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che_/tragoedi_/tragoedi4htm71
,friedrich ,nietzsche ,die ,geburt der
,tragdie ,versuch einer ,selbstkritik4
#a4 ,was auch diesem fragwrdigen ,buche
zu ,grunde liegen mag3 es muss eine
,frage ersten ,ranges und ,reizes
gewesen sein1 noch dazu eine tief
persnliche ,frage1 - ,zeugniss dafr ist
die ,zeit1 in der es entstand1 trotz der
es entstand1 die aufregende ,zeit des
deutsch-franzsischen ,krieges von
#ahgj_/ga4 ,whrend die ,donner der
,schlacht von ,wrth ber ,europa
weggiengen1 sass der ,grbler und
,rthselfreund1 dem die ,vaterschaft
dieses ,buches zu ,theil ward1 irgendwo
in einem ,winkel der ,alpen1 sehr
vergrbelt und verrthselt1 folglich sehr
bekmmert und unbekmmert zugleich1 und
schrieb seine ,gedanken ber die
,griechen nieder1 - den ,kern des
wunderlichen und schlecht zugnglichen
,buches1 dem diese spte ,vorrede 7oder
,nachrede7 gewidmet sein soll4 ,einige
,wochen darauf3 und er befand sich
selbst unter den ,mauern von ,metz1
immer noch nicht losgekommen von den
,fragezeichen1 die er zur vorgeblichen
,heiterkeit der ,griechen und der
griechischen ,kunst gesetzt hatte2 bis
er endlich in jenem ,monat tiefster
,spannung1 als man in ,versailles ber
den ,frieden berieth1 auch mit sich zum
,frieden kam und1 langsam von einer aus
dem ,felde heimgebrachten ,krankheit
genesend1 die ,geburt der ,tragdie aus
dem ,geiste der ,musik letztgltig bei
sich feststellte4 - ,aus der ,musik8
,musik und ,tragdie8 ,griechen und
,tragdien-,musik8 ,griechen und das
,kunstwerk des ,pessimismus8 ,die
wohlgerathenste1 schnste1 bestbeneidete1
zum ,leben verfhrendste ,art der
bisherigen ,menschen1 die ,griechen -
wie8 gerade sie hatten die ,tragdie
nthig8 ,mehr noch - die ,kunst8 ,wozu -
griechische ,kunst8 ,man errth1 an
welche ,stelle hiermit das grosse
,fragezeichen vom ,werth des ,daseins
gesetzt war4 ,ist ,pessimismus
nothwendig das ,zeichen des
,niedergangs1 ,verfalls1 des
,missrathenseins1 der ermdeten und
geschwchten ,instinkte8 - wie er es bei
den ,indern war1 wie er es1 allem
,anschein nach1 bei uns1 den modernen
,menschen und ,europern ist8 ,giebt es
einen ,pessimismus der ,strke8 ,eine
intellektuelle ,vorneigung fr das
,harte1 ,schauerliche1 ,bse1
,problematische des ,daseins aus
,wohlsein1 aus berstrmender ,gesundheit1
aus ,flle des ,daseins8 ,giebt es
vielleicht ein ,leiden an der ,ueberflle
selbst8 ,eine versucherische
,tapferkeit des schrfsten ,blicks1 die
nach dem ,furchtbaren verlangt1 als nach
dem ,feinde1 dem wrdigen ,feinde1 an
dem sie ihre ,kraft erproben kann8 an
dem sie lernen will1 was das ,frchten
ist8 ,was bedeutet1 gerade bei den
,griechen der besten1 strksten1
tapfersten ,zeit1 der tragische ,mythus8
,und das ungeheure ,phnomen des
,dionysischen8 ,was1 aus ihm geboren1
die ,tragdie8 - ,und wiederum3 das1
woran die ,tragdie starb1 der
,sokratismus der ,moral1 die ,dialektik1
,gengsamkeit und ,heiterkeit des
theoretischen ,menschen - wie8 knnte
nicht gerade dieser ,sokratismus ein
,zeichen des ,niedergangs1 der ,ermdung1
,erkrankung1 der anarchisch sich
lsenden ,instinkte sein8 ,und die
griechische ,heiterkeit des spteren
,griechenthums nur eine ,abendrthe8 ,der
epikurische ,wille gegen den
,pessimismus nur eine ,vorsicht des
,leidenden8 ,und die ,wissenschaft
selbst1 unsere ,wissenschaft - ja1 was
bedeutet berhaupt1 als ,symptom des
,lebens angesehn1 alle ,wissenschaft8
,wozu1 schlimmer noch1 woher - alle
,wissenschaft8 ,wie8 ,ist
,wissenschaftlichkeit vielleicht nur
eine ,furcht und ,ausflucht vor dem
,pessimismus8 ,eine feine ,nothwehr
gegen - die ,wahrheit8 ,und1 moralisch
geredet1 etwas wie ,feig- und
,falschheit8 ,unmoralisch geredet1 eine
,schlauheit8 ,oh ,sokrates1 ,sokrates1
war das vielleicht dein ,geheimniss8 ,oh
geheimnissvoller ,ironiker1 war dies
vielleicht deine - ,ironie8 - - #b4
,was ich damals zu fassen bekam1 etwas
,furchtbares und ,gefhrliches1 ein
,problem mit ,hrnern1 nicht nothwendig
gerade ein ,stier1 jedenfalls ein neues
,problem3 heute wrde ich sagen1 dass es
das ,problem der ,wissenschaft selbst
war - ,wissenschaft zum ersten ,male als
problematisch1 als fragwrdig gefasst4
,aber das ,buch1 in dem mein
jugendlicher ,muth und ,argwohn sich
damals ausliess - was fr ein unmgliches
,buch musste aus einer so jugendwidrigen
,aufgabe erwachsen6 ,aufgebaut aus
lauter vorzeitigen bergrnen
,selbsterlebnissen1 welche alle hart an
der ,schwelle des ,mittheilbaren lagen1
hingestellt auf den ,boden der ,kunst -
denn das ,problem der ,wissenschaft kann
nicht auf dem ,boden der ,wissenschaft
erkannt werden - ein ,buch vielleicht fr
,knstler mit dem ,nebenhange
analytischer und retrospektiver
,fhigkeiten 7das heisst fr eine
,ausnahme- ,art von ,knstlern1 nach
denen man suchen muss und nicht einmal
suchen mchte44471 voller psychologischer
,neuerungen und
,artisten-,heimlichkeiten1 mit einer
,artisten-,metaphysik im ,hintergrunde1
ein ,jugendwerk voller ,jugendmuth und
,jugend-,schwermuth1 unabhngig1
trotzig-selbststndig auch noch1 wo es
sich einer ,autoritt und eignen
,verehrung zu beugen scheint1 kurz ein
,erstlingswerk auch in jedem schlimmen
,sinne des ,wortes1 trotz seines
greisenhaften ,problems1 mit jedem
,fehler der ,jugend behaftet1 vor allem
mit ihrem ,viel zu lang1 ihrem ,sturm
und ,drang3 andererseits1 in ,hinsicht
auf den ,erfolg1 den es hatte 7in
,sonderheit bei dem grossen ,knstler1 an
den es sich wie zu einem ,zwiegesprch
wendete1 bei ,richard ,wagner7 ein
bewiesenes ,buch1 ich meine ein solches1
das jedenfalls den ,besten seiner ,zeit
genug gethan hat4 ,darauf hin sollte es
schon mit einiger ,rcksicht und
,schweigsamkeit behandelt werden2
trotzdem will ich nicht gnzlich
unterdrcken1 wie unangenehm es mir jetzt
erscheint1 wie fremd es jetzt nach
sechzehn ,jahren vor mir steht1 - vor
einem lteren1 hundert ,mal verwhnteren1
aber keineswegs klter gewordenen ,auge1
das auch jener ,aufgabe selbst nicht
fremder wurde1 an welche sich jenes
verwegene ,buch zum ersten ,male
herangewagt hat1 - die ,wissenschaft
unter der ,optik des ,knstlers zu sehn1
die ,kunst aber unter der des
,lebens4444 #c4 ,nochmals gesagt1
heute ist es mir ein unmgliches ,buch1 -
ich heisse es schlecht geschrieben1
schwerfllig1 peinlich1 bilderwthig und
bilderwirrig1 gefhlsam1 hier und da
verzuckert bis zum ,femininischen1
ungleich im ,tempo1 ohne ,willen zur
logischen ,sauberkeit1 sehr berzeugt und
deshalb des ,beweisens sich berhebend1
misstrauisch selbst gegen die
,schicklichkeit des ,beweisens1 als
,buch fr ,eingeweihte1 als ,musik fr
,solche1 die auf ,musik getauft1 die auf
gemeinsame und seltene
,kunst-,erfahrungen hin von ,anfang der
,dinge an verbunden sind1 als
,erkennungszeichen fr ,blutsverwandte in
artibus1 - ein hochmthiges und
schwrmerisches ,buch1 das sich gegen das
profanum vulgus der ,gebildeten von
vornherein noch mehr als gegen das ,volk
abschliesst1 welches aber1 wie seine
,wirkung bewies und beweist1 sich gut
genug auch darauf verstehen muss1 sich
seine ,mitschwrmer zu suchen und sie auf
neue ,schleichwege und ,tanzpltze zu
locken4 ,hier redete jedenfalls - das
gestand man sich mit ,neugierde ebenso
als mit ,abneigung ein - eine fremde
,stimme1 der ,jnger eines noch
unbekannten ,gottes1 der sich
einstweilen unter die ,kapuze des
,gelehrten1 unter die ,schwere und
dialektische ,unlustigkeit des
,deutschen1 selbst unter die schlechten
,manieren des ,wagnerianers versteckt
hat2 hier war ein ,geist mit fremden1
noch namenlosen ,bedrfnissen1 ein
,gedchtniss strotzend von ,fragen1
,erfahrungen1 ,verborgenheiten1 welchen
der ,name ,dionysos wie ein
,fragezeichen mehr beigeschrieben war2
hier sprach - so sagte man sich mit
,argwohn - etwas wie eine mystische und
beinahe mnadische ,seele1 die mit ,mhsal
und willkrlich1 fast unschlssig darber1
ob sie sich mittheilen oder verbergen
wolle1 gleichsam in einer fremden ,zunge
stammelt4 ,sie htte singen sollen1
diese neue ,seele - und nicht reden6
,wie schade1 dass ich1 was ich damals zu
sagen hatte1 es nicht als ,dichter zu
sagen wagte3 ich htte es vielleicht
gekonnt6 ,oder mindestens als
,philologe3 - bleibt doch auch heute
noch fr den ,philologen auf diesem
,gebiete beinahe ,alles zu entdecken und
auszugraben6 ,vor allem das ,problem1
dass hier ein ,problem vorliegt1 - und
dass die ,griechen1 so lange wir keine
,antwort auf die ,frage was ist
dionysisch8 haben1 nach wie vor gnzlich
unerkannt und unvorstellbar sind444
#d4 ,ja1 was ist dionysisch8 - ,in
diesem ,buche steht eine ,antwort
darauf1 - ein ,wissender redet da1 der
,eingeweihte und ,jnger seines ,gottes4
,vielleicht wrde ich jetzt vorsichtiger
und weniger beredt von einer so schweren
psychologischen ,frage reden1 wie sie
der ,ursprung der ,tragdie bei den
,griechen ist4 ,eine ,grundfrage ist das
,verhltniss des ,griechen zum ,schmerz1
sein ,grad von ,sensibilitt1 - blieb
dies ,verhltniss sich gleich8 oder
drehte es sich um8 - jene ,frage1 ob
wirklich sein immer strkeres ,verlangen
nach ,schnheit1 nach ,festen1
,lustbarkeiten1 neuen ,culten1 aus
,mangel1 aus ,entbehrung1 aus
,melancholie1 aus ,schmerz erwachsen
ist8 ,gesetzt nmlich1 gerade dies wre
wahr - und ,perikles 7oder ,thukydides7
giebt es uns in der grossen ,leichenrede
zu verstehen -3 woher msste dann das
entgegengesetzte ,verlangen1 das der
,zeit nach frher hervortrat1 stammen1
das ,verlangen nach dem ,hsslichen1 der
gute strenge ,wille des lteren ,hellenen
zum ,pessimismus1 zum tragischen
,mythus1 zum ,bilde alles ,furchtbaren1
,bsen1 ,rthselhaften1 ,vernichtenden1
,verhngnissvollen auf dem ,grunde des
,daseins1 - woher msste dann die
,tragdie stammen8 ,vielleicht aus der
,lust1 aus der ,kraft1 aus berstrmender
,gesundheit1 aus bergrosser ,flle8 ,und
welche ,bedeutung hat dann1
physiologisch gefragt1 jener ,wahnsinn1
aus dem die tragische wie die komische
,kunst erwuchs1 der dionysische
,wahnsinn8 ,wie8 ,ist ,wahnsinn
vielleicht nicht nothwendig das ,symptom
der ,entartung1 des ,niedergangs1 der
berspten ,cultur8 ,giebt es vielleicht -
eine ,frage fr ,irrenrzte - ,neurosen
der ,gesundheit8 der ,volks-,jugend und
-,jugendlichkeit8 ,worauf weist jene
,synthesis von ,gott und ,bock im
,satyr8 ,aus welchem ,selbsterlebniss1
auf welchen ,drang hin musste sich der
,grieche den dionysischen ,schwrmer und
,urmenschen als ,satyr denken8 ,und was
den ,ursprung des tragischen ,chors
betrifft3 gab es in jenen
,jahrhunderten1 wo der griechische ,leib
blhte1 die griechische ,seele von
,leben berschumte1 vielleicht endemische
,entzckungen8 ,visionen und
,hallucinationen1 welche sich ganzen
,gemeinden1 ganzen ,cultversammlungen
mittheilten8 ,wie8 wenn die ,griechen1
gerade im ,reichthum ihrer ,jugend1 den
,willen zum ,tragischen hatten und
,pessimisten waren8 wenn es gerade der
,wahnsinn war1 um ein ,wort ,plato's zu
gebrauchen1 der die grssten ,segnungen
ber ,hellas gebracht hat8 ,und wenn1
andererseits und umgekehrt1 die
,griechen gerade in den ,zeiten ihrer
,auflsung und ,schwche1 immer
optimistischer1 oberflchlicher1
schauspielerischer1 auch nach ,logik und
,logisirung der ,welt brnstiger1 also
zugleich heiterer und wissenschaftlicher
wurden8 ,wie8 knnte vielleicht1 allen
modernen ,ideen und ,vorurtheilen des
demokratischen ,geschmacks zum ,trotz1
der ,sieg des ,optimismus1 die
vorherrschend gewordene ,vernnftigkeit1
der praktische und theoretische
,utilitarismus1 gleich der ,demokratie
selbst1 mit der er gleichzeitig ist1 -
ein ,symptom der absinkenden ,kraft1 des
nahenden ,alters1 der physiologischen
,ermdung sein8 ,und gerade nicht - der
,pessimismus8 ,war ,epikur ein ,optimist
- gerade als ,leidender8 - - ,man
sieht1 es ist ein ganzes ,bndel schwerer
,fragen1 mit dem sich dieses ,buch
belastet hat1 - fgen wir seine schwerste
,frage noch hinzu6 ,was bedeutet1 unter
der ,optik des ,lebens gesehn1 - die
,moral8 4 4 4 #e4 ,bereits im
,vorwort an ,richard ,wagner wird die
,kunst - und nicht die ,moral - als die
eigentlich metaphysische ,thtigkeit des
,menschen hingestellt2 im ,buche selbst
kehrt der anzgliche ,satz mehrfach
wieder1 dass nur als sthetisches
,phnomen das ,dasein der ,welt
gerechtfertigt ist4 ,in der ,that1 das
ganze ,buch kennt nur einen
,knstler-,sinn und - ,hintersinn hinter
allem ,geschehen1 - einen ,gott1 wenn
man will1 aber gewiss nur einen gnzlich
unbedenklichen und unmoralischen
,knstler-,gott1 der im ,bauen wie im
,zerstren1 im ,guten wie im ,schlimmen1
seiner gleichen ,lust und
,selbstherrlichkeit inne werden will1
der sich1 ,welten schaffend1 von der
,noth der ,flle und ,ueberflle1 vom
,leiden der in ihm gedrngten ,gegenstze
lst4 ,die ,welt1 in jedem ,augenblicke
die erreichte ,erlsung ,gottes1 als die
ewig wechselnde1 ewig neue ,vision des
,leidendsten1 ,gegenstzlichsten1
,widerspruchreichsten1 der nur im
,scheine sich zu erlsen weiss3 diese
ganze ,artisten-,metaphysik mag man
willkrlich1 mssig1 phantastisch nennen
-1 das ,wesentliche daran ist1 dass sie
bereits einen ,geist verrth1 der sich
einmal auf jede ,gefahr hin gegen die
moralische ,ausdeutung und
,bedeutsamkeit des ,daseins zur ,wehre
setzen wird4 ,hier kndigt sich1
vielleicht zum ersten ,male1 ein
,pessimismus jenseits von ,gut und ,bse
an1 hier kommt jene ,perversitt der
,gesinnung zu ,wort und ,formel1 gegen
welche ,schopenhauer nicht mde geworden
ist1 im ,voraus seine zornigsten ,flche
und ,donnerkeile zu schleudern1 - eine
,philosophie1 welche es wagt1 die ,moral
selbst in die ,welt der ,erscheinung zu
setzen1 herabzusetzen und nicht nur
unter die ,erscheinungen 7im ,sinne des
idealistischen terminus technicus71
sondern unter die ,tuschungen1 als
,schein1 ,wahn1 ,irrthum1 ,ausdeutung1
,zurechtmachung1 ,kunst4 ,vielleicht
lsst sich die ,tiefe dieses
widermoralischen ,hanges am besten aus
dem behutsamen und feindseligen
,schweigen ermessen1 mit dem in dem
ganzen ,buche das ,christenthum
behandelt ist1 - das ,christenthum als
die ausschweifendste ,durchfigurirung
des moralischen ,thema's1 welche die
,menschheit bisher anzuhren bekommen
hat4 ,in ,wahrheit1 es giebt zu der rein
sthetischen ,weltauslegung und
,welt-,rechtfertigung1 wie sie in diesem
,buche gelehrt wird1 keinen grsseren
,gegensatz als die christliche ,lehre1
welche nur moralisch ist und sein will
und mit ihren absoluten ,maassen1 zum
,beispiel schon mit ihrer
,wahrhaftigkeit ,gottes1 die ,kunst1
jede ,kunst in's ,reich der ,lge
verweist1 - das heisst verneint1
verdammt1 verurtheilt4 ,hinter einer
derartigen ,denk- und ,werthungsweise1
welche kunstfeindlich sein muss1 so
lange sie irgendwie cht ist1 empfand ich
von jeher auch das ,lebensfeindliche1
den ingrimmigen rachschtigen
,widerwillen gegen das ,leben selbst3
denn alles ,leben ruht auf ,schein1
,kunst1 ,tuschung1 ,optik1
,nothwendigkeit des ,perspektivischen
und des ,irrthums4 ,christenthum war von
,anfang an1 wesentlich und grndlich1
,ekel und ,ueberdruss des ,lebens am
,leben1 welcher sich unter dem ,glauben
an ein anderes oder besseres ,leben nur
verkleidete1 nur versteckte1 nur
aufputzte4 ,der ,hass auf die ,welt1 der
,fluch auf die ,affekte1 die ,furcht
vor der ,schnheit und ,sinnlichkeit1 ein
,jenseits1 erfunden1 um das ,diesseits
besser zu verleumden1 im ,grunde ein
,verlangen in's ,nichts1 an's ,ende1
in's ,ausruhen1 hin zum ,sabbat der
,sabbate - dies ,alles dnkte mich1
ebenso wie der unbedingte ,wille des
,christenthums1 nur moralische ,werthe
gelten zu lassen1 immer wie die
gefhrlichste und unheimlichste ,form
aller mglichen ,formen eines ,willens
zum ,untergang1 zum ,mindesten ein
,zeichen tiefster ,erkrankung1
,mdigkeit1 ,missmuthigkeit1 ,erschpfung1
