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che_/menschli_/#j;inhalt4htm71 prepared
by juergenredestb4es4
,menschliches1 ,allzumenschliches
,ein ,buch fr freie ,geister
,friedrich ,nietzsche ,inhalt
,an ,stelle einer ,vorrede ,von den
ersten und letzten ,dingen ,zur
,geschichte der moralischen
,empfindungen ,das religise ,leben
,aus der ,seele der ,knstler und
,schriftsteller ,anzeichen hherer
und niederer ,cultur ,der ,mensch
im ,verkehr ,weib und ,kind
,ein ,blick auf den ,staat ,der
,mensch mit sich allein ,ein
,nachspiel ,menschliches1
,allzumenschliches4 ,ein ,buch fr
freie ,geister ,erster ,band
,an ,stelle einer ,vorrede4 - eine
,zeit lang erwog ich die verschiedenen
,beschftigungen1 denen sich die
,menschen in diesem ,leben berlassen und
machte den ,versuch1 die beste von
ihnen auszuwhlen4 ,aber es thut nicht
noth1 hier zu erzhlen1 auf was fr
,gedanken ich dabei kam3 genug1 dass fr
meinen ,theil mir ,nichts besser
erschien1 als wenn ich streng bei meinem
,vorhaben verbliebe1 das heisst3 wenn
ich die ganze ,frist des ,lebens darauf
verwendete1 meine ,vernunft auszubilden
und den ,spuren der ,wahrheit in der
,art und ,weise1 welche ich mir
vorgesetzt hatte1 nachzugehen4 ,denn
die ,frchte1 welche ich auf diesem ,wege
schon gekostet hatte1 waren der ,art1
dass nach meinem ,urtheile in diesem
,leben nichts ,angenehmeres1 nichts
,unschuldigeres gefunden werden kann2
zudem liess mich jeder ,tag1 seit ich
jene ,art der ,betrachtung zu ,hlfe
nahm1 etwas ,neues entdecken1 das immer
von einigem ,gewichte und durchaus
nicht allgemein bekannt war4 ,da wurde
endlich meine ,seele so voll von
,freudigkeit1 dass alle brigen ,dinge
ihr ,nichts mehr anthun konnten4
,aus dem ,lateinischen des ,cartesius4
,vorrede4 #a4 ,es ist mir oft
genug und immer mit grossem ,befremden
ausgedrckt worden1 dass es etwas
,gemeinsames und ,auszeichnendes an
allen meinen ,schriften gbe1 von der
,geburt der ,tragdie an bis zum letzthin
verffentlichten ,vorspiel einer
,philosophie der ,zukunft3 sie
enthielten allesammt1 hat man mir
gesagt1 ,schlingen und ,netze fr
unvorsichtige ,vgel und beinahe eine
bestndige unvermerkte ,aufforderung zur
,umkehrung gewohnter ,werthschtzungen
und geschtzter ,gewohnheiten4 ,wie8
,alles nur - menschlich-allzumenschlich8
,mit diesem ,seufzer komme man aus
meinen ,schriften heraus1 nicht ohne
eine ,art ,scheu und ,misstrauen selbst
gegen die ,moral1 ja nicht bel versucht
und ermuthigt1 einmal den ,frsprecher
der schlimmsten ,dinge zu machen3 wie
als ob sie vielleicht nur die
bestverleumdeten seien8 ,man hat meine
,schriften eine ,schule des ,verdachts
genannt1 noch mehr der ,verachtung1
glcklicherweise auch des ,muthes1 ja der
,verwegenheit4 ,in der ,that1 ich
selbst glaube nicht1 dass jemals jemand
mit einem gleich tiefen ,verdachte in
die ,welt gesehn hat1 und nicht nur als
gelegentlicher ,anwalt des ,teufels1
sondern ebenso sehr1 theologisch zu
reden1 als ,feind und ,vorforderer
,gottes2 und wer etwas von den ,folgen
errth1 die in jedem tiefen ,verdachte
liegen1 etwas von den ,frsten und
,aengsten der ,vereinsamung1 zu denen
jede unbedingte ,verschiedenheit des
,blicks den mit ihr ,behafteten
verurtheilt1 wird auch verstehn1 wie
oft ich zur ,erholung von mir1 gleichsam
zum zeitweiligen ,selbstvergessen1
irgendwo unterzutreten suchte - in
irgend einer ,verehrung oder
,feindschaft oder ,wissenschaftlichkeit
oder ,leichtfertigkeit oder ,dummheit2
auch warum ich1 wo ich nicht fand1 was
ich brauchte1 es mir knstlich erzwingen1
zurecht flschen1 zurecht dichten
musste 7- und was haben ,dichter je
,anderes gethan8 und wozu wre alle
,kunst in der ,welt da874 ,was ich aber
immer wieder am nthigsten brauchte1 zu
meiner ,kur und
,selbst-,wiederherstellung1 das war der
,glaube1 nicht dergestalt einzeln zu
sein1 einzeln zu sehn1 - ein
zauberhafter ,argwohn von
,verwandtschaft und ,gleichheit in ,auge
und ,begierde1 ein ,ausruhen im
,vertrauen der ,freundschaft1 eine
,blindheit zu ,zweien ohne ,verdacht
und ,fragezeichen1 ein ,genuss an
,vordergrnden1 ,oberflchen1 ,nahem1
,nchstem1 an ,allem1 was ,farbe1 ,haut
und ,scheinbarkeit hat4 ,vielleicht1
dass man mir in diesem ,betrachte
mancherlei ,kunst1 mancherlei feinere
,falschmnzerei vorrcken knnte3 zum
,beispiel1 dass ich
wissentlich-willentlich die ,augen vor
,schopenhauer's blindem ,willen zur
,moral zugemacht htte1 zu einer ,zeit1
wo ich ber ,moral schon hellsichtig
genug war2 insgleichen dass ich mich
ber ,richard ,wagner's unheilbare
,romantik betrogen htte1 wie als ob sie
ein ,anfang und nicht ein ,ende sei2
insgleichen ber die ,griechen1
insgleichen ber die ,deutschen und ihre
,zukunft - und es gbe vielleicht noch
eine ganze lange ,liste solcher
,insgleichen8 - gesetzt aber1 dies
,alles wre wahr und mit gutem ,grunde
mir vorgerckt1 was wisst ihr davon1 was
knntet ihr davon wissen1 wie viel
,list der ,selbst-,erhaltung1 wie viel
,vernunft und hhere ,obhut in solchem
,selbst-,betruge enthalten ist1 - und
wie viel ,falschheit mir noch noth hut1
damit ich mir immer wieder den ,luxus
meiner ,wahrhaftigkeit gestatten
darf8444 ,genug1 ich lebe noch2 und das
,leben ist nun einmal nicht von der
,moral ausgedacht3 es will ,tuschung1 es
lebt von der ,tuschung444 aber nicht
wahr8 da beginne ich bereits wieder und
thue1 was ich immer gethan habe1 ich
alter ,immoralist und ,vogelsteller -
und rede unmoralisch1 aussermoralisch1
jenseits von ,gut und ,bse8 - #b4
- ,so habe ich denn einstmals1 als ich
es nthig hatte1 mir auch die freien
,geister erfunden1 denen dieses
schwermthig-muthige ,buch mit dem
,titel ,menschliches1 ,allzumenschliches
gewidmet ist3 dergleichen freie
,geister giebt es nicht1 gab es nicht1 -
aber ich hatte sie damals1 wie gesagt1
zur ,gesellschaft nthig1 um guter
,dinge zu bleiben inmitten schlimmer
,dinge 7,krankheit1 ,vereinsamung1
,fremde1 ,acedia1 ,unthtigkeit73 als
tapfere ,gesellen und ,gespenster1 mit
denen man schwtzt und lacht1 wenn man
,lust hat zu schwtzen und zu lachen1 und
die man zum ,teufel schickt1 wenn sie
langweilig werden1 - als ein
,schadenersatz fr mangelnde ,freunde4
,dass es dergleichen freie ,geister
einmal geben knnte1 dass unser ,europa
unter seinen ,shnen von ,morgen und
,uebermorgen solche muntere und
verwegene ,gesellen haben wird1
leibhaft und handgreiflich und nicht
nur1 wie in meinem ,falle1 als ,schemen
und ,einsiedler-,schattenspiel3 daran
mchte ich am wenigsten zweifeln4 ,ich
sehe sie bereits kommen1 langsam1
langsam2 und vielleicht thue ich etwas1
um ihr ,kommen zu beschleunigen1 wenn
ich zum ,voraus beschreibe1 unter
welchen ,schicksalen ich sie entstehn1
auf welchen ,wegen ich sie kommen sehe8
- #c4 ,man darf vermuthen1 dass
ein ,geist1 in dem der ,typus freier
,geist einmal bis zur ,vollkommenheit
reif und sss werden soll1 sein
entscheidendes ,ereigniss in einer
grossen ,loslsung gehabt hat1 und dass
er vorher um so mehr ein gebundener
,geist war und fr immer an seine ,ecke
und ,sule gefesselt schien4 ,was bindet
am festesten8 welche ,stricke sind
beinahe unzerreissbar8 ,bei ,menschen
einer hohen und ausgesuchten ,art
werden es die ,pflichten sein3 jene
,ehrfurcht1 wie sie der ,jugend eignet1
jene ,scheu und ,zartheit vor allem
,altverehrten und ,wrdigen1 jene
,dankbarkeit fr den ,boden1 aus dem sie
wuchsen1 fr die ,hand1 die sie fhrte1
fr das ,heiligthum1 wo sie anbeten
lernten1 - ihre hchsten ,augenblicke
selbst werden sie am festesten binden1
am dauerndsten verpflichten4 ,die grosse
,loslsung kommt fr solchermaassen
,gebundene pltzlich1 wie ein ,erdstoss3
die junge ,seele wird mit ,einem ,male
erschttert1 losgerissen1 herausgerissen1
- sie selbst versteht nicht1 was sich
begiebt4 ,ein ,antrieb und ,andrang
waltet und wird ber sie ,herr wie ein
,befehl2 ein ,wille und ,wunsch
erwacht1 fortzugehn1 irgend wohin1 um
jeden ,preis2 eine heftige gefhrliche
,neugierde nach einer unentdeckten ,welt
flammt und flackert in allen ihren
,sinnen4 ,lieber sterben als hier leben
- so klingt die gebieterische ,stimme
und ,verfhrung3 und dies hier1 dies zu
,hause ist ,alles1 was sie bis dahin
geliebt hatte6 ,ein pltzlicher
,schrecken und ,argwohn gegen ,das1 was
sie liebte1 ein ,blitz von ,verachtung
gegen ,das1 was ihr ,pflicht hiess1 ein
aufrhrerisches1 willkrliches1
vulkanisch stossendes ,verlangen nach
,wanderschaft1 ,fremde1 ,entfremdung1
,erkltung1 ,ernchterung1 ,vereisung1 ein
,hass auf die ,liebe1 vielleicht ein
tempelschnderischer ,griff und ,blick
rckwrts1 dorthin1 wo sie bis dahin
anbetete und liebte1 vielleicht eine
,gluth der ,scham ber ,das1 was sie
eben that1 und ein ,frohlocken zugleich1
dass sie es that1 ein trunkenes
inneres frohlockendes ,schaudern1 in
dem sich ein ,sieg verrth - ein ,sieg8
ber was8 ber wen8 ein rthselhafter
fragenreicher fragwrdiger ,sieg1 aber
der erste ,sieg immerhin3 - dergleichen
,schlimmes und ,schmerzliches gehrt zur
,geschichte der grossen ,loslsung4
,sie ist eine ,krankheit zugleich1 die
den ,menschen zerstren kann1 dieser
erste ,ausbruch von ,kraft und ,willen
zur ,selbstbestimmung1
,selbst-,werthsetzung1 dieser ,wille zum
freien ,willen3 und wie viel
,krankheit drckt sich an den wilden
,versuchen und ,seltsamkeiten aus1 mit
denen der ,befreite1 ,losgelste sich
nunmehr seine ,herrschaft ber die ,dinge
zu beweisen sucht6 ,er schweift
grausam umher1 mit einer unbefriedigten
,lsternheit2 was er erbeutet1 muss die
gefhrliche ,spannung seines ,stolzes
abbssen2 er zerreisst1 was ihn reizt4
,mit einem bsen ,lachen dreht er um1 was
er verhllt1 durch irgend eine ,scham
geschont findet3 er versucht1 wie diese
,dinge aussehn1 wenn man sie umkehrt4
,es ist ,willkr und ,lust an der
,willkr darin1 wenn er vielleicht nun
seine ,gunst dem zuwendet1 was bisher
in schlechtem ,rufe stand1 - wenn er
neugierig und versucherisch um das
,verbotenste schleicht4 ,im
,hintergrunde seines ,treibens und
,schweifens - denn er ist unruhig und
ziellos unterwegs wie in einer ,wste -
steht das ,fragezeichen einer immer
gefhrlicheren ,neugierde4 ,kann man
nicht alle ,werthe umdrehn8 und ist ,gut
vielleicht ,bse8 und ,gott nur eine
,erfindung und ,feinheit des ,teufels8
,ist ,alles vielleicht im letzten
,grunde falsch8 ,und wenn wir ,betrogene
sind1 sind wir nicht eben dadurch auch
,betrger8 mssen wir nicht auch ,betrger
sein8 - solche ,gedanken fhren und
verfhren ihn1 immer weiter fort1 immer
weiter ab4 ,die ,einsamkeit umringt und
umringelt ihn1 immer drohender1
wrgender1 herzzuschnrender1 jene
furchtbare ,gttin und mater saeva
cupidinum - aber wer weiss es heute1 was
,einsamkeit ist8444 #d4 ,von
dieser krankhaften ,vereinsamung1 von
der ,wste solcher ,versuchs-,jahre ist
der ,weg noch weit bis zu jener
ungeheuren berstrmenden ,sicherheit und
,gesundheit1 welche der ,krankheit
selbst nicht entrathen mag1 als eines
,mittels und ,angelhakens der
,erkenntniss1 bis zu jener reifen
,freiheit des ,geistes1 welche
ebensosehr ,selbstbeherrschung und
,zucht des ,herzens ist und die ,wege
zu vielen und entgegengesetzten
,denkweisen erlaubt -1 bis zu jener
inneren ,umfnglichkeit und ,verwhnung
des ,ueberreichthums1 welche die
,gefahr ausschliesst1 dass der ,geist
sich etwa selbst in die eignen ,wege
verlre und verliebte und in irgend einem
,winkel berauscht sitzen bliebe1 bis
zu jenem ,ueberschuss an plastischen1
ausheilenden1 nachbildenden und
wiederherstellenden ,krften1 welcher
eben das ,zeichen der grossen
,gesundheit ist1 jener ,ueberschuss1 der
dem freien ,geiste das gefhrliche
,vorrecht giebt1 auf den ,versuch hin
leben und sich dem ,abenteuer anbieten
zu drfen3 das ,meisterschafts-,vorrecht
des freien ,geistes6 ,dazwischen mgen
lange ,jahre der ,genesung liegen1
,jahre voll vielfarbiger
schmerzlich-zauberhafter ,wandlungen1
beherrscht und am ,zgel gefhrt durch
einen zhen ,willen zur ,gesundheit1 der
sich oft schon als ,gesundheit zu
kleiden und zu verkleiden wagt4 ,es
giebt einen mittleren ,zustand darin1
dessen ein ,mensch solchen ,schicksals
spter nicht ohne ,rhrung eingedenk ist3
ein blasses feines ,licht und
,sonnenglck ist ihm zu eigen1 ein ,gefhl
von ,vogel-,freiheit1 ,vogel-,umblick1
,vogel-,uebermuth1 etwas ,drittes1 in
dem sich ,neugierde und zarte
,verachtung gebunden haben4 ,ein freier
,geist - dies khle ,wort thut in jenem
,zustande wohl1 es wrmt beinahe4 ,man
lebt1 nicht mehr in den ,fesseln von
,liebe und ,hass1 ohne ja1 ohne ,nein1
freiwillig nahe1 freiwillig ferne1 am
liebsten entschlpfend1 ausweichend1
fortflatternd1 wieder weg1 wieder empor
fliegend2 man ist verwhnt1 wie ,jeder1
der einmal ein ungeheures ,vielerlei
unter sich gesehn hat1 - und man ward
zum ,gegenstck ,derer1 welche sich um
,dinge bekmmern1 die sie nichts angehn4
,in der ,that1 den freien ,geist gehen
nunmehr lauter ,dinge an - und wie viele
,dinge6 - welche ihn nicht mehr
bekmmern444 #e4 ,ein ,schritt
weiter in der ,genesung3 und der freie
,geist nhert sich wieder dem ,leben1
langsam freilich1 fast widerspnstig1
fast misstrauisch4 ,es wird wieder
wrmer um ihn1 gelber gleichsam2 ,gefhl
und ,mitgefhl bekommen ,tiefe1
,thauwinde aller ,art gehen ber ihn weg4
,fast ist ihm zu ,muthe1 als ob ihm
jetzt erst die ,augen fr das ,nahe
aufgiengen4 ,er ist verwundert und sitzt
stille3 wo war er doch8 ,diese nahen
und nchsten ,dinge3 wie scheinen sie ihm
verwandelt6 welchen ,flaum und ,zauber
haben sie inzwischen bekommen6 ,er
blickt dankbar zurck1 - dankbar seiner
,wanderschaft1 seiner ,hrte und
,selbstentfremdung1 seinen ,fernblicken
und ,vogelflgen in kalte ,hhen4 ,wie
gut1 dass er nicht wie ein zrtlicher
dumpfer ,eckensteher immer zu ,hause1
immer bei sich geblieben ist6 er war
ausser sich3 es ist kein ,zweifel4
,jetzt erst sieht er sich selbst -1 und
welche ,ueberraschungen findet er
dabei6 ,welche unerprobten ,schauder6
,welches ,glck noch in der ,mdigkeit1
der alten ,krankheit1 den ,rckfllen des
,genesenden6 ,wie es ihm gefllt1 leidend
stillzusitzen1 ,geduld zu spinnen1 in
der ,sonne zu liegen6 ,wer versteht sich
gleich ihm auf das ,glck im ,winter1
auf die ,sonnenflecke an der ,mauer6 ,es
sind die dankbarsten ,thiere von der
,welt1 auch die bescheidensten1 diese
dem ,leben wieder halb zugewendeten
,genesenden und ,eidechsen3 - es giebt
solche unter ihnen1 die keinen ,tag von
sich lassen1 ohne ihm ein kleines
,loblied an den nachschleppenden ,saum
zu hngen4 ,und ernstlich geredet3 es
ist eine grndliche ,kur gegen allen
,pessimismus 7den ,krebsschaden alter
,idealisten und ,lgenbolde1 wie bekannt
-7 auf die ,art dieser freien ,geister
krank zu werden1 eine gute ,weile krank
zu bleiben und dann1 noch lnger1 noch
lnger1 gesund1 ich meine gesnder zu
werden4 ,es ist ,weisheit darin1
,lebens-,weisheit1 sich die ,gesundheit
selbst lange ,zeit nur in kleinen
,dosen zu verordnen4 #f4 ,um
jene ,zeit mag es endlich geschehn1
unter den pltzlichen ,lichtern einer
noch ungestmen1 noch wechselnden
,gesundheit1 dass dem freien1 immer
freieren ,geiste sich das ,rthsel jener
grossen ,loslsung zu entschleiern
beginnt1 welches bis dahin dunkel1
fragwrdig1 fast unberhrbar in seinem
,gedchtniss gewartet hatte4 ,wenn er
sich lange kaum zu fragen wagte warum
so abseits8 so allein8 ,allem entsagend1
was ich verehrte8 der ,verehrung
selbst entsagend8 warum diese ,hrte1
dieser ,argwohn1 dieser ,hass auf die
eigenen ,tugenden8 - jetzt wagt und
fragt er es laut und hrt auch schon
etwas wie ,antwort darauf4 ,du solltest
,herr ber dich werden1 ,herr auch ber
die eigenen ,tugenden4 ,frher waren sie
deine ,herren2 aber sie drfen nur deine
,werkzeuge neben andren ,werkzeugen
sein4 ,du solltest ,gewalt ber dein ,fr
und ,wider bekommen und es verstehn
lernen1 sie aus- und wieder einzuhngen1
je nach deinem hheren ,zwecke4 ,du
solltest das ,perspektivische in jeder
,werthschtzung begreifen lernen - die
,verschiebung1 ,verzerrung und
scheinbare ,teleologie der ,horizonte
und was ,alles zum ,perspektivischen
gehrt2 auch das ,stck ,dummheit in
,bezug auf entgegengesetzte ,werthe und
die ganze intellektuelle ,einbusse1 mit
der sich jedes ,fr1 jedes ,wider
bezahlt macht4 ,du solltest die
nothwendige ,ungerechtigkeit in jedem
,fr und ,wider begreifen lernen1 die
,ungerechtigkeit als unablsbar vom
,leben1 das ,leben selbst als bedingt
durch das ,perspektivische und seine
,ungerechtigkeit4 ,du solltest vor
,allem mit ,augen sehn1 wo die
,ungerechtigkeit immer am grssten ist3
dort nmlich1 wo das ,leben am
kleinsten1 engsten1 drftigsten1
anfnglichsten entwickelt ist und
dennoch nicht umhin kann1 sich als
,zweck und ,maass der ,dinge zu nehmen
und seiner ,erhaltung zu ,liebe das
,hhere1 ,grssere1 ,reichere heimlich
und kleinlich und unablssig anzubrckeln
und in ,frage zu stellen1 - du solltest
das ,problem der ,rangordnung mit
,augen sehn und wie ,macht und ,recht
und ,umfnglichkeit der ,perspektive mit
einander in die ,hhe wachsen4 ,du
solltest - genug1 der freie ,geist weiss
nunmehr1 welchem du sollst er gehorcht
hat1 und auch1 was er jetzt kann1 was
er jetzt erst - darf444 #g4
,dergestalt giebt der freie ,geist sich
in ,bezug auf jenes ,rthsel von
,loslsung ,antwort und endet damit1
indem er seinen ,fall verallgemeinert1
sich ber sein ,erlebniss also zu
entscheiden4 ,wie es mir ergieng1 sagt
er sich1 muss es jedem ergehn1 in dem
eine ,aufgabe leibhaft werden und zur
,welt kommen will4 ,die heimliche
,gewalt und ,nothwendigkeit dieser
,aufgabe wird unter und in seinen
einzelnen ,schicksalen walten gleich
einer unbewussten ,schwangerschaft1 -
lange1 bevor er diese ,aufgabe selbst
in's ,auge gefasst hat und ihren ,namen
weiss4 ,unsre ,bestimmung verfgt ber
uns1 auch wenn wir sie noch nicht
kennen2 es ist die ,zukunft1 die unserm
,heute die ,regel giebt4 ,gesetzt1 dass
es das ,problem der ,rangordnung ist1
von dem wir sagen drfen1 dass es unser
,problem ist1 wir freien ,geister3
jetzt1 in dem ,mittage unsres ,lebens1
verstehn wir es erst1 was fr
,vorbereitungen1 ,umwege1 ,proben1
,versuchungen1 ,verkleidungen das
,problem nthig hatte1 ehe es vor uns
aufsteigen durfte1 und wie wir erst die
vielfachsten und widersprechendsten
,noth- und ,glcksstnde an ,seele und
,leib erfahren mussten1 als ,abenteurer
und ,weltumsegler jener inneren ,welt1
die ,mensch heisst1 als ,ausmesser
jedes ,hher und ,uebereinander1 das
gleichfalls ,mensch heisst - berallhin
dringend1 fast ohne ,furcht1 nichts
verschmhend1 nichts verlierend1 alles
auskostend1 alles vom ,zuflligen
reinigend und gleichsam aussiebend - bis
wir endlich sagen durften1 wir freien
,geister3 ,hier - ein neues ,problem6
,hier eine lange ,leiter1 auf deren
,sprossen wir selbst gesessen und
gestiegen sind1 - die wir selbst irgend
wann gewesen sind6 ,hier ein ,hher1 ein
,tiefer1 ein ,unter-uns1 eine
ungeheure lange ,ordnung1 eine
,rangordnung1 die wir sehen hier -
unser ,problem6 - #h4 - ,es wird
keinem ,psychologen und ,zeichendeuter
einen ,augenblick verborgen bleiben1 an
welche ,stelle der eben geschilderten
,entwicklung das vorliegende ,buch
gehrt 7oder gestellt ist -74 ,aber wo
giebt es heute ,psychologen8 ,in
,frankreich1 gewiss2 vielleicht in
,russland2 sicherlich nicht in
,deutschland4 ,es fehlt nicht an
,grnden1 weshalb sich dies die heutigen
,deutschen sogar noch zur ,ehre
anrechnen knnten3 schlimm genug fr
,einen1 der in diesem ,stcke undeutsch
geartet und gerathen ist6 ,dies deutsche
,buch1 welches in einem weiten
,umkreis von ,lndern und ,vlkern seine
,leser zu finden gewusst hat - es ist
ungefhr zehn ,jahr unterwegs - und sich
auf irgend welche ,musik und
,fltenkunst verstehn muss1 durch die
auch sprde ,auslnder-,ohren zum
,horchen verfhrt werden1 - gerade in
,deutschland ist dies ,buch am
nachlssigsten gelesen1 am schlechtesten
gehrt worden3 woran liegt das8 - ,es
verlangt zu viel1 hat man mir
geantwortet1 es wendet sich an
,menschen ohne die ,drangsal grober
,pflichten1 es will feine und verwhnte
,sinne1 es hat ,ueberfluss nthig1
,ueberfluss an ,zeit1 an ,helligkeit
des ,himmels und ,herzens1 an otium im
verwegensten ,sinne3 - lauter gute
,dinge1 die wir ,deutschen von ,heute
nicht haben und also auch nicht geben
knnen4 - ,nach einer so artigen ,antwort
rth mir meine ,philosophie1 zu
schweigen und nicht mehr weiter zu
fragen2 zumal man in gewissen ,fllen1
wie das ,sprchwort andeutet1 nur dadurch
,philosoph bleibt1 dass man -
schweigt4 ,nizza1 im ,frhling #ahhf4
,erstes ,hauptstck4 ,von den ersten
und letzten ,dingen4 #a4 ,chemie
der ,begriffe und ,empfindungen4 - ,die
,philosophischen ,probleme nehmen jetzt
wieder fast in allen ,stcken dieselbe
,form der ,frage an1 wie vor
zweitausend ,jahren4- wie kann ,etwas
aus seinem ,gegensatz entstehen1 zum
,beispiel ,vernnftiges aus
,vernunftlosem1 ,empfindendes aus
,todtem1 ,logik aus ,unlogik1
interesseloses ,anschauen aus
begehrlichem ,wollen1 ,leben fr ,andere
aus ,egoismus1 ,wahrheit aus
,irrthmern8 ,die metaphysische
,philosophie half sich bisher ber diese
,schwierigkeit hinweg1 insofern sie die
,entstehung des ,einen aus dem ,andern
leugnete und fr die hher gewertheten
,dinge einen ,wunder-,ursprung annahm1
unmittelbar aus dem ,kern und ,wesen des
,dinges an sich heraus4 ,die
historische ,philosophie dagegen1 welche
gar nicht mehr getrennt von der
,naturwissenschaft zu denken ist1 die
allerjngste aller philosophischen
,methoden1 ermittelte in einzelnen
,fllen 7und vermuthlich wird diess in
allen ihr ,ergebniss sein71 dass es
keine ,gegenstze sind1 ausser in der
gewohnten ,uebertreibung der populren
oder metaphysischen ,auffassung und dass
ein ,irrthum der ,vernunft dieser
,gegenberstellung zu ,grunde liegt3 nach
ihrer ,erklrung giebt es1 streng
gefasst1 weder ein unegoistisches
,handeln1 noch ein vllig interesseloses
,anschauen1 es sind beides nur
,sublimirungen1 bei denen das
,grundelement fast verflchtigt erscheint
und nur noch fr die feinste
,beobachtung sich als vorhanden erweist4
- ,alles1 was wir brauchen und was
erst bei der gegenwrtigen ,hhe der
einzelnen ,wissenschaften uns gegeben
werden kann1 ist eine ,chemie der
moralischen1 religisen1 sthetischen
,vorstellungen und ,empfindungen1
ebenso aller jener ,regungen1 welche wir
im ,gross- und ,kleinverkehr der
,cultur und ,gesellschaft1 ja in der
,einsamkeit an uns erleben3 wie1 wenn
diese ,chemie mit dem ,ergebniss
abschlsse1 dass auch auf diesem
,gebiete die herrlichsten ,farben aus
niedrigen1 ja verachteten ,stoffen
gewonnen sind8 ,werden ,viele ,lust
haben1 solchen ,untersuchungen zu
folgen8 ,die ,menschheit liebt es1 die
,fragen ber ,herkunft und ,anfnge sich
aus dem ,sinn zu schlagen3 muss man
nicht fast entmenscht sein1 um den
entgegengesetzten ,hang in sich zu
spren8 - #b4 ,erbfehler der
,philosophen4 - ,alle ,philosophen haben
den gemeinsamen ,fehler an sich1 dass
sie vom gegenwrtigen ,menschen ausgehen
und durch eine ,analyse desselben an's
,ziel zu kommen meinen4 ,unwillkrlich
schwebt ihnen der ,mensch als eine
aeterna veritas1 als ein
,gleichbleibendes in allem ,strudel1 als
ein sicheres ,maass der ,dinge vor4
,alles1 was der ,philosoph ber den
,menschen aussagt1 ist aber im ,grunde
nicht mehr1 als ein ,zeugniss ber den
,menschen eines sehr beschrnkten
,zeitraumes4 ,mangel an historischem
,sinn ist der ,erbfehler aller
,philosophen2 manche sogar nehmen
unversehens die allerjngste ,gestaltung
des ,menschen1 wie eine solche unter
dem ,eindruck bestimmter ,religionen1
ja bestimmter politischer ,ereignisse
entstanden ist1 als die feste ,form1
von der man ausgehen msse4 ,sie wollen
nicht lernen1 dass der ,mensch geworden
ist1 dass auch das ,erkenntnissvermgen
geworden ist2 whrend ,einige von ihnen
sogar die ganze ,welt aus diesem
,erkenntnissvermgen sich herausspinnen
lassen4 - ,nun ist alles ,wesentliche
der menschlichen ,entwickelung in
,urzeiten vor sich gegangen1 lange vor
jenen vier tausend ,jahren1 die wir
ungefhr kennen2 in diesen mag sich der
,mensch nicht viel mehr verndert haben4
,da sieht aber der ,philosoph ,instincte
am gegenwrtigen ,menschen und nimmt
an1 dass diese zu den unvernderlichen
,thatsachen des ,menschen gehren und
insofern einen ,schssel zum ,verstndniss
der ,welt berhaupt abgeben knnen2 die
ganze ,teleologie ist darauf gebaut1
dass man vom ,menschen der letzten vier
,jahrtausende als von einem ewigen
redet1 zu welchem hin alle ,dinge in der
,welt von ihrem ,anbeginne eine
natrliche ,richtung haben4 ,alles aber
ist geworden2 es giebt keine ewigen
,thatsachen3 sowie es keine absoluten
,wahrheiten giebt4 - ,demnach ist das
historische ,philosophiren von jetzt ab
nthig und mit ihm die ,tugend der
,bescheidung4 #c4 ,schtzung der
unscheinbaren ,wahrheiten4 - ,es ist das
,merkmal einer hhern ,cultur1 die
kleinen unscheinbaren ,wahrheiten1
welche mit strenger ,methode gefunden
wurden1 hher zu schtzen1 als die
beglckenden und blendenden ,irrthmer1
welche metaphysischen und knstlerischen
,zeitaltern und ,menschen entstammen4
,zunchst hat man gegen erstere den
,hohn auf den ,lippen1 als knne hier gar
nichts ,gleichberechtigtes gegen
einander stehen3 so bescheiden1
schlicht1 nchtern1 ja scheinbar
entmuthigend stehen diese1 so schn1
prunkend1 berauschend1 ja vielleicht
beseligend stehen jene da4 ,aber das
mhsam ,errungene1 ,gewisse1 ,dauernde
und desshalb fr jede weitere
,erkenntniss noch ,folgenreiche ist
doch das ,hhere1 zu ihm sich zu halten
ist mnnlich und zeigt ,tapferkeit1
,schlichtheit1 ,enthaltsamkeit an4
,allmhlich wird nicht nur der ,einzelne1
sondern die gesammte ,menschheit zu
dieser ,mnnlichkeit emporgehoben werden1
wenn sie sich endlich an die hhere
,schtzung der haltbaren1 dauerhaften
,erkenntnisse gewhnt und allen ,glauben
an ,inspiration und wundergleiche
,mittheilung von ,wahrheiten verloren
hat4 - ,die ,verehrer der ,formen
freilich1 mit ihrem ,maassstabe des
,schnen und ,erhabenen1 werden zunchst
gute ,grnde zu spotten haben1 sobald die
,schtzung der unscheinbaren
,wahrheiten und der wissenschaftliche
,geist anfngt zur ,herrschaft zu
kommen3 aber nur weil entweder ihr ,auge
sich noch nicht dem ,reiz der
schlichtesten ,form erschlossen hat oder
weil die in jenem ,geiste erzogenen
,menschen noch lange nicht vllig und
innerlich von ihm durchdrungen sind1 so
dass sie immer noch gedankenlos alte
,formen nachmachen 7und diess schlecht
genug1 wie es jemand thut1 dem nicht
mehr viel an einer ,sache liegt74
,ehemals war der ,geist nicht durch
strenges ,denken in ,anspruch genommen1
da lag sein ,ernst im ,ausspinnen von
,symbolen und ,formen4 ,das hat sich
verndert2 jener ,ernst des
,symbolischen ist zum ,kennzeichen der
niederen ,cultur geworden2 wie unsere
,knste selber immer intellectualer1
unsere ,sinne geistiger werden1 und wie
man zum ,beispiel jetzt ganz anders
darber urtheilt1 was sinnlich wohltnend
ist1 als vor hundert ,jahren3 so werden
auch die ,formen unseres ,lebens immer
geistiger1 fr das ,auge lterer ,zeiten
vielleicht hsslicher1 aber nur weil es
nicht zu sehen vermag1 wie das ,reich
der inneren1 geistigen ,schnheit sich
fortwhrend vertieft und erweitert und
in wie fern uns ,allen der geistreiche
,blick jetzt mehr gelten darf1 als der
schnste ,gliederbau und das erhabenste
,bauwerk4 #d4 ,astrologie und
,verwandtes4 - ,es ist wahrscheinlich1
dass die ,objecte des religisen1
moralischen und sthetischen ,empfindens
ebenfalls nur zur ,oberflche der ,dinge
gehren1 whrend der ,mensch gerne
glaubt1 dass er hier wenigstens an das
,herz der ,welt rhre2 er tuscht sich1
weil jene ,dinge ihn so tief beseligen
und so tief unglcklich machen1 und
zeigt also hier denselben ,stolz wie bei
der ,astrologie4 ,denn diese meint1
der ,sternenhimmel drehte sich um das
,loos des ,menschen2 der moralische
,mensch aber setzt voraus1 ,das1 was ihm
wesentlich am ,herzen liege1 msse auch
,wesen und ,herz der ,dinge sein4
#e4 ,missverstndniss des ,traumes4 -
,im ,traume glaubte der ,mensch in den
,zeitaltern roher uranfnglicher ,cultur
eine zweite reale ,welt kennen zu
lernen2 hier ist der ,ursprung aller
,metaphysik4 ,ohne den ,traum htte man
keinen ,anlass zu einer ,scheidung der
,welt gefunden4 ,auch die ,zerlegung in
,seele und ,leib hngt mit der ltesten
,auffassung des ,traumes zusammen1
ebenso die ,annahme eines
,seelenscheinleibes1 also die ,herkunft
alles ,geisterglaubens1 und
wahrscheinlich auch des ,gtterglaubens4
,der ,todte lebt fort2 denn er
erscheint dem ,lebenden im ,traume3 so
schloss man ehedem1 durch viele
,jahrtausende hindurch4 #f4 ,der
,geist der ,wissenschaft im ,theil1
nicht im ,ganzen mchtig4 - ,die
abgetrennten kleinsten ,gebiete der
,wissenschaft werden rein sachlich
behandelt3 die allgemeinen grossen
,wissenschaften dagegen legen1 als
,ganzes betrachtet1 die ,frage - eine
recht unsachliche ,frage freilich - auf
die ,lippen3 wozu8 zu welchem ,nutzen8
,wegen dieser ,rcksicht auf den ,nutzen
werden sie1 als ,ganzes1 weniger
unpersnlich1 als in ihren ,theilen
behandelt4 ,bei der ,philosophie nun
gar1 als bei der ,spitze der gesammten
,wissenspyramide1 wird unwillkrlich die
,frage nach dem ,nutzen der
,erkenntniss berhaupt aufgeworfen1 und
jede ,philosophie hat unbewusst die
,absicht1 ihr den hchsten ,nutzen
zuzuschreiben4 ,desshalb giebt es in
allen ,philosophien so viel
hochfliegende ,metaphysik und eine
solche ,scheu vor den unbedeutend
erscheinenden ,lsungen der ,physik2
denn die ,bedeutsamkeit der ,erkenntniss
fr das ,leben soll so gross als mglich
erscheinen4 ,hier ist der ,antagonismus
zwischen den wissenschaftlichen
,einzelgebieten und der ,philosophie4
,letztere will1 was die ,kunst will1
dem ,leben und ,handeln mglichste ,tiefe
und ,bedeutung geben2 in ersteren
sucht man ,erkenntniss und ,nichts
weiter1 - was dabei auch herauskomme4
,es hat bis jetzt noch keinen
,philosophen gegeben1 unter dessen
,hnden die ,philosophie nicht zu einer
,apologie der ,erkenntniss geworden
wre2 in diesem ,puncte wenigstens ist
ein jeder ,optimist1 dass dieser die
hchste ,ntzlichkeit zugesprochen werden
msse4 ,sie alle werden von der ,logik
tyrannisirt3 und diese ist ihrem ,wesen
nach ,optimismus4 #g4 ,der
,strenfried in der ,wissenschaft4 ,die
,philosophie schied sich von der
,wissenschaft1 als sie die ,frage
stellte3 welches ist diejenige
,erkenntniss der ,welt und des ,lebens1
bei welcher der ,mensch am glcklichsten
lebt8 ,diess geschah in den
sokratischen ,schulen3 durch den
,gesichtspunct des ,glcks unterband man
die ,blutadern der wissenschaftlichen
,forschung - und thut es heute noch4
#h4 ,pneumatische ,erklrung der
,natur4 - ,die ,metaphysik erklrt die
,schrift der ,natur gleichsam
pneumatisch1 wie die ,kirche und ihre
,gelehrten es ehemals mit der ,bibel
thaten4 ,es gehrt sehr viel ,verstand
dazu1 um auf die ,natur die selbe ,art
der strengeren ,erklrungskunst
anzuwenden1 wie jetzt die -,philologen
sie fr alle ,bcher geschaffen haben3 mit
der ,absicht1 schlicht zu verstehen1
was die ,schrift sagen will1 aber nicht
einen doppelten ,sinn zu wittern1 ja
vorauszusetzen4 ,wie aber selbst in
,betreff der ,bcher die schlechte
,erklrungskunst keineswegs vllig
berwunden ist und man in der besten
gebildeten ,gesellschaft noch
fortwhrend auf ,ueberreste allegorischer
und mystischer ,ausdeutung stsst3 so
steht es auch in ,betreff der ,natur -
ja noch viel schlimmer4 #i4
,metaphysische ,welt4 - ,es ist wahr1 es
knnte eine metaphysische ,welt geben2
die absolute ,mglichkeit davon ist kaum
zu bekmpfen4 ,wir sehen alle ,dinge
durch den ,menschenkopf an und knnen
diesen ,kopf nicht abschneiden2 whrend
doch die ,frage brig bleibt1 was von der
,welt noch da wre1 wenn man ihn doch
abgeschnitten htte4 ,diess ist ein rein
wissenschaftliches ,problem und nicht
sehr geeignet1 den ,menschen ,sorgen zu
machen2 aber ,alles1 was ihnen bisher
metaphysische ,annahmen werthvoll1
schreckenvoll1 lustvoll gemacht1 was sie
erzeugt hat1 ist ,leidenschaft1
,irrthum und ,selbstbetrug2 die
allerschlechtesten ,methoden der
,erkenntniss1 nicht die allerbesten1
haben daran glauben lehren4 ,wenn man
diese ,methoden1 als das ,fundament
aller vorhandenen ,religionen und
,metaphysiken1 aufgedeckt hat1 hat man
sie widerlegt4 ,dann bleibt immer noch
jene ,mglichkeit brig2 aber mit ihr kann
man gar ,nichts anfangen1 geschweige
denn1 dass man ,glck1 ,heil und ,leben
von den ,spinnenfden einer solchen
,mglichkeit abhngen lassen drfte4 -
,denn man knnte von der metaphysischen
,welt gar ,nichts aussagen1 als ein
,anderssein1 ein uns unzugngliches1
unbegreifliches ,anderssein2 es wre ein
,ding mit negativen ,eigenschaften4 -
,wre die ,existenz einer solchen ,welt
noch so gut bewiesen1 so stnde doch
fest1 dass die gleichgltigste aller
,erkenntnisse eben ihre ,erkenntniss
wre3 noch gleichgltiger als dem
,schiffer in ,sturmesgefahr die
,erkenntniss von der chemischen
,analysis des ,wassers sein muss4
#aj4 ,harmlosigkeit der ,metaphysik
in der ,zukunft4 - ,sobald die
,religion1 ,kunst und ,moral in ihrer
,entstehung so beschrieben sind1 dass
man sie vollstndig sich erklren kann1
ohne zur ,annahme metaphysischer
,eingriffe am ,beginn und im ,verlaufe
der ,bahn seine ,zuflucht zu nehmen1
hrt das strkste ,interesse an dem rein
theoretischen ,problem vom ,ding an
sich und der ,erscheinung auf4 ,denn wie
es hier auch stehe3 mit ,religion1
,kunst und ,moral rhren wir nicht an das
,wesen der ,welt an sich2 wir sind im
,bereiche der ,vorstellung1 keine
,ahnung kann uns weitertragen4 ,mit
voller ,ruhe wird man die ,frage1 wie
unser ,weltbild so stark sich von dem
erschlossenen ,wesen der ,welt
unterscheiden knne1 der ,physiologie und
der ,entwickelungsgeschichte der
,organismen und ,begriffe berlassen4
#aa4 ,die ,sprache als vermeintliche
,wissenschaft4 - ,die ,bedeutung der
,sprache fr die ,entwickelung der
,cultur liegt darin1 dass in ihr der
,mensch eine eigene ,welt neben die
andere stellte1 einen ,ort1 welchen er
fr so fest hielt1 um von ihm aus die
brige ,welt aus den ,angeln zu heben
und sich zum ,herrn derselben zu machen4
,insofern der ,mensch an die ,begriffe
und ,namen der ,dinge als an aeternae
veritates durch lange ,zeitstrecken
hindurch geglaubt hat1 hat er sich jenen
,stolz angeeignet1 mit dem er sich ber
das ,thier erhob3 er meinte wirklich
in der ,sprache die ,erkenntniss der
,welt zu haben4 ,der ,sprachbildner war
nicht so bescheiden1 zu glauben1 dass
er den ,dingen eben nur ,bezeichnungen
gebe1 er drckte vielmehr1 wie er whnte1
das hchste ,wissen ber die ,dinge mit
den ,worten aus2 in der ,that ist die
,sprache die erste ,stufe der ,bemhung
um die ,wissenschaft4 ,der ,glaube an
die gefundene ,wahrheit ist es auch
hier1 aus dem die mchtigsten
,kraftquellen geflossen sind4 ,sehr
nachtrglich -jetzt erst - dmmert es den
,menschen auf1 dass sie einen
ungeheuren ,irrthum in ihrem ,glauben
an die ,sprache propagirt haben4
,glcklicherweise ist es zu spt1 als
dass es die ,entwickelung der ,vernunft1
die auf jenem ,glauben beruht1 wieder
rckgngig machen knnte4 - ,auch die
,logik beruht auf ,voraussetzungen1
denen ,nichts in der wirklichen ,welt
entspricht1 z4,b4 auf der
,voraussetzung der ,gleichheit von
,dingen1 der ,identitt des selben
,dinges in verschiedenen ,puncten der
,zeit3 aber jene ,wissenschaft entstand
durch den entgegengesetzten ,glauben
7dass es dergleichen in der wirklichen
,welt allerdings gebe74 ,ebenso steht es
mit der ,mathematik1 welche gewiss
nicht entstanden wre1 wenn man von
,anfang an gewusst htte1 dass es in der
,natur keine exact gerade ,linie1
keinen wirklichen ,kreis1 kein absolutes
,grssenmaass gebe4 #ab4 ,traum
und ,cultur4- ,die ,gehirnfunction1
welche durch den ,schlaf am meisten
beeintrchtigt wird1 ist das ,gedchtniss3
nicht dass es ganz pausirte1 - aber es
ist auf einen ,zustand der
,unvollkommenheit zurckgebracht1 wie es
in ,urzeiten der ,menschheit bei
jedermann am ,tage und im ,wachen
gewesen sein mag4 ,willkrlich und
verworren1 wie es ist1 verwechselt es
fortwhrend die ,dinge auf ,grund der
flchtigsten ,aehnlichkeiten3 aber mit
der selben ,willkr und ,verworrenheit
dichteten die ,vlker ihre ,mythologien1
und noch jetzt pflegen ,reisende zu
beobachten1 wie sehr der ,wilde zur
,vergesslichkeit neigt1 wie sein ,geist
nach kurzer ,anspannung des
,gedchtnisses hin und her zu taumeln
beginnt und er1 aus blosser
,erschlaffung1 ,lgen und ,unsinn
hervorbringt4 ,aber wir ,alle gleichen
im ,traume diesem ,wilden2 das
schlechte ,wiedererkennen und
irrthmliche ,gleichsetzen ist der ,grund
des schlechten ,schliessens1 dessen
wir uns im ,traume schuldig machen3 so
dass wir1 bei deutlicher
,vergegenwrtigung eines ,traumes1 vor
uns erschrecken1 weil wir so viel
,narrheit in uns bergen4 - ,die
vollkommene ,deutlichkeit aller
,traum-,vorstellungen1 welche den
unbedingten ,glauben an ihre ,realitt
zur ,voraussetzung hat1 erinnert uns
wieder an ,zustnde frherer ,menschheit1
in der die ,hallucination
ausserordentlich hufig war und mitunter
ganze ,gemeinden1 ganze ,vlker
gleichzeitig ergriff4 ,also3 im ,schlaf
und ,traum machen wir das ,pensum
frheren ,menschenthums noch einmal
durch4 #ac4 ,logik des ,traumes4
- ,im ,schlafe ist fortwhrend unser
,nervensystem durch mannichfache innere
,anlsse in ,erregung1 fast alle ,organe
secerniren und sind in ,thtigkeit1 das
,blut macht seinen ungestmen
,kreislauf1 die ,lage des ,schlafenden
drckt einzelne ,glieder1 seine ,decken
beeinflussen die ,empfindung
verschiedenartig1 der ,magen verdaut
und beunruhigt mit seinen ,bewegungen
andere ,organe1 die ,gedrme winden
sich1 die ,stellung des ,kopfes bringt
ungewhnliche ,muskellagen mit sich1 die
,fsse1 unbeschuht1 nicht mit den
,sohlen den ,boden drckend1 verursachen
das ,gefhl des ,ungewhnlichen ebenso
wie die andersartige ,bekleidung des
ganzen ,krpers1 - alles diess nach
seinem tglichen ,wechsel und ,grade
erregt durch seine ,aussergewhnlichkeit
das gesammte ,system bis in die
,gehirnfunction hinein3 und so giebt es
hundert ,anlsse fr den ,geist1 um sich
zu verwundern und nach ,grnden dieser
,erregung zu suchen3 der ,traum aber ist
das ,suchen und ,vorstellen der
,ursachen fr jene erregten
,empfindungen1 das heisst der
vermeintlichen ,ursachen4 ,wer zum
,beispiel seine ,fsse mit zwei ,riemen
umgrtet1 trumt wohl1 dass zwei
,schlangen seine ,fsse umringeln3 diess
ist zuerst eine ,hypothese1 sodann ein
,glaube1 mit einer begleitenden
bildlichen ,vorstellung und
,ausdichtung3 diese ,schlangen mssen die
causa jener ,empfindung sein1 welche
ich1 der ,schlafende1 habe1 - so
urtheilt der ,geist des ,schlafenden4
,die so erschlossene nchste
,vergangenheit wird durch die erregte
,phantasie ihm zur ,gegenwart4 ,so
weiss jeder aus ,erfahrung1 wie schnell
der ,trumende einen starken an ihn
dringenden ,ton1 zum ,beispiel
,glockenluten1 ,kanonenschsse in seinen
,traum verflicht1 das heisst aus ihm
hinterdrein erklrt1 so dass er zuerst
die veranlassenden ,umstnde1 dann jenen
,ton zu erleben meint4 - ,wie kommt es
aber1 dass der ,geist des ,trumenden
immer so fehl greift1 whrend der selbe
,geist im ,wachen so nchtern1 behutsam
und in ,bezug auf ,hypothesen so
skeptisch zu sein pflegt8 so dass ihm
die erste beste ,hypothese zur ,erklrung
eines ,gefhls gengt1 um sofort an ihre
,wahrheit zu glauben8 7denn wir glauben
im ,traume an den ,traum1 als sei er
,realitt1 das heisst wir halten unsre
,hypothese fr vllig erwiesen74 - ,ich
meine3 wie jetzt noch der ,mensch im
,traume schliesst1 so schloss die
,menschheit auch im ,wachen viele
,jahrtausende hindurch3 die erste
causa1 die dem ,geiste einfiel1 um
irgend ,etwas1 das der ,erklrung
bedurfte1 zu erklren1 gengte ihm und
galt als ,wahrheit4 7,so verfahren nach
den ,erzhlungen der ,reisenden die
,wilden heute noch47 ,im ,traum bt sich
dieses uralte ,stck ,menschenthum in
uns fort1 denn es ist die ,grundlage1
auf der die hhere ,vernunft sich
entwickelte und in jedem ,menschen sich
noch entwickelt3 der ,traum bringt uns
in ferne ,zustnde der menschlichen
,cultur wieder zurck und giebt ein
,mittel an die ,hand1 sie besser zu
verstehen4 ,das ,traumdenken wird uns
jetzt so leicht1 weil wir in ungeheuren
,entwickelungsstrecken der ,menschheit
gerade auf diese ,form des
phantastischen und wohlfeilen ,erklrens
aus dem ersten beliebigen ,einfalle
heraus so gut eingedrillt worden sind4
,insofern ist der ,traum eine ,erholung
fr das ,gehirn1 welches am ,tage den
strengeren ,anforderungen an das ,denken
zu gengen hat1 wie sie von der hheren
,cultur gestellt werden4 - ,einen
verwandten ,vorgang knnen wir geradezu
als ,pforte und ,vorhalle des ,traumes
noch bei wachem ,verstande in
,augenschein nehmen4 ,schliessen wir
die ,augen1 so producirt das ,gehirn
eine ,menge von ,lichteindrcken und
,farben1 wahrscheinlich als eine ,art
,nachspiel und ,echo aller jener
,lichtwirkungen1 welche am ,tage auf
dasselbe eindringen4 ,nun verarbeitet
aber der ,verstand 7mit der ,phantasie
im ,bunde7 diese an sich formlosen
,farbenspiele sofort zu bestimmten
,figuren1 ,gestalten1 ,landschaften1
belebten ,gruppen4 ,der eigentliche
,vorgang dabei ist wiederum eine ,art
,schluss von der ,wirkung auf die
,ursache2 indem der ,geist fragt3 woher
diese ,lichteindrcke und ,farben1
supponirt er als ,ursachen jene
,figuren1 ,gestalten3 sie gelten ihm als
die ,veranlassungen jener ,farben und
,lichter1 weil er1 am ,tage1 bei
offenen ,augen1 gewohnt ist1 zu jeder
,farbe1 jedem ,lichteindrucke eine
veranlassende ,ursache zu finden4 ,hier
also schiebt ihm die ,phantasie
fortwhrend ,bilder vor1 indem sie an die
,gesichtseindrcke des ,tages sich in
ihrer ,production anlehnt1 und gerade so
macht es die ,traumphantasie3 - das
heisst die vermeintliche ,ursache wird
aus der ,wirkung erschlossen und nach
der ,wirkung vorgestellt3 alles diess
mit ausserordentlicher ,schnelligkeit1
so dass hier wie beim ,taschenspieler
eine ,verwirrung des ,urtheils entstehen
und ein ,nacheinander sich wie etwas
,gleichzeitiges1 selbst wie ein
umgedrehtes ,nacheinander ausnehmen
kann4 - ,wir knnen aus diesen ,vorgngen
entnehmen1 wie spt das schrfere
logische ,denken1 das ,strengnehmen von
,ursache und ,wirkung1 entwickelt
worden ist1 wenn unsere ,vernunft- und
,verstandesfunctionen jetzt noch
unwillkrlich nach jenen primitiven
,formen des ,schliessens zurckgreifen
und wir ziemlich die ,hlfte unseres
,lebens in diesem ,zustande leben4 -
,auch der ,dichter1 der ,knstler
schiebt seinen ,stimmungen und ,zustnden
,ursachen unter1 welche durchaus nicht
die wahren sind2 er erinnert insofern
an lteres ,menschenthum und kann uns
zum ,verstndnisse desselben verhelfen4
#ad4 ,miterklingen4 - ,alle strkeren
,stimmungen bringen ein ,miterklingen
verwandter ,empfindungen und ,stimmungen
mit sich2 sie whlen gleichsam das
,gedchtniss auf4 ,es erinnert sich bei
ihnen ,etwas in uns und wird sich
hnlicher ,zustnde und deren ,herkunft
bewusst4 ,so bilden sich angewhnte
rasche ,verbindungen von ,gefhlen und
,gedanken1 welche zuletzt1 wenn sie
blitzschnell hinter einander erfolgen1
nicht einmal mehr als ,complexe1
sondern als ,einheiten empfunden werden4
,in diesem ,sinne redet man vom
moralischen ,gefhle1 vom religisen
,gefhle1 wie als ob diess lauter
,einheiten seien3 in ,wahrheit sind sie
,strme mit hundert ,quellen und
,zuflssen4 ,auch hier1 wie so oft1
verbrgt die ,einheit des ,wortes
,nichts fr die ,einheit der ,sache4
#ae4 ,kein ,innen und ,aussen in der
,welt4 - ,wie ,demokrit die ,begriffe
,oben und ,unten auf den unendlichen
,raum bertrug1 wo sie keinen ,sinn
haben1 so die ,philosophen berhaupt den
,begriff ,innen und ,aussen auf ,wesen
und ,erscheinung der ,welt2 sie meinen1
mit tiefen ,gefhlen komme man tief in's
,innere1 nahe man sich dem ,herzen der
,natur4 ,aber diese ,gefhle sind nur
insofern tief1 als mit ihnen1 kaum
bemerkbar1 gewisse complicirte
,gedankengruppen regelmssig erregt
werden1 welche wir tief nennen2 ein
,gefhl ist tief1 weil wir den
begleitenden ,gedanken fr tief halten4
,aber der tiefe ,gedanke kann dennoch
der ,wahrheit sehr fern sein1 wie zum
,beispiel jeder metaphysische2 rechnet
man vom tiefen ,gefhle die
beigemischten ,gedankenelemente ab1 so
bleibt das starke ,gefhl brig1 und
dieses verbrgt ,nichts fr die
,erkenntniss1 als sich selbst1 ebenso
wie der starke ,glaube nur seine ,strke1
nicht die ,wahrheit des ,geglaubten
beweist4 #af4 ,erscheinung und
,ding an sich4 - ,die ,philosophen
pflegen sich vor das ,leben und die
,erfahrung - vor ,das1 was sie die ,welt
der ,erscheinung nennen - wie vor ein
,gemlde hinzustellen1 das ein fr alle
,mal entrollt ist und unvernderlich
fest den selben ,vorgang zeigt3 diesen
,vorgang1 meinen sie1 msse man richtig
ausdeuten1 um damit einen ,schluss auf
das ,wesen zu machen1 welches das
,gemlde hervorgebracht habe3 also auf
das ,ding an sich1 das immer als der
zureichende ,grund der ,welt der
,erscheinung angesehen zu werden pflegt4
,dagegen haben strengere ,logiker1
nachdem sie den ,begriff des
,metaphysischen scharf als den des
,unbedingten1 folglich auch
,unbedingenden festgestellt hatten1
jeden ,zusammenhang zwischen dem
,unbedingten 7der metaphysischen ,welt7
und der uns bekannten ,welt in ,abrede
gestellt3 so dass in der ,erscheinung
eben durchaus nicht das ,ding an sich
erscheine1 und von jener auf dieses
jeder ,schluss abzulehnen sei4 ,von
beiden ,seiten ist aber die ,mglichkeit
bersehen1 dass jenes ,gemlde - ,das1
was jetzt uns ,menschen ,leben und
,erfahrung heisst - allmhlich geworden
ist1 ja noch vllig im ,werden ist und
desshalb nicht als feste ,grsse
betrachtet werden soll1 von welcher aus
man einen ,schluss ber den ,urheber
7den zureichenden ,grund7 machen oder
auch nur ablehnen drfte4 ,dadurch1 dass
wir seit ,jahrtausenden mit
moralischen1 sthetischen1 religisen
,ansprchen1 mit blinder ,neigung1
,leidenschaft oder ,furcht in die ,welt
geblickt und uns in den ,unarten des
unlogischen ,denkens recht ausgeschwelgt
haben1 ist diese ,welt allmhlich so
wundersam bunt1 schrecklich1
bedeutungstief1 seelenvoll geworden1
sie hat ,farbe bekommen1 - aber wir sind
die ,coloristen gewesen3 der
menschliche ,intellect hat die
,erscheinung erscheinen lassen und
seine irrthmlichen ,grundauffassungen in
die ,dinge hineingetragen4 ,spt1 sehr
spt - besinnt er sich3 und jetzt
scheinen ihm die ,welt der ,erfahrung
und das ,ding an sich so
ausserordentlich verschieden und
getrennt1 dass er den ,schluss von jener
auf dieses ablehnt - oder auf eine
schauerlich geheimnissvolle ,weise zum
,aufgeben unsers ,intellectes1 unsers
persnlichen ,willens auffordert3 um
dadurch zum ,wesenhaften zu kommen1
dass man wesenhaft werde4 ,wiederum
haben ,andere alle charakteristischen
,zge unserer ,welt der ,erscheinung -
das heisst der aus intellectuellen
,irrthmern herausgesponnenen und uns
angeerbten ,vorstellung von der ,welt -
zusammengelesen und anstatt den
,intellect als ,schuldigen anzuklagen1
das ,wesen der ,dinge als ,ursache
dieses thatschlichen1 sehr unheimlichen
,weltcharakters angeschuldigt und die
,erlsung vom ,sein gepredigt4 - ,mit all
diesen ,auffassungen wird der stetige
und mhsame ,process der ,wissenschaft1
welcher zuletzt einmal in einer
,entstehungsgeschichte des ,denkens
seinen hchsten ,triumph feiert1 in
entscheidender ,weise fertig werden1
dessen ,resultat vielleicht auf diesen
,satz hinauslaufen drfte3 ,das1 was wir
jetzt die ,welt nennen1 ist das
,resultat einer ,menge von ,irrthmern
und ,phantasien1 welche in der
gesammten ,entwickelung der organischen
,wesen allmhlich entstanden1 in
einander verwachsen sind und uns jetzt
als aufgesammelter ,schatz der ganzen
,vergangenheit vererbt werden1 - als
,schatz3 denn der ,werth unseres
,menschenthums ruht darauf4 ,von dieser
,welt der ,vorstellung vermag uns die
strenge ,wissenschaft thatschlich nur
in geringem ,maasse zu lsen - wie es
auch gar nicht zu wnschen ist -1
insofern sie die ,gewalt uralter
,gewohnheiten der ,empfindung nicht
wesentlich zu brechen vermag3 aber sie
kann die ,geschichte der ,entstehung
jener ,welt als ,vorstellung ganz
allmhlich und schrittweise aufhellen -
und uns wenigstens fr ,augenblicke ber
den ganzen ,vorgang hinausheben4
,vielleicht erkennen wir dann1 dass das
,ding an sich eines homerischen
,gelchters werth ist3 dass es so viel1
ja ,alles schien und eigentlich leer1
nmlich bedeutungsleer ist4 #ag4
,metaphysische ,erklrungen4 - ,der junge
,mensch schtzt metaphysische
,erklrungen1 weil sie ihm in ,dingen1
welche er unangenehm oder verchtlich
fand1 etwas hchst ,bedeutungsvolles
aufweisen3 und ist er mit sich
unzufrieden1 so erleichtert sich diess
,gefhl1 wenn er das innerste
,weltrthsel oder ,weltelend in dem
wiedererkennt1 was er so sehr an sich
missbilligt4 ,sich unverantwortlicher
fhlen und die ,dinge zugleich
interessanter finden - das gilt ihm als
die doppelte ,wohlthat1 welche er der
,metaphysik verdankt4 ,spter freilich
bekommt er ,misstrauen gegen die ganze
metaphysische ,erklrungsart1 dann sieht
er vielleicht ein1 dass jene ,wirkungen
auf einem anderen ,wege eben so gut und
wissenschaftlicher zu erreichen sind3
dass physische und historische
,erklrungen mindestens ebenso sehr jenes
,gefhl der ,unverantwortlichkeit
herbeifhren1 und dass jenes ,interesse
am ,leben und seinen ,problemen
vielleicht noch mehr dabei entflammt
wird4 #ah4 ,grundfragen der
,metaphysik4 - ,wenn einmal die
,entstehungsgeschichte des denkens
geschrieben ist1 so wird auch der
folgende ,satz eines ausgezeichneten
,logikers von einem neuen ,lichte
erhellt dastehen3 ,das ursprngliche
allgemeine ,gesetz des erkennenden
,subjects besteht in der inneren
,nothwendigkeit1 jeden ,gegenstand an
sich1 in seinem eigenen ,wesen als
einen mit sich selbst identischen1 also
selbstexistirenden und im ,grunde stets
gleichbleibenden und unwandelbaren1
kurz als eine ,substanz zu erkennen4
,auch dieses ,gesetz1 welches hier
ursprnglich genannt wird1 ist geworden3
es wird einmal gezeigt werden1 wie
allmhlich1 in den niederen ,organismen1
dieser ,hang entsteht1 wie die blden
,maulwurfsaugen dieser ,organisationen
zuerst ,nichts als immer das ,gleiche
sehen1 wie dann1 wenn die verschiedenen
,erregungen von ,lust und ,unlust
bemerkbarer werden1 allmhlich
verschiedene ,substanzen unterschieden
werden1 aber jede mit ,einem ,attribut1
das heisst einer einzigen ,beziehung zu
einem solchen ,organismus4 - ,die
erste ,stufe des ,logischen ist das
,urtheil2 dessen ,wesen besteht1 nach
der ,feststellung der besten ,logiker1
im ,glauben4 ,allem ,glauben zu ,grunde
liegt die ,empfindung des ,angenehmen
oder ,schmerzhaften in ,bezug auf das
empfindende ,subject4 ,eine neue dritte
,empfindung als ,resultat zweier
vorangegangenen einzelnen ,empfindungen
ist das ,urtheil in seiner niedrigsten
,form4 - ,uns organische ,wesen
interessirt ursprnglich ,nichts an jedem
,dinge1 als sein ,verhltniss zu uns in
,bezug auf ,lust und ,schmerz4
,zwischen den ,momenten1 in welchen wir
uns dieser ,beziehung bewusst werden1
den ,zustnden des ,empfindens1 liegen
solche der ,ruhe1 des ,nichtempfindens3
da ist die ,welt und jedes ,ding fr uns
interesselos1 wir bemerken keine
,vernderung an ihm 7wie jetzt noch ein
heftig ,interessirter nicht merkt1 dass
jemand an ihm vorbeigeht74 ,fr die
,pflanze sind gewhnlich alle ,dinge
ruhig1 ewig1 jedes ,ding sich selbst
gleich4 ,aus der ,periode der niederen
,organismen her ist dem ,menschen der
,glaube vererbt1 dass es gleiche ,dinge
giebt 7erst die durch hchste
,wissenschaft ausgebildete ,erfahrung
widerspricht diesem ,satze74 ,der
,urglaube alles ,organischen von ,anfang
an ist vielleicht sogar1 dass die
ganze brige ,welt ,eins und unbewegt
ist4 - ,am fernsten liegt fr jene
,urstufe des ,logischen der ,gedanke an
,causalitt3 ja jetzt noch meinen wir im
,grunde1 alle ,empfindungen und
,handlungen seien ,acte des freien
,willens2 wenn das fhlende ,individuum
sich selbst betrachtet1 so hlt es jede
,empfindung1 jede ,vernderung fr etwas
,isolirtes1 das heisst ,unbedingtes1
,zusammenhangloses3 es taucht aus uns
auf1 ohne ,verbindung mit ,frherem oder
,spterem4 ,wir haben ,hunger1 aber
meinen ursprnglich nicht1 dass der
,organismus erhalten werden will1
sondern jenes ,gefhl scheint sich ohne
,grund und ,zweck geltend zu machen1 es
isolirt sich und hlt sich fr willkrlich4
,also3 der ,glaube an die ,freiheit
des ,willens ist ein ursprnglicher
,irrthum alles ,organischen1 so alt1
als die ,regungen des ,logischen in ihm
existiren2 der ,glaube an unbedingte
,substanzen und an gleiche ,dinge ist
ebenfalls ein ursprnglicher1 ebenso
alter ,irrthum alles ,organischen4
,insofern aber alle ,metaphysik sich
vornehmlich mit ,substanz und ,freiheit
des ,willens abgegeben hat1 so darf man
sie als die ,wissenschaft bezeichnen1
welche von den ,grundirrthmern des
,menschen handelt1 doch so1 als wren es
,grundwahrheiten4 #ai4 ,die
,zahl4 - ,die ,erfindung der ,gesetze
der ,zahlen ist auf ,grund des
ursprnglich schon herrschenden ,irrthums
gemacht1 dass es mehrere gleiche
,dinge gebe 7aber thatschlich giebt es
nichts ,gleiches71 mindestens dass es
,dinge gebe 7aber es giebt kein ,ding74
,die ,annahme der ,vielheit setzt immer
voraus1 dass es ,etwas gebe1 das
vielfach vorkommt3 aber gerade hier
schon waltet der ,irrthum1 schon da
fingiren wir ,wesen1 ,einheiten1 die es
nicht giebt4 - ,unsere ,empfindungen
von ,raum und ,zeit sind falsch1 denn
sie fhren1 consequent geprft1 auf
logische ,widersprche4 ,bei allen
wissenschaftlichen ,feststellungen
rechnen wir unvermeidlich immer mit
einigen falschen ,grssen3 aber weil
diese ,grssen wenigstens constant sind1
wie zum ,beispiel unsere ,zeit- und
,raumempfindung1 so bekommen die
,resultate der ,wissenschaft doch eine
vollkommene ,strenge und ,sicherheit in
ihrem ,zusammenhange mit einander2 man
kann auf ihnen fortbauen - bis an jenes
letzte ,ende1 wo die irrthmliche
,grundannahme1 jene constanten ,fehler1
in ,widerspruch mit den ,resultaten
treten1 zum ,beispiel in der
,atomenlehre4 ,da fhlen wir uns immer
noch zur ,annahme eines ,dinges oder
stofflichen ,substrats1 das bewegt wird1
gezwungen1 whrend die ganze
wissenschaftliche ,procedur eben die
,aufgabe verfolgt hat1 alles
,dingartige 7,stoffliche7 in ,bewegungen
aufzulsen3 wir scheiden auch hier noch
mit unserer ,empfindung ,bewegendes und
,bewegtes und kommen aus diesem
,zirkel nicht heraus1 weil der ,glaube
an ,dinge mit unserem ,wesen von
,alters her verknotet ist4 - ,wenn ,kant
sagt der ,verstand schpft seine
,gesetze nicht aus der ,natur1 sondern
schreibt sie dieser vor1 so ist diess
in ,hinsicht auf den ,begriff der ,natur
vllig wahr1 welchen wir genthigt sind1
mit ihr zu verbinden 7,natur ,welt als
,vorstellung1 das heisst als
,irrthum71 welcher aber die
,aufsummirung einer ,menge von
,irrthmern des ,verstandes ist4 - ,auf
eine ,welt1 welche nicht unsere
,vorstellung ist1 sind die ,gesetze der
,zahlen gnzlich unanwendbar3 diese
gelten allein in der ,menschen-,welt4
#bj4 ,einige ,sprossen zurck4 - ,die
eine1 gewiss sehr hohe ,stufe der
,bildung ist erreicht1 wenn der ,mensch
ber aberglubische und religise
,begriffe und ,aengste hinauskommt und
zum ,beispiel nicht mehr an die lieben
,englein oder die ,erbsnde glaubt1 auch
vom ,heil der ,seelen zu reden verlernt
hat3 ist er auf dieser ,stufe der
,befreiung1 so hat er auch noch mit
hchster ,anspannung seiner ,besonnenheit
die ,metaphysik zu berwinden4 ,dann
aber ist eine rcklufige ,bewegung nthig3
er muss die historische ,berechtigung1
ebenso die psychologische in solchen
,vorstellungen begreifen1 er muss
erkennen1 wie die grsste ,frderung der
,menschheit von dorther gekommen sei und
wie man sich1 ohne eine solche
rcklufige ,bewegung1 der besten
,ergebnisse der bisherigen ,menschheit
berauben wrde4 - ,in ,betreff der
philosophischen ,metaphysik sehe ich
jetzt immer ,mehrere1 welche an das
negative ,ziel 7dass jede positive
,metaphysik ,irrthum ist7 gelangt sind1
aber noch ,wenige1 welche einige
,sprossen rckwrts steigen2 man soll
nmlich ber die letzte ,sprosse der
,leiter wohl hinausschauen1 aber nicht
auf ihr stehen wollen4 ,die
,aufgeklrtesten bringen es nur so weit1
sich von der ,metaphysik zu befreien
und mit ,ueberlegenheit auf sie
zurckzusehen3 whrend es doch auch hier1
wie im ,hippodrom1 noth thut1 um das
,ende der ,bahn herumzubiegen4 #ba4
,muthmaasslicher ,sieg der ,skepsis4
- ,man lasse einmal den skeptischen
,ausgangspunct gelten3 gesetzt1 es gbe
keine andere1 metaphysische ,welt und
alle aus der ,metaphysik genommenen
,erklrungen der uns einzig bekannten
,welt wren unbrauchbar fr uns1 mit
welchem ,blick wrden wir dann auf
,menschen und ,dinge sehen8 ,diess kann
man sich ausdenken1 es ist ntzlich1
selbst wenn die ,frage1 ob etwas
,metaphysisches wissenschaftlich durch
,kant und ,schopenhauer bewiesen sei1
einmal abgelehnt wrde4 ,denn es ist1
nach historischer ,wahrscheinlichkeit1
sehr gut mglich1 dass die ,menschen
einmal in dieser ,beziehung im ,ganzen
und ,allgemeinen skeptisch werden2 da
lautet also die ,frage3 wie wird sich
dann die menschliche ,gesellschaft1
unter dem ,einfluss einer solchen
,gesinnung1 gestalten8 ,vielleicht ist
der wissenschaftliche ,beweis irgend
einer metaphysischen ,welt schon so
schwierig1 dass die ,menschheit ein
,misstrauen gegen ihn nicht mehr los
wird4 ,und wenn man gegen die
,metaphysik ,misstrauen hat1 so giebt es
im ,ganzen und ,grossen die selben
,folgen1 wie wenn sie direct widerlegt
wre und man nicht mehr an sie glauben
drfte4 ,die historische ,frage in
,betreff einer unmetaphysischen
,gesinnung der ,menschheit bleibt in
beiden ,fllen die selbe4 #bb4
,unglaube an das monumentum aere
perennius4 - ,ein wesentlicher
,nachtheil1 welchen das ,aufhren
metaphysischer ,ansichten mit sich
bringt1 liegt darin1 dass das
,individuum zu streng seine kurze
,lebenszeit in's ,auge fasst und keine
strkeren ,antriebe empfngt1 an
dauerhaften1 fr ,jahrhunderte angelegten
,institutionen zu bauen2 es will die
,frucht selbst vom ,baume pflcken1 den
es pflanzt1 und desshalb mag es jene
,bume nicht mehr pflanzen1 welche eine
,jahrhundert lange gleichmssige ,pflege
erfordern und welche lange
,reihenfolgen von ,geschlechtern zu
berschatten bestimmt sind4 ,denn
metaphysische ,ansichten geben den
,glauben1 dass in ihnen das letzte
endgltige ,fundament gegeben sei1 auf
welchem sich nunmehr alle ,zukunft der
,menschheit niederzulassen und anzubauen
genthigt sei2 der ,einzelne frdert
sein ,heil1 wenn er zum ,beispiel eine
,kirche1 ein ,kloster stiftet1 es wird
ihm1 so meint er1 im ewigen ,fortleben
der ,seele angerechnet und vergolten1
es ist ,arbeit am ewigen ,heil der
,seele4 - ,kann die ,wissenschaft auch
solchen ,glauben an ihre ,resultate
erwecken8 ,in der ,that braucht sie den
,zweifel und das ,misstrauen als
treuesten ,bundesgenossen2 trotzdem kann
mit der ,zeit die ,summe der
unantastbaren1 das heisst alle ,strme
der ,skepsis1 alle ,zersetzungen
berdauernden ,wahrheiten so gross werden
7zum ,beispiel in der ,ditetik der
,gesundheit71 dass man sich daraufhin
entschliesst1 ewige ,werke zu grnden4
,einstweilen wirkt der ,contrast unseres
aufgeregten ,ephemeren-,daseins gegen
die langathmige ,ruhe metaphysischer
,zeitalter noch zu stark1 weil die
beiden ,zeiten noch zu nahe gestellt
sind2 der einzelne ,mensch selber
durchluft jetzt zu viele innere und
ussere ,entwickelungen1 als dass er
auch nur auf seine eigene ,lebenszeit
sich dauerhaft und ein fr alle ,mal
einzurichten wagt4 ,ein ganz moderner
,mensch1 der sich zum ,beispiel ein
,haus bauen will1 hat dabei ein ,gefhl1
als ob er bei lebendigem ,leibe sich in
ein ,mausoleum vermauern wolle4
#bc4 ,zeitalter der ,vergleichung4 -
je weniger die ,menschen durch das
,herkommen gebunden sind1 um so grsser
wird die innere ,bewegung der ,motive1
um so grsser wiederum1 dem entsprechend1
die ussere ,unruhe1 das
,durcheinanderfluten der ,menschen1 die
,polyphonie der ,bestrebungen4 ,fr wen
giebt es jetzt noch einen strengeren
,zwang1 an einen ,ort sich und seine
,nachkommen anzubinden8 ,fr wen giebt es
berhaupt noch etwas streng ,bindendes8
,wie alle ,stilarten der ,knste neben
einander nachgebildet werden1 so auch
alle ,stufen und ,arten der ,moralitt1
der ,sitten1 der ,culturen4 - ,ein
solches ,zeitalter bekommt seine
,bedeutung dadurch1 dass in ihm die
verschiedenen ,weltbetrachtungen1
,sitten1 ,culturen verglichen und neben
einander durchlebt werden knnen2 was
frher1 bei der immer localisirten
,herrschaft jeder ,cultur1 nicht mglich
war1 entsprechend der ,gebundenheit
aller knstlerischen ,stilarten an ,ort
und ,zeit4 ,jetzt wird eine ,vermehrung
des sthetischen ,gefhls endgltig unter
so vielen der ,vergleichung sich
darbietenden ,formen entscheiden3 sie
wird die meisten1 - nmlich alle1 welche
durch dasselbe abgewiesen werden1 -
absterben lassen4 ,ebenso findet jetzt
ein ,auswhlen in den ,formen und
,gewohnheiten der hheren ,sittlichkeit
statt1 deren ,ziel kein anderes1 als der
,untergang der niedrigeren
,sittlichkeiten sein kann4 ,es ist das
,zeitalter der ,vergleichung6 ,das ist
sein ,stolz1 - aber billigerweise auch
sein ,leiden4 ,frchten wir uns vor
diesem ,leiden nicht6 ,vielmehr wollen
wir die ,aufgabe1 welche das ,zeitalter
uns stellt1 so gross verstehen1 als wir
nur vermgen3 so wird uns die ,nachwelt
darob segnen1 - eine ,nachwelt1 die
ebenso sich ber die abgeschlossenen
originalen ,volks-,culturen hinaus
weiss1 als ber die ,cultur der
,vergleichung1 aber auf beide ,arten der
,cultur als auf verehrungswrdige
,alterthmer mit ,dankbarkeit
zurckblickt4 #bd4 ,mglichkeit
des ,fortschritts4 - ,wenn ein
,gelehrter der alten ,cultur es
verschwrt1 nicht mehr mit ,menschen
umzugehen1 welche an den ,fortschritt
glauben1 so hat er ,recht4 ,denn die
alte ,cultur hat ihre ,grsse und ,gte
hinter sich und die historische ,bildung
zwingt ,einen1 zuzugestehen1 dass sie
nie wieder frisch werden kann2 es ist
ein unausstehlicher ,stumpfsinn oder
ebenso unleidliche ,schwrmerei nthig1
um diess zu leugnen4 ,aber die ,menschen
knnen mit ,bewusstsein beschliessen1
sich zu einer neuen ,cultur
fortzuentwickeln1 whrend sie sich frher
unbewusst und zufllig entwickelten3 sie
knnen jetzt bessere ,bedingungen fr
die ,entstehung der ,menschen1 ihre
,ernhrung1 ,erziehung1 ,unterrichtung
schaffen1 die ,erde als ,ganzes
konomisch verwalten1 die ,krfte der
,menschen berhaupt gegen einander abwgen
und einsetzen4 ,diese neue bewusste
,cultur tdtet die alte1 welche1 als
,ganzes angeschaut1 ein unbewusstes
,thier- und ,pflanzenleben gefhrt hat2
sie tdtet auch das ,misstrauen gegen den
,fortschritt1 -er ist mglich4 ,ich
will sagen3 es ist voreilig und fast
unsinnig1 zu glauben1 dass der
,fortschritt nothwendig erfolgen msse2
aber wie knnte man leugnen1 dass er
mglich sei8 ,dagegen ist ein
,fortschritt im ,sinne und auf dem
,wege der alten ,cultur nicht einmal
denkbar4 ,wenn romantische ,phantastik
immerhin auch das ,wort ,fortschritt von
ihren ,zielen 7z4,b4 abgeschlossenen
originalen ,volks-,culturen7 gebraucht3
jedenfalls entlehnt sie das ,bild davon
aus der ,vergangenheit2 ihr ,denken und
,vorstellen ist auf diesem ,gebiete
ohne jede ,originalitt4 #be4
,privat- und ,welt-,moral4 - ,seitdem
der ,glaube aufgehrt hat1 dass ein
,gott die ,schicksale der ,welt im
,grossen leite und1 trotz aller
anscheinenden ,krmmungen im ,pfade der
,menschheit1 sie doch herrlich
hinausfhre1 mssen die ,menschen selber
sich kumenische1 die ganze ,erde
umspannende ,ziele stellen4 ,die ltere
,moral1 namentlich die ,kant's1
verlangt vom ,einzelnen ,handlungen1
welche man von allen ,menschen wnscht3
das war eine schne naive ,sache2 als ob
ein jeder ohne ,weiteres wsste1 bei
welcher ,handlungsweise das ,ganze der
,menschheit wohlfahre1 also welche
,handlungen berhaupt wnschenswerth
seien2 es ist eine ,theorie wie die vom
,freihandel1 voraussetzend1 dass die
allgemeine ,harmonie sich nach
eingeborenen ,gesetzen des
,besserwerdens von selbst ergeben msse4
,vielleicht lsst es ein zuknftiger
,ueberblick ber die ,bedrfnisse der
,menschheit durchaus nicht
wnschenswerth erscheinen1 dass alle
,menschen gleich handeln1 vielmehr
drften im ,interesse kumenischer ,ziele
fr ganze ,strecken der ,menschheit
specielle1 vielleicht unter ,umstnden
sogar bse ,aufgaben zu stellen sein4 -
,jedenfalls muss1 wenn die ,menschheit
sich nicht durch eine solche bewusste
,gesammtregierung zu ,grunde richten
soll1 vorher eine alle bisherigen ,grade
bersteigende ,kenntniss der
,bedingungen der ,cultur1 als
wissenschaftlicher ,maassstab fr
kumenische ,ziele1 gefunden sein4
,hierin liegt die ungeheure ,aufgabe
der grossen ,geister des nchsten
,jahrhunderts4 #bf4 ,die
,reaction als ,fortschritt4 - ,mitunter
erscheinen schroffe1 gewaltsame und
fortreissende1 aber trotzdem
zurckgebliebene ,geister1 welche eine
vergangene ,phase der ,menschheit noch
einmal heraufbeschwren3 sie dienen zum
,beweis1 dass die neuen ,richtungen1
welchen sie entgegenwirken1 noch nicht
krftig genug sind1 dass ,etwas an ihnen
fehlt3 sonst wrden sie jenen
,beschwrern besseren ,widerpart halten4
,so zeugt zum ,beispiel ,luther's
,reformation dafr1 dass in seinem
,jahrhundert alle ,regungen der
,freiheit des ,geistes noch unsicher1
zart1 jugendlich waren2 die
,wissenschaft konnte noch nicht ihr
,haupt erheben4 ,ja1 die gesammte
,renaissance erscheint wie ein erster
,frhling1 der fast wieder weggeschneit
wird4 ,aber auch in unserem
,jahrhundert bewies ,schopenhauer's
,metaphysik1 dass auch jetzt der
wissenschaftliche ,geist noch nicht
krftig genug ist3 so konnte die ganze
mittelalterliche christliche
,weltbetrachtung und
,mensch-,empfindung noch einmal in
,schopenhauer's ,lehre1 trotz der lngst
errungenen ,vernichtung aller
christlichen ,dogmen1 eine
,auferstehung feiern4 ,viel
,wissenschaft klingt in seine ,lehre
hinein1 aber sie beherrscht dieselbe
nicht1 sondern das alte1 wohlbekannte
metaphysische ,bedrfniss4 ,es ist gewiss
einer der grssten und ganz
unschtzbaren ,vortheile1 welche wir aus
,schopenhauer gewinnen1 dass er unsere
,empfindung zeitweilig in ltere1 mchtige
,betrachtungsarten der ,welt und
,menschen zurckzwingt1 zu welchen sonst
uns so leicht kein ,pfad fhren wrde4
,der ,gewinn fr die ,historie und die
,gerechtigkeit ist sehr gross3 ich
glaube1 dass es jetzt ,niemandem so
leicht gelingen mchte1 ohne
,schopenhauer's ,beihlfe dem
,christenthum und seinen asiatischen
,verwandten ,gerechtigkeit widerfahren
zu lassen3 was namentlich vom ,boden
des noch vorhandenen ,christenthums aus
unmglich ist4 ,erst nach diesem grossen
,erfolge der ,gerechtigkeit1 erst
nachdem wir die historische
,betrachtungsart1 welche die ,zeit der
,aufklrung mit sich brachte1 in einem
so wesentlichen ,puncte corrigirt haben1
drfen wir die ,fahne der ,aufklrung -
die ,fahne mit den drei ,namen3
,petrarca1 ,erasmus1 ,voltaire - von
,neuem weiter tragen4 ,wir haben aus
der ,reaction einen ,fortschritt
gemacht4 #bg4 ,ersatz der
,religion4 - ,man glaubt einer
,philosophie etwas ,gutes nachzusagen1
wenn man sie als ,ersatz der ,religion
fr das ,volk hinstellt4 ,in der ,that
bedarf es in der geistigen ,oekonomie
gelegentlich berleitender
,gedankenkreise2 so ist der ,uebergang
aus ,religion in wissenschaftliche
,betrachtung ein gewaltsamer1
gefhrlicher ,sprung1 ,etwas1 das zu
widerrathen ist4 ,insofern hat man mit
jener ,anempfehlung ,recht4 ,aber
endlich sollte man doch auch lernen1
dass die ,bedrfnisse1 welche die
,religion befriedigt hat und nun die
,philosophie befriedigen soll1 nicht
unwandelbar sind2 diese selbst kann man
schwchen und ausrotten4 ,man denke zum
,beispiel an die christliche
,seelennoth1 das ,seufzen ber die innere
,verderbtheit1 die ,sorge um das
,heil1 - alles ,vorstellungen1 welche
nur aus ,irrthmern der ,vernunft
herrhren und gar keine ,befriedigung1
sondern ,vernichtung verdienen4 ,eine
,philosophie kann entweder so ntzen1
dass sie jene ,bedrfnisse auch
befriedigt oder dass sie dieselben
beseitigt2 denn es sind angelernte1
zeitlich begrnzte ,bedrfnisse1 welche
auf ,voraussetzungen beruhen1 die denen
der ,wissenschaft widersprechen4 ,hier
ist1 um einen ,uebergang zu machen1 die
,kunst viel eher zu benutzen1 um das
mit ,empfindungen berladene ,gemth zu
erleichtern2 denn durch sie werden jene
,vorstellungen viel weniger
unterhalten1 als durch eine
metaphysische ,philosophie4 ,von der
,kunst aus kann man dann leichter in
eine wirklich befreiende philosophische
,wissenschaft bergehen4 #bh4
,verrufene ,worte4 - ,weg mit den bis
zum ,ueberdruss verbrauchten ,wrtern
,optimismus und ,pessimismus6 ,denn der
,anlass1 sie zu gebrauchen1 fehlt von
,tag zu ,tage mehr3 nur die ,schwtzer
haben sie jetzt noch so unumgnglich
nthig4 ,denn wesshalb in aller ,welt
sollte jemand ,optimist sein wollen1
wenn er nicht einen ,gott zu
vertheidigen hat1 welcher die beste der
,welten geschaffen haben muss1 falls er
selber das ,gute und ,vollkommene ist1
- welcher ,denkende hat aber die
,hypothese eines ,gottes noch nthig8 -
,es fehlt aber auch jeder ,anlass zu
einem pessimistischen
,glaubensbekenntniss1 wenn man nicht ein
,interesse daran hat1 den ,advocaten
,gottes1 den ,theologen oder den
theologisirenden ,philosophen rgerlich
zu werden und die ,gegenbehauptung
krftig aufzustellen3 dass das ,bse
regiere1 dass die ,unlust grsser sei1
als die ,lust1 dass die ,welt ein
,machwerk1 die ,erscheinung eines bsen
,willens zum ,leben sei4 ,wer aber
kmmert sich jetzt noch um die
,theologen - ausser den ,theologen8 -
,abgesehen von aller ,theologie und
ihrer ,bekmpfung liegt es auf der ,hand1
dass die ,welt nicht gut und nicht
bse1 geschweige denn die beste oder die
schlechteste ist1 und dass diese
,begriffe gut und bse nur in ,bezug auf
,menschen ,sinn haben1 ja vielleicht
selbst hier1 in der ,weise1 wie sie
gewhnlich gebraucht werden1 nicht
berechtigt sind3 der schimpfenden und
verherrlichenden ,weltbetrachtung mssen
wir uns in jedem ,falle entschlagen4
#bi4 ,vom ,dufte der ,blthen
berauscht4 - ,das ,schiff der
,menschheit1 meint man1 hat einen immer
strkeren ,tiefgang1 je mehr es belastet
wird2 man glaubt1 je tiefer der
,mensch denkt1 je zarter er fhlt1 je
hher er sich schtzt1 je weiter seine
,entfernung von den anderen ,thieren
wird1 - je mehr er als das ,genie unter
den ,thieren erscheint1 - um so nher
werde er dem wirklichen ,wesen der ,welt
und deren ,erkenntniss kommen3 diess
thut er auch wirklich durch die
,wissenschaft1 aber er meint diess noch
mehr durch seine ,religionen und ,knste
zu thun4 ,diese sind zwar eine ,blthe
der ,welt1 aber durchaus nicht der
,wurzel der ,welt nher1 als der
,stengel ist3 man kann aus ihnen das
,wesen der ,dinge gerade gar nicht
besser verstehen1 obschon diess fast
jedermann glaubt4 ,der ,irrthum hat den
,menschen so tief1 zart1 erfinderisch
gemacht1 eine solche ,blthe1 wie
,religionen und ,knste1
herauszutreiben4 ,das reine ,erkennen
wre dazu ausser ,stande gewesen4 ,wer
uns das ,wesen der ,welt enthllte1 wrde
uns ,allen die unangenehmste
,enttuschung machen4 ,nicht die ,welt
als ,ding an sich1 sondern die ,welt
als ,vorstellung 7als ,irrthum7 ist so
bedeutungsreich1 tief1 wundervoll1
,glck und ,unglck im ,schoosse tragend4
,diess ,resultat fhrt zu einer
,philosophie der logischen
,weltverneinung3 welche brigens sich
mit einer praktischen ,weltbejahung
ebensogut wie mit deren ,gegentheile
vereinigen lsst4 #cj4 ,schlechte
,gewohnheiten im ,schliessen4 - ,die
gewhnlichsten ,irrschlsse der ,menschen
sind diese3 eine ,sache existirt1 also
hat sie ein ,recht4 ,hier wird aus der
,lebensfhigkeit auf die ,zweckmssigkeit1
aus der ,zweckmssigkeit auf die
,rechtmssigkeit geschlossen4 ,sodann3
eine ,meinung beglckt1 also ist sie die
wahre1 ihre ,wirkung ist gut1 also ist
sie selber gut und wahr4 ,hier legt man
der ,wirkung das ,prdicat beglckend1
gut1 im ,sinne des ,ntzlichen1 bei und
versieht nun die ,ursache mit dem
selben ,prdicat gut1 aber hier im ,sinne
des ,logisch-,gltigen4 ,die ,umkehrung
der ,stze lautet3 eine ,sache kann sich
nicht durchsetzen1 erhalten1 also ist
sie unrecht2 eine ,meinung qult1 regt
auf1 also ist sie falsch4 ,der
,freigeist1 der das ,fehlerhafte dieser
,art zu schliessen nur allzu hufig
kennen lernt und an ihren ,folgen zu
leiden hat1 unterliegt oft der
,verfhrung1 die entgegengesetzten
,schlsse zu machen1 welche im
,allgemeinen natrlich ebenso sehr
,irrschlsse sind3 eine ,sache kann sich
nicht durchsetzen1 also ist sie gut2
eine ,meinung macht ,noth1 beunruhigt1
also ist sie wahr4 #ca4 ,das
,unlogische nothwendig4 - ,zu den
,dingen1 welche einen ,denker in
,verzweifelung bringen knnen1 gehrt die
,erkenntniss1 dass das ,unlogische fr
den ,menschen nthig ist1 und dass aus
dem ,unlogischen vieles ,gute entsteht4
,es steckt so fest in den
,leidenschaften1 in der ,sprache1 in
der ,kunst1 in der ,religion und
berhaupt in ,allem1 was dem ,leben
,werth verleiht1 dass man es nicht
herausziehen kann1 ohne damit diese
schnen ,dinge heillos zu beschdigen4 ,es
sind nur die allzu naiven ,menschen1
welche glauben knnen1 dass die ,natur
des ,menschen in eine rein logische
verwandelt werden knne2 wenn es aber
,grade der ,annherung an dieses ,ziel
geben sollte1 was wrde da nicht ,alles
auf diesem ,wege verloren gehen mssen6
,auch der vernnftigste ,mensch bedarf
von ,zeit zu ,zeit wieder der ,natur1
das heisst seiner unlogischen
,grundstellung zu allen ,dingen4
#cb4 ,ungerechtsein nothwendig4 -
,alle ,urtheile ber den ,werth des
,lebens sind unlogisch entwickelt und
desshalb ungerecht4 ,die ,unreinheit des
,urtheils liegt erstens in der ,art1
wie das ,material vorliegt1 nmlich sehr
unvollstndig1 zweitens in der ,art1 wie
daraus die ,summe gebildet wird1 und
drittens darin1 dass jedes einzelne
,stck des ,materials wieder das
,resultat unreinen ,erkennens ist und
zwar diess mit voller ,nothwendigkeit4
,keine ,erfahrung zum ,beispiel ber
einen ,menschen1 stnde er uns auch noch
so nah1 kann vollstndig sein1 so dass
wir ein logisches ,recht zu einer
,gesammtabschtzung desselben htten2 alle
,schtzungen sind voreilig und mssen es
sein4 ,endlich ist das ,maass1 womit
wir messen1 unser ,wesen1 keine
unabnderliche ,grsse1 wir haben
,stimmungen und ,schwankungen1 und doch
mssten wir uns selbst als ein festes
,maass kennen1 um das ,verhltniss irgend
einer ,sache zu uns gerecht
abzuschtzen4 ,vielleicht wird aus
alledem folgen1 dass man gar nicht
urtheilen sollte2 wenn man aber nur
leben knnte1 ohne abzuschtzen1 ohne
