serien- und Gruppenbildung nach Trieben, die Abwechslung durch kurze Sitzungen und die Kontrastwirkung zur Geltung; die Rivalit�ten regen den Eifer und die Erfindungsgabe an. Nach diesen selben Grunds�tzen und Methoden werden darauf die Kinder in die verschiedenen Wissenschaften eingeweiht; �berall entscheiden die eigenen Triebe, die durch das Beispiel der Mitsch�ler und das Vorbild der �lteren Sch�ler angeregt und stimulirt werden. Die Auswahl der Lehrmittel ist die gr��te. Alles ist auf das Vortrefflichste eingerichtet, Zwang ist nirgends vorhanden, ebenso wird kein Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern gemacht. �Die Studien sollen nicht an zweiter Stelle figuriren, aber das Interesse soll durch die physische Beth�tigung f�r die verschiedenen Zweige des Studiums geweckt werden. Die Arbeiten der Schule sollen mit denen in den Werkst�tten und in den G�rten eng verbunden sein, die letzteren sollen die ersteren unterst�tzen.� Mit 15 bis 16 Jahren treten die Kinder in das Reifealter, es beginnen die Jahre der Pubert�t und der Geschlechtstrieb macht sich allm�lig geltend; damit beginnt auch f�r die Phalanx die Aufgabe, die Erziehung entsprechend umzugestalten. �Hier ist der Punkt�, f�hrt Fourier fort, �wo alle unsere auf die Unterdr�ckung der Geschlechtsliebe berechneten Methoden, die in den Beziehungen der Liebe nur die allgemeine Heuchelei zu begr�nden wissen, in die Br�che gehen. Das geschieht von hier ab im ganzen Verlauf des Liebeslebens. In keiner Angelegenheit zeigt sich unsere Wissenschaft so unf�hig und ungeschickt, als hier. F�r alle anderen Mi�br�uche und Uebel haben unsere Philosophen wenigstens die Anwendung einiger Gegenmittel versucht, aber keine in Sachen der Liebe, von wo demnach ihr ganzes Werk in Unordnung gest�rzt wird, denn sie haben nur die Unwahrheit und die geheime Rebellion gegen die Natur und die Gesetze begr�ndet. Indem die Liebe keinen anderen Weg zur Befriedigung findet, als mit Anwendung der Doppelz�ngigkeit, wird sie ein permanenter Verschw�rer, der unaufh�rlich daran arbeitet, die Gesellschaft zu desorganisiren, alle ihre Regeln zu untergraben.� �Ich habe gefunden, da� die Zivilisation in Bezug auf die Liebe nur unausf�hrbare Gesetze hat, die �berall der Heuchelei die Ungestraftheit sichern; die Uebertreter werden um so mehr protegirt, je k�hner sie sind. In allen Salons, in der ganzen Gesellschaft sind jene die Angesehensten, die in Liebesangelegenheiten die Leichtherzigsten sind, welche die meisten Eroberungen aufweisen k�nnen, d.h. mit dem, was die zivilisirte Sitte und Moral verlangt, auf dem gespanntesten Fu�e stehen. Nirgends ist die Scheinheiligkeit und Duperie gr��er, als in unserem Ehe- und Liebesleben, ist zwischen dem, was die Natur beansprucht und die Moral vorschreibt, ein sch�rferer Widerspruch. Anstatt dieser Skandale, welche die Zwangsgesetzgebung der Zivilisation erzeugt, mu� die Harmonie, indem sie die volle Freiheit der ersten Liebe sichert, hervorzurufen wissen: 1. die Begeisterung der verschiedenen Alter f�r die Arbeit; 2. die Konkurrenz der Geschlechter f�r die guten Sitten; 3. Belohnung der wirklichen Tugenden; 4. Anwendung dieser Tugenden f�r das �ffentliche Wohl, von dem sie in der Zivilisation getrennt sind.� �Die wesentlichste Aufgabe Derer, die in der Harmonie die erste Liebe genie�en werden, ist, da� sie die beiden Lebensalter, die unmittelbar unter und �ber der Pubert�t sind, zur Arbeit anziehen. Man mu� also unter den Jugendlichen zwei Korporationen bilden, die �hnlich wie die kleinen Banden und die kleinen Horden aufeinander wirken. Diese beiden Korporationen sind das Vestalat, bestehend aus zwei Drittel Vestalinnen und ein Drittel Vestalen, und des Damoiselat, bestehend aus zwei Drittel Damoiseaux und ein Drittel Damoiselles. Die Korporation des Vestalats widmet sich bis zum achtzehnten oder neunzehnten Jahr der Keuschheit, die Korporation des Damoiselats widmet sich der fr�hen Liebe. Die Wahl steht allen Theilen frei. Jedes kann nach Belieben in die eine oder in die andere Korporation ein- und austreten, aber man mu�, so lange man zu einer der Korporationen geh�rt, auch die Gewohnheiten und Regeln derselben beobachten: Keuschheit im Vestalat, Treue im Damoiselat. Die jungen M�nner neigen in der Regel selten dazu, dem Beispiel des keuschen Joseph zu folgen, sie sind dementsprechend auch im Vestalat in der Minorit�t. Im Allgemeinen werden es die festen Charaktere sein, welche f�r das Vestalat sich entscheiden, w�hrend die milderen f�r das Damoiselat die Wahl treffen. Hingegen werden die jungen M�dchen, die eben erst aus dem Chor der Gymnasiastinnen austreten, in der Regel einige Zeit im Vestalat zubringen.� ... �Damoiselles und Damoiseaux, die der Versuchung nachgaben, m�ssen von da ab den Morgenzusammenk�nften der Kinder fern bleiben; sie besuchen nunmehr Abends einen der Liebesh�fe der Erwachsenen -- die sich allabendlich zwischen neun und zehn Uhr in den S�len zusammenfinden -- und erheben sich in Folge dessen auch sp�ter von der Nachtruhe. Dagegen erhebt sich das Vestalat mit den Kindern. Wegen dieser fortdauernden Beziehungen zu den Kindern wird das Vestalat mit besonderer Achtung und Anh�nglichkeit von diesen behandelt, umgekehrt wird das Damoiselat von ihnen mi�achtet. Die �lteren St�mme von zwanzig und mehr Jahren haben wieder aus anderen Motiven f�r das Vestalat und die Virginit�t eine tiefe Zuneigung. So vereinigt das Vestalat in sich den h�chsten Grad der Gunst der Kindheit und des m�nnlichen Alters. Die Keuschheit der Vestalinnen und Vestalen ist um so besser gesichert, da sie die volle Freiheit haben, jederzeit die Korporation zu verlassen und auf die Vortheile der Rolle zu verzichten.� �Mit Ausnahme der Schlafzeit, welche die Vestalen und Vestalinnen nach Geschlechtern getrennt in verschiedenen R�umen zubringen, haben sie ihre volle Freiheit; sie gehen den gewohnten Besch�ftigungen in den verschiedenen Serien und Gruppen nach; sie haben aber auch ihre besonderen Sitzungen und gew�hren den Besten unter sich den Titel �Bewerber� oder �Bewerberin�. Diejenigen, die diesen Titel f�hren, haben den Vortheil, in der industriellen Armee, in der sie eine besondere Stellung einnehmen, auch mit besonderen Ehren empfangen zu werden. Uebertritt ein zum Vestalat geh�riges Mitglied die vorgeschriebenen Gepflogenheiten und wird dies festgestellt, so macht man ihm aus seiner Unbest�ndigkeit kein Verbrechen, aber es hat aus der K�rperschaft auszuscheiden. Nichts verschafft einem M�dchen von 16-18 Jahren mehr Achtung, als eine nicht bezweifelte Keuschheit, eine warme Hingabe an die Arbeit und die Studien. Mit Ausnahme der schmutzigen Arbeiten sind die Vestalinnen die Kooperatrizen der kleinen Horden; ist Gefahr im Verzuge, handelt es sich z.B. darum, wegen drohenden Unwetters rasch eine Ernte zu bergen, so sind sie stets an der Spitze. Jede Phalanx wird sich bem�hen, die gefeiertsten Vestalinnen zu besitzen und sie nach der Art ihres Verdienstes als Reine durch Titel auszuzeichnen, wie die Sch�ne, die Hingebende, die Talentirte, die Gunstbezeugende. Das Vestalat w�hlt aus seiner Mitte die pr�sidirende Quadrille, welche bei den Zeremonien den Ehrenwagen besetzt und an den Fest- und Ehrentagen der Phalanx die Honneurs macht. Kommt ein Monarch, so sendet man ihm nicht wie bei uns beglac�handschuhte Schwadroneure entgegen, die vor ihm �ber die Sch�nheiten der Verfassung und das Gl�ck des Handels peroriren, sondern man deputirt die liebensw�rdigsten Vestalinnen, die ihn an der Grenze begr��en. Kommt eine F�rstin, so w�hlt man Vestalen. Versammelt sich eine industrielle Armee, so sind es die Vestalen, die ihr die Oriflamme �bergeben und die erste Rolle bei den Festen wie bei den Arbeiten einnehmen. Die Arbeiten dieser Armeen werden durch die Anwesenheit der Vestalen und Vestalinnen einen besonderen Reiz gewinnen und sie werden, so stimulirt, ihre Arbeiten, ohne da� sie Erm�dung verursachen, ausf�hren. Indem man ferner den Armeen jeden Abend gl�nzende Feste giebt, hat man nicht n�thig, mit der Kette am Hals die jungen Leute hinzuf�hren, wie das bei unseren jungen Ausgehobenen geschieht, die stolz auf den sch�nen Namen �freie M�nner� sind. Die industrielle Armee wird zu einem Drittel aus Bacchantinnen, Bajaderen, Heroinen, Feen gebildet sein, und so werden mehr junge M�nner und Frauen herzustr�men, als man n�thig hat. Ferner werden F�rsten und F�rstinnen diese Armeen besuchen, um sich dort nach ihrem Geschmack ihre Gattin oder ihren Gatten zu w�hlen, und es ist anzunehmen, da� eine solche Wahl meist auf eine Vestalin oder einen Vestalen f�llt. Diese Herrschaften werden in der Harmonie nicht mehr die Sklaven sein, wie in der Zivilisation, in welcher man ihnen nach chinesischer Manier einen Mann oder eine Frau aufn�thigt, die sie niemals gesehen haben.� �Von allen Seiten mit den g�nstigsten Blicken betrachtet, wird der vestalische K�rper Gegenstand einer sozialen Abg�tterei, eines halbreligi�sen Kultus. Die Menschen lieben einmal, sich Idole zu schaffen, und so wird in Folge dieses Bed�rfnisses das Vestalat ein Idol der Phalanx. Die kleinen Horden, die keiner Macht der Erde den ersten Gru� bewilligen, werden vor dem Vestalat ihre Fahne neigen und ihm als Ehrengarde dienen.� Die Ehren, die Fourier dieser K�rperschaft f�r das Opfer, ihre Keuschheit einige Jahre zu bewahren, zugedenkt, sind noch gr��erer Art. Ist die ganze Erde einmal mit Phalanxen bedeckt, so wird sich auch die Nothwendigkeit einer allgemeinen Eintheilung im Reiche verschiedener Grade ergeben, die, wie Alles bei ihm, geometrisch abgemessen sind. Der oberste Leiter des Erdballs ist der Omniarch, der in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, seinen Sitz hat; dann folgen 3 Auguste, 12 Z�sarinnen, ungef�hr 48 Kaiserinnen, 144 Kalifen, 576 Sultane, 1721 K�niginnen, 6912 Kaziken u.s.w. Man fragt sich freilich vergeblich, was alle diese F�rsten, F�rstinnen und hohen m�nnlichen und weiblichen W�rdentr�ger in dieser sozialen Organisation f�r einen Zweck und eine Bedeutung haben, inwiefern ihre Funktionen f�r das Gedeihen dieser phalansteren Gesellschaft notwendig sind. Dar�ber giebt auch Fourier keine Auskunft. Sie geh�ren eben in sein System, das bem�ht ist, den Trieben und Neigungen, wir pflegen auch zu sagen Schw�chen, der Menschen nach Titeln und Auszeichnungen Rechnung zu tragen. Auch hofft er, da� sein System in um so h�herem Grade die Unterst�tzung der h�heren Klassen finden werde, als es ihnen besondere Aussicht f�r die Erlangung von Titeln und W�rden er�ffnet. Eine solche Schaar hoher W�rdentr�ger und W�rdentr�gerinnen bedarf entsprechender Frauen und M�nner, und da haben Vestalinnen und Vestalen in erster Linie die sch�nste Aussicht, zu diesen Ehren zu kommen. �Auch bewilligt die Harmonie der Virginit�t Ehrentafeln. Welch ein Unterschied zwischen dieser und der Zivilisation, wo die Virginit�t nur Geringsch�tzung findet und Gunstbezeigungen nur Denen zu Theil werden, die sich einen falschen Heiligenschein f�r die Gaukeleien der Libertins zu geben wissen. Diese W�stlinge, die in ihren Liaisons die Kunst gelernt haben, die Menschen zu betr�gen und zu d�piren, werfen sich unter den Spitzbuben, welche die �ffentliche Meinung leiten, als Lobredner der Tugend auf. Welche Ermuthigung findet unter uns ein junges, sch�nes M�dchen, um ihre Virginit�t zu bewahren? Ist sie arm, wird sie ihre Anbeter, die alle gute Rechner sind, nicht beth�ren, sie wissen, da� die Tugend keinen Lebensunterhalt f�r die Haushaltung schafft. Ihre Eltern werden gezwungen, auf einen Sechzigj�hrigen oder irgend eine andere Schamlosigkeit zu spekuliren und sie wird durch diese Spekulation prostituirt; sie findet kaum einen Mann von mittlerem Alter, der ihr eine anst�ndige Existenz zu bieten vermag. So wird ihre Sch�nheit ein Gegenstand elterlicher Beunruhigung, ihre Tugend wird f�r die Zukunft verd�chtig sein. Hat sie einiges Verm�gen, so ist sie w�hrend langer Zeit zwischen m�nnlichen und weiblichen Maklern Gegenstand eines gemeinen Handels. Endlich wird sie einem durch Laster verdorbenen Manne �berliefert; denn es giebt weit mehr verdorbene als gute Ehem�nner.� �Findet ein M�dchen unter uns bis zum f�nfundzwanzigsten Lebensjahre keinen Ehemann, so beginnt man sich �ber sie lustig zu machen, man glossirt sie wie eine verd�chtig gewordene Waare. Um den Preis einer in Entbehrungen verlebten Jugend sammelt sie in dem Ma�e, wie sie �lter wird, eine Ernte gemeiner Witze, mit der jedes alte M�dchen �bersch�ttet wird. Das ist eine der Zivilisation w�rdige Ungerechtigkeit. Das Opfer, das sie fordert erniedrigt sie; undankbar, wie sie ist, belohnt sie die Hingebung der jungen M�dchen an ihre Morallehren mit Beschimpfungen und Aergernissen. Da braucht man sich nicht zu wundern, da� man bei jungen M�dchen, die nicht �berwacht werden, nur eine Maske der Keuschheit findet. Leistet ein junges M�dchen Gehorsam, so wird es, als M�dchen alt geworden, von derselben �ffentlichen Meinung bestraft, die es zwang, seine sch�ne Jugend ihrem Vorurtheil zu opfern. Was kann es Unn�tzeres geben, als diese ewige Virginit�t? Sie ist eine Frucht, die man, statt sie zu genie�en, verderben l��t. Das sind Ungeheuerlichkeiten, die vollkommen w�rdig sind dieser zivilisirten Ordnung, welche stolz auf ihre Weisheit und ihre Wissenschaft ist. Aber wenn man einem sch�nen M�dchen, um den Preis, ihre Keuschheit zu bewahren, eine Vergeltung in Aussicht stellt, ist diese ihr gewi�? Sie l�uft nicht geringe Gefahr, einen Spieler, oder einen durch Ausschweifung br�chig Gewordenen, einen rappelk�pfischen oder brutalen Mann zum Gatten zu erhalten. Ferner hat ein anst�ndiges M�dchen selten genug Finesse, um die Heucheleien, die tr�gerischen Aufmerksamkeiten ihrer Bewerber zu erkennen, durch die eine ein wenig erfahrene Frau nicht mehr get�uscht wird. Hat sie aber eine gute Partie in Aussicht, so wird irgend eine Intriguantin, die in der Kunst zu bezaubern ge�bt ist, sie ihr entfremden. Das anst�ndige M�dchen wird darum betrogen, es erh�lt nur einen unfruchtbaren Tribut der Achtung und altert oft in der Ehelosigkeit.� �Ich kann mich nicht so, wie ich es w�nschte, hier aussprechen, weil die Er�rterung dieser Fragen dem allgemeinen Vorurtheil zuwider ist, und doch sollte man sie gr�ndlich behandeln, um die Unanst�ndigkeit, die Heuchelei und die schlechten Sitten der Zivilisirten in Allem, was das Verh�ltni� der Geschlechter betrifft, an den Pranger zu stellen. Die Sitten in der Harmonie m�gen auf den ersten Anblick Ansto� erregen, sie werden aber alle Tugenden geb�ren, von denen sehr �berfl�ssiger Weise die Zivilisation nur tr�umt.� �Wenn ich das Erziehungssystem darlege, nach dem die Kinder in der Harmonie sich entwickeln, so werden die meisten V�ter rufen. 'Ah, das ist sch�n, das ist, was ich l�ngst gew�nscht, so sollte und m��te es sein'; aber wenn ich es auch unternehme, die Liebesbeziehungen darzulegen, so schreien die bissigen Moralisten, da� ich die guten Sitten verletze. Sie werden �ber jede Parallele verwundert sein, die ich zwischen den Gewohnheiten der beiden Gesellschaftsordnungen ziehe. Zum Beispiel, wenn ich die vestalischen Verm�hlungen mit denen der Zivilisation vergleiche, deren Moral nur unanst�ndige und skandal�se Gewohnheiten zu Grunde liegen: so die zweideutigen Zeremonien, die der Verbindung des Paares vorausgehen; die zweideutigen Wortspiele, die Trunkenheit der Festbetheiligten, das Herfallen mit schlechten Scherzen �ber die Braut. Die Gepflogenheit der Saufgelage kann einer dezenten Gesellschaft, wie sie die Vestalen sind, nicht gefallen; sie haben die Methode, ihre Vereinigung zu vollziehen, ohne da� sie zuvor den Sp�ttereien und Witzeleien ausgesetzt sind, die den n�chsten Morgen noch immer fr�h genug kommen. Es bleibt weder Zeit f�r die ewigen zweideutigen Wortspiele, noch f�r die moralischen Schlemmereien.� �Man begeht, wie man sieht, in der Harmonie nicht die Inkonsequenz, Vestalinnen zu schaffen ohne Vestalen, sie ahmte sonst den Widerspruch der Zivilisation nach, die den M�dchen die Keuschheit vorschreibt, aber die Ausschweifungen der jungen M�nner tolerirt, d.h. man provozirt bei den Einen, was man den Andern verbietet, eine Zweideutigkeit, die der Zivilisation w�rdig ist. Welcher Art werden die jungen M�nner sein, die in der Harmonie sich f�r das Vestalat erkl�ren? -- Diejenigen, die, wie die S�hne des Theseus, f�r aktive Th�tigkeiten, aber wenig f�r die Liebe neigen. Wenn Hippolyt die Jagd allein gen�gte, um ihn von der Liebe abzuziehen, so wird eine soziale Ordnung, die jedem Jugendlichen drei�ig und mehr Gelegenheiten bietet, wo er seine Kr�fte �ben und seinen Ehrgeiz befriedigen kann, interessanter sein, als das mittelm��ige Vergn�gen der Jagd.� �Vergegenw�rtige man sich immer wieder, da� alle diese anscheinend so romantischen Gepflogenheiten den Zweck verfolgen, den wirklichen Reichthum der Phalanx zu steigern, indem sie die Liebe in allen ihren Unterarten f�r den Fortschritt der Arbeit und der Entwicklung nutzbar machen. Der Reichthum steigt in demselben Ma�e, wie allen Trieben der freie Aufschwung gesichert ist. Es wird geschehen, da� die Alten, die in der Harmonie den Reichthum und die Vergn�gungen mehr lieben werden, als man sie heute liebt, die Ersten sein werden, welche die Freiheit der Liebe herzustellen verlangen. Die n�thigen Gegengewichte werden sich in gen�gender Zahl aus der Konkurrenz der Instinkte und der Geschlechter ergeben.� ... �Man sieht, da� meine Theorie �berall eine einheitliche ist, alle Probleme haben dieselbe L�sung, die Bildung von Serien, freien Gruppen, und diese nach den drei Regeln zu entwickeln: geschlossene Abstufung der Triebe (Kabalist), Wechsel in der Aus�bung aller Th�tigkeiten (Papillone), kurze Sitzungen (Komposit). Das ist die feste Regel f�r die Bildung und Entwicklung der Serien; ihr Zweck mu� sein, �berall die Konkurrenz der Geschlechter, der Lebensalter und der Instinkte zu begr�nden.� �Den Leser choquirt die Idee der freien Liebe, weil daraus ein Durcheinander der Kinder verschiedener Abstammung resultire; um diese Vorurtheile zur�ckzuweisen, m��te ich zu sehr weitl�ufigen Auseinandersetzungen greifen, die ich hier nicht geben kann; ich werde beweisen, da� das zivilisirte Regime alle die Uebel erzeugt, die man von der Freiheit der Liebe bef�rchtet, da� aber diese Freiheit, auf eine Phalanx mit Serien der Triebe angewandt, alle Unordnungen, die sie in der Zivilisation hervorruft, vermeidet. Wie es in der Zivilisation aussieht, daf�r m�gen einige Beweise folgen. Die Statistik von Paris ergiebt, da� ein Drittel der V�ter ihre Kinder verlassen und verleugnen. Auf 27.000 Geburten rechnet man �ber 9000 Bastarde, und doch ist Paris der Mittelpunkt der �moralischen Erleuchtung� und die �Vollendung der Vervollkommnung der Vervollkommnungsf�higkeit�. Wenn �berall ebenso viel Vollkommenheit existirt als in Paris, ist ein Drittel der Kinder von ihren V�tern verlassen. Ferner sind da die syphilitischen Krankheiten, die in unserer Ordnung zahlreiche Opfer erfordern. Die Jugend wird bei unseren Sitten zur Unaufrichtigkeit erzogen, sie macht sich ein Spiel daraus, diese Krankheiten zu verbreiten, deren Gefahr jede kluge Person zwingt, sich von der galanten Welt zu isoliren und so die unnat�rliche Befriedigung der Triebe herausfordert. Ferner: Wenn im jugendlichen Alter die M�dchen �ber die Treue get�uscht werden, so t�uschen sp�ter ihrerseits die Frauen; sie nehmen einfach Repressalien. Wenn in Paris, �dem Hort der Moral�, man j�hrlich �ber 9000 V�ter sieht, die ihre Kinder verlassen, so wird die Rache der M�tter eine entsprechende sein. Auf 27.000 Geburten schw�ren die Frauen 9000 Kinder ihren Ehem�nnern zu, die sie von ihren Liebhabern bekommen haben. Das ist Reziprozit�t der V�ter und M�tter f�r ihre Kinder. Ferner: Nach dem Liebesalter gefallen sich die Alten inmitten ihrer z�rtlichen Kinder und Enkel, die nat�rlich in den gesunden Doktrinen der Philosophie erzogen wurden, und freuen sich der ihnen erwiesenen Zuneigung. Es ist meist nur Duperie und Scheinheiligkeit. Alle diese Aufmerksamkeiten gelten nicht ihnen, sondern ihrem Verm�gen. Um sich davon zu �berzeugen, brauchten sie nur den Zusammenk�nften beizuwohnen, bei welchen die Liebenden ihre Eltern glossiren. Sie werden als l�cherliche Harpagons oder unbequeme Argusse behandelt; man unterh�lt sich mit W�nschen, wie, da� der Augenblick bald kommen m�ge, um ein Verm�gen genie�en zu k�nnen, das nach der Meinung der Jungen die Alten nicht anzuwenden verstehen. Man antwortet: da� ehrenhafte Familien vor geheimen Orgien sicher sind. Ja, so lange die Furcht darin herrscht. Aber sind die V�ter und die Argusse todt oder abwesend, in demselben Augenblick kommt auch die Orgie, oft selbst w�hrend die V�ter leben. Die jungen Leute �berzeugen die V�ter, da� sie nicht kommen, ihre T�chter zu verf�hren, da� sie wahre Freunde der Moral und der Verfassung sind, andererseits �berzeugen sie die Mutter, da� sie eben so h�bsch wie die Tochter ist, �was manchmal wahr ist�. Gest�tzt auf diese Argumente, organisiren sie im Hause die maskirte Orgie. Der Vater gewahrt den Kniff und versucht widerspenstig zu werden, aber die Frau beweist ihm, da� er nicht die rechte Einsicht habe und er schweigt. Und selbst wenn die V�ter solche Fallen zu vermeiden wissen, gerathen sie nicht in zwanzig andere Unannehmlichkeiten, in einen wahren �Cercle vicieux� von moralischen Sottisen? Hier f�llt eine gehorsame Tochter in Krankheit und stirbt, weil ein Band ihr versagt blieb, das die Natur gebot. Dort wird eine entf�hrt oder schwanger und alle v�terlichen Berechnungen werden zu Schanden. Und welch eine Verlegenheitsquelle sind T�chter ohne Aussteuer? Um sich zu erleichtern, schlie�t der Vater die Augen �ber die Freiheiten der Sch�nsten, damit ihm die Kosten ihres Flitterstaats erspart bleiben. Die wenigst Sch�ne steckt er in ein ewiges Gef�ngni�,[18] ihr sagend, da� sie gl�cklicher sein werde, wenn sie Gott diene. Oder er hat eine Tochter verheiratet, aber die Verbindung geht zu Grunde, und statt eine Tochter los und ledig zu sein, hat er sie und ihre ruinirte Familie zu erhalten. Und so lie�en sich noch viele F�lle der Entt�uschung anf�hren.� [Fu�note 18: Das Kloster, ein in Frankreich in sogenannten besseren Familien, wo das n�thige Verm�gen zu einer Aussteuer fehlt, oft vorkommendes Auskunftsmittel, sich unbequem gewordener T�chter zu entledigen. Der Verfasser.] �Da kommt die Moral und beweist an einigen gl�cklichen Ausnahmen, welche segensreiche, Gl�ck bringende Einrichtung diese Ehe unserer Zivilisation sei, aber die gro�e Majorit�t, die dieses Gl�ckes beraubt ist, sieht und empfindet dieses Gl�ck nicht. V�ter wie Kinder sind in falscher Position, die gute Ordnung beruht auf einem mehr oder weniger maskirten Zwang, und dieser Zwang erstickt die Zuneigung; er reduzirt das Familienleben zu einem Trugbild. Die Eltern erhalten das wahre Gl�ck nur in einer Ordnung, die den W�nschen der Natur entspricht, aber unsere Moralisten haben nie eine Studie �ber die Beziehungen der Liebe gemacht. Ein Beispiel lehrt dies.� Fourier bezieht sich hier zum Beweis f�r die Richtigkeit seiner Anschauung �ber die Moralisten auf einen Vorgang, der ihm zufolge im Pensionat des ber�hmten Pestalozzi in Yverdon vorgefallen sein soll, und er verspottet hierbei zugleich die sogenannte intuitive Methode, nach der Pestalozzi bei seinem Erziehungssystem verfuhr. Wie weit der zu erz�hlende Vorfall auf Wahrheit beruht, k�nnen wir nicht kontroliren, inde� sind �hnliche Vorg�nge auch heutzutage durchaus nichts Seltenes. Fourier erz�hlt also, da�, w�hrend Pestalozzi in seinem Institut nach seiner intuitiven Methode J�nglinge und junge M�dchen unterrichtete, er gar nicht gewahr wurde, wie diese unter sich nach der sensitiven Methode handelten. Daraus entstand denn eines Tages eine schreckliche Entdeckung. Es gab ein f�rchterliches Durcheinander. Es ward entdeckt, da� eine Anzahl der Sch�lerinnen theils durch Lehrer, theils durch Sch�ler schwanger geworden war, wor�ber, sehr begreiflich, der ber�hmte Lehrer ganz au�er sich gerieth, der, wie Fourier boshaft hinzusetzt, �bei dem Gr�beln �ber seine intuitiven Subtilit�ten ganz und gar vergessen hatte, der Intuition der Liebe Rechnung zu tragen�. �W�hrend so die Philosophen die Triebe unterdr�cken wollen, kommen diese und unterdr�cken unvermutheter Weise die arme Philosophie. Es zeigt sich hier, da�, wie immer man sich in der Zivilisation der Freiheit n�hern will, sei es in Sachen der Liebe, sei es in Sachen der anderen Triebe, man f�llt stets in einen Abgrund von Sottisen, weil die Freiheit nur im soziet�ren Zustand zur Geltung kommen kann, wovon die Moral keine Ahnung hat.� Fourier sagt dann weiter: Die Freiheit zu besitzen und zu sichern, sei der Wunsch des Menschengeschlechtes, aber das k�nne man nicht, ohne den Mechanismus der Gegengewichte zu kennen, die den Mi�brauch der Freiheit verh�teten. Deshalb tappte bisher der menschliche Geist im Finstern und fielen alle Neuerer, die revolution�ren Politiker, mit ihren Versuchen, wie die Pestalozzi und Owen und andere politische Halsbrecher, stets von der Charybdis in die Skilla. Es ist nicht uninteressant, hier auch ein Urtheil anzuf�hren, das Fourier �ber Kant und, indem er �ber die Methode Pestalozzi's spricht, �ber die Deutschen �berhaupt f�llt. Er sagt �ber Kant: Welches Wesen habe man von ihm gemacht. Er sei der erste Metaphysiker der Schule. Kein Anderer solle wie er mit analytischer Gr�ndlichkeit �ber die Wahrnehmungen der Anschauungen des Erkenntni�verm�gens, die Willens�u�erung der Empfindungen, Klarheit gebracht haben. Er sei ein Eroberer, der Alles an sich rei�e, der das Angesicht der Wissenschaft g�nzlich �ndere. Er (Fourier) habe zu diesem Urtheil �Ja� gesagt, obgleich er nicht die F�higkeit besitze, �ber Kant oder die anderen Ideologen ein Urtheil abzugeben; er habe nie eine Zeile von ihrer Wissenschaft begriffen, was ihn aber nicht verhindere, �ber ihre Bedeutung auf Grund der vorliegenden _Resultate_ zu urtheilen. Heute rangire man die alten Ideologen unter die Alchimisten, man betrachte ihre Lehren als Visionen; damit sei nicht gesagt, da� die modernen Ideologen mit den Chemikern auf eine Stufe zu stellen seien, denn diese st�tzten sich auf die Erfahrung. Die Ideologen, Kant nicht ausgenommen, seien Sch�ngeister, Rechthaber (�ergoteurs�), die in einem Jahrhundert zu Ansehen k�men, das, wie das unsere, neue G�tzenbilder brauche. Charakteristisch an diesem Urtheil ist die Offenheit, womit Fourier zugiebt, Kant nie verstanden zu haben; damit, k�nnte man sagen, sei auch das Urtheil �ber Fourier gesprochen, und doch th�te man ihm Unrecht, denn f�r ihn entscheiden, wie er selbst sagt, die greifbaren Resultate, und diese allein. Fourier ist trotz aller Spekulationen, denen er selbst in seiner Ideenentwicklung verf�llt, eine durchaus auf das Konkrete gerichtete Natur. Eine Spekulation, die keine praktischen Resultate f�r das Leben verspricht, verwirft er. Da� Kant mit Begriffen operirte, �ber Begriffe spekulirte, scheint ihm eine unfruchtbare Arbeit; eine solche Wissenschaft kann f�r die Menschen, die, nach ihm, nur das Gl�ck wollen und zwar sichtbar und greifbar, keine Wissenschaft sein. Die Philosophie m�ht sich ab, den Begriff des Gl�cks zu definiren, Fourier ist damit sehr rasch fertig: Gl�ck hei�t volle Befriedigung aller Triebe des Menschen, suchen wir also ihm diese Befriedigung zu verschaffen. Was nicht darauf abzielt, ist, nach seiner Meinung, vom Uebel, metaphysische Spekulation ohne Werth; die Praxis und die Erfahrung entscheiden. So urtheilt er auch weiter absprechend �ber Pestalozzi. Nach ihm ist Pestalozzi der praktische Metaphysiker, wie Kant der theoretische. Sein (Pestalozzi's) Institut sei jedenfalls das beste in Europa, es werde nach einer Methode geleitet, die von Montaigne bis Jean Jacques Rousseau empfohlen worden sei. Das Pensionat sei renommirt, und die Kinder seien stolz, ihm anzugeh�ren, wie der Soldat stolz sei, in einem sch�nen Regiment zu dienen. Aber um das Kind anzuregen, seinen Wetteifer zu entfachen, habe man nichts als die intuitive Methode. Aber kein Kind bei�e an die Angel. Pestalozzi gestehe selbst, da� er nur selten Kinder gewinne, und da� zwei Drittel desertirten und ungeduldig w�rden. Dazu komme, da� er wegen Mangel an Verm�gen das Pensionat nur mangelhaft ausstatten k�nne. �Man traktirt vergeblich die Kinder mit der intuitiven Methode, um sie �ber ihre Unbehaglichkeit zu tr�sten, sie wollen nicht die von diesem ideologischen Dunst Get�uschten sein.� Schlie�lich habe man die deutschen Kinder an diesen metaphysischen Jargon gew�hnt. Das sei nicht zu verwundern. Deutsche Kinder seien sehr geschmeidig, man bringe Tausende zum Gehorsam mit der Erkl�rung: �Es mu� sein.� Die Deutschen seien eine Nation �von Freunden der Ordnung�, der Deutsche sei ein Mechanismmus, den man jederzeit mit dem: �es mu� sein� in Bewegung setzen k�nne, da sei es leicht, die Kinder nach irgend welchen Zierereien der Metaphysik, wie diese intuitive Methode, zu bilden, aber f�r die Vortrefflichkeit der Erziehung beweise das nichts. In Ausf�hrung seiner Theorie erkl�rt Fourier weiter, da�, bevor die Bedingungen, unter denen die von ihm dargelegten Prinzipien freier Liebe sich verwirklichen k�nnten, mehrere Generationen im phalansteren System vergehen m��ten. Das Geschlecht m�sse erst dazu gesund erzogen und vorbereitet sein. Zun�chst gelte es, die Syphilis, die ganze Geschlechter geschw�cht habe, vollst�ndig auszurotten, dann die politischen Hindernisse des Verkehrs der Geschlechter zu beseitigen; das Schwierigste aber sei, zu verhindern, da� nicht in dem Augenblick, wo man der Liebe gr��ere Freiheit gebe, die geheime und korporative Orgie -- worunter Fourier den ungeregelten, durch kein System der Serien der Triebe gez�gelten Geschlechtsgenu� versteht -- hervorbreche. Die Orgie k�nne nicht durch Unterdr�ckungsmittel verh�tet werden, sondern durch die Oberherrschaft von Ehre und Tugend, erzeugt durch Einrichtungen, wie er sie in Bezug auf das Vestalat vorgeschlagen. Er glaubt ferner die Richtigkeit seiner Ansichten �ber die Liebe aus dem neuen Testament beweisen zu k�nnen, eine Beweisf�hrung, die bekanntlich bis in die neueste Zeit von den auf religi�ser Grundlage beruhenden kommunistischen Sekten sowohl f�r die Gemeinschaft der G�ter, wie f�r die Freiheit des Geschlechtsverkehrs und die Gleichheit von Mann und Frau in's Treffen gef�hrt worden ist, aber von Anderen und durch andere Stellen des neuen Testaments ebenso bek�mpft wird. Die Liebesbeziehungen, wie sie in der Zivilisation m�glich seien, behauptet Fourier, z�gen die Jugend von den Arbeiten und den Studien ab, sie erregten die Indolenz, die Frivolit�t und verf�hrten zu unsinnigen Ausgaben. Umgekehrt werde in der Harmonie die Liebe zur Kultur und zum Studium anreizen und den Eifer daf�r verdoppeln. Fourier geht nun dazu �ber, zu untersuchen, wie die verschiedenen Geschlechter und Klassen f�r die neue Ordnung zu gewinnen seien und wo man den Hebel ansetzen m�sse. Das einflu�reichste Geschlecht seien die Kinder. Die Kinder wirkten auf die M�tter und die M�tter und Kinder zusammen auf die V�ter; einem solchen Ansturm k�nnten letztere nicht widerstehen. Unter den Klassen seien es die Reichen, die auf die niederen Klassen den Einflu� h�tten. Es gelte, die Reichen zu verf�hren, denn bequemten diese sich zur Arbeit in der Serie, so w�rden die �brigen Klassen, durch deren Beispiel angefeuert, erst recht eifrig bei der Sache sein. Welche Arbeiten w�rden es also sein, die Reiche und Kinder am ehesten zum Eintritt in die soziet�re Ordnung verf�hren k�nnten? Man merke wohl, es handelt sich nicht um ein Ueberzeugen, um ein Wirken auf den Verstand, sondern um ein Verf�hren, ein Wirken auf die Leidenschaften und Triebe. Auf die Kinder wird den gr��ten Anreiz gutes Essen und Trinken �ben, also die Gourmandis. Eine K�che f�r sie und die freie Befriedigung ihrer Geschm�cker wird ihre ganze Phantasie in Beschlag nehmen und gewinnen. Man wird also die Kinder in Serien und Gruppen organisiren und sie mit der Herstellung der gew�nschten Herrlichkeiten vertraut machen. Von jetzt ab werden sie die eifrigsten Werber f�r die Phalanx werden. Dazu kommen die schon erw�hnten anderen Anreize: Kleine Ateliers, kleine Werkzeuge, k�rperliche Exerzitien und choreographische Uebungen mit Vorstellungen, Ferien etc. in der Oper. Die reiche Klasse wird anfangs z�gern; die Einzelnen werden in diese und jene Serie treten und die Arbeit auf kurze Zeit versuchen. Aber eingetreten, naht die Verf�hrung. Da ist ein reicher Mann, Namens Mondor, der von Natur Hang zu Gartenarbeiten hat. Er interessirt sich namentlich f�r Pflanzensamen, das Sammeln der Fr�chte und ihre Konservirung. Nun liebt Mondor besonders Rothkohl, den er an der Tafel der Phalanx ausgezeichnet findet; auch hat er davon sch�ne Beete auf den Feldern der Phalanx gesehen. Mondor l��t sich den Samen zeigen, untersucht ihn und giebt einer Gruppe von S�ern einige gute Winke, wor�ber diese Mondor ihr Lob zollen, dessen Eigenliebe dadurch geschmeichelt wird. Er tritt in die Gruppe der S�er ein und betheiligt sich an ihren Arbeiten, aber ohne andern Gruppen beizutreten. Den Tag nach diesem Engagement erlebt Mondor, da� bei der Fr�hparade die Kinder ihn mit einer Fanfare begr��en, worauf ein Herold vortritt und ihn zum Baccalaureus des Rothkohls, in R�cksicht auf seine Kenntnisse f�r diesen Zweig des Gartenbaues, ausruft. Dann tritt eine Vestalin vor, welche ihm die Abzeichen dieser Serie �berreicht und ihn umarmt. Darauf empf�ngt er die Begl�ckw�nschungen der Chefs, die durch die Kinder mit einer neuen Fanfare begleitet werden. All das gef�llt Mondor so, da� er sich entschlie�t, ganz in die Phalanx einzutreten und an ihren Arbeiten seinen Neigungen entsprechend theilzunehmen. �Auf �hnliche Weise wird jeder reiche Mann und jede reiche Frau�, meint Fourier weiter, �nachdem sie einige Tage in der Phalanx zugebracht haben und allen Vorg�ngen gefolgt sind, gewonnen, und sie werden �berrascht sein, pl�tzlich zwanzig und mehr industrielle Anziehungen bei sich zu entdecken, die sie bisher selbst nicht kannten. Es ist der h�ufige Wechsel in der freien Wahl der Th�tigkeit, was ihnen besonders gef�llt. Der Einflu� dieser parzell�ren Anwendungen, bald hierin, bald darin, wird die Wirkung haben, da� sieben Achtel der Frauen sich f�r die verschiedensten Besch�ftigungen der Hauswirthschaft interessiren, die ihnen heute meist widrig erscheinen. Diese liebt nicht, sich mit der Pflege kleiner Kinder abzugeben, sie wird aber gern in eine Gruppe eintreten, die sich mit einem Zweig der Schneiderei oder N�hterei befa�t; die andere will nicht am Herde stehen, sie ist dagegen eingenommen f�r die Herstellung verzuckerter Kr�me und die Arbeiten der Konservirung; umgekehrt werden Andere angenehm finden, was Jene verwerfen. So werden die Frauen zwanzig und mehr Besch�ftigungen finden, f�r die sie in der Zivilisation nicht die Mittel und die Einrichtungen besa�en, oder die sie erm�deten und mi�stimmten, weil sie dieselben ohne Abwechslung und bis zum �u�ersten Ma� ihrer Kr�fte erf�llen mu�ten.� �Gew�hnlich geben die Ehem�nner und Moralisten der Frau in der Ehe wenig Geld, aber viel gute Rathschl�ge, und so finden die Frauen in der Haushaltung nur Plackerei und Entbehrungen, wie die M�nner in der Bodenkultur nur Erm�dung und Spitzb�berei finden. Der immerw�hrende Wechsel der Besch�ftigung nach Wahl wird die Hauptquelle der industriellen Anziehung und daraus werden andere Anreize hervorgehen. Chloe hat mehrere Male an einer Tafel der Serie der Lautenmacher servirt und hat aus den gepflogenen Unterhaltungen Interesse f�r diese Besch�ftigung gewonnen; sie fa�t eines Tages den Entschlu�, das Atelier derselben zu besuchen, und was sie sieht und h�rt, gef�llt ihr so, da� sie beschlie�t, in die Serie der Lautenmacher einzutreten. Ohne da� sie diese Gesellschaft kennen lernte und ihr Atelier besuchte, w�rde sie nie Interesse und Trieb f�r diese Besch�ftigung empfunden haben. Weiter: Sebastian, ein junger Mann ohne Verm�gen, zerrei�t eines Tages an einem Haken sein sch�nstes Kleid. Den n�chsten Tag entdeckt dies bei der Ordnung von Sebastian's Zimmer eine der Zimmerordnerinnen und diese bringt das Kleid zu den Ausbesserinnen, wo Celiante, eine reiche Dame von f�nfzig Jahren, die Leitung hat. Celiante ist sehr passionirt f�r solche Arbeiten und betrachtet sich selbst mit Stolz als die Geschickteste in der Serie. Celiante kennt Sebastian, dem sie mehrfach in Gruppen, in welchen er sich auszeichnete, begegnete und empfindet Wohlwollen f�r ihn. Sie benutzt also diese Gelegenheit, ihm ein Zeichen ihrer Wohlgeneigtheit zu geben, indem sie selbst in meisterlicher Weise an Sebastian's Kleid die Reparatur vornimmt. So wird der unverm�gende Sebastian in der Phalanx von einer Dame bedient, die Million�rin ist. Solche Begegnungen und Zuf�lle giebt es in der Phalanx t�glich in Menge, die h�ufig auch zu ernsteren Beziehungen f�hren.� �Die Leistung wird nie von Person zu Person bezahlt, die Phalanx stellt sie in Rechnung; die Leistung erlangt dadurch den Charakter der rein unpers�nlichen Beziehung. Arm arbeitet f�r Reich, Alt f�r Jung und umgekehrt. Die Greise und Greisinnen, die zu keiner Leistung mehr verpflichtet sind, werden es sich zum besonderen Vergn�gen machen, die Kinder in den Th�tigkeiten zu unterweisen, f�r die sie selbst ein lebhaftes Interesse besa�en, oder noch besitzen; sie werden in diesen Kindern die Erben und Nachfolger ihrer Lieblingsbesch�ftigungen erblicken, und ein Kind ohne Verm�gen wird h�ufig von ihnen adoptirt oder mit Legaten bedacht werden. In der Phalanx hat Jeder die Gewi�heit, da� er in seinen Lieblingsvergn�gen und Besch�ftigungen Nachfolger findet, in der Zivilisation nicht. Die Natur scheint ein solches Verh�ltni� zwischen Eltern und Kindern h�ufig nicht zu beg�nstigen, indem die S�hne oft ganz andere Neigungen und Anlagen als die V�ter haben, wor�ber in der Zivilisation die Eltern oft bitter klagen.