,verarmung an ,leben1 - denn vor der
,moral 7in ,sonderheit christlichen1 das
heisst unbedingten ,moral7 muss das
,leben bestndig und unvermeidlich
,unrecht bekommen1 weil ,leben etwas
essentiell ,unmoralisches ist1 - muss
endlich das ,leben1 erdrckt unter dem
,gewichte der ,verachtung und des ewigen
,nein's1 als begehrens-unwrdig1 als
unwerth an sich empfunden werden4 ,moral
selbst - wie8 sollte ,moral nicht ein
,wille zur ,verneinung des ,lebens1 ein
heimlicher ,instinkt der ,vernichtung1
ein ,verfalls-1 ,verkleinerungs-1
,verleumdungsprincip1 ein ,anfang vom
,ende sein8 ,und1 folglich1 die ,gefahr
der ,gefahren8444 ,gegen die ,moral also
kehrte sich damals1 mit diesem
fragwrdigen ,buche1 mein ,instinkt1 als
ein frsprechender ,instinkt des ,lebens1
und erfand sich eine grundstzliche
,gegenlehre und ,gegenwerthung des
,lebens1 eine rein artistische1 eine
antichristliche4 ,wie sie nennen8 ,als
,philologe und ,mensch der ,worte taufte
ich sie1 nicht ohne einige ,freiheit -
denn wer wsste den rechten ,namen des
,antichrist8 - auf den ,namen eines
griechischen ,gottes3 ich hiess sie die
dionysische4 - #f4 ,man versteht1 an
welche ,aufgabe ich bereits mit diesem
,buche zu rhren wagte8444 ,wie sehr
bedauere ich es jetzt1 dass ich damals
noch nicht den ,muth 7oder die
,unbescheidenheit87 hatte1 um mir in
jedem ,betrachte fr so eigne
,anschauungen und ,wagnisse auch eine
eigne ,sprache zu erlauben1 - dass ich
mhselig mit ,schopenhauerischen und
,kantischen ,formeln fremde und neue
,werthschtzungen auszudrcken suchte1
welche dem ,geiste ,kantens und
,schopenhauers1 ebenso wie ihrem
,geschmacke1 von ,grund aus entgegen
giengen6 ,wie dachte doch ,schopenhauer
ber die ,tragdie8 ,was allem ,tragischen
den eigenthmlichen ,schwung zur
,erhebung giebt - sagt er1 ,welt als
,wille und ,vorstellung ,,ii1 #die - ist
das ,aufgehen der ,erkenntniss1 dass
die ,welt1 das ,leben kein rechtes
,gengen geben knne1 mithin unsrer
,anhnglichkeit nicht werth sei3 darin
besteht der tragische ,geist -1 er
leitet demnach zur ,resignation hin4 ,oh
wie anders redete ,dionysos zu mir6 ,oh
wie ferne war mir damals gerade dieser
ganze ,resignationismus6 - ,aber es
giebt etwas viel ,schlimmeres an dem
,buche1 das ich jetzt noch mehr
bedauere1 als mit ,schopenhauerischen
,formeln dionysische ,ahnungen
verdunkelt und verdorben zu haben3 dass
ich mir nmlich berhaupt das grandiose
griechische ,problem1 wie mir es
aufgegangen war1 durch ,einmischung der
modernsten ,dinge verdarb6 ,dass ich
,hoffnungen anknpfte1 wo ,nichts zu
hoffen war1 wo ,alles allzudeutlich auf
ein ,ende hinwies6 ,dass ich1 auf ,grund
der deutschen letzten ,musik1 vom
deutschen ,wesen zu fabeln begann1 wie
als ob es eben im ,begriff sei1 sich
selbst zu entdecken und wiederzufinden -
und das zu einer ,zeit1 wo der deutsche
,geist1 der nicht vor ,langem noch den
,willen zur ,herrschaft ber ,europa1 die
,kraft zur ,fhrung ,europa's gehabt
hatte1 eben letztwillig und endgltig
abdankte und1 unter dem pomphaften
,vorwande einer ,reichs- ,begrndung1
seinen ,uebergang zur
,vermittelmssigung1 zur ,demokratie und
den modernen ,ideen machte6 ,in der
,that1 inzwischen lernte ich
hoffnungslos und schonungslos genug von
diesem deutschen ,wesen denken1
insgleichen von der jetzigen deutschen
,musik1 als welche ,romantik durch und
durch ist und die ungriechischeste aller
mglichen ,kunstformen3 berdies aber
eine ,nervenverderberin ersten ,ranges1
doppelt gefhrlich1 bei einem ,volke1 das
den ,trunk liebt und die ,unklarheit
als ,tugend ehrt1 nmlich in ihrer
doppelten ,eigenschaft als berauschendes
und zugleich benebelndes ,narkotikum4 -
,abseits freilich von allen bereilten
,hoffnungen und fehlerhaften
,nutzanwendungen auf ,gegenwrtigstes1
mit denen ich mir damals mein erstes
,buch verdarb1 bleibt das grosse
dionysische ,fragezeichen1 wie es darin
gesetzt ist1 auch in ,betreff der
,musik1 fort und fort bestehen3 wie
msste eine ,musik beschaffen sein1
welche nicht mehr romantischen
,ursprungs wre1 gleich der deutschen1 -
sondern dionysischen8 4 4 4 #g4 -
,aber1 mein ,herr1 was in aller ,welt
ist ,romantik1 wenn nicht ,ihr ,buch
,romantik ist8 ,lsst sich der tiefe
,hass gegen ,jetztzeit1 ,wirklichkeit
und moderne ,ideen weiter treiben1 als
es in ,ihrer ,artisten-,metaphysik
geschehen ist8 - welche lieber noch an
das ,nichts1 lieber noch an den ,teufel1
als an das ,jetzt glaubt8 ,brummt nicht
ein ,grundbass von ,zorn und
,vernichtungslust unter aller ,ihrer
contrapunktischen ,stimmen-,kunst und
,ohren-,verfhrerei hinweg1 eine wthende
,entschlossenheit gegen ,alles1 was
jetzt ist1 ein ,wille1 welcher nicht gar
zu ferne vom praktischen ,nihilismus
ist und zu sagen scheint lieber mag
,nichts wahr sein1 als dass ihr ,recht
httet1 als dass eure ,wahrheit ,recht
behielte6 ,hren ,sie selbst1 mein ,herr
,pessimist und ,kunstvergttlicher1 mit
aufgeschlossnerem ,ohre eine einzige
ausgewhlte ,stelle ,ihres ,buches an1
jene nicht unberedte
,drachentdter-,stelle1 welche fr junge
,ohren und ,herzen verfnglich
rattenfngerisch klingen mag3 wie8 ist
das nicht das chte rechte
,romantiker-,bekenntniss von #ahcj1
unter der ,maske des ,pessimismus von
#ahej hinter dem auch schon das bliche
,romantiker-,finale prludirt1 - ,bruch1
,zusammenbruch1 ,rckkehr und
,niedersturz vor einem alten ,glauben1
vor dem alten ,gotte 4 4 4 ,wie8 ist
,ihr ,pessimisten-,buch nicht selbst ein
,stck ,antigriechenthum und ,romantik1
selbst etwas ebenso ,berauschendes als
,benebelndes1 ein ,narkotikum
jedenfalls1 ein ,stck ,musik sogar1
deutscher ,musik8 ,aber man hre3
,denken wir uns eine heranwachsende
,generation mit dieser
,unerschrockenheit des ,blicks1 mit
diesem heroischen ,zug in's ,ungeheure1
denken wir uns den khnen ,schritt dieser
,drachentdter1 die stolze
,verwegenheit1 mit der sie allen den
,schwchlichkeitsdoktrinen des
,optimismus den ,rcken kehren1 um im
,ganzen und ,vollen1 resolut zu leben3
sollte es nicht nthig sein1 dass der
tragische ,mensch dieser ,cultur1 bei
seiner ,selbsterziehung zum ,ernst und
zum ,schrecken1 eine neue ,kunst1 die
,kunst des metaphysischen ,trostes1 die
,tragdie als die ihm zugehrige ,helena
begehren und mit ,faust ausrufen muss3
,und sollt' ich nicht1 sehnschtigster
,gewalt1 ,in's ,leben zieh'n die
einzigste ,gestalt8 ,sollte es nicht
nthig sein8 4 4 4 ,nein1 drei ,mal nein6
ihr jungen ,romantiker3 es sollte nicht
nthig sein6 ,aber es ist sehr
wahrscheinlich1 dass es so endet1 dass
ihr so endet1 nmlich getrstet1 wie
geschrieben steht1 trotz aller
,selbsterziehung zum ,ernst und zum
,schrecken1 metaphysisch getrstet1 kurz1
wie ,romantiker enden1 christlich
,nein6 ,ihr solltet vorerst die ,kunst
des diesseitigen ,trostes lernen1 - ihr
solltet lachen lernen1 meine jungen
,freunde1 wenn anders ihr durchaus
,pessimisten bleiben wollt2 vielleicht
dass ihr darauf hin1 als ,lachende1
irgendwann einmal alle metaphysische
,trsterei zum ,teufel schickt - und die
,metaphysik voran6 ,oder1 um es in der
,sprache jenes dionysischen ,unholds zu
sagen1 der ,zarathustra heisst3 ,erhebt
eure ,herzen1 meine ,brder1 hoch1 hher6
,und vergesst mir auch die ,beine
nicht6 ,erhebt auch eure ,beine1 ihr
guten ,tnzer1 und besser noch3 ihr steht
auch auf dem ,kopf6 ,diese ,krone des
,lachenden1 diese ,rosenkranz-,krone3
ich selber setzte mir diese ,krone auf1
ich selber sprach heilig mein ,gelchter4
,keinen ,anderen fand ich heute stark
genug dazu4 ,zarathustra der ,tnzer1
,zarathustra der ,leichte1 der mit den
,flgeln winkt1 ein ,flugbereiter1 allen
,vgeln zuwinkend1 bereit und fertig1 ein
,selig-,leichtfertiger3 - ,zarathustra
der ,wahrsager1 ,zarathustra der
,wahrlacher1 kein ,ungeduldiger1 kein
,unbedingter1 ,einer1 der ,sprnge und
,seitensprnge liebt3 ich selber setzte
mir diese ,krone auf6 ,diese ,krone des
,lachenden1 diese ,rosenkranz-,krone3
euch1 meinen ,brdern1 werfe ich diese
,krone zu6 ,das ,lachen sprach ich
heilig3 ihr hheren ,menschen1 lernt mir
- lachen6 ,vorwort an ,richard
,wagner4 ,um mir alle die mglichen
,bedenklichkeiten1 ,aufregungen und
,missverstndnisse ferne zu halten1 zu
denen die in dieser ,schrift vereinigten
,gedanken bei dem eigenthmlichen
,character unserer aesthetischen
,oeffentlichkeit ,anlass geben werden1
und um auch die ,einleitungsworte zu
derselben mit der gleichen beschaulichen
,wonne schreiben zu knnen1 deren
,zeichen sie selbst1 als das ,petrefact
guter und erhebender ,stunden1 auf jedem
,blatte trgt1 vergegenwrtige ich mir
den ,augenblick1 in dem ,sie1 mein
hochverehrter ,freund1 diese ,schrift
empfangen werden3 wie ,sie1 vielleicht
nach einer abendlichen ,wanderung im
,winterschnee1 den entfesselten
,prometheus auf dem ,titelblatte
betrachten1 meinen ,namen lesen und
sofort berzeugt sind1 dass1 mag in
dieser ,schrift stehen1 was da wolle1
der ,verfasser etwas ,ernstes und
,eindringliches zu sagen hat1 ebenfalls
dass er1 bei allem1 was er sich
erdachte1 mit ,ihnen wie mit einem
,gegenwrtigen verkehrte und nur etwas
dieser ,gegenwart ,entsprechendes
niederschreiben durfte4 ,sie werden
dabei sich erinnern1 dass ich zu
gleicher ,zeit1 als ,ihre herrliche
,festschrift ber ,beethoven entstand1
das heisst in den ,schrecken und
,erhabenheiten des eben ausgebrochnen
,krieges mich zu diesen ,gedanken
sammelte4 ,doch wrden diejenigen irren1
welche etwa bei dieser ,sammlung an den
,gegensatz von patriotischer ,erregung
und aesthetischer ,schwelgerei1 von
tapferem ,ernst und heiterem ,spiel
denken sollten3 denen mchte vielmehr1
bei einem wirklichen ,lesen dieser
,schrift1 zu ihrem ,erstaunen deutlich
werden1 mit welchem ernsthaft deutschen
,problem wir zu thun haben1 das von uns
recht eigentlich in die ,mitte deutscher
,hoffnungen1 als ,wirbel und
,wendepunkt hingestellt wird4
,vielleicht aber wird es fr eben
dieselben berhaupt anstssig sein1 ein
aesthetisches ,problem so ernst genommen
zu sehn1 falls sie nmlich in der ,kunst
nicht mehr als ein lustiges ,nebenbei1
als ein auch wohl zu missendes
,schellengeklingel zum ,ernst des
,daseins zu erkennen im ,stande sind3
als ob ,niemand wsste1 was es bei dieser
,gegenberstellung mit einem solchen
,ernste des ,daseins auf sich habe4
,diesen ,ernsthaften diene zur
,belehrung1 dass ich von der ,kunst als
der hchsten ,aufgabe und der eigentlich
metaphysischen ,thtigkeit dieses ,lebens
im ,sinne des ,mannes berzeugt bin1 dem
ich hier1 als meinem erhabenen
,vorkmpfer auf dieser ,bahn1 diese
,schrift gewidmet haben will4 ,basel1
,ende des ,jahres #ahgl4 #a4 ,wir
werden viel fr die aesthetische
,wissenschaft gewonnen haben1 wenn wir
nicht nur zur logischen ,einsicht1
sondern zur unmittelbaren ,sicherheit
der ,anschauung gekommen sind1 dass die
,fortentwickelung der ,kunst an die
,duplicitt des ,apollinischen und des
,dionysischen gebunden ist3 in hnlicher
,weise1 wie die ,generation von der
,zweiheit der ,geschlechter1 bei
fortwhrendem ,kampfe und nur periodisch
eintretender ,vershnung1 abhngt4 ,diese
,namen entlehnen wir von den ,griechen1
welche die tiefsinnigen ,geheimlehren
ihrer ,kunstanschauung zwar nicht in
,begriffen1 aber in den eindringlich
deutlichen ,gestalten ihrer ,gtterwelt
dem ,einsichtigen vernehmbar machen4 ,an
ihre beiden ,kunstgottheiten1 ,apollo
und ,dionysus1 knpft sich unsere
,erkenntniss1 dass in der griechischen
,welt ein ungeheurer ,gegensatz1 nach
,ursprung und ,zielen1 zwischen der
,kunst des ,bildners1 der apollinischen1
und der unbildlichen ,kunst der ,musik1
als der des ,dionysus1 besteht3 beide
so verschiedne ,triebe gehen neben
einander her1 zumeist im offnen
,zwiespalt mit einander und sich
gegenseitig zu immer neuen krftigeren
,geburten reizend1 um in ihnen den
,kampf jenes ,gegensatzes zu
perpetuiren1 den das gemeinsame ,wort
,kunst nur scheinbar berbrckt2 bis sie
endlich1 durch einen metaphysischen
,wunderakt des hellenischen ,willens1
mit einander gepaart erscheinen und in
dieser ,paarung zuletzt das ebenso
dionysische als apollinische ,kunstwerk
der attischen ,tragdie erzeugen4 ,um
uns jene beiden ,triebe nher zu bringen1
denken wir sie uns zunchst als die
getrennten ,kunstwelten des ,traumes und
des ,rausches2 zwischen welchen
physiologischen ,erscheinungen ein
entsprechender ,gegensatz1 wie zwischen
dem ,apollinischen und dem ,dionysischen
zu bemerken ist4 ,im ,traume traten
zuerst1 nach der ,vorstellung des
,lucretius1 die herrlichen
,gttergestalten vor die ,seelen der
,menschen1 im ,traume sah der grosse
,bildner den entzckenden ,gliederbau
bermenschlicher ,wesen1 und der
hellenische ,dichter1 um die
,geheimnisse der poetischen ,zeugung
befragt1 wrde ebenfalls an den ,traum
erinnert und eine hnliche ,belehrung
gegeben haben1 wie sie ,hans ,sachs in
den ,meistersingern giebt3 ,mein
,freund1 das grad' ist ,dichters ,werk1
dass er sein ,trumen deut' und merk'4
,glaubt mir1 des ,menschen wahrster
,wahn wird ihm im ,traume aufgethan3
all' ,dichtkunst und ,poterei
ist nichts als ,wahrtraum-,deuterei4
,der schne ,schein der ,traumwelten1 in
deren ,erzeugung jeder ,mensch voller
,knstler ist1 ist die ,voraussetzung
aller bildenden ,kunst1 ja auch1 wie wir
sehen werden1 einer wichtigen ,hlfte
der ,poesie4 ,wir geniessen im
unmittelbaren ,verstndnisse der
,gestalt1 alle ,formen sprechen zu uns1
es giebt nichts ,gleichgltiges und
,unnthiges4 ,bei dem hchsten ,leben
dieser ,traumwirklichkeit haben wir doch
noch die durchschimmernde ,empfindung
ihres ,scheins3 wenigstens ist dies
meine ,erfahrung1 fr deren ,hufigkeit1
ja ,normalitt1 ich manches ,zeugniss und
die ,aussprche der ,dichter
beizubringen htte4 ,der philosophische
,mensch hat sogar das ,vorgefhl1 dass
auch unter dieser ,wirklichkeit1 in der
wir leben und sind1 eine zweite ganz
andre verborgen liege1 dass also auch
sie ein ,schein sei2 und ,schopenhauer
bezeichnet geradezu die ,gabe1 dass
,einem zu ,zeiten die ,menschen und alle
,dinge als blosse ,phantome oder
,traumbilder vorkommen1 als das
,kennzeichen philosophischer ,befhigung4
,wie nun der ,philosoph zur
,wirklichkeit des ,daseins1 so verhlt
sich der knstlerisch erregbare ,mensch
zur ,wirklichkeit des ,traumes2 er sieht
genau und gern zu3 denn aus diesen
,bildern deutet er sich das ,leben1 an
diesen ,vorgngen bt er sich fr das
,leben4 ,nicht etwa nur die angenehmen
und freundlichen ,bilder sind es1 die er
mit jener ,allverstndigkeit an sich
erfhrt3 auch das ,ernste1 ,trbe1
,traurige1 ,finstere1 die pltzlichen
,hemmungen1 die ,neckereien des
,zufalls1 die bnglichen ,erwartungen1
kurz die ganze gttliche ,komdie des
,lebens1 mit dem ,inferno1 zieht an ihm
vorbei1 nicht nur wie ein ,schattenspiel
- denn er lebt und leidet mit in diesen
,scenen - und doch auch nicht ohne jene
flchtige ,empfindung des ,scheins2 und
vielleicht erinnert sich ,mancher1
gleich mir1 in den ,gefhrlichkeiten und
,schrecken des ,traumes sich mitunter
ermuthigend und mit ,erfolg zugerufen zu
haben3 ,es ist ein ,traum6 ,ich will
ihn weiter trumen6 ,wie man mir auch von
,personen erzhlt hat1 die die
,causalitt eines und desselben ,traumes
ber drei und mehr aufeinanderfolgende
,nchte hin fortzusetzen im ,stande
waren3 ,thatsachen1 welche deutlich
,zeugniss dafr abgeben1 dass unser
innerstes ,wesen1 der gemeinsame
,untergrund von uns allen1 mit tiefer
,lust und freudiger ,nothwendigkeit den
,traum an sich erfhrt4 ,diese freudige
,nothwendigkeit der ,traumerfahrung ist
gleichfalls von den ,griechen in ihrem
,apollo ausgedrckt worden3 ,apollo1 als
der ,gott aller bildnerischen ,krfte1
ist zugleich der wahrsagende ,gott4 ,er1
der seiner ,wurzel nach der
,scheinende1 die ,lichtgottheit ist1
beherrscht auch den schnen ,schein der