,abneigung und ,zuneigung zu haben6 -
denn alles ,abgeneigtsein hngt mit
einer ,schtzung zusammen1 ebenso alles
,geneigtsein4 ,ein ,trieb zu ,etwas oder
von ,etwas weg1 ohne ein ,gefhl davon1
dass man das ,frderliche wolle1 dem
,schdlichen ausweiche1 ein ,trieb ohne
eine ,art von erkennender ,abschtzung
ber den ,werth des ,zieles1 existirt
beim ,menschen nicht4 ,wir sind von
vornherein unlogische und daher
ungerechte ,wesen1 und knnen diess
erkennen3 diess ist eine der grssten
und unauflsbarsten ,disharmonien des
,daseins4 #cc4 ,der ,irrthum ber
das ,leben zum ,leben nothwendig4 -
,jeder ,glaube an ,werth und ,wrdigkeit
des ,lebens beruht auf unreinem
,denken2 er ist allein dadurch mglich1
dass das ,mitgefhl fr das allgemeine
,leben und ,leiden der ,menschheit sehr
schwach im ,individuum entwickelt ist4
,auch die seltneren ,menschen1 welche
berhaupt ber sich hinaus denken1 fassen
nicht dieses allgemeine ,leben1 sondern
abgegrnzte ,theile desselben in's
,auge4 ,versteht man es1 sein ,augenmerk
vornehmlich auf ,ausnahmen1 ich meine
auf die hohen ,begabungen und die reinen
,seelen zu richten1 nimmt man deren
,entstehung zum ,ziel der ganzen
,weltentwickelung und erfreut sich an
deren ,wirken1 so mag man an den ,werth
des ,lebens glauben1 weil man nmlich
die anderen ,menschen dabei bersieht3
also unrein denkt4 ,und ebenso1 wenn man
zwar alle ,menschen in's ,auge fasst1
aber in ihnen nur eine ,gattung von
,trieben1 die weniger egoistischen1
gelten lsst und sie in ,betreff der
anderen ,triebe entschuldigt3 dann kann
man wiederum von der ,menschheit im
,ganzen ,etwas hoffen und insofern an
den ,werth des ,lebens glauben3 also
auch in diesem ,falle durch ,unreinheit
des ,denkens4 ,mag man sich aber so
oder so verhalten1 man ist mit diesem
,verhalten eine ,ausnahme unter den
,menschen4 ,nun ertragen aber gerade die
allermeisten ,menschen das ,leben1
ohne erheblich zu murren1 und glauben
somit an den ,werth des ,daseins1 aber
gerade dadurch1 dass sich jeder allein
will und behauptet1 und nicht aus sich
heraustritt wie jene ,ausnahmen3 alles
,ausserpersnliche ist ihnen gar nicht
oder hchstens als ein schwacher
,schatten bemerkbar4 ,also darauf allein
beruht der ,werth des ,lebens fr den
gewhnlichen1 alltglichen ,menschen1 dass
er sich wichtiger nimmt1 als die
,welt4 ,der grosse ,mangel an
,phantasie1 an dem er leidet1 macht1
dass er sich nicht in andere ,wesen
hineinfhlen kann und daher so wenig als
mglich an ihrem ,loos und ,leiden
theilnimmt4 ,wer dagegen wirklich daran
theilnehmen knnte1 msste am ,werthe des
,lebens verzweifeln2 gelnge es ihm1
das ,gesammtbewusstsein der ,menschheit
in sich zu fassen und zu empfinden1 er
wrde mit einem ,fluche gegen das
,dasein zusammenbrechen1 - denn die
,menschheit hat im ,ganzen keine
,ziele1 folglich kann der ,mensch1 in
,betrachtung des ganzen ,verlaufes1
nicht darin seinen ,trost und ,halt
finden1 sondern seine ,verzweifelung4
,sieht er bei ,allem1 was er thut1 auf
die letzte ,ziellosigkeit der
,menschen1 so bekommt sein eigenes
,wirken in seinen ,augen den ,charakter
der ,vergeudung4 ,sich aber als
,menschheit 7und nicht nur als
,individuum7 ebenso vergeudet zu fhlen1
wie wir die einzelne ,blthe von der
,natur vergeudet sehen1 ist ein ,gefhl
ber alle ,gefhle4 - ,wer ist aber
desselben fhig8 ,gewiss nur ein
,dichter3 und ,dichter wissen sich
immer zu trsten4 #cd4 ,zur
,beruhigung4- ,aber wird so unsere
,philosophie nicht zur ,tragdie8 ,wird
die ,wahrheit nicht dem ,leben1 dem
,besseren feindlich8 ,eine ,frage
scheint uns die ,zunge zu beschweren und
doch nicht laut werden zu wollen3 ob
man bewusst in der ,unwahrheit bleiben
knne8 oder1 wenn man diess msse1 ob da
nicht der ,tod vorzuziehen sei8 ,denn
ein ,sollen giebt es nicht mehr2 die
,moral1 insofern sie ein ,sollen war1
ist ja durch unsere ,betrachtungsart
ebenso vernichtet wie die ,religion4
,die ,erkenntniss kann als ,motive nur
,lust und ,unlust1 ,nutzen und ,schaden
bestehen lassen3 wie aber werden diese
,motive sich mit dem ,sinne fr
,wahrheit auseinandersetzen8 ,auch sie
berhren sich ja mit ,irrthmern
7insofern1 wie gesagt1 ,neigung und
,abneigung und ihre sehr ungerechten
,messungen unsere ,lust und ,unlust
wesentlich bestimmen74 ,das ganze
menschliche ,leben ist tief in die
,unwahrheit eingesenkt2 der ,einzelne
kann es nicht aus diesem ,brunnen
herausziehen1 ohne dabei seiner
,vergangenheit aus tiefstem ,grunde gram
zu werden1 ohne seine gegenwrtigen
,motive1 wie die der ,ehre1 ungereimt zu
finden und den ,leidenschaften1 welche
zur ,zukunft und zu einem ,glck in
derselben hindrngen1 ,hohn und
,verachtung entgegenzustellen4 ,ist es
wahr1 bliebe einzig noch eine
,denkweise brig1 welche als persnliches
,ergebniss die ,verzweifelung1 als
theoretisches eine ,philosophie der
,zerstrung nach sich zge8 - ,ich
glaube1 die ,entscheidung ber die
,nachwirkung der ,erkenntniss wird
durch das ,temperament eines ,menschen
gegeben3 ich knnte mir eben so gut1 wie
jene geschilderte und bei einzelnen
,naturen mgliche ,nachwirkung1 eine
andere denken1 vermge deren ein viel
einfacheres1 von ,affecten reineres
,leben entstnde1 als das jetzige ist3
so dass zuerst zwar die alten ,motive
des heftigeren ,begehrens noch ,kraft
htten1 aus alter vererbter ,gewhnung
her1 allmhlich aber unter dem
,einflusse der reinigenden ,erkenntniss
schwcher wrden4 ,man lebte zuletzt unter
den ,menschen und mit sich wie in der
,natur1 ohne ,lob1 ,vorwrfe1
,ereiferung1 an ,vielem sich wie an
einem ,schauspiel weidend1 vor dem man
sich bisher nur zu frchten hatte4 ,man
wre die ,emphasis los und wrde die
,anstachelung des ,gedankens1 dass man
nicht nur ,natur oder mehr als ,natur
sei1 nicht weiter empfinden4 ,freilich
gehrte hierzu1 wie gesagt1 ein gutes
,temperament1 eine gefestete1 milde und
im ,grunde frohsinnige ,seele1 eine
,stimmung1 welche nicht vor ,tcken und
pltzlichen ,ausbrchen auf der ,hut zu
sein brauchte und in ihren ,aeusserungen
,nichts von dem knurrenden ,tone und
der ,verbissenheit an sich trge1 - jenen
bekannten lstigen ,eigenschaften alter
,hunde und ,menschen1 die lange an der
,kette gelegen haben4 ,vielmehr muss ein
,mensch1 von dem in solchem ,maasse
die gewhnlichen ,fesseln des ,lebens
abgefallen sind1 dass er nur deshalb
weiter lebt1 um immer besser zu
erkennen1 auf ,vieles1 ja fast auf
,alles1 was bei den anderen ,menschen
,werth hat1 ohne ,neid und ,verdruss
verzichten knnen1 ihm muss als der
wnschenswertheste ,zustand jenes freie1
furchtlose ,schweben ber ,menschen1
,sitten1 ,gesetzen und den herkmmlichen
,schtzungen der ,dinge gengen4 ,die
,freude an diesem ,zustande theilt er
gerne mit und er hat vielleicht nichts
,anderes mitzutheilen1 - worin freilich
eine ,entbehrung1 eine ,entsagung mehr
liegt4 ,will man aber trotzdem mehr von
ihm1 so wird er mit wohlwollendem
,kopfschtteln auf seinen ,bruder
hinweisen1 den freien ,menschen der
,that1 und vielleicht ein ,wenig ,spott
nicht verhehlen3 denn mit dessen
,freiheit hat es eine eigene
,bewandtniss4 ,zweites
,hauptstck4 ,zur ,geschichte der
moralischen ,empfindungen4 #ce4
,vortheile der psychologischen
,beobachtung4 - ,dass das ,nachdenken
ber ,menschliches1 ,allzumenschliches -
oder wie der gelehrtere ,ausdruck
lautet3 die psychologische ,beobachtung
- zu den ,mitteln gehre1 vermge deren
man sich die ,last des ,lebens
erleichtern knne1 dass die ,uebung in
dieser ,kunst ,geistesgegenwart in
schwierigen ,lagen und ,unterhaltung
inmitten einer langweiligen ,umgebung
verleihe1 ja dass man den
dornenvollsten und unerfreulichsten
,strichen des eigenen ,lebens
,sentenzen abpflcken und sich dabei ein
,wenig wohler fhlen knne3 das glaubte
man1 wusste man - in frheren
,jahrhunderten4 ,warum vergass es
dieses ,jahrhundert1 wo wenigstens in
,deutschland1 ja in ,europa1 die
,armuth an psychologischer ,beobachtung
durch viele ,zeichen sich zu erkennen
giebt8 ,nicht gerade in ,roman1 ,novelle
und philosophischer ,betrachtung1 -
diese sind das ,werk von
,ausnahmemenschen2 schon mehr in der
,beurtheilung ffentlicher ,ereignisse
und ,persnlichkeiten3 vor ,allem aber
fehlt die ,kunst der psychologischen
,zergliederung und ,zusammenrechnung in
der ,gesellschaft aller ,stnde1 in der
man wohl viel ber ,menschen1 aber gar
nicht ber den ,menschen spricht4 ,warum
doch lsst man sich den reichsten und
harmlosesten ,stoff der ,unterhaltung
entgehen8 ,warum liest man nicht einmal
die grossen ,meister der
psychologischen ,sentenz mehr8 - denn1
ohne jede ,uebertreibung gesprochen3 der
,gebildete in ,europa1 der ,la
,rochefoucauld und seine ,geistes- und
,kunstverwandten gelesen hat1 ist
selten zu finden2 und noch viel seltener
,der1 welcher sie kennt und sie nicht
schmht4 ,wahrscheinlich wird aber auch
dieser ungewhnliche ,leser viel weniger
,freude an ihnen haben1 als die ,form
jener ,knstler ihm geben sollte2 denn
selbst der feinste ,kopf ist nicht
vermgend1 die ,kunst der
,sentenzen-,schleiferei gebhrend zu
wrdigen1 wenn er nicht selber zu ihr
erzogen ist1 in ihr gewetteifert hat4
,man nimmt1 ohne solche practische
,belehrung1 dieses ,schaffen und ,formen
fr leichter als es ist1 man fhlt das
,gelungene und ,reizvolle nicht scharf
genug heraus4 ,desshalb haben die
jetzigen ,leser von ,sentenzen ein
verhltnissmssig unbedeutendes ,vergngen
an ihnen1 ja kaum einen ,mund voll
,annehmlichkeit1 so dass es ihnen ebenso
geht1 wie den gewhnlichen ,betrachtern
von ,kameen3 als welche loben1 weil sie
nicht lieben knnen und schnell bereit
sind zu bewundern1 schneller aber noch1
fortzulaufen4 #cf4 ,einwand4-
,oder sollte es gegen jenen ,satz1 dass
die psychologische ,beobachtung zu den
,reiz-1 ,heil- und
,erleichterungsmitteln des ,daseins
gehre1 eine ,gegenrechnung geben8
,sollte man sich genug von den
unangenehmen ,folgen dieser ,kunst
berzeugt haben1 um jetzt mit
,absichtlichkeit den ,blick der sich
,bildenden von ihr abzulenken8 ,in der
,that1 ein gewisser blinder ,glaube an
die ,gte der menschlichen ,natur1 ein
eingepflanzter ,widerwille vor der
,zerlegung menschlicher ,handlungen1
eine ,art ,schamhaftigkeit in ,hinsicht
auf die ,nacktheit der ,seele mgen
wirklich fr das gesammte ,glck eines
,menschen wnschenswerthere ,dinge sein1
als jene1 in einzelnen ,fllen
hilfreiche ,eigenschaft der
psychologischen ,scharfsichtigkeit2 und
vielleicht hat der ,glaube an das
,gute1 an tugendhafte ,menschen und
,handlungen1 an eine ,flle des
unpersnlichen ,wohlwollens in der ,welt
die ,menschen besser gemacht1 insofern
er dieselben weniger misstrauisch
machte4 ,wenn man die ,helden
,plutarch's mit ,begeisterung nachahmt1
und einen ,abscheu davor empfindet1 den
,motiven ihres ,handelns anzweifelnd
nachzuspren1 so hat zwar nicht die
,wahrheit1 aber die ,wohlfahrt der
menschlichen ,gesellschaft ihren ,nutzen
dabei3 der psychologische ,irrthum und
berhaupt die ,dumpfheit auf diesem
,gebiete hilft der ,menschlichkeit
vorwrts1 whrend die ,erkenntniss der
,wahrheit vielleicht durch die
anregende ,kraft einer ,hypothese mehr
gewinnt1 wie sie ,la ,rochefoucauld der
ersten ,ausgabe seiner ,sentences et
maximes morales vorangestellt hat3 ,ce
que le monde nomme vertu n'est
d'ordinaire qu'un fantame form par nos
passions1 qui on donne un nom honnte
pour faire impunment ce qu'on veut4 ,la
,rochefoucauld und jene anderen
franzsischen ,meister der ,seelenprfung
7denen sich neuerdings auch ein
,deutscher1 der ,verfasser der
,psychologischen ,beobachtungen
zugesellt hat7 gleichen scharf zielenden
,schtzen1 welche immer und immer
wieder in's ,schwarze treffen1 - aber
in's ,schwarze der menschlichen ,natur4
,ihr ,geschick erregt ,staunen1 aber
endlich verwnscht ein ,zuschauer1 der
nicht vom ,geiste der ,wissenschaft1
sondern der ,menschenfreundlichkeit
geleitet wird1 eine ,kunst1 welche den
,sinn der ,verkleinerung und
,verdchtigung in die ,seelen der
,menschen zu pflanzen scheint4 #cg4
,trotzdem4- ,wie es sich nun mit
,rechnung und ,gegenrechnung verhalte3
in dem gegenwrtigen ,zustande einer
bestimmten einzelnen ,wissenschaft ist
die ,auferweckung der moralischen
,beobachtung nthig geworden1 und der
grausame ,anblick des psychologischen
,secirtisches und seiner ,messer und
,zangen kann der ,menschheit nicht
erspart bleiben4 ,denn hier gebietet
jene ,wissenschaft1 welche nach
,ursprung und ,geschichte der
sogenannten moralischen ,empfindungen
fragt und welche im ,fortschreiten die
verwickelten sociologischen ,probleme
aufzustellen und zu lsen hat3 - die
ltere ,philosophie kennt die letzteren
gar nicht und ist der ,untersuchung von
,ursprung und ,geschichte der
moralischen ,empfindungen unter
drftigen ,ausflchten immer aus dem ,wege
gegangen4 ,mit welchen ,folgen3 das
lsst sich jetzt sehr deutlich
berschauen1 nachdem an vielen
,beispielen nachgewiesen ist1 wie die
,irrthmer der grssten ,philosophen
gewhnlich ihren ,ausgangspunct in einer
falschen ,erklrung bestimmter
menschlicher ,handlungen und
,empfindungen haben1 wie auf ,grund
einer irrthmlichen ,analysis1 zum
,beispiel der sogenannten
unegoistischen ,handlungen1 eine falsche
,ethik sich aufbaut1 dieser zu
,gefallen dann wiederum ,religion und
mythologisches ,unwesen zu ,hlfe
genommen werden1 und endlich die
,schatten dieser trben ,geister auch in
die ,physik und die gesammte
,weltbetrachtung hineinfallen4 ,steht
es aber fest1 dass die ,oberflchlichkeit
der psychologischen ,beobachtung dem
menschlichen ,urtheilen und ,schliessen
die gefhrlichsten ,fallstricke gelegt
hat und fortwhrend von ,neuem legt1 so
bedarf es jetzt jener ,ausdauer der
,arbeit1 welche nicht mde wird1 ,steine
auf ,steine1 ,steinchen auf ,steinchen
zu hufen1 so bedarf es der enthaltsamen
,tapferkeit1 um sich einer solchen
bescheidenen ,arbeit nicht zu schmen
und jeder ,missachtung derselben ,trotz
zu bieten4 ,es ist wahr3 zahllose
einzelne ,bemerkungen ber ,menschliches
und ,allzumenschliches sind in ,kreisen
der ,gesellschaft zuerst entdeckt und
ausgesprochen worden1 welche gewohnt
waren1 nicht der wissenschaftlichen
,erkenntniss1 sondern einer geistreichen
,gefallsucht jede ,art von ,opfern
darzubringen2 und fast unlsbar hat sich
der ,duft jener alten ,heimath der
moralistischen ,sentenz - ein sehr
verfhrerischer ,duft - der ganzen
,gattung angehngt3 so dass seinetwegen
der wissenschaftliche ,mensch
unwillkrlich einiges ,misstrauen gegen
diese ,gattung und ihre ,ernsthaftigkeit
merken lsst4 ,aber es gengt1 auf die
,folgen zu verweisen3 denn schon jetzt
beginnt sich zu zeigen1 welche
,ergebnisse ernsthaftester ,art auf dem
,boden der psychologischen ,beobachtung
aufwachsen4 ,welches ist doch der
,hauptsatz zu dem einer der khnsten und
kltesten ,denker1 der ,verfasser des
,buches ,ueber den ,ursprung der
moralischen ,empfindungen vermge seiner
ein- und durchschneidenden ,analysen
des menschlichen ,handelns gelangt8
,der moralische ,mensch1 sagt er1 steht
der intelligiblen 7metaphysischen7
,welt nicht nher1 als der physische
,mensch4 ,dieser ,satz1 hart und
schneidig geworden unter dem
,hammerschlag der historischen
,erkenntniss1 kann vielleicht einmal1 in
irgendwelcher ,zukunft1 als die ,axt
dienen1 welche dem metaphysischen
,bedrfniss der ,menschen an die ,wurzel
gelegt wird1 - ob mehr zum ,segen1 als
zum ,fluche der allgemeinen ,wohlfahrt1
wer wsste das zu sagen8 - aber
jedenfalls als ein ,satz der
erheblichsten ,folgen1 fruchtbar und
furchtbar zugleich1 und mit jenem
,doppelgesichte in die ,welt sehend1
welches alle grossen ,erkenntnisse
haben4 #ch4 ,inwiefern ntzlich4
- ,also3 ob die psychologische
,beobachtung mehr ,nutzen oder
,nachtheil ber die ,menschen bringe1 das
bleibe immerhin unentschieden2 aber
fest steht1 dass sie nothwendig ist1
weil die ,wissenschaft ihrer nicht
entrathen kann4 ,die ,wissenschaft aber
kennt keine ,rcksichten auf letzte
,zwecke1 ebenso wenig als die ,natur
sie kennt3 sondern wie diese
gelegentlich ,dinge von der hchsten
,zweckmssigkeit zu ,stande bringt1 ohne
sie gewollt zu haben1 so wird auch die
chte ,wissenschaft1 als die ,nachahmung
der ,natur in ,begriffen1 den ,nutzen
und die ,wohlfahrt der ,menschen
gelegentlich1 ja vielfach1 frdern und
das ,zweckmssige erreichen1 - aber
ebenfalls ohne es gewollt zu haben4
,wem es aber bei dem ,anhauche einer
solchen ,betrachtungsart gar zu
winterlich zu ,muthe wird1 der hat
vielleicht nur zu wenig ,feuer in sich3
er mge sich indessen umsehen und er
wird ,krankheiten wahrnehmen1 in denen
,eisumschlge noth thun1 und ,menschen1
welche so aus ,gluth und ,geist
zusammengeknetet sind1 dass sie kaum
irgendwo die ,luft kalt und schneidend
genug fr sich finden4 ,ueberdiess3 wie
allzu ernste ,einzelne und ,vlker ein
,bedrfniss nach ,leichtfertigkeiten
haben1 wie andere allzu ,erregbare und
,bewegliche zeitweilig schwere
niederdrckende ,lasten zu ihrer
,gesundheit nthig haben3 sollten wir1
die geistigeren ,menschen eines
,zeitalters1 welches ersichtlich immer
mehr in ,brand gerth1 nicht nach allen
lschenden und khlenden ,mitteln1 die es
giebt1 greifen mssen1 damit wir
wenigstens so stetig1 harmlos und mssig
bleiben1 als wir es noch sind1 und so
vielleicht einmal dazu brauchbar werden1
diesem ,zeitalter als ,spiegel und
,selbstbesinnung ber sich zu dienen8 -
#ci4 ,die ,fabel von der
intelligibelen ,freiheit4 - ,die
,geschichte der ,empfindungen1 vermge
deren wir jemanden verantwortlich
machen1 also der sogenannten
moralischen ,empfindungen verluft1 in
folgenden ,hauptphasen4 ,zuerst nennt
man einzelne ,handlungen gut oder bse
ohne alle ,rcksicht auf deren ,motive1
sondern allein der ntzlichen oder
schdlichen ,folgen wegen4 ,bald aber
vergisst man die ,herkunft dieser
,bezeichnungen und whnt1 dass den
,handlungen an sich1 ohne ,rcksicht auf
deren ,folgen1 die ,eigenschaft gut
oder bse innewohne3 mit demselben
,irrthume1 nach welchem die ,sprache den
,stein selber als hart1 den ,baum
selber als grn bezeichnet - also
dadurch1 dass man1 was ,wirkung ist1
als ,ursache fasst4 ,sodann legt man das
,gut- oder ,bse-sein in die ,motive
hinein und betrachtet die ,thaten an
sich als moralisch zweideutig4 ,man
geht weiter und giebt das ,prdicat gut
oder bse nicht mehr dem einzelnen
,motive1 sondern dem ganzen ,wesen eines
,menschen1 aus dem das ,motiv1 wie die
,pflanze aus dem ,erdreich1
herauswchst4 ,so macht man der ,reihe
nach den ,menschen fr seine ,wirkungen1
dann fr seine ,handlungen1 dann fr
seine ,motive und endlich fr sein
,wesen verantwortlich4 ,nun entdeckt man
schliesslich1 dass auch dieses ,wesen
nicht verantwortlich sein kann1 insofern
es ganz und gar nothwendige ,folge ist
und aus den ,elementen und ,einflssen
vergangener und gegenwrtiger ,dinge
concrescirt3 also dass der ,mensch fr
,nichts verantwortlich zu machen ist1
weder fr sein ,wesen1 noch seine
,motive1 noch seine ,handlungen1 noch
seine ,wirkungen4 ,damit ist man zur
,erkenntniss gelangt1 dass die
,geschichte der moralischen
,empfindungen die ,geschichte eines
,irrthums1 des ,irrthums von der
,verantwortlichkeit ist3 als welcher auf
dem ,irrthum von der ,freiheit des
,willens ruht4 -,schopenhauer schloss
dagegen so3 weil gewisse ,handlungen
,unmuth 7,schuldbewusstsein7 nach sich
ziehen1 so muss es eine
,verantwortlichkeit geben2 denn zu
diesem ,unmuth wre kein ,grund
vorhanden1 wenn nicht nur alles ,handeln
des ,menschen mit ,nothwendigkeit
verliefe - wie es thatschlich1 und auch
nach der ,einsicht dieses ,philosophen1
verluft -1 sondern der ,mensch selber
mit der selben ,nothwendigkeit sein
ganzes ,wesen erlangte1 - was
,schopenhauer leugnet4 ,aus der
,thatsache jenes ,unmuthes glaubt
,schopenhauer eine ,freiheit beweisen zu
knnen1 welche der ,mensch irgendwie
gehabt haben msse1 zwar nicht in ,bezug
auf die ,handlungen1 aber in ,bezug auf
das ,wesen3 ,freiheit also1 so oder so
zu sein1 nicht so oder so zu handeln4
,aus dem esse1 der ,sphre der ,freiheit
und ,verantwortlichkeit1 folgt nach
seiner ,meinung das operari1 die ,sphre
der strengen ,causalitt1 ,nothwendigkeit
und ,unverantwortlichkeit4 ,jener
,unmuth beziehe sich zwar scheinbar auf
das operari - insofern sei er
irrthmlich -1 in ,wahrheit aber auf das
esse1 welches die ,that eines freien
,willens1 die ,grundursache der
,existenz eines ,individuums1 sei2 der
,mensch werde ,das1 was er werden wolle1
sein ,wollen sei frher1 als seine
,existenz4 - ,hier wird der ,fehlschluss
gemacht1 dass aus der ,thatsache des
,unmuthes die ,berechtigung1 die
vernnftige ,zulssigkeit dieses
,unmuthes geschlossen wird2 und von
jenem ,fehlschluss aus kommt
,schopenhauer zu seiner phantastischen
,consequenz der sogenannten
intelligibelen ,freiheit4 ,aber der
,unmuth nach der ,that braucht gar
nicht vernnftig zu sein3 ja er ist es
gewiss nicht1 denn er ruht auf der
irrthmlichen ,voraussetzung1 dass die
,that eben nicht nothwendig htte
erfolgen mssen4 ,also3 weil sich der
,mensch fr frei hlt1 nicht aber weil er
frei ist1 empfindet er ,reue und
,gewissensbisse4 - ,ueberdiess ist
dieser ,unmuth ,etwas1 das man sich
abgewhnen kann1 bei vielen ,menschen ist
er in ,bezug auf ,handlungen gar nicht
vorhanden1 bei welchen viele andere
,menschen ihn empfinden4 ,er ist eine
sehr wandelbare1 an die ,entwickelung
der ,sitte und ,cultur geknpfte ,sache
und vielleicht nur in einer
verhltnissmssig kurzen ,zeit der
,weltgeschichte vorhanden4 -,niemand ist
fr seine ,thaten verantwortlich1
,niemand fr sein ,wesen2 richten ist
soviel als ungerecht sein4 ,diess gilt
auch1 wenn das ,individuum ber sich
selbst richtet4 ,der ,satz ist so hell
wie ,sonnenlicht1 und doch geht hier
jedermann lieber in den ,schatten und
die ,unwahrheit zurck3 aus ,furcht vor
den ,folgen4 #dj4 ,das
,ueber-,thier4 - ,die ,bestie in uns
will belogen werden2 ,moral ist
,nothlge1 damit wir von ihr nicht
zerrissen werden4 ,ohne die ,irrthmer1
welche in den ,annahmen der ,moral
liegen1 wre der ,mensch ,thier
geblieben4 ,so aber hat er sich als
etwas ,hheres genommen und sich
strengere ,gesetze auferlegt4 ,er hat
desshalb einen ,hass gegen die der
,thierheit nher gebliebenen ,stufen3
woraus die ehemalige ,missachtung des
,sclaven1 als eines ,nicht-,menschen1
als einer ,sache zu erklren ist4
#da4 ,der unvernderliche ,charakter4
- ,dass der ,charakter unvernderlich
sei1 ist nicht im strengen ,sinne wahr2
vielmehr heisst dieser beliebte ,satz
nur so viel1 dass whrend der kurzen
,lebensdauer eines ,menschen die
einwirkenden ,motive gewhnlich nicht
tief genug ritzen knnen1 um die
aufgeprgten ,schriftzge vieler
,jahrtausende zu zerstren4 ,dchte man
sich aber einen ,menschen von
achtzigtausend ,jahren1 so htte man an
ihm sogar einen absolut vernderlichen
,charakter3 so dass eine ,flle
verschiedener ,individuen sich nach und
nach aus ihm entwickelte4 ,die ,krze
des menschlichen ,lebens verleitet zu
manchen irrthmlichen ,behauptungen ber
die ,eigenschaften des ,menschen4
#db4 ,die ,ordnung der ,gter und die
,moral4 - ,die einmal angenommene
,rangordnung der ,gter1 je nachdem ein
niedriger1 hherer1 hchster ,egoismus
das ,eine oder das ,andere will1
entscheidet jetzt ber das
,moralisch-sein oder ,unmoralisch-sein4
,ein niedriges ,gut 7zum ,beispiel
,sinnengenuss7 einem hher geschtzten
7zum ,beispiel ,gesundheit7 vorziehen1
gilt als unmoralisch1 ebenso ,wohlleben
der ,freiheit vorziehen4 ,die
,rangordnung der ,gter ist aber keine zu
allen ,zeiten feste und gleiche2 wenn
jemand ,rache der ,gerechtigkeit
vorzieht1 so ist er nach dem
,maassstabe einer frheren ,cultur
moralisch1 nach dem der jetzigen
unmoralisch4 ,unmoralisch bezeichnet
also1 dass ,einer die hheren1 feineren1
geistigeren ,motive1 welche die
jeweilen neue ,cultur hinzugebracht
hat1 noch nicht oder noch nicht stark
genug empfindet3 es bezeichnet einen
,zurckgebliebenen1 aber immer nur dem
,gradunterschied nach4 - ,die
,rangordnung der ,gter selber wird nicht
nach moralischen ,gesichtspuncten auf-
und umgestellt2 wohl aber wird nach
ihrer jedesmaligen ,festsetzung darber
entschieden1 ob eine ,handlung
moralisch oder unmoralisch sei4
#dc4 ,grausame ,menschen als
zurckgeblieben4 - ,die ,menschen1 welche
jetzt grausam sind1 mssen uns als
,stufen frherer ,culturen gelten1 welche
brig geblieben sind3 das ,gebirge der
,menschheit zeigt hier einmal die
tieferen ,formationen1 welche sonst
versteckt liegen1 offen4 ,es sind
zurckgebliebene ,menschen1 deren
,gehirn1 durch alle mglichen ,zuflle im
,verlaufe der ,vererbung1 nicht so zart
und vielseitig fortgebildet worden
ist4 ,sie zeigen uns1 was wir ,alle
waren1 und machen uns erschrecken3 aber
sie selber sind so wenig
verantwortlich1 wie ein ,stck ,granit
dafr1 dass es ,granit ist4 ,in unserm
,gehirne mssen sich auch ,rinnen und
,windungen finden1 welche jener
,gesinnung entsprechen1 wie sich in der
,form einzelner menschlicher ,organe
,erinnerungen an ,fischzustnde finden
sollen4 ,aber diese ,rinnen und
,windungen sind nicht mehr das ,bett1
in welchem sich jetzt der ,strom unserer
,empfindung wlzt4 #dd4
,dankbarkeit und ,rache4 - ,der ,grund1
wesshalb der ,mchtige dankbar ist1 ist
dieser4 ,sein ,wohlthter hat sich durch
seine ,wohlthat an der ,sphre des
,mchtigen gleichsam vergriffen und sich
in sie eingedrngt3 nun vergreift er
sich zur ,vergeltung wieder an der
,sphre des ,wohlthters durch den ,act
der ,dankbarkeit4 ,es ist eine mildere
,form der ,rache4 ,ohne die
,genugthuung der ,dankbarkeit zu haben1
wrde der ,mchtige sich unmchtig gezeigt
haben und frderhin dafr gelten4
,desshalb stellt jede ,gesellschaft der
,guten1 das heisst ursprnglich der
,mchtigen1 die ,dankbarkeit unter die
ersten ,pflichten4 - ,swift hat den
,satz hingeworfen1 dass ,menschen in dem
selben ,verhltniss dankbar sind1 wie
sie ,rache hegen4 #de4 ,doppelte
,vorgeschichte von ,gut und ,bse4 -
,der ,begriff gut und bse hat eine
doppelte ,vorgeschichte3 nmlich einmal
in der ,seele der herrschenden ,stmme
und ,kasten4 ,wer die ,macht zu
vergelten hat1 ,gutes mit ,gutem1 ,bses
mit ,bsem1 und auch wirklich
,vergeltung bt1 also dankbar und
rachschtig ist1 der wird gut genannt2
wer unmchtig ist und nicht vergelten
kann1 gilt als schlecht4 ,man gehrt als
,guter zu den ,guten1 einer ,gemeinde1
welche ,gemeingefhl hat1 weil alle
,einzelnen durch den ,sinn der
,vergeltung mit einander verflochten
sind4 ,man gehrt als ,schlechter zu den
,schlechten1 zu einem ,haufen
unterworfener1 ohnmchtiger ,menschen1
welche kein ,gemeingefhl haben4 ,die
,guten sind eine ,kaste1 die ,schlechten
eine ,masse wie ,staub4 ,gut und
schlecht ist eine ,zeit lang so viel wie
vornehm und niedrig1 ,herr und
,sclave4 ,dagegen sieht man den ,feind
nicht als bse an3 er kann vergelten4
,der ,troer und der ,grieche sind bei
,homer beide gut4 ,nicht ,der1 welcher
uns ,schdliches zufgt1 sondern ,der1
welcher verchtlich ist1 gilt als
schlecht4 ,in der ,gemeinde der ,guten
vererbt sich das ,gute2 es ist
unmglich1 dass ein ,schlechter aus so
gutem ,erdreiche hervorwachse4 ,thut
trotzdem ,einer der ,guten ,etwas1 das
der ,guten unwrdig ist1 so verfllt man
auf ,ausflchte2 man schiebt zum
,beispiel einem ,gott die ,schuld zu1
indem man sagt3 er habe den ,guten mit
,verblendung und ,wahnsinn geschlagen4 -
,sodann in der ,seele der
,unterdrckten1 ,machtlosen4 ,hier gilt
jeder andere ,mensch als feindlich1
rcksichtslos1 ausbeutend1 grausam1
listig1 sei er vornehm oder niedrig2
bse ist das ,charakterwort fr ,mensch1
ja fr jedes lebende ,wesen1 welches man
voraussetzt1 zum ,beispiel fr einen
,gott2 menschlich1 gttlich gilt so viel
wie teuflisch1 bse4 ,die ,zeichen der
,gte1 ,hlfebereitschaft1 ,mitleid1
werden angstvoll als ,tcke1 ,vorspiel
eines schrecklichen ,ausgangs1 ,betubung
und ,ueberlistung aufgenommen1 kurz
als verfeinerte ,bosheit4 ,bei einer
solchen ,gesinnung des ,einzelnen kann
kaum ein ,gemeinwesen entstehen1
hchstens die roheste ,form desselben3
so dass berall1 wo diese ,auffassung von
gut und bse herrscht1 der ,untergang
der ,einzelnen1 ihrer ,stmme und ,rassen
nahe ist4 - ,unsere jetzige
,sittlichkeit ist auf dem ,boden der
herrschenden ,stmme und ,kasten
aufgewachsen4 #df4 ,mitleiden
strker als ,leiden4 - ,es giebt ,flle1
wo das ,mitleiden strker ist1 als das
eigentliche ,leiden4 ,wir empfinden es
zum ,beispiel schmerzlicher1 wenn einer
unserer ,freunde sich etwas
,schmhliches zu ,schulden kommen lsst1
als wenn wir selbst es thun4 ,einmal
nmlich glauben wir mehr an die
,reinheit seines ,charakters1 als er2
sodann ist unsere ,liebe zu ihm1
wahrscheinlich eben dieses ,glaubens
wegen1 strker1 als seine ,liebe zu sich
selbst4 ,wenn auch wirklich sein
,egoismus mehr dabei leidet1 als unser
,egoismus1 insofern er die belen
,folgen seines ,vergehens strker zu
tragen hat1 so wird das ,unegoistische
in uns - dieses ,wort ist nie streng zu
verstehen1 sondern nur eine
,erleichterung des ,ausdrucks - doch
strker durch seine ,schuld betroffen1
als das ,unegoistische in ihm4 #dg4
,hypochondrie4- ,es giebt ,menschen1
welche aus ,mitgefhl und ,sorge fr
eine andere ,person hypochondrisch
werden2 die dabei entstehende ,art des
,mitleidens ist nichts ,anderes1 als
eine ,krankheit4 ,so giebt es auch eine
christliche ,hypochondrie1 welche jene
einsamen1 religis bewegten ,leute
befllt1 die sich das ,leiden und
,sterben ,christi fortwhrend vor ,augen
stellen4 #dh4 ,oekonomie der
,gte4 - ,die ,gte und ,liebe als die
heilsamsten ,kruter und ,krfte im
,verkehre der ,menschen sind so kostbare
,funde1 dass man wohl wnschen mchte1
es werde in der ,verwendung dieser
balsamischen ,mittel so konomisch wie
mglich verfahren3 doch ist diess
unmglich4 ,die ,oekonomie der ,gte ist
der ,traum der verwegensten ,utopisten4
#di4 ,wohlwollen4- ,unter die
kleinen1 aber zahllos hufigen und
desshalb sehr wirkungsvollen ,dinge1
auf welche die ,wissenschaft mehr ,acht
zu geben hat1 als auf die grossen
seltenen ,dinge1 ist auch das
,wohlwollen zu rechnen2 ich meine jene
,aeusserungen freundlicher ,gesinnung im
,verkehr1 jenes ,lcheln des ,auges1
jene ,hndedrcke1 jenes ,behagen1 von
welchem fr gewhnlich fast alles
menschliche ,thun umsponnen ist4 ,jeder
,lehrer1 jeder ,beamte bringt diese
,zuthat zu dem1 was fr ihn ,pflicht
ist1 hinzu2 es ist die fortwhrende
,bethtigung der ,menschlichkeit1
gleichsam die ,wellen ihres ,lichtes1 in
denen ,alles wchst2 namentlich im
engsten ,kreise1 innerhalb der ,familie1
grnt und blht das ,leben nur durch
jenes ,wohlwollen4 ,die ,gutmthigkeit1
die ,freundlichkeit1 die ,hflichkeit
des ,herzens sind immerquellende
,ausflsse des unegoistischen ,triebes
und haben viel mchtiger an der ,cultur
gebaut1 als jene viel berhmteren
,aeusserungen desselben1 die man
,mitleiden1 ,barmherzigkeit und
,aufopferung nennt4 ,aber man pflegt
sie geringzuschtzen1 und in der ,that3
es ist nicht gerade viel
,unegoistisches daran4 ,die ,summe
dieser geringen ,dosen ist trotzdem
gewaltig1 ihre gesammte ,kraft gehrt zu
den strksten ,krften4 - ,ebenso findet
man viel mehr ,glck in der ,welt1 als
trbe ,augen sehen3 wenn man nmlich
richtig rechnet1 und nur alle jene
,momente des ,behagens1 an welchen
jeder ,tag in jedem1 auch dem
bedrngtesten ,menschenleben reich ist1
nicht vergisst4 #ej4 ,mitleiden
erregen wollen4- ,la ,rochefoucauld
trifft in der bemerkenswerthesten
,stelle seines ,selbst-,portraits
7zuerst gedruckt #afeh7 gewiss das
,rechte1 wenn er alle ,die1 welche
,vernunft haben1 vor dem ,mitleiden
warnt1 wenn er rth1 dasselbe den ,leuten
aus dem ,volke zu berlassen1 die der
,leidenschaften bedrfen 7weil sie nicht
durch ,vernunft bestimmt werden71 um so
weit gebracht zu werden1 dem ,leidenden
zu helfen und bei einem ,unglck krftig
einzugreifen2 whrend das ,mitleiden1
nach seinem 7und ,plato's7 ,urtheil1 die
,seele entkrfte4 ,freilich solle man
,mitleiden bezeugen1 aber sich hten1 es
zu haben3 denn die ,unglcklichen seien
nun einmal so dumm1 dass bei ihnen das
,bezeugen von ,mitleid das grsste ,gut
von der ,welt ausmache4 - ,vielleicht
kann man noch strker vor diesem
,mitleid-haben warnen1 wenn man jenes
,bedrfniss der ,unglcklichen nicht
gerade als ,dummheit und
intellectuellen ,mangel1 als eine ,art
,geistesstrung fasst1 welche das
,unglck mit sich bringt 7und so scheint
es ja ,la ,rochefoucauld zu fassen71
sondern als etwas ganz ,anderes und
,bedenklicheres versteht4 ,vielmehr
beobachte man ,kinder1 welche weinen und
,schreien1 damit sie bemitleidet
werden1 und desshalb den ,augenblick
abwarten1 wo ihr ,zustand in die ,augen
fallen kann2 man lebe im ,verkehr mit
,kranken und ,geistig-,gedrckten und
frage sich1 ob nicht das beredte ,klagen
und ,wimmern1 das ,zur-,schau-tragen
des ,unglcks im ,grunde das ,ziel
verfolgt1 den ,anwesenden weh zu thun3
das ,mitleiden1 welches ,jene dann
ussern1 ist insofern eine ,trstung fr
die ,schwachen und ,leidenden1 als sie
daran erkennen1 doch wenigstens noch
,eine ,macht zu haben1 trotz aller
ihrer ,schwche3 die ,macht1 wehe zu
thun4 ,der ,unglckliche gewinnt eine
,art von ,lust in diesem ,gefhl der
,ueberlegenheit1 welches das ,bezeugen
des ,mitleides ihm zum ,bewusstsein
bringt2 seine ,einbildung erhebt sich1
er ist immer noch wichtig genug1 um der
,welt ,schmerzen zu machen4 ,somit ist
der ,durst nach ,mitleid ein ,durst nach
,selbstgenuss1 und zwar auf ,unkosten
der ,mitmenschen2 es zeigt den
,menschen in der ganzen
,rcksichtslosigkeit seines eigensten
lieben ,selbst3 nicht aber gerade in
seiner ,dummheit1 wie ,la ,rochefoucauld
meint4 - ,im ,zwiegesprche der
,gesellschaft werden ,dreiviertel aller
,fragen gestellt1 aller ,antworten
gegeben1 um dem ,unterredner ein klein
,wenig weh zu thun2 desshalb drsten
viele ,menschen so nach ,gesellschaft3
sie giebt ihnen das ,gefhl ihrer ,kraft4
,in solchen unzhligen1 aber sehr
kleinen ,dosen1 in welchen die ,bosheit
sich geltend macht1 ist sie ein
mchtiges ,reizmittel des ,lebens3 ebenso
wie das ,wohlwollen1 in gleicher ,form
durch die ,menschenwelt hin
verbreitet1 das allezeit bereite
,heilmittel ist4 - ,aber wird es viele
,ehrliche geben1 welche zugestehen1 dass
es ,vergngen macht1 wehe zu thun8 dass
man sich nicht selten damit unterhlt -
und gut unterhlt -1 anderen ,menschen
wenigstens in ,gedanken ,krnkungen
zuzufgen und die ,schrotkrner der
kleinen ,bosheit nach ihnen zu
schiessen8 ,die ,meisten sind zu
unehrlich und ein paar ,menschen sind zu
gut1 um von diesem ,pudendum ,etwas zu
wissen2 diese mgen somit immerhin
leugnen1 dass ,prosper ,mrime ,recht
habe1 wenn er sagt3 ,sachez aussi qu'il
n'y a rien de plus commun que de faire
le mal pour le plaisir de le faire4
#ea4 ,wie der ,schein zum ,sein wird4
- ,der ,schauspieler kann zuletzt auch
beim tiefsten ,schmerz nicht aufhren1 an
den ,eindruck seiner ,person und den
gesammten scenischen ,effect zu denken1
zum ,beispiel selbst beim ,begrbniss
seines ,kindes2 er wird ber seinen
eignen ,schmerz und dessen
,aeusserungen weinen1 als sein eigener
,zuschauer4 ,der ,heuchler1 welcher
immer ein und die selbe ,rolle spielt1
hrt zuletzt auf1 ,heuchler zu sein2 zum
,beispiel ,priester1 welche als junge
,mnner gewhnlich bewusst oder unbewusst
,heuchler sind1 werden zuletzt
natrlich und sind dann wirklich1 ohne
alle ,affectation1 eben ,priester2 oder
wenn es der ,vater nicht so weit
bringt1 dann vielleicht der ,sohn1 der
des ,vaters ,vorsprung benutzt1 seine
,gewhnung erbt4 ,wenn ,einer sehr lange
und hartnckig ,etwas scheinen will1 so
wird es ihm zuletzt schwer1 etwas
,anderes zu sein4 ,der ,beruf fast jedes
,menschen1 sogar des ,knstlers1
beginnt mit ,heuchelei1 mit einem
,nachmachen von ,aussen her1 mit einem
,copiren des ,wirkungsvollen4 ,der1
welcher immer die ,maske freundlicher
,mienen trgt1 muss zuletzt eine ,gewalt
ber wohlwollende ,stimmungen bekommen1
ohne welche der ,ausdruck der
,freundlichkeit nicht zu erzwingen ist1
- und zuletzt wieder bekommen diese ber
ihn ,gewalt1 er ist wohlwollend4
#eb4 ,der ,punct der ,ehrlichkeit
beim ,betruge4 - ,bei allen grossen
,betrgern ist ein ,vorgang
bemerkenswerth1 dem sie ihre ,macht
verdanken4 ,im eigentlichen ,acte des
,betruges unter all den ,vorbereitungen1
dem ,schauerlichen in ,stimme1
,ausdruck1 ,gebrden1 inmitten der
wirkungsvollen ,scenerie1 berkommt sie
der ,glaube an sich selbst3 dieser ist
es1 der dann so wundergleich und
bezwingend zu den ,umgebenden spricht4
,die ,religionsstifter unterscheiden
sich dadurch von jenen grossen
,betrgern1 dass sie aus diesem ,zustande
der ,selbsttuschung nicht
herauskommen3 oder sie haben ganz selten
einmal jene helleren ,momente1 wo der
,zweifel sie berwltigt2 gewhnlich
trsten sie sich aber1 diese helleren
,momente dem bsen ,widersacher
zuschiebend4 ,selbstbetrug muss da sein1
damit ,diese und jene grossartig
wirken4 ,denn die ,menschen glauben an
die ,wahrheit dessen1 was ersichtlich
stark geglaubt wird4 #ec4
,angebliche ,stufen der ,wahrheit4 -
,einer der gewhnlichen ,fehlschlsse ist
der3 weil ,jemand wahr und aufrichtig
gegen uns ist1 so sagt er die
,wahrheit4 ,so glaubt das ,kind an die
,urtheile der ,eltern1 der ,christ an
die ,behauptungen des ,stifters der
,kirche4 ,ebenso will man nicht
zugeben1 dass alles jenes1 was die
,menschen mit ,opfern an ,glck und
,leben in frheren ,jahrhunderten
vertheidigt haben1 ,nichts als
,irrthmer waren3 vielleicht sagt man1 es
seien ,stufen der ,wahrheit gewesen4
,aber im ,grunde meint man1 wenn ,jemand
ehrlich an ,etwas geglaubt und fr
seinen ,glauben gekmpft hat und
gestorben ist1 wre es doch gar zu
unbillig1 wenn eigentlich nur ein
,irrthum ihn beseelt habe4 ,so ein
,vorgang scheint der ewigen
,gerechtigkeit zu widersprechen2
desshalb decretirt das ,herz
empfindender ,menschen immer wieder
gegen ihren ,kopf den ,satz3 zwischen
moralischen ,handlungen und
intellectuellen ,einsichten muss
durchaus ein nothwendiges ,band sein4
,es ist leider anders2 denn es giebt
keine ewige ,gerechtigkeit4 #ed4
,die ,lge4 - ,wesshalb sagen zu
allermeist die ,menschen im alltglichen
,leben die ,wahrheit8 - ,gewiss nicht1
weil ein ,gott das ,lgen verboten hat4
,sondern erstens3 weil es bequemer ist2
denn die ,lge erfordert ,erfindung1
,verstellung und ,gedchtniss4 7,wesshalb
,swift sagt3 wer eine ,lge berichtet1
merkt selten die schwere ,last1 die er
bernimmt2 er muss nmlich1 um eine ,lge
zu behaupten1 zwanzig andere erfinden47
,sodann3 weil es in schlichten
,verhltnissen vortheilhaft ist1 direct
zu sagen3 ich will diess1 ich habe diess
gethan1 und dergleichen2 also weil der
,weg des ,zwangs und der ,autoritt
sicherer ist1 als der der ,list4 - ,ist
aber einmal ein ,kind in verwickelten
huslichen ,verhltnissen aufgezogen
worden1 so handhabt es ebenso natrlich
die ,lge und sagt unwillkrlich immer
,das1 was seinem ,interesse entspricht2
ein ,sinn fr ,wahrheit1 ein ,widerwille
gegen die ,lge an sich ist ihm ganz
fremd und unzugnglich1 und so lgt es in
aller ,unschuld4 #ee4 ,des
,glaubens wegen die ,moral verdchtigen4
- ,keine ,macht lsst sich behaupten1
wenn lauter ,heuchler sie vertreten2 die
katholische ,kirche mag noch so viele
weltliche ,elemente besitzen1 ihre
,kraft beruht auf jenen auch jetzt noch
zahlreichen priesterlichen ,naturen1
welche sich das ,leben schwer und
bedeutungstief machen1 und deren ,blick
und abgehrmter ,leib von ,nachtwachen1
,hungern1 glhendem ,gebete1 vielleicht
selbst von ,geisselhieben redet2 ,diese
erschttern die ,menschen und machen
ihnen ,angst3 wie1 wenn es nthig wre1 so
zu leben8 - diess ist die
schauderhafte ,frage1 welche ihr
,anblick auf die ,zunge legt4 ,indem
sie diesen ,zweifel verbreiten1 grnden
sie immer von ,neuem wieder einen
,pfeiler ihrer ,macht2 selbst die
,freigesinnten wagen es nicht1 dem
derartig ,selbstlosen mit hartem
,wahrheitssinn zu widerstehen und zu
sagen3 ,betrogner du1 betrge nicht6 -
,nur die ,differenz der ,einsichten
trennt sie von ihm1 durchaus keine
,differenz der ,gte oder
,schlechtigkeit2 aber was man nicht mag1
pflegt man gewhnlich auch ungerecht zu
behandeln4 ,so spricht man von der
,schlauheit und der verruchten ,kunst
der ,jesuiten1 aber bersieht1 welche
,selbstberwindung jeder einzelne ,jesuit
sich auferlegt und wie die
erleichterte ,lebenspraxis1 welche die
jesuitischen ,lehrbcher predigen1
durchaus nicht ihnen1 sondern dem
,laienstande zu ,gute kommen soll4 ,ja
man darf fragen1 ob wir ,aufgeklrten bei
ganz gleicher ,taktik und
,organisation eben so gute ,werkzeuge1
ebenso bewundernswrdig durch
,selbstbesiegung1 ,unermdlichkeit1
,hingebung sein wrden4 #ef4
,sieg der ,erkenntniss ber das radicale
,bse4 - ,es trgt ,dem1 der weise werden
will1 einen reichlichen ,gewinn ein1
eine ,zeit lang einmal die ,vorstellung
vom grndlich bsen und verderbten
,menschen gehabt zu haben3 sie ist
falsch1 wie die entgegengesetzte2 aber
ganze ,zeitstrecken hindurch besass sie
die ,herrschaft und ihre ,wurzeln haben
sich bis in uns und unsere ,welt
hinein verstet4 ,um uns zu begreifen1
mssen wir sie begreifen2 um aber dann
hher zu steigen1 mssen wir ber sie
hinwegsteigen4 ,wir erkennen dann1 dass
es keine ,snden im metaphysischen
,sinne giebt2 aber1 im gleichen ,sinne1
auch keine ,tugenden2 dass dieses ganze
,bereich sittlicher ,vorstellungen
fortwhrend im ,schwanken ist1 dass es
hhere und tiefere ,begriffe von gut und
bse1 sittlich und unsittlich giebt4
,wer nicht viel mehr von den ,dingen
begehrt1 als ,erkenntniss derselben1
kommt leicht mit seiner ,seele zur
,ruhe und wird hchstens aus
,unwissenheit1 aber schwerlich aus
,begehrlichkeit fehlgreifen 7oder
sndigen1 wie die ,welt es heisst74 ,er
wird die ,begierden nicht mehr
verketzern und ausrotten wollen2 aber
sein einziges ihn vllig beherrschendes
,ziel1 zu aller ,zeit so gut wie mglich
zu erkennen1 wird ihn khl machen und
alle ,wildheit in seiner ,anlage
besnftigen4 ,ueberdiess ist er einer
,menge qulender ,vorstellungen
losgeworden1 er empfindet ,nichts mehr
bei dem ,worte ,hllenstrafen1
,sndhaftigkeit1 ,unfhigkeit zum ,guten3
er erkennt darin nur die verschwebenden
,schattenbilder falscher ,welt- und
,lebensbetrachtungen4 #eg4
,moral als ,selbstzertheilung des
,menschen4 - ,ein guter ,autor1 der
wirklich das ,herz fr seine ,sache hat1
wnscht1 dass jemand komme und ihn
selber dadurch vernichte1 dass er
dieselbe ,sache deutlicher darstelle
und die in ihr enthaltenen ,fragen ohne
,rest beantworte4 ,das liebende ,mdchen
wnscht1 dass sie die hingebende ,treue
ihrer ,liebe an der ,untreue des
,geliebten bewhren knne4 ,der ,soldat
wnscht1 dass er fr sein siegreiches
,vaterland auf dem ,schlachtfeld falle4-
denn in dem ,siege seines ,vaterlandes
siegt sein hchstes ,wnschen mit4 ,die
,mutter giebt dem ,kinde1 was sie sich
selber entzieht1 ,schlaf1 die beste
,speise1 unter ,umstnden ihre
,gesundheit1 ihr ,vermgen4 - ,sind das
,alles aber unegoistische ,zustnde8
,sind diese ,thaten der ,moralitt
,wunder1 weil sie1 nach dem ,ausdrucke
,schopenhauer's1 unmglich und doch
wirklich sind8 ,ist es nicht deutlich1
dass in all diesen ,fllen der ,mensch
,etwas von sich1 einen ,gedanken1 ein
,verlangen1 ein ,erzeugniss mehr liebt1
als etwas ,anderes von sich1 dass er
also sein ,wesen zertheilt und dem
einen ,theil den anderen zum ,opfer
bringt8 ,ist es etwas wesentlich
,verschiedenes1 wenn ein ,trotzkopf
sagt3 ich will lieber ber den ,haufen
geschossen werden1 als diesem ,menschen
da einen ,schritt aus dem ,wege gehn8 -
,die ,neigung zu ,etwas 7,wunsch1
,trieb1 ,verlangen7 ist in allen
genannten ,fllen vorhanden2 ihr
nachzugeben1 mit allen ,folgen1 ist
jedenfalls nicht unegoistisch4 - ,in der
,moral behandelt sich der ,mensch
nicht als individuum1 sondern als
dividuum4 #eh4 ,was man
versprechen kann4 - ,man kann
,handlungen versprechen1 aber keine
,empfindungen2 denn diese sind
unwillkrlich4 ,wer jemandem verspricht1
ihn immer zu lieben oder immer zu
hassen oder ihm immer treu zu sein1
verspricht ,etwas1 das nicht in seiner
,macht steht2 wohl aber kann er solche
,handlungen versprechen1 welche zwar
gewhnlich die ,folgen der ,liebe1 des
,hasses1 der ,treue sind1 aber auch aus
anderen ,motiven entspringen knnen3
denn zu einer ,handlung fhren mehrere
,wege und ,motive4 ,das ,versprechen1
jemanden immer zu lieben1 heisst also3
so lange ich dich liebe1 werde ich dir
die ,handlungen der ,liebe erweisen2
liebe ich dich nicht mehr1 so wirst du
doch die selben ,handlungen1 wenn auch
aus anderen ,motiven1 immerfort von mir
empfangen3 so dass der ,schein in den
,kpfen der ,mitmenschen bestehen bleibt1
dass die ,liebe unverndert und immer
noch die selbe sei4 - ,man verspricht
also die ,andauer des ,anscheines der
,liebe1 wenn man ohne ,selbstverblendung
jemandem immerwhrende ,liebe gelobt4
#ei4 ,intellect und ,moral4 - ,man
muss ein gutes ,gedchtniss haben1 um
gegebene ,versprechen halten zu knnen4
,man muss eine starke ,kraft der
,einbildung haben1 um ,mitleid haben zu
knnen4 ,so eng ist die ,moral an die
,gte des ,intellects gebunden4 #fj4
,sich rchen wollen und -sich rchen4
-,einen ,rachegedanken haben und
ausfhren heisst einen heftigen
,fieberanfall bekommen1 der aber
vorbergeht3 einen ,rachegedanken aber
haben1 ohne ,kraft und ,muth1 ihn
auszufhren1 heisst ein chronisches
,leiden1 eine ,vergiftung an ,leib und
,seele mit sich herumtragen4 ,die
,moral1 welche nur auf die ,absichten
sieht1 taxirt beide ,flle gleich2 fr
gewhnlich taxirt man den ersten ,fall
als den schlimmeren 7wegen der bsen
,folgen1 welche die ,that der ,rache
vielleicht nach sich zieht74 ,beide
,schtzungen sind kurzsichtig4 #fa4
,warten-knnen4 - ,das ,warten-knnen
ist so schwer1 dass die grssten
,dichter es nicht verschmht haben1 das
,nicht-warten-knnen zum ,motiv ihrer
,dichtungen zu machen4 ,so ,shakespeare
im ,othello1 ,sophokles im ,ajax3
dessen ,selbstmord ihm1 wenn er nur
einen ,tag noch seine ,empfindung htte
abkhlen lassen1 nicht mehr nthig
geschienen htte1 wie der ,orakelspruch
andeutet2 wahrscheinlich wrde er den
schrecklichen ,einflsterungen der
verletzten ,eitelkeit ein ,schnippchen
geschlagen und zu sich gesprochen haben
- wer hat denn nicht schon1 in meinem
,falle1 ein ,schaf fr einen ,helden
angesehen8 ist es denn so etwas
,ungeheures8 ,im ,gegentheil1 es ist nur
etwas allgemein ,menschliches3 ,ajax
durfte sich dergestalt ,trost
zusprechen4 ,die ,leidenschaft will
nicht warten2 das ,tragische im ,leben
grosser ,mnner liegt hufig nicht in
ihrem ,conflicte mit der ,zeit und der
,niedrigkeit ihrer ,mitmenschen1
sondern in ihrer ,unfhigkeit1 ein ,jahr1
zwei ,jahre ihr ,werk zu verschieben2
sie knnen nicht warten4 - ,bei allen
,duellen haben die zurathenden ,freunde
das ,eine festzustellen1 ob die
betheiligten ,personen noch warten
knnen3 ist diess nicht der ,fall1 so
ist ein ,duell vernnftig1 insofern
,jeder von ,beiden sich sagt3 entweder
lebe ich weiter1 dann muss jener
augenblicklich sterben1 oder umgekehrt4
,warten hiesse in solchem ,falle an
jener furchtbaren ,marter der
verletzten ,ehre angesichts ihres
,verletzers noch lnger leiden2 und
diess kann eben mehr ,leiden sein1 als
das ,leben berhaupt werth ist4
#fb4 ,schwelgerei der ,rache4 -,grobe
,menschen1 welche sich beleidigt fhlen1
pflegen den ,grad der ,beleidigung so
hoch als mglich zu nehmen und erzhlen
die ,ursache mit stark bertreibenden
,worten1 um nur in dem einmal erweckten
,hass- und ,rachegefhl sich recht
ausschwelgen zu knnen4 #fc4
,werth der ,verkleinerung4 - ,nicht
wenige1 vielleicht die allermeisten
,menschen haben1 um ihre ,selbstachtung
und eine gewisse ,tchtigkeit im
,handeln bei sich aufrecht zu erhalten1
durchaus nthig1 alle ihnen bekannten
,menschen in ihrer ,vorstellung
herabzusetzen und zu verkleinern4 ,da
aber die geringen ,naturen in der
,ueberzahl sind und es sehr viel daran
liegt1 ob sie jene ,tchtigkeit haben
oder verlieren1 so - #fd4 ,der
,auf brausende4 - ,vor ,einem1 der gegen
uns aufbraust1 soll man sich in ,acht
nehmen1 wie vor ,einem1 der uns einmal
nach dem ,leben getrachtet hat3 denn
dass wir noch leben1 das liegt an der
,abwesenheit der ,macht zu tdten2
gengten ,blicke1 so wre es lngst um uns
geschehen4 ,es ist ein ,stck roher
,cultur1 durch ,sichtbarwerdenlassen
der physischen ,wildheit1 durch
,furchterregen ,jemanden zum ,schweigen
zu bringen4 - ,ebenso ist jener kalte
,blick1 welchen ,vornehme gegen ihre
,bedienten haben1 ein ,ueberrest jener
kastenmssigen ,abgrnzungen zwischen
,mensch und ,mensch1 ein ,stck rohen
,alterthums2 die ,frauen1 die
,bewahrerinnen des ,alten1 haben auch
dieses ,survival treuer bewahrt4
#fe4 ,wohin die ,ehrlichkeit fhren
kann4 -,jemand hatte die ble
,angewohnheit1 sich ber die ,motive1 aus
denen er handelte und die so gut und
so schlecht waren wie die ,motive aller
,menschen1 gelegentlich ganz ehrlich
auszusprechen4 ,er erregte erst
,anstoss1 dann ,verdacht1 wurde
allmhlich geradezu verfehmt und in die
,acht der ,gesellschaft erklrt1 bis
endlich die ,justiz sich eines so
verworfenen ,wesens erinnerte1 bei
,gelegenheiten1 wo sie sonst kein ,auge
hatte1 oder dasselbe zudrckte4 ,der
,mangel an ,schweigsamkeit ber das
allgemeine ,geheimniss und der
unverantwortliche ,hang1 zu sehen1 was
,keiner sehen will - sich selber -
brachten ihn zu ,gefngniss und
frhzeitigem ,tod4 #ff4
,strflich1 nie gestraft4 - ,unser
,verbrechen gegen ,verbrecher besteht
darin1 dass wir sie wie ,schufte
behandeln4 #fg4 ,sancta
simplicitas der ,tugend4 - ,jede ,tugend
hat ,vorrechte3 zum ,beispiel diess1
zu dem ,scheiterhaufen eines
,verurtheilten ihr eigenes ,bndchen
,holz zu liefern4 #fh4 ,moralitt
und ,erfolg4 - ,nicht nur die
,zuschauer einer ,that bemessen hufig
das ,moralische oder ,unmoralische an
derselben nach dem ,erfolge3 nein1 der
,thter selbst thut diess4 ,denn die
,motive und ,absichten sind selten
deutlich und einfach genug1 und mitunter
scheint selbst das ,gedchtniss durch
den ,erfolg der ,that getrbt1 so dass
man seiner ,that selber falsche ,motive
unterschiebt oder die unwesentlichen
,motive als wesentliche behandelt4 ,der
,erfolg giebt oft einer ,that den
vollen ehrlichen ,glanz des guten
,gewissens1 ein ,misserfolg legt den
,schatten von ,gewissensbissen ber die
achtungswrdigste ,handlung4 ,daraus
ergiebt sich die bekannte ,praxis des
,politikers1 welcher denkt3 gebt mir
nur den ,erfolg3 mit ihm habe ich auch
alle ehrlichen ,seelen auf meine ,seite
gebracht - und mich vor mir selber
ehrlich gemacht4 - ,auf hnliche ,weise
soll der ,erfolg die bessere ,begrndung
ersetzen4 ,noch jetzt meinen viele
,gebildete1 der ,sieg des ,christenthums
ber die griechische ,philosophie sei
ein ,beweis fr die grssere ,wahrheit des
ersteren1 - obwohl in diesem ,falle
nur das ,grbere und ,gewaltsamere ber
das ,geistigere und ,zarte gesiegt hat4
,wie es mit der grsseren ,wahrheit
steht1 ist daraus zu ersehen1 dass die
erwachenden ,wissenschaften ,punct um
,punct an ,epikur's ,philosophie
angeknpft1 das ,christenthum aber
,punct um ,punct zurckgewiesen haben4
#fi4 ,liebe und ,gerechtigkeit4 -
,warum berschtzt man die ,liebe zu
,ungunsten der ,gerechtigkeit und sagt
die schnsten ,dinge von ihr1 als ob sie
ein viel hheres ,wesen als jene sei8
,ist sie denn nicht ersichtlich dmmer
als jene8 - ,gewiss1 aber gerade
desshalb um so viel angenehmer fr
,alle4 ,sie ist dumm und besitzt ein
reiches ,fllhorn2 aus ihm theilt sie
ihre ,gaben aus1 an jedermann1 auch wenn
er sie nicht verdient1 ja ihr nicht
einmal dafr dankt4 ,sie ist unparteiisch
wie der ,regen1 welcher1 nach der
,bibel und der ,erfahrung1 nicht nur
den ,ungerechten1 sondern unter
,umstnden auch den ,gerechten bis auf
die ,haut nass macht4 #gj4
,hinrichtung4 - ,wie kommt es1 dass jede
,hinrichtung uns mehr beleidigt1 als
ein ,mord8 ,es ist die ,klte der
,richter1 die peinliche ,vorbereitung1
die ,einsicht1 dass hier ein ,mensch als
,mittel benutzt wird1 um andere
abzuschrecken4 ,denn die ,schuld wird
nicht bestraft1 selbst wenn es eine
gbe3 diese liegt in ,erziehern1 ,eltern1
,umgebungen1 in uns1 nicht im ,mrder1
- ich meine die veranlassenden
,umstnde4 #ga4 ,die ,hoffnung4 -
,pandora brachte das ,fass mit den
,uebeln und ffnete es4 ,es war das
,geschenk der ,gtter an die ,menschen1
von ,aussen ein schnes verfhrerisches
,geschenk und ,glcksfass zubenannt4 ,da
flogen all die ,uebel1 lebendige
beschwingte ,wesen heraus3 von da an
schweifen sie nun herum und thun den
,menschen ,schaden bei ,tag und ,nacht4
,ein einziges ,uebel war noch nicht aus
dem ,fass herausgeschlpft3 da schlug
,pandora nach ,zeus' ,willen den ,deckel
zu und so blieb es darin4 ,fr immer
hat der ,mensch nun das ,glcksfass im
,hause und meint ,wunder was fr einen
,schatz er in ihm habe2 es steht ihm zu
,diensten1 er greift darnach3 wenn es
ihn gelstet2 denn er weiss nicht1 dass
jenes ,fass1 welches ,pandora brachte1
das ,fass der ,uebel war1 und hlt das
zurckgebliebene ,uebel fr das grsste
,glcksgut1 - es ist die ,hoffnung4 -
,zeus wollte nmlich1 dass der ,mensch1
auch noch so sehr durch die anderen
,uebel geqult1 doch das ,leben nicht
wegwerfe1 sondern fortfahre1 sich immer
von ,neuem qulen zu lassen4 ,dazu giebt
er dem ,menschen die ,hoffnung3 sie
ist in ,wahrheit das belste der ,uebel1
weil sie die ,qual der ,menschen
verlngert4 #gb4 ,grad der
moralischen ,erhitzbarkeit unbekannt4 -
,daran1 dass man gewisse erschtternde
,anblicke und ,eindrcke gehabt oder
nicht gehabt hat1 zum ,beispiel eines
unrecht gerichteten1 getdteten oder
gemarterten ,vaters1 einer untreuen
,frau1 eines grausamen feindlichen
,ueberfalls1 hngt es ab1 ob unsere
,leidenschaften zur ,glhhitze kommen
und das ganze ,leben lenken oder nicht4
,keiner weiss1 wozu ihn die ,umstnde1
das ,mitleid1 die ,entrstung treiben
knnen1 er kennt den ,grad seiner
,erhitzbarkeit nicht4 ,erbrmliche kleine
,verhltnisse machen erbrmlich2 es ist
gewhnlich nicht die ,qualitt der
,erlebnisse1 sondern ihre ,quantitt1 von
welcher der niedere und hhere ,mensch
abhngt1 im ,guten und ,bsen4 #gc4
,der ,mrtyrer wider ,willen4 - ,in einer
,partei gab es einen ,menschen1 der zu
ngstlich und feige war1 um je seinen
,kameraden zu widersprechen3 man
brauchte ihn zu jedem ,dienst1 man
erlangte von ihm ,alles1 weil er sich
vor der schlechten ,meinung bei seinen
,gesellen mehr als vor dem ,tode
frchtete2 es war eine erbrmliche
schwache ,seele4 ,sie erkannten diess
und machten auf ,grund der erwhnten
,eigenschaften aus ihm einen ,heros und
zuletzt gar einen ,mrtyrer4 ,obwohl der
feige ,mensch innerlich immer ,nein
sagte1 sprach er mit den ,lippen immer
ja1 selbst noch auf dem ,schaffot1 als
er fr die ,ansichten seiner ,partei
starb3 neben ihm nmlich stand einer
seiner alten ,genossen1 der ihn durch
,wort und ,blick so tyrannisirte1 dass
er wirklich auf die anstndigste ,weise
den ,tod erlitt und seitdem als
,mrtyrer und grosser ,charakter gefeiert
wird4 #gd4 ,alltags-,maassstab4
- ,man wird selten irren1 wenn man
extreme ,handlungen auf ,eitelkeit1
mittelmssige auf ,gewhnung und
kleinliche auf ,furcht zurckfhrt4
#ge4 ,missverstndniss ber die
,tugend4 - ,wer die ,untugend in
,verbindung mit der ,lust kennen
gelernt hat1 wie ,der1 welcher eine
genussschtige ,jugend hinter sich hat1
bildet sich ein1 dass die ,tugend mit
der ,unlust verbunden sein msse4 ,wer
dagegen von seinen ,leidenschaften und
,lastern sehr geplagt worden ist1
ersehnt in der ,tugend die ,ruhe und
das ,glck der ,seele4 ,daher ist es
mglich1 dass zwei ,tugendhafte einander
gar nicht verstehen4 #gf4 ,der
,asket4 - ,der ,asket macht aus der
,tugend eine ,noth4 #gg4 ,die
,ehre von der ,person auf die ,sache
bertragen4 - ,man ehrt allgemein die
,handlungen der ,liebe und ,aufopferung
zu ,gunsten des ,nchsten1 wo sie sich
auch immer zeigen4 ,dadurch vermehrt man
die ,schtzung der ,dinge1 welche in
jener ,art geliebt werden oder fr welche
man sich aufopfert3 obwohl sie
vielleicht an sich nicht viel werth
sind4 ,ein tapferes ,heer berzeugt von
der ,sache1 fr welche es kmpft4
#gh4 ,ehrgeiz ein ,surrogat des
moralischen ,gefhls4 - ,das moralische
,gefhl darf in solchen ,naturen nicht
fehlen1 welche keinen ,ehrgeiz haben4
,die ,ehrgeizigen behelfen sich auch
ohne dasselbe1 mit fast gleichem
,erfolge4 - ,desshalb werden ,shne aus
bescheidenen1 dem ,ehrgeiz abgewandten
,familien1 wenn sie einmal das
moralische ,gefhl verlieren1 gewhnlich
in schneller ,steigerung zu vollkommenen
,lumpen4 #gi4 ,eitelkeit
bereichert4 - ,wie arm wre der
menschliche ,geist ohne die ,eitelkeit6
,so aber gleicht er einem wohlgefllten
und immer neu sich fllenden
,waarenmagazin1 welches ,kufer jeder
,art anlockt3 ,alles fast knnen sie
finden1 ,alles haben1 vorausgesetzt1
dass sie die gltige ,mnzsorte
7,bewunderung7 mit sich bringen4
#hj4 ,greis und ,tod4- ,abgesehen von
den ,forderungen1 welche die ,religion
stellt1 darf man wohl fragen3 warum
sollte es fr einen alt gewordenen
,mann1 welcher die ,abnahme seiner
,krfte sprt1 rhmlicher sein1 seine
langsame ,erschpfung und ,auflsung
abzuwarten1 als sich mit vollem
,bewusstsein ein ,ziel zu setzen8 ,die
,selbsttdtung ist in diesem ,falle eine
ganz natrliche naheliegende ,handlung1
welche als ein ,sieg der ,vernunft
billigerweise ,ehrfurcht erwecken
sollte3 und auch erweckt hat1 in jenen
,zeiten als die ,hupter der griechischen
,philosophie und die wackersten
rmischen ,patrioten durch ,selbsttdtung
zu sterben pflegten4 ,die ,sucht
dagegen1 sich mit ngstlicher ,berathung
von ,aerzten und peinlichster
,lebensart von ,tag zu ,tage
fortzufristen1 ohne ,kraft1 dem
eigentlichen ,lebensziel noch nher zu
kommen1 ist viel weniger achtbar4 -
,die ,religionen sind reich an
,ausflchten vor der ,forderung der
,selbsttdtung3 dadurch schmeicheln sie
sich bei ,denen ein1 welche in das
,leben verliebt sind4 #ha4
,irrthmer des ,leidenden und des
,thters4 - ,wenn der ,reiche dem ,armen
ein ,besitzthum nimmt 7zum ,beispiel
ein ,frst dem ,plebejer die ,geliebte71
so entsteht in dem ,armen ein ,irrthum2
er meint1 jener msse ganz verrucht
sein1 um ihm das ,wenige1 was er habe1
zu nehmen4 ,aber jener empfindet den
,werth eines einzelnen ,besitzthums gar
nicht so tief1 weil er gewhnt ist1
viele zu haben3 so kann er sich nicht in
die ,seele des ,armen versetzen und
thut lange nicht so sehr ,unrecht1 als
dieser glaubt4 ,beide haben von einander
eine falsche ,vorstellung4 ,das
,unrecht des ,mchtigen1 welches am
meisten in der ,geschichte emprt1 ist
lange nicht so gross1 wie es scheint4
,schon die angeerbte ,empfindung1 ein
hheres ,wesen mit hheren ,ansprchen zu
sein1 macht ziemlich kalt und lsst das
,gewissen ruhig3 wir ,alle sogar
empfinden1 wenn der ,unterschied
zwischen uns und einem andern ,wesen
sehr gross ist1 gar ,nichts mehr von
,unrecht und tdten eine ,mcke zum
,beispiel ohne jeden ,gewissensbiss4
,so ist es kein ,zeichen von
,schlechtigkeit bei ,xerxes 7den selbst
alle ,griechen als hervorragend edel
schildern71 wenn er dem ,vater seinen
,sohn nimmt und ihn zerstckeln lsst1
weil dieser ein ngstliches1 ominses
,misstrauen gegen den ganzen ,heerzug
geussert hatte3 der ,einzelne wird in
diesem ,falle wie ein unangenehmes
,insect beseitigt1 er steht zu niedrig1
um lnger qulende ,empfindungen bei
einem ,weltherrscher erregen zu drfen4
,ja1 jeder ,grausame ist nicht in dem
,maasse grausam1 als es der
,misshandelte glaubt2 die ,vorstellung
des ,schmerzes ist nicht das ,selbe wie
das ,leiden desselben4 ,ebenso steht es
mit dem ungerechten ,richter1 mit dem
,journalisten1 welcher mit kleinen
,unredlichkeiten die ffentliche
,meinung irre fhrt4 ,ursache und
,wirkung sind in allen diesen ,fllen
von ganz verschiedenen ,empfindungs- und
,gedankengruppen umgeben2 whrend man
unwillkrlich voraussetzt1 dass ,thter
und ,leidender gleich denken und
empfinden1 und gemss dieser
,voraussetzung die ,schuld des ,einen
nach dem ,schmerz des ,andern misst4
#hb4 ,haut der ,seele4 - ,wie die
,knochen1 ,fleischstcke1 ,eingeweide und
,blutgefsse mit einer ,haut
umschlossen sind1 die den ,anblick des
,menschen ertrglich macht1 so werden die
,regungen und ,leidenschaften der
,seele durch die ,eitelkeit umhllt3 sie
ist die ,haut der ,seele4 #hc4
,schlaf der ,tugend4 - ,wenn die ,tugend
geschlafen hat1 wird sie frischer
aufstehen4 #hd4 ,feinheit der
,scham4 - ,die ,menschen schmen sich
nicht1 etwas ,schmutziges zu denken1
aber wohl1 wenn sie sich vorstellen1
dass man ihnen diese schmutzigen
,gedanken zutraue4 #he4 ,bosheit
ist selten4 - ,die meisten ,menschen
sind viel zu sehr mit sich beschftigt1
um boshaft zu sein4 #hf4 ,das
,znglein an der ,wage4 - ,man lobt oder
tadelt1 je nachdem das ,eine oder das
,andere mehr ,gelegenheit giebt1 unsere
,urtheilskraft leuchten zu lassen4
#hg4 ,lucas #ah1ad verbessert4 - ,wer
sich selbst erniedrigt1 will erhhet
werden4 #hh4 ,verhinderung des
,selbstmordes4 - ,es giebt ein ,recht1
wonach wir einem ,menschen das ,leben
nehmen1 aber keines1 wonach wir ihm das
,sterben nehmen3 diess ist nur
,grausamkeit4 #hi4 ,eitelkeit4-
,uns liegt an der guten ,meinung der
,menschen1 einmal weil sie uns ntzlich
ist1 sodann weil wir ihnen ,freude
machen wollen 7,kinder den ,eltern1
,schler den ,lehrern und wohlwollende
,menschen berhaupt allen brigen
,menschen74 ,nur wo jemandem die gute
,meinung der ,menschen wichtig ist1
abgesehen vom ,vortheil oder von seinem
,wunsche1 ,freude zu machen1 reden wir
von ,eitelkeit4 ,in diesem ,falle will
sich der ,mensch selber eine ,freude
machen1 aber auf ,unkosten seiner
,mitmenschen1 indem er diese entweder zu
einer falschen ,meinung ber sich
verfhrt oder es gar auf einen ,grad der
guten ,meinung absieht1 wo diese allen
,anderen peinlich werden muss 7durch
,erregung von ,neid74 ,der ,einzelne
will gewhnlich durch die ,meinung
,anderer die ,meinung1 die er von sich
hat1 beglaubigen und vor sich selber
bekrftigen2 aber die mchtige ,gewhnung
an ,autoritt - eine ,gewhnung1 die so
alt als der ,mensch ist - bringt ,viele
auch dazu1 ihren eigenen ,glauben an
sich auf ,autoritt zu sttzen1 also erst
aus der ,hand ,anderer anzunehmen3 sie
trauen der ,urtheilskraft ,anderer
mehr1 als der eigenen4 - ,das ,interesse
an sich selbst1 der ,wunsch1 sich zu
vergngen1 erreicht bei dem ,eitelen eine
solche ,hhe1 dass er die ,anderen zu
einer falschen1 allzu hohen ,taxation
seiner selbst verfhrt und dann doch
sich an die ,autoritt der ,anderen hlt3
also den ,irrthum herbeifhrt und doch
ihm ,glauben schenkt4 - ,man muss sich
also eingestehen1 dass die eitelen
,menschen nicht sowohl ,anderen
gefallen wollen1 als sich selbst1 und
dass sie so weit gehen1 ihren ,vortheil
dabei zu vernachlssigen2 denn es liegt
ihnen oft daran1 ihre ,mitmenschen
ungnstig1 feindlich1 neidisch1 also
schdlich gegen sich stimmen1 nur um die
,freude an sich selber1 den
,selbstgenuss1 zu haben4 #ij4
,grnze der ,menschenliebe4 - ,jeder1
welcher sich dafr erklrt hat1 dass der
,andere ein ,dummkopf1 ein schlechter
,geselle sei1 rgert sich1 wenn ,jener
schliesslich zeigt1 dass er es nicht
ist4 #ia4 ,moralit larmoyante4 -
,wie viel ,vergngen macht die
,moralitt6 ,man denke nur1 was fr ein
,meer angenehmer ,thrnen schon bei
,erzhlungen edler1 grossmthiger
,handlungen geflossen ist6 - ,dieser
,reiz des ,lebens wrde schwinden1 wenn
der ,glaube an die vllige
,unverantwortlichkeit berhand nhme4
#ib4 ,ursprung der ,gerechtigkeit4 -
,die ,gerechtigkeit 7,billigkeit7 nimmt
ihren ,ursprung unter ungefhr gleich
,mchtigen1 wie diess ,thukydides 7in
dem furchtbaren ,gesprche der
athenischen und melischen ,gesandten7
richtig begriffen hat2 wo es keine
deutlich erkennbare ,uebergewalt giebt
und ein ,kampf zum erfolglosen1
gegenseitigen ,schdigen wrde1 da
entsteht der ,gedanke sich zu
verstndigen und ber die beiderseitigen
,ansprche zu verhandeln3 der ,charakter
des ,tausches ist der anfngliche
,charakter der ,gerechtigkeit4 ,jeder
stellt den ,andern zufrieden1 indem
jeder bekommt1 was er mehr schtzt als
der ,andere4 ,man giebt jedem1 was er
haben will als das nunmehr ,seinige1 und
empfngt dagegen das ,gewnschte4
,gerechtigkeit ist also ,vergeltung und
,austausch unter der ,voraussetzung
einer ungefhr gleichen ,machtstellung3
so gehrt ursprnglich die ,rache in den
,bereich der ,gerechtigkeit1 sie ist
ein ,austausch4 ,ebenso die
,dankbarkeit4 - ,gerechtigkeit geht
natrlich auf den ,gesichtspunct einer
einsichtigen ,selbsterhaltung zurck1
also auf den ,egoismus jener
,ueberlegung3 wozu sollte ich mich
nutzlos schdigen und mein ,ziel
vielleicht doch nicht erreichen8 -
,soviel vom ,ursprung der
,gerechtigkeit4 ,dadurch1 dass die
,menschen1 ihrer intellectuellen
,gewohnheit gemss1 den ursprnglichen
,zweck sogenannter gerechter1 billiger
,handlungen vergessen haben und
namentlich weil durch ,jahrtausende
hindurch die ,kinder angelernt worden
sind1 solche ,handlungen zu bewundern
und nachzuahmen1 ist allmhlich der
,anschein entstanden1 als sei eine
gerechte ,handlung eine unegoistische3
auf diesem ,anschein aber beruht die
hohe ,schtzung derselben1 welche
berdiess1 wie alle ,schtzungen1
fortwhrend noch im ,wachsen ist3 denn
etwas ,hochgeschtztes wird mit
,aufopferung erstrebt1 nachgeahmt1
vervielfltigt und wchst dadurch1 dass
der ,werth der aufgewandten ,mhe und
,beeiferung von jedem ,einzelnen noch
zum ,werthe des geschtzten ,dinges
hinzugeschlagen wird4 - ,wie wenig
moralisch she die ,welt ohne die
,vergesslichkeit aus6 ,ein ,dichter
knnte sagen1 dass ,gott die
,vergesslichkeit als ,thrhterin an die
,tempelschwelle der ,menschenwrde
hingelagert habe4 #ic4 ,vom
,rechte des ,schwcheren4 - ,wenn sich
jemand unter ,bedingungen einem
,mchtigeren unterwirft1 zum ,beispiel
eine belagerte ,stadt1 so ist die
,gegenbedingung die1 dass man sich
vernichten1 die ,stadt verbrennen und
so dem ,mchtigen eine grosse ,einbusse
machen kann4 ,desshalb entsteht hier
eine ,art ,gleichstellung1 auf ,grund
welcher ,rechte festgesetzt werden
knnen4 ,der ,feind hat seinen ,vortheil
an der ,erhaltung4 - ,insofern giebt es
auch ,rechte zwischen ,sclaven und
,herren1 das heisst genau in dem
,maasse1 in welchem der ,besitz des
,sclaven seinem ,herrn ntzlich und
wichtig ist4 ,das ,recht geht
ursprnglich soweit1 als ,einer dem
,andern werthvoll1 wesentlich1
unverlierbar1 unbesiegbar und
dergleichen erscheint4 ,in dieser
,hinsicht hat auch der ,schwchere noch
,rechte1 aber geringere4 ,daher das
berhmte unusquisque tantum juris habet1
quantum potentia valet 7oder genauer3
quantum potentia valere creditur74
#id4 ,die drei ,phasen der bisherigen
,moralitt4 - ,es ist das erste
,zeichen1 dass das ,thier ,mensch
geworden ist1 wenn sein ,handeln nicht
mehr auf das augenblickliche
,wohlbefinden1 sondern auf das dauernde
sich bezieht1 dass der ,mensch also
ntzlich1 zweckmssig wird4- da bricht
zuerst die freie ,herrschaft der
,vernunft heraus4 ,eine noch hhere
,stufe ist erreicht1 wenn er nach dem
,princip der ,ehre handelt2 vermge
desselben ordnet er sich ein1 unterwirft
sich gemeinsamen ,empfindungen1 und
das erhebt ihn hoch ber die ,phase1 in
der nur die persnlich verstandene
,ntzlichkeit ihn leitete3 er achtet und
will geachtet werden1 das heisst3 er
begreift den ,nutzen als abhngig von
dem1 was er ber ,andere1 was ,andere ber
ihn meinen4 ,endlich handelt er1 auf
der hchsten ,stufe der bisherigen
,moralitt nach seinem ,maassstab ber
die ,dinge und ,menschen1 er selber
bestimmt fr sich und ,andere1 was
ehrenvoll1 was ntzlich ist2 er ist zum
,gesetzgeber der ,meinungen geworden1
gemss dem immer hher entwickelten
,begriff des ,ntzlichen und
,ehrenhaften4 ,die ,erkenntnis befhigt
ihn1 das ,ntzlichste1 das heisst den
allgemeinen dauernden ,nutzen dem
persnlichen1 die ehrende ,anerkennung
von allgemeiner dauernder ,geltung der
momentanen voranzustellen2 er lebt und
handelt als ,collectiv-,individuum4
#ie4 ,moral des reifen ,individuums4
- ,man hat bisher als das eigentliche
,kennzeichen der moralischen ,handlung
das ,unpersnliche angesehen2 und es ist
nachgewiesen1 dass zu ,anfang die
,rcksicht auf den allgemeinen ,nutzen
es war1 derentwegen man alle
unpersnlichen ,handlungen lobte und
auszeichnete4 ,sollte nicht eine
bedeutende ,umwandelung dieser
,ansichten bevorstehen1 jetzt wo immer
besser eingesehen wird1 dass gerade in
der mglichst persnlichen ,rcksicht auch
der ,nutzen fr das ,allgemeine am
grssten ist3 so dass gerade das streng
persnliche ,handeln dem jetzigen
,begriff der ,moralitt 7als einer
allgemeinen ,ntzlichkeit7 entspricht8
,aus sich eine ganze ,person machen und
in ,allem1 was man thut1 deren hchstes
,wohl in's ,auge fassen - das bringt
weiter1 als jene mitleidigen ,regungen
und ,handlungen zu ,gunsten ,anderer4
,wir ,alle leiden freilich noch immer an
der allzugeringen ,beachtung des
,persnlichen an uns1 es ist schlecht
ausgebildet1 - gestehen wir es uns ein3
man hat vielmehr unsern ,sinn gewaltsam
von ihm abgezogen und dem ,staate1 der
,wissenschaft1 dem ,hlfebedrftigen zum
,opfer angeboten1 wie als ob es das
,schlechte wre1 das geopfert werden
msste4 ,auch jetzt wollen wir fr unsere
,mitmenschen arbeiten1 aber nur so
weit1 als wir unsern eigenen hchsten
,vortheil in dieser ,arbeit finden1
nicht mehr1 nicht weniger4 ,es kommt nur
darauf an1 was man als seinen
,vortheil versteht2 gerade das unreife1
unentwickelte1 rohe ,individuum wird
ihn auch am rohesten verstehen4
#if4 ,sitte und sittlich4-
,moralisch1 sittlich1 ethisch sein
heisst ,gehorsam gegen ein
altbegrndetes ,gesetz oder ,herkommen
haben4 ,ob man mit ,mhe oder gern sich
ihm unterwirft1 ist dabei gleichgltig1
genug1 dass man es thut4 ,gut nennt man
,den1 welcher wie von ,natur1 nach
langer ,vererbung1 also leicht und gern
das ,sittliche thut1 je nachdem diess
ist 7zum ,beispiel ,rache bt1 wenn
,rache-ben1 wie bei den lteren
,griechen1 zur guten ,sitte gehrt74 ,er
wird gut genannt1 weil er wozu gut ist2
da aber ,wohlwollen1 ,mitleiden und
dergleichen in dem ,wechsel der ,sitten
immer als gut wozu1 als ntzlich
empfunden wurde1 so nennt man jetzt
vornehmlich den ,wohlwollenden1
,hlfreichen gut4 ,bse ist nicht
sittlich 7unsittlich7 sein1 ,unsitte
ben1 dem ,herkommen widerstreben1 wie
vernnftig oder dumm dasselbe auch sei2
das ,schdigen des ,nchsten ist aber in
allen den ,sittengesetzen der
verschiedenen ,zeiten vornehmlich als
schdlich empfunden worden1 so dass wir
jetzt namentlich bei dem ,wort bse an
die freiwillige ,schdigung des ,nchsten
denken4 ,nicht das ,egoistische und das
,unegoistische ist der
,grundgegensatz1 welcher die ,menschen
zur ,unterscheidung von sittlich und
unsittlich1 gut und bse gebracht hat1
sondern3 ,gebundensein an ein
,herkommen1 ,gesetz1 und ,lsung davon4
,wie das ,herkommen entstanden ist1 das
ist dabei gleichgltig1 jedenfalls ohne
,rcksicht auf gut und bse oder irgend
einen immanenten kategorischen
,imperativ1 sondern vor ,allem zum
,zweck der ,erhaltung einer ,gemeinde1
eines ,volkes2 jeder aberglubische
,brauch1 der auf ,grund eines falsch
gedeuteten ,zufalls entstanden ist1
erzwingt ein ,herkommen1 welchem zu
folgen sittlich ist2 sich von ihm lsen
ist nmlich gefhrlich1 fr die
,gemeinschaft noch mehr schdlich als fr
den ,einzelnen 7weil die ,gottheit den
,frevel und jede ,verletzung ihrer
,vorrechte an der ,gemeinde und nur
insofern auch am ,individuum straft74
,nun wird jedes ,herkommen fortwhrend
ehrwrdiger1 je weiter der ,ursprung
abliegt1 je mehr dieser vergessen ist2
die ihm gezollte ,verehrung huft sich
von ,generation zu ,generation auf1 das
,herkommen wird zuletzt heilig und
erweckt ,ehrfurcht2 und so ist
jedenfalls die ,moral der ,piett eine
viel ltere ,moral1 als die1 welche
unegoistische ,handlungen verlangt4
#ig4 ,die ,lust in der ,sitte4 -
,eine wichtige ,gattung der ,lust und
damit der ,quelle der ,moralitt
entsteht aus der ,gewohnheit4 ,man thut
das ,gewohnte leichter1 besser1 also
lieber1 man empfindet dabei eine ,lust1
und weiss aus der ,erfahrung1 dass das
,gewohnte sich bewhrt hat1 also ntzlich
ist2 eine ,sitte1 mit der sich leben
lsst1 ist als heilsam1 frderlich
bewiesen1 im ,gegensatz zu allen neuen1
noch nicht bewhrten ,versuchen4 ,die
,sitte ist demnach die ,vereinigung des
,angenehmen und des ,ntzlichen1
berdiess macht sie kein ,nachdenken
nthig4 ,sobald der ,mensch ,zwang
ausben kann1 bt er ihn aus1 um seine
,sitten durchzusetzen und einzufhren1
denn fr ihn sind sie die bewhrte
,lebensweisheit4 ,ebenso zwingt eine
,gemeinschaft von ,individuen jedes
einzelne zur selben ,sitte4 ,hier ist
der ,fehlschluss3 weil man sich mit
einer ,sitte wohl fhlt oder wenigstens
weil man vermittelst derselben seine
,existenz durchsetzt1 so ist diese
,sitte nothwendig1 denn sie gilt als
die einzige ,mglichkeit1 unter der man
sich wohl fhlen kann2 das ,wohlgefhl
des ,lebens scheint allein aus ihr
hervorzuwachsen4 ,diese ,auffassung des
,gewohnten als einer ,bedingung des
,daseins wird bis auf die kleinsten
,einzelheiten der ,sitte durchgefhrt3 da
die ,einsicht in die wirkliche
,causalitt bei den niedrig stehenden
,vlkern und ,culturen sehr gering ist1
so sieht man mit aberglubischer ,furcht
darauf1 dass ,alles seinen gleichen
,gang gehe2 selbst wo die ,sitte
schwer1 hart1 lstig ist1 wird sie ihrer
scheinbar hchsten ,ntzlichkeit wegen
bewahrt4 ,man weiss nicht1 dass der
selbe ,grad von ,wohlbefinden auch bei
anderen ,sitten bestehen kann und dass
selbst hhere ,grade sich erreichen
lassen4 ,wohl aber nimmt man wahr1 dass
alle ,sitten1 auch die hrtesten1 mit der
,zeit angenehmer und milder werden1
und dass auch die strengste ,lebensweise
zur ,gewohnheit und damit zur ,lust
werden kann4 #ih4 ,lust und
socialer ,instinct4 - ,aus seinen
,beziehungen zu andern ,menschen
gewinnt der ,mensch eine neue ,gattung
von ,lust zu jenen ,lustempfindungen
hinzu1 welche er aus sich selber nimmt2
wodurch er das ,reich der
,lustempfindung berhaupt bedeutend
umfnglicher macht4 ,vielleicht hat er
mancherlei1 das hierher gehrt1 schon von
den ,thieren her berkommen1 welche
ersichtlich ,lust empfinden1 wenn sie
mit einander spielen1 namentlich die
,mtter mit den jungen4 ,sodann gedenke
man der geschlechtlichen ,beziehungen1
welche jedem ,mnnchen ungefhr jedes
,weibchen interessant in ,ansehung der
,lust erscheinen lassen1 und umgekehrt4
,die ,lustempfindung auf ,grund
menschlicher ,beziehungen macht im
,allgemeinen den ,menschen besser2 die
gemeinsame ,freude1 die ,lust mitsammen
genossen1 erhht dieselbe1 sie giebt dem
,einzelnen ,sicherheit1 macht ihn
gutmthiger1 lst das ,misstrauen1 den
,neid3 denn man fhlt sich selber wohl
und sieht den ,andern in gleicher
,weise sich wohl fhlen4 ,die
gleichartigen ,aeusserungen der ,lust
erwecken die ,phantasie der
,mitempfindung1 das ,gefhl etwas