� �Im Widerspruch mit dem auf Ausgleichung und Uebereinstimmung berechneten Charakter der Harmonie l�uft die Zivilisation darauf hinaus, die verschiedensten Klassen und Lebensalter miteinander zu �berwerfen. Eltern und Kinder, Vorgesetzte und Untergebene, Unternehmer und Arbeiter befinden sich meist in Differenzen �ber Anschauungen und Neigungen, Befugnisse und Pflichten. Gehalt- und Lohnfragen f�hren zu Streitigkeiten ohne Ende, und das pers�nliche Kommando wird Gegenstand des Hasses, denn jedes willk�rliche Befehlen ist dem�thigend f�r den, welcher gehorcht. Das pers�nliche Regiment ist in der soziet�ren Ordnung unm�glich; Alles ordnet sich nach freier Uebereinkunft und passioneller Zustimmung. In einem Solchen Zustande giebt es keine Willk�r in der gegebenen Ordnung, nichts Beleidigendes im freiwilligen Gehorchen. Da, wo die zivilisirte Ordnung mit ihrer Privatwirthschaft und ihren abh�ngigen Existenzen stets zwei- und dreifache Disharmonie und Unordnung schafft, erzeugt der soziet�re Zustand drei- und vierfache Freude, Bande der Uebereinstimmung jeder Art.� �Aber der soziet�re Zustand wird auch h�ufig zu gemischten Gruppen und Serien greifen m�ssen, in denen ein uns fremder und von uns ver�chtlich behandelter Geschmack, f�r den wir keine Verwendung haben, zur Anwendung kommt. Zum Beispiel, wenn es sich um Ausf�hrung einer schwierigen, nicht sehr angenehmen Arbeit handelt, wie die, einen Berg mit der Anpflanzung eines Forstes zu kr�nen. Hierf�r wird man kaum eine Serie finden, die sich aus Trieb mit der ganzen Arbeit belasten will; man wird also gemischte Serien, die nacheinander folgen, in's Spiel setzen m�ssen, denn man wird Erdtransporte und grobe Arbeiten vorzunehmen haben. Man schickt also zun�chst die Beginner (�initiateurs�) in's Treffen, d.h. Leute, die alles Neue mit Feuereifer beginnen, aber nichts zu Ende bringen, deren Strohfeuer nach einigen Sitzungen verraucht ist, die aber �berall, wo es einen gef�hrlichen oder unangenehmen Schritt zu thun giebt, bei der Hand und darum sehr werthvoll sind. Es sind Charaktere, die man leicht stimuliren kann und die vor keiner Schwierigkeit zur�ckschrecken. Bis sie erm�det sind, hat das Werk ein anderes Angesicht gewonnen, und nun kommen die _Gelegenheitscharaktere_ oder die _Wetterfahnen_ an die Reihe, Leute, die sich mit jedem Winde drehen, immer die Ansicht des zuletzt Gekommenen haben und f�r jede Neuheit, die Kredit erlangt hat, zu gewinnen sind. Sie schw�ren, wenn sie das Unternehmen in Angriff genommen sehen, da� es sehr plausibel sei, und werden sich mit den Beginnern, die zur�ckgeblieben sind, verbinden. Darauf folgen die Wunderlichen oder ewig Beweglichen, Leute, die sich in Alles mischen, was _halb_ gethan ist, es modifiziren und um�ndern, best�ndig ihre Th�tigkeit wechseln, einen guten Posten f�r einen schlechten hergeben, ohne einen anderen Grund, als ihre nat�rliche Unruhe. Sie machen sich eifrig an die Anpflanzung, sobald sie sehen, da� die Arbeiten vorgeschritten sind, und man wird ihnen jede nichts bedeutende Aenderung gestatten, um sie zu streicheln. Diese werden mit dem Rest der Vorhergehenden einige Zeit bei ihrer Arbeit aushalten. Dann folgen die _Cham�leons_ oder _Ver�nderlichen_, eine in der Zivilisation sehr zahlreiche Klasse, die immer dabei sind, wo eine Sache Erfolg hat. Sie werden bei einem Werk nicht unth�tig bleiben wollen, das zu zwei Dritteln beendet ist, sie werden die Arbeit bis ziemlich zu Ende f�hren, aber dann sie verlassen. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die Fertigmacher (�finiteurs�) antreten k�nnen. Das sind die Leute, die sich immer erst dann f�r ein Werk begeistern, wenn sie es fast vollendet sehen. Niemals erh�lt man f�r einen Anfang ihre Stimme, sie erkl�ren jedes Unternehmen f�r unm�glich, f�r l�cherlich und ergehen sich in �bertreibenden Anklagen gegen die, welche eine Verbesserung beginnen, und behandeln als Narren oder hirnlosen Neuerer Jeden, der etwas Gro�es unternimmt. Ist aber das Werk zu drei Vierteln fertig, dann �ndern diese Aristarchen den Ton; sie werden Lobredner von dem, was sie erst beschrieen und behaupten, da� sie von vornherein das Unternehmen unterst�tzt, das ohne ihre H�lfe nicht geworden w�re. Sie werden ihre Inkonsequenz nicht gewahr und machen sich jetzt voll Hingebung an das Werk. Dieser letztere Charakter ist sehr h�ufig in Frankreich; nach geschehener That fordern die Franzosen alle Neuerungen zur�ck, die sie anfangs verlachten.� Fourier benutzt diese Gelegenheit, um seinen Landsleuten den Text zu lesen �ber die Art, wie sie ihn selbst und seine Entdeckung behandelten. In Sachen der Harmonie oder industriellen Anziehung ermangelten sie nicht, sich als echte Fertigmacher, d.h. Leute, die zuletzt kommen, wenn die Hauptarbeit gethan ist, zu zeigen. Sie haben begonnen, ihn, den Entdecker und Autor der Phalanx, zu beschimpfen, sp�ter werden sie die Gr�ndungsaktion�re verlachen, dann, wenn sie die Vorbereitungen zu der Versuchsphalanx vorschreiten sehen, werden sie sich eines Besseren besinnen und schlie�lich in dem Moment der Er�ffnung die Aktien zum drei- und vierfachen Preise zur�ckkaufen. Nun werden sie behaupten, da� sie den Autor von Anfang an protegirt und bewundert haben und ihn in seiner Entdeckung ermuthigten. Und wie die Extreme sich ber�hrten, so seien die Franzosen gro�e Unternehmer f�r bekannte Dinge, die Andere probirt. Kein Volk neige mehr dazu wie sie, Alles zu beginnen, aber ohne etwas zu beenden, den Plan der Arbeit zu �ndern, wenn er zur H�lfte vollendet sei. Nie sehe man einen Sohn einen Plan vollenden, den der Vater begonnen, nie einen Architekten einen Plan fortf�hren, den sein Vorg�nger angefangen. Die Franzosen seien Wetterfahnen, die sich nie an einen bestimmten Geschmack, nie an eine Meinung b�nden, pl�tzlich von einem Extrem in's andere fielen und das Widerstreitendste zu verbinden suchten. Vor einem halben Jahrhundert seien sie voll Verachtung f�r den Handel gewesen und heute l�gen sie voll kriechender Schmeichelei vor ihm auf dem Bauch; ehemals r�hmten sie sich ihrer Rechtschaffenheit und heute seien sie ebenso betr�gerisch im Handel wie Chinesen und Juden. Kurz, der nationale Charakter der Franzosen sei in jeder Beziehung ein Gemisch von Gegens�tzen, und wenn k�nftige Geschichtsschreiber, in der Harmonie die Geschichte der Zivilisation schreibend, die Charaktere klassifizirten, w�rden die Franzosen als Typus der Widerspr�che an der Spitze der Stufenleiter stehen. Wie Fourier seine Landsleute kannte, geht auch noch aus einer anderen Stelle seiner Schriften selbst hervor, wo er von zwei Personen ein Zwiegespr�ch �ber sich und sein Werk f�hren l��t. Wir lassen die amusante Stelle hier folgen: �Was steht in diesem Buch �ber die Anziehung? -- Bah! Narrheiten. Der Mensch, der es schrieb, behauptet, da� man bisher die Entdeckung �ber die Bestimmungen verfehlt habe; da� dem Menschengeschlecht ein unerme�liches Gl�ck vorbehalten sei; da� eine Berechnung �ber die universelle Harmonie der Triebe existire; da� diese strebten, eine neue soziale Ordnung zu gr�nden, welche nichts mit der Unordnung der Zivilisation zu thun habe und ihr entgegengesetzt sei; eine Ordnung, in der alle V�lker in Freuden schw�mmen und trotz der Ungleichheit der Verm�gen f�r Alle Ueberflu� herrsche; eine Ordnung, wo die Arbeit anziehender werde, als unsere B�lle und Schauspiele; eine Ordnung, die, sobald sie nur versuchsweise an einem Orte eingef�hrt sei, von allen V�lkern der Erde ohne Unterschied des Kulturgrades mit Begeisterung angenommen werde! -- Das ist ein gigantischer Roman, wie je einer existirte; gro�artig in Wahrheit, aber unm�glich. Alle unsere Philosophen h�tten sich also get�uscht, wenn der Autor Recht h�tte; so viel wissenschaftliche Erleuchtung von Plato und Seneka bis Montesquieu und Rousseau sollte ein Nichts sein? Unm�glich; sicherlich tr�umt dieser Mensch. Und wer ist er? Ein Akademiker, ein ber�hmter Philosoph? -- Nein! es ist einer der unbekanntesten Provinzialen. -- Bah, ihm mangelt der gesunde Verstand! Ja, ja, die Provinz liefert solch originelle K�uze!� * * * * * Fourier stellt im weiteren Verlauf seiner Ausf�hrungen ferner die These auf, da� im soziet�ren Regime die Gourmandise die Quelle der Einsicht, der Aufkl�rung und sozialen Uebereinstimmung werde und begr�ndet diese uns sehr fremd erscheinende These also: Kein Trieb sei �bler angesehen, als die Gourmandise (Leckerm�ulerei). K�nne man aber annehmen, da� Gott als Laster einen Trieb betrachtet haben wolle, dem er eine so gro�e Herrschaft gegeben? Seine Herrschaft sei die allgemeinste. Andere Triebe, wie Liebe, Ehrgeiz �bten nur auf das reife und m�nnliche Alter mehr Einflu�, aber die Gourmandise verliere niemals ihre Herrschaft �ber die verschiedensten Alter, Klassen und V�lker, sie sei permanent bis zum Lebensende; sie herrsche �ber die Kinder wie �ber die Erwachsenen. Man habe Soldaten Revolutionen machen sehen, um sich betrinken zu k�nnen, und der Wilde, der die Zivilisation verabscheue, gebe sich f�r eine Flasche Branntwein zur Arbeit her und verkaufe f�r eine Flasche starken Liqueurs seine Frau und Tochter. W�rde das Menschengeschlecht so gebieterisch diesem Trieb unterworfen sein, wenn er nicht zu einer hochwichtigen Rolle in dem Mechanismus unserer Bestimmung ausersehen w�re? Und wenn nun dieser Mechanismus die industrielle Anziehung sei, m�sse dieser sich dann nicht innig mit diesem gastronomischen Trieb -- der Gourmandise -- verbinden? Sie m�sse in der That das allgemeine Band der industriellen Serien, die Seele ihrer alles bewegenden Intriguen bilden. In der Zivilisation k�nne die Gourmandise nicht mit der Arbeit verbunden sein, weil der Produzent selbst nicht genie�e, was er erzeuge. Die Befriedigung dieses Triebes sei hier Vorrecht der M��igen und dadurch _allein_ werde er lasterhaft, wenn er es nicht schon durch die Ausgaben und die Exzesse, die er erzeuge, w�re. -- �In der Harmonie spielt die Gourmandise die entgegengesetzte Rolle, sie ist nicht Belohnung des M��igganges, _sondern der Arbeit_, denn der Aermste nimmt Theil an den werthvollsten Genu�artikeln. Sie wird ihn, Kraft der Abwechslung vor Exzessen bewahren, aber indem sie die Intriguen der Konsumtion mit denen der Produktion verbindet, wird sie die Arbeit stimuliren. Wollen Alle die h�chsten Tafelfreuden genie�en, so m�ssen Alle sich anstrengen, die vorz�glichsten Qualit�ten der Nahrungsmittel zu erzeugen. Das Mittelm��ige wird verschwinden und binnen wenig Jahren wird aller Boden so kultivirt sein, da� er nur noch das Beste tr�gt. Man wird die Eigenschaften des Bodens zur h�chsten Vollkommenheit zu bringen suchen; man wird gute Erde anfahren, wo jetzt schlechte ist, und wo der Boden nicht zu verbessern ist, ihn aufforsten. Acker- und Gartenbau m�ssen mit der Industrie wetteifern. In der ganzen Phalanx mu� das Prinzip herrschen, durch alle m�glichen Verbesserungen: Nahrungsmittel, Kleidung, M�bel und Alles, was zur Erh�hung der Lebensannehmlichkeiten beitr�gt, zu stetig steigender Vervollkommnung zu bringen. Dies Prinzip erkennen auch die Moralisten an, die gegen den schlechten Geschmack des Publikums eifern. Aber in diesem, wie in allen anderen, ist die Moral in Widerspruch mit sich selbst; sie will Literatur und K�nste heben und verbessern, aber sie will uns in der _wesentlichsten_ Branche, in der _materiellen Lebenshaltung_, im Zustand der Rohheit halten, obgleich grade hier der Keim ist, der die industrielle Anziehung gebiert und das Bed�rfni� nach Vervollkommnung weckt. So wenden die Moralisten da ihr Prinzip zuerst an, wo es _zuletzt_ angewandt werden sollte.� �Man mu� in der Phalanx alle Geschm�cker entwickeln, selbst die bizarrsten, namentlich auch bei den Frauen, die oft eine starke nat�rliche Neigung zu Gen�ssen haben, die mit dem guten Ton sich schwer vertragen. Die Gastronomie ist es zun�chst, welche die Zur�ckf�hrung zur Natur bewerkstelligen wird, wenn man ohne Aufschub das Hervorbrechen industrieller Serien f�r die Ausgleichung der Triebe erreichen will. Beispiel: Ein neunj�hriges M�dchen liebt allem L�cherlichmachen zum Trotz den Knoblauch. Man spekulirt also auf diesen Geschmack durch ein doppeltes Ineinandergreifen von Umst�nden. Zun�chst auf die Vermischung der Geschlechter in einer Serie; denn die Serie, welche zwiebelartige Gew�chse kultivirt, wie Knoblauch, Zwiebeln, Schnittlauch, Schalotten, besteht gew�hnlich aus M�nnern. Man mu� ihr also ein Achtel Frauen zuf�hren, die man aber meist im jugendlichen Alter wird suchen m�ssen, da selten ein M�dchen �ber 16 Jahren am Knoblauch Geschmack finden d�rfte. Man wird zweitens aber auch die Vermischung der Arbeiten bei den Individuen herbeif�hren m�ssen. Ein junges M�dchen liebt den Knoblauch, aber es liebt nicht das Studium der Grammatik, wohingegen ihre Eltern w�nschen, da� sie den Genu� des Knoblauchs unterlasse, aber sich den Studien hingebe. Diese W�nsche sind in doppelter Beziehung gegen ihr Naturell. Man sucht also lieber Beides in doppeltem Sinne zu entwickeln. Sie steht im Garten und an der Tafel mit Liebhabern des Knoblauchs in Beziehung, und so erh�lt sie eines Tages von Marzellus eine Ode zum Lobe des Knoblauchs beh�ndigt. Lebhaft pikirt �ber die L�sterer des Knoblauchs, ist sie beeifert, die Ode kennen zu lernen. Man benutzt also die Gelegenheit, um sie in freier Weise in die Sch�nheiten der lyrischen Poesie, des Versma�es einzuf�hren; vielleicht kann sie sich eher f�r die Poesie als f�r die Grammatik begeistern, und so f�hrt man sie von einem Studium zum andern. In dieser Weise verbindet die soziet�re Erziehung den kabalistischen Geist und den Hang zum Bizarren, um bei einem Kinde die Neigung f�r die Studien zu wecken, es indirekt zu einem Studium zu f�hren, das es ohne irgend eine stimulirende Intrigue zur�ckgewiesen haben w�rde. Es ist unzweifelhaft der nat�rlichste Weg, mit H�lfe solcher Intriguen die Kinder zur Initiative f�r die Arbeit zu gewinnen; man benutzt die Gourmandise als Mittel zum Zweck.� Fourier vergleicht den Geschmackssinn mit einem Wagen, der auf vier R�dern l�uft, die bezeichnet werden k�nnten mit Gastronomie, K�chenwirthschaft, Konservirung und Kultur der Lebensmittel. In der Zivilisation finde man es zwar h�ufig gerechtfertigt, die Kinder in die drei letzteren Th�tigkeitszweige nach M�glichkeit einzuweihen, aber von der ersteren, der Hauptsache, halte man sie fern, sie gelte als ein Uebel. Die Gastronomie werde allerdings erst dann als Wissenschaft zu Ehren kommen, wenn sie den Bed�rfnissen Aller gen�ge. Gegenw�rtig sei es Thatsache, da� die Menge, statt in Bezug auf guten Tisch Fortschritte zu machen, mehr und mehr zur�ckkomme und immer schlechter sich n�hre; ihre Nahrungsmittel lie�en sowohl bez�glich ihrer Nahrhaftigkeit als ihrer Menge zu w�nschen �brig. Wohl sehe man in Paris einige Tausend sich den Bauch pflegen und am Besten sich g�tlich thun, aber Hunderttausende bek�men nicht einmal eine nat�rliche Suppe. Die Bouillon sei nur Schein, man bereite sie aus ranzigem Speck, Talg und fauligem Wasser. Der Handelsgeist sei im Wachsen und die niederen Klassen w�rden mehr und mehr von seinen Betr�gereien erdr�ckt. Die Gastronomie sei nur unter zwei Bedingungen lobenswerth, einmal, da� sie direkt f�r die produktiven Funktionen angewendet, mit den Arbeiten f�r die Kultur des Bodens und der Vorbereitung in Haus und K�che verbunden werde und der Gastronom, also der Genie�ende, selbst dabei th�tig sein m�sse; dann, da� sie zum Wohlsein der arbeitenden Menge in Anwendung komme und so das Volk an den Raffinements eines guten Tisches Theil nehme, der jetzt nur f�r die M��igg�nger vorhanden sei. Dieser Zweck werde erreicht, wenn alle auf die Konsumtion abzielenden Funktionen sich so zu sagen um die Gourmandise raillirten, denn letztere werde stets anziehend bleiben; sie m�sse also die Basis des Geb�udes bilden, wenn man dieses dauerhaft errichten wolle. Unsere Philosophen stellten zwar das Prinzip auf, da� im System der Natur Alles verbunden sei, aber in unserm industriellen System sei nichts passionell verbunden. Die Industrie m�sse durch auf die Gourmandise berechnete Serien ihre Verbindungen bilden, diese durch Trieb wie Anregungen an der Tafel zu den Arbeiten in der K�che, der Konservirung der Nahrungsmittel und dem Garten- und Feldbau f�hren. Kein Trieb habe mehr Anziehung, als derjenige des Geschmacks, um ein Ineinandergreifen der Th�tigkeiten herbeizuf�hren; aber in der Zivilisation arbeite man diesem Trieb am Heftigsten entgegen, und zwar sei es haupts�chlich jene Verbindung, die ihrer Natur nach stets nur die Beschr�nktheit und die Einseitigkeit aufrecht erhalte: _das Familienband_. * * * * * Fourier beurtheilt den Kulturgrad einer Gesellschaft nach der Stellung, welche die Frau in derselben einnimmt, ein heute allgemein getheilter Standpunkt. Er geht aber weiter und macht die Gesellschaftsentwicklung �berhaupt von der Stellung der Frau abh�ngig; nach ihm geht die Ver�nderung in der Stellung der Frau einem neuen Kulturzustand voraus, was nicht richtig ist, sondern diese Ver�nderung ist Folge. Wohl hat die b�rgerliche Gesellschaft scheinbar Recht, und so urtheilt Fourier, da� die monogamische Ehe mit ihren legitimen Kindern Grundlage ihrer Gesellschaft ist, aber dieser monogamischen Ehe _voraus_ geht das b�rgerliche Eigenthum, der Privatbesitz an Grund und Boden und an den Produktionsmitteln. Der Privateigent�mer ist bestrebt, sein Eigenthum zusammenzuhalten, auch �ber seinen Tod hinaus; er will in seinem Eigenthum gewisserma�en fortleben. Er sucht also einen Erben, der seinen Intentionen gem�� sein Eigenthum verwaltet und wo m�glich vermehrt. Wo kann er diesen seinen Intentionen entsprechenden Erben besser finden, als in dem von ihm selbst gezeugten Kinde, das vielleicht auch der Erbe seiner Charaktereigenschaften ist und das er vor allen Dingen durch die Gewalt, die er �ber es aus�ben kann, seinen Absichten gem�� zu bilden und zu erziehen suchen wird? Damit aber der Erbe auch sein wirklich _legitimer_ Erbe sei, mu� er m�glichst sich vor der Gefahr sichern, die Kinder eines Fremden als die seinen ansehen zu m�ssen, und deshalb umgiebt er die Ehe mit all den gesetzlichen Zwangseigenschaften, die sie heute besitzt. Die b�rgerliche Ehe ist also mit dem b�rgerlichen Eigenthum innig verwachsen, _sie geht daraus hervor_, und es ist ein ganz falscher Schlu�, den Fourier macht, wenn er glaubt, in der b�rgerlichen Ehe das Haupt�bel sehen zu m�ssen, das der Umwandlung des b�rgerlichen Zustandes in seinen soziet�ren sich entgegenstellt. Er ist von seiner Ueberzeugung, da� nur die Einehe das Hinderni� f�r den Ausgang aus der Zivilisation bilde, so durchdrungen, da� er dem Konvent vorwirft, dadurch die Revolution in ihrer Wirkung beschr�nkt zu haben, da� er vor der Ehe stehen geblieben sei. Wie konnte er nur eine halbe Ma�regel, wie die Ehescheidung, guthei�en? Es waren die Philosophen, durch welche der Konvent sich gefangen nehmen lie�, sonst h�tte nach seiner Meinung es geschehen k�nnen, da� die Revolution von 1793 eine zweite gebar, die eben so wunderbar gewesen w�re, als die erste entsetzlich war. An sich ist es vollkommen richtig, wenn Fourier die H�he eines Kulturzustandes bemi�t nach der Stellung, welche die Frau in ihm einnimmt, es ist aber falsch, wenn er die Stellung der Frau als das Prim�re, die Eigenthumsverh�ltnisse als das Sekund�re ansieht. Das Umgekehrte ist die Wahrheit. Im gesellschaftlichen Urzustand herrscht der Kommunismus an Grund und Boden, und wo dieser herrschte oder noch herrscht, existirt auch �berall die freie Liebe, eingeschr�nkt durch gewisse Grenzen, die der allzunahen Blutsverwandtschaft gezogen werden. In diesem Zustand herrscht auch das Mutterrecht; wohl l��t sich die Mutter, aber nicht der Vater des Kindes nachweisen. In dem Ma�e, wie die Eigenthumsverh�ltnisse sich �ndern, �ndern sich auch die Beziehungen der Geschlechter. Mit der Entstehung von pers�nlichem Eigenthum wird auch die Frau pers�nliches Eigenthum, und da sie zugleich Arbeitsmittel wird, entsteht die Polygamie. Es giebt jetzt viele M�tter, aber einen Vater. Aber der Vater, der T�chter besitzt, w�nscht seinen T�chtern, wenn er sie verheirathet, eine bevorzugte Stellung unter den anderen Frauen. Dieser Wunsch ist der Wunsch aller Eigenth�mer, ihre W�nsche begegnen sich und man sucht durch gr��ere Mitgift die Befriedigung dieser W�nsche zu erleichtern. Das Heirathsgut ist der Preis. Noch aber sind die T�chter im Gegensatz zu den S�hnen des Erbrechts beraubt. Allm�lig erlangen sie auch dieses, sei es als Kaufpreis neben dem Heirathsgut, sei es als Tochter, die keine konkurrirenden Br�der hat. Damit kommt die Frau in die Lage, wo sie, statt der bevorzugten Frau, die _einzige_ Frau wird. Aus der Polygamie wird allm�lig die Monogamie. Eigenthum und Erbrecht in ihrer weiteren Entwicklung sind die Klammern, welche die Einehe zusammenhalten, und da die Eigenth�mer auch die Gesetzgeber sind, wird die Einehe, ganz abgesehen von dem Mangel an materiellen Mitteln, der bei Privateigenthum den meisten M�nnern es unm�glich macht, mehrere Frauen ern�hren zu k�nnen, Zwangsordnung auch f�r Jene, die kein Eigenthum und folglich nichts zu vererben haben. Die hierarchische Ordnung und die Gesetze, d.h. der Zwang, kommen stets von Oben, _sie sind die in Paragraphen formulirten Interessen der herrschenden Klassen_. Der Kampf gegen diese Ordnung geht stets von Unten aus, und aus diesem Kampf, der selbst wieder auf der Entwicklung der sozialen und materiellen Lebensbedingungen der Masse beruht, entsteht der gesellschaftliche Fortschritt. Mu�ten also hiernach Fourier's positive Vorschl�ge, weil sie auf einer falschen Grundanschauung beruhten, negativ bleiben, so hat hingegen seine negative Kritik an den bestehenden Zust�nden sehr positiv gewirkt. Fourier geht nunmehr dazu �ber, die b�rgerliche Familie, die er als das Haupthinderni� seines Systems ansieht, in ihrem Wesen zu kritisiren. Halten wir seinen Hauptgedankengang fest: Gott hat die Welt erschaffen, und da er sie erschaffen hat, mu� er sie auch gut erschaffen haben, sonst k�me er in Widerspruch mit sich selbst. Der Mensch ist das von Gott geschaffene h�chste lebende Wesen, f�r den er, wenn die Welt �berhaupt einen Zweck haben soll, diese Welt erschaffen hat. Wie die Welt gut, so soll der Mensch, dem Willen Gottes entsprechend, gl�cklich sein. Statt dessen sehen wir die gro�e Mehrzahl ungl�cklich, und zwar ungl�cklich, weil sie die Triebe, die Gott ihnen gegeben, nicht befriedigen k�nnen. Aus Unkenntni� ihrer Natur und ihres Zwecks haben sie sich eine Ordnung gegeben, in der diese Triebe meist unterdr�ckt werden, zur Einseitigkeit gelangen, kurz ihren Zweck verfehlten. Die Einheitlichkeit, d.h. die volle Harmonie zwischen den Menschen und der Welt und der Welt und Gott, ist aber der gro�e Zweck Gottes, und um diese Einheitlichkeit zu erm�glichen, ist die Vielseitigkeit der Beziehungen auf ausgedehnter Stufenleiter die einzige L�sung. Dieser Vielseitigkeit der Beziehungen und der Ausdehnung derselben auf alle Menschen und die sie umgebende Natur steht die isolirte Wirthschaft des Menschen entgegen. Diese isolirte Wirthschaft ist aber nur wieder Folge des m�glichst kleinsten Gruppenbandes, der Ehe, resp. Familie, �ergo� m�ssen Ehe und Familie in ihrer heutigen Gestalt verschwinden. In diesem Gedankengang bewegt sich Fourier und von diesem Standpunkt aus kritisirt er die Ehe und Familie, wobei der Leser beachten will, da� Fourier haupts�chlich Pariser und gro�st�dtisches Leben seiner Kritik zu Grunde legt. Er f�hrt weiter aus: �In der Zivilisation ist das System der Liebe ein System allgemeinen Zwangs und in Folge davon allgemeiner Falschheit. Wie im Handel so sind auch in Sachen der Liebe die Schutzma�regeln (�prohibitions�) und die Kontrebande unzertrennlich. Wo die Liebe mit Schutzma�regeln umgeben wird, darf man auf deren allgemeine Uebertretung rechnen. Schon daraus folgt, da� alle Familienbeziehungen verdorben sind. Der Gatte wird durch seine Frau betrogen, die Tochter verheimlicht ihm ihre Beziehungen und dies wirkt zur�ck auf seine Treue in der Ehe. Die schmachvollste aller sozialen Perfidien ist, da� er nicht selten �ber den Ursprung seiner Kinder get�uscht wird, ein Vorkommni�, das auf der B�hne zum Gegenstand des Spottes und der L�cherlichmachung dient.� �Diejenigen, die beanspruchen, die Wahrhaftigkeit in die sozialen Verh�ltnisse einzuf�hren, ohne darunter auch die Beziehungen der Liebe zu begreifen, sind mit Blindheit geschlagen. Sie scheinen nicht zu wissen, da� die Liebe eine der vier Hauptleidenschaften ist und eine der m�chtigsten; ist sie gef�lscht, so gen�gt dies, um durch ihren Kontakt den Mechanismus des ganzen sozialen Systems zu f�lschen. Wer glaubt, hier F�lschungen zulassen zu k�nnen, handelt wie eine Regierung, die um eine achtzig Meilen lange Grenze gegen die Pest abzusperren, sich begn�gt, sechzig Meilen durch einen Truppenkordon zu besetzen und den Rest der freien Passage den Pestkranken offen l��t ...� �Die Welt besteht aus Betr�gern und Betrogenen, und so sollte man annehmen, da� die �ffentlichen Einrichtungen die dem Betrug ausgesetzte Klasse sch�tze. Die Ehe, scheint es, ist ganz im Gegentheil eine Einrichtung zum Nachtheil der vertrauenden Leute, sie scheint erfunden zu sein, um die Verderbten zu belohnen. Je schlauer ein Mann ist und sich durch Verf�hrungsk�nste auszeichnet, um so leichter gelangt er zu einer reichen Heirath und gewinnt die �ffentliche Achtung. Man bringe die infamsten H�lfsmittel in Anwendung, um eine reiche Partie zu machen, sobald es ihm gelingt, zu heirathen, ist er ein kleiner Heiliger, ein Muster von Tugend. Erwirbt Jemand pl�tzlich ein gro�es Verm�gen dadurch, da� es ihm gelang, ein junges M�dchen zu gewinnen, so ist das ein der �ffentlichen Meinung so gut gefallendes Resultat, da� sie alle Intriguen verzeiht. Alle Welt preist ihn nun als guten Ehemann, guten Vater, guten Verwandten, als guten Freund und Nachbar, guten B�rger und guten Republikaner. Das ist die Manier der Lobhudler, sie loben ihn vom Scheitel bis zu den Zehen, im Ganzen und im Einzelnen.� �Eine gute Heirath ist der Taufe vergleichbar durch die Raschheit, mit welcher sie allen fr�heren Schmutz verwischt. Daher wissen V�ter und M�tter nichts Besseres zu thun, als ihre S�hne zu unterweisen, wie sie zu einer reichen Partie gelangen k�nnen, einerlei auf welchem Wege, denn eine reiche Heirath ist die wahre, b�rgerliche Taufe, welche in den Augen der Oeffentlichkeit alle S�nden abw�scht. Dieselbe �ffentliche Meinung hat lange nicht diese Nachsicht mit den anderen Parven�s, denen sie ihre Sch�ndlichkeiten, durch die sie zu Verm�gen gelangten, lange nachtr�gt.� �Welche Aussicht auf Erfolg f�r die Ehe hat dagegen ein Tugendhafter, welcher, gehorsam den b�rgerlichen und religi�sen Vorschriften, erkl�rt, da� er seine Tugend bis zum drei�igsten Jahre bewahren wolle, um sie seiner k�nftigen Frau als Geschenk in die Ehe zu bringen? Der, getreu den Lehren jenes vortrefflichen Buches, das sich �Einf�hrung in einen gottergebenen Lebenswandel� betitelt, sich bis zum drei�igsten Jahre enth�lt �aus dem Becher der Unzucht den Wein der Prostitution zu Babylon� zu trinken? Welche Aussicht hat er? Und wenn es ihm einf�llt, eine solche Erkl�rung abzugeben, welchen Dank findet er bei den Frauen? M�tter wie T�chter werden dies scherzhaft finden und bei gleichem Verm�gen, gleichem Alter, gleich g�nstiger �u�erer Gestalt werden Mutter und T�chter einen �ge�bten� jungen Mann ihm, dem �T�lpel�, der seine Tugend nach den Vorschriften der Religion und Moral bewahrte, vorziehen.� �Bei der Untersuchung �ber das Wesen der Ehe sind also alle Vortheile auf Seiten der Intriguanten und Verderbten, woraus zu schlie�en, da� dieses Band eine Lockspeise ist, sich pers�nlich zu depraviren.� Dieselbe �ble Meinung, die Fourier hier durchschnittlich von den M�nnern unter den gegebenen Verh�ltnissen hat, besitzt er auch von den Frauen. Von ihnen r�hmt er die Leichtigkeit, mit der sie die Fehler ihrer Ehem�nner ann�hmen, aber nicht ihre Tugenden. �Verheirathet eine Heilige an einen Spitzbuben und sie wird ihm bald in der Spitzb�berei nacheifern, seine Komplizin im Hehlen sein. Besitzt sie einen tugendhaften Mann, weit entfernt, seine Tugenden zu adoptiren, wird sie dagegen den Eindr�cken eines leichtfertigen Kourmachers zug�nglich sein. Eine sch�ne Eigenschaft der Ehe, die den Frauen nur die Laster der M�nner, nie ihre Tugenden mittheilt. Da es aber unter den Ehem�nnern der Zivilisation 99/100 lasterhafte und nur 1/100 tugendhafte giebt, so kann man nach diesem Ma�stabe die moralische Vollkommenheit sch�tzen, welche die Ehe bei den Frauen erzeugt.� ... �Durchschnittlich betrachten die M�nner die Ehe als eine Falle, die ihnen gestellt wird, und so sind es die V�ter selbst, welche ihre S�hne veranlassen, das eheliche Band von diesem Standpunkt aus anzusehen. Und warum? Weil sie aus eigener Erfahrung wissen, da� der Reinfall unreparirbar ist. Und indem sie sich bem�hen, ihre S�hne von dieser Wahrheit zu �berzeugen, machen sie dieselben f�r den Ehehandel habgierig und verschlagen.� �So kommt es, da� die �Drei�igj�hrigen� oder Ehestandskandidaten sich in Berechnungen ersch�pfen, ehe sie zum ersten Schritt sich entschlie�en. Nichts spa�hafter, als die Unterweisungen zu h�ren, die sie sich gegenseitig geben �ber die Art und Weise, der k�nftigen Gattin das Joch aufzuerlegen und sie g�nstig f�r sich einzunehmen. Nichts merkw�rdiger, als diese vertraulichen Zusammenk�nfte (�consiliabules�) der Junggesellen, in welchen an den zu heirathenden M�dchen die kritische Analyse vorgenommen wird, und zu beobachten die Fallstricke der V�ter, die sich ihrer T�chter entledigen wollen. Der Schlu� aller Debatten ist, da� man auf Geld sehen m�sse, da�, wenn man das Risiko trage, von der Frau betrogen zu werden, man wenigstens nicht auch mit dem Heirathsgut betrogen sein wolle. Nehme man einmal eine Frau, so m�sse man sich eine Entsch�digung f�r die Unzutr�glichkeiten sichern, die die Ehe mit sich bringe. Das nennt man nach einem Kunstausdruck �die Anhaltseile (�les attrapes�) fassen�. Und wie die M�nner r�sonniren, so r�sonniren �hnlich die Frauen. Fourier hebt dann die Widerspr�che in dem ehelichen Zustande hervor, da� der Mann, der sonst alle Freiheit f�r sich beanspruche und die Frau unterdr�cke, im wichtigsten Punkt der Ehe �ffentliche Meinung und Gesetz gegen sich habe, wobei man wohl beachten will, da� es sich um die Schilderung franz�sischer Zust�nde handelt, wonach noch bis in die neueste Zeit das Gesetz die Untersuchung �ber die Vaterschaft untersagte. Dieses Gesetz, von der M�nnerwelt zu ihrem Schutze entworfen, schl�gt in den F�llen, die Fourier hier im Auge hat, zu ihrem Schaden und ihrer Schande aus. Er sagt: �Trotz des Unterdr�ckungssystems, das auf den Frauen lastet, haben sie das einzige Privilegium, das ihnen verweigert sein sollte, sich bewahrt, dasjenige, den Mann zu n�thigen, ein Kind, das nicht das seine ist und auf dessen Angesicht die Natur selbst den wahren Namen des Vaters geschrieben hat, als das seine anzunehmen.� �In dem einzigen Fall, wo die Frau sich mit schwerer Schuld beladet, genie�t sie den Schutz der Gesetze, und in dem einzigen Fall, wo der Mann auf's Schwerste beschimpft ist, hat er die �ffentliche Meinung und das Gesetz �bereinstimmend gegen sich, um seine Schmach zu verschlimmern.� Dar�ber gie�t nun Fourier seinen Spott aus: �Oh!� ruft er. �Wie die Zivilisirten, die so strenge Verfolger der Verletzung der Keuschheit bei den Frauen sind, und diesen sie aufzwingen, so gutwillig sich unter das schmachvolle Joch beugen und eine Frucht offenbaren Ehebruchs bei sich aufnehmen und derselben ihren Namen und ihr Verm�gen gew�hren. So sind also die W�nsche der Philosophen erf�llt: In der Ehe ist es, wo die M�nner wahrhaft �eine Familie von Br�dern� werden, wo die G�ter gemeinsam sind und das Kind des Nachbaren auch das unsere ist. Die Edelm�thigkeit dieser braven zivilisirten Ehem�nner wird der Zukunft noch reichlich Gelegenheit zu Gel�chter geben, und man mu� einige dieser erg�tzlichen Vorg�nge aufbewahren, um die sonst schale Lekt�re der Geschichte der Zivilisation etwas genie�bar zu machen ...� �Diese sehr weitgehende Duldung der Ehem�nner gegen die schmachvollste Beleidigung und die Geschmeidigkeit der Gesetze �ber das Vergehen den Mantel zu decken, steht in Uebereinstimmung mit anderen Widerspr�chen im Liebessystem der Zivilisirten. Die Verwirrung ist solcher Art, da� man auf der einen Seite eine Kirche und auf der anderen ein Theater sieht, zwei Anstalten, in welchen die entgegengesetzten Moralanschauungen vertreten und ein und denselben Personen gepredigt werden. In der Kirche lehrt man die Verabscheuung der Galanterien und der Wollust, und im Theater findet sich dasselbe Auditorium wieder, das man jetzt in die galanten Schliche und Raffinements aller Sinnenl�ste einweiht. Eine junge Frau, die soeben eine Predigt h�rte, in welcher ihr Achtung vor dem Gemahl und den h�heren Gewalten gelehrt wurde, geht eine Stunde darauf in's Theater, um Unterricht in der Kunst zu empfangen, wie man den Gatten oder Vormund oder sonst einen Argus betr�gt. Und Gott wei�, welche von den beiden Lehren bei ihr auf den fruchtbarsten Boden f�llt. Diese wenigen Widerspr�che gen�gen, um den Werth unserer Theorien von der Einheit der Handlung im sozialen Mechanismus in das rechte Licht zu setzen.� Fourier ergeht sich nun weiter in Auseinandersetzungen �ber die Unnatur unserer sozialen Zust�nde, welche die Geschlechter mit ihren Trieben und den bestehenden gesellschaftlichen Anschauungen und Morallehren in fortgesetzte Widerspr�che bringen und demoralisirend wirken. Wenn unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten vorschreiben, da� der Mann durchschnittlich erst mit dem drei�igsten, das M�dchen mit dem achtzehnten Jahre heirathe, so liege auf der Hand, da� der Mann diese zw�lf Jahre des Z�libats benutze, um alle m�glichen illegitimen geschlechtlichen Verbindungen einzugehen. Rechne man auf jedes Jahr nur eine solche Verbindung, und zwar sechs in Beziehungen zur Prostitution, sechs im Ehebruch, so gew�hre dieses einen traurigen Einblick in die Moral der Zust�nde, und man brauche nicht erstaunt zu sein, wenn junge M�nner im mittleren Alter sich r�hmten, schon mit mehr als zwanzig f�r anst�ndig geltenden Frauen in intimsten Beziehungen gestanden zu haben. �Der Zweck der Ehe soll sein, das h�usliche Gl�ck auf den guten Sitten und der Einigkeit der Familie zu gr�nden und die Wahrheit zur Geltung kommen zu lassen, denn Arglist und Perfidie m�ssen Uneinigkeit und Unordnung erzeugen. Man wird ferner zugeben, da� die Wahrheit in der Familie nicht herrschen kann, wenn sie nicht auch in der Liebe vorhanden ist. Sagen doch die Lobredner der zivilisirten Ehe selbst, �da� das h�usliche Gl�ck unzertrennlich von der Wahrhaftigkeit in der Liebe ist und da�, wenn das Gleichgewicht in den Beziehungen der Liebe mangelt, auch das Gegengewicht in den Beziehungen der Familie fehlt. Herrscht die Unwahrheit in der Liebe, herrscht sie nothwendig in der Familie und in der H�uslichkeit.� Wie vertr�gt sich aber das Ehegl�ck mit dem Bestand der Serails in allen zivilisirten L�ndern? Die christlichen Kolonisten haben diese �berall aus Negerinnen gebildet; die ernsten, so moralisch scheinenden Holl�nder bilden sie in Batavia mit Frauen aller Farben. Und wie viele heimliche H�user giebt es bei uns, die, �u�erlich anst�ndig aussehend, in Wahrheit niedliche Serails sind, die im Geheimen jedem reichen und angesehenen Manne offen stehen.� �Der reiche Zivilisirte hat die volle Freiheit, sich sein Serail zu bilden, eine intelligente Matrone in sein Landhaus zu setzen, die ihm Frauen und M�dchen, sogar von hoher Geburt, beschafft. Und neben diesem fixen oder geschlossenen Serail giebt es das vage oder freie. Ueber dieses erz�hlt uns Ritter Joconde auf der B�hne. �Ich bin nicht auf Treue versessen, ich eile von Liebschaft zu Liebschaft. Ich liebe nie nur eine Sch�ne, auch liebe ich sie selten l�nger, als einen Tag. Es ist nicht Unbest�ndigkeit, vielmehr Klugheit, denn auf die Frauen, ich kenne ihren Leichtsinn, darf man sich nicht verlassen, und so verlasse ich sie, um nicht verlassen zu werden.� So stellt sich das Leben dar, das unsere meisten reichen jungen M�nner, die vom Gl�ck beg�nstigt sind, f�hren. Und dieser Joconde wird auf der B�hne von Frauen und M�nnern beklatscht, wenn er solche Sitten r�hmt. Man antwortet: Aber wer applaudirt? Es sind die Schwelger, welche diese Schauspiele besuchen. Darauf antworte ich: wenn Viele diese Sitten nicht nachahmen, geschieht es, weil sie es nicht k�nnen. Die Einen h�lt die Furcht vor Krankheiten, die Anderen das Interesse, der Korpsgeist, die �ffentliche W�rde, der Mangel an Mitteln zur�ck. Man lasse einmal Jedem die Z�gel schie�en, �berlasse ihn der gesunden Natur und man wird sehen, da� die gr��te Zahl sich beeilt, das Beispiel von Salomo und Ritter Joconde nachzuahmen. Jeder junge mit Mitteln ausgestattete oder von der Natur ein wenig beg�nstigte Stadtbewohner besucht dieses freie Serail, ohne wie die Barbaren (die in der Polygamie leben) auch f�r die Kosten der Unterhaltung sorgen zu m�ssen, es giebt sogar eine gute Zahl dieser Herrchen, welche die Frauen pl�ndern und arm essen.� �Und ferner: Wie viele Frauen von hoher Stellung sind zu dieser Art Korruption geneigt! Es giebt Schriftsteller, die solchen Frauen ein Recht dazu zusprechen. Warum auch nicht? Doch schweigen wir, wenn wir von der guten Gesellschaft sprechen. Im Volke ist die K�uflichkeit der Liebe kein Geheimni�, man kennt die Tarife, wie die Preiskourante an der B�rse. Man braucht dar�ber nicht erstaunt zu sein, wenn Walpole sogar �ffentlich erkl�ren konnte, er habe in seinem Portefeuille den Preiskourant f�r die Biederkeit des englischen Parlaments.[19] Wie mu� unter solchen Sitten das h�usliche Gl�ck beschaffen sein, das auf die eheliche Treue und die Wahrhaftigkeit in den gegenseitigen Beziehungen begr�ndet sein soll?