inneren ,phantasie-,welt4 ,die hhere
,wahrheit1 die ,vollkommenheit dieser
,zustnde im ,gegensatz zu der lckenhaft
verstndlichen ,tageswirklichkeit1 sodann
das tiefe ,bewusstsein von der in
,schlaf und ,traum heilenden und
helfenden ,natur ist zugleich das
symbolische ,analogon der wahrsagenden
,fhigkeit und berhaupt der ,knste1 durch
die das ,leben mglich und lebenswerth
gemacht wird4 ,aber auch jene zarte
,linie1 die das ,traumbild nicht
berschreiten darf1 um nicht pathologisch
zu wirken1 widrigenfalls der ,schein
als plumpe ,wirklichkeit uns betrgen
wrde - darf nicht im ,bilde des ,apollo
fehlen3 jene maassvolle ,begrenzung1
jene ,freiheit von den wilderen
,regungen1 jene weisheitsvolle ,ruhe des
,bildnergottes4 ,sein ,auge muss
sonnenhaft1 gemss seinem ,ursprunge1
sein2 auch wenn es zrnt und unmuthig
blickt1 liegt die ,weihe des schnen
,scheines auf ihm4 ,und so mchte von
,apollo in einem excentrischen ,sinne
das gelten1 was ,schopenhauer von dem im
,schleier der ,maja befangenen
,menschen sagt4 ,welt als ,wille und
,vorstellung ,i1 ,s4 #daf ,wie auf dem
tobenden ,meere1 das1 nach allen ,seiten
unbegrnzt1 heulend ,wellenberge erhebt
und senkt1 auf einem ,kahn ein ,schiffer
sitzt1 dem schwachen ,fahrzeug
vertrauend2 so sitzt1 mitten in einer
,welt von ,qualen1 ruhig der einzelne
,mensch1 gesttzt und vertrauend auf das
principium individuationis4 ,ja es wre
von ,apollo zu sagen1 dass in ihm das
unerschtterte ,vertrauen auf jenes
principium und das ruhige ,dasitzen des
in ihm ,befangenen seinen erhabensten
,ausdruck bekommen habe1 und man mchte
selbst ,apollo als das herrliche
,gtterbild des principii individuationis
bezeichnen1 aus dessen ,gebrden und
,blicken die ganze ,lust und ,weisheit
des ,scheines1 sammt seiner ,schnheit1
zu uns sprche4 ,an derselben ,stelle
hat uns ,schopenhauer das ungeheure
,grausen geschildert1 welches den
,menschen ergreift1 wenn er pltzlich an
den ,erkenntnissformen der ,erscheinung
irre wird1 indem der ,satz vom ,grunde1
in irgend einer seiner ,gestaltungen1
eine ,ausnahme zu erleiden scheint4
,wenn wir zu diesem ,grausen die
wonnevolle ,verzckung hinzunehmen1 die
bei demselben ,zerbrechen des principii
individuationis aus dem innersten
,grunde des ,menschen1 ja der ,natur
emporsteigt1 so thun wir einen ,blick in
das ,wesen des ,dionysischen1 das uns
am nchsten noch durch die ,analogie des
,rausches gebracht wird4 ,entweder durch
den ,einfluss des narkotischen
,getrnkes1 von dem alle ursprnglichen
,menschen und ,vlker in ,hymnen
sprechen1 oder bei dem gewaltigen1 die
ganze ,natur lustvoll durchdringenden
,nahen des ,frhlings erwachen jene
dionysischen ,regungen1 in deren
,steigerung das ,subjective zu vlliger
,selbstvergessenheit hinschwindet4 ,auch
im deutschen ,mittelalter wlzten sich
unter der gleichen dionysischen ,gewalt
immer wachsende ,schaaren1 singend und
tanzend1 von ,ort zu ,ort3 in diesen
,sanct-,johann- und ,sanct-,veittnzern
erkennen wir die bacchischen ,chre der
,griechen wieder1 mit ihrer
,vorgeschichte in ,kleinasien1 bis hin
zu ,babylon und den orgiastischen
,saken4 ,es giebt ,menschen1 die1 aus
,mangel an ,erfahrung oder aus
,stumpfsinn1 sich von solchen
,erscheinungen wie von
,volkskrankheiten1 spttisch oder
bedauernd im ,gefhl der eigenen
,gesundheit abwenden3 die ,armen ahnen
freilich nicht1 wie leichenfarbig und
gespenstisch eben diese ihre ,gesundheit
sich ausnimmt1 wenn an ihnen das
glhende ,leben dionysischer ,schwrmer
vorberbraust4 ,unter dem ,zauber des
,dionysischen schliesst sich nicht nur
der ,bund zwischen ,mensch und ,mensch
wieder zusammen3 auch die entfremdete1
feindliche oder unterjochte ,natur
feiert wieder ihr ,vershnungsfest mit
ihrem verlorenen ,sohne1 dem ,menschen4
,freiwillig beut die ,erde ihre ,gaben1
und friedfertig nahen die ,raubthiere
der ,felsen und der ,wste4 ,mit ,blumen
und ,krnzen ist der ,wagen des ,dionysus
berschttet3 unter seinem ,joche
schreiten ,panther und ,tiger4 ,man
verwandele das ,beethoven'sche
,jubellied der ,freude in ein ,gemlde
und bleibe mit seiner ,einbildungskraft
nicht zurck1 wenn die ,millionen
schauervoll in den ,staub sinken3 so
kann man sich dem ,dionysischen nhern4
,jetzt ist der ,sclave freier ,mann1
jetzt zerbrechen alle die starren1
feindseligen ,abgrenzungen1 die ,noth1
,willkr oder freche ,mode zwischen den
,menschen festgesetzt haben4 ,jetzt1 bei
dem ,evangelium der ,weltenharmonie1
fhlt sich ,jeder mit seinem ,nchsten
nicht nur vereinigt1 vershnt1
verschmolzen1 sondern eins1 als ob der
,schleier der ,maja zerrissen wre und
nur noch in ,fetzen vor dem
geheimnissvollen ,ur-,einen
herumflattere4 ,singend und tanzend
ussert sich der ,mensch als ,mitglied
einer hheren ,gemeinsamkeit3 er hat das
,gehen und das ,sprechen verlernt und
ist auf dem ,wege1 tanzend in die ,lfte
emporzufliegen4 ,aus seinen ,gebrden
spricht die ,verzauberung4 ,wie jetzt
die ,thiere reden1 und die ,erde ,milch
und ,honig giebt1 so tnt auch aus ihm
etwas ,uebernatrliches3 als ,gott fhlt
er sich1 er selbst wandelt jetzt so
verzckt und erhoben1 wie er die ,gtter
im ,traume wandeln sah4 ,der ,mensch ist
nicht mehr ,knstler1 er ist ,kunstwerk
geworden3 die ,kunstgewalt der ganzen
,natur1 zur hchsten ,wonnebefriedigung
des ,ur-,einen1 offenbart sich hier
unter den ,schauern des ,rausches4 ,der
edelste ,thon1 der kostbarste ,marmor
wird hier geknetet und behauen1 der
,mensch1 und zu den ,meisselschlgen des
dionysischen ,weltenknstlers tnt der
eleusinische ,mysterienruf3 ,ihr strzt
nieder1 ,millionen8 ,ahnest du den
,schpfer1 ,welt8 - #b4 ,wir haben bis
jetzt das ,apollinische und seinen
,gegensatz1 das ,dionysische1 als
knstlerische ,mchte betrachtet1 die aus
der ,natur selbst1 ohne ,vermittelung
des menschlichen ,knstlers1
hervorbrechen1 und in denen sich ihre
,kunsttriebe zunchst und auf directem
,wege befriedigen3 einmal als die
,bilderwelt des ,traumes1 deren
,vollkommenheit ohne jeden ,zusammenhang
mit der intellectuellen ,hhe oder
knstlerischen ,bildung des ,einzelnen
ist1 andererseits als rauschvolle
,wirklichkeit1 die wiederum des
,einzelnen nicht achtet1 sondern sogar
das ,individuum zu vernichten und durch
eine mystische ,einheitsempfindung zu
erlsen sucht4 ,diesen unmittelbaren
,kunstzustnden der ,natur gegenber ist
jeder ,knstler ,nachahmer1 und zwar
entweder apollinischer ,traumknstler
oder dionysischer ,rauschknstler oder
endlich - wie beispielsweise in der
griechischen ,tragdie - zugleich
,rausch- und ,traumknstler3 als welchen
wir uns etwa zu denken haben1 wie er1 in
der dionysischen ,trunkenheit und
mystischen ,selbstentusserung1 einsam
und abseits von den schwrmenden ,chren
niedersinkt und wie sich ihm nun1 durch
apollinische ,traumeinwirkung1 sein
eigener ,zustand d4h4 seine ,einheit mit
dem innersten ,grunde der ,welt in
einem gleichnissartigen ,traumbilde
offenbart4 ,nach diesen allgemeinen
,voraussetzungen und ,gegenberstellungen
nahen wir uns jetzt den ,griechen1 um
zu erkennen1 in welchem ,grade und bis
zu welcher ,hhe jene ,kunsttriebe der
,natur in ihnen entwickelt gewesen sind3
wodurch wir in den ,stand gesetzt
werden1 das ,verhltniss des griechischen
,knstlers zu seinen ,urbildern1 oder1
nach dem aristotelischen ,ausdrucke1 die
,nachahmung der ,natur tiefer zu
verstehn und zu wrdigen4 ,von den
,trumen der ,griechen ist trotz aller
,traumlitteratur derselben und
zahlreichen ,traumanecdoten nur
vermuthungsweise1 aber doch mit
ziemlicher ,sicherheit zu sprechen3 bei
der unglaublich bestimmten und sicheren
plastischen ,befhigung ihres ,auges1
sammt ihrer hellen und aufrichtigen
,farbenlust1 wird man sich nicht
entbrechen knnen1 zur ,beschmung aller
,sptergeborenen1 auch fr ihre ,trume
eine logische ,causalitt der ,linien und
,umrisse1 ,farben und ,gruppen1 eine
ihren besten ,reliefs hnelnde ,folge der
,scenen vorauszusetzen1 deren
,vollkommenheit uns1 wenn eine
,vergleichung mglich wre1 gewiss
berechtigen wrde1 die trumenden
,griechen als ,homere und ,homer als
einen trumenden ,griechen zu bezeichnen3
in einem tieferen ,sinne als wenn der
moderne ,mensch sich hinsichtlich seines
,traumes mit ,shakespeare zu
vergleichen wagt4 ,dagegen brauchen wir
nicht nur vermuthungsweise zu sprechen1
wenn die ungeheure ,kluft aufgedeckt
werden soll1 welche die dionysischen
,griechen von den dionysischen ,barbaren
trennt4 ,aus allen ,enden der alten
,welt - um die neuere hier bei ,seite zu
lassen - von ,rom bis ,babylon knnen
wir die ,existenz dionysischer ,feste
nachweisen1 deren ,typus sich1 besten
,falls1 zu dem ,typus der griechischen
verhlt1 wie der brtige ,satyr1 dem der
,bock ,namen und ,attribute verlieh1 zu
,dionysus selbst4 ,fast berall lag das
,centrum dieser ,feste in einer
berschwnglichen geschlechtlichen
,zuchtlosigkeit1 deren ,wellen ber jedes
,familienthum und dessen ehrwrdige
,satzungen hinweg flutheten2 gerade die
wildesten ,bestien der ,natur wurden
hier entfesselt1 bis zu jener
abscheulichen ,mischung von ,wollust und
,grausamkeit1 die mir immer als der
eigentliche ,hexentrank erschienen ist4
,gegen die fieberhaften ,regungen jener
,feste1 deren ,kenntniss auf allen
,land- und ,seewegen zu den ,griechen
drang1 waren sie1 scheint es1 eine ,zeit
lang vllig gesichert und geschtzt durch
die hier in seinem ganzen ,stolz sich
aufrichtende ,gestalt des ,apollo1 der
das ,medusenhaupt keiner gefhrlicheren
,macht entgegenhalten konnte als dieser
fratzenhaft ungeschlachten dionysischen4
,es ist die dorische ,kunst1 in der
sich jene majesttisch-ablehnende
,haltung des ,apollo verewigt hat4
,bedenklicher und sogar unmglich wurde
dieser ,widerstand1 als endlich aus der
tiefsten ,wurzel des ,hellenischen
heraus sich hnliche ,triebe
,bahnbrachen3 jetzt beschrnkte sich das
,wirken des delphischen ,gottes darauf1
dem gewaltigen ,gegner durch eine zur
rechten ,zeit abgeschlossene ,vershnung
die vernichtenden ,waffen aus der ,hand
zu nehmen4 ,diese ,vershnung ist der
wichtigste ,moment in der ,geschichte
des griechischen ,cultus3 wohin man
blickt1 sind die ,umwlzungen dieses
,ereignisses sichtbar4 ,es war die
,vershnung zweier ,gegner1 mit scharfer
,bestimmung ihrer von jetzt ab
einzuhaltenden ,grenzlinien und mit
periodischer ,uebersendung von
,ehrengeschenken2 im ,grunde war die
,kluft nicht berbrckt4 ,sehen wir aber1
wie sich unter dem ,drucke jenes
,friedensschlusses die dionysische
,macht offenbarte1 so erkennen wir
jetzt1 im ,vergleiche mit jenen
babylonischen ,saken und ihrem
,rckschritte des ,menschen zum ,tiger
und ,affen1 in den dionysischen ,orgien
der ,griechen die ,bedeutung von
,welterlsungsfesten und
,verklrungstagen4 ,erst bei ihnen
erreicht die ,natur ihren knstlerischen
,jubel1 erst bei ihnen wird die
,zerreissung des principii
individuationis ein knstlerisches
,phnomen4 ,jener scheussliche
,hexentrank aus ,wollust und
,grausamkeit war hier ohne ,kraft3 nur
die wundersame ,mischung und ,doppelheit
in den ,affecten der dionysischen
,schwrmer erinnert an ihn - wie
,heilmittel an tdtliche ,gifte erinnern
-1 jene ,erscheinung1 dass ,schmerzen
,lust erwecken1 dass der ,jubel der
,brust qualvolle ,tne entreisst4 ,aus
der hchsten ,freude tnt der ,schrei des
,entsetzens oder der sehnende ,klagelaut
ber einen unersetzlichen ,verlust4 ,in
jenen griechischen ,festen bricht
gleichsam ein sentimentalischer ,zug der
,natur hervor1 als ob sie ber ihre
,zerstckelung in ,individuen zu seufzen
habe4 ,der ,gesang und die
,gebrdensprache solcher zwiefach
gestimmter ,schwrmer war fr die
homerisch- griechische ,welt etwas
,neues und ,unerhrtes3 und insbesondere
erregte ihr die dionysische ,musik
,schrecken und ,grausen4 ,wenn die
,musik scheinbar bereits als eine
apollinische ,kunst bekannt war1 so war
sie dies doch nur1 genau genommen1 als
,wellenschlag des ,rhythmus1 dessen
bildnerische ,kraft zur ,darstellung
apollinischer ,zustnde entwickelt wurde4
,die ,musik des ,apollo war dorische
,architektonik in ,tnen1 aber in nur
angedeuteten ,tnen1 wie sie der ,kithara
zu eigen sind4 ,behutsam ist gerade das
,element1 als unapollinisch1
ferngehalten1 das den ,charakter der
dionysischen ,musik und damit der ,musik
berhaupt ausmacht1 die erschtternde
,gewalt des ,tones1 der einheitliche
,strom des ,melos und die durchaus
unvergleichliche ,welt der ,harmonie4
,im dionysischen ,dithyrambus wird der
,mensch zur hchsten ,steigerung aller
seiner symbolischen ,fhigkeiten gereizt2
etwas ,nieempfundenes drngt sich zur
,aeusserung1 die ,vernichtung des
,schleiers der ,maja1 das ,einssein als
,genius der ,gattung1 ja der ,natur4
,jetzt soll sich das ,wesen der ,natur
symbolisch ausdrcken2 eine neue ,welt
der ,symbole ist nthig1 einmal die ganze
leibliche ,symbolik1 nicht nur die
,symbolik des ,mundes1 des ,gesichts1
des ,wortes1 sondern die volle1 alle
,glieder rhythmisch bewegende
,tanzgebrde4 ,sodann wachsen die anderen
symbolischen ,krfte1 die der ,musik1 in
,rhythmik1 ,dynamik und ,harmonie1
pltzlich ungestm4 ,um diese
,gesammtentfesselung aller symbolischen
,krfte zu fassen1 muss der ,mensch
bereits auf jener ,hhe der
,selbstentusserung angelangt sein1 die
in jenen ,krften sich symbolisch
aussprechen will3 der dithyrambische
,dionysusdiener wird somit nur von
,seinesgleichen verstanden6 ,mit welchem
,erstaunen musste der apollinische
,grieche auf ihn blicken6 ,mit einem
,erstaunen1 das um so grsser war1 als
sich ihm das ,grausen beimischte1 dass
ihm jenes ,alles doch eigentlich so
fremd nicht sei1 ja dass sein
apollinisches ,bewusstsein nur wie ein
,schleier diese dionysische ,welt vor
ihm verdecke4 #c4 ,um dies zu
begreifen1 mssen wir jenes kunstvolle
,gebude der apollinischen ,cultur
gleichsam ,stein um ,stein abtragen1 bis
wir die ,fundamente erblicken1 auf die
es begrndet ist4 ,hier gewahren wir nun
zuerst die herrlichen olympischen
,gttergestalten1 die auf den ,giebeln
dieses ,gebudes stehen1 und deren
,thaten in weithin leuchtenden ,reliefs
dargestellt seine ,friese zieren4 ,wenn
unter ihnen auch ,apollo steht1 als eine
einzelne ,gottheit neben anderen und
ohne den ,anspruch einer ersten
,stellung1 so drfen wir uns dadurch
nicht beirren lassen4 ,derselbe ,trieb1
der sich in ,apollo versinnlichte1 hat
berhaupt jene ganze olympische ,welt
geboren1 und in diesem ,sinne darf uns
,apollo als ,vater derselben gelten4
,welches war das ungeheure ,bedrfniss1
aus dem eine so leuchtende ,gesellschaft
olympischer ,wesen entsprang8 ,wer1
mit einer anderen ,religion im ,herzen1
an diese ,olympier herantritt und nun
nach sittlicher ,hhe1 ja ,heiligkeit1
nach unleiblicher ,vergeistigung1 nach
erbarmungsvollen ,liebesblicken bei
ihnen sucht1 der wird unmuthig und
enttuscht ihnen bald den ,rcken kehren
mssen4 ,hier erinnert nichts an ,askese1
,geistigkeit und ,pflicht3 hier redet
nur ein ppiges1 ja triumphirendes
,dasein zu uns1 in dem alles ,vorhandene
vergttlicht ist1 gleichviel ob es gut
oder bse ist4 ,und so mag der ,beschauer
recht betroffen vor diesem
phantastischen ,ueberschwang des ,lebens
stehn1 um sich zu fragen1 mit welchem
,zaubertrank im ,leibe diese bermthigen
,menschen das ,leben genossen haben
mgen1 dass1 wohin sie sehen1 ,helena1
das in ssser ,sinnlichkeit schwebende
,idealbild ihrer eignen ,existenz1 ihnen
entgegenlacht4 ,diesem bereits rckwrts
gewandten ,beschauer mssen wir aber
zurufen3 ,geh' nicht von dannen1 sondern
hre erst1 was die griechische
,volksweisheit von diesem selben ,leben
aussagt1 das sich hier mit so
unerklrlicher ,heiterkeit vor dir
ausbreitet4 ,es geht die alte ,sage1
dass ,knig ,midas lange ,zeit nach dem
weisen ,silen1 dem ,begleiter des
,dionysus1 im ,walde gejagt habe1 ohne