,gleiches zu sein3 das ,selbe thun auch
die gemeinsamen ,leiden1 die selben
,unwetter1 ,gefahren1 ,feinde4 ,darauf
baut sich dann wohl das lteste ,bndniss
auf3 dessen ,sinn die gemeinsame
,beseitigung und ,abwehr einer drohenden
,unlust zum ,nutzen jedes ,einzelnen
ist4 ,und so wchst der sociale
,instinct aus der ,lust heraus4
#ii4 ,das ,unschuldige an den
sogenannten bsen ,handlungen4 - ,alle
bsen ,handlungen sind motivirt durch
den ,trieb der ,erhaltung oder1 noch
genauer1 durch die ,absicht auf ,lust
und ,vermeidung der ,unlust des
,individuums2 als solchermaassen
motivirt1 aber nicht bse4 ,schmerz
bereiten an sich existirt nicht1 ausser
im ,gehirn der ,philosophen1
ebensowenig ,lust bereiten an sich
7,mitleid im ,schopenhauerischen
,sinne74 ,in dem ,zustand vor dem
,staate tdten wir das ,wesen1 sei es
,affe oder ,mensch1 welches uns eine
,frucht des ,baumes vorwegnehmen will1
wenn wir gerade ,hunger haben und auf
den ,baum zulaufen3 wie wir es noch
jetzt bei ,wanderungen in unwirthlichen
,gegenden mit dem ,thiere thun wrden4 -
,die bsen ,handlungen1 welche uns jetzt
am meisten empren1 beruhen auf dem
,irrthume1 dass der ,andere1 welcher sie
uns zufgt1 freien ,willen habe1 also
dass es in seinem ,belieben gelegen
habe1 uns diess ,schlimme nicht
anzuthun4 ,dieser ,glaube an das
,belieben erregt den ,hass1 die
,rachlust1 die ,tcke1 die ganze
,verschlechterung der ,phantasie1
whrend wir einem ,thiere viel weniger
zrnen1 weil wir diess als
unverantwortlich betrachten4 ,leid thun
nicht aus ,erhaltungstrieb1 sondern zur
,vergeltung - ist ,folge eines falschen
,urtheils und desshalb ebenfalls
unschuldig4 ,der ,einzelne kann im
,zustande1 welcher vor dem ,staate
liegt1 zur ,abschreckung andere ,wesen
hart und grausam behandeln3 um seine
,existenz durch solche abschreckende
,proben seiner ,macht sicher zu stellen4
,so handelt der ,gewaltthtige1
,mchtige1 der ursprngliche
,staatengrnder1 welcher sich die
,schwcheren unterwirft4 ,er hat dazu das
,recht1 wie es jetzt noch der ,staat
sich nimmt2 oder vielmehr3 es giebt kein
,recht1 welches diess hindern kann4
,es kann erst dann der ,boden fr alle
,moralitt zurecht gemacht werden1 wenn
ein grsseres ,individuum oder ein
,collectiv-,individuum1 zum ,beispiel
die ,gesellschaft1 der ,staat1 die
,einzelnen unterwirft1 also aus ihrer
,vereinzelung herauszieht und in einen
,verband einordnet4 ,der ,moralitt geht
der ,zwang voraus1 ja sie selber ist
noch eine ,zeit lang ,zwang1 dem man
sich1 zur ,vermeidung der ,unlust1 fgt4
,spter wird sie ,sitte1 noch spter
freier ,gehorsam1 endlich beinahe
,instinct3 dann ist sie wie alles lang
,gewhnte und ,natrliche mit ,lust
verknpft - und heisst nun ,tugend4
#ajj4 ,scham4- ,die ,scham existirt
berall1 wo es ein ,mysterium giebt2
diess aber ist ein religiser ,begriff1
welcher in der lteren ,zeit der
menschlichen ,cultur einen grossen
,umfang hatte4 ,ueberall gab es
umgrnzte ,gebiete1 zu welchen das
gttliche ,recht den ,zutritt versagte1
ausser unter bestimmten ,bedingungen3 zu
allererst ganz rumlich1 insofern
gewisse ,sttten vom ,fusse der
,uneingeweihten nicht zu betreten waren
und in deren ,nhe ,diese ,schauder und
,angst empfanden4 ,diess ,gefhl wurde
vielfach auf andere ,verhltnisse
bertragen1 zum ,beispiel auf die
geschlechtlichen ,verhltnisse1 welche
als ein ,vorrecht und ,adyton des
reiferen ,alters den ,blicken der
,jugend1 zu deren ,vortheil1 entzogen
werden sollten3 ,verhltnisse1 zu deren
,schutz und ,heilighaltung viele ,gtter
thtig und im ehelichen ,gemache als
,wchter aufgestellt gedacht wurden4 7,im
,trkischen heisst desshalb diess
,gemach ,harem ,heiligthum1 wird also
mit demselben ,worte bezeichnet1
welches fr die ,vorhfe der ,moscheen
blich ist47 ,so ist das ,knigthum als
ein ,centrum1 von wo ,macht und ,glanz
ausstrahlt1 dem ,unterworfenen ein
,mysterium voller ,heimlichkeit und
,scham3 wovon viele ,nachwirkungen noch
jetzt1 unter ,vlkern1 die sonst
keineswegs zu den verschmten gehren1 zu
fhlen sind4 ,ebenso ist die ganze ,welt
innerer ,zustnde1 die sogenannte
,seele1 auch jetzt noch fr alle
,nicht-,philosophen ein ,mysterium1
nachdem diese1 endlose ,zeit hindurch1
als gttlichen ,ursprungs1 als gttlichen
,verkehrs wrdig geglaubt wurde3 sie ist
demnach ein ,adyton und erweckt ,scham4
#aja4 ,richtet nicht4 - ,man
muss sich hten1 bei der ,betrachtung
frherer ,perioden nicht in ein
ungerechtes ,schimpfen zu gerathen4 ,die
,ungerechtigkeit in der ,sclaverei1
die ,grausamkeit in der ,unterwerfung
von ,personen und ,vlkern ist nicht mit
unserem ,maasse zu messen4 ,denn damals
war der ,instinct der ,gerechtigkeit
noch nicht so weit gebildet4 ,wer darf
dem ,genfer ,calvin die ,verbrennung des
,arztes ,servet vorwerfen8 ,es war
eine consequente aus seinen
,ueberzeugungen fliessende ,handlung1
und ebenso hatte die ,inquisition ein
gutes ,recht2 nur waren die
herrschenden ,ansichten falsch und
ergaben eine ,consequenz1 welche uns
hart erscheint1 weil uns jene ,ansichten
fremd geworden sind4 ,was ist brigens
,verbrennen eines ,einzelnen im
,vergleich mit ewigen ,hllenstrafen fr
fast ,alle6 ,und doch beherrschte diese
,vorstellung damals alle ,welt1 ohne
mit ihrer viel grsseren
,schrecklichkeit der ,vorstellung von
einem ,gotte wesentlich ,schaden zu
thun4 ,auch bei uns werden politische
,sectirer hart und grausam behandelt1
aber weil man an die ,nothwendigkeit des
,staates zu glauben gelernt hat1 so
empfindet man hier die ,grausamkeit
nicht so sehr wie dort1 wo wir die
,anschauungen verwerfen4 ,die
,grausamkeit gegen ,thiere bei ,kindern
und ,italinern geht auf ,unverstndniss
zurck2 das ,thier ist namentlich durch
die ,interessen der kirchlichen ,lehre
zu weit hinter den ,menschen
zurckgesetzt worden4 - ,auch mildert
sich vieles ,schreckliche und
,unmenschliche in der ,geschichte1 an
welches man kaum glauben mchte1 durch
die ,betrachtung1 dass der ,befehlende
und der ,ausfhrende andere ,personen
sind3 ersterer hat den ,anblick nicht
und daher nicht den starken
,phantasie-,eindruck1 letzterer gehorcht
einem ,vorgesetzten und fhlt sich
unverantwortlich4 ,die meisten ,frsten
und ,militrchefs erscheinen1 aus ,mangel
an ,phantasie1 leicht grausam und
hart1 ohne es zu sein4 - ,der ,egoismus
ist nicht bse1 weil die ,vorstellung
vom ,nchsten -das ,wort ist christlichen
,ursprungs und entspricht der
,wahrheit nicht - in uns sehr schwach
ist2 und wir uns gegen ihn beinahe wie
gegen ,pflanze und ,stein frei und
unverantwortlich fhlen4 ,dass der
,andere leidet1 ist zu lernen3 und
vllig kann es nie gelernt werden4
#ajb4 ,der ,mensch handelt immer gut4
- ,wir klagen die ,natur nicht als
unmoralisch an1 wenn sie uns ein
,donnerwetter schickt und uns nass
macht3 warum nennen wir den schdigenden
,menschen unmoralisch8 ,weil wir hier
einen willkrlich waltenden1 freien
,willen1 dort ,nothwendigkeit annehmen4
,aber diese ,unterscheidung ist ein
,irrthum4 ,sodann3 selbst das
absichtliche ,schdigen nennen wir nicht
unter allen ,umstnden unmoralisch2 man
tdtet z4,b4 eine ,mcke unbedenklich mit
,absicht1 blos weil uns ihr ,singen
missfllt1 man straft den ,verbrecher
absichtlich und thut ihm ,leid an1 um
uns und die ,gesellschaft zu schtzen4
,im ersten ,falle ist es das
,individuum1 welches1 um sich zu
erhalten oder selbst um sich keine
,unlust zu machen1 absichtlich ,leid
thut2 im zweiten der ,staat4 ,alle
,moral lsst absichtliches ,schadenthun
gelten bei ,nothwehr3 das heisst wenn es
sich um die ,selbsterhaltung handelt6
,aber diese beiden ,gesichtspuncte
gengen1 um alle bsen ,handlungen gegen
,menschen1 von ,menschen ausgebt1 zu
erklren3 man will fr sich ,lust oder
will ,unlust abwehren2 in irgend einem
,sinne handelt es sich immer um
,selbsterhaltung4 ,sokrates und ,plato
haben ,recht3 was auch der ,mensch
thue1 er thut immer das ,gute1 das
heisst3 ,das1 was ihm gut 7ntzlich7
scheint1 je nach dem ,grade seines
,intellectes1 dem jedesmaligen ,maasse
seiner ,vernnftigkeit4 #ajc4
,das ,harmlose an der ,bosheit4 - ,die
,bosheit hat nicht das ,leid des
,andern an sich zum ,ziele1 sondern
unsern eigenen ,genuss1 zum ,beispiel
als ,rachegefhl oder als strkere
,nervenaufregung4 ,schon jede ,neckerei
zeigt1 wie es ,vergngen macht1 am
,andern unsere ,macht auszulassen und
es zum lustvollen ,gefhle des
,uebergewichts zu bringen4 ,ist nun das
,unmoralische daran1 ,lust auf ,grund
der ,unlust ,anderer zu haben8 ,ist
,schadenfreude teuflisch1 wie
,schopenhauer sagt8 ,nun machen wir uns
in der ,natur ,lust durch ,zerbrechen
von ,zweigen1 ,ablsen von ,steinen1
,kampf mit wilden ,thieren und zwar1 um
unserer ,kraft dabei bewusst zu werden4
,das ,wissen darum1 dass ein ,anderer
durch uns leidet1 soll hier die selbe
,sache1 in ,bezug auf welche wir uns
sonst unverantwortlich fhlen1
unmoralisch machen8 ,aber wsste man
diess nicht1 so htte man die ,lust an
seiner eigenen ,ueberlegenheit auch
nicht dabei1 diese kann eben sich nur
im ,leide des ,anderen zuerkennen geben1
zum ,beispiel bei der ,neckerei4 ,alle
,lust an sich selber ist weder gut noch
bse2 woher sollte die ,bestimmung
kommen1 dass man1 um ,lust an sich
selber zu haben1 keine ,unlust ,anderer
erregen drfe8 ,allein vom
,gesichtspuncte des ,nutzens her1 das
heisst aus ,rcksicht auf die ,folgen1
auf eventuelle ,unlust1 wenn der
,geschdigte oder der stellvertretende
,staat ,ahndung und ,rache erwarten
lsst3 nur ,diess kann ursprnglich den
,grund abgegeben haben1 solche
,handlungen sich zu versagen4 - ,das
,mitleid hat ebensowenig die ,lust des
,andern zum ,ziele1 als1 wie gesagt1
die ,bosheit den ,schmerz des ,andern an
sich4 ,denn es birgt mindestens zwei
7vielleicht mehr7 ,elemente einer
persnlichen ,lust in sich und ist
dergestalt ,selbstgenuss3 einmal als
,lust der ,emotion1 welcher ,art
,mitleid in der ,tragdie ist1 und dann1
wenn es zur ,that treibt1 als ,lust der
,befriedigung in der ,ausbung der
,macht4 ,steht uns berdiess eine
leidende ,person sehr nahe1 so nehmen
durch ,ausbung mitleidvoller
,handlungen uns selbst ein ,leid ab4 -
,abgesehen von einigen ,philosophen1 so
haben die ,menschen das ,mitleid1 in
der ,rangfolge moralischer
,empfindungen immer ziemlich tief
gestellt3 mit ,recht4 #ajd4
,nothwehr4- ,wenn man berhaupt die
,nothwehr als moralisch gelten lsst1 so
muss man fast alle ,aeusserungen des
sogenannten unmoralischen ,egoismus'
auch gelten lassen3 man thut ,leid an1
raubt oder tdtet1 um sich zu erhalten
oder um sich zu schtzen1 dem persnlichen
,unheil vorzubeugen2 man lgt1 wo ,list
und ,verstellung das richtige ,mittel
der ,selbsterhaltung sind4 ,absichtlich
schdigen1 wenn es sich um unsere
,existenz oder ,sicherheit 7,erhaltung
unseres ,wohlbefindens7 handelt1 wird
als moralisch concedirt2 der ,staat
schdigt selber unter diesem
,gesichtspunct1 wenn er ,strafen
verhngt4 ,im unabsichtlichen ,schdigen
kann natrlich das ,unmoralische nicht
liegen1 da regiert der ,zufall4 ,giebt
es denn eine ,art des absichtlichen
,schdigens1 wo es sich nicht um unsere
,existenz1 um die ,erhaltung unseres
,wohlbefindens handelt8 ,giebt es ein
,schdigen aus reiner ,bosheit1 zum
,beispiel bei der ,grausamkeit8 ,wenn
man nicht weiss1 wie weh eine ,handlung
thut1 so ist sie keine ,handlung der
,bosheit2 so ist das ,kind gegen das
,thier nicht boshaft1 nicht bse3 es
untersucht und zerstrt dasselbe wie sein
,spielzeug4 ,weiss man aber je vllig1
wie weh eine ,handlung einem ,andern
thut8 ,so weit unser ,nervensystem
reicht1 hten wir uns vor ,schmerz3
reichte es weiter1 nmlich bis in die
,mitmenschen hinein1 so wrden wir
,niemandem ein ,leides thun 7ausser in
solchen ,fllen1 wo wir es uns selbst
thun1 also wo wir uns der ,heilung
halber schneiden1 der ,gesundheit
halber uns mhen und anstrengen74 ,wir
schliessen aus ,analogie1 dass ,etwas
jemandem weh thut1 und durch die
,erinnerung und die ,strke der
,phantasie kann es uns dabei selber bel
werden4 ,aber welcher ,unterschied
bleibt immer zwischen dem ,zahnschmerz
und dem ,schmerze 7,mitleiden71 welchen
der ,anblick des ,zahnschmerzes
hervorruft8 ,also3 bei dem ,schdigen aus
sogenannter ,bosheit ist der ,grad des
erzeugten ,schmerzes uns jedenfalls
unbekannt2 insofern aber eine ,lust bei
der ,handlung ist 7,gefhl der eignen
,macht1 der eignen starken ,erregung71
geschieht die ,handlung1 um das
,wohlbefinden des ,individuums zu
erhalten und fllt somit unter einen
hnlichen ,gesichtspunct wie die
,nothwehr1 die ,nothlge4 ,ohne ,lust
kein ,leben2 der ,kampf um die ,lust
ist der ,kampf um das ,leben4 ,ob der
,einzelne diesen ,kampf so kmpft1 dass
die ,menschen ihn gut1 oder so1 dass sie
ihn bse nennen1 darber entscheidet das
,maass und die ,beschaffenheit seines
,intellects4 #aje4 ,die
belohnende ,gerechtigkeit4 - ,wer
vollstndig die ,lehre von der vlligen
,unverantwortlichkeit begriffen hat1 der
kann die sogenannte strafende und
belohnende ,gerechtigkeit gar nicht mehr
unter den ,begriff der ,gerechtigkeit
unterbringen3 falls diese darin besteht1
dass man jedem das ,seine giebt4 ,denn
,der1 welcher gestraft wird1 verdient
die ,strafe nicht3 er wird nur als
,mittel benutzt1 um frderhin von
gewissen ,handlungen abzuschrecken2
ebenso verdient ,der1 welchen man
belohnt1 diesen ,lohn nicht3 er konnte
ja nicht anders handeln1 als er
gehandelt hat4 ,also hat der ,lohn nur
den ,sinn einer ,aufmunterung fr ihn
und ,andere1 um also zu spteren
,handlungen ein ,motiv abzugeben2 das
,lob wird dem ,laufenden in der
,rennbahn zugerufen1 nicht ,dem1
welcher am ,ziele ist4 ,weder ,strafe
noch ,lohn sind ,etwas1 das ,einem als
das ,seine zukommt2 sie werden ihm aus
,ntzlichkeitsgrnden gegeben1 ohne dass
er mit ,gerechtigkeit ,anspruch auf sie
zu erheben htte4 ,man muss ebenso sagen
der ,weise belohnt nicht1 weil gut
gehandelt worden ist1 als man gesagt hat
der ,weise straft nicht1 weil schlecht
gehandelt worden ist1 sondern damit
nicht schlecht gehandelt werde4 ,wenn
,strafe und ,lohn fortfielen1 so fielen
die krftigsten ,motive1 welche von
gewissen ,handlungen weg1 zu gewissen
,handlungen hin treiben1 fort2 der
,nutzen der ,menschen erheischt ihre
,fortdauer2 und insofern ,strafe und
,lohn1 ,tadel und ,lob am
empfindlichsten auf die ,eitelkeit
wirken1 so erheischt der selbe ,nutzen
auch die ,fortdauer der ,eitelkeit4
#ajf4 ,am ,wasserfall4 - ,beim
,anblick eines ,wasserfalles meinen wir
in den zahllosen ,biegungen1
,schlngelungen1 ,brechungen der ,wellen
,freiheit des ,willens und ,belieben zu
sehen2 aber ,alles ist nothwendig1
jede ,bewegung mathematisch
auszurechnen4 ,so ist es auch bei den
menschlichen ,handlungen2 man msste jede
einzelne ,handlung vorher ausrechnen
knnen1 wenn man allwissend wre1 ebenso
jeden ,fortschritt der ,erkenntniss1
jeden ,irrthum1 jede ,bosheit4 ,der
,handelnde selbst steckt freilich in
der ,illusion der ,willkr2 wenn in einem
,augenblick das ,rad der ,welt still
stnde und ein allwissender1 rechnender
,verstand da wre1 um diese ,pausen zu
bentzen1 so knnte er bis in die
fernsten ,zeiten die ,zukunft jedes
,wesens weitererzhlen und jede ,spur
bezeichnen1 auf der jenes ,rad noch
rollen wird4 ,die ,tuschung des
,handelnden ber sich1 die ,annahme des
freien ,willens1 gehrt mit hinein in
diesen auszurechnenden ,mechanismus4
#ajg4 ,unverantwortlichkeit und
,unschuld4 - ,die vllige
,unverantwortlichkeit des ,menschen fr
sein ,handeln und sein ,wesen ist der
bitterste ,tropfen1 welchen der
,erkennende schlucken muss1 wenn er
gewohnt war1 in der ,verantwortlichkeit
und der ,pflicht den ,adelsbrief seines
,menschenthums zu sehen4 ,alle seine
,schtzungen1 ,auszeichnungen1
,abneigungen sind dadurch entwerthet und
falsch geworden3 sein tiefstes ,gefhl1
das er dem ,dulder1 dem ,helden
entgegenbrachte1 hat einem ,irrthume
gegolten2 er darf nicht mehr loben1
nicht tadeln1 denn es ist ungereimt1
die ,natur und die ,nothwendigkeit zu
loben und zu tadeln4 ,so wie er das
gute ,kunstwerk liebt1 aber nicht lobt1
weil es ,nichts fr sich selber kann1
wie er vor der ,pflanze steht1 so muss
er vor den ,handlungen der ,menschen1
vor seinen eignen stehen4 ,er kann
,kraft1 ,schnheit1 ,flle an ihnen
bewundern1 aber darf keine ,verdienste
darin finden3 der chemische ,process
und der ,streit der ,elemente1 die ,qual
des ,kranken1 der nach ,genesung
lechzt1 sind ebensowenig ,verdienste1
als jene ,seelenkmpfe und ,nothzustnde1
bei denen man durch verschiedene
,motive hin- und hergerissen wird1 bis
man sich endlich fr das mchtigste
entscheidet - wie man sagt 7in ,wahrheit
aber1 bis das mchtigste ,motiv ber uns
entscheidet74 ,alle diese ,motive aber1
so hohe ,namen wir ihnen geben1 sind
aus den selben ,wurzeln gewachsen1 in
denen wir die bsen ,gifte wohnend
glauben2 zwischen guten und bsen
,handlungen giebt es keinen ,unterschied
der ,gattung1 sondern hchstens des
,grades4 ,gute ,handlungen sind
sublimirte bse2 bse ,handlungen sind
vergrberte1 verdummte gute4 ,das einzige
,verlangen des ,individuums nach
,selbstgenuss 7sammt der ,furcht1
desselben verlustig zu gehen7
befriedigt sich unter allen ,umstnden1
der ,mensch mag handeln1 wie er kann1
das heisst wie er muss3 sei es in
,thaten der ,eitelkeit1 ,rache1 ,lust1
,ntzlichkeit1 ,bosheit1 ,list1 sei es in
,thaten der ,aufopferung1 des
,mitleids1 der ,erkenntniss4 ,die ,grade
der ,urtheilsfhigkeit entscheiden1
wohin ,jemand sich durch diess
,verlangen hinziehen lsst2 fortwhrend
ist jeder ,gesellschaft1 jedem
,einzelnen eine ,rangordnung der ,gter
gegenwrtig1 wonach er seine ,handlungen
bestimmt und die der ,anderen
beurtheilt4 ,aber dieser ,maassstab
wandelt sich fortwhrend1 viele
,handlungen werden bse genannt und sind
nur dumm1 weil der ,grad der
,intelligenz1 welcher sich fr sie
entschied1 sehr niedrig war4 ,ja1 in
einem bestimmten ,sinne sind auch jetzt
noch alle ,handlungen dumm1 denn der
hchste ,grad von menschlicher
,intelligenz1 der jetzt erreicht werden
kann1 wird sicherlich noch berboten
werden3 und dann wird1 bei einem
,rckblick1 all unser ,handeln und
,urtheilen so beschrnkt und bereilt
erscheinen1 wie uns jetzt das ,handeln
und ,urtheilen zurckgebliebener wilder
,vlkerschaften beschrnkt und bereilt
vorkommt4 - ,diess ,alles einzusehen1
kann tiefe ,schmerzen machen1 aber
darnach giebt es einen ,trost3 solche
,schmerzen sind ,geburtswehen4 ,der
,schmetterling will seine ,hlle
durchbrechen1 er zerrt an ihr1 er
zerreisst sie3 da blendet und verwirrt
ihn das unbekannte ,licht1 das ,reich
der ,freiheit4 ,in solchen ,menschen1
welche jener ,traurigkeit fhig sind -
wie wenige werden es sein6 - wird der
erste ,versuch gemacht1 ob die
,menschheit aus einer moralischen sich
in eine weise ,menschheit umwandeln
knne4 ,die ,sonne eines neuen
,evangeliums wirft ihren ersten ,strahl
auf die hchsten ,gipfel in der ,seele
jener ,einzelnen3 da ballen sich die
,nebel dichter1 als je1 und neben
einander lagert der hellste ,schein und
die trbste ,dmmerung4 ,alles ist
,nothwendigkeit1 - so sagt die neue
,erkenntniss3 und diese ,erkenntniss
selber ist ,nothwendigkeit4 ,alles ist
,unschuld3 und die ,erkenntniss ist der
,weg zur ,einsicht in diese ,unschuld4
,sind ,lust1 ,egoismus1 ,eitelkeit
nothwendig zur ,erzeugung der
moralischen ,phnomene und ihrer hchsten
,blthe1 des ,sinnes fr ,wahrheit und
,gerechtigkeit der ,erkenntniss1 war
der ,irrthum und die ,verirrung der
,phantasie das einzige ,mittel1 durch
welches die ,menschheit sich allmhlich
zu diesem ,grade von ,selbsterleuchtung
und ,selbsterlsung zu erheben vermochte
- wer drfte jene ,mittel
geringschtzen8 ,wer drfte traurig sein1
wenn er das ,ziel1 zu dem jene ,wege
fhren1 gewahr wird8 ,alles auf dem
,gebiete der ,moral ist geworden1
wandelbar1 schwankend1 ,alles ist im
,flusse1 es ist wahr3 - aber ,alles ist
auch im ,strome3 nach ,einem ,ziele
hin4 ,mag in uns die vererbte
,gewohnheit des irrthmlichen ,schtzens1
,liebens1 ,hassens immerhin fortwalten1
aber unter dem ,einfluss der wachsenden
,erkenntniss wird sie schwcher werden3
eine neue ,gewohnheit1 die des
,begreifens1 ,nicht-,liebens1
,nicht-,hassens1 ,ueberschauens1
pflanzt sich allmhlich in uns auf dem
selben ,boden an und wird in ,tausenden
von ,jahren vielleicht mchtig genug
sein1 um der ,menschheit die ,kraft zu
geben1 den weisen1 unschuldigen
7unschuld-bewussten7 ,menschen ebenso
regelmssig hervorzubringen1 wie sie
jetzt den unweisen1 unbilligen1
schuldbewussten ,menschen - das heisst
die nothwendige ,vorstufe1 nicht den
,gegensatz von jenem - hervorbringt4
,drittes ,hauptstck4 ,das religise
,leben4 #ajh4 ,der doppelte ,kampf
gegen das ,uebel4 -,wenn uns ein ,uebel
trifft1 so kann man entweder so ber
dasselbe hinwegkommen1 dass man seine
,ursache hebt1 oder so1 dass man die
,wirkung1 welche es auf unsere
,empfindung macht1 verndert3 also durch
ein ,umdeuten des ,uebels in ein ,gut1
dessen ,nutzen vielleicht erst spter
ersichtlich sein wird4 ,religion und
,kunst 7auch die metaphysische
,philosophie7 bemhen sich1 auf die
,aenderung der ,empfindung zu wirken1
theils durch ,aenderung unseres
,urtheils ber die ,erlebnisse 7zum
,beispiel mit ,hlfe des ,satzes3 wen
,gott lieb hat1 den zchtigt er71 theils
durch ,erweckung einer ,lust am
,schmerz1 an der ,emotion berhaupt
7woher die ,kunst des ,tragischen ihren
,ausgangspunct nimmt74 ,je mehr ,einer
dazu neigt1 umzudeuten und
zurechtzulegen1 um so weniger wird er
die ,ursachen des ,uebels in's ,auge
fassen und beseitigen2 die
augenblickliche ,milderung und
,narkotisirung1 wie sie zum ,beispiel
bei ,zahnschmerz gebruchlich ist1 gengt
ihm auch in ernsteren ,leiden4 ,je mehr
die ,herrschaft der ,religionen und
aller ,kunst der ,narkose abnimmt1 um so
strenger fassen die ,menschen die
wirkliche ,beseitigung der ,uebel in's
,auge1 was freilich schlimm fr die
,tragdiendichter ausfllt - denn zur
,tragdie findet sich immer weniger
,stoff1 weil das ,reich des
unerbittlichen1 unbezwinglichen
,schicksals immer enger wird -1 noch
schlimmer aber fr die ,priester3 denn
diese lebten bisher von der
,narkotisirung menschlicher ,uebel4
#aji4 ,gram ist ,erkenntniss4 - ,wie
gern mchte man die falschen
,behauptungen der ,priester1 es gebe
einen ,gott1 der das ,gute von uns
verlangte1 ,wchter und ,zeuge jeder
,handlung1 jedes ,augenblickes1 jedes
,gedankens sei1 der uns liebe1 in allem
,unglck unser ,bestes wolle1 - wie gern
mchte man diese mit ,wahrheiten
vertauschen1 welche ebenso heilsam1
beruhigend und wohlthuend wren1 wie jene
,irrthmer6 ,doch solche ,wahrheiten
giebt es nicht2 die ,philosophie kann
ihnen hchstens wiederum metaphysische
,scheinbarkeiten 7im ,grunde ebenfalls
,unwahrheiten7 entgegensetzen4 ,nun ist
aber die ,tragdie die1 dass man jene
,dogmen der ,religion und ,metaphysik
nicht glauben kann1 wenn man die
strenge ,methode der ,wahrheit im
,herzen und ,kopfe hat1 andererseits
durch die ,entwickelung der ,menschheit
so zart1 reizbar1 leidend geworden ist1
um ,heil- und ,trostmittel der hchsten
,art nthig zu haben2 woraus also die
,gefahr entsteht1 dass der ,mensch sich
an der erkannten ,wahrheit verblute4
,diess drckt ,byron in unsterblichen
,versen aus3 ,sorrow is
knowledge3 they who know the most
must mourn the deepst o'er the fatal
truth1 the tree of knowledge is not
that of life4 ,gegen solche ,sorgen
hilft kein ,mittel besser1 als den
feierlichen ,leichtsinn ,horazens1
wenigstens fr die schlimmsten ,stunden
und ,sonnenfinsternisse der ,seele1
heraufzubeschwren und mit ihm zu sich
selber zu sagen3 quid aeternis
minorem consiliis animum fatigas8
cur non sub alta vel platano vel hac
pinu jacentes - ,sicherlich aber ist
,leichtsinn oder ,schwermuth jeden
,grades besser1 als eine romantische
,rckkehr und ,fahnenflucht1 eine
,annherung an das ,christenthum in
irgend einer ,form3 denn mit ihm kann
man sich1 nach dem gegenwrtigen ,stande
der ,erkenntniss1 schlechterdings nicht
mehr einlassen1 ohne sein in
intellectuales ,gewissen heillos zu
beschmutzen und vor sich und ,anderen
preiszugeben4 ,jene ,schmerzen mgen
peinlich genug sein3 aber man kann ohne
,schmerzen nicht zu einem ,fhrer und
,erzieher der ,menschheit werden2 und
wehe ,dem1 welcher diess versuchen
mchte und jenes reine ,gewissen nicht
mehr htte6 #aaj4 ,die ,wahrheit
in der ,religion4 - ,in der ,periode der
,aufklrung war man der ,bedeutung der
,religion nicht gerecht geworden1 daran
ist nicht zu zweifeln3 aber ebenso
steht fest1 dass man1 in dem
darauffolgenden ,widerspiel der
,aufklrung1 wiederum um ein gutes ,stck
ber die ,gerechtigkeit hinausgieng1
indem man die ,religionen mit ,liebe1
selbst mit ,verliebtheit behandelte und
ihnen zum ,beispiel ein tieferes1 ja
das allertiefste ,verstndniss der ,welt
zuerkannte2 welches die ,wissenschaft
des dogmatischen ,gewandes zu entkleiden
habe1 um dann in unmythischer ,form
die ,wahrheit zu besitzen4 ,religionen
sollen also - diess war die ,behauptung
aller ,gegner der ,aufklrung - sensu
allegorico1 mit ,rcksicht auf das
,verstehen der ,menge1 jene uralte
,weisheit aussprechen1 welche die
,weisheit an sich sei1 insofern alle
wahre ,wissenschaft der neueren ,zeit
immer zu ihr hin1 anstatt von ihr weg1
gefhrt habe3 so dass zwischen den
ltesten ,weisen der ,menschheit und
allen spteren ,harmonie1 ja ,gleichheit
der ,einsichten walte und ein
,fortschritt der ,erkenntnisse - falls
man von einem solchen reden wolle -
sich nicht auf das ,wesen1 sondern die
,mittheilung desselben beziehe4 ,diese
ganze ,auffassung von ,religion und
,wissenschaft ist durch und durch
irrthmlich2 und ,niemand wrde jetzt noch
zu ihr sich zu bekennen wagen1 wenn
nicht ,schopenhauer's ,beredtsamkeit sie
in ,schutz genommen htte3 diese laut
tnende und doch erst nach einem
,menschenalter ihre ,hrer erreichende
,beredtsamkeit4 ,so gewiss man aus
,schopenhauer's religis-moralischer
,menschen- und ,weltdeutung sehr viel
fr das ,verstndniss des ,christenthums
und anderer ,religionen gewinnen kann1
so gewiss ist es auch1 dass er ber den
,werth der ,religion fr die
,erkenntniss sich geirrt hat4 ,er selbst
war darin ein nur zu folgsamer ,schler
der wissenschaftlichen ,lehrer seiner
,zeit1 welche allesammt der ,romantik
huldigten und dem ,geiste der ,aufklrung
abgeschworen hatten2 in unsere jetzige
,zeit hineingeboren1 wrde er unmglich
vom sensus allegoricus der ,religion
haben reden knnen2 er wrde vielmehr der
,wahrheit die ,ehre gegeben haben1 wie
er es pflegte1 mit den ,worten3 noch
nie hat eine ,religion1 weder mittelbar1
noch unmittelbar1 weder als ,dogma1
noch als ,gleichniss1 eine ,wahrheit
enthalten4 ,denn aus der ,angst und dem
,bedrfniss ist eine jede geboren1 auf
,irrgngen der ,vernunft hat sie sich
in's ,dasein geschlichen2 sie hat
vielleicht einmal1 im ,zustande der
,gefhrdung durch die ,wissenschaft1
irgend eine philosophische ,lehre in ihr
,system hineingelogen1 damit man sie
spter darin vorfinde3 aber diess ist ein
,theologenkunststck1 aus der ,zeit1 in
welcher eine ,religion schon an sich
selber zweifelt4 ,diese ,kunststcke der
,theologie1 welche freilich im
,christenthum1 als der ,religion eines
gelehrten1 mit ,philosophie
durchtrnkten ,zeitalters1 sehr frh schon
gebt wurden1 haben auf jenen
,aberglauben vom sensus allegoricus
hingeleitet1 noch mehr aber die
,gewohnheit der ,philosophen 7namentlich
er ,halbwesen1 der dichterischen
,philosophen und der philosophirenden
,knstler71 alle die ,empfindungen1
welche sie in sich vorfanden1 als
,grundwesen des ,menschen berhaupt zu
behandeln und somit auch ihren eigenen
religisen ,empfindungen einen
bedeutenden ,einfluss auf den
,gedankenbau ihrer ,systeme zu
gestatten4 ,weil die ,philosophen
vielfach unter dem ,herkommen religiser
,gewohnheiten1 oder mindestens unter
der altvererbten ,macht jenes
metaphysischen ,bedrfnisses
philosophirten1 so gelangten sie zu
,lehrmeinungen1 welche in der ,that den
jdischen oder christlichen oder
indischen ,religionsmeinungen sehr
hnlich sahen1 - hnlich nmlich1 wie
,kinder den ,mttern zu sehen pflegen1
nur dass in diesem ,falle die ,vter sich
nicht ber jene ,mutterschaft klar
waren1 wie diess wohl vorkommt1 -
sondern in der ,unschuld ihrer
,verwunderung von einer
,familien-,aehnlichkeit aller ,religion
und ,wissenschaft fabelten4 ,in der
,that besteht zwischen der ,religion und
der wirklichen ,wissenschaft nicht
,verwandtschaft1 noch ,freundschaft1
noch selbst ,feindschaft3 sie leben auf
verschiedenen ,sternen4 ,jede
,philosophie1 welche einen religisen
,kometenschweif in die ,dunkelheit
ihrer letzten ,aussichten hinaus
erglnzen lsst1 macht ,alles an sich
verdchtig1 was sie als ,wissenschaft
vortrgt3 es ist diess ,alles
vermuthlich ebenfalls ,religion1
wenngleich unter dem ,aufputz der
,wissenschaft4 - ,uebrigens3 wenn alle
,vlker ber gewisse religise ,dinge1 zum
,beispiel die ,existenz eines ,gottes1
bereinstimmten 7was1 beilufig gesagt1
in ,betreff dieses ,punctes nicht der
,fall ist71 so wrde diess doch eben nur
ein ,gegenargument gegen jene
behaupteten ,dinge1 zum ,beispiel die
,existenz eines ,gottes sein3 der
consensus gentium und berhaupt hominum
kann billigerweise nur einer ,narrheit
gelten4 ,dagegen giebt es einen
consensus omnium sapientium gar nicht1
in ,bezug auf kein einziges ,ding1 mit
jener ,ausnahme1 von welcher der
,goethe'sche ,vers spricht3 ,alle
die ,weisesten aller der ,zeiten
lcheln und winken und stimmen mit ein3
,thricht1 auf ,bess'rung der ,thoren zu
harren6 ,kinder der ,klugheit1 o
habet die ,narren eben zum ,narren
auch1 wie sich's gehrt6 ,ohne ,vers
und ,reim gesprochen und auf unseren
,fall angewendet3 der consensus
sapientium besteht darin1 dass der
consensus gentium einer ,narrheit gilt4
#aaa4 ,ursprung des religisen
,cultus'4 - ,versetzen wir uns in die
,zeiten zurck1 in welchen das religise
,leben am krftigsten aufblhte1 so
finden wir eine ,grundberzeugung vor1
welche wir jetzt nicht mehr theilen und
derentwegen wir ein fr alle ,mal die
,thore zum religisen ,leben uns
verschlossen sehen3 sie betrifft die
,natur und den ,verkehr mit ihr4 ,man
weiss in jenen ,zeiten noch ,nichts von
,naturgesetzen2 weder fr die ,erde noch
fr den ,himmel giebt es ein ,mssen2
eine ,jahreszeit1 der ,sonnenschein1
der ,regen kann kommen oder auch
ausbleiben4 ,es fehlt berhaupt jeder
,begriff der natrlichen ,causalitt4
,wenn man rudert1 ist es nicht das
,rudern1 was das ,schiff bewegt1
sondern ,rudern ist nur eine magische
,ceremonie1 durch welche man einen
,dmon zwingt1 das ,schiff zu bewegen4
,alle ,erkrankungen1 der ,tod selbst
ist ,resultat magischer ,einwirkungen4
,es geht bei ,krankwerden und ,sterben
nie natrlich zu2 die ganze ,vorstellung
vom natrlichen ,hergang fehlt1 - sie
dmmert erst bei den lteren ,griechen1
das heisst in einer sehr spten ,phase
der ,menschheit1 in der ,conception der
ber den ,gttern thronenden ,moira4
,wenn ,einer mit dem ,bogen schiesst1
so ist immer noch eine irrationelle
,hand und ,kraft dabei2 versiegen
pltzlich die ,quellen1 so denkt man
zuerst an unterirdische ,dmonen und
deren ,tcken2 der ,pfeil eines ,gottes
muss es sein1 unter dessen unsichtbarer
,wirkung ein ,mensch auf einmal
niedersinkt4 ,in ,indien pflegt 7nach
,lubbock7 ein ,tischler seinem ,hammer1
seinem ,beil und den brigen ,werkzeugen
,opfer darzubringen2 ein ,brahmane
behandelt den ,stift1 mit dem er
schreibt1 ein ,soldat die ,waffen1 die
er im ,felde braucht1 ein ,maurer seine
,kelle1 ein ,arbeiter seinen ,pflug in
gleicher ,weise4 ,die ganze ,natur ist
in der ,vorstellung religiser ,menschen
eine ,summe von ,handlungen bewusster
und wollender ,wesen1 ein ungeheurer
,complex von ,willkrlichkeiten4 ,es ist
in ,bezug auf ,alles1 was ausser uns
ist1 kein ,schluss gestattet1 dass
irgend ,etwas so und so sein werde1 so
und so kommen msse2 das ungefhr
,sichere1 ,berechenbare sind wir3 der
,mensch ist die ,regel1 die ,natur die
,regellosigkeit1 - dieser ,satz enthlt
die ,grundberzeugung1 welche rohe1
religis productive ,urculturen
beherrscht4 ,wir jetzigen ,menschen
empfinden gerade vllig umgekehrt3 je
reicher jetzt der ,mensch sich
innerlich fhlt1 je polyphoner sein
,subject ist1 um so gewaltiger wirkt
auf ihn das ,gleichmaass der ,natur2 wir
,alle erkennen mit ,goethe in der
,natur das grosse ,mittel der
,beschwichtigung fr die moderne ,seele1
wir hren den ,pendelschlag der grssten
,uhr mit einer ,sehnsucht nach ,ruhe1
nach ,heimisch- und ,stillewerden an1
als ob wir dieses ,gleichmaass in uns
hineintrinken und dadurch zum ,genuss
unser selbst erst kommen knnten4
,ehemals war es umgekehrt3 denken wir an
rohe1 frhe ,zustnde von ,vlkern zurck
oder sehen wir die jetzigen ,wilden in
der ,nhe1 so finden wir sie auf das
strkste durch das ,gesetz1 das
,herkommen bestimmt3 das ,individuum ist
fast automatisch an dasselbe gebunden
und bewegt sich mit der ,gleichfrmigkeit
eines ,pendels4 ,ihm muss die ,natur -
die unbegriffene1 schreckliche1
geheimnissvolle ,natur - als das ,reich
der ,freiheit1 der ,willkr1 der hheren
,macht erscheinen1 ja gleichsam als
eine bermenschliche ,stufe des ,daseins1
als ,gott4 ,nun aber fhlt jeder
,einzelne solcher ,zeiten und ,zustnde1
wie von jenen ,willkrlichkeiten der
,natur seine ,existenz1 sein ,glck1 das
der ,familie1 des ,staates1 das
,gelingen aller ,unternehmungen
abhngen3 einige ,naturvorgnge mssen zur
rechten ,zeit eintreten1 andere zur
rechten ,zeit ausbleiben4 ,wie kann man
einen ,einfluss auf diese furchtbaren
,unbekannten ausben1 wie kann man das
,reich der ,freiheit binden8 so fragt
er sich1 so forscht er ngstlich3 giebt
es denn keine ,mittel1 jene ,mchte
ebenso durch ein ,herkommen und ,gesetz
regelmssig zu machen1 wie du selber
regelmssig bist8 - ,das ,nachdenken der
magie- und wunderglubigen ,menschen
geht dahin1 der ,natur ein ,gesetz auf
zulegen -3 und kurz gesagt1 der religise
,cultus ist das ,ergebniss dieses
,nachdenkens4 ,das ,problem1 welches
jene ,menschen sich vorlegen1 ist auf
das engste verwandt mit diesem3 wie
kann der schwchere ,stamm dem strkeren
doch ,gesetze dictiren1 ihn bestimmen1
seine ,handlungen 7im ,verhalten zum
schwcheren7 leiten8 ,man wird zuerst
sich der harmlosesten ,art eines
,zwanges erinnern1 jenes ,zwanges1 den
man ausbt1 wenn man jemandes ,neigung
erworben hat4 ,durch ,flehen und
,gebete1 durch ,unterwerfung1 durch die
,verpflichtung zu regelmssigen ,abgaben
und ,geschenken1 durch schmeichelhafte
,verherrlichungen ist es also auch
mglich1 auf die ,mchte der ,natur einen
,zwang auszuben1 insofern man sie sich
geneigt macht3 ,liebe bindet und wird
gebunden4 ,dann kann man ,vertrge
schliessen1 wobei man sich zu
bestimmtem ,verhalten gegenseitig
verpflichtet1 ,pfnder stellt und
,schwre wechselt4 ,aber viel wichtiger
ist eine ,gattung gewaltsameren
,zwanges1 durch ,magie und ,zauberei4
,wie der ,mensch mit ,hlfe des
,zauberers einem strkeren ,feind doch zu
schaden weiss und ihn vor sich in
,angst erhlt1 wie der ,liebeszauber in
die ,ferne wirkt1 so glaubt der
schwchere ,mensch auch die mchtigeren
,geister der ,natur bestimmen zu knnen4
,das ,hauptmittel aller ,zauberei ist1
dass man ,etwas in ,gewalt bekommt1 das
jemandem zu eigen ist1 ,haare1 ,ngel1
etwas ,speise von seinem ,tisch1 ja
selbst sein ,bild1 seinen ,namen4 ,mit
solchem ,apparate kann man dann zaubern2
denn die ,grundvoraussetzung lautet3
zu allem ,geistigen gehrt etwas
,krperliches2 mit dessen ,hlfe vermag
man den ,geist zu binden1 zu ,schdigen1
zu vernichten2 das ,krperliche giebt
die ,handhabe ab1 mit der man das
,geistige fassen kann4 ,so wie nun der
,mensch den ,menschen bestimmt1 so
bestimmt er auch irgend einen
,naturgeist2 denn dieser hat auch sein
,krperliches1 an dem er zu fassen ist4
,der ,baum und1 verglichen mit ihm1 der
,keim1 aus dem er entstand1 - dieses
rthselhafte ,nebeneinander scheint zu
beweisen1 dass in beiden ,formen sich
ein und der selbe ,geist eingekrpert
habe1 bald klein1 bald gross4 ,ein
,stein1 der pltzlich rollt1 ist der
,leib1 in welchem ein ,geist wirkt2
liegt auf einsamer ,haide ein ,block1
erscheint es unmglich1 an ,menschenkraft
zu denken1 die ihn hierher gebracht
habe1 so muss also der ,stein sich
selbst hinbewegt haben1 das heisst3 er
muss einen ,geist beherbergen4 ,alles1
was einen ,leib hat1 ist der ,zauberei
zugnglich1 also auch die ,naturgeister4
,ist ein ,gott geradezu an sein ,bild
gebunden1 so kann man auch ganz
directen ,zwang 7durch ,verweigerung der
,opfernahrung1 ,geisseln1
in-,fesseln-,legen und ,aehnliches7
gegen ihn ausben4 ,die geringen ,leute
in ,china umwinden1 um die fehlende
,gunst ihres ,gottes zu ertrotzen1 das
,bild desselben1 der sie in ,stich
gelassen hat1 mit ,stricken1 reissen es
nieder1 schleifen es ber die ,strassen
durch ,lehm- und ,dngerhaufen2 du ,hund
von einem ,geiste1 sagen sie1 wir
liessen dich in einem prchtigen ,tempel
wohnen1 wir vergoldeten dich hbsch1 wir
ftterten dich gut1 wir brachten dir
,opfer und doch bist du so undankbar4
,aehnliche ,gewaltmaassregeln gegen
,heiligen- und ,muttergottesbilder1
wenn sie etwa bei ,pestilenzen oder
,regenmangel ihre ,schuldigkeit nicht
thun wollten1 sind noch whrend dieses
,jahrhunderts in katholischen ,lndern
vorgekommen4 - ,durch alle diese
zauberischen ,beziehungen zur ,natur
sind unzhlige ,ceremonien in's ,leben
gerufen3 und endlich1 wenn der ,wirrwarr
derselben zu gross geworden ist1 bemht
man sich1 sie zu ordnen1 zu
systematisiren1 so dass man den
gnstigen ,verlauf des gesammten ,ganges
der ,natur1 namentlich des grossen
,jahreskreislaufs1 sich durch einen
entsprechenden ,verlauf eines
,proceduren-,systems zu verbrgen meint4
,der ,sinn des religisen ,cultus' ist1
die ,natur zu menschlichem ,vortheil zu
bestimmen und zu bannen1 also ihr eine
,gesetzlichkeit einzuprgen1 die sie von
vornherein nicht hat2 whrend in der
jetzigen ,zeit man die ,gesetzlichkeit
der ,natur erkennen will1 um sich in sie
zu schicken4 ,kurz1 der religise
,cultus ruht auf den ,vorstellungen der
,zauberei zwischen ,mensch und ,mensch2
und der ,zauberer ist lter1 als der
,priester4 ,aber ebenso ruht er auf
anderen und edleren ,vorstellungen2 er
setzt das sympathische ,verhltniss von
,mensch zu ,mensch1 das ,dasein von
,wohlwollen1 ,dankbarkeit1 ,erhrung
,bittender1 von ,vertrgen zwischen
,feinden1 von ,verleihung der
,unterpfnder1 von ,anspruch auf ,schutz
des ,eigenthums voraus4 ,der ,mensch
steht auch in sehr niederen
,culturstufen nicht der ,natur als
ohnmchtiger ,sclave gegenber1 er ist
nicht nothwendig der willenlose ,knecht
derselben3 auf der griechischen ,stufe
der ,religion1 besonders im ,verhalten
zu den olympischen ,gttern1 ist sogar
an ein ,zusammenleben von zwei ,kasten1
einer vornehmeren1 mchtigeren und einer
weniger vornehmen zu denken2 aber beide
gehren1 ihrer ,herkunft nach1 irgendwie
zusammen und sind ,einer ,art1 sie
brauchen sich vor einander nicht zu
schmen4 ,das ist das ,vornehme in der
griechischen ,religiositt4 #aab4
,beim ,anblick gewisser antiker
,opfergerthschaften4 - ,wie manche
,empfindungen uns verloren gehen1 ist
zum ,beispiel an der ,vereinigung des
,possenhaften1 selbst des ,obscnen1 mit
dem religisen ,gefhl zu sehen3 die
,empfindung fr die ,mglichkeit dieser
,mischung schwindet1 wir begreifen es
nur noch historisch1 dass sie existirte1
bei den ,demeter- und ,dionysosfesten1
bei den christlichen ,osterspielen und
,mysterien3 aber auch wir kennen noch
das ,erhabene im ,bunde mit dem
,burlesken und dergleichen1 das ,rhrende
mit dem ,lcherlichen verschmolzen3 was
vielleicht eine sptere ,zeit auch nicht
mehr verstehen wird4 #aac4
,christenthum als ,alterthum4 - ,wenn
wir eines ,sonntag ,morgens die alten
,glocken brummen hren1 da fragen wir
uns3 ist es nur mglich6 diess gilt
einem vor zwei ,jahrtausenden
gekreuzigten ,juden1 welcher sagte1 er
sei ,gottes ,sohn4 ,der ,beweis fr eine
solche ,behauptung fehlt4 - ,sicherlich
ist innerhalb unserer ,zeiten die
christliche ,religion ein aus ferner
,vorzeit hereinragendes ,alterthum1 und
dass man jene ,behauptung glaubt1 -
whrend man sonst so streng in der
,prfung von ,ansprchen ist -1 ist
vielleicht das lteste ,stck dieses
,erbes4 ,ein ,gott1 der mit einem
sterblichen ,weibe ,kinder erzeugt2 ein
,weiser1 der auffordert1 nicht mehr zu
arbeiten1 nicht mehr ,gericht zu halten1
aber auf die ,zeichen des
bevorstehenden ,weltunterganges zu
achten2 eine ,gerechtigkeit1 die den
,unschuldigen als stellvertretendes
,opfer annimmt2 jemand1 der seine jnger
sein ,blut trinken heisst2 ,gebete um
,wundereingriffe2 ,snden an einem ,gott
verbt1 durch einen ,gott gebsst2
,furcht vor einem jenseits1 zu welchem
der ,tod die ,pforte ist2 die ,gestalt
des ,kreuzes als ,symbol inmitten einer
,zeit1 welche die ,bestimmung und die
,schmach des ,kreuzes nicht mehr kennt1
- wie schauerlich weht uns diess
,alles1 wie aus dem ,grabe uralter
,vergangenheit1 an6 ,sollte man glauben1
dass so ,etwas noch geglaubt wird8
#aad4 ,das ,ungriechische im
,christenthum4 - ,die ,griechen sahen
ber sich die homerischen ,gtter nicht
als ,herren und sich unter ihnen nicht
als ,knechte1 wie die ,juden4 ,sie
sahen gleichsam nur das ,spiegelbild der
gelungensten ,exemplare ihrer eigenen
,kaste1 also ein ,ideal1 keinen
,gegensatz des eigenen ,wesens4 ,man
fhlt sich mit einander verwandt1 es
besteht ein gegenseitiges ,interesse1
eine ,art ,symmachie4 ,der ,mensch
denkt vornehm von sich1 wenn er sich
solche ,gtter giebt1 und stellt sich in
ein ,verhltniss1 wie das des
niedrigeren ,adels zum hheren ist2
whrend die italischen ,vlker eine rechte
,bauern-,religion haben1 mit
fortwhrender ,aengstlichkeit gegen bse
und launische ,machtinhaber und
,qulgeister4 ,wo die olympischen ,gtter
zurcktraten1 da war auch das
griechische ,leben dsterer und
ngstlicher4 - ,das ,christenthum
dagegen zerdrckte und zerbrach den
,menschen vollstndig und versenkte ihn
wie in tiefen ,schlamm3 in das ,gefhl
vlliger ,verworfenheit liess es dann
mit ,einem ,male den ,glanz eines
gttlichen ,erbarmens hineinleuchten1 so
dass der ,ueberraschte1 durch ,gnade
,betubte1 einen ,schrei des ,entzckens
ausstiess und fr einen ,augenblick den
ganzen ,himmel in sich zu tragen
glaubte4 ,auf diesen krankhaften ,excess
des ,gefhls1 auf die dazu nthige tiefe
,kopf- und ,herz-,corruption wirken
alle psychologischen ,erfindungen des
,christenthums hin3 es will vernichten1
zerbrechen1 betuben1 berauschen1 es
will nur ,eins nicht3 das ,maass1 und
desshalb ist es im tiefsten ,verstande
barbarisch1 asiatisch1 unvornehm1
ungriechisch4 #aae4 ,mit
,vortheil religis sein4 - ,es giebt
nchterne und gewerbstchtige ,leute1
denen die ,religion wie ein ,saum hheren
,menschenthums angestickt ist3 diese
thun sehr wohl1 religis zu bleiben1 es
verschnert sie4 - ,alle ,menschen1
welche sich nicht auf irgend ein
,waffenhandwerk verstehen - ,mund und
,feder als ,waffen eingerechnet -
werden servil3 fr solche ist die
christliche ,religion sehr ntzlich1
denn die ,servilitt nimmt darin den
,anschein einer christlichen ,tugend an
und wird erstaunlich verschnert4 -
,leute1 welchen ihr tgliches ,leben zu
leer und eintnig vorkommt1 werden leicht
religis3 diess ist begreiflich und
verzeihlich1 nur haben sie kein ,recht1
,religiositt von ,denen zu fordern1
denen das tgliche ,leben nicht leer und
eintnig verfliesst4 #aaf4 ,der
,alltags-,christ4 - ,wenn das
,christenthum mit seinen ,stzen vom
rchenden ,gotte1 der allgemeinen
,sndhaftigkeit1 der ,gnadenwahl und der
,gefahr einer ewigen ,verdammniss1
,recht htte1 so wre es ein ,zeichen von
,schwachsinn und ,charakterlosigkeit1
nicht ,priester1 ,apostel oder
,einsiedler zu werden und mit ,furcht
und ,zittern einzig am eigenen ,heile
zu arbeiten2 es wre unsinnig1 den ewigen
,vortheil gegen die zeitliche
,bequemlichkeit so aus dem ,auge zu
lassen4 ,vorausgesetzt1 dass berhaupt
geglaubt wird1 so ist der
,alltags-,christ eine erbrmliche
,figur1 ein ,mensch1 der wirklich nicht
bis drei zhlen kann1 und der brigens1
gerade wegen seiner geistigen
,unzurechnungsfhigkeit1 es nicht
verdiente1 so hart bestraft zu werden1
als das ,christenthum ihm verheisst4
#aag4 ,von der ,klugheit des
,christenthums4 - ,es ist ein
,kunstgriff des ,christenthums1 die
vllige ,unwrdigkeit1 ,sndhaftigkeit und
,verchtlichkeit des ,menschen berhaupt
so laut zu lehren1 dass die ,verachtung
der ,mitmenschen dabei nicht mehr
mglich ist4 ,er mag sndigen1 wie er
wolle1 er unterscheidet sich doch nicht
wesentlich von mir3 ich bin es1 der in
jedem ,grade unwrdig und verchtlich
ist1 so sagt sich der ,christ4 ,aber
auch dieses ,gefhl hat seinen
spitzigsten ,stachel verloren1 weil der
,christ nicht an seine individuelle
,verchtlichkeit glaubt3 er ist bse als
,mensch berhaupt und beruhigt sich ein
,wenig bei dem ,satze3 ,wir ,alle sind
,einer ,art4 #aah4
,personenwechsel4 - ,sobald eine
,religion herrscht1 hat sie alle ,die zu
ihren ,gegnern1 welche ihre ersten
jnger gewesen wren4 #aai4
,schicksal des ,christenthums4 - ,das
,christenthum entstand1 um das ,herz zu
erleichtern2 aber jetzt msste es das
,herz erst beschweren1 um es nachher
erleichtern zu knnen4 ,folglich wird es
zu ,grunde gehen4 #abj4 ,der
,beweis der ,lust4 - ,die angenehme
,meinung wird als wahr angenommen3
diess ist der ,beweis der ,lust 7oder1
wie die ,kirche sagt1 der ,beweis der
,kraft71 auf welchen alle ,religionen so
stolz sind1 whrend sie sich dessen
doch schmen sollten4 ,wenn der ,glaube
nicht selig machte1 so wrde er nicht
geglaubt werden3 wie wenig wird er also
werth sein6 #aba4 ,gefhrliches
,spiel4 - ,wer jetzt der religisen
,empfindung wieder in sich ,raum giebt1
der muss sie dann auch wachsen lassen1
er kann nicht anders4 ,da verndert sich
allmhlich sein ,wesen1 es bevorzugt das
dem religisen ,element ,anhngende1
,benachbarte1 der ganze ,umkreis des
,urtheilens und ,empfindens wird umwlkt1
mit religisen ,schatten berflogen4
,die ,empfindung kann nicht still
stehen2 man nehme sich also in ,acht4
#abb4 ,die blinden ,schler4 - ,so
lange ,einer sehr gut die ,strke und1
,schwche seiner ,lehre1 seiner
,kunstart1 seiner ,religion kennt1 ist
deren ,kraft noch gering4 ,der ,schler
und ,apostel1 welcher fr die ,schwche
der ,lehre1 der ,religion und so weiter1
kein ,auge hat1 geblendet durch das
,ansehen des ,meisters und durch seine
,piett gegen ihn1 hat desshalb
gewhnlich mehr ,macht1 als der ,meister4
,ohne die blinden ,schler ist noch nie
der ,einfluss eines ,mannes und seines
,werkes gross geworden4 ,einer
,erkenntniss zum ,siege verhelfen heisst
oft nur3 sie so mit der ,dummheit
verschwistern1 dass das ,schwergewicht
der letzteren auch den ,sieg fr die
erstere erzwingt4 #abc4 ,abbruch
der ,kirchen4 - ,es ist nicht genug an
,religion in der ,welt1 um die
,religionen auch nur zu vernichten4
#abd4 ,sndlosigkeit des ,menschen4 -
,hat man begriffen1 wie die ,snde in
die ,welt gekommen ist1 nmlich durch
,irrthmer der ,vernunft1 vermge deren
die ,menschen unter einander1 ja der
einzelne ,mensch sich selbst fr viel
schwrzer und bser nimmt1 als es
thatschlich der ,fall ist1 so wird die
ganze ,empfindung sehr erleichtert1 und
,menschen und ,welt erscheinen mitunter
in einer ,glorie von ,harmlosigkeit1
dass es ,einem von ,grund aus wohl
dabei wird4 ,der ,mensch ist inmitten
der ,natur immer das ,kind an sich4
,diess ,kind trumt wohl einmal einen
schweren bengstigenden ,traum1 wenn es
aber die ,augen aufschlgt1 so sieht es
sich immer wieder im ,paradiese4
#abe4 ,irreligiositt der ,knstler4 -
,homer ist unter seinen ,gttern so zu
,hause3 und hat als ,dichter ein solches
,behagen an ihnen1 dass er jedenfalls
tief unreligis gewesen sein muss2 mit
dem1 was der ,volksglaube ihm
entgegenbrachte - einen drftigen1 rohen1
zum ,theil schauerlichen ,aberglauben
- verkehrte er so frei1 wie der
,bildhauer mit seinem ,thon1 also mit
der selben ,unbefangenheit1 welche
,aeschylus und ,aristophanes besassen
und durch welche sich in neuerer ,zeit
die grossen ,knstler der ,renaissance1
sowie ,shakespeare und ,goethe
auszeichneten4 #abf4 ,kunst und
,kraft der falschen ,interpretation4 -
,alle die ,visionen1 ,schrecken1
,ermattungen1 ,entzckungen des ,heiligen
sind bekannte ,krankheits-,zustnde1
welche von ihm1 auf ,grund
eingewurzelter religiser und
psychologischer ,irrthmer1 nur ganz
anders1 nmlich nicht als ,krankheiten1
gedeutet werden4 - ,so ist vielleicht
auch das ,dmonion des ,sokrates ein
,ohrenleiden1 das er sich1 gemss seiner
herrschenden moralischen ,denkungsart1
nur anders1 als es jetzt geschehen
wrde1 auslegt4 ,nicht anders steht es
mit dem ,wahnsinn und ,wahnreden der
,propheten und ,orakelpriester2 es ist
immer der ,grad von ,wissen1
,phantasie1 ,bestrebung1 ,moralitt in
,kopf und ,herz der ,interpreten1
welcher daraus so viel gemacht hat4 ,zu
den grssten ,wirkungen der ,menschen1
welche man ,genie's und ,heilige nennt1
gehrt es1 dass sie sich ,interpreten
erzwingen1 welche sie zum ,heile der
,menschheit missverstehen4 #abg4
,verehrung des ,wahnsinns4 - ,weil man
bemerkte1 dass eine ,erregung hufig den
,kopf heller machte und glckliche
,einflle hervorrief1 so meinte man1
durch die hchsten ,erregungen werde man
der glcklichsten ,einflle und
,eingebungen theilhaftig3 und so
verehrte man den ,wahnsinnigen als den
,weisen und ,orakelgebenden4 ,hier liegt
ein falscher ,schluss zu ,grunde4
#abh4 ,verheissungen der
,wissenschaft4 - ,die moderne
,wissenschaft hat als ,ziel3 so wenig
,schmerz wie mglich1 so lange leben wie
mglich1 - also eine ,art von ewiger
,seligkeit1 freilich eine sehr
bescheidene im ,vergleich mit den
,verheissungen der ,religionen4
#abi4 ,verbotene ,freigebigkeit4 -
,es ist nicht genug ,liebe und ,gte in
der ,welt1 um noch davon an
eingebildete ,wesen wegschenken zu
drfen4 #acj4 ,fortleben des
religisen ,cultus' im ,gemth4 - ,die
katholische ,kirche1 und vor ihr aller
antike ,cultus1 beherrschte das ganze
,bereich von ,mitteln1 durch welche der
,mensch in ungewhnliche ,stimmungen
versetzt wird und der kalten
,berechnung des ,vortheils oder dem
reinen ,vernunft-,denken entrissen
wird4 ,eine durch tiefe ,tne erzitternde
,kirche1 dumpfe1 regelmssige1
zurckhaltende ,anrufe einer
priesterlichen ,schaar1 welche ihre
,spannung unwillkrlich auf die
,gemeinde bertrgt und sie fast angstvoll
lauschen lsst1 wie als wenn eben ein
,wunder sich vorbereitete1 der ,anhauch
der ,architektur1 welche als ,wohnung
einer ,gottheit sich in's ,unbestimmte
ausreckt und in allen dunklen ,rumen
das ,sich-,regen derselben frchten lsst1
- wer wollte solche ,vorgnge den
,menschen zurckbringen1 wenn die
,voraussetzungen dazu nicht mehr
geglaubt werden8 ,aber die ,resultate
von dem ,allen sind trotzdem nicht
verloren3 die innere ,welt der
erhabenen1 gerhrten1 ahnungsvollen1
tiefzerknirschten1 hoffnungsseligen
,stimmungen ist den ,menschen
vornehmlich durch den ,cultus eingeboren
worden2 was jetzt davon in der ,seele
existirt1 wurde damals1 als er keimte1
wuchs und blhte1 gross gezchtet4
#aca4 ,religise ,nachwehen4 - ,glaubt
man sich noch so sehr der ,religion
entwhnt zu haben1 so ist es doch nicht
in dem ,grade geschehen1 dass man nicht
,freude htte1 religisen ,empfindungen
und ,stimmungen ohne begrifflichen
,inhalt zu begegnen1 zum ,beispiel in
der ,musik2 und wenn eine ,philosophie
uns die ,berechtigung von metaphysischen
,hoffnungen1 von dem dorther zu
erlangenden tiefen ,frieden der ,seele
aufzeigt und zum ,beispiel von dem
ganzen sichern ,evangelium im ,blick der
,madonnen bei ,rafael spricht1 so
kommen wir solchen ,aussprchen und
,darlegungen mit besonders herzlicher
,stimmung entgegen3 der ,philosoph hat
es hier leichter1 zu beweisen1 er
entspricht mit dem1 was er geben will1
einem ,herzen1 welches gern nehmen
will4 ,daran bemerkt man1 wie die
weniger bedachtsamen ,freigeister
eigentlich nur an den ,dogmen ,anstoss
nehmen1 aber recht wohl den ,zauber der
religisen ,empfindung kennen2 es thut
ihnen wehe1 letztere fahren zu lassen1
um der ersteren willen4 - ,die
wissenschaftliche ,philosophie muss sehr
auf der ,hut sein1 nicht auf ,grund
jenes ,bedrfnisses - eines gewordenen
und folglich auch vergnglichen
,bedrfnisses - ,irrthmer
einzuschmuggeln3 selbst ,logiker
sprechen von ,ahnungen der ,wahrheit in
,moral und ,kunst 7zum ,beispiel von
der ,ahnung1 dass das ,wesen der ,dinge
,eins ist73 was ihnen doch verboten
sein sollte4 ,zwischen den sorgsam
erschlossenen ,wahrheiten und solchen
geahnten ,dingen bleibt unberbrckbar die
,kluft1 dass jene dem ,intellect1
diese dem ,bedrfniss verdankt werden4
,der ,hunger beweist nicht1 dass es zu
seiner ,sttigung eine ,speise giebt1
aber er wnscht die ,speise4 ,ahnen
bedeutet nicht das ,dasein einer ,sache
in irgend einem ,grade erkennen1
sondern dasselbe fr mglich halten1
insofern man sie wnscht oder frchtet2
die ,ahnung trgt keinen ,schritt weit
in's ,land der ,gewissheit4 - ,man
glaubt unwillkrlich1 die religis
gefrbten ,abschnitte einer ,philosophie
seien besser bewiesen1 als die anderen2
aber es ist im ,grunde umgekehrt1 man
hat nur den inneren ,wunsch1 dass es so
sein mge1 - also dass das ,beseligende
auch das ,wahre sei4 ,dieser ,wunsch
verleitet uns1 schlechte ,grnde als gute
einzukaufen4 #acb4 ,von dem
christlichen ,erlsungsbedrfniss4 - ,bei
sorgsamer ,ueberlegung muss es mglich
sein1 dem ,vorgange in der ,seele eines
,christen1 welchen man
,erlsungsbedrfniss nennt1 eine ,erklrung
abzugewinnen1 die frei von ,mythologie
ist3 also eine rein psychologische4
,bis jetzt sind freilich die
psychologischen ,erklrungen religiser
,zustnde und ,vorgnge in einigem
,verrufe gewesen1 insoweit eine sich
frei nennende ,theologie auf diesem
,gebiete ihr unerspriessliches ,wesen
trieb3 denn bei ihr war es von
vornherein1 sowie es der ,geist ihres
,stifters1 ,schleiermacher's1 vermuthen
lsst1 auf die ,erhaltung der
christlichen ,religion und das
,fortbestehen der christlichen
,theologen abgesehen2 als welche in der
psychologischen ,analysis der religisen
,thatsachen einen neuen ,ankergrund
und vor ,allem eine neue ,beschftigung
gewinnen sollten4 ,unbeirrt von solchen
,vorgngern1 wagen wir folgende
,auslegung des bezeichneten ,phnomens4
,der ,mensch ist sich gewisser
,handlungen bewusst1 welche in der
gebruchlichen ,rangordnung der
,handlungen tief stehen1 ja er entdeckt
in sich einen ,hang zu dergleichen
,handlungen1 der ihm fast so
unvernderlich wie sein ganzes ,wesen
erscheint4 ,wie gerne versuchte er sich
in jener anderen ,gattung von
,handlungen1 welche in der allgemeinen
,schtzung als die obersten und hchsten
anerkannt sind1 wie gerne fhlte er sich
voll des guten ,bewusstseins1 welches
einer selbstlosen ,denkweise folgen
soll6 ,leider aber bleibt es eben bei
diesem ,wunsche3 die ,unzufriedenheit
darber1 demselben nicht gengen zu
knnen1 kommt zu allen brigen ,arten von
,unzufriedenheit hinzu1 welche sein
,lebensloos berhaupt oder die ,folgen
jener bse genannten ,handlungen in ihm
erregt haben2 so dass eine tiefe
,verstimmung entsteht1 mit dem
,ausblicke nach einem ,arzte1 der diese1
und alle ihre ,ursachen1 zu heben
vermchte4 - ,dieser ,zustand wrde nicht
so bitter empfunden werden1 wenn der
,mensch sich nur mit anderen ,menschen
unbefangen vergliche3 dann nmlich htte
er keinen ,grund1 mit sich in einem
besonderen ,maasse unzufrieden zu sein1
er trge eben nur an der allgemeinen
,last der menschlichen ,unbefriedigung
und ,unvollkommenheit4 ,aber er
vergleicht sich mit einem ,wesen1
welches allein jener ,handlungen fhig
ist1 die unegoistisch genannt werden1
und im fortwhrenden ,bewusstsein einer
selbstlosen ,denkweise lebt1 mit ,gott2
dadurch1 dass er in diesen hellen
,spiegel schaut1 erscheint ihm sein
,wesen so trbe1 so ungewhnlich verzerrt4
,sodann ngstigt ihn der ,gedanke an
das selbe ,wesen1 insofern dieses als
strafende ,gerechtigkeit vor seiner
,phantasie schwebt3 in allen mglichen
kleinen und grossen ,erlebnissen glaubt
er seinen ,zorn1 seine ,drohung zu
erkennen1 ja die ,geisselschlge seines
,richter- und ,henkerthums schon
vorzuempfinden4 ,wer hilft ihm in dieser
,gefahr1 welche durch den ,hinblick
auf eine unermessliche ,zeitdauer der
,strafe an ,grsslichkeit alle anderen
,schrecknisse der ,vorstellung
berbietet8 #acc4 ,bevor wir
diesen ,zustand in seinen weiteren
,folgen uns vorlegen1 wollen wir es
doch uns eingestehen1 dass der ,mensch
in diesen ,zustand nicht durch seine
,schuld und ,snde1 sondern durch eine
,reihe von ,irrthmern der ,vernunft
gerathen ist1 dass es der ,fehler des
,spiegels war1 wenn ihm sein ,wesen in
jenem ,grade dunkel und hassenswerth
vorkam1 und dass jener ,spiegel sein
,werk1 das sehr unvollkommene ,werk der
menschlichen ,phantasie und
,urtheilskraft war4 ,erstens ist ein
,wesen1 welches einzig rein
unegoistischer ,handlungen fhig wre1
noch fabelhafter als der ,vogel ,phnix2
es ist deutlich nicht einmal
vorzustellen1 schon desshalb1 weil der
ganze ,begriff unegoistische ,handlung
bei strenger ,untersuchung in die ,luft
verstiebt4 ,nie hat ein ,mensch ,etwas
gethan1 das allein fr ,andere und ohne
jeden persnlichen ,beweggrund gethan
wre2 ja wie sollte er ,etwas thun knnen1
das ohne ,bezug zu ihm wre1 also ohne
innere ,nthigung 7welche ihren ,grund
doch in einem persnlichen ,bedrfniss
haben msste78 ,wie vermchte das ego
ohne ego zu handeln8 - ,ein ,gott1 der
dagegen ganz ,liebe ist1 wie
gelegentlich angenommen wird1 wre keiner
einzigen unegoistischen ,handlung
fhig3 wobei man sich an einen ,gedanken
,lichtenberg's1 der freilich einer
niedrigeren ,sphre entnommen ist1
erinnern sollte3 ,wir knnen unmglich fr
,andere fhlen1 wie man zu sagen pflegt2
wir fhlen nur fr uns4 ,der ,satz
klingt hart1 er ist es aber nicht1 wenn
er nur recht verstanden wird4 ,man liebt
weder ,vater1 noch ,mutter1 noch
,frau1 noch ,kind1 sondern die
angenehmen ,empfindungen1 die sie uns
machen1 oder wie ,la ,rochefoucauld
sagt3 si on croit aimer sa matresse
pour l'amour d'elle1 on est bien
trompe'4 ,wesshalb ,handlungen der
,liebe hher geschtzt werden1 als andere1
nmlich nicht ihres ,wesens1 sondern
ihrer ,ntzlichkeit halber1 darber
vergleiche man die schon vorher
erwhnten ,untersuchungen ber den
,ursprung der moralischen
,empfindungen4 ,sollte aber ein ,mensch
wnschen1 ganz wie jener ,gott1 ,liebe
zu sein1 ,alles fr ,andere1 ,nichts fr
sich zu thun1 zu wollen1 so ist
letzteres schon desshalb unmglich1 weil
er sehr viel fr sich thun muss1 um
berhaupt ,anderen ,etwas zu ,liebe thun
zu knnen4 ,sodann setzt es voraus1 dass
der ,andere ,egoist genug ist1 um jene
,opfer1 jenes ,leben fr ihn1 immer und
immer wieder anzunehmen3 so dass die
,menschen der ,liebe und ,aufopferung
ein ,interesse an dem ,fortbestehen der
liebelosen und aufopferungsunfhigen
,egoisten haben1 und die hchste
,moralitt1 um bestehen zu knnen1 frmlich
die ,existenz der ,unmoralitt
erzwingen msste 7wodurch sie sich
freilich selber aufheben wrde74 -
,weiter4 die ,vorstellung eines ,gottes
beunruhigt und demthigt so lange1 als
sie geglaubt wird1 aber wie sie
entstanden ist1 darber kann bei dem
jetzigen ,stande der
vlkervergleichenden ,wissenschaft kein
,zweifel mehr sein2 und mit der
,einsicht in jene ,entstehung fllt jener
,glaube dahin4 ,es geht dem ,christen1
welcher sein ,wesen mit dem ,gotte
vergleicht1 so1 wie dem ,don ,quixote1
der seine eigne ,tapferkeit unterschtzt1
weil er die ,wunderthaten der ,helden
aus den ,ritterromanen im ,kopfe hat2
der ,maassstab1 mit welchem in beiden
,fllen gemessen wird1 gehrt in's ,reich
der ,fabel4 ,fllt aber die ,vorstellung
des ,gottes weg1 so auch das ,gefhl
der ,snde als eines ,vergehens gegen
gttliche ,vorschriften1 als eines
,fleckens an einem gottgeweihten
,geschpfe4 ,dann bleibt wahrscheinlich
noch jener ,unmuth brig1 welcher mit
der ,furcht vor ,strafen der weltlichen
,gerechtigkeit1 oder vor der
,missachtung der ,menschen1 sehr
verwachsen und verwandt ist2 der ,unmuth
der ,gewissensbisse1 der schrfste
,stachel im ,gefhl der ,schuld1 ist
immerhin abgebrochen1 wenn man einsieht1
dass man sich durch seine ,handlungen
wohl gegen menschliches ,herkommen1
menschliche ,satzungen und ,ordnungen
vergangen habe1 aber damit noch nicht
das ewige ,heil der ,seele und ihre
,beziehung zur ,gottheit gefhrdet habe4
,gelingt es dem ,menschen zuletzt noch1
die philosophische ,ueberzeugung von
der unbedingten ,nothwendigkeit aller
,handlungen und ihrer vlligen
,unverantwortlichkeit zu gewinnen und in
,fleisch und ,blut aufzunehmen1 so
verschwindet auch jener ,rest von
,gewissensbissen4 #acd4 ,ist nun
der ,christ1 wie gesagt1 durch einige
,irrthmer in das ,gefhl der
,selbstverachtung gerathen1 also durch
eine falsche unwissenschaftliche
,auslegung seiner ,handlungen und
,empfindungen1 so muss er mit hchstem
,erstaunen bemerken1 wie jener ,zustand
der ,verachtung1 der ,gewissensbisse1
der ,unlust berhaupt1 nicht anhlt1 wie
gelegentlich ,stunden kommen1 wo ihm
dies ,alles von der ,seele weggeweht
ist und er sich wieder frei und muthig
fhlt4 ,in ,wahrheit hat die ,lust an
sich selber das ,wohlbehagen an der
eigenen ,kraft1 im ,bunde mit der
nothwendigen ,abschwchung jeder tiefen
,erregung1 den ,sieg davongetragen2 der
,mensch liebt sich wieder1 er fhlt es1
- aber gerade diese ,liebe1 diese neue
,selbstschtzung1 kommt ihm unglaublich
vor1 er kann in ihr allein das gnzlich
unverdiente ,herabstrmen eines
,gnadenglanzes von ,oben sehen4 ,wenn er
frher in allen ,begebnissen
,warnungen1 ,drohungen1 ,strafen und
jede ,art von ,anzeichen des gttlichen
,zornes zu erblicken glaubte1 so deutet
er jetzt in seine ,erfahrungen die
gttliche ,gte hinein3 diess ,ereigniss
kommt ihm liebevoll1 jenes wie ein
hlfreicher ,fingerzeig1 ein drittes und
namentlich seine ganze freudige
,stimmung als ,beweis vor1 dass ,gott
gndig sei4 ,wie er frher im ,zustande
des ,unmuthes namentlich seine
,handlungen falsch ausdeutete1 so jetzt
namentlich seine ,erlebnisse2 die
getrstete ,stimmung fasst er als
,wirkung einer ausser ihm waltenden
,macht auf1 die ,liebe1 mit der er sich
im ,grunde selbst liebt1 erscheint als
gttliche ,liebe2 ,das1 was er ,gnade und
,vorspiel der ,erlsung nennt1 ist in
,wahrheit ,selbstbegnadigung1
,selbsterlsung4 #ace4 ,also3
eine bestimmte falsche ,psychologie1
eine gewisse ,art von ,phantastik in
der ,ausdeutung der ,motive und
,erlebnisse ist die nothwendige
,voraussetzung davon1 dass ,einer zum
,christen werde und das ,bedrfniss der
,erlsung empfinde4 ,mit der ,einsicht in
diese ,verirrung der ,vernunft und
,phantasie hrt man auf1 ,christ zu sein4
#acf4 ,von der christlichen
,askese und ,heiligkeit4 - ,so sehr
einzelne ,denker sich bemht haben1 in
den seltenen ,erscheinungen der
,moralitt1 welche man ,askese und
,heiligkeit zu nennen pflegt1 ein
,wunderding hinzustellen1 dem die
,leuchte einer vernnftigen ,erklrung
in's ,gesicht zu halten1 beinahe schon
,frevel und ,entweihung sei3 so stark
ist hinwiederum die ,verfhrung zu diesem
,frevel4 ,ein mchtiger ,antrieb der
,natur hat zu allen ,zeiten dazu gefhrt1
gegen jene ,erscheinungen berhaupt zu
protestiren2 die ,wissenschaft1 insofern
sie1 wie frher gesagt1 eine
,nachahmung der ,natur ist1 erlaubt sich
wenigstens gegen die behauptete
,unerklrbarkeit1 ja ,unnahbarkeit
derselben ,einsprache zu erheben4
,freilich gelang es ihr bis jetzt nicht3
jene ,erscheinungen sind immer noch
unerklrt1 zum grossen ,vergngen der
erwhnten ,verehrer des
moralisch-,wunderbaren4 ,denn1 allgemein
gesprochen3 das ,unerklrte soll
durchaus unerklrlich1 das ,unerklrliche
durchaus unnatrlich1 bernatrlich1
wunderhaft sein1 - so lautet die
,forderung in den ,seelen aller
,religisen und ,metaphysiker 7auch der
,knstler1 falls sie zugleich ,denker
sind72 whrend der wissenschaftliche
,mensch in dieser ,forderung das bse
,princip sieht4 - ,die allgemeine erste
,wahrscheinlichkeit1 auf welche man bei
,betrachtung der ,askese und
,heiligkeit zuerst gerth1 ist diese1
dass ihre ,natur eine complicirte ist3
denn fast berall1 innerhalb der
physischen ,welt sowohl wie in der
moralischen1 hat man mit ,glck das
angeblich ,wunderbare auf das
,complicirte und mehrfach ,bedingte
zurckgefhrt4 ,wagen wir es also1
einzelne ,antriebe in der ,seele der
,heiligen und ,asketen zunchst zu
isoliren und zum ,schluss sie in
einander uns verwachsen zu denken4
#acg4 ,es giebt einen ,trotz gegen
sich selbst1 zu dessen sublimirtesten
,aeusserungen manche ,formen der ,askese
gehren4 ,gewisse ,menschen haben
nmlich ein so hohes ,bedrfniss1 ihre
,gewalt und ,herrschsucht auszuben1
dass sie1 in ,ermangelung anderer
,objecte1 oder1 weil es ihnen sonst
immer misslungen ist1 endlich darauf
verfallen1 gewisse ,theile ihres
eigenen ,wesens1 gleichsam ,ausschnitte
oder ,stufen ihrer selbst1 zu
tyrannisiren4 ,so bekennt sich mancher
,denker zu ,ansichten1 welche
ersichtlich nicht dazu dienen1 seinen
,ruf zu vermehren oder zu verbessern2
mancher beschwrt frmlich die
,missachtung ,anderer auf sich herab1
whrend er es leicht htte1 durch
,stillschweigen ein geachteter ,mann zu
bleiben2 andere widerrufen frhere
,meinungen und scheuen es nicht1
frderhin inconsequent genannt zu werden3
im ,gegentheil1 sie bemhen sich darum
und benehmen sich wie bermthige
,reiter1 welche das ,pferd1 erst wenn es
wild geworden1 mit ,schweiss bedeckt1
scheu gemacht ist1 am liebsten mgen4 ,so
steigt der ,mensch auf gefhrlichen
,wegen in die hchsten ,gebirge1 um ber
seine ,aengstlichkeit und seine
schlotternden ,kniee ,hohn zu lachen2 so
bekennt sich der ,philosoph zu
,ansichten der ,askese1 ,demuth und
,heiligkeit1 in deren ,glanze sein
eigenes ,bild auf das rgste verhsslicht
wird4 ,dieses ,zerbrechen seiner
selbst1 dieser ,spott ber die eigene
,natur1 dieses spernere se sperni1 aus
dem die ,religionen so viel gemacht
haben1 ist eigentlich ein sehr hoher
,grad der ,eitelkeit4 ,die ganze ,moral
der ,bergpredigt gehrt hierher3 der
,mensch hat eine wahre ,wollust darin1
sich durch bertriebene ,ansprche zu
vergewaltigen und dieses tyrannisch
fordernde ,etwas in seiner ,seele
nachher zu vergttern4 ,in jeder
asketischen ,moral betet der ,mensch
einen ,theil von sich als ,gott an und
hat dazu nthig1 den brigen ,theil zu
diabolisiren4 - #ach4 ,der
,mensch ist nicht zu allen ,stunden
gleich moralisch1 diess ist bekannt3
beurtheilt man seine ,moralitt nach der
,fhigkeit zu grosser aufopfernder
,entschliessung und ,selbstverleugnung
7welche1 dauernd und zur ,gewohnheit
geworden1 ,heiligkeit ist71 so ist er im
,affect am moralischsten2 die hhere
,erregung reicht ihm ganz neue ,motive
dar1 welcher er1 nchtern und kalt wie
sonst1 vielleicht nicht einmal fhig zu
sein glaubte4 ,wie kommt diess8
,wahrscheinlich aus der ,nachbarschaft
alles ,grossen und hoch ,erregenden2 ist
der ,mensch einmal in eine
ausserordentliche ,spannung gebracht1 so
kann er ebensowohl zu einer
furchtbaren ,rache1 als zu einer
furchtbaren ,brechung seines
,rachebedrfnisses sich entschliessen4
,er will1 unter dem ,einflusse der
gewaltigen ,emotion1 jedenfalls das
,grosse1 ,gewaltige1 ,ungeheure1 und
wenn er zufllig merkt1 dass ihm die
,aufopferung seiner selbst ebenso oder
noch mehr genugthut1 als die ,opferung
des ,anderen1 so whlt er sie4
,eigentlich liegt ihm also nur an der
,entladung seiner ,emotion2 da fasst er
wohl1 um seine ,spannung zu
erleichtern1 die ,speere der ,feinde
zusammen und begrbt sie in seine ,brust4
,dass in der ,selbstverleugnung1 und
nicht nur in der ,rache1 etwas ,grosses
liege1 musste der ,menschheit erst in
langer ,gewhnung anerzogen werden2 eine
,gottheit1 welche sich selbst opfert1
war das strkste und wirkungsvollste
,symbol dieser ,art von ,grsse4 ,als die
,besiegung des schwerst zu besiegenden
,feindes1 die pltzliche ,bemeisterung
eines ,affectes1 - als ,diess erscheint
diese ,verleugnung2 und insofern gilt
sie als der ,gipfel des ,moralischen4
,in ,wahrheit handelt es sich bei ihr
um die ,vertauschung der einen
,vorstellung mit der andern1 whrend das
,gemth seine gleiche ,hhe1 seinen
gleichen ,fluthstand1 behlt4
,ernchterte1 vom ,affect ausruhende
,menschen verstehen die ,moralitt jener
,augenblicke nicht mehr1 aber die
,bewunderung ,aller1 die jene
miterlebten1 hlt sie aufrecht2 der
,stolz ist ihr ,trost1 wenn der ,affect
und das ,verstndniss ihrer ,that
weicht4 ,also3 im ,grunde sind auch
jene ,handlungen der ,selbstverleugnung
nicht moralisch1 insofern sie nicht
streng in ,hinsicht auf ,andere gethan
sind2 vielmehr giebt der ,andere dem
hochgespannten ,gemthe nur eine
,gelegenheit1 sich zu erleichtern1
durch jene ,verleugnung4 #aci4
,in mancher ,hinsicht sucht sich auch
der ,asket das ,leben leicht zu machen1
und zwar gewhnlich durch die
vollkommene ,unterordnung unter einen
fremden ,willen oder unter ein
umfngliches ,gesetz und ,ritual2 etwa
in der ,art1 wie der ,brahmane durchaus
,nichts seiner eigenen ,bestimmung
berlsst und sich in jeder ,minute durch
eine heilige ,vorschrift bestimmt4
,diese ,unterordnung ist ein mchtiges
,mittel1 um ber sich ,herr zu werden2
man ist beschftigt1 also ohne
,langeweile1 und hat doch keine
,anregung des ,eigenwillens und der
,leidenschaft dabei2 nach vollbrachter
,that fehlt das ,gefhl der
,verantwortung und damit die ,qual der
,reue4 ,man hat ein fr alle ,mal auf
eigenen ,willen verzichtet1 und diess
ist leichter1 als nur gelegentlich
einmal zu verzichten2 sowie es auch
leichter ist1 einer ,begierde ganz zu
entsagen1 als in ihr ,maass zu halten4
,wenn wir uns der jetzigen ,stellung
des ,mannes zum ,staate erinnern1 so
finden wir auch da1 dass der unbedingte
,gehorsam bequemer ist1 als der
bedingte4 ,der ,heilige also
erleichtert sich durch jenes vllige
,aufgeben der ,persnlichkeit sein
,leben1 und man tuscht sich1 wenn man in
jenem ,phnomen das hchste ,heldenstck
der ,moralitt bewundert4 ,es ist in
jedem ,falle schwerer1 seine
,persnlichkeit ohne ,schwanken und
,unklarheit durchzusetzen1 als sich von
ihr in der erwhnten ,weise zu lsen2
berdiess verlangt es viel mehr ,geist
und ,nachdenken4 #adj4 ,nachdem
ich1 in vielen der schwerer erklrbaren
,handlungen1 ,aeusserungen jener ,lust
an der ,emotion an sich gefunden habe1
mchte ich auch in ,betreff der
,selbstverachtung1 welche zu den
,merkmalen der ,heiligkeit gehrt1 und
ebenso in den ,handlungen der
,selbstqulerei 7durch ,hunger und
,geisselschlge1 ,verrenkungen der
,glieder1 ,erheuchelung des ,wahnsinns7
ein ,mittel erkennen1 durch welches
jene ,naturen gegen die allgemeine
,ermdung ihres ,lebenswillens 7ihrer
,nerven7 ankmpfen3 sie bedienen sich der
schmerzhaftesten ,reizmittel und
,grausamkeiten1 um fr ,zeiten wenigstens
aus jener ,dumpfheit und ,langenweile
aufzutauchen1 in welche ihre grosse
geistige ,indolenz und jene
geschilderte ,unterordnung unter einen
fremden ,willen sie so hufig verfallen
lsst4 #ada4 ,das gewhnlichste
,mittel1 welches der ,asket und ,heilige
anwendet1 um sich das ,leben doch noch
ertrglich und unterhaltend zu machen1
besteht in gelegentlichem ,kriegfhren
und in dem ,wechsel von ,sieg und
,niederlage4 ,dazu braucht er einen
,gegner und findet ihn in dem
sogenannten inneren ,feinde4 ,namentlich
ntzt er seinen ,hang zur ,eitelkeit1
,ehr- und ,herrschsucht1 sodann seine
sinnlichen ,begierden aus1 um sein
,leben wie eine fortgesetzte ,schlacht
und sich wie ein ,schlachtfeld ansehen
zu drfen1 auf dem gute und bse ,geister
mit wechselndem ,erfolge ringen4
,bekanntlich wird die sinnliche
,phantasie durch die ,regelmssigkeit
des geschlechtlichen ,verkehrs gemssigt1
ja fast unterdrckt1 umgekehrt1 durch
,enthaltsamkeit oder ,unordnung im
,verkehre entfesselt und wst4 ,die
,phantasie vieler christlichen
,heiligen war in ungewhnlichem ,maasse
schmutzig2 vermge jener ,theorie1 dass
diese ,begierden wirkliche ,dmonen
seien1 die in ihnen wtheten1 fhlten sie
sich nicht allzusehr verantwortlich
dabei2 diesem ,gefhle verdanken wir die
so belehrende ,aufrichtigkeit ihrer
,selbstzeugnisse4 ,es war in ihrem
,interesse1 dass dieser ,kampf in
irgend einem ,grade immer unterhalten
wurde1 weil durch ihn1 wie gesagt1 ihr
des ,leben unterhalten wurde4 ,damit der
,kampf aber wichtig genug erscheine1
um andauernde ,theilnahme und
,bewunderung bei den ,nicht-,heiligen
zu erregen1 musste die ,sinnlichkeit
immer mehr verketzert und gebrandmarkt
werden1 ja die ,gefahr ewiger
,verdammnis wurde so eng an diese
,dinge geknpft1 dass hchstwahrscheinlich
durch ganze ,zeitalter hindurch die
,christen mit bsem ,gewissen ,kinder
zeugten2 wodurch gewiss der ,menschheit
ein grosser ,schade angethan worden
ist4 ,und doch steht hier die ,wahrheit
ganz auf dem ,kopfe3 was fr die
,wahrheit besonders unschicklich ist4
,zwar hatte das ,christenthum gesagt3
jeder ,mensch sei in ,snden empfangen
und geboren1 und im unausstehlichen
,superlativ-,christenthume des ,calderon
hatte sich dieser ,gedanke noch einmal
zusammengeknotet und verschlungen1 so
dass er die verdrehteste ,paradoxie
wagte1 die es giebt1 in dem bekannten
,verse3 die grsste ,schuld des
,menschen ist1 dass er geboren
ward4 ,in allen pessimistischen
,religionen wird der ,zeugungsact als
schlecht an sich empfunden1 aber
keineswegs ist diese ,empfindung eine
allgemein-menschliche2 selbst nicht
einmal das ,urtheil aller ,pessimisten
ist sich hierin gleich4 ,empedokles zum
,beispiel weiss gar ,nichts vom
,beschmenden1 ,teuflischen1 ,sndhaften
in allen erotischen ,dingen2 er sieht
vielmehr auf der grossen ,wiese des
,unheils eine einzige heil- und
hoffnungsvolle ,erscheinung1 die
,aphrodite2 sie gilt ihm als
,brgschaft1 dass der ,streit nicht ewig
herrschen1 sondern einem milderen ,dmon
einmal das ,scepter berreichen werde4
,die christlichen ,pessimisten der
,praxis hatten1 wie gesagt1 ein
,interesse daran1 dass eine andere
,meinung in der ,herrschaft blieb2 sie
brauchten fr die ,einsamkeit und die
geistige ,wstenei ihres ,lebens einen
immer lebendigen ,feind3 und einen
allgemein anerkannten ,feind1 durch
dessen ,bekmpfung und ,ueberwltigung
sie dem ,nicht-,heiligen sich immer von
,neuem wieder als halb unbegreifliche1
bernatrliche ,wesen darstellten4 ,wenn
dieser ,feind endlich1 in ,folge ihrer
,lebensweise und ihrer zerstrten
,gesundheit1 die ,flucht fr immer
ergriff1 so verstanden sie es sofort1
ihr ,inneres mit neuen ,dmonen bevlkert
zu sehen4 ,das ,auf- und
,niederschwanken der ,wagschalen
,hochmuth und ,demuth unterhielt ihre
grbelnden ,kpfe so gut1 wie der ,wechsel
von ,begierde und ,seelenruhe4 ,damals
diente die ,psychologie dazu1 alles
,menschliche nicht nur zu verdchtigen1
sondern zu lstern1 zu geisseln1 zu
kreuzigen2 man wollte sich mglichst