� [Fu�note 19: Robert Walpole, ber�hmter englischer Staatsmann, von 1721-1742 Kanzler der Schatzkammer.] �Und nun die geheimen Liebschaften. Diese bilden ein sehr umf�ngliches Kapitel, das f�r Paris allein sechs dicke B�nde f�llen w�rde. Alle diese Schliche sind nur Verletzungen der b�rgerlichen, religi�sen und Moralgesetze. Welche Auflehnung, welche Rebellion in dieser galanten Welt gegen Alles, was die Gesellschaft f�r unverletzbar erkl�rt. Wie kann man beim Anblick von so viel offenen und geheimen Verletzungen aller festgestellten Ordnung z�gern, anzuerkennen, da� entweder das Regime der Liebe bei uns im Widerspruch mit der Wahrheit und der Moral organisirt ist, oder da� ein solcher Zustand unvertr�glich ist mit der Zivilisation, da� die Zivilisation der Antipode der Moral und der Wahrheit.� �In den niederen Klassen herrscht vollkommene Emanzipation, dort existirt die freie Liebe offen. Und diese Klasse, die so offen die religi�sen und die Moralgesetze verletzt, umfa�t die H�lfte der weiblichen Bev�lkerung unserer gro�en St�dte. Ich will nicht unsere Zofen und Zimmerm�dchen zitiren, die im Rufe stehen, keine Kenntni� von den Gesetzen der Enthaltsamkeit zu besitzen, wenigstens handeln sie, als h�tten sie nie davon sprechen h�ren. Und wie in der kleinen, so ist es in der gro�en Welt. Bei den Leuten �comme il faut� hat der Ehemann seine bekannten Maitressen und die Dame vom Hause ihre anerkannten Liebhaber. Das geh�rt zur Harmonie der Haushaltung und das hei�t man: �man mu� zu leben wissen� (�il faut savoir vivre�). Manchmal entsteht allerdings eine kleine Unzutr�glichkeit daraus; man wei� nicht, von welchem Vater die Kinder sind. Doch zum Gl�ck verbietet das Gesetz, nach der Vaterschaft zu forschen. Schlimmsten Falles erkl�rt der Hausarzt bei dem Fehlen jeder Aehnlichkeit, wodurch der Ursprung des Kindes verd�chtig werden kann, da� die Frau w�hrend ihrer Schwangerschaft von dem Anblick irgend einer fremden Physiognomie betroffen worden sei. Schlie�lich hat auch der arme Ehemann schlechten Dank, wenn er gegen den Wortlaut des Gesetzes und die Zeugenschaft des Arztes aufkommen will. Das Eine ist so unfehlbar wie das Andere. Auch geh�rt es in der guten Gesellschaft zum guten Ton, nicht eifers�chtig zu sein. Man hat meist geheirathet eines guten Heirathsgutes oder sonst eines Vortheils wegen, und man wurde darin vielleicht nicht get�uscht, also mu� man in anderer Beziehung nachsichtig sein, und schlie�lich hei�t es: �was Dir recht ist, ist mir billig.� �So giebt es in der Welt der Zivilisirten nur Lacher und Betrogene. Die Moral und die Ehe werden benutzt, um die Orgie zu maskiren, und Alle erreichen ihren Zweck. Unsere Kritik erscheint abgedroschen, doch f�r die Partisane des Zwangs war eine Antwort am Platze, man mu� sie in Verwirrung setzen, indem man ihnen die Fr�chte ihres Systems vor Augen h�lt.� �Aber diese Engherzigkeit und Unwahrheit des Familienbandes hat auch nach anderer Seite f�r die Entwicklung der Gesellschaft ihr Schlimmes. Nichts ist in unserem sozialen Leben von Dauer. Der zuf�llige Tod des Familienhauptes kann alle seine Unternehmungen in Frage stellen. Die Theilung der Erbschaft, der Umstand, da� den S�hnen die Eigenschaften des Vaters und seine Kenntnisse fehlen, wie zwanzig andere Ursachen, k�nnen das ganze Werk des Vaters st�rzen. Seine Pflanzungen werden zerst�ckelt, an Andere �berlassen, oder sie verfallen; seine Werkst�tten gerathen in Unordnung, seine Bibliothek kommt in die H�nde des B�chertr�dlers, seine Gem�lde in die des H�ndlers. Genau das Gegentheil hat in der Phalanx statt. Alles wird erhalten und vervollkommnet, der Tod eines Individuums beunruhigt in nichts die industriellen Dispositionen und das Gemeinwesen.� �Ferner: Ein Industrieller w�nscht sich einen Sohn, der ihn ersetzt und seine Arbeiten weiter f�hrt, aber das Schicksal giebt ihm nur T�chter; sein Name erlischt. Er f�nde wohl geeignete Fortsetzer, aber in Klassen, die durch Verm�gen und Lebensstellung ihm nicht zusagen. Ein ander Mal verweigern die Kinder ihm zu folgen, oder sie sind g�nzlich unf�hig. Oft ist es wieder der �berreiche Kindersegen, der Erziehungsausgaben verursacht, welche die Unternehmungen des Vaters sch�digen; seine undankbare Arbeit gen�gt kaum, die Kinder zu erziehen und ihnen eine Existenz zu gr�nden, und zum Dank f�r so viel Anstrengungen merkt er, da� dieses oder jenes seiner Kinder ihm den Tod w�nscht, aus Ungeduld, in den Besitz der Erbschaft zu kommen. Oefter treten andere eheliche und h�usliche Unannehmlichkeiten ein, deren Zahl eine sehr gro�e ist. Ein Gesch�ftsmann wird entmuthigt durch ungeh�riges Betragen seiner Frau oder seiner Kinder, durch Geldschneidereien von am Gesch�ft Betheiligten, durch Verleumdungen und Prozesse seiner Neider, durch den Verlust eines Kindes, auf dem seine ganze Hoffnung ruhte. Nicht selten sieht man Eltern �ber den Verlust eines Lieblingskindes dem Tiefsinn verfallen; sie haben kein Gegengewicht gegen solch ein Ungl�ck, noch gegen andere, die sie treffen. Solch ein Familienleben ist ein stetes Straucheln, eine Pandorab�chse. Wie kann man annehmen, da� Gott die Industrie und die menschliche Th�tigkeit auf einen so kritischen Boden f�r die, welche die Leiter sind, und noch viel mehr f�r Diejenigen, welche die Untergebenen sind und ausf�hren, hat gr�nden wollen?� �Weder die Politik noch die Moral wissen die industrielle Anziehung zu schaffen, sie nehmen nur die Arglist zu H�lfe; sie r�hmen die Freuden der Ehe, wenn auch ohne Verm�gen, und bauen ihr ganzes soziales System darauf, den Armen zur Ehe zu bringen, damit er unter der Last der Kinderzahl, um die Hungernden zu n�hren, zu flei�iger Arbeit gezwungen werde. So kommt es, da� sieben Achtel dieser V�ter rufen: �Oh! in welche Galeere bin ich gerathen.� Es war der geheime Zweck der Moralisten, mit ihrem Lob von der s��en Ehe diese Falle zu legen; damit erreichen sie, da� sie einen Ueberflu� an Rekruten f�r die Armee und an hungernden Arbeitern f�r die Fabriken haben, die um niedrigen Preis arbeiten, damit die Unternehmer sich bereichern k�nnen.� �Die weitere Folge dieses ganzen Systems ist der Widerwille gegen die Arbeit, der schon beim Kinde stark ausgepr�gt ist; es arbeitet nur aus Furcht vor Z�chtigung. Aber die Unordnung steigert sich in dem Ma�e, wie es zur Reife kommt. Die Liebe stellt sich ein und vermehrt den Widerwillen gegen die Zwangsarbeit und verleitet zu Ausgaben f�r Beziehungen, die den W�nschen des Vaters wie der Harmonie der Familie sehr entgegen sind. Man sollte meinen, das Aufbrechen der Liebe m��te, als eines neuen H�lfsmittels, den industriellen Mechanismus verbessern, denn wo ein neuer Faktor auftritt, sollte er das Spiel der Kr�fte vervollkommnen. Das geschieht im soziet�ren Zustand, aber nicht in der Zivilisation. In der Harmonie wird die Liebe die industrielle Anziehung verst�rken, durch sie wird der J�ngling wie die Jungfrau f�r die Vereinigungen der beiden Geschlechter in den Ateliers, den G�rten, den Wirthschaftsanlagen, an der Tafel immer neue Anreize finden. Die Wirkung in der Zivilisation ist die entgegengesetzte, sie erzeugt Beunruhigung der Eltern, n�thigt zu fortgesetzter Ueberwachung, verursacht Ausgaben f�r Putz und Geschenke und f�hrt nicht selten zu Schulden und anderen Ausschweifungen der Jugend. So wird die Ehe f�r die V�ter zu einem Pfad von Schwierigkeiten aller Art, mit wenig Ausnahmen f�r die Reichen, und die Erwachsenen werden durch die Liebe nur verdorben.� �Ein anderes gro�es Uebel in der Familiengruppe ist, da� sie keine Freiheit gestattet. Man kann nach freiem Willen Freunde, Maitressen, Assozi�s wechseln, aber man kann nichts an den Banden des Blutes �ndern. Das ist ein Uebel, das man noch nicht wahrnahm und das so schwer ist, da� die Harmonie ihm viele es aufhebende Gegengewichte gegen�berstellen mu�, unter Anderem die industrielle Adoption (wovon bereits gesprochen wurde) und die Theilnahme an der Erbschaft. Das Uebel herrscht, und seit lange, aber seine Herrschaft ist in unseren Tagen stetig gewachsen und zwar durch den Sieg des Handelsgeistes, der die Zivilisirten immer mehr erniedrigt und sie l�gnerischer macht, als sie urspr�nglich waren. Die Sophisten stellen die Frage: ob der Mensch von Natur lasterhaft sei und die meisten bejahen dies; man schlie�t also wie die mahommedanischen Fatalisten, welche die Pest f�r ein unumg�ngliches Uebel erkl�ren, weil sie sich scheuen, Schutzma�regeln gegen sie zu ergreifen. Unsere Philosophen ziehen dieselbe Stra�e; um sich davon zu befreien, ein Heilmittel zu suchen, erkl�ren sie das Uebel als unabwendbare Bestimmung. Man mu� nur die Sch�ngeister in irgend eine Angelegenheit sich mischen lassen und man kann sicher sein, da� sie dieselbe in Unordnung bringen.� �In allen �brigen Vereinigungen verlangt der Mensch Freiheit der Bewegung und sucht die m�glichste Ausdehnung seiner Verbindungen. Unsere Philosophen selbst predigen, da� man die philanthropische Freundschaft auf die ganze Menschheit ausdehnen und Alle als Br�der betrachten m�sse, der Ehrgeiz solle uns treiben, uns mit den Freunden des Handels auf dem ganzen Erdboden zu verbinden, aber in Sachen der Liebe und des Familienbandes zwingt man uns in den m�glichst kleinsten Kreis. Man �berlasse die Liebe ihrem nat�rlichen Hang und �berlasse ihr selbst, sich ihre Grenzen zu ziehen. Man wird sehen, da� ein Mann bald mit einer gleichen Zahl von Frauen wird zu thun gehabt haben, wie der weise Salomo, und da� die Frau ihrerseits es auch nicht an der Auswahl der M�nner wird haben fehlen lassen. Diese Vielheit in der Liebe ist so nat�rlich, da� selbst ein altersschwacher Sultan sich nie auf eine einzige Frau beschr�nken l��t. In einem zuk�nftigen Zeitalter wird man diese Freiheit der Liebeswahl ganz nat�rlich finden, und ein Greis wird direkte und indirekte Nachkommen, Adoptivkinder und Erben in die hunderte haben. Dann wird das goldene Zeitalter der Vaterschaft angebrochen sein und wird die Freuden genie�en, die sie im gegenw�rtigen Zustand vergeblich sucht. Die Adoptionen und die Legate werden in der Harmonie so zahlreich sein, wie sie in der Zivilisation unm�glich sind; man wird die Fortsetzer (�continuateurs�) aus Passion haben, die Mangels an eigenen, von gleichen Trieben beseelten Kindern, das Begonnene weiter f�hren. Au�erdem, welcher Egoismus, welche Eifersucht herrscht in unseren Familien, die nicht leiden, da� ein Au�enstehender sich in die Neigungen des Vaters theilt: gezwungen sich an die eigenen Kinder zu halten, begegnet er nur zu oft in seinen Pl�nen und Unternehmungen den Antipathien derselben, mu� er in ihnen die Zerst�rer seines Werkes sehen. Es kann also kein Zweifel sein, da� das Familienband die anti�konomischste Verbindung ist und den W�nschen Gottes, welcher der h�chste Oekonom ist, und mit Aufwendung der geringsten Mittel das Vollkommenste zu erreichen strebt, auf's Direkteste entgegensteht.� * * * * * Fourier erl�utert jetzt die Art der Vertheilung der materiellen Gen�sse in der Phalanx. Die Uebereinstimmung in der Vertheilung sei garantirt, wenn man zwei bestimmte Mittel, die mehr als gen�gten, in Anwendung bringe: Das erste sei die Gierigkeit, die bei den Menschen nie fehlen werde. Finde man ein Mittel, die Gier des Einzelnen in ein Pfand billiger Vertheilung umzuwandeln, so werde die Herrschaft der Gerechtigkeit schon gesichert. Das zweite Mittel, um das Gleichgewicht der Vertheilung herbeizuf�hren, sei die Generosit�t. Diese halte man wohl f�r unm�glich, sie sei aber durchzuf�hren. Jeder, der sich mit Anderen gesch�ftlich verbinde, wolle daraus Vortheil ziehen. Trete ein solcher nicht ein, l�se die Verbindung sich auf. Diese Gefahr sei in der Phalanx nicht vorhanden, da die Vortheile f�r das Wachsthum des Einkommens kolossale seien und dieses im Vergleich zu heute sich wenigstens verdrei�ig- und vervierzigfache. Zwei Beispiele m�chten dies beweisen. Eine Familie, die in Paris 60.000 Franken j�hrlich ausgebe und daf�r Pferde, Wappen, Diener und Wohnung in der Stadt und auf dem Lande unterhalte, k�nne in der Phalanx mit 6000 Franken dasselbe haben. Dieser zehnfache Vortheil werde ein zwanzigfacher, wenn man erw�ge, welch gro�e Auswahl in Bezug auf Wagen aller Art man in der Phalanx habe, da� man von den Streitereien mit H�ndlern und Kaufleuten, von den Ausgaben f�r Lakaien und von ihren Diebereien und Betr�gereien, von der Spionage und anderen Widerlichkeiten, welche das Gesinde zu einer Gei�el der Gro�en machten, befreit sei. Man solle ferner an die Verbesserung der Stra�en und Wege denken, deren Zustand heute auf dem Lande den Aufenthalt verbittere und sie einen gro�en Theil des Jahres fast unpassirbar mache. Das Gegentheil in der Phalanx, wo alle Stra�en und Wege mit Trottoirs f�r Equipagen und leichte Wagen, f�r Fu�g�nger wie f�r Pferde und Zebras versehen, die Wege schattig und mit Fu�steigen, die man nach Bed�rfni� besprenge, ausgestattet seien. Dazu k�men die Annehmlichkeiten der �berdeckten Verbindungen zwischen den Wohnungen, Ateliers, Werkst�tten, Stallungen; f�r Kirche, Theater, Balls�le u.s.w., und da� alle diese verdeckten Passagen im Winter erw�rmt seien, so da� man kaum wissen werde, ob es drau�en warm oder kalt sei. Es seien dies alles Erleichterungen und Annehmlichkeiten, wie sie in der Zivilisation selbst ein K�nig sich nicht verschaffen k�nne. Das Wohlsein werde sich also in der Phalanx in das unz�hlbar Vielfache steigern. Dasselbe sei mit den Mahlzeiten der Fall. Die Raffinements, die aus der stetigen Verbesserung der Materialien in Garten, Feld, Stallung und Keller hervorgingen, in der K�che durch die verbesserten Methoden der Fertigstellung sich steigerten, k�nne kein Einzelner, und sei er der Reichste, herbei- und durchf�hren. Und an alledem n�hme der Aermste in der Phalanx Theil. Fourier, der offenbar in den Dingen der K�che und was damit zusammenh�ngt genaue Spezialstudien gemacht hat, f�hrt dies im Detail sehr anziehend und Lust erweckend aus; so wird es nach ihm eine Kleinigkeit sein, da� man auf jeder Tafel bei jeder Mahlzeit wenigstens dreierlei Arten K�se, jeden wieder in verschiedenen Qualit�ten, zum Nachtisch haben kann, so da� eine zw�lffache Auswahl gew�hnlich sei. Fleisch, Gefl�gel, Wild, Fische, Gem�se, Kompots, Eier- und Mehlspeisen w�rden in einer Vielseitigkeit der Herstellung und in einem Raffinement geliefert, von dem gegenw�rtig kaum Jemand eine Vorstellung habe. Die Tafel der Reichen in der Phalanx sei t�glich bei einer Mahlzeit mit mindestens drei�ig Gerichten bedeckt, und selbst die Armen d�rften, wenn erst die Phalanx in vollem Gange sei, auf mindestens zehn Gerichte zum Mittagtisch rechnen. Es kann, ihm zufolge, daher auch gar nicht fehlen, da� selbst die K�nige, nachdem sie die Phalanx besucht und sich von ihrer Opulenz nach allen Richtungen durch den Augenschein �berzeugt haben, sich beeilen werden, die Gr�ndung der Phalanxen nicht nur zu unterst�tzen, sondern selbst mit ihrem Hofstaat in eine solche einzutreten. Die Phalanx verbindet also, nach F. Ansicht, die sensuellen Vergn�gungen mit der Abwesenheit aller materiellen Sorgen, die heute V�tern und M�ttern so viel Kopfschmerzen verursachen. Sie findet rasch die Zustimmung der V�ter, die von den Kosten der Haushaltung, der Erziehung und der Ausstattung der Kinder befreit sind; sie findet die Zustimmung der Frauen, welche alle der vielen Widerw�rtigkeiten der Haushaltung, wo die Mittel fehlen, los und ledig sind; sie findet die Zustimmung der Kinder, denen nur anziehende Besch�ftigungen, Vergn�gungen und die besten Mahlzeiten in Aussicht stehen; und sie findet endlich auch die Zustimmung der Reichen, die erhebliches Wachsthum ihres Verm�gens und das Verschwinden aller Risikos und die Beseitigung des Aergernisses, von dem, wie Fourier behauptet, sie stets umgeben sein sollen, zu erwarten haben. Der Arme kann nat�rlich gar nichts Besseres thun, als sofort mit beiden H�nden zugreifen, denn er hat Nichts zu verlieren, aber Alles zu gewinnen. So werden die Serien, die Gruppen, die Individuen in der Phalanx alle in den edelm�thigsten Entschl�ssen �bereinstimmen und werden selbst zu materiellen Opfern entschlossen sein, die aber nicht einmal n�thig sind. Bei dem Gedanken, wieder in die Zivilisation zur�ckzufallen, wird Jeder erschreckt sein, wie bei dem Gedanken, in die Arme des Teufels zu st�rzen; Jeder w�rde bereit sein, lieber sein halbes Verm�gen zu opfern. So wird sich die Uebereinstimmung und die Aufrechterhaltung der Einheitlichkeit in allen materiellen Dingen auf die h�chste Stufe erheben. Wie nach Fourier in der Phalanx sich die materiellen Interessen zur gr��ten Zufriedenheit Aller ausgleichen, so wird auch die Vermischung und aus Zuneigung entstehende Uebereinstimmung der drei Klassen sich vollziehen. �Die reiche Klasse mu� nur gewahr werden, da� man sich ihr seitens der anderen Klassen h�flich und ohne pers�nliches Interesse und ohne Gefahr der Hintergehung n�hert, und sie wird bereitwilligst der Phalanx ihre Kr�fte und ihr Verm�gen leihen. Damon, der ein gro�er Blumenfreund ist und in Paris wohnt, macht j�hrlich bedeutende Ausgaben f�r seine Blumenbouquets, aber er wird �bel berathen und betrogen durch die Verk�ufer, bestohlen durch G�rtner und Diener. Dadurch wird ihm die Blumenzucht verleidet und er entschlie�t sich, die Kultur derselben aufzugeben, so sehr er sie liebt. Darauf besucht Damon die Versuchsphalanx, wo er sieht, da� die Blumenzucht eifrig gepflegt wird und er Unterst�tzung an Anderen findet, die gleich ihm daf�r begeistert sind. Statt Mi�trauen zu begegnen, sieht er, da� man seinen W�nschen und Rathschl�gen, als von einem Sachkenner kommend, bereitwillig Folge leistet und alle Arbeiten ausf�hrt. Ihn trennt keine Verschiedenheit der Interessen von den Mitwirkenden, denn alle Kosten tr�gt die Phalanx; er sieht sich geachtet und geliebt, weil man seine Kenntnisse sch�tzt und ihn als eine St�tze der Serie betrachtet. Namentlich sind es die Kinder, die sich um ihn dr�ngen und bei dem drohenden starken Regen Schutzzelte �ber die Beete spannen. Er f�hlt sich unter diesen Blumenfreunden wie in einer zweiten Familie und entschlie�t sich zu mehreren Adoptionen. Da ist Aminte, ein M�dchen ohne Verm�gen, aber eine der geschicktesten Seriesten, die f�r Damon begeistert ist; sie sieht in ihm, dem Sechzigj�hrigen, die St�tze der ihr theuren Kultur; sie will sich ihm erkenntlich zeigen, und da sie auch ein Mitglied einer Gruppe der Zimmerordnerinnen ist, �bernimmt sie die Sorge f�r Damon's Zimmer und Garderobe. Sie dient Damon nicht aus materiellem Interesse, denn er bezahlt sie nicht, und dies w�re �berhaupt unzul�ssig, sondern aus Dankbarkeit f�r seinen Eifer f�r die Kultur der Blumen. Damon hat also doppelte Freude, er hat in Aminte eine eifrige und gelehrige Sch�lerin und eine aufmerksame Gouvernante, und zum Dank adoptirt er sie. Bei dieser industriellen Kooperation war also die Freundschaft im Spiel, ein Trieb, der namentlich bei den Kindern einen sch�nen Aufschwung nimmt, weil ihm weder durch Liebe, noch durch Gewinnsucht, noch durch Familieninteresse entgegengearbeitet wird.� �Im Jugendalter ist's haupts�chlich die Liebe, welche den Rangunterschied verwischt und selbst einen Monarchen auf die Stufe einer Sch�ferin, die ihn gefangen genommen hat, stellt. Wir haben also Keime zur Ausgleichung von Rang- und Standesunterschieden selbst in der Zivilisation, aber sie kommen nicht zum Ausbruch. Auch sehen wir, da� in Sachen des Ehrgeizes der H�here den Niederen unter Umst�nden nicht verschm�ht. Zum Beispiel in Partei- und Wahlk�mpfen. Es sind nicht blos die Scipione und Catone, die, um seine Stimme zu erhalten, dem Landbebauer die Hand dr�cken. Aber hier wirkt nur die Sucht nach pers�nlichem Gewinn und Befriedigung pers�nlichen Ehrgeizes. Vollziehen also diese niederen Mittel schon die Ann�herung verschiedener Klassen, dann ist dies viel leichter durch edle Mittel, durch Bande freiwilliger Zuneigung, wie das Beispiel zwischen Damon und Aminte zeigt.� �Nun kann Damon, bei zwanzig verschiedenen Th�tigkeiten besch�ftigt, �berall �hnliche Bande kn�pfen. Alle Serien und Gruppen bestehen aus Gleichstrebenden, und da Jeder bei einer speziellen Arbeit in einer Branche in Uebung ist und er darin leicht sich auszeichnen kann, wird es ihm an Anerkennung der Genossen nicht fehlen. Der Reiche genie�t aber doppelte Anerkennung, einmal wegen der Geschicklichkeit, durch die er sich in irgend welchen Arbeiten auszeichnen kann, dann durch die Munifizenz, die er den von ihm gew�hlten Industrien erweist. So macht Damon Ausgaben f�r sehr werthvolle Pflanzen, die auf Kosten der Phalanx anzuschaffen die Regentschaft sich weigert. F�r diese Dienste wird Damon seitens der Serie zum Chef der Zur�stungen gew�hlt; so wird ihm sein Geschenk mit doppelter Zuneigung vergolten; seine intelligenten und eifrigen Genossen erweisen sich ihm dankbar und ihre Freundschaft und sein Ansehen steigt bei ihnen und den rivalisirenden Nachbarn. Der Reiche kann also sich mit vollem Vertrauen der Phalanx �berlassen, er hat keine Falle zu f�rchten, kein ungeh�riges Verlangen wird ihn beunruhigen. Kein Zweifel, da� in der Harmonie die Ungleichheiten sich leicht verbinden. Lustigkeit, Wohlbefinden, H�flichkeit und Rechtschaffenheit der niederen Klassen werden den Reichen zum Eintritt in die Vereinigungen verf�hren, dazu kommen die prunkvollen Zur�stungen f�r die Arbeiten der Phalanx und die Einigkeit der Soziet�re. Die Aermeren wieder werden auf ihre neue Lage und die hohe Bestimmung ihrer Phalanx stolz sein und werden Alles aufbieten, der neuen Stellung w�rdig zu erscheinen. Unter solchen Verh�ltnissen werden Alle bem�ht sein, die gerechte Vertheilung des Einkommens der Phalanx, wovon die Aufrechterhaltung der soziet�ren Ordnung abh�ngt, zu erleichtern. Man frage wohl, wie k�nne die Habsucht, die Liebe zum Gelde, die in der Phalanx fortbestehen solle, eine gerechte Vertheilung erm�glichen? aber man werde sehen, da� in den Serien der Triebe gerade die Liebe zum Gelde der Weg zur Tugend und zur Gerechtigkeit sei, so sehr die Moralisten die Liebe zum Gelde verurtheilten.� Fourier explizirt dieses also: Nichts sei leichter in einem Unternehmen, als die Vertheilung des Ertrages nach dem Ma�stab des eingeschossenen Kapitals, das sei eine Jedermann wohlbekannte, rein arithmetische Aufgabe; aber auch Arbeit und Talent gerecht zu honoriren und zufrieden zu stellen, das sei eine Kunst, welche die Zivilisirten nicht verst�nden, und so beklagten sie sich best�ndig �ber Ungerechtigkeit und Uebelwollen. Wolle die Phalanx freilich jedem Einzelnen, entsprechend seiner Theilarbeit, in vielleicht drei�ig oder mehr Serien und hundert Gruppen seinen Antheil �berweisen, so w�rde dies eine au�erordentlich umst�ndliche und schwer zu l�sende Aufgabe sein. Der Mechanismus der Vertheilung sei nicht auf die Individuen, sondern auf die Serien berechnet, und diese werden nicht nach ihrer speziellen Leistung, sondern nach ihrer Bedeutung f�r die Phalanx in Betracht gezogen. Die Serien gelten als die einzelnen Assozi�s, und kraft des Rangs, den sie in dem Tableau der Arbeiten einnehmen, wird die Dividende nach drei Klassen vertheilt: 1. nach der Nothwendigkeit, 2. der N�tzlichkeit und 3. der Annehmlichkeit der Arbeit. Wird z.B. die Serie des Wiesenbaues als solche von hoher Wichtigkeit anerkannt, so erh�lt sie ein Loos erster Ordnung in der Klasse, in der sie figurirt. Die Erzeugung von K�rnerfr�chten ist Arbeit erster Nothwendigkeit, aber die Serien darin bilden selbst wieder f�nf Ordnungen, und so ist wahrscheinlich, da� die Erzeugung von Korn, Weizen, Mais etc. auf der Stufenleiter der Nothwendigkeiten erst in dritter Ordnung kommen. �Die h�chste Dividende f�llt den unangenehmsten Arbeiten zu und diese erhalten in der Phalanx die kleinen Horden; darauf kommt die Fleischerei in R�cksicht auf die damit verbundenen widerlichen und �belriechenden Arbeiten. Die Pflege und Ern�hrung der S�uglinge und Kinder in den niedersten Lebensaltern wird f�r eine schwerere Arbeit anerkannt als die eigentliche Feldarbeit. Mediziner, Chirurgen und die groben Handarbeiter rangiren in der ersten Ordnung der Nothwendigkeit, werden also wie die Arbeit der kleinen Horden am h�chsten belohnt. Die Arbeit wird nicht nach dem Werth bemessen, sondern nach dem Ma� der Anziehung, das sie aus�bt, je h�her die Anziehung, also auch die Annehmlichkeit, je geringer die Belohnung.� �Fragt man den Zivilisirten, was nach seiner Meinung die h�here Belohnung verdiene, ob die Serien der Obstz�chter oder die der Blumenz�chter, so wird er antworten: die ersteren, und zwar h�tten diese in der Klasse der N�tzlichkeiten, die Blumenz�chter in der Klasse der Annehmlichkeiten zu rangiren. Aber das ist ein ganz falscher Schlu�. Obgleich die Obstbaum- und Fr�chtezucht sehr produktiv ist, rangirt sie in der Harmonie in die Klasse der Annehmlichkeiten, weil sie au�erordentlich anziehend ist. Die Obstbaumzucht ist in der Harmonie eine der reizvollsten Erholungen. Jeder Obstgarten ist mit Blumenalt�ren bes�et, die von Zierstauden umgeben sind; hier werden die Ruhepausen abgehalten, hier vereinigen sich die Geschlechter, und so bietet diese Kultur neben der Gefl�gelzucht die meiste Anziehung. Dadurch wird die Obstzucht in die dritte Klasse, in die der Annehmlichkeiten gereiht, und empf�ngt die niederste Belohnung. Was die Blumenzucht betrifft, die im Allgemeinen in der Zivilisation nicht sehr gesch�tzt wird und kaum die Kosten deckt, so erwecken zwar ihre Produkte Liebreiz, aber die Arbeit erfordert gro�e P�nktlichkeit, erhebliche Kenntnisse und viele Sorgfalt und das Vergn�gen ist von kurzer Dauer. Aber diese Kultur ist, sowohl um die Kinder zu bilden, als um die Frauen f�r das Erforderni� der Kultur und das Studium agronomischer Verfeinerungen zu gewinnen, sehr werthvoll. Auch eignen sich die Arbeiten der Obstzucht nicht immer f�r die Kinder, wof�r hingegen die Pflege der verschiedenen Blumensorten sehr geeignet ist. Aus diesen Gr�nden werden die Serien der Blumenz�chter in die zweite Klasse, die der N�tzlichkeiten, versetzt werden.� �Wird also die Obstbaumzucht, die noch besonders werthvoll dadurch wird, da� ihre Produkte, sei es in Natur, sei es als Kompot, Marmelade u.s.w. f�r die Ern�hrung und Verfeinerung der Lebensweise die wichtigsten Dienste leisten, in die dritte Klasse, des Angenehmen, versetzt, so gelangt die Oper, die wir f�r rein �berfl�ssig anzusehen geneigt sind, in die zweite Ordnung der ersten Klasse, die der Nothwendigkeiten. Man wird freilich sagen, M�ller und B�cker sind n�tzlicher, aber das kann nur von einem Gesellschaftszustand gelten, der die industrielle Anziehung nicht kennt. Von letzterem Standpunkt aus ist aber die Oper f�r die Harmonie sehr werthvoll, weil sie f�r die Kinder das m�chtigste H�lfsmittel ist, sie zur Gewandtheit und zur Einheitlichkeit der industriellen Th�tigkeiten zu erziehen. Von diesem Standpunkt aus geh�rt sie in die erste Klasse, die der Nothwendigkeiten, soweit hingegen sie den Erwachsenen als Mittel zum Vergn�gen dient, rangirt sie in die dritte Klasse, die der Annehmlichkeiten.� �Ma�stab der Vertheilung f�r die Arbeit ist also: 1. die direkte Wirkung, die sie f�r die Bande der Einheitlichkeit der Phalanx im Spiel des sozialen Mechanismus besitzt; 2. der Werth, den sie hat f�r die Beseitigung widriger Hindernisse und 3. im umgekehrten Verh�ltnisse steht zu der St�rke der Anziehung, die sie erweckt. Unter den ersten Fall sind, wie schon bemerkt, die Besch�ftigung der kleinen Horden, unter den dritten die Oper f�r die Erwachsenen, unter den zweiten unter Anderem die Besch�ftigung in den Minen und Bergwerken zu z�hlen.� �In dieser Art gruppiren sich die verschiedenen Th�tigkeiten, deren Klassifizirung und Ordnung die Mitglieder der Phalanx selbst bestimmen. Die Verst�ndigung ist um so leichter, da jedes Mitglied in einer ganzen Menge von Serien und in einer noch gr��eren Zahl von Gruppen besch�ftigt ist. Die Gunst, die ein Mitglied einer Serie oder Gruppe in der Zubilligung der Dividende erw�rbe, w�rde es in den anderen Gruppen und Serien sch�digen; sein eigenes Interesse zwingt es also zur gr��ten Objektivit�t; auch ist es interessirt, da� die Harmonie nicht gest�rt wird, weil diese Sch�digung des Ganzen unfehlbar den gr��ten Schaden f�r es selbst br�chte. Von diesen Gesichtspunkten aus vertheilt sich auch das Einkommen auf Kapital, Arbeit und Talent.� �Alippus ist ein reicher Aktion�r, der bis dahin in der Zivilisation f�r die Ausleihung seines Kapitals auf G�ter 3-4 Prozent erhalten hat. In der Phalanx hat er Aussicht, 12-15 Prozent zu bekommen. Er ist sehr f�r gerechte Vertheilung des Ertrages, doch dr�ngt ihn seine Habsucht, als Kapitalist die H�lfte der Dividende in Anspruch zu nehmen. Er mu� sich aber sagen, da� dann die beiden anderen zahlreichen Klassen, die Arbeit und Talent aufwandten, sehr unzufrieden sein werden und wahrscheinlich binnen wenig Jahren die Phalanx sich aufl�se und dies sein gr��ter Schade sei. Diese Einsicht veranla�t ihn, sich in seinem eigenen Interesse mit weniger zu begn�gen und eine Theilung zu akzeptiren, die dem Kapital 4/12, der Arbeit 5/12 und dem Talent 3/12 zuweist. Er hat nach diesem Ma�stab noch drei- bis viermal mehr Einkommen, als die Zivilisation ihm gew�hrte, er lebt viel billiger in der Phalanx, als in der Zivilisation, und er sieht au�erdem die beiden anderen Klassen befriedigt und dies sichert den Bestand der Gesellschaft. Was ihn au�erdem bestimmt, sich zufrieden zu geben, ist, da� er gleichzeitig als Mitglied einer Anzahl Serien, in denen er viel Vergn�gen geno�, freundschaftliche und Liebesbeziehungen ankn�pfte, seinen Antheil als Th�tiger und, soweit er darin durch Talent sich auszeichnete, auch daf�r seinen Antheil erh�lt. Seine Habsucht wurde also durch zwei Gegengewichte in der richtigen Mitte gehalten, er hat die Ueberzeugung, da� im Interesse Aller er sein eigenes Interesse wahrt und daf�r die Zustimmung der Phalanx findet, und da� der Fortschritt der industriellen Anziehung f�r ihn zur Quelle gro�en Reichthums wird.� Sehen wir weiter zu. Johannes hat kein Kapital und keine Aktien, er w�re also als Zivilisirter sehr daf�r, da� die Arbeit auf Kosten des Kapitals und Talents den L�wenantheil erlangt und rechnet 7/12 f�r die Arbeit, 3/12 f�r das Kapital und 2/12 f�r das Talent. Johannes, als Mitglied der Assoziation, denkt inde� anders. Wohl hat er den lebhaften Trieb, der Arbeit den Hauptantheil zuzuweisen, aber da er in einer Reihe von Serien und Gruppen durch Talent der Erste ist, so verkennt er nicht, da� auch dem Talent sein entsprechender Antheil geb�hre. Au�erdem begreift er als einsichtiger B�rger die Bedeutung des Kapitals, welche Vortheile der Arme aus den Ausgaben der Kapitalisten zieht, welche Annehmlichkeiten reiche Angeh�rige ihren Serien und Gruppen erweisen, endlich, da� seine Kinder Aussicht haben, mit Legaten bedacht zu werden. Alles das genau erwogen, findet auch er, da� man ein Einsehen haben und da� die Arbeit zu Gunsten von Kapital und Talent ein wenig zur�cktreten m�sse. Er k�mpft also auch gegen die �unvern�nftige Raubsucht� (�rapacit� d�raison�e�), deren ein Zivilisirter f�hig w�re und findet ebenfalls bei der Repartition von 4/12 f�r das Kapital, 5/12 f�r die Arbeit und 3/12 f�r das Talent seine Seele und sein Gewissen befriedigt. Fourier glaubt mit besonderem Nachdruck auf dieser Art Vertheilung beharren zu m�ssen, was man bei seinem Bestreben und seinem festen Glauben, diese von ihm entdeckte und konstruirte ideale Gesellschaft mit freiwilliger Zustimmung aller Klassen und zum Wohlsein aller Klassen ohne irgend welche gewaltsame Ersch�tterungen begr�nden zu k�nnen, begreifen wird. W�re die Fourier'sche Phalanx �berhaupt m�glich und keine Utopie, so w�re unfa�bar, warum das Kapital, bei all den sich ihm er�ffnenden gl�nzenden Aussichten, sich nicht beeilte, Hals �ber Kopf diesen neuen Gesellschaftszustand zu begr�nden. Fourier glaubt felsenfest an diese M�glichkeit und die Richtigkeit der von ihm gemachten Aufstellungen; er konstruirt sich die Pr�missen und da m�ssen die Konklusionen stimmen. Falsch sind nicht seine Voraussetzungen, sondern falsch ist die Gesellschaft, die in ihrer Kurzsichtigkeit und Verblendung den Weg, der sich ihrem Gl�ck �ffnet, nicht sieht oder zur�ckweist. Er behauptet also mit Ueberzeugung, da� der Arme in der Harmonie die reiche Klasse und den Antheil des Kapitals am Ertrag bereitwillig unterst�tzen werde, weil ihm mit H�lfe des Kapitals in der Phalanx so zahlreiche Chancen, zu Verm�gen zu kommen, sich darb�ten. Der Arbeiter der Phalanx sei nicht entmuthigt, wie der Arbeiter der Zivilisation, der keine Aussicht habe, selbstst�ndiger Unternehmer zu werden. �Seine Kinder k�nnen durch Kenntnisse, Talent, Sch�nheit zu hohen W�rden und Stellungen kommen, auch kann er, da er stets mehr erwirbt als er ausgiebt, Ersparnisse machen, und so selbst allm�lig Aktion�r werden.� N�hrt ihm doch die Phalanx die Kinder, die vom dritten Lebensjahre ab bereits selbst voll verdienen, was sie brauchen und sp�ter mehr verdienen, als sie n�thig haben; liefert ihm doch die Phalanx alle Werkzeuge und nicht weniger als drei Paradeuniformen f�r die Feste und Aufz�ge; auch besucht er weder Kneipen noch Caf�'s, da er nach f�nf vortrefflichen Mahlzeiten und all den Abwechslungen und Vergn�gungen, die ihm die t�gliche Besch�ftigung bietet, f�r solche Orte kein Bed�rfni� mehr empfindet; endlich besteht �berall die volle Gleichberechtigung: er nimmt an allen Berathungen Theil, hat das gleiche Stimmrecht und somit nach keiner Richtung einen Grund, gegen die Reichen Abneigung zu empfinden. In der That, es geh�rt viel Verbohrtheit dazu, all diesen Verlockungen zu widerstehen. Fourier kommt nat�rlich nicht im Traum der Gedanke, da�, wenn all diese sch�nen Ausmalungen und scharfsinnigen mathematischen Berechnungen dennoch ihre Wirkungen verfehlen, das ganze System auf falschen Voraussetzungen beruhen m�sse, denn f�r ihr Interesse sind die Menschen in allen Zeitaltern und bei allen V�lkern sehr empf�nglich gewesen und namentlich die herrschenden Klassen. Aber aller Widerstand und alle Feindseligkeit, die ihm begegneten, machten ihn an der Richtigkeit seiner Theorien und seiner Berechnungen nicht irre, diese sind f�r ihn unbestreitbar, und so ist selbstverst�ndlich, da� der einmal begonnene Faden sich ruhig bis zu Ende spinnt, und ein Geb�ude entsteht, in dem jeder Stein genau auf den anderen pa�t, bei dem Alles auf's Genaueste und Scharfsinnigste berechnet und vorgesehen ist, dem aber die Hauptsache fehlt, das reale Fundament. Die Erkenntni� der eigentlichen Entwicklungsgesetze der Gesellschaft, welche zwar die Gesellschaft einst zu einem �hnlichen Zustande, wie ihn Fourier als scharfsichtiger Seher voraussetzt, f�hren werden, aber auf anderem Wege und durch andere Mittel und -- wann die Entwicklung reif ist, -- die Erkenntni� ihrer Entwicklungsgesetze blieb ihm und seinem Zeitalter fremd. Wie der Kapitalist und der Arbeiter sich zufrieden geben und genau so schlie�en, wie es der Konstrukteur dieser idealen Gesellschaft w�nscht, so nat�rlich auch das Talent. Philint ist Mitglied von 36 Serien. In zw�lf zeichnet er sich als alter erfahrener Serist durch gro�e Geschicklichkeit und durch Talent aus, in zw�lf anderen ist er nur mittelm��iger Arbeiter und in den zw�lf letzten Neuling. Nachdem beim Jahresschlu� die Inventur gemacht wurde und die Mitglieder der Phalanx zur Entscheidung berufen werden, k�nnte er in Anbetracht der Talente, die er in zw�lf Serien entwickelte, sehr geneigt sein, den Antheil des Talents besonders zu beg�nstigen. Aber als �berlegender Mann mu� er sich sagen, da� damit weder sein Interesse noch das der Phalanx gewahrt w�rde. Einmal stehen nicht nur den 12 Serien, in denen er sich auszeichnet, 24 gegen�ber, in denen er nur mittelm��iger Arbeiter oder gar Neuling ist, es findet sich auch, da� von den 12 Serien, in denen er sich hervorthut, nur vier in die erste, also h�chst belohnte Klasse, die der Nothwendigkeiten, fallen, vier andere in die zweite und die letzten vier in die dritte Klasse. Daraus ergiebt sich f�r ihn von selbst, da� er den einseitigen Ma�stab der Bevorzugung des Talents nicht zur Geltung kommen lassen kann. Ein anderer Umstand tritt bei all diesen Erw�gungen �ber die Vertheilungen hinzu. Da die Interessen aller Mitglieder in den dutzenden von Serien und hunderten von Gruppen pers�nlich voneinander differiren, in einer Serie oder Gruppe, wo zwei oder mehrere harmoniren, diese wieder in allen anderen Serien und Gruppen in ihren Interessen auseinandergehen, ist ein Intriguenspiel zu Gunsten einzelner Serien oder Gruppen unm�glich. In diesen hunderten durcheinandergehenden und sich kreuzenden Interessen, wobei kein Einzelner etwas vermag und keine Verbindung gleicher Interessen m�glich ist, mu� schlie�lich das Allgemeininteresse, das damit das Interesse Aller wird, siegen. Diese Idee ist ungemein geistreich und scharfsinnig, und die Richtigkeit der Vorders�tze, von denen Fourier ausgeht, zugegeben, hat er vollkommen recht, triumphirend auszurufen, da� sowohl in den Details wie im Ganzen bei der Vertheilung die distributive Gerechtigkeit in der Phalanx herrscht. �Das Regime der Serien der Triebe ist die gewollte Gerechtigkeit, die das angebliche Laster, den _Durst nach Gold, in den Durst nach Gerechtigkeit umwandelt_.� Die Habsucht, eines der schlimmsten Laster in der Zivilisation, wird also auch in der Phalanx zur Tugend. Unsere heute als am lasterhaftesten bezeichneten Triebe werden in der soziet�ren Ordnung n�tzlich und gut, wie es die von Gott gewollte Bestimmung ist. Die Bewegung der Organisation der Triebe wird nach der von Schelling ausgesprochenen Idee �in jedem Sinn der Spiegel der universellen Analogie�. Schlie�lich hat Fourier nichts dagegen einzuwenden, wenn die Vertheilung auch derart stattfindet, da� die Arbeit 6/12, das Kapital 4/12 und das Talent nur 2/12 erh�lt. Das ganze Vertheilungsgesetz formulirt er also: �Es m�sse die individuelle Habsucht durch das Kollektivinteresse jeder Serie und der gesammten Phalanx und die kollektiven Anspr�che jeder Serie durch das individuelle Interesse eines jeden Seristen, als Angeh�riger einer Menge anderer Serien, absorbirt werden.