ihn zu fangen4 ,als er ihm endlich in
die ,hnde gefallen ist1 fragt der ,knig1
was fr den ,menschen das ,allerbeste
und ,allervorzglichste sei4 ,starr und
unbeweglich schweigt der ,dmon2 bis er1
durch den ,knig gezwungen1 endlich unter
gellem ,lachen in diese ,worte
ausbricht3 ,elendes ,eintagsgeschlecht1
des ,zufalls ,kinder und der ,mhsal1 was
zwingst du mich dir zu sagen1 was nicht
zu hren fr dich das ,erspriesslichste
ist8 ,das ,allerbeste ist fr dich
gnzlich unerreichbar3 nicht geboren zu
sein1 nicht zu sein1 nichts zu sein4
,das ,zweitbeste aber ist fr dich - bald
zu sterben4 ,wie verhlt sich zu dieser
,volksweisheit die olympische
,gtterwelt8 ,wie die entzckungsreiche
,vision des gefolterten ,mrtyrers zu
seinen ,peinigungen4 ,jetzt ffnet sich
uns gleichsam der olympische ,zauberberg
und zeigt uns seine ,wurzeln4 ,der
,grieche kannte und empfand die
,schrecken und ,entsetzlichkeiten des
,daseins3 um berhaupt leben zu knnen1
musste er vor sie hin die glnzende
,traumgeburt der ,olympischen stellen4
,jenes ungeheure ,misstrauen gegen die
titanischen ,mchte der ,natur1 jene ber
allen ,erkenntnissen erbarmungslos
thronende ,moira jener ,geier des
grossen ,menschenfreundes ,prometheus1
jenes ,schreckensloos des weisen
,oedipus1 jener ,geschlechtsfluch der
,atriden1 der ,orest zum ,muttermorde
zwingt1 kurz jene ganze ,philosophie des
,waldgottes1 sammt ihren mythischen
,exempeln1 an der die schwermthigen
,etrurier zu ,grunde gegangen sind -
wurde von den ,griechen durch jene
knstlerische ,mittelwelt der ,olympier
fortwhrend von ,neuem berwunden1
jedenfalls verhllt und dem ,anblick
entzogen4 ,um leben zu knnen1 mussten
die ,griechen diese ,gtter1 aus tiefster
,nthigung1 schaffen3 welchen ,hergang
wir uns wohl so vorzustellen haben1 dass
aus der ursprnglichen titanischen
,gtterordnung des ,schreckens durch
jenen apollinischen ,schnheitstrieb in
langsamen ,uebergngen die olympische
,gtterordnung der ,freude entwickelt
wurde3 wie ,rosen aus dornigem ,gebsch
hervorbrechen4 ,wie anders htte jenes so
reizbar empfindende1 so ungestm
begehrende1 zum ,leiden so einzig
befhigte ,volk das ,dasein ertragen
knnen1 wenn ihm nicht dasselbe1 von
einer hheren ,glorie umflossen1 in
seinen ,gttern gezeigt worden wre4
,derselbe ,trieb1 der die ,kunst in's
,leben ruft1 als die zum ,weiterleben
verfhrende ,ergnzung und ,vollendung des
,daseins1 liess auch die olympische
,welt entstehn1 in der sich der
hellenische ,wille einen verklrenden
,spiegel vorhielt4 ,so rechtfertigen die
,gtter das ,menschenleben1 indem sie es
selbst leben - die allein gengende
,theodicee6 ,das ,dasein unter dem
hellen ,sonnenscheine solcher ,gtter
wird als das an sich ,erstrebenswerthe
empfunden1 und der eigentliche ,schmerz
der homerischen ,menschen bezieht sich
auf das ,abscheiden aus ihm1 vor allem
auf das baldige ,abscheiden3 so dass man
jetzt von ihnen1 mit ,umkehrung der
silenischen ,weisheit1 sagen knnte1 das
,allerschlimmste sei fr sie1 bald zu
sterben1 das ,zweitschlimmste1 berhaupt
einmal zu sterben4 ,wenn die ,klage
einmal ertnt1 so klingt sie wieder vom
kurzlebenden ,achilles1 von dem
blttergleichen ,wechsel und ,wandel des
,menschengeschlechts1 von dem ,untergang
der ,heroenzeit4 ,es ist des grssten
,helden nicht unwrdig1 sich nach dem
,weiterleben zu sehnen1 sei es selbst
als ,tagelhner4 ,so ungestm verlangt1
auf der apollinischen ,stufe1 der ,wille
nach diesem ,dasein1 so eins fhlt sich
der homerische ,mensch mit ihm1 dass
selbst die ,klage zu seinem ,preisliede
wird4 ,hier muss nun ausgesprochen
werden1 dass diese von den neueren
,menschen so sehnschtig angeschaute
,harmonie1 ja ,einheit des ,menschen mit
der ,natur1 fr die ,schiller das
,kunstwort naiv in ,geltung gebracht
hat1 keinesfalls ein so einfacher1 sich
von selbst ergebender1 gleichsam
unvermeidlicher ,zustand ist1 dem wir an
der ,pforte jeder ,cultur1 als einem
,paradies der ,menschheit begegnen
mssten3 dies konnte nur eine ,zeit
glauben1 die den ,emil ,rousseau's sich
auch als ,knstler zu denken suchte und
in ,homer einen solchen am ,herzen der
,natur erzogenen ,knstler ,emil gefunden
zu haben whnte4 ,wo uns das ,naive in
der ,kunst begegnet1 haben wir die
hchste ,wirkung der apollinischen
,cultur zu erkennen3 welche immer erst
ein ,titanenreich zu strzen und
,ungethme zu tdten hat und durch krftige
,wahnvorspiegelungen und lustvolle
,illusionen ber eine schreckliche ,tiefe
der ,weltbetrachtung und reizbarste
,leidensfhigkeit ,sieger geworden sein
muss4 ,aber wie selten wird das ,naive1
jenes vllige ,verschlungensein in der
,schnheit des ,scheines1 erreicht6 ,wie
unaussprechbar erhaben ist deshalb
,homer1 der sich1 als ,einzelner1 zu
jener apollinischen ,volkscultur verhlt1
wie der einzelne ,traumknstler zur
,traumbefhigung des ,volks und der
,natur berhaupt4 ,die homerische
,naivett ist nur als der vollkommene
,sieg der apollinischen ,illusion zu
begreifen3 es ist dies eine solche
,illusion1 wie sie die ,natur1 zur
,erreichung ihrer ,absichten1 so hufig
verwendet4 ,das wahre ,ziel wird durch
ein ,wahnbild verdeckt3 nach diesem
strecken wir die ,hnde aus1 und jenes
erreicht die ,natur durch unsre
,tuschung4 ,in den ,griechen wollte der
,wille sich selbst1 in der ,verklrung
des ,genius und der ,kunstwelt1
anschauen2 um sich zu verherrlichen1
mussten seine ,geschpfe sich selbst als
verherrlichenwerth empfinden sie mussten
sich in einer hheren ,sphre wiedersehn1
ohne dass diese vollendete ,welt der
,anschauung als ,imperativ oder als
,vorwurf wirkte ,dies ist die ,sphre der
,schnheit1 in der sie ihre
,spiegelbilder1 die ,olympischen1 sahen4
,mit dieser ,schnheitsspiegelung kmpfte
der hellenische ,wille gegen das dem
knstlerischen correlative ,talent zum
,leiden und zur ,weisheit des ,leidens
und als ,denkmal seines ,sieges steht
,homer vor uns1 der naive ,knstler4
#d4 ,ueber diesen naiven ,knstler giebt
uns die ,traumanalogie einige
,belehrung ,wenn wir uns den ,trumenden
vergegenwrtigen1 wie er1 mitten in der
,illusion der ,traumwelt und ohne sie zu
stren1 sich zuruft es ist ein ,traum1
ich will ihn weiter trumen1 wenn wir
hieraus auf eine tiefe innere ,lust des
,traumanschauens zu schliessen haben1
wenn wir andererseits1 um berhaupt mit
dieser inneren ,lust am ,schauen trumen
zu knnen1 den ,tag und seine
schreckliche ,zudringlichkeit vllig
vergessen haben mssen so drfen wir uns
alle diese ,erscheinungen etwa in
folgender ,weise1 unter der ,leitung des
traumdeutenden ,apollo1 interpretiren4
,so gewiss von den beiden ,hlften des
,lebens1 der wachen und der trumenden
,hlfte1 uns die erstere als die ungleich
bevorzugtere1 wichtigere1 wrdigere1
lebenswerthere1 ja allein gelebte dnkt
so mchte ich doch1 bei allem ,anscheine
einer ,paradoxie1 fr jenen
geheimnissvollen ,grund unseres ,wesens1
dessen ,erscheinung wir sind1 gerade
die entgegengesetzte ,werthschtzung des
,traumes behaupten4 ,je mehr ich nmlich
hin der ,natur jene allgewaltigen
,kunsttriebe und in ihnen eine
inbrnstige ,sehnsucht zum ,schein1 zum
,erlstwerden durch den ,schein gewahr
werde1 um so mehr fhle ich mich zu der
metaphysischen ,annahme gedrngt1 dass
das ,wahrhaft-,seiende und ,ur-,eine1
als das ewig ,leidende und
,widerspruchsvolle1 zugleich die
entzckende ,vision1 den lustvollen
,schein1 zu seiner steten ,erlsung
braucht3 welchen ,schein wir1 vllig in
ihm befangen und aus ihm bestehend1 als
das ,wahrhaft-,nichtseiende d4h4 als ein
fortwhrendes ,werden in ,zeit1 ,raum
und ,causalitt1 mit anderen ,worten1 als
empirische ,realitt zu empfinden
genthigt sind4 ,sehen wir also einmal
von unsrer eignen ,realitt fr einen
,augenblick ab1 fassen wir unser
empirisches ,dasein1 wie das der ,welt
berhaupt1 als eine in jedem ,moment
erzeugte ,vorstellung des ,ur-,einen1 so
muss uns jetzt der ,traum als der
,schein des ,scheins1 somit als eine
noch hhere ,befriedigung der ,urbegierde
nach dem ,schein hin gelten4 ,aus
diesem selben ,grunde hat der innerste
,kern der ,natur jene unbeschreibliche
,lust an dem naiven ,knstler und dem
naiven ,kunstwerke1 das gleichlfalls nur
,schein des ,scheins ist4 ,rafael1
selbst einer jener unsterblichen
,naiven1 hat uns in einem
gleichnissartigen ,gemlde jenes
,depotenziren des ,scheins zum ,schein1
den ,urprozess des naiven ,knstlers und
zugleich der apollinischen ,cultur1
dargestellt4 ,in seiner ,transfiguration
zeigt uns die untere ,hlfte1 mit dem
besessenen ,knaben1 den verzweifelnden
,trgern1 den rathlos gengstigten
,jngern1 die ,wiederspiegelung des
ewigen ,urschmerzes1 des einzigen
,grundes der ,welt der ,schein ist hier
,widerschein des ewigen ,widerspruchs1
des ,vaters der ,dinge4 ,aus diesem
,schein steigt nun1 wie ein ambrosischer
,duft1 eine visionsgleiche neue
,scheinwelt empor1 von der jene im
ersten ,schein ,befangenen nichts sehen
- ein leuchtendes ,schweben in reinster
,wonne und schmerzlosem1 aus weiten
,augen strahlenden ,anschauen4 ,hier
haben wir1 in hchster ,kunstsymbolik1
jene apollinische ,schnheitswelt und
ihren ,untergrund1 die schreckliche
,weisheit des ,silen1 vor unseren
,blicken und begreifen1 durch
,intuition1 ihre gegenseitige
,nothwendigkeit ,apollo aber tritt uns
wiederum als die ,vergttlichung des
principii individuationis entgegen1 in
dem allein das ewig erreichte ,ziel des
,ur-,einen1 seine ,erlsung durch den
,schein1 sich vollzieht3 er zeigt uns1
mit erhabenen ,gebrden1 wie die ganze
,welt der ,qual nthig ist1 damit durch
sie der ,einzelne zur ,erzeugung der
erlsenden ,vision gedrngt werde und
dann1 ins ,anschauen derselben
versunken1 ruhig auf seinem schwankenden
,kahne1 inmitten des ,meeres1 sitze4
,diese ,vergttlichung der ,individuation
kennt1 wenn sie berhaupt imperativisch
und ,vorschriften gebend gedacht wird1
nur ,ein ,gesetz1 das ,individuum d4h4
die ,einhaltung der ,grenzen des
,individuums1 das ,maass im hellenischen
,sinne4 ,apollo1 als ethische
,gottheit1 fordert von den ,seinigen das
,maass und1 um es einhalten zu knnen1
,selbsterkenntniss4 ,und so luft neben
der sthetischen ,nothwendigkeit der
,schnheit die ,forderung des ,erkenne
dich selbst und des ,nicht zu viel6 her1
whrend ,selbstberhebung und ,uebermaass
als die eigentlich feindseligen ,dmonen
der nicht-apollinischen ,sphre1 daher
als ,eigenschaften der vor-apollinischen
,zeit1 des ,titanenzeitalters1 und der
ausser-apollinischen ,welt d4h4 der
,barbarenwelt1 erachtet wurden4 ,wegen
seiner titanenhaften ,liebe zu den
,menschen musste ,prometheus von den
,geiern zerrissen werden1 seiner
bermssigen ,weisheit halber1 die das
,rthsel der ,sphinx lste1 musste
,oedipus in einen verwirrenden ,strudel
von ,unthaten strzen3 so interpretirte
der delphische ,gott die griechische
,vergangenheit4 ,titanenhaft und
barbarisch dnkte dem apollinischen
,griechen auch die ,wirkung1 die das
,dionysische erregte3 ohne dabei sich
verhehlen zu knnen1 dass er selbst doch
zugleich auch innerlich mit jenen
gestrzten ,titanen und ,heroen verwandt
sei4 ,ja er musste noch mehr empfinden3
sein ganzes ,dasein mit aller ,schnheit
und ,mssigung ruhte auf einem verhllten
,untergrunde des ,leidens und der
,erkenntniss1 der ihm wieder durch jenes
,dionysische aufgedeckt wurde4 ,und
siehe6 ,apollo konnte nicht ohne
,dionysus leben6 ,das ,titanische und
das ,barbarische war zuletzt eine eben
solche ,nothwendigkeit wie das
,apollinische6 ,und nun denken wir uns1
wie in diese auf den ,schein und die
,mssigung gebaute und knstlich gedmmte
,welt der ekstatische ,ton der
,dionysusfeier in immer lockenderen
,zauberweisen hineinklang1 wie in diesen
das ganze ,uebermaass der ,natur in
,lust1 ,leid und ,erkenntniss1 bis zum
durchdringenden ,schrei1 laut wurde3
denken wir uns1 was diesem dmonischen
,volksgesange gegenber der psalmodirende
,knstler des ,apollo1 mit dem
gespensterhaften ,harfenklange1 bedeuten
konnte6 ,die ,musen der ,knste des
,scheins verblassten vor einer ,kunst1
die in ihrem ,rausche die ,wahrheit
sprach1 die ,weisheit des ,silen rief
,wehe6 ,wehe6 aus gegen die heiteren
,olympier4 ,das ,individuum1 mit allen
seinen ,grenzen und ,maassen1 ging hier
in der ,selbstvergessenheit der
dionysischen ,zustnde unter und vergass
die apollinischen ,satzungen4 ,das
,uebermaass enthllte sich als ,wahrheit1
der ,widerspruch1 die aus ,schmerzen
geborene ,wonne sprach von sich aus dem
,herzen der ,natur heraus4 ,und so war1
berall dort1 wo das ,dionysische
durchdrang1 das ,apollinische aufgehoben
und vernichtet4 ,aber eben so gewiss
ist1 dass dort1 wo der erste ,ansturm
ausgehalten wurde1 das ,ansehen und die
,majestt des delphischen ,gottes starrer
und drohender als je sich usserte4 ,ich
vermag nmlich den dorischen ,staat und
die dorische ,kunst mir nur als ein
fortgesetztes ,kriegslager des
,apollinischen zu erklren3 nur in einem
unausgesetzten ,widerstreben gegen das
titanisch-barbarische ,wesen des
,dionysischen konnte eine so
trotzig-sprde1 mit ,bollwerken
umschlossene ,kunst1 eine so
kriegsgemsse und herbe ,erziehung1 ein
so grausames und rcksichtsloses
,staatswesen von lngerer ,dauer sein4
,bis zu diesem ,punkte ist des ,weiteren
ausgefhrt worden1 was ich am ,eingange
dieser ,abhandlung bemerkte3 wie das
,dionysische und das ,apollinische in
immer neuen auf einander folgenden
,geburten1 und sich gegenseitig
steigernd das hellenische ,wesen
beherrscht haben3 wie aus dem erzenen
,zeitalter1 mit seinen ,titanenkmpfen
und seiner herben ,volksphilosophie1
sich unter dem ,walten des apollinischen
,schnheitstriebes die homerische ,welt
entwickelt1 wie diese naive
,herrlichkeit wieder von dem
einbrechenden ,strome des ,dionysischen
verschlungen wird1 und wie dieser neuen
,macht gegenber sich das ,apollinische
zur starren ,majestt der dorischen
,kunst und ,weltbetrachtung erhebt4
,wenn auf diese ,weise die ltere
hellenische ,geschichte1 im ,kampf jener
zwei feindseligen ,principien1 in vier
grosse ,kunststufen zerfllt3 so sind wir
jetzt gedrngt1 weiter nach dem letzten
,plane dieses ,werdens und ,treibens zu
fragen1 falls uns nicht etwa die
letzterreichte ,periode1 die der
dorischen ,kunst1 als die ,spitze und
,absicht jener ,kunsttriebe gelten
sollte3 und hier bietet sich unseren
,blicken das erhabene und hochgepriesene
,kunstwerk der attischen ,tragdie und
des dramatischen ,dithyrambus1 als das
gemeinsame ,ziel beider ,triebe1 deren
geheimnissvolles ,ehebndniss1 nach
langem vorhergehenden ,kampfe1 sich in
einem solchen ,kinde - das zugleich
,antigone und ,kassandra ist -
verherrlicht hat4 #e4 ,wir nahen uns
jetzt dem eigentlichen ,ziele unsrer
,untersuchung1 die auf die ,erkenntniss
des dionysisch-apollinischen ,genius und
seines ,kunstwerkes1 wenigstens auf das
ahnungsvolle ,verstndniss jenes
,einheitsmysteriums gerichtet ist4 ,hier
fragen wir nun zunchst1 wo jener neue
,keim sich zuerst in der hellenischen
,welt bemerkbar macht1 der sich nachher
bis zur ,tragdie und zum dramatischen
,dithyrambus entwickelt4 ,hierber giebt
uns das ,alterthum selbst bildlich
,aufschluss1 wenn es als die ,urvter und
,fackeltrger der griechischen ,dichtung
,homer und ,archilochus auf
,bildwerken1 ,gemmen u4s4w4 neben
einander stellt1 in der sicheren
,empfindung1 dass nur diese ,beiden
gleich vllig originalen ,naturen1 von
denen aus ein ,feuerstrom auf die
gesammte griechische ,nachwelt
fortfliesse1 zu erachten seien4 ,homer1
der in sich versunkene greise ,trumer1
der ,typus des apollinischen1 naiven
,knstlers1 sieht nun staunend den
leidenschaftlichen ,kopf des wild
durch's ,dasein getriebenen
kriegerischen ,musendieners
,archilochus3 und die neuere ,aesthetik
wusste nur deutend hinzuzufgen1 dass