schlecht und bse finden1 man suchte die
,angst um das ,heil der ,seele1 die
,verzweiflung an der eignen ,kraft4
,alles ,natrliche1 an welches der
,mensch die ,vorstellung des
,schlechten1 ,sndhaften anhngt 7wie er
es zum ,beispiel noch jetzt in ,betreff
des ,erotischen gewhnt ist71 belstigt1
verdstert die ,phantasie1 giebt einen
scheuen ,blick1 lsst den ,menschen mit
sich selber hadern und macht ihn
unsicher und vertrauenslos2 selbst seine
,trume bekommen einen ,beigeschmack
des gequlten ,gewissens4 ,und doch ist
dieses ,leiden am ,natrlichen in der
,realitt der ,dinge vllig unbegrndet3
es ist nur die ,folge von ,meinungen ber
die ,dinge4 ,man erkennt leicht1 wie
die ,menschen dadurch schlechter werden1
dass sie das unvermeidlich-,natrliche
als schlecht bezeichnen und spter immer
als so beschaffen empfinden4 ,es ist der
,kunstgriff der ,religion und jener
,metaphysiker1 welche den ,menschen als
bse und sndhaft von ,natur wollen1 ihm
die ,natur zu verdchtigen und so ihn
selber schlecht zu machen3 denn so
lernt er sich als schlecht empfinden1 da
er das ,kleid der ,natur nicht
ausziehen kann4 ,allmhlich fhlt er sich1
bei einem langen ,leben im
,natrlichen1 von einer solchen ,last von
,snden bedrckt1 dass bernatrliche
,mchte nthig werden1 um diese ,last
heben zu knnen2 und damit ist das schon
besprochene ,erlsungsbedrfniss auf den
,schauplatz getreten1 welches gar keiner
wirklichen1 sondern nur einer
eingebildeten ,sndhaftigkeit entspricht4
,man gehe die einzelnen moralischen
,aufstellungen der ,urkunden des
,christenthums durch und man wird berall
finden1 dass die ,anforderungen
berspannt sind1 damit der ,mensch ihnen
nicht gengen knne2 die ,absicht ist
nicht1 dass er moralischer werde1
sondern dass er sich mglichst sndhaft
fhle4 ,wenn dem ,menschen diess ,gefhl
nicht angenehm gewesen wre1 - wozu htte
er eine solche ,vorstellung erzeugt
und sich so lange an sie gehngt8 ,wie in
der antiken ,welt eine unermessliche
,kraft von ,geist und ,erfindungsgabe
verwendet worden ist1 um die ,freude am
,leben durch festliche ,culte zu
mehren3 so ist in der ,zeit des
,christenthums ebenfalls unermesslich
viel ,geist einem andern ,streben
geopfert worden3 der ,mensch sollte auf
alle ,weise sich sndhaft fhlen und
dadurch berhaupt erregt1 belebt1 beseelt
werden4 ,erregen1 beleben1 beseelen1
um jeden ,preis - ist das nicht das
,losungswort einer erschlafften1
berreifen1 bercultivirten ,zeit8 ,der
,kreis aller natrlichen ,empfindungen
war hundertmal durchlaufen1 die ,seele
war ihrer mde geworden3 da erfanden der
,heilige und der ,asket eine neue
,gattung von ,lebensreizen4 ,sie
stellten sich vor ,aller ,augen hin1
nicht eigentlich zur ,nachahmung fr
,viele1 sondern als schauderhaftes und
doch entzckendes ,schauspiel1 welches an
jenen ,grnzen zwischen ,welt und
,ueberwelt aufgefhrt wurde1 wo
,jedermann damals bald himmlische
,lichtblicke1 bald unheimliche1 aus der
,tiefe lodernde ,flammenzungen zu
erblicken glaubte4 ,das ,auge des
,heiligen1 hingerichtet auf die in
jedem ,betracht furchtbare ,bedeutung
des kurzen ,erdenlebens1 auf die ,nhe
der letzten ,entscheidung ber endlose
neue ,lebensstrecken1 diess verkohlende
,auge1 in einem halb vernichteten
,leibe1 machte die ,menschen der alten
,welt bis in alle ,tiefen erzittern2
hinblicken1 schaudernd wegblicken1 von
,neuem den ,reiz des ,schauspiels
spren1 ihm nachgeben1 sich an ihm
ersttigen1 bis die ,seele in ,gluth und
,fieberfrost erbebt1 - das war die
letzte ,lust1 welche das ,alterthum
erfand1 nachdem es selbst gegen den
,anblick von ,thier- und
,menschenkmpfen stumpf geworden war4
#adb4 ,um das ,gesagte
zusammenzufassen3 jener ,seelenzustand1
dessen sich der ,heilige oder
,heiligwerdende erfreut1 setzt sich aus
,elementen zusammen1 welche wir ,alle
recht wohl kennen1 nur dass sie sich
unter dem ,einfluss anderer als
religiser ,vorstellungen anders gefrbt
zeigen und dann den ,tadel der ,menschen
ebenso stark zu erfahren pflegen1 wie
sie1 in jener ,verbrmung mit ,religion
und letzter ,bedeutsamkeit des
,daseins1 auf ,bewunderung1 ja ,anbetung
rechnen drfen1 - mindestens in frheren
,zeiten rechnen durften4 ,bald bt der
,heilige jenen ,trotz gegen sich selbst1
der ein naher ,verwandter der
,herrschsucht ist und auch dem
,einsamsten noch das ,gefhl der ,macht
giebt2 bald springt seine angeschwellte
,empfindung aus dem ,verlangen1 seine
,leidenschaften dahinschiessen zu
lassen1 ber in das ,verlangen1 sie wie
wilde ,rosse zusammenstrzen zu machen1
unter dem mchtigen ,druck einer stolzen
,seele2 bald will er ein vlliges
,aufhren aller strenden1 qulenden1
reizenden ,empfindungen1 einen wachen
,schlaf1 ein dauerndes ,ausruhen im
,schoosse einer dumpfen1 thier- und
pflanzenhaften ,indolenz2 bald sucht er
den ,kampf und entzndet ihn in sich1
weil ihm die ,langeweile ihr ghnendes
,gesicht entgegenhlt3 er geisselt seine
,selbstvergtterung mit
,selbstverachtung und ,grausamkeit1 er
freut sich an dem wilden ,aufruhre
seiner ,begierden1 an dem scharfen
,schmerz der ,snde1 ja an der
,vorstellung des ,verlorenseins1 er
versteht es1 seinem ,affect1 zum
,beispiel dem der ussersten
,herrschsucht1 einen ,fallstrick zu
legen1 so dass er in den der ussersten
,erniedrigung bergeht und seine
aufgehetzte ,seele durch diesen
,contrast aus allen ,fugen gerissen
wird2 und zuletzt3 wenn es ihn gar nach
,visionen1 ,gesprchen mit ,todten oder
gttlichen ,wesen gelstet1 so ist es im
,grunde eine seltene ,art von ,wollust1
welche er begehrt1 aber vielleicht jene
,wollust1 in der alle anderen in einen
,knoten zusammengeschlungen sind4
,novalis1 eine der ,autoritten in
,fragen der ,heiligkeit durch ,erfahrung
und ,instinct1 spricht das ganze
,geheimniss einmal mit naiver ,freude
aus3 ,es ist wunderbar genug1 dass
nicht lngst die ,association von
,wollust1 ,religion und ,grausamkeit
die ,menschen aufmerksam auf ihre innige
,verwandtschaft und gemeinschaftliche
,tendenz gemacht hat4 #adc4
,nicht ,das1 was der ,heilige ist1
sondern ,das1 was er in den ,augen der
,nicht-,heiligen bedeutet1 giebt ihm
seinen welthistorischen ,werth4
,dadurch1 dass man sich ber ihn irrte1
dass man seine ,seelenzustnde falsch
auslegte und ihn von sich so stark als
mglich abtrennte1 als etwas durchaus
,unvergleichliches und
fremdartig-,uebermenschliches3 dadurch
gewann er die ausserordentliche ,kraft1
mit welcher er die ,phantasie ganzer
,vlker1 ganzer ,zeiten beherrschen
konnte4 ,er selbst kannte sich nicht2
er selbst verstand die ,schriftzge
seiner ,stimmungen1 ,neigungen1
,handlungen nach einer ,kunst der
,interpretation1 welche ebenso
berspannt und knstlich war1 wie die
pneumatische ,interpretation der
,bibel4 ,das ,verschrobene und ,kranke
in seiner ,natur1 mit ihrer
,zusammenkoppelung von geistiger
,armuth1 schlechtem ,wissen1
verdorbener ,gesundheit1 berreizten
,nerven1 blieb seinem ,blick ebenso wie
dem seiner ,beschauer verborgen4 ,er
war kein besonders guter ,mensch1 noch
weniger ein besonders weiser ,mensch3
aber er bedeutete ,etwas1 das ber
menschliches ,maass in ,gte und
,weisheit hinausreiche4 ,der ,glaube an
ihn untersttzte den ,glauben an
,gttliches und ,wunderhaftes1 an einen
religisen ,sinn alles ,daseins1 an einen
bevorstehenden letzten ,tag des
,gerichtes4 ,in dem abendlichen ,glanze
einer ,weltuntergangs-,sonne1 welche ber
die christlichen ,vlker hinleuchtete1
wuchs die ,schattengestalt des ,heiligen
in's ,ungeheure3 ja bis zu einer
solchen ,hhe1 dass selbst in unserer
,zeit1 die nicht mehr an ,gott glaubt1
es noch genug ,denker giebt1 welche an
den ,heiligen glauben4 #add4
,es versteht sich von selbst1 dass
dieser ,zeichnung des ,heiligen1 welche
nach dem ,durchschnitt der ganzen
,gattung entworfen ist1 manche
,zeichnung entgegengestellt werden kann1
welche eine angenehmere ,empfindung
hervorbringen mchte4 ,einzelne
,ausnahmen jener ,gattung heben sich
heraus1 sei es durch grosse ,milde und
,menschenfreundlichkeit1 sei es durch
den ,zauber ungewhnlicher ,thatkraft2
andere sind im hchsten ,grade anziehend1
weil bestimmte ,wahnvorstellungen ber
ihr ganzes ,wesen ,lichtstrme
ausgiessen3 wie es zum ,beispiel mit
dem berhmten ,stifter des ,christenthums
der ,fall ist1 der sich fr den
eingeborenen ,sohn ,gottes hielt und
desshalb sich sndlos fhlte2 so dass er
durch eine ,einbildung - die man nicht
zu hart beurtheilen mge1 weil das ganze
,alterthum von ,gttershnen wimmelt -
das selbe ,ziel erreichte1 das ,gefhl
vlliger ,sndlosigkeit1 vlliger
,unverantwortlichkeit1 welches jetzt
durch die ,wissenschaft ,jedermann sich
erwerben kann4 - ,ebenfalls habe ich
abgesehen von den indischen ,heiligen1
welche auf einer ,zwischenstufe zwischen
dem christlichen ,heiligen und dem
griechischen ,philosophen stehen und
insofern keinen reinen ,typus
darstellen3 die ,erkenntniss1 die
,wissenschaft - soweit es eine solche
gab -1 die ,erhebung ber die anderen
,menschen durch die logische ,zucht und
,schulung des ,denkens wurde bei den
,buddhaisten als ein ,kennzeichen der
,heiligkeit ebenso gefordert1 wie die
selben ,eigenschaften in der
christlichen ,welt1 als ,kennzeichen
der ,unheiligkeit1 abgelehnt und
verketzert werden4 ,viertes
,hauptstck4 ,aus der ,seele der
,knstler und ,schriftsteller4 #ade4
,das ,vollkommene soll nicht geworden
sein4 - ,wir sind gewhnt1 bei allem
,vollkommenen die ,frage nach dem
,werden zu unterlassen3 sondern uns des
,gegenwrtigen zu freuen1 wie als ob es
auf einen ,zauberschlag aus dem ,boden
aufgestiegen sei4 ,wahrscheinlich stehen
wir hier noch unter der ,nachwirkung
einer uralten mythologischen
,empfindung4 ,es ist uns beinahe noch
so zu ,muthe 7zum ,beispiel in einem
griechischen ,tempel wie der von
,pstum71 als ob eines ,morgens ein ,gott
spielend aus solchen ungeheuren
,lasten sein ,wohnhaus gebaut habe3
anderemale als ob eine ,seele
urpltzlich in einen ,stein
hineingezaubert sei und nun durch ihn
reden wolle4 ,der ,knstler weiss1 dass
sein ,werk nur voll wirkt1 wenn es den
,glauben an eine ,improvisation1 an eine
wundergleiche ,pltzlichkeit der
,entstehung erregt2 und so hilft er
wohl dieser ,illusion nach und fhrt jene
,elemente der begeisterten ,unruhe1
der blind greifenden ,unordnung1 des
aufhorchenden ,trumens beim ,beginn der
,schpfung in die ,kunst ein1 als
,trugmittel1 um die ,seele des
,schauers oder ,hrers so zu stimmen1
dass sie an das pltzliche
,hervorspringen des ,vollkommenen
glaubt4 - ,die ,wissenschaft der ,kunst
hat dieser ,illusion1 wie es sich von
selbst versteht1 auf das bestimmteste
zu widersprechen und die ,fehlschlsse
und ,verwhnungen des ,intellects
aufzuzeigen1 vermge welcher er dem
,knstler in das ,netz luft4 #adf4
,der ,wahrheitssinn des ,knstlers4 -
,der ,knstler hat in ,hinsicht auf das
,erkennen der ,wahrheiten eine schwchere
,moralitt1 als der ,denker2 er will
sich die glnzenden1 tiefsinnigen
,deutungen des ,lebens durchaus nicht
nehmen lassen und wehrt sich gegen
nchterne1 schlichte ,methoden und
,resultate4 ,scheinbar kmpft er fr die
hhere ,wrde und ,bedeutung des
,menschen2 in ,wahrheit will er die fr
seine ,kunst wirkungsvollsten
,voraussetzungen nicht aufgeben1 also
das ,phantastische1 ,mythische1
,unsichere1 ,extreme1 den ,sinn fr das
,symbolische1 die ,ueberschtzung der
,person1 den ,glauben an etwas
,wunderartiges im ,genius3 er hlt also
die ,fortdauer seiner ,art des
,schaffens fr wichtiger1 als die
wissenschaftliche ,hingebung an das
,wahre in jeder ,gestalt1 erscheine
diese auch noch so schlicht4 #adg4
,die ,kunst als ,todtenbeschwrerin4 -
,die ,kunst versieht nebenbei die
,aufgabe zu conserviren1 auch wohl
erloschene1 verblichene ,vorstellungen
ein ,wenig wieder aufzufrben2 sie
flicht1 wenn sie diese ,aufgabe lst1
ein ,band um verschiedene ,zeitalter und
macht deren ,geister wiederkehren4
,zwar ist es nur ein ,scheinleben wie
ber ,grbern1 welches hierdurch
entsteht1 oder wie die ,wiederkehr
geliebter ,todten im ,traume1 aber
wenigstens auf ,augenblicke wird die
alte ,empfindung noch einmal rege und
das ,herz klopft nach einem sonst
vergessenen ,tacte4 ,nun muss man wegen
dieses allgemeinen ,nutzens der ,kunst
dem ,knstler selber es nachsehen1 wenn
er nicht in den vordersten ,reihen der
,aufklrung und der fortschreitenden
,vermnnlichung der ,menschheit steht3 er
ist zeitlebens ein ,kind oder ein
,jngling geblieben und auf dem
,standpunct zurckgehalten1 auf welchem
er von seinem ,kunsttriebe berfallen
wurde2 ,empfindungen der ersten
,lebensstufen stehen aber
zugestandenermaassen denen frherer
,zeitlufte nher1 als denen des
gegenwrtigen ,jahrhunderts4
,unwillkrlich wird es zu seiner
,aufgabe1 die ,menschheit zu
verkindlichen2 diess ist sein ,ruhm und
seine ,begrnztheit4 #adh4
,dichter als ,erleichterer des ,lebens4
- ,die ,dichter1 insofern auch sie das
,leben der ,menschen erleichtern wollen1
wenden den ,blick entweder von der
mhseligen ,gegenwart ab oder verhelfen
der ,gegenwart durch ein ,licht1 das
sie von der ,vergangenheit herstrahlen
machen1 zu neuen ,farben4 ,um diess zu
knnen1 mssen sie selbst in manchen
,hinsichten rckwrts gewendete ,wesen
sein3 so dass man sie als ,brcken zu
ganz fernen ,zeiten und ,vorstellungen1
zu absterbenden oder abgestorbenen
,religionen und ,culturen gebrauchen
kann4 ,sie sind eigentlich immer und
nothwendig ,epigonen4 ,es ist freilich
von ihren ,mitteln zur ,erleichterung
des ,lebens einiges ,ungnstige zu sagen3
sie beschwichtigen und heilen nur
vorlufig1 nur fr den ,augenblick2 sie
halten sogar die ,menschen ab1 an einer
wirklichen ,verbesserung ihrer ,zustnde
zu arbeiten1 indem sie gerade die
,leidenschaft der ,unbefriedigten1
welche zur ,that drngen1 aufheben und
palliativisch entladen4 #adi4
,der langsame ,pfeil der ,schnheit4 -
,die edelste ,art der ,schnheit ist
die1 welche nicht auf einmal hinreisst1
welche nicht strmische und berauschende
,angriffe macht 7eine solche erweckt
leicht ,ekel71 sondern jene langsam
einsickernde1 welche man fast unbemerkt
mit sich forttrgt und die ,einem im
,traum einmal wiederbegegnet1 endlich
aber1 nachdem sie lange mit
,bescheidenheit an unserm ,herzen
gelegen1 von uns ganz ,besitz nimmt1
unser ,auge mit ,thrnen1 unser ,herz mit
,sehnsucht fllt4 - ,wonach sehnen wir
uns beim ,anblick der ,schnheit8
,darnach1 schn zu sein3 wir whnen1 es
msse viel ,glck damit verbunden sein4 -
,aber das ist ein ,irrthum4 #aej4
,beseelung der ,kunst4 - ,die ,kunst
erhebt ihr ,haupt1 wo die ,religionen
nachlassen4 ,sie bernimmt eine ,menge
durch die ,religion erzeugter ,gefhle
und ,stimmungen1 legt sie an ihr ,herz
und wird jetzt selber tiefer1
seelenvoller1 so dass sie ,erhebung und
,begeisterung mitzutheilen vermag1 was
sie vordem noch nicht konnte4 ,der zum
,strome angewachsene ,reichthum des
religisen ,gefhls bricht immer wieder
aus und will sich neue ,reiche erobern3
aber die wachsende ,aufklrung hat die
,dogmen der ,religion erschttert und ein
grndliches ,misstrauen eingeflsst3 so
wirft sich das ,gefhl1 durch die
,aufklrung aus der religisen ,sphre
hinausgedrngt1 in die ,kunst2 in
einzelnen ,fllen auch auf das
politische ,leben1 ja selbst direct auf
die ,wissenschaft4 ,ueberall1 wo man an
menschlichen ,bestrebungen eine hhere
dstere ,frbung wahrnimmt darf man
vermuthen1 dass ,geistergrauen1
,weihrauchduft und ,kirchenschatten
daran hngen geblieben sind4 #aea4
,wodurch das ,metrum verschnert4 - ,das
,metrum legt ,flor ber die ,realitt2 es
veranlasst einige ,knstlichkeit des
,geredes und ,unreinheit des ,denkens2
durch den ,schatten1 den es auf den
,gedanken wirft1 verdeckt es bald1 bald
hebt es hervor4 ,wie ,schatten nthig
ist1 um zu verschnern1 so ist das
,dumpfe nthig1 um zu verdeutlichen4 -
,die ,kunst macht den ,anblick des
,lebens ertrglich1 dadurch dass sie den
,flor des unreinen ,denkens ber
dasselbe legt4 #aeb4 ,kunst der
hsslichen ,seele4 - ,man zieht der
,kunst viel zu enge ,schranken1 wenn
man verlangt1 dass nur die geordnete1
sittlich im ,gleichgewicht schwebende
,seele sich in ihr aussprechen drfe4
,wie in den bildenden ,knsten1 so auch
giebt es in der ,musik und ,dichtung
eine ,kunst der hsslichen ,seele1 neben
der ,kunst der schnen ,seele2 und die
mchtigsten ,wirkungen der ,kunst1 das
,seelenbrechen1 ,steinebewegen und
,thierevermenschlichen ist vielleicht
gerade jener ,kunst am meisten
gelungen4 #aec4 ,die ,kunst
macht dem ,denker das ,herz schwer4 -
,wie stark das metaphysische ,bedrfniss
ist und wie sich noch zuletzt die
,natur den ,abschied von ihm schwer
macht1 kann man daraus entnehmen1 dass
noch im ,freigeiste1 wenn er sich alles
,metaphysischen entschlagen hat1 die
hchsten ,wirkungen der ,kunst leicht ein
,miterklingen der lange verstummten1
ja zerrissenen metaphysischen ,saite
hervorbringen1 sei es zum ,beispiel1
dass er bei einer ,stelle der neunten
,symphonie ,beethoven's sich ber der
,erde in einem ,sternendome schweben
fhlt1 mit dem ,traume der
,unsterblichkeit im ,herzen3 alle
,sterne scheinen um ihn zu flimmern und
die ,erde immer tiefer hinabzusinken4 -
,wird er sich dieses ,zustandes
bewusst1 so fhlt er wohl einen tiefen
,stich im ,herzen und seufzt nach dem
,menschen1 welcher ihm die verlorene
,geliebte1 nenne man sie nun ,religion
oder ,metaphysik1 zurckfhre4 ,in
solchen ,augenblicken wird sein
intellectualer ,charakter auf die ,probe
gestellt4 #aed4 ,mit dem
,leben spielen4 - ,die ,leichtigkeit und
,leichtfertigkeit der homerischen
,phantasie war nthig1 um das bermssig
leidenschaftliche ,gemth und den
berscharfen ,verstand des ,griechen zu
beschwichtigen und zeitweilig
aufzuheben4 ,spricht bei ihnen der
,verstand3 wie herbe und grausam
erscheint dann das ,leben6 ,sie tuschen
sich nicht1 aber sie umspielen
absichtlich das ,leben mit ,lgen4
,simonides rieth seinen ,landsleuten1
das ,leben wie ein ,spiel zu nehmen2 der
,ernst war ihnen als ,schmerz
allzubekannt 7das ,elend der ,menschen
ist ja das ,thema1 ber welches die
,gtter so gern singen hren7 und sie
wussten1 dass einzig durch die ,kunst
selbst das ,elend zum ,genusse werden
knne4 ,zur ,strafe fr diese ,einsicht
waren sie aber von der ,lust1 zu
fabuliren1 so geplagt1 dass es ihnen im
,alltagsleben schwer wurde1 sich von
,lug und ,trug frei zu halten1 wie
alles ,poetenvolk eine solche ,lust an
der ,lge hat und obendrein noch die
,unschuld dabei4 ,die benachbarten
,vlker fanden das wohl mitunter zum
,verzweifeln4 #aee4 ,glaube an
,inspiration4 - ,die ,knstler haben ein
,interesse daran1 dass man an die
pltzlichen ,eingebungen1 die sogenannten
,inspirationen glaubt2 als ob die
,idee des ,kunstwerks1 der ,dichtung1
der ,grundgedanke einer ,philosophie1
wie ein ,gnadenschein vom ,himmel
herableuchte4 ,in ,wahrheit producirt
die ,phantasie des guten ,knstlers oder
,denkers fortwhrend1 ,gutes1
,mittelmssiges und ,schlechtes1 aber
seine ,urtheilskraft1 hchst geschrft
und gebt1 verwirft1 whlt aus1 knpft
zusammen2 wie man jetzt aus den
,notizbchern ,beethoven's ersieht1 dass
er die herrlichsten ,melodien allmhlich
zusammengetragen und aus vielfachen
,anstzen gewissermaassen ausgelesen hat4
,wer weniger streng scheidet und sich
der nachbildenden ,erinnerung gern
berlsst1 der wird unter ,umstnden ein
grosser ,improvisator werden knnen2 aber
die knstlerische ,improvisation steht
tief im ,verhltniss zum ernst und
mhevoll erlesenen ,kunstgedanken4 ,alle
,grossen waren grosse ,arbeiter1
unermdlich nicht nur im ,erfinden1
sondern auch im ,verwerfen1 ,sichten1
,umgestalten1 ,ordnen4 #aef4
,nochmals die ,inspiration4 - ,wenn sich
die ,productionskraft eine ,zeit lang
angestaut hat und am ,ausfliessen durch
ein ,hemmnis gehindert worden ist1 dann
giebt es endlich einen so pltzlichen
,erguss1 als ob eine unmittelbare
,inspiration1 ohne vorhergegangenes
inneres ,arbeiten1 also ein ,wunder
sich vollziehe4 ,diess macht die
bekannte ,tuschung aus1 an deren
,fortbestehen1 wie gesagt1 das
,interesse aller ,knstler ein wenig zu
sehr hngt4 ,das ,capital hat sich eben
nur angehuft1 es ist nicht auf einmal
vom ,himmel gefallen4 ,es giebt brigens
auch anderwrts solche scheinbare
,inspiration1 zum ,beispiel im ,bereiche
der ,gte1 der ,tugend1 des ,lasters4
#aeg4 ,die ,leiden des ,genius' und
ihr ,werth4 - ,der knstlerische ,genius
will ,freude machen1 aber wenn er auf
einer sehr hohen ,stufe steht1 so
fehlen ihm leicht die ,geniessenden2 er
bietet ,speisen1 aber man will sie
nicht4 ,das giebt ihm ein unter
,umstnden lcherlich-rhrendes ,pathos2
denn im ,grunde hat er kein ,recht1 die
,menschen zum ,vergngen zu zwingen4
,seine ,pfeife tnt1 aber ,niemand will
tanzen3 kann das tragisch sein8 -
,vielleicht doch4 ,zuletzt hat er als
,compensation fr diese ,entbehrung mehr
,vergngen beim ,schaffen1 als die
brigen ,menschen bei allen anderen
,gattungen der ,thtigkeit haben4 ,man
empfindet seine ,leiden bertrieben1 weil
der ,ton seiner ,klage lauter1 sein
,mund beredter ist2 und in mitunter sind
seine ,leiden wirklich sehr gross1
aber nur desshalb1 weil sein ,ehrgeiz1
sein ,neid so gross ist4 ,der wissende
,genius1 wie ,kepler und ,spinoza1 ist
fr gewhnlich nicht so begehrlich und
macht von seinen wirklich grsseren
,leiden und ,entbehrungen kein solches
,aufheben4 ,er darf mit grsserer
,sicherheit auf die ,nachwelt rechnen
und sich der ,gegenwart entschlagen2
whrend ein ,knstler1 der diess thut1
immer ein verzweifeltes ,spiel spielt1
bei dem ihm wehe um's ,herz werden muss4
,in ganz seltenen ,fllen1 - dann1 wenn
im selben ,individuum der ,genius des
,knnens und des ,erkennens und der
moralische ,genius sich verschmelzen -
kommt zu den erwhnten ,schmerzen noch
die ,gattung von ,schmerzen hinzu1
welche als die absonderlichsten
,ausnahmen in der ,welt zu nehmen sind3
die ausser- und berpersnlichen1 einem
,volke1 der ,menschheit1 der gesammten
,cultur1 allem leidenden ,dasein
zugewandten ,empfindungen3 welche ihren
,werth durch die ,verbindung mit
besonders schwierigen und entlegenen
,erkenntnissen erlangen 7,mitleid an
sich ist wenig werth74 - ,aber welchen
,maassstab1 welche ,goldwage giebt es fr
deren ,aechtheit8 ,ist es nicht fast
geboten1 misstrauisch gegen ,alle zu
sein1 welche von ,empfindungen dieser
,art bei sich reden8 #aeh4
,verhngniss der ,grsse4 - ,jeder grossen
,erscheinung folgt die ,entartung
nach1 namentlich im ,bereiche der
,kunst4 ,das ,vorbild des ,grossen
reizt die eitleren ,naturen zum
usserlichen ,nachmachen oder zum
,ueberbieten2 dazu haben alle grossen
,begabungen das ,verhngnissvolle an
sich1 viele schwchere ,krfte und ,keime
zu erdrcken und um sich herum gleichsam
die ,natur zu verden4 ,der glcklichste
,fall in der ,entwickelung einer ,kunst
ist der1 dass mehrere ,genie's sich
gegenseitig in ,schranken halten2 bei
diesem ,kampfe wird gewhnlich den
schwcheren und zarteren ,naturen auch
,luft und ,licht gegnnt4 #aei4
,die ,kunst dem ,knstler gefhrlich4 -
,wenn die ,kunst ein ,individuum
gewaltig ergreift1 dann zieht es
dasselbe zu ,anschauungen solcher
,zeiten zurck1 wo die ,kunst am
krftigsten blhte1 sie wirkt dann
zurckbildend4 ,der ,knstler kommt immer
mehr in eine ,verehrung der pltzlichen
,erregungen1 glaubt an ,gtter und
,dmonen1 durchseelt die ,natur1 hasst
die ,wissenschaft1 wird wechselnd in
seinen ,stimmungen1 wie die ,menschen
des ,alterthums1 und begehrt einen
,umsturz aller ,verhltnisse1 welche der
,kunst nicht gnstig sind1 und zwar
diess mit der ,heftigkeit und
,unbilligkeit eines ,kindes4 ,an sich
ist nun der ,knstler schon ein
zurckbleibendes ,wesen1 weil er beim
,spiel stehen bleibt1 welches zur
,jugend und ,kindheit gehrt3 dazu kommt
noch1 dass er allmhlich in andere
,zeiten zurckgebildet wird4 ,so entsteht
zuletzt ein heftiger ,antagonismus
zwischen ihm und den gleichalterigen
,menschen seiner ,periode und ein trbes
,ende2 so wie1 nach den ,erzhlungen der
,alten1 ,homer und ,aeschylus in
,melancholie zuletzt lebten und
starben4 #afj4 ,geschaffene
,menschen4 - ,wenn man sagt1 der
,dramatiker 7und der ,knstler berhaupt7
schaffe wirklich ,charaktere1 so ist
diess eine schne ,tuschung und
,uebertreibung1 in deren ,dasein und
,verbreitung die ,kunst einen ihrer
ungewollten1 gleichsam berschssigen
,triumphe feiert4 ,in der ,that
verstehen wir von einem wirklichen
lebendigen ,menschen nicht viel und
generalisiren sehr oberflchlich1 wenn
wir ihm diesen und jenen ,charakter
zuschreiben3 dieser unserer sehr
unvollkommenen ,stellung zum ,menschen
entspricht nun der ,dichter1 indem er
ebenso oberflchliche ,entwrfe zu
,menschen macht 7in diesem ,sinne
,schafft71 als unsere ,erkenntniss der
,menschen oberflchlich ist4 ,es ist
viel ,blendwerk bei diesen geschaffenen
,charakteren der ,knstler2 es sind
durchaus keine leibhaftigen
,naturproducte1 sondern hnlich wie die
gemalten ,menschen ein ,wenig allzu dnn1
sie vertragen den ,anblick aus der
,nhe nicht4 ,gar wenn man sagt1 der
,charakter des gewhnlichen lebendigen
,menschen widerspreche sich hufig1 der
vom ,dramatiker geschaffene sei das
,urbild1 welches der ,natur vorgeschwebt
habe1 so ist diess ganz falsch4 ,ein
wirklicher ,mensch ist etwas ganz und
gar ,nothwendiges 7selbst in jenen
sogenannten ,widersprchen71 aber wir
erkennen diese ,nothwendigkeit nicht
immer4 ,der erdichtete ,mensch1 das
,phantasma1 will etwas ,nothwendiges
bedeuten1 doch nur vor ,solchen1 welche
auch einen wirklichen ,menschen nur in
einer rohen1 unnatrlichen
,simplification verstehen3 so dass ein
paar starke1 oft wiederholte ,zge1 mit
sehr viel ,licht darauf und sehr viel
,schatten und ,halbdunkel herum1 ihren
,ansprchen vollstndig gengen4 ,sie sind
also leicht bereit1 das ,phantasma als
wirklichen1 nothwendigen ,menschen zu
behandeln1 weil sie gewhnt sind1 beim
wirklichen ,menschen ein ,phantasma1
einen ,schattenriss1 eine willkrliche
,abbreviatur fr das ,ganze zu nehmen4 -
,dass gar der ,maler und der ,bildhauer
die ,idee des ,menschen ausdrcke1 ist
eitel ,phantasterei und ,sinnentrug3 man
wird vom ,auge tyrannisirt1 wenn man
so ,etwas sagt1 da dieses vom
menschlichen ,leibe selbst nur die
,oberflche1 die ,haut sieht2 der innere
,leib gehrt aber eben so sehr zur
,idee4 ,die bildende ,kunst will
,charaktere auf der ,haut sichtbar
werden lassen2 die redende ,kunst nimmt
das ,wort zu dem selben ,zwecke1 sie
bildet den ,charakter im ,laute ab4
,die ,kunst geht von der natrlichen
,unwissenheit des ,menschen ber sein
,inneres 7in ,leib und ,charakter7 aus3
sie ist nicht fr ,physiker und
,philosophen da4 #afa4
,selbstberschtzung im ,glauben an
,knstler und ,philosophen4 - ,wir ,alle
meinen1 es sei die ,gte eines
,kunstwerks1 eines ,knstlers bewiesen1
wenn er uns ergreift1 erschttert4 ,aber
da msste doch erst unsere eigene ,gte
in ,urtheil und ,empfindung bewiesen
sein3 was nicht der ,fall ist4 ,wer hat
mehr im ,reiche der bildenden ,kunst
ergriffen und entzckt1 als ,bernini1
wer mchtiger gewirkt1 als jener
nachdemosthenische ,rhetor1 welcher den
asianischen ,stil einfhrte und durch
zwei ,jahrhunderte zur ,herrschaft
brachte8 ,diese ,herrschaft ber ganze
,jahrhunderte beweist ,nichts fr die
,gte und dauernde ,gltigkeit eines
,stils2 desshalb soll man nicht zu
sicher in seinem guten ,glauben an
irgend einen ,knstler sein3 ein solcher
ist ja nicht nur der ,glaube an die
,wahrhaftigkeit unserer ,empfindung1
sondern auch an die ,unfehlbarkeit
unseres ,urtheils1 whrend ,urtheil oder
,empfindung oder beides selber zu grob
oder zu fein geartet1 berspannt oder roh
sein knnen4 ,auch die ,segnungen und
,beseligungen einer ,philosophie1 einer
,religion beweisen fr ihre ,wahrheit
,nichts3 ebensowenig als das ,glck1
welches der ,irrsinnige von seiner fixen
,idee her geniesst1 ,etwas fr die
,vernnftigkeit dieser ,idee beweist4
#afb4 ,cultus des ,genius' aus
,eitelkeit4 - ,weil wir gut von uns
denken1 aber doch durchaus nicht von
uns erwarten1 dass wir je den ,entwurf
eines ,rafaelischen ,gemldes oder eine
solche ,scene wie die eines
,shakespeare'schen ,drama's machen
knnten1 reden wir uns ein1 das ,vermgen
dazu sei ganz bermssig wunderbar1 ein
ganz seltener ,zufall1 oder1 wenn wir
noch religis empfinden1 eine
,begnadigung von ,oben4 ,so frdert
unsere ,eitelkeit1 unsere ,selbstliebe1
den ,cultus des ,genius'3 denn nur wenn
dieser ganz fern von uns gedacht ist1
als ein miraculum1 verletzt er nicht
7selbst ,goethe1 der ,neidlose1 nannte
,shakespeare seinen ,stern der fernsten
,hhe2 wobei man sich jenes ,verses
erinnern mag3 die ,sterne1 die begehrt
man nicht74 ,aber von jenen
,einflsterungen unserer ,eitelkeit
abgesehen1 so erscheint die ,thtigkeit
des ,genie's durchaus nicht als etwas
,grundverschiedenes von der ,thtigkeit
des mechanischen ,erfinders1 des
astronomischen oder historischen
,gelehrten1 des ,meisters der ,taktik4
,alle diese ,thtigkeiten erklren sich1
wenn man sich ,menschen vergegenwrtigt1
deren ,denken in ,einer ,richtung thtig
ist1 die ,alles als ,stoff bentzen1 die
immer ihrem innern ,leben und dem
,anderer mit ,eifer zusehen1 die berall
,vorbilder1 ,anreizungen erblicken1 die
in der ,combination ihrer ,mittel
nicht mde werden4 ,das ,genie thut auch
,nichts1 als dass es erst ,steine
setzen1 dann bauen lernt1 dass es immer
nach ,stoff sucht und immer an ihm
herumformt4 ,jede ,thtigkeit des
,menschen ist zum ,verwundern
complicirt1 nicht nur die des ,genie's3
aber keine ist ein ,wunder4 - ,woher nun
der ,glaube1 dass es allein beim
,knstler1 ,redner und ,philosophen
,genie gebe8 dass nur sie ,intuition
haben8 7womit man ihnen eine ,art von
,wunder-,augenglas zuschreibt1 mit dem
sie direct in's ,wesen sehen67 ,die
,menschen sprechen ersichtlich dort
allein von ,genius1 wo ihnen die
,wirkungen des grossen ,intellectes am
angenehmsten sind und sie wiederum nicht
,neid empfinden wollen4 ,jemanden
gttlich nennen heisst hier brauchen wir
nicht zu wetteifern4 ,sodann3 alles
,fertige1 ,vollkommene wird angestaunt1
alles ,werdende unterschtzt4 ,nun kann
,niemand beim ,werke des ,knstlers
zusehen1 wie es geworden ist2 das ist
sein ,vortheil1 denn berall1 wo man das
,werden sehen kann1 wird man etwas
abgekhlt4 ,die vollendete ,kunst der
,darstellung weist alles ,denken an das
,werden ab2 es tyrannisirt als
gegenwrtige ,vollkommenheit4 ,desshalb
gelten die ,knstler der ,darstellung
vornehmlich als genial1 nicht aber die
wissenschaftlichen ,menschen4 ,in
,wahrheit ist jene ,schtzung und diese
,unterschtzung nur eine ,kinderei der
,vernunft4 #afc4 ,der ,ernst des
,handwerks4 - ,redet nur nicht von
,begabung1 angeborenen ,talenten6 ,es
sind grosse ,mnner aller ,art zu nennen1
welche wenig begabt waren4 ,aber sie
bekamen ,grsse1 wurden ,genie's 7wie man
sagt71 durch ,eigenschaften1 von deren
,mangel ,niemand gern redet1 der sich
ihrer bewusst ist3 sie hatten ,alle
jenen tchtigen ,handwerker-,ernst1
welcher erst lernt1 die ,theile
vollkommen zu bilden1 bis er es wagt1
ein grosses ,ganzes zu machen2 sie gaben
sich ,zeit dazu1 weil sie mehr ,lust
am ,gutmachen des ,kleinen1
,nebenschlichen hatten1 als an dem
,effecte eines blendenden ,ganzen4 ,das
,recept zum ,beispiel1 wie ,einer ein
guter ,novellist werden kann1 ist leicht
zu geben1 aber die ,ausfhrung setzt
,eigenschaften voraus1 ber die man
hinwegzusehen pflegt1 wenn man sagt ich
habe nicht genug ,talent4 ,man mache
nur hundert und mehr ,entwrfe zu
,novellen1 keinen lnger als zwei
,seiten1 doch von solcher ,deutlichkeit1
dass jedes ,wort darin nothwendig ist2
man schreibe tglich ,anekdoten nieder1
bis man es lernt1 ihre prgnanteste1
wirkungsvollste ,form zu finden1 man sei
unermdlich im ,sammeln und ,ausmalen
menschlicher ,typen und ,charaktere1
man erzhle vor ,allem so oft es mglich
ist und hre erzhlen1 mit scharfem ,auge
und ,ohr fr die ,wirkung auf die
anderen ,anwesenden1 man reise wie ein
,landschaftsmaler und ,costmzeichner1
man excerpire sich aus einzelnen
,wissenschaften alles ,das1 was
knstlerische ,wirkungen macht1 wenn es
gut dargestellt wird1 man denke endlich
ber die ,motive der menschlichen
,handlungen nach1 verschmhe keinen
,fingerzeig der ,belehrung hierber und
sei ein ,sammler von dergleichen ,dingen
bei ,tag und ,nacht4 ,in dieser
mannichfachen ,uebung lasse man einige
zehn ,jahre vorbergehen3 was dann aber
in der ,werksttte geschaffen wird1 darf
auch hinaus in das ,licht der ,strasse4
- ,wie machen es aber die ,meisten8
,sie fangen nicht mit dem ,theile1
sondern mit dem ,ganzen an4 ,sie thun
vielleicht einmal einen guten ,griff1
erregen ,aufmerksamkeit und thun von da
an immer schlechtere ,griffe1 aus
guten1 natrlichen ,grnden4 - ,mitunter1
wenn ,vernunft und ,charakter fehlen1
um einen solchen knstlerischen
,lebensplan zu gestalten1 bernimmt das
,schicksal und die ,noth die ,stelle
derselben und fhrt den zuknftigen
,meister schrittweise durch alle
,bedingungen seines ,handwerks4
#afd4 ,gefahr und ,gewinn im ,cultus
des ,genius'4 - ,der ,glaube an grosse1
berlegene1 fruchtbare ,geister ist nicht
nothwendig1 aber sehr hufig noch mit
jenem ganz- oder halbreligisen
,aberglauben verbunden1 dass jene
,geister bermenschlichen ,ursprungs
seien und gewisse wunderbare ,vermgen
besssen1 vermittelst deren sie ihrer
,erkenntnisse auf ganz anderem ,wege
theilhaftig wrden1 als die brigen
,menschen4 ,man schreibt ihnen wohl
einen unmittelbaren ,blick in das ,wesen
der ,welt1 gleichsam durch ein ,loch
im ,mantel der ,erscheinung1 zu und
glaubt1 dass sie ohne die ,mhsal und
,strenge der ,wissenschaft1 vermge
dieses wunderbaren ,seherblickes1 etwas
,endgltiges und ,entscheidendes ber
,mensch und ,welt mittheilen knnten4 ,so
lange das ,wunder im ,bereiche der
,erkenntniss noch ,glubige findet1 kann
man vielleicht zugeben1 dass dabei fr
die ,glubigen selber ein ,nutzen
herauskomme1 insofern diese durch ihre
unbedingte ,unterordnung unter die
grossen ,geister1 ihrem eigenen ,geiste
fr die ,zeit der ,entwickelung die
beste ,disciplin und ,schule
verschaffen4 ,dagegen ist mindestens
fraglich1 ob der ,aberglaube vom
,genie1 von seinen ,vorrechten und
,sondervermgen fr das ,genie selber von
,nutzen sei1 wenn er in ihm sich
einwurzelt4 ,es ist jedenfalls ein
gefhrliches ,anzeichen1 wenn den
,menschen jener ,schauder vor sich
selbst berfllt1 sei es nun jener berhmte
,csaren-,schauder oder der hier in
,betracht kommende ,genie-,schauder2
wenn der ,opferduft1 welchen man
billigerweise allein einem ,gotte
bringt1 dem ,genie in's ,gehirn dringt1
so dass er zu schwanken und sich fr
etwas ,uebermenschliches zu halten
beginnt4 ,die langsamen ,folgen sind3
das ,gefhl der ,unverantwortlichkeit1
der exceptionellen ,rechte1 der
,glaube1 schon durch seinen ,umgang zu
begnadigen1 wahnsinnige ,wuth bei dem
,versuche1 ihn mit ,anderen zu
vergleichen oder gar ihn niedriger zu
taxiren und das ,verfehlte seines
,werkes in's ,licht zu setzen4
,dadurch1 dass er aufhrt1 ,kritik gegen
sich selbst zu ben1 fllt zuletzt aus
seinem ,gefieder eine der ,schwungfedern
nach der anderen aus3 jener
,aberglaube grbt die ,wurzeln seiner
,kraft an und macht ihn vielleicht gar
zum ,heuchler1 nachdem seine ,kraft von
ihm gewichen ist4 ,fr grosse ,geister
selbst ist es also wahrscheinlich
ntzlicher1 wenn sie ber ihre ,kraft und
deren ,herkunft zur ,einsicht kommen1
wenn sie also begreifen1 welche rein
menschlichen ,eigenschaften in ihnen
zusammengeflossen sind1 welche
,glcksumstnde hinzutraten - also einmal
anhaltende ,energie1 entschlossene
,hinwendung zu einzelnen ,zielen1
grosser persnlicher ,muth1 sodann das
,glck einer ,erziehung1 welche die
besten ,lehrer1 ,vorbilder1 ,methoden
frhzeitig darbot4 ,freilich1 wenn ihr
,ziel ist1 die grsstmgliche ,wirkung zu
machen1 so hat die ,unklarheit ber sich
selbst und jene ,beigabe eines halben
,wahnsinns immer viel gethan2 denn
bewundert und beneidet hat man zu allen
,zeiten gerade jene ,kraft an ihnen1
vermge deren sie die ,menschen
willenlos machen und zum ,wahne
fortreissen1 dass bernatrliche ,fhrer
vor ihnen her giengen4 ,ja1 es erhebt
und begeistert die ,menschen1 jemanden
im ,besitz bernatrlicher ,krfte zu
glauben3 insofern hat der ,wahnsinn1 wie
,plato sagt1 die grssten ,segnungen
ber die ,menschen gebracht4 - ,in
einzelnen seltenen ,fllen mag dieses
,stck ,wahnsinn wohl auch das ,mittel
gewesen sein1 durch welches eine solche
nach allen ,seiten hin excessive ,natur
fest zusammengehalten wurde3 auch im
,leben der ,individuen haben die
,wahnvorstellungen hufig den ,werth von
,heilmitteln1 welche an sich ,gifte
sind2 doch zeigt sich endlich1 bei jedem
,genie1 das an seine ,gttlichkeit
glaubt1 das ,gift in dem ,grade1 als das
,genie alt wird3 man mge sich zum
,beispiel ,napoleon's erinnern1 dessen
,wesen sicherlich gerade durch seinen
,glauben an sich und seinen ,stern und
durch die aus ihm fliessende ,verachtung
der ,menschen zu der mchtigen ,einheit
zusammenwuchs1 welche ihn aus allen
modernen ,menschen heraushebt1 bis
endlich aber dieser selbe ,glaube in
einen fast wahnsinnigen ,fatalismus
bergieng1 ihn seines ,schnell- und
,scharfblickes beraubte und die ,ursache
seines ,unterganges wurde4 #afe4
,das ,genie und das ,nichtige4 - ,gerade
die originellen1 aus sich schpfenden
,kpfe unter den ,knstlern knnen unter
,umstnden das ganz ,leere und ,schaale
hervorbringen1 whrend die abhngigeren
,naturen1 die sogenannten ,talente1
voller ,erinnerungen an alles mgliche
,gute stecken und auch im ,zustand der
,schwche etwas ,leidliches produciren4
,sind die ,originellen aber von sich
selber verlassen1 so giebt die
,erinnerung ihnen keine ,hlfe3 sie
werden leer4 #aff4 ,das
,publicum4 - ,von der ,tragdie begehrt
das ,volk eigentlich nicht mehr1 als
recht gerhrt zu werden1 um sich einmal
ausweinen zu knnen2 der ,artist
dagegen1 der die neue ,tragdie sieht1
hat seine ,freude an den geistreichen
technischen ,erfindungen und
,kunstgriffen1 an der ,handhabung und
,vertheilung des ,stoffes1 an der neuen
,wendung alter ,motive1 alter
,gedanken4 ,seine ,stellung ist die
sthetische ,stellung zum ,kunstwerk1
die des ,schaffenden2 die
erstbeschriebene1 mit alleiniger
,rcksicht auf den ,stoff1 die des
,volkes4 ,von dem ,menschen dazwischen
ist nicht zu reden1 er ist weder ,volk
noch ,artist und weiss nicht1 was er
will3 so ist auch seine ,freude unklar
und gering4 #afg4 ,artistische
,erziehung des ,publicums4 - ,wenn das
selbe ,motiv nicht hundertfltig durch
verschiedene ,meister behandelt wird1
lernt das ,publicum nicht ber das
,interesse des ,stoffes hinauskommen2
aber zuletzt wird es selbst die
,nuancen1 die zarten1 neuen ,erfindungen
in der ,behandlung dieses ,motives
fassen und geniessen1 wenn es also das
,motiv lngst aus zahlreichen
,bearbeitungen kennt und dabei keinen
,reiz der ,neuheit1 der ,spannung mehr
empfindet4 #afh4 ,knstler und
sein ,gefolge mssen ,schritt halten4 -
,der ,fortgang von einer ,stufe des
,stils zur andern muss so langsam sein1
dass nicht nur die ,knstler1 sondern
auch die ,zuhrer und ,zuschauer diesen
,fortgang mitmachen und genau wissen1
was vorgeht4 ,sonst entsteht auf einmal
jene grosse ,kluft zwischen dem
,knstler1 der auf abgelegener ,hhe
seine ,werke schafft1 und dem ,publicum1
welches nicht mehr zu jener ,hhe
hinaufkann und endlich missmuthig wieder
tiefer hinabsteigt4 ,denn wenn der
,knstler sein ,publicum nicht mehr hebt1
so sinkt es schnell abwrts1 und zwar
strzt es um so tiefer und gefhrlicher1
je hher es ein ,genius getragen hat1
dem ,adler vergleichbar1 aus dessen
,fngen die in die ,wolken
hinaufgetragene ,schildkrte zu ihrem
,unheil hinabfllt4 #afi4
,herkunft des ,komischen4 - ,wenn man
erwgt1 dass der ,mensch manche
hunderttausend ,jahre lang ein im
hchsten ,grade der ,furcht zugngliches
,thier war und dass alles ,pltzliche1
,unerwartete ihn kampfbereit1
vielleicht todesbereit sein hiess1 ja
dass selbst spter1 in socialen
,verhltnissen1 alle ,sicherheit auf dem
,erwarteten1 auf dem ,herkommen in
,meinung und ,thtigkeit beruhte1 so darf
man sich nicht wundern1 dass bei allem
,pltzlichen1 ,unerwarteten in ,wort und
,that1 wenn es ohne ,gefahr und
,schaden hereinbricht1 der ,mensch
ausgelassen wird1 in's ,gegentheil der
,furcht bergeht3 das vor ,angst
zitternde1 zusammengekrmmte ,wesen
schnellt empor1 entfaltet sich weit1 -
der ,mensch lacht4 ,diesen ,uebergang
aus momentaner ,angst in kurz dauernden
,uebermuth nennt man das ,komische4
,dagegen geht im ,phnomen des
,tragischen der ,mensch schnell aus
grossem1 dauerndem ,uebermuth in grosse
,angst ber2 da aber unter ,sterblichen
der grosse dauernde ,uebermuth viel
seltener1 als der ,anlass zur ,angst
ist1 so giebt es viel mehr des
,komischen1 als des ,tragischen in der
,welt2 man lacht viel fter1 als dass
man erschttert ist4 #agj4
,knstler-,ehrgeiz4 - ,die griechischen
,knstler1 zum ,beispiel die ,tragiker
dichteten1 um zu siegen2 ihre ganze
,kunst ist nicht ohne ,wettkampf zu
denken3 die hesiodische gute ,eris1 der
,ehrgeiz1 gab ihrem ,genius die ,flgel4
,nun verlangte dieser ,ehrgeiz vor
,allem1 dass ihr ,werk die hchste
,vortrefflichkeit vor ihren eigenen
,augen erhalte1 sowie sie also die
,vortrefflichkeit verstanden1 ohne
,rcksicht auf einen herrschenden
,geschmack und die allgemeine ,meinung
ber das ,vortreffliche an einem
,kunstwerk2 und so blieben ,aeschylus
und ,euripides lange ,zeit ohne
,erfolg1 bis sie sich endlich
,kunstrichter erzogen hatten1 welche
ihr ,werk nach den ,maassstben wrdigten1
welche sie selber anlegten4 ,somit
erstreben sie den ,sieg ber ,nebenbuhler
nach ihrer eigenen ,schtzung1 vor
ihrem eigenen ,richterstuhl1 sie wollen
wirklich vortrefflicher sein2 dann
fordern sie von ,aussen her ,zustimmung
zu dieser eigenen ,schtzung1
,besttigung ihres ,urtheils4 ,ehre
erstreben heisst hier sich berlegen
machen und wnschen1 dass es auch
ffentlich so erscheine4 ,fehlt das
,erstere und wird das ,zweite trotzdem
begehrt1 so spricht man von ,eitelkeit4
,fehlt das ,letztere und wird es nicht
vermisst1 so redet man von ,stolz4
#aga4 ,das ,nothwendige am
,kunstwerk4 - ,die1 welche so viel von
dem ,nothwendigen an einem ,kunstwerk
reden1 bertreiben1 wenn sie ,knstler
sind1 in majorem artis gloriam1 oder
wenn sie ,laien sind1 aus ,unkenntniss4
,die ,formen eines ,kunstwerkes1 welche
seine ,gedanken zum ,reden bringen1
also seine ,art zu sprechen sind1 haben
immer etwas ,lssliches1 wie alle ,art
,sprache4 ,der ,bildhauer kann viele
kleine ,zge hinzuthun oder weglassen3
ebenso der ,darsteller1 sei es ein
,schauspieler oder1 in ,betreff der
,musik1 ein ,virtuos oder ,dirigent4
,diese vielen kleinen ,zge und
,ausfeilungen machen ihm heute
,vergngen1 morgen nicht1 sie sind mehr
des ,knstlers als der ,kunst wegen da1
denn auch er bedarf1 bei der ,strenge
und ,selbstbezwingung1 welche die
,darstellung des ,hauptgedankens von ihm
fordert1 gelegentlich des
,zuckerbrodes und der ,spielsachen1 um
nicht mrrisch zu werden4 #agb4
,den ,meister vergessen machen4 - ,der
,clavierspieler1 der das ,werk eines
,meisters zum ,vortrag bringt1 wird am
besten gespielt haben1 wenn er den
,meister vergessen liess und wenn es so
erschien1 als ob er eine ,geschichte
seines ,lebens erzhle oder jetzt eben
,etwas erlebe4 ,freilich3 wenn er
nichts ,bedeutendes ist1 wird jedermann
seine ,geschwtzigkeit verwnschen1 mit
der er uns aus seinem ,leben erzhlt4
,also muss er verstehen1 die ,phantasie
des ,zuhrers fr sich einzunehmen4
,daraus wiederum erklren sich alle
,schwchen und ,narrheiten des
,virtuosenthums4 #agc4 ,corriger
la fortune4 - ,es giebt schlimme
,zuflligkeiten im ,leben grosser
,knstler1 welche zum ,beispiel den
,maler zwingen1 sein bedeutendstes
,bild nur als flchtigen ,gedanken zu
skizziren oder zum ,beispiel ,beethoven
zwangen1 uns in manchen grossen
,sonaten 7wie in der grossen ,b-dur7
nur den ungengenden ,clavierauszug einer
,symphonie zu hinterlassen4 ,hier soll
der spterkommende ,knstler das ,leben
der ,grossen nachtrglich zu corrigiren
suchen3 was zum ,beispiel ,der thun
wrde1 welcher1 als ein ,meister aller
,orchesterwirkungen1 uns jene1 dem
,clavier-,scheintode verfallene
,symphonie zum ,leben erweckte4
#agd4 ,verkleinern4 - ,manche ,dinge1
,ereignisse oder ,personen1 vertragen
es nicht1 im kleinen ,maassstabe
behandelt zu werden4 ,man kann die
,laokoon-,gruppe nicht zu einer
,nippesfigur verkleinern2 sie hat ,grsse
nothwendig4 ,aber viel seltener ist
es1 dass etwas von ,natur ,kleines die
,vergrsserung vertrgt2 wesshalb es
,biographen immer noch eher gelingen
wird1 einen grossen ,mann klein
darzustellen1 als einen kleinen gross4
#age4 ,sinnlichkeit in der ,kunst der
,gegenwart4 - ,die ,knstler verrechnen
sich jetzt hufig1 wenn sie auf eine
sinnliche ,wirkung ihrer ,kunstwerke
hinarbeiten2 denn ihre ,zuschauer oder
,zuhrer haben nicht mehr ihre vollen
,sinne und gerathen1 ganz wider die
,absicht des ,knstlers1 durch sein
,kunstwerk in - eine ,heiligkeit der
,empfindung1 welche der ,langweiligkeit
nahe verwandt ist4 - ,ihre
,sinnlichkeit fngt vielleicht dort an1
wo die des ,knstlers gerade aufhrt1 sie
begegnen sich also hchstens an ,einem
,puncte4 #agf4 ,shakespeare als
,moralist4 - ,shakespeare hat ber die
,leidenschaften viel nachgedacht und
wohl von seinem ,temperamente her zu
vielen einen sehr nahen ,zugang gehabt
7,dramatiker sind im ,allgemeinen
ziemlich bse ,menschen74 ,aber er
vermochte nicht1 wie ,montaigne1 darber
zu reden1 sondern legte die
,beobachtungen ber die ,passionen den
passionirten ,figuren in den ,mund3 was
zwar wider die ,natur ist1 aber seine
,dramen so gedankenvoll macht1 dass sie
alle anderen leer erscheinen lassen
und leicht einen allgemeinen
,widerwillen gegen sie erwecken4 - ,die
,sentenzen ,schiller's 7welchen fast
immer falsche oder unbedeutende
,einflle zu ,grunde liegen7 sind eben
,theatersentenzen und wirken als solche
sehr stark3 whrend die ,sentenzen
,shakespeare's seinem ,vorbilde
,montaigne ,ehre machen und ganz
ernsthafte ,gedanken in geschliffener
,form enthalten1 desshalb aber fr die
,augen des ,theaterpublicums zu fern
und zu fein1 also unwirksam sind4
#agg4 ,sich gut zu ,gehr bringen4 -
,man muss nicht nur verstehen1 gut zu
spielen1 sondern auch sich gut zu ,gehr
zu bringen4 ,die ,geige in der ,hand
des grssten ,meisters giebt nur ein
,gezirp von sich1 wenn der ,raum zu
gross ist2 man kann da den ,meister mit
jedem ,stmper verwechseln4 #agh4
,das ,unvollstndige als das ,wirksame4 -
,wie ,relieffiguren dadurch so stark
auf die ,phantasie wirken1 dass sie
gleichsam auf dem ,wege sind1 aus der
,wand herauszutreten und pltzlich1
irgend wodurch gehemmt1 ,halt machen3
so ist mitunter die reliefartig
unvollstndige ,darstellung eines
,gedankens1 einer ganzen ,philosophie
wirksamer1 als die erschpfende
,ausfhrung3 man berlsst der ,arbeit des
,beschauers mehr1 er wird aufgeregt1
das1 was in so starkem ,licht und
,dunkel vor ihm sich abhebt1
fortzubilden1 zu ,ende zu denken und
jenes ,hemmniss selber zu berwinden1
welches ihrem vlligen ,heraustreten bis
dahin hinderlich war4 #agi4
,gegen die ,originalen4 - ,wenn die
,kunst sich in den abgetragensten
,stoff kleidet1 erkennt man sie am
besten als ,kunst4 #ahj4
,collectivgeist4 - ,ein guter
,schriftsteller hat nicht nur seinen
eigenen ,geist1 sondern auch noch den
,geist seiner ,freunde4 #aha4
,zweierlei ,verkennung4 - ,das ,unglck
scharfsinniger und klarer
,schriftsteller ist1 dass man sie fr
flach nimmt und desshalb ihnen keine
,mhe zuwendet3 und das ,glck der
unklaren1 dass der ,leser sich an ihnen
abmht und die ,freude ber seinen ,eifer
ihnen zu ,gute schreibt4 #ahb4
,verhltniss zur ,wissenschaft4 - ,alle
,die haben kein wirkliches ,interesse
an einer ,wissenschaft1 welche erst dann
anfangen1 fr sie warm zu werden1 wenn
sie selbst ,entdeckungen in ihr gemacht
haben4 #ahc4 ,der ,schlssel4 -
,der eine ,gedanke1 auf den ein
bedeutender ,mensch1 zum ,gelchter und
,spott der ,unbedeutenden1 grossen
,werth legt1 ist fr ihn ein ,schlssel
zu verborgenen ,schatzkammern1 fr jene
nicht mehr1 als ein ,stck alten
,eisens4 #ahd4 ,unbersetzbar4 -
,es ist weder das ,beste1 noch das
,schlechteste an einem ,buche1 was an
ihm unbersetzbar ist4 #ahe4
,paradoxien des ,autors4 - ,die
sogenannten ,paradoxien des ,autors1 an
welchen ein ,leser ,anstoss nimmt1
stehen hufig gar nicht im ,buche des
,autors1 sondern im ,kopfe des ,lesers4
#ahf4 ,witz4 - ,die witzigsten
,autoren erzeugen das kaum bemerkbarste
,lcheln4 #ahg4 ,die ,antithese4
- ,die ,antithese ist die enge ,pforte1
durch welche sich am liebsten der
,irrthum zur ,wahrheit schleicht4
#ahh4 ,denker als ,stilisten4 - ,die
meisten ,denker schreiben schlecht1 weil
sie uns nicht nur ihre ,gedanken1
sondern auch das ,denken der ,gedanken
mittheilen4 #ahi4 ,gedanken im
,gedicht4 - ,der ,dichter fhrt seine
,gedanken festlich daher1 auf dem
,wagen des ,rhythmus'3 gewhnlich
desshalb1 weil diese zu ,fuss nicht
gehen knnen4 #aij4 ,snde wider
den ,geist des ,lesers4 - ,wenn der
,autor sein ,talent verleugnet1 blos um
sich dem ,leser gleich zu stellen1 so
begeht er die einzige ,todsnde1 welche
ihm ,jener nie verzeiht3 im ,fall er
nmlich ,etwas davon merkt4 ,man darf
dem ,menschen sonst alles ,bse
nachsagen3 aber in der ,art1 wie man es
sagt1 muss man seine ,eitelkeit wieder
aufzurichten wissen4 #aia4
,grnze der ,ehrlichkeit4 - ,auch dem
ehrlichsten ,schriftsteller entfllt ein
,wort zu viel1 wenn er eine ,periode
abrunden will4 #aib4 ,der beste
,autor4 - ,der beste ,autor wird der
sein1 welcher sich schmt1
,schriftsteller zu werden4 #aic4
,drakonisches ,gesetz gegen
,schriftsteller4 - ,man sollte einen
,schriftsteller als einen ,missethter
ansehen1 der nur in den seltensten
,fllen ,freisprechung oder ,begnadigung
verdient3 das wre ein ,mittel gegen das
,ueberhandnehmen der ,bcher4 #aid4
,die ,narren der modernen ,cultur4 -
,die ,narren der mittelalterlichen
,hfe entsprechen unseren
,feuilletonisten2 es ist die selbe
,gattung ,menschen1 halbvernnftig1
witzig1 bertrieben1 albern1 mitunter nur
dazu da1 das ,pathos der ,stimmung
durch ,einflle1 durch ,geschwtz zu
mildern und den allzu schweren1
feierlichen ,glockenklang grosser
,ereignisse durch ,geschrei zu bertuben2
ehemals im ,dienste der ,frsten und
,adeligen1 jetzt im ,dienste von
,parteien 7wie in ,partei-,sinn und
,partei-,zucht ein guter ,theil der
alten ,unterthnigkeit im ,verkehr des
,volkes mit dem ,frsten jetzt noch
fortlebt74 ,der ganze moderne
,litteratenstand steht aber den
,feuilletonisten sehr nahe1 es sind die
,narren der modernen ,cultur1 welche
man milder beurtheilt1 wenn man sie als
nicht ganz zurechnungsfhig nimmt4
,schriftstellerei als ,lebensberuf zu
betrachten1 sollte billigerweise als
eine ,art ,tollheit gelten4 #aie4
,den ,griechen nach4 - ,der ,erkenntniss
steht es gegenwrtig sehr im ,wege1
dass alle ,worte durch hundertjhrige
,uebertreibung des ,gefhls dunstig und
aufgeblasen geworden sind4 ,die hhere
,stufe der ,cultur1 welche sich unter
die ,herrschaft 7wenn auch nicht unter
die ,tyrannei7 der ,erkenntniss stellt1
hat eine grosse ,ernchterung des
,gefhls und eine starke ,concentration
aller ,worte vonnthen2 worin uns die
,griechen im ,zeitalter des ,demosthenes
vorangegangen sind4 ,das ,ueberspannte
bezeichnet alle modernen ,schriften2
und selbst wenn sie einfach geschrieben
sind1 so werden die ,worte in denselben
noch zu excentrisch gefhlt4 ,strenge
,ueberlegung1 ,gedrngtheit1 ,klte1
,schlichtheit1 selbst absichtlich bis an
die ,grnze hinab1 berhaupt
,an-sich-halten des ,gefhls und
,schweigsamkeit1 - das kann allein
helfen4 - ,uebrigens ist diese kalte
,schreib- und ,gefhlsart1 als
,gegensatz1 jetzt sehr reizvoll3 und
darin liegt freilich eine neue ,gefahr4
,denn die scharfe ,klte ist so gut ein
,reizmittel1 als ein hoher ,wrmegrad4
#aif4 ,gute ,erzhler schlechte
,erklrer4 - ,bei guten ,erzhlern steht
oft eine bewunderungswrdige
psychologische ,sicherheit und
,consequenz1 soweit diese in den
,handlungen ihrer ,personen hervortreten
kann1 in einem geradezu lcherlichen
,gegensatz zu der ,ungebtheit ihres
psychologischen ,denkens3 so dass ihre
,cultur in dem einen ,augenblicke
ebenso ausgezeichnet hoch1 als im
nchsten bedauerlich tief erscheint4 ,es
kommt gar zu hufig vor1 dass sie ihre
eigenen ,helden und deren ,handlungen
ersichtlich falsch erklren1 - es ist
daran kein ,zweifel1 so
unwahrscheinlich die ,sache klingt4
,vielleicht hat der grsste
,clavierspieler nur wenig ber die
technischen ,bedingungen und die
specielle ,tugend1 ,untugend1
,nutzbarkeit und ,erziehbarkeit jedes
,fingers 7daktylische ,ethik7
nachgedacht1 und macht grobe ,fehler1
wenn er von solchen ,dingen redet4
#aig4 ,die ,schriften von ,bekannten
und ihre ,leser4 - ,wir lesen ,schriften
von ,bekannten 7,freunden und
,feinden7 doppelt1 insofern fortwhrend
unsere ,erkenntniss daneben flstert3
das ist von ihm1 ein ,merkmal seines
inneren ,wesens1 seiner ,erlebnisse1
seiner ,begabung1 und wiederum eine
andere ,art ,erkenntniss dabei
festzustellen sucht1 was der ,ertrag
jenes ,werkes an sich ist1 welche
,schtzung es berhaupt1 abgesehen von
seinem ,verfasser1 verdient1 welche
,bereicherung des ,wissens es mit sich
bringt4 ,diese beiden ,arten des ,lesens
und ,erwgens stren sich1 wie das sich
von selbst versteht1 gegenseitig4 ,auch
eine ,unterhaltung mit einem ,freunde
wird dann erst gute ,frchte der
,erkenntniss zeitigen1 wenn ,beide
endlich nur noch an die ,sache denken1
und vergessen1 dass sie ,freunde sind4
#aih4 ,rhythmische ,opfer4 - ,gute
,schriftsteller verndern den ,rhythmus
mancher ,periode blos desshalb1 weil sie
den gewhnlichen ,lesern nicht die
,fhigkeit zuerkennen1 den ,tact1 welchem
die ,periode in ihrer ersten ,fassung
folgte1 zu begreifen3 desshalb
erleichtern sie es ihnen1 indem sie
bekannteren ,rhythmen den ,vorzug geben4
- ,diese ,rcksicht auf das rhythmische
,unvermgen der jetzigen ,leser hat
schon manche ,seufzer entlockt1 denn
ihr ist viel schon zum ,opfer gefallen4
- ,ob es guten ,musikern nicht hnlich
ergeht8 #aii4 ,das
,unvollstndige als knstlerisches
,reizmittel4 - ,das ,unvollstndige ist
oft wirksamer als die ,vollstndigkeit1
so namentlich in der ,lobrede3 fr ihre
,zwecke braucht man gerade eine
anreizende ,unvollstndigkeit1 als ein
irrationales ,element1 welches der
,phantasie des ,hrers ein ,meer
vorspiegelt und gleich einem ,nebel die
gegenberliegende ,kste1 also die
,begrnztheit des zu lobenden
,gegenstandes1 verdeckt4 ,wenn man die
bekannten ,verdienste eines ,menschen
erwhnt und dabei ausfhrlich und breit
ist1 so lsst diess immer den ,argwohn
aufkommen1 es seien die einzigen
,verdienste4 ,der vollstndig ,lobende
stellt sich ber den ,gelobten1 er
scheint ihn zu bersehen4 ,desshalb
wirkt das ,vollstndige abschwchend4
#bjj4 ,vorsicht im ,schreiben und
,lehren4 - ,wer erst geschrieben hat und
die ,leidenschaft des ,schreibens in
sich fhlt1 lernt fast aus ,allem1 was
er treibt und erlebt1 nur ,das noch
heraus1 was schriftstellerisch
mittheilbar ist4 ,er denkt nicht mehr an
sich1 sondern an den ,schriftsteller
und sein ,publicum2 er will die
,einsicht1 aber nicht zum eigenen
,gebrauche4 ,wer ,lehrer ist1 ist
meistens unfhig1 etwas ,eigenes noch fr
sein eigenes ,wohl zu treiben1 er denkt
immer an das ,wohl seiner ,schler und
jede ,erkenntniss erfreut ihn nur1 so
weit er sie lehren kann4 ,er betrachtet
sich zuletzt als einen ,durchweg des
,wissens und berhaupt als ,mittel1 so
dass er den ,ernst fr sich verloren hat4
#bja4 ,schlechte
,schriftsteller nothwendig4 - ,es wird
immer schlechte ,schriftsteller geben
mssen1 denn sie entsprechen dem
,geschmack der unentwickelten1 unreifen
,altersclassen2 diese haben so gut ihr
,bedrfniss wie die reifern4 ,wre das
menschliche ,leben lnger1 so wrde die
,zahl der reif gewordenen ,individuen
berwiegend oder mindestens gleich gross
mit der der unreifen ausfallen2 so aber
sterben bei ,weitem die meisten zu
jung1 das heisst es giebt immer viel
mehr unentwickelte ,intellecte mit
schlechtem ,geschmack4 ,diese begehren
berdiess1 mit der grsseren ,heftigkeit
der ,jugend1 nach ,befriedigung ihres
,bedrfnisses1 und sie erzwingen sich
schlechte ,autoren4 #bjb4 ,zu
nah und zu fern4 - ,der ,leser und der
,autor verstehen sich hufig desshalb
nicht1 weil der ,autor sein ,thema zu
gut kennt und es beinahe langweilig
findet1 so dass er sich die ,beispiele
erlsst1 die er zu ,hunderten weiss2 der
,leser aber ist der ,sache fremd und
findet sie leicht schlecht begrndet1
wenn ihm die ,beispiele vorenthalten
werden4 #bjc4 ,eine
verschwundene ,vorbereitung zur ,kunst4
- ,an ,allem1 was das ,gymnasium trieb1
war das ,werthvollste die ,uebung im
lateinischen ,stil3 diese war eben eine
,kunstbung1 whrend alle anderen
,beschftigungen nur das ,wissen zum
,zweck hatten4 ,den deutschen ,aufsatz
voranzustellen1 ist ,barbarei1 denn wir
haben keinen mustergltigen1 an
ffentlicher ,beredtsamkeit
emporgewachsenen deutschen ,stil2 will
man aber durch den deutschen ,aufsatz
die ,uebung im ,denken frdern1 so ist es
gewiss besser1 wenn man einstweilen
von ,stil dabei berhaupt absieht1 also
zwischen der ,uebung im ,denken und der
im ,darstellen scheidet4 ,letztere
sollte sich auf mannichfache ,fassung
eines gegebenen ,inhaltes beziehen und
nicht auf selbstndiges ,erfinden eines
,inhaltes4 ,die blose ,darstellung bei
gegebenem ,inhalte war die ,aufgabe des
lateinischen ,stils1 fr welchen die
alten ,lehrer eine lngst verloren
gegangene ,feinheit des ,gehrs
besassen4 ,wer ehemals gut in einer
modernen ,sprache schreiben lernte1
verdankte es dieser ,uebung 7jetzt muss
man sich nothgedrungen zu den lteren
,franzosen in die ,schule schicken72
aber noch mehr3 er bekam einen ,begriff
von der ,hoheit und ,schwierigkeit der
,form und wurde fr die ,kunst berhaupt
auf dem einzig richtigen ,wege
vorbereitet1 durch ,praxis4 #bjd4
,dunkles und ,ueberhelles neben
einander4 - ,schriftsteller1 welche im
,allgemeinen ihren ,gedanken keine
,deutlichkeit zu geben verstehen1
werden im ,einzelnen mit ,vorliebe die
strksten1 bertriebensten ,bezeichnungen
und ,superlative whlen3 dadurch
entsteht eine ,lichtwirkung1 wie bei
,fackelbeleuchtung auf verworrenen
,waldwegen4 #bje4
,schriftstellerisches ,malerthum4 -
,einen bedeutenden ,gegenstand wird man
am besten darstellen1 wenn man die
,farben zum ,gemlde aus dem
,gegenstande selber1 wie ein ,chemiker1
nimmt und sie dann wie ein ,artist
verbraucht3 so dass man die ,zeichnung
aus den ,grnzen und ,uebergngen der
,farben erwachsen lsst4 ,so bekommt das
,gemlde ,etwas von dem hinreissenden
,naturelement1 welches den ,gegenstand
selber bedeutend macht4 #bjf4
,bcher1 welche tanzen lehren4 - ,es
giebt ,schriftsteller1 welche dadurch1
dass sie ,unmgliches als mglich
darstellen und vom ,sittlichen und
,genialen so reden1 als ob beides nur
eine ,laune1 ein ,belieben sei1 ein
,gefhl von bermthiger ,freiheit
hervorbringen1 wie wenn der ,mensch
sich auf die ,fussspitzen stellte und
vor innerer ,lust durchaus tanzen
msste4 #bjg4 ,nicht fertig
gewordene ,gedanken4 - ,ebenso wie nicht
nur das ,mannesalter1 sondern auch
,jugend und ,kindheit einen ,werth an
sich haben und gar nicht nur als
,durchgnge und ,brcken zu schtzen sind1
so haben auch die nicht fertig
gewordenen ,gedanken ihren ,werth4 ,man
muss desshalb einen ,dichter nicht mit
subtiler ,auslegung qulen und sich an
der ,unsicherheit seines ,horizontes
vergngen1 wie als ob der ,weg zu
mehreren ,gedanken noch offen sei4 ,man
steht an der ,schwelle2 man wartet wie
bei der ,ausgrabung eines ,schatzes3 es
ist1 als ob ein ,glcksfund von
,tiefsinn eben gemacht werden sollte4
,der ,dichter nimmt ,etwas von der
,lust des ,denkers beim ,finden eines
,hauptgedankens vorweg und macht uns
damit begehrlich1 so dass wir nach
diesem haschen2 der aber gaukelt an
unserm ,kopf vorber und zeigt die
schnsten ,schmetterlingsflgel - und
doch entschlpft er uns4 #bjh4
,das ,buch fast zum ,menschen geworden4
- ,jeden ,schriftsteller berrascht es
von ,neuem1 wie das ,buch1 sobald es
sich von ihm gelst hat1 ein eigenes
,leben fr sich weiterlebt2 es ist ihm zu
,muthe1 als wre der eine ,theil eines
,insectes losgetrennt und gienge nun
seinen eigenen ,weg weiter4 ,vielleicht
vergisst er es fast ganz1 vielleicht
erhebt er sich ber die darin
niedergelegten ,ansichten1 vielleicht
selbst versteht er es nicht mehr und
hat jene ,schwingen verloren1 auf denen
er damals flog1 als er jenes ,buch
aussann3 whrenddem sucht es sich seine
,leser1 entzndet ,leben1 beglckt1
erschreckt1 erzeugt neue ,werke1 wird
die ,seele von ,vorstzen und ,handlungen
- kurz3 es lebt wie ein mit ,geist und
,seele ausgestattetes ,wesen und ist
doch kein ,mensch4 - ,das glcklichste
,loos hat der ,autor gezogen1 welcher1
als alter ,mann1 sagen kann1 dass
,alles1 was von lebenzeugenden1
krftigenden1 erhebenden1 aufklrenden
,gedanken und ,gefhlen in ihm war1 in
seinen ,schriften noch fortlebe und
dass er selber nur noch die graue ,asche
bedeute1 whrend das ,feuer berall hin
gerettet und weiter getragen sei4 -
,erwgt man nun gar1 dass jede ,handlung
eines ,menschen1 nicht nur ein ,buch1
auf irgend eine ,art ,anlass zu anderen
,handlungen1 ,entschlssen1 ,gedanken
wird1 dass ,alles1 was geschieht1
unlsbar fest sich mit ,allem1 was
geschehen wird1 verknotet1 so erkennt
man die wirkliche ,unsterblichkeit1 die
es giebt1 die der ,bewegung3 was einmal
bewegt hat1 ist in dem
,gesammtverbande alles ,seienden1 wie in
einem ,bernstein ein ,insect1
eingeschlossen und verewigt4 #bji4
,freude im ,alter4 - ,der ,denker und
ebenso der ,knstler1 welcher sein
besseres ,selbst in ,werke geflchtet
hat1 empfindet eine fast boshafte
,freude1 wenn er sieht1 wie sein ,leib
und ,geist langsam von der ,zeit
angebrochen und zerstrt werden1 als ob
er aus einem ,winkel einen ,dieb an
seinem ,geldschranke arbeiten she1
whrend er weiss1 dass dieser leer ist
und alle ,schtze gerettet sind4
#baj4 ,ruhige ,fruchtbarkeit4 - ,die
geborenen ,aristokraten des ,geistes
sind nicht zu eifrig2 ihre ,schpfungen
erscheinen und fallen an einem ruhigen
,herbstabend vom ,baume1 ohne hastig
begehrt1 gefrdert1 durch ,neues
verdrngt zu werden4 ,das unablssige
,schaffenwollen ist gemein und zeigt
,eifersucht1 ,neid1 ,ehrgeiz an4 ,wenn
man ,etwas ist1 so braucht man
eigentlich ,nichts zu machen1 - und thut
doch sehr viel4 ,es giebt ber dem
productiven ,menschen noch eine hhere
,gattung4 #baa4 ,achilles und
,homer4 - ,es ist immer wie zwischen
,achilles und ,homer3 der ,eine hat das
,erlebniss1 die ,empfindung1 der
,andere beschreibt sie4 ,ein wirklicher
,schriftsteller giebt dem ,affect und
der ,erfahrung ,anderer nur ,worte1 er
ist ,knstler1 um aus dem ,wenigen1 was
er empfunden hat1 viel zu errathen4
,knstler sind keineswegs die ,menschen
der grossen ,leidenschaft1 aber hufig
geben sie sich als solche in der
unbewussten ,empfindung1 dass man ihrer
gemalten ,leidenschaft mehr traut1 wenn
ihr eigenes ,leben fr ihre ,erfahrung
auf diesem ,gebiete spricht4 ,man
braucht sich ja nur gehen zu lassen1
sich nicht zu beherrschen1 seinem
,zorn1 seiner ,begierde offenen
,spielraum zu gnnen1 sofort schreit
alle ,welt3 wie leidenschaftlich ist er6
,aber mit der tiefwhlenden1 das
,individuum anzehrenden und oft
verschlingenden ,leidenschaft hat es
,etwas auf sich3 wer sie erlebt1
beschreibt sie gewiss nicht in ,dramen1
,tnen oder ,romanen4 ,knstler sind
hufig zgellose ,individuen1 soweit sie
eben nicht ,knstler sind3 aber das ist
etwas ,anderes4 #bab4 ,alte
,zweifel ber die ,wirkung der ,kunst4 -
,sollten ,mitleid und ,furcht wirklich1
wie ,aristoteles will1 durch die
,tragdie entladen werden1 so dass der
,zuhrer klter und ruhiger nach ,hause
zurckkehre8 ,sollten
,geistergeschichten weniger furchtsam
und aberglubisch machen8 ,es ist bei
einigen physischen ,vorgngen1 zum
,beispiel bei dem ,liebesgenuss1 wahr1
dass mit der ,befriedigung eines
,bedrfnisses eine ,linderung und
zeitweilige ,herabstimmung des ,triebes
eintritt4 ,aber die ,furcht und das
,mitleid sind nicht in diesem ,sinne
,bedrfnisse bestimmter ,organe1 welche
erleichtert werden wollen4 ,und auf die
,dauer wird selbst jeder ,trieb durch
,uebung in seiner ,befriedigung gestrkt1
trotz jener periodischen ,linderungen4
,es wre mglich1 dass ,mitleid und
,furcht in jedem einzelnen ,falle durch
die ,tragdie gemildert und entladen
wrden3 trotzdem knnten sie im ,ganzen
durch die tragische ,einwirkung
berhaupt grsser werden1 und ,plato
behielte doch ,recht1 wenn er meint1
dass man durch die ,tragdie insgesammt
ngstlicher und rhrseliger werde4 ,der
tragische ,dichter selbst wrde dann
nothwendig eine dstere1 furchtvolle
,weltbetrachtung und eine weiche1
reizbare1 thrnenschtige ,seele
bekommen1 desgleichen wrde es zu
,plato's ,meinung stimmen1 wenn die
tragischen ,dichter und ebenso die
ganzen ,stadtgemeinden1 welche sich
besonders an ihnen ergtzen1 zu immer
grsserer ,maass- und ,zgellosigkeit
ausarten4 - ,aber welches ,recht hat
unsere ,zeit berhaupt1 auf die grosse
,frage ,plato's nach dem moralischen
,einfluss der ,kunst eine ,antwort zu
geben8 ,htten wir selbst die ,kunst1 -
wo haben wir den ,einfluss1 irgend einen
,einfluss der ,kunst8 #bac4
,freude am ,unsinn4 - ,wie kann der
,mensch ,freude am ,unsinn haben8 ,so
weit nmlich auf der ,welt gelacht wird1
ist diess der ,fall2 ja man kann sagen1
fast berall wo es ,glck giebt1 giebt es
,freude am ,unsinn4 ,das ,umwerfen der
,erfahrung in's ,gegentheil1 des
,zweckmssigen in's ,zwecklose1 des
,nothwendigen in's ,beliebige1 doch so1
dass dieser ,vorgang keinen ,schaden
macht und nur einmal aus ,uebermuth
vorgestellt wird1 ergtzt1 denn es
befreit uns momentan von dem ,zwange des
,nothwendigen1 ,zweckmssigen und
,erfahrungsgemssen1 in denen wir fr
gewhnlich unsere unerbittlichen ,herren
sehen2 wir spielen und lachen dann1
wenn das ,erwartete 7das gewhnlich bange
macht und spannt7 sich1 ohne zu
schdigen1 entladet4 ,es ist die ,freude
der ,sclaven am ,saturnalienfeste4
#bad4 ,veredelung der ,wirklichkeit4
- ,dadurch1 dass die ,menschen in dem
aphrodisischen ,triebe eine ,gottheit
sahen und ihn mit anbetender
,dankbarkeit in sich wirkend fhlten1 ist
im ,verlaufe der ,zeit jener ,affect
mit hheren ,vorstellungsreihen
durchzogen und dadurch thatschlich sehr
veredelt worden4 ,so haben sich einige
,vlker1 vermge dieser ,kunst des
,idealisirens1 aus ,krankheiten grosse
,hlfsmchte der ,cultur geschaffen3 zum
,beispiel die ,griechen1 welche in
frheren ,jahrhunderten an grossen
,nerven-,epidemien 7in der ,art der
,epilepsie und des ,veitstanzes7 litten
und daraus den herrlichen ,typus der
,bacchantin herausgebildet haben4 - ,die
,griechen besassen nmlich ,nichts
weniger1 als eine vierschrtige
,gesundheit2 - ihr ,geheimniss war1
auch die ,krankheit1 wenn sie nur ,macht
hatte1 als ,gott zu verehren4
#bae4 ,musik4 - ,die ,musik ist nicht
an und fr sich so bedeutungsvoll fr
unser ,inneres1 so tief erregend1 dass
sie als unmittelbare ,sprache des
,gefhls gelten drfte2 sondern ihre
uralte ,verbindung mit der ,poesie hat
so viel ,symbolik in die rhythmische
,bewegung1 in ,strke und ,schwche des
,tones gelegt1 dass wir jetzt whnen1 sie
sprche direct zu in ,inneren und kme
aus dem ,inneren4 ,die dramatische
,musik ist erst mglich1 wenn sich die
,tonkunst ein ungeheures ,bereich
symbolischer ,mittel erobert hat1 durch
,lied1 ,oper und hundertfltige
,versuche der ,tonmalerei4 ,die
absolute ,musik ist entweder ,form an
sich1 im rohen ,zustand der ,musik1 wo
das ,erklingen in ,zeitmaass und
verschiedener ,strke berhaupt ,freude
macht1 oder die ohne ,poesie schon zum
,verstndniss redende ,symbolik der
,formen1 nachdem in langer
,entwickelung beide ,knste verbunden
waren und endlich die musicalische
,form ganz mit ,begriffs- und
,gefhlsfden durchsponnen ist4 ,menschen1
welche in der ,entwickelung der ,musik
zurckgeblieben sind1 knnen das selbe
,tonstck rein formalistisch empfinden1
wo die ,fortgeschrittenen ,alles
symbolisch verstehen4 ,an sich ist keine
,musik tief und bedeutungsvoll1 sie
spricht nicht vom ,willen1 vom ,dinge an
sich2 das konnte der ,intellect erst
in einem ,zeitalter whnen1 welches den
ganzen ,umfang des inneren ,lebens fr
die musicalische ,symbolik erobert
hatte4 ,der ,intellect selber hat diese
,bedeutsamkeit erst in den ,klang
hineingelegt1 wie er in die ,verhltnisse
von ,linien und ,massen bei der
,architektur ebenfalls ,bedeutsamkeit
gelegt hat1 welche aber an sich den
mechanischen ,gesetzen ganz fremd ist4
#baf4 ,gebrde und ,sprache4 - ,aelter
als die ,sprache ist das ,nachmachen
von ,gebrden1 welches unwillkrlich vor
sich geht und jetzt noch1 bei einer
allgemeinen ,zurckdrngung der
,gebrdensprache und gebildeten
,beherrschung der ,muskeln1 so stark
ist1 dass wir ein bewegtes ,gesicht
nicht ohne ,innervation unseres
,gesichts ansehen knnen 7man kann
beobachten1 dass fingirtes ,ghnen bei
,einem1 der es sieht1 natrliches ,ghnen
hervorruft74 ,die nachgeahmte ,gebrde
leitete ,den1 der nachahmte1 zu der
,empfindung zurck1 welche sie im
,gesicht oder ,krper des ,nachgeahmten
ausdrckte4 ,so lernte man sich
verstehen3 so lernt noch das ,kind die
,mutter verstehen4 ,im ,allgemeinen mgen
schmerzhafte ,empfindungen wohl auch
durch ,gebrden ausgedrckt worden sein1
welche ,schmerz ihrerseits verursachen
7zum ,beispiel durch ,haar ausraufen1
die-,brust-schlagen1 gewaltsame
,verzerrungen und ,anspannungen der
,gesichtsmuskeln74 ,umgekehrt3 ,gebrden
der ,lust waren selber lustvoll und
eigneten sich dadurch leicht zum
,mittheilen des ,verstndnisses 7,lachen
als ,aeusserung des ,gekitzeltwerdens1
welches lustvoll ist1 diente wiederum
zum ,ausdruck anderer lustvoller
,empfindungen74 - ,sobald man sich in
,gebrden verstand1 konnte wiederum eine
,symbolik der ,gebrde entstehen3 ich
meine1 man konnte ber eine
,tonzeichensprache sich verstndigen1 so
zwar1 dass man zuerst ,ton und ,gebrde
7zu der er symbolisch hinzutrat71 spter
nur den ,ton hervorbrachte4 - ,es
scheint sich da in frher ,zeit das
,selbe oftmals ereignet zu haben1 was
jetzt vor unseren ,augen und ,ohren in
der ,entwickelung der ,musik1
namentlich der dramatischen ,musik1 vor
sich geht3 whrend zuerst die ,musik1
ohne erklrenden ,tanz und ,mimus
7,gebrdensprache71 leeres ,gerusch ist1
wird durch lange ,gewhnung an jenes
,nebeneinander von ,musik und ,bewegung
das ,ohr zur sofortigen ,ausdeutung der
,tonfiguren eingeschult und kommt
endlich auf eine ,hhe des schnellen
,verstndnisses1 wo es der sichtbaren
,bewegung gar nicht mehr bedarf und den
,tondichter ohne dieselbe versteht4
,man redet dann von absoluter ,musik1
das heisst von ,musik1 in der ,alles
ohne weitere ,beihlfe sofort symbolisch
verstanden wird4 #bag4 ,die
,entsinnlichung der hheren ,kunst4 -
,unsere ,ohren sind1 vermge der
ausserordentlichen ,uebung des
,intellects durch die ,kunstentwickelung
der neuen ,musik1 immer intellectualer
geworden4 ,desshalb ertragen wir jetzt
viel grssere ,tonstrke1 viel mehr ,lrm1
weil wir viel besser eingebt sind1 auf
die ,vernunft in ihm hin zu horchen1
als unsere ,vorfahren4 ,thatschlich
sind nun alle unsere ,sinne eben
dadurch1 dass sie sogleich nach der
,vernunft1 also nach dem es bedeutet und
nicht mehr nach dem es ist fragen1
etwas abgestumpft worden3 wie sich eine
solche ,abstumpfung zum ,beispiel in der
unbedingten ,herrschaft der
,temperatur der ,tne verrth2 denn jetzt
gehren ,ohren1 welche die feineren
,unterscheidungen1 zum ,beispiel
zwischen cis und des1 noch machen1 zu
den ,ausnahmen4 ,in dieser ,hinsicht ist
unser ,ohr vergrbert worden4 ,sodann
ist die hssliche1 den ,sinnen
ursprnglich feindselige ,seite der
,welt fr die ,musik erobert worden2 ihr
,machtbereich1 namentlich zum ,ausdruck
des ,erhabenen1 ,furchtbaren1
,geheimnissvollen1 hat sich damit
erstaunlich erweitert2 unsere ,musik
bringt jetzt ,dinge zum ,reden1 welche
frher keine ,zunge hatten4 ,in hnlicher
,weise haben einige ,maler das ,auge
intellectualer gemacht und sind weit ber
,das hinausgegangen1 was man frher
,farben- und ,formenfreude nannte4 ,auch
hier ist die ursprnglich als hsslich
geltende ,seite der ,welt vom
knstlerischen ,verstande erobert worden4
- ,was ist von alledem die
,consequenz8 je gedankenfhiger ,auge und
,ohr werden1 um so mehr kommen sie an
die ,grnze1 wo sie unsinnlich werden3
die ,freude wird in's ,gehirn verlegt1
die ,sinnesorgane selbst werden stumpf
und schwach1 das ,symbolische tritt
immer mehr an ,stelle des ,seienden1 -
und so gelangen wir auf diesem ,wege so
sicher zur ,barbarei1 wie auf irgend
einem anderen4 ,einstweilen heisst es
noch3 die ,welt ist hsslicher als je1
aber sie bedeutet eine schnere ,welt als
je gewesen4 ,aber je mehr der
,ambraduft der ,bedeutung sich zerstreut
und verflchtigt1 um so seltener werden
,die1 welche ihn noch wahrnehmen3 und
die ,uebrigen bleiben endlich bei dem
,hsslichen stehen und suchen es direct
zu geniessen1 was ihnen aber immer
misslingen muss4 ,so giebt es in
,deutschland eine doppelte ,strmung der
musicalischen ,entwickelung3 hier eine
,schaar von ,zehntausend mit immer
hheren1 zarteren ,ansprchen und immer
mehr nach dem es bedeutet hinhrend1 und
dort die ungeheuere ,ueberzahl1 welche
alljhrlich immer unfhiger wird1 das
,bedeutende auch in der ,form der
sinnlichen ,hsslichkeit zu verstehen
und desshalb nach dem an sich ,hsslichen
und ,ekelhaften1 das heisst dem
niedrig ,sinnlichen1 in der ,musik mit
immer mehr ,behagen greifen lernt4
#bah4 ,der ,stein ist mehr ,stein als
frher4 - ,wir verstehen im ,allgemeinen
,architektur nicht mehr1 wenigstens
lange nicht in der ,weise1 wie wir
,musik verstehen4 ,wir sind aus der
,symbolik der ,linien und ,figuren
herausgewachsen1 wie wir der
,klangwirkungen der ,rhetorik entwhnt
sind1 und haben diese ,art von
,muttermilch der ,bildung nicht mehr vom
ersten ,augenblick unseres ,lebens an
eingesogen4 ,an einem griechischen oder
christlichen ,gebude bedeutete
ursprnglich ,alles ,etwas1 und zwar in
,hinsicht auf eine hhere ,ordnung der
,dinge3 diese ,stimmung einer
unausschpflichen ,bedeutsamkeit lag um
das ,gebude gleich einem zauberhaften
,schleier4 ,schnheit kam nur nebenbei in
das ,system hinein1 ohne die
,grundempfindung des
,unheimlich-,erhabenen1 des durch
,gtternhe und ,magie ,geweihten1
wesentlich zu beeintrchtigen2 ,schnheit
milderte hchstens das ,grauen1 - aber
dieses ,grauen war berall die
,voraussetzung4 - ,was ist uns jetzt die
,schnheit eines ,gebudes8 ,das ,selbe
wie das schne ,gesicht einer geistlosen
,frau3 etwas ,maskenhaftes4 #bai4
,religise ,herkunft der neueren ,musik4