� Und dieses Gesetz wird erreicht �durch das direkte Verh�ltni� der Zahl der frequentirten Serien im umgekehrten Verh�ltni� zu der Dauer der Arbeit in den einzelnen Serien�. Mit anderen Worten: Je mehr Serien der Einzelne angeh�rt und je k�rzer in Folge dessen die einzelnen Arbeitssitzungen werden, um so leichter wird die ausgleichende Gerechtigkeit in der Vertheilung des Arbeitsertrags sich herstellen. Mit der Zahl der differirenden Interessen des Einzelnen w�chst die M�glichkeit der gerechtesten Ausgleichung und die Einheitlichkeit des Ganzen. Die Habsucht wirkt also schlie�lich ausgleichend in der Harmonie, aber ihr steht noch ein zweiter Impuls zur Ausgleichung gegen�ber, die Edelm�thigkeit. Erstere wirkt direkt, letztere indirekt. Zum Beispiel: �Es handelt sich um die Vertheilung eines Ertrags von 216 Frks. unter neun Mitglieder einer Gruppe, wobei sich zuf�llig herausstellt, da� die Reichsten und Wohlhabendsten unter den neun Gruppisten in Folge ihrer Leistungen das Meiste erhalten. Darauf erkl�ren die beiden Ersten, da� sie in Anbetracht ihres Kapitaleinkommens und des Vergn�gens, das ihnen die Arbeit gebracht, sich mit dem Minimum begn�gen -- auf das Ganze d�rfen sie nicht verzichten -- was vier Franken betr�gt. In Folge dessen bleiben 52 Franken an die Uebrigen weiter zu vertheilen. Aber dem Beispiel der beiden Ersten folgen zwei Andere, nur da� diese entsprechend ihrem geringeren Verm�gen von dem ihnen zufallenden Antheil nur auf die H�lfte verzichten, wobei weiter 20 Franken zu vertheilen �brig bleiben. Diese 72 Franken werden nun dergestalt unter die f�nf armen Soziet�re vertheilt, da� sie je 24, 18, 12, 9 und 9 Franken erhalten, und zwar erh�lt davon eine sch�ne Vestalin, nicht wegen ihrer Leistungen, sondern weil sie bei den Gebern wie bei den �brigen Mitgliedern in Gunst steht, den h�chsten Satz. Diese Gunstbezeugung ist keine Ungerechtigkeit, denn sie sch�digt Niemand in seinen Rechten, sie wird aber in der Harmonie eine Quelle der Uebereinstimmung. So werden auch eine gro�e Zahl von W�rden und Szeptern, bis zu dem des Omniarchen des Erdballs, als Gunstbezeugungen vergeben, weil alle diese W�rden durch Wahl erfolgen. Wenn nun hieraus sich ergiebt, da� die reichsten Soziet�re nur den m�glichst geringsten Arbeitsantheil empfangen -- die Verzichtleistung soll nach Fourier in Folge des Beispiels allgemeine Regel werden -- und den gr��ten Theil ihres Einkommens nur nach Ma�gabe ihrer Kapitalien beanspruchen, so resultirt daraus, da� ihr Antheil am allgemeinen Benefizium im umgekehrten Verh�ltni� zu der Entfernung (�distance�) der Kapitalien von einander steht, denn f�r Arbeit und Talent tendiren sie nur den kleinsten Theil in Anspruch zu nehmen. Dagegen steht ihr Antheil am allgemeinen Benifizium bez�glich des Kapitalantheils im direkten Verh�ltni� der Masse der Kapitalien. Es kommen also hier genau wie in der physischen Welt zwei entgegenwirkende Kr�fte in Betracht, die zentripetale, welche hier die Habsucht ist, und die zentrifugale, die Edelm�thigkeit. Der Leser wird bereits erkannt haben, da� Fourier hier das von Newton entdeckte Gesetz der Anziehung der Weltk�rper, wonach diese wirkt im graden Verh�ltni� zu ihrer Masse und im umgekehrten Verh�ltni� zum Quadrat ihrer Entfernung, auf den Vertheilungsmodus seiner Phalanx anzuwenden sucht. Alle Beziehungen der Menschen unter sich und zum Weltall sind ja nach Fourier durch mathematische Verh�ltni�zahlen zum Ausdruck zu bringen und nach Analogien geordnet, also mu� auch die Phalanx, welche im Kleinen das Spiegelbild der Einheitlichkeit der Welt darstellt, diese mathematischen Verh�ltnisse zum Ausdruck bringen. Freilich ist dieser Versuch im vorliegenden Fall ein verungl�ckter, denn unter dem Ausdruck Entfernung kann doch nichts Anderes als die Gr��e der Kapitalien verstanden werden, und ihre Gr��e deckt sich wieder mit ihrer Masse, mit dem Quadrat der Entfernung haperts �berhaupt; und was ist der Mittelpunkt, um den die Kapitalien gravitiren? Im b�rgerlichen Leben ist der Mittelpunkt, nach dem Alles strebt, das Kapital selbst, in der Phalanx schwebt es in der Luft. Doch vergessen wir nicht, da� es sich hier um ein geistreiches, mit gro�em Scharfsinn aufgebautes Utopien handelt. Fourier ist nun weiter der Ansicht, da� in seiner Phalanx die Generosit�t, welche die reichen Leute �ben, wenigstens 7/8 des Betrags ihrer Dividenden, und bei den Mittelleuten die H�lfte derselben umfassen werde, diese also den �rmeren Soziet�ren zu Gute kommen. Das klinge freilich wie eine romantische Vision, weil man sich in der Zivilisation ein solches Ma� von Gro�muth gar nicht vorstellen k�nne. Mit den bereits hervorgehobenen Triebfedern f�r eine solche Handlungsweise verbinden sich allerdings noch andere, wie diejenigen, die aus den Liebesbeziehungen resultiren. Doch bei den Vorurtheilen der Zivilisation gegen alles, was das Kapitel der freien Liebe betreffe, sei er gen�thigt, grade dieses f�r die Harmonie so werthvolle und �u�erst interessante Gebiet nicht weiter zu ber�hren; so viel aber sei sicher, da� die freie Liebe und die freie Vaterschaft seelische und physische Kraftquellen erschlie�en werde, die der Lebensfreudigkeit und der Entwicklung der Menschheit die gl�nzendsten Aussichten er�ffneten. Was schlie�lich den Loosantheil betreffe, der dem Talent zufalle, so gew�hre dies besonders den unbemittelten Alten in der Phalanx, die in Folge einer langen Erfahrung in den verschiedensten Arbeitszweigen und in der Leitung der Arbeiten hervorragten, Aussicht auf Gewinn. In der Zivilisation sei die Arbeit des Talents, die in der Harmonie eine Ausgleichung zwischen dem, was dem Kapital und dem, was der Arbeit zufalle, herbeif�hren solle, nur eine Art Fu�schemel, auf dem der Reichere auf Kosten des Aermeren, dessen Kenntnisse er f�r sich ausbeute, in die H�he steige; der gesellschaftlich Beg�nstigte schm�ckte sich mit den Federn des Armen. Die Handlungen aus Edelmuth in der Phalanx seien es ferner, die haupts�chlich die Grenzen zwischen den Armen und Reichen verwischten, daher werde ein Monarch in der Harmonie mitleidig l�cheln, wenn man ihm eine Schutzgarde anbiete. Alle, die ihn umgeben, seien ihm von Herzen und nicht wegen der Bezahlung ergeben, der Monarch genie�e ohne alle Kosten eine Zuneigung, die er sich in der Zivilisation nie zu erwerben verm�ge, wo er seine Sicherheit nur in der Umgebung von erkauften S�ldlingen zu glauben finde und doch nicht vor der Ermordung sicher sei.[20] [Fu�note 20: Anspielung auf die verschiedenen Attentatsversuche und Verschw�rungen, denen trotz aller Sicherheitsma�regeln Napoleon I. wie Ludwig XVIII. und Louis Philipp ausgesetzt waren.] Die gro�e Ungleichheit der Verm�gen werde es gerade sein, die in der soziet�ren Gesellschaft die Harmonie geb�re; nur ein Schatten von Gleichheit hierin w�rde sie zerst�ren. Kein mittelreicher Mann werde deshalb den Ansto� geben, mehr zu �berlassen, als was das Minimum �berschreite. Es gen�ge, um einen solchen Akt des Wohlwollens begehen zu k�nnen, den Soziet�ren das betr�chtliche Einkommen, das ihnen die zugestandene Dividende aus den Aktien einbringe. So werde, den moralischen Diatriben gegen die gro�en Verm�gen zum Trotz, die Phalanx, wo die Ungleichheit des Verm�gens die gr��te und best abgestufteste sei, die doppelte Harmonie, in Folge des Spiels der Impulse der Habsucht und der Gro�muth, am besten erreichen. �Wie weit entfernt war doch die arme Moral, in das Geheimni� der Harmonie der Vertheilung, die f�r alle anderen Harmonien die Grundlage bildet, einzudringen.� Und da griffen die Philosophen seine Theorie als bizarr und unbegreiflich an, die doch im Gegentheil gar nichts Willk�rliches habe, sondern auf unersch�tterlichen geometrischen Theorien aufgebaut sei. Man preise Newton als das gr��te moderne Genie, weil er die Berechnung der Gesetze der Anziehung begonnen habe, worin er sich aber nur auf einen Zweig beschr�nkte; warum unterdr�cke man da ihn, den Mann, der diese Berechnung fortgesetzt und sie vom materiellen auf das passionelle Gebiet, ein Zweig, der f�r die Menschheit sehr viel n�tzlicher sei, als den, welchen Newton behandelte, �bertragen habe. Es sei nichts, als die Furcht, da� diese von ihm begr�ndete neue Wissenschaft das Handelsgesch�ft mit den philosophischen Systemen und B�chern sch�dige. Neben den bisher angef�hrten Faktoren, die nach Fourier eingreifen, um das Leben in der Phalanx zu einem m�glichst angenehmen zu gestalten, wirken noch solche, welche die gegenseitige Uebereinstimmung und die Vers�hnung der Klassen und Standesunterschiede herbeif�hren, so die Beziehungen, welche die Freundschaften zwischen Armen und Reichen und die Liebe zwischen Jungen und Alten herstellen wird. Die Zivilisation erzeuge zwar auch ausnahmsweise die eine oder die andere dieser Beziehungen, aber bei dem Mangel der Serien der Triebe k�nnten sie zu keinem System werden. Wie Freundschaften zwischen Arm und Reich in der Harmonie entstehen, ist schon ausgef�hrt worden. Die Beziehungen, welche die freie Liebe hervorruft, m��ten in R�cksicht auf die ebenfalls schon erw�hnten Vorurtheile der Zivilisirten uner�rtert bleiben, so sind nur die aus Ehrgeiz und der Vaterschaft sich ergebenden Verh�ltnisse n�her zu betrachten. �In unserer Zivilisation herrscht unter den verschiedenen Klassen und Standesabstufungen �berall nur Ha� und Feindseligkeit oder Geringsch�tzung. Der hohe Adel sieht auf den niederen, der Adel �berhaupt auf die Bourgeoisie, die Bourgeoisie wieder auf das Volk mit mehr oder weniger gro�er Feindseligkeit oder Geringsch�tzung herab, und diese Gef�hle werden von unten nach oben erwidert. Innerhalb der einzelnen Schichten selbst giebt es wieder verschiedene Abstufungen, zwischen denen �hnliche Gef�hle herrschen. Kurz, mit der s��en Br�derlichkeit, welche die Moral und die Philosophie predigen, sieht es in der Wirklichkeit recht windig aus. Da verachtet der gro�e Kaufmann den kleinen, der Gelehrte den Nichtgelehrten, der B�rger den Bauern und Arbeiter. Aber wo das Merkenlassen dieser Gef�hle den Interessen schadet, versteckt man sie, und das nennt man dann Gewandtheit oder Klugheit (�savoir faire�). Wo in der Zivilisation sich der H�here dem Niederen scheinbar freundschaftlich n�hert, sind in der Regel Hintergedanken im Spiel und sie f�hren zum Ueblen und zu Unordnungen. So, wenn der Gro�e einer Frau aus dem Volke sich n�hert, die Folge ist gew�hnlich ein Bastardkind; oder wenn wirklich Ehen stattfinden, f�hren sie zu Ueberwerfungen in der Familie. Betrifft es hingegen Sachen des Ehrgeizes, so handelt es sich um Wahlintriguen, Parteistreitigkeiten, B�ndnisse zur Unterdr�ckung. Und gleichwohl ist der Ehrgeiz in der Harmonie ein sehr geeignetes Mittel, alle widerstrebenden Elemente zu verbinden. Napoleon sagt man nach, er habe in Moskau eine Medaille pr�gen lassen, welche die Inschrift enthielt: �Der Himmel f�r Gott, die Erde f�r Napoleon.� Das ist damals den Franzosen gar schrecklich vorgekommen. In Wahrheit hat er damit eine sehr vern�nftige Absicht, die Gr�ndung einer Weltmonarchie ausgesprochen. Dieser Gedanke ist durchaus korrekt und es ist nur zu bedauern, da� Napoleon ihn nicht verwirklichen konnte, er w�rde damit der neuen sozialen Ordnung wesentlich Vorschub geleistet haben. Gleiche Sprache, gleiche Schrift, gleiche Kommunikationsmittel, gleiches Geld, Ma� und Gewicht zu schaffen, gleiche Unternehmungen in Industrie, Handel und Verkehr, Wissenschaft und Kunst zu begr�nden und zu vollbringen, einen Weltmeridian aufzustellen, alles dem Menschen Sch�dliche und Feindliche im Pflanzen- und Thierreich zu vernichten, das h�chste Wohlsein durch die Gr�ndung der Phalanxen auf dem ganzen Erdboden herbeizuf�hren und damit auch die Aenderung und Verbesserung der Temperaturen zu bewerkstelligen, das ist das Ziel der soziet�ren Ordnung, und es werden mit dieser Ordnung die Weltmonarchie und die Territorialmonarchien �ber den ganzen Erdboden begr�ndet werden.� K�nftig k�nnten also Mann wie Frau ihren Ehrgeiz darauf richten, Herrscher oder Herrscherin der Welt oder einer der Territorialmonarchien zu werden, und f�r einen politischen Eunuchen gelte, wessen Ehrgeiz sich mit Geringerem begn�ge. Diese Ansicht scheine bizarr, sie sei es aber nicht, denn nichts sei leichter in der soziet�ren Ordnung, �als C�sar und Pompejus zu vers�hnen�. C�sar und Pompejus k�nnten an demselben Ort in ganz verschiedenen W�rden nebeneinander regieren. Giebt es doch nicht weniger als sechszehn verschiedene Szepter und eine gro�e Auswahl von W�rden und Titeln. Da giebt es W�rden und Titel f�r die Erblichkeit, die Adoption, den Favoritismus, das Vestalat u.s.w. Alle diese Szepter, W�rden, Titel, Grade, er�ffnen sich Jedem. �Kennt der Monarch in der Zivilisation nur den legitimen Erben, in der Harmonie wird er auch das Recht der Adoption haben, eine Freiheit, deren er bei uns beraubt ist und ihm nicht selten den Lebensabend verbittert. Auch kann der Souver�n wie die Souver�nin, um der Erblichkeit zu gen�gen, sich eine Zeugerin oder einen Zeuger w�hlen; ferner jeder Monarch kann Nachfolger bestimmen, welchen er nur bestimmte Funktionen, also einen Theil seiner Regierungsgewalt �bertr�gt. Die Harmonisten k�nnen alle neu gegr�ndeten Throne durch Wahl aus ihrer Mitte besetzen, dagegen k�nnen die erblichen Throninhaber und Throninhaberinnen ihre vollen oder Theilnachfolger, wie ihre eigenen Gatten und Gattinnen nach Wahl sich aussuchen. Welche Aussichten er�ffnen sich da f�r V�ter und M�tter, f�r junge M�nner und junge M�dchen! Und welcher Ausblick f�r sch�ne, liebensw�rdige Frauen, deren Aussichten, einen Thron zu erobern, in unserer Zivilisation so geringe sind. Welche Mittel immer sie in Anwendung bringen, ein gestecktes Ziel zu erreichen: Unschuld, Talent, Sch�nheit, Liebensw�rdigkeit, Gef�lligkeit, alles ist ihnen erlaubt, sie schaden Niemand damit. Welch m�chtige Mittel, das Volk an die Gro�en zum Anschlu� zu bringen und alle Quellen des Hasses, der Feindseligkeit, der Mi�gunst zu verstopfen. �Zu diesen Anziehungs- und Auss�hnungsmitteln zwischen Hoch und Niedrig kommt in der Phalanx auch noch das Mittel der Vaterschaft, ein Thema, das etwas schwierig zu behandeln ist, weshalb es sich empfiehlt, die Thatsachen statt der Prinzipien sprechen zu lassen. Man vergesse nicht, da� in Folge der vern�nftigen und naturgem��en Lebensweise der Harmonisten auch die Langlebigkeit in der Phalanx herrscht; unter je zw�lf Personen giebt es _mindestens_ eine, welche ein Alter von 150 Jahren erreicht. Nehmen wir des Beispiels halber Einen dieser Aeltesten. Ithuriel, ein sehr reicher Mann, der 150 Jahre z�hlt, sieht auf sieben Generationen herab. Er hat 120 direkte Nachkommen, welche er in seinem Testament zu bedenken gewillt ist. Die n�chsten Nachkommen, ein Sohn und eine Tochter, welche schon reich sind, bedenkt er nur mit einem kleinen Theil seines Verm�gens, die n�chstfolgenden bedenkt er etwas mehr. Er giebt aber auch der sechsten und siebenten Generation erhebliche Antheile, damit sie nicht in Versuchung kommen, den Tod �lterer Verwandten zu w�nschen. Er verbraucht f�r diese Verm�chtnisse die H�lfte seines Verm�gens. Die anderen beiden Viertel legirt er dergestalt, da� ein Viertel auf hundert Adoptirte kommt, das andere Viertel an hundert Freunde und Seitenverwandte f�llt, darunter seine Frauen, die selbst reich sind und keiner gr��eren Erbschaften bed�rfen. Diese einzige Erbschaft umfa�t also direkt und indirekt einen gro�en Theil der Mitglieder der Phalanx. Da viele Frauen und M�nner in der gleichen Lage wie Ithuriel sind, werden sie in �hnlicher Weise testiren und es geht schlie�lich Niemand leer aus.� �Da kommt die Moral und predigt, wir sollten uns Alle als eine Familie von Br�dern und Schwestern betrachten. Leeres Geschw�tz. Kann Lazarus, ein armer junger Mann, den reichen Patriarchen Ithuriel als seinen Bruder betrachten? Wenn er in der Zivilisation auf ihn spekuliren wollte, bek�me er nichts. Aber in der Phalanx ist er vielleicht einer seiner entfernten Nachkommen, oder ein Seitenverwandter, oder einer der Adoptirten; sicher braucht er sich nicht wie sein Namensvetter in der Bibel mit den Brosamen zu begn�gen, die von der Reichen Tische fielen. Es giebt in der Phalanx f�r ihn eine Menge Gelegenheiten, zu Ansehen und Beliebtheit und damit unzweifelhaft auch zu Wohlhabenheit zu kommen. Schlie�lich ist in der Phalanx, wo die Arbeit Jedem sein Wohlsein garantirt, Niemand auf die Erbschaftslungerei angewiesen, wie dies in der Zivilisation so gew�hnlich ist, wo der Tod des Erblassers nicht erwartet werden kann. Und andererseits, wie darf ein Vater in der Zivilisation es wagen, auch den Gef�hlen der Philanthropie und der Freundschaft Rechnung zu tragen, ohne das Mi�fallen und selbst die Erbitterung seiner direkten Nachkommen zu erregen?� �In der soziet�ren Ordnung wird also auch die Frage gel�st, wie kann zwischen Testator und Erben ein Verh�ltni� hervorgerufen werden, das die Zuneigung der Erben dem Erblasser erh�lt, sie veranla�t, ihm die Verl�ngerung des Lebens zu w�nschen, dessen Ende heute in den meisten F�llen ungeduldig erwartet wird.� * * * * * Alle Schriftsteller, alte wie neuere, die sich bisher eingehend mit den sozialen Fragen besch�ftigten, konnten nicht umhin, auch die Bev�lkerungsfrage in den Kreis ihrer Er�rterungen zu ziehen, so auch Fourier. Fourier mu�te dies um so mehr, als er einen in's kleinste Detail ausgearbeiteten Organisationsplan f�r die ganze Erde entwarf, eine Organisation, welche die Grundlage f�r alle weitere Entwicklung der Menschheit bilden sollte. Wer so f�r die Zukunft sorgt, mu� auch die Bev�lkerungsfrage seiner Pr�fung unterziehen und eine L�sung f�r sie finden. Wie in allen �brigen Fragen, so geht auch hier Fourier seinen eigenen Weg. Seine Ansichten sind um so interessanter, als in der Zeit seines ersten schriftstellerischen Auftretens die Schrift von Malthus �ber die Bev�lkerungstheorie bereits erschienen war und pro und kontra in den interessirten Kreisen lebhaft er�rtert wurde. Malthus stellte, sich anlehnend an �ltere Schriftsteller, bekanntlich die Theorie auf, da� die Menschheit die Tendenz habe, sich in geometrischer Progression, also in dem Zahlenverh�ltni� 1, 2, 4, 8, 16, 32 u.s.w. zu vermehren, dagegen die Nahrungsmittel die Tendenz h�tten, sich in arithmetischer Progression zu vermehren 1, 2, 3, 4, 5 u.s.w. Aus diesen beiden sich widersprechenden Tendenzen folge, da� in kurzer Zeit -- Malthus setzte einen Zeitraum von 25 Jahren voraus, die gen�gten, um die Verdoppelung der Menschenzahl herbeizuf�hren -- die Erde so �berv�lkert sei, da� die Menschen an Nahrungsmangel zu Grunde gehen m��ten. Malthus betrachtete es als �g�ttliche Bestimmung�, da� Alle, die am Gastmahl des Lebens keinen Platz f�nden, zu verhungern h�tten; das sei der nat�rliche Lauf der Entwicklung, so nur werde Raum f�r die Nachkommenden geschaffen. Diese brutale Theorie, welche der herrschenden Klasse das Gewissen erleichterte, fand bei dem Einen ebenso lebhaften Anklang, als bei dem Andern Widerspruch. Man wandte ein, da� die Erfahrung die Theorie nicht rechtfertige, weder habe die Bev�lkerungszahl in dem angegebenen Ma�stab bisher sich vermehrt, noch sei nachzuweisen, da� die Vermehrung der Nahrungsmittel in den gezogenen Grenzen sich bewege. Trete �berhaupt einmal Ueberv�lkerung ein, dann geschehe es in einer f�r die jetzigen und die nachfolgenden Generationen so fernen Zeit, da� die Frage jedes akute Interesse verliere. U.s.w. Fourier fa�t die Frage an einem anderen Ende an. Zun�chst wirft er den Politikern und Oekonomen vor, da� sie durch ihre Inkonsequenzen und Unbesonnenheiten �berhaupt �bers�hen, das Verh�ltni� der Bev�lkerung als Konsumenten zu der Zahl der vorhandenen produktiven Kr�fte n�her zu bestimmen, da es darauf vor Allem ankomme. Er huldigt also dem Grundsatz, steigende Produktivkr�fte schaffen steigendes Produkt, beides steht im Verh�ltni� zueinander. �Vergebens werde die Zivilisation Mittel zu entdecken suchen, eine vier- selbst hundertfache Vermehrung des Produkts zu erzielen, wenn die Menschen verurtheilt seien, sich unter dem bisherigen sozialen Zustand zu vermehren, der in Folge un�konomischer Verwendung die Gesellschaft zwinge, best�ndig das drei- und vierfache Produkt aufzuh�ufen, um das gewohnte graduirte Auskommen der verschiedenen Klassen zu erm�glichen.� Zu allen Zeiten sei in der Zivilisation die Ausgleichung der Bev�lkerung im Verh�ltni� zu den Nahrungsmitteln eine der Klippen der Politik gewesen. Schon die Alten, die ringsum sich so viel unkultivirte Regionen liegen sahen, die der Kolonisirung f�hig waren, h�tten gegen die Ueberv�lkerung kein anderes Mittel als Aussetzung, Kindest�dtung, Erw�rgung der �bersch�ssigen Sklaven gehabt. �Darin zeichneten sich die tugendhaften Spartaner besonders aus. Die r�mischen B�rger, die so stolz auf den Namen freier M�nner, aber weit entfernt waren, gerechte M�nner zu sein, vergn�gten sich, ihre Sklaven in den Kampfspielen zu Grunde gehen zu sehen ... Neuerdings haben sich Stewart, Wallace und Malthus �ber die Frage ausgelassen. Stewart stellt die Frage, woher man auf einer Insel die Lebensmittel nehmen wolle, wenn die Bev�lkerung von 1000 auf 10.000 oder gar 20.000 sich vermehre, w�hrend die Insel gut kultivirt nur f�r 1000 Nahrung habe. Darauf hat man geantwortet: man m�sse alsdann den Ueberschu� fortsenden und anderw�rts weiter kolonisiren. Damit ist aber die Frage umgangen. Wie dann, wenn der ganze Globus so bev�lkert ist, da� f�r den Ueberschu� nichts mehr zu kolonisiren �brig bleibt? Man antwortete, und darin stimmen auch die Owenisten ein, da� die Erde noch nicht �berv�lkert sei und es noch wenigstens 300 Jahre dauere, ehe dieser Zeitpunkt komme. Das ist ein Irrthum, denn schon nach 150 Jahren ist die Erde �berv�lkert. Auf alle F�lle ist nach 150 oder 300 Jahren die Frage brennend und nicht gel�st, wenn man bei den jetzigen Anschauungen und Mitteln bleibt. Nun, die soziet�re Ordnung hat sehr wirksame Mittel, die Ueberv�lkerung zu verh�ten und sie auf dem rechten Stande zu erhalten. Es sind ungef�hr f�nf Milliarden, die ausk�mmlich existiren k�nnen, wenn der ganze Erdboden mit Phalanxen bedeckt ist und die von mir vorausgesehenen klimatischen Verbesserungen eintreten, im anderen Falle ern�hrt er nur drei Milliarden.� �Im soziet�ren Zustand stellt die Natur der exzessiven Vermehrung der Bev�lkerung vier wirksame D�mme entgegen: 1. die gr��ere Kraft und K�rperentwicklung der Frauen; 2. die �ppige Lebensweise; 3. die phanegoramischen Sitten; 4. die gleichm��ige k�rperliche Uebung aller Kr�fte. Was die gro�e K�rperentwicklung bewirkt, das sehen wir bei den starken Frauen in unseren St�dten; auf vier Frauen, die �berhaupt unfruchtbar sind, kommen drei robuste, wohingegen die zarten Frauen von der gr��ten Fruchtbarkeit sind. Man antwortet, da� die Frauen auf dem Lande meist robust und doch fruchtbar seien. Das ist richtig, aber das ist nur ein Beweis mehr, da� alle vier Mittel kombinirt angewendet und miteinander verkettet werden m�ssen. Die Frauen auf dem Lande sind fruchtbar, weil sie m��ig leben und eine grobe, haupts�chlich vegetabilische Nahrung zu sich nehmen. Die St�dterinnen leben �ppiger und raffinirter und daher kommt ihre gr��ere Unfruchtbarkeit. Verbindet sich nun in der Harmonie die k�rperliche Kraftentwicklung der Frauen mit �ppiger Lebensweise und Nahrung, so wird man zwei wirksame Mittel, die der Fruchtbarkeit entgegenwirken, verbunden haben.� Zu den phanegoramischen Mitteln �bergehend, l��t Fourier aus naheliegenden Gr�nden eine L�cke. Das vierte Mittel, die gleichm��ige k�rperliche Uebung, werde durch den h�ufigen Wechsel der Besch�ftigungen und die kurzen Arbeitssitzungen in hohem Ma�e bewirkt. Man habe nie beobachtet, wie auf Pubert�t und Fruchtbarkeit k�rperliche Uebungen einwirkten. Dies sei frappant. Daher erlangten unsere D�rflerinnen sp�ter die Geschlechtsreife als die St�dterinnen oder die reichen Landbewohnerinnen. Die Fruchtbarkeit sei den Einfl�ssen k�rperlicher Uebungen gleichfalls unterworfen. Seien die k�rperlichen Uebungen gleichm��ig und w�rden sie abwechselnd und proportionell auf alle Theile des K�rpers angewandt, so sei kein Zweifel, da� die Geschlechtsorgane sich sp�ter entwickelten. Das sehe man �berall, wo die Erziehung vorzugsweise auf die geistige und wo sie haupts�chlich auf die k�rperliche Entwicklung gerichtet werde. Kinder von hoher Geburt �bten den Geist mehr als den K�rper, daraus resultire, da� ihre geschlechtlichen Eigenschaften m�chtig angefeuert w�rden und fr�hzeitig sexuelle Eruptionen vorzeitige Geschlechtsreife erzeugten. In der Harmonie werde das Gegentheil eintreten. Die Harmonisten w�rden noch sp�ter als die heutigen Landbewohner ihre Geschlechtsreife erlangen, weil die fortgesetzten und abwechselnden k�rperlichen Uebungen alle Glieder in Anspruch n�hmen, lange Zeit die Lebenss�fte absorbirten; sie w�rden also den Augenblick verz�gern, wo in Folge ermangelnder Absorption der Ueberschu� der S�fte unvermuthet die Pubert�t vor dem von der Natur gewollten Zeitpunkt herbeif�hre. Ebenso w�rden die gleichm��ig gehandhabten gymnastischen Uebungen bei den Frauen die Fruchtbarkeit hemmen und zwar in solchem Ma�e, da� eine Frau, welche die Empf�ngni� w�nsche, sich nun umgekehrt durch Enthaltung k�rperlicher Uebungen und gr��erer industrieller Anstrengungen auf diesen Zustand vorbereiten m�sse. Die allzugro�e k�rperliche Ruhe in der Lebensweise der heutigen St�dterinnen sei es haupts�chlich, welche den Geschlechtstrieb und die Empf�nglichkeit steigerten, es fehle das Gegengewicht der k�rperlichen Anstrengungen und Uebungen. Wende man also die vier bezeichneten Mittel in Verbindung miteinander an, so w�rden die Chancen der Fruchtbarkeit im Gegensatz zu heute sich wenden und es sei statt eines Ueberschusses eher ein Defizit in der Bev�lkerungsentwicklung zu f�rchten, man werde mithin die Mittel anwenden, wie die Umst�nde sie erforderten. Man sei also in der Harmonie im Stande, ein Gleichgewicht zwischen der Menge der Lebensmittel und der Menschenzahl herbeizuf�hren. Der vern�nftige Mann habe nur so viel Kinder, da� er ihnen das n�thige Verm�gen sichern k�nne, ohne welches es kein Gl�ck gebe, nur der unvern�nftige setze die Kinder zu Dutzenden in die Welt, sich entschuldigend wie jener Schah von Persien: �Gott schickt sie und es kann nie zu viel rechtschaffene Menschen geben.� Der soziale Mensch sinke auf die Stufe der Insekten, wenn er ameisenartig Kinder zeuge, die schlie�lich in Folge ihrer Ueberzahl gen�thigt seien, sich gegenseitig aufzuzehren. Wenn sie dies nicht buchst�blich wie die Insekten, Fische, wilden Thiere machten, so zehrten sie sich politisch auf, durch R�ubereien, Kriege und Perfidien aller Art in der besten der Welten. Unter der Zivilisation werde ein Land, wie bev�lkert es auch sei, nie dazu gelangen, es wahrhaft zu kultiviren, das zeige sich an Frankreich, dessen Boden zu einem Drittel brach liege, an Irland, das zwar nicht das bev�lkertste Land, dessen Bev�lkerung aber die �rmste und verkommenste in Europa sei, trotzdem fruchtbares Land in H�lle und F�lle vorhanden sei. So zeige sich �berall, da� das Gleichgewicht auf umfassender Entwicklung und nicht auf Erstickung begr�ndet sein m�sse, da� alle Neigungen wie der Hang nach Reichthum, nach Befriedigung des Ehrgeizes, Herrschaftsgel�ste, Habsucht, Gier nach Erbschaft, Verlangen nach Befriedigung der Liebesbed�rfnisse und was sonst noch die Zivilisation Alles als Fehler und Uebel ansehe, welche die Natur des Menschen erzeuge, ohne sie befriedigen zu k�nnen, in der Harmonie eben so viel Wege der Tugend und des allgemeinen Gl�ckes w�rden. Das gen�ge wohl, um die sogenannten starken Geister, die stets behaupteten, da� die Bewegung und die Triebe nur Wirkungen des Zufalls seien, die man beliebig modeln und unterdr�cken k�nne, und die den Glauben erweckten, als bed�rfe Gott der Unterweisungen eines Plato und Seneka, um zu wissen, wie er die Welten zu schaffen und die Triebe in Harmonie zu leiten habe, zu verwirren. Unzweifelhaft liegt der Idee Fourier's in Bezug auf das Bev�lkerungsgesetz eine gro�artige und fruchtbare Auffassung zu Grunde. Er erkl�rt mit vollem Recht, da� die Zivilisation, in unserer Sprache ausgedr�ckt die b�rgerliche Gesellschaft, wie sie �berhaupt unf�hig ist, die sozialen Gegens�tze aufzuheben, auch unf�hig ist, die Bev�lkerungsfrage zu l�sen. Das zeigt sich nicht nur an dem auch von Fourier angef�hrten klassischen Beispiel, an Irland, dessen Bev�lkerung in demselben Ma�e �rmer wird, als sie an Zahl im Lande abnimmt, w�hrend die Zahl der unter den Pflug genommenen Acker Landes und die H�upterzahl der Viehherden w�chst; wir sehen ganz Aehnliches gegenw�rtig auch in Ungarn und in Ru�land sich vollziehen, wo die b�rgerliche Raubwirthschaft an Grund und Boden die Massenverarmung, die steigende Verschuldung und die Verminderung der ackerbautreibenden Bev�lkerung, verbunden mit Massenbankerotten im Gefolge hat. Und geht die Entwicklung in der gegenw�rtigen Richtung noch einige Jahrzehnte weiter, so werden die Vereinigten Staaten, Ostindien und Neuholland dasselbe Bild uns bieten. Die Raubwirthschaft an Grund und Boden beg�nstigt die treibhausm��ige Entwicklung der Industrie und des Verkehrs, und so erzeugt, wie Fourier vollkommen richtig und seiner Zeit weit vorauseilend ausf�hrte, �_die Zivilisation die Armuth aus dem Ueberflu�_,� und macht �jedes Uebel und jedes Laster, das die Barbarei nur auf einfache Weise aus�bt, zu einem doppelseitigen,� sie geht an ihrem �cercle vicieux�, an ihren inneren Widerspr�chen zu Grunde. Was Fourier vorausahnend in Bezug auf das Bev�lkerungsgesetz zu begr�nden versuchte, hat Karl Marx positiv in den Satz formulirt: da� jede �konomische Entwicklungsperiode auch ihr besonderes, ihr eigenth�mliches Bev�lkerungsgesetz hat. In der That wird Niemand, der die gesellschaftliche Entwicklung in ihren verschiedenen Entwicklungsphasen einigerma�en verfolgte -- Wildheit, Barbarei, Patriarchat, Zivilisation, und hier wieder antiker, feudaler, b�rgerlicher Staat -- bestreiten k�nnen, da� die jeweilige Entwicklung der Eigenthumsformen, der materiellen Lebensbedingungen der Gesellschaft, auch in jeder Periode entsprechende Bev�lkerungszust�nde schaffte. So wird auch eine sozialistische Gesellschaft mit von Grund aus ver�nderter materieller Lage f�r die Gesammtheit und mit ihren Ver�nderungen in den Beziehungen der Geschlechter ein von der b�rgerlichen Gesellschaft abweichendes Bev�lkerungsgesetz f�r ihre Entwicklung haben. Der Unterschied wird haupts�chlich sein, da�, w�hrend bisher alle Gesellschaftsordnungen sich ihre Lebensbedingungen schufen, ihrer eignen treibenden Gesetze unbewu�t, aber auch die Bedingungen ihres Untergangs unbewu�t erzeugten, eine sozialistische Gesellschaft sowohl ihr Entwicklungsgesetz wie ihr Bev�lkerungsgesetz erkennt und beide bewu�t anwenden wird; sie wird sich �ber ihre eigene Zukunft ebensowenig wie �ber den einstmaligen Untergang des Menschengeschlechts t�uschen. * * * * * Nach Fourier's Auffassung ist die Welt einheitlich organisirt, Alles verbunden und in Beziehungen zu einander. Der Sch�pfer dieser Welt ist Gott, aber der eigentliche Mittelpunkt derselben ist der Mensch. Zwischen Gott und dem Menschen bestehen die innigsten Wechselbeziehungen, und will der Mensch das Gl�ck, das seine Bestimmung ist, erreichen, mu� er Gott als den obersten Leiter der Welt anerkennen. Diese Erkenntni� hat man aber von Alters her zu verhindern gesucht. Man hatte sich gew�hnt, die Welt mit 35.000 G�ttern zu bev�lkern, statt den einen Gott anzuerkennen. Das war eine himmlische Maskerade, unter welcher es schwierig war, die wahren Absichten Gottes zu entschleiern. Selbst Sokrates und Cicero beschr�nkten sich darauf, sich in ihrem Jahrhundert von diesen G�ttersottisen zu isoliren und den �unbekannten Gott� zu verherrlichen, ohne weitere Untersuchungen anzustellen, die dem Geist der Zeit entgegen waren. Sokrates ward ein Opfer seiner Bekenntnisse. Heute, nachdem der Christianismus uns zu gesunden Ideen wieder zur�ckgef�hrt, zu dem Glauben an einen einzigen Gott, seien jene Superstitionen zerst�rt. Die menschliche Vernunft m�sse anerkennen, da� alle Erleuchtung von Gott komme, sie m�sse sich seinem Geist unterwerfen, und also bleibe nur �brig zu bestimmen, welch wesentliche Charaktereigenschaften, Attribute, Ansichten und Methoden Gott in Bezug auf die Harmonie des Weltalls habe. Die Antwort auf die Frage Feuerbach's: �Wer hat Gott geschaffen?�, Antwort: �der Mensch�, trifft schlagend hier bei Fourier zu, der sich seinen Gott konstruirt, wie er ihn f�r sein soziales System braucht. Dieser sein Gott hat f�nf wesentliche Eigenschaften, die ihn zu der ihm zugedachten Stelle bef�higen. Er ist alleiniger und vollkommener Leiter aller Bewegung im Weltall; denn, sagt Fourier, wenn Gott, dieser oberste Leiter, der alleinige Herr des Universums, der Sch�pfer und Vertheiler von und f�r Alles ist, so hat er auch alle Theile des Weltalls zu lenken und besonders die _wichtigsten_, die sozialen Beziehungen. Also ist er der soziale Gesetzgeber und nicht die Menschen. Letztere haben nur das soziale Gesetz zu suchen, das Gott ihnen bestimmte. Da erhebe nun die Philosophie ihr Geschrei und setze sich, d.h. also die menschliche Vernunft, an die erste, und Gott an die zweite Stelle. Das bedeute, da� sie Gott von der Pr�rogative der Gesetzgebung in Sachen der sozialen Ordnung ausschlie�e und sich an seine Stelle setze. Wem leuchte nicht diese Anma�ung ein? Eine zweite Haupteigenschaft Gottes sei, oberster Oekonom aller H�lfsmittel zu sein. Diese Stellung erfordere, da� er die gr��ten soziet�ren Vereinigungen den kleinsten, wie der Familie und der isolirten Privatwirthschaft vorziehe, da� er ferner als Motor die Anziehung der Triebe anwende, welche zw�lf gro�e Ersparungen im Vergleich zu dem Regime der Einschr�nkung und des Zwangs, wie es die Zivilisation besitze, erm�gliche. Diese zw�lf Ersparungen z�hlt er auf. Die dritte Haupteigenschaft Gottes bilde die distributive Gerechtigkeit. Davon sehe man nicht einmal einen Schatten in der Zivilisation, _wo das Elend der V�lker in demselben Ma�e wachse, wie die Industrie zunehme_. Das erste Zeichen von Gerechtigkeit in der Zivilisation solle ein dem Volk garantirtes Minimum des Lebensunterhaltes sein. Aber statt dessen sehe man das Gegentheil. Der Handelsgeist f�hre dahin, die hei�e Zone mit ihren den Heimathl�ndern entrissenen schwarzen Sklaven, die gem��igte Zone mit wei�en Sklaven zu bedecken, die man in die industriellen Bagnos (die Fabriken) zwinge. Wo sei auch nur ein Funke von Gerechtigkeit vorhanden, wenn trotz des Wachsthums der Industrie den Armen nicht einmal die M�glichkeit, Arbeit zu erhalten, garantirt sei? Wo diese Zust�nde hintrieben, sehe man an England. Die distributive Gerechtigkeit, die Gott wolle, gebe es nur in der Harmonie. Die vierte Haupteigenschaft Gottes sei die Allgemeinheit der Vorsehung. Sie m�sse sich auf alle V�lker, Wilde wie Zivilisirte, ausdehnen. Da nun die Annahme unserer sozialen Ordnung von Wilden und Barbaren verweigert werde, so sei dies ein Beweis, da� diese Ordnung nicht den Ansichten Gottes entspreche, welcher ein System wolle, das die Harmonie unter allen Menschen herstelle. Jede Ordnung aber, die auf Gewalt beruhe, widerspreche der menschlichen Natur. Jede Klasse, die wie die Sklaven, durch das heutige System direkt, oder wie die Arbeiter indirekt unterdr�ckt w�rde, sei der St�tze der Vorsehung beraubt, die auf der Erde durch die Anziehung der Triebe in den industriellen Anwendungen allein zur Geltung komme. Jeder Zustand, der auf der Gewalt beruhe, sei den Ansichten Gottes entgegen, es m�sse also eine soziale Ordnung hergestellt werden, vor der alle V�lker und alle Klassen sich neigten, wenn die Vorsehung universell sein solle. Endlich, die f�nfte Haupteigenschaft Gottes sei, als Sch�pfer des Weltalls auch die Einheitlichkeit des Systems zu wollen, welche die Anwendung der Anziehung als Triebfeder f�r alle sozialen Harmonien und alle Welten voraussetze, von den Sternen bis zu den Insekten. Es sei also das Studium der Anziehung, in dem man das g�ttliche, das ganze All beherrschende Gesetz zu suchen habe. Weder Voltaire noch Rousseau seien im Stande gewesen, dieses soziale Gesetz zu entdecken; Voltaire habe in Gasconaden (prahlerischen Redensarten) sich ergangen, Rousseau habe dem philosophischen Obskurantismus die Wege gebahnt, Beide h�tten das Ziel verfehlt. Fourier greift also direkt die beiden Heiligen der franz�sischen Bourgeoisie an: Voltaire, der die Macht des Klerus und der Kirche wie kein Zweiter untergrub und ersch�tterte, und Rousseau, der das sozial-philosophische Lehrgeb�ude errichtete, dessen Theorien das franz�sische B�rgerthum in der gro�en Revolution in die Praxis umzusetzen versuchte und, soweit auch wirklich umsetzte, als dies die Praxis des Lebens, d.h. die materiellen Interessen der nunmehr in Staat und Gesellschaft zur Herrschaft gekommenen Klasse zulie�en. In der Selbstt�uschung befangen, nagelte man als Firmenschild die Devise: Freiheit, Gleichheit, Br�derlichkeit an, jene Devise, die in so grellem Kontrast zur Wirklichkeit stand und deren unbegreiflicher Widerspruch mit den Thatsachen die K�mpfe in der Konstituante und im Konvent hervorriefen, die Schreckensherrschaft der �Tugendhaftesten�, der blindesten Verehrer Jean Jacques Rousseau's, der Robespierre, St. Just und Genossen gebaren und schlie�lich mit der Diktatur eines Napoleon Bonaparte endeten und enden mu�ten. Diesen Widerspruch zwischen den Theorien und der Praxis hatte Fourier so scharf wie nur noch Einer, St. Simon, erkannt und daher seine Angriffe und sein �tzender Spott gegen die Philosophen, die Moralisten, die Metaphysiker, die Politiker und Oekonomen, die geistigen Tr�ger und Lobredner, die Ideologen des b�rgerlichen Systems. Wie nun Fourier das Bed�rfni� empfand, sein soziales System als mit den Absichten Gottes in Einklang stehend darzustellen, sich selbst als den Propheten der neuen von Gott gewollten Ordnung anzusehen, so versuchte er auch den Nachweis, da� seine Theorien mit der Lehre Jesu, den Schriften des Neuen Testaments im Einklang st�nden. Nach der Revolution war man in Frankreich wieder sehr fromm geworden, Napoleon hatte sich schlie�lich mit dem Papstthum ausges�hnt und es als Vorspann f�r seine Kaiserherrlichkeit zu benutzen versucht. Der Weizen der Kirche bl�hte erst recht, als nach dem Sturze Bonaparte's die Restauration, gest�tzt auf die Bajonette der heiligen Allianz, in Frankreich ihren Einzug hielt. Es konnte also die Berufung auf die Ausspr�che Christi unter keinen Umst�nden schaden, namentlich wenn man, wie Fourier, entschlossen war, die Unterst�tzung f�r sein soziales System zu nehmen, wo man sie fand, und die er, wenn �berhaupt, nur in den Kreisen der Gro�en und Reichen finden konnte. Er war daher sehr �rgerlich und sogar �berrascht -- letzteres ein Beweis daf�r, da� Ueberzeugung und nicht blos Berechnung im Spiele war -- als er erfuhr, da� der Papst seine Werke gleich denen von Owen und Lamartine auf den Index gesetzt habe. Er, der scharfsinnige Denker, konnte nicht fassen, da� der Gott, dem er huldigte, der Sch�tzer und Beg�nstiger aller sinnlichen Triebe, dessen Kredo lautete: �Mensch genie�e, und je mehr du genie�est, um so besser entsprichst du dir selbst als Mensch, deiner menschlichen Bestimmung und Gott als deinem Sch�pfer,� wir sagen, er konnte nicht fassen, da� dieser Gott ein ganz anderer Gott war, als jener der christlichen Askese, der die Verachtung des Reichthums, der irdischen G�ter, der fleischlichen Gen�sse und Begierden, kurz die Verachtung der Welt predigte. Fourier legte ein besonderes Gewicht darauf, wie er in seinen Schriften nachdr�cklich und wiederholt hervorhebt, in Sachen der Wissenschaft mit Newton, in Sachen seiner sozialen Theorien mit Christus �bereinzustimmen. Indem er sich auf die Ausspr�che Jesu im Neuen Testamente st�tzt, bricht um so heftiger sein Zorn gegen die Philosophen los, die, wie er voraussetzt, aus niedrigen, egoistischen Motiven und verletzter Eitelkeit ihn bek�mpfen, da� er, der Mann ohne Rang und Namen, der keine wissenschaftlichen Schulstudien absolvirt, eine Entdeckung gemacht habe, die bestimmt sei, das Schicksal des Menschengeschlechts und das Aussehen des Erdballs zu ver�ndern. Wie er die Ausspr�che Jesu zu seinen Gunsten und zugleich zu Angriffen auf seine ihm verha�testen Gegner zu verwenden sucht, daf�r m�gen die folgenden Beispiele zeugen: �'Gl�cklich die Armen am Geist, denn das himmlische K�nigreich ist ihnen.' Kein Gleichni� ist bekannter, keins weniger begriffen. Wer sind die Armen am Geiste, die Christus hier r�hmt? Es sind Diejenigen, die sich vor dem falschen Wissen der zweifelhaften Philosophie bewahren. Dieses falsche Wissen ist f�r das Genie die Klippe, der Weg zum Ruin, der es von dem rechten Wege, der zu allen n�tzlichen Studien f�hrt, aus denen die soziet�re Harmonie, das himmlische K�nigreich und die Gerechtigkeit, die Jesus zu suchen befiehlt, hervorgehen, ablenkt. Vor dem Mi�brauch unseres Geistes, vor dem Labyrinth dieser durch ihre eigenen Autoren verurtheilten Philosophie, die wie Voltaire zu ihrer eigenen Schmach sagen: Oh! welch dicke Finsterni� bedeckt noch die Natur! mu� man uns sch�tzen. Die wahre Erleuchtung bringt Jesus. Die Entdeckung des soziet�ren Mechanismus und des Studiums der Anziehung ist den geraden Geistern vorbehalten, welche die Sophismen verabscheuen. Sagt doch Jesus (Matth. XI, 25): 'Ich preise Dich Vater und Herr des Himmels und der Erde, da� Du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unm�ndigen geoffenbaret.' Die Erkenntni� ist also den einfachen Geistern bewahrt, die Philosophen k�nnen sie nicht entdecken. Indem Jesus von den Armen am Geiste spricht, will er der Unwissenheit kein Lob zollen, wie die Sp�tter ihm unterschieben, er bezeugt damit nur seine Verachtung f�r die hartn�ckig gepredigten wissenschaftlichen Dunkelheiten.