hier dem objectiven ,knstler der erste
subjective entgegen gestellt sei4 ,uns
ist mit dieser ,deutung wenig gedient1
weil wir den subjectiven ,knstler nur
als schlechten ,knstler kennen und in
jeder ,art und ,hhe der ,kunst vor allem
und zuerst ,besiegung des ,subjectiven1
,erlsung vom ,ich und ,stillschweigen
jedes individuellen ,willens und
,gelstens fordern1 ja ohne ,objectivitt1
ohne reines interesseloses ,anschauen
nie an die geringste wahrhaft
knstlerische ,erzeugung glauben knnen4
,darum muss unsre ,aesthetik erst jenes
,problem lsen1 wie der ,lyriker als
,knstler mglich ist3 er1 der1 nach der
,erfahrung aller ,zeiten1 immer ich sagt
und die ganze chromatische ,tonleiter
seiner ,leidenschaften und ,begehrungen
vor uns absingt4 ,gerade dieser
,archilochus erschreckt uns1 neben
,homer1 durch den ,schrei seines ,hasses
und ,hohnes1 durch die trunknen
,ausbrche seiner ,begierde2 ist er1 der
erste subjectiv genannte ,knstler1 nicht
damit der eigentliche ,nichtknstler8
,woher aber dann die ,verehrung1 die
ihm1 dem ,dichter1 gerade auch das
delphische ,orakel1 der ,herd der
objectiven ,kunst1 in sehr merkwrdigen
,aussprchen erwiesen hat8 ,ueber den
,prozess seines ,dichtens hat uns
,schiller durch eine ihm selbst
unerklrliche1 doch nicht bedenklich
scheinende psychologische ,beobachtung
,licht gebracht2 er gesteht nmlich als
den vorbereitenden ,zustand vor dem
,actus des ,dichtens nicht etwa eine
,reihe von ,bildern1 mit geordneter
,causalitt der ,gedanken1 vor sich und
in sich gehabt zu haben1 sondern
vielmehr eine musikalische ,stimmung
7,die ,empfindung ist bei mir anfangs
ohne bestimmten und klaren ,gegenstand2
dieser bildet sich erst spter4 ,eine
gewisse musikalische ,gemthsstimmung
geht vorher1 und auf diese folgt bei mir
erst die poetische ,idee74 ,nehmen wir
jetzt das wichtigste ,phnomen der ganzen
antiken ,lyrik hinzu1 die berall als
natrlich geltende ,vereinigung1 ja
,identitt des ,lyrikers mit dem ,musiker
- der gegenber unsre neuere ,lyrik wie
ein ,gtterbild ohne ,kopf erscheint - so
knnen wir jetzt1 auf ,grund unsrer
frher dargestellten aesthetischen
,metaphysik1 uns in folgender ,weise den
,lyriker erklren4 ,er ist zuerst1 als
dionysischer ,knstler1 gnzlich mit dem
,ur-,einen1 seinem ,schmerz und
,widerspruch1 eins geworden und
producirt das ,abbild dieses ,ur-,einen
als ,musik1 wenn anders diese mit ,recht
eine ,wiederholung der ,welt und ein
zweiter ,abguss derselben genannt worden
ist2 jetzt aber wird diese ,musik ihm
wieder wie in einem gleichnissartige
,traumbilde1 unter der apollinischen
,traumeinwirkung sichtbar4 ,jener bild-
und begrifflose ,wiederschein des
,urschmerzes in der ,musik1 mit seiner
,erlsung im ,scheine1 erzeugt jetzt eine
zweite ,spiegelung1 als einzelnes
,gleichniss oder ,exempel4 ,seine
,subjectivitt hat der ,knstler bereits
in dem dionysischen ,prozess aufgegeben3
das ,bild1 das ihm jetzt seine ,einheit
mit dem ,herzen der ,welt zeigt1 ist
eine ,traumscene1 die jenen
,urwiderspruch und ,urschmerz1 sammt der
,urlust des ,scheines1 versinnlicht4
,das ,ich des ,lyrikers tnt also aus dem
,abgrunde des ,seins3 seine
,subjectivitt im ,sinne der neueren
,aesthetiker ist eine ,einbildung4 ,wenn
,archilochus1 der erste ,lyriker der
,griechen1 seine rasende ,liebe und
zugleich seine ,verachtung den ,tchtern
des ,lykambes kundgiebt1 so ist es nicht
seine ,leidenschaft1 die vor uns in
orgiastischem ,taumel tanzt3 wir sehen
,dionysus und die ,mnaden1 wir sehen den
berauschten ,schwrmer ,archilochus zum
,schlafe niedergesunken - wie ihn uns
,euripides in den ,bacchen beschreibt1
den ,schlaf auf hoher ,alpentrift1 in
der ,mittagssonne -3 und jetzt tritt
,apollo an ihn heran und berhrt ihn mit
dem ,lorbeer4 ,die
dionysisch-musikalische ,verzauberung
des ,schlfers sprht jetzt gleichsam
,bilderfunken um sich1 lyrische
,gedichte1 die in ihrer hchsten
,entfaltung ,tragdien und dramatische
,dithyramben heissen4 ,der ,plastiker
und zugleich der ihm verwandte ,epiker
ist in das reine ,anschauen der ,bilder
versunken4 ,der dionysische ,musiker ist
ohne jedes ,bild vllig nur selbst
,urschmerz und ,urwiederklang desselben4
,der lyrische ,genius fhlt aus dem
mystischen ,selbstentusserungs- und
,einheitszustande eine ,bilder- und
,gleichnisswelt hervorwachsen1 die eine
ganz andere ,frbung1 ,causalitt und
,schnelligkeit hat als jene ,welt des
,plastikers und ,epikers4 ,whrend der
,letztgenannte in diesen ,bildern und
nur in ihnen mit freudigem ,behagen lebt
und nicht mde wird1 sie bis auf die
kleinsten ,zge hin liebevoll
anzuschauen1 whrend selbst das ,bild des
zrnenden ,achilles fr ihn nur ein ,bild
ist1 dessen zrnenden ,ausdruck er mit
jener ,traumlust am ,scheine geniesst -
so dass er1 durch diesen ,spiegel des
,scheines1 gegen das ,einswerden und
,zusammenschmelzen mit seinen ,gestalten
geschtzt ist -1 so sind dagegen die
,bilder des ,lyrikers nichts als er
selbst und gleichsam nur verschiedene
,objectivationen von ihm1 weshalb er als
bewegender ,mittelpunkt jener ,welt ich
sagen darf3 nur ist diese ,ichheit
nicht dieselbe1 wie die des wachen1
empirisch- realen ,menschen1 sondern die
einzige berhaupt wahrhaft seiende und
ewige1 im ,grunde der ,dinge ruhende
,ichheit1 durch deren ,abbilder der
lyrische ,genius bis auf jenen ,grund
der ,dinge hindurchsieht4 ,nun denken
wir uns einmal1 wie er unter diesen
,abbildern auch sich selbst als
,nichtgenius erblickt d4h4 sein
,subject1 das ganze ,gewhl subjectiver1
auf ein bestimmtes1 ihm real dnkendes
,ding gerichteter ,leidenschaften und
,willensregungen2 wenn es jetzt scheint
als ob der lyrische ,genius und der mit
ihm verbundene ,nichtgenius eins wre und
als ob der ,erstere von sich selbst
jenes ,wrtchen ich sprche1 so wird uns
jetzt dieser ,schein nicht mehr verfhren
knnen1 wie er allerdings diejenigen
verfhrt hat1 die den ,lyriker als den
subjectiven ,dichter bezeichnet haben4
,in ,wahrheit ist ,archilochus1 der
leidenschaftlich entbrannte liebende und
hassende ,mensch nur eine ,vision des
,genius1 der bereits nicht mehr
,archilochus1 sondern ,weltgenius ist
und der seinen ,urschmerz in jenem
,gleichnisse vom ,menschen ,archilochus
symbolisch ausspricht3 whrend jener
subjectiv wollende und begehrende
,mensch ,archilochus berhaupt nie und
nimmer ,dichter sein kann4 ,es ist aber
gar nicht nthig1 dass der ,lyriker
gerade nur das ,phnomen des ,menschen
,archilochus vor sich sieht als
,wiederschein des ewigen ,seins2 und die
,tragdie beweist1 wie weit sich die
,visionswelt des ,lyrikers von jenem
allerdings zunchst stehenden ,phnomen
entfernen kann4 ,schopenhauer1 der sich
die ,schwierigkeit1 die der ,lyriker fr
die philosophische ,kunstbetrachtung
macht1 nicht verhehlt hat1 glaubt einen
,ausweg gefunden zu haben1 den ich nicht
mit ihm gehen kann1 whrend ihm allein1
in seiner tiefsinnigen ,metaphysik der
,musik1 das ,mittel in die ,hand gegeben
war1 mit dem jene ,schwierigkeit
entscheidend beseitigt werden konnte3
wie ich dies1 in seinem ,geiste und zu
seiner ,ehre1 hier gethan zu haben
glaube4 ,dagegen bezeichnet er als das
eigenthmliche ,wesen des ,liedes
,folgendes 7,welt als ,wille und
,vorstellung ,i1 ,s4 #bie73 ,es ist das
,subject des ,willens1 d4h4 das eigene
,wollen1 was das ,bewusstsein des
,singenden fllt1 oft als ein
entbundenes1 befriedigtes ,wollen
7,freude71 wohl noch fter aber als ein
gehemmtes 7,trauer71 immer als ,affect1
,leidenschaft1 bewegter ,gemthszustand4
,neben diesem jedoch und zugleich damit
wird durch den ,anblick der umgebenden
,natur der ,singende sich seiner bewusst
als ,subjects des reinen1 willenlosen
,erkennens1 dessen unerschtterliche1
selige ,ruhe nunmehr in ,contrast tritt
mit dem ,drange des immer beschrnkten1
immer noch drftigen ,wollens3 die
,empfindung dieses ,contrastes1 dieses
,wechselspieles ist eigentlich1 was sich
im ,ganzen des ,liedes ausspricht und
was berhaupt den lyrischen ,zustand
ausmacht4 ,in diesem tritt gleichsam das
reine ,erkennen zu uns heran1 um uns
vom ,wollen und seinem ,drange zu
erlsen3 wir folgen2 doch nur auf
,augenblicke3 immer von ,neuem entreisst
das ,wollen1 die ,erinnerung an unsere
persnlichen ,zwecke1 uns der ruhigen
,beschauung2 aber auch immer wieder
entlockt uns dem ,wollen die nchste
schne ,umgebung1 in welcher sich die
reine willenlose ,erkenntniss uns
darbietet4 ,darum geht im ,liede und der
lyrischen ,stimmung das ,wollen 7das
persnliche ,interesse des ,zwecks7 und
das reine ,anschauen der sich
darbietenden ,umgebung wundersam
gemischt durch einander3 es werden
,beziehungen zwischen beiden gesucht und
imaginirt2 die subjective ,stimmung1
die ,affection des ,willens1 theilt der
angeschauten ,umgebung und diese
wiederum jener ihre ,farbe im ,reflex
mit3 von diesem ganzen so gemischten und
getheilten ,gemthszustande ist das chte
,lied der ,abdruck4 ,wer vermchte in
dieser ,schilderung zu verkennen1 dass
hier die ,lyrik als eine unvollkommen
erreichte1 gleichsam im ,sprunge und
selten zum ,ziele kommende ,kunst
charakterisirt wird1 ja als eine
,halbkunst1 deren ,wesen darin bestehen
solle1 dass das ,wollen und das reine
,anschauen d4h4 der unaesthetische und
der aesthetische ,zustand wundersam
durch einander gemischt seien8 ,wir
behaupten vielmehr1 dass der ganze
,gegensatz1 nach dem wie nach einem
,werthmesser auch noch ,schopenhauer die
,knste eintheilt1 der des ,subjectiven
und des ,objectiven1 berhaupt in der
,aesthetik ungehrig ist1 da das
,subject1 das wollende und seine
egoistischen ,zwecke frdernde
,individuum nur als ,gegner1 nicht als
,ursprung der ,kunst gedacht werden
kann4 ,insofern aber das ,subject
,knstler ist1 ist es bereits von seinem
individuellen ,willen erlst und
gleichsam ,medium geworden1 durch das
hindurch das eine wahrhaft seiende
,subject seine ,erlsung im ,scheine
feiert4 ,denn dies muss uns vor allem1
zu unserer ,erniedrigung und ,erhhung1
deutlich sein1 dass die ganze
,kunstkomdie durchaus nicht fr uns1 etwa
unsrer ,besserung und ,bildung wegen1
aufgefhrt wird1 ja dass wir ebensowenig
die eigentlichen ,schpfer jener
,kunstwelt sind3 wohl aber drfen wir von
uns selbst annehmen1 dass wir fr den
wahren ,schpfer derselben schon ,bilder
und knstlerische ,projectionen sind und
in der ,bedeutung von ,kunstwerken unsre
hchste ,wrde haben - denn nur als
aesthetisches ,phnomen ist das ,dasein
und die ,welt ewig gerechtfertigt3 -
whrend freilich unser ,bewusstsein ber
diese unsre ,bedeutung kaum ein andres
ist als es die auf ,leinwand gemalten
,krieger von der auf ihr dargestellten
,schlacht haben4 ,somit ist unser ganzes
,kunstwissen im ,grunde ein vllig
illusorisches1 weil wir als ,wissende
mit jenem ,wesen nicht eins und
identisch sind1 das sich1 als einziger
,schpfer und ,zuschauer jener
,kunstkomdie1 einen ewigen ,genuss
bereitet4 ,nur soweit der ,genius im
,actus der knstlerischen ,zeugung mit
jenem ,urknstler der ,welt verschmilzt1
weiss er etwas ber das ewige ,wesen der
,kunst2 denn in jenem ,zustande ist er1
wunderbarer ,weise1 dem unheimlichen
,bild des ,mhrchens gleich1 das die
,augen drehn und sich selber anschaun
kann2 jetzt ist er zugleich ,subject und
,object1 zugleich ,dichter1
,schauspieler und ,zuschauer4 #f4 ,in
,betreff des ,archilochus hat die
gelehrte ,forschung entdeckt1 dass er
das ,volkslied in die ,litteratur
eingefhrt habe1 und dass ihm1 dieser
,that halber1 jene einzige ,stellung
neben ,homer1 in der allgemeinen
,schtzung der ,griechen zukomme4 ,was
aber ist das ,volkslied im ,gegensatz zu
dem vllig apollinischen ,epos8 ,was
anders als das perpetuum vestigium einer
,vereinigung des ,apollinischen und des
,dionysischen2 seine ungeheure1 ber
alle ,vlker sich erstreckende und in
immer neuen ,geburten sich steigernde
,verbreitung ist uns ein ,zeugniss dafr1
wie stark jener knstlerische
,doppeltrieb der ,natur ist3 der in
analoger ,weise seine ,spuren im
,volkslied hinterlsst1 wie die
orgiastischen ,bewegungen eines ,volkes
sich in seiner ,musik verewigen4 ,ja es
msste auch historisch nachweisbar sein1
wie jede an ,volksliedern reich
productive ,periode zugleich auf das
,strkste durch dionysische ,strmungen
erregt worden ist1 welche wir immer als
,untergrund und ,voraussetzung des
,volksliedes zu betrachten haben4 ,das
,volkslied aber gilt uns zu allernchst
als musikalischer ,weltspiegel1 als
ursprngliche ,melodie1 die sich jetzt
eine parallele ,traumerscheinung sucht
und diese in der ,dichtung ausspricht4
,die ,melodie ist also das ,erste und
,allgemeine1 das deshalb auch mehrere
,objectivationen1 in mehreren ,texten1
an sich erleiden kann4 ,sie ist auch das
bei weitem wichtigere und nothwendigere
in der naiven ,schtzung des ,volkes4
,die ,melodie gebiert die ,dichtung aus
sich und zwar immer wieder von ,neuem2
nichts ,anderes will uns die
,strophenform des ,volksliedes sagen3
welches ,phnomen ich immer mit
,erstaunen betrachtet habe1 bis ich
endlich diese ,erklrung fand4 ,wer eine
,sammlung von ,volksliedern z4,b4 des
,knaben ,wunderhorn auf diese ,theorie
hin ansieht1 der wird unzhlige
,beispiele finden1 wie die fortwhrend
gebrende ,melodie ,bilderfunken um sich
aussprht3 die in ihrer ,buntheit1 ihrem
jhen ,wechsel1 ja ihrem tollen
,sichberstrzen eine dem epischen
,scheine und seinem ruhigen ,fortstrmen
wildfremde ,kraft offenbaren4 ,vom
,standpunkte des ,epos ist diese
ungleiche und unregelmssige ,bilderwelt
der ,lyrik einfach zu verurtheilen3 und
dies haben gewiss die feierlichen
epischen ,rhapsoden der apollinischen
,feste im ,zeitalter des ,terpander
gethan4 ,in der ,dichtung des
,volksliedes sehen wir also die ,sprache
auf das ,strkste angespannt1 die ,musik
nachzuahmen3 deshalb beginnt mit
,archilochus eine neue ,welt der
,poesie1 die der homerischen in ihrem
tiefsten ,grunde widerspricht4 ,hiermit
haben wir das einzig mgliche ,verhltniss
zwischen ,poesie und ,musik1 ,wort und
,ton bezeichnet3 das ,wort1 das ,bild1
der ,begriff sucht einen der ,musik
analogen ,ausdruck und erleidet jetzt
die ,gewalt der ,musik an sich4 ,in
diesem ,sinne drfen wir in der
,sprachgeschichte des griechischen
,volkes zwei ,hauptstrmungen
unterscheiden1 jenachdem die ,sprache
die ,erscheinungs- und ,bilderwelt oder
die ,musikwelt nachahmte4 ,man denke nur
einmal tiefer ber die sprachliche
,differenz der ,farbe1 des syntaktischen
,bau's1 des ,wortmaterial's bei ,homer
und ,pindar nach1 um die ,bedeutung
dieses ,gegensatzes zu begreifen2 ja es
wird ,einem dabei handgreiflich
deutlich1 dass zwischen ,homer und
,pindar die orgiastischen ,fltenweisen
des ,olympus erklungen sein mssen1 die
noch im ,zeitalter des ,aristoteles1
inmitten einer unendlich entwickelteren
,musik1 zu trunkner ,begeisterung
hinrissen und gewiss in ihrer
ursprnglichen ,wirkung alle
dichterischen ,ausdrucksmittel der
gleichzeitigen ,menschen zur ,nachahmung
aufgereizt haben4 ,ich erinnere hier an
ein bekanntes1 unserer ,aesthetik nur
anstssig dnkendes ,phnomen unserer
,tage4 ,wir erleben es immer wieder1 wie
eine ,beethoven'sche ,symphonie die
einzelnen ,zuhrer zu einer ,bilderrede
nthigt1 sei es auch dass eine
,zusammenstellung der verschiedenen1
durch ein ,tonstck erzeugten
,bilderwelten sich recht phantastisch
bunt1 ja widersprechend ausnimmt3 an
solchen ,zusammenstellungen ihren armen
,witz zu ben und das doch wahrlich
erklrenswerthe ,phnomen zu bersehen1 ist
recht in der ,art jener ,aesthetik4 ,ja
selbst wenn der ,tondichter in ,bildern
ber eine ,composition geredet hat1 etwa
wenn er eine ,symphonie als pastorale
und einen ,satz als ,scene am ,bach1
einen anderen als lustiges ,zusammensein
der ,landleute bezeichnet1 so sind das