- ,die seelenvolle ,musik entsteht in
dem wiederhergestellten ,katholicismus
nach dem tridentinischen ,concil1 durch
,palestrina1 welcher dem neu erwachten
innigen und tief bewegten ,geiste zum
,klange verhalf2 spter1 mit ,bach1 auch
im ,protestantismus1 soweit dieser
durch die ,pietisten vertieft und von
seinem ursprnglich dogmatischen
,grundcharakter losgebunden worden war4
,voraussetzung und nothwendige
,vorstufe fr beide ,entstehungen ist
die ,befassung mit ,musik1 wie sie dem
,zeitalter der ,renaissance und
,vor-,renaissance zu eigen war1
namentlich jene gelehrte ,beschftigung
mit ,musik1 jene im ,grunde
wissenschaftliche ,lust an den
,kunststcken der ,harmonik und
,stimmfhrung4 ,andererseits musste auch
die ,oper vorhergegangen sein3 in
welcher der ,laie seinen ,protest gegen
eine zu gelehrt gewordene kalte ,musik
zu erkennen gab und der ,polyhymnia
wieder eine ,seele schenken wollte4 -
,ohne jene tief religise ,umstimmung1
ohne das ,ausklingen des
innerlichst-erregten ,gemthes wre die
,musik gelehrt oder opernhaft geblieben2
der ,geist der ,gegenreformation ist
der ,geist der modernen ,musik 7denn
jener ,pietismus in ,bach's ,musik ist
auch eine ,art ,gegenreformation74 ,so
tief sind wir dem religisen ,leben
verschuldet4 - ,die ,musik war die
,gegenrenaissance im ,gebiete der
,kunst1 zu ihr gehrt die sptere
,malerei des ,murillo1 zu ihr vielleicht
auch der ,barockstil3 mehr jedenfalls
als die ,architektur der ,renaissance
oder des ,alterthums4 ,und noch jetzt
drfte man fragen3 wenn unsere neuere
,musik die ,steine bewegen knnte1 wrde
sie diese zu einer antiken ,architektur
zusammensetzen8 ,ich zweifle sehr4 ,denn
,das1 was in dieser ,musik regiert1
der ,affect1 die ,lust an erhhten1 weit
gespannten ,stimmungen1 das
,lebendig-werden-wollen um jeden ,preis1
der rasche ,wechsel der ,empfindung1
die starke ,reliefwirkung in ,licht und
,schatten1 die ,nebeneinanderstellung
der ,ekstase und des ,naiven1 - das hat
,alles schon einmal in den bildenden
,knsten regiert und neue ,stilgesetze
geschaffen3 - es war aber weder im
,alterthum noch in der ,zeit der
,renaissance4 #bbj4 ,das
,jenseits in der ,kunst4 - ,nicht ohne
tiefen ,schmerz gesteht man sich ein1
dass die ,knstler aller ,zeiten in ihrem
hchsten ,aufschwunge gerade jene
,vorstellungen zu einer himmlischen
,verklrung hinaufgetragen haben1 welche
wir jetzt als falsch erkennen3 sie sind
die ,verherrlicher der religisen und
philosophischen ,irrthmer der
,menschheit1 und sie htten diess nicht
sein knnen ohne den ,glauben an die
absolute ,wahrheit derselben4 ,nimmt nun
der ,glaube an eine solche ,wahrheit
berhaupt ab1 verblassen die
,regenbogenfarben um die ussersten
,enden des menschlichen ,erkennens und
,whnens3 so kann jene ,gattung von
,kunst nie wieder aufblhen1 welche1 wie
die divina commedia1 die ,bilder
,rafael's1 die ,fresken ,michelangelo's1
die gothischen ,mnster1 nicht nur eine
kosmische1 sondern auch eine
metaphysische ,bedeutung der
,kunstobjecte voraussetzt4 ,es wird eine
rhrende ,sage daraus werden1 dass es
eine solche ,kunst1 einen solchen
,knstlerglauben gegeben habe4 #bba4
,die ,revolution in der ,poesie4 -
,der strenge ,zwang1 welchen sich die
franzsischen ,dramatiker auferlegten1 in
,hinsicht auf ,einheit der ,handlung1
des ,ortes und der ,zeit1 auf ,stil1
,vers- und ,satzbau1 ,auswahl der
,worte und ,gedanken1 war eine so
wichtige ,schule1 wie die des
,contrapuncts und der ,fuge in der
,entwickelung der modernen ,musik oder
wie die ,gorgianischen ,figuren in der
griechischen ,beredtsamkeit4 ,sich so
zu binden1 kann absurd erscheinen2
trotzdem giebt es kein anderes ,mittel1
um aus dem ,naturalisiren
herauszukommen1 als sich zuerst auf das
allerstrkste 7vielleicht
allerwillkrlichste7 zu beschrnken4 ,man
lernt so allmhlich mit ,grazie selbst
auf den schmalen ,stegen schreiten1
welche schwindelnde ,abgrnde berbrcken1
und bringt die hchste ,geschmeidigkeit
der ,bewegung als ,ausbeute mit heim3
wie die ,geschichte der ,musik vor den
,augen aller ,jetztlebenden beweist4
,hier sieht man1 wie ,schritt vor
,schritt die ,fesseln lockerer werden1
bis sie endlich ganz abgeworfen
scheinen knnen3 dieser ,schein ist das
hchste ,ergebniss einer nothwendigen
,entwickelung in der ,kunst4 ,in der
modernen ,dichtkunst gab es keine so
glckliche allmhliche ,herauswickelung
aus den selbstgelegten ,fesseln4
,lessing machte die franzsische ,form1
das heisst die einzige moderne
,kunstform1 zum ,gesptt in ,deutschland
und verwies auf ,shakespeare1 und so
verlor man die ,stetigkeit jener
,entfesselung und machte einen ,sprung
in den ,naturalismus - das heisst in
die ,anfnge der ,kunst zurck4 ,aus ihm
versuchte sich ,goethe zu retten1 indem
er sich immer von ,neuem wieder auf
verschiedene ,art zu binden wusste2 aber
auch der ,begabteste bringt es nur zu
einem fortwhrenden ,experimentiren1 wenn
der ,faden der ,entwickelung einmal
abgerissen ist4 ,schiller verdankt die
ungefhre ,sicherheit seiner ,form dem
unwillkrlich verehrten1 wenn auch
verleugneten ,vorbilde der franzsischen
,tragdie und hielt sich ziemlich
unabhngig von ,lessing 7dessen
dramatische ,versuche er bekanntlich
ablehnte74 ,den ,franzosen selber
fehlten nach ,voltaire auf einmal die
grossen ,talente1 welche die
,entwickelung der ,tragdie aus dem
,zwange zu jenem ,scheine der ,freiheit
fortgefhrt htten2 sie machten spter
nach deutschem ,vorbilde auch den
,sprung in eine ,art von
,rousseau'schem ,naturzustand der ,kunst
und experimentirten4 ,man lese nur von
,zeit zu ,zeit ,voltaire's ,mahomet1 um
sich klar vor die ,seele zu stellen1
was durch jenen ,abbruch der ,tradition
ein fr alle ,mal der europischen
,cultur verloren gegangen ist4 ,voltaire
war der letzte der grossen
,dramatiker1 welcher seine
vielgestaltige1 auch den grssten
tragischen ,gewitterstrmen gewachsene
,seele durch griechisches ,maass
bndigte1 - er vermochte ,das1 was noch
kein ,deutscher vermochte1 weil die
,natur des ,franzosen der griechischen
viel verwandter ist1 als die ,natur des
,deutschen -2 wie er auch der letzte
grosse ,schriftsteller war1 der in der
,behandlung der ,prosa-,rede
griechisches ,ohr1 griechische
,knstler-,gewissenhaftigkeit1
griechische ,schlichtheit und ,anmuth
hatte2 ja wie er einer der letzten
,menschen gewesen ist1 welche die
hchste ,freiheit des ,geistes und eine
schlechterdings unrevolutionre
,gesinnung in sich vereinigen knnen1
ohne inconsequent und feige zu sein4
,seitdem ist der moderne ,geist mit
seiner ,unruhe1 seinem ,hass gegen
,maass und ,schranke1 auf allen
,gebieten zur ,herrschaft gekommen1
zuerst entzgelt durch das ,fieber der
,revolution und dann wieder sich ,zgel
anlegend1 wenn ihn ,angst und ,grauen
vor sich selber anwandelte1 - aber die
,zgel der ,logik1 nicht mehr des
knstlerischen ,maasses4 ,zwar geniessen
wir durch jene ,entfesselung eine ,zeit
lang die ,poesien aller ,vlker1 alles
an verborgenen ,stellen ,aufgewachsene1
,urwchsige1 ,wildblhende1
,wunderlich-,schne und
,riesenhaft-,unregelmssige1 vom
,volksliede an bis zum grossen
,barbaren ,shakespeare hinauf2 wir
schmecken die ,freuden der ,localfarbe
und des ,zeitcostms1 die allen
knstlerischen ,vlkern bisher fremd
waren2 wir benutzen reichlich die
barbarischen ,avantagen unserer ,zeit1
welche ,goethe gegen ,schiller geltend
machte1 um die ,formlosigkeit seines
,faust in das gnstigste ,licht zu
stellen4 ,aber auf wie lange noch8 ,die
hereinbrechende ,fluth von ,poesien
aller ,stile aller ,vlker muss ja
allmhlich das ,erdreich hinwegschwemmen1
auf dem ein stilles verborgenes
,wachsthum noch mglich gewesen wre2 alle
,dichter mssen ja experimentirende
,nachahmer1 wagehalsige ,copisten
werden1 mag ihre ,kraft von ,anbeginn
noch so gross sein2 das ,publicum
endlich1 welches verlernt hat1 in der
,bndigung der darstellenden ,kraft1 in
der organisirenden ,bewltigung aller
,kunstmittel die eigentlich
knstlerische ,that zu sehen1 muss immer
mehr die ,kraft um der ,kraft willen1
die ,farbe um der ,farbe willen1 den
,gedanken um des ,gedankens willen1 ja
die ,inspiration um der ,inspiration
willen schtzen1 es wird demgemss die
,elemente und ,bedingungen des
,kunstwerks gar nicht1 wenn nicht
isolirt1 geniessen und zu guterletzt
die natrliche ,forderung stellen1 dass
der ,knstler isolirt sie ihm auch
darreichen msse4 ,ja1 man hat die
unvernnftigen ,fesseln der
franzsisch-griechischen ,kunst
abgeworfen1 aber unvermerkt sich daran
gewhnt1 alle ,fesseln1 alle ,beschrnkung
unvernnftig zu finden2 - und so bewegt
sich die ,kunst ihrer ,auflsung
entgegen und streift dabei - was
freilich hchst belehrend ist - alle
,phasen ihrer ,anfnge1 ihrer ,kindheit1
ihrer ,unvollkommenheit1 ihrer
einstmaligen ,wagnisse und
,ausschreitungen3 sie interpretirt1 im
,zu-,grunde-gehen1 ihre ,entstehung1
ihr ,werden4 ,einer der ,grossen1 auf
dessen ,instinct man sich wohl
verlassen kann und dessen ,theorie
,nichts weiter1 als ein dreissig ,jahre
,mehr von ,praxis fehlte1 - ,lord
,byron hat einmal ausgesprochen3 ,was
die ,poesie im ,allgemeinen anlangt1 so
bin ich1 je mehr ich darber nachdenke1
immer fester der ,ueberzeugung1 dass wir
allesammt auf dem falschen ,wege sind1
,einer wie der ,andere4 ,wir folgen
,alle einem innerlich falschen
revolutionren ,system1 - unsere oder die
nchste ,generation wird noch zu der
selben ,ueberzeugung gelangen4 ,es ist
diess der selbe ,byron1 welcher sagt3
,ich betrachte ,shakespeare als das
schlechteste ,vorbild1 wenn auch als den
ausserordentlichsten ,dichter4 ,und
sagt im ,grunde ,goethe's gereifte
knstlerische ,einsicht aus der zweiten
,hlfte seines ,lebens nicht genau das
,selbe8 - jene ,einsicht1 mit welcher
er einen solchen ,vorsprung ber eine
,reihe von ,generationen gewann1 dass
man im ,grossen und ,ganzen behaupten
kann1 ,goethe habe noch gar nicht
gewirkt und seine ,zeit werde erst
kommen8 ,gerade weil seine ,natur ihn
lange ,zeit in der ,bahn der poetischen
,revolution festhielt1 gerade weil er am
grndlichsten auskostete1 was ,alles
indirect durch jenen ,abbruch der
,tradition an neuen ,funden1
,aussichten1 ,hlfsmitteln entdeckt und
gleichsam unter den ,ruinen der ,kunst
ausgegraben worden war1 so wiegt seine
sptere ,umwandelung und ,bekehrung so
viel3 sie bedeutet1 dass er das tiefste
,verlangen empfand1 die ,tradition der
,kunst wieder zu gewinnen und den stehen
gebliebenen ,trmmern und ,sulengngen
des ,tempels mit der ,phantasie des
,auges wenigstens die alte
,vollkommenheit und ,ganzheit
anzudichten1 wenn die ,kraft des ,armes
sich viel zu schwach erweisen sollte1
zu bauen1 wo so ungeheure ,gewalten
schon zum ,zerstren nthig waren4 ,so
lebte er in der ,kunst als in der
,erinnerung an die wahre ,kunst3 sein
,dichten war zum ,hlfsmittel der
,erinnerung1 des ,verstndnisses alter1
lngst entrckter ,kunstzeiten geworden4
,seine ,forderungen waren zwar in
,hinsicht auf die ,kraft des neuen
,zeitalters unerfllbar2 der ,schmerz
darber wurde aber reichlich durch die
,freude aufgewogen1 dass sie einmal
erfllt gewesen sind und dass auch wir
noch an dieser ,erfllung theilnehmen
knnen4 ,nicht ,individuen1 sondern mehr
oder weniger idealische ,masken2 keine
,wirklichkeit1 sondern eine
allegorische ,allgemeinheit2
,zeitcharaktere1 ,localfarben zum fast
,unsichtbaren abgedmpft und mythisch
gemacht2 das gegenwrtige ,empfinden und
die ,probleme der gegenwrtigen
,gesellschaft auf die einfachsten
,formen zusammengedrngt1 ihrer
reizenden1 spannenden1 pathologischen
,eigenschaften entkleidet1 in jedem
andern als dem artistischen ,sinne
wirkungslos gemacht2 keine neuen ,stoffe
und ,charaktere1 sondern die alten1
lngst gewohnten in immerfort whrender
,neubeseelung und ,umbildung3 das ist
die ,kunst1 so wie sie ,goethe spter
verstand1 so wie sie die ,griechen1 ja
auch die ,franzosen bten4 #bbb4
,was von der ,kunst brig bleibt4 - ,es
ist wahr1 bei gewissen metaphysischen
,voraussetzungen hat die ,kunst viel
grsseren ,werth1 zum ,beispiel wenn der
,glaube gilt1 dass der ,charakter
unvernderlich sei und das ,wesen der
,welt sich in allen ,charakteren und
,handlungen fortwhrend ausspreche3 da
wird das ,werk des ,knstlers zum ,bild
des ewig ,beharrenden1 whrend fr unsere
,auffassung der ,knstler seinem ,bilde
immer nur ,gltigkeit fr eine ,zeit
geben kann1 weil der ,mensch im ,ganzen
geworden und wandelbar und selbst der
einzelne ,mensch nichts ,festes und
,beharrendes ist4 - ,ebenso steht es bei
einer andern metaphysischen
,voraussetzung3 gesetzt1 dass unsere
sichtbare ,welt nur ,erscheinung wre1
wie es die ,metaphysiker annehmen1 so
kme die ,kunst der wirklichen ,welt
ziemlich nahe zu stehen3 denn zwischen
der ,erscheinungswelt und der
,traumbild-,welt des ,knstlers gbe es
dann gar zu viel ,aehnliches2 und die
brigbleibende ,verschiedenheit stellte
sogar die ,bedeutung der ,kunst hher1
als die ,bedeutung der ,natur1 weil die
,kunst das ,gleichfrmige1 die ,typen
und ,vorbilder der ,natur darstellte4 -
,jene ,voraussetzungen sind aber
falsch3 welche ,stellung bleibt nach
dieser ,erkenntniss jetzt noch der
,kunst8 ,vor ,allem hat sie durch
,jahrtausende hindurch gelehrt1 mit
,interesse und ,lust auf das ,leben in
jeder ,gestalt zu sehen und unsere
,empfindung so weit zu bringen1 dass
wir endlich rufen3 wie es auch sei1 das
,leben1 es ist gut4 ,diese ,lehre der
,kunst1 ,lust am ,dasein zu haben und
das ,menschenleben wie ein ,stck
,natur1 ohne zu heftige ,mitbewegung1
als ,gegenstand gesetzmssiger
,entwickelung anzusehen1 - diese ,lehre
ist in uns hineingewachsen1 sie kommt
jetzt als allgewaltiges ,bedrfniss des
,erkennens wieder an's ,licht4 ,man
knnte die ,kunst aufgeben1 wrde damit
aber nicht die von ihr gelernte
,fhigkeit einbssen3 ebenso wie man die
,religion aufgegeben hat1 nicht aber die
durch sie erworbenen
,gemths-,steigerungen und ,erhebungen4
,wie die bildende ,kunst und die ,musik
der ,maassstab des durch die ,religion
wirklich erworbenen und hinzugewonnenen
,gefhls-,reichthumes ist1 so wrde nach
einem ,verschwinden der ,kunst die von
ihr gepflanzte ,intensitt und
,vielartigkeit der ,lebensfreude immer
noch ,befriedigung fordern4 ,der
wissenschaftliche ,mensch ist die
,weiterentwickelung des knstlerischen4
#bbc4 ,abendrthe der ,kunst4 - ,wie
man sich im ,alter der ,jugend erinnert
und ,gedchtnissfeste feiert1 so steht
bald die ,menschheit zur ,kunst im
,verhltniss einer rhrenden ,erinnerung
an die ,freuden der ,jugend4
,vielleicht dass niemals frher die
,kunst so tief und seelenvoll erfasst
wurde1 wie jetzt1 wo die ,magie des
,todes dieselbe zu umspielen scheint4
,man denke an jene griechische ,stadt in
,unteritalien1 welche an ,einem ,tage
des ,jahres noch ihre griechischen
,feste feierte1 unter ,wehmuth und
,thrnen darber1 dass immer mehr die
auslndische ,barbarei ber ihre
mitgebrachten ,sitten triumphire2
niemals hat man wohl das ,hellenische
so genossen1 nirgendswo diesen goldenen
,nektar mit solcher ,wollust geschlrft1
als unter diesen absterbenden
,hellenen4 ,den ,knstler wird man bald
als ein herrliches ,ueberbleibsel
ansehen und ihm1 wie einem wunderbaren
,fremden1 an dessen ,kraft und ,schnheit
das ,glck frherer ,zeiten hieng1
,ehren erweisen1 wie wir sie nicht
leicht ,unseresgleichen gnnen4 ,das
,beste an uns ist vielleicht aus
,empfindungen frherer ,zeiten vererbt1
zu denen wir jetzt auf unmittelbarem
,wege kaum mehr kommen knnen2 die ,sonne
ist schon hinuntergegangen1 aber der
,himmel unseres ,lebens glht und
leuchtet noch von ihr her1 ob wir sie
schon nicht mehr sehen4 ,fnftes
,hauptstck4 ,anzeichen hherer und
niederer ,cultur4 #bbd4
,veredelung durch ,entartung4 - ,aus der
,geschichte ist zu lernen1 dass der
,stamm eines ,volkes sich am besten
erhlt1 in welchem die meisten ,menschen
lebendigen ,gemeinsinn in ,folge der
,gleichheit ihrer gewohnten und
undiscutirbaren ,grundstze1 also in
,folge ihres gemeinsamen ,glaubens
haben4 ,hier erstarkt die gute1 tchtige
,sitte1 hier wird die ,unterordnung des
,individuums gelernt und dem ,charakter
,festigkeit schon als ,angebinde
gegeben und nachher noch anerzogen4 ,die
,gefahr dieser starken1 auf
gleichartige1 charaktervolle ,individuen
gegrndeten ,gemeinwesen ist die
allmhlich durch ,vererbung gesteigerte
,verdummung1 welche nun einmal aller
,stabilitt wie ihr ,schatten folgt4 ,es
sind die ungebundneren1 viel
unsichereren und moralisch schwcheren
,individuen1 an denen das geistige
,fortschreiten in solchen ,gemeinwesen
hngt3 es sind die ,menschen1 welche
,neues und berhaupt ,vielerlei
versuchen4 ,unzhlige dieser ,art gehen1
ihrer ,schwche wegen1 ohne sehr
ersichtliche ,wirkung zu ,grunde2 aber
im ,allgemeinen1 zumal wenn sie
,nachkommen haben1 lockern sie auf und
bringen von ,zeit zu ,zeit dem stabilen
,elemente eines ,gemeinwesens eine
,wunde bei4 ,gerade an dieser wunden
und schwach gewordenen ,stelle wird dem
gesammten ,wesen etwas ,neues gleichsam
inoculirt2 seine ,kraft im ,ganzen muss
aber stark genug sein1 um dieses ,neue
in sein ,blut aufzunehmen und sich zu
assimiliren4 ,die abartenden ,naturen
sind berall da von hchster ,bedeutung1
wo ein ,fortschritt erfolgen soll4
,jedem ,fortschritt im ,grossen muss
eine theilweise ,schwchung vorhergehen4
,die strksten ,naturen halten den
,typus fest1 die schwcheren helfen ihn
fortbilden4 - ,etwas ,aehnliches
ergiebt sich fr den einzelnen ,menschen2
selten ist eine ,entartung1 eine
,verstmmelung1 selbst ein ,laster und
berhaupt eine krperliche oder sittliche
,einbusse ohne einen ,vortheil auf
einer anderen ,seite4 ,der krnkere
,mensch zum ,beispiel wird vielleicht1
inmitten eines kriegerischen und
unruhigen ,stammes1 mehr ,veranlassung
haben1 fr sich zu sein und dadurch
ruhiger und weiser zu werden1 der
,einugige wird ,ein strkeres ,auge
haben1 der ,blinde wird tiefer in's
,innere schauen und jedenfalls schrfer
hren4 ,insofern scheint mir der berhmte
,kampf um's ,dasein nicht der einzige
,gesichtspunct zu sein1 aus dem das
,fortschreiten oder ,strkerwerden eines
,menschen1 einer ,rasse erklrt werden
kann4 ,vielmehr muss zweierlei zusammen
kommen3 einmal die ,mehrung der
stabilen ,kraft durch ,bindung der
,geister in ,glauben und ,gemeingefhl2
sodann die ,mglichkeit1 zu hheren
,zielen zu gelangen1 dadurch dass
entartende ,naturen und1 in ,folge
derselben1 theilweise ,schwchungen und
,verwundungen der stabilen ,kraft
vorkommen2 gerade die schwchere ,natur1
als die zartere und freiere1 macht
alles ,fortschreiten berhaupt mglich4
,ein ,volk1 das irgendwo anbrckelt und
schwach wird1 aber im ,ganzen noch stark
und gesund ist1 vermag die ,infection
des ,neuen aufzunehmen und sich zum
,vortheil einzuverleiben4 ,bei dem
einzelnen ,menschen lautet die ,aufgabe
der ,erziehung so3 ihn so fest und
sicher hinzustellen1 dass er als ,ganzes
gar nicht mehr aus seiner ,bahn
abgelenkt werden kann4 ,dann aber hat
der ,erzieher ihm ,wunden beizubringen
oder die ,wunden1 welche das ,schicksal
ihm schlgt1 zu benutzen1 und wenn so
der ,schmerz und das ,bedrfniss
entstanden sind1 so kann auch in die
verwundeten ,stellen etwas ,neues und
,edles inoculirt werden4 ,seine
gesammte ,natur wird es in sich
hineinnehmen und spter1 in ihren
,frchten1 die ,veredelung spren lassen4
- ,was den ,staat betrifft1 so sagt
,macchiavelli1 dass die ,form der
,regierungen von sehr geringer
,bedeutung ist1 obgleich halbgebildete
,leute anders denken4 ,das grosse ,ziel
der ,staatskunst sollte ,dauer sein1
welche alles ,andere aufwiegt1 indem
sie weit werthvoller ist1 als ,freiheit4
,nur bei sicher begrndeter und
verbrgter grsster ,dauer ist stetige
,entwickelung und veredelnde
,inoculation berhaupt mglich4 ,freilich
wird gewhnlich die gefhrliche ,genossin
aller ,dauer1 die ,autoritt1 sich
dagegen wehren4 #bbe4 ,freigeist
ein relativer ,begriff4 - ,man nennt
,den einen ,freigeist1 welcher anders
denkt1 als man von ihm auf ,grund seiner
,herkunft1 ,umgebung1 seines ,standes
und ,amtes oder auf ,grund der
herrschenden ,zeitansichten erwartet4
,er ist die ,ausnahme1 die gebundenen
,geister sind die ,regel2 diese werfen
ihm vor1 dass seine freien ,grundstze
ihren ,ursprung entweder in der ,sucht1
aufzufallen1 haben oder gar auf freie
,handlungen1 das heisst auf solche1
welche mit der gebundenen ,moral
unvereinbar sind1 schliessen lassen4
,bisweilen sagt man auch1 diese oder
jene freien ,grundstze seien aus
,verschrobenheit und ,ueberspanntheit
des ,kopfes herzuleiten2 doch spricht so
nur die ,bosheit1 welche selber an
,das nicht glaubt1 was sie sagt1 aber
damit schaden will3 denn das ,zeugniss
fr die grssere ,gte und ,schrfe seines
,intellectes ist dem ,freigeist
gewhnlich in's ,gesicht geschrieben1 so
lesbar1 dass es die gebundenen ,geister
gut genug verstehen4 ,aber die beiden
andern ,ableitungen der ,freigeisterei
sind redlich gemeint2 in der ,that
entstehen auch viele ,freigeister auf
die eine oder die andere ,art4
,desshalb knnten aber die ,stze1 zu
denen sie auf jenen ,wegen gelangten1
doch wahrer und zuverlssiger sein1 als
die der gebundenen ,geister4 ,bei der
,erkenntniss der ,wahrheit kommt es
darauf an1 dass man sie hat1 nicht
darauf1 aus welchem ,antrieb man sie
gesucht1 auf welchem ,wege man sie
gefunden hat4 ,haben die ,freigeister
,recht1 so haben die gebundenen ,geister
,unrecht1 gleichgltig1 ob die ersteren
aus ,unmoralitt zur ,wahrheit gekommen
sind1 die anderen aus ,moralitt bisher
an der ,unwahrheit festgehalten haben4 -
,uebrigens gehrt es nicht zum ,wesen
des ,freigeistes1 dass er richtigere
,ansichten hat1 sondern vielmehr1 dass
er sich von dem ,herkmmlichen gelst
hat1 sei es mit ,glck oder mit einem
,misserfolg4 ,fr gewhnlich wird er aber
doch die ,wahrheit oder mindestens den
,geist der ,wahrheitsforschung auf
seiner ,seite haben3 er fordert ,grnde1
die ,anderen ,glauben4 #bbf4
,herkunft des ,glaubens4 - ,der
gebundene ,geist nimmt seine ,stellung
nicht aus ,grnden ein1 sondern aus
,gewhnung2 er ist zum ,beispiel
,christ1 nicht weil er die ,einsicht in
die verschiedenen ,religionen und die
,wahl zwischen ihnen gehabt htte2 er ist
,englnder1 nicht weil er sich fr
,england entschieden hat1 sondern er
fand das ,christenthum und das
,englnderthum vor und nahm sie an ohne
,grnde1 wie jemand1 der in einem
,weinlande geboren wurde1 ein
,weintrinker wird4 ,spter1 als er
,christ und ,englnder war1 hat er
vielleicht auch einige ,grnde zu
,gunsten seiner ,gewhnung ausfindig
gemacht2 man mag diese ,grnde umwerfen1
damit wirft man ihn in seiner ganzen
,stellung nicht um4 ,man nthige zum
,beispiel einen gebundenen ,geist1 seine
,grnde gegen die ,bigamie
vorzubringen1 dann wird man erfahren1 ob
sein heiliger ,eifer fr die ,monogamie
auf ,grnden oder auf ,angewhnung
beruht4 ,angewhnung geistiger
,grundstze ohne ,grnde nennt man
,glauben4 #bbg4 ,aus den ,folgen
auf ,grund und ,ungrund
zurckgeschlossen4 - ,alle ,staaten und
,ordnungen der ,gesellschaft3 die
,stnde1 die ,ehe1 die ,erziehung1 das
,recht1 alles diess hat seine ,kraft und
,dauer allein in dem ,glauben der
gebundenen ,geister an sie1 - also in
der ,abwesenheit der ,grnde1 mindestens
in der ,abwehr des ,fragens nach
,grnden4 ,das wollen die gebundenen
,geister nicht gern zugeben und sie
fhlen wohl1 dass es ein ,pudendum ist4
,das ,christenthum1 das sehr unschuldig
in seinen intellectuellen ,einfllen
war1 merkte von diesem ,pudendum
,nichts1 forderte ,glauben und ,nichts
als ,glauben und wies das ,verlangen
nach ,grnden mit ,leidenschaft ab2 es
zeigte auf den ,erfolg des ,glaubens
hin3 ihr werdet den ,vortheil des
,glaubens schon spren1 deutete es an1
ihr sollt durch ihn selig werden4
,thatschlich verfhrt der ,staat ebenso
und jeder ,vater erzieht in gleicher
,weise seinen ,sohn3 halte diess nur fr
wahr1 sagt er1 du wirst spren1 wie gut
diess thut4 ,diess bedeutet aber1 dass
aus dem persnlichen ,nutzen1 den eine
,meinung eintrgt1 ihre ,wahrheit
erwiesen werden soll1 die
,zutrglichkeit einer ,lehre soll fr die
intellectuelle ,sicherheit und
,begrndetheit ,gewhr leisten4 ,es ist
diess so1 wie wenn der ,angeklagte vor
,gericht sprche3 mein ,vertheidiger sagt
die ganze ,wahrheit1 denn seht nur zu1
was aus seiner ,rede folgt3 ich werde
freigesprochen4 - ,weil die gebundenen
,geister ihre ,grundstze ihres ,nutzens
wegen haben1 so vermuthen sie auch beim
,freigeist1 dass er mit seinen
,ansichten ebenfalls seinen ,nutzen
suche und nur ,das fr wahr halte1 was
ihm gerade frommt4 ,da ihm aber das
,entgegengesetzte von dem zu ntzen
scheint1 was seinen ,landes- oder
,standesgenossen ntzt1 so nehmen diese
an1 dass seine ,grundstze ihnen
gefhrlich sind2 sie sagen oder fhlen3
er darf nicht ,recht haben1 denn er ist
uns schdlich4 #bbh4 ,der starke1
gute ,charakter4 - ,die ,gebundenheit
der ,ansichten1 durch ,gewhnung zum
,instinct geworden1 fhrt zu dem1 was man
,charakterstrke nennt4 ,wenn jemand
aus wenigen1 aber immer aus den gleichen
,motiven handelt1 so erlangen seine
,handlungen eine grosse ,energie2 stehen
diese ,handlungen im ,einklange mit
den ,grundstzen der gebundenen
,geister1 so werden sie anerkannt und
erzeugen nebenbei in ,dem1 der sie
thut1 die ,empfindung des guten
,gewissens4 ,wenige ,motive1 energisches
,handeln und gutes ,gewissen machen
,das aus1 was man ,charakterstrke
nennt4 ,dem ,charakterstarken fehlt die
,kenntniss der vielen ,mglichkeiten und
,richtungen des ,handelns2 sein
,intellect ist unfrei1 gebunden1 weil
er ihm in einem gegebenen ,falle
vielleicht nur zwei ,mglichkeiten
zeigt2 zwischen diesen muss er jetzt
gemss seiner ganzen ,natur mit
,nothwendigkeit whlen1 und er thut diess
leicht und schnell1 weil er nicht
zwischen fnfzig ,mglichkeiten zu whlen
hat4 ,die erziehende ,umgebung will
jeden ,menschen unfrei machen1 indem sie
ihm immer die geringste ,zahl von
,mglichkeiten vor ,augen stellt4 ,das
,individuum wird von seinen ,erziehern
behandelt1 als ob es zwar etwas ,neues
sei1 aber eine ,wiederholung werden
solle4 ,erscheint der ,mensch zunchst
als etwas ,unbekanntes1 nie
,dagewesenes1 so soll er zu etwas
,bekanntem1 ,dagewesenem gemacht werden4
,einen guten ,charakter nennt man an
einem ,kinde das ,sichtbarwerden der
,gebundenheit durch das ,dagewesene2
indem das ,kind sich auf die ,seite der
gebundenen ,geister stellt1 bekundet es
zuerst seinen erwachenden ,gemeinsinn2
auf der ,grundlage dieses ,gemeinsinns
aber wird es spter seinem ,staate oder
,stande ntzlich4 #bbi4 ,maass
der ,dinge bei den gebundenen ,geistern4
- ,von vier ,gattungen der ,dinge
sagen die gebundenen ,geister1 sie seien
im ,rechte4 ,erstens3 alle ,dinge1
welche ,dauer haben1 sind im ,recht2
zweitens3 alle ,dinge1 welche uns nicht
lstig fallen1 sind im ,recht2 drittens3
alle ,dinge1 welche uns ,vortheil
bringen1 sind im ,recht2 viertens3 alle
,dinge1 fr welche wir ,opfer gebracht
haben1 sind im ,recht4 ,letzteres erklrt
zum ,beispiel1 wesshalb ein ,krieg1
der wider ,willen des ,volkes begonnen
wurde1 mit ,begeisterung fortgefhrt
wird1 sobald erst ,opfer gebracht sind4
- ,die ,freigeister1 welche ihre ,sache
vor dem ,forum der gebundenen ,geister
fhren1 haben nachzuweisen1 dass es
immer ,freigeister gegeben hat1 also
dass die ,freigeisterei ,dauer hat1
sodann1 dass sie nicht lstig fallen
wollen1 und endlich1 dass sie den
gebundenen ,geistern im ,ganzen
,vortheil bringen2 aber weil sie von
diesem ,letzten die gebundenen ,geister
nicht berzeugen knnen1 ntzt es ihnen
,nichts1 den ersten und zweiten ,punct
bewiesen zu haben4 #bcj4 ,esprit
fort4 - ,verglichen mit ,dem1 welcher
das ,herkommen auf seiner ,seite hat
und keine ,grnde fr sein ,handeln
braucht1 ist der ,freigeist immer
schwach1 namentlich im ,handeln2 denn er
kennt zu viele ,motive und
,gesichtspuncte und hat desshalb eine
unsichere1 ungebte ,hand4 ,welche
,mittel giebt es nun1 um ihn doch
verhltnissmssig stark zu machen1 so
dass er sich wenigstens durchsetzt und
nicht wirkungslos zu ,grunde geht8 ,wie
entsteht der starke ,geist 7esprit
fort78 ,es ist diess in einem einzelnen
,falle die ,frage nach der ,erzeugung
des ,genius'4 ,woher kommt die
,energie1 die unbeugsame ,kraft1 die
,ausdauer1 mit welcher der ,einzelne1
dem ,herkommen entgegen1 eine ganz
individuelle ,erkenntniss der ,welt zu
erwerben trachtet8 #bca4 ,die
,entstehung des ,genie's4 - ,der ,witz
des ,gefangenen1 mit welchem er nach
,mitteln zu seiner ,befreiung sucht1 die
kaltbltigste und langwierigste
,bentzung jedes kleinsten ,vortheils
kann lehren1 welcher ,handhabe sich
mitunter die ,natur bedient1 um das
,genie - ein ,wort1 das ich bitte1 ohne
allen mythologischen und religisen
,beigeschmack zu verstehen - zu ,stande
zu bringen3 sie fngt es in einen
,kerker ein und reizt seine ,begierde1
sich zu befreien1 auf das usserste4 -
,oder mit einem anderen ,bilde3 jemand1
der sich auf seinem ,wege im ,walde
vllig verirrt hat1 aber mit ungemeiner
,energie nach irgend einer ,richtung
hin in's ,freie strebt1 entdeckt
mitunter einen neuen ,weg1 welchen
,niemand kennt3 so entstehen die
,genies1 denen man ,originalitt
nachrhmt4 - ,es wurde schon erwhnt1 dass
eine ,verstmmelung1 ,verkrppelung1 ein
erheblicher ,mangel eines ,organs hufig
die ,veranlassung dazu giebt1 dass ein
anderes ,organ sich ungewhnlich gut
entwickelt1 weil es seine eigene
,function und noch eine andere zu
versehen hat4 ,hieraus ist der ,ursprung
mancher glnzenden ,begabung zu
errathen4 - ,aus diesen allgemeinen
,andeutungen ber die ,entstehung des
,genius' mache man die ,anwendung auf
den speciellen ,fall1 die ,entstehung
des vollkommenen ,freigeistes4
#bcb4 ,vermuthung ber den ,ursprung
der ,freigeisterei4 - ,ebenso wie die
,gletscher zunehmen1 wenn in den
,aequatorialgegenden die ,sonne mit
grsserer ,gluth als frher auf die ,meere
niederbrennt1 so mag auch wohl eine
sehr starke1 um sich greifende
,freigeisterei ,zeugniss dafr sein1
dass irgendwo die ,gluth der ,empfindung
ausserordentlich gewachsen ist4
#bcc4 ,die ,stimme der ,geschichte4 -
,im ,allgemeinen scheint die
,geschichte ber die ,erzeugung des
,genius' folgende ,belehrung zu geben3
misshandelt und qult die ,menschen1 - so
ruft sie den ,leidenschaften ,neid1
,hass und ,wetteifer zu - treibt sie zum
,aeussersten1 den ,einen wider den
,andern1 das ,volk gegen das ,volk1 und
zwar durch ,jahrhunderte hindurch1 dann
flammt vielleicht1 gleichsam aus einem
bei ,seite fliegenden ,funken der
dadurch entzndeten furchtbaren ,energie1
auf einmal das ,licht des ,genius'
empor2 der ,wille1 wie ein ,ross durch
den ,sporn des ,reiters wild gemacht1
bricht dann aus und springt auf ein
anderes ,gebiet ber4 - ,wer zum
,bewusstsein ber die ,erzeugung des
,genius' kme und die ,art1 wie die
,natur gewhnlich verfhrt1 auch
praktisch durchfhren wollte1 wrde gerade
so bse und rcksichtslos wie die ,natur
sein mssen4 - ,aber vielleicht haben
wir uns verhrt4 #bcd4 ,werth der
,mitte des ,wegs4 - ,vielleicht ist die
,erzeugung des ,genius' nur einem
begrnzten ,zeitraume der ,menschheit
vorbehalten4 ,denn man darf von der
,zukunft der ,menschheit nicht zugleich
alles ,das erwarten1 was ganz bestimmte
,bedingungen irgend welcher
,vergangenheit allein hervorzubringen
vermochten2 zum ,beispiel nicht die
erstaunlichen ,wirkungen des religisen
,gefhles4 ,dieses selbst hat seine ,zeit
gehabt und vieles sehr ,gute kann nie
wieder wachsen1 weil es allein aus ihm
wachsen konnte4 ,so wird es nie wieder
einen religis umgrnzten ,horizont des
,lebens und der ,cultur geben4
,vielleicht ist selbst der ,typus des
,heiligen nur bei einer gewissen
,befangenheit des ,intellectes mglich1
mit der es1 wie es scheint1 fr alle
,zukunft vorbei ist4 ,und so ist die
,hhe der ,intelligenz vielleicht einem
einzelnen ,zeitalter der ,menschheit
aufgespart gewesen3 sie trat hervor -
und tritt hervor1 denn wir leben noch
in diesem ,zeitalter -1 als eine
ausserordentliche1 lang angesammelte
,energie des ,willens sich ausnahmsweise
auf geistige ,ziele durch ,vererbung
bertrug4 ,es wird mit jener ,hhe vorbei
sein1 wenn diese ,wildheit und ,energie
nicht mehr gross gezchtet werden4 ,die
,menschheit kommt vielleicht auf der
,mitte ihres ,weges1 in der mittleren
,zeit ihrer ,existenz1 ihrem
eigentlichen ,ziele nher1 als am ,ende4
,es knnten ,krfte1 durch welche zum
,beispiel die ,kunst bedingt ist1
geradezu aussterben2 die ,lust am ,lgen1
am ,ungenauen1 am ,symbolischen1 am
,rausche1 an der ,ekstase knnte in
,missachtung kommen4 ,ja1 ist das
,leben erst im vollkommenen ,staate
geordnet1 so ist aus der ,gegenwart gar
kein ,motiv zur ,dichtung mehr zu
entnehmen1 und es wrden allein die
zurckgebliebenen ,menschen sein1 welche
nach dichterischer ,unwirklichkeit
verlangten4 ,diese wrden dann jedenfalls
mit ,sehnsucht rckwrts schauen1 nach
den ,zeiten des unvollkommenen ,staates1
der halb-barbarischen ,gesellschaft
nach unseren ,zeiten4 #bce4
,genius und idealer ,staat in
,widerspruch4 - ,die ,socialisten
begehren fr mglichst ,viele ein
,wohlleben herzustellen4 ,wenn die
dauernde ,heimath dieses ,wohllebens1
der vollkommene ,staat1 wirklich
erreicht wre1 so wrde durch dieses
,wohlleben der ,erdboden1 aus dem der
grosse ,intellect und berhaupt das
mchtige ,individuum wchst1 zerstrt sein3
ich meine die starke ,energie4 ,die
,menschheit wrde zu matt geworden sein1
wenn dieser ,staat erreicht ist1 um den
,genius noch erzeugen zu knnen4 ,msste
man somit nicht wnschen1 dass das
,leben seinen gewaltsamen ,charakter
behalte und dass immer von ,neuem wieder
wilde ,krfte und ,energien
hervorgerufen werden8 ,nun will das
warme1 mitfhlende ,herz gerade die
,beseitigung jenes gewaltsamen und
wilden ,charakters1 und das wrmste
,herz1 das man sich denken kann1 wrde
eben darnach am leidenschaftlichsten
verlangen3 whrend doch gerade seine
,leidenschaft aus jenem wilden und
gewaltsamen ,charakter des ,lebens ihr
,feuer1 ihre ,wrme1 ja ihre ,existenz
genommen hat2 das wrmste ,herz will
also ,beseitigung seines ,fundamentes1
,vernichtung seiner selbst1 das heisst
doch3 es will etwas ,unlogisches1 es ist
nicht intelligent4 ,die hchste
,intelligenz und das wrmste ,herz knnen
nicht in einer ,person beisammen sein1
und der ,weise1 welcher ber das ,leben
das ,urtheil spricht1 stellt sich auch
ber die ,gte und betrachtet diese nur
als ,etwas1 das bei der ,gesammtrechnung
des ,lebens mit abzuschtzen ist4 ,der
,weise muss jenen ausschweifenden
,wnschen der unintelligenten ,gte
widerstreben1 weil ihm an dem ,fortleben
seines ,typus' und an dem endlichen
,entstehen des hchsten ,intellectes
gelegen ist2 mindestens wird er der
,begrndung des vollkommenen ,staates
nicht frderlich sein1 insofern in ihm
nur ermattete ,individuen ,platz haben4
,christus dagegen1 den wir uns einmal
als das wrmste ,herz denken wollen1
frderte die ,verdummung der ,menschen1
stellte sich auf die ,seite der geistig
,armen und hielt die ,erzeugung des
grssten ,intellectes auf3 und diess war
consequent4 ,sein ,gegenbild1 der
vollkommene ,weise - diess darf man
wohl vorhersagen - wird ebenso
nothwendig der ,erzeugung eines
,christus hinderlich sein4 - ,der ,staat
ist eine kluge ,veranstaltung zum
,schutz der ,individuen gegen einander3
bertreibt man seine ,veredelung1 so
wird zuletzt das ,individuum durch ihn
geschwcht1 ja aufgelst1 - also der
ursprngliche ,zweck des ,staates am
grndlichsten vereitelt4 #bcf4
,die ,zonen der ,cultur4 - ,man kann
gleichnissweise sagen1 dass die
,zeitalter der ,cultur den ,grteln der
verschiedenen ,klimate entsprechen1 nur
dass diese hinter einander und nicht1
wie die geographischen ,zonen1 neben
einander liegen4 ,im ,vergleich mit der
gemssigten ,zone der ,cultur1 in welche
berzugehen unsere ,aufgabe ist1 macht
die vergangene im ,ganzen und ,grossen
den ,eindruck eines tropischen
,klima's4 ,gewaltsame ,gegenstze1
schroffer ,wechsel von ,tag und ,nacht1
,gluth und ,farbenpracht1 die
,verehrung alles ,pltzlichen1
,geheimnissvollen1 ,schrecklichen1 die
,schnelligkeit der hereinbrechenden
,unwetter1 berall das verschwenderische
,ueberstrmen der ,fllhrner der ,natur3
und dagegen1 in unserer ,cultur1 ein
heller1 doch nicht leuchtender ,himmel1
reine1 ziemlich gleich verbleibende
,luft1 ,schrfe1 ja ,klte gelegentlich3
so heben sich beide ,zonen gegen
einander ab4 ,wenn wir dort sehen1 wie
die wthendsten ,leidenschaften durch
metaphysische ,vorstellungen mit
unheimlicher ,gewalt niedergerungen und
zerbrochen werden1 so ist es uns zu
,muthe1 als ob vor unsern ,augen in den
,tropen wilde ,tiger unter den
,windungen ungeheurer ,schlangen
zerdrckt wrden2 unserem geistigen ,klima
fehlen solche ,vorkommnisse1 unsere
,phantasie ist gemssigt1 selbst im
,traume kommt uns ,das nicht bei1 was
frhere ,vlker im ,wachen sahen4 ,aber
sollten wir ber diese ,vernderung nicht
glcklich sein drfen1 selbst zugegeben1
dass die ,knstler durch das
,verschwinden der tropischen ,cultur
wesentlich beeintrchtigt sind und uns
,nicht-,knstler ein ,wenig zu nchtern
finden8 ,insofern haben ,knstler wohl
das ,recht1 den ,fortschritt zu
leugnen1 denn in der ,that3 ob die
letzten drei ,jahrtausende in den
,knsten einen fortschreitenden ,verlauf
zeigen1 das lsst sich mindestens
bezweifeln2 ebenso wird ein
metaphysischer ,philosoph1 wie
,schopenhauer1 keinen ,anlass haben1 den
,fortschritt zu erkennen1 wenn er die
letzten vier ,jahrtausende in ,bezug auf
metaphysische ,philosophie und
,religion berblickt4 - ,uns gilt aber
die ,existenz der gemssigten ,zone der
,cultur selbst als ,fortschritt4
#bcg4 ,renaissance und ,reformation4
- ,die italinische ,renaissance bar -
in sich alle die positiven ,gewalten1
welchen man die moderne ,cultur
verdankt - also ,befreiung des
,gedankens1 ,missachtung der
,autoritten1 ,sieg der ,bildung ber den
,dnkel der ,abkunft1 - ,begeisterung fr
die ,wissenschaft und die
wissenschaftliche ,vergangenheit der
,menschen1 ,entfesselung des
,individuums1 eine ,gluth der
,wahrhaftigkeit und ,abneigung gegen
,schein und blosen ,effect 7welche
,gluth in einer ganzen ,flle
knstlerischer ,charaktere hervorloderte1
die ,vollkommenheit in ihren ,werken
und ,nichts als ,vollkommenheit mit
hchster sittlicher ,reinheit von sich
forderten72 ja1 die ,renaissance hatte
positive ,krfte1 welche in unserer
bisherigen modernen ,cultur noch nicht
wieder so mchtig geworden sind4 ,es war
das goldene ,zeitalter dieses
,jahrtausends1 trotz aller ,flecken und
,laster4 ,dagegen hebt sich nun die
deutsche ,reformation ab als ein
energischer ,protest zurckgebliebener
,geister1 welche die ,weltanschauung des
,mittelalters noch keineswegs satt
hatten und die ,zeichen seiner
,auflsung1 die ausserordentliche
,verflachung und ,verusserlichung des
religisen ,lebens1 anstatt mit
,frohlocken1 wie sich gebhrt1 mit tiefem
,unmuthe empfanden4 ,sie warfen mit
ihrer nordischen ,kraft und
,halsstarrigkeit die ,menschen wieder
zurck1 erzwangen die ,gegenreformation1
das heisst ein katholisches
,christenthum der ,nothwehr1 mit den
,gewaltsamkeiten eines
,belagerungszustandes und verzgerten um
zwei bis drei ,jahrhunderte ebenso das
vllige ,erwachen und ,herrschen der
,wissenschaften1 als sie das vllige
,in-,eins-,verwachsen des antiken und
des modernen ,geistes vielleicht fr
immer unmglich machten4 ,die grosse
,aufgabe der ,renaissance konnte nicht
zu ,ende gebracht werden1 der ,protest
des inzwischen zurckgebliebenen
deutschen ,wesens 7welches im
,mittelalter ,vernunft genug gehabt
hatte1 um immer und immer wieder zu
seinem ,heile ber die ,alpen zu steigen7
verhinderte diess4 ,es lag in dem
,zufall einer ausserordentlichen
,constellation der ,politik1 dass
damals ,luther erhalten blieb und jener
,protest ,kraft gewann3 denn der
,kaiser schtzte ihn1 um seine ,neuerung
gegen den ,papst als ,werkzeug des
,druckes zu verwenden1 und ebenfalls
begnstigte ihn im ,stillen der ,papst1
um die protestantischen ,reichsfrsten
als ,gegengewicht gegen den ,kaiser zu
benutzen4 ,ohne diess seltsame
,zusammenspiel der ,absichten wre
,luther verbrannt worden wie ,huss - und
die ,morgenrthe der ,aufklrung
vielleicht etwas frher und mit schnerem
,glanze1 als wir jetzt ahnen knnen1
aufgegangen4 #bch4
,gerechtigkeit gegen den werdenden
,gott4 - ,wenn sich die ganze
,geschichte der ,cultur vor den ,blicken
aufthut als ein ,gewirr von bsen und
edlen1 wahren und falschen
,vorstellungen und es ,einem beim
,anblick dieses ,wellenschlags fast
seekrank zu ,muthe wird1 so begreift
man1 was fr ein ,trost in der
,vorstellung eines werdenden ,gottes
liegt3 dieser enthllt sich immer mehr
in den ,verwandelungen und ,schicksalen
der ,menschheit1 es ist nicht ,alles
blinde ,mechanik1 sinn- und zweckloses
,durcheinanderspielen von ,krften4 ,die
,vergottung des ,werdens ist ein
metaphysischer ,ausblick - gleichsam von
einem ,leuchtthurm am ,meere der
,geschichte herab -1 an welchem eine
allzuviel historisirende
,gelehrtengeneration ihren ,trost fand2
darber darf man nicht bse werden1 so
irrthmlich jene ,vorstellung auch sein
mag4 ,nur wer1 wie ,schopenhauer1 die
,entwickelung leugnet1 fhlt auch ,nichts
von dem ,elend dieses historischen
,wellenschlags und darf desshalb1 weil
er von jenem werdenden ,gotte und dem
,bedrfniss seiner ,annahme ,nichts
weiss1 ,nichts fhlt1 billigerweise
seinen ,spott auslassen4 #bci4
,die ,frchte nach der ,jahreszeit4 -
,jede bessere ,zukunft1 welche man der
,menschheit anwnscht1 ist
nothwendigerweise auch in manchem
,betracht eine schlechtere ,zukunft3
denn es ist ,schwrmerei1 zu glauben1
dass eine hhere neue ,stufe der
,menschheit alle die ,vorzge frherer
,stufen in sich vereinigen werde und zum
,beispiel auch die hchste ,gestaltung
der ,kunst erzeugen msse4 ,vielmehr hat
jede ,jahreszeit ihre ,vorzge und
,reize fr sich und schliesst die der
anderen aus4 ,das1 was aus der ,religion
und in ihrer ,nachbarschaft gewachsen
ist1 kann nicht wieder wachsen1 wenn
diese zerstrt ist2 hchstens knnen
verirrte1 spt kommende ,absenker zur
,tuschung darber verleiten1 ebenso wie
die zeitweilig ausbrechende ,erinnerung
an die alte ,kunst3 ein ,zustand1 der
wohl das ,gefhl des ,verlustes1 der
,entbehrung verrth1 aber kein ,beweis fr
die ,kraft ist1 aus der eine neue
,kunst geboren werden knnte4 #bdj4
,zunehmende ,severitt der ,welt4 - je
hher die ,cultur eines ,menschen
steigt1 um so mehr ,gebiete entziehen
sich dem ,scherz1 dem ,spotte4
,voltaire war fr die ,erfindung der ,ehe
und der ,kirche von ,herzen dem
,himmel dankbar3 als welcher damit so
gut fr unsere ,aufheiterung gesorgt
habe4 ,aber er und seine ,zeit1 und vor
ihm das sechszehnte ,jahrhundert1 haben
diese ,themen zu ,ende gespottet2 es
ist ,alles1 was jetzt ,einer auf diesem
,gebiete noch witzelt1 versptet und vor
,allem gar zu wohlfeil1 als dass es
die ,kufer begehrlich machen knnte4
,jetzt fragt man nach den ,ursachen2 es
ist das ,zeitalter des ,ernstes4 ,wem
liegt jetzt noch daran1 die ,differenzen
zwischen ,wirklichkeit und
anspruchsvollem ,schein1 zwischen dem1
was der ,mensch ist und was er
vorstellen will1 in scherzhaftem ,lichte
zu sehen2 das ,gefhl dieser ,contraste
wirkt alsbald ganz anders1 wenn man
nach den ,grnden sucht4 ,je grndlicher
,jemand das ,leben versteht1 desto
weniger wird er spottet1 nur dass er
zuletzt vielleicht noch ber die
,grndlichkeit seines ,verstehens
spottet4 #bda4 ,genius der
,cultur4 - ,wenn jemand einen ,genius
der ,cultur imaginiren wollte1 wie wrde
dieser beschaffen sein8 ,er handhabt
die ,lge1 die ,gewalt1 den
rcksichtslosesten ,eigennutz so sicher
als seine ,werkzeuge1 dass er nur ein
bses dmonisches ,wesen zu nennen wre2
aber seine ,ziele1 welche hie und da
durchleuchten1 sind gross und gut4 ,es
ist ein ,centaur1 halb ,thier1 halb
,mensch und hat noch ,engelsflgel dazu
am ,haupte4 #bdb4
,wunder-,erziehung4 - ,das ,interesse in
der ,erziehung wird erst von dem
,augenblick an grosse ,strke bekommen1
wo man den ,glauben an einen ,gott und
seine ,frsorge aufgiebt3 ebenso wie die
,heilkunst erst erblhen konnte1 als der
,glaube an ,wunder-,curen aufhrte4 ,bis
jetzt glaubt aber alle ,welt noch an
die ,wunder-,erziehung3 aus der grssten
,unordnung1 ,verworrenheit der ,ziele1
,ungunst der ,verhltnisse sah man ja die
fruchtbarsten1 mchtigsten ,menschen
erwachsen3 wie konnte diess doch mit
rechten ,dingen zugehen8 - jetzt wird
man1 bald auch in diesen ,fllen1 nher
zusehen1 sorgsamer prfen3 ,wunder wird
man dabei niemals entdecken4 ,unter
gleichen ,verhltnissen gehen fortwhrend
zahlreiche ,menschen zu ,grunde1 das
einzelne gerettete ,individuum ist dafr
gewhnlich strker geworden1 weil es diese
schlimmen ,umstnde vermge
unverwstlicher eingeborener ,kraft
ertrug und diese ,kraft noch gebt und
vermehrt hat3 so erklrt sich das
,wunder4 ,eine ,erziehung1 welche an
kein ,wunder mehr glaubt1 wird auf
dreierlei zu achten haben3 erstens1 wie
viel ,energie ist vererbt8 zweitens1
wodurch kann noch neue ,energie
entzndet werden8 drittens1 wie kann das
,individuum jenen so beraus vielartigen
,ansprchen der ,cultur angepasst
werden1 ohne dass diese es beunruhigen
und seine ,einartigkeit zersplittern1 -
kurz1 wie kann das ,individuum in den
,contrapunct der privaten und
ffentlichen ,cultur eingereiht werden1
wie kann es zugleich die ,melodie fhren
und als ,melodie begleiten8 #bdc4
,die ,zukunft des ,arztes4 - ,es giebt
jetzt keinen ,beruf1 der eine so hohe
,steigerung zuliesse1 wie der des
,arztes2 namentlich nachdem die
geistlichen ,aerzte1 die sogenannten
,seelsorger ihre ,beschwrungsknste
nicht mehr unter ffentlichem ,beifall
treiben drfen und ein ,gebildeter ihnen
aus dem ,wege geht4 ,die hchste
geistige ,ausbildung eines ,arztes ist
jetzt nicht erreicht1 wenn er die besten
neuesten ,methoden kennt und auf sie
eingebt ist und jene fliegenden ,schlsse
von ,wirkungen auf ,ursachen zu machen
versteht1 derentwegen die
,diagnostiker berhmt sind3 er muss
ausserdem eine ,beredtsamkeit haben1
die sich jedem ,individuum anpasst und
ihm das ,herz aus dem ,leibe zieht1
eine ,mnnlichkeit1 deren ,anblick schon
den ,kleinmuth 7den ,wurmfrass aller
,kranken7 verscheucht1 eine
,diplomaten-,geschmeidigkeit im
,vermitteln zwischen ,solchen1 welche
,freude zu ihrer ,genesung nthig haben
und ,solchen1 die aus ,gesundheitsgrnden
,freude machen mssen 7und knnen71 die
,feinheit eines ,polizeiagenten und
,advocaten1 die ,geheimnisse einer
,seele zu verstehen1 ohne sie zu
verrathen1 - kurz ein guter ,arzt
bedarf jetzt der ,kunstgriffe und
,kunstvorrechte aller andern
,berufsclassen3 so ausgerstet1 ist er
dann im ,stande1 der ganzen
,gesellschaft ein ,wohlthter zu werden1
durch ,vermehrung guter ,werke1
geistiger ,freude und ,fruchtbarkeit1
durch ,verhtung von bsen ,gedanken1
,vorstzen1 ,schurkereien 7deren ekler
,quell so hufig der ,unterleib ist71
durch ,herstellung einer
geistig-leiblichen ,aristokratie 7als
,ehestifter und ,eheverhinderer71 durch
wohlwollende ,abschneidung aller
sogenannten ,seelenqualen und
,gewissensbisse3 so erst wird er aus
einem ,medicinmann ein ,heiland und
braucht doch keine ,wunder zu thun1 hat
auch nicht nthig1 sich kreuzigen zu
lassen4 #bdd4 ,in der
,nachbarschaft des ,wahnsinns4 - ,die
,summe der ,empfindungen1 ,kenntnisse1
,erfahrungen1 also die ganze ,last der
,cultur1 ist so gross geworden1 dass
eine ,ueberreizung der ,nerven- und
,denkkrfte die allgemeine ,gefahr ist1
ja dass die cultivirten ,classen der
europischen ,lnder durchweg neurotisch
sind und fast jede ihrer grsseren
,familien in einem ,gliede dem ,irrsinn
nahe gerckt ist4 ,nun kommt man zwar
der ,gesundheit jetzt auf alle ,weise
entgegen2 aber in der ,hauptsache
bleibt eine ,verminderung jener
,spannung des ,gefhls1 jener
niederdrckenden ,cultur-,last vonnthen1
welche1 wenn sie selbst mit schweren
,einbussen erkauft werden sollte1 uns
doch zu der grossen ,hoffnung einer
neuen ,renaissance ,spielraum giebt4
,man hat dem ,christenthum1 den
,philosophen1 ,dichtern1 ,musikern eine
,ueberflle tief erregter ,empfindungen
zu danken3 damit diese uns nicht
berwuchern1 mssen wir den ,geist der
,wissenschaft beschwren1 welcher im
,ganzen etwas klter und skeptischer
macht und namentlich den ,gluthstrom des
,glaubens an letzte endgltige
,wahrheiten abkhlt2 er ist vornehmlich
durch das ,christenthum so wild
geworden4 #bde4 ,glockenguss der
,cultur4 - ,die ,cultur ist entstanden
wie eine ,glocke1 innerhalb eines
,mantels von grberem1 gemeinerem
,stoffe3 ,unwahrheit1 ,gewaltsamkeit1
unbegrnzte ,ausdehnung aller einzelnen
,ich's1 aller einzelnen ,vlker1 waren
dieser ,mantel4 ,ist es an der ,zeit1
ihn jetzt abzunehmen8 ,ist das ,flssige
erstarrt1 sind die guten1 ntzlichen
,triebe1 die ,gewohnheiten des edleren
,gemthes so sicher und allgemein
geworden1 dass es keiner ,anlehnung an
,metaphysik und die ,irrthmer der
,religionen mehr bedarf1 keiner ,hrten
und ,gewaltsamkeiten als mchtigster
,bindemittel zwischen ,mensch und
,mensch1 ,volk und ,volk8 - ,zur
,beantwortung dieser ,frage ist kein
,wink eines ,gottes uns mehr hlfreich3
unsere eigene ,einsicht muss da
entscheiden4 ,die ,erdregierung des
,menschen im ,grossen hat der ,mensch
selber in die ,hand zu nehmen1 seine
,allwissenheit muss ber dem weiteren
,schicksal der ,cultur mit scharfem
,auge wachen4 #bdf4 ,die
,cyklopen der ,cultur4 - ,wer jene
zerfurchten ,kessel sieht1 in denen
,gletscher gelagert haben1 hlt es kaum
fr mglich1 dass eine ,zeit kommt1 wo an
der selben ,stelle ein ,wiesen- und
,waldthal mit ,bchen darin sich
hinzieht4 ,so ist es auch in der
,geschichte der ,menschheit2 die
wildesten ,krfte brechen ,bahn1 zunchst
zerstrend1 aber trotzdem war ihre
,thtigkeit nthig1 damit spter eine
mildere ,gesittung hier ihr ,haus
aufschlage4 ,die schrecklichen ,energien
- ,das1 was man das ,bse nennt - sind
die cyklopischen ,architekten und
,wegebauer der ,humanitt4 #bdg4
,kreislauf des ,menschenthums4 -
,vielleicht ist das ganze ,menschenthum
nur eine ,entwickelungsphase einer
bestimmten ,thierart von begrnzter
,dauer4 so dass der ,mensch aus dem
,affen geworden ist und wieder zum
,affen werden wird1 whrend ,niemand da
ist1 der an diesem verwunderlichen
,komdienausgang irgend ein ,interesse
nehme4 ,so wie mit dem ,verfalle der
rmischen ,cultur und seiner wichtigsten
,ursache1 der ,ausbreitung des
,christenthums1 eine allgemeine
,verhsslichung des ,menschen innerhalb
des rmischen ,reiches berhand nahm1 so
knnte auch durch den einstmaligen
,verfall der allgemeinen ,erdcultur eine
viel hher gesteigerte ,verhsslichung
und endlich ,verthierung des ,menschen1
bis in's ,affenhafte1 herbeigefhrt
werden4 - ,gerade weil wir diese
,perspective in's ,auge fassen knnen1
sind wir vielleicht im ,stande1 einem
solchen ,ende der ,zukunft vorzubeugen4
#bdh4 ,trostrede eines desperaten
,fortschritts4 - ,unsere ,zeit macht den
,eindruck eines ,interim-,zustandes2
die alten ,weltbetrachtungen1 die alten
,culturen sind noch theilweise
vorhanden1 die neuen noch nicht sicher
und gewohnheitsmssig und daher ohne
,geschlossenheit und ,consequenz4 ,es
sieht aus1 als ob ,alles chaotisch wrde1
das ,alte verloren gienge1 das ,neue
nichts tauge und immer schwchlicher
werde4 ,aber so geht es dem ,soldaten1
welcher marschiren lernt2 er ist eine
,zeit lang unsicherer und unbeholfener
als je1 weil die ,muskeln bald nach dem
alten ,system1 bald nach dem neuen
bewegt werden und noch keines
entschieden den ,sieg behauptet4 ,wir
schwanken1 aber es ist nthig1 dadurch
nicht ngstlich zu werden und das
,neu-,errungene etwa preiszugeben4
,ueberdiess knnen wir in's ,alte nicht
zurck1 wir haben die ,schiffe
verbrannt2 es bleibt nur brig1 tapfer zu
sein1 mag nun dabei diess oder jenes
herauskommen4 - ,schreiten wir nur zu1
kommen wir nur von der ,stelle6
,vielleicht sieht sich unser ,gebahren
doch einmal wie ,fortschritt an2 wenn
aber nicht1 so mag ,friedrich's des
,grossen ,wort auch zu uns gesagt sein
und zwar zum ,troste3 ,ah1 mon cher
,sulzer1 vous ne connaissez pas assez
cette race maudite1 laquelle nous
appartenons4 #bdi4 ,an der
,vergangenheit der ,cultur leiden4 -
,wer sich das ,problem der ,cultur klar
gemacht hat1 leidet dann an einem
hnlichen ,gefhle wie ,der1 welcher
einen durch unrechtmssige ,mittel
erworbenen ,reichthum ererbt hat1 oder
wie der ,frst1 der durch ,gewaltthat
seiner ,vorfahren regiert4 ,er denkt
mit ,trauer an seinen ,ursprung und ist
oft beschmt1 oft reizbar4 ,die ganze
,summe von ,kraft1 ,lebenswillen1
,freude1 welche er seinem ,besitze
zuwendet1 balancirt sich oft mit einer
tiefen ,mdigkeit3 er kann seinen
,ursprung nicht vergessen4 ,die ,zukunft
sieht er wehmthig an1 seine
,nachkommen1 er weiss es voraus1 werden
an der ,vergangenheit leiden wie er4
#bej4 ,manieren4 - ,die guten
,manieren verschwinden in dem ,maasse1
in welchem der ,einfluss des ,hofes und
einer abgeschlossenen ,aristokratie
nachlsst3 man kann diese ,abnahme von
,jahrzehnt zu ,jahrzehnt deutlich
beobachten1 wenn man ein ,auge fr die
ffentlichen ,acte hat3 als welche
ersichtlich immer pbelhafter werden4
,niemand versteht mehr1 auf geistreiche
,art zu huldigen und zu schmeicheln2
daraus ergiebt sich die lcherliche
,thatsache1 dass man in ,fllen1 wo man
gegenwrtig ,huldigungen darbringen muss
7zum ,beispiel einem grossen
,staatsmanne oder ,knstler71 die
,sprache des tiefsten ,gefhls1 der
treuherzigen1 ehrenfesten ,biederkeit
borgt - aus ,verlegenheit und ,mangel an
,geist und ,grazie4 ,so scheint die
ffentliche festliche ,begegnung der
,menschen immer ungeschickter1 aber
gefhlvoller und biederer1 ohne diess zu
sein4 - ,sollte es aber mit den
,manieren immerfort bergab gehen8 ,es
scheint mir vielmehr1 dass die ,manieren
eine tiefe ,curve machen und wir uns
ihrem niedrigsten ,stande nhern4 ,wenn
erst die ,gesellschaft ihrer ,absichten
und ,principien sicherer geworden ist1
so dass diese formbildend wirken
7whrend jetzt die angelernten ,manieren
frherer formbildender ,zustnde immer
schwcher vererbt und angelernt werden71
so wird es ,manieren des ,umgangs1
,gebrden und ,ausdrcke des ,verkehrs
geben1 welche so nothwendig und schlicht
natrlich erscheinen mssen1 als es
diese ,absichten und ,principien sind4
,die bessere ,vertheilung der ,zeit und
,arbeit1 die zur ,begleiterin jeder
schnen ,mussezeit umgewandelte
gymnastische ,uebung1 das vermehrte und
strenger gewordene ,nachdenken1 welches
selbst dem ,krper ,klugheit und
,geschmeidigkeit giebt1 bringt diess
,alles mit sich4 - ,hier knnte man nun
freilich mit einigem ,spotte unserer
,gelehrten gedenken1 ob denn sie1 die
doch ,vorlufer jener neuen ,cultur sein
wollen1 sich in der ,that durch bessere
,manieren auszeichnen8 ,es ist diess
wohl nicht der ,fall1 obgleich ihr
,geist willig genug dazu sein mag3 aber
ihr ,fleisch ist schwach4 ,die
,vergangenheit ist noch zu mchtig in
ihren ,muskeln3 sie stehen noch in
einer unfreien ,stellung und sind zur
,hlfte weltliche ,geistliche1 zur
,hlfte abhngige ,erzieher vornehmer
,leute und ,stnde1 und berdiess durch
,pedanterie der ,wissenschaft1 durch
veraltete geistlose ,methoden verkrppelt
und unlebendig gemacht4 ,sie sind
also1 jedenfalls ihrem ,krper nach und
oft auch zu ,dreiviertel ihres
,geistes1 immer noch die ,hflinge einer
alten1 ja greisenhaften ,cultur und als
solche selber greisenhaft2 der neue
,geist1 der gelegentlich in diesen
alten ,gehusen rumort1 dient einstweilen
nur dazu1 sie unsicherer und
ngstlicher zu machen4 ,in ihnen gehen
sowohl die ,gespenster der
,vergangenheit1 als die ,gespenster der
,zukunft um3 was ,wunder1 wenn sie
dabei nicht die beste ,miene machen1
nicht die geflligste ,haltung haben8
#bea4 ,zukunft der ,wissenschaft4 -
,die ,wissenschaft giebt ,dem1 welcher
in ihr arbeitet und sucht1 viel
,vergngen1 ,dem1 welcher ihre
,ergebnisse lernt1 sehr wenig4 ,da
allmhlich aber alle wichtigen
,wahrheiten der ,wissenschaft alltglich
und gemein werden mssen1 so hrt auch
dieses wenige ,vergngen auf3 so wie wir
beim ,lernen des so bewunderungswrdigen
,einmaleins lngst aufgehrt haben1 uns
zu freuen4 ,wenn nun die ,wissenschaft
immer weniger ,freude durch sich macht
und immer mehr ,freude1 durch
,verdchtigung der trstlichen
,metaphysik1 ,religion und ,kunst1
nimmt3 so verarmt jene grsste ,quelle
der ,lust1 welcher die ,menschheit fast
ihr gesammtes ,menschenthum verdankt4
,desshalb muss eine hhere ,cultur dem
,menschen ein ,doppelgehirn1 gleichsam
zwei ,hirnkammern geben1 einmal um
,wissenschaft1 sodann um
,nicht-,wissenschaft zu empfinden3 neben
einander liegend1 ohne ,verwirrung1
trennbar1 abschliessbar2 es ist diess
eine ,forderung der ,gesundheit4 ,im
einen ,bereiche liegt die ,kraftquelle1
im anderen der ,regulator3 mit
,illusionen1 ,einseitigkeiten1
,leidenschaften muss geheizt werden1
mit ,hlfe der erkennenden ,wissenschaft
muss den bsartigen und gefhrlichen
,folgen einer ,ueberheizung vorgebeugt
werden4 - ,wird dieser ,forderung der
hheren ,cultur nicht gengt1 so ist der
weitere ,verlauf der menschlichen
,entwickelung fast mit ,sicherheit
vorherzusagen3 das ,interesse am ,wahren
hrt auf1 je weniger es ,lust gewhrt2
die ,illusion1 der ,irrthum1 die
,phantastik erkmpfen sich ,schritt um
,schritt1 weil sie mit ,lust verbunden
sind1 ihren ehemals behaupteten ,boden3
der ,ruin der ,wissenschaften1 das
,zurcksinken in ,barbarei ist die nchste
,folge2 von ,neuem muss die
,menschheit wieder anfangen1 ihr ,gewebe
zu weben1 nachdem sie es1 gleich
,penelope1 des ,nachts zerstrt hat4
,aber wer brgt uns dafr1 dass sie immer
wieder die ,kraft dazu findet8
#beb4 ,die ,lust am ,erkennen4 -
,wesshalb ist das ,erkennen1 das
,element des ,forschers und
,philosophen1 mit ,lust verknpft8
,erstens und vor ,allem1 weil man sich
dabei seiner ,kraft bewusst wird1 also
aus dem selben ,grunde1 aus dem
gymnastische ,uebungen auch ohne
,zuschauer lustvoll sind4 ,zweitens1
weil man1 im ,verlauf der ,erkenntniss1
ber ltere ,vorstellungen und deren
,vertreter1 hinauskommt1 ,sieger wird
oder wenigstens es zu sein glaubt4
,drittens1 weil wir uns durch eine noch
so kleine neue ,erkenntniss ber ,alle
erhaben und uns als die ,einzigen
fhlen1 welche hierin das ,richtige
wissen4 ,diese drei ,grnde zur ,lust
sind die wichtigsten1 doch giebt es1 je
nach der ,natur des ,erkennenden1 noch
viele ,nebengrnde4 - ,ein nicht
unbetrchtliches ,verzeichniss von
solchen giebt1 an einer ,stelle1 wo man
es nicht suchen wrde1 meine
paraenetische ,schrift ber
,schopenhauer3 mit deren ,aufstellungen
sich jeder erfahrene ,diener der
,erkenntniss zufrieden geben kann1 sei
es auch1 dass er den ironischen ,anflug1
der auf jenen ,seiten zu liegen
scheint1 wegwnschen wird4 ,denn wenn es
wahr ist1 dass zum ,entstehen des
,gelehrten eine ,menge sehr menschlicher
,triebe und ,triebchen
zusammengegossen werden muss1 dass der
,gelehrte zwar ein sehr edles1 aber
kein reines ,metall ist und aus einem
verwickelten ,geflecht sehr
verschiedener ,antriebe und ,reize
besteht3 so gilt doch das ,selbe
ebenfalls von ,entstehung und ,wesen des
,knstlers1 ,philosophen1 moralischen
,genie's - und wie die in jener
,schrift glorificirten grossen ,namen
lauten4 ,alles ,menschliche verdient in
,hinsicht auf seine ,entstehung die
ironische ,betrachtung3 desshalb ist
die ,ironie in der ,welt so berflssig4
#bec4 ,treue als ,beweis der
,stichhaltigkeit4 - ,es ist ein
vollkommenes ,zeichen fr die ,gte einer
,theorie1 wenn ihr ,urheber vierzig
,jahre lang kein ,misstrauen gegen sie
bekommt2 aber ich behaupte1 dass es
noch keinen ,philosophen gegeben hat1
welcher auf die ,philosophie1 die seine
,jugend erfand1 nicht endlich mit
,geringschtzung - mindestens mit
,argwohn - herabgesehen htte4 -
,vielleicht hat er aber nicht ffentlich
von dieser ,umstimmung gesprochen1 aus
,ehrsucht oder - wie es bei edlen
,naturen wahrscheinlicher ist - aus
zarter ,schonung seiner ,anhnger4
#bed4 ,zunahme des ,interessanten4 -
,im ,verlaufe der hheren ,bildung wird
dem ,menschen ,alles interessant1 er
weiss die belehrende ,seite einer ,sache
rasch zu finden und den ,punct
anzugeben1 wo eine ,lcke seines ,denkens
mit ihr ausgefllt oder ein ,gedanke
durch sie besttigt werden kann4 ,dabei
verschwindet immer mehr die ,langeweile1
dabei auch die bermssige ,erregbarkeit
des ,gemthes4 ,er geht zuletzt wie ein
,naturforscher unter ,pflanzen1 so unter
,menschen herum und nimmt sich selber
als ein ,phnomen wahr1 welches nur
seinen erkennenden ,trieb stark anregt4
#bee4 ,aberglauben im
,gleichzeitigen4 - ,etwas
,gieichzeitiges hngt zusammen1 meint
man4 ,ein ,verwandter stirbt in der
,ferne1 zu gleicher ,zeit trumen wir
von ihm1 - also6 ,aber zahllose
,verwandte sterben und wir trumen nicht
von ihnen4 ,es ist wie bei den
,schiffbrchigen1 welche ,gelbde thun3
man sieht spter im ,tempel die
,votivtafeln ,derer1 welche zu ,grunde
giengen1 nicht4 - ,ein ,mensch stirbt1
eine ,eule krchzt1 eine ,uhr steht
still1 alles in ,einer ,nachtstunde3
sollte da nicht ein ,zusammenhang sein8
,eine solche ,vertraulichkeit mit der
,natur1 wie diese ,ahnung sie annimmt1
schmeichelt den ,menschen4 - ,diese
,gattung des ,aberglaubens findet sich
in verfeinerter ,form bei ,historikern
und ,culturmalern wieder1 welche vor
allem sinnlosen ,nebeneinander1 an dem
doch das ,leben der ,einzelnen und der
,vlker so reich ist1 eine ,art
,wasserscheu zu haben pflegen4
#bef4 ,das ,knnen1 nicht das ,wissen1
durch die ,wissenschaft gebt4 - ,der
,werth davon1 dass man zeitweilig eine
strenge ,wissenschaft streng betrieben
hat1 beruht nicht gerade auf deren
,ergebnissen3 denn diese werden1 im
,verhltniss zum ,meere des
,wissenswerthen1 ein verschwindend
kleiner ,tropfen sein4 ,aber es ergiebt
einen ,zuwachs an ,energie1 an
,schlussvermgen1 an ,zhigkeit der
,ausdauer2 man hat gelernt1 einen
,zweck zweckmssig zu erreichen4
,insofern ist es sehr schtzbar1 in
,hinsicht auf ,alles1 was man spter
treibt1 einmal ein wissenschaftlicher
,mensch gewesen zu sein4 #beg4
,jugendreiz der ,wissenschaft4 - ,das
,forschen nach ,wahrheit hat jetzt noch
den ,reiz1 dass sie sich berall stark
gegen den grau und langweilig
gewordenen ,irrthum abhebt2 dieser ,reiz
verliert sich immer mehr2 jetzt zwar
leben wir noch im ,jugendzeitalter der
,wissenschaft und pflegen der ,wahrheit
wie einem schnen ,mdchen nachzugehen2
wie aber1 wenn sie eines ,tages zum
ltlichen1 mrrisch blickenden ,weibe
geworden ist8 ,fast in allen
,wissenschaften ist die ,grundeinsicht
entweder erst in jngster ,zeit gefunden
oder wird noch gesucht2 wie anders
reizt diess an1 als wenn alles
,wesentliche gefunden ist und nur noch
eine kmmerliche ,herbstnachlese dem
,forscher brig bleibt 7welche
,empfindung man in einigen historischen
,disciplinen kennen lernen kann74
#beh4 ,die ,statue der ,menschheit4 -
,der ,genius der ,cultur verfhrt wie
,cellini1 als dieser den ,guss seiner
,perseus-,statue machte3 die flssige
,masse drohte1 nicht auszureichen1 aber
sie sollte es3 so warf er ,schsseln und
,teller und was ihm sonst in die ,hnde
kam1 hinein4 ,und ebenso wirft jener
,genius ,irrthmer1 ,laster1 ,hoffnungen1
,wahnbilder und andere ,dinge von
schlechterem wie von edlerem ,metalle
hinein1 denn die ,statue der ,menschheit
muss herauskommen und fertig werden2
was liegt daran1 dass hie und da
geringerer ,stoff verwendet wurde8
#bei4 ,eine ,cultur der ,mnner4 -
,die griechische ,cultur der classischen
,zeit ist eine ,cultur der ,mnner4
,was die ,frauen anlangt1 so sagt
,perikles in der ,grabrede ,alles mit
den ,worten3 sie seien am besten1 wenn
unter ,mnnern so wenig als mglich von
ihnen gesprochen werde4 - ,die
erotische ,beziehung der ,mnner zu den
,jnglingen war in einem1 unserem
,verstndniss unzugnglichen ,grade die
nothwendige1 einzige ,voraussetzung
aller mnnlichen ,erziehung 7ungefhr wie
lange ,zeit alle hhere ,erziehung der
,frauen bei uns erst durch die
,liebschaft und ,ehe herbeigefhrt
wurde71 aller ,idealismus der ,kraft der
griechischen ,natur warf sich auf
jenes ,verhltniss1 und wahrscheinlich
sind junge ,leute niemals wieder so
aufmerksam1 so liebevoll1 so durchaus in
,hinsicht auf ihr ,bestes 7virtus7
behandelt worden1 wie im sechsten und
fnften ,jahrhundert1 - also gemss dem
schnen ,spruche ,hlderlin's denn
liebend giebt der ,sterbliche vom
,besten4 ,je hher dieses ,verhltniss
genommen wurde1 um so tiefer sank der
,verkehr mit der ,frau3 der
,gesichtspunct der ,kindererzeugung und
der ,wollust - ,nichts weiter kam hier
in ,betracht2 es gab keinen geistigen
,verkehr1 nicht einmal eine eigentliche
,liebschaft4 ,erwgt man ferner1 dass
sie selbst vom ,wettkampfe und
,schauspiele jeder ,art ausgeschlossen
waren1 so bleiben nur die religisen
,culte als einzige hhere ,unterhaltung
der ,weiber4 - ,wenn man nun allerdings
in der ,tragdie ,elektra und ,antigone
vorfhrte1 so ertrug man diess eben in
der ,kunst1 obschon man es im ,leben
nicht mochte3 so wie wir jetzt alles
,pathetische im ,leben nicht vertragen1
aber in der ,kunst gern sehen4 - ,die
,weiber hatten weiter keine ,aufgabe1
als ,schne1 machtvolle ,leiber
hervorzubringen1 in denen der
,charakter des ,vaters mglichst
ungebrochen weiter lebte1 und damit der
berhand nehmenden ,nervenberreizung
einer so hochentwickelten ,cultur
entgegenzuwirken4 ,diess hielt die
griechische ,cultur verhltnissmssig so
lange jung2 denn in den griechischen
,mttern kehrte immer wieder der
griechische ,genius zur ,natur zurck4
#bfj4 ,das ,vorurtheil ,zu ,gunsten
der ,grsse4 - ,die ,menschen berschtzen
ersichtlich alles ,grosse und
,hervorstechende4 ,diess kommt aus der
bewussten oder unbewussten ,einsicht
her1 dass sie es sehr ntzlich finden1
wenn ,einer alle ,kraft auf ,ein ,gebiet
wirft und aus sich gleichsam ,ein
monstrses ,organ macht4 ,sicherlich ist
dem ,menschen selber eine gleichmssige
,ausbildung seiner ,krfte ntzlicher und
glckbringender2 denn jedes ,talent ist
ein ,vampyr1 welcher den brigen ,krften
,blut und ,kraft aussaugt1 und eine
bertriebene ,production kann den
begabtesten ,menschen fast zur ,tollheit
bringen4 ,auch innerhalb der ,knste
erregen die extremen ,naturen viel zu
sehr die ,aufmerksamkeit2 aber es ist
auch eine viel geringere ,cultur nthig1
um von ihnen sich fesseln zu lassen4
,die ,menschen unterwerfen sich aus
,gewohnheit ,allem1 was ,macht haben
will4 #bfa4 ,die ,tyrannen des
,geistes4 - ,nur wohin der ,strahl des
mythus fllt1 da leuchtet das ,leben der
,griechen2 sonst ist es dster4 ,nun
berauben sich die griechischen
,philosophen eben dieses ,mythus'3 ist
es nicht1 als ob sie aus dem
,sonnenschein sich in den ,schatten1 in
die ,dsterkeit setzen wollten8 ,aber
keine ,pflanze geht dem ,lichte aus dem
,wege2 im ,grunde suchten jene
,philosophen nur eine hellere ,sonne1
der ,mythus war ihnen nicht rein1 nicht
leuchtend genug4 ,sie fanden diess
,licht in ihrer ,erkenntniss1 in dem1
was jeder von ihnen seine ,wahrheit
nannte4 ,damals aber hatte die
,erkenntniss noch einen grsseren
,glanz2 sie war noch jung und wusste
noch wenig von allen ,schwierigkeiten
und ,gefahren ihrer ,pfade2 sie konnte
damals noch hoffen1 mit einem einzigen
,sprung an den ,mittelpunct alles ,seins
zu kommen und von dort aus das ,rthsel
der ,welt zu lsen4 ,diese ,philosophen
hatten - einen handfesten ,glauben an
sich und ihre ,wahrheit und warfen mit
ihr alle ihre ,nachbarn und ,vorgnger
nieder2 jeder von ihnen war ein
streitbarer gewaltthtiger ,tyrann4
,vielleicht war das ,glck im ,glauben
an den ,besitz der ,wahrheit nie grsser
in der ,welt1 aber auch nie die ,hrte1
der ,uebermuth1 das ,tyrannische und
,bse eines solchen ,glaubens4 ,sie waren
,tyrannen1 also ,das1 was jeder
,grieche sein wollte und was jeder war1
wenn er es sein konnte4 ,vielleicht
macht nur ,solon eine ,ausnahme2 in
seinen ,gedichten sagt er es1 wie er
die persnliche ,tyrannis verschmht habe4
,aber er that es aus ,liebe zu seinem
,werke1 zu seiner ,gesetzgebung2 und
,gesetzgeber sein ist eine sublimirtere
,form des ,tyrannenthums4 ,auch
,parmenides gab ,gesetze1 wohl auch
,pythagoras und ,empedokles2
,anaximander grndete eine ,stadt4
,plato war der fleischgewordene ,wunsch1
der hchste philosophische ,gesetzgeber
und ,staatengrnder zu werden2 er
scheint schrecklich an der
,nichterfllung seines ,wesens gelitten
zu haben1 und seine ,seele wurde gegen
sein ,ende hin voll der schwrzesten
,galle4 ,je mehr das griechische
,philosophenthum an ,macht verlor1 um so
mehr litt es innerlich durch diese
,galligkeit und ,schmhsucht2 als erst
die verschiedenen ,secten ihre
,wahrheiten auf den ,strassen
verfochten1 da waren die ,seelen aller
dieser ,freier der ,wahrheit durch
,eifer- und ,geifersucht vllig
verschlammt1 das tyrannische ,element
wthete jetzt als ,gift in ihrem ,krper4
,diese vielen kleinen ,tyrannen htten
sich roh fressen mgen2 es war kein
,funke mehr von ,liebe und allzuwenig
,freude an ihrer eigenen ,erkenntniss in
ihnen brig geblieben4 - ,ueberhaupt
gilt der ,satz1 dass ,tyrannen meistens
ermordet werden und dass ihre
,nachkommenschaft kurz lebt1 auch von
den ,tyrannen des ,geistes4 ,ihre
,geschichte ist kurz1 gewaltsam1 ihre
,nachwirkung bricht pltzlich ab4 ,fast
von allen grossen ,hellenen kann man
sagen1 dass sie zu spt gekommen
scheinen1 so von ,aeschylus1 von
,pindar1 von ,demosthenes1 von
,thukydides2 ein ,geschlecht nach ihnen
- und dann ist es immer vllig vorbei4
,das ist das ,strmische und ,unheimliche
in der griechischen ,geschichte4
,jetzt zwar bewundert man das
,evangelium der ,schildkrte4
,geschichtlich denken heisst jetzt fast
so viel1 als ob zu allen ,zeiten nach
dem ,satze ,geschichte gemacht worden
wre3 mglichst wenig in mglichst langer
,zeit6 ,ach1 die griechische ,geschichte
luft so rasch6 ,es ist nie wieder so
verschwenderisch1 so maasslos gelebt
worden4 ,ich kann mich nicht berzeugen1
dass die ,geschichte der ,griechen
jenen natrlichen ,verlauf genommen habe1
der so an ihr gerhmt wird4 ,sie waren
viel zu mannichfach begabt dazu1 um in
jener schrittweisen ,manier allmhlich
zu sein1 wie es die ,schildkrte im
,wettlauf mit ,achilles ist3 und das
nennt man ja natrliche ,entwickelung4
,bei den ,griechen geht es schnell
vorwrts1 aber eben so schnell abwrts2
die ,bewegung der ganzen ,maschine ist
so gesteigert1 dass ein einziger
,stein1 in ihre ,rder geworfen1 sie
zerspringen macht4 ,ein solcher ,stein
war zum ,beispiel ,sokrates2 in einer
,nacht war die bis dahin so wunderbar
regelmssige1 aber freilich allzu
schleunige ,entwickelung der
philosophischen ,wissenschaft zerstrt4
,es ist keine mssige ,frage1 ob nicht
,plato1 von der sokratischen
,verzauberung frei geblieben1 einen noch
hheren ,typus des philosophischen
,menschen gefunden htte1 der uns auf
immer verloren ist4 ,man sieht in die
,zeiten vor ihm wie in einer
,bildner-,werksttte solcher ,typen
hinein4 ,das sechste und fnfte
,jahrhundert scheint aber doch noch
mehr und ,hheres zu verheissen1 als es
selber hervorgebracht hat2 aber es
blieb bei dem ,verheissen und
,ankndigen4 ,und doch giebt es kaum
einen schwereren ,verlust1 als den
,verlust eines ,typus'1 einer neuen1
bis dahin unentdeckt gebliebenen hchsten
,mglichkeit des philosophischen
,lebens4 ,selbst von den lteren ,typen
sind die meisten schlecht berliefert2
es scheinen mir alle ,philosophen von
,thales bis ,demokrit ausserordentlich
schwer erkennbar2 wem es aber gelingt1
diese ,gestalten nachzuschaffen1 der
wandelt unter ,gebilden von mchtigstem
und reinstem ,typus4 ,diese ,fhigkeit
ist freilich selten1 sie fehlte selbst
den spteren ,griechen1 welche sich mit
der ,kunde der lteren ,philosophie
befassten2 ,aristoteles zumal scheint
seine ,augen nicht im ,kopfe zu haben1
wenn er vor den ,bezeichneten steht4
,und so scheint es1 als ob diese
herrlichen ,philosophen umsonst gelebt
htten oder als ob sie gar nur die
streit- und redelustigen ,schaaren der
sokratischen ,schulen htten vorbereiten
sollen4 ,es ist hier1 wie gesagt1 eine
,lcke1 ein ,bruch in der ,entwickelung2
irgend ein grosses ,unglck muss
geschehen sein und die einzige ,statue1
an welcher man ,sinn und ,zweck jener
grossen bildnerischen ,vorbung erkannt
haben wrde1 zerbrach oder misslang3 was
eigentlich geschehen ist1 ist fr immer
ein ,geheimniss der ,werksttte
geblieben4 - ,das1 was bei den ,griechen
sich ereignete - dass jeder grosse
,denker im ,glauben daran1 ,besitzer der
absoluten ,wahrheit zu sein1 zum
,tyrannen wurde1 so dass auch die
,geschichte des ,geistes bei den
,griechen jenen gewaltsamen1 bereilten
und gefhrlichen ,charakter bekommen hat1
den ihre politische ,geschichte zeigt
- diese ,art von ,ereignissen war damit
nicht erschpft3 es hat sich vieles
,gleiche bis in die neueste ,zeit hinein
begeben1 obwohl allmhlich seltener und
jetzt schwerlich mehr mit dem reinen
naiven ,gewissen der griechischen
,philosophen4 ,denn im ,ganzen redet
jetzt die ,gegenlehre und die ,skepsis
zu mchtig1 zu laut4 ,die ,periode der
,tyrannen des ,geistes ist vorbei4 ,in
den ,sphren der hheren ,cultur wird es
freilich immer eine ,herrschaft geben
mssen1 - aber diese ,herrschaft liegt
von jetzt ab in den ,hnden der
,oligarchen des ,geistes4 ,sie bilden1
trotz aller rumlichen und politischen
,trennung1 eine zusammengehrige
,gesellschaft1 deren ,mitglieder sich
erkennen und anerkennen1 was auch die
ffentliche ,meinung und die ,urtheile
der auf die ,masse wirkenden ,tages- und
,zeitschriftsteller fr ,schtzungen der
,gunst oder ,abgunst in ,umlauf bringen
mgen4 ,die geistige ,ueberlegenheit1
welche frher trennte und verfeindete1
pflegt jetzt zu binden3 wie knnten die
,einzelnen sich selbst behaupten und
auf eigener ,bahn1 allen ,strmungen
entgegen1 durch das ,leben schwimmen1
wenn sie nicht ihres ,gleichen hier und
dort unter gleichen ,bedingungen leben
shen und deren ,hand ergriffen1 im
,kampfe eben so sehr gegen den
ochlokratischen ,charakter des
,halbgeistes und der ,halbbildung1 als
gegen die gelegentlichen ,versuche1 mit
,hlfe der ,massenwirkung eine ,tyrannei
aufzurichten8 ,die ,oligarchen sind
einander nthig1 sie haben an einander
ihre beste ,freude1 sie verstehen ihre
,abzeichen1 - aber trotzdem ist ein
jeder von ihnen frei1 er kmpft und
siegt an seiner ,stelle und geht lieber
unter1 als sich zu unterwerfen4
#bfb4 ,homer4 - ,die grsste
,thatsache in der griechischen ,bildung
bleibt doch die1 dass ,homer so
frhzeitig panhellenisch wurde4 ,alle
geistige und menschliche ,freiheit1
welche die ,griechen erreichten1 geht
auf diese ,thatsache zurck4 ,aber
zugleich ist es das eigentliche
,verhngniss der griechischen ,bildung
gewesen1 denn ,homer verflachte1 indem