� �Die soziale Welt kann das Geheimni� der Bestimmungen nur erfassen, wenn sie darauf hin ihre Untersuchungen macht, aber die Erkenntni� wird ihr vorenthalten sein, so lange sie nicht sucht. Das sagt Jesus deutlich, indem er spricht (St. Luc. XI): 'Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgethan' und (St. Luc. XII): 'Glaubt ihr, da� Gott f�r euch weniger als f�r die V�gel unter dem Himmel sorgt?' Was w�rde das Suchen n�tzen, wenn man keinen anderen Ausgang f�nde, als die Zivilisation, diesen Abgrund von Elend, der immer dieselben Gei�eln, nur unter wechselnden Formen, erzeugt? Zweifellos bleibt also eine gl�cklichere Gesellschaft zu entdecken �brig, wenn der Retter uns selbst zum Suchen auffordert. Aber warum hat er nicht selbst uns �ber diese aufgekl�rt? Kannte er nach seinen eigenen Worten, Vergangenheit und Zukunft, das Ganze der Bestimmungen, indem er sagt: 'Mein Vater hat alles in meine H�nde gegeben', konnte er uns da nicht �ber unsere soziet�re Bestimmung belehren, anstatt uns zu veranlassen, die Entdeckung zu machen, die dann durch unser blindes Vertrauen in die Philosophen so viele Jahrhunderte verz�gert wurde?� Fourier, der diese Fragen stellt, ist nat�rlich um die Antwort nicht verlegen, er antwortet: �Da Jesus von seinem Vater mit der religi�sen Offenbarung beauftragt war, konnte er nicht noch mit der sozialen belastet werden, sie war vielmehr ausdr�cklich ausgenommen, wie er selbst in den Worten ausspricht: 'Gebt C�sar, was des C�sars ist, und Gott, was Gottes ist.' Er trennte also die Funktionen streng, je nachdem sie der Autorit�t oder der sozialen Politik zufielen. Er that also nicht, was nicht seine Aufgabe war, aber er kannte die gl�ckliche Bestimmung des Menschengeschlechts, denn er sagt: 'Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, da� er die Welt richte, sondern da� die Welt durch ihn selig werde.' Seine Mission beschr�nkte sich auf das Wohl der Seelen und das ist der edelste Theil unserer Bestimmung, dagegen bleibt der untergeordnete Theil, der �ber das politische Wohl der Gesellschaften, der menschlichen Vernunft vorbehalten, und demzufolge auch die Untersuchung des sozialen Mechanismus nach den W�nschen Gottes; ein Weg, welcher durch die Berechnung der Anziehung entdeckt wurde.� �Jesus liebt es, sich in Anspielungen auf unsere gl�ckliche Bestimmung zu ergehen und auf das, was uns bevorsteht; so sagt er uns im Wesentlichen: Das Wohl der Seelen geht allem voran, was die K�rper, die weltlichen Gesellschaften betrifft, sie sind noch im Abgrund der Ungerechtigkeit, genannt Zivilisation; lasset sie darin; es ist eure Aufgabe, den Zankapfel unter sie zu tragen: 'Denn von nun an werden f�nf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei und zwei wider drei. Es wird der Vater wider den Sohn und der Sohn wider den Vater sein; die Mutter wider die Tochter und die Tochter wider die Mutter etc.' Gen�thigt, auch den Ausgang aus dieser sozialen H�lle zu verheimlichen, 'bin ich gekommen, ein Feuer auf Erden anzuz�nden; was wollte ich lieber, denn es brennte schon.' (St. Luc. XII.) Dieser Wunsch Jesu, da� es schon brenne, ist weit entfernt, ein �belwollender zu sein, es spricht vielmehr aus ihm die edle Ungeduld, das Ma� der Irrth�mer der Philosophie gef�llt zu sehen, jener Philosophie, die alle Uebel, die sie zu heilen vorgiebt, verschlimmert und durch das blinde Vertrauen, das wir in sie gesetzt, uns schmachvoll zwingt, den Ausgang aus dem politischen Labyrinth, in das sie uns gef�hrt, zu suchen. Darum erhebt er auch mit W�rme gegen die Sophisten, die uns vom rechten Studium abwenden wollen, seine Stimme, indem er sie verfluchend sagt: 'Wehe euch Schriftgelehrten und Pharis�er, ihr Heuchler, da� ihr seid, wie die verdeckten Todtengr�ber, dar�ber die Leute laufen, und kennen sie nicht. Wehe euch Schriftgelehrten, die ihr die Menschen mit unertr�glichen Lasten beladet und r�hret sie nicht mit einem Finger an. Wehe euch, die ihr den Schl�ssel der Erkenntni� weggenommen habt; ihr kommt nicht hinein, und wehret denen, so hinein wollen.' (St. Luc. XI.) Ja die Philosophen wehren uns den Eintritt, indem sie sich bem�hen, mit metaphysischen Subtilit�ten das Studium des Menschen zu verbarrikadiren, das einfachste Studium von allen, das nichts als eine von Vorurtheilen freie Vernunft erfordert, vertrauend der Anziehung wie die Kinder. Darum sagt auch Jesu: 'La�t die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich Gottes.' Und: 'Wer das Reich Gottes nicht empf�ngt wie ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen.'� Das gr��te Hinderni�, da� die Philosophen nicht den rechten Weg f�r ihre Studien einschlugen, sei ihr Egoismus, den sie unter der Maske der Philanthropie versteckten, darum ruft ihnen Jesu mit Heftigkeit zu: 'Ihr, die ihr b�se seid von Jugend auf, k�nnt ihr sagen, da� ihr irgend etwas Gutes thatet?' Und: 'Wehe euch Schriftgelehrten und Pharis�ern, ihr Heuchler, die ihr gleich seid �bert�nchten Gr�bern, die auswendig h�bsch scheinen, aber inwendig voller Todtenbeine und Unflaths sind. Von au�en scheint ihr den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.' Der niedrigste Egoismus habe die Philosophie auch verhindert, dem Volke das einfachste und nat�rlichste Recht, das Recht auf ein Minimum des Lebensunterhalts, zuzusprechen, ein Minimum, das Christus den Pharis�ern gegen�ber ausdr�cklich in den Worten anerkannt habe: 'Habt ihr nie gelesen, was David that, da es ihm noth war, und ihn hungerte, sammt denen, die bei ihm waren? Wie er in das Haus Gottes ging, zur Zeit Obadja's, des Hohenpriesters, und a� die Schaubrote, die Niemand durfte essen, denn die Priester; und er gab sie auch denen, die bei ihm waren?' _Jesus hat also damit das Recht, zu nehmen, wo man das Nothwendige findet, geheiligt, und dieses Recht schlie�t implizite die Pflicht ein, dem Volk ein Minimum zu sichern_; so lange diese Pflicht nicht anerkannt wird, besteht f�r das Volk der soziale Vertrag nicht. Das ist das erste Gebot der christlichen Liebe. Die Philosophie weigert sich hartn�ckig, dieses Recht zu lehren, einfach, weil sie nicht wei�, durch welche Mittel sie es dem Volk verschaffen soll, das ist freilich auch unm�glich, so lange man nicht wei� die Zivilisation zu einer h�heren Gesellschaftsordnung zu erheben.� Fourier sieht aber nicht blos sein System an und f�r sich durch die Ausspr�che Jesu als sicher in Aussicht gestellt, er findet sogar einige seiner Haupttheorien durch sie gerechtfertigt, so die Anerkennung der Gourmandise und die Nachsicht gegen die armen S�nderinnen, die unter der Herrschaft der Zivilisation ihrem Liebes- und Lebenstrieb nur in der Form der Prostitution Rechnung zu tragen verm�gen. Er (Fourier) f�hrt Folgendes an: �Auf den Vorwurf der Juden, die Jesu vorwerfen, gute Mahlzeiten zu lieben, antwortete er: 'Johannes der T�ufer ist gekommen und a� kein Brot und trank keinen Wein; da sagtet ihr: Er hat den Teufel. Des Menschen Sohn ist gekommen, isset und trinket, da saget ihr: Siehe der Mensch ist ein Fresser und Weins�ufer, der Z�llner und S�nder Freund.' Und er antwortet weiter: 'Die Weisheit wird gerechtfertigt sein von allen ihren Kindern.' (St. Luc. VII.) Jesus beurtheilte also die Weisheit als sehr vertr�glich mit den Gen�ssen. Und um dem vorgef�hrten Beispiel zu entsprechen, setzt er sich an die reich bedeckte Tafel eines Pharis�ers, der ihn eingeladen hatte. Da kommt eine Kourtisane, w�scht ihm die F��e und salbt ihn mit wohlriechender Salbe. Der Pharis�er h�lt sich dar�ber auf, da� er sich von einem solchen Weibe das gefallen lasse. Jesus aber antwortete ihm: �Ihr sind viele S�nden vergeben, denn sie hat viel geliebt; welchem aber wenig vergeben wird, der hat wenig geliebt.� Voll Mitleid f�r das unterdr�ckte Geschlecht, verzeiht er der S�nderin und der Ehebrecherin Magdalena. Auch sagt er uns: �Mein Joch ist s�� und meine Last leicht.� �Christus will also, da� man weder Feind des Reichthums noch der Vergn�gungen sei, er fordert nur, da� man mit dem Genie�en des Guten den Glauben verbinde, weil es der Glaube ist, der uns zur Entdeckung des soziet�ren Regimes, des himmlischen K�nigreichs f�hrt, 'wo alle G�ter im Ueberma� vorhanden sein werden'. (St. Luc. XII.) Den Reichthum tadelt er nur r�cksichtlich der Laster, zu denen er in der Zivilisation verf�hrt, weshalb er sagt: �Es ist leichter, da� ein Kameel durch ein Nadel�hr geht, als da� ein Reicher in's Himmelreich kommt.'� Aus alledem gehe hervor, meint Fourier weiter, da� man die Worte Jesu erst dann richtig fassen k�nne, wenn man die Bestimmung der Menschheit kenne, denn hierf�r enthielten sie die verschleierten Vorhersagungen. Wohl beachten m�ge man, was Jesus gegen die Sophisten sage, wenn er diesen zurufe: �Sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie rei�ende W�lfe. An ihren Fr�chten sollt ihr sie erkennen. Kann man Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln?� (Matth. VII.) Man m��te nach alledem fragen, wie es komme, da� die Kirche, die doch sehr bedeutende M�nner, wie Bossuet, Fenelon und viele Andere gehabt habe, zu keinem Zweig des Studiums der Anziehung gekommen sei; aber da hei�e es von ihr wie im Kap. XXIII von Matth.: �Sie sagen wohl, was man thun soll, aber sie thun es nicht.� Er greift dann auf's Neue die Philosophen, namentlich Voltaire und Rousseau an, und wendet sich wiederholt gegen Owen und seine Anh�nger, jene Sektirer, die unter dem Namen der Assoziation anti-soziet�re Vereinigungen bildeten und die Methoden, durch die allein die Uebereinstimmung der Triebe und die Anziehung der Arbeit erzeugt werden k�nne, zur�ckwiesen. Au�erdem, was k�nne man von einer Sekte, wie die Owen'sche, erwarten, die darauf ausgehe, Gott zu leugnen und ihm die Huldigung zu verweigern? Owen habe es sorgf�ltig vermieden, seine Assoziation auf der Grundlage des soziet�ren Regimes zu begr�nden, das habe seinen Stolz verwundet. Owen sei nur ein mittelm��iger Sophist, welcher G. Penn (den Gr�nder der Sekte der Qu�ker) kopirt habe. Darauf wendet sich Fourier gegen den Widerstand, den er mit seinen Theorien in Paris gefunden. Es scheine, da� das neunzehnte Jahrhundert dasselbe Schauspiel bieten wolle, das die Zeitalter eines Kolumbus und Galilei der Nachwelt geboten; allen voran gehe Paris, in welchem der satanische Geist, der Geist des f�nfzehnten Jahrhunderts, noch heute herrsche. Paris sei das moderne Babylon und von ihm gelte, was Jesu �ber Jerusalem ausgerufen: �Jerusalem! Jerusalem! die du t�dtest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt wurden.� Seine Gelehrten seien eine Legion von Eiferern, die Jesu kennzeichnete, als er sagte: �Wehe euch Schriftgelehrten und Pharis�ern, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gr�ber bauet, und schm�cket der Gerechten Gr�ber. Und sprecht: W�ren wir zu unserer V�ter Zeiten gewesen, so wollten wir nicht theilhaftig sein, mit ihnen an der Propheten Blut.� Was seien die Unternehmungen der Zivilisirten? Nichts als Verfeinerungen der Barbarei, indem man vermittelst der Reduktion der L�hne den V�lkern die Eisen verniete, und durch Einschlie�ung der armen Klasse in die modernen Bagnos, Manufakturen genannt, ihnen weder Wohlsein noch R�ckkehr gestatte. Diese merkantilen Bedr�ckungen seien durch Jesu wie die Kirchenv�ter gen�gend gekennzeichnet. Chrisostomus erkl�re: �ein Kaufmann kann Gott nicht angenehm sein�, und Christus habe sie mit Ruthenhieben aus dem Tempel getrieben, ihnen zurufend: �Ihr habt mein Haus zu einer Diebsh�hle gemacht.� Endlich sende die Vorsehung einen F�hrer, welcher die schwachen Seiten der merkantilen Hydra zu fassen wisse, und der, indem er das wahre und allein heilbringende soziale System inaugurire, die Welt von dem goldenen Kalb, �dem w�rdigen Ideal einer blinden Sekte, die Blinde f�hrt�, befreie. So wird also Fourier in seinen eigenen Augen zu einem von Gott gesandten Erl�ser der Welt von den sozialen Uebeln, wie Christus, seiner Lehre gem��, der Erl�ser aus geistiger Knechtschaft war. Die Utopisten und die Propheten rangiren in derselben Klasse, beide glauben an die Unfehlbarkeit ihrer Lehren, d.h. also an ihre eigene Unfehlbarkeit. Und dieser Glaube, �der Berge versetzt�, macht die Ausdauer und die Hartn�ckigkeit begreiflich, womit sie allen Hindernissen trotzen, allen Einw�rfen begegnen, und wenn die Umst�nde es erfordern, freudig zum M�rtyrer ihrer Ueberzeugungen werden. Indem Fourier die geistige Macht der herrschenden Klassen auf's wuchtigste angriff, die erfahrungsgem�� und selbstverst�ndlich sich auch mit seinem System nicht befreundet und es bek�mpft haben w�rden, wenn er in seiner Kritik weniger scharf und bitter, in seinen Angriffen ma�voller und wenn er sein System mehr mit den herrschenden Zust�nden in Einklang gebracht haben w�rde, suchte er in den Ausspr�chen Jesu sich eine Waffe und eine St�tze zu schaffen. Das Priesterthum war trotz Allem, was die Revolution Uebles f�r es gebracht hatte, in Frankreich noch eine bedeutende Macht, weil die herrschenden Klassen sehr rasch erkannten, da� wenn sie seine Macht beseitigten, sie einen der Aeste abs�gten, auf denen sie selber sa�en. Die einfache Klugheit gebot ihnen, sich mit der Kirche zu rangiren, und wer, wie Fourier, mit dem Bestehenden rechnete, und dies zur Basis seines Systems in so fern nahm, als er an die Einsicht und die H�lfe der oberen Klassen appellirte und sie in erster Linie, ja ausschlie�lich, zur Inangriffnahme einer Versuchsphalanx, die dann durch ihre Resultate unfehlbar seinem System zum Siege verhelfen w�rde, aufforderte, der mu�te auch dem religi�sen Kultus Rechnung tragen. So handelte also Fourier vollkommen logisch. Er that, was allen sozialen Neuerer das ganze Mittelalter hindurch auch gethan hatten. Allerdings ist er mit Jenen nicht in Vergleich zu stellen; er ragt eben so weit �ber sie hinaus, als ein genial angelegter Geist zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts �ber einen fanatischen M�nch des zw�lften oder sechszehnten Jahrhunderts, dessen Hauptwissen in der Kenntni� der Bibel und den Schriften der Kirchenv�ter bestand, hinaus ragen konnte. Fourier ist, neben St. Simon, der letzte der Utopisten, dessen System sich auf die religi�sen Lehren der herrschenden Kirche zu st�tzen versuchte, sie wenigstens als Anh�ngsel benutzte. Wohingegen alle sozialen Bewegungen des Mittelalters einen rein religi�sen Charakter annahmen, und zwar so sehr, da� die meisten Geschichtsschreiber _nur_ den religi�sen Charakter der Bewegungen sahen, den sozialen -- der mehr oder weniger auf einem rohen, auf die entsprechenden Ausspr�che des Alten und Neuen Testaments gest�tzten Kommunismus beruhte -- aber g�nzlich �bersahen. Unter dem geistigen Druck der Kirche und bei der Beschr�nktheit der Geister war im Mittelalter keine soziale Bewegung ohne ausgepr�gt religi�sen Charakter denkbar. Was im Mittelalter Hauptsache war, wurde nat�rlich bei einem Fourier zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts mehr Nebensache, es war eine Waffe und eine St�tze, die er glaubte nicht entbehren zu k�nnen. So erkl�rt sich die sehr gezwungene Auslegung, die er den meisten der zitirten Stellen geben mu�te, wobei wir keineswegs behaupten, da� er sich dieses Zwangs bewu�t war. Es ist selbst f�r m��ig begabte Kritiker, die in einer sp�teren, aufgekl�rteren und klarer sehenden Zeit leben, leicht, die M�ngel in den Systemen und Lehren vorangegangener bedeutender Geister scharf zu erkennen, aber daraus zu schlie�en, da� das, was sie erkannten, auch Jene leicht erkennen mu�ten, ist falsch. Andererseits l��t sich nicht leicht nachweisen, wo bei vorhandenen Widerspr�chen eines Menschen die Ueberzeugung aufh�rt und die sog. Klugheit, Rechnungstr�gerei oder gar der beabsichtigte Betrug beginnt. Der Beweis f�r Letzteres wird leicht zu f�hren sein, wo offenbare, grobe und direkte Widerspr�che vorliegen, bei Fourier wird man diese nicht leicht nachweisen k�nnen. Sein System ist ein streng geschlossenes und gegliedertes System mit allen Vorz�gen und Schw�chen. Ein System, das in seiner Geschlossenheit selbst den Keim einer Religion enth�lt, weshalb nur eine Schule, keine Partei sich aus ihm entwickelte. Man kann eben so gut von einer Fourier'schen Sekte sprechen, wie Fourier selbst, und stets mit gro�er Geringsch�tzung, von einer Owen'schen oder St. Simonistischen Sekte sprach. * * * * * Glaubte Fourier durch die auszugsweise mitgetheilten Ausspr�che den Beweis gef�hrt zu haben, da� Jesus und das Neue Testament f�r seine Theorien spr�chen, so geht er nunmehr dazu �ber, auch den Gegenbeweis zu Gunsten seiner Lehre zu erbringen, d.h. er sucht nachzuweisen, in welcher Unwissenheit sich die Modernen �ber Charakter, Eigenschaften, Gang und Ende der Zivilisation bef�nden, von der sie immer noch leichtgl�ubig genug die Vervollkommnung hofften. Er versucht ferner nachzuweisen, welche Wege sie betreten m��ten, um allm�lig in die sechste Entwicklungsperiode, die des Garantismus, zu gelangen. Da� die Zivilisation �berhaupt sich zu vervollkommnen suche, zeige das unbewu�te Streben, �ber sich selbst hinaus zu gehen, sich zu Garantien zu erheben, von denen einige St�ckchen verwirklicht zu haben sie sich einbilde. Aber diese Garantien, wie das Geldsystem und die Versicherungen, verdanke sie mehr dem Zufall, dem Instinkt, aber nicht der Wissenschaft. Es sei hier bemerkt, da� Fourier zwar die Einf�hrung des Geldes als Fortschritt f�r ein besseres Ausgleichungssystem ansieht, aber auszusetzen hat, da� es �individuelles� Geld sei, wie er es bezeichnet, also in den H�nden des Privateigenth�mers Mittel der Ausbeutung, des Betrugs und der Unterdr�ckung werde. Das Geld soll nach ihm gesellschaftliches Besitzthum sein, es w�rde also in seinem System Besitzthum der Phalanxen werden. Da� das Geld seinen Zweck nur erf�llt, wenn es zwar gesellschaftlich anerkanntes Tauschmittel f�r alle Waaren, aber gleichzeitig im Privatbesitz ist, weil es _nur_ in einer auf Privatbesitz und Waarenproduktion beruhenden Gesellschaft einen Sinn und die M�glichkeit der Existenz hat, entging ihm. Mit der Aufhebung der Waarenproduktion, also auch der Privatwirthschaft und mit der Einf�hrung gesellschaftlicher Produktion f�llt der Gegenpol der Waarenwirthschaft, die Geldwirthschaft, von selbst, der Boden seiner Existenz, allgemein anerkanntes Tauschmittel f�r alle Waarenaustausche zu sein, wird ihm entzogen. Da wo Produkt gegen Produkt, richtiger Arbeit gegen Arbeit gesellschaftlicher Vereinigungen sich austauscht, wird der Austausch ein einfaches Rechenexempel, das auf dem Wege der Buchung der austauschenden Faktoren beglichen wird. Dagegen mu� in einer auf Millionen Einzelwirthschaften beruhenden Produktion, wo das Produkt als Waare den einzigen Zweck hat, so rasch als m�glich die H�nde seines Produzenten zu verlassen, um durch Dutzende von H�nden die verschlungensten Kan�le zu durchwandern, welche die Spekulation ihm anweist, bis es endlich in die H�nde des Bed�rfers gelangt, wir sagen, hier mu� nothwendig ein gesellschaftlich anerkanntes Aequivalent zur Ausgleichung aller dieser Manipulationen vorhanden sein, und dieses ist das Geld, das den Doppelcharakter besitzt, gesellschaftlich anerkanntes Werthma� und Waare zu sein. Andererseits, f�hrt Fourier fort, habe die Zivilisation falsche Methoden adoptirt, so das System der anarchischen Industrie und der l�gnerischen individuellen Konkurrenz; aber haupts�chlich habe sie den Fehlgriff begangen, die Aktiengesellschaft f�r die Assoziation anzusehen, alles Fehler, die sie weitab vom Wege der sozialen Garantien f�hrten. Es sei also nothwendig, um dieses politische Chaos zu entwirren, eine detaillirte Analyse der Zivilisation und ihres Charakters zu geben, eine Aufgabe, der sich bisher die Gesellschaft und ihre wissenschaftlichen F�hrer entzogen h�tten. Man glaube noch an die Vervollkommnung, _w�hrend die Zivilisation bereits rapide ihrem Untergang entgegeneile_. Wie der menschliche K�rper so bes��en auch die Gesellschaften ihre vier, durch bestimmte Charaktereigenschaften sich unterscheidenden Lebensalter, die einander sich folgten. Man k�nne weder den Aufschwung noch den Niedergang einer Gesellschaft beurtheilen, so lange man nicht die sehr unterscheidenden Charaktereigenschaften zu bezeichnen verm�ge, die eine bestimmte Gesellschaft besitze. Unsere Naturwissenschaftler seien, wenn es sich um die Unterscheidung ziemlich nutzloser Pflanzen handele, so sehr skrupul�s, warum seien dies nicht auch unsere Politiker und Oekonomisten? Warum folgten sie nicht dieser naturwissenschaftlichen Methode, wenn es sich um die ihnen so theure Zivilisation handele, um die von jeder der vier Phasen adoptirten Eigenschaften zu bezeichnen? Es sei dies das einzige Mittel, um zu erkennen, ob man noch vorw�rts schreite oder im Niedergang sich befinde. Nach Fourier sind nun die vier Phasen der Zivilisation und die einer jeden eigent�mlichen Charaktereigenschaften folgende: / 1. Phase: KINDHEIT. | Einfacher Keim . . . . . . . Monogamie. | Zusammengesetzter Keim . . . Patriarchalische oder | adelige Feudalit�t. | Angelpunkt der Periode: . B�rgerliche Rechte | der Frau. Auf- | Gegengewicht . . . . . . . . F�deration der gro�en steigende / Vasallen. \ Ton oder Stimmung . . . . . Ritterliche Illusionen. Schwingung | | 2. Phase: JUGEND. | Einfacher Keim . . . . . . . St�dtische Privilegien. | Zusammengesetzter Keim . . . Pflege der Wissenschaften | und K�nste. | Angelpunkt der Periode: . Befreiung der Arbeit. | Gegengewicht . . . . . . . . Repr�sentativsystem. \ Ton oder Stimmung . . . . . Illusionen �ber Freiheit. MITTAGSPHASE Keim . . . . . . . . . . Seeschiffahrtskunst, experimentale Chemie. Charakter- eigenth�mlichkeiten . . Entt�uschungen, Staatsanleihen. / 3. Phase: MANNBARKEIT. | Einfacher Keim . . . . . . . Handelsgeist, Fiskalismus. | Zusammengesetzter Keim . . . Aktien-Gesellschaften. | Angelpunkt der Periode: . Monopol der Seeherrschaft. | Gegengewicht . . . . . . . . Handels-Anarchie. Ab- | Ton oder Stimmung . . . . . Oekonomische Illusionen. steigende / \ 4. Phase: ALTERSSCHW�CHE. Schwingung | Einfacher Keim . . . . . . . Leihh�user. | Zusammengesetzter Keim . . . Unternehmerschaft in | bestimmter Anzahl. | Angelpunkt der Periode: . Industrielle Feudalit�t. | Gegengewicht . . . . . . . . Monopolwirthschaft. | Ton oder Stimmung . . . . . Illusionen �ber \ Assoziationen. Man wird dem hier wiedergegebenen Tableau Scharfsinn in der Aufstellung und Interessantheit in der Gruppirung nicht absprechen k�nnen, mehrfach charakterisirt es die verschiedenen Perioden der zivilisirten Gesellschaft sehr treffend. Fourier bemerkt dazu erl�uternd: er habe diejenigen Charaktereigenschaften nicht hervorgehoben, die allen vier Phasen gemeinsam seien, sondern nur die, welche die eine oder andere auszeichneten und jene, die mit der einen oder anderen gemischt seien. So sei die zweite Phase, in der die Athener lebten, eine unvollst�ndige, eine Bastardperiode, indem ihr noch Merkmale der Periode der Barbarei anklebten und der Angelpunkt der zweiten Phase, die Befreiung der Arbeit, ihr fehlte. In England und Frankreich befinde sich die Zivilisation im absteigenden Ast der dritten Phase und neige stark zur vierten, deren beide Keime sie bereits besitze. Dieser Zustand zeige eine schmerzlich empfundene Stagnation; das Genie f�hle sich erm�det von seiner Unfruchtbarkeit wie ein Gefangener, und arbeite sich vergeblich ab, um irgend eine neue Idee zu erzeugen. Mangels des erfinderischen Genies z�gere aber der fiskalische Geist nicht, die Mittel zu entdecken, um die vierte Phase zu organisiren, die zwar ein Fortschritt aber nicht zum Guten sei. Es handele sich darum, einen Zwischenzustand zu schaffen, der die Zivilisation in den Garantismus �berleite und diesen dem Liberalismus entgegenzustellen, diesem station�ren Geist, der sich auf das Repr�sentativsystem, eine der Charaktere der zweiten Phase, verbissen habe. Ein System, das f�r eine kleine Republik, nicht f�r ein gro�es reiches Land wie Frankreich tauglich sei. Umgekehrt wollten die Antiliberalen die Ungeschicklichkeit begehen, uns in die erste Phase zur�ckzuf�hren, w�hrend das wachsende Staatsschuldenwesen uns unwiderstehlich in die vierte Phase, die Altersschw�che, risse. Wer das Tableau der Charaktereigenschaften der Zivilisation genau pr�fe, werde erkennen, da� der Glaube, unsere Gesellschaft befinde sich in einem �erhabenen Flug�, eine Illusion sei, denn in Wahrheit bef�nden wir uns auf dem Krebsgang. �Es ist der Fortschritt nach abw�rts, vergleichbar dem einer Frau, die ihre wei�en Haare, die sie mit sechzig Jahren besitzt, als Vervollkommnung der Vollkommenheit ihres Haarwuchses anpreisen wollte. Dar�ber wird Jeder mitleidig l�cheln. _Wie der menschliche K�rper so vervollkommnet sich auch die Gesellschaft nicht, wenn sie altert_.� Die Gesellschaften wie die Individuen gingen zu Grunde, wenn sie sich dem Wucherer �berlie�en, _und es sei die That unseres Jahrhunderts, von Anleihe zu Anleihe zu eilen_. Man sage, �das Gef�� ist durchweicht, der Stoff hat seine bleibende Form angenommen.� Das gelte auch von den fiskalischen Anleihen. Sie blieben und jedes Ministerium mache eine neue, denn �man mu� essen, wenn man an der Krippe sitzt.� _Welche Partei auch immer herrsche, die Finanz halte stets die Z�gel des Gef�hrtes, damit der Marsch nicht gegen ihr Wirthschaftssystem sich richte_. Was werde also das Ende sein, dem alle unsere mit Schulden �berladenen Reiche zueilen, wohin uns die Oekonomisten gef�hrt? Der Sturz in den Abgrund. Man k�nne unsere Oekonomisten und Politiker jenem Reiter vergleichen, von dem die Sp�tter sagten: �Er f�hrt nicht das Pferd, das Pferd f�hrt ihn.� Fourier hat in diesen Auseinandersetzungen wieder einmal, seiner Zeit vorauseilend, den wahren Charakter der Staatsanleihen sehr richtig erkannt. Damit ein Staat von den Geldm�chten beherrscht, �konomisch und finanziell ausgebeutet und gepl�ndert werden kann, mu� man ihn zu Anleihen verleiten. Mit jeder neuen Anleihe wird ihm der Strick fester gedreht, genau wie dem Privatmann. Die Staatsgewalt wird Werkzeug in den H�nden der gro�en Finanzm�chte, die schlie�lich weit mehr als die Minister selbst die Staatsangelegenheiten beherrschen und lenken, Gesetze dekretiren, Kriege f�hren oder verhindern, wie es ihrem Interesse pa�t. Und damit die Staatsmaschine nach Wunsch gehe, die Regierung jeder Zeit durch die Kontrole ihrer abh�ngigen Stellung bewu�t bleibe, damit ferner die n�thigen Einnahmequellen in Form von Steuern aller Art zur Verzinsung und Amortisirung der Schulden vorhanden seien, bedarf man des Repr�sentativsystems, durch welches die Drahtzieher der hohen Finanz den noch fehlenden Einflu� auf die ganze Gesetzgebung und Staatsverwaltung gewinnen und den Staat zu einer melkenden Kuh der Geldm�chte machen. Durch solche Manipulationen ist heute die Regierung und Verwaltung Frankreichs in den H�nden der gro�en Finanzm�chte, die es in die Abenteuer von Tunis und Tonkin st�rzten, durch Privilegien und Staatssubventionen an die gro�en Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaften das Volk berauben, durch die Ueberlast der indirekten Steuern es brandschatzen und pl�ndern. Durch die gleichen Manipulationen ist Oesterreich dahin gekommen, wo es heute steht, hat man die T�rkei zu Grunde gerichtet, Ungarn binnen zwei Jahrzehnten an den Rand des finanziellen Untergangs gebracht, Egypten ruinirt. Wie der kleine Bauer und der in die Klemme gerathene Grundbesitzer die finanziellen Wohlth�ter bereit finden, ihnen gegen gen�gende hypothekarische Sicherheiten zu guten Zinsen Geld zu borgen, oft mehr als sie haben wollen, und nun den H�nden des Gl�ubigers rettungslos �berantwortet sind, der die Hand auf ihre Ernten legt, ihnen jederzeit mit Subhastationen droht, und sie zwingt, das ganze Jahr die Frohnarbeit f�r ihn, den Kapitalisten, zu verrichten, so sind die Staatsangeh�rigen �berschuldeter Reiche die Bienen, die durch ihre Arbeit, mit ihrem Honig der Finanzaristokratie die Kisten und Kasten f�llen m�ssen. Das ist heute, wo die Staatsschulden in fast allen Staaten in die Milliarden gewachsen sind und weiter wachsen, eine sich Jedem leicht aufdr�ngende Thatsache. Zu Fourier's Zeit stak das Staatsschuldenwesen noch in den Kinderschuhen und es war ungleich schwerer, seinen Charakter zu erkennen als heute. Unter die permanenten Charaktere der Zivilisation rechnet Fourier denjenigen, der sich schon seit alter Zeit in dem Sprichwort ausdr�ckt: �Die gro�en Diebe l��t man laufen, die kleinen h�ngt man.� Aehnliche Charaktereigenschaften k�nne man noch eine Menge anf�hren. So �berlasse man sich bitteren Klagen �ber auff�llige Thatsachen wie die, da� die Tugend und das Gute stets l�cherlich gemacht, �bel behandelt und verfolgt w�rden. Ohne Zweifel sei die Indignation dar�ber gerechtfertigt, aber wenn gegenw�rtig die Zivilisation eine Aufh�ufung dieser beklagenswerthen Resultate zeige, dann klassifizire und konstatire man diese Uebel, damit man einen Ueberblick �ber das Wesen und die Fr�chte dieser abscheulichen Gesellschaftsordnung erhalte. Aber man schenke allen diesen Uebeln so wenig Aufmerksamkeit, weil man sie mit dem gegenw�rtigen Zustand unzertrennlich halte. Eine von diesen �blen permanenten Charaktereigenschaften sei auch die Fesselung der �ffentlichen Meinung, und zwar auch unter der Herrschaft der Philosophen, die nicht wollten, da� das Volk sein urspr�nglichstes Recht erkenne und das Recht auf ein Existenzminimum fordere, was freilich nur unter dem Regime der industriellen Anziehung garantirt werden k�nne. Andere Uebel erkenne man nicht, weil sie unter falscher Flagge segelten, so die Tyrannei des pers�nlichen Eigenthums. Der Grundeigenth�mer erlaube sich hundert Anordnungen �ber sein Eigenthum, die mit dem �ffentlichen Wohl, dem Wohl der Masse in Widerspruch st�nden, er erlaube sich dies alles unter dem Vorwande der �Freiheit�. Das komme, weil die Zivilisation von sozialen Garantien keine Ahnung habe. Wieder ein anderes meist nicht erkanntes Uebel sei die indirekte Verweigerung der Gerechtigkeit f�r die Armen. Der Arme k�nne wohl das Recht suchen, aber was n�tze dieses, wenn er die Kosten der Prozedur nicht aufbringen k�nne. Bei den gerechtesten Klagen werde er von dem reichen Pl�nderer durch Appellation und Gegenappellation m�rbe gemacht und zum Nachgeben gezwungen. Man gebe dem K�nigsm�rder einen Vertheidiger, aber nicht dem Armen, denn �er k�nnte zu viele Prozesse haben�. Die Gesellschaft sei �berf�llt mit Armen, die unter dieser Handhabung der Gerechtigkeit litten. Aber diese Gesellschaft sei eben ein falscher Kreisschlu� (�cercle vicieux�), das sei ihr wesentlichster Charakter. Die M�ngel der Zivilisation lie�en sich in zw�lf Hauptpunkte zusammenfassen. 1. Eine Minorit�t, die Herrschenden, bewaffnet Sklaven, die eine Majorit�t unbewaffneter Sklaven im Zaum halten. 2. Mangel an Solidarit�t der Massen und dadurch erzwungener Egoismus. 3. Zweideutigkeit aller Handlungen der Gesellschaft und ihrer sozialen Elemente. 4. Innerer Kampf des Menschen mit sich selbst. 5. Die Unvernunft zum Prinzip erhoben. 6. In der Politik wird die Ausnahme als Grundlage f�r die Regel. 7. Das knorrigste und hartn�ckigste Genie wird gebeugt und kleinm�thig gemacht. 8. Erzwungene Begeisterung f�r das Schlechte. 9. Stetige Verschlimmerung, indem man zu verbessern glaubt. 10. Vielseitiges Ungl�ck f�r die ungeheure Mehrheit. 11. Fehlen einer wissenschaftlichen Opposition gegen die herrschenden Theorien. 12. Verschlechterung der Klimate. Letzteres, durch die Zerst�rung der W�lder und daraus folgendes Austrocknen der Quellen herbeigef�hrt, m�sse nothwendig und sicher bis gegen Ende des Jahrhunderts klimatische Exzesse erzeugen. Fourier geht dann dazu �ber, die Natur des Handels zu er�rtern. Er fragt: �Woher kommt diese Bewunderung der Modernen f�r den Handel, welchen doch im Geheimen alle Klassen au�er den Handeltreibenden verabscheuen? Woher dieses stupide Vorurtheil f�r die Kaufleute, die Christus mit Ruthen aus dem Tempel trieb? Die Antwort ist: sie besitzen viel Geld und eine Haupthandelsmacht (England) �bt �ber die industrielle Welt die Tyrannei des Handels-Monopols aus.� Auch habe die politische Oekonomie die Analyse des Handels nicht zu machen gewagt und so komme es, da� die soziale Welt nicht wisse, was eigentlich das Wesen des Handels sei. �Der Handel ist die schwache Seite der Zivilisation, der Punkt, auf dem man sie angreifen mu�. Im Geheimen wird der Handel von den Regierungen wie von den V�lkern geha�t. Nirgends sehen weder der Adel noch die Grundeigent�mer die Handeltreibenden mit g�nstigen Augen an, diese Parven�s, die in Holzschuhen angekommen sind und bald mit einem Verm�gen von Millionen prunken. Der rechtschaffene Eigenth�mer begreift nicht die Mittel, durch die man sich so gut zu bereichern vermag; welche Sorgfalt er immer der Verwaltung seines Gutes widmet, es gelingt ihm schwer, sein Einkommen um einige Tausend Franken zu steigern. Er wird perplex �ber die gro�en Profite dieser Agioteure, er m�chte seinem Erstaunen, seinem Verdacht �ber diese ihm fremde Art, Verm�gen zusammen zu scharren, Ausdruck geben, aber da kommen die Oekonomisten, fallen ihm in den Arm und schleudern ihr Anathema gegen Jeden, der es wagt, diesen gro�artigen Handel und die Gro�artigkeit des Handels (�le commerce immence et l'immense commerce�) zu verd�chtigen. Welch sch�ne Phrasen sind nicht zu seiner Verherrlichung Mode geworden! Da spricht man mit Pathos von der 'Ausgleichung, dem Gegengewicht, der Garantie, dem Gleichgewicht des gro�artigen Handels und der Gro�artigkeit des Handels, von den Freunden des Handels, von dem Wohl des Handels'.� F�r einen ungl�cklichen Philosophen gebe es nichts Imposanteres, als wenn eine Kohorte von Million�ren mit tiefsinnigem Aussehen zur B�rse wandelten. Man glaube die r�mischen Patrizier �ber dem Schicksal Karthagos br�ten zu sehen. Speichellecker der Agiotage malten die Kaufleute und B�rsenm�nner als eine Legion von Halbg�ttern; Jeder, der sie kenne, wisse im Gegentheil, da� es eine Legion von Betr�gern sei; aber ob mit Recht oder Unrecht, sie h�tten allen Einflu� an sich gerissen. Die Philosophen seien ihnen zu Gunsten, selbst die Minister und der Hof beugten sich vor diesen Geiern des Handels; alles infolge des durch die Oekonomisten gegebenen Impulses. Die Folge davon sei, da� der ganze soziale K�rper den merkantilen R�ubereien vollst�ndig unterworfen sei, und wie der von dem Blick der Schlange faszinirte Vogel dieser in den Rachen fliege, so lasse sich die Gesellschaft vom Handel zu Grunde richten. Eine vern�nftige und rechtschaffene Politik habe Mittel des Widerstandes in Anwendung bringen und sich von Fehlgriffen losmachen m�ssen, welche die Herrschaft der Welt in die H�nde einer unproduktiven, l�gnerischen und �belwollenden Klasse liefere. Man d�rfe die Handeltreibenden nicht mit den Manufakturisten verwechseln.