ebenfalls nur gleichnissartige1 aus der
,musik geborne ,vorstellungen - und
nicht etwa die nachgeahmten ,gegenstnde
der ,musik - ,vorstellungen1 die ber den
dionysischen ,inhalt der ,musik uns
nach keiner ,seite hin belehren knnen1
ja die keinen ausschliesslichen ,werth
neben anderen ,bildern haben4 ,diesen
,prozess einer ,entladung der ,musik in
,bildern haben wir uns nun auf eine
jugendfrische1 sprachlich schpferische
,volksmenge zu bertragen1 um zur ,ahnung
zu kommen1 wie das strophische
,volkslied entsteht1 und wie das ganze
,sprachvermgen durch das neue ,princip
der ,nachahmung der ,musik aufgeregt
wird4 ,drfen wir also die lyrische
,dichtung als die nachahmende
,effulguration der ,musik in ,bildern
und ,begriffen betrachten1 so knnen wir
jetzt fragen3 als was erscheint die
,musik im ,spiegel der ,bildlichkeit und
der ,begriffe8 ,sie erscheint als
,wille1 das ,wort im ,schopenhauerischen
,sinne genommen1 d4h4 als ,gegensatz
der aesthetischen1 rein beschaulichen
willenlosen ,stimmung4 ,hier
unterscheide man nun so scharf als
mglich den ,begriff des ,wesens von dem
der ,erscheinung3 denn die ,musik kann1
ihrem ,wesen nach1 unmglich ,wille sein1
weil sie als solcher gnzlich aus dem
,bereich der ,kunst zu bannen wre - denn
der ,wille ist das an sich
,unaesthetische -2 aber sie erscheint
als ,wille4 ,denn um ihre ,erscheinung
in ,bildern auszudrcken1 braucht der
,lyriker alle ,regungen der
,leidenschaft1 vom ,flstern der ,neigung
bis zum ,grollen des ,wahnsinns2 unter
dem ,triebe1 in apollinischen
,gleichnissen von der ,musik zu reden1
versteht er die ganze ,natur und sich in
ihr nur als das ewig ,wollende1
,begehrende1 ,sehnende4 ,insofern er
aber die ,musik in ,bildern deutet1 ruht
er selbst in der stillen ,meeresruhe
der apollinischen ,betrachtung1 so sehr
auch alles1 was er durch das ,medium der
,musik anschaut1 um ihn herum in
drngender und treibender ,bewegung ist4
,ja wenn er sich selbst durch dasselbe
,medium erblickt1 so zeigt sich ihm sein
eignes ,bild im ,zustande des
unbefriedigten ,gefhls3 sein eignes
,wollen1 ,sehnen1 ,sthnen1 ,jauchzen ist
ihm ein ,gleichniss1 mit dem er die
,musik sich deutet4 ,dies ist das
,phnomen des ,lyrikers3 als
apollinischer ,genius interpretirt er
die ,musik durch das ,bild des ,willens1
whrend er selbst1 vllig losgelst von
der ,gier des ,willens1 reines
ungetrbtes ,sonnenauge ist4 ,diese
ganze ,errterung hlt daran fest1 dass
die ,lyrik eben so abhngig ist vom
,geiste der ,musik als die ,musik
selbst1 in ihrer vlligen
,unumschrnktheit1 das ,bild und den
,begriff nicht braucht1 sondern ihn nur
neben sich ertrgt4 ,die ,dichtung des
,lyrikers kann nichts aussagen1 was
nicht in der ungeheuersten
,allgemeinheit und ,allgltigkeit bereits
in der ,musik lag1 die ihn zur
,bilderrede nthigte4 ,der ,weltsymbolik
der ,musik ist eben deshalb mit der
,sprache auf keine ,weise erschpfend
beizukommen1 weil sie sich auf den
,urwiderspruch und ,urschmerz im ,herzen
des ,ur-,einen symbolisch bezieht1
somit eine ,sphre symbolisirt1 die ber
alle ,erscheinung und vor aller
,erscheinung ist4 ,ihr gegenber ist
vielmehr jede ,erscheinung nur
,gleichniss3 daher kann die ,sprache1
als ,organ und ,symbol der
,erscheinungen1 nie und nirgends das
tiefste ,innere der ,musik nach ,aussen
kehren1 sondern bleibt immer1 sobald sie
sich auf ,nachahmung der ,musik
einlsst1 nur in einer usserlichen
,berhrung mit der ,musik1 whrend deren
tiefster ,sinn1 durch alle lyrische
,beredsamkeit1 uns auch keinen ,schritt
nher gebracht werden kann4 #g4 ,alle
die bisher errterten ,kunstprincipien
mssen wir jetzt zu ,hlfe nehmen1 um uns
in dem ,labyrinth zurecht zu finden1 als
welches wir den ,ursprung der
griechischen ,tragdie bezeichnen mssen4
,ich denke nichts ,ungereimtes zu
behaupten1 wenn ich sage1 dass das
,problem dieses ,ursprungs bis jetzt
noch nicht einmal ernsthaft aufgestellt1
geschweige denn gelst ist1 so oft auch
die zerflatternden ,fetzen der antiken
,ueberlieferung schon combinatorisch an
einander genht und wieder aus einander
gerissen sind4 ,diese ,ueberlieferung
sagt uns mit voller ,entschiedenheit1
dass die ,tragdie aus dem tragischen
,chore entstanden ist und ursprnglich
nur ,chor und nichts als ,chor war3
woher wir die ,verpflichtung nehmen1
diesem tragischen ,chore als dem
eigentlichen ,urdrama in's ,herz zu
sehen1 ohne uns an den gelufigen
,kunstredensarten - dass er der
idealische ,zuschauer sei oder das ,volk
gegenber der frstlichen ,region der
,scene zu vertreten habe - irgendwie
gengen zu lassen4 ,jener zuletzt
erwhnte1 fr manchen ,politiker erhaben
klingende ,erluterungsgedanke - als ob
das unwandelbare ,sittengesetz von den
demokratischen ,athenern in dem
,volkschore dargestellt sei1 der ber die
leidenschaftlichen ,ausschreitungen und
,ausschweifungen der ,knige hinaus
immer ,recht behalte - mag noch so sehr
durch ein ,wort des ,aristoteles
nahegelegt sein3 auf die ursprngliche
,formation der ,tragdie ist er ohne
,einfluss1 da von jenen rein religisen
,ursprngen der ganze ,gegensatz von
,volk und ,frst1 berhaupt jegliche
politisch-sociale ,sphre ausgeschlossen
ist2 aber wir mchten es auch in
,hinsicht auf die uns bekannte
classische ,form des ,chors bei
,aeschylus und ,sophokles fr ,blasphemie
erachten1 hier von der ,ahnung einer
constitutionellen ,volksvertretung zu
reden1 vor welcher ,blasphemie ,andere
nicht zurckgeschrocken sind4 ,eine
constitutionelle ,volksvertretung kennen
die antiken ,staatsverfassungen in
praxi nicht und haben sie hoffentlich
auch in ihrer ,tragdie nicht einmal
geahnt4 ,viel berhmter als diese
politische ,erklrung des ,chors ist der
,gedanke ,a4 ,w4 ,schlegel's1 der uns
den ,chor gewissermaassen als den
,inbegriff und ,extract der
,zuschauermenge1 als den idealischen
,zuschauer zu betrachten anempfiehlt4
,diese ,ansicht1 zusammengehalten mit
jener historischen ,ueberlieferung1 dass
ursprnglich die ,tragdie nur ,chor war1
erweist sich als das was sie ist1 als
eine rohe1 unwissenschaftliche1 doch
glnzende ,behauptung1 die ihren ,glanz
aber nur durch ihre concentrirte ,form
des ,ausdrucks1 durch die echt
germanische ,voreingenommenheit fr
,alles1 was idealisch genannt wird und
durch unser momentanes ,erstauntsein
erhalten hat4 ,wir sind nmlich erstaunt1
sobald wir das uns gut bekannte
,theaterpublicum mit jenem ,chore
vergleichen und uns fragen1 ob es wohl
mglich sei1 aus diesem ,publicum je
etwas dem tragischen ,chore ,analoges
herauszuidealisiren4 ,wir leugnen dies
im ,stillen und wundern uns jetzt eben
so ber die ,khnheit der ,schlegel'schen
,behauptung wie ber die total
verschiedene ,natur des griechischen
,publicums4 ,wir hatten nmlich doch
immer gemeint1 dass der rechte
,zuschauer1 er sei wer er wolle1 sich
immer bewusst bleiben msse1 ein
,kunstwerk vor sich zu haben1 nicht eine
empirische ,realitt3 whrend der
tragische ,chor der ,griechen in den
,gestalten der ,bhne leibhafte
,existenzen zu erkennen genthigt ist4
,der ,okeanidenchor glaubt wirklich den
,titan ,prometheus vor sich zu sehen und
hlt sich selbst fr eben so real wie den
,gott der ,scene4 ,und das sollte die
hchste und reinste ,art des ,zuschauers
sein1 gleich den ,okeaniden den
,prometheus fr leiblich vorhanden und
real zu halten8 ,und es wre das ,zeichen
des idealischen ,zuschauers1 auf die
,bhne zu laufen und den ,gott von seinen
,martern zu befreien8 ,wir hatten an
ein aesthetisches ,publicum geglaubt und
den einzelnen ,zuschauer fr um so
befhigter gehalten1 je mehr er im
,stande war1 das ,kunstwerk als ,kunst
d4h4 aesthetisch zu nehmen2 und jetzt
deutete uns der ,schlegel'sche ,ausdruck
an1 dass der vollkommne idealische
,zuschauer die ,welt der ,scene gar
nicht aesthetisch1 sondern leibhaft
empirisch auf sich wirken lasse4 ,o ber
diese ,griechen6 seufzen wir2 sie werfen
uns unsre ,aesthetik um6 ,daran aber
gewhnt1 wiederholten wir den
,sdllegel'schen ,spruch1 so oft der
,chor zur ,sprache kam4 ,aber jene so
ausdrckliche ,ueberlieferung redet hier
gegen ,schlegel3 der ,chor an sich1 ohne
,bhne1 also die primitive ,gestalt der
,tragdie und jener ,chor idealischer
,zuschauer vertragen sich nicht mit
einander4 ,was wre das fr eine
,kunstgattung1 die aus dem ,begriff des
,zuschauers herausgezogen wre1 als deren
eigentliche ,form der ,zuschauer an
sich zu gelten htte4 ,der ,zuschauer
ohne ,schauspiel ist ein widersinniger
,begriff4 ,wir frchten1 dass die ,geburt
der ,tragdie weder aus der ,hochachtung
vor der sittlichen ,intelligenz der
,masse1 noch aus dem ,begriff des
schauspiellosen ,zuschauers zu erklren
sei und halten dies ,problem fr zu tief1
um von so flachen ,betrachtungsarten
auch nur berhrt zu werden4 ,eine
unendlich werthvollere ,einsicht ber die
,bedeutung des ,chors hatte bereits
,schiller in der berhmten ,vorrede zur
,braut von ,messina verrathen1 der den
,chor als eine lebendige ,mauer
betrachtete1 die die ,tragdie um sich
herum zieht1 um sich von der wirklichen
,welt rein abzuschliessen und sich ihren
idealen ,boden und ihre poetische
,freiheit zu bewahren4 ,schiller kmpft
mit dieser seiner ,hauptwaffe gegen den
gemeinen ,begriff des ,natrlichen1 gegen
die bei der dramatischen ,poesie
gemeinhin geheischte ,illusion4 ,whrend
der ,tag selbst auf dem ,theater nur ein
knstlicher1 die ,architektur nur eine
symbolische sei und die metrische
,sprache einen idealen ,charakter trage1
herrsche immer noch der ,irrthum im
,ganzen3 es sei nicht genug1 dass man
das nur als eine poetische ,freiheit
dulde1 was doch das ,wesen aller ,poesie
sei4 ,die ,einfhrung des ,chores sei
der entscheidende ,schritt1 mit dem
jedem ,naturalismus in der ,kunst offen
und ehrlich der ,krieg erklrt werde4 -
,eine solche ,betrachtungsart ist es1
scheint mir1 fr die unser sich berlegen
whnendes ,zeitalter das wegwerfende
,schlagwort ,pseudoidealismus gebraucht4
,ich frchte1 wir sind dagegen mit
unserer jetzigen ,verehrung des
,natrlichen und ,wirklichen am ,gegenpol
alles ,idealismus angelangt1 nmlich in
der ,region der ,wachsfigurencabinette4
,auch in ihnen giebt es eine ,kunst1 wie
bei gewissen beliebten ,romanen der
,gegenwart3 nur qule man uns nicht mit
dem ,anspruch1 dass mit dieser ,kunst
der ,schiller-,goethesche
,pseudoidealismus berwunden sei4
,freilich ist es ein idealer ,boden1 auf
dem1 nach der richtigen ,einsicht
,schillers1 der griechische ,satyrchor1
der ,chor der ursprnglichen ,tragdie1 zu
wandeln pflegt1 ein ,boden hoch
emporgehoben ber die wirkliche
,wandelbahn der ,sterblichen4 ,der
,grieche hat sich fr diesen ,chor die
,schwebegerste eines fingirten
,naturzustandes gezimmert und auf sie
hin fingirte ,naturwesen gestellt4 ,die
,tragdie ist auf diesem ,fundamente
emporgewachsen und freilich schon
deshalb von ,anbeginn an einem
peinlichen ,abkonterfeien der
,wirklichkeit enthoben gewesen4 ,dabei
ist es doch keine willkrlich zwischen
,himmel und ,erde hineinphantasirte
,welt2 vielmehr eine ,welt von gleicher
,realitt und ,glaubwrdigkeit wie sie der
,olymp sammt seinen ,insassen fr den
glubigen ,hellenen besass4 ,der ,satyr
als der dionysische ,choreut lebt in
einer religis zugestandenen
,wirklichkeit unter der ,sanction des
,mythus und des ,cultus4 ,dass mit ihm
die ,tragdie beginnt1 dass aus ihm die
dionysische ,weisheit der ,tragdie
spricht1 ist ein hier uns eben so
befremdendes ,phnomen wie berhaupt die
,entstehung der ,tragdie aus dem ,chore4
,vielleicht gewinnen wir einen
,ausgangspunkt der ,betrachtung1 wenn
ich die ,behauptung hinstelle1 dass sich
der ,satyr1 das fingirte ,naturwesen1
zu dem ,culturmenschen in gleicher
,weise verhlt1 wie die dionysische
,musik zur ,civilisation4 ,von letzterer
sagt ,richard ,wagner1 dass sie von der
,musik aufgehoben werde wie der
,lampenschein vom ,tageslicht4 ,in
gleicher ,weise1 glaube ich1 fhlte sich
der griechische ,culturmensch im
,angesicht des ,satyrchors aufgehoben3
und dies ist die nchste ,wirkung der
dionysischen ,tragdie1 dass der ,staat
und die ,gesellschaft1 berhaupt die
,klfte zwischen ,mensch und ,mensch
einem bermchtigen ,einheitsgefhle
weichen1 welches an das ,herz der ,natur
zurckfhrt4 ,der metaphysische ,trost1 -
mit welchem1 wie ich schon hier
andeute1 uns jede wahre ,tragdie entlsst
- dass das ,leben im ,grunde der
,dinge1 trotz allem ,wechsel der
,erscheinungen unzerstrbar mchtig und
lustvoll sei1 dieser ,trost erscheint in
leibhafter ,deutlichkeit als
,satyrchor1 als ,chor von ,naturwesen1
die gleichsam hinter aller ,civilisation
unvertilgbar leben und trotz allem
,wechsel der ,generationen und der
,vlkergeschichte ewig dieselben bleiben4
,mit diesem ,chore trstet sich der
tiefsinnige und zum zartesten und
schwersten ,leiden einzig befhigte
,hellene1 der mit schneidigem ,blicke
mitten in das furchtbare
,vernidhtungstreiben der sogenannten
,weltgeschichte1 eben so wie in die
,grausamkeit der ,natur geschaut hat und
in ,gefahr ist1 sich nach einer
buddhaistischen ,verneinung des ,willens
zu sehnen4 ,ihn rettet die ,kunst1 und
durch die ,kunst rettet ihn sich - das
,leben4 ,die ,verzckung des
dionysischen ,zustandes mit seiner
,vernichtung der gewhnlichen ,schranken
und ,grenzen des ,daseins enthlt nmlich
whrend seiner ,dauer ein lethargisches
,element1 in das sich alles persnlich in
der ,vergangenheit ,erlebte eintaucht4
,so scheidet sich durch diese ,kluft der
,vergessenheit die ,welt der
alltglichen und der dionysischen
,wirklichkeit von einander ab4 ,sobald
aber jene alltgliche ,wirklichkeit
wieder ins ,bewusstsein tritt1 wird sie
mit ,ekel als solche empfunden2 eine
asketische1 willenverneinende ,stimmung
ist die ,frucht jener ,zustnde4 ,in
diesem ,sinne hat der dionysische
,mensch ,aehnlichkeit mit ,hamlet3 beide
haben einmal einen wahren ,blick in das
,wesen der ,dinge gethan1 sie haben
erkannt1 und es ekelt sie zu handeln2
denn ihre ,handlung kann nichts am
ewigen ,wesen der ,dinge ndern1 sie
empfinden es als lcherlich oder
schmachvoll1 dass ihnen zugemuthet wird1
die ,welt1 die aus den ,fugen ist1
wieder einzurichten4 ,die ,erkenntniss
tdtet das ,handeln1 zum ,handeln gehrt
das ,umschleiertsein durch die ,illusion
- das ist die ,hamletlehre1 nicht jene
wohlfeile ,weisheit von ,hans dem
,trumer1 der aus zu viel ,reflexion1
gleichsam aus einem ,ueberschuss von
,mglichkeiten nicht zum ,handeln kommt2
nicht das ,reflectiren1 nein6 - die
wahre ,erkenntniss1 der ,einblick in die
grauenhafte ,wahrheit berwiegt jedes
zum ,handeln antreibende ,motiv1 bei
,hamlet sowohl als bei dem dionysischen
,menschen4 ,jetzt verfngt kein ,trost
mehr1 die ,sehnsucht geht ber eine ,welt
nach dem ,tode1 ber die ,gtter selbst
hinaus1 das ,dasein wird1 sammt seiner
gleissenden ,wiederspiegelung in den
,gttern oder in einem unsterblichen
,jenseits1 verneint4 ,in der
,bewusstheit der einmal geschauten
,wahrheit sieht jetzt der ,mensch berall
nur das ,entsetzliche oder ,absurde des
,seins1 jetzt versteht er das
,symbolische im ,schicksal der ,ophelia1
jetzt erkennt er die ,weisheit des
,waldgottes ,silen3 es ekelt ihn4
,hier1 in dieser hchsten ,gefahr des
,willens1 naht sich1 als rettende1
heilkundige ,zauberin1 die ,kunst2 sie
allein vermag jene ,ekelgedanken ber das
,entsetzliche oder ,absurde des
,daseins in ,vorstellungen umzubiegen1
mit denen sich leben lsst3 diese sind
das ,erhabene als die knstlerische
,bndigung des ,entsetzlichen und das
,komische als die knstlerische
,entladung vom ,ekel des ,absurden4 ,der
,satyrchor des ,dithyrambus ist die
rettende ,that der griechischen ,kunst2
an der ,mittelwelt dieser dionysischen
,begleiter erschpften sich jene vorhin
beschriebenen ,anwandlungen4 #h4 ,der
,satyr wie der idyllische ,schfer