er centralisirte1 und lste die
ernsteren ,instincte der ,unabhngigkeit
auf4 ,von ,zeit zu ,zeit erhob sich aus
dem tiefsten ,grunde des ,hellenischen
der ,widerspruch gegen ,homer2 aber er
blieb immer siegreich4 ,alle grossen
geistigen ,mchte ben neben ihrer
befreienden ,wirkung auch eine
unterdrckende aus2 aber freilich ist es
ein ,unterschied1 ob ,homer oder die
,bibel oder die ,wissenschaft die
,menschen tyrannisiren4 #bfc4
,begabung4 - ,in einer so hoch
entwickelten ,menschheit1 wie die
jetzige ist1 bekommt von ,natur ,jeder
den ,zugang zu vielen ,talenten mit4
,jeder hat angeborenes ,talent1 aber
nur ,wenigen ist der ,grad von
,zhigkeit1 ,ausdauer1 ,energie
angeboren und anerzogen1 so dass er
wirklich ein ,talent wird1 also wird1
was er ist1 das heisst3 es in ,werken
und ,handlungen entladet4 #bfd4
,der ,geistreiche entweder berschtzt
oder unterschtzt4 -
,unwissenschaftliche1 aber begabte
,menschen schtzen jedes ,anzeichen von
,geist1 sei es nun1 dass er auf wahrer
oder falscher ,fhrte ist2 sie wollen
vor ,allem1 dass der ,mensch1 der mit
ihnen verkehrt1 sie gut mit seinem
,geist unterhalte1 sie ansporne1
entflamme1 zu ,ernst und ,scherz
fortreisse und jedenfalls vor der
,langenweile als krftigstes ,amulet
schtze4 ,die wissenschaftlichen ,naturen
wissen dagegen1 dass die ,begabung1
allerhand ,einflle zu haben1 auf das
strengste durch den ,geist der
,wissenschaft gezgelt werden msse2 nicht
,das1 was glnzt1 scheint1 erregt1
sondern die oft unscheinbare ,wahrheit
ist die ,frucht1 welche er vom ,baum
der ,erkenntniss zu schtteln wnscht4 ,er
darf1 wie ,aristoteles1 zwischen
,langweiligen und ,geistreichen keinen
,unterschied machen1 sein ,dmon fhrt ihn
durch die ,wste ebenso wie durch
tropische ,vegetation1 damit er berall
nur an dem ,wirklichen1 ,haltbaren1
,aechten seine ,freude habe4 - ,daraus
ergiebt sich1 bei unbedeutenden
,gelehrten1 eine ,missachtung und
,verdchtigung des ,geistreichen
berhaupt1 und wiederum haben geistreiche
,leute hufig eine ,abneigung gegen die
,wissenschaft3 wie zum ,beispiel fast
alle ,knstler4 #bfe4 ,die
,vernunft in der ,schule4 - ,die ,schule
hat keine wichtigere ,aufgabe1 als
strenges ,denken1 vorsichtiges
,urtheilen1 consequentes ,schliessen zu
lehren3 desshalb hat sie von allen
,dingen abzusehen1 die nicht fr diese
,operationen tauglich sind1 zum
,beispiel von der ,religion4 ,sie kann
ja darauf rechnen1 dass menschliche
,unklarheit1 ,gewhnung und ,bedrfniss
spter doch wieder den ,bogen des
allzustraffen ,denkens abspannen4 ,aber
so lange ihr ,einfluss reicht1 soll sie
,das erzwingen1 was das ,wesentliche
und ,auszeichnende am ,menschen ist-
,vernunft und ,wissenschaft des
,menschen allerhchste ,kraft - wie
wenigstens ,goethe urtheilt4 - ,der
grosse ,naturforscher von ,baer findet
die ,ueberlegenheit aller ,europer im
,vergleich zu ,asiaten in der
eingeschulten ,fhigkeit1 dass sie ,grnde
fr ,das1 was sie glauben1 angeben
knnen1 wozu ,diese aber vllig unfhig
sind4 ,europa ist in die ,schule des
consequenten und kritischen ,denkens
gegangen1 ,asien weiss immer noch nicht
zwischen ,wahrheit und ,dichtung zu
unterscheiden und ist sich nicht
bewusst1 ob seine ,ueberzeugungen aus
eigener ,beobachtung und regelrechtem
,denken oder aus ,phantasien stammen4 -
,die ,vernunft in der ,schule hat
,europa zu ,europa gemacht3 im
,mittelalter war es auf dem ,wege1
wieder zu einem ,stck und ,anhngsel
,asiens zu werden1 - also den
wissenschaftlichen ,sinn1 welchen es den
,griechen verdankte1 einzubssen4
#bff4 ,unterschtzte ,wirkung des
gymnasialen ,unterrichts4 - ,man sucht
den ,werth des ,gymnasiums selten in
den ,dingen1 welche wirklich dort
gelernt und von ihm unverlierbar
heimgebracht werden1 sondern in denen1
welche man lehrt1 welche der ,schler
sich aber nur mit ,widerwillen
aneignet1 um sie1 so schnell er darf1
von sich abzuschtteln4 ,das ,lesen der
,classiker - das giebt jeder ,gebildete
zu - ist so1 wie es berall getrieben
wird1 eine monstrse ,procedur3 vor
jungen ,menschen1 welche in keiner
,beziehung dazu reif sind1 von
,lehrern1 welche durch jedes ,wort1 oft
durch ihr ,erscheinen schon einen
,mehlthau ber einen guten ,autor legen4
,aber darin liegt der ,werth1 der
gewhnlich verkannt wird1 - dass diese
,lehrer die abstracte ,sprache der
hhern ,cultur reden1 schwerfllig und
schwer zum ,verstehen1 wie sie ist1
aber eine hohe ,gymnastik des ,kopfes2
dass ,begriffe1 ,kunstausdrcke1
,methoden1 ,anspielungen in ihrer
,sprache fortwhrend vorkommen1 welche
die jungen ,leute im ,gesprche ihrer
,angehrigen und auf der ,gasse fast nie
hren4 ,wenn die ,schler nur hren1 so
wird ihr ,intellect zu einer
wissenschaftlichen ,betrachtungsweise
unwillkrlich prformirt4 ,es ist nicht
mglich1 aus dieser ,zucht vllig unberhrt
von der ,abstraction als reines
,naturkind herauszukommen4 #bfg4
,viele ,sprachen lernen4 - ,viele
,sprachen lernen fllt das ,gedchtniss
mit ,worten1 statt mit ,thatsachen und
,gedanken1 aus1 whrend diess ein
,behltniss ist1 welches bei jedem
,menschen nur eine bestimmt begrnzte
,masse von ,inhalt aufnehmen kann4
,sodann schadet das ,lernen vieler
,sprachen1 insofern es den ,glauben1
,fertigkeiten zu haben1 erweckt und
thatschlich auch ein gewisses
verfhrerisches ,ansehen im ,verkehre
verleiht2 es schadet sodann auch
indirect dadurch1 dass es dem ,erwerben
grndlicher ,kenntnisse und der
,absicht1 auf redliche ,weise die
,achtung der ,menschen zu verdienen1
entgegenwirkt4 ,endlich ist es die
,axt1 welche dem feineren ,sprachgefhl
innerhalb der ,muttersprache an die
,wurzel gelegt wird3 diess wird dadurch
unheilbar beschdigt und zu ,grunde
gerichtet4 ,die beiden ,vlker1 welche
die grssten ,stilisten erzeugten1
,griechen und ,franzosen1 lernten keine
fremden ,sprachen4 - ,weil aber der
,verkehr der ,menschen immer
kosmopolitischer werden muss1 und zum
,beispiel ein rechter ,kaufmann in
,london jetzt schon sich in acht
,sprachen schriftlich und mndlich
verstndlich zu machen hat1 so ist
freilich das ,viele-,sprachen-lernen ein
nothwendiges ,uebel2 welches aber
zuletzt zum ,aeussersten kommend1 die
,menschheit zwingen wird1 ein
,heilmittel zu finden3 und in irgend
einer fernen ,zukunft wird es eine neue
,sprache1 zuerst als ,handelssprache1
dann als ,sprache des geistigen
,verkehres berhaupt1 fr ,alle geben1 so
gewiss1 als es einmal
,luft-,schifffahrt giebt4 ,wozu htte
auch die ,sprachwissenschaft ein
,jahrhundert lang die ,gesetze der
,sprache studirt und das ,nothwendige1
,werthvolle1 ,gelungene an jeder
einzelnen ,sprache abgeschtzt6
#bfh4 ,zur ,kriegsgeschichte des
,individuums4 - ,wir finden in ein
einzelnes ,menschenleben1 welches durch
mehrere ,culturen geht1 den ,kampf
zusammengedrngt1 welcher sich sonst
zwischen zwei ,generationen1 zwischen
,vater und ,sohn1 abspielt3 die ,nhe der
,verwandtschaft verschrft diesen
,kampf1 weil jede ,partei schonungslos
das ihr so gut bekannte ,innere der
anderen ,partei mit hineinzieht2 und so
wird dieser ,kampf im einzelnen
,individuum am erbittertsten sein2 hier
schreitet jede neue ,phase ber die
frheren mit grausamer ,ungerechtigkeit
und ,verkennung von deren ,mitteln und
,zielen hinweg4 #bfi4 ,um eine
,viertelstunde frher4 - ,man findet
gelegentlich ,einen1 der mit seinen
,ansichten ber seiner ,zeit steht1 aber
doch nur um so viel1 dass er die
,vulgransichten des nchsten ,jahrzehnts
vorwegnimmt4 ,er hat die ffentliche
,meinung eher1 als sie ffentlich ist1
das heisst3 er ist einer ,ansicht1 die
es verdient trivial zu werden1 eine
,viertelstunde eher in die ,arme
gefallen1 als ,andere4 ,sein ,ruhm
pflegt aber viel lauter zu sein1 als
der ,ruhm der wirklichen ,grossen und
,ueberlegenen4 #bgj4 ,die
,kunst1 zu lesen4 - jede starke
,richtung ist einseitig2 sie nhert sich
der ,richtung der geraden ,linie und
ist wie diese ausschliessend1 das
heisst sie berhrt nicht viele andere
,richtungen1 wie diess schwache
,parteien und ,naturen in ihrem
wellenhaften ,hin- und ,hergehen thun3
das muss man also auch den ,philologen
nachsehen1 dass sie einseitig sind4
,herstellung und ,reinhaltung der
,texte1 nebst der ,erklrung derselben1
in einer ,zunft jahrhundertelang
fortgetrieben1 hat endlich jetzt die
richtigen ,methoden finden lassen2 das
ganze ,mittelalter war tief unfhig zu
einer streng philologischen ,erklrung1
das heisst zum einfachen
,verstehenwollen dessen1 was der ,autor
sagt1 - es war ,etwas1 diese ,methoden
zu finden1 man unterschtze es nicht6
,alle ,wissenschaft hat dadurch erst
,continuitt und ,stetigkeit gewonnen1
dass die ,kunst des richtigen ,lesens1
das heisst die ,philologie1 auf ihre
,hhe kam4 #bga4 ,die ,kunst1 zu
schliessen4 - ,der grsste ,fortschritt1
den die ,menschen gemacht haben1 liegt
darin1 dass sie richtig schliessen
lernen4 ,das ist gar nicht so etwas
,natrliches1 wie ,schopenhauer annimmt1
wenn er sagt3 zu schliessen sind ,alle1
zu urtheilen ,wenige fhig1 sondern ist
spt erlernt und jetzt noch nicht zur
,herrschaft gelangt4 ,das faische
,schliessen ist in lteren ,zeiten die
,regel3 und die ,mythologien aller
,vlker1 ihre ,magie und ihr ,aberglaube1
ihr religiser ,cultus1 ihr ,recht sind
die unerschpflichen
,beweis-,fundsttten fr diesen ,satz4
#bgb4 ,jahresringe der individuellen
,cultur4 - ,die ,strke und ,schwche der
geistigen ,productivitt hngt lange
nicht so an der angeerbten ,begabung1
als an dem mitgegebenen ,maasse von
,spannkraft4 ,die meisten jungen
,gebildeten von dreissig ,jahren gehen
um diese ,frhsonnenwende ihres ,lebens
zurck und sind fr neue geistige
,wendungen von da an unlustig4
,desshalb ist dann gleich wieder zum
,heile einer fort und fort wachsenden
,cultur eine neue ,generation nthig1 die
es nun aber ebenfalls nicht weit
bringt3 denn um die ,cultur des ,vaters
nachzuholen1 muss der ,sohn die
angeerbte ,energie1 welche der ,vater
auf jener ,lebensstufe1 als er den ,sohn
zeugte1 selber besass1 fast
aufbrauchen2 mit dem kleinen
,ueberschuss kommt er weiter 7denn weil
hier der ,weg zum zweiten ,mal gemacht
wird1 geht es ein ,wenig schneller
vorwrts2 der ,sohn verbraucht1 um das
,selbe zu lernen1 was der ,vater
wusste1 nicht ganz so viel ,kraft74
,sehr spannkrftige ,mnner1 wie zum
,beispiel ,goethe1 durchmessen so viel
als kaum vier ,generationen hinter
einander vermgen2 desshalb kommen sie
aber zu schnell voraus1 so dass die
anderen ,menschen sie erst in dem
nchsten ,jahrhundert einholen1
vielleicht nicht einmal vllig1 weil
durch die hufigen ,unterbrechungen die
,geschlossenheit der ,cultur1 die
,consequenz der ,entwickelung geschwcht
worden ist4 - ,die gewhnlichen ,phasen
der geistigen ,cultur1 welche im
,verlauf der ,geschichte errungen ist1
holen die ,menschen immer schneller
nach4 ,sie beginnen gegenwrtig in die
,cultur als religis bewegte ,kinder
einzutreten und bringen es vielleicht
im zehnten ,lebensjahre zur hchsten
,lebhaftigkeit dieser ,empfindungen1
gehen dann in abgeschwchtere ,formen
7,pantheismus7 ber1 whrend sie sich der
,wissenschaft nhern2 kommen ber ,gott1
,unsterblichkeit und dergleichen ganz
hinaus1 aber verfallen den ,zaubern
einer metaphysischen ,philosophie4 ,auch
diese wird ihnen endlich unglaubwrdig2
die ,kunst scheint dagegen immer mehr
zu gewhren1 so dass eine ,zeit lang die
,metaphysik kaum noch in einer
,umwandelung zur ,kunst oder als
knstlerisch verklrende ,stimmung brig
bleibt und fortlebt4 ,aber der
wissenschaftliche ,sinn wird immer
gebieterischer und fhrt den ,mann hin
zur ,naturwissenschaft und ,historie
und namentlich zu den strengsten
,methoden des ,erkennens1 whrend der
,kunst eine immer mildere und
anspruchslosere ,bedeutung zufllt4
,diess ,alles pflegt sich jetzt
innerhalb der ersten dreissig ,jahre
eines ,mannes zu ereignen4 ,es ist die
,recapitulation eines ,pensums1 an
welchem die ,menschheit vielleicht
dreissigtausend ,jahre sich
abgearbeitet hat4 #bgc4
,zurckgegangen1 nicht zurckgeblieben4 -
,wer gegenwrtig seine ,entwickelung
noch aus religisen ,empfindungen heraus
anhebt und vielleicht lngere ,zeit
nachher in ,metaphysik und ,kunst
weiterlebt1 der hat sich allerdings ein
gutes ,stck zurckbegeben und beginnt
sein ,wettrennen mit anderen modernen
,menschen unter ungnstigen
,voraussetzungen3 er verliert scheinbar
,raum und ,zeit4 ,aber dadurch1 dass er
sich in jenen ,bereichen aufhielt1 wo
,gluth und ,energie entfesselt werden
und fortwhrend ,macht als vulcanischer
,strom aus unversiegbarer ,quelle
strmt1 kommt er dann1 sobald er sich nur
zur rechten ,zeit von jenen ,gebieten
getrennt hat1 um so schneller vorwrts1
sein ,fuss ist beflgelt1 seine ,brust
hat ruhiger1 lnger1 ausdauernder athmen
gelernt4 - ,er hat sich nur
zurckgezogen1 um zu seinem ,sprunge
gengenden ,raum zu haben3 so kann selbst
etwas ,frchterliches1 ,drohendes in
diesem ,rckgange liegen4 #bgd4
,ein ,ausschnitt unseres ,selbst als
knstlerisches ,object4 - ,es ist ein
,zeichen berlegener ,cultur1 gewisse
,phasen der ,entwickelung1 welche die
geringeren ,menschen fast gedankenlos
durchleben und von der ,tafel ihrer
,seele dann wegwischen1 mit ,bewusstsein
festzuhalten und ein getreues ,bild
davon zu entwerfen3 denn diess ist die
hhere ,gattung der ,malerkunst1 welche
nur ,wenige verstehen4 ,dazu wird es
nthig1 jene ,phasen knstlich zu
isoliren4 ,die historischen ,studien
bilden die ,befhigung zu diesem
,malerthum aus1 denn sie fordern uns
fortwhrend auf1 bei ,anlass eines
,stckes ,geschichte1 eines ,volkes -
oder ,menschenlebens uns einen ganz
bestimmten ,horizont von ,gedanken1
eine bestimmte ,strke von ,empfindungen1
das ,vorwalten dieser1 das
,zurcktreten jener vorzustellen4 ,darin1
dass man solche ,gedanken- und
,gefhlssysteme aus gegebenen ,anlssen
schnell reconstruiren kann1 wie den
,eindruck eines ,tempels aus einigen
zufllig stehen gebliebenen ,sulen und
,mauerresten1 besteht der historische
,sinn4 ,das nchste ,ergebniss desselben
ist1 dass wir unsere ,mitmenschen als
ganz bestimmte solche ,systeme und
,vertreter verschiedener ,culturen
verstehen1 das heisst als nothwendig1
aber als vernderlich4 ,und wiederum1
dass wir in unserer eigenen
,entwickelung ,stcke heraustrennen und
selbstndig hinstellen knnen4 #bge4
,cyniker und ,epikureer4 - ,der ,cyniker
erkennt den ,zusammenhang zwischen den
vermehrten und strkeren ,schmerzen des
hher cultivirten ,menschen und der
,flle von ,bedrfnissen2 er begreift
also1 dass die ,menge von ,meinungen
ber das ,schne1 ,schickliche1
,geziemende1 ,erfreuende ebenso sehr
reiche ,genuss-1 aber auch
,unlustquellen entspringen lassen
musste4 ,gemss dieser ,einsicht bildet
er sich zurck1 indem er viele dieser
,meinungen aufgiebt und sich gewissen
,anforderungen der ,cultur entzieht2
damit gewinnt er ein ,gefhl der
,freiheit und der ,krftigung2 und
allmhlich1 wenn die ,gewohnheit ihm
seine ,lebensweise ertrglich macht1 hat
er in der ,that seltnere und schwchere
,unlustempfindungen1 als die
cultivirten ,menschen1 und nhert sich
dem ,hausthier an2 berdiess empfindet
er ,alles im ,reiz des ,contrastes und -
schimpfen kann er ebenfalls nach
,herzenslust2 so dass er dadurch wieder
hoch ber die ,empfindungswelt des
,thieres hinauskommt4 - ,der ,epikureer
hat den selben ,gesichtspunct wie der
,cyniker2 zwischen ihm und jenem ist
gewhnlich nur ein ,unterschied des
,temperamentes4 ,sodann benutzt der
,epikureer seine hhere ,cultur1 um sich
von den herrschenden ,meinungen
unabhngig zu machen2 er erhebt sich ber
dieselben1 whrend der ,cyniker nur in
der ,negation bleibt4 ,er wandelt
gleichsam in windstillen1
wohlgeschtzten1 halbdunkelen ,gngen1
whrend ber ihm1 im ,winde1 die ,wipfel
der ,bume brausen und ihm verrathen1 wie
heftig bewegt da draussen die ,welt
ist4 ,der ,cyniker dagegen geht
gleichsam nackt draussen im
,windeswehen umher und hrtet sich bis
zur ,gefhllosigkeit ab4 #bgf4
,mikrokosmus und ,makrokosmus der
,cultur4 - ,die besten ,entdeckungen
ber die ,cultur macht der ,mensch in
sich selbst1 wenn er darin zwei
heterogene ,mchte waltend findet4
,gesetzt1 es lebe ,einer eben so sehr
in der ,liebe zur bildenden ,kunst oder
zur ,musik als er vom ,geiste der
,wissenschaft fortgerissen werde1 und er
sehe es als unmglich an1 diesen
,widerspruch durch ,vernichtung der
einen und volle ,entfesselung der
anderen ,macht aufzuheben3 so bleibt ihm
nur brig1 ein so grosses ,gebude der
,cultur aus sich zu gestalten1 dass jene
beiden ,mchte1 wenn auch an
verschiedenen ,enden desselben1 in ihm
wohnen knnen1 whrend zwischen ihnen
vershnende ,mittelmchte1 mit
berwiegender ,kraft1 um nthigen falls
den ausbrechenden ,streit zu schlichten1
ihre ,herberge haben4 ,ein solches
,gebude der ,cultur im einzelnen
,individuum wird aber die grsste
,aehnlichkeit mit dem ,culturbau in
ganzen ,zeitperioden haben und eine
fortgesetzte analogische ,belehrung ber
denselben abgeben4 ,denn berall1 wo sich
die grosse ,architektur der ,cultur
entfaltet hat1 war ihre ,aufgabe1 die
einander widerstrebenden ,mchte zur
,eintracht vermge einer bermchtigen
,ansammelung der weniger unvertrglichen
brigen ,mchte zu zwingen1 ohne sie
desshalb zu unterdrcken und in ,fesseln
zu schlagen4 #bgg4 ,glck und
,cultur4 - ,der ,anblick der ,umgebungen
unserer ,kindheit erschttert uns3 das
,gartenhaus1 die ,kirche mit den
,grbern1 der ,teich und der ,wald1 -
diess sehen wir immer als ,leidende
wieder4 ,mitleid mit uns selbst
ergreift uns1 denn was haben wir seitdem
,alles durchgelitten6 ,und hier steht
jegliches noch so still1 so ewig da3
nur wir sind so anders1 so bewegt2
selbst etliche ,menschen finden wir
wieder1 an welchen die ,zeit nicht mehr
ihren ,zahn gewetzt hat1 als an einem
,eichenbaume3 ,bauern1 ,fischer1
,waldbewohner - sie sind die selben4 -
,erschtterung1 ,selbstmitleid im
,angesichte der niederen ,cultur ist
das ,zeichen der hheren ,cultur2 woraus
sich ergiebt1 dass durch diese das
,glck jedenfalls nicht gemehrt worden
ist4 ,wer eben ,glck und ,behagen vom
,leben ernten will1 der mag nur immer
der hheren ,cultur aus dem ,wege gehen4
#bgh4 ,gleichniss vom ,tanze4 -
,jetzt ist es als das entscheidende
,zeichen grosser ,cultur zu betrachten1
wenn jemand jene ,kraft und
,biegsamkeit besitzt1 um ebenso rein
und streng im ,erkennen zu sein als1 in
andern ,momenten1 auch befhigt1 der
,poesie1 ,religion und ,metaphysik
gleichsam hundert ,schritte vorzugeben
und ihre ,gewalt und ,schnheit
nachzuempfinden4 ,eine solche ,stellung
zwischen zwei so verschiedenen
,ansprchen ist sehr schwierig1 denn die
,wissenschaft drngt zur absoluten
,herrschaft ihrer ,methode1 und wird
diesem ,drngen nicht nachgegeben1 so
entsteht die andere ,gefahr eines
schwchlichen ,auf- und
,niederschwankens zwischen verschiedenen
,antrieben4 ,indessen3 um wenigstens
mit einem ,gleichniss einen ,blick auf
die ,lsung dieser ,schwierigkeit zu
erffnen1 mge man sich doch daran
erinnern1 dass der ,tanz nicht das
,selbe wie ein mattes ,hin- und
,hertaumeln zwischen verschiedenen
,antrieben ist4 ,die hohe ,cultur wird
einem khnen ,tanze hnlich sehen3
wesshalb1 wie gesagt1 viel ,kraft und
,geschmeidigkeit noth thut4 #bgi4
,von der ,erleichterung des ,lebens4 -
,ein ,hauptmittel1 um sich das ,leben
zu erleichtern1 ist das ,idealisiren
aller ,vorgnge desselben2 man soll sich
aber aus der ,malerei recht deutlich
machen1 was idealisiren heisst4 ,der
,maler verlangt1 dass der ,zuschauer
nicht zu genau1 zu scharf zusehe1 er
zwingt ihn in eine gewisse ,ferne zurck1
damit er von dort aus betrachte2 er
ist genthigt1 eine ganz bestimmte
,entfernung des ,betrachters vom ,bilde
vorauszusetzen2 ja er muss sogar ein
ebenso bestimmtes ,maass von ,schrfe des
,auges bei seinem ,betrachter
annehmen2 in solchen ,dingen darf er
durchaus nicht schwanken4 ,jeder also1
der sein ,leben idealisiren will1 muss
es nicht zu genau sehen wollen und
seinen ,blick immer in eine gewisse
,entfernung zurckbannen4 ,dieses
,kunststck verstand zum ,beispiel
,goethe4 #bhj4 ,erschwerung als
,erleichterung und umgekehrt4 - ,vieles1
was auf gewissen ,stufen des ,menschen
,erschwerung des ,lebens ist1 dient
einer hheren ,stufe als ,erleichterung1
weil solche ,menschen strkere
,erschwerungen des ,lebens kennen
gelernt haben4 ,ebenso kommt das
,umgekehrte vor3 so hat zum ,beispiel
die ,religion ein doppeltes ,gesicht1
je nachdem ein ,mensch zu ihr
hinaufblickt1 um von ihr sich seine
,last und ,noth abnehmen zu lassen1 oder
auf sie hinabsieht1 wie auf die
,fessel1 welche ihm angelegt ist1 damit
er nicht zu hoch in die ,lfte steige4
#bha4 ,die hhere ,cultur wird
nothwendig missverstanden4 - ,wer sein
,instrument nur mit zwei ,saiten
bespannt hat1 wie die ,gelehrten1 welche
ausser dem ,wissenstrieb nur noch
einen anerzogenen religisen haben1 der
versteht solche ,menschen nicht1 welche
auf mehr ,saiten spielen knnen4 ,es
liegt im ,wesen der hheren
vielsaitigeren ,cultur1 dass sie von
der niederen immer falsch gedeutet wird2
wie diess zum ,beispiel geschieht1
wenn die ,kunst als eine verkappte ,form
des ,religisen gilt4 ,ja ,leute1 die
nur religis sind1 verstehen selbst die
,wissenschaft als ,suchen des religisen
,gefhls1 so wie ,taubstumme nicht
wissen1 was ,musik ist1 wenn nicht
sichtbare ,bewegung4 #bhb4
,klagelied4 - ,es sind vielleicht die
,vorzge unserer ,zeiten1 welche ein
,zurcktreten und eine gelegentliche
,unterschtzung der vita contemplativa
mit sich bringen4 ,aber eingestehen muss
man es sich1 dass unsere ,zeit arm ist
an grossen ,moralisten1 dass ,pascal1
,epictet1 ,seneca1 ,plutarch wenig noch
gelesen werden1 dass ,arbeit und
,fleiss - sonst im ,gefolge der grossen
,gttin ,gesundheit - mitunter wie eine
,krankheit zu ,wthen scheinen4 ,weil
,zeit zum ,denken und ,ruhe im ,denken
fehlt1 so erwgt man abweichende
,ansichten nicht mehr3 man begngt sich1
sie zu hassen4 ,bei der ungeheuren
,beschleunigung des ,lebens wird ,geist
und ,auge an ein halbes oder falsches
,sehen und ,urtheilen gewhnt1 und
jedermann gleicht den ,reisenden1 welche
,land und ,volk von der ,eisenbahn aus
kennen lernen4 ,selbstndige und
vorsichtige ,haltung der ,erkenntniss
schtzt man beinahe als eine ,art
,verrcktheit ab1 der ,freigeist ist in
,verruf gebracht1 namentlich durch
,gelehrte1 welche an seiner ,kunst1 die
,dinge zu betrachten1 ihre
,grndlichkeit und ihren ,ameisenfleiss
vermissen und ihn gern in einen
einzelnen ,winkel der ,wissenschaft
bannen mchten3 whrend er die ganz andere
und hhere ,aufgabe hat1 von einem
einsam gelegenen ,standorte aus den
ganzen ,heerbann der wissenschaftlichen
und gelehrten ,menschen zu befehligen
und ihnen die ,wege und ,ziele der
,cultur zu zeigen4 - ,eine solche
,klage1 wie die eben abgesungene1 wird
wahrscheinlich ihre ,zeit haben und von
selber einmal1 bei einer gewaltigen
,rckkehr des ,genius' der ,meditation1
verstummen4 #bhc4 ,hauptmangel
der thtigen ,menschen4 - ,den ,thtigen
fehlt gewhnlich die hhere ,thtigkeit3
ich meine die individuelle4 ,sie sind
als ,beamte1 ,kaufleute1 ,gelehrte1 das
heisst als ,gattungswesen thtig1 aber
nicht als ganz bestimmte einzelne und
einzige ,menschen2 in dieser ,hinsicht
sind sie faul4 - ,es ist das ,unglck der
,thtigen1 dass ihre ,thtigkeit fast
immer ein ,wenig unvernnftig ist4 ,man
darf zum ,beispiel bei dem
geldsammelnden ,banquier nach dem ,zweck
seiner rastlosen ,thtigkeit nicht
fragen3 sie ist unvernnftig4 ,die
,thtigen rollen1 wie der ,stein rollt1
gemss der ,dummheit der ,mechanik4 -
,alle ,menschen zerfallen1 wie zu allen
,zeiten so auch jetzt noch1 in ,sclaven
und ,freie2 denn wer von seinem ,tage
nicht zwei ,drittel fr sich hat1 ist ein
,sclave1 er sei brigens wer er wolle3
,staatsmann1 ,kaufmann1 ,beamter1
,gelehrter4 #bhd4 ,zu ,gunsten
der ,mssigen4 - ,zum ,zeichen dafr1 dass
die ,schtzung des beschaulichen
,lebens abgenommen hat1 wetteifern die
,gelehrten jetzt mit den thtigen
,menschen in einer ,art von hastigem
,genusse1 so dass sie also diese ,art1
zu geniessen1 hher zu schtzen scheinen1
als die1 welche ihnen eigentlich
zukommt und welche in der ,that viel
mehr ,genuss ist4 ,die ,gelehrten
schmen sich des otium4 ,es ist aber ein
edel ,ding um ,musse und ,mssiggehen4 -
,wenn ,mssiggang wirklich der ,anfang
aller ,laster ist1 so befindet er sich
also wenigstens in der nchsten ,nhe
aller ,tugenden2 der mssige ,mensch ist
immer noch ein besserer ,mensch als der
thtige4 - ,ihr meint doch nicht1 dass
ich mit ,musse und ,mssiggehen auf euch
ziele1 ihr ,faulthiere8 - #bhe4
,die moderne ,unruhe4 - ,nach dem
,westen zu wird die moderne ,bewegtheit
immer grsser1 so dass den ,amerikanern
die ,bewohner ,europa's insgesammt sich
als ruheliebende und geniessende ,wesen
darstellen1 whrend diese doch selbst
wie ,bienen und ,wespen durcheinander
fliegen4 ,diese ,bewegtheit wird so
gross1 dass die hhere ,cultur ihre
,frchte nicht mehr zeitigen kann2 es
ist1 als ob die ,jahreszeiten zu rasch
auf einander folgten4 ,aus ,mangel an
,ruhe luft unsere ,civilisation in eine
neue ,barbarei aus4 ,zu keiner ,zeit
haben die ,thtigen1 das heisst die
,ruhelosen1 mehr gegolten4 ,es gehrt
desshalb zu den nothwendigen
,correcturen1 welche man am ,charakter
der ,menschheit vornehmen muss1 das
beschauliche ,element in grossem ,maasse
zu verstrken4 ,doch hat schon jeder
,einzelne1 welcher in ,herz und ,kopf
ruhig und stetig ist1 das ,recht zu
glauben1 dass er nicht nur ein gutes
,temperament1 sondern eine allgemein
ntzliche ,tugend besitze und durch die
,bewahrung dieser ,tugend sogar eine
hhere ,aufgabe erflle4 #bhf4
,inwiefern der thtige faul ist4 - ,ich
glaube1 dass jeder ber jedes ,ding1 ber
welches ,meinungen mglich sind1 eine
eigene ,meinung haben muss1 weil er
selber ein eigenes1 nur einmaliges ,ding
ist1 das zu allen anderen ,dingen eine
neue1 nie dagewesene ,stellung
einnimmt4 ,aber die ,faulheit1 welche
im ,grunde der ,seele des ,thtigen
liegt1 verhindert den ,menschen1 das
,wasser aus seinem eigenen ,brunnen zu
schpfen4 - ,mit der ,freiheit der
,meinungen steht es wie mit der
,gesundheit3 beide sind individuell1 von
beiden kann kein allgemein gltiger
,begriff aufgestellt werden4 ,das1 was
das eine ,individuum zu seiner
,gesundheit nthig hat1 ist fr ein
anderes schon ,grund zur ,erkrankung1
und manche ,mittel und ,wege zur
,freiheit des ,geistes drfen hher
entwickelten ,naturen als ,wege und
,mittel zur ,unfreiheit gelten4
#bhg4 ,censor vitae4 ,der ,wechsel
von ,liebe und ,hass bezeichnet fr eine
lange ,zeit den inneren ,zustand eines
,menschen1 welcher frei in seinem
,urtheile ber das ,leben werden will2 er
vergisst nicht und trgt den ,dingen
,alles nach1 ,gutes und ,bses4 ,zuletzt1
wenn die ganze ,tafel seiner ,seele
mit ,erfahrungen voll geschrieben ist1
wird er das ,dasein nicht verachten und
hassen1 aber es auch nicht lieben1
sondern ber ihm liegen bald mit dem
,auge der ,freude1 bald mit dem der
,trauer1 und1 wie die ,natur1 bald
sommerlich1 bald herbstlich gesinnt
sein4 #bhh4 ,nebenerfolg4 - ,wer
ernstlich frei werden will1 wird dabei
ohne allen ,zwang die ,neigung zu
,fehlern und ,lastern mit verlieren2
auch ,aerger und ,verdruss werden ihn
immer seltener anfallen4 ,sein ,wille
nmlich will ,nichts angelegentlicher1
als ,erkennen und das ,mittel dazu1 das
heisst3 den andauernden ,zustand1 in dem
er am tchtigsten zum ,erkennen ist4
#bhi4 ,werth der ,krankheit4 - ,der
,mensch1 der krank zu ,bette liegt1
kommt mitunter dahinter1 dass er fr
gewhnlich an seinem ,amte1 ,geschfte
oder an seiner ,gesellschaft krank ist
und durch sie jede ,besonnenheit ber
sich verloren hat3 er gewinnt diese
,weisheit aus der ,musse1 zu welcher
ihn seine ,krankheit zwingt4 #bij4
,empfindung auf dem ,lande4 - ,wenn man
nicht feste1 ruhige ,linien am
,horizonte seines ,lebens hat1 ,gebirgs-
und ,waldlinien gleichsam1 so wird der
innerste ,wille des ,menschen selber
unruhig1 zerstreut und begehrlich wie
das ,wesen des ,stdters3 er hat kein
,glck und giebt kein ,glck4 #bia4
,vorsicht der freien ,geister4 -
,freigesinnte1 der ,erkenntniss allein
lebende ,menschen werden ihr usserliches
,lebensziel1 ihre endgltige ,stellung
zu ,gesellschaft und ,staat bald
erreicht finden und zum ,beispiel mit
einem kleinen ,amte oder einem ,vermgen1
das gerade zum ,leben ausreicht1 gerne
sich zufrieden geben2 denn sie werden
sich einrichten so zu leben1 dass eine
grosse ,verwandelung der usseren ,gter1
ja ein ,umsturz der politischen
,ordnungen ihr ,leben nicht mit
umwirft4 ,auf alle diese ,dinge
verwenden sie so wenig wie mglich an
,energie1 damit sie mit der ganzen
angesammelten ,kraft und gleichsam mit
einem langen ,athem in das ,element des
,erkennens hinabtauchen4 ,so knnen sie
hoffen1 tief zu tauchen und auch wohl
auf den ,grund zu sehen4 - ,von einem
,ereigniss wird ein solcher ,geist gerne
nur einen ,zipfel nehmen1 er liebt die
,dinge in der ganzen ,breite und
,weitschweifigkeit ihrer ,falten nicht3
denn er will sich nicht in diese
verwickeln4 - ,auch er kennt die
,wochentage der ,unfreiheit1 der
,abhngigkeit1 der ,dienstbarkeit4 ,aber
von ,zeit zu ,zeit muss ihm ein
,sonntag der ,freiheit kommen1 sonst
wird er das ,leben nicht aushalten4 -
,es ist wahrscheinlich1 dass selbst
seine ,liebe zu den ,menschen
vorsichtig und etwas kurzathmig sein
wird1 denn er will sich nur1 so weit es
zum ,zwecke der ,erkenntniss nthig ist1
mit der ,welt der ,neigungen und der
,blindheit einlassen4 ,er muss darauf
vertrauen1 dass der ,genius der
,gerechtigkeit ,etwas fr seinen ,jnger
und ,schtzling sagen wird1 wenn
anschuldigende ,stimmen ihn arm an
,liebe nennen sollten4 - ,es giebt in
seiner ,lebens- und ,denkweise einen
verfeinerten ,heroismus1 welcher es
verschmht1 sich der grossen
,massen-,verehrung1 wie sein grberer
,bruder es thut1 anzubieten und still
durch die ,welt und aus der ,welt zu
gehen pflegt4 ,was fr ,labyrinthe er
auch durchwandert1 unter welchen
,felsen sich auch sein ,strom zeitweilig
durchgeqult hat - kommt er an's
,licht1 so geht er hell1 leicht und
fast geruschlos seinen ,gang und lsst
den ,sonnenschein bis in seinen ,grund
hinab spielen4 #bib4 ,vorwrts4 -
,und damit vorwrts auf der ,bahn der
,weisheit1 guten ,schrittes1 guten
,vertrauens6 ,wie du auch bist1 so diene
dir selber als ,quell der ,erfahrung6
,wirf das ,missvergngen ber dein ,wesen
ab1 verzeihe dir dein eignes ,ich1 denn
in jedem ,falle hast du an dir eine
,leiter mit hundert ,sprossen1 auf
welchen du zur ,erkenntniss steigen
kannst4 ,das ,zeitalter1 in welches du
dich mit ,leidwesen geworfen fhlst1
preist dich selig dieses ,glckes wegen2
es ruft dir zu1 dass dir jetzt noch an
,erfahrungen zu ,theil werde1 was
,menschen spterer ,zeit vielleicht
entbehren mssen4 ,missachte es nicht1
noch religis gewesen zu sein2 ergrnde
es vllig1 wie du noch einen chten
,zugang zur ,kunst gehabt hast4 ,kannst
du nicht gerade mit ,hlfe dieser
,erfahrungen ungeheuren ,wegstrecken der
frheren ,menschheit verstndnisvoller
nachgehen8 ,sind nicht gerade auf dem
,boden1 welcher dir mitunter so
missfllt1 auf dem ,boden des unreinen
,denkens1 viele der herrlichsten
,frchte lterer ,cultur aufgewachsen8
,man muss ,religion und ,kunst wie
,mutter und ,amme geliebt haben1 - sonst
kann man nicht weise werden4 ,aber man
muss ber sie hinaus sehen1 ihnen
entwachsen knnen2 bleibt man in ihrem
,banne1 so versteht man sie nicht4
,ebenso muss dir die ,historie vertraut
sein und das vorsichtige ,spiel mit den
,wagschalen3 einerseits-andererseits4
,wandle zurck1 in die ,fussstapfen
tretend1 in welchen die ,menschheit
ihren leidvollen grossen ,gang durch
die ,wste der ,vergangenheit machte3 so
bist du am gewissesten belehrt1 wohin
alle sptere ,menschheit nicht wieder
gehen kann oder darf4 ,und indem du mit
aller ,kraft vorausersphen willst1 wie
der ,knoten der ,zukunft noch geknpft
wird1 bekommt dein eigenes ,leben den
,werth eines ,werkzeuges und ,mittels
zur ,erkenntniss4 ,du hast es in der
,hand zu erreichen1 dass all dein
,erlebtes3 die ,versuche1 ,irrwege1
,fehler1 ,tuschungen1 ,leidenschaften1
deine ,liebe und deine ,hoffnung1 in
deinem ,ziele ohne ,rest aufgehn4
,dieses ,ziel ist1 selber eine
nothwendige ,kette von ,cultur-,ringen
zu werden und von dieser
,nothwendigkeit aus auf die
,nothwendigkeit im ,gange der
allgemeinen ,cultur zu schliessen4
,wenn dein ,blick stark genug geworden
ist1 den ,grund in dem dunklen ,brunnen
deines ,wesens und deiner ,erkenntnisse
zu sehen1 so werden dir vielleicht
auch in seinem ,spiegel die fernen
,sternbilder zuknftiger ,culturen
sichtbar werden4 ,glaubst du1 ein
solches ,leben mit einem solchen ,ziele
sei zu mhevoll1 zu ledig aller
,annehmlichkeiten8 ,so hast du noch
nicht gelernt1 dass kein ,honig ssser
als der der ,erkenntniss ist und dass
die hngenden ,wolken der ,trbsal dir
noch zum ,euter dienen mssen1 aus dem du
die ,milch zu deiner ,labung melken
wirst4 ,kommt das ,alter1 so merkst du
erst recht1 wie du der ,stimme der
,natur ,gehr gegeben1 jener ,natur1
welche die ganze ,welt durch ,lust
beherrscht3 das selbe ,leben1 welches
seine ,spitze im ,alter hat1 hat auch
seine ,spitze in der ,weisheit1 in jenem
milden ,sonnenglanz einer bestndigen
geistigen ,freudigkeit2 beiden1 dem
,alter und der ,weisheit1 begegnest du
auf ,einem ,bergrcken des ,lebens1 so
wollte es die ,natur4 ,dann ist es ,zeit
und kein ,anlass zum ,zrnen1 dass der
,nebel des ,todes naht4 ,dem ,lichte zu
- deine letzte ,bewegung2 ein jauchzen
der ,erkenntniss - dein letzter ,laut4
,sechstes ,hauptstck4 ,der ,mensch im
,verkehr4 #bic4 ,wohlwollende
,verstellung4 - ,es ist hufig im
,verkehre mit ,menschen eine
wohlwollende ,verstellung nthig1 als ob
wir die ,motive ihres ,handelns nicht
durchschauten4 #bid4 ,copien4 -
,nicht selten begegnet man ,copien
bedeutender ,menschen2 und den ,meisten
gefallen1 wie bei ,gemlden1 so auch
hier1 die ,copien besser als die
,originale4 #bie4 ,der ,redner4
- ,man kann hchst passend reden und doch
so1 dass alle ,weldt ber das
,gegentheil schreit3 nmlich dann1 wenn
man nicht zu aller ,welt redet4
#bif4 ,mangel an ,vertraulichkeit4 -
,mangel an ,vertraulichkeit unter
,freunden ist ein ,fehler1 der nicht
gergt werden kann1 ohne unheilbar zu
werden4 #big4 ,zur ,kunst des
,schenkens4 - ,eine ,gabe ausschlagen zu
mssen1 blos weil sie nicht auf die
rechte ,weise angeboten wurde1 erbittert
gegen den ,geber4 #bih4 ,der
gefhrlichste ,parteimann4 - ,in jeder
,partei ist ,einer1 der durch sein gar
zu glubiges ,aussprechen der
,parteigrundstze die ,uebrigen zum
,abfall reizt4 #bii4 ,rathgeber
des ,kranken4 ,wer einem ,kranken seine
,rathschlge giebt1 erwirbt sich ein
,gefhl von ,ueberlegenheit ber ihn1 sei
es1 dass sie angenommen oder dass sie
verworfen werden4 ,desshalb hassen
reizbare und stolze ,kranke die
,rathgeber noch mehr als ihre
,krankheit4 #cjj4 ,doppelte ,art
der ,gleichheit4 - ,die ,sucht nach
,gleichheit kann sich so ussern1 dass
man entweder alle ,anderen zu sich
hinunterziehen mchte 7durch
,verkleinern1 ,secretiren1 ,beinstellen7
oder sich mit ,allen hinauf 7durch
,anerkennen1 ,helfen1 ,freude an fremdem
,gelingen74 #cja4 ,gegen
,verlegenheit4 - ,das beste ,mittel1
sehr verlegenen ,leuten zu ,hlfe zu
kommen und sie zu beruhigen1 besteht
darin1 dass man sie entschieden lobt4
#cjb4 ,vorliebe fr einzelne
,tugenden4 - ,wir legen nicht eher
besonderen ,werth auf den ,besitz einer
,tugend1 bis wir deren vllige
,abwesenheit an unserem ,gegner
wahrnehmen4 #cjc4 ,warum man
widerspricht4 - ,man widerspricht oft
einer ,meinung1 whrend uns eigentlich
nur der ,ton1 mit dem sie vorgetragen
wurde1 unsympathisch ist4 #cjd4
,vertrauen und ,vertraulichkeit4 - ,wer
die ,vertraulichkeit mit einer anderen
,person geflissentlich zu erzwingen
sucht1 ist gewhnlich nicht sicher
darber1 ob er ihr ,vertrauen besitzt4
,wer des ,vertrauens sicher ist1 legt
auf ,vertraulichkeit wenig ,werth4
#cje4 ,gleichgewicht der
,freundschaft4 - ,manchmal kehrt1 im
,verhltniss von uns zu einem andern
,menschen1 das rechte ,gleichgewicht der
,freundschaft zurck1 wenn wir in unsre
eigene ,wagschale einige ,gran
,unrecht legen4 #cjf4 ,die
gefhrlichsten ,aerzte4 - ,die
gefhrlichsten ,aerzte sind die1 welche
es dem geborenen ,arzte als geborene
,schauspieler mit vollkommener ,kunst
der ,tuschung nachmachen4 #cjg4
,wann ,paradoxien am ,platze sind4 -
,geistreichen ,personen braucht man
mitunter1 um sie fr einen ,satz zu
gewinnen1 denselben nur in der ,form
einer ungeheuerlichen ,paradoxie
vorzulegen4 #cjh4 ,wie muthige
,leute gewonnen werden4 - ,muthige
,leute berredet man dadurch zu einer
,handlung1 dass man dieselbe gefhrlicher
darstellt1 als sie ist4 #cji4
,artigkeiten4 - ,unbeliebten ,personen
rechnen wir die ,artigkeiten1 welche
sie uns erweisen1 zum ,vergehen an4
#caj4 ,warten lassen4 - ,ein sicheres
,mittel1 die ,leute aufzubringen und
ihnen bse ,gedanken in den ,kopf zu
setzen1 ist1 sie lange warten zu lassen4
,diess macht unmoralisch4 #caa4
,gegen die ,vertraulichen4 - ,leute1
welche uns ihr volles ,vertrauen
schenken1 glauben dadurch ein ,recht auf
das unsrige zu haben4 ,diess ist ein
,fehlschluss2 durch ,geschenke erwirbt
man keine ,rechte4 #cab4
,ausgleichsmittel4 - ,es gengt oft1
einem ,andern1 dem man einen ,nachtheil
zugefgt hat1 ,gelegenheit zu einem
,witze ber uns zu geben1 um ihm
persnlich ,genugthuung zu schaffen1 ja
um ihn fr uns gut zu stimmen4
#cac4 ,eitelkeit der ,zunge4 - ,ob
der ,mensch seine schlechten
,eigenschaften und ,laster verbirgt
oder mit ,offenheit sie eingesteht1 so
wnscht doch in beiden ,fllen seine
,eitelkeit einen ,vortheil dabei zu
haben3 man beachte nur1 wie fein er
unterscheidet1 vor wem er jene
,eigenschaften verbirgt1 vor wem er
ehrlich und offenherzig wird4 #cad4
,rcksichtsvoll4 - ,niemanden krnken1
,niemanden beeintrchtigen wollen kann
ebensowohl das ,kennzeichen einer
gerechten1 als einer ngstlichen
,sinnesart sein4 #cae4 ,zum
,disputiren erforderlich4 - ,wer seine
,gedanken nicht auf ,eis zu legen
versteht1 der soll sich nicht in die
,hitze des ,streites begeben4 #caf4
,umgang und ,anmaassung4 - ,man
verlernt die ,anmaassung1 wenn man sich
immer unter verdienten ,menschen weiss2
,allein-sein pflanzt ,uebermuth4 ,junge
,leute sind anmaassend1 denn sie gehen
mit ,ihresgleichen um1 welche alle
,nichts sind1 aber gerne viel bedeuten4
#cag4 ,motiv des ,angriffs4 - ,man
greift nicht nur an1 um jemandem wehe zu
thun1 ihn zu besiegen1 sondern
vielleicht auch nur1 um sich seiner
,kraft bewusst zu werden4 #cah4
,schmeichelei4 - ,personen1 welche
unsere ,vorsicht im ,verkehr mit ihnen
durch ,schmeicheleien betuben wollen1
wenden ein gefhrliches ,mittel an1
gleichsam einen ,schlaftrunk1 welcher1
wenn er nicht einschlfert1 nur um so
mehr wach erhlt4 #cai4 ,guter
,briefschreiber4 - ,der1 welcher keine
,bcher schreibt1 viel denkt und in
unzureichender ,gesellschaft lebt1 wird
gewhnlich ein guter ,briefschreiber
sein4 #cbj4 ,am hsslichsten4 -
,es ist zu bezweifeln1 ob ein
,vielgereister irgendwo in der ,welt
hsslichere ,gegenden gefunden hat1 als
im menschlichen ,gesichte4 #cba4
,die ,mitleidigen4 - ,die mitleidigen1
im ,unglck jederzeit hlfreichen
,naturen sind selten zugleich die sich
mitfreuenden3 beim ,glck der ,anderen
haben sie ,nichts zu thun1 sind
berflssig1 fhlen sich nicht im ,besitz
ihrer ,ueberlegenheit und zeigen
desshalb leicht ,missvergngen4
#cbb4 ,verwandte eines ,selbstmrders4
- ,verwandte eines ,selbstmrders
rechnen es ihm bel an1 dass er nicht
aus ,rcksicht auf ihren ,ruf am ,leben
geblieben ist4 #cbc4 ,undank
vorauszusehen4 - ,der1 welcher etwas
,grosses schenkt1 findet keine
,dankbarkeit2 denn der ,beschenkte hat
schon durch das ,annehmen zu viel
,last4 #cbd4 ,in geistloser
,gesellschaft4 - ,niemand dankt dem
geistreichen ,menschen die ,hflichkeit1
wenn er sich einer ,gesellschaft
gleichstellt1 in der es nicht hflich
ist1 ,geist zu zeigen4 #cbe4
,gegenwart von ,zeugen4 - ,man springt
einem ,menschen1 der in's ,wasser fllt1
noch einmal so gern nach1 wenn ,leute
zugegen sind1 die es nicht wagen4
#cbf4 ,schweigen4 - ,die fr beide
,parteien unangenehmste ,art1 eine
,polemik zu erwidern1 ist1 sich rgern
und schweigen3 denn der ,angreifende
erklrt sich das ,schweigen gewhnlich
als ,zeichen der ,verachtung4 #cbg4
,das ,geheimniss des ,freundes4 -
,es wird ,wenige geben1 welche1 wenn
sie um ,stoff zur ,unterhaltung verlegen
sind1 nicht die geheimeren
,angelegenheiten ihrer ,freunde
preisgeben4 #cbh4 ,humanitt4 -
,die ,humanitt der ,berhmtheiten des
,geistes besteht darin1 im ,verkehre
mit ,unberhmten auf eine verbindliche
,art ,unrecht zu behalten4 #cbi4
,der ,befangene4 - ,menschen1 die sich
in der ,gesellschaft nicht sicher
fhlen1 benutzen jede ,gelegenheit1 um an
einem ,nahegestellten1 dem sie
berlegen sind1 diese ,ueberlegenheit
ffentlich1 vor der ,gesellschaft1 zu
zeigen1 zum ,beispiel durch ,neckereien4
#ccj4 ,dank4 - ,eine feine
,seele bedrckt es1 sich ,jemanden zum
,dank verpflichtet zu wissen2 eine
grobe1 sich ,jemandem4 #cca4
,merkmal der ,entfremdung4 - ,das
strkste ,anzeichen von ,entfremdung der
,ansichten bei zwei ,menschen ist diess1
dass beide sich gegenseitig einiges
,ironische sagen1 aber keiner von beiden
das ,ironische daran fhlt4 #ccb4
,anmaassung bei ,verdiensten4 -
,anmaassung bei ,verdiensten beleidigt
noch mehr1 als ,anmaassung von ,menschen
ohne ,verdienst4 denn schon das
,verdienst beleidigt4 #ccc4
,gefahr in der ,stimme4 - ,mitunter
macht uns im ,gesprche der ,klang der
eigenen ,stimme verlegen und verleitet
uns zu ,behauptungen1 welche gar nicht
unserer ,meinung entsprechen4 #ccd4
,im ,gesprche4 - ,ob man im
,gesprche dem ,andern vornehmlich ,recht
giebt oder ,unrecht1 ist durchaus die
,sache der ,angewhnung3 das ,eine wie
das ,andere hat ,sinn4 #cce4
,furcht vor dem ,nchsten4 - ,wir frchten
die feindselige ,stimmung des
,nchsten1 weil wir befrchten1 dass er
durch diese ,stimmung hinter unsere
,heimlichkeiten kommt4 #ccf4
,durch ,tadel auszeichnen4 - ,sehr
angesehene ,personen ertheilen selbst
ihren ,tadel so1 dass sie uns damit
auszeichnen wollen4 ,es soll uns
aufmerksam machen1 wie angelegentlich
sie sich mit uns beschftigen4 ,wir
verstehen sie ganz falsch1 wenn wir
ihren ,tadel sachlich nehmen und uns
gegen ihn vertheidigen2 wir rgern sie
dadurch und entfremden uns ihnen4
#ccg4 ,verdruss am ,wohlwollen
,anderer4 - ,wir irren uns ber den
,grad1 in welchem wir uns gehasst1
gefrchtet glauben3 weil wir selber zwar
gut den ,grad unserer ,abweichung von
einer ,person1 ,richtung1 ,partei
kennen1 jene ,andern aber uns sehr
oberflchlich kennen und desshalb auch
nur oberflchlich hassen4 ,wir begegnen
oft einem ,wohlwollen1 welches uns
unerklrlich ist2 verstehen wir es aber1
so beleidigt es uns1 weil es zeigt1
dass man uns nicht ernst1 nicht wichtig
genug nimmt4 #cch4 ,sich
kreuzende ,eitelkeiten4 - ,zwei sich
begegnende ,personen1 deren ,eitelkeit
gleich gross ist1 behalten hinterdrein
von einander einen schlechten
,eindruck1 weil jede so mit dem
,eindruck beschftigt war1 den sie bei
der andern hervorbringen wollte1 dass
die andere auf sie keinen ,eindruck
machte2 beide merken endlich1 dass ihr
,bemhen verfehlt ist und schieben je
der andern die ,schuld zu4 #cci4
,unarten als gute ,anzeichen4 - ,der
berlegene ,geist hat an den
,tactlosigkeiten1 ,anmaassungen1 ja
,feindseligkeiten ehrgeiziger ,jnglinge
gegen ihn sein ,vergngen2 es sind die
,unarten feuriger ,pferde1 welche noch
keinen ,reiter getragen haben und doch
in ,kurzem so stolz sein werden1 ihn zu
tragen4 #cdj4 ,wann es rathsam
ist1 ,unrecht zu behalten4 - ,man thut
gut1 gemachte ,anschuldigungen1 selbst
wenn sie uns ,unrecht thun1 ohne
,widerlegung hinzunehmen1 im ,fall der
,anschuldigende darin ein noch grsseres
,unrecht unsererseits sehen wrde1 wenn
wir ihm widersprchen und etwa gar ihn
widerlegten4 ,freilich kann ,einer auf
diese ,weise immer ,unrecht haben und
immer ,recht behalten und zuletzt mit
dem besten ,gewissen von der ,welt der
unertrglichste ,tyrann und ,qulgeist
werden2 und was vom ,einzelnen gilt1
kann auch bei ganzen ,classen der
,gesellschaft vorkommen4 #cda4
,zuwenig geehrt4 - ,sehr eingebildete
,personen1 denen man ,zeichen von
geringerer ,beachtung gegeben hat1 als
sie erwarteten1 versuchen lange1 sich
selbst und ,andere darber irre zu fhren
und werden spitzfindige ,psychologiker1
um herauszubekommen1 dass der ,andere
sie doch gengend geehrt hat3 erreichen
sie ihr ,ziel nicht1 reisst der
,schleier der ,tuschung1 so geben sie
sich einer um so grsseren ,wuth hin4
#cdb4 ,urzustnde in der ,rede
nachklingend4 - ,in der ,art1 wie jetzt
die ,mnner im ,verkehre ,behauptungen
aufstellen1 erkennt man oft einen
,nachklang der ,zeiten1 wo dieselben
sich besser auf ,waffen1 als auf irgend
,etwas verstanden3 sie handhaben ihre
,behauptungen bald wie zielende
,schtzen ihr ,gewehr1 bald glaubt man
das ,sausen und ,klirren der ,klingen
zu hren2 und bei einigen ,mnnern poltert
eine ,behauptung herab wie ein derber
,knttel4 - ,frauen dagegen sprechen so1
wie ,wesen1 welche ,jahrtausende lang
am ,webstuhl sassen oder die ,nadel
fhrten oder mit ,kindern kindisch
waren4 #cdc4 ,der ,erzhler4 -
,wer ,etwas erzhlt1 lsst leicht merken1
ob er erzhlt1 weil ihn das ,factum
interessirt oder weil er durch die
,erzhlung interessiren will4 ,im
letzteren ,falle wird er bertreiben1
,superlative gebrauchen und ,aehnliches
thun4 ,er erzhlt dann gewhnlich
schlechter1 weil er nicht so sehr an
die ,sache1 als an sich denkt4
#cdd4 ,der ,vorleser4 - ,wer
dramatische ,dichtungen vorliest1 macht
,entdeckungen ber seinen ,charakter3 er
findet fr gewisse ,stimmungen und
,scenen seine ,stimme natrlicher1 als fr
andere1 etwa fr alles ,pathetische
oder fr das ,scurrile1 whrend er
vielleicht im gewhnlichen ,leben nur
nicht ,gelegenheit hatte1 ,pathos oder
,scurrilitt zu zeigen4 #cde4
,eine ,lustspiel-,scene1 welche im
,leben vorkommt4 - ,jemand denkt sich
eine geistreiche ,meinung ber ein ,thema
aus1 um sie in einer ,gesellschaft
vorzutragen4 ,nun wrde man im ,lustspiel
anhren und ansehen1 wie er mit allen
,segeln an den ,punct zu kommen und die
,gesellschaft dort einzuschiffen sucht1
wo er seine ,bemerkung machen kann3 wie
er fortwhrend die ,unterhaltung nach
,einem ,ziele schiebt1 gelegentlich die
,richtung verliert1 sie wiedergewinnt1
endlich den ,augenblick erreicht3 fast
versagt ihm der ,athem - und da nimmt
ihm ,einer aus der ,gesellschaft die
,bemerkung vom ,munde weg4 ,was wird er
thun8 ,seiner eigenen ,meinung
opponiren8 #cdf4 ,wider ,willen
unhflich4 - ,wenn jemand wider ,willen
einen ,andern unhflich behandelt1 zum
,beispiel nicht grsst1 weil er ihn nicht
erkennt1 so wurmt ihn diess1 obwohl er
nicht seiner ,gesinnung einen ,vorwurf
machen kann2 ihn krnkt die schlechte
,meinung1 welche er bei dem ,andern
erzeugt hat1 oder er frchtet die ,folgen
einer ,verstimmung1 oder ihn schmerzt
es1 den ,andern verletzt zu haben1 -
also ,eitelkeit1 ,furcht oder ,mitleid
knnen rege werden1 vielleicht auch alles
zusammen4 #cdg4
,verrther-,meisterstck4 - ,gegen den
,mitverschworenen den krnkenden
,argwohn zu ussern1 ob man nicht von ihm
verrathen werde1 und diess gerade in
dem ,augenblicke1 wo man selbst ,verrath
bt1 ist ein ,meisterstck der ,bosheit1
weil es den ,andern persnlich occupirt
und ihn zwingt1 eine ,zeit lang sich
sehr unverdchtig und offen zu benehmen1
so dass der wirkliche ,verrther sich
freie ,hand gemacht hat4 #cdh4
,beleidigen und beleidigt werden4 - ,es
ist weit angenehmer1 zu beleidigen und
spter um ,verzeihung zu bitten1 als
beleidigt zu werden und ,verzeihung zu
gewhren4 ,der1 welcher das ,erste thut1
giebt ein ,zeichen von ,macht und
nachher von ,gte des ,charakters4 ,der
,andere1 wenn er nicht als inhuman
gelten will1 muss schon verzeihen2 der
,genuss an der ,demthigung des ,anderen
ist dieser ,nthigung wegen gering4
#cdi4 ,im ,disput4 - ,wenn man
zugleich einer anderen ,meinung
widerspricht und dabei seine eigene
entwickelt1 so verrckt gewhnlich die
fortwhrende ,rcksicht auf die andere
,meinung die natrliche ,haltung der
eigenen3 sie erscheint absichtlicher1
schrfer1 vielleicht etwas bertrieben4
#cej4 ,kunstgriff4 - ,wer etwas
,schwieriges von einem ,andern erlangen
will1 muss die ,sache berhaupt nicht
als ,problem fassen1 sondern schlicht
seinen ,plan hinlegen1 als sei er die
einzige ,mglichkeit2 er muss es
verstehen1 wenn im ,auge des ,gegners
der ,einwand1 der ,widerspruch dmmert1
schnell abzubrechen und ihm keine ,zeit
zu geben4 #cea4 ,gewissensbisse
nach ,gesellschaften4 - ,warum haben wir
nach gewhnlichen ,gesellschaften
,gewissensbisse8 ,weil wir wichtige
,dinge leicht genommen haben1 weil wir
bei der ,besprechung von ,personen
nicht mit voller ,treue gesprochen oder
weil wir geschwiegen haben1 wo wir
reden sollten1 weil wir gelegentlich
nicht aufgesprungen und fortgelaufen
sind1 kurz weil wir uns in der
,gesellschaft benahmen1 als ob wir zu
ihr gehrten4 #ceb4 ,man wird
falsch beurtheilt4 - ,wer immer darnach
hinhorcht1 wie er beurtheilt wird1 hat
immer ,aerger4 ,denn wir werden schon
von ,denen1 welche uns am nchsten
stehen 7am besten kennen71 falsch
beurtheilt4 ,selbst gute ,freunde
lassen ihre ,verstimmung mitunter in
einem missgnstigen ,worte aus2 und
wrden sie unsere ,freunde sein1 wenn sie
uns genau kennten8 - ,die ,urtheile
der ,gleichgltigen thun sehr weh1 weil
sie so unbefangen1 fast sachlich
klingen4 ,merken wir aber gar1 dass
,jemand1 der uns feind ist1 uns in einem
geheim gehaltenen ,puncte so gut
kennt1 wie wir uns1 wie gross ist dann
erst der ,verdruss6 #cec4
,tyrannei des ,portraits4 - ,knstler und
,staatsmnner1 die schnell aus
einzelnen ,zgen das ganze ,bild eines
,menschen oder ,ereignisses combiniren1
sind am meisten dadurch ungerecht1 dass
sie hinterdrein verlangen1 das
,ereigniss oder der ,mensch msse
wirklich so sein1 wie sie es malten2
sie verlangen geradezu1 dass ,einer so
begabt1 so verschlagen1 so ungerecht
sei1 wie er in ihrer ,vorstellung lebt4
#ced4 ,der ,verwandte als der beste
,freund4 - ,die ,griechen1 die so gut
wussten1 was ein ,freund sei1 - sie
allein von allen ,vlkern haben eine
tiefe1 vielfache philosophische
,errterung der ,freundschaft2 sodass
ihnen zuerst1 und bis jetzt zuletzt1 der
,freund als ein lsenswerthes ,problem
erschienen ist - diese selben ,griechen
haben die ,verwandten mit einem
,ausdrucke bezeichnet1 welcher der
,superlativ des ,wortes ,freund ist4
,diess bleibt mir unerklrlich4
#cee4 ,verkannte ,ehrlichkeit4 -
,wenn jemand im ,gesprche sich selber
citirt 7ich sagte damals1 ich pflege zu
sagen71 so macht diess den ,eindruck
der ,anmaassung1 whrend es hufiger
gerade aus der entgegengesetzten
,quelle hervorgeht1 mindestens aus
,ehrlichkeit1 welche den ,augenblick
nicht mit den ,einfllen schmcken und
herausputzen will1 welche einem frheren
,augenblicke angehren4 #cef4
,der ,parasit4 - ,es bezeichnet einen
vlligen ,mangel an vornehmer
,gesinnung1 wenn ,jemand lieber in
,abhngigkeit1 auf ,anderer ,kosten1
leben will1 um nur nicht arbeiten zu
mssen1 gewhnlich mit einer heimlichen
,erbitterung gegen ,die1 von denen er
abhngt4 - ,eine solche ,gesinnung ist
viel hufiger bei ,frauen als bei
,mnnern1 auch viel verzeihlicher 7aus
historischen ,grnden74 #ceg4
,auf dem ,altar der ,vershnung4 - ,es
giebt ,umstnde1 wo man eine ,sache von
einem ,menschen nur so erlangt1 dass man
ihn beleidigt und sich verfeindet3
dieses ,gefhl1 einen ,feind zu haben1
qult ihn so1 dass er gern das erste
,anzeichen einer milderen ,stimmung zur
,vershnung bentzt und jene ,sache auf
dem ,altar dieser ,vershnung opfert1 an
der ihm frher so viel gelegen war1 dass
er sie um keinen ,preis geben wollte4
#ceh4 ,mitleid fordern als ,zeichen
der ,anmaassung4 - ,es giebt ,menschen1
welche1 wenn sie in ,zorn gerathen und
die ,anderen beleidigen1 dabei erstens
verlangen1 dass man ihnen ,nichts bel
nehme und zweitens1 dass man mit ihnen
,mitleid habe1 weil sie so heftigen
,paroxysmen unterworfen sind4 ,so weit
geht die menschliche ,anmaassung4
#cei4 ,kder4 - ,jeder ,mensch hat
seinen ,preis1 - das ist nicht wahr4
,aber es findet sich wohl fr ,jeden ein
,kder1 an den er anbeissen muss4 ,so
braucht man1 um manche ,personen fr eine
,sache zu gewinnen1 dieser ,sache nur
den ,glanz des ,menschenfreundlichen1
,edlen1 ,mildthtigen1 ,aufopfernden zu
geben - und welcher ,sache knnte man ihn
nicht geben8 - ,es ist das ,zuckerwerk
und die ,nscherei ihrer ,seele2 andere
haben anderes4 #cfj4 ,verhalten
beim ,lobe4 - ,wenn gute ,freunde die
begabte ,natur loben1 so wird sie sich
fters aus ,hflichkeit und ,wohlwollen
darber erfreut zeigen1 aber in
,wahrheit ist es ihr gleichgltig4 ,ihr
eigentliches ,wesen ist ganz trge
dagegen und um keinen ,schritt dadurch
aus der ,sonne oder dem ,schatten1 in
dem sie liegt1 herauszuwlzen2 aber die
,menschen wollen durch ,lob eine ,freude
machen und man wrde sie betrben1 wenn
man sich ber ihr ,lob nicht freute4
#cfa4 ,die ,erfahrung des ,sokrates4
- ,ist man in einer ,sache ,meister
geworden1 so ist man gewhnlich eben
dadurch in den meisten andern ,sachen
ein vlliger ,stmper geblieben2 aber man
urtheilt gerade umgekehrt1 wie diess
schon ,sokrates erfuhr4 ,diess ist der
,uebelstand1 welcher den ,umgang mit
,meistern unangenehm macht4 #cfb4
,mittel der ,verthierung4 - ,im ,kampf
mit der ,dummheit werden die billigsten
und sanftesten ,menschen zuletzt
brutal4 ,sie sind damit vielleicht auf
dem rechten ,wege der ,vertheidigung2
denn an die dumme ,stirn gehrt1 als
,argument1 von ,rechtswegen die geballte
,faust4 ,aber weil1 wie gesagt1 ihr
,charakter sanft und billig ist1 so
leiden sie durch diese ,mittel der
,nothwehr mehr als sie ,leid zufgen4
#cfc4 ,neugierde4 - ,wenn die
,neugierde nicht wre1 wrde wenig fr das
,wohl des ,nchsten gethan werden4 ,aber
die ,neugierde schleicht sich unter
dem ,namen der ,pflicht oder des
,mitleides in das ,haus des
,unglcklichen und ,bedrftigen4 -
,vielleicht ist selbst an der
vielberhmten ,mutterliebe ein gut ,stck
,neugierde4 #cfd4 ,verrechnung
in der ,gesellschaft4 - ,dieser wnscht
interessant zu sein durch seine
,urtheile1 jener durch seine ,neigungen
und ,abneigungen1 der ,dritte durch
seine ,bekanntschaften1 ein ,vierter
durch seine ,vereinsamung - und sie
verrechnen sich ,alle4 ,denn ,der1 vor
dem das ,schauspiel aufgefhrt wird1
meint selber dabei das einzig in
,betracht kommende ,schauspiel zu sein4
#cfe4 ,duell4 - ,zu ,gunsten
aller ,ehrenhndel und ,duelle ist zu
sagen1 dass1 wenn ,einer ein so
reizbares ,gefhl hat1 nicht leben zu
wollen1 wenn ,der und ,der das und das
ber ihn sagt oder denkt1 er ein ,recht
hat1 die ,sache auf den ,tod des ,einen
oder des ,andern ankommen zu lassen4
,darber1 dass er so reizbar ist1 ist gar
nicht zu rechten1 damit sind wir die
,erben der ,vergangenheit1 ihrer ,grsse
sowohl wie ihrer ,uebertreibungen1 ohne
welche es nie eine ,grsse gab4
,existirt nun ein ,ehren-,kanon1
welcher ,blut an ,stelle des ,todes
gelten lsst1 so dass nach einem
regelmssigen ,duell das ,gemth
erleichtert ist1 so ist diess eine
grosse ,wohlthat1 weil sonst viele
,menschenleben in ,gefahr wren4 - ,so
eine ,institution erzieht brigens die
,menschen in ,vorsicht auf ihre
,aeusserungen und macht den ,umgang mit
ihnen mglich4 #cff4 ,vornehmheit
und ,dankbarkeit4 - ,eine vornehme
,seele wird sich gern zur ,dankbarkeit
verpflichtet fhlen und den
,gelegenheiten1 bei denen sie sich
verpflichtet1 nicht ngstlich aus dem
,wege zu gehen2 ebenso wird sie nachher
gelassen in den ,aeusserungen der
,dankbarkeit sein2 whrend niedere
,seelen sich gegen alles ,verpflichtet
werden struben oder nachher in den
,aeusserungen ihrer ,dankbarkeit
bertrieben und allzu sehr beflissen
sind4 ,letzteres kommt brigens auch bei
,personen von niederer ,herkunft oder
gedrckter ,stellung vor3 eine ,gunst1
ihnen erwiesen1 deucht ihnen ein
,wunder von ,gnade4 #cfg4 ,die
,stunden der ,beredtsamkeit4 - ,der
,eine hat1 um gut zu sprechen1 jemanden
nthig1 der ihm entschieden und
anerkannt berlegen ist1 der ,andere
kann nur vor ,einem1 den er berragt1
vllige ,freiheit der ,rede und
glckliche ,wendungen der ,beredtsamkeit
finden3 in beiden ,fllen ist es der
selbe ,grund2 jeder von ihnen redet nur
gut1 wenn er sans gne redet1 der ,eine1
weil er vor dem ,hheren den ,antrieb
der ,concurrenz1 des ,wettbewerbs nicht
fhlt1 der ,andere ebenfalls desshalb
angesichts des ,niederen4 - ,nun giebt
es eine ganz andere ,gattung von
,menschen1 die nur gut reden1 wenn sie
im ,wetteifer1 mit der ,absicht zu
siegen1 reden4 ,welche von beiden
,gattungen ist die ehrgeizigere3 die1
welche aus erregter ,ehrsucht gut1 oder
die1 welche aus eben diesen ,motiven
schlecht oder gar nicht spricht8
#cfh4 ,das ,talent zur ,freundschaft4
- ,unter den ,menschen1 welche eine
besondere ,gabe zur ,freundschaft haben1
treten zwei ,typen hervor4 ,der ,eine
ist in einem fortwhrenden ,aufsteigen
und findet fr jede ,phase seiner
,entwickelung einen genau zugehrigen
,freund4 ,die ,reihe von ,freunden1
welche er auf diese ,weise erwirbt1 ist
unter sich selten im ,zusammenhang1
mitunter in ,misshelligkeit und
,widerspruch3 ganz dem entsprechend1
dass die spteren ,phasen in seiner
,entwickelung die frheren ,phasen
aufheben oder beeintrchtigen4 ,ein
solcher ,mensch mag im ,scherz eine
,leiter heissen4 - ,den andern ,typus
vertritt ,der1 welcher eine
,anziehungskraft auf sehr verschiedene
,charaktere und ,begabungen ausbt1 so
dass er einen ganzen ,kreis von
,freunden gewinnt2 diese aber kommen
dadurch selber unter einander in
freundschaftliche ,beziehung1 trotz
aller ,verschiedenheit4 ,einen solchen
,menschen nenne man einen ,kreis3 denn
in ihm muss jene ,zusammengehrigkeit so
verschiedener ,anlagen und ,naturen
irgendwie vorgebildet sein4 -
,uebrigens ist die ,gabe1 gute ,freunde
zu haben1 in manchem ,menschen viel
grsser1 als die ,gabe1 ein guter ,freund
zu sein4 #cfi4 ,taktik im
,gesprch4 - ,nach einem ,gesprch mit
jemandem ist man am besten auf den
,mitunterredner zu sprechen1 wenn man
,gelegenheit hatte1 seinen ,geist1
seine ,liebenswrdigkeit vor ihm im
ganzen ,glanze zu zeigen4 ,diess
benutzen kluge ,menschen1 welche
jemanden sich gnstig stimmen wollen1
indem sie bei der ,unterredung ihm die
besten ,gelegenheiten zu einem guten
,witz und dergleichen zuschieben4 ,es
wre ein lustiges ,gesprch zwischen zwei
sehr ,klugen zu denken1 welche sich
gegenseitig gnstig stimmen wollen und
sich desshalb die schnen ,gelegenheiten
im ,gesprch hin und her zuwerfen1
whrend keiner sie annimmt3 so dass das
,gesprch im ,ganzen geistlos und
unliebenswrdig verliefe1 weil ,jeder
dem ,andern die ,gelegenheit zu ,geist
und ,liebenswrdigkeit zuwiese4
#cgj4 ,entladung des ,unmuthes4 -
,der ,mensch1 dem ,etwas misslingt1 fhrt
diess ,misslingen lieber auf den bsen
,willen eines ,anderen1 als auf den
,zufall zurck4 ,seine gereizte
,empfindung wird dadurch erleichtert1
eine ,person und nicht eine ,sache sich
als ,grund seines ,misslingens zu
denken2 denn an ,personen kann man sich
rchen1 die ,unbilden des ,zufalls aber
muss man hinunterwrgen4 ,die ,umgebung
eines ,frsten pflegt desshalb1 wenn
diesem ,etwas misslungen ist1 einen
einzelnen ,menschen als angebliche
,ursache ihm zu bezeichnen und im
,interesse aller ,hflinge aufzuopfern2
denn der ,missmuth des ,frsten wrde sich
sonst an ihnen ,allen auslassen1 da er
ja an der ,schicksalsgttin selber
keine ,rache nehmen kann4 #cga4
,die ,farbe der ,umgebung annehmen4 -
,warum ist ,neigung und ,abneigung so
ansteckend1 dass man kaum in der ,nhe
einer stark empfindenden ,person leben
kann1 ohne wie ein ,gefss mit ihrem ,fr
und ,wider angefllt zu werden8 ,erstens
ist die vllige ,enthaltung des
,urtheils sehr schwer1 mitunter fr
unsere ,eitelkeit geradezu unertrglich2
sie trgt da gleiche ,farbe mit der
,gedanken- und ,empfindungsarmuth oder
mit der ,aengstlichkeit1 der
,unmnnlichkeit3 und so werden wir
wenigstens dazu fortgerissen1 ,partei
zu nehmen1 vielleicht gegen die
,richtung unserer ,umgebung1 wenn diese
,stellung unserm ,stolze mehr ,vergngen
macht4 ,gewhnlich aber - das ist das
,zweite - bringen wir uns den
,uebergang von ,gleichgltigkeit zu
,neigung oder ,abneigung gar nicht zum
,bewusstsein1 sondern allmhlich gewhnen
wir uns an die ,empfindungsweise
unserer ,umgebung1 und weil
sympathisches ,zustimmen und
,sichverstehen so angenehm ist1 tragen
wir bald alle ,zeichen und
,parteifarben dieser ,umgebung4
#cgb4 ,ironie4 - ,die ,ironie ist nur
als pdagogisches ,mittel am ,platze1
von seiten eines ,lehrers im ,verkehr
mit ,schlern irgend welcher ,art3 ihr
,zweck ist ,demthigung1 ,beschmung1 aber
von jener heilsamen ,art1 welche gute
,vorstze erwachen lsst und ,dem1 welcher
uns so behandelte1 ,verehrung1
,dankbarkeit als einem ,arzte
entgegenbringen heisst4 ,der ,ironische
stellt sich unwissend und zwar so gut1
dass die sich mit ihm unterredenden
,schler1 getuscht sind und in ihrem
guten ,glauben an ihr eigenes
,besserwissen dreist werden und sich
,blssen aller ,art geben2 sie verlieren
die ,behutsamkeit und zeigen sich1 wie
sie sind1 - bis in einem ,augenblick die
,leuchte1 die sie dem ,lehrer in's
,gesicht hielten1 ihre ,strahlen sehr
demthigend auf sie selbst zurckfallen
lsst4 - ,wo ein solches ,verhltniss1 wie
zwischen ,lehrer und ,schler1 nicht
stattfindet1 ist sie eine ,unart1 ein
gemeiner ,affect4 ,alle ironischen
,schriftsteller rechnen auf die alberne
,gattung von ,menschen1 welche sich
gerne allen ,anderen mit dem ,autor
zusammen berlegen fhlen wollen1 als
welchen sie fr das ,mundstck ihrer
,anmaassung ansehen4 - ,die ,gewhnung an
,ironie1 ebenso wie die an ,sarkasmus1
verdirbt brigens den ,charakter1 sie
verleiht allmhlich die ,eigenschaft
einer schadenfrohen ,ueberlegenheit3 man
ist zuletzt einem bissigen ,hunde
gleich1 der noch das ,lachen gelernt
hat1 ausser dem ,beissen4 #cgc4
,anmaassung4 - ,vor ,nichts soll man
sich so hten1 als vor dem ,aufwachsen
jenes ,unkrautes1 welches ,anmaassung
heisst und uns jede gute ,ernte
verdirbt2 denn es giebt ,anmaassung in
der ,herzlichkeit1 in der
,ehrenbezeigung1 in der wohlwollenden
,vertraulichkeit1 in der ,liebkosung1
im freundschaftlichen ,rathe1 im
,eingestehen von ,fehlern1 in dem
,mitleid fr ,andere1 und alle diese
schnen ,dinge erwecken ,widerwillen1
wenn jenes ,kraut dazwischen wchst4 ,der
,anmaassende1 das heisst ,der1 welcher
mehr bedeuten will als er ist oder
gilt1 macht immer eine falsche
,berechnung4 ,zwar hat er den
augenblicklichen ,erfolg fr sich1
insofern die ,menschen1 vor denen er
anmaassend ist1 ihm gewhnlich das
,maass von ,ehre zollen1 welches er
fordert1 aus ,angst oder
,bequemlichkeit2 aber sie nehmen eine
schlimme ,rache dafr1 insofern sie
ebensoviel1 als er ber das ,maass
forderte1 von dem ,werthe subtrahiren1
den sie ihm bis jetzt beilegten4 ,es ist
,nichts1 was die ,menschen sich
theurer bezahlen lassen1 als
,demthigung4 ,der ,anmaassende kann
sein wirkliches grosses ,verdienst so in
den ,augen der ,andern verdchtigen und
klein machen1 dass man mit staubigen
,fssen darauf tritt4 ,selbst ein
stolzes ,benehmen sollte man sich nur
dort erlauben1 wo man ganz sicher sein
kann1 nicht missverstanden und als
anmaassend betrachtet zu werden1 zum
,beispiel vor ,freunden und ,gattinnen4
,denn es giebt im ,verkehre mit
,menschen keine grssere ,thorheit1 als
sich den ,ruf der ,anmaassung
zuzuziehen2 es ist noch schlimmer1 als
wenn man nicht gelernt hat1 hflich zu
lgen4 #cgd4 ,zwiegesprch4 - ,das
,zwiegesprch ist das vollkommene
,gesprch1 weil ,alles1 was der ,eine
sagt1 seine bestimmte ,farbe1 seinen
,klang1 seine begleitende ,gebrde in
strenger ,rcksicht auf den ,anderen1 mit
dem gesprochen wird1 erhlt1 also dem
entsprechend1 was beim ,briefverkehr
geschieht1 dass ein und der selbe zehn
,arten des seelischen ,ausdrucks zeigt1
je nachdem er bald an ,diesen1 bald an
,jenen schreibt4 ,beim ,zwiegesprch
giebt es nur eine einzige
,strahlenbrechung des ,gedankens3 diese
bringt der ,mitunterredner hervor1 als
der ,spiegel1 in welchem wir unsere
,gedanken mglichst schn wiedererblicken
wollen4 ,wie aber ist es bei zweien1
bei dreien und mehr ,mitunterrednern8
,da verliert nothwendig das ,gesprch an
individualisirender ,feinheit1 die
verschiedenen ,rcksichten kreuzen sich1
heben sich auf2 die ,wendung1 welche
dem ,einen wohlthut1 ist nicht der
,sinnesart des ,andern gemss4 ,desshalb
wird der ,mensch im ,verkehr mit
,mehreren gezwungen1 sich auf sich
zurckzuziehen1 die ,thatsachen
hinzustellen1 wie sie sind1 aber jenen
spielenden ,aether der ,humanitt den
,gegenstnden zu nehmen1 welcher ein
,gesprch zu den angenehmsten ,dingen der
,welt macht4 ,man hre nur den ,ton1 in
welchem ,mnner im ,verkehr mit ganzen
,gruppen von ,mnnern zu reden pflegen1
es ist als ob der ,grundbass aller ,rede
der sei3 das bin ich1 das sage ich1
nun haltet davon1 was ihr wollt6 ,diess
ist der ,grund1 wesshalb geistreiche
,frauen bei ,dem1 welcher sie in der
,gesellschaft kennen lernte1 meistens
einen befremdenden1 peinlichen1
abschreckenden ,eindruck hinterlassen3
es ist das ,reden zu ,vielen1 vor
,vielen1 welches sie aller geistigen
,liebenswrdigkeit beraubt und nur das
bewusste ,beruhen auf sich selbst1 ihre
,taktik und die ,absicht auf
ffentlichen ,sieg in grellem ,lichte
zeigt3 whrend die selben ,frauen im
,zwiegesprche wieder zu ,weibern werden
und ihre geistige ,anmuth wiederfinden4
#cge4 ,nachruhm4 - ,auf die
,anerkennung einer fernen ,zukunft
hoffen1 hat nur ,sinn1 wenn man die
,annahme macht1 dass die ,menschheit
wesentlich unverndert bleibe und dass
alles ,grosse nicht fr ,eine1 sondern fr
alle ,zeiten als gross empfunden
werden msse4 ,diess ist aber ein
,irrthum2 die ,menschheit1 in allem
,empfinden und ,urtheilen ber ,das1 was
schn und gut ist1 verwandelt sich sehr
stark2 es ist ,phantasterei1 von sich
zu glauben1 dass man eine ,meile ,wegs
voraus sei und dass die gesammte
,menschheit unsere ,strasse ziehe4
,zudem3 ein ,gelehrter1 der verkannt
wird1 darf jetzt bestimmt darauf
rechnen1 dass seine ,entdeckung von
,anderen auch gemacht wird1 und dass ihm
besten ,falls einmal spter von einem
,historiker zuerkannt wird1 er habe
diess und jenes auch schon gewusst1 sei
aber nicht im ,stande gewesen1 seinem
,satz ,glauben zu verschaffen4
,nicht-anerkannt-werden wird von der
,nachwelt immer als ,mangel an ,kraft
ausgelegt4 - ,kurz1 man soll der
hochmthigen ,vereinsamung nicht so
leicht das ,wort reden4 ,es giebt
brigens ,ausnahmeflle2 aber zumeist sind
es unsere ,fehler1 ,schwchen und
,narrheiten1 welche die ,anerkennung
unserer grossen ,eigenschaften
verhindern4 #cgf4 ,von den
,freunden4 - ,ueberlege nur mit dir
selber einmal1 wie verschieden die
,empfindungen1 wie getheilt die
,meinungen selbst unter den nchsten
,bekannten sind2 wie selbst gleiche
,meinungen in den ,kpfen deiner
,freunde eine ganz andere ,stellung oder
,strke haben1 als in deinem2 wie
hundertfltig der ,anlass kommt zum
,missverstehen1 zum feindseligen
,auseinanderfliehen4 ,nach alledem wirst
du dir sagen3 wie unsicher ist der
,boden1 auf dem alle unsere ,bndnisse
und ,freundschaften ruhen1 wie nahe
sind kalte ,regengsse oder bse ,wetter1
wie vereinsamt ist jeder ,mensch6 ,sieht
,einer diess ein und noch dazu1 dass
alle ,meinungen und deren ,art und
,strke bei seinen ,mitmenschen ebenso
nothwendig und unverantwortlich sind wie
ihre ,handlungen1 gewinnt er das ,auge
fr diese innere ,nothwendigkeit der
,meinungen aus der unlsbaren
,verflechtung von ,charakter1
,beschftigung1 ,talent1 ,umgebung1 - so
wird er vielleicht die ,bitterkeit und
,schrfe jener ,empfindung los1 mit der
jener ,weise rief3 ,freunde1 es giebt
keine ,freunde6 ,er wird sich vielmehr
eingestehen3 ja es giebt ,freunde1 aber
der ,irrthum1 die ,tuschung ber dich
fhrte sie dir zu2 und ,schweigen mssen
sie gelernt haben1 um dir ,freund zu
bleiben2 denn fast immer beruhen solche
menschliche ,beziehungen darauf1 dass
irgend ein paar ,dinge nie gesagt
werden1 ja dass an sie nie gerhrt wird2
kommen diese ,steinchen aber in's
,rollen1 so folgt die ,freundschaft
hinterdrein und zerbricht4 ,giebt es
,menschen1 welche nicht tdtlich zu
verletzen sind1 wenn sie erfhren1 was
ihre vertrautesten ,freunde im ,grunde
von ihnen wissen8 - ,indem wir uns
selbst erkennen und unser ,wesen selber
als eine wandelnde ,sphre der
,meinungen und ,stimmungen ansehen und
somit ein ,wenig geringschtzen lernen1
bringen wir uns wieder in's
,gleichgewicht mit den ,uebrigen4 ,es
ist wahr1 wir haben gute ,grnde1 jeden
unserer ,bekannten1 und seien es die
grssten1 gering zu achten2 aber eben so
gute1 diese ,empfindung gegen uns
selber zu kehren4 - ,und so wollen wir
es mit einander aushalten1 da wir es ja
mit uns aushalten2 und vielleicht kommt
jedem auch einmal die freudigere
,stunde1 wo er sagt3 ,freunde1 es
giebt keine ,freunde6 so rief der
sterbende ,weise2 ,feinde1 es giebt
keinen ,feind6 - ruf' ich1 der lebende
,thor4 ,siebentes ,hauptstck4
,weib und ,kind4 #cgg4 ,das
vollkommene ,weib4 - ,das vollkommene
,weib ist ein hherer ,typus des
,menschen1 als der vollkommene ,mann3
auch etwas viel ,selteneres4 - ,die
,naturwissenschaft der ,thiere bietet
ein ,mittel1 diesen ,satz
wahrscheinlich zu machen4 #cgh4
,freundschaft und ,ehe4 - ,der beste
,freund wird wahrscheinlich die beste
,gattin bekommen1 weil die gute ,ehe auf
dem ,talent zur ,freundschaft beruht4
#cgi4 ,fortleben der ,eltern4 - ,die
unaufgelsten ,dissonanzen im ,verhltniss
von ,charakter und ,gesinnung der
,eltern klingen in dem ,wesen des
,kindes fort und machen seine innere
,leidensgeschichte aus4 #chj4
,von der ,mutter her4 - ,jedermann trgt
ein ,bild des ,weibes von der ,mutter
her in sich3 davon wird er bestimmt1 die
,weiber berhaupt zu verehren oder sie
geringzuschtzen oder gegen sie im
,allgemeinen gleichgltig zu sein4
#cha4 ,die ,natur corrigiren4 - ,wenn
man keinen guten ,vater hat1 so soll
man sich einen anschaffen4 #chb4
,vter und ,shne4 - ,vter haben viel zu
thun1 um es wieder gut zu machen1 dass
sie ,shne haben4 #chc4 ,irrthum
vornehmer ,frauen4 - ,die vornehmen
,frauen denken1 dass eine ,sache gar
nicht da ist1 wenn es nicht mglich ist1
von ihr in der ,gesellschaft zu
sprechen4 #chd4 ,eine
,mnnerkrankheit4 - ,gegen die
,mnnerkrankheit der ,selbstverachtung
hilft es am sichersten1 von einem klugen
,weibe geliebt zu werden4 #che4
,eine ,art der ,eifersucht4 - ,mtter
sind leicht eiferschtig auf die
,freunde ihrer ,shne1 wenn diese
besondere ,erfolge haben4 ,gewhnlich
liebt eine ,mutter sich mehr in ihrem
,sohn1 als den ,sohn selber4 #chf4
,vernnftige ,unvernunft4 - ,in der
,reife des ,lebens und des ,verstandes
berkommt den ,menschen das ,gefhl1 dass
sein ,vater ,unrecht hatte1 ihn zu
zeugen4 #chg4 ,mtterliche ,gte4
- ,manche ,mutter braucht glckliche
geehrte ,kinder1 manche unglckliche3
sonst kann sich ihre ,gte als ,mutter
nicht zeigen4 #chh4
,verschiedene ,seufzer4 - ,einige ,mnner
haben ber die ,entfhrung ihrer ,frauen
geseufzt1 die meisten darber1 dass
,niemand sie ihnen entfhren wollte4
#chi4 ,liebesheirathen4 - ,die ,ehen1
welche aus ,liebe geschlossen werden
7die sogenannten ,liebesheirathen71
haben den ,irrthum zum ,vater und die
,noth 7das ,bedrfniss7 zur ,mutter4
#cij4 ,frauenfreundschaft4 - ,frauen
knnen recht gut mit einem ,manne
,freundschaft schliessen2 aber um diese
aufrecht zu erhalten - dazu muss wohl
eine kleine physische ,antipathie
mithelfen4 #cia4 ,langeweile4 -
,viele ,menschen1 namentlich ,frauen1
empfinden die ,langeweile nicht1 weil
sie niemals ordentlich arbeiten gelernt
haben4 #cib4 ,ein ,element der
,liebe4 - ,in jeder ,art der weiblichen
,liebe kommt auch ,etwas von der
mtterlichen ,liebe zum ,vorschein4
#cic4 ,die ,einheit des ,ortes und
das ,drama4 - ,wenn die ,ehegatten nicht
beisammen lebten1 wrden die guten
,ehen hufiger sein4 #cid4
,gewhnliche ,folgen der ,ehe4 - ,jeder
,umgang1 der nicht hebt1 zieht nieder1
und umgekehrt2 desshalb sinken gewhnlich
die ,mnner etwas1 wenn sie ,frauen
nehmen1 whrend die ,frauen etwas gehoben
werden4 ,allzu geistige ,mnner bedrfen
eben so sehr der ,ehe1 als sie ihr wie
einer widrigen ,medicin widerstreben4
#cie4 ,befehlen lehren4 - ,kinder aus
bescheidenen ,familien muss man eben
so sehr das ,befehlen durch ,erziehung
lehren1 wie andere ,kinder das
,gehorchen4 #cif4 ,verliebt
werden wollen4 - ,verlobte1 welche die
,convenienz zusammengefgt hat1 bemhen
sich hufig1 verliebt zu werden1 um ber
den ,vorwurf der kalten1 berechnenden
,ntzlichkeit hinwegzukommen4 ,ebenso
bemhen sich ,solche1 die ihres
,vortheils wegen zum ,christenthum
umlenken1 wirklich fromm zu werden2 denn
so wird das religise ,mienenspiel
ihnen leichter4 #cig4 ,kein
,stillstand in der ,liebe4 - ,ein
,musiker1 der das langsame ,tempo
liebt1 wird die selben ,tonstcke immer
langsamer nehmen4 ,so giebt es in
keiner ,liebe ein ,stillstehen4
#cih4 ,schamhaftigkeit4 - ,mit der
,schnheit der ,frauen nimmt im
,allgemeinen ihre ,schamhaftigkeit zu4
#cii4 ,ehe von gutem ,bestand4 -
,eine ,ehe1 in der ,jedes durch das
,andere ein individuelles ,ziel
erreichen will1 hlt gut zusammen1 zum
,beispiel wenn die ,frau durch den
,mann berhmt1 der ,mann durch die ,frau
beliebt werden will4 #djj4
,proteus-,natur4- ,weiber werden aus
,liebe ganz zu dem1 als was sie in der
,vorstellung der ,mnner1 von denen sie
geliebt werden1 leben4 #dja4
,lieben und besitzen4 - ,frauen lieben
meistens einen bedeutenden ,mann so1
dass sie ihn allein haben wollen4 ,sie
wrden ihn gern in ,verschluss legen1
wenn nicht ihre ,eitelkeit widerriethe3
diese will1 dass er auch vor ,anderen
bedeutend erscheine4 #djb4
,probe einer guten ,ehe4 - ,die ,gte
einer ,ehe bewhrt sich dadurch1 dass
sie einmal eine ,ausnahme vertrgt4
#djc4 ,mittel1 ,alle zu ,allem zu
bringen4 - ,man kann ,jedermann so durch
,unruhen1 ,aengste1 ,ueberhufung von
,arbeit und ,gedanken abmatten und
schwach machen1 dass er einer ,sache1
die den ,schein des ,complicirten hat1
nicht mehr widersteht1 sondern ihr
nachgiebt1 - das wissen die ,diplomaten
und die ,weiber4 #djd4
,ehrbarkeit und ,ehrlichkeit4 - ,jene
,mdchen1 welche allein ihrem
,jugendreize die ,versorgung fr's ganze
,leben verdanken wollen und deren
,schlauheit die gewitzigten ,mtter noch
souffliren1 wollen ganz das ,selbe wie
die ,hetren1 nur dass sie klger und
unehrlicher als diese sind4 #dje4
,masken4 - ,es giebt ,frauen1 die1 wo
man bei ihnen auch nachsucht1 kein
,inneres haben1 sondern reine ,masken
sind4 ,der ,mann ist zu beklagen1 der