[21] Die Hauptschacherer, die Rohmaterialienh�ndler s�nnen nur, wie sie Manufakturisten und Konsumenten pl�ndern k�nnten. Zu diesem Zwecke unterrichteten sie sich �ber die vorhandenen Vorr�the, kauften sie auf, hielten die Waaren zur�ck und verteuerten sie, um so auf Fabrikant und B�rger den Druck auszu�ben. Die sog. Oekonomisten stellten diese Aufk�ufer und Wucherer als tiefsinnige Genies hin, die doch nichts als elende Schw�tzer, abenteuerliche Spieler und tolerirte B�sewichter seien. Den schlagendsten Beweis habe das Jahr 1826 gegeben, wo mitten in der tiefsten Ruhe pl�tzlich eine Stagnation und Ueberf�lle an Produkten hervorgetreten sei, als alle Journale noch unmittelbar zuvor auf die dem Handel neuen und g�nstigen Chancen hinwiesen, welche die Befreiung beider Amerika im Gefolge haben werde. Nun, welches sei die Ursache dieser �berraschenden Krise gewesen? Es war die Wirkung eines komplizirten Spiels zweier charakteristischer Eigenschaften des Handels: des Zur�ckschlagens der Vollsaftigkeit (�refoulement pl�thorique�) und eines Gegenschlags durch verfehlte Spekulation. [Fu�note 21: Unter den Manufakturisten sind hier sowohl die Fabrikanten wie diejenigen Handeltreibenden verstanden, die entweder in eigener Behausung nach dem Prinzip der Arbeitstheilung, aber ohne Anwendung von Dampf und Maschinenkr�ften -- die damals erst im Entstehen waren -- oder, wie dies heute noch in manchen Industriezweigen auch in Deutschland geschieht, z.B. in der Spielwaaren-, Messer-, Kleineisenwaaren-Fabrikation, der Hausweberei, Posamentirerei, Strumpfwirkerei, der Bijouterie etc., auf dem Wege der Hausindustrie produziren lassen, wobei der Kaufmann die Rohmaterialien liefert. So weit Massenerzeugung in Betracht kam, war zu Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich die Manufaktur die ma�gebende Produktionsform. Unter den Handeltreibenden versteht Fourier, wie der Leser bereits erkannt haben wird, nicht allein die Kaufleute im engeren Sinn, sondern auch alle an der B�rse betheiligten Kreise, die Grund- und Bodenwucherer etc., kurz Alle, �welche ohne zu s�en ernten�.] Die erstere Eigenschaft sei die periodische Wirkung blinder Habgier der Kaufleute. Sobald irgendwo ein Absatzweg sich �ffne, w�rden viermal mehr Waaren zugef�hrt, als der Markt aufnehmen k�nne. So sei es auch hier gewesen. Wenn man die Wilden, die Neger und die spanische Bettelbev�lkerung in Abzug bringe, z�hlten die beiden (Nord- und S�d-) Amerika kaum 20 Millionen konsumtionsf�higer Bewohner, man habe aber f�r 200 Millionen konsumtionsf�higer Menschen Waaren zugef�hrt. Daher die Stockung und der R�ckschlag. Im Jahre 1825 h�tten die franz�sischen und englischen Hosenh�ndler Waarenmassen zugef�hrt, die wenigstens auf 3 bis 4 Jahre reichten, so entstanden Massenverk�ufe, Stockung, Entwerthung der Stoffe, Bankerotte der Verk�ufer. Das war die nothwendige Wirkung dieser Ueberf�lle (�pl�thore�), verursacht durch die Unklugheiten des Handels, der in seiner Gier nach Gewinn sich stets �ber das Quantum der absatzf�higen Produkte den gr��ten Illusionen �berlasse. Was k�nne man auch von einer Kohorte eifers�chtiger, durch Habgier verblendeter Verk�ufer anders erwarten? Wie wollten wohl diese die Grenzen der Aufnahmef�higkeit eines Marktes erkennen? �Gen�gte schon die Ueberzufuhr von Waaren, um Bankerotte und die �u�erste Beunruhigung der M�rkte und Fabriken hervorzurufen, so trat in demselben Augenblick ein anderer Umstand dazwischen, um das Uebel zu vervielfachen. Die Baumwollenaufk�ufer in New-York, Philadelphia, Baltimore, Charleston etc. hatten im Einverst�ndni� mit ihren Vertrauten in Liverpool, London, Amsterdam, Havre und Paris sich aller Vorr�the bem�chtigt. Aber da geschah, da� Egypten und andere M�rkte eine au�erordentlich reiche Ernte hatten. Die Hausse war nur ein kurzes Strohfeuer. Die wucherischen Geier Amerikas wie ihre Kooperateure in Europa erstickten im Ueberflu�. Die durch die �Crise pl�thorique� verursachte Preisschleuderei zwang die Fabriken zu feiern und brachte die Baumwollenspekulanten, die auf Hausse gerechnet und jetzt einer tiefen Baisse sich gegen�ber sahen, zum Sturz. Den verungl�ckten Machinationen in Amerika folgten als Gegenschlag die Bankerotte in Europa. Das ist der einfache Hergang der so r�thselhaft erschienenen Ereignisse. Journale und Schriften, die dar�ber sich �u�erten, verfielen alle in denselben Irrthum. Nach ihnen war nur eine Ursache vorhanden: die Unordnung, welche durch die beiden gleichzeitig sich vollziehenden Operationen auf dem Markt entstanden war. Niemand gestand die wahren Ursachen offen ein, man bem�hte sich vielmehr, die beiden Parteien, die das Uebel verursacht hatten, als unschuldig darzustellen, man gab weder zu, da� die Einen durch Zufuhr von Riesenmengen an Waaren die M�rkte lahmlegten, noch da� die Anderen durch Vorenthaltung des n�thigen Rohmaterials die M�rkte beraubten. Auf der einen Seite herrschte verr�ckte Verschwendung, auf der anderen vexatorische Unterschlagung. Es gab also in jeder Weise Exzesse und Konfusion im Mechanismus. Das ist der Handel, das Ideal der Dummk�pfe.� Wie im vorliegenden Falle zwei, erl�utert Fourier weiter, so wirkten oft drei und vier Ursachen zusammen, um Krisen zu erzeugen, und was die verschiedenen Charaktere der Bankerotte betreffe, so habe er eine Liste von zweiundsiebenzig verschiedenen Arten aufgestellt. Wollte man alle Formen des Betrugs und der Bankerotte zeichnen, man m��te dicke B�cher schreiben. Von den Haupt�beln, die der Handel geb�re und die als die Triebfeder zu allem Unheil ansehen seien, wolle er nur zw�lf auff�hren: B�rsenspiel, Lebensmittelwucher, Bankerott, Geldwucher, Parasitenthum, Mangel an Solidarit�t, fallendes Gehalt und fallende L�hne, Theuerung, Verletzungen der Gesundheit,[22] willk�rliche Festsetzung der Preise, legalisirte Doppelz�ngigkeit im Verkehr, individuelles Geld. [Fu�note 22: Fourier hat hier haupts�chlich den Baustellen- und H�userwucher im Auge, der auf Kosten der Gesundheit und Lebensannehmlichkeit der St�dtebewohner sich breit mache, Luft und Licht der Bev�lkerung schm�lere.] Fourier spricht dann von der �Absonderung� der Kapitalien, worunter er die Konzentration auf der einen und den daraus folgenden Kapitalmangel auf der anderen Seite versteht. Die Kapitalkonzentration erzeuge auch den Ueberflu� -- an Bodenerzeugnissen durch den Handel --, der den Preisdruck f�r die Erzeugnisse des Bodenbesitzers hervorrufe. Die Kapitalien h�uften sich nur auf Seiten der unproduktiven Klasse. Bankiers und Kaufleute beklagten sich h�ufig, nicht zu wissen, was sie mit ihren Fonds beginnen sollten, sie empfingen Geld f�r 3 Prozent, wo der Landmann es kaum f�r 6 auftreiben k�nne. Wenn er es nominell zu 5 Prozent erhalte, koste es ihn mit allen Spesen und Lasten, die damit verbunden seien, 16 und 17 Prozent. Der Handel, dieser Vampyr, der das Blut aus dem industriellen K�rper sauge, konzentrire Alles in seine Taschen und zwinge die produktive Klasse, sich dem Wucherer zu �berliefern. Selbst die Jahre des Ueberflusses w�rden f�r die Agrikultur eine Gei�el, wie man das 1816 und 1817 gesehen habe. Das Jahr 1816 brachte Mi�ernte und zwang den Landmann zum Schuldenmachen, als aber 1817 eine sehr reiche Ernte brachte, ward er gezwungen, dieselbe rasch und in Folge dessen zum niedrigsten Preis zu verkaufen, um seine Gl�ubiger zu bezahlen. So zerstreue der soziale Mechanismus die kleinen Kapitalien, um sie in den H�nden der Handeltreibenden zu konzentriren. Der Ackerbauer seufze, gebrochen durch den Gegenschlag, unter dem Ueberflu� der Ernten, deren Werth weder bei dem Verkauf noch bei der Konsumtion ihm geh�re, weil die Konsumtion auf umgest�rzter Basis ruhe, �_denn die Klasse, die produzirt, nimmt an der Konsumtion nicht Theil_�. So w�rden Eigent�mer wie Bodenbebauer oft gezwungen, Gei�eln, wie Frost und Hagel, herbeizuw�nschen. Man habe 1828 den Schrecken gesehen, als man im Juni in allen weinbautreibenden L�ndern eine gute Ernte und damit erdr�ckenden Ueberflu� zu f�rchten hatte.[23] [Fu�note 23: Diese Charakteristik k�nnte ebenso gut heute geschrieben sein. Sprach doch im Herbste 1885 die k�nigl. s�chsische �Leipz. Zeitung� es offen aus, da� man heut zu Tage im Zweifel sei, ob man eine gute Ernte w�nschen d�rfe. Und doch veranstaltet man j�hrlich f�r die Ernte auf allen Kanzeln Gebete und feiert Dankfeste.] �Gen�gen diese Monstrosit�ten nicht, um zu beweisen, da� das gegenw�rtige System des Handels, wie der ganze Mechanismus der Zivilisation die verkehrte Welt darstellt? Aber wie will man sich in diesem Labyrinth zurechtfinden, so lange man die Charaktereigenschaften dieser Gesellschaft nicht analysirt? Schmeichler unseres Handelssystems haben wir im Ueberflu�, deren alleiniges Talent darin besteht, alle Fehler der Hydra des Handels zu ber�uchern. Wenn man erst die wahre Natur dieses l�gnerischen Systems erkennt, wird man erstaunt sein, da� man so lange sich von einem System dupiren lie�, das schon der Instinkt uns denunzirt, denn alle anderen Klassen hassen den Handel.� �Die Falschheit und Zweideutigkeit, wozu dieses System gekommen ist, gen�gt, um den Betroffenen die Augen zu �ffnen; die Betr�gerei und die F�lschung aller Lebensmittel hat eine H�he erreicht, da� man die Einf�hrung des Handelsmonopols als eine Schutzma�regel gegen _diesen_ Handel begr��en w�rde. Eine Staatsregie w�rde viel weniger sich auf Zweideutigkeiten einlassen k�nnen, sie w�rde zu einem festgesetzten Preis wenigstens nat�rliche Produkte geben, w�hrend es heute fast unm�glich ist, im Handel etwas nat�rlich zu erhalten.� �In Paris findet man kein Zuckerbrot, das nicht mit Runkelr�ben gef�lscht ist,[24] keine Tasse reiner Milch oder ein Glas reinen Branntweins. Kurz Unordnung und Aergerni� sind auf die Spitze getrieben und gehen die Dinge so weiter, so bleibt nichts �brig, als das Monopol.� Fourier setzt freilich hinzu, da� dies durch Entdeckung seines soziet�ren Systems und dessen Einf�hrung unn�tz werde. [Fu�note 24: Fourier meint hier die Herstellung des Zuckers aus Runkelr�ben, den er als ein gef�lschtes Produkt ansah, weil man bis dahin nur Zucker aus Zuckerrohr gewonnen kannte. Die Einf�hrung des Kontinentalsystems durch Napoleon I. und das Verbot der Einfuhr englischer Kolonialwaaren, hatte zur Erfindung der Zuckerbereitung aus Runkelr�ben den Ansto� gegeben und diese Art Zucker b�rgerte sich von da ab immer mehr ein. Fourier, der offenbar die S��igkeiten sehr liebte, sah den R�benzucker als eine F�lschung des nat�rlichen Zuckers an. Wir, die wir heute fast nur aus Runkelr�ben bereiteten Zucker kennen, denken dar�ber anders. Schlie�lich ist kein auf k�nstlichem Wege gewonnenes Lebensmittel einem sog. Naturprodukt gegen�ber als F�lschung zu betrachten, vorausgesetzt, da� �ber die Art seiner Entstehung kein Zweifel besteht und es dem sog. Naturprodukt, das es ersetzen soll, v�llig gleichwerthig ist. Wir werden in dieser Beziehung in Zukunft noch viele Vorurtheile ablegen m�ssen. Der Verfasser.] Fourier �u�ert sich dann �ber den Bankerott, �ber die Art, wie die �ffentliche Meinung ihn zum Theil behandelt und wie der Bankerott selbst wieder zu T�uschungen benutzt wird. Auf der B�hne werde ein Falliment mit f�nfzig Prozent als Lustspiel behandelt. Wenn aber ein Bankier die anvertrauten Depots von Ersparnissen zahlreicher Dienstboten veruntreue, die diese w�hrend zwanzig Jahren m�hselig zusammengescharrt, so sei das sicherlich keine l�cherliche Sache, sondern ein Verbrechen, das zu bestrafen sei. �Welche Verdorbenheit in der philosophischen Welt. Die Literatur ist eine Prostituirte, die nur studirt, wie sie sich mit dem Laster auf's Beste stellen kann; sie malt Alles in den sch�nsten Farben, damit die Theaterkasse ihre gute Einnahme hat. Die Moral ist eine in Mi�kredit gerathene Schw�tzerin, die nicht mehr wagt, gegen straflose Verbrechen, wie den Bankerott, zu deklamiren; sie speichelleckert allen Klassen von Dieben. Und der Oekonomismus, der nichts zu entdecken versteht, sucht die zu Tage liegenden Laster als unschuldige hinzustellen, sind es doch die Laster seiner Favoriten, der Handeltreibenden. So denkt keine Wissenschaft daran, ihre Aufgabe, die Analyse der Uebel der Zivilisation und das Suchen nach einem Heilmittel, zu erf�llen.� Fourier f�hrt, wie er Alles zu klassifiziren und zu ordnen liebt, nicht weniger als vierundzwanzig Arten von Bankerotten auf, bei denen die Schw�chen oder die Liebhabereien der Bankerotteure die Ursachen ihres Zusammenbruchs sind. Bei dem Einen sind zerr�ttete Familienverh�ltnisse, eine liederliche Frau, verdorbene Kinder, bei dem Anderen eine Maitresse, bei dem Dritten die galanten Neigungen, bei dem Vierten Sentimentalit�t, die ihn zum Gesch�ft unbrauchbar machen u.s.w., die Ursachen, welche die Katastrophen erzeugen. Er k�nne, setzt er weiter hinzu, recht am�sante Kapitel zu den Details aller Arten von Bankerotten liefern, er treibe das Gesch�ft seines Vaters und sei im Waarenladen erzogen worden, er habe mit eigenen Augen die Infamien des Handels gesehen und beschreibe ihn nicht, wie die Moralisten vom H�rensagen, die den Handel nur in den Salons der Agioteure kennen lernten und einen Bankerott als etwas ans�hen, das man sich in guter Gesellschaft erlauben d�rfe. Jeder Bankerott, namentlich wenn er einen Bankier oder Wechselagenten betreffe, werde unter ihrer Feder zu einem beklagenswerthen Unfall, f�r den die Gl�ubiger im Grunde dem Falliten noch verbunden seien, da� er sie in seine edlen Spekulationen verwickelt habe. Man zeige den Gl�ubigern den Vorgang als eine unverschuldete Fatalit�t, eine unvorhergesehene Katastrophe an, die durch das Ungl�ck der Zeiten, widrige Umst�nde, einen beweinenswerthen Wechselfall herbeigef�hrt sei. Das sei der gew�hnliche Inhalt der Briefe, mit welchen ein Fallissement angezeigt werde. �Alsdann kommen der Notar und seine Gevatter, denen im Geheimen ihre Provisionen f�r alle Vortheile, die sie erzielen, zugesichert sind und stellen den Falliten als so ehrenhaft, der Achtung so w�rdig hin. Da ist eine z�rtliche Mutter, die sich dem Wohle ihrer Kinder opfert, ein tugendhafter Vater, der sie in der Liebe zur Verfassung erzieht, eine trostlose eines besseren Schicksals w�rdige Familie, die von der aufrichtigsten Liebe f�r jeden ihrer Gl�ubiger beseelt ist. Man m��te wahrhaftig ein Ungeheuer sein, wenn man einer solchen Familie nicht helfen wollte, um sie wieder zu erheben. Das ist sogar eine Pflicht f�r jede rechtschaffene Seele. Dazwischen interveniren einige moralische Spitzbuben, die man bestochen hat, und die gegen Jedermann hervorheben, wie sch�n es sei, in einem solchen Falle seine Gef�hle walten zu lassen und da� man dem Ungl�ck Erbarmen schulde. Diese werden durch einige h�bsche F�rsprecherinnen, die sehr n�tzlich sind, um die Widerspenstigsten zu beruhigen, unterst�tzt. Durch alle diese Umtriebe ersch�ttert, kommen Dreiviertel der Gl�ubiger sehr bewegt und irre geleitet in die Sitzung. Der Notar schl�gt ihnen einen Nachla� von 70 Prozent ihrer Forderungen vor, indem er wieder ausmalt, wie diese tugendhafte Familie aus Sorge, die geheiligten Pflichten der Ehre zu erf�llen, sich des Letzten beraube. Ist die Situation g�nstig, so schl�gt man den Gl�ubigern weiter vor, da� sie, um ihr Gewissen zu befriedigen und um der edlen Eigenschaften einer Familie willen, die so w�rdig der Achtung und so eifrig f�r die Interessen ihrer Gl�ubiger eingenommen ist, eine Huldigung bringen und statt auf siebzig auf achtzig Prozent verzichten. Einige Barbaren wollen widerstehen, aber die im Saale geschickt vertheilten Vertrauten �bernehmen das Gesch�ft der heimlichen Anschw�rzung der Widerstrebenden, die sie als unmoralisch bezeichnen. Dieser, tuscheln sie, besucht nie die Kirche und hat folglich kein Erbarmen; Jener unterh�lt eine Maitresse; der Dritte ist ein Geizhals und Wucherer; der Vierte hat selbst schon einmal fallirt und besitzt ein Herz von Stein, das f�r seine ungl�cklichen Mitmenschen ohne Nachsicht und Mitleid schl�gt. Endlich erkl�rt die so bearbeitete Mehrheit ihre Zustimmung und unterzeichnet den Vertrag. Der Notar h�lt eine salbungsvolle Rede, versichernd, da� man im Grunde ein gutes Gesch�ft gemacht habe, denn durch die Dazwischenkunft der Gerichte w�rde nichts �brig geblieben sein und dabei habe man ein gutes Werk gethan und habe einer braven Familie geholfen. Schlie�lich gehen Alle voll Bewunderung f�r die Tugenden dieser w�rdigen Familie, die man als ein Muster betrachten m�sse, nach Hause.� So vollziehe sich ein �gef�hlvoller Bankerott�, bei dem die Gl�ubiger um drei Viertel ihrer Forderungen geprellt wurden; werde mit f�nfzig Prozent ein Fallissement arrangirt, so sei dies ein rechtschaffener Bankerott, etwas so Allt�gliches, da� wer sich mit einer so m��igen Brandschatzung seiner Gl�ubiger begn�ge, nicht n�thig habe, au�erordentliche Triebfedern und H�lfsmittel in Bewegung zu setzen. Sei nicht Dummheit des Bankerotteurs im Spiele, so sei ein Gesch�ft, bei dem man nicht mehr als f�nfzig Prozent einstreichen wolle, stets sicher. Die wahre Natur des Bankerotts kennen zu lernen, diesem h�tten sich die Philosophen eben so entzogen, wie den Untersuchungen �ber die Agiotage und den Wucher, sie w�rden dann auch das Wesen der freien Konkurrenz begriffen haben. Napoleon habe Recht gehabt, zu sagen: Man kenne nicht das eigentliche Wesen des Handels. Napoleon sei eingesch�chtert worden durch die Erfahrung, da� jede Sch�digung, die eine Regierung gegen den Handel versuche, von diesem auf die arbeitenden Klassen abgew�lzt werde. Sobald der Handel bedroht w�rde, z�ge er die Kapitalien zur�ck, s�e er Mi�trauen, hemme er die Zirkulation. Der Handel sei das Bild des Igels, den der Hund an keinem Punkte fassen k�nne. Das sei, was im Geheimen alle Regierungen qu�le, was sie zwinge, sich vor dem goldenen Kalb zu beugen. Eines Tages habe der �sterreichische Minister Wallichs (1810) gegen die Schliche der B�rse in Wien auszuschlagen versucht, indem er eine Ueberwachung des B�rsenspiels einf�hren wollte; er sei von der B�rse in die Pfanne gehauen worden und habe schm�hlich seinen Platz r�umen m�ssen. Man m�sse also Entdeckungen machen, um gegen diese kommerzielle Hydra k�mpfen zu k�nnen. Schlie�lich sei nichts leichter, als diesen Kolo� der L�ge anzugreifen; kenne man die Batterien, die anzuwenden seien, so werde er nicht einmal Widerstand versuchen. Nat�rlich t�uscht sich Fourier hier, weil er die Wirkung f�r die Ursache nimmt. Der Handel ist nur eine der Erscheinungen des kapitalistischen Systems. Ihm an den Kragen zu wollen, ohne das System mit der Wurzel auszuheben, ist einfach unm�glich. Fourier, der als Uebergangsstadium das Staatsmonopol f�r den Handel vorschl�gt, w�rde, falls der Versuch der Durchf�hrung gemacht worden w�re, gefunden haben, da� dies eben so unm�glich ist, wie alle Versuche von Wallichs bis zu Herrn v. Scholz und Herrn v. Maibach, der B�rse auch nur ein Haar zu kr�mmen. Der Kapitalismus mag einwilligen, diesen oder jenen Industriezweig verstaatlichen zu lassen, und er wird dies thun, wenn er dabei seine Rechnung findet, aber nur dann: doch den Versuch der Monopolisirung eines Gebietes, wie es der Handel ist, w�rde er ebenso auf Tod und Leben bek�mpfen wie eine Verstaatlichung der gesammten Industrie, und er w�rde siegreich bleiben. Au�erdem wird der Staat, der in seiner ganzen Organisation und Gesetzgebung, und speziell in den gesetzgebenden Faktoren, den Volksvertretungen und Ministerien, der Ausdruck der kapitalistischen Interessen ist, dieser Staat wird nie weiter gehen, als sein _fiskalisches Interesse_ ihn n�thigt, und was immer er verstaatlicht, wird selbst wieder nur in kapitalistischer Form verwaltet und ausgebeutet. Fourier konnte zu seiner Zeit noch einen gewissen ausgepr�gten Gegensatz zwischen der Staatsgewalt und den leitenden �konomischen Klassen konstruiren, weil insbesondere der alte Adel mit der emporstrebenden Bourgeoisie, den M�nnern von 1789 und ihren Nachfolgern, sich in den Haaren lag und beide Parteien die Staatsgewalt als Schiedsrichterin anriefen. Aber hier bestand kein Klassengegensatz, wie zwischen Kapital und Arbeit, es war nur der Kampf um die Beute, wie wir heute noch diesen Kampf in voller Bl�the sehen, wo grundbesitzende, industrielle und handeltreibende Bourgeoisie die Staatsgewalt und die Staatsgesetzgebung f�r ihre spezifischen Interessen auszunutzen suchen. Diese Differenzen werden dauern, so lange es eine b�rgerliche Gesellschaft giebt, sie werden immer nur quantitativer, nie qualitativer, prinzipieller Natur sein. _Die Existenz des Staats erfordert die Aufrechterhaltung der Klassengegens�tze_; er kann sie -- und das liegt in seinem Interesse -- zu mildern versuchen, aufzuheben vermag er sie nicht, _weil er sich selbst damit aufheben w�rde_. Die Entstehung des Klassengegensatzes in der Gesellschaft _erzeugte den Staat_, die Aufhebung des Klassengegensatzes machte ihn verschwinden. Der Klassengegensatz, von seinem Entstehen an in den Formen stetig wechselnd, aber seit dem Bestand des Staats stets vorhanden, _ist das Gesetz der Existenz des Staates_. Wir hoben bereits hervor, da� wenn der ganze Erdboden mit Fourier'schen Phalanxen bedeckt w�re, seine Omniarchen, C�sare, Auguste, Monarchen u.s.w. eine sehr zwecklose Staffage w�ren, die keinen Sinn und keine Bedeutung h�tte. Kriege g�be es nicht mehr -- also ist die Armee mit Allem, was damit zusammenh�ngt, �berfl�ssig. Diebe, Betr�ger, Verbrecher existirten auch nicht mehr -- also w�ren Justiz, Polizei, Gef�ngnisse nicht mehr von N�then. Die Steuerbeh�rden w�ren, wie er selbst ausf�hrte, ebenfalls nutzlos. Die Verwaltung ihrer Angelegenheiten leitete jede Phalanx ausschlie�lich; die Beziehungen der Phalanxen unter sich w�ren sehr einfache, sie bez�gen sich auf den gegenseitigen Austausch und die gegenseitige H�lfeleistung bei der Herstellung gro�er gemeinsamer Unternehmungen, auf die Mittheilung und Unterst�tzung von Erfindungen, Verbesserungen und Entdeckungen aller Art f�r das praktische Leben, f�r Wissenschaften und K�nste. Das sind Dinge, wozu schlie�lich eine Staatsgewalt in unserem Sinne nicht n�thig w�re. Denn diese Staatsgewalt ist eine repressive und befehlende Gewalt und nicht eine blos ausf�hrende und anordnende Instanz; ihre Hauptaufgabe besteht darin, den Gegensatz innerhalb der Gesellschaft niederzuhalten, Ausbr�che nationaler Streitigkeiten niederschlagen und alle Diejenigen, welche, sei es individuell, sei es korporativ, die bestehenden Staatsnormen verletzen, zur Verantwortung zu ziehen. F�r alle diese Leistungen braucht die Staatsgewalt die n�thigen Werkzeuge und Institutionen: Armee, Gerichte, Polizei, Gef�ngnisse, Steuerbeh�rden etc. Mit dem Zweck fielen auch die Mittel. Monarchen, die unter dem Regime der Phalanx regieren wollten, w�rden unbek�mmert um ihre Stellung und ihren Titel, in noch viel h�herem Grade die Rolle spielen, die das bekannte drastische Wort Napoleon's den Monarchen sogenannter konstitutioneller Musterstaaten, wie wir solche in Europa nur wenige -- England, Italien, Belgien -- haben, anweist; ihre Existenz w�rde durch die Natur der Dinge im phalansteren System unm�glich sein. * * * * * Im weiteren Verlauf seiner Kritik der Zivilisation kommt Fourier auf diejenigen Charaktere zu sprechen, die nach dem R�ckschritt streben, denen der Hang zur r�ckg�ngigen Bewegung eingeimpft (�greff�e�) sei, und auf diejenigen Charaktere, die zum Niedergang der dritten Phase treiben. Eine Partei, welche die Mi�br�uche der falschen Freiheit erschreckte, halte es f�r klug, auf die Gebr�uche und Gepflogenheiten des zehnten Jahrhunderts, auf die Feudalit�t und den religi�sen Obskurantismus zur�ckzukommen. Aber man finde weder ein Volk noch eine Bourgeoisie, welche sich f�r das zehnte Jahrhundert begeisterten. Der Versuch, das zehnte Jahrhundert auf das neunzehnte, die erste Phase der Zivilisation auf die dritte zu pfropfen, werde scheitern, Handel und Finanz seien allm�chtig und eine Partei sei verloren, welche glaube, diese beiden M�chte beherrschen zu k�nnen. Andererseits seien die Champions des �erhabenen Flugs� unserer Gesellschaftsordnung, die Liberalen, auch noch eine Partei von R�ckw�rtslern, die im Flittergold der Athener und der R�mer st�bernd, die alten Schwindeleien, die falschen Menschenrechte, in Szene zu setzen suchten und auf das neunzehnte Jahrhundert Illusionen pfropften, welche die Zivilisation zu einem Mischmasch der zweiten und der dritten Phase machten. Schlie�lich werde die Partei die Oberhand behalten, welche nach der vierten Phase der Entwicklung vorw�rts und nicht r�ckw�rts gehe. Wenn beide Parteien sich auszus�hnen und zu vereinigen verm�chten, k�nnte die Zivilisation in die vierte Phase aufr�cken, die, wenn sie auch nicht das eigentliche Gl�ck bringe, doch gegen die fr�heren gro�e Vorz�ge habe; sie werde die Bettelarmuth austilgen, best�ndig Arbeit dem Volke sichern, Fonds liefern, gen�gend, um die �ffentlichen Schulden zu decken; W�lder und Wege restauriren. Was die dritte Phase betreffe, so sei sie eine Sackgasse, aus welcher der menschliche Geist nicht herauszukommen wisse, er nutze sich mit Systemen ab, die nur darauf hinaus liefen, alle Gei�eln zur Herrschaft zu bringen. Diese Phase zeige das Bild des Sisyphus, der ewig den Felsen w�lzend nie zum Ziele komme. In verschiedenen Beziehungen seien wir sogar zu R�ckschritten gekommen, verursacht durch die Chim�ren, welche wir uns �ber das Repr�sentativsystem machten, was selbst Lobredner des Liberalismus, wie Benjamin Constant, anerkannt h�tten. Solche Uebel seien: die Korruption der Volksvertreter durch die Bestechungen; die Aufschreckung der H�fe, die von Sinnen k�men durch die Angst, die ihnen der falsche Liberalismus einfl��e; das Schutzsuchen der H�fe bei den Feinden ihrer Unabh�ngigkeit aus Furcht vor dem Liberalismus, �diesem Schlimmsten, was ihnen begegnen k�nne�; (heilige Allianz, Kongresse von Aachen, Troppau, Laibach, Verona, Karlsbader Beschl�sse, auf diese und �hnliche Vorkommnisse spielt Fourier hier an); die Mi�helligkeiten unter den verschiedenen Klassen der B�rger in Folge der Wahlk�mpfe; das Wachsthum der Staatsausgaben in Folge des Kampfes der Regierungen gegen die V�lker u.s.w. Fourier verwahrt sich dagegen, da� er ein Vertheidiger des Absolutismus sei, wenn er die Uebel des herrschenden Systems bloslege; er kritisire, um zu zeigen, da� weder das Bestehende noch das Vergangene das Gl�ck der Menschen geschaffen und beweise, da� man die jetzige Phase so rasch als m�glich verlassen m�sse. Er nenne den Liberalismus falsch, weil er einen politischen R�ckschritt unter volksfreundlicher Maske, die Herrschaft der Oligarchie erstrebe _und immer die seinen Versprechungen entgegengesetzten Wirkungen erzeuge_. Die Liberalen suchten sich zu rechtfertigen, indem sie sagten: �Seht Ihr nicht, da� wir ohne das Repr�sentativsystem und ohne unsere Opposition in den dr�ckendsten Despotismus fielen?� Das gebe er zu, aber es sei nicht weniger gewi�, da�, indem die Liberalen durch ihre Taktik den R�ckschrittlern vor den Kopf stie�en und sie immer mehr erbitterten, sie diese immer mehr dem Obskurantismus in die Arme trieben. So arbeiteten die Liberalen indirekt gegen sich selbst. Ueberdies sei sicher, da� dieses sogenannte liberale System keineswegs sehr positiv operire, _der liberale Geist sei f�r alle gro�en Probleme sozialer Verbesserung durchaus steril, er bringe immer nur Debatten zur Welt, nie eine neue Idee_. Fourier hat hier mit wenig Worten den Liberalismus schlagend gekennzeichnet; er hat nichtsdestoweniger nach zwei Seiten Unrecht. Er hat Unrecht, wenn er sagt, der Liberalismus schade sich selbst, weil er durch seine Kampfweise den Monarchen und den Konservativen vor den Kopf sto�e. Das ist derselbe Vorwurf, den in unserer Zeit die vorgeschrittenen Liberalen den Sozialisten machen. Nun kann aber keine Partei aus ihrer Haut, sie k�mpft f�r die Ideen und Interessen, die ihre Lebensbedingungen bilden; ob sie dabei einen der Gegner, mit dem sie gewisse gleiche Ziele hat, verletzt und einsch�chtert, kann nicht in Frage kommen. Jede aufstrebende Partei, die f�r ihren Sieg k�mpft, ist f�r die alten Parteien eine Gefahr, weil der Sieg der neuen Partei die Verdr�ngung der alten Parteien und ihre Hinauswerfung aus der innegehabten Position bedeutet. Dar�ber t�uscht sich keine Partei, die an der Herrschaft ist, und namentlich dann nicht, wenn ein unvers�hnlicher prinzipieller Gegensatz zwischen den k�mpfenden Parteien besteht. Es ist daher th�richt, dem Angreifer seine Taktik zum Vorwurf zu machen, denn nicht um diese, sondern um seine wahren Bestrebungen handelt es sich. Fourier hat ferner Unrecht, wenn er glaubt, da� ein B�ndni� des Liberalismus seiner Zeit mit dem Konservatismus ein g�nstigeres Resultat f�r den Fortschritt der Gesellschaft ergeben h�tte. Deutschland, das heute �hnliche K�mpfe der herrschenden Klassen unter sich durchzumachen hat, wie das Frankreich der zwanziger und drei�iger Jahre dieses Jahrhunderts, ist der klassische Zeuge daf�r, wohin der Liberalismus und der Fortschritt der Gesellschaft kommt, wenn der Liberalismus sich mit dem Konservatismus verb�ndet. Indessen wir wissen heute, da� _alle_ wie immer gearteten politischen Parteik�mpfe nur K�mpfe um materielle Interessen sind, und da�, wo zwei K�mpfende sich gegen den dritten verb�nden, sie selbst nur einen Waffenstillstand schlie�en, weil ihnen der dritte die streitige gemeinsame Beute zu entrei�en droht. Es ist der alte Kampf um das bevorzugte Dasein, den die Menschen im Gegensatz zu den �unvern�nftigen� Thieren f�hren, indem jeder sich selbst und alle sich gegenseitig zu bel�gen und zu betr�gen suchen, sich vorredend, es seien die �Ideen� und nur die �Ideen�, f�r die sie stritten und k�mpften. Es ist der gro�e Fortschritt unserer Zeit, da� der Charakter dieser K�mpfe als Klassen- und Interessenk�mpfe immer mehr erkannt wird, und vor Allem ist es der moderne Sozialismus, der diesen Standpunkt voll und ganz einnimmt. Fourier f�hrt fort: Die Stehenbleibenden (�immobilistes�) seien eine ebenso l�cherliche Sekte als die R�ckw�rtsstrebenden, die soziale Bewegung weise jeden Stillstand zur�ck; sie strebe zum Fortschritt, dies sei ebenso ihr Bed�rfni� wie, da� Wasser und Luft zirkuliren m��ten, um nicht zu verderben. Jeder Stillstand korrumpire. Unsere Bestimmung sei, vorw�rts zu marschiren und so m�sse jede soziale Periode nach einer h�heren Entwicklung streben. So tendire die Barbarei zur Zivilisation und diese zum Garantismus und den h�heren Entwicklungsformen. Wenn eine Gesellschaft zu lange in einer Entwicklungsphase verharre, ermatte sie, und es entwickle sich in ihr, wie stehendes Wasser faulig werde, die Verderbni�. Wir bef�nden uns seit einem Jahrhundert in der dritten Phase, aber in dieser kurzen Spanne Zeit sei die Entwicklung, Dank den kolossalen Fortschritten der Industrie, sehr rasch vor sich gegangen. Heute strebe die dritte Phase �ber ihre Grenzen hinaus. Wir bes��en zu viel Lebensmittel f�r eine auf der sozialen Stufenleiter gleichzeitig nicht gen�gend emporgestiegene Gesellschaft, und dieser Ueberflu� von Lebensmitteln, im sozialen Mechanismus keine nat�rliche Anwendung findend, �berlaste und verderbe ihn. Daraus resultire eine zerst�rende G�hrung, es entwickle sich eine gro�e Menge sch�dlicher Charaktere, es zeigten sich Symptome der Erschlaffung, alles Wirkungen des Mi�verh�ltnisses, das zwischen den industriellen Mitteln und den auf einer tieferen Stufenleiter stehenden Massen der Bev�lkerung vorhanden sei. Wir bes��en zu viel Industrie f�r eine zu wenig vorgeschrittene noch in der dritten Phase zur�ckgehaltene Zivilisation, die aber von dem Bed�rfni� gedr�ngt werde, sich in die vierte Phase zu erheben. Daher diese Erscheinungen des Ueberflusses und der Verschlechterung, von denen er die schlimmsten aufz�hlen werde. Als Antwort auf die Prahlereien von der Vollkommenheit der bestehenden Gesellschaft werde er die zu Tage liegenden Wirkungen ihrer noch sehr neuen Verschlechterungen zeigen. Fourier f�hrt nun ein S�ndenregister der Zivilisation von vierundzwanzig Eigenschaften auf, die den nothwendigen Verfall der Gesellschaft zur Folge haben m��ten. Erstens: Die politische Zentralisation. Die Hauptst�dte w�rden zu Abgr�nden, die alle H�lfsmittel verschl�ngen, welche die Reichen zur Agiotage verleiteten, so da� diese mehr und mehr die Agrikultur verschm�hten. Zweitens: Die Fortschritte der Fiskalit�t. Es entwickele sich ein System der Erpressung und es entst�nden die indirekten Bankerotte; man nehme die Mittel voraus und grabe der Zukunft den Abgrund. 1788 habe Necker nicht gewu�t, womit er ein j�hrliches Defizit von f�nfzig Millionen decken solle, heute reichten nicht f�nfzig, man brauche f�nfhundert Millionen. Drittens: Befestigung des Seehandelsmonopols. 