unserer neueren ,zeit sind ,beide
,ausgeburten einer auf das ,ursprngliche
und ,natrliche gerichteten ,sehnsucht2
aber mit welchem festen unerschrocknen
,griffe fasste der ,grieche nach seinem
,waldmenschen1 wie verschmt und
weichlich tndelte der moderne ,mensch
mit dem ,schmeichelbild eines zrtlichen
fltenden weichgearteten ,hirten6 ,die
,natur1 an der noch keine ,erkenntniss
gearbeitet1 in der die ,riegel der
,cultur noch unerbrochen sind - das sah
der ,grieche in seinem ,satyr1 der ihm
deshalb noch nicht mit dem ,affen
zusammenfiel4 ,im ,gegentheil3 es war
das ,urbild des ,menschen1 der ,ausdruck
seiner hchsten und strksten ,regungen1
als begeisterter ,schwrmer1 den die ,nhe
des ,gottes entzckt1 als mitleidender
,genosse1 in dem sich das ,leiden des
,gottes wiederholt1 als
,weisheitsverknder aus der tiefsten
,brust der ,natur heraus1 als ,sinnbild
der geschlechtlichen ,allgewalt der
,natur1 die der ,grieche gewhnt ist mit
ehrfrchtigem ,staunen zu betrachten4
,der ,satyr war etwas ,erhabenes und
,gttliches3 so musste er besonders dem
schmerzlich gebrochnen ,blick des
dionysischen ,menschen dnken4 ,ihn htte
der geputzte1 erlogene ,schfer
beleidigt3 auf den unverhllten und
unverkmmert grossartigen ,schriftzgen
der ,natur weilte sein ,auge in
erhabener ,befriedigung2 hier war die
,illusion der ,cultur von dem ,urbilde
des ,menschen weggewischt1 hier enthllte
sich der wahre ,mensch1 der brtige
,satyr1 der zu seinem ,gotte aufjubelt4
,vor ihm schrumpfte der ,culturmensch
zur lgenhaften ,caricatur zusammen4
,auch fr diese ,anfnge der tragischen
,kunst hat ,schiller ,recht3 der ,chor
ist eine lebendige ,mauer gegen die
anstrmende ,wirklichkeit1 weil er - der
,satyrchor - das ,dasein wahrhaftiger1
wirklicher1 vollstndiger abbildet als
der gemeinhin sich als einzige ,realitt
achtende ,culturmensch4 ,die ,sphre der
,poesie liegt nicht ausserhalb der
,welt1 als eine phantastische
,unmglichkeit eines ,dichterhirns3 sie
will das gerade ,gegentheil sein1 der
ungeschminkte ,ausdruck der ,wahrheit
und muss eben deshalb den lgenhaften
,aufputz jener vermeinten ,wirklichkeit
des ,culturmenschen von sich werfen4
,der ,contrast dieser eigentlichen
,naturwahrheit und der sich als einzige
,realitt gebrdenden ,culturlge ist ein
hnlicher wie zwischen dem ewigen ,kern
der ,dinge1 dem ,ding an sich1 und der
gesammten ,erscheinungswelt3 und wie die
,tragdie mit ihrem metaphysischen
,troste auf das ewige ,leben jenes
,daseinskernes1 bei dem fortwhrenden
,untergange der ,erscheinungen1
hinweist1 so spricht bereits die
,symbolik des ,satyrchors in einem
,gleichniss jenes ,urverhltniss zwischen
,ding an sich und ,erscheinung aus4
,jener idyllische ,schfer des modernen
,menschen ist nur ein ,konterfei der ihm
als ,natur geltenden ,summe von
,bildungsillusionen2 der dionysische
,grieche will die ,wahrheit und die
,natur in ihrer hchsten ,kraft - er
sieht sich zum ,satyr verzaubert4
,unter solchen ,stimmungen und
,erkenntnissen jubelt die schwrmende
,schaar der ,dionysusdiener3 deren
,macht sie selbst vor ihren eignen
,augen verwandelt1 so dass sie sich als
wiederhergestellte ,naturgenien1 als
,satyrn1 zu erblicken whnen4 ,die sptere
,constitution des ,tragdienchors ist
die knstlerische ,nachahmung jenes
natrlichen ,phnomens2 bei der nun
allerdings eine ,scheidung von
dionysischen ,zuschauern und
dionysischen ,verzauberten nthig wurde4
,nur muss man sich immer gegenwrtig
halten1 dass das ,publicum der attischen
,tragdie sich selbst in dem ,chore der
,orchestra wiederfand1 dass es im
,grunde keinen ,gegensatz von ,publicum
und ,chor gab3 denn alles ist nur ein
grosser erhabener ,chor von tanzenden
und singenden ,satyrn oder von solchen1
welche sich durch diese ,satyrn
reprsentiren lassen4 ,das ,schlegel'sche
,wort muss sich uns hier in einem
tieferen ,sinne erschliessen4 ,der ,chor
ist der idealische ,zuschauer1 insofern
er der einzige ,schauer ist1 der
,schauer der ,visionswelt der ,scene4
,ein ,publicum von ,zuschauern1 wie wir
es kennen1 war den ,griechen unbekannt3
in ihren ,theatern war es ,jedem1 bei
dem in concentrischen ,bogen sich
erhebenden ,terrassenbau des
,zuschauerraumes1 mglich1 die gesammte
,culturwelt um sich herum ganz
eigentlich zu bersehen und in gesttigtem
,hinschauen selbst ,choreut sich zu
whnen4 ,nach dieser ,einsicht drfen wir
den ,chor1 auf seiner primitiven ,stufe
in der ,urtragdie1 eine
,selbstspiegelung des dionysischen
,menschen nennen3 welches ,phnomen am
deutlichsten durch den ,prozess des
,schauspielers zu machen ist1 der1 bei
wahrhafter ,begabung1 sein von ihm
darzustellendes ,rollenbild zum ,greifen
wahrnehmbar vor seinen ,augen schweben
sieht4 ,der ,satyrchor ist zu allererst
eine ,vision der dionysischen ,masse1
wie wiederum die ,welt der ,bhne eine
,vision dieses ,satyrchors ist3 die
,kraft dieser ,vision ist stark genug1
um gegen den ,eindruck der ,realitt1
gegen die rings auf den ,sitzreihen
gelagerten ,bildungsmenschen den ,blick
stumpf und unempfindlich zu machen4 ,die
,form des griechischen ,theaters
erinnert an ein einsames ,gebirgsthal3
die ,architektur der ,scene erscheint
wie ein leuchtendes ,wolkenbild1 welches
die im ,gebirge herumschwrmenden
,bacchen von der ,hhe aus erblicken1 als
die herrliche ,umrahmung1 in deren
,mitte ihnen das ,bild des ,dionysus
offenbar wird4 ,jene knstlerische
,urerscheinung1 die wir hier zur
,erklrung des ,tragdienchors zur
,sprache bringen1 ist1 bei unserer
gelehrtenhaften ,anschauung ber die
elementaren knstlerischen ,prozesse1
fast anstssig2 whrend nichts
ausgemachter sein kann1 als dass der
,dichter nur dadurch ,dichter ist1 dass
er von ,gestalten sich umringt sieht1
die vor ihm leben und handeln und in
deren innerstes ,wesen er hineinblickt4
,durch eine eigenthmliche ,schwche der
modernen ,begabung sind wir geneigt1 uns
das aesthetische ,urphnomen zu
complicirt und abstract vorzustellen4
,die ,metapher ist fr den chten ,dichter
nicht eine rhetorische ,figur1 sondern
ein stellvertretendes ,bild1 das ihm
wirklich1 an ,stelle eines ,begriffes1
vorschwebt4 ,der ,character ist fr ihn
nicht etwas aus zusammengesuchten
,einzelzgen componirtes ,ganzes1 sondern
eine vor seinen ,augen aufdringlich
lebendige ,person1 die von der gleichen
,vision des ,malers sich nur durch das
fortwhrende ,weiterleben und
,weiterhandeln unterscheidet4 ,wodurch
schildert ,homer so viel anschaulicher
als alle ,dichter8 ,weil er um so viel
mehr anschaut4 ,wir reden ber ,poesie so
abstract1 weil wir alle schlechte
,dichter zu sein pflegen4 ,im ,grunde
ist das aesthetische ,phnomen einfach2
man habe nur die ,fhigkeit1 fortwhrend
ein lebendiges ,spiel zu sehen und
immerfort von ,geisterschaaren umringt
zu leben1 so ist man ,dichter2 man fhle
nur den ,trieb1 sich selbst zu
verwandeln und aus anderen ,leibern und
,seelen herauszureden1 so ist man
,dramatiker4 ,die dionysische ,erregung
ist im ,stande1 einer ganzen ,masse
diese knstlerische ,begabung
mitzutheilen1 sich von einer solchen
,geisterschaar umringt zu sehen1 mit der
sie sich innerlich eins weiss4 ,dieser
,prozess des ,tragdienchors ist das
dramatische ,urphnomen3 sich selbst vor
sich verwandelt zu sehen und jetzt zu
handeln1 als ob man wirklich in einen
andern ,leib1 in einen andern ,charakter
eingegangen wre4 ,dieser ,prozess steht
an dem ,anfang der ,entwickelung des
,dramas4 ,hier ist etwas ,anderes als
der ,rhapsode1 der mit seinen ,bildern
nicht verschmilzt1 sondern sie1 dem
,maler hnlich1 mit betrachtendem ,auge
ausser sich sieht2 hier ist bereits ein
,aufgeben des ,individuums durch
,einkehr in eine fremde ,natur4 ,und
zwar tritt dieses ,phnomen epidemisch
auf3 eine ganze ,schaar fhlt sich in
dieser ,weise verzaubert4 ,der
,dithyramb ist deshalb wesentlich von
jedem anderen ,chorgesange
unterschieden4 ,die ,jungfrauen1 die1
mit ,lorbeerzweigen in der ,hand1
feierlich zum ,tempel des ,apollo ziehn
und dabei ein ,prozessionslied singen1
bleiben1 wer sie sind1 und behalten
ihren brgerlichen ,namen3 der
dithyrambische ,chor ist ein ,chor von
,verwandelten1 bei denen ihre brgerliche
,vergangenheit1 ihre sociale ,stellung
vllig vergessen ist3 sie sind die
zeitlosen1 ausserhalb aller
,gesellschaftssphren lebenden ,diener
ihres ,gottes geworden4 ,alle andere
,chorlyrik der ,hellenen ist nur eine
ungeheure ,steigerung des apollinischen
,einzelsngers2 whrend im ,dithyramb eine
,gemeinde von unbewussten
,schauspielern vor uns steht1 die sich
selbst unter einander als verwandelt
ansehen4 ,die ,verzauberung ist die
,voraussetzung aller dramatischen
,kunst4 ,in dieser ,verzauberung sieht
sich der dionysische ,schwrmer als
,satyr1 und als ,satyr wiederum schaut
er den ,gott d4h4 er sieht in seiner
,verwandlung eine neue ,vision ausser
sich1 als apollinische ,vollendung
seines ,zustandes4 ,mit dieser neuen
,vision ist das ,drama vollstndig4
,nach dieser ,erkenntniss haben wir die
griechische ,tragdie als den
dionysischen ,chor zu verstehen1 der
sich immer von neuem wieder in einer
apollinischen ,bilderwelt entladet4
,jene ,chorpartien1 mit denen die
,tragdie durchflochten ist1 sind also
gewissermaassen der ,mutterschooss des
ganzen sogenannten ,dialogs d4h4 der
gesammten ,bhnenwelt1 des eigentlichen
,dramas4 ,in mehreren auf einander
folgenden ,entladungen strahlt dieser
,urgrund der ,tragdie jene ,vision des
,dramas aus3 die durchaus
,traumerscheinung und insofern epischer
,natur ist1 andrerseits aber1 als
,objectivation eines dionysischen
,zustandes1 nicht die apollinische
,erlsung im ,scheine1 sondern im
,gegentheil das ,zerbrechen des
,individuums und sein ,einswerden mit
dem ,ursein darstellt4 ,somit ist das
,drama die apollinische ,versinnlichung
dionysischer ,erkenntnisse und
,wirkungen und dadurch wie durch eine
ungeheure ,kluft vom ,epos abgeschieden4
,der ,chor der griechischen ,tragdie1
das ,symbol der gesammten dionysisch
erregten ,masse1 findet an dieser
unserer ,auffassung seine volle
,erklrung4 ,whrend wir1 mit der
,gewhnung an die ,stellung eines ,chors
auf der modernen ,bhne1 zumal eines
,opernchors1 gar nicht begreifen
konnten1 wie jener tragische ,chor der
,griechen lter1 ursprnglicher1 ja
wichtiger sein sollte1 als die
eigentliche ,action1 - wie dies doch so
deutlich berliefert war - whrend wir
wiederum mit jener berlieferten hohen
,wichtigkeit und ,ursprnglichkeit nicht
reimen konnten1 warum er doch nur aus
niedrigen dienenden ,wesen1 ja zuerst
nur aus bocksartigen ,satyrn
zusammengesetzt worden sei1 whrend uns
die ,orchestra vor der ,scene immer ein
,rthsel blieb1 sind wir jetzt zu der
,einsicht gekommen1 dass die ,scene
sammt der ,action im ,grunde und
ursprnglich nur als ,vision gedacht
wurde1 dass die einzige ,realitt eben
der ,chor ist1 der die ,vision aus sich
erzeugt und von ihr mit der ganzen
,symbolik des ,tanzes1 des ,tones und
des ,wortes redet4 ,dieser ,chor schaut
in seiner ,vision seinen ,herrn und
,meister ,dionysus und ist darum ewig
der dienende ,chor3 er sieht1 wie
dieser1 der ,gott1 leidet und sich
verherrlicht1 und handelt deshalb selbst
nicht4 ,bei dieser1 dem ,gotte gegenber
durchaus dienenden ,stellung ist er
doch der hchste1 nmlich dionysische
,ausdruck der ,natur und redet darum1
wie diese1 in der ,begeisterung ,orakel-
und ,weisheitssprche3 als der
mitleidende ist er zugleich der weise1
aus dem ,herzen der ,welt die ,wahrheit
verkndende4 ,so entsteht denn jene
phantastische und so anstssig scheinende
,figur des weisen und begeisterten
,satyrs1 der zugleich der tumbe ,mensch
im ,gegensatz zum ,gotte ist3 ,abbild
der ,natur und ihrer strksten ,triebe1
ja ,symbol derselben und zugleich
,verknder ihrer ,weisheit und ,kunst3
,musiker1 ,dichter1 ,tnzer1
,geisterseher in einer ,person4
,dionysus1 der eigentliche ,bhnenheld
und ,mittelpunkt der ,vision1 ist gemss
dieser ,erkenntniss und gemss der
,ueberlieferung1 zuerst1 in der
allerltesten ,periode der ,tragdie1
nicht wahrhaft vorhanden1 sondern wird
nur als vorhanden vorgestellt3 d4h4
ursprnglich ist die ,tragdie nur ,chor
und nicht ,drama4 ,spter wird nun der
,versuch gemacht1 den ,gott als einen
realen zu zeigen und die ,visionsgestalt
sammt der verklrenden ,umrahmung als
jedem ,auge sichtbar darzustellen2 damit
beginnt das ,drama im engeren ,sinne4
,jetzt bekommt der dithyrambische ,chor
die ,aufgabe1 die ,stimmung der ,zuhrer
bis zu dem ,grade dionysisch anzuregen1
dass sie1 wenn der tragische ,held auf
der ,bhne erscheint1 nicht etwa den
unfrmlich maskirten ,menschen sehen1
sondern eine gleichsam aus ihrer eignen
,verzckung geborene ,visionsgestalt4
,denken wir uns ,admet mit tiefem
,sinnen seiner jngst abgeschiedenen
,gattin ,alcestis gedenkend und ganz im
geistigen ,anschauen derselben sich
verzehrend - wie ihm nun pltzlich ein
hnlich gestaltetes1 hnlich schreitendes
,frauenbild in ,verhllung entgegengefhrt
wird3 denken wir uns seine pltzliche
zitternde ,unruhe1 sein strmisches
,vergleichen1 seine instinctive
,ueberzeugung - so haben wir ein
,analogon zu der ,empfindung1 mit der
der dionysisch erregte ,zuschauer den
,gott auf der ,bhne heranschreiten sah1
mit dessen ,leiden er bereits eins
geworden ist4 ,unwillkrlich bertrug er
das ganze magisch vor seiner ,seele
zitternde ,bild des ,gottes auf jene
maskirte ,gestalt und lste ihre ,realitt
gleichsam in eine geisterhafte
,unwirklichkeit auf4 ,dies ist der
apollinische ,traumeszustand1 in dem die
,welt des ,tages sich verschleiert und
eine neue ,welt1 deutlicher1
verstndlicher1 ergreifender als jene und
doch schattengleicher1 in fortwhrendem
,wechsel sich unserem ,auge neu gebiert4
,demgemss erkennen wir in der ,tragdie
einen durchgreifenden ,stilgegensatz3
,sprache1 ,farbe1 ,beweglichkeit1
,dynamik der ,rede treten in der
dionysischen ,lyrik des ,chors und
andrerseits in der apollinischen
,traumwelt der ,scene als vllig
gesonderte ,sphren des ,ausdrucks aus
einander4 ,die apollinischen
,erscheinungen1 in denen sich ,dionysus
objectivirt1 sind nicht mehr ein ewiges
,meer1 ein wechselnd ,weben1 ein glhend
,leben1 wie es die ,musik des ,chors
ist1 nicht mehr jene nur empfundenen1
nicht zum ,bilde verdichteten ,krfte1 in
denen der begeisterte ,dionysusdiener
die ,nhe des ,gottes sprt3 jetzt
spricht1 von der ,scene aus1 die
,deutlichkeit und ,festigkeit der
epischen ,gestaltung zu ihm1 jetzt redet
,dionysus nicht mehr durch ,krfte1
sondern als epischer ,held1 fast mit der
,sprache ,homers4 #i4 ,alles1 was im
apollinischen ,theile der griechischen
,tragdie1 im ,dialoge1 auf die
,oberflche kommt1 sieht einfach1
durchsichtig1 schn aus4 ,in diesem
,sinne ist der ,dialog ein ,abbild des
,hellenen1 dessen ,natur sich im ,tanze
offenbart1 weil im ,tanze die grsste
,kraft nur potenziell ist1 aber sich in
der ,geschmeidigkeit und ,ueppigkeit der
,bewegung verrth4 ,so berrascht uns die
,sprache der sophokleischen ,helden
durch ihre apollinische ,bestimmtheit
und ,helligkeit1 so dass wir sofort bis
in den innersten ,grund ihres ,wesens zu
blicken whnen1 mit einigem ,erstaunen1
dass der ,weg bis zu diesem ,grunde so
kurz ist4 ,sehen wir aber einmal von dem
auf die ,oberflche kommenden und
sichtbar werdenden ,charakter des
,helden ab - der im ,grunde nichts mehr
ist als das auf eine dunkle ,wand
geworfene ,lichtbild d4h4 ,erscheinung
durch und durch - dringen wir vielmehr
in den ,mythus ein1 der in diesen hellen
,spiegelungen sich projicirt1 so
erleben wir pltzlich ein ,phnomen1 das
ein umgekehrtes ,verhltniss zu einem
bekannten optischen hat4 ,wenn wir bei
einem krftigen ,versuch1 die ,sonne in's
,auge zu fassen1 uns geblendet
abwenden1 so haben wir dunkle farbige