sich mit solchen fast gespenstischen1
nothwendig unbefriedigenden ,wesen
einlsst1 aber gerade sie vermgen das
,verlangen des ,mannes auf das strkste
zu erregen3 er sucht nach ihrer ,seele -
und sucht immer fort4 #djf4
,die ,ehe als langes ,gesprch4 - ,man
soll sich beim ,eingehen einer ,ehe die
,frage vorlegen3 glaubst du1 dich mit
dieser ,frau bis in's ,alter hinein gut
zu unterhalten8 ,alles ,andere in der
,ehe ist transitorisch1 aber die meiste
,zeit des ,verkehrs gehrt dem ,gesprche
an4 #djg4 ,mdchentrume4 -
,unerfahrene ,mdchen schmeicheln sich
mit der ,vorstellung1 dass es in ihrer
,macht stehe1 einen ,mann glcklich zu
machen2 spter lernen sie1 dass es so
viel heisst als3 einen ,mann
geringschtzen1 wenn man annimmt1 dass es
nur eines ,mdchens bedrfe1 um ihn
glcklich zu machen4 - ,die ,eitelkeit
der ,frauen verlangt1 dass ein ,mann
mehr sei1 als ein glcklicher ,gatte4
#djh4 ,aussterben von ,faust und
,gretchen4 - ,nach der sehr einsichtigen
,bemerkung eines ,gelehrten hneln die
gebildeten ,mnner des gegenwrtigen
,deutschland einer ,mischung von
,mephistopheles und ,wagner1 aber
durchaus nicht ,fausten3 welchen die
,grossvter 7in ihrer ,jugend
wenigstens7 in sich rumoren fhlten4 ,zu
ihnen passen also - um jenen ,satz
fortzusetzen - aus zwei ,grnden die
,gretchen nicht4 ,und weil sie nicht
mehr begehrt werden1 so sterben sie1
scheint es1 aus4 #dji4 ,mdchen
als ,gymnasiasten4 - ,um ,alles in der
,welt nicht noch unsere
,gymnasialbildung auf die ,mdchen
bertragen6 ,sie1 die hufig aus
geistreichen1 wissbegierigen1 feurigen
jungen - ,abbilder ihrer ,lehrer macht6
#daj4 ,ohne ,nebenbuhlerinnen4
- ,frauen merken es einem ,manne leicht
an1 ob seine ,seele schon in ,besitz
genommen ist2 sie wollen ohne
,nebenbuhlerinnen geliebt sein und
verargen ihm die ,ziele seines
,ehrgeizes1 seine politischen ,aufgaben1
seine ,wissenschaften und ,knste1 wenn
er eine ,leidenschaft zu solchen
,sachen hat4 ,es sei denn1 dass er
durch diese glnze1 - dann erhoffen sie1
im ,falle einer ,liebesverbindung mit
ihm1 zugleich einen ,zuwachs ihres
,glanzes2 wenn es so steht1 begnstigen
sie den ,liebhaber4 #daa4 ,der
weibliche ,intellect4 - ,der ,intellect
der ,weiber zeigt sich als vollkommene
,beherrschung1 ,gegenwrtigkeit des
,geistes1 ,benutzung aller ,vortheile4
,sie vererben ihn als ihre
,grundeigenschaft auf ihre ,kinder1 und
der ,vater giebt den dunkleren
,hintergrund des ,willens dazu4 ,sein
,einfluss bestimmt gleichsam ,rhythmus
und ,harmonie1 mit denen das neue
,leben abgespielt werden soll2 aber die
,melodie desselben stammt vom ,weibe4 -
,fr ,solche gesagt1 welche ,etwas sich
zurecht zu legen wissen3 die ,weiber
haben den ,verstand1 die ,mnner das
,gemth und die ,leidenschaft4 ,dem
widerspricht nicht1 dass die ,mnner
thatschlich es mit ihrem ,verstande so
viel weiterbringen3 sie haben die
tieferen1 gewaltigeren ,antriebe2 diese
tragen ihren ,verstand1 der an sich
etwas ,passives ist1 so weit4 ,die
,weiber wundern sich im ,stillen oft ber
die grosse ,verehrung1 welche die
,mnner ihrem ,gemthe zollen4 ,wenn die
,mnner vor ,allem nach einem tiefen1
gemthvollen ,wesen1 die ,weiber aber
nach einem klugen1 geistesgegenwrtigen
und glnzenden ,wesen bei der ,wahl
ihres ,ehegenossen suchen1 so sieht man
im ,grunde deutlich1 wie der ,mann nach
dem idealisirten ,manne1 das ,weib nach
dem idealisirten ,weibe sucht1 also
nicht nach ,ergnzung1 sondern nach
,vollendung der eigenen ,vorzge4
#dab4 ,ein ,urtheil ,hesiod's
bekrftigt4 - ,ein ,zeichen fr die
,klugheit der ,weiber ist es1 dass sie
es fast berall verstanden haben1 sich
ernhren zu lassen1 wie ,drohnen im
,bienenkorbe4 ,man erwge doch1 was das
aber ursprnglich bedeuten will und warum
die ,mnner sich nicht von den ,frauen
ernhren lassen4 ,gewiss weil die
mnnliche ,eitelkeit und ,ehrsucht
grsser als die weibliche ,klugheit ist2
denn die ,frauen haben es verstanden1
sich durch ,unterordnung doch den
berwiegenden ,vortheil1 ja die
,herrschaft zu sichern4 ,selbst das
,pflegen der ,kinder knnte ursprnglich
von der ,klugheit der ,weiber als
,vorwand benutzt sein1 um sich der
,arbeit mglichst zu entziehen4 ,auch
jetzt noch verstehen sie1 wenn sie
wirklich thtig sind1 zum ,beispiel als
,haushlterinnen1 davon ein
sinnverwirrendes ,aufheben zu machen3
so dass von den ,mnnern das ,verdienst
ihrer ,thtigkeit zehnfach berschtzt zu
werden pflegt4 #dac4 ,die
,kurzsichtigen sind verliebt4 -
,mitunter gengt schon eine strkere
,brille1 um den ,verliebten zu heilen2
und wer die ,kraft der ,einbildung
htte1 um ein ,gesicht1 eine ,gestalt
sich zwanzig ,jahre lter vorzustellen1
gienge vielleicht sehr ungestrt durch
das ,leben4 #dad4 ,frauen im
,hass4 - ,im ,zustande des ,hasses sind
,frauen gefhrlicher1 als ,mnner2
zuvrderst weil sie durch keine ,rcksicht
auf ,billigkeit in ihrer einmal
erregten feindseligen ,empfindung
gehemmt werden1 sondern ungestrt ihren
,hass bis zu den letzten ,consequenzen
anwachsen lassen1 sodann weil sie
darauf eingebt sind1 wunde ,stellen 7die
jeder ,mensch1 jede ,partei hat7 zu
finden und dort hinein zu stechen3 wozu
ihnen ihr dolchspitzer ,verstand
treffliche ,dienste leistet 7whrend die
,mnner beim ,anblick von ,wunden
zurckhaltend1 oft grossmthig und
vershnlich gestimmt werden74 #dae4
,liebe4 - ,die ,abgtterei1 welche
die ,frauen mit der ,liebe treiben1 ist
im ,grunde und ursprnglich eine
,erfindung der ,klugheit1 insofern sie
ihre ,macht durch alle jene
,idealisirungen der ,liebe erhhen und
sich in den ,augen der ,mnner als immer
begehrenswerther darstellen4 ,aber
durch die ,jahrhundertelange ,gewhnung
an diese bertriebene ,schtzung der
,liebe ist es geschehen1 dass sie in ihr
eigenes ,netz gelaufen sind und jenen
,ursprung vergessen haben4 ,sie selber
sind jetzt noch mehr die ,getuschten1
als die ,mnner1 und leiden desshalb auch
mehr an der ,enttuschung1 welche fast
nothwendig im ,leben jeder ,frau
eintreten wird - sofern sie berhaupt
,phantasie und ,verstand genug hat1 um
getuscht und enttuscht werden zu knnen4
#daf4 ,zur ,emancipation der ,frauen4
- ,knnen die ,frauen berhaupt gerecht
sein1 wenn sie so gewohnt sind1 zu
lieben1 gleich fr oder wider zu
empfinden8 ,daher sind sie auch seltener
fr ,sachen1 mehr fr ,personen
eingenommen3 sind sie es aber fr
,sachen1 so werden sie sofort deren
,parteignger und verderben damit die
reine unschuldige ,wirkung derselben4
,so entsteht eine nicht geringe ,gefahr1
wenn ihnen die ,politik und einzelne
,theile der ,wissenschaft anvertraut
werden 7zum ,beispiel ,geschichte74
,denn was wre seltener1 als eine ,frau1
welche wirklich wsste1 was
,wissenschaft ist8 ,die besten nhren
sogar im ,busen gegen sie eine
heimliche ,geringschtzung1 als ob sie
irgend wodurch ihr berlegen wren4
,vielleicht kann diess ,alles anders
werden1 einstweilen ist es so4
#dag4 ,die ,inspiration im ,urtheile
der ,frauen4 - ,jene pltzlichen
,entscheidungen ber das ,fr und ,wider1
welche ,frauen zu geben pflegen1 die
blitzschnellen ,erhellungen persnlicher
,beziehungen durch ihre
hervorbrechenden ,neigungen und
,abneigungen1 kurz die ,beweise der
weiblichen ,ungerechtigkeit sind von
liebenden ,mnnern mit einem ,glanz
umgeben worden1 als ob alle ,frauen
,inspirationen von ,weisheit htten1
auch ohne den delphischen ,kessel und
die ,lorbeerbinde3 und ihre ,aussprche
werden noch lange nachher wie
sibyllinische ,orakel interpretirt und
zurechtgelegt4 ,wenn man aber erwgt1
dass fr jede ,person1 fr jede ,sache
sich etwas geltend machen lsst1 aber
ebenso gut auch ,etwas gegen sie1 dass
alle ,dinge nicht nur zwei-1 sondern
drei- und vierseitig sind1 so ist es
beinahe ,schwer1 mit solchen pltzlichen
,entscheidungen gnzlich fehl zu
greifen2 ja man knnte sagen3 die ,natur
der ,dinge ist so eingerichtet1 dass
die ,frauen immer ,recht behalten4
#dah4 ,sich lieben lassen4 - ,weil
die eine von zwei liebenden ,personen
gewhnlich die liebende1 die andere die
geliebte ,person ist1 so ist der
,glaube entstanden1 es gbe in jedem
,liebeshandel ein gleichbleibendes
,maass von ,liebe3 je mehr eine davon an
sich reisse1 um so weniger bleibe fr
die andere ,person brig4 ,ausnahmsweise
kommt es vor1 dass die ,eitelkeit jede
der beiden ,personen berredet1 sie sei
die1 welche geliebt werden msse2 so dass
sich beide lieben lassen wollen3
woraus sich namentlich in der ,ehe
mancherlei halb drollige1 halb absurde
,scenen ergeben4 #dai4
,widersprche in weiblichen ,kpfen4 -
,weil die ,weiber so viel mehr
persnlich als sachlich sind1 vertragen
sich in ihrem ,gedankenkreise
,richtungen1 die logisch mit einander in
,widerspruch sind3 sie pflegen sich
eben fr die ,vertreter dieser
,richtungen der ,reihe nach zu
begeistern und nehmen deren ,systeme in
,bausch und ,bogen an2 doch so1 dass
berall dort eine todte ,stelle entsteht1
wo eine neue ,persnlichkeit spter das
,uebergewicht bekommt4 ,es kommt
vielleicht vor1 dass die ganze
,philosophie im ,kopf einer alten ,frau
aus lauter solchen todten ,stellen
besteht4 #dbj4 ,wer leidet mehr8
- ,nach einem persnlichen ,zwiespalt
und ,zanke zwischen einer ,frau und
einem ,manne leidet der eine ,theil am
meisten bei der ,vorstellung1 dem
anderen ,wehe gethan zu haben2 whrend
jener am meisten bei der ,vorstellung
leidet1 dem andern nicht genug ,wehe
gethan zu haben1 wesshalb er sich bemht1
durch ,thrnen1 ,schluchzen und
verstrte ,mienen1 ihm noch hinterdrein
das ,herz schwer zu machen4 #dba4
,gelegenheit zu weiblicher ,grossmuth4 -
,wenn man sich ber die ,ansprche der
,sitte einmal in ,gedanken hinwegsetzt1
so knnte man wohl erwgen1 ob nicht
,natur und ,vernunft den ,mann auf
mehrfache ,verheirathung nach einander
anweist1 etwa in der ,gestalt1 dass er
zuerst im ,alter von zwei und zwanzig
,jahren ein lteres ,mdchen heirathet1
das ihm geistig und sittlich berlegen
ist und seine ,fhrerin durch die
,gefahren der zwanziger ,jahre
7,ehrgeiz1 ,hass1 ,selbstverachtung1
,leidenschaften aller ,art7 werden kann4
,die ,liebe dieser wrde spter ganz in
das ,mtterliche bertreten1 und sie
ertrge es nicht nur1 sondern frderte es
auf die heilsamste ,weise1 wenn der
,mann in den dreissiger ,jahren mit
einem ganz jungen ,mdchen eine
,verbindung eingienge1 dessen ,erziehung
er selber in die ,hand nhme4 - ,die
,ehe ist fr die zwanziger ,jahre
einnthiges1 fr die dreissiger ein
ntzliches1 aber nicht nthiges ,institut3
fr das sptere ,leben wird sie oft
schdlich und befrdert die geistige
,rckbildung des ,mannes4 #dbb4
,tragdie der ,kindheit4 - ,es kommt
vielleicht nicht selten vor1 dass edel-
und hochstrebende ,menschen ihren
hrtesten ,kampf in der ,kindheit zu
bestehen haben3 etwa dadurch1 dass sie
ihre ,gesinnung gegen einen niedrig
denkenden1 dem ,schein und der ,lgnerei
ergebenen ,vater durchsetzen mssen1
oder fortwhrend1 wie ,lord ,byron1 im
,kampfe mit einer kindischen und
zornwthigen ,mutter leben4 ,hat man so
,etwas erlebt1 so wird man sein ,leben
lang es nicht verschmerzen1 zu wissen1
wer ,einem eigentlich der grsste1 der
gefhrlichste ,feind gewesen ist4
#dbc4 ,eltern-,thorheit4 - ,die
grbsten ,irrthmer in der ,beurtheilung
eines ,menschen werden von dessen
,eltern gemacht3 diess ist eine
,thatsache1 aber wie soll man sie
erklren8 ,haben die ,eltern zu viele
,erfahrung von dem ,kinde und knnen sie
diese nicht mehr zu einer ,einheit
zusammenbringen8 ,man bemerkt1 dass
,reisende unter fremden ,vlkern nur in
der ersten ,zeit ihres ,aufenthaltes die
allgemeinen unterscheidenden ,zge
eines ,volkes richtig erfassen2 je mehr
sie das ,volk kennen lernen1 desto mehr
verlernen sie1 das ,typische und
,unterscheidende an ihm zu sehen4
,sobald sie nah-sichtig werden1 hren
ihre ,augen auf1 fern-sichtig zu sein4
,sollten die ,eltern desshalb falsch ber
das ,kind urtheilen1 weil sie ihm nie
fern genug gestanden haben8 - ,eine ganz
andere ,erklrung wre folgende3 die
,menschen pflegen ber das ,nchste1 was
sie umgiebt1 nicht mehr nachzudenken1
sondern es nur hinzunehmen4 ,vielleicht
ist die gewohnheitsmssige
,gedankenlosigkeit der ,eltern der
,grund1 wesshalb sie1 einmal genthigt
ber ihre ,kinder zu urtheilen1 so
schief urtheilen4 #dbd4 ,aus der
,zukunft der ,ehe4 - ,jene edlen1
freigesinnten ,frauen1 welche die
,erziehung und ,erhebung des weiblichen
,geschlechtes sich zur ,aufgabe
stellen1 sollen einen ,gesichtspunct
nicht bersehen3 die ,ehe in ihrer
hheren ,auffassung gedacht1 als
,seelenfreundschaft zweier ,menschen
verschiedenen ,geschlechts1 also so1 wie
sie von der ,zukunft erhofft wird1 zum
,zweck der ,erzeugung und ,erziehung
einer neuen ,generation geschlossen1 -
eine solche ,ehe1 welche das ,sinnliche
gleichsam nur als ein seltenes1
gelegentliches ,mittel fr einen
grsseren ,zweck gebraucht1 bedarf
wahrscheinlich1 wie man besorgen muss1
einer natrlichen ,beihlfe1 des
,concubinats2 denn wenn aus ,grnden der
,gesundheit des ,mannes das ,eheweib
auch zur alleinigen ,befriedigung des
geschlechtlichen ,bedrfnisses dienen
soll1 so wird bei der ,wahl einer
,gattin schon ein falscher1 den
angedeuteten ,zielen entgegengesetzter
,gesichtspunct maassgebend sein3 die
,erzielung der ,nachkommenschaft wird
zufllig1 die glckliche ,erziehung hchst
unwahrscheinlich4 ,eine gute ,gattin1
welche ,freundin1 ,gehlfin1 ,gebrerin1
,mutter1 ,familienhaupt1 ,verwalterin
sein soll1 ja vielleicht abgesondert
von dem ,manne ihrem eigenen ,geschft
und ,amte vorzustehen hat1 kann nicht
zugleich ,concubine sein3 es hiesse im
,allgemeinen zu viel von ihr verlangen4
,somit knnte in ,zukunft das
,umgekehrte dessen eintreten1 was zu
,perikles' ,zeiten in ,athen sich begab3
die ,mnner1 welche damals an ihren
,eheweibern nicht viel mehr als
,concubinen hatten1 wandten sich
nebenbei zu den ,aspasien1 weil sie nach
den ,reizen einer kopf- und
herzbefreienden ,geselligkeit
verlangten1 wie eine solche nur die
,anmuth und geistige ,biegsamkeit der
,frauen zu schaffen vermag4 ,alle
menschlichen ,institutionen1 wie die
,ehe1 gestatten nur einen mssigen ,grad
von praktischer ,idealisirung1
widrigenfalls sofort grobe ,remeduren
nthig werden4 #dbe4 ,sturm- und
,drangperiode der ,frauen4 - ,man kann
in den drei oder vier civilisirten
,lndern ,europa's aus den ,frauen durch
einige ,jahrhunderte von ,erziehung
,alles machen1 was man will1 selbst
,mnner1 freilich nicht in
geschlechtlichem ,sinne1 aber doch in
jedem anderen ,sinne4 ,sie werden unter
einer solchen ,einwirkung einmal alle
mnnlichen ,tugenden und ,strken
angenommen haben1 dabei allerdings auch
deren ,schwchen und ,laster mit in den
,kauf nehmen mssen3 so viel1 wie gesagt1
kann man erzwingen4 ,aber wie werden
wir den dadurch herbeigefhrten
,zwischenzustand aushalten1 welcher
vielleicht selber ein paar
,jahrhunderte dauern kann1 whrend denen
die weiblichen ,narrheiten und
,ungerechtigkeiten1 ihr uraltes
,angebinde1 noch die ,uebermacht ber
alles ,hinzugewonnene1 ,angelernte
behaupten8 ,diese ,zeit wird es sein1
in welcher der ,zorn den eigentlich
mnnlichen ,affect ausmacht1 der ,zorn
darber1 dass alle ,knste und
,wissenschaften durch einen unerhrten
,dilettantismus berschwemmt und
verschlammt sind1 die ,philosophie
durch sinnverwirrendes ,geschwtz zu
,tode geredet1 die ,politik
phantastischer und parteiischer als je1
die ,gesellschaft in voller ,auflsung
ist1 weil die ,bewahrerinnen der alten
,sitte sich selber lcherlich geworden
und in jeder ,beziehung ausser der
,sitte zu stehen bestrebt sind4 ,hatten
nmlich die ,frauen ihre grsste ,macht
in der ,sitte1 wonach werden sie
greifen mssen1 um eine hnliche ,flle
der ,macht wiederzugewinnen1 nachdem sie
die ,sitte aufgegeben haben8 #dbf4
,freigeist und ,ehe4 - ,ob die
,freigeister mit ,frauen leben werden8
,im ,allgemeinen glaube ich1 dass sie1
gleich den wahrsagenden ,vgeln des
,alterthums1 als die ,wahrdenkenden1
,wahrheit-,redenden der ,gegenwart es
vorziehen mssen1 allein zu fliegen4
#dbg4 ,glck der ,ehe4 - ,alles
,gewohnte zieht ein immer fester
werdendes ,netz von ,spinneweben um uns
zusammen2 und alsobald merken wir1 dass
die ,fden zu ,stricken geworden sind
und dass wir selber als ,spinne in der
,mitte sitzen1 die sich hier gefangen
hat und von ihrem eigenen ,blute zehren
muss4 ,desshalb hasst der ,freigeist
alle ,gewhnungen und ,regeln1 alles
,dauernde und ,definitive1 desshalb
reisst er1 mit ,schmerz1 das ,netz um
sich immer wieder auseinander3 wiewohl
er in ,folge dessen an zahlreichen
kleinen und grossen ,wunden leiden wird1
- denn jene ,fden muss er von sich1
von seinem ,leibe1 seiner ,seele
abreissen4 ,er muss dort lieben lernen1
wo er bisher hasste1 und umgekehrt4 ,ja
es darf fr ihn nichts ,unmgliches
sein1 auf das selbe ,feld ,drachenzhne
auszusen1 auf welches er vorher die
,fllhrner seiner ,gte ausstrmen liess4
- ,daraus lsst sich abnehmen1 ob er fr
das ,glck der ,ehe geschaffen ist4
#dbh4 ,zunahe4 - ,leben wir zu nahe
mit einem ,menschen zusammen1 so geht es
uns so1 wie wenn wir einen guten
,kupferstich immer wieder mit blossen
,fingern anfassen3 eines ,tages haben
wir schlechtes beschmutztes ,papier und
,nichts weiter mehr in den ,hnden4
,auch die ,seele eines ,menschen wird
durch bestndiges ,angreifen endlich
abgegriffen2 mindestens erscheint sie
uns endlich so1 - wir sehen ihre
ursprngliche ,zeichnung und ,schnheit
nie wieder4 - ,man verliert immer durch
den allzuvertraulichen ,umgang mit
,frauen und ,freunden2 und mitunter
verliert man die ,perle seines ,lebens
dabei4 #dbi4 ,die goldene
,wiege4 - ,der ,freigeist wird immer
aufathmen1 wenn er sich endlich
entschlossen hat1 jenes mutterhafte
,sorgen und ,bewachen1 mit welchem die
,frauen um ihn walten1 von sich
abzuschtteln4 ,was schadet ihm denn ein
rauherer ,luftzug1 den man so ngstlich
von ihm wehrte1 was bedeutet ein
wirklicher ,nachtheil1 ,verlust1
,unfall1 eine ,erkrankung1
,verschuldung1 ,bethrung mehr oder
weniger in seinem ,leben1 verglichen
mit der ,unfreiheit der goldenen ,wiege1
des ,pfauenschweif-,wedels und der
drckenden ,empfindung1 noch dazu dankbar
sein zu mssen1 weil er wie ein
,sugling gewartet und verwhnt wird8
,desshalb kann sich die ,milch1 welche
die mtterliche ,gesinnung der ihn
umgebenden ,frauen reicht1 so leicht in
,galle verwandeln4 #dcj4
,freiwilliges ,opferthier4 - ,durch
,nichts erleichtern bedeutende ,frauen
ihren ,mnnern1 falls diese berhmt und
gross sind1 das ,leben so sehr1 als
dadurch dass sie gleichsam das ,gefss
der allgemeinen ,ungunst und
gelegentlichen ,verstimmung der brigen
,menschen werden4 ,die ,zeitgenossen
pflegen ihren grossen ,mnnern viel
,fehlgriffe und ,narrheiten1 ja
,handlungen grober ,ungerechtigkeit
nachzusehen1 wenn sie nur ,jemanden
finden1 den sie als eigentliches
,opferthier zur ,erleichterung ihres
,gemthes misshandeln und schlachten
drfen4 ,nicht selten findet eine ,frau
den ,ehrgeiz in sich1 sich zu dieser
,opferung anzubieten1 und dann kann
freilich der ,mann sehr zufrieden sein1
- falls er nmlich ,egoist genug ist1 um
sich einen solchen freiwilligen
,blitz-1 ,sturm- und ,regenableiter in
seiner ,nhe gefallen zu lassen4
#dca4 ,angenehme ,widersacher4 - ,die
naturgemsse ,neigung der ,frauen zu
ruhigem1 gleichmssigem1 glcklich
zusammenstimmendem ,dasein und
,verkehren1 das ,oelgleiche und
,beschwichtigende ihrer ,wirkungen auf
dem ,meere des ,lebens1 arbeitet
unwillkrlich dem heroischeren inneren
,drange des ,freigeistes entgegen4 ,ohne
dass sie es merken1 handeln die
,frauen so1 als wenn man dem wandernden
,mineralogen die ,steine vom ,wege
nimmt1 damit sein ,fuss nicht daran
stosse1 - whrend er gerade ausgezogen
ist1 um daran zu stossen4 #dcb4
,missklang zweier ,consonanzen4 - ,die
,frauen wollen dienen und haben darin
ihr ,glck3 und der ,freigeist will nicht
bedient sein und hat darin sein ,glck4
#dcc4 ,xanthippe4 - ,sokrates
fand eine ,frau1 wie er sie brauchte1 -
aber auch er htte sie nicht gesucht1
falls er sie gut genug gekannt htte3 so
weit wre auch der ,heroismus dieses
freien ,geistes nicht gegangen4
,thatschlich trieb ihn ,xanthippe in
seinen eigenthmlichen ,beruf immer mehr
hinein1 indem sie ihm ,haus und ,heim
unhuslich und unheimlich machte3 sie
lehrte ihn1 auf den ,gassen und berall
dort zu leben1 wo man schwtzen und
mssig sein konnte und bildete ihn damit
zum grssten athenischen
,gassen-,dialektiker aus3 der sich
zuletzt selber mit einer zudringlichen
,bremse vergleichen musste1 welche dem
schnen ,pferde ,athen von einem ,gotte
auf den ,nacken gesetzt sei1 um es nicht
zur ,ruhe kommen zu lassen4 #dcd4
,fr die ,ferne blind4 - ,ebenso wie
die ,mtter eigentlich nur ,sinn und
,auge fr die augen- und sinnflligen
,schmerzen ihrer ,kinder haben1 so
vermgen die ,gattinnen hoch strebender
,mnner es nicht ber sich zu gewinnen1
ihre ,ehegenossen leidend1 darbend und
gar missachtet zu sehen1 - whrend
vielleicht alles diess nicht nur die
,wahrzeichen einer richtigen ,wahl
ihrer ,lebenshaltung1 sondern schon die
,brgschaften dafr sind1 dass ihre
grossen ,ziele irgendwann einmal
erreicht werden mssen4 ,die ,frauen
intriguiren im ,stillen immer gegen die
hhere ,seele ihrer ,mnner2 sie wollen
dieselbe um ihre ,zukunft1 zu ,gunsten
einer schmerzlosen1 behaglichen
,gegenwart1 betrgen4 #dce4
,macht und ,freiheit4 - ,so hoch ,frauen
ihre ,mnner ehren1 so ehren sie doch
die von der ,gesellschaft anerkannten
,gewalten und ,vorstellungen noch mehr3
sie sind seit ,jahrtausenden gewohnt1
vor allem ,herrschenden gebckt1 die
,hnde auf die ,brust gefaltet1
einherzugehen und missbilligen alle
,auflehnung gegen die ffentliche ,macht4
,desshalb hngen sie sich1 ohne es auch
nur zu beabsichtigen1 vielmehr wie aus
,instinct1 als ,hemmschuh in die ,rder
eines freigeisterischen unabhngigen
,strebens und machen unter ,umstnden
ihre ,gatten aufs ,hchste ungeduldig1
zumal wenn diese sich noch vorreden1
dass ,liebe es sei1 was die ,frauen im
,grunde dabei antreibe4 ,die ,mittel der
,frauen missbilligen und grossmthig
die ,motive dieser ,mittel ehren1 - das
ist ,mnner-,art und oft genug
,mnner-,verzweiflung4 #dcf4
,ceterum censeo4 - ,es ist zum ,lachen1
wenn eine ,gesellschaft von
,habenichtsen die ,abschaffung des
,erbrechts decretirt1 und nicht minder
zum ,lachen ist es1 wenn ,kinderlose an
der praktischen ,gesetzgebung eines
,landes arbeiten3 - sie haben ja nicht
genug ,schwergewicht in ihrem ,schiffe1
um sicher in den ,ocean der ,zukunft
hineinsegeln zu knnen4 ,aber ebenso
ungereimt erscheint es1 wenn ,der1
welcher die allgemeinste ,erkenntniss
und die ,abschtzung des gesammten
,daseins zu seiner ,aufgabe erkoren
hat1 sich mit persnlichen ,rcksichten
auf eine ,familie1 auf ,ernhrung1
,sicherung1 ,achtung von ,weib und
,kind1 belastet und vor sein ,teleskop
jenen trben ,schleier aufspannt1 durch
welchen kaum einige ,strahlen der
fernen ,gestirnwelt hindurchzudringen
vermgen4 ,so komme auch ich zu dem
,satze1 dass in den ,angelegenheiten
der hchsten philosophischen ,art alle
,verheiratheten verdchtig sind4
#dcg4 ,zuletzt4 - ,es giebt
mancherlei ,arten von ,schierling1 und
gewhnlich findet das ,schicksal eine
,gelegenheit1 dem ,freigeiste einen
,becher dieses ,giftgetrnkes an die
,lippen zu setzen1 - um ihn zu strafen1
wie dann alle ,welt sagt4 ,was thun dann
die ,frauen um ihn8 ,sie werden
schreien und wehklagen und vielleicht
die ,sonnenuntergangs-,ruhe des
,denkers stren3 wie sie es im ,gefngniss
von ,athen thaten4 ,o ,kriton1 heisse
doch jemanden diese ,weiber da
fortfhren6 sagte endlich ,sokrates4 -
,achtes ,hauptstck4 ,ein ,blick auf
den ,staat4 #dch4 ,um das ,wort
bitten4 - ,der demagogische ,charakter
und die ,absicht1 auf die ,massen zu
wirken1 ist gegenwrtig allen politischen
,parteien gemeinsam3 sie alle sind
genthigt1 der genannten ,absicht wegen1
ihre ,principien zu grossen
,alfresco-,dummheiten umzuwandeln und
sie so an die ,wand zu malen4 ,daran
ist ,nichts mehr zu ndern1 ja es ist
berflssig1 auch nur einen ,finger
dagegen aufzuheben2 denn auf diesem
,gebiete gilt1 was ,voltaire sagt3 quand
la populace se mle de raisonner1 tout
est perdu4 ,seitdem diess geschehen ist1
muss man sich den neuen ,bedingungen
fgen1 wie man sich fgt1 wenn ein
,erdbeben die alten ,grnzen und
,umrisse der ,bodengestalt verrckt und
den ,werth des ,besitzes verndert hat4
,ueberdiess3 wenn es sich nun einmal bei
aller ,politik darum handelt1 mglichst
,vielen das ,leben ertrglich zu
machen1 so mgen immerhin diese
,mglichst-,vielen auch bestimmen1 was
sie unter einem ertrglichen ,leben
verstehen2 trauen sie sich den
,intellect zu1 auch die richtigen
,mittel zu diesem ,ziele zu finden1 was
hlfe es1 daran zu zweifeln8 ,sie wollen
nun einmal ihres ,glckes und ,unglckes
eigene ,schmiede sein2 und wenn dieses
,gefhl der ,selbstbestimmung1 der
,stolz auf die fnf1 sechs ,begriffe1
welche ihr ,kopf birgt und zu ,tage
bringt1 ihnen in der ,that das ,leben so
angenehm macht1 dass sie die fatalen
,folgen ihrer ,beschrnktheit gern
ertragen3 so ist wenig einzuwenden1
vorausgesetzt1 dass die ,beschrnktheit
nicht so weit geht1 zu verlangen1 es
solle ,alles in diesem ,sinne zur
,politik werden1 es solle jeder nach
solchem ,maassstabe leben und wirken4
,zuerst nmlich muss es ,einigen mehr als
je1 erlaubt sein1 sich der ,politik zu
enthalten und ein ,wenig bei ,seite zu
treten3 dazu treibt auch sie die ,lust
an der ,selbstbestimmung1 und auch ein
kleiner ,stolz mag damit verbunden
sein1 zu schweigen1 wenn zu ,viele oder
berhaupt nur ,viele reden4 ,sodann muss
man es diesen ,wenigen nachsehen1 wenn
sie das ,glck der ,vielen1 verstehe man
nun darunter ,vlker oder
,bevlkerungsschichten1 nicht so wichtig
nehmen und sich hie und da eine
ironische ,miene zu ,schulden kommen
lassen2 denn ihr ,ernst liegt anderswo1
ihr ,glck ist ein anderer ,begriff1 ihr
,ziel ist nicht von jeder plumpen
,hand1 welche eben nur fnf ,finger hat1
zu umspannen4 ,endlich kommt - was
ihnen gewiss am schwersten zugestanden
wird1 aber ebenfalls zugestanden werden
muss - von ,zeit zu ,zeit ein
,augenblick1 wo sie aus ihren
schweigsamen ,vereinsamungen
heraustreten und die ,kraft ihrer
,lungen wieder einmal versuchen3 dann
rufen sie nmlich einander zu wie
,verirrte in einem ,walde1 um sich
einander zu erkennen zu geben und zu
ermuthigen2 wobei freilich ,mancherlei
laut wird1 was den ,ohren1 fr welche es
nicht bestimmt ist1 bel klingt4 - ,nun1
bald darauf ist es wieder stille im
,walde1 so stille1 dass man das
,schwirren1 ,summen und ,flattern der
zahllosen ,insecten1 welche in1 ber und
unter ihm leben1 wieder deutlich
vernimmt4 - #dci4 ,cultur und
,kaste4 - ,eine hhere ,cultur kann
allein dort entstehen1 wo es zwei
unterschiedene ,kasten der ,gesellschaft
giebt3 die der ,arbeitenden und die
der ,mssigen1 zu wahrer ,musse
,befhigten2 oder mit strkerem
,ausdruck3 die ,kaste der
,zwangs-,arbeit und die ,kaste der
,frei-,arbeit4 ,der ,gesichtspunct der
,vertheilung des ,glcks ist nicht
wesentlich1 wenn es sich um die
,erzeugung einer hheren ,cultur
handelt2 jedenfalls aber ist die ,kaste
der ,mssigen die leidensfhigere1
leidendere1 ihr ,behagen am ,dasein ist
geringer1 ihre ,aufgabe grsser4 ,findet
nun gar ein ,austausch der beiden
,kasten statt1 so1 dass die stumpferen1
ungeistigeren ,familien und ,einzelnen
aus der oberen ,kaste in die niedere
herabgesetzt werden und wiederum die
freieren ,menschen aus dieser den
,zutritt zur hheren erlangen3 so ist
ein ,zustand erreicht1 ber den hinaus
man nur noch das offene ,meer
unbestimmter ,wnsche sieht4 - ,so redet
die verklingende ,stimme der alten
,zeit zu uns2 aber wo sind noch ,ohren1
sie zu hren8 #ddj4 ,von ,geblt4
- ,das1 was ,mnner und ,frauen von
,geblt vor ,anderen voraus haben und
was ihnen unzweifelhaftes ,anrecht auf
hhere ,schtzung giebt1 sind zwei durch
,vererbung immer mehr gesteigerte
,knste3 die ,kunst1 befehlen zu knnen1
und die ,kunst des stolzen ,gehorsams4 -
,nun entsteht berall1 wo das ,befehlen
zum ,tagesgeschft gehrt 7wie in der
grossen ,kaufmanns- und
,industrie-,welt71 etwas ,aehnliches wie
jene ,geschlechter von ,geblt1 aber
ihnen fehlt die vornehme ,haltung im
,gehorsam1 welche bei jenen eine
,erbschaft feudaler ,zustnde ist und
die in unserem ,cultur-,klima nicht mehr
wachsen will4 #dda4
,subordination4 - ,die ,subordination1
welche im ,militr- und ,beamtenstaate
so hoch geschtzt wird1 wird uns bald
ebenso unglaublich werden1 wie die
geschlossene ,taktik der ,jesuiten es
bereits geworden ist2 und wenn diese
,subordination nicht mehr mglich ist1
lsst sich eine ,menge der
erstaunlichsten ,wirkungen nicht mehr
erreichen1 und die ,welt wird rmer
sein4 ,sie muss schwinden1 denn ihr
,fundament schwindet3 der ,glaube an
die unbedingte ,autoritt1 an die
endgltige ,wahrheit2 selbst in
,militrstaaten ist der physische ,zwang
nicht ausreichend1 sie hervorzubringen1
sondern die angeerbte ,adoration vor
dem ,frstlichen wie vor etwas
,uebermenschlichem4 - ,in freieren
,verhltnissen ordnet man sich nur auf
,bedingungen unter1 in ,folge
gegenseitigen ,vertrages1 also mit allen
,vorbehalten des ,eigennutzes4
#ddb4 ,volksheere4 - ,der grsste
,nachtheil der jetzt so verherrlichten
,volksheere besteht in der ,vergeudung
von ,menschen der hchsten
,civilisation2 nur durch die ,gunst
aller ,verhltnisse giebt es deren
berhaupt1 - wie sparsam und ngstlich
sollte man mit ihnen umgehen1 da es
grosser ,zeitrume bedarf1 um die
zuflligen ,bedingungen zur ,erzeugung
so zart organisirter ,gehirne zu
schaffen6 ,aber wie die ,griechen in
,griechenblut wtheten1 so die ,europer
jetzt in ,europerblut3 und zwar werden
relativ am meisten immer die
,hchstgebildeten zum ,opfer gebracht1
,die1 welche eine reichliche und gute
,nachkommenschaft verbrgen2 ,solche
nmlich stehen im ,kampfe voran1 als
,befehlende1 und setzen sich berdiess1
ihres hheren ,ehrgeizes wegen1 den
,gefahren am meisten aus4 - ,der grobe
,rmer-,patriotismus ist jetzt1 wo ganz
andere und hhere ,aufgaben gestellt
sind1 als patria und honor1 entweder
etwas ,unehrliches oder ein ,zeichen
der ,zurckgebliebenheit4 #ddc4
,hoffnung als ,anmaassung4 - ,unsere
gesellschaftliche ,ordnung wird langsam
wegschmelzen1 wie es alle frheren
,ordnungen gethan haben1 sobald die
,sonnen neuer ,meinungen mit neuer
,gluth ber die ,menschen hinleuchteten4
,wnschen kann man diess ,wegschmelzen
nur1 indem man hofft3 und hoffen darf
man vernnftigerweise nur1 wenn man sich
und seinesgleichen mehr ,kraft in ,herz
und ,kopf zutraut1 als den ,vertretern
des ,bestehenden4 ,gewhnlich also wird
diese ,hoffnung eine ,anmaassung1 eine
,ueberschtzung sein4 #ddd4
,krieg4 - ,zu ,ungunsten des ,krieges
kann man sagen3 er macht den ,sieger
dumm1 den ,besiegten boshaft4 ,zu
,gunsten des ,krieges3 er barbarisirt in
beiden eben genannten ,wirkungen und
macht dadurch natrlicher2 er ist fr die
,cultur ,schlaf oder ,winterszeit1 der
,mensch kommt krftiger zum ,guten und
,bsen aus ihm heraus4 #dde4 ,im
,dienste des ,frsten4 - ,ein ,staatsmann
wird1 um vllig rcksichtslos handeln zu
knnen1 am besten thun1 nicht fr sich1
sondern fr einen ,frsten sein ,werk
auszufhren4 ,von dem ,glanze dieser
allgemeinen ,uneigenntzigkeit wird das
,auge des ,beschauers geblendet1 so dass
er jene ,tcken und ,hrten1 welche das
,werk des ,staatsmannes mit sich
bringt1 nicht sieht4 #ddf4 ,eine
,frage der ,macht1 nicht des ,rechtes4
- ,fr ,menschen1 welche bei jeder
,sache den hheren ,nutzen in's ,auge
fassen1 giebt es bei dem ,socialismus1
falls er wirklich die ,erhebung der
,jahrtausende lang ,gedrckten1
,niedergehaltenen gegen ihre
,unterdrcker ist1 kein ,problem des
,rechtes 7mit der lcherlichen1
weichlichen ,frage3 wie weit soll man
seinen ,forderungen nachgeben871 sondern
nur ein ,problem der ,macht 7wie weit
kann man seine ,forderungen benutzen872
also wie bei einer ,naturmacht1 zum
,beispiel dem ,dampfe1 welcher entweder
von dem ,menschen in seine ,dienste1
als ,maschinengott1 gezwungen wird1
oder1 bei ,fehlern der ,maschine1 das
heisst ,fehlern der menschlichen
,berechnung im ,bau derselben1 sie und
den ,menschen mit zertrmmert4 ,um jene
,machtfrage zu lsen1 muss man wissen1
wie stark der ,socialismus ist1 in
welcher ,modification er noch als
mchtiger ,hebel innerhalb des jetzigen
politischen ,krftespiels benutzt werden
kann2 unter ,umstnden msste man selbst
,alles thun1 ihn zu krftigen4 ,die
,menschheit muss bei jeder grossen
,kraft - und sei es die gefhrlichste -
daran denken1 aus ihr ein ,werkzeug
ihrer ,absichten zu machen4 - ,ein
,recht gewinnt sich der ,socialismus
erst dann1 wenn es zwischen den beiden
,mchten1 den ,vertretern des ,alten und
,neuen1 zum ,kriege gekommen zu sein
scheint1 wenn aber dann das kluge
,rechnen auf mglichste ,erhaltung und
,zutrglichkeit auf ,seiten beider
,parteien das ,verlangen nach einem
,vertrag entstehen lsst4 ,ohne ,vertrag
kein ,recht4 ,bis jetzt giebt es aber
auf dem bezeichneten ,gebiete weder
,krieg1 noch ,vertrge1 also auch keine
,rechte1 kein ,sollen4 #ddg4
,benutzung der kleinsten ,unredlichkeit4
- ,die ,macht der ,presse besteht
darin1 dass jeder ,einzelne1 der ihr
dient1 sich nur ganz wenig verpflichtet
und verbunden fhlt4 ,er sagt fr
gewhnlich seine ,meinung1 aber sagt sie
einmal auch nicht1 um seiner ,partei
oder der ,politik seines ,landes oder
endlich sich selbst zu ntzen4 ,solche
kleine ,vergehen der ,unredlichkeit oder
vielleicht nur einer unredlichen
,verschwiegenheit sind von dem
,einzelnen nicht schwer zu tragen1 doch
sind die ,folgen ausserordentlich1 weil
diese kleinen ,vergehen von ,vielen zu
gleicher ,zeit begangen werden4 ,jeder
von ,diesen sagt sich3 fr so geringe
,dienste lebe ich besser1 kann ich mein
,auskommen finden2 durch den ,mangel
solcher kleinen ,rcksichten mache ich
mich unmglich4 ,weil es beinahe sittlich
gleichgltig erscheint1 eine ,zeile1
noch dazu vielleicht ohne
,namensunterschrift1 mehr zu schreiben
oder nicht zu schreiben1 so kann ,einer1
der ,geld und ,einfluss hat1 jede
,meinung zur ffentlichen machen4 ,wer da
weiss1 dass die meisten ,menschen in
,kleinigkeiten schwach sind1 und seine
eigenen ,zwecke durch sie erreichen
will1 ist immer ein gefhrlicher ,mensch4
#ddh4 ,allzu lauter ,ton bei
,beschwerden4 - ,dadurch1 dass ein
,nothstand 7zum ,beispiel die
,gebrechen einer ,verwaltung1
,bestechlichkeit und ,gunstwillkr in
politischen oder gelehrten
,krperschaften7 stark bertrieben
dargestellt wird1 verliert zwar die
,darstellung bei den ,einsichtigen ihre
,wirkung1 aber wirkt um so strker auf
die ,nichteinsichtigen 7welche bei
einer sorgsamen maassvollen ,darlegung
gleichgltig geblieben wren74 ,da diese
aber bedeutend in der ,mehrzahl sind
und strkere ,willenskrfte1 ungestmere
,lust zum ,handeln in sich beherbergen1
so wird jene ,uebertreibung zum ,anlass
von ,untersuchungen1 ,bestrafungen1
,versprechen1 ,reorganisationen4 -
,insofern ist es ntzlich1 ,nothstnde
bertrieben darzustellen4 #ddi4
,die anscheinenden ,wettermacher der
,politik4 - ,wie das ,volk bei ,dem1
welcher sich auf das ,wetter versteht
und es um einen ,tag voraussagt1 im
,stillen annimmt1 dass er das ,wetter
mache1 so legen selbst ,gebildete und
,gelehrte mit einem ,aufwand von
aberglubischem ,glauben grossen
,staatsmnnern alle die wichtigen
,vernderungen und ,conjuncturen1 welche
whrend ihrer ,regierung eintraten1 als
deren eigenstes ,werk bei1 wenn es nur
ersichtlich ist1 dass jene ,etwas davon
eher wussten1 als ,andere1 und ihre
,berechnung darnach machten3 sie werden
also ebenfalls als ,wettermacher
genommen - und dieser ,glaube ist nicht
das geringste ,werkzeug ihrer ,macht4
#dej4 ,neuer und alter ,begriff der
,regierung4 - ,zwischen ,regierung und
,volk so zu scheiden1 als ob hier zwei
getrennte ,machtsphren1 eine strkere1
hhere mit einer schwcheren1 niederen1
verhandelten und sich vereinbarten1 ist
ein ,stck vererbter politischer
,empfindung1 welches der historischen
,feststellung der ,machtverhltnisse in
den in eisten ,staaten noch jetzt genau
entspricht4 ,wenn zum ,beispiel
,bismarck die constitutionelle ,form
als einen ,compromiss zwischen
,regierung und ,volk bezeichnet1 so
redet er gemss einem ,princip1 welches
seine ,vernunft- in der ,geschichte hat
7ebendaher freilich auch den ,beisatz
von ,unvernunft1 ohne den nichts
,menschliches existiren kann74 ,dagegen
soll man nun lernen - gemss einem
,princip1 welches rein aus dem ,kopfe
entsprungen ist und erst ,geschichte
machen soll -1 dass ,regierung ,nichts
als ein ,organ des ,volkes sei1 nicht
ein vorsorgliches1 verehrungswrdiges
,oben im ,verhltniss zu einem an
,bescheidenheit gewhnten ,unten4 ,bevor
man diese bis jetzt unhistorische und
willkrliche1 wenn auch logischere
,aufstellung des ,begriffs ,regierung
annimmt1 mge man doch ja die ,folgen
erwgen3 denn das ,verhltniss zwischen
,volk und ,regierung ist das strkste
vorbildliche ,verhltniss1 nach dessen
,muster sich unwillkrlich der ,verkehr
zwischen ,lehrer und ,schler1
,hausherrn und ,dienerschaft1 ,vater und
,familie1 ,heerfhrer und ,soldat1
,meister und ,lehrling bildet4 ,alle
diese ,verhltnisse gestalten sich
jetzt1 unter dem ,einflusse der
herrschenden constitutionellen
,regierungsform1 ein ,wenig um - sie
werden ,compromisse4 ,aber wie mssen
sie sich verkehren und verschieben1
,namen und ,wesen wechseln1 wenn jener
allerneueste ,begriff berall sich der
,kpfe bemeistert hat6 - wozu es aber
wohl ein ,jahrhundert noch brauchen
drfte4 ,hierbei ist ,nichts mehr zu
wnschen1 als ,vorsicht und langsame
,entwickelung4 #dea4
,gerechtigkeit als ,parteien-,lockruf4 -
,wohl knnen edle 7wenn auch nicht
gerade sehr einsichtsvolle7 ,vertreter
der berrschenden ,classe sich geloben3
wir wollen die ,menschen als gleich
behandeln1 ihnen gleiche ,rechte
zugestehen2 insofern ist eine
socialistische ,denkungsweise1 welche
auf ,gerechtigkeit ruht1 mglich1 aber
wie gesagt nur innerhalb der
herrschenden ,classe1 welche in diesem
,falle die ,gerechtigkeit mit ,opfern
und ,verleugnungen bt4 ,dagegen
,gleichheit der ,rechte fordern1 wie es
die ,socialisten der unterworfenen
,kaste thun1 ist nimmermehr der
,ausfluss der ,gerechtigkeit1 sondern
der ,begehrlichkeit4 - ,wenn man der
,bestie blutige ,fleischstcke aus der
,nhe zeigt und wieder wegzieht1 bis sie
endlich brllt3 meint ihr1 dass diess
,gebrll ,gerechtigkeit bedeute8
#deb4 ,besitz und ,gerechtigkeit4 -
,wenn die ,socialisten nachweisen1 dass
die ,eigenthums-,vertheilung in der
gegenwrtigen ,menschheit die ,consequenz
zahlloser ,ungerechtigkeiten und
,gewaltsamkeiten ist1 und in summa die
,verpflichtung gegen etwas so unrecht
,begrndetes ablehnen3 so sehen sie nur
etwas ,einzelnes4 ,die ganze
,vergangenheit der alten ,cultur ist
auf ,gewalt1 ,sclaverei1 ,betrug1
,irrthum aufgebaut2 wir knnen aber uns
selbst1 die ,erben aller dieser
,zustnde1 ja die ,concrescenzen aller
jener ,vergangenheit1 nicht
wegdecretiren und drfen nicht ein
einzelnes ,stck herausziehen wollen4
,die ungerechte ,gesinnung steckt in
den ,seelen der ,nicht-,besitzenden
auch1 sie sind nicht besser als die
,besitzenden und haben kein moralisches
,vorrecht1 denn irgend wann sind ihre
,vorfahren ,besitzende gewesen4 ,nicht
gewaltsame neue ,vertheilungen1 sondern
allmhliche ,umschaffungen des ,sinnes
thun noth1 die ,gerechtigkeit muss in
,allen grsser werden1 der gewaltthtige
,instinct schwcher4 #dec4 ,der
,steuermann der ,leidenschaften4 - ,der
,staatsmann erzeugt ffentliche
,leidenschaften1 um den ,gewinn von der
dadurch erweckten ,gegenleidenschaft zu
haben4 ,um ein ,beispiel zu nehmen3 so
weiss ein deutscher ,staatsmann wohl1
dass die katholische ,kirche niemals mit
,russland gleiche ,plne haben wird1 ja
sich viel lieber mit den ,trken
verbnden wrde1 als mit ihm2 ebenso weiss
er1 dass ,deutschland alle ,gefahr von
einem ,bndnisse ,frankreichs mit
,russland droht4 ,kann er es nun dazu
bringen1 ,frankreich zum ,herd und ,hort
der katholischen ,kirche zu machen1 so
hat er diese ,gefahr auf eine lange
,zeit beseitigt4 ,er hat demnach ein
,interesse daran1 ,hass gegen die
,katholiken zu zeigen und durch
,feindseligkeiten aller ,art die
,bekenner der ,autoritt des ,papstes in
eine leidenschaftliche politische
,macht zu verwandeln1 welche der
deutschen ,politik feindlich ist und
sich naturgemss mit ,frankreich1 als
dem ,widersacher ,deutschlands1
verschmelzen muss3 sein ,ziel ist
ebenso nothwendig die ,katholisirung
,frankreichs1 als ,mirabeau in der
,dekatholisirung das ,heil seines
,vaterlandes sah4 - ,der eine ,staat
will also die ,verdunkelung von
,millionen ,kpfen eines anderen
,staates1 um seinen ,vortheil aus dieser
,verdunkelung zu ziehen4 ,es ist diess
die selbe ,gesinnung1 welche die
republicanische ,regierungsform des
nachbarlichen ,staates - le dsordre
organis1 wie ,mrimee sagt - aus dem
alleinigen ,grunde untersttzt1 weil sie
von dieser annimmt1 dass sie das ,volk
schwcher1 zerrissener und kriegsunfhiger
mache4 #ded4 ,die ,gefhrlichen
unter den ,umsturz-,geistern4 - ,man
theile ,die1 welche auf einen ,umsturz
der ,gesellschaft bedacht sind1 in
,solche ein1 welche fr sich selbst1 und
in ,solche1 welche fr ihre ,kinder und
,enkel ,etwas erreichen wollen4 ,die
,letzteren sind die ,gefhrlicheren2 denn
sie haben den ,glauben und das gute
,gewissen der ,uneigenntzigkeit4 ,die
,anderen kann man abspeisen3 dazu ist
die herrschende ,gesellschaft immer
noch reich und klug genug4 ,die ,gefahr
beginnt1 sobald die ,ziele unpersnlich
werden2 die ,revolutionre aus
unpersnlichem ,interesse drfen alle
,vertheidiger des ,bestehenden als
persnlich interessirt ansehen und sich
desshalb ihnen berlegen fhlen4
#dee4 ,politischer ,werth der
,vaterschaft4 - ,wenn der ,mensch keine
,shne hat1 so hat er kein volles
,recht1 ber die ,bedrfnisse eines
einzelnen ,staatswesens mitzureden4
,man muss selber mit den ,anderen sein
,liebstes daran gewagt haben2 das erst
bindet an den ,staat fest2 man muss das
,glck seiner ,nachkommen in's ,auge
fassen1 also vor ,allem ,nachkommen
haben1 um an allen ,institutionen und
deren ,vernderung rechten1 natrlichen
,antheil zu nehmen4 ,die ,entwickelung
der hhern ,moral hngt daran1 dass
,einer ,shne hat2 diess stimmt ihn
unegoistisch1 oder richtiger3 es
erweitert seinen ,egoismus der
,zeitdauer nach1 und lsst ihn ,ziele
ber seine individuelle ,lebenslnge
hinaus mit ,ernst verfolgen4 #def4
,ahnenstolz4 - ,auf eine
ununterbrochene ,reihe guter ,ahnen bis
zum ,vater herauf darf man mit ,recht
stolz sein1 - nicht aber auf die ,reihe2
denn diese hat jeder4 ,die ,herkunft
von guten ,ahnen macht den chten
,geburtsadel aus2 eine einzige
,unterbrechung in jener ,kette1 ,ein
bser ,vorfahr also hebt den ,geburtsadel
auf4 ,man soll jeden1 welcher von
seinem ,adel redet1 fragen3 hast du
keinen gewaltthtigen1 habschtigen1
ausschweifenden1 boshaften1 grausamen
,menschen unter deinen ,vorfahren8
,kann er darauf in gutem ,wissen und
,gewissen mit ,nein antworten1 so
bewerbe man sich um seine ,freundschaft4
#deg4 ,sclaven und ,arbeiter4 -
,dass wir mehr ,werth auf ,befriedigung
der ,eitelkeit1 als auf alles brige
,wohlbefinden 7,sicherheit1
,unterkommen1 ,vergngen aller ,art7
legen1 zeigt sich in einem lcherlichen
,grade daran1 dass jedermann 7abgesehen
von politischen ,grnden7 die
,aufhebung der ,sclaverei wnscht und es
auf's ,aergste verabscheut1 ,menschen
in diese ,lage zu bringen3 whrend jeder
sich sagen muss1 dass die ,sclaven in
allen ,beziehungen sicherer und
glcklicher leben1 als der moderne
,arbeiter1 dass ,sclavenarbeit sehr
wenig ,arbeit im ,verhltniss zu der des
,arbeiters ist4 ,man protestirt im
,namen der ,menschenwrde3 das ist aber1
schlichter ausgedrckt1 jene liebe
,eitelkeit1 welche das
,nicht-gleich-gestelltsein1 das
,oeffentlich-niedriger-geschtzt-werden1
als das hrteste ,loos empfindet4 - ,der
,cyniker denkt anders darber1 weil er
die ,ehre verachtet3 - und so war
,diogenes eine ,zeitlang ,sclave und
,hauslehrer4 #deh4 ,leitende
,geister und ihre ,werkzeuge4 - ,wir
sehen grosse ,staatsmnner und berhaupt
alle ,die1 welche sich vieler ,menschen
zur ,durchfhrung ihrer ,plne bedienen
mssen1 bald so1 bald so verfahren3
entweder whlen sie sehr fein und
sorgsam die zu ihren ,plnen passenden
,menschen aus und lassen ihnen dann
verhltnissmssige grosse ,freiheit1 weil
sie wissen1 dass die ,natur dieser
,ausgewhlten sie eben dahin treibt1
wohin sie selber ,jene haben wollen2
oder sie whlen schlecht1 ja nehmen was
ihnen unter die ,hand kommt1 formen aber
aus jedem ,thone etwas fr ihre ,zwecke
,taugliches4 ,diese letzte ,art ist
die gewaltsamere1 sie begehrt auch
unterwrfigere ,werkzeuge2 ihre
,menschenkenntniss ist gewhnlich viel
geringer1 ihre ,menschenverachtung
grsser1 als bei den erstgenannten
,geistern1 aber die ,maschine1 welche
sie construiren1 arbeitet gemeinhin
besser1 als die ,maschine aus der
,werksttte jener4 #dei4
,willkrliches ,recht nothwendig4 - ,die
,juristen streiten1 ob das am
vollstndigsten durchgedachte ,recht oder
das am leichtesten zu verstehende in
einem ,volke zum ,siege kommen solle4
,das erste1 dessen hchstes ,muster das
rmische ist1 erscheint dem ,laien als
unverstndlich und desshalb nicht als
,ausdruck seiner ,rechtsempfindung4
,die ,volksrechte1 wie zum ,beispiel die
germanischen1 waren grob1
aberglubisch1 unlogisch1 zum ,theil
albern1 aber sie entsprachen ganz
bestimmten vererbten heimischen ,sitten
und ,empfindungen4 - ,wo aber ,recht
nicht mehr1 wie bei uns1 ,herkommen ist1
da kann es nur befohlen1 ,zwang sein2
wir haben ,alle kein herkmmliches
,rechtsgefhl mehr1 desshalb mssen wir
uns ,willkrsrechte gefallen lassen1 die
der ,ausdruck der ,nothwendigkeit sind1
dass es ein ,recht geben msse4 ,das
logischste ist dann jedenfalls das
annehmbarste1 weil es das
unparteilichste ist3 zugegeben selbst1
dass in jedem ,falle die kleinste
,maasseinheit im ,verhltniss von
,vergehen und ,strafe willkrlich
angesetzt ist4 #dfj4 ,der grosse
,mann der ,masse4 - ,das ,recept zu
dem1 was die ,masse einen grossen ,mann
nennt1 ist leicht gegeben4 ,unter allen
,umstnden verschaffe man ihr ,etwas1
das ihr sehr angenehm ist1 oder setze
ihr erst in den ,kopf1 dass diess und
jenes sehr angenehm wre1 und gebe es
ihr dann4 ,doch um keinen ,preis sofort3
sondern man erkmpfe es mit grsster
,anstrengung oder scheine es zu
erkmpfen4 ,die ,masse muss den
,eindruck haben1 dass eine mchtige1 ja
unbezwingliche ,willenskraft da sei2
mindestens muss sie da zu sein scheinen4
,den starken ,willen bewundert
jedermann1 weil ,niemand ihn hat und
,jedermann sich sagt1 dass1 wenn er ihn
htte1 es fr ihn und seinen ,egoismus
keine ,grnze mehr gbe4 ,zeigt sich nun1
dass ein solcher starker ,wille etwas
der ,masse sehr ,angenehmes bewirkt1
statt auf die ,wnsche seiner
,begehrlichkeit zu hren1 so bewundert
man noch einmal und wnscht sich selber
,glck4 ,im ,uebrigen habe er alle
,eigenschaften der ,masse3 um so
weniger schmt sie sich vor ihm1 um so
mehr ist er populr4 ,also3 er sei
gewaltthtig1 neidisch1 ausbeuterisch1
intrigant1 schmeichlerisch1 kriechend1
aufgeblasen1 je nach ,umstnden alles4
#dfa4 ,frst und ,gott4 - ,die
,menschen verkehren mit ihren ,frsten
vielfach in hnlicher ,weise wie mit
ihrem ,gotte1 wie ja vielfach auch der
,frst der ,reprsentant des ,gottes1
mindestens sein ,oberpriester war4
,diese fast unheimliche ,stimmung von
,verehrung und ,angst und ,scham war und
ist viel schwcher geworden1 aber
mitunter lodert sie auf und heftet sich
an mchtige ,personen1 berhaupt4 ,der
,cultus des ,genius' ist ein ,nachklang
dieser ,gtter-,frsten-,verehrung4
,ueberall1 wo man sich bestrebt1
einzelne ,menschen in das
,uebermenschliche hinaufzuheben1
entsteht auch die ,neigung1 ganze
,schichten des ,volkes sich roher und
niedriger vorzustellen1 als sie wirklich
sind4 #dfb4 ,meine ,utopie4 -
,in einer besseren ,ordnung der
,gesellschaft wird die schwere ,arbeit
und ,noth des ,lebens ,dem zuzumessen
sein1 welcher am wenigsten durch sie
leidet1 also dem ,stumpfesten1 und so
schrittweise aufwrts bis zu ,dem1
welcher fr die hchsten sublimirtesten
,gattungen des ,leidens am
empfindlichsten ist und desshalb selbst
noch bei der grssten ,erleichterung des
,lebens leidet4 #dfc4 ,ein
,wahn in der ,lehre vom ,umsturz4 - ,es
giebt politische und sociale
,phantasten1 welche feurig und beredt zu
einem ,umsturz aller ,ordnungen
auffordern1 in dem ,glauben1 dass dann
sofort das stolzeste ,tempelhaus schnen
,menschenthums gleichsam von selbst
sich erheben werde4 ,in diesen
gefhrlichen ,trumen klingt noch der
,aberglaube ,rousseau's nach1 welcher
an eine wundergleiche1 ursprngliche1
aber gleichsam verschttete ,gte der
menschlichen ,natur glaubt und den
,institutionen der ,cultur1 in
,gesellschaft1 ,staat1 ,erziehung1 alle
,schuld jener ,verschttung beimisst4
,leider weiss man aus historischen
,erfahrungen1 dass jeder solche
,umsturz die wildesten ,energien als die
lngst begrabenen ,furchtbarkeiten und
,maasslosigkeiten fernster ,zeitalter
von ,neuem zur ,auferstehung bringt3
dass also ein ,umsturz wohl eine
,kraftquelle in einer mattgewordenen
,menschheit sein kann1 nimmermehr aber
ein ,ordner1 ,baumeister1 ,knstler1
,vollender der menschlichen ,natur4 -
,nicht ,voltaire's maassvolle1 dem
,ordnen1 ,reinigen und ,umbauen
zugeneigte ,natur1 sondern ,rousseau's
leidenschaftliche ,thorheiten und
,halblgen haben den optimistischen
,geist der ,revolution wachgerufen1
gegen den ich rufe3 ,ecrasez l'infame6
,durch ihn ist der ,geist der
,aufklrung und der fortschreitenden
,entwickelung auf lange verscheucht
worden - sehen wir zu - ein ,jeder bei
sich selber - ob es mglich ist1 ihn
wieder zurckzurufen6 #dfd4
,maass4 - ,die volle ,entschiedenheit
des ,denkens und ,forschens1 also die
,freigeisterei1 zur ,eigenschaft des
,charakters geworden1 macht im ,handeln
mssig3 denn sie schwcht die
,begehrlichkeit1 zieht viel von der
vorhandenen ,energie an sich1 zur
,frderung geistiger ,zwecke1 und zeigt
das ,halbntzliche oder ,unntze und
,gefhrliche aller pltzlichen
,vernderungen4 #dfe4
,auferstehung des ,geistes4 - ,auf dem
politischen ,krankenbette verjngt ein
,volk gewhnlich sich selbst und findet
seinen ,geist wieder1 den es im ,suchen
und ,behaupten der ,macht allmhlich
verlor4 ,die ,cultur verdankt das
,allerhchste den politisch geschwchten
,zeiten4 #dff4 ,neue ,meinungen
im alten ,hause4 - ,dem ,umsturz der
,meinungen folgt der ,umsturz der
,institutionen nicht sofort nach1
vielmehr wohnen die neuen ,meinungen
lange ,zeit im verdeten und unheimlich
gewordenen ,hause ihrer ,vorgngerinnen
und conserviren es selbst1 aus
,wohnungsnoth4 #dfg4
,schulwesen4 - ,das ,schulwesen wird in
grossen ,staaten immer hchstens
mittelmssig sein1 aus dem selben
,grunde1 aus dem in grossen ,kchen
besten ,falls mittelmssig gekocht wird4
#dfh4 ,unschuldige ,corruption4 - ,in
allen ,instituten1 in welche nicht die
scharfe ,luft der ffentlichen ,kritik
hineinweht1 wchst eine unschuldige
,corruption auf1 wie ein ,pilz 7also zum
,beispiel in gelehrten ,krperschaften
und ,senaten74 #dfi4 ,gelehrte
als ,politiker4 - ,gelehrten1 welche
,politiker werden1 wird gewhnlich die
komische ,rolle zugetheilt1 das gute
,gewissen einer ,politik sein zu mssen4
#dgj4 ,der ,wolf hinter dem
,schafe versteckt4 - ,fast jeder
,politiker hat unter gewissen ,umstnden
einmal einen ehrlichen ,mann so nthig1
dass er1 gleich einem heisshungrigen
,wolfe1 in einen ,schafstall bricht3
nicht aber um dann den geraubten
,widder zu fressen1 sondern um sich
hinter seinen wolligen ,rcken zu
verstecken4 #dga4 ,glckszeiten4
- ,ein glckliches ,zeitalter ist
desshalb gar nicht mglich1 weil die
,menschen es nur wnschen wollen1 aber
nicht haben wollen und jeder ,einzelne1
wenn ihm gute ,tage kommen1 frmlich um
,unruhe und ,elend beten lernt4 ,das
,schicksal der ,menschen ist auf
glckliche ,augenblicke eingerichtet -
jedes ,leben hat solche -1 aber nicht
auf glckliche ,zeiten4 ,trotzdem werden
diese als das jenseits der ,berge in
der ,phantasie des ,menschen bestehen
bleiben1 als ,erbstck der ,urvter2 denn
man hat wohl den ,begriff des
,glckszeitalters seit uralten ,zeiten
her jenem ,zustande entnommen1 in dem
der ,mensch1 nach gewaltiger
,anstrengung durch ,jagd und ,krieg1
sich der ,ruhe bergiebt1 die ,glieder
streckt und die ,fittige des ,schlafes
um sich rauschen hrt4 ,es ist ein
falscher ,schluss1 wenn der ,mensch
jener alten ,gewhnung gemss sich
vorstellt1 dass er nun auch nach ganzen
,zeitrumen der ,noth und ,mhsal eines
,zustandes des ,glcks in entsprechender
,steigerung und ,dauer theilhaftig
werden knne4 #dgb4 ,religion und
,regierung4 - ,solange der ,staat oder1
deutlicher1 die ,regierung sich als
,vormund zu ,gunsten einer unmndigen
,menge bestellt weiss und um
ihretwillen die ,frage erwgt1 ob die
,religion zu erhalten oder zu
beseitigen sei3 wird sie hchst
wahrscheinlich sich immer fr die
,erhaltung der ,religion entscheiden4
,denn die ,religion befriedigt das
einzelne ,gemth in ,zeiten des
,verlustes1 der ,entbehrung1 des
,schreckens1 des ,misstrauens1 also da1
wo die ,regierung sich ausser ,stande
fhlt1 direct ,etwas zur ,linderung der
seelischen ,leiden des ,privatmannes zu
thun3 ja selbst bei allgemeinen1
unvermeidlichen und zunchst
unabwendbaren ,uebeln 7,hungersnthen1
,geldkrisen1 ,kriegen7 gewhrt die
,religion eine beruhigte1 abwartende1
vertrauende ,haltung der ,menge4
,ueberall1 wo die nothwendigen oder
zuflligen ,mngel der ,staatsregierung
oder die gefhrlichen ,consequenzen
dynastischer ,interessen dem
,einsichtigen sich bemerklich machen und
ihn widerspnstig stimmen1 werden die
,nicht-,einsichtigen den ,finger ,gottes
zu sehen meinen und sich in ,geduld
den ,anordnungen von ,oben 7in welchem
,begriff gttliche und menschliche
,regierungsweise gewhnlich
verschmelzen7 unterwerfen3 so wird der
innere brgerliche ,frieden und die
,continuitt der ,entwickelung gewahrt4
,die ,macht1 welche in der ,einheit der
,volksempfindung1 in gleichen
,meinungen und ,zielen fr ,alle1 liegt1
wird durch die ,religion beschtzt und
besiegelt1 jene seltenen ,flle
abgerechnet1 wo eine ,priesterschaft mit
der ,staatsgewalt sich ber den ,preis
nicht einigen kann und in ,kampf tritt4
,fr gewhnlich wird der ,staat sich die
,priester zu gewinnen wissen1 weil er
ihrer allerprivatesten1 verborgenen
,erziehung der ,seelen benthigt ist und
,diener zu schtzen weiss1 welche
scheinbar und usserlich ein ganz
anderes ,interesse vertreten4 ,ohne
,beihlfe der ,priester kann auch jetzt
noch keine ,macht legitim werden3 wie
,napoleon begriff4 - ,so gehen absolute
vormundschaftliche ,regierung und
sorgsame ,erhaltung der ,religion
nothwendig mit einander4 ,dabei ist
vorauszusetzen1 dass die regierenden
,personen und ,classen ber den ,nutzen1
welchen ihnen die ,religion gewhrt1
aufgeklrt werden und somit bis zu einem
,grade sich ihr berlegen fhlen1
insofern sie dieselbe als ,mittel
gebrauchen3 wesshalb hier die
,freigeisterei ihren ,ursprung hat4 -
,wie aber1 wenn jene ganz verschiedene
,auffassung des ,begriffes der
,regierung1 wie sie in demokratischen
,staaten gelehrt wird1 durchzudringen
anfngt8 ,wenn man in ihr ,nichts als das
,werkzeug des ,volkswillen sieht1 kein
,oben im ,vergleich zu einem ,unten1
sondern lediglich eine ,function des
alleinigen ,souverains1 des ,volkes8
,hier kann auch nur die selbe
,stellung1 welche das ,volk zur
,religion einnimmt1 von der ,regierung
eingenommen werden2 jede ,verbreitung
von ,aufklrung wird bis in ihre
,vertreter hineinklingen mssen1 eine
,benutzung und ,ausbeutung der religisen
,triebkrfte und ,trstungen zu
staatlichen ,zwecken wird nicht so
leicht mglich sein 7es sei denn1 dass
mchtige ,parteifhrer zeitweilig einen
,einfluss ben1 welcher dem des
aufgeklrten ,despotismus hnlich sieht74
,wenn aber der ,staat keinen ,nutzen
mehr aus der ,religion selber ziehen
darf oder das ,volk viel zu mannichfach
ber religise ,dinge denkt1 als dass es
der ,regierung ein gleichartiges1
einheitliches ,vorgehen bei religisen
,maassregeln gestatten drfte1 - so wird
nothwendig sich der ,ausweg zeigen1 die
,religion als ,privatsache zu behandeln
und dem ,gewissen und der ,gewohnheit
jedes ,einzelnen zu berantworten4 ,die
,folge ist zu allererst diese1 dass das
religise ,empfinden verstrkt erscheint1
insofern versteckte und unterdrckte
,regungen desselben1 welchen der ,staat
unwillkrlich oder absichtlich keine
,lebensluft gnnte1 jetzt hervorbrechen
und bis in's ,extreme ausschweifen2
spter erweist sich1 dass die ,religion
von ,secten berwuchert wird und dass
eine ,flle von ,drachenzhnen in dem
,augenblicke gest worden ist1 als man
die ,religion zur ,privatsache machte4
,der ,anblick des ,streites1 die
feindselige ,bloslegung aller ,schwchen
religiser ,bekenntnisse lsst endlich
keinen ,ausweg mehr zu1 als dass jeder
,bessere und ,begabtere die
,irreligiositt zu seiner ,privatsache
macht3 als welche ,gesinnung nun auch
in dem ,geiste der regierenden ,personen
die ,ueberhand bekommt und1 fast wider
ihren ,willen1 ihren ,maassregeln einen
religionsfeindlichen ,charakter giebt4
,sobald diess eintritt1 wandelt sich
die ,stimmung der noch religis bewegten
,menschen1 welche frher den ,staat als
etwas ,halb- oder ,ganzheiliges
adorirten1 in eine entschieden
staatsfeindliche um2 sie lauern den
,maassregeln der ,regierung auf1 suchen
zu hemmen1 zu kreuzen1 zu beunruhigen1
so viel sie knnen1 und treiben dadurch
die ,gegenpartei1 die irreligise1 durch
die ,hitze ihres ,widerspruchs in eine
fast fanatische ,begeisterung fr den
,staat hinein2 wobei im ,stillen noch
mitwirkt1 dass in diesen ,kreisen die
,gemther seit der ,trennung von der
,religion eine ,leere spren und sich
vorlufig durch die ,hingebung an den
,staat einen ,ersatz1 eine ,art von
,ausfllung zu schaffen suchen4 ,nach
diesen1 vielleicht lange dauernden
,uebergangskmpfen entscheidet es sich
endlich1 ob die religisen ,parteien noch
stark genug sind1 um einen alten
,zustand heraufzubringen und das ,rad
zurckzudrehen3 in welchem ,falle
unvermeidlich der aufgeklrte
,despotismus 7vielleicht weniger
aufgeklrt und ngstlicher1 als frher7 den
,staat in die ,hnde bekommt1 - oder ob
die religionslosen ,parteien sich
durchsetzen und die ,fortpflanzung
ihrer ,gegnerschaft1 einige
,generationen hindurch1 etwa durch
,schule und ,erziehung1 untergraben und
endlich unmglich machen4 ,dann aber
lsst auch bei ihnen jene ,begeisterung
fr den ,staat nach3 immer deutlicher
tritt hervor1 dass mit jener religisen
,adoration1 fr welche er ein ,mysterium1
eine berweltliche ,stiftung ist1 auch
das ehrfrchtige und piettvolle
,verhltniss zu ihm erschttert ist4
,frderhin sehen die ,einzelnen immer nur
die ,seite an ihm1 wo er ihnen ntzlich
oder schdlich werden kann1 und drngen
sich mit allen ,mitteln heran1 um
,einfluss auf ihn zu bekommen4 ,aber
diese ,concurrenz wird bald zu gross1
die ,menschen und ,parteien wechseln zu
schnell1 strzen sich gegenseitig zu wild
vom ,berge wieder herab1 nachdem sie
kaum oben angelangt sind4 ,es fehlt
allen ,maassregeln1 welche von einer
,regierung durchgesetzt werden1 die
,brgschaft ihrer ,dauer2 man scheut vor
,unternehmungen zurck1 welche auf
,jahrzehnte1 ,jahrhunderte hinaus ein
stilles ,wachsthum haben mssten1 um
reife ,frchte zu zeitigen4 ,niemand
fhlt eine andere ,verpflichtung gegen
ein ,gesetz mehr1 als die1 sich
augenblicklich der ,gewalt1 welche ein
,gesetz einbrachte1 zu beugen3 sofort
geht man aber daran1 es durch eine neue
,gewalt1 eine neu zu bildende ,majoritt
zu unterminiren4 ,zuletzt - man kann
es mit ,sicherheit aussprechen - muss
das ,misstrauen gegen alles
,regierende1 die ,einsicht in das
,nutzlose und ,aufreibende dieser
kurzathmigen ,kmpfe die ,menschen zu
einem ganz neuen ,entschlusse drngen3
zur ,abschaffung des ,staatsbegriffs1
zur ,aufhebung des ,gegensatzes privat
und ffentlich4 ,die
,privatgesellschaften ziehen ,schritt
vor ,schritt die ,staatsgeschfte in sich
hinein3 selbst der zheste ,rest1
welcher von der alten ,arbeit des
,regierens brigbleibt 7jene ,thtigkeit
zum ,beispiel welche die ,privaten gegen
die ,privaten sicher stellen soll71
wird zu allerletzt einmal durch
,privatunternehmer besorgt werden4 ,die
,missachtung1 der ,verfall und der ,tod
des ,staates1 die ,entfesselung der
,privatperson 7ich hte mich zu sagen3
des ,individuums7 ist die ,consequenz
des demokratischen ,staatsbegriffes2
hier liegt seine ,mission4 ,hat er seine
,aufgabe erfllt - die wie alles
,menschliche viel ,vernunft und
,unvernunft im ,schoosse trgt -1 sind
alle ,rckflle der alten ,krankheit
berwunden1 so wird ein neues ,blatt im
,fabelbuche der ,menschheit entrollt1
auf dem man allerlei seltsame
,historien und vielleicht auch einiges
,gute lesen wird4 - ,um das ,gesagte
noch einmal kurz zu sagen3 das
,interesse der vormundschaftlichen
,regierung und das ,interesse der
,religion gehen mit einander ,hand in
,hand1 so dass1 wenn letztere
abzusterben beginnt1 auch die
,grundlage des ,staates erschttert wird4
,der ,glaube an eine gttliche ,ordnung
der politischen ,dinge1 an ein
,mysterium in der ,existenz des
,staates ist religisen ,ursprungs3
schwindet die ,religion1 so wird der
,staat unvermeidlich seinen alten
,isisschleier verlieren und keine
,ehrfurcht mehr erwecken4 ,die
,souvernitt des ,volkes1 in der ,nhe
gesehen1 dient dazu1 auch den letzten
,zauber und ,aberglauben auf dem
,gebiete dieser ,empfindungen zu
verscheuchen2 die moderne ,demokratie
ist die historische ,form vom ,verfall
des ,staates4 - ,die ,aussicht1 welche
sich durch diesen sichern ,verfall
ergiebt1 ist aber nicht in jedem
,betracht eine unglckselige3 die
,klugheit und der ,eigennutz der
,menschen sind von allen ihren
,eigenschaften am besten ausgebildet2
wenn den ,anforderungen dieser ,krfte
der ,staat nicht mehr entspricht1 so
wird am wenigsten das ,chaos eintreten1
sondern eine noch zweckmssigere
,erfindung1 als der ,staat es war1 zum
,siege ber den ,staat kommen4 ,wie
manche organisirende ,gewalt hat die
,menschheit schon absterben sehen1 - zum
,beispiel die der
,geschlechtsgenossenschaft1 als welche
,jahrtausende lang viel mchtiger war1
als die ,gewalt der ,familie1 ja lngst1
bevor diese bestand1 schon waltete und
ordnete4 ,wir selber sehen den
bedeutenden ,rechts- und ,machtgedanken
der ,familie1 welcher einmal1 so weit
wie rmisches ,wesen reichte1 die
,herrschaft besass1 immer blasser und
ohnmchtiger werden4 ,so wird ein
spteres ,geschlecht auch den ,staat in
einzelnen ,strecken der ,erde
bedeutungslos werden sehen1 - eine
,vorstellung1 an welche viele ,menschen
der ,gegenwart kaum ohne ,angst und
,abscheu denken knnen4 ,an der
,verbreitung und ,verwirklichung dieser
,vorstellung zu arbeiten1 ist freilich
ein ander ,ding3 man muss sehr
anmaassend von seiner ,vernunft denken
und die ,geschichte kaum halb verstehen1
um schon jetzt die ,hand an den ,pflug
zu legen1 - whrend noch ,niemand die
,samenkrner aufzeigen kann1 welche auf
das zerrissene ,erdreich nachher
gestreut werden sollen4 ,vertrauen wir
also der ,klugheit und dem ,eigennutz
der ,menschen1 dass jetzt noch der
,staat eine gute ,weile bestehen bleibt
und zerstrerische ,versuche bereifriger
und voreiliger ,halbwisser abgewiesen
werden6 #dgc4 ,der ,socialismus
in ,hinsicht auf seine ,mittel4 - ,der
,socialismus ist der phantastische
jngere ,bruder des fast abgelebten
,despotismus1 den er beerben will2
seine ,bestrebungen sind also im
tiefsten ,verstande reactionr4 ,denn er
begehrt eine ,flle der ,staatsgewalt1
wie sie nur je der ,despotismus gehabt
hat1 ja er berbietet alles ,vergangene
dadurch1 dass er die frmliche
,vernichtung des ,individuums anstrebt3
als welches ihm wie ein unberechtigter
,luxus der ,natur vorkommt und durch
ihn in ein zweckmssiges ,organ des
,gemeinwesens umgebessert werden soll4
,seiner ,verwandtschaft wegen erscheint
er immer in der ,nhe aller excessiven
,machtentfaltungen1 wie der alte
typische ,socialist ,plato am ,hofe des
sicilischen ,tyrannen2 er wnscht 7und
befrdert unter ,umstnden7 den csarischen
,gewaltstaat dieses ,jahrhunderts1
weil er1 wie gesagt1 sein ,erbe werden
mchte4 ,aber selbst diese ,erbschaft
wrde fr seine ,zwecke nicht ausreichen1
er braucht die allerunterthnigste
,niederwerfung aller ,brger vor dem
unbedingten ,staate1 wie niemals etwas
,gleiches existirt hat2 und da er nicht
einmal auf die alte religise ,piett fr
den ,staat mehr rechnen darf1 vielmehr
an deren ,beseitigung unwillkrlich
fortwhrend arbeiten muss - nmlich weil
er an der ,beseitigung aller bestehenden
,staaten arbeitet -1 so kann er sich
nur auf kurze ,zeiten1 durch den
ussersten ,terrorismus1 hie und da
einmal auf ,existenz ,hoffnung machen4
,desshalb bereitet er sich im ,stillen
zu ,schreckensherrschaften vor und
treibt den halb gebildeten ,massen das
,wort ,gerechtigkeit wie einen ,nagel in
den ,kopf1 um sie ihres ,verstandes
vllig zu berauben 7nachdem dieser
,verstand schon durch die ,halbbildung
sehr gelitten hat7 und ihnen fr das bse
,spiel1 das sie spielen sollen1 ein
gutes ,gewissen zu schaffen4 - ,der
,socialismus kann dazu dienen1 die
,gefahr aller ,anhufungen von
,staatsgewalt recht brutal und
eindringlich zu lehren und insofern vor
dem ,staate selbst ,misstrauen
einzuflssen4 ,wenn seine rauhe ,stimme
in das ,feldgeschrei so viel ,staat wie
mglich einfllt1 so wird dieses zunchst
dadurch lrmender1 als je3 aber bald
dringt auch das entgegengesetzte mit um
so grsserer ,kraft hervor3 so wenig
,staat wie mglich4 #dgd4 ,die
,entwickelung des ,geistes1 vom ,staate
gefrchtet4 - ,die griechische ,polis
war1 wie jede organisirende politische
,macht1 ausschliessend und misstrauisch
gegen das ,wachsthum der ,bildung1 ihr
gewaltiger ,grundtrieb zeigte sich fast
nur lhmend und hemmend fr dieselbe4
,sie wollte keine ,geschichte1 kein
,werden in der ,bildung gelten lassen2
die in dem ,staatsgesetz festgestellte
,erziehung sollte alle ,generationen
verpflichten und auf ,einer ,stufe
festhalten4 ,nicht anders wollte es
spter auch noch ,plato fr seinen idealen
,staat4 ,trotz der ,polis entwickelte
sich also die ,bildung3 indirect
freilich und wider ,willen half sie
mit1 weil die ,ehrsucht des ,einzelnen
in der ,polis auf's ,hchste angereizt
wurde1 so dass er1 einmal auf die ,bahn
geistiger ,ausbildung gerathen1 auch in
ihr bis in's letzte ,extrem fortgieng4
,dagegen soll man sich nicht auf die
,verherrlichungsrede des ,perikles
berufen3 denn sie ist nur ein grosses
optimistisches ,trugbild ber den
angeblich nothwendigen ,zusammenhang von
,polis und athenischer ,cultur2
,thukydides lsst sie1 unmittelbar bevor
die ,nacht ber ,athen kommt 7die ,pest
und der ,abbruch der ,tradition71 noch
einmal wie eine verklrende ,abendrthe
aufleuchten1 bei der man den schlimmen
,tag vergessen soll1 der ihr
vorangieng4 #dge4 ,der
europische ,mensch und die ,vernichtung
der ,nationen4 - ,der ,handel und die
,industrie1 der ,bcher- und
,briefverkehr1 die ,gemeinsamkeit aller
hheren ,cultur1 das schnelle ,wechseln
von ,ort und ,landschaft1 das jetzige
,nomadenleben aller
,nicht-,landbesitzer1 - diese ,umstnde
bringen nothwendig eine ,schwchung und
zuletzt eine ,vernichtung der
,nationen1 mindestens der europischen1
mit sich3 so dass aus ihnen allen1 in
,folge fortwhrender ,kreuzungen1 eine
,mischrasse1 die des europischen
,menschen1 entstehen muss4 ,diesem
,ziele wirkt jetzt bewusst oder
unbewusst die ,abschliessung der
,nationen durch ,erzeugung nationaler
,feindseligkeiten entgegen1 aber langsam
geht der ,gang jener ,mischung dennoch
vorwrts1 trotz jener zeitweiligen
,gegenstrmungen3 dieser knstliche
,nationalismus ist brigens so gefhrlich
wie der knstliche ,katholicismus es
gewesen ist1 denn er ist in seinem
,wesen ein gewaltsamer ,noth- und
,belagerungszustand1 welcher von
,wenigen ber ,viele verhngt ist1 und
braucht ,list1 ,lge und ,gewalt1 um sich
in ,ansehen zu halten4 ,nicht das
,interesse der ,vielen 7der ,vlker71
wie man wohl sagt1 sondern vor ,allem
das ,interesse bestimmter
,frstendynastien1 sodann das bestimmter
,classen des ,handels und der
,gesellschaft1 treibt zu diesem
,nationalismus2 hat man diess einmal
erkannt1 so soll man sich nur ungescheut
als guten ,europer ausgeben und durch
die ,that an der ,verschmelzung der
,nationen arbeiten3 wobei die
,deutschen durch ihre alte bewhrte
,eigenschaft1 ,dolmetscher und
,vermittler der ,vlker zusein1
mitzuhelfen vermgen4 - ,beilufig3 das
ganze ,problem der ,juden ist nur
innerhalb der nationalen ,staaten
vorhanden1 insofern hier berall ihre
,thatkrftigkeit und hhere ,intelligenz1
ihr in langer ,leidensschule von
,geschlecht zu ,geschlecht angehuftes
,geist- und ,willens-,capital1 in einem
neid- und hasserweckenden ,maasse zum
,uebergewicht kommen muss1 so dass die
litterarische ,unart fast in allen
jetzigen ,nationen berhand nimmt - und
zwar je mehr diese sich wieder national
gebrden -1 die ,juden als ,sndenbcke
aller mglichen ffentlichen und inneren
,uebelstnde zur ,schlachtbank zu fhren4
,sobald es sich nicht mehr um
,conservirung von ,nationen1 sondern um
die ,erzeugung einer mglichst krftigen
europischen ,mischrasse handelt1 ist der
,jude als ,ingredienz ebenso brauchbar
und erwnscht1 als irgend ein anderer
nationaler ,rest4 ,unangenehme1 ja
gefhrliche ,eigenschaften hat jede
,nation1 jeder ,mensch2 es ist grausam1
zu verlangen1 dass der ,jude eine
,ausnahme machen soll4 ,jene
,eigenschaften mgen sogar bei ihm in
besonderem ,maasse gefhrlich und
abschreckend sein2 und vielleicht ist
der jugendliche ,brsen-,jude die
widerlichste ,erfindung des
,menschengeschlechtes berhaupt4
,trotzdem mchte ich wissen1 wie viel
man bei einer ,gesammtabrechnung einem
,volke nachsehen muss1 welches1 nicht
ohne unser ,aller ,schuld1 die
leidvollste ,geschichte unter allen
,vlkern gehabt hat und dem man den
edelsten ,menschen 7,christus71 den
reinsten ,weisen 7,spinoza71 das
mchtigste ,buch und das wirkungsvollste
,sittengesetz der ,welt verdankt4
,ueberdiess3 in den dunkelsten ,zeiten
des ,mittelalters1 als sich die
asiatische ,wolkenschicht schwer ber
,europa gelagert hatte1 waren es jdische
,freidenker1 ,gelehrte und ,aerzte1
welche das ,banner der ,aufklrung und
der geistigen ,unabhngigkeit unter dem
hrtesten persnlichen ,zwange festhielten
und ,europa gegen ,asien
vertheidigten2 ihren ,bemhungen ist es
nicht am wenigsten zu danken1 dass eine
natrlichere1 vernunftgemssere und
jedenfalls unmythische ,erklrung der
,welt endlich wieder zum ,siege kommen
konnte und dass der ,ring der ,cultur1
welcher uns jetzt mit der ,aufklrung
des griechisch-rmischen ,alterthums
zusammenknpft1 unzerbrochen blieb4
,wenn das ,christenthum ,alles gethan
hat1 um den ,occident zu
orientalisiren1 so hat das judenthum
wesentlich mit dabei geholfen1 ihn
immer wieder zu occidentalisiren3 was in
einem bestimmten ,sinne so viel heisst
als ,europa's ,aufgabe und ,geschichte
zu einer ,fortsetzung der griechischen
zumachen4 #dgf4 ,scheinbare
,ueberlegenheit des ,mittelalters4 -
,das ,mittelalter zeigt in der ,kirche
ein ,institut mit einem ganz
universalen1 die gesammte ,menschheit
in sich begreifenden ,ziele1 noch dazu
einem solchen1 welches den -
vermeintlich - hchsten ,interessen
derselben galt3 dagegen gesehen1 machen
die ,ziele der ,staaten und ,nationen1
welche die neuere ,geschichte zeigt1
einen beklemmenden ,eindruck2 sie
erscheinen kleinlich1 niedrig1
materiell1 rumlich beschrnkt4 ,aber
dieser verschiedene ,eindruck auf die
,phantasie soll unser ,urtheil ja nicht
bestimmen2 denn jenes universale
,institut entsprach erknstelten1 auf
,fictionen beruhenden ,bedrfnissen1
welche es1 wo sie noch nicht vorhanden
waren1 erst erzeugen musste 7,bedrfniss
der ,erlsung72 die neuen ,institute
helfen wirklichen ,nothzustnden ab2 und
die ,zeit kommt1 wo ,institute
entstehen1 um den gemeinsamen wahren
,bedrfnissen aller ,menschen zu dienen
und das phantastische ,urbild1 die
katholische ,kirche1 in ,schatten und
,vergessenheit zu stellen4 #dgg4
,der ,krieg unentbehrlich4 - ,es ist
eitel ,schwrmerei und ,schnseelenthum1
von der ,menschheit noch viel 7oder gar3
erst recht viel7 zu erwarten1 wenn sie
verlernt hat1 ,kriege zu fhren4
,einstweilen kennen wir keine anderen
,mittel1 wodurch mattwerdenden ,vlkern
jene rauhe ,energie des ,feldlagers1
jener tiefe unpersnliche ,hass1 jene
,mrder-,kaltbltigkeit mit gutem
,gewissen1 jene gemeinsame
organisirende ,gluth in der ,vernichtung
des ,feindes1 jene stolze
,gleichgltigkeit gegen grosse ,verluste1
gegen das eigene ,dasein und das der
,befreundeten1 jenes dumpfe
erdbebenhafte ,erschttern der ,seele
ebenso stark und sicher mitgetheilt
werden knnte1 wie diess jeder grosse
,krieg thut3 von den hier
hervorbrechenden ,bchen und ,strmen1
welche freilich ,steine und ,unrath
aller ,art mit sich wlzen und die
,wiesen zarter ,culturen zu ,grunde
richten1 werden nachher unter gnstigen
,umstnden die ,rderwerke in den
,werksttten des ,geistes mit neuer
,kraft umgedreht4 ,die ,cultur kann die
,leidenschaften1 ,laster und ,bosheiten
durchaus nicht entbehren4 - ,als die
kaiserlich gewordenen ,rmer der ,kriege
etwas mde wurden1 versuchten sie aus
,thierhetzen1 ,gladiatorenkmpfen und
,christenverfolgungen sich neue ,kraft
zu gewinnen4 ,die jetzigen ,englnder1
welche im ,ganzen auch dem ,kriege
abgesagt zu haben scheinen1 ergreifen
ein anderes ,mittel1 um jene
entschwindenden ,krfte neu zu erzeugen3
jene gefhrlichen ,entdeckungsreisen1
,durchschiffungen1 ,erkletterungen1 zu
wissenschaftlichen ,zwecken1 wie es
heisst1 unternommen1 in ,wahrheit1 um
berschssige ,kraft aus ,abenteuern und
,gefahren aller ,art mit nach ,hause zu
bringen4 ,man wird noch vielerlei
solche ,surrogate des ,krieges
ausfindig machen1 aber vielleicht durch
sie immer mehr einsehen1 dass eine
solche hoch cultivirte und daher
nothwendig matte ,menschheit1 wie die
der jetzigen ,europer1 nicht nur der
,kriege1 sondern der grssten und
furchtbarsten ,kriege - also
zeitweiliger ,rckflle in die ,barbarei
- bedarf1 um nicht an den ,mitteln der
,cultur ihre ,cultur und ihr ,dasein
selber einzubssen4 #dgh4 ,fleiss
im ,sden und ,norden4 - ,der ,fleiss
entsteht auf zwei ganz verschiedene
,arten4 ,die ,handwerker im ,sden werden
fleissig1 nicht aus ,erwerbstrieb1
sondern aus der bestndigen ,bedrftigkeit
der ,anderen4 ,weil immer ,einer
kommt1 der ein ,pferd beschlagen1 einen
,wagen ausbessern lassen will1 so ist
der ,schmied fleissig4 ,kme ,niemand1 so
wrde er auf dem ,markte herumlungern4
,sich zu ernhren1 das hat in einem