1788 habe man noch mit England rivalisirt und es zur�ckgehalten, heute herrsche es ausschlie�lich, ohne da� Europa an die Wiederherstellung einer wirklichen Rivalit�t denken k�nne. Viertens: Wachsende Angriffe auf das Eigenthum. Gewohnheit und Beispiele machten diese durch die Vorw�nde zur Revolution immer h�ufiger. Diese Angriffe w�rden f�r alle Parteien zur Regel. Nachdem Frankreich -- in der gro�en Revolution und unter Napoleon -- konfiszirt habe, ahmten Spanien und Portugal das Beispiel nach und das werde immer schlimmer werden, weil es heute nur Fortschritt in der Unordnung g�be. Es sei eine Charaktereigenschaft der Gesellschaft, die in die Barbarei zur�ckgreife. F�nftens: Beseitigung der Zwischenk�rperschaften; also derjenigen Institutionen, welche durch die straffe Zentralisation, die der Konvent schuf, beseitigt wurden: Provinzialst�nde, Parlamente, Magistrate und Korporationen. Dank ihrem Sturze befinde man sich vor der j�hrlichen Vergr��erung des Budgets um f�nfhundert Millionen. Sechstens: Beraubung der Kommune an Eigenthum und Rechten, die man vergeblich durch die Lebensmittelsteuern (�octrois�), welche die Industrie sch�digten, die Bev�lkerung mi�stimmten, zu Steuerhinterziehungen provozirten und den ganzen legalen Handel vergifteten, zu entsch�digen versuche. Siebentens: Verdorbenheit der Rechtsprechung; man vertheuere dem Armen das Rechtsuchen und mache es ihm unm�glich, und gleichzeitig rufe man, durch die immer gr��er werdende Theilung des Eigenthums und die H�ufung immer ohnm�chtiger werdender Gesetze, das Wachsthum der Prozesse hervor. Die Gesetze blieben todte Buchstaben f�r einen pl�ndernden Lieferanten, der 76 Millionen gestohlen habe, und verurtheilten einen armen Teufel, der einen Kohlkopf stehle, zum Tode. Fourier theilt zum Beleg f�r diesen letzteren Ausspruch den Ausgang zweier Prozesse mit, die sich zu seiner Zeit in Pan im s�dlichen Frankreich abspielten. Ein Armeelieferant, der durch betr�gerische Lieferungen ein Verm�gen von 76 Millionen ergaunerte, wurde freigesprochen, ein armer Teufel, Namens Ellisander, der Kohl gestohlen hatte, wurde zum Tode verurtheilt. Achtens: Dauerlosigkeit in Institutionen, die selbst im Falle besserer Einsicht von Unverm�gen betroffen seien und durch den Mangel gerechter Methoden in der ganzen Verwaltung der Gesellschaft das Gegentheil von dem erzeugten, was sie bewirken sollten. Man k�nne keine regelm��ige, auf allgemein geltenden Grunds�tzen basirte Landauftheilung und Landvermessung vornehmen, weil es keine Regel f�r solche Ma�nahmen gebe. Fourier hat hier die zu seiner Zeit geplante allgemeine Katastrirung im Auge, die theils wegen der gro�en Kosten, theils wegen des Streits �ber die unterzulegenden Grunds�tze von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verschoben wurde. Neuntens: Stetig drohende Schismen, die B�rgerkriege hervorzurufen drohten. Zehntens: Best�ndige Gefahr des Ausbruchs innerer K�mpfe, die Folge des N�hrens der Unzufriedenheit durch die Unwissenheit der sozialen Politiker, die kein Mittel der Auss�hnung und des wirklichen sozialen Fortschritts zu entdecken verm�chten. Elftens: Die Vererbung; die Gewohnheit, die durch die besiegte Partei einmal eingef�hrten Uebel beizubehalten: Lotterien, �ffentliche Spiele und andere verh�ngni�volle Mittel der Fiskalit�t. Die politische Schamlosigkeit und Erniedrigung der christlichen M�chte, die mit den Muselm�nnern und Piraten ein stilles Vertragsverh�ltni� eingingen, wonach man den Seer�ubern, um sie zu beschwichtigen, einen Tribut bezahlte und den Negerhandel unterst�tzte, betrachtete Fourier als die zw�lfte verh�ngni�volle Charaktereigenschaft der Zivilisation. Zu seiner Zeit standen die Dinge noch so, da� die meisten europ�ischen M�chte, Mangels der n�thigen maritimen Kr�fte und um den Seer�ubereien der nordafrikanischen Raubstaaten Einhalt zu thun, durch Zahlung eines j�hrlichen Tributs die eigene Flagge vor Angriff zu sch�tzen suchten. Einen solchen Vertrag schlo� z.B. Oesterreich mit der T�rkei, als der Schutzmacht der nordafrikanischen Seer�uberstaaten, ab. Oesterreich, das 1814 mit der Annexion von Venedig auch dessen Flotte erhielt, -- 8 Linienschiffe, 7 Fregatten etc. -- lie� diese buchst�blich verfaulen und die im Bau begriffenen Fregatten unvollendet. Der bankerotte Staat hatte keine Mittel, eine Kriegsflotte unterhalten zu k�nnen. Der Sklavenhandel, durch christliche M�chte beg�nstigt, blieb noch bis in unser Zeitalter ein gewinnbringendes Gesch�ft und eine Schmach unserer Kultur. Dreizehntens: Fortschritt des Handelsgeistes. Steigende Macht des B�rsenspiels, das der Gesetze spotte, die Fr�chte der Industrie an sich rei�e, die Autorit�t mit den Regierungen theile und �berall die Raserei f�r das Spiel verbreite. Vierzehntens: Beg�nstigung des Handels trotz seiner Verschlimmerung. Marseille baue f�r die Seer�uber Schiffe zur Kaperung der Schiffe der Christen, um mit den gefangenen Christen die afrikanischen Bagnos zu f�llen; Nantes besitze Fabriken in denen die Marterwerkzeuge f�r die Tortur der Neger hergestellt und den Strafgesetzen zum Trotz ausgef�hrt w�rden; andere St�dte ahmten den Engl�ndern nach und bauten Bagnos (Fabriken), in denen die Arbeiter sechszehn Stunden t�glich schanzen m��ten. Je mehr der Handel an B�sartigkeit zunehme, um so mehr werde er beg�nstigt. F�nfzehntens: Industrielle Skandale: Fortschritte in der Art der Verf�lschungen und der Tolerirung der Verf�lschung der Lebensbed�rfnisse; Zunahme der aus dr�ckendem Ueberflu� entstehenden Krisen; unterwerthige Ueberlassung der Ernten unmittelbar nach ihrer Einbringung gegen vorausgegangene Lieferung anderer Bed�rfnisse, also zunehmende Abh�ngigkeit des Bodenbebauers vom Kapitalisten. Sechszehntens: Handel mit wei�en Favoritinnen. Man lasse eine solche Gewohnheit vertragsm��ig selbst solchen M�chten zu, welche sie, wie der Pascha von Egypten, bisher nicht hatten, und widersetze sich nur diplomatischen Albernheiten. Siebzehntes: Einb�rgerung der Sitten eines Tiberius: zunehmende Spionage, die bis in die Reihen der Soldaten reiche; geheime Angeberei; augenscheinlicher Fortschritt in der Heuchelei, der niedrigen Gesinnung, der dem Parteigeist innewohnenden Uebel. Achtzehntens: Kommunistischer Jakobinismus. Die Parteien, die ihn bek�mpften, adoptirten seine Taktik und die Kunst, Verschw�rungen anzuzetteln; sie raffinirten die Verleumdung, die heute allgemein geworden sei und n�hmen dem Charakter des Modernen noch das wenige von Noblesse, das ihm verblieben. Neunzehntens: Vandalistisch gesinnter Adel (der Restauration), der an die Rechtsideen vor der Revolution wieder anzukn�pfen suche; er denke nur daran, die Industrie, die ihm die Wahlst�rme brachte, zu zerst�ren und verfalle so wieder der Barbarei. Zwanzigstens: Literarische Luftgefechte, die unsere Schriftsteller und Gelehrten als Banner ihres Barbarismus aufpflanzten, wobei sie sich gegenseitig, zum Vergn�gen des Publikums, dem sie den Geschmack an der Verleumdung beigebracht, zerrissen. Sie einigten sich nur, um wirkliche Aufkl�rung und n�tzliche Entdeckungen zu ersticken und zu unterdr�cken. Die Wahlfreiheiten h�tten ein Trio von neuen Tugenden geboren: einen vandalistisch gesinnten Adel, eine an der Verleumdung h�ngende Bourgeoisie, ein voll Tadelsucht steckendes Gelehrtenthum. Einundzwanzigstens: Auf rascheste Zerst�rung gerichtete Taktik, indem man die Kriege furchtbarer zu machen suche und immer mehr die barbarischen Gewohnheiten annehme; Guerillakampf, Landsturm, Bewaffnung von Frauen und Kindern. (Erinnerungen an Spanien, Tyrol und Preu�en. Der Verf.) Zweiundzwanzigstens: Tendenz zum Tartarismus, darin bestehend, die allgemeine Wehrpflicht und das Massenaufgebot, wie es Preu�en bereits besitze und es Ru�land in h�herem Ma�e nachzuahmen versuche, einzuf�hren; ein System, das, wenn es erst in einigen Reichen eingef�hrt sei, alle �brigen zwinge, aus Sicherheitsr�cksichten diese tartarische Organisation ebenfalls anzunehmen. Dreiundzwanzigstens: Einweihung der Barbaren in die Taktik der Zivilisirten, was ein sicheres Mittel sei, die R�ubereien der Barbaresken noch mehr herauszufordern und der T�rkei nahezulegen, diese R�ubereien nachzuahmen dadurch, da� sie in den Dardanellen von den Schiffen aller schwachen M�chte einen Passagezoll erhebe. Endlich vierundzwanzigstens: Vierfache Pest. Zu der bereits bekannten alten des Orients komme das gelbe Fieber, der Typhus, der bereits gro�e Verheerungen anrichte, und die aus Bengalen stammende Cholera. Das sei eine neue Quadrille von vier wachsenden Vervollkommnungen. Wir kritisiren diese von Fourier hier vorgef�hrten vierundzwanzig Charaktereigenth�mlichkeiten der Zivilisation nicht weiter, jeder Leser wird sich klar sein, wie weit sie heute noch vorhanden oder nicht vorhanden sind, sich steigerten oder sich schw�chten; eine Anzahl derselben waren sehr vor�bergehender Natur und sind verschwunden, andere lasten in bedenklichem Ma�e auch auf unserem Zeitalter, sie sind sogar seit Fourier in ihrem Druck gewachsen. Die Aufstellung der Liste verr�th wieder den Mann der scharfen Beobachtung und den Denker. Charakteristisch f�r Fourier aber ist die f�nfundzwanzigste der zivilisirten Untugenden, die er getrennt von den �brigen hervorhebt und als die �schmachvollste� aller bezeichnet: �die Zulassung der Juden zu den b�rgerlichen Rechten�. Es gen�gte den Zivilisirten nicht, sagt er, die Herrschaft des Betrugs zu sichern, man mu�te die Wuchernationen, die unproduktiven Patriarchalen zu H�lfe rufen. Die j�dische Nation sei nicht zivilisirt, sie sei patriarchalisch; sie habe keinen Souver�n, erkenne auch im Geheimen keinen an und halte jeden Betrug f�r lobenswerth, wenn es sich darum handele, Diejenigen zu t�uschen, die nicht ihres Glaubens seien. Sie gebe zwar diese Prinzipien nicht zu, aber man kenne sie gen�gend. Die Juden verdankten ihre Zulassung zu den b�rgerlichen Rechten nur den Philosophen. Man sieht, Fourier's Angriffe gegen die Juden, in welchen er sich noch weiter ergeht, decken sich fast wortgetreu mit den Angriffen unserer heutigen Antisemiten. Fourier meint weiter, die aufgez�hlten Uebel geh�rten nicht unab�nderlich zum Wesen der Zivilisation, sondern seien nur Anh�ngsel; sie w�rde dem Einbruch dieser Uebel entgangen sein, wenn sie ihren Marsch beschleunigt h�tte, wenn sie zeitig sich von der dritten Phase in die vierte Phase erhoben, ihre Organisation auf der sozialen Stufenleiter um so viel h�her ausgebildet h�tte als ihre Industrie sich steigerte; so habe sie f�r die dritte Phase zu viel und f�r die vierte zu wenig Entwicklung. Die Vollsaftigkeit (�pl�thore�) sei nur ein Zuf�lliges, die durch eine andere Organisation der sozialen Ordnung eine andere und gesundere Vertheilung erlangte. Es handele sich also darum, da� wachsende Industrie und Verbesserung der sozialen Organisation Hand in Hand gingen, damit diese kolossale Industrie regulirt und ausgeglichen werden k�nne, eine Industrie, die zu einem politischen Fleischbruch (�sarcoc�le politique�) geworden sei und es bliebe, so lange wir in der dritten Phase verharrten. Hiermit habe er die Analyse der Zivilisation gegeben. H�tte sich die Wissenschaft dieser Aufgabe unterzogen, so h�tte sie erkannt, welche Perioden die Zivilisation durchlaufen habe und w�rde entdeckt haben, wann man in die Bahn des Uebels oder des Guten einlenkte. Man w�rde alsdann auch konstatirt haben, da� die Zivilisation zwar die Industrie vervollkommnete, _da� sie aber in demselben Ma�e die Sittenzust�nde verschlechtere, wie der Fortschritt der Industrie sich entwickelte_. Darum gelte es, einen anderen sozialen Mechanismus zu entdecken, der den Sitten (�moeurs�) gem�� operire und aus dem Fortschritt der Industrie die Wahrheit und die Gerechtigkeit schaffe. Anstatt zu diesem Ziel zu streben, weigere sich die Wissenschaft, eine Aenderung zuzulassen, behauptend: �der nat�rliche Sinn des Wortes Zivilisation ist die Idee des Fortschritts in der Entwicklung; es setzt ein Volk voraus, das marschirt; es bedeutet die Vervollkommnung des b�rgerlichen Lebens und der sozialen Beziehungen, die billigste Vertheilung der Gewalt und des Gl�cks aller Glieder der Gesellschaft.� Einen Professor, der sich in solcher Weise auf seinem Pariser Lehrstuhl, wo der Sophismus vor jedem Widerspruch sicher sei, ausdr�cke, solle man als Antwort in die Spiegelmanufakturen und �hnliche Werkst�tten f�hren, damit er mit eigenen Augen die �billige Vertheilung� und das �Gl�ck� der Arbeiter sehen k�nne; jener Arbeiter, die den Phantasien der M��igen, aus denen sich das Auditorium des Professors zusammensetze, als Vorwurf dienten. W�re es wahr, da� die Zivilisation jede Vervollkommnung, jeden Fortschritt, jede Entwicklung beg�nstige, dann w�ren auch die Barbaren Zivilisirte, deren Industrie in China, Japan, Persien, Hindostan sich sehr vervollkommnet habe; aber zwischen diesen beiden Gesellschaften werde man, wenn man sie analysire, einen m�chtigen Unterschied erkennen. Der Fortschritt d�rfe aber nicht blos die Industrie betreffen, er m�sse auch die Sitten und den ganzen sozialen Mechanismus der Gesellschaft umfassen, zwei Beziehungen, welche die Zivilisation nur zu verschlechtern wisse. So bleibe ihre Aufgabe nur, Wissenschaft, K�nste, Industrie, Studien, welche auch die Barbaren begonnen und sehr weit getrieben h�tten, bis in die dritte Phase zur Anwendung zu bringen. Habe die Zivilisation diese Aufgabe erf�llt, dann bleibe ihr nichts anderes �brig, als zu verschwinden und einer anderen Gesellschaft Platz zu machen, welche, indem sie Sitten, sozialen Mechanismus, Industrie und Wissenschaft immer mehr vervollkommne und verfeinere, sie auf eine H�he bringe, deren die Zivilisation nicht zur H�lfte f�hig sei. �Indem das Jahrhundert sich abm�ht, fabrizirt es Konstitutionen und Systeme im Ueberflu�; es gleich dem Eichh�rnchen, das in seinem Rade springt, ohne da� es vom Flecke kommt.� * * * * * Fourier legt nun den Plan dar, der nach seiner Meinung die Zivilisation auf dem k�rzesten Wege in die h�here Entwicklungsphase, zun�chst in den Zwischenzustand zwischen Zivilisation und Garantismus, versetzen k�nne. Es gelte ein Uebergangsstadium zu schaffen, das den Handel, diese Hydra, vor der selbst die K�nige erschreckten und sich beugten, st�rze. Dieses koste nur ein Dekret, und die Banken wie der Handel mit ihren enormen Ertr�gen k�men in den Besitz der Regierungen. Zwei Wege gebe es, dies herbeizuf�hren, einen br�sken und einen sanft zwingenden, einen konkurrirenden und einen untergrabenden; auch lie�en sich beide Methoden vereinigen. Er unterstelle, da� es einen K�nig gebe von dem festen und r�cksichtslosen Charakter eines Mahmud II. (regierte als Sultan von 1808-1839) und also den Zwang vorziehe: dieser werde die ganze arme Klasse, die nichts besitze, vereinigen und sie in Staatsfarmen organisiren. Man k�nne rechnen, da� die Zahl der ganz Mittellosen ungef�hr ein Zehntel der Bev�lkerung betrage und auf je vierhundert Familien vierzig arme Familien k�men. Es bildeten also je zweihundert Personen die Bewohner einer Staatsfarm, die ihre n�thigen Geb�ude, Stallungen, Vieh, G�rten, Werkzeuge u.s.w. erhielten. Diese Zahl sei gro� genug, um eine zweckm��ige und wenig kostspielige Verwaltung, abwechselnde Arbeiten und ein lukratives Unternehmen zu begr�nden. Diesen Staatsfarmen h�tte sich in der Industrie die Institution der fixirten Unternehmerschaft anzuschlie�en. Hierunter versteht Fourier nicht die der Zahl nach fixirte Unternehmerschaft, sondern eine solche, die unter der Bedingung zugelassen wird, da� sie eine von Jahr zu Jahr progressiv steigende Abgabe an den Staat leistet, eine Ma�regel, die zwei Wirkungen haben soll; erstens: dem Staat eine hohe Einnahme zu bringen; zweitens: den Unbemittelten die Unternehmerschaft unm�glich zu machen, oder sie zur Aufgabe derselben zu n�thigen. Die so freigesetzte Bev�lkerung solle in die Staatsfarmen gedr�ngt werden, die einkommende Steuer aber neben der Deckung der Staatsausgaben zur Deckung der Staatsschulden verwendet werden. Fourier setzt voraus, da� diese Einnahmen allm�lig sehr hoch werden und einen erheblichen Theil des Unternehmergewinns absorbiren w�rden. Sicher ist von allen utopistischen Vorschl�gen Fourier's dieser Vorschlag der utopischste. Indem die Farmen immer zahlreicher w�rden und immer vorz�glichere Produkte lieferten, auch industrielle, w�rden sie durch die G�te ihrer Waaren, wie die Reellit�t der Preise die private Konkurrenz immer mehr in's Gedr�nge bringen und einen Unternehmer nach dem andern zur Gesch�ftsaufgabe zwingen. Damit dehnten sich die Farmen immer mehr aus, die Kapitalisten lie�en ihnen ihre Kapitalien zuflie�en, ein Eigenth�mer nach dem andern trete ihnen durch Verkauf oder durch Pacht seinen Grund und Boden ab und sie w�rden schlie�lich selbst Mitglieder der Farmen. Dieser Aufsaugungsproze� f�hre dann zur Bildung der Phalanxen. Man sieht, dieser Vorschlag hat eine starke Aehnlichkeit mit dem von Lassalle vorgeschlagenen Uebergangsstadium, nur da� Lassalle mit der Industrie beginnen wollte, Fourier das Hauptgewicht auf die Ackerbaugenossenschaft legt. Wir haben keine Veranlassung, diesen Vorschlag ausf�hrlicher zu kritisiren; er ist ebenso wenig durchf�hrbar, wie die Gr�ndung der Phalanxen durch die Mitwirkung der Reichen. Die Herrscher und die Klassen m��ten noch geboren werden, die im Besitz der Macht und aller Gen�sse freiwillig aus rein philanthropischen Gr�nden, um der Masse der Unbemittelten und Armen zu helfen, ihre eigene bevorzugte Stellung opferten. Wer in der Macht sitzt, sitzt im Recht und ihm leuchtet nicht ein, da� seine Stellung eine ungerechte sein k�nne. Ein Vorschlag, wie der Fourier'sche, kommt einer Zumuthung zum Selbstmord gleich; diesen begeht nicht einmal der Einzelne freiwillig, wie viel weniger eine Klasse, die sich im Besitz der Herrschaftsmittel und im Glauben an ihr Recht befindet. -- Fourier ergeht sich weiter in Auseinandersetzungen und Spekulationen �ber Einrichtungen und Zust�nde der Entwicklungsperioden, welche der Zivilisation vorausgegangen sind, um an der Hand derselben nachzuweisen, da� weitere Entwicklungen �ber die Zivilisation hinaus folgen w�rden. Nicht nur seien Thiere und Pflanzen um so mehr der Degeneration verfallen, je n�her sie unserer Zeitperiode r�ckten, sondern auch der Mensch. Der urspr�ngliche Mensch, der im Zustand des Edenismus durchschnittliche 73� pariser Zoll gro� gewesen -- woher er diese genauen Ma�angaben besitzt, verschweigt er --, aber heute auf durchschnittlich 63 pariser Zoll zur�ckgekommen sei, werde in der Harmonie sich wieder zur H�he von 73�-84 pariser Zoll entwickeln. Alle dem Menschen n�tzliche Thiere und Pflanzen w�rden sich in demselben Verh�ltni� vervollkommnen und veredeln. In der Barbarei sei der Angelpunkt des Systems, im Kontrast mit dem in der Zivilisation, die Einfachheit der Handlung, in der Zivilisation nehme jede Handlung den Charakter der Doppelseitigkeit an. Ein Beispiel m�ge dies beweisen. �Der Pascha eines barbarischen Reichs verlangt Abgaben, einfach, weil es ihm gef�llt, zu brandschatzen und zu pl�ndern, es f�llt ihm nicht im Traum ein, erst in den Verfassungen der Griechen oder R�mer nach den Theorien �ber die Rechte und Pflichten der Staatsangeh�rigen zu forschen: er begn�gt sich, die Steuer zu verlangen bei Gefahr f�r die Besteuerten, im Nichtzahlungsfalle den Kopf zu verlieren. F�r den Pascha giebt es also, um zum Zweck zu gelangen, nur ein Mittel, die Gewalt; dies ist eine einfache Handlung. Der zivilisirte Monarch benutzt f�r denselben Zweck verschiedene Mittel. Zun�chst hat er Polizisten und Soldaten zur St�tze der Verfassung. Aber man setzt dieser H�lfe das philosophische Handwerkszeug von moralischen Subtilit�ten �ber das Gl�ck, Abgaben zum Wohl des Handels und der Verfassung zahlen zu d�rfen, hinzu. Tugendhafte Finanziers �bernehmen, damit wir unsere unverj�hrbaren Rechte genie�en k�nnen, bereitwillig die Ueberwachung der Verwendung dieser Steuern. Der F�rst, der sie fordert, erscheint dabei als z�rtlicher Vater, nur darauf bedacht, seine Unterthanen zu bereichern; er empf�ngt die Steuern nur, um den unsterblichen Volksvertretern zu gehorchen, die ihm dieselben bewilligten; in Wahrheit ist es das Volk selbst, das die Steuern zu bezahlen _w�nscht_. Darauf erkl�rt der Landmann zwar, da� er seine Vertreter nicht gesandt habe, damit sie die Steuern vermehrten, aber man antwortet ihm: er m�sse die Sch�nheiten der Verfassung studiren, die ihn lehre, da� die W�rde freier M�nner darin bestehe, zu bezahlen oder -- in's Gef�ngni� zu wandern.� Hier sei also, erl�utert Fourier, Doppelseitigkeit der Handlung vorhanden, man bringe zwei sich gegen�berstehende Mittel in Anwendung, die Moral und die Gewalt, die Barbarei begn�ge sich mit der Gewalt. Jedenfalls hat Fourier mit seiner Beweisf�hrung die Lacher auf seiner Seite. In die metaphysischen Spekulationen, die Fourier �ber den Plan Gottes und die Gesammtheit der Bestimmungen anstellt, wollen wir ihm nicht folgen; ebensowenig in seine Spekulationen �ber die Unsterblichkeit der Seele und die Wanderungen, welche die Seele von Planet zu Planet, nach dem System immer gr��erer Vervollkommnung, vornehme. Heiterkeit erregend ist, wie er ausf�hrt, warum die Menschen �ber das zuk�nftige Leben nichts Bestimmtes wissen. Er sagt: �Erstaunen wir nicht �ber die Unkenntni�, welche �ber unsere Unsterblichkeit herrscht, noch �ber die Unzul�nglichkeit unseres Wissens �ber das, was uns nach unserem Tode erwartet. W�hrend des gegenw�rtigen bedenklichen Zustandes unserer Gesellschaft darf Gott die Menschen keine wissenschaftliche Kenntni� von ihrem k�nftigen Leben erlangen lassen. Erlangte man sie, s�mmtliche Arme der Zivilisation w�rden Selbstmord �ben, um dieses k�nftige Gl�ck so rasch als m�glich zu genie�en; aber die Reichen, die zur�ckblieben, h�tten weder die F�higkeit, noch die Neigung, die Armen in ihren undankbaren Besch�ftigungen zu ersetzen. Die Wirkung w�rde also sein, da� durch das Verschwinden Derer, welche jetzt diese Lasten tragen, die Industrie der Zivilisirten zu Grunde ginge und der Globus im Zustand best�ndiger Verwilderung bliebe. Dies w�rde die sichere Folge von der Ueberzeugung der Unsterblichkeit und ihrer Herrlichkeit sein.� Originell ist diese Begr�ndung auf alle F�lle. Der Kuriosit�t und f�r manchen Leser wohl auch des Interesses halber wollen wir hier ferner einige der Analogien erw�hnen, die Fourier zwischen den verschiedenen Pflanzen und Thieren und den verschiedenen Menschencharakteren und ihren sozialen Beziehungen nachzuweisen sich bem�ht. Diese Analogien erf�llen nach ihm das ganze Universum, wobei er sich auf die Worte Schellings -- eines der sonst von ihm so geha�ten metaphysischen Philosophen -- immer wieder bezieht: �Die menschliche Seele ist das Modell des Weltalls, es widerspiegelt sich die Idee des Ganzen in jedem Theil.� Nach Fourier ist also die gro�e Feldr�be, die nur auf dem Tisch des Unbemittelten und unwissenden Landmannes erscheint, auch dessen Spiegelbild; im Thierreich der Esel. Die Steckr�be entspricht dem gebildeten Farmer, die kleine runde R�be dem opulenten Mann. Die Carotte ist das Bild des verfeinerten, gerne experimentirenden Agronomen. Der Sellerie mit seinem herb-s�uerlichen Geschmack entspricht den Beziehungen l�ndlicher Liebender. Die Runkelr�be ist das Bild des zur Arbeit gezwungenen Sklaven; wie jene durch die gewaltsame Auspressung ihres Saftes Zucker geben mu�, so entspricht ihr Saft dem ausgepre�ten Blut des Arbeiters, das Gold wird. Dagegen gleicht das Zuckerrohr mit seiner angenehmen S��e dem Bilde der soziet�ren Einheit in der Industrie. Die Kartoffel mit ihren zahlreichen beieinander liegenden Knollen ist ein Gleichni� f�r die Gruppen und Serien der Triebe. Ferner ist die Rose das Sinnbild der Scham, die Mistel das des Schmarotzers, die Tulpe das der Justiz, der Hahnenfu� das der Etikette, die Hortensie das der Koketterie, der Hund das der Freundschaft, das Pferd das des Soldaten, die Viper das der Verleumdung. Es sind also Thiere und Pflanzen bald das Spiegelbild der Triebe des Menschen und seiner Charaktereigenschaften, bald seiner sozialen Beziehungen. So wird die Ehe in den verschiedenen Klassen durch die verschiedenen Arten der Schwertlilie analogisirt. Die flatterhafte Schwertlilie (�iris perpillon�) repr�sentirt die Ehe junger Liebenden; die jeder Annehmlichkeit beraubte Mauer-Schwertlilie entspricht der Ehe armer D�rfler; die blaue Schwertlilie der Ehe des beh�bigen B�rgers; die gelb- und azurgestreifte Schwertlilie der Ehe reicher Liebender; die riesige graue Schwertlilie, die mit ihrer mit Schwarz durchschossenen Blume einer gro�en Trauerblume �hnlich sieht, entspricht der f�rstlichen Ehe, wie �berhaupt der Ehe aus Ehrgeiz oder Politik. Die Blume zeigt an, da� diese Ehen meist ohne Liebe, oft ohne da� man sich zuvor kennen gelernt, geschlossen werden und ihres eigentlichen Reizes und der wahren Natur des Menschen, die nach Liebe d�rstet, entbehren. Schlie�lich bedauert Fourier lebhaft, da� er zu wenig die Naturgeschichte studirt habe, um diese Analogien, die eine der interessantesten Studien darb�ten, nach allen Richtungen verfolgen zu k�nnen, und bef�rwortet, da� man im soziet�ren Zustand diesem Studium besondere Ber�cksichtigung schenke, weil es f�r Sinne und Gem�th seine gro�en Annehmlichkeiten und Reize habe. * * * * * Wir glauben im Vorstehenden die Hauptgedanken aus den Theorien Fourier's so wiedergegeben zu haben, als dies bei dem zugemessenen Raum m�glich war; da� uns dabei manche sch�ne Stelle in seinen Ausf�hrungen entgangen ist, wie wir andere wegen Mangel an Raum �bergehen mu�ten, ist bei dem betr�chtlichen Umfang seiner Werke nat�rlich. Es ist andererseits keine leichte Aufgabe, sich in der Menge des Materials und in dem oft krausen Stil und abrupten Gedankengang zurechtzufinden. Und doch bietet das Studium seiner Werke einen gro�en Genu�; sie zeigen eine erstaunliche F�lle origineller Gedanken und Ideen, die zu einem erheblichen Theil auch f�r die heutige Zeit, wie f�r die zuk�nftige Entwicklung der Gesellschaft von gro�er Fruchtbarkeit sind. Sein Studium der menschlichen Triebe und die daraus hervorgehenden Schl�sse sind eine Arbeit, wie sie unseres Wissens nicht zum zweiten Male existirt. Die Art, wie er die menschlichen Triebe f�r eine neue Gesellschaftsorganisation zu verwenden beabsichtigte, ist so tief gedacht und erfa�t, da� die Zukunft in der Richtung der von ihm erfa�ten Gedanken nur weiter zu wandeln und aufzubauen braucht. Gro�artig ist sein System der Kindererziehung, das einem P�dagogen von Fach eine F�lle neuer Gedanken und Anregungen geben wird und das zugleich Zeugni� ablegt von der erstaunlichen, in's kleinste Detail gehenden Beobachtung, mit der Fourier, wie Alles, was ihm begegnete, so auch das Leben der Kinderwelt studirte. Das ist um so merkw�rdiger, als er sein Leben unverheiratet beschlo� und keine Kinder besa�. Merkw�rdig ist auch, da� dieser Mann, der einsam durch's Leben ging, ganz seinen Studien ergeben, der Liebe jenen Tempel baute, den sie in seinen Werken findet. Seine intimsten Freunde und Sch�ler haben keine Ausschweifungen an ihm beobachtet. Das ist nicht �berfl�ssig zu bemerken in Anbetracht der Angriffe, welchen gerade die Abschnitte �ber die Liebe in seinen Werken ausgesetzt waren. Wir haben seinen Ideen �ber Kindererziehung nur einen verh�ltnism��ig kleinen Raum widmen k�nnen, sie nehmen aber einen ziemlich betr�chtlichen in seinen Werken ein und umfassen eine Menge interessanter Details, die wir �bergehen mu�ten, die aber neben der denkenden Beobachtung, die Fourier den Kindern widmete, auch die tiefe Liebe athmen, die er zu diesen die Zukunft der Gesellschaft repr�sentirenden Wesen besa�. Wer sich mit all den ber�hrten Fragen eingehender befassen will, dem rathen wir, die Werke Fourier's zu studiren. Er wird neben vielem Schrullenhaften und Vielem, was uns heute l�cherlich erscheint, weil wir mittlerweile fast dreiviertelhundert Jahre �lter wurden und eine ungeheure F�lle von Wissen, Entdeckungen und Erfahrungen aufgespeichert haben, die Fourier und seinem Zeitalter fremd und unbekannt waren, auch viele heute und noch f�r eine erhebliche Zukunft hinaus sehr werthvolle Gedanken, Anregungen und Ideen kennen lernen. Und selbst das Schrullenhafte und L�cherliche in seinen Werken ist stets in so origineller Weise gedacht, da� man es mit Interesse liest, als ein Denkmal, das zeigt, wie in einem genialen Geiste, der nicht lange vor unserm Zeitalter lebte und Menschen und Dinge gr�ndlich kannte, sich die Zukunft der Menschheit und der Welt widerspiegelte. Wer Goethe's �Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre� und �Wahrheit und Dichtung� gelesen hat und erw�gt, da� Fourier und Goethe gleichzeitig lebten und wenige Jahre von einander getrennt starben, wird in den Phantasien Beider �ber menschliches Gl�ck manches Verwandte finden. Der Fourier'sche Utopismus h�lt dem Goethe'schen, wie er namentlich in den Wanderjahren hervortritt, voll die Waage; Fourier �bertrifft Goethe an realer Menschenkenntni�, an Kenntni� der Lebenslage der Masse und in Bezug auf die Naturgeschichte der Gesellschaft. Wir lie�en in der vorliegenden Arbeit g�nzlich unber�cksichtigt, und mu�ten und konnten dies auch, Fourier's sehr polemisch abgefa�te Abhandlungen gegen die Philosophen, die er so gr�ndlich ha�te und, wie es immer geschieht, wenn der Ha� vorzugsweise die Feder f�hrt, auch schw�rzer malte, als sie es verdienten. Man halte fest, da� es die Politiker, die Oekonomisten, die Moralisten und Metaphysiker waren, denen er unter dem Namen der Philosophen zu Leibe ging. Man beachte ferner, da� seine Feindseligkeit wider sie daher kam, da� er, der die Wahrhaftigkeit �ber Alles liebte, fand, da� ihre gro�en Worte und sch�nen Ideen, mit welchen sie den Menschen das Heil, die Rettung aus allem Elend und das Gl�ck versprachen, im Widerspruch mit ihren Thaten und im grellsten Widerspruch mit dem wahren, so eben erst neugeschaffenen Zustand der Dinge standen. Wer wie Fourier all die gro�en, sch�nen und gl�nzenden Gedanken, welche die Werke Rousseau's und der Enzyklop�disten, die Reden der Wortf�hrer der verschiedenen politischen Parteien, der Konstitutionellen, wie der Siey�s und Mirabeau, der Girondisten, der Dantonisten, der Robespierrianer u.s.w. enthielten, kennen gelernt hatte; wer gesehen, wie dem rothen der wei�e Schrecken folgte, dann die Bourgeoisie das Heft in die Hand nahm und, raubgierig und schamlos wie immer, allen ihren gro�en sch�nen Worten und erhabenen Phrasen zum Trotz, nur daran dachte, das Volk zu unterdr�cken und es um die Fr�chte seiner Arbeit zu bringen; wie dann statt des verhei�enen Gl�cks das Massenelend sich einstellte, sich sichtbar vermehrte; wir sagen, wer das Alles vom Standpunkt Fourier's gesehen und erlebte und dabei glaubte, sich �ber die Natur der Dinge und der Menschen nicht zu t�uschen, dessen Herz durfte mit Ha� und Zorn erf�llt werden. Aber er besa� in hohem Grade auch die Waffen des Witzes und des bei�enden Spottes, womit er seine Angriffe w�rzte, und dies erbitterte besonders seine Gegner und veranla�te sie lange Zeit, und die �berwiegende Zahl derselben stets, die bekannte Todschweigungstaktik gegen ihn zu beobachten. Einen Mann von Fourier's Charakter erbitterte dies noch mehr. Sein System war nicht f�r das Verst�ndni� der Massen berechnet, wenn auch f�r die Massen geschaffen; er suchte die Zustimmung und Mitwirkung der Gro�en und Reichen, und diese Kreise konnten, wenn �berhaupt, nur gewonnen werden, wenn namentlich die vornehmeren Journale sich seinen Ideen und seinen Werken freundlich gegen�berstellten. Aber die Schriftsteller dieser Kreise mu�ten sich wiederum, abgesehen von dem Inhalt seiner Gedanken, durch seine Kritik am meisten getroffen und verletzt f�hlen. Es geh�rte der kindliche Glaube eines Fourier dazu, da� die Gegner seine Kritik nicht als eine pers�nliche, sondern als rein sachliche auffassen sollten, das hie� in der That ihrer Natur zu viel zumuthen und der Macht seiner Gr�nde zu sehr vertrauen. Aber abgesehen von dieser Art seiner Polemik w�rden die herrschenden Klassen schon aus den mehrfach hervorgehobenen, im Wesen der Klassenherrschaft und des Klassengegensatzes liegenden Gr�nden, sich zu keiner freundlicheren Behandlung herbeigelassen haben. Sie behandelten ihn, und von ihrem Standpunkt aus mit Recht, als �Narren�. Wie kann man auch dem Wolf zumuthen, ein Lamm zu werden? Oder verlangen, von den Disteln Trauben zu lesen? Diese ewigen Abweisungen forderten dann auf's Neue seinen Zorn heraus, sch�rften seinen Witz und Spott, die er an den zahlreichen Bl��en �bte, die das System und seine Vertheidiger ihm boten. Friedrich Engels, sicher ein berufener Beurtheiler, spricht in seiner Schrift �Herrn Eugen D�hring's Umw�lzung der Wissenschaft� aus, da� wenn selbst die Fourier'schen Systemausf�hrungen keinen Werth bes��en, eine Ansicht, die Engels nicht hat, Fourier durch die Form seiner Kritiken zu den gr��ten Satirikern aller Zeiten geh�re. Wie die Philosophen, als Vertreter und Lobredner der b�rgerlichen Gesellschaft, ihn mi�handelten, so empfing er auch die Angriffe und Verurtheilung seitens der Kirche. Wir wiesen schon mehrfach im Obigen darauf hin, wie wenig Fourier's Auffassung von Gott und der Stellung des Menschen zu Gott den kirchlichen Ansichten behagen konnte. Setzte der Papst seine Schriften auf den Index, so machten es sich katholische Organe seiner Zeit, wie �Gazette de France� und �L'Univers� zum Gesch�ft, ihn als einen Menschen anzugreifen, welcher den menschlichen Leidenschaften die Z�gel wolle schie�en lassen, der mit unerh�rter Frechheit die Lehren der Moral antaste, die heiligsten und intimsten Beziehungen der Geschlechter in der Familie und Ehe verspotte und untergrabe und durch alles dies und seine subversiven religi�sen Lehren, die im Grunde rein atheistische seien, die Gesellschaft, die Religion und die Moral umzust�rzen versuche. So wenig das Fourier zugeben wollte und so heftig er sich insbesondere gegen den Vorwurf des Atheismus wehrte, den er, wie wir sahen, besonders Owen zum Vorwurf machte, im Grunde hatten die Vertreter der kirchlichen Ordnung und Autorit�t Recht. Es sind doch neben bereits Zitirtem sehr ketzerische Ansichten, die er in einer l�ngeren Abhandlung: �Ueber den freien Willen� lehrt, und �ber die Beziehungen zwischen Gott und Mensch, Ansichten, die geeignet sind, die Vertreter der geoffenbarten Religion gegen ihn auf's H�chste aufzubringen. Fourier's Ansicht �ber den freien Willen lautet kurz zusammengefa�t also: �Die Theologie wie die Philosophie lehren eine falsche Lehre �ber den freien Willen. Nach der Philosophie soll die Vernunft allein herrschen und soll die Vernunft die menschlichen Handlungen bestimmen; f�r sie ist also der freie Wille absolut. Der zur Vernunft gekommene Mensch ist Herr seiner selbst, er wird handeln, wie die Vernunft ihm gebietet, ohne R�cksicht auf die Gesetze seiner Natur und den Willen Gottes.� �Umgekehrt behaupten die Theologen, da� der Wille Gottes allein entscheidet, da� er Alles thut, Alles lenkt und der Mensch sich seinem Willen zu f�gen hat; Gott gegen�ber ist der Mensch macht- und willenlos.� Beides ist falsch. Gott und der Mensch sind zwar entgegengesetzt, sie sind Extreme, aber Extreme, die sich ber�hren und die in Gemeinschaft mit einander handeln m�ssen, um sich gegenseitig zu befriedigen. Gott will, da� der Mensch ihm hilft, gewisserma�en sein Assozi� sei. Um aber diese H�lfe leisten zu k�nnen, mu� der Mensch die Naturgesetze und die Gesetze der Anziehung studiren. Sobald er diese begriffen hat, ist er in der Lage, mit Gott gemeinsam zu operiren. Das Gef�hl, das Beide verbindet, soll Freundschaft sein, nicht Nichtachtung, wie die Philosophen lehren, und nicht blinde, dem�thige Unterwerfung, wie die Theologen predigen. In dem einen wie in dem anderen Falle kann weder Gott noch der Mensch gl�cklich sein und k�nnen sie ihren Zweck nicht erreichen. Wir lassen uns auf keine Kritik dieser Fourier'schen Philosophie weiter ein, der Leser wird wissen, wie er sie zu beurtheilen hat, unm�glich konnte aber die Kirche mit ihr sich zufrieden geben. Als Fourier starb, war sein Anhang gering; die Aussicht, sein System, an dem er mit dem Feuer eines Fanatikers und eines Neuerers hing, wie er von Tag zu Tag w�hrend Jahrzehnten gehofft, verwirklicht zu sehen, war gleich Null. Vielleicht d�mmerte ihm auch die Ueberzeugung, da� die Entwicklung der Zivilisation doch auf wesentlich anderem Wege zum Ziele komme, als er sich vorgestellt, und alle diese Entt�uschungen verbitterten ihm seinen Lebensabend. Am 10. Oktober 1837 fanden ihn seine Wirthin und seine J�nger, nachdem er schon l�ngere Zeit vorher gekr�nkelt, fr�h Morgens todt vor seinem Bette liegen. Einer der gr��ten Menschenfreunde hatte f�r immer die Augen geschlossen. Die Fourier'sche Schule hat keine ma�gebende Bedeutung und keinen entscheidenden Einflu� auf die Geschicke Frankreichs erlangt. Wohl besa� sie eine nicht kleine Anzahl von Anh�ngern, die sich meist aus den gebildeten Kreisen, vornehmlich aus den Kreisen der Studirenden, der K�nstler, der Techniker und selbst der Milit�rs rekrutirten, welche die Fourier'schen Ideen mit Geist und Geschick schriftstellerisch vertraten, aber eine Partei, die in den politisch-sozialen K�mpfen des modernen Frankreich eine hervorragende Rolle spielte, wurde der Fourierismus nie. Die zahlreichen Schriftsteller, welche der Schule infolge ihres Hauptrekrutirungsfeldes f�r ihre Anh�nger, aus den ideologisch angelegten K�pfen der jungen Bourgeoisie erwuchsen, schufen auch eine verh�ltni�m��ig reiche Literatur, aber die Zahl der Schriften stand in starkem Mi�verh�ltni� zu ihrem Einflu� auf die Massen. Auch der Umstand, da� mehrere ihrer Hauptwortf�hrer, so Victor Considerant, nach Fourier's Tode das eigentliche Haupt der Schule, und der erst im Februar 1887 verstorbene Cantagrel lange Jahre Volksvertreter in Frankreich waren, hat das allm�lige Erl�schen des Fourierismus nicht verhindern k�nnen. In seinem Bestreben auf Auss�hnung der Klassengegens�tze durch freiwilliges Entgegenkommen der Besitzenden mu�te der Fourierismus immer mehr zu einer reinen Humanit�tsduselei verflachen, oder er wurde, wie im Phalanst�re zu Guise, als Deckmantel mi�braucht, um unter sozialistischer Flagge gro�b�rgerliche Ausbeutung zu betreiben. Nothwendigerweise m�ssen alle sozialistischen Experimente, die innerhalb der b�rgerlichen Welt versucht werden und naturgem�� auf die Auss�hnung sich gegenseitig ausschlie�ender Gegens�tze gerichtet sind, zu Grunde gehen. Wo solche Experimente sich l�ngere Zeit halten, wie in einzelnen kommunistisch organisirten kleinen Gemeinwesen in den Vereinigten Staaten, verm�gen sie dies nur durch fast vollkommene Isolirung von der �brigen Welt und nur unter einer Wirthschaftsweise, die ihre Anh�nger zu spartanischer Einfachheit zwingt und ihnen patriarchalische Verh�ltnisse aufn�thigt. Das ist keine Kulturentwicklung, wie sie die Menschheit erstrebt. Diese verlangt freie ungehinderte Entfaltung aller menschlichen Anlagen und F�higkeiten und vollen Genu� an allen Kulturerrungenschaften, was nur durch steigende Vermehrung der Kulturmittel auf h�chster technischer und wissenschaftlicher Stufenleiter zu erreichen ist. Das Alles vermag ein kleines, isolirtes, in seinen Kr�ften und Mitteln beschr�nktes Gemeinwesen, mag es noch so kunstvoll organisirt sein, nicht zu schaffen. Es wird gest�rt durch jeden fremden Einflu�, der von au�en auf es einwirkt, und diese Einwirkung wird um so mehr vorhanden sein, je lebhafter die Beziehungen sind, die das Einzelne zum Ganzen f�r nothwendig erachtet. Entweder hei�t es also mit dem Ganzen gehen und sich mit ihm entwickeln, oder isolirt bleiben und verkn�chern, ein Drittes giebt es nicht. In der b�rgerlichen Welt sind nur b�rgerlich handelnde Menschen denkbar, der Einzelne steht zum Ganzen in der Rolle eines Z�hnchen an einem ungeheuren Triebwerk, dessen viele Dutzende von R�dern mit ihren Tausenden von Z�hnen und Z�hnchen in gesetzm��iger Ordnung ineinandergreifen. Die Wirkung des Einzelnen liegt in der Wirkung auf das Ganze und umgekehrt in der Wirkung des Ganzen auf den Einzelnen. Beides erg�nzt, beides bedingt sich. Wer als Einzelner dem Ganzen widerstrebt, seinen Sonderweg glaubt gehen zu k�nnen; wer meint, den sozialen Mechanismus, in den Alle gebannt sind, willk�rlich durchbrechen zu k�nnen, wer w�hnt, sein besonderes soziales Himmelreich begr�nden zu k�nnen, der wird, durch die harten Thatsachen rasch eines andern belehrt, seine Ohnmacht und Unf�higkeit einsehen. Daher ist alle sozialistische Experimentirerei mitten in der b�rgerlichen Welt, gehe sie nun von einem Einzelnen aus, der sich einbildet, als b�rgerlicher Unternehmer sozialistisch produziren und distributiren zu k�nnen, oder von einer kleinen Gesammtheit, die dasselbe f�r sich und unter sich versucht: Utopisterei, Phantasterei. Ein jeder solcher Versuch ist ein Zeichen geistiger Unreife, der nur die Wirkung haben kann, Entt�uschungen hervorzurufen, die Ideen bei unklaren K�pfen zu diskreditiren und den Gegnern die gew�nschte Waffe gegen die von ihnen gef�rchteten Bestrebungen zu liefern. Der gro�e Fortschritt unseres Zeitalters ist, da� die Utopisten ausgestorben oder im Aussterben begriffen sind. In der Masse finden sie nie Boden, sie finden ihn heute weniger als je. Auch der einfachste Arbeiter f�hlt, da� sich _k�nstlich_ nichts schaffen l��t, da� das, was werden soll, sich _entwickeln_ mu� und zwar mit dem Ganzen durch das Ganze, nicht getrennt und isolirt von ihm. Es handelt sich darum, der Entwicklung freie Bahn zu schaffen, alles Alte, Abgestorbene zu beseitigen, dem Absterbenden das Ende zu erleichtern, und zu diesem Zweck die kritische Sonde �berall eintreiben, wo Uebelst�nde sich zeigen. Indem man die Kritik anwendet, mu� man den Ursachen nachsp�ren, die die Uebel erzeugten. Aus der Erkenntni� der Ursachen ergeben sich die Heilmittel von selbst. In der Kritik war nun Fourier Meister, aber was seine Kritik zu falschen Schl�ssen f�hrte, waren die falschen Voraussetzungen, die er machte. Die vorhandenen Uebel erkannte er vortrefflich und schilderte sie gro�artig, aber in der Untersuchung der _Ursachen_, die diese Uebel erzeugten, ging er von Auffassungen �ber das Wesen der Gesellschaft aus, die ihn nothwendig zu falschen Ergebnissen f�hren mu�ten. Wer wie er die Ansicht vertrat -- und sie theilte sein Zeitalter --, da� der Entwicklungsgang, den die Menschheit genommen, nicht die gesetzm��ige Wirkung der Existenz- und Produktionsbedingungen sei, unter denen sie sich seit Jahrtausenden gebildet und fortentwickelt hatte, sondern von rein zuf�lligen und willk�rlichen Umst�nden abh�ngig, von dem Dichten und Denken dieses oder jenes Mannes, von dieser oder jener Handlung m�chtiger Personen, wer also nicht Gesetzm��igkeit, sondern Zufall und Willk�r annahm, mu�te auch glauben, da� Zufall und Willk�r die Zust�nde �ndern k�nne. F�r Fourier war der Wille des Menschen nicht durch die Umst�nde bestimmt, die sein Gesellschaftsinteresse beherrschten, f�r ihn war der Wille des Menschen eine selbst�ndige Macht, die von den sozialen Verh�ltnissen nicht beherrscht wurde, sondern diese willk�rlich erzeugte. Er erkannte nicht den Klassencharakter der Gesellschaft, f�r ihn war jede Meinung nur eine individuelle Meinung, die sich durch sogenannte allgemeine Vernunftgr�nde zu Gunsten einer Idee, die das allgemeine Gl�ck bezweckte, gewinnen lie�. Darum wandte er sich auch haupts�chlich an Diejenigen, die ihrer sozialen Stellung nach zu allerletzt ein Interesse, richtiger gar kein Interesse hatten, den bestehenden Zustand zu �ndern. Fourier steckte also, ohne es zu wissen, selbst tief noch in den Ideen der b�rgerlichen Philosophen, die er sonst so sehr bek�mpfte und die auch alle von der Ansicht ausgingen, es bed�rfe nur der Erkenntni� einer �Idee� des Guten, Gerechten, Vern�nftigen, um diese �Idee� zur Geltung und Herrschaft zu bringen. Fourier verspottete die Philosophen, da� sie best�ndig Ideen verherrlichten und als Grunds�tze in die Gesetze eingef�hrt h�tten, die mit der Thats�chlichkeit der Dinge im Widerspruch blieben. Schlie�lich predigte er aber selbst Ideen, die an der Hartn�ckigkeit der Thatsachen scheiterten. Fourier's gro�es Verdienst besteht darin, da�, wenn er auch nicht erkannte, _warum_ und _wodurch_ die b�rgerliche Gesellschaft so war, wie sie war, er sich �ber ihren Charakter nicht t�uschen lie�, da� er ihre Hohlheit und ihre Widerspr�che erkannte und ihr schonungslos die Maske vom Angesicht ri�. Niemand vor ihm hat wie er die b�rgerliche Gesellschaft in ihrem heuchlerischen und zweideutigen Charakter, der sich, wie er mit Recht hervorhebt, allen ihren Kundgebungen und Handlungen auspr�gt, erkannt und Niemand nach ihm hat sie sch�rfer kritisirt. Hierin hat er Un�bertroffenes geleistet. Ebenso hat er nach einer anderen Seite hin, und zwar durch seine Kritik der menschlichen Triebe und Leidenschaften, eine tiefe und gro�herzige Auffassung der menschlichen Natur gezeigt, die ihn als einen Meister der Beobachtung erscheinen l��t. Seine Auffassung der menschlichen Triebe, die im sch�rfsten Widerspruch mit jener der Theologen und Moralphilosophen stand und steht, da� alle Triebe nat�rlich und darum n�tzlich und vern�nftig, zum menschlichen Gl�cke nothwendig seien, und es nur der soziale Zustand der Gesellschaft sei, der sie unterdr�cke oder f�lsche, und daher diese Triebe sowohl f�r das Individuum, wie f�r die Gesellschaft sch�dlich erscheinen lie�e, mu�te den herrschenden Klassen als arge Ketzerei, als der Anfang zur Aufl�sung aller bisher f�r unantastbar geltenden gesellschaftlichen Bande erscheinen. In dieser seiner Auffassung der menschlichen Triebe ist Fourier der eigentliche Revolution�r. Wer diesen Sensualismus theilt, wird logisch und mit Nothwendigkeit ein soziales System bek�mpfen und verwerfen m�ssen, das der menschlichen Natur nur Zwang bereitet, zur F�lschung, Verk�mmerung und Unterdr�ckung der menschlichen Triebe f�hrt und dadurch das wahre Wesen der menschlichen Natur aufhebt. Man kann sich daher wohl vorstellen, welch grimmigen Widerspruch diese Ideen bei den Lobrednern einer Gesellschaft finden mu�ten, die eben erst nach den schwersten und blutigsten K�mpfen in der gro�en Revolution sich konstituirt hatte, die von dem Bewu�tsein durchdrungen war, die beste aller Welten zu sein. Kaum zum Leben und zur Geltung gekommen, kaum sich im Glanze ihrer Jugendherrlichkeit sonnend, tritt ihr in Fourier ein Kritiker von der gr��ten Unerbittlichkeit, Sch�rfe und R�cksichtslosigkeit gegen�ber und enth�llt alle ihre Bl��en. Diese Gesellschaft, die eben erst die alte feudale Gesellschaft gest�rzt, nachdem sie dieselbe vorher durch die Waffen der Kritik schon moralisch vernichtet hatte, erf�hrt, kaum zur Macht gekommen, an ihrem eignen Leib dasselbe. Eben erst der Babeuf'schen Verschw�rung durch Anwendung brutaler Gewalt Herr geworden, ersteht ihr in dem jungen Fourier ein neuer Gegner, der sie mit den aus ihrem eigenen Arsenal entnommenen Waffen bek�mpft. Doch es war nur ein Einzelner, der zun�chst keinen Anhang hinter sich hatte, der auch weit entfernt war, mit denselben Mitteln, mit denen das B�rgerthum die Gewalt an sich gerissen hatte, die Befreiung der Unterdr�ckten zu erstreben. So waren die Todtschweigepraxis oder der Spott gen�gende Waffen, mit dem neuen Gegner fertig zu werden. Tausend Andere an Fourier's Stelle w�rden in diesem vollst�ndig hoffnungslos erscheinenden Kampfe, wo er, der mittel- und namenlose Kommis, einer Welt m�chtiger Gegner gegen�berstand, den Muth haben sinken lassen. Fourier that das nicht. M�nner, die unumst��lich an die Richtigkeit und Gerechtigkeit des von ihnen Gewollten glauben, werden Fanatiker, die sich durch nichts ersch�ttern lassen. Zu ihnen geh�rte Fourier. Die bittersten Erfahrungen, die schwersten und schmerzlichsten Angriffe, Spott und Hohn, mit denen man ihn �bergo�, machten ihn nicht irre. Mit wahrhaft eiserner Ausdauer und Energie suchte er sein System auszubauen und zu propagiren, bis es ihm endlich nach uns�glichen Anstrengungen gelang, wenigstens einen kleinen Kreis ergebener Anh�nger um sich zu sammeln, die, was ihnen an Zahl abging, durch Muth, Begeisterung und Ausdauer ersetzten. Konnte nun auch der Fourierismus seiner ganzen inneren Anlage nach keinen Einflu� auf die Massen erlangen und keine gro�e Parteibewegung in's Leben rufen, und verlor er in demselben Ma�e an Boden, wie die Klassengegens�tze sich entwickelten und der Klassenkampf emporloderte, so sind seine Ideen f�r den Fortschritt der sozialen Bewegung nicht verloren gegangen. Fourier'sche Gedanken werden bei einer k�nftigen Neugestaltung der gesellschaftlichen Zust�nde, wenn auch in anderer Form als ihr Urheber meinte, ihre Auferstehung feiern, w�hrend seine Kritik der b�rgerlichen Gesellschaft heute von Millionen getheilt wird, die nie eine Zeile seiner Werke zu Gesicht bekamen. Darin zeigt sich die wahre Bedeutung eines Menschen, da� Ideen, wegen deren er verfolgt, verl�stert und verh�hnt wurde, deren Triumph er nie erlebte, nach seinem Tode weiter wirken, immer mehr Ausbreitung erlangen und schlie�lich, gereinigt von den Schlacken, die ihnen anhafteten, Gemeingut einer sp�teren Zeit werden. Dieses Zeugni� mu� man Fourier und seinem Wirken ausstellen; und wenn es heute noch Sozialisten giebt, die sich durch das Fremdartige vieler seiner Ideen abschrecken lassen und dar�ber das Gold, das in seinen Werken steckt, �bersehen, so beweisen sie damit nur ihre Oberfl�chlichkeit und ihre Unf�higkeit zu objektivem Urtheil. Fourier war eine genial angelegte Natur, mit dem w�rmsten Herzen f�r die Menschheit; sein Name wird erst zu Ehren kommen, wenn das Andenken an Andere, die heute noch der gro�e Haufe auf den Schild hebt, l�ngst verbla�t ist. Die Schule Fourier's besitzt heute nur noch eine kleine Anzahl versprengter, meist den besitzenden Klassen angeh�riger Anh�nger in Frankreich, die mit Hartn�ckigkeit dem Traum ihrer Jugend nachh�ngen. Das ist Alles, was von ihr �brig blieb. Der Fourierismus ist todt, aber der Sozialismus lebt. Die neuen sozialen Ideen, wie sie insbesondere durch den modernen wissenschaftlichen Sozialismus, den man nach seinen Begr�ndern auch den deutschen wissenschaftlichen Sozialismus nennen darf, vertreten werden, haben in Frankreich, in dem durch die Utopisten wie Fourier wohl vorbereiteten Boden, immer mehr Wurzel gefa�t. Die alten Schulen und Sekten sind zersprengt oder in voller Aufl�sung begriffen, und in einer kurzen Spanne Zeit wird der Strom der sozialen Bewegung auch in Frankreich in einem einzigen breiten Bette flie�en und die Bewegung immer mehr zur Erf�llung ihrer Mission bef�higen. Ein Denkmal der Erinnerung setzte dem vielverkannten Fourier der Dichter Berang�r, der den Todten unter dem Schimpfwort, das ihn im Leben verfolgte, der �Narr�, besingt, nur da� er das Gedicht allen �Narren� widmet, die gleich Fourier darnach strebten, der Menschheit neue Bahnen zu er�ffnen. Das Gedicht, das wir hier in der Ursprache und dann in der Uebersetzung eines poetisch veranlagten Freundes folgen lassen, lautet: Les fous Vieux soldats de plomb que nous sommes, Au cordeau nous alignant tous, Si des rangs sortent quelques hommes, Nous crions tous: A bas les fous! On les pers�cute, on les tue, Sauf, apr�s un lent examen, A leur dresser une statue Pour la gloire du genre humain. Fourier nous dit: Sors de la fange, Peuble en proie aux d�ceptions, Travaille, group� par phalange, Dans un cercle d'attractions; La terre, apr�s tant de d�sastres, Forme avec le ciel un hymen, Et la loi, qui r�git les astres, Donne la paix au genre humain. Qui d�couvrit un nouveau monde? Un fou qu'on raillait en tout lieu; Sur la croix que son sang inonde, Un fou qui meurt nous l�que un Dieu. Si demain, oubliant d'�clore, Le jour manquait, eh bien! Demain Quelque fou trouverait encore Un flambeau pour le genre humain. * * * * * Die Narren Wir lassen richten, drillen uns und kneten, Soldaten nur, die des Kommandos harren; Kommt's Einem bei, aus Reih' und Glied zu treten, Es schreit die Menge: �Nieder mit dem Narren!� Er wird gehetzt, verleumdet und vernichtet, Bis man zuletzt, als w�rde etwas Rechtes Damit gethan, ein Denkmal ihm errichtet, Zu Ehr' und Ruhm des menschlichen Geschlechtes. Dem Volk ruft Fourier zu: �Im Schlamme heute, Entwinde dich dem Truge deiner Feinde Und schaare dich, da� Keiner aus dich beute, Zur br�derlichen, schaffenden Gemeinde. Der Zwist verstummt, des Hasses Brand erkaltet, Willk�r und Herrschsucht weichen scheu dem Rechte, Und das Gesetz, das �ber Sternen waltet, Bringt Frieden auch dem menschlichen Geschlechte.� Wer hat den Weg zur neuen Welt gefunden? Ein �Narr�, verfallen afterweisem Spotte. Am Kreuz erliegend seinen N�gelwunden, Wird uns ein �Narr�, der elend stirbt, zum Gotte. Vers�nk' die Sonne in des Dunkels Schl�nden, Da� uns das morgen keinen Morgen br�chte, So w�rde morgen eine Fackel z�nden Irgend ein Narr dem menschlichen Geschlechte. * * * * * Zum Schlusse werfen wir noch einen Blick auf die Ausbreitung, welche die Fourier'schen Ideen �ber die Grenzen Frankreichs und speziell auch in Deutschland gefunden hatten. Bei der Bedeutung, die Frankreich seit der gro�en Revolution f�r alle vorw�rtsstrebenden Geister in der ganzen Kulturwelt erlangte, mu�ten auch die Erscheinungen in der sozialen Bewegung, die namentlich nach der Restauration mit der Entwicklung der �konomischen Verh�ltnisse immer mehr in den Vordergrund trat, lebhafte Beachtung finden. Der Kapitalismus begann in allen L�ndern Europas immer mehr Wurzel zu schlagen und sein Produktionssystem auszubreiten. Damit kamen selbst f�r den oberfl�chlichen Beobachter eine Reihe von Erscheinungen zu Tage, welche die Selbstzufriedenen beunruhigten, die Vertreter und Anh�nger der kleinb�rgerlichen Wirthschaftsform aber in gr��te Aufregung versetzten. Man sah vielfach schw�rzer in die Zukunft, als es durch den Gang der Dinge sich rechtfertigte. Der pessimistischen Schwarzseherei der Einen stand die optimistische Sch�nf�rberei der Anderen gegen�ber. Zwischen diesen beiden Lagern stand eine kleine Zahl von kritischen aber ideal angelegten Geistern, welche weder dem �Kreuzige� der einen Seite, noch dem �Hosianna� der anderen Seite zustimmen konnten; sie sahen, da� das alte �konomische System verrottet, unhaltbar und unm�glich geworden war, aber sie konnten auch vor den Uebeln, die das neue in seinem Gefolge f�hrte, nicht die Augen verschlie�en. Diese bem�chtigten sich jetzt mit Gier der neuen sozialen Ideen, die in dem �konomisch und politisch vorgeschritteneren Frankreich das Tageslicht erblickten und dort die ideal angelegten Geister ergriffen hatten. In der Schweiz, in England, in den Vereinigten Staaten fanden die in Frankreich auftauchenden utopistischen Ideen f�r Gr�ndung einer auf friedlicher Verst�ndigung aller Klassen der Gesellschaft basirten neuen Gesellschaftsordnung begeisterte Anh�nger und die bez�glichen Schriften Uebersetzer und Dolmetscher. F�r die praktische Verwirklichung dieser Ideen waren aber ebenso wenig wie in Frankreich in diesen L�ndern aus schon angef�hrten Gr�nden die Massen zu gewinnen. Deutschland, dessen geistige Vertreter damals alle Vorg�nge in Frankreich aufmerksam verfolgten und aus seiner Literatur zahlreiche Anregungen zu �hnlichem Vorgehen sch�pften, ward so ebenfalls im Beginn seiner gro�b�rgerlichen Entwicklung mit einer sozialistischen Literatur bedacht. W�hrend Karl Marx und Friedrich Engels, der Eine mehr theoretisch, der Andere mehr praktisch, ihre �konomischen Studien begannen und die ersten Bausteine zu dem Lehrgeb�ude des auf rein materialistischer Grundlage beruhenden wissenschaftlichen Sozialismus, wie er heute die Geister beherrscht, herbeischafften, begn�gten sich Andere, die Lehren und Ideen der franz�sischen Utopisten und Sozialisten, mit deutsch-philosophischem Geist durchtr�nkt, in die deutsche Sprache zu �bertragen. Das geschah insbesondere dem Begr�nder der soziet�ren Schule, Fourier, und dem kleinb�rgerlichen Sozialisten Proudhon. Neben verschiedenen kleineren Schriften, die in Z�rich in den vierziger und f�nfziger Jahren haupts�chlich auf Veranlassung Karl B�rkli's, eines alten Sch�lers von Fourier, herauskamen, liegen mehrere gr��ere Bearbeitungen des Fourier'schen Systems in deutscher Sprache von A. L. Churoa, Michael ***** und Franz Stromeyer vor.[25] Ferner erschien 1845 in Kolmar eine im Fourier'schen Geiste gehaltene Schrift, betitelt: �Die Welt, wie sie ist und wie sie sein soll�, aus dem Franz�sischen von Math. Briancourt. Karl Scholl lie� 1855 in Z�rich eine Schrift erscheinen, betitelt: �Viktor Considerant �ber die Erl�sung der Menschheit in ihrem wahren Sinn.� Auch erschienen in demselben Jahre in Z�rich eine Anzahl Schriften, in welchen f�r die Auswanderung nach Texas zur Gr�ndung von Phalanst�ren im Fourier'schen Sinne Propaganda gemacht wurde. Diese Versuche sind kl�glich mi�lungen. [Fu�note 25: Die Titel dieser Schriften sind: �Der Sozialismus in seiner Anwendung auf Kredit und Handel� von Franz Coignet, Z�rich 1851; �Bank- und Handelsreform� von F. Coignet, aus dem Franz�sischen von Karl B�rkli, Z�rich 1855; �Solidarit�t�, kurzgefa�te Darstellung der Lehre Karl Fourier's von Hipolyte Renaude, deutsch bearbeitet von Kaspar B�r und Karl B�rkli, Z�rich 1855; �Kritische Darstellung der Sozialtheorie Fourier's� von A. L. Churoa, Braunschweig 1840; �Organisation der Arbeit� von Franz Stromeyer, Bellevue bei Konstanz 1844; �Abbruch und Neubau� oder �Jetztzeit und Zukunft� von Michael *****, Stuttgart 1846.] Interessant f�r die Geschichtsauffassung, welche die Sch�ler nach den Lehren ihres Meisters theilten, ist die Darlegung, die seitens eines Deutschen in dem Buche: �Abbruch und Neubau� oder �Jetztzeit und Zukunft� von Michael ***** gegeben wird. Der Verfasser erl�utert dort die Fourier'sche Geschichts-Entwicklungstabelle, die wir auf Seite 240 und 241 dieser Schrift anf�hrten und bei dem Interesse, das diese Erl�uterung nach unserer Auffassung verdient, geben wir sie ausf�hrlich wieder. Es hei�t da: �Der Adels-Feudalismus herrscht in der Kindheit der Zivilisation; die Sklaverei hat der Leibeigenschaft Platz gemacht; die Frau ist aus dem Gyn�ceum (Frauengemach) oder Harem herausgetreten und hat ihre b�rgerlichen Rechte erlangt _Mit der Verleihung der b�rgerlichen Rechte an die Frau ist die Gesellschaft aus dem Zustand der Barbarei in die Zivilisation �bergegangen_. �Diese Ver�nderung im Zustande einer H�lfte des Menschengeschlechts giebt den Sitten eine ganz neue F�rbung, indem sie dieselben verfeinert und im hohen Grade das Gedeihen der K�nste und Wissenschaften, der Dichtkunst und der Musik beg�nstigt. �In der Periode der Barbarei ist die Herrschaft des Oberhauptes der Gesellschaft eine unumschr�nkte; in der ersten Phase der Zivilisation ist sie bereits getheilt, indem die Verb�ndung (F�deration) der gro�en Vasallen der k�niglichen Gewalt Schranken setzt. �Nach und nach werden die arbeitenden, dem Betriebe der Gewerbe, K�nste und Wissenschaften obliegenden Leibeigenen m�chtig: Die _Gemeinden_ erlangen Rechte und Privilegien; Munizipien, freie St�dte erstehen. Sie erstehen aber nicht kraft eines willk�rlichen Befreiungs-Ediktes; sie erstehen nicht, weil es dem Staatsoberhaupt beliebt hat, sie in's Leben zu rufen. Sie erstehen, weil sie sich bereits selbst emanzipirt haben, weil die schon erlangte Macht sie faktisch frei gemacht hat. Kommen solche Edikte vor der Zeit, so ist es gerade, als w�ren sie nicht da, und der Feudalismus bleibt zum deutlichen Beweise, _da� Verfassungen blo�e Chroniken vollendeter Thatsachen sind_, da� sie die Geschichte der Fortschritte einer Nation schreiben, wenn ich mich so ausdr�cken darf, nicht aber nothwendig sie hervorrufen. �Mit der steigenden Aufkl�rung der fr�heren Leibeigenen, mit ihrem steigenden Reichthume, mit ihrem fortschreitenden Kunst- und Gewerbeflei�e w�chst auch ihre Macht in demselben Ma�e, in welchem das Feudal-Element geschw�cht wird. �Die alten Leibeigenen sind B�rger und Volk geworden. B�rger und Volk verb�nden sich miteinander gegen den Feudalismus, und der Sieg ist ihnen gewi�. �In diesem Stadium ihrer Entwicklung ist die Gesellschaft von steten St�rmen und Umw�lzungen bedroht. Die Z�higkeit des Feudal-Elements kann das volksth�mliche Element zu Gewaltthaten treiben, gegen welche die der Barbarei verschwinden. Die Kritik liegt mit den alten religi�sen Anschauungen im Kampfe; die Philosophie stellt die Bedingungen des neuen Staats gegen�ber dem alten auf. �Mit der politischen Befreiung, mit der Entfesselung der Gewerbe und des Ackerbaues spielt das _Repr�sentativ-System_ der Gewalt gegen�ber dieselbe Rolle, die fr�her die gro�en Vasallen gespielt hatten. �Der B�rger braucht nun den Schutz des Ritters nicht l�nger: schon hat er ihn in der Person Don Quixote's moralisch get�dtet. Der B�rger hat aber auch die Gleichheit vor dem Gesetz verk�ndet, und so folgen die _Freiheits-Illusionen_ auf die Illusionen des Ritterthums. Die Freiheit ist noch nicht da, weil sie in der Verfassung steht; sie bleibt auf dem Papier, weil die Bedingungen, unter welchen sie wirklich in's Leben treten kann, noch nicht erf�llt sind. �Unterdessen hat die Zivilisation ihren H�hepunkt erreicht, sie hat die Schifffahrt, �berhaupt erleichterte Verbindungswege, Eisenbahnen, Kan�le u.s.w., sowie die Experimental-Chemie in's Leben gerufen, und nun kann sie, wenn ihr die Wissenschaft zu H�lfe kommt, zu einer h�heren Periode aufsteigen, die wir, mit Fourier, _Garantismus_ nennen wollen, da sie die Verwirklichung eines Systems von Garantien w�re, wovon die jetzige Gesellschaft einige bemerkenswerthe Keime aufzuweisen hat.� Der Verfasser bezeichnet als solche mit Fourier: Die wissenschaftliche Einheit, die Quarant�nen, das Assekuranzsystem, die Sparkassen etc. �Mit der Experimental-Chemie tritt die gro�e Industrie in's Leben; die kleine Industrie geht in der gro�en auf. Neue Verfahrungsarten verdr�ngen die alten, eine ganz neue industrielle Welt ist im Werden; Fabriken mit Hunderten und Tausenden von Arbeitern schie�en wie Pilze aus dem Boden hervor und versetzen den in altherk�mmlicher Weise betriebenen Gewerben den Todessto�. �Aber die Erfindung neuer Verfahrungsarten, sowie die Steigerung der Produktion gen�gen nicht: die Zivilisation hat auch den Beruf, diese Verfahrungsarten �berall hin zu verbreiten und so die M�glichkeit der Erreichung einer h�heren gesellschaftlichen Stufe anzubahnen. Daher die Erfindung der Schifffahrt, der Eisenbahnen, des Dampfbootes, kurz die Vervollkommnung der Verbindungsmittel �berhaupt. �Indessen hat die Zivilisation -- als Entwicklungsphase der Menschheit betrachtet -- in Folge eines inneren, in ihrem Wesen begr�ndeten Zwiespalts die gro�e Industrie nicht in's Leben zu rufen vermocht, ohne zu gleicher Zeit allgemeine Gebrechen zu erzeugen, die unter dem Titel _Entwaldungen und Fiskalanleihen_ aufgef�hrt und eine nothwendige Folge der beiden vorangehenden Phasen sind. In der That f�llt auch der Boden im Ganzen genommen immer mehr einer anarchischen Kultur anheim, je gr��er der Zwiespalt der Privatinteressen und des allgemeinen Interesses wird. Die Entwaldung der Anh�hen, welche die Ausmergelung der Berge und die Entbl��ung der Abh�nge mit sich f�hrt, ist der h�chste Ausdruck des Uebelstandes, da diese Entwaldungen zur unausbleiblichen Folge haben, da� in der Vertheilung der Wasser nach und nach eine g�nzliche Ver�nderung eintritt. Werden die Entwaldungen bis zum Ueberma� ausgedehnt, so wird am Ende selbst das Klima ernstlich Noth leiden: die schroffsten Ueberg�nge werden nichts Ungew�hnliches sein; heute eine afrikanische Hitze, morgen eine sibirische K�lte. Die Wissenschaft hat in der Person ihrer w�rdigsten Vertreter angefangen, auf die �blen klimatischen Folgen der planlosen Entwaldungen hinzudeuten. Zum deutlichen Beweise, _da� die Atmosph�re f�r den Menschen ein wahres Ackerfeld ist, das er durch den Anbau entweder verbessern oder verschlechtern kann_. �Die Fiskalanleihen sind ein anderes Gebrechen der auf ihrem H�hepunkte angekommenen Zivilisation. Die Befreiung der V�lker hat gewaltige Kriege nach sich gezogen; das Feudal-Element hat seine letzten Kr�fte zusammengerafft, um das neue volksth�mliche Element zu erdr�cken. Daher der l�stige Kriegsfu�, daher der fast ebenso l�stige Friedensfu�. Die edelsten Kr�fte der Nation werden in soldatischen Spielen vergeudet. Eine Menge anderer unproduktiver Ausgaben vergr��ern das Uebel fortw�hrend, bis endlich das thurmartige Kartenhaus des Staatsschuldenwesens zusammenst�rzt.� Der Verfasser setzt nun weiter auseinander, wie die Charaktere des H�hepunktes der Zivilisation im Keime sowohl die Ursachen ihres Verfalles, als die Mittel zur Ersteigung einer h�heren Stufe enthielten. Die Entwaldungen enthielten den Keim zum materiellen Verfall durch die damit verbundene Verschlechterung des Klimas; die Fiskalanleihen enthielten den Keim des politischen Verfalls, indem sie die Ausbildung des _industriellen Feudalismus_ m�chtig f�rderten. Ebenso k�nnten die neugeschaffenen Verbindungswege in den H�nden von Aktiengesellschaften die Rolle einer Saugpumpe spielen, wie die Schifffahrtskunde das den Angelpunkt der dritten Phase bildende Seemonopol in's Leben rufen k�nne. Endlich gab die Chemie dem Betruge die Mittel an die Hand, alle Arten von Produkten zu f�lschen, und der l�gnerische Handel gewann so eine Ausdehnung, welche die ernstlichsten Besorgnisse einfl��en mu�te. Zwar k�nne die nun beginnende absteigende Periode ein nat�rlicher Schritt des Fortschritts werden, aber dieser Weg sei eine Reihe von Klippen und Sch�ndlichkeiten. Unterliege die Zivilisation auf ihrem Wege den ihr gegen�bertretenden Einfl�ssen, so falle sie in eine niedere Periode zur�ck, um den alten Kampf von Neuem zu beginnen. Gl�cklicherweise sei das Leben der Menschheit ein vielfaches; falle eine Zivilisation, so sei bei den vielen Nationen und mancherlei Gesellschaften immer die Hoffnung da, da� eine derselben das Erbe der fallenden Gesellschaft �bernehme. Der zweite Theil der Periode, ihre absteigende Bewegung, sei dem ersten umgekehrt analog (verwandt), wie die Morgend�mmerung und Abendd�mmerung, die Kindheit und das Greisenalter der Menschen, der Anfang und das Ende jeder Bewegung sich einander analog seien, ohne identisch zu sein. Nach diesem aus der allgemeinen Formel der Bewegung abgeleiteten Grundsatze lie�e sich erwarten, da� die Zivilisation mit einem Feudalismus enden werde, wie sie mit einem Feudalismus begonnen habe. Diese Voraussetzung erhalte durch die vor unseren Augen vor sich gehenden Thatsachen den Charakter einer mathematischen Wahrheit. �Der steigende Reichthum des B�rgerthums hat den Adels-Feudalismus get�dtet: Pergamente und Wappen haben aufgeh�rt, die Herrschaft zu verleihen, und das Geld ist an ihre Stelle getreten. Wege zum Reichthum sind Industrie, Handel und Beamtenstellen. Der herrschende Geist wird demnach der _kaufm�nnische_ und _fiskalische_ sein. Er ist in der Tabelle als einfacher Keim der dritten Phase bezeichnet, weil er einen neuen Feudalismus, n�mlich den industriellen, den wir auch Handels- oder Geldfeudalismus nennen k�nnen, im Keim enth�lt. Von nun an mu� sich Alles dem neuen Prinzipe unterordnen. Die Parias der dritten und vierten Phase der Zivilisation werden daher auch nicht die Leibeigenen der ersten Phase, sondern die untersten Schichten der Gesellschaft bildenden Proletarier sein. Der Hunger und das Elend werden sie faktisch denjenigen �berantworten, welche, Herren des Kapitals, auch die Werkzeuge der Arbeit in H�nden haben.� �Die gro�e Industrie mit ihren Kapitalien, Maschinen und Spekulationen macht die kleine, mit m��igen Geldmitteln betriebene, unm�glich. Der gro�e Handel unterdr�ckt den kleinen, und diese Bewegung gestaltet sich immer gro�artiger, je mehr das Kapital durch gl�ckliche Spekulationen oder durch Gr�ndung von Aktiengesellschaften sich konzentrirt. In demselben Ma�e, wie das Kapital sich konzentrirt, w�chst auch der Pauperismus und das Proletariat, und da die gro�en Kapitalien sich am liebsten in den gro�en St�dten ansiedeln, so wird zuerst da die Fabrikation in gr��erem Ma�stabe betrieben. Allm�lig sammeln sich da Heere von Arbeitern, die von einem Tag zum andern leben und somit viel schlimmer daran sind als die Leibeigenen der ersten Periode. _Diese Arbeiter-Heere sind f�r die Zivilisation das Schwert des Damokles_. Die dritte Phase wird mindestens ebenso sehr von inneren K�mpfen und B�rgerkriegen bedroht als die zweite. Nur sind die nun ausbrechenden Revolutionen nicht l�nger _politischer_, sondern _sozialer_ Natur; die Insurrektion nimmt einen industriellen Charakter an.� �Der Handelsgeist und der m�chtige Hebel der Kapitalien-Konzentration, welche den gro�en Kapitalisten das Monopol der Industrie nach und nach in die H�nde spielt, sind die Elemente des See-Monopols oder Gro�handels-Monopols, wodurch der Geist und die Bestrebungen der ganzen Phase angedeutet werden. Die Politik tritt in die Dienste des Monopols und erh�lt so eine ganz eigent�mliche F�rbung, bis sie endlich nur noch das kaufm�nnische Element vertritt. Diplomatie, Kriege, Kammern, Wissenschaft, Kunst, Alles wirft in unendlich verschiedenen Schattirungen den im Prisma des Merkantilismus gebrochenen Zeitgeist zur�ck. _Alles ist k�uflich_; der Durst nach Gold hat die edlen Regungen erstickt, und der Egoismus zeigt sich in seiner ganzen Scheu�lichkeit. �Der Grundsatz der freien Konkurrenz, das �laisser faire laisser passer�, erzeugt zugleich den _anarchischen Handel_, der unter dem Titel �Gegengewicht� in der Tabelle aufgef�hrt ist. Da die gro�en Handelsoperationen von dem gro�en Kapital monopolisirt sind, so bleibt dem kleinen Kapital nur noch der Kleinhandel. In Folge des herrschenden merkantilischen Geistes wirft er sich auch auf denselben mit einer wahren Wuth -- ein Verh�ltni�, das sich in der gro�en Menge schmarotzerischer Zwischenh�ndler und M�kler am Besten zu erkennen giebt. Je heftiger der Konkurrenzkrieg dieser Zwischenh�ndler entbrennt, um so gro�artiger gestalten sich die Betr�gereien und F�lschungen jeder Art, wodurch die Gesellschaft systematisch gebrandschatzt wird. Dieser Anarchie allein aber verdankt der Kleinhandel seine Erhaltung; denn nur sie bildet noch einen Damm gegen die verheerende Macht des Kapitals. Sie ist also ein nat�rliches Gegengewicht des gro�en Kapitals. Von dem Tage an, wo das gro�e Kapital an den Hauptpl�tzen gro�e Niederlagen f�r den Detailverkauf gr�ndet, wie dies schon jetzt mancher Orten geschieht, von diesem Tage an mu� der kleine und mittlere Handel das Gewehr strecken. Von dem Tage an wird aber auch die Anarchie im Handel und Wandel aufh�ren, und die Regelung des Handels wird immer leichter werden, je deutlicher die Charaktere des industriellen Feudalismus hervortreten. �Wie lie�e sich der Ton der dritten Phase besser bezeichnen, als mit dem Ausdruck �_�konomische Illusionen_�? Die politische Oekonomie, ein Erzeugni� des merkantilen Geistes, verh�lt sich zu der dritten Phase wie die Poesie der Ritterzeit zu der ersten, wie die philosophische Ideologie und die liberale Dialektik zur zweiten. Das Ritterthum hat der Liberalismus unter dem Namen des Donquixotismus zu Grabe getragen, und nun ist der Oekonomismus auf dem Wege, den Liberalismus durch die _Politik der materiellen Interessen_ zu t�dten, eine Politik, die den reinen, uneigenn�tzigen Liberalismus bereits in einem ziemlich l�cherlichen Lichte erscheinen l��t.� �Der industrielle Feudalismus w�re eine vollendete Thatsache, sobald das gro�e Kapital nicht allein die Fabrikation und den Handel, sondern auch den Grund und Boden an sich gerissen haben w�rde. �Nun aber wird die steigende Handels-Anarchie mit ihren zahllosen Betr�gereien, Bankerotten und F�lschungen nicht allein zur Folge haben, da� die Lage des kleinen Gewerbs- und Handelsmannes immer kritischer wird, sondern es wird sie auch die �ffentliche Stimmung nachgerade so energisch verdammen, da� das gro�e Kapital darin eine Ermunterung finden wird, nun auch den Kleinhandel zu absorbiren. Und so wird sich dann dieser gewaltsam r�ckwirkende Geist politisch dadurch beth�tigen, da� er _Meisterschaften in bestimmter Anzahl_ und privilegirte K�rperschaften in's Leben ruft. �Die _Leihh�user_ oder _Leihkassen_ f�r Landwirthe haben zum Zweck, dem bedr�ngten Ackerbau zu H�lfe zu kommen. W�hrend die Kapitalien der Spekulation und den Banken zustr�men, leidet der Ackerbau an solchen Noth, so da� er dem Wucher in die H�nde f�llt. Schlechte Ernten, eine schlechte Bewirthschaftung des zerst�ckelten Grundbesitzes und �hnliche Ursachen werden das Uebrige thun, bis endlich ein gro�er Theil des Grund und Bodens den Leihkassen anheimf�llt. So wird der in Atome zerfallene Grundbesitz sich wieder zusammenf�gen; der kleine Besitz wird vom gro�en verschlungen werden, wie die Handwerker von den Fabriken, wie das kleine Kapital von dem gro�en. �W�hrend alles dies vor sich geht, befindet sich die Gesellschaft in einer wahrhaft f�rchterlichen Lage. Nichts als Krisen und Revolutionen. Der Ackerbau wie die Fabrikindustrie ist nur noch ein unerme�liches industrielles Zuchthaus, ein ungeheures Lager; die fr�here _individuelle_ Leibeigenschaft ist eine _kollektive_ geworden. Die neuen Leibeigenen werden von Zeit zu Zeit aus ihren Bagnos st�rmen und ein Spartakus wird sie f�hren. �Der neue Adel aber, der Geldadel, wird neben der Regierungsgewalt eine eigene Gewalt bilden und so f�r die vierte Phase das sein, was der Feudaladel f�r die erste war. Und gleichwie die nationale Einheit erst dann begr�ndet werden konnte, als das monarchische Element stark genug geworden war, um das Feudalelement zu z�geln und zu leiten, ebenso wird auch hier die Gesellschaft nicht eher zum Garantismus sich erheben, als bis die Regierung das industrielle Element zu lenken wissen wird. �Uebrigens keine Burgen, die zerst�rt, keine hochm�tigen Vasallen, die gek�pft oder gemeuchelt werden m��ten. Die Aufgabe der Regierung wird darin bestehen, da� sie die Rolle einer Vermittlerin zwischen den einander feindselig gegen�berstehenden Interessen �bernimmt, da� sie den Waarenaustausch regulirt, die Einheit der Ma�e, Gewichte u.s.w. herstellt, mit einem Wort, da� sie in s�mmtlichen industriellen und kommerziellen Verh�ltnissen die n�thig gewordenen Garantien herstellt. Dann aber ist die Zivilisation, wie sie in der Tabelle geschildert worden, schon �berholt. �Als Ton der vierten Phase endlich erscheinen in der Tabelle die _Assoziations-Illusionen_. Wir sagen Illusionen, weil die Assoziation nur die Kapitalien assoziirt, um ihre Absorptionskraft zu vermehren, blos das h��liche Zerrbild der _wahren_ Assoziation ist, die Kapital, Arbeit und Talent assoziirt. �Fassen wir nun das Gesagte zusammen, so finden wir, da� die aufsteigende und absteigende Bewegung der Periode der Zivilisation sich zueinander verhalten, wie die beiden H�lften des Menschenlebens, d.h. da� sie in Beziehung auf den H�hepunkt oder die Mittelstufe miteinander symmetrisch sind; da� die Zivilisation mit einem Feudalismus beginnt und endigt; da� die Arbeit der beiden Phasen der aufsteigenden Bewegung eine Verminderung der _pers�nlichen_ oder _direkten_ Dienstbarkeit zur Folge hat, w�hrend in der Phase der absteigenden Bewegung die _kollektive_ oder _indirekte_ Dienstbarkeit sich befestigt; da� die Revolutionen der beiden ersten Phasen politischer Natur sind, w�hrend die der beiden letzten einen _sozialen_ oder industriellen Charakter annehmen; da� das Wesen der von der Zivilisation aufgestellten Gleichgewichte ein unst�tes soziales Gleichgewicht begr�ndet; da� die Illusionen der aufsteigenden Bewegung etwas Ritterliches, Edles haben, w�hrend denen der absteigenden Bewegung nichts als der gemeinste Materialismus zu Grunde liegt; endlich da�, w�hrend der Fortschritt in den beiden ersten Phasen sich nach den Entdeckungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst, nach der Vervollkommnung der technischen Vefahrungsarten bemessen l��t, der Ma�stab f�r den Fortschritt in der absteigenden Bewegung, die Auffindung derjenigen Institutionen ist, welche die Zivilisation ihrem nat�rlichen Tode zuf�hren und so der Gesellschaft die Ersteigung einer h�heren Bildungsstufe m�glich machen.� Dies die Auffassung von der historischen Entwicklung und dem Untergang der Zivilisation, wie sie im Fourier'schen Geiste unser deutscher Autor darlegt. Bei ihm tritt in sch�rferem Ma�e als bei Fourier das Gesetzm��ige in der Entwicklung, unbeeinflu�t von dem Wirken der einzelnen Person, in den Vordergrund. Wir haben es, scheint's, mit einem Sch�ler der Hegel'schen Schule zu thun, der die Lehre von den Gegens�tzen in der Gesellschaft dialektisch auffa�t und behandelt. Fragt man nun nach der praktischen Wirkung dieser Anh�nger Fourier's in Deutschland und ihrer Bedeutung f�r die Bewegung, so wei� Niemand davon zu melden. Die sozialistischen und kommunistischen Ideen, die meist sehr verschwommen im �tollen Jahr� in den verschiedensten Gegenden Deutschlands unter der vorgeschritteneren Arbeiterwelt in die Erscheinung traten, lassen nirgends Fourieristische Auffassungen erkennen. So weit Marx und Engels nichts die Arbeiterklasse in den Bewegungsjahren beeinflu�ten, waren es wesentlich die Ideen Weitling's, die Anklang fanden. Die Mehrzahl der Arbeiter, die sich an der Bewegung betheiligten, war von den unklarsten sozialen und politischen Ideen beherrscht. Woher sollte die Einsicht in die Arbeiterklasse kommen, wenn die h�her stehende Klasse, das B�rgerthum, in allen ihren �ffentlichen Handlungen die kompleteste Unreife und Unerfahrenheit an den Tag legte. Bot doch auch die damals viel weiter vorgeschrittene franz�sische Arbeiterklasse ein keineswegs erfreuliches kaleidoskopisches Bild; sie war zersplittert in Schulen und Sekten, die sich gegenseitig bek�mpften. Es war daher auch kein Wunder, da� diese in Deutschland eben erst aufkeimende soziale Bewegung durch die Reaktion der f�nfziger Jahre bis auf die Erinnerung ausgetilgt wurde. Die dann im Laufe der f�nfziger Jahre in Deutschland sich vollziehende kapitalistische Entwicklung schuf allm�lig auch eine Arbeiterklasse, die besser als ihre Vorg�ngerin aus den vierziger Jahren f�r ihren Befreiungskampf ausger�stet war. Und nun zeigten sich auch die Vortheile der besseren Schulung und geistigen Durchbildung, mit welcher die deutsche Arbeiterklasse der Arbeiterklasse anderer L�nder voraus war. Sie erfa�te mit scharfem Verst�ndni� die Theorien und Grundanschauungen ihrer gro�en Lehrer; der eigentliche Schulstreit, der die franz�sischen Arbeiter Jahrzehnte lang zerkl�ftete, blieb ihr erspart, und so wuchs die Bewegung, beg�nstigt durch die politische und soziale Umgestaltung Deutschlands, so, da� sie heute als die vorgeschrittenste in allen Kulturstaaten betrachtet werden darf. Keinem Personenkultus huldigend, nimmt sie dankbar die guten Lehren an, welche die gro�en Vork�mpfer und Bahnbrecher der sozialistischen Ideen in irgend einem Lande der Welt hinterlie�en. Die moderne soziale Bewegung ist wie die ganze moderne Kulturbewegung eine eminent kosmopolitische. Zun�chst innerhalb des nationalen Rahmens und der gezogenen Sprachgrenzen wirkend, tragen die zahllosen Verkehrsmittel, die Sprachstudien, Reisen und Auswanderung, Literatur, G�teraustausch etc. in fr�her ungeahntem Ma�stab dazu bei, den Ideenaustausch zu f�rdern, den Nationalit�ten- und Racenha� zu ert�dten, die Interessensolidarit�t immer inniger zu verkn�pfen. Die Entstehung einer Weltsprache, die Fourier bef�rwortete, r�ckt ihrer Verwirklichung, wenn auch anders als er gedacht, immer n�her, und die Zeit wird auch nicht mehr fern sein, wo aus der Interessen- und Ideengemeinsamkeit der ganzen Kulturwelt eine neue soziale Organisation entsteht, die weder nach Landes- noch nach Sprachgrenzen fragt und den B�rger zum Menschen macht. * * * * * Skizze eines Phalanx-Geb�udes (�Phlanst�re�) [Abbildung] Wie das Kreuz der Typus der mittelalterlichen Dome und Kirchen ist, so ist die Serie der Typus des Wohn- und Arbeitsgeb�udes einer Phalanx, d.h. ein Zentrum mit zwei mittleren oder Haupt-Fl�geln und zwei �u�ersten oder Neben-Fl�geln. Die jeweilige Architektur ist immer nur das �u�ere Abbild der sozialen Verh�ltnisse, und ein Kenner wird immer an der Architektur auf die Gesellschaftsform einer Zeitepoche schlie�en k�nnen. -- _Die Gemeinwirthschaft_, in welcher Form immer, bedingt nat�rlich auch ganz andere Geb�ulichkeiten, als die _Privatwirthschaft_. -- Das Zentrum soll diejenigen R�umlichkeiten enthalten, wo die ca. 2000 Personen mehrmals des Tages verkehren, wie Speises�le, Versammlungslokale, Bureaux, Bazare, Bibliotheken etc.; die zwei Hauptfl�gel, welche perpendikul�r vom Zentrum abzweigen und so den Zentralplatz der Phalanx bilden, sowie die zwei �u�ersten Fl�gel, welche nach links und rechts abbiegen und an der Hauptstra�e liegen, w�rden die verschiedenen Werkst�tten, die ger�uschvollsten am �u�ersten Ende, enthalten. Die Wohnr�ume w�rden die oberen Stockwerke des Gesammtgeb�udes in Anspruch nehmen. -- Gegen�ber der Phalanx, dem Zentralplatz und der Hauptstra�e entlang, k�men die Oekonomie- und Maschinengeb�ude, St�lle etc., welche man hier nicht sieht, zu liegen. -- Das Phalanxgeb�ude ist ca. 2000 Fu� oder 600 Meter lang vom �u�ersten linken zum �u�ersten rechten Fl�gelende gemessen. Um eine allzugro�e Ausdehnung zu vermeiden, ist die Reihe der Geb�ude doppelt und parallel laufend mit dazwischen liegenden Hofg�rten. -- Eine breite, gedeckte Galerie verbindet im Innern, gegen die Hofseite hin, alle Theile des Geb�udes und fungirt als Hauptarterie der Zirkulation.