fruchtbaren ,lande wenig ,noth1 dazu
brauchte er nur ein sehr geringes
,maass von ,arbeit1 jedenfalls keinen
,fleiss2 schliesslich wrde er betteln
und zufrieden sein4 - ,der ,fleiss
englischer ,arbeiter hat dagegen den
,erwerbssinn hinter sich3 er ist sich
seiner selbst und seiner ,ziele bewusst
und will mit dem ,besitz die ,macht1
mit der ,macht die grsstmgliche
,freiheit und individuelle ,vornehmheit4
#dgi4 ,reichthum als ,ursprung
eines ,gebltsadels4 - ,der ,reichthum
erzeugt nothwendig eine ,aristokratie
der ,rasse1 denn er gestattet die
schnsten ,weiber zu whlen1 die besten
,lehrer zu besolden1 er gnnt dem
,menschen ,reinlichkeit1 ,zeit zu
krperlichen ,uebungen und vor ,allem
,abwendung von verdumpfender krperlicher
,arbeit4 ,soweit verschafft er alle
,bedingungen1 um1 in einigen
,generationen1 die ,menschen vornehm
und schn sich bewegen1 ja selbst handeln
zu machen3 die grssere ,freiheit des
,gemthes1 die ,abwesenheit des
,erbrmlich-,kleinen1 der ,erniedrigung
vor ,brodgebern1 der
,pfennig-,sparsamkeit4 - ,gerade diese
negativen ,eigenschaften sind das
reichste ,angebinde des ,glckes fr
einen jungen ,menschen2 ein ganz ,armer
richtet sich gewhnlich durch
,vornehmheit der ,gesinnung zu ,grunde1
er kommt nicht vorwrts und erwirbt
,nichts1 seine ,rasse ist nicht
lebensfhig4 - ,dabei ist aber zu
bedenken1 dass der ,reichthum fast die
gleichen ,wirkungen ausbt1 wenn ,einer
dreihundert ,thaler oder dreissigtausend
jhrlich verbrauchen darf3 es giebt
nachher keine wesentliche ,progression
der begnstigenden ,umstnde mehr4 ,aber
weniger zu haben1 als ,knabe zu betteln
und sich zu erniedrigen1 ist furchtbar3
obwohl fr ,solche1 welche ihr ,glck im
,glanze der ,hfe1 in der ,unterordnung
unter ,mchtige und ,einflussreiche
suchen oder welche ,kirchenhupter werden
wollen1 es der rechte ,ausgangspunct
sein mag4 7- ,es lehrt1 gebckt sich in
die ,hhlengnge der ,gunst
einzuschleichen47 #dhj4 ,neid
und ,trgheit in verschiedener ,richtung4
- ,die beiden gegnerischen ,parteien1
die socialistische und die nationale -
oder wie die ,namen in den
verschiedenen ,lndern ,europa's lauten
mgen - sind einander wrdig3 ,neid und
,faulheit sind die bewegenden ,mchte in
ihnen beiden4 ,in jenem ,heerlager will
man so wenig als mglich mit den ,hnden
arbeiten1 in diesem so wenig als mglich
mit dem ,kopf2 in letzterem hasst und
neidet man die hervorragenden1 aus sich
wachsenden ,einzelnen1 welche sich
nicht gutwillig in ,reih und ,glied zum
,zwecke einer ,massenwirkung stellen
lassen2 in ersterem die bessere1
usserlich gnstiger gestellte ,kaste der
,gesellschaft1 deren eigentliche
,aufgabe1 die ,erzeugung der hchsten
,culturgter1 das ,leben innerlich um so
viel schwerer und schmerzensreicher
macht4 ,gelingt es freilich1 jenen
,geist der ,massenwirkung zum ,geiste
der hheren ,classen der ,gesellschaft
zu machen1 so sind die socialistischen
,schaaren ganz im ,rechte1 wenn sie
auch usserlich zwischen sich und jenen
zu nivelliren suchen1 da sie ja
innerlich1 in ,kopf und ,herz1 schon mit
einander nivellirt sind4 - ,lebt als
hhere ,menschen und thut immerfort die
,thaten der hheren ,cultur1 - so gesteht
euch ,alles1 was da lebt1 euer ,recht
zu1 und die ,ordnung der ,gesellschaft1
deren ,spitze ihr seid1 ist gegen jeden
bsen ,blick und ,griff gefeit6
#dha4 ,grosse ,politik und ihre
,einbussen4 - ,ebenso wie ein ,volk die
grssten ,einbussen1 welche ,krieg und
,kriegsbereitschaft mit sich bringen1
nicht durch die ,unkosten des ,krieges1
die ,stauungen im ,handel und ,wandel
erleidet1 ebenso nicht durch die
,unterhaltung der stehenden ,heere - so
gross diese ,einbussen auch jetzt sein
mgen1 wo acht ,staaten ,europa's
jhrlich die ,summe von zwei bis drei
,milliarden darauf verwenden -1 sondern
dadurch1 dass ,jahr aus ,jahr ein die
tchtigsten1 krftigsten1 arbeitsamsten
,mnner in ausserordentlicher ,anzahl
ihren eigentlichen ,beschftigungen und
,berufen entzogen werden1 um ,soldaten
zu sein3 ebenso erleidet ein ,volk1
welches sich anschickt1 grosse ,politik
zu treiben und unter den mchtigsten
,staaten sich eine entscheidende
,stimme zu sichern1 seine grssten
,einbussen nicht darin1 worin man sie
gewhnlich findet4 ,es ist wahr1 dass es
von diesem ,zeitpuncte ab fortwhrend
eine ,menge der hervorragendsten
,talente auf dem ,altar des
,vaterlandes oder der nationalen
,ehrsucht opfert1 whrend frher diesen
,talenten1 welche jetzt die ,politik
verschlingt1 andere ,wirkungskreise
offen standen4 ,aber abseits von diesen
ffentlichen ,hekatomben1 und im ,grunde
viel grauenhafter als diese1 begiebt
sich ein ,schauspiel1 welches fortwhrend
in hunderttausend ,acten gleichzeitig
sich abspielt3 jeder tchtige1
arbeitsame1 geistvolle1 strebende
,mensch eines solchen nach politischen
,ruhmeskrnzen lsternen ,volkes wird von
dieser ,lsternheit beherrscht und gehrt
seiner eigenen ,sache nicht mehr1 wie
frher1 vllig an3 die tglich neuen
,fragen und ,sorgen des ffentlichen
,wohles verschlingen eine tgliche
,abgabe von dem ,kopf- und
,herz-,capitale jedes ,brgers3 die
,summe all dieser ,opfer und ,einbussen
an individueller ,energie und ,arbeit
ist so ungeheuer1 dass das politische
,aufblhen eines ,volkes eine geistige
,verarmung und ,ermattung1 eine
geringere ,leistungsfhigkeit zu
,werken1 welche grosse ,concentration
und ,einseitigkeit verlangen1 fast mit
,nothwendigkeit nach sich zieht4
,zuletzt darf man fragen3 lohnt sich
denn all diese ,blthe und ,pracht des
,ganzen 7welche ja doch nur als ,furcht
der anderen ,staaten vor dem neuen
,coloss und als dem ,auslande
abgerungene ,begnstigung der nationalen
,handels- und ,verkehrs-,wohlfahrt zu
,tage tritt71 wenn dieser groben und
buntschillernden ,blume der ,nation alle
die edleren1 zarteren1 geistigeren
,pflanzen und ,gewchse1 an welchen ihr
,boden bisher so reich war1 zum ,opfer
gebracht werden mssen8 #dhb4
,und nochmals gesagt4 - ,oeffentliche
,meinungen - private ,faulheiten4
,neuntes ,hauptstck4 ,der ,mensch mit
sich allein4 #dhc4 ,feinde der
,wahrheit4 - ,ueberzeugungen sind
gefhrlichere ,feinde der ,wahrheit1 als
,lgen4 #dhd4 ,verkehrte ,welt4
- ,man kritisirt einen ,denker schrfer1
wenn er einen uns unangenehmen ,satz
hinstellt2 und doch wre es vemnftiger1
diess zu thun1 wenn sein ,satz uns
angenehm ist4 #dhe4
,charaktervoll4 - ,charaktervoll
erscheint ein ,mensch weit hufiger1
weil er immer seinem ,temperamente1 als
weil er immer seinen ,principien folgt4
#dhf4 ,das ,eine1 was ,noth
thut4 - ,eins muss man haben3 entweder
einen von ,natur leichten ,sinn oder
einen durch ,kunst und ,wissen
erleichterten ,sinn4 #dhg4 ,die
,leidenschaft fr ,sachen4 - ,wer seine
,leidenschaft auf ,sachen
7,wissenschaften1 ,staatswohl1
,culturinteressen1 ,knste7 richtet1
entzieht seiner ,leidenschaft fr
,personen viel ,feuer 7selbst wenn sie
,vertreter jener ,sachen sind1 wie
,staatsmnner1 ,philosophen1 ,knstler
,vertreter ihrer ,schpfungen sind74
#dhh4 ,die ,ruhe in der ,that4 - ,wie
ein ,wasserfall im ,sturz langsamer und
schwebender wird1 so pflegt der grosse
,mensch der ,that mit mehr ,ruhe zu
handeln1 als seine strmische ,begierde
vor der ,that es erwarten liess4
#dhi4 ,nicht zu tief4 - ,personen1
welche eine ,sache in aller ,tiefe
erfassen1 bleiben ihr selten auf immer
treu4 ,sie haben eben die ,tiefe an's
,licht gebracht3 da giebt es immer viel
,schlimmes zu sehen4 #dij4
,wahn der ,idealisten4 - ,alle
,idealisten bilden sich ein1 die
,sachen1 welchen sie dienen1 seien
wesentlich besser1 als die anderen
,sachen in der ,welt1 und wollen nicht
glauben1 dass wenn ihre ,sache berhaupt
gedeihen soll1 sie genau des selben bel
riechenden ,dngers bedarf1 welchen alle
anderen menschlichen ,unternehmungen
nthig haben4 #dia4
,selbstbeobachtung4 - ,der ,mensch ist
gegen sich selbst1 gegen
,auskundschaftung und ,belagerung durch
sich selber1 sehr gut vertheidigt1 er
vermag gewhnlich nicht mehr von sich1
als seine ,aussenwerke wahrzunehmen4
,die eigentliche ,festung ist ihm
unzugnglich1 selbst unsichtbar1 es sei
denn1 dass ,freunde und ,feinde die
,verrther machen und ihn selber auf
geheimem ,wege hineinfhren4 #dib4
,der richtige ,beruf4 - ,mnner halten
selten einen ,beruf aus1 von dem sie
nicht glauben oder sich einreden1 er sei
im ,grunde wichtiger1 als alle
anderen4 ,ebenso geht es ,frauen mit
ihren ,liebhabern4 #dic4 ,adel
der ,gesinnung4 - ,der ,adel der
,gesinnung besteht zu einem grossen
,teil aus ,gutmthigkeit und ,mangel an
,misstrauen1 und enthlt also gerade
,das1 worber sich die gewinnschtigen und
erfolgreichen ,menschen so gerne mit
,ueberlegenheit und ,spott ergehen4
#did4 ,ziel und ,wege4 - ,viele sind
hartnckig in ,bezug auf den einmal
eingeschlagenen ,weg1 ,wenige in ,bezug
auf das ,ziel4 #die4 ,das
,emprende an einer individuellen
,lebensart4 - ,alle sehr individuellen
,maassregeln des ,lebens bringen die
,menschen gegen ,den1 der sie ergreift1
auf2 sie fhlen sich durch die
aussergewhnliche ,behandlung1 welche
jener sich angedeihen lsst1 erniedrigt1
als gewhnliche ,wesen4 #dif4
,vorrecht der ,grsse4 - ,es ist das
,vorrecht der ,grsse1 mit geringen
,gaben hoch zu beglcken4 #dig4
,unwillkrlich vornehm4 - ,der ,mensch
betrgt sich unwillkrlich vornehm1 wenn
er sich gewhnt hat1 von den ,menschen
,nichts zu wollen und ihnen immer zu
geben4 #dih4 ,bedingung des
,heroenthums4 - ,wenn ,einer zum ,helden
werden will1 so muss die ,schlange
vorher zum ,drachen geworden sein1 sonst
fehlt ihm sein rechter ,feind4
#dii4 ,freund4 - ,mit ,freude1 nicht
,mitleiden1 macht den ,freund4
#ejj4 ,ebbe und ,fluth zu benutzen4 -
,man muss zum ,zwecke der ,erkenntniss
jene innere ,strmung zu benutzen
wissen1 welche uns zu einer ,sache
hinzieht und wiederum jene1 welche uns
nach einer ,zeit von der ,sache
fortzieht4 #eja4 ,freude an
sich4- ,freude an der ,sache so sagt
man3 aber in ,wahrheit1 ist es ,freude
an sich vermittelst einer ,sache4
#ejb4 ,der ,bescheidene4 - ,wer gegen
,personen bescheiden ist1 zeigt gegen
,sachen 7,stadt1 ,staat1 ,gesellschaft1
,zeit1 ,menschheit7 um so strker seine
,anmaassung4 ,das ist seine ,rache4
#ejc4 ,neid und ,eifersucht4 - ,neid
und ,eifersucht sind die ,schamtheile
der menschlichen ,seele4 ,die
,vergleichung kann vielleicht
fortgesetzt werden4 #ejd4 ,der
vornehmste ,heuchler4 - ,gar nicht von
sich zu reden1 ist eine sehr vornehme
,heuchelei4 #eje4 ,verdruss4 -
,der ,verdruss ist eine krperliche
,krankheit1 welche keineswegs dadurch
schon gehoben ist1 dass die
,veranlassung zum ,verdruss hinterdrein
beseitigt wird4 #ejf4
,vertreter der ,wahrheit4 - ,nicht wenn
es gefhrlich ist1 die ,wahrheit zu
sagen1 findet sie am seltensten
,vertreter1 sondern wenn es langweilig
ist4 #ejg4 ,beschwerlicher noch1
als ,feinde4 - ,die ,personen1 von
deren sympathischem ,verhalten wir
nicht unter allen ,umstnden berzeugt
sind1 whrend uns irgend ein ,grund
7z4,b4 ,dankbarkeit7 verpflichtet1 den
,anschein der unbedingten ,sympathie
unsererseits aufrecht zu erhalten1
qulen unsere ,phantasie viel mehr1 als
unsere ,feinde4 #ejh4 ,die freie
,natur4 - ,wir sind so gern in der
freien ,natur1 weil diese keine
,meinung ber uns hat4 #eji4
,jeder in ,einer ,sache berlegen4 - ,in
civilisirten ,verhltnissen fhlt sich
,jeder jedem ,anderen in ,einer ,sache
wenigstens berlegen3 darauf beruht das
allgemeine ,wohlwollen1 insofern ,jeder
einer ist1 der unter ,umstnden helfen
kann und desshalb sich ohne ,scham
helfen lassen darf4 #eaj4
,trostgrnde4 - ,bei einem ,todesfall
braucht man zumeist ,trostgrnde1 nicht
sowohl um die ,gewalt des ,schmerzes zu
lindern1 als um zu entschuldigen1 dass
man sich so leicht getrstet fhlt4
#eaa4 ,die ,ueberzeugungstreuen4 -
,wer viel zu thun hat1 behlt seine
allgemeinen ,ansichten und ,standpuncte
fast unverndert bei4 ,ebenso jeder1 der
im ,dienst einer ,idee arbeitet3 er
wird die ,idee selber nie mehr prfen1
dazu hat er keine ,zeit mehr2 ja es geht
gegen sein ,interesse1 sie berhaupt
noch fr discutirbar zu halten4
#eab4 ,moralitt und ,quantitt4 - ,die
hhere ,moralitt des einen ,menschen1 im
,vergleich zu der eines anderen1 liegt
oft nur darin1 dass die ,ziele
quantitativ grsser sind4 ,jenen zieht
die ,beschftigung mit dem ,kleinen1 im
engen ,kreise1 nieder4 #eac4
,das ,leben als ,ertrag des ,lebens4 -
,der ,mensch mag sich noch so weit mit
seiner ,erkenntniss ausrecken1 sich
selber noch so objectiv vorkommen3
zuletzt trgt er doch ,nichts davon1 als
seine eigene ,biographie4 #ead4
,die eherne ,nothwendigkeit4 - ,die
eherne ,nothwendigkeit ist ein ,ding1
von dem die ,menschen im ,verlauf der
,geschichte einsehen1 dass es weder
ehern noch nothwendig ist4 #eae4
,aus der ,erfahrung4 - ,die ,unvernunft
einer ,sache ist kein ,grund gegen ihr
,dasein1 vielmehr eine ,bedingung
desselben4 #eaf4 ,wahrheit4 -
,niemand stirbt jetzt an tdtlichen
,wahrheiten3 es giebt zu viele
,gegengifte4 #eag4
,grundeinsicht4 - ,es giebt keine
prstabilirte ,harmonie zwischen der
,frderung der ,wahrheit und dem ,wohle
der ,menschheit4 #eah4
,menschenloos4 - ,wer tiefer denkt1
weiss1 dass er immer ,unrecht hat1 er
mag handeln und urtheilen1 wie er will4
#eai4 ,wahrheit als ,circe4 - ,der
,irrthum hat aus ,thieren ,menschen
gemacht2 sollte die ,wahrheit im
,stande sein1 aus dem ,menschen wieder
ein ,thier zu machen8 #ebj4
,gefahr unserer ,cultur4 - ,wir gehren
einer ,zeit an1 deren ,cultur in
,gefahr ist1 an den ,mitteln der ,cultur
zu ,grunde zu gehen4 #eba4
,grsse heisst3 ,richtung-geben4 - ,kein
,strom ist durch sich selber gross und
reich3 sondern dass er so viele
,nebenflsse aufnimmt und fortfhrt1 das
macht ihn dazu4 ,so steht es auch mit
allen ,grssen des ,geistes4 ,nur darauf
kommt es an1 dass ,einer die ,richtung
angiebt1 welcher dann so viele ,zuflsse
folgen mssen2 nicht darauf1 ob er von
,anbeginn arm oder reich begabt ist4
#ebb4 ,schwaches ,gewissen4 -
,menschen1 welche von ihrer ,bedeutung
fr die ,menschheit sprechen1 haben in
,bezug auf gemeine brgerliche
,rechtlichkeit im ,halten von ,vertrgen1
,versprechungen1 ein schwaches
,gewissen4 #ebc4 ,geliebt sein
wollen4 - ,die ,forderung1 geliebt zu
werden1 ist die grsste der
,anmaassungen4 #ebd4
,menschenverachtung4 - ,das
unzweideutigste ,anzeichen von einer
,geringschtzung der ,menschen ist diess1
dass man ,jedermann nur als ,mittel zu
seinem ,zwecke oder gar nicht gelten
lsst4 #ebe4 ,anhnger aus
,widerspruch4 - ,wer die ,menschen zur
,raserei gegen sich gebracht hat1 hat
sich immer auch eine ,partei zu seinen
,gunsten erworben4 #ebf4
,erlebnisse vergessen4 - ,wer viel
denkt1 und zwar sachlich denkt1
vergisst leicht seine eigenen
,erlebnisse1 aber nicht so die
,gedanken1 welche durch jene
hervorgerufen wurden4 #ebg4
,festhalten einer ,meinung4 - ,der ,eine
hlt eine ,meinung fest1 weil er sich
,etwas darauf einbildet1 von selbst auf
sie gekommen zu sein1 der ,andere1 weil
er sie mit ,mhe gelernt hat und stolz
darauf ist1 sie begriffen zu haben3
,beide also aus ,eitelkeit4 #ebh4
,das ,licht scheuen4 - ,die gute ,that
scheut ebenso ngstlich das ,licht1 als
die bse ,that3 diese frchtet1 durch das
,bekanntwerden komme der ,schmerz 7als
,strafe71 jene frchtet1 durch das
,bekanntwerden schwinde die ,lust 7jene
reine ,lust an sich selbst nmlich1
welche sofort aufhrt1 sobald eine
,befriedigung der ,eitelkeit
hinzutritt74 #ebi4 ,die ,lnge
des ,tages4 - ,wenn man viel
hineinzustecken hat1 so hat ein ,tag
hundert ,taschen4 #ecj4
,tyrannengenie4 - ,wenn in der ,seele
eine unbezwingliche ,lust dazu rege
ist1 sich tyrannisch durchzusetzen1 und
das ,feuer bestndig unterhlt1 so wird
selbst eine geringe ,begabung 7bei
,politikern1 ,knstlern7 allmhlich zu
einer fast unwiderstehlichen
,naturgewalt4 #eca4 ,das ,leben
des ,feindes4 - ,wer davon lebt1 einen
,feind zu bekmpfen1 hat ein ,interesse
daran1 dass er am ,leben bleibt4
#ecb4 ,wichtiger4 - ,man nimmt die
unerklrte dunkle ,sache wichtiger1 als
die erklrte helle4 #ecc4
,abschtzung erwiesener ,dienste4 -
,dienstleistungen1 die uns jemand
erweist1 schtzen wir nach dem ,werthe1
den ,jener darauf legt1 nicht nach dem1
welchen sie fr uns haben4 #ecd4
,unglck4 - ,die ,auszeichnung1 welche im
,unglck liegt 7als ob es ein ,zeichen
von ,flachheit1 ,anspruchslosigkeit1
,gewhnlichkeit sei1 sich glcklich zu
fhlen71 ist so gross1 dass wenn ,jemand
,einem sagt3 ,aber wie glcklich ,sie
sind6 man gewhnlich protestirt4
#ece4 ,phantasie der ,angst4 - ,die
,phantasie der ,angst ist jener bse
ffische ,kobold1 der dem ,menschen
gerade dann noch auf den ,rcken springt1
wenn er schon am schwersten zu tragen
hat4 #ecf4 ,werth abgeschmackter
,gegner4 - ,man bleibt mitunter einer
,sache nur desshalb treu1 weil ihre
,gegner nicht aufhren1 abgeschmackt zu
sein4 #ecg4 ,werth eines
,berufes4 - ,ein ,beruf macht
gedankenlos2 darin liegt sein grsster
,segen4 ,denn er ist eine ,schutzwehr1
hinter welche man sich1 wenn ,bedenken
und ,sorgen allgemeiner ,art ,einen
anfallen1 erlaubtermaassen zurckziehen
kann4 #ech4 ,talent4 - ,das
,talent manches ,menschen erscheint
geringer als es ist1 weil er sich immer
zu grosse ,aufgaben gestellt hat4
#eci4 ,jugend4 - ,die ,jugend ist
unangenehm2 denn in ihr ist es nicht
mglich oder nicht vernnftig1 productiv
zu sein1 in irgend einem ,sinne4
#edj4 ,zugrosse ,ziele4 - ,wer sich
ffentlich grosse ,ziele stellt und
hinterdrein im ,geheimen einsieht1 dass
er dazu zu schwach ist1 hat gewhnlich
auch nicht ,kraft genug1 jene ,ziele
ffentlich zu widerrufen und wird dann
unvermeidlich zum ,heuchler4 #eda4
,im ,strome4 - ,starke ,wasser reissen
viel ,gestein und ,gestrpp mit sich
fort1 starke ,geister viel dumme und
verworrene ,kpfe4 #edb4
,gefahren der geistigen ,befreiung4 -
,bei der ernstlich gemeinten geistigen
,befreiung eines ,menschen hoffen im
,stillen auch seine ,leidenschaften und
,begierden ihren ,vortheil sich zu
ersehen4 #edc4 ,verkrperung des
,geistes4 - ,wenn ,einer viel und klug
denkt1 so bekommt nicht nur sein
,gesicht1 sondern auch sein ,krper ein
kluges ,aussehen4 #edd4
,schlecht sehen und schlecht hren4 -
,wer wenig sieht1 sieht immer weniger2
wer schlecht hrt1 hrt immer ,einiges
noch dazu4 #ede4 ,selbstgenuss
in der ,eitelkeit4 - ,der ,eitele will
nicht sowohl hervorragen1 als sich
hervorragend fhlen1 desshalb verschmht
er kein ,mittel des ,selbstbetruges und
der ,selbstberlistung4 ,nicht die
,meinung der ,anderen1 sondern seine
,meinung von ,deren ,meinung liegt ihm
am ,herzen4 #edf4
,ausnahmsweise eitel4 - ,der fr
gewhnlich ,selbstgengsame ist
ausnahmsweise eitel und fr ,ruhm- und
,lobsprche empfnglich1 wenn er
krperlich krank ist4 ,in dem ,maasse1 in
welchem er sich verliert1 muss er sich
aus fremder ,meinung1 von ,aussen her1
wieder zu gewinnen suchen4 #edg4
,die ,geistreichen4 - ,der hat keinen
,geist1 welcher den ,geist sucht4
#edh4 ,wink fr ,parteihupter4 - ,wenn
man die ,leute dazu treiben kann1 sich
ffentlich fr ,etwas zu erklren1 so hat
man sie meistens auch dazu gebracht1
sich innerlich dafr zu erklren2 sie
wollen frderhin als consequent erfunden
werden4 #edi4 ,verachtung4 -
,die ,verachtung durch ,andere ist dem
,menschen empfindlicher1 als die durch
sich selbst4 #eej4 ,schnur der
,dankbarkeit4 - ,es giebt sclavische
,seelen1 welche die ,erkenntlichkeit fr
erwiesene ,wohlthaten so weit treiben1
dass sie sich mit der ,schnur der
,dankbarkeit selbst erdrosseln4
#eea4 ,kunstgriff des ,propheten4 -
,um die ,handlungsweise gewhnlicher
,menschen im ,voraus zu errathen1 muss
man annehmen1 dass sie immer den
mindesten ,aufwand an ,geist machen1 um
sich aus einer unangenehmen ,lage zu
befreien4 #eeb4 ,das einzige
,menschenrecht4 - ,wer vom ,herkmmlichen
abweicht1 ist das ,opfer des
,aussergewhnlichen2 wer im ,herkmmlichen
bleibt1 ist der ,sclave desselben4 ,zu
,grunde gerichtet wird man auf jeden
,fall4 #eec4 ,unter das ,thier
hinab4 - ,wenn der ,mensch vor ,lachen
wiehert1 bertrifft er alle ,thiere
durch seine ,gemeinheit4 #eed4
,halbwissen4 - ,der1 welcher eine fremde
,sprache wenig spricht1 hat mehr
,freude daran1 als ,der1 welcher sie gut
spricht4 ,das ,vergngen ist bei den
,halbwissenden4 #eee4
,gefhrliche ,hlfbereitschaft4 - ,es
giebt ,leute1 welche das ,leben den
,menschen erschweren wollen1 aus keinem
andern ,grunde1 als um ihnen
hinterdrein ihre ,recepte zur
,erleichterung des ,lebens1 zum
,beispiel ihr ,christenthum1
anzubieten4 #eef4 ,fleiss und
,gewissenhaftigkeit4 - ,fleiss und
,gewissenhaftigkeit sind oftmals
dadurch ,antagonisten1 dass der ,fleiss
die ,frchte sauer vom ,baume nehmen
will1 die ,gewissenhaftigkeit sie aber
zu lange hngen lsst1 bis sie
herabfallen und sich zerschlagen4
#eeg4 ,verdchtigen4 - ,menschen1
welche man nicht leiden kann1 sucht man
sich zu verdchtigen4 #eeh4 ,die
,umstnde fehlen4 - ,viele ,menschen
warten ihr ,leben lang auf die
,gelegenheit1 auf ihre ,art gut zu sein4
#eei4 ,mangel an ,freunden4 -
,der ,mangel an ,freunden lsst auf ,neid
oder ,anmaassung schliessen4 ,mancher
verdankt seine ,freunde nur dem
glcklichen ,umstande1 dass er keinen
,anlass zum ,neide hat4 #efj4
,gefahr in der ,vielheit4 - ,mit einem
,talente mehr steht man oft unsicherer1
als mit einem weniger3 wie der ,tisch
besser auf drei1 als auf vier ,fssen
steht4 #efa4 ,den ,andern zum
,vorbild4 - ,wer ein gutes ,beispiel
geben will1 muss seiner ,tugend einen
,gran ,narrheit zusetzen3 dann ahmt man
nach und erhebt sich zugleich ber den
,nachgeahmten1 - was die ,menschen
lieben4 #efb4 ,zielscheibe sein4
- ,die bsen ,reden ,anderer ber uns
gelten oft nicht eigentlich uns1
sondern sind die ,aeusserungen eines
,aergers1 einer ,verstimmung aus ganz
anderen ,grnden4 #efc4 ,leicht
resignirt4 - ,man leidet wenig an
versagten ,wnschen1 wenn man seine
,phantasie gebt hat1 die ,vergangenheit
zu verhsslichen4 #efd4 ,in
,gefahr4 - ,man ist am ,meisten in
,gefahr1 berfahren zu werden1 wenn man
eben einem ,wagen ausgewichen ist4
#efe4 ,je nach der ,stimme die
,rolle4 - ,wer gezwungen ist1 lauter zu
reden1 als er gewohnt ist 7etwa vor
einem ,halb-,tauben oder vor einem
grossen ,auditorium71 bertreibt
gewhnlich die ,dinge1 welche er
mitzutheilen hat4 - ,mancher wird zum
,verschwrer1 bswilligen ,nachredner1
,intriguanten1 blos weil seine ,stimme
sich am besten zu einem ,geflster
eignet4 #eff4 ,liebe und ,hass4
- ,liebe und ,hass sind nicht blind1
aber geblendet vom ,feuer1 das sie
selber mit sich tragen4 #efg4
,mit ,vortheil angefeindet4 - ,menschen1
welche der ,welt ihre ,verdienste
nicht vllig deutlich machen knnen1
suchen sich eine starke ,feindschaft zu
erwecken4 ,sie haben dann den ,trost1
zu denken1 dass diese zwischen ihren
,verdiensten und deren ,anerkennung
stehe - und dass mancher ,andere das
,selbe vermuthe3 was sehr vortheilhaft
fr ihre ,geltung ist4 #efh4
,beichte4 - ,man vergisst seine ,schuld1
wenn man sie einem ,andern gebeichtet
hat1 aber gewhnlich vergisst der ,andere
sie nicht4 #efi4
,selbstgengsamkeit4 - ,das goldene
,vliess der ,selbstgengsamkeit schtzt
gegen ,prgel1 aber nicht gegen
,nadelstiche4 #egj4 ,schatten in
der ,flamme4 - ,die ,flamme ist sich
selber nicht so hell1 als den ,anderen1
denen sie leuchtet3 so auch der ,weise4
#ega4 ,eigene ,meinungen4 -
,die erste ,meinung1 welche uns einfllt1
wenn wir pltzlich ber eine ,sache
befragt werden1 ist gewhnlich nicht
unsere eigene1 sondern nur die
landlufige1 unserer ,kaste1 ,stellung1
,abkunft zugehrige2 die eigenen
,meinungen schwimmen selten oben auf4
#egb4 ,herkunft des ,muthes4 - ,der
gewhnliche ,mensch ist muthig und
unverwundbar wie ein ,held1 wenn er die
,gefahr nicht sieht1 fr sie keine
,augen hat4 ,umgekehrt3 der ,held hat
die einzig verwundbare ,stelle auf dem
,rcken1 also dort1 wo er keine ,augen
hat4 #egc4 ,gefahr im ,arzte4 -
,man muss fr seinen ,arzt geboren sein1
sonst geht man an seinem ,arzt zu
,grunde4 #egd4 ,wunderliche
,eitelkeit4 - ,wer dreimal mit
,dreistigkeit das ,wetter prophezeit
hat und ,erfolg hatte1 der glaubt im
,grunde seiner ,seele ein ,wenig an
seine ,prophetengabe4 ,wir lassen das
,wunderliche1 ,irrationelle gelten1
wenn es unserer ,selbstschtzung
schmeichelt4 #ege4 ,beruf4 -
,ein ,beruf ist das ,rckgrat des
,lebens4 #egf4 ,gefahr
persnlichen ,einflusses4 - ,wer fhlt1
dass er auf einen ,anderen einen
grossen innerlichen ,einfluss ausbt1
muss ihm ganz freie ,zgel lassen1 ja
gelegentliches ,widerstreben gern sehen
und selbst herbeifhren3 sonst wird er
unvermeidlich sich einen ,feind machen4
#egg4 ,den ,erben gelten lassen4 -
,wer etwas ,grosses in selbstloser
,gesinnung begrndet hat1 sorgt dafr1
sich ,erben zu erziehen4 ,es ist das
,zeichen einer tyrannischen und unedlen
,natur1 in allen mglichen ,erben seines
,werkes seine ,gegner zu sehen und
gegen sie im ,stande der ,nothwehr zu
leben4 #egh4 ,halbwissen4 - ,das
,halbwissen ist siegreicher1 als das
,ganzwissen3 es kennt die ,dinge
einfacher1 als sie sind1 und macht daher
seine ,meinung fasslicher und
berzeugender4 #egi4 ,nicht
geeignet zum ,parteimann4 - ,wer viel
denkt1 eignet sich nicht zum
,parteimann3 er denkt sich zu bald durch
die ,partei hindurch4 #ehj4
,schlechtes ,gedchtniss4 - ,der
,vortheil des schlechten ,gedchtnisses
ist1 dass man die selben guten ,dinge
mehrere ,male zum ,ersten ,male
geniesst4 #eha4 ,sich ,schmerzen
machen4 - ,rcksichtslosigkeit des
,denkens ist oft das ,zeichen einer
unfriedlichen inneren ,gesinnung1 welche
,betubung begehrt4 #ehb4
,mrtyrer4 - ,der ,jnger eines ,mrtyrers
leidet mehr1 als der ,mrtyrer4
#ehc4 ,rckstndige ,eitelkeit4 - ,die
,eitelkeit mancher ,menschen1 die es
nicht nthig htten1 eitel zu sein1 ist
die briggebliebene und gross gewachsene
,gewohnheit aus der ,zeit her1 wo sie
noch kein ,recht hatten1 an sich zu
glauben und diesen ,glauben erst von
,andern in kleiner ,mnze einbettelten4
#ehd4 ,punctum saliens der
,leidenschaft4 - ,wer im ,begriff ist1
in ,zorn oder in einen heftigen
,liebesaffect zu gerathen1 erreicht
einen ,punct1 wo die ,seele voll ist
wie ein ,gefss3 aber doch muss ein
,wassertropfen noch hinzukommen1 der
gute ,wille zur ,leidenschaft 7den man
gewhnlich auch den bsen nennt74 ,es ist
nur dieses ,pnctchen nthig1 dann luft
das ,gefss ber4 #ehe4 ,gedanke
des ,unmuthes4 - ,es ist mit den
,menschen wie mit den ,kohlenmeilern im
,walde4 ,erst wenn die jungen ,menschen
ausgeglht haben und verkohlt sind1
gleich jenen1 dann werden sie ntzlich4
,so lange sie dampfen und rauchen1 sind
sie vielleicht interessanter1 aber
unntz und gar zu hufig unbequem4 - ,die
,menschheit verwendet schonungslos
jeden ,einzelnen als ,material zum
,heizen ihrer grossen ,maschinen3 aber
wozu dann die ,maschinen1 wenn alle
,einzelnen 7das heisst die ,menschheit7
nur dazu ntzen1 sie zu unterhalten8
,maschinen1 die sich selbst ,zweck
sind1 - ist das die umana commedia8
#ehf4 ,vom ,stundenzeiger des
,lebens4 - ,das ,leben besteht aus
seltenen einzelnen ,momenten von
hchster ,bedeutsamkeit und unzhlig
vielen ,intervallen1 in denen uns
besten ,falls die ,schattenbilder jener
,momente umschweben4 ,die ,liebe1 der
,frhling1 jede schne ,melodie1 das
,gebirge1 der ,mond1 das ,meer - ,alles
redet nur einmal ganz zum ,herzen3 wenn
es berhaupt je ganz zu ,worte kommt4
,denn viele ,menschen haben jene
,momente gar nicht und sind selber
,intervalle und ,pausen in der
,symphonie des wirklichen ,lebens4
#ehg4 ,angreifen oder eingreifen4 -
,wir machen hufig den ,fehler1 eine
,richtung oder ,partei oder ,zeit
lebhaft anzufeinden1 weil wir zufllig
nur ihre verusserlichte ,seite1 ihre
,verkmmerung oder die ihnen nothwendig
anhaftenden ,fehler ihrer ,tugenden zu
sehen bekommen1 - vielleicht weil wir
selbst an diesen vornehmlich
theilgenommen haben4 ,dann wenden wir
ihnen den ,rcken und suchen eine
entgegengesetzte ,richtung2 aber das
,bessere wre1 die starken guten ,seiten
aufzusuchen oder an sich selber
auszubilden4 ,freilich gehrt ein
krftigerer ,blick und besserer ,wille
dazu1 das ,werdende und ,unvollkommene
zu frdern1 als es in seiner
,unvollkommenheit zu durchschauen und zu
verleugnen4 #ehh4
,bescheidenheit4 - ,es giebt wahre
,bescheidenheit 7das heisst die
,erkenntniss1 dass wir nicht unsere
eigenen ,werke sind72 und recht wohl
geziemt sie dem grossen ,geiste1 weil
gerade er den ,gedanken der vlligen
,unverantwortlichkeit 7auch fr das
,gute1 was er schafft7 fassen kann4
,die ,unbescheidenheit des ,grossen
hasst man nicht1 insofern er seine
,kraft fhlt1 sondern weil er seine
,kraft dadurch erst erfahren will1 dass
er die ,anderen verletzt1 herrisch
behandelt und zusieht1 wie weit sie es
aushalten4 ,gewhnlich beweist diess
sogar den ,mangel an sicherem ,gefhl
der ,kraft und macht somit die ,menschen
an seiner ,grsse zweifeln4 ,insofern
ist ,unbescheidenheit vom
,gesichtspuncte der ,klugheit aus sehr
zu widerrathen4 #ehi4 ,des
,tages erster ,gedanke4 - ,das beste
,mittel1 jeden ,tag gut zu beginnen1
ist3 beim ,erwachen daran zu denken1 ob
man nicht wenigstens einem ,menschen an
diesem ,tage eine ,freude machen knne4
,wenn diess als ein ,ersatz fr die
religise ,gewhnung des ,gebetes gelten
drfte1 so htten die ,mitmenschen einen
,vortheil bei dieser ,aenderung4
#eij4 ,anmaassung als letztes
,trostmittel4 - ,wenn man ein
,missgeschick1 seinen intellectuellen
,mangel1 seine ,krankheit sich so
zurecht legt1 dass man hierin sein
vorgezeichnetes ,schicksal1 seine
,prfung oder die geheimnissvolle
,strafe fr frher ,begangenes sieht1 so
macht man sich sein eigenes ,wesen
dadurch interessant und erhebt sich in
der ,vorstellung ber seine
,mitmenschen4 ,der stolze ,snder ist
eine bekannte ,figur in allen
kirchlichen ,secten4 #eia4
,vegetation des ,glckes4 - ,dicht neben
dem ,wehe der ,welt1 und oft auf seinem
vulcanischen ,boden1 hat der ,mensch
seine kleinen ,grten des ,glckes
angelegt2 ob man das ,leben mit dem
,blicke ,dessen betrachtet1 der vom
,dasein ,erkenntniss allein will1 oder
,dessen1 der sich ergiebt und
resignirt1 oder ,dessen1 der an der
berwundenen ,schwierigkeit sich freut1
- berall wird er etwas ,glck neben dem
,unheil aufgesprosst finden - und zwar
um so mehr ,glck1 je vulcanischer der
,boden war nur wre es lcherlich1 zu
sagen1 dass mit diesem ,glck das ,leiden
selbst gerechtfertigt sei4 #eib4
,die ,strasse der ,vorfahren4 - ,es ist
vernnftig1 wenn jemand das ,talent1 auf
welches sein ,vater oder ,grossvater
,mhe verwendet hat1 an sich selbst
weiter ausbildet und nicht zu etwas ganz
,neuem umschlgt2 er nimmt sich sonst
die ,mglichkeit1 zum ,vollkommenen in
irgend einem ,handwerk zu gelangen4
,desshalb sagt das ,sprchwort3 ,welche
,strasse sollst du reiten8 - die deiner
,vorfahren4 #eic4 ,eitelkeit
und ,ehrgeiz als ,erzieher4 - ,so lange
,einer noch nicht zum ,werkzeug des
allgemeinen menschlichen ,nutzens
geworden ist1 mag ihn der ,ehrgeiz
peinigen2 ist jenes ,ziel aber erreicht1
arbeitet er mit ,nothwendigkeit wie
eine ,maschine zum ,besten ,aller1 so
mag dann die ,eitelkeit kommen2 sie
wird ihn im ,kleinen vermenschlichen1
geselliger1 ertrglicher1 nachsichtiger
machen1 dann1 wenn der ,ehrgeiz die
grobe ,arbeit 7ihn ntzlich zu machen7
an ihm vollendet hat4 #eid4
,philosophische ,neulinge4 - ,hat man
die ,weisheit eines ,philosophen eben
eingenommen1 so geht man durch die
,strassen mit dem ,gefhle1 als sei man
umgeschaffen und ein grosser ,mann
geworden2 denn man findet lauter
,solche1 welche diese ,weisheit nicht
kennen1 hat also ber ,alles eine neue
unbekannte ,entscheidung vorzutragen3
weil man ein ,gesetzbuch anerkennt1
meint man jetzt auch sich als ,richter
gebrden zu mssen4 #eie4 ,durch
,missfallen gefallen4 - ,die ,menschen1
welche lieber auffallen und dabei
missfallen wollen1 begehren das ,selbe
wie ,die1 welche nicht auffallen und
gefallen wollen1 nur in einem viel
hheren ,grade und indirect1 vermittelst
einer ,stufe1 durch welche sie sich
scheinbar von ihrem ,ziele entfernen4
,sie wollen ,einfluss und ,macht1 und
zeigen desshalb ihre ,ueberlegenheit1
selbst so1 dass sie unangenehm empfunden
wird2 denn sie wissen1 dass ,der1
welcher endlich zur ,macht gelangt ist1
fast in ,allem was er thut und sagt1
gefllt1 und dass selbst1 wo er
missfllt1 er doch noch zu gefallen
scheint4 - ,auch der ,freigeist1 und
ebenso der ,glubige1 wollen ,macht1 um
durch sie einmal zu gefallen2 wenn
ihnen ihrer ,lehre wegen ein beles
,schicksal1 ,verfolgung1 ,kerker1
,hinrichtung1 droht1 so freuen sie sich
des ,gedankens1 dass ihre ,lehre auf
diese ,weise der ,menschheit eingeritzt
und eingebrannt wird2 sie nehmen es hin
als ein schmerzhaftes1 aber krftiges1
wenngleich spt wirkendes ,mittel1 um
doch noch zur ,macht zu gelangen4
#eif4 ,casus belli und ,aehnliches -
,der ,frst1 welcher zu dem gefassten
,entschlusse1 ,krieg mit dem ,nachbar zu
fhren1 einen casus belli ausfindig
macht1 gleicht dem ,vater1 der seinem
,kinde eine ,mutter unterschiebt1
welche frderhin als solche gelten soll4
,und sind nicht fast alle ffentlich
bekannt gemachten ,motive unserer
,handlungen solche untergeschobene
,mtter8 #eig4 ,leidenschaft und
,recht4 - ,niemand spricht
leidenschaftlicher von seinem ,rechte1
als ,der1 welcher im ,grunde seiner
,seele einen ,zweifel an seinem ,rechte
hat4 ,indem er die ,leidenschaft auf
seine ,seite zieht1 will er den
,verstand und dessen ,zweifel betuben3
so gewinnt er das gute ,gewissen und
mit ihm den ,erfolg bei den
,mitmenschen4 #eih4 ,kunstgriff
des ,entsagenden4 - ,wer gegen die ,ehe
protestirt nach ,art der katholischen
,priester wird diese nach ihrer
niedrigsten1 gemeinsten ,auffassung zu
verstehen suchen4 ,ebenso wer die ,ehre
bei den ,zeitgenossen von sich abweist1
wird deren ,begriff niedrig fassen2 so
erleichtert er sich die ,entbehrung und
den ,kampf dagegen4 ,uebrigens wird
,der1 welcher sich im ,ganzen viel
versagt1 sich im ,kleinen leicht
,indulgenz geben4 ,es wre mglich1 dass
,der1 welcher ber den ,beifall der
,zeitgenossen erhaben ist1 doch die
,befriedigung kleiner ,eitelkeiten sich
nicht versagen will4 #eii4
,lebensalter der ,anmaassung4 -
,zwischen dem sechsundzwanzigsten und
dreissigsten ,jahre liegt bei begabten
,menschen die eigentliche ,periode der
,anmaassung2 es ist die ,zeit der ersten
,reife1 mit einem starken ,rest von
,suerlichkeit4 ,man fordert auf ,grund
dessen1 was man in sich fhlt1 von
,mensen1 welche ,nichts oder wenig davon
sehen1 ,ehre und ,demthigung1 und rcht
sich1 weil diese zunchst ausbleiben1
durch jenen ,blick1 jene ,gebrde der
,anmaassung1 jenen ,ton der ,stimme1 die
ein feines ,ohr und ,auge an allen
,productionen jenes ,alters1 seien es
,gedichte1 ,philosophien1 oder ,bilder
und ,musik1 wiedererkennt4 ,aeltere
erfahrene ,mnner lcheln dazu und mit
,rhrung gedenken sie dieses schnen
,lebensalters1 in dem man bse ber das
,geschick ist1 so viel zu sein und so
wenig zu scheinen4 ,spter scheint man
wirklich mehr1 - aber man hat den guten
,glauben verloren1 viel zu sein3 man
bleibe denn zeitlebens ein
unverbesserlicher ,narr der ,eitelkeit4
#fjj4 ,trgerisch und doch haltbar4 -
,wie man1 um an einem ,abgrund
vorbeizugehen oder einen tiefen ,bach
auf einem ,balken zu berschreiten1
eines ,gelnders bedarf1 nicht um sich
daran festzuhalten1 - denn es wrde
sofort mit ,einem zusammenbrechen1
sondern um die ,vorstellung der
,sicherheit fr das ,auge zu erwecken1 -
so bedarf man als ,jngling solcher
,personen1 welche uns unbewusst den
,dienst jenes ,gelnders erweisen2 es ist
wahr1 sie wrden uns nicht helfen1 wenn
wir uns wirklich1 in grosser ,gefahr1
auf sie sttzen wollten1 aber sie geben
die beruhigende ,empfindung des
,schutzes in der ,nhe 7zum ,beispiel
,vter1 ,lehrer1 ,freunde1 wie sie1 alle
drei1 gewhnlich sind74 #fja4
,lieben lernen4 - ,man muss lieben
lernen1 gtig sein lernen1 und diess von
,jugend auf2 wenn ,erziehung und
,zufall uns keine ,gelegenheit zur
,uebung dieser ,empfindungen geben1 so
wird unsere ,seele trocken und selbst
zu einem ,verstndnisse jener zarten
,erfindungen liebevoller ,menschen
ungeeignet4 ,ebenso muss der ,hass
gelernt und genhrt werden1 wenn ,einer
ein tchtiger ,hasser werden will3 sonst
wird auch der ,keim dazu allmhlich
absterben4 #fjb4 ,die ,ruine als
,schmuck4 - ,solche1 die viele geistige
,wandlungen durchmachen1 behalten
einige ,ansichten und ,gewohnheiten
frherer ,zustnde bei1 welche dann wie
ein ,stck unerklrlichen ,alterthums und
grauen ,mauerwerks in ihr neues ,denken
und ,handeln hineinragen3 oft zur
,zierde der ganzen ,gegend4 #fjc4
,liebe und ,ehre4 - ,die ,liebe begehrt1
die ,furcht meidet4 ,daran liegt es1
dass man nicht zugleich von derselben
,person wenigstens in dem selben
,zeitraume1 geliebt und geehrt werden
kann4 ,denn der ,ehrende erkennt die
,macht an1 das heisst er frchtet sie3
sein ,zustand ist ,ehrfurcht4 ,die
,liebe aber erkennt keine ,macht an1
,nichts was trennt1 abhebt1 ber- und
unterordnet4 ,weil sie nicht ehrt1 so
sind ehrschtige ,menschen insgeheim
oder ffentlich gegen das ,geliebtwerden
widerspnstig4 #fjd4 ,vorurtheil
fr die kalten ,menschen4 - ,menschen1
welche rasch ,feuer fangen1 werden
schnell kalt und sind daher im ,ganzen
unzuverlssig4 ,desshalb giebt es fr
alle ,die1 welche immer kalt sind oder
sich so stellen1 das gnstige
,vorurtheil1 dass es besonders
vertrauenswerthe zuverlssige ,menschen
seien3 man verwechselt sie mit ,denen1
welche langsam ,feuer fangen und es
lange festhalten4 #fje4 ,das
,gefhrliche an freien ,meinungen4 - ,das
leichte ,befassen mit freien
,meinungen giebt einen ,reiz1 wie eine
,art jucken2 giebt man ihm mehr nach1
so fngt man an1 die ,stellen zu reiben2
bis zuletzt eine offene schmerzende
,wunde entsteht1 das heisst3 bis die
freie ,meinung uns in unserer
,lebensstellung1 unsern menschlichen
,beziehungen zu stren1 zu qulen
beginnt4 #fjf4 ,begierde nach
tiefem ,schmerz4 - ,die ,leidenschaft
lsst1 wenn sie vorber ist1 eine dunkele
,sehnsucht nach sich selber zurck und
wirft im ,verschwinden noch einen
verfhrerischen ,blick zu4 ,es muss doch
eine ,art von ,lust gewhrt haben1 mit
ihrer ,geissel geschlagen worden zu
sein4 ,die mssigeren ,empfindungen
erscheinen dagegen schaal2 man will1
wie es scheint1 die heftigere ,unlust
immer noch lieber als die matte ,lust4
#fjg4 ,unmuth ber andere und die
,welt4 - ,wenn wir1 wie so hufig1 unsern
,unmuth an ,anderen auslassen1 whrend
wir ihn eigentlich ber uns empfinden1
erstreben wir im ,grunde eine
,umnebelung und ,tuschung unseres
,urtheils3 wir wollen diesen ,unmuth a
posteriori motiviren durch die
,versehen1 ,mngel der ,anderen und uns
selber so aus den ,augen verlieren4 -
,die religis strengen ,menschen1 welche
gegen sich selber unerbittliche
,richter sind1 haben zugleich am meisten
,uebles der ,menschheit berhaupt
nachgesagt3 ein ,heiliger1 welcher sich
die ,snden und den ,anderen die
,tugenden vorbehlt1 hat nie gelebt3
ebensowenig wie jener1 welcher nach
,buddha's ,vorschrift sein ,gutes vor
den ,leuten verbirgt und ihnen sein
,bses allein sehen lsst4 #fjh4
,ursache und ,wirkung verwechselt4 -
,wir suchen unbewusst die ,grundstze
und ,lehrmeinungen1 welche unserem
,temperamente angemessen sind1 so dass
es zuletzt so aussieht1 als ob die
,grundstze und ,lehrmeinungen unseren
,charakter geschaffen1 ihm ,halt und
,sicherheit gegeben htten3 whrend es
gerade umgekehrt zugegangen ist4 ,unser
,denken und ,urtheilen soll
nachtrglich1 so scheint es1 zur ,ursache
unseres ,wesens gemacht werden3 aber
thatschlich ist unser ,wesen die
,ursache1 dass wir so und so denken und
urtheilen4 - ,und was bestimmt uns zu
dieser fast unbewussten ,komdie8 ,die
,trgheit und ,bequemlichkeit und nicht
am wenigsten der ,wunsch der
,eitelkeit1 durch und durch als
consistent1 in ,wesen und ,denken
einartig erfunden zu werden3 denn diess
erwirbt ,achtung1 giebt ,vertrauen und
,macht4 #fji4 ,lebensalter und
,wahrheit4 - junge ,leute lieben das
,interessante und ,absonderliche1
gleichgltig wie wahr oder falsch es ist4
,reifere ,geister lieben ,das an der
,wahrheit1 was an ihr interessant und
absonderlich ist4 ,ausgereifte ,kpfe
endlich lieben die ,wahrheit auch in
,dem1 wo sie schlicht und einfltig
erscheint und dem gewhnlichen ,menschen
,langeweile macht1 weil sie gemerkt
haben1 dass die ,wahrheit das ,hchste
an ,geist1 was sie besitzt1 mit der
,miene der ,einfalt zu sagen pflegt4
#faj4 ,die ,menschen als schlechte
,dichter4 - ,so wie schlechte ,dichter
im zweiten ,theil des ,verses zum
,reime den ,gedanken suchen1 so pflegen
die ,menschen in der zweiten ,hlfte des
,lebens1 ngstlicher geworden1 die
,handlungen1 ,stellungen1 ,verhltnisse
zu suchen1 welche zu denen ihres
frheren ,lebens passen1 so dass
usserlich ,alles wohl zusammenklingt3
aber ihr ,leben ist nicht mehr von einem
starken ,gedanken beherrscht und immer
wieder neu bestimmt1 sondern an die
,stelle desselben tritt die ,absicht1
einen ,reim zu finden4 #faa4
,langeweile und ,spiel4 - ,das
,bedrfniss zwingt uns zur ,arbeit1 mit
deren ,ertrage das ,bedrfniss gestillt
wird2 das immer neue ,erwachen der
,bedrfnisse gewhnt uns an die ,arbeit4
,in den ,pausen aber1 in welchen die
,bedrfnisse gestillt sind und gleichsam
schlafen1 berfllt uns die ,langeweile4
,was ist diese8 ,es ist die ,gewhnung
an ,arbeit berhaupt1 welche sich jetzt
als neues1 hinzukommendes ,bedrfniss
geltend macht2 sie wird um so strker
sein1 je strker ,jemand gewhnt ist zu
arbeiten1 vielleicht sogar je strker
,jemand an ,bedrfnissen gelitten hat4
,um der ,langeweile zu entgehen1
arbeitet der ,mensch entweder ber das
,maass seiner sonstigen ,bedrfnisse
hinaus oder er erfindet das ,spiel1 das
heisst die ,arbeit1 welche kein anderes
,bedrfniss stillen soll1 als das nach
,arbeit berhaupt4 ,wer des ,spieles
berdrssig geworden ist und durch neue
,bedrfnisse keinen ,grund zur ,arbeit
hat1 den berfllt mitunter das ,verlangen
nach einem dritten ,zustand1 welcher
sich zum ,spiel verhlt1 wie ,schweben
zum ,tanzen1 wie ,tanzen zum ,gehen1
nach einer seligen1 ruhigen ,bewegtheit3
es ist die ,vision der ,knstler und
,philosophen von dem ,glck4 #fab4
,lehre aus ,bildern4 - ,betrachtet man
eine ,reihe ,bilder von sich selber1
von den ,zeiten der letzten ,kindheit
bis zu der der ,mannesreife1 so findet
man mit einer angenehmen ,verwunderung1
dass der ,mann dem ,kinde hnlicher
sieht1 als der ,mann dem ,jnglinge3 dass
also1 wahrscheinlich diesem ,vorgange
entsprechend1 inzwischen eine
zeitweilige ,alienation vom
,grundcharakter eingetreten ist1 ber
welche die gesammelte1 geballte ,kraft
des ,mannes wieder ,herr wurde4 ,dieser
,wahrnehmung entspricht die andere1
dass alle die starken ,einwirkungen von
,leidenschaften1 ,lehrern1 politischen
,ereignissen1 welche in dem
,jnglingsalter uns herumziehen1 spter
wieder auf ein festes ,maass
zurckgefhrt erscheinen3 gewiss1 sie
leben und wirken in uns fort1 aber das
,grundempfinden und ,grundmeinen hat
doch die ,uebermacht und benutzt sie
wohl als ,kraftquellen1 nicht aber mehr
als ,regulatoren1 wie diess wohl in den
zwanziger ,jahren geschieht4 ,so
erscheint auch das ,denken und
,empfinden des ,mannes dem seines
kindlichen ,lebensalters wieder
gemsser1 - und diese innere ,thatsache
spricht sich in der erwhnten usseren
aus4 #fac4 ,stimmklang der
,lebensalter4 - ,der ,ton1 indem
,jnglinge reden1 loben1 tadeln1
dichten1 missfllt dem ,aelter
gewordenen1 weil er zu laut ist und
zwar zugleich dumpf und undeutlich wie
der ,ton in einem ,gewlbe1 der durch
die ,leerheit eine solche ,schallkraft
bekommt2 denn das ,meiste1 was
,jnglinge denken1 ist nicht aus der
,flle ihrer eigenen ,natur
herausgestrmt1 sondern ist ,anklang1
,nachklang von dem1 was in ihrer ,nhe
gedacht1 geredet1 gelobt1 getadelt
worden ist4 ,weil aber die
,empfindungen 7der ,neigung und
,abneigung7 viel strker1 als die ,grnde
fr jene1 in ihnen nachklingen1 so
entsteht1 wenn sie ihre ,empfindung
wieder laut werden lassen1 jener dumpfe1
hallende ,ton1 welcher fr die
,abwesenheit oder die ,sprlichkeit von
,grnden das ,kennzeichen abgiebt4 ,der
,ton des reiferen ,alters ist streng1
kurz abgebrochen1 mssig laut1 aber1 wie
alles deutlich ,articulirte1 sehr weit
tragend4 ,das ,alter endlich bringt
hufig eine gewisse ,milde und
,nachsicht in den ,klang und verzuckert
ihn gleichsam3 in manchen ,fllen
freilich versuert sie ihn auch4
#fad4 ,zurckgebliebene und
vorwegnehmende ,menschen4 - ,der
unangenehme ,charakter1 welcher voller
,misstrauen ist1 alles glckliche
,gelingen der ,mitbewerbenden und
,nchsten mit ,neid fhlt1 gegen
abweichende ,meinungen gewaltthtig und
aufbrausend ist1 zeigt1 dass er einer
frheren ,stufe der ,cultur zugehrt1 also
ein ,ueberbleibsel ist3 denn die ,art1
in welcher er mit den ,menschen
verkehrt1 war die rechte und
zutreffende fr die ,zustnde eines
,faustrecht-,zeitalters2 es ist ein
zurckgebliebener ,mensch4 ,ein anderer
,charakter1 welcher reich an ,mitfreude
ist1 berall ,freunde gewinnt1 alles
,wachsende und ,werdende liebevoll
empfindet1 alle ,ehren und ,erfolge
,anderer mitgeniesst und kein
,vorrecht1 das ,wahre allein zu
erkennen1 in ,anspruch nimmt1 sondern
voll eines bescheidenen ,misstrauens
ist1 - das ist ein vorwegnehmender
,mensch1 welcher einer hheren ,cultur
der ,menschen entgegenstrebt4 ,der
unangenehme ,charakter stammt aus den
,zeiten1 wo die rohen ,fundamente des
menschlichen ,verkehrs erst zu bauen
waren1 der andere lebt auf deren
hchsten ,stockwerken1 mglichst entfernt
von dem wilden ,thier1 welches in den
,kellern1 unter den ,fundamenten der
,cultur1 eingeschlossen wthet und heult4
#fae4 ,trost fr ,hypochonder4 -
,wenn ein grosser ,denker zeitweilig
hypochondrischen ,selbstqulereien
unterworfen ist1 so mag er sich zum
,troste sagen3 es ist deine eigene
grosse ,kraft1 von der dieser ,parasit
sich nhrt und wchst2 wre sie geringer1
so wrdest du weniger zu leiden haben4
,ebenso mag der ,staatsmann sprechen1
wenn ,eifersucht und ,rachegefhl1
berhaupt die ,stimmung des bellum omnium
contra omnes1 zu der er als ,vertreter
einer ,nation nothwendig eine starke
,begabung haben muss1 sich gelegentlich
auch in seine persnlichen ,beziehungen
eindrngt und ihm das ,leben schwer
macht4 #faf4 ,der ,gegenwart
entfremdet4 - ,es hat grosse ,vortheile1
seiner ,zeit sich einmal in strkerem
,maasse zu entfremden und gleichsam von
ihrem ,ufer zurck in den ,ocean der
vergangenen ,weltbetrachtungen getrieben
zu werden4 ,von dort aus nach der
,kste zu blickend1 berschaut man wohl
zum ersten ,male ihre gesammte
,gestaltung und hat1 wenn man sich ihr
wieder nhert1 den ,vortheil1 sie besser
im ,ganzen zu verstehen1 als ,die1
welche sie nie verlassen haben4
#fag4 ,auf persnlichen ,mngeln sen
und ernten4 - ,menschen wie ,rousseau
verstehen es1 ihre ,schwchen1 ,lcken1
,laster gleichsam als ,dnger ihres
,talentes zu benutzen4 ,wenn jener die
,verdorbenheit und ,entartung der
,gesellschaft als leidige ,folge der
,cultur beklagt1 so liegt hier eine
persnliche ,erfahrung zu ,grunde2 deren
,bitterkeit giebt ihm die ,schrfe
seiner allgemeinen ,verurtheilung und
vergiftet die ,pfeile1 mit denen er
schiesst2 er entlastet sich zunchst als
ein ,individuum und denkt ein
,heilmittel zu suchen1 das direct der
,gesellschaft1 aber indirect und
vermittelst jener1 auch ihm zu ,nutze
ist4 #fah4 ,philosophisch
gesinnt sein4 - ,gewhnlich strebt man
darnach1 fr alle ,lebenslagen und
,ereignisse eine ,haltung des ,gemthes1
eine ,gattung von ,ansichten zu
erwerben1 - das nennt man vornehmlich
philosophisch gesinnt sein4 ,aber fr
die ,bereicherung der ,erkenntniss mag
es hheren ,werth haben1 nicht in dieser
,weise sich zu uniformiren1 sondern auf
die leise ,stimme der verschiedenen
,lebenslagen zu hren2 diese bringen
ihre eigenen ,ansichten mit sich4 ,so
nimmt man erkennenden ,antheil am
,leben und ,wesen ,vieler1 indem man
sich selber nicht als starres1
bestndiges1 ,eines ,individuum
behandelt4 #fai4 ,im ,feuer der
,verachtung4 - ,es ist ein neuer
,schritt zum ,selbstndigwerden1 wenn
man erst ,ansichten zu ussern wagt1 die
als schmhlich fr ,den gelten1 welcher
sie hegt2 da pflegen auch die ,freunde
und ,bekannten ngstlich zu werden4 ,auch
durch dieses ,feuer muss die begabte
,natur hindurch2 sie gehrt sich
hinterdrein noch vielmehr selber an4
#fbj4 ,aufopferung4 - ,die grosse
,aufopferung wird1 im ,falle der ,wahl1
einer kleinen ,aufopferung vorgezogen3
weil wir fr die grosse uns durch
,selbstbewunderung entschdigen1 was uns
bei der kleinen nicht mglich ist4
#fba4 ,liebe als ,kunstgriff4 - ,wer
etwas ,neues wirklich kennen lernen will
7sei es ein ,mensch1 ein ,ereigniss1
ein ,buch71 der thut gut1 dieses ,neue
mit aller mglichen ,liebe aufzunehmen1
von ,allem1 was ihm daran feindlich1
anstssig1 falsch vorkommt1 schnell das
,auge abzuwenden1 ja es zu vergessen3
so dass man zum ,beispiel dem ,autor
eines ,buches den grssten ,vorsprung
giebt und geradezu1 wie bei einem
,wettrennen1 mit klopfendem ,herzen
danach begehrt1 dass er sein ,ziel
erreiche4 ,mit diesem ,verfahren dringt
man nhmlich der neuen ,sache bis an ihr
,herz1 bis an ihren bewegenden ,punct3
und diess heisst eben sie kennen
lernen4 ,ist man soweit1 so macht der
,verstand hinterdrein seine
,restrictionen2 jene ,ueberschtzung1
jenes zeitweilige ,aushngen des
kritischen ,pendels war eben nur der
,kunstgriff1 die ,seele einer ,sache
herauszulocken4 #fbb4 ,zu gut
und zu schlecht von der ,welt denken4 -
,ob man zu gut oder zu schlecht von den
,dingen denkt1 man hat immer den
,vortheil dabei1 eine hhere ,lust
einzuernten3 denn bei einer vorgefassten
zu guten ,meinung legen wir gewhnlich
mehr ,sssigkeit in die ,dinge
7,erlebnisse7 hinein1 als sie
eigentlich enthalten4 ,eine vorgefasste
zu schlechte ,meinung verursacht eine
angenehme ,enttuschung3 das ,angenehme1
das an sich in den ,dingen lag1 bekommt
einen ,zuwachs durch das ,angenehme der
,ueberraschung4 - ,ein finsteres
,temperament wird brigens in beiden
,fllen die umgekehrte ,erfahrung machen4
#fbc4 ,tiefe ,menschen4 -
,diejenigen1 welche ihre ,strke in der
,vertiefung der ,eindrcke haben - man
nennt sie gewhnlich tiefe ,menschen -
sind bei allem ,pltzlichen
verhltnissmssig gefasst und
entschlossen3 denn im ersten
,augenblick war der ,eindruck noch
flach1 er wird dann erst tief4 ,lange
vorhergesehene1 erwartete ,dinge oder
,personen regen aber solche ,naturen am
meisten auf und machen sie fast unfhig1
bei der endlichen ,ankunft derselben
noch ,gegenwrtigkeit des ,geistes zu
haben4 #fbd4 ,verkehr mit dem
hheren ,selbst4 - ,ein jeder hat seinen
guten ,tag1 wo er sein hheres ,selbst
findet2 und die wahre ,humanitt
verlangt1 jemanden nur nach diesem
,zustande und nicht nach den ,werktagen
der ,unfreiheit und ,knechtung zu
schtzen4 ,man soll zum ,beispiel einen
,maler nach seiner hchsten ,vision1 die
er zu sehen und darzustellen vermochte1
taxiren und verehren4 ,aber die
,menschen selber verkehren sehr
verschieden mit diesem ihrem hheren
,selbst und sind hufig ihre eigenen
,schauspieler1 insofern sie ,das1 was
sie in jenen ,augenblicken sind1 spter
immer wieder nachmachen4 ,manche leben
in ,scheu und ,demuth vor ihrem ,ideale
und mchten es verleugnen3 sie frchten
ihr hheres ,selbst1 weil es1 wenn es
redet1 anspruchsvoll redet4 ,dazu hat es
eine geisterhafte ,freiheit zu kommen
und fortzubleiben wie es will2 es wird
desswegen hufig eine ,gabe der ,gtter
genannt1 whrend eigentlich alles
,andere ,gabe der ,gtter 7des ,zufalls7
ist3 jenes aber ist der ,mensch selber4
#fbe4 ,einsame ,menschen4 -
,manche ,menschen sind so sehr an das
,alleinsein mit sich selber gewhnt1
dass sie sich gar nicht mit ,anderen
vergleichen1 sondern in einer ruhigen1
freudigen ,stimmung1 unter guten
,gesprchen mit sich1 ja mit ,lachen ihr
monologisches ,leben fortspinnen4
,bringt man sie aber dazu1 sich mit
,anderen zu vergleichen1 so neigen sie
zu einer grbelnden ,unterschtzung ihrer
selbst3 so dass sie gezwungen werden
mssen1 eine gute1 gerechte ,meinung ber
sich erst von ,anderen wieder zu
lernen3 und auch von dieser erlernten
,meinung werden sie immer wieder ,etwas
abziehen und abhandeln wollen4 - ,man
muss also gewissen ,menschen ihr
,alleinsein gnnen und nicht so albern
sein1 wie es hufig geschieht1 sie
desswegen zu bedauern4 #fbf4
,ohne ,melodie4 - ,es giebt ,menschen1
denen ein sttiges ,beruhen in sich
selbst und ein harmonisches
,sich-zurecht-legen aller ihrer
,fhigkeiten so zu eigen ist1 dass ihnen
jede zielesetzende ,thtigkeit
widerstrebt4 ,sie gleichen einer
,musik1 welche aus lauter langgezogenen
harmonischen ,accorden besteht1 ohne
dass je auch nur der ,ansatz zu einer
gegliederten bewegten ,melodie sich
zeigte4 ,alle ,bewegung von ,aussen her
dient nur1 dem ,kahne sofort wieder
sein neues ,gleichgewicht auf dem ,see
harmonischen ,wohlklangs zu geben4
,moderne ,menschen werden gewhnlich
auf's ,aeusserste ungeduldig1 wenn sie
solchen ,naturen begegnen1 aus denen
,nichts wird1 ohne dass man ihnen sagen
drfte1 dass sie ,nichts sind4 ,aber in
einzelnen ,stimmungen erregt ihr
,anblick jene ungewhnliche ,frage3 wozu
berhaupt ,melodie8 ,warum gengt es uns
nicht1 wenn das ,leben sich ruhevoll in
einem tiefen ,see spiegelt8 - ,das
,mittelalter war reicher an solchen
,naturen als unsere ,zeit4 ,wie selten
trifft man noch auf einen1 der so recht
friedlich und froh mit sich auch im
,gedrnge fortleben kann1 zu sich redend
wie ,goethe3 das ,beste ist die tiefe
,stille1 in der ich gegen die ,welt lebe
und wachse1 und gewinne1 was sie mir
mit ,feuer und ,schwert nicht nehmen
knnen4 #fbg4 ,leben und
,erleben4 - ,sieht man zu1 wie ,einzelne
mit ihren ,erlebnissen - ihren
unbedeutenden alltglichen ,erlebnissen -
umzugehen wissen1 so dass diese zu
einem ,ackerland werden1 das dreimal des
,jahres ,frucht trgt2 whrend ,andere -
und wie ,viele6 - durch den
,wogenschlag der aufregendsten
,schicksale1 der mannigfaltigsten ,zeit-
und ,volksstrmungen hindurchgetrieben
werden und doch immer leicht1 immer
obenauf1 wie ,kork1 bleiben3 so ist man
endlich versucht1 die ,menschheit in
eine ,minoritt 7,minimalitt7 ,solcher
einzutheilen1 welche aus ,wenigem ,viel
zu machen verstehen3 und in eine
,majoritt ,derer1 welche aus ,vielem
,wenig zu machen verstehen2 ja man
trifft auf jene umgekehrten
,hexenmeister1 welche1 anstatt die ,welt
aus ,nichts1 aus der ,welt ein ,nichts
schaffen4 #fbh4 ,ernst im
,spiele4 - ,in ,genua hrte ich zur ,zeit
der ,abenddmmerung von einem ,thurme
her ein langes ,glockenspiel3 das wollte
nicht enden und klang1 wie unersttlich
an sich selber1 ber das ,gerusch der
,gassen in den ,abendhimmel und die
,meerluft hinaus1 so schauerlich1 so
kindisch zugleich1 so wehmuthsvoll4 ,da
gedachte ich der ,worte ,plato's und
fhlte sie auf einmal im ,herzen3 alles
,menschliche insgesammt ist des grossen
,ernstes nicht werth2 trotzdem--
#fbi4 ,von der ,ueberzeugung und der
,gerechtigkeit4 - ,das1 was der ,mensch
in der ,leidenschaft sagt1 verspricht1
beschliesst1 nachher in ,klte und
,nchternheit zu vertreten - diese
,forderung gehrt zu den schwersten
,lasten1 welche die ,menschheit drcken4
,die ,folgen des ,zornes1 der
aufflammenden ,rache1 der begeisterten
,hingebung in alle ,zukunft hin
anerkennen zu mssen - das kann zu einer
um so grsseren ,erbitterung gegen diese
,empfindungen reizen1 je mehr gerade
mit ihnen allerwrts und namentlich von
den ,knstlern ein ,gtzendienst getrieben
wird4 ,diese zchten die ,schtzung der
,leidenschaften gross und haben es
immer gethan2 freilich verherrlichen sie
auch die furchtbaren ,genugthuungen
der ,leidenschaft1 welche ,einer an sich
selber nimmt1 jene ,racheausbrche mit
,tod1 ,verstmmelung1 freiwilliger
,verbannung im ,gefolge1 und jene
,resignation des zerbrochnen ,herzens4
,jedenfalls3 halten sie die ,neugierde
nach den ,leidenschaften wach1 es ist1
als ob sie sagen wollten3 ihr habt ohne
,leidenschaften gar ,nichts erlebt4 -
,weil man ,treue geschworen1 vielleicht
gar einem rein fingirten ,wesen1 wie
einem ,gotte1 weil man sein ,herz
hingegeben hat1 einem ,frsten1 einer
,partei1 einem ,weibe1 einem
priesterlichen ,orden1 einem ,knstler1
einem ,denker1 im ,zustande eines
verblendeten ,wahnes1 welcher
,entzckung ber uns legte und jene ,wesen
als jeder ,verehrung1 jedes ,opfers
wrdig erscheinen liess - ist man nun
unentrinnbar fest gebunden8 ,ja haben
wir uns denn damals nicht selbst
betrogen8 ,war es nicht ein
hypothetisches ,versprechen1 unter der
freilich nicht laut gewordenen
,voraussetzung1 dass jene ,wesen1 denen
wir uns weihten wirklich die ,wesen
sind1 als welche sie in unserer
,vorstellung erschienen8 ,sind wir
verpflichtet1 unsern ,irrthmern treu zu
sein1 selbst mit der ,einsicht1 dass
wir durch diese ,treue an unserem
hheren ,selbst ,schaden stiften8 -
,nein1 es giebt kein ,gesetz1 keine
,verpflichtung der ,art1 wir mssen
,verrther werden1 ,untreue ben1 unsere
,ideale immer wieder preisgeben4 ,aus
einer ,periode des ,lebens in die
andere schreiten wir nicht1 ohne diese
,schmerzen des ,verrathes zu machen und
auch daran wieder zu leiden4 ,wre es
nthig1 dass wir uns1 um diesen
,schmerzen zu entgehen1 vor den
,aufwallungen unserer ,empfindung hten
mssten8 ,wrde dann die ,welt nicht zu
de1 zu gespenstisch fr uns werden8
,vielmehr wollen wir uns fragen1 ob
diese ,schmerzen bei einem ,wechsel der
,ueberzeugung nothwendig sind oder ob
sie nicht von einer irrthmlichen
,meinung und ,schtzung abhngen4 ,warum
bewundert man ,den1 welcher seiner
,ueberzeugung treu bleibt1 und
verachtet ,den1 welcher sie wechselt8
,ich frchte1 die ,antwort muss sein3
weil ,jedermann voraussetzt1 dass nur
,motive gemeineren ,vortheils oder
persnlicher ,angst einen solchen
,wechsel veranlassen4 ,das heisst3 man
glaubt im ,grunde1 dass ,niemand seine
,meinungen verndert1 so lange sie ihm
vortheilhaft sind1 oder wenigstens so
lange sie ihm keinen ,schaden bringen4
,steht es aber so1 so liegt darin ein
schlimmes ,zeugniss ber die
intellectuelle ,bedeutung aller
,ueberzeugungen4 ,prfen wir einmal1 wie
,ueberzeugungen entstehen1 und sehen
wir zu1 ob sie nicht bei ,weitem
berschtzt werden3 dabei wird sich
ergeben1 dass auch der ,wechsel von
,ueberzeugungen unter allen ,umstnden
nach falschem ,maasse bemessen wird und
dass wir bisher zu viel an diesem
,wechsel zu leiden pflegten4 #fcj4
,ueberzeugung ist der ,glaube1 in irgend
einem ,puncte der ,erkenntniss im
,besitze der unbedingten ,wahrheit zu
sein4 ,dieser ,glaube setzt also
voraus1 dass es unbedingte ,wahrheiten
gebe2 ebenfalls1 dass jene vollkommenen
,methoden gefunden seien1 um zu ihnen
zu gelangen2 endlich1 dass jeder1 der
,ueberzeugungen habe1 sich dieser
vollkommenen ,methoden bediene4 ,alle
drei ,aufstellungen beweisen sofort1
dass der ,mensch der ,ueberzeugungen
nicht der ,mensch des wissenschaftlichen
,denkens ist2 er steht im ,alter der
theoretischen ,unschuld vor uns und ist
ein ,kind1 wie erwachsen er auch sonst
sein mge4 ,ganze ,jahrtausende aber
haben in jenen kindlichen
,voraussetzungen gelebt und aus ihnen
sind die mchtigsten ,kraftquellen der
,menschheit herausgestrmt4 jene
zahllosen ,menschen1 welche sich fr ihre
,ueberzeugungen opferten1 meinten es
fr die unbedingte ,wahrheit zu thun4
,sie alle hatten ,unrecht darin3
wahrscheinlich hat noch nie ein ,mensch
sich fr die ,wahrheit geopfert2
mindestens wird der dogmatische
,ausdruck seines ,glaubens
unwissenschaftlich oder
halbwissenschaftlich gewesen sein4
,aber eigentlich wollte man ,recht
behalten1 weil man meinte1 ,recht haben
zu mssen4 ,seinen ,glauben sich
entreissen lassen1 das bedeutete
vielleicht seine ewige ,seligkeit in
,frage stellen4 ,bei einer
,angelegenheit von dieser ussersten
,wichtigkeit war der ,wille gar zu
hrbar der ,souffleur des ,intellects4
,die ,voraussetzung jedes ,glubigen
jeder ,richtung war1 nicht widerlegt
werden zu knnen2 erwiesen sich die
,gegengrnde als sehr stark1 so blieb ihm
immer noch brig1 die ,vernunft
berhaupt zu verlstern und vielleicht gar
das credo quia absurdum est als ,fahne
des ussersten ,fanatismus
aufzupflanzen4 ,es ist nicht der ,kampf
der ,meinungen1 welcher die ,geschichte
so gewaltthtig gemacht hat1 sondern der
,kampf des ,glaubens an die
,meinungen1 das heisst der
,ueberzeugungen4 ,wenn doch alle ,die1
welche so gross von ihrer ,ueberzeugung
dachten1 ,opfer aller ,art ihr brachten
und ,ehre1 ,leib und ,leben in ihrem
,dienste nicht schonten1 nur die ,hlfte
ihrer ,kraft der ,untersuchung gewidmet
htten1 mit welchem ,rechte sie an
dieser oder jener ,ueberzeugung hiengen1
auf welchem ,wege sie zu ihr gekommen
seien3 wie friedfertig she die
,geschichte der ,menschheit aus6
,wieviel mehr des ,erkannten wrde es
geben6 ,alle die grausamen ,scenen bei
der ,verfolgung der ,ketzer jeder ,art
wren uns aus zwei ,grnden erspart
geblieben3 einmal weil die ,inquisitoren
vor ,allem in sich selbst inquirirt
htten und ber die ,anmaassung1 die
unbedingte ,wahrheit zu vertheidigen1
hinausgekommen wren2 sodann weil die
,ketzer selber so schlecht begrndeten
,stzen1 wie die ,stze aller religisen
,sectirer und ,rechtglubigen sind1 keine
weitere ,theilnahme geschenkt haben
wrden1 nachdem sie dieselben untersucht
htten4 #fca4 ,aus den ,zeiten
her1 in welchen ,menschen daran gewhnt
waren1 an den ,besitz der unbedingten
,wahrheit zu glauben1 stammt ein tiefes
,missbehagen an allen skeptischen und
relativistischen ,stellungen zu
irgendwelchen ,fragen der ,erkenntniss2
man zieht meistens vor1 sich einer
,ueberzeugung1 welche ,personen von
,autoritt haben 7,vter1 ,freunde1
,lehrer1 ,frsten71 auf ,gnade oder
,ungnade zu ergeben1 und hat1 wenn man
diess nicht thut1 eine ,art von
,gewissensbissen4 ,dieser ,hang ist
ganz begreiflich und seine ,folgen geben
kein ,recht zu heftigen ,vorwrfen
gegen die ,entwickelung der menschlichen
,vernunft4 ,allmhlich muss aber der
wissenschaftliche ,geist im ,menschen
jene ,tugend der vorsichtigen
,enthaltung zeitigen1 jene weise
,mssigung1 welche im ,gebiet des
praktischen ,lebens bekannter ist1 als
im ,gebiet des theoretischen ,lebens1
und welche zum ,beispiel ,goethe im
,antonio dargestellt hat1 als einen
,gegenstand der ,erbitterung fr alle
,tasso's1 das heisst fr die
unwissenschaftlichen und zugleich
thatlosen ,naturen4 ,der ,mensch der
,ueberzeugung hat in sich ein ,recht1
jenen ,menschen des vorsichtigen
,denkens1 den theoretischen ,antonio1
nicht zu begreifen2 der
wissenschaftliche ,mensch hinwiederum
hat kein ,recht1 jenen desshalb zu
tadeln1 er bersieht ihn und weiss
ausserdem1 im bestimmten ,falle1 dass
jener sich an ihn noch anklammern wird1
so wie es ,tasso zuletzt mit ,antonio
thut4 #fcb4 ,wer nicht durch
verschiedene ,ueberzeugungen
hindurchgegangen ist1 sondern in dem
,glauben hngen bleibt1 in dessen ,netz
er sich zuerst verfieng1 ist unter
allen ,umstnden eben wegen dieser
,unwandelbarkeit ein ,vertreter
zurckgebliebener ,culturen2 er ist gemss
diesem ,mangel an ,bildung 7welche
immer ,bildbarkeit voraussetzt7 hart1
unverstndig1 unbelehrbar1 ohne ,milde1
ein ewiger ,verdchtiger1 ein
,unbedenklicher1 der zu allen ,mitteln
greift1 seine ,meinung durchzusetzen1
weil er gar nicht begreifen kann1 dass
es andere ,meinungen geben msse2 er ist1
in solchem ,betracht1 vielleicht eine
,kraftquelle und in allzu frei und
schlaff gewordenen ,culturen sogar
heilsam1 aber doch nur1 weil er krftig
anreizt1 ihm ,widerpart zu halten3 denn
dabei wird das zartere ,gebilde der
neuen ,cultur1 welche zum ,kampf mit ihm
gezwungen ist1 selber stark4
#fcc4 ,wir sind im ,wesentlichen noch
dieselben ,menschen1 wie die des
,zeitalters der ,reformation3 wie sollte
es auch anders sein8 ,aber dass wir
uns einige ,mittel nicht mehr erlauben1
um mit ihnen unsrer ,meinung zum ,siege
zu verhelfen1 das hebt uns gegen jene
,zeit ab und beweist1 dass wir einer
hhern ,cultur angehren4 ,wer jetzt noch1
in der ,art der
,reformations-,menschen1 ,meinungen mit
,verdchtigungen1 mit ,wuthausbrchen
bekmpft und niederwirft1 verrth
deutlich1 dass er seine ,gegner
verbrannt haben wrde1 falls er in
anderen ,zeiten gelebt htte1 und dass
er zu allen ,mitteln der ,inquisition
seine ,zuflucht genommen haben wrde1
wenn er als ,gegner der ,reformation
gelebt htte4 ,diese ,inquisition war
damals vernnftig1 denn sie bedeutete
nichts ,anderes1 als den allgemeinen
,belagerungszustand1 welcher ber den
ganzen ,bereich der ,kirche verhngt
werden musste1 und der1 wie jeder
,belagerungszustand1 zu den ussersten
,mitteln berechtigte1 unter der
,voraussetzung nmlich 7welche wir jetzt
nicht mehr mit jenen ,menschen
theilen71 dass man die ,wahrheit1 in der
,kirche1 habe1 und um jeden ,preis mit
jedem ,opfer zum ,heile der ,menschheit
bewahren msse4 ,jetzt aber giebt man
,niemandem so leicht mehr zu1 dass er
die ,wahrheit habe3 die strengen
,methoden der ,forschung haben genug
,misstrauen und ,vorsicht verbreitet1
so dass ,jeder1 welcher gewaltthtig in
,wort und ,werk ,meinungen vertritt1
als ein ,feind unserer jetzigen ,cultur1
mindestens als ein zurckgebliebener
empfunden wird4 ,in der ,that3 das
,pathos1 dass man die ,wahrheit habe1
gilt jetzt sehr wenig im ,verhltniss zu
jenem freilich milderen und klanglosen
,pathos des ,wahrheit-,suchens1 welches
nicht mde wird1 umzulernen und neu zu
prfen4 #fcd4 ,uebrigens ist das
methodische ,suchen der ,wahrheit selber
das ,resultat jener ,zeiten1 in denen
die ,ueberzeugungen mit einander in
,fehde lagen4 ,wenn nicht dem
,einzelnen an seiner ,wahrheit1 das
heisst an seinem ,rechtbehalten gelegen
htte1 so gebe es berhaupt keine
,methode der ,forschung2 so aber1 bei
dem ewigen ,kampfe der ,ansprche
verschiedener ,einzelner auf unbedingte
,wahrheit1 gieng man ,schritt vor
,schritt weiter1 um unumstssliche
,prinzipien zu finden1 nach denen das
,recht der ,ansprche geprft und der
,streit geschlichtet werden knne4
,zuerst entschied man nach ,autoritten1
spter1 kritisirte man sich gegenseitig
die ,wege und ,mittel1 mit denen die
angebliche ,wahrheit gefunden worden
war2 dazwischen gab es eine ,periode1 wo
man die ,consequenzen des gegnerischen
,satzes zog und vielleicht sie als
schdlich und unglcklich machend erfand3
woraus dann sich fr ,jedermanns
,urtheil ergeben sollte1 dass die
,ueberzeugung des ,gegners einen
,irrthum enthalte4 ,der persnliche
,kampf der ,denker hat schliesslich die
,methoden so verschrft1 dass wirklich
,wahrheiten entdeckt werden konnten und
dass die ,irrgnge frherer ,methoden vor
,jedermanns ,blicken blosgelegt sind4
#fce4 ,im ,ganzen sind die
wissenschaftlichen ,methoden mindestens
ein ebenso wichtiges ,ergebniss der
,forschung als irgend ein sonstiges
,resultat3 denn auf der ,einsicht in
die ,methode beruht der
wissenschaftliche ,geist1 und alle
,resultate der ,wissenschaft knnten1
wenn jene ,methoden verloren giengen1
ein erneutes ,ueberhandnehmen des
,aberglaubens und des ,unsinns nicht
verhindern4 ,es mgen geistreiche ,leute
von den ,ergebnissen der ,wissenschaft
lernen so viel sie wollen3 man merkt es
immer noch ihrem ,gesprche und
namentlich den ,hypothesen in demselben
an1 dass ihnen der wissenschaftliche
,geist fehlt3 sie haben nicht jenes
instinctive ,misstrauen gegen die
,abwege des ,denkens1 welches in der
,seele jedes wissenschaftlichen
,menschen in ,folge langer ,uebung
seine ,wurzeln eingeschlagen hat4 ,ihnen
gengt es1 ber eine ,sache berhaupt
irgendeine ,hypothese zu finden1 dann
sind sie ,feuer und ,flamme fr dieselbe
und meinen1 damit sei es gethan4 ,eine
,meinung haben heisst bei ihnen schon3
dafr sich fanatisiren und sie als
,ueberzeugung frderhin sich an's ,herz
legen4 ,sie erhitzen sich bei einer
unerklrten ,sache fr den ersten ,einfall
ihres ,kopfes1 der einer ,erklrung
derselben hnlich sieht3 woraus sich1
namentlich auf dem ,gebiete der
,politik1 fortwhrend die schlimmsten
,folgen ergeben4 - ,desshalb sollte
jetzt ,jedermann mindestens eine
,wissenschaft von ,grund aus kennen
gelernt haben3 dann weiss er doch1 was
,methode heisst und wie nthig die
usserste ,besonnenheit ist4 ,namentlich
ist den ,frauen dieser ,rath zu geben2
als welche jetzt rettungslos die ,opfer
aller ,hypothesen sind1 zumal wenn
diese den ,eindruck des ,geistreichen1
,hinreissenden1 ,belebenden1
,krftigenden machen4 ,ja bei genauerem
,zusehen bemerkt man1 dass der
allergrsste ,theil aller ,gebildeten
noch jetzt von einem ,denker
,ueberzeugungen und ,nichts als
,ueberzeugungen begehrt1 und dass
allein eine geringe ,minderheit
,gewissheit will4 ,jene wollen stark
fortgerissen werden1 um dadurch selber
einen ,kraftzuwachs zu erlangen2 diese
,wenigen haben jenes sachliche
,interesse1 welches von persnlichen
,vortheilen1 auch von dem des erwhnten
,kraftzuwachses absieht4 ,auf jene bei
,weitem berwiegende ,classe wird berall
dort gerechnet1 wo der ,denker sich als
,genie benimmt und bezeichnet1 also
wie ein hheres ,wesen drein schaut1
welchem ,autoritt zukommt4 ,insofern
das ,genie jener ,art die ,glut der
,ueberzeugungen unterhlt und
,misstrauen gegen den vorsichtigen und
bescheidenen ,sinn der ,wissenschaft
weckt1 ist es ein ,feind der ,wahrheit
und wenn es sich auch noch so sehr als
deren ,freier glauben sollte4 #fcf4
,es giebt freilich auch eine ganz
andere ,gattung der ,genialitt1 die der
,gerechtigkeit2 und ich kann mich
durchaus nicht entschliessen1 dieselbe
niedriger zu schtzen1 als irgend eine
philosophische1 politische oder
knstlerische ,genialitt4 ,ihre ,art ist
es1 mit herzlichem ,unwillen ,allem aus
dem ,wege zu gehen1 was das ,urtheil
ber die ,dinge blendet und verwirrt2
sie ist folglich eine ,gegnerin der
,ueberzeugungen1 denn sie will ,jedem1
sei es ein ,belebtes oder ,todtes1
,wirkliches oder ,gedachtes1 das ,seine
geben - und dazu muss sie es rein
erkennen2 sie stellt daher jedes ,ding
in das beste ,licht und geht um
dasselbe mit sorgsamem ,auge herum4
,zuletzt wird sie selbst ihrer
,gegnerin1 der blinden oder
kurzsichtigen ,ueberzeugung 7wie ,mnner
sie nennen3 - bei ,weibern heisst sie
,glaube7 geben was der ,ueberzeugung
ist - um der ,wahrheit willen4
#fcg4 ,aus den ,leidenschaften
wachsen die ,meinungen2 die ,trgheit des
,geistes lsst diese zu ,ueberzeugungen
erstarren4 - ,wer sich aber freien1
rastlos lebendigen ,geistes fhlt1 kann
durch bestndigen ,wechsel diese
,erstarrung verhindern2 und ist er gar
insgesammt ein denkender ,schneeballen1
so wird er berhaupt nicht ,meinungen1
sondern nur ,gewissheiten und genau
bemessene ,wahrscheinlichkeiten in
seinem ,kopfe haben4 - ,aber wir1 die
wir gemischten ,wesens sind und bald vom
,feuer durchglht1 bald vom ,geiste
durchkltet sind1 wollen vor der
,gerechtigkeit knieen1 als der einzigen
,gttin1 welche wir ber uns anerkennen4
,das ,feuer in uns macht uns fr
gewhnlich ungerecht und1 im ,sinne
jener ,gttin1 unrein2 nie drfen wir in
diesem ,zustande ihre ,hand fassen1 nie
liegt dann das ernste ,lcheln ihres
,wohlgefallens auf uns4 ,wir verehren
sie als die verhllte ,isis unsers
,lebens2 beschmt bringen wir ihr unsern
,schmerz als ,busse und ,opfer dar1
wenn das ,feuer uns brennt und
verzehren will4 ,der ,geist ist es1 der
uns rettet1 dass wir nicht ganz
verglhen und verkohlen2 er reisst uns
hier und da fort von dem ,opferaltare
der ,gerechtigkeit oder hllt uns in ein
,gespinnst aus ,asbest4 ,vom ,feuer
erlst1 schreiten wir dann1 durch den
,geist getrieben von ,meinung zu
,meinung1 durch den ,wechsel der
,parteien1 als edle ,verrther aller
,dinge1 die berhaupt verrathen werden
knnen - und dennoch ohne ein ,gefhl von
,schuld4 #fch4 ,der ,wanderer4
- ,wer nur einigermaassen zur ,freiheit
der ,vernunft gekommen ist1 kann sich
auf ,erden nicht anders fhlen1 denn als
,wanderer1 - wenn auch nicht als
,reisender nach einem letzten ,ziele3
denn dieses giebt es nicht4 ,wohl aber
will er zusehen und die ,augen dafr
offen haben1 was ,alles in der ,welt
eigentlich vorgeht2 desshalb darf er
sein ,herz nicht allzufest an alles
,einzelne anhngen2 es muss in ihm
selber etwas ,wanderndes sein1 das seine
,freude an dem ,wechsel und der
,vergnglichkeit habe4 ,freilich werden
einem solchen ,menschen bse ,nchte
kommen1 wo er mde ist und das ,thor der
,stadt1 welche ihm ,rast bieten sollte1
verschlossen findet2 vielleicht1 dass
noch dazu1 wie im ,orient1 die ,wste
bis an das ,thor reicht1 dass die
,raubthiere bald ferner bald nher her
heulen1 dass ein starker ,wind sich
erhebt1 dass ,ruber ihm seine
,zugthiere wegfhren4 ,dann sinkt fr ihn
wohl die schreckliche ,nacht wie eine
zweite ,wste auf die ,wste1 und sein
,herz wird des ,wanderns mde4 ,geht ihm
dann die ,morgensonne auf1 glhend wie
eine ,gottheit des ,zornes1 ffnet sich
die ,stadt1 so sieht er in den
,gesichtern der hier ,hausenden
vielleicht noch mehr ,wste1 ,schmutz1
,trug1 ,unsicherheit1 als vor den
,thoren - und der ,tag ist fast
schlimmer1 als die ,nacht4 ,so mag es
wohl einmal dem ,wanderer ergehen2 aber
dann kommen1 als ,entgelt1 die
wonnevollen ,morgen anderer ,gegenden
und ,tage1 wo er schon im ,grauen des
,lichtes die ,musenschwrme im ,nebel
des ,gebirges nahe an sich vorbertanzen
sieht1 wo ihm nachher1 wenn er still1
in dem ,gleichmaass der
,vormittagsseele1 unter ,bumen sich
ergeht1 aus deren ,wipfeln und
,laubverstecken heraus lauter gute und
helle ,dinge zugeworfen werden1 die
,geschenke aller jener freien ,geister1
die in ,berg1 ,wald und ,einsamkeit zu
,hause sind und welche1 gleich ihm1 in
ihrer bald frhlichen bald nachdenklichen
,weise1 ,wanderer und ,philosophen
sind4 ,geboren aus den ,geheimnissen der
,frhe1 sinnen sie darber nach1 wie der
,tag zwischen dem zehnten und zwlften
,glockenschlage ein so reines1
durchleuchtetes1 verklrt-heiteres
,gesicht haben knne3 - sie suchen die
,philosophie des ,vormittages4
,unter ,freunden4 ,ein ,nachspiel4
#a4 ,schn ist's1 mit einander
schweigen1 ,schner1 mit einander
lachen1 - ,unter seidenem
,himmels-,tuche ,hingelehnt zu
,moos und ,buche ,lieblich laut mit
,freunden lachen ,und sich weisse
,zhne zeigen4 ,macht' ich's gut1 so
woll'n wir schweigen2 ,macht'
ich's schlimm -1 so woll'n wir lachen
,und es immer schlimmer machen1
,schlimmer machen1 schlimmer
lachen1 ,bis wir in die ,grube steigen4
,freunde6 ja6 ,so soll's geschehn8 -
,amen6 ,und auf ,wiedersehn6 #b4
,kein ,entschuld'gen6 ,kein ,verzeihen6
,gnnt ihr ,frohen1 ,herzens-,freien
,diesem unvernnft'gen ,buche ,ohr
und ,herz und ,unterkunft6 ,glaubt
mir1 ,freunde1 nicht zum ,fluche
,ward mir meine ,unvernunft6 ,was
ich finde1 was ich suche - ,stand
das je in einem ,buche8 ,ehrt in
mir die ,narren-,zunft6 ,lernt aus
diesem ,narrenbuche1 ,wie ,vernunft
kommt - zur ,vernunft6 ,also1
,freunde1 soll's geschehn8 - ,amen6
,und auf ,wiedersehn6