,flecken gleichsam als ,heilmittel vor
den ,augen3 umgekehrt sind jene
,lichtbilderscheinungen des
sophokleischen ,helden1 kurz das
,apollinische der ,maske1 nothwendige
,erzeugungen eines ,blickes in's ,innere
und ,schreckliche der ,natur1 gleichsam
leuchtende ,flecken zur ,heilung des
von grausiger ,nacht versehrten
,blickes4 ,nur in diesem ,sinne drfen
wir glauben1 den ernsthaften und
bedeutenden ,begriff der griechischen
,heiterkeit richtig zu fassen2 whrend
wir allerdings den falsch verstandenen
,begriff dieser ,heiterkeit im ,zustande
ungefhrdeten ,behagens auf allen ,wegen
und ,stegen der ,gegenwart antreffen4
,die leidvollste ,gestalt der
griechischen ,bhne1 der unglckselige
,oedipus1 ist von ,sophokles als der
edle ,mensch verstanden worden1 der zum
,irrthum und zum ,elend trotz seiner
,weisheit bestimmt ist1 der aber am
,ende durch sein ungeheures ,leiden eine
magische segensreiche ,kraft um sich
ausbt1 die noch ber sein ,verscheiden
hinaus wirksam ist4 ,der edle ,mensch
sndigt nicht1 will uns der tiefsinnige
,dichter sagen3 durch sein ,handeln mag
jedes ,gesetz1 jede natrliche ,ordnung1
ja die sittliche ,welt zu ,grunde gehen1
eben durch dieses ,handeln wird ein
hherer magischer ,kreis von ,wirkungen
gezogen1 die eine neue ,welt auf den
,ruinen der umgestrzten alten grnden4
,das will uns der ,dichter1 insofern er
zugleich religiser ,denker ist1 sagen3
als ,dichter zeigt er uns zuerst einen
wunderbar geschrzten ,prozessknoten1 den
der ,richter langsam1 ,glied fr ,glied1
zu seinem eigenen ,verderben lst2 die
echt hellenische ,freude an dieser
dialektischen ,lsung ist so gross1 dass
hierdurch ein ,zug von berlegener
,heiterkeit ber das ganze ,werk kommt1
der den schauderhaften ,voraussetzungen
jenes ,prozesses berall die ,spitze
abbricht4 ,im ,oedipus auf ,kolonos
treffen wir diese selbe ,heiterkeit1
aber in eine unendliche ,verklrung
emporgehoben2 dem vom ,uebermaasse des
,elends betroffenen ,greise gegenber1
der allem1 was ihn betrifft1 rein als
,leidender preisgegeben ist - steht die
berirdische ,heiterkeit1 die aus
gttlicher ,sphre herniederkommt und uns
andeutet1 dass der ,held in seinem rein
passiven ,verhalten seine hchste
,activitt erlangt1 die weit ber sein
,leben hinausgreift1 whrend sein
bewusstes ,tichten und ,trachten im
frheren ,leben ihn nur zur ,passivitt
gefhrt hat4 ,so wird der fr das
sterbliche ,auge unauflslich
verschlungene ,prozessknoten der
,oedipusfabel langsam entwirrt - und die
tiefste menschliche ,freude berkommt
uns bei diesem gttlichen ,gegenstck der
,dialektik4 ,wenn wir mit dieser
,erklrung dem ,dichter gerecht geworden
sind1 so kann doch immer noch gefragt
werden1 ob damit der ,inhalt des ,mythus
erschpft ist3 und hier zeigt sich1 dass
die ganze ,auffassung des ,dichters
nichts ist als eben jenes ,lichtbild1
welches uns1 nach einem ,blick in den
,abgrund1 die heilende ,natur vorhlt4
,oedipus der ,mrder seines ,vaters1 der
,gatte seiner ,mutter1 ,oedipus der
,rthsellser der ,sphinx6 ,was sagt uns
die geheimnissvolle ,dreiheit dieser
,schicksalsthaten8 ,es giebt einen
uralten1 besonders persischen
,volksglauben1 dass ein weiser ,magier
nur aus ,incest geboren werden knne3 was
wir uns1 im ,hinblick auf den
rthsellsenden und seine ,mutter
freienden ,oedipus1 sofort so zu
interpretiren haben1 dass dort1 wo durch
weissagende und magische ,krfte der
,bann von ,gegenwart und ,zukunft1 das
starre ,gesetz der ,individuation1 und
berhaupt der eigentliche ,zauber der
,natur gebrochen ist1 eine ungeheure
,naturwidrigkeit - wie dort der ,incest
- als ,ursache vorausgegangen sein muss2
denn wie knnte man die ,natur zum
,preisgeben ihrer ,geheimnisse zwingen1
wenn nicht dadurch1 dass man ihr
siegreich widerstrebt1 d4h4 durch das
,unnatrliche8 ,diese ,erkenntniss sehe
ich in jener entsetzlichen ,dreiheit der
,oedipusschicksale ausgeprgt3 derselbe1
der das ,rthsel der ,natur - jener
doppeltgearteten ,sphinx - lst1 muss
auch als ,mrder des ,vaters und ,gatte
der ,mutter die heiligsten
,naturordnungen zerbrechen4 ,ja1 der
,mythus scheint uns zuraunen zu wollen1
dass die ,weisheit und gerade die
dionysische ,weisheit ein naturwidriger
,greuel sei1 dass der1 welcher durch
sein ,wissen die ,natur in den ,abgrund
der ,vernichtung strzt1 auch an sich
selbst die ,auflsung der ,natur zu
erfahren habe4 ,die ,spitze der
,weisheit kehrt sich gegen den ,weisen3
,weisheit ist ein ,verbrechen an der
,natur3 solche schreckliche ,stze ruft
uns der ,mythus zu3 der hellenische
,dichter aber berhrt wie ein
,sonnenstrahl die erhabene und
furchtbare ,memnonssule des ,mythus1 so
dass er pltzlich zu tnen beginnt - in
sophokleischen ,melodieen6 ,der ,glorie
der ,passivitt stelle ich jetzt die
,glorie der ,activitt gegenber1 welche
den ,prometheus des ,aeschylus
umleuchtet4 ,was uns hier der ,denker
,aeschylus zu sagen hatte1 was er aber
als ,dichter durch sein
gleichnissartiges ,bild uns nur ahnen
lsst1 das hat uns der jugendliche
,goethe in den verwegenen ,worten seines
,prometheus zu enthllen gewusst3
,hier sitz ich1 forme ,menschen
,nach meinem ,bilde1 ,ein
,geschlecht1 das mir gleich sei1 ,zu
leiden1 zu weinen1 ,zu geniessen
und zu freuen sich ,und dein nicht
zu achten1 ,wie ich6 ,der ,mensch1
in's ,titanische sich steigernd1 erkmpft
sich selbst seine ,cultur und zwingt
die ,gtter sich mit ihm zu verbinden1
weil er in seiner selbsteignen ,weisheit
die ,existenz und die ,schranken
derselben in seiner ,hand hat4 ,das
,wunderbarste an jenem
,prometheusgedicht1 das seinem
,grundgedanken nach der eigentliche
,hymnus der ,unfrmmigkeit ist1 ist aber
der tiefe aeschyleische ,zug nach
,gerechtigkeit3 das unermessliche ,leid
des khnen ,einzelnen auf der einen
,seite1 und die gttliche ,noth1 ja
,ahnung einer ,gtterdmmerung auf der
andern1 die zur ,vershnung1 zum
metaphysischen ,einssein zwingende
,macht jener beiden ,leidenswelten -
dies alles erinnert auf das ,strkste an
den ,mittelpunkt und ,hauptsatz der
aeschyleischen ,weltbetrachtung1 die ber
,gttern und ,menschen die ,moira als
ewige ,gerechtigkeit thronen sieht4 ,bei
der erstaunlichen ,khnheit1 mit der
,aeschylus die olympische ,welt auf
seine ,gerechtigkeitswagschalen stellt1
mssen wir uns vergegenwrtigen1 dass der
tiefsinnige ,grieche einen unverrckbar
festen ,untergrund des metaphysischen
,denkens in seinen ,mysterien hatte1 und
dass sich an den ,olympiern alle seine
skeptischen ,anwandelungen entladen
konnten4 ,der griechische ,knstler
insbesondere empfand im ,hinblick auf
diese ,gottheiten ein dunkles ,gefhl
wechselseitiger ,abhngigkeit3 und gerade
im ,prometheus des ,aeschylus ist
dieses ,gefhl symbolisirt4 ,der
titanische ,knstler fand in sich den
trotzigen ,glauben1 ,menschen schaffen
und olympische ,gtter wenigstens
vernichten zu knnen3 und dies durch
seine hhere ,weisheit1 die er freilich
durch ewiges ,leiden zu bssen gezwungen
war4 ,das herrliche ,knnen des grossen
,genius1 das selbst mit ewigem ,leide zu
gering bezahlt ist1 der herbe ,stolz
des ,knstlers - das ist ,inhalt und
,seele der aeschyleischen ,dichtung1
whrend ,sophokles in seinem ,oedipus das
,siegeslied des ,heiligen prludirend
anstimmt4 ,aber auch mit jener ,deutung1
die ,aeschylus dem ,mythus gegeben hat1
ist dessen erstaunliche
,schreckenstiefe nicht ausgemessen3
vielmehr ist die ,werdelust des
,knstlers1 die jedem ,unheil trotzende
,heiterkeit des knstlerischen ,schaffens
nur ein lichtes ,wolken- und
,himmelsbild1 das sich auf einem
schwarzen ,see der ,traurigkeit
spiegelt4 ,die ,prometheussage ist ein
ursprngliches ,eigenthum der gesammten
arischen ,vlkergemeinde und ein
,document fr deren ,begabung zum
,tiefsinnig-,tragischen1 ja es mchte
nicht ohne ,wahrscheinlichkeit sein1
dass diesem ,mythus fr das arische
,wesen eben dieselbe charakteristische
,bedeutung innewohnt1 die der
,sndenfallmythus fr das semitische hat1
und dass zwischen beiden ,mythen ein
,verwandtschaftsgrad existiert1 wie
zwischen ,bruder und ,schwester4 ,die
,voraussetzung jenes ,prometheusmythus
ist der berschwngliche ,werth1 den eine
naive ,menschheit dem ,feuer beilegt als
dem wahren ,palladium jeder
aufsteigenden ,cultur3 dass aber der
,mensch frei ber das ,feuer waltet und
es nicht nur durch ein ,geschenk vom
,himmel1 als zndenden ,blitzstrahl oder
wrmenden ,sonnenbrand empfngt1 erschien
jenen beschaulichen ,ur-,menschen als
ein ,frevel1 als ein ,raub an der
gttlichen ,natur4 ,und so stellt gleich
das erste philosophische ,problem einen
peinlichen unlsbaren ,widerspruch
zwischen ,mensch und ,gott hin und rckt
ihn wie einen ,felsblock an die ,pforte
jeder ,cultur4 ,das ,beste und ,hchste1
dessen die ,menschheit theilhaftig
werden kann1 erringt sie durch einen
,frevel und muss nun wieder seine
,folgen dahinnehmen1 nmlich die ganze
,fluth von ,leiden und von ,kmmernissen
mit denen die beleidigten ,himmlischen
das edel emporstrebende
,menschengeschlecht heimsuchen - mssen3
ein herber ,gedanke1 der durch die
,wrde1 die er dem ,frevel ertheilt1
seltsam gegen den semitischen
,sndenfallmythus absticht1 in welchem
die ,neugierde1 die lgnerische
,vorspiegelung1 die ,verfhrbarkeit1 die
,lsternheit1 kurz eine ,reihe
vornehmlich weiblicher ,affectionen als
der ,ursprung des ,uebels angesehen
wurde4 ,das1 was die arische
,vorstellung auszeichnet1 ist die
erhabene ,ansicht von der activen ,snde
als der eigentlich prometheischen
,tugend3 womit zugleich der ethische
,untergrund der pessimistischen ,tragdie
gefunden ist1 als die ,rechtfertigung
des menschlichen ,uebels1 und zwar
sowohl der menschlichen ,schuld1 als des
dadurch verwirkten ,leidens4 ,das
,unheil im ,wesen der ,dinge - das der
beschauliche ,arier nicht geneigt ist
wegzudeuteln -1 der ,widerspruch im
,herzen der ,welt offenbart sich ihm als
ein ,durcheinander verschiedener
,welten1 z4,b4 einer gttlichen und einer
menschlichen1 von denen jede als
,individuum im ,recht ist1 aber als
einzelne neben einer andern fr ihre
,individuation zu leiden hat4 ,bei dem
heroischen ,drange des ,einzelnen ins
,allgemeine1 bei dem ,versuche ber den
,bann der ,individuation
hinauszuschreiten und das eine
,weltwesen selbst sein zu wollen1
erleidet er an sich den in den ,dingen
verborgenen ,urwiderspruch d4h4 er
frevelt und leidet4 ,so wird von den
,ariern der ,frevel als ,mann1 von den
,semiten die ,snde als ,weib verstanden1
so wie auch der ,urfrevel vom ,manne1
die ,ursnde vom ,weibe begangen wird4
,uebrigens sagt der ,hexenchor3
,wir nehmen das nicht so genau3 ,mit
tausend ,schritten macht's die ,frau2
,doch wie sie auch sich eilen kann1
,mit einem ,sprunge macht's der ,mann4
,wer jenen innersten ,kern der
,prometheussage versteht - nmlich die
dem titanisch strebenden ,individuum
gebotene ,nothwendigkeit des ,frevels -
der muss auch zugleich das
,unapollinische dieser pessimistischen
,vorstellung empfinden2 denn ,apollo
will die ,einzelwesen gerade dadurch zur
,ruhe bringen1 dass er ,grenzlinien
zwischen ihnen zieht und dass er immer
wieder an diese als an die heiligsten
,weltgesetze mit seinen ,forderungen der
,selbsterkenntniss und des ,maasses
erinnert4 ,damit aber bei dieser
apollinischen ,tendenz die ,form nicht
zu gyptischer ,steifigkeit und ,klte
erstarre1 damit nicht unter dem ,bemhen1
der einzelnen ,welle ihre ,bahn und ihr
,bereich vorzuschreiben1 die ,bewegung
des ganzen ,see's ersterbe1 zerstrte von
,zeit zu ,zeit wieder die hohe ,fluth
des ,dionysischen alle jene kleinen
,zirkel1 in die der einseitig
apollinische ,wille das ,hellenenthum zu
bannen suchte4 ,jene pltzlich
anschwellende ,fluth des ,dionysischen
nimmt dann die einzelnen kleinen
,wellenberge der ,individuen auf ihren
,rcken1 wie der ,bruder des ,prometheus1
der ,titan ,atlas1 die ,erde4 ,dieser
titanische ,drang1 gleichsam der ,atlas
aller ,einzelnen zu werden und sie mit
breitem ,rcken hher und hher1 weiter und
weiter zu tragen1 ist das ,gemeinsame
zwischen dem ,prometheischen und dem
,dionysischen4 ,der aeschyleische
,prometheus ist in diesem ,betracht eine
dionysische ,maske1 whrend in jenem
vorhin erwhnten tiefen ,zuge nach
,gerechtigkeit ,aeschylus seine
vterliche ,abstammung von ,apollo1 dem
,gotte der ,individuation und der
,gerechtigkeitsgrenzen1 dem
,einsichtigen verrth4 ,und so mchte das
,doppelwesen des aeschyleischen
,prometheus1 seine zugleich dionysische
und apollinische ,natur in begrifflicher
,formel so ausgedrckt werden knnen3
,alles ,vorhandene ist gerecht und
ungerecht und in beidem gleich
berechtigt4 ,das ist deine ,welt6 ,das
heisst eine ,welt6 - #aj4 ,es ist
eine unanfechtbare ,ueberlieferung1 dass
die griechische ,tragdie in ihrer
ltesten ,gestalt nur die ,leiden des
,dionysus zum ,gegenstand hatte und dass
der lngere ,zeit hindurch einzig
vorhandene ,bhnenheld eben ,dionysus
war4 ,aber mit der gleichen ,sicherheit
darf behauptet werden1 dass niemals bis
auf ,euripides ,dionysus aufgehrt hat1
der tragische ,held zu sein1 sondern
dass alle die berhmten ,figuren der
griechischen ,bhne ,prometheus1 ,oedipus
u4s4w4 nur ,masken jenes ursprnglichen
,helden ,dionysus sind4 ,dass hinter
allen diesen ,masken eine ,gottheit
steckt1 das ist der eine wesentliche
,grund fr die so oft angestaunte
typische ,idealitt jener berhmten
,figuren4 ,es hat ich weiss nicht wer
behauptet1 dass alle ,individuen als
,individuen komisch und damit untragisch
seien3 woraus zu entnehmen wre1 dass
die ,griechen berhaupt ,individuen auf
der tragischen ,bhne nicht ertragen
konnten4 ,in der ,that scheinen sie so
empfunden zu haben3 wie berhaupt jene
platonische ,unterscheidung und
,werthabschtzung der ,idee im
,gegensatze zum ,idol1 zum ,abbild tief
im hellenischen ,wesen begrndet liegt4
,um uns aber der ,terminologie ,plato's
zu bedienen1 so wre von den tragischen
,gestalten der hellenischen ,bhne etwa
so zu reden3 der eine wahrhaft reale
,dionysus erscheint in einer ,vielheit
der ,gestalten1 in der ,maske eines
kmpfenden ,helden und gleichsam in das
,netz des ,einzelwillens verstrickt4 ,so
wie jetzt der erscheinende ,gott redet
und handelt1 hnelt er einem irrenden
strebenden leidenden ,individuum3 und
dass er berhaupt mit dieser epischen
,bestimmtheit und ,deutlichkeit
erscheint1 ist die ,wirkung des
,traumdeuters ,apollo1 der dem ,chore
seinen dionysischen ,zustand durch jene
gleichnissartige ,erscheinung deutet4
,in ,wahrheit aber ist jener ,held der
leidende ,dionysus der ,mysterien1 jener
die ,leiden der ,individuation an sich
erfahrende ,gott1 von dem wundervolle
,mythen erzhlen1 wie er als ,knabe von
den ,titanen zerstckelt worden sei und
nun in diesem ,zustande als ,zagreus
verehrt werde3 wobei angedeutet wird1
dass diese ,zerstckelung1 das eigentlich
dionysische ,leiden1 gleich einer
,umwandlung in ,luft1 ,wasser1 ,erde und
,feuer sei1 dass wir also den ,zustand
der ,individuation als den ,quell und
,urgrund alles ,leidens1 als etwas an
sich ,verwerfliches1 zu betrachten
htten4 ,aus dem ,lcheln dieses ,dionysus
sind die olympischen ,gtter1 aus seinen
,thrnen die ,menschen entstanden4 ,in
jener ,existenz als zerstckelter ,gott
hat ,dionysus die ,doppelnatur eines
grausamen verwilderten ,dmons und eines
milden sanftmthigen ,herrschers4 ,die
,hoffnung der ,epopten ging aber auf
eine ,wiedergeburt des ,dionysus1 die
wir jetzt als das ,ende der
,individuation ahnungsvoll zu begreifen
haben3 diesem kommenden dritten
,dionysus erscholl der brausende
,jubelgesang der ,epopten4 ,und nur in
dieser ,hoffnung giebt es einen ,strahl
von ,freude auf dem ,antlitze der
zerrissenen1 in ,individuen zertrmmerten
,welt3 wie es der ,mythus durch die in
ewige ,trauer versenkte ,demeter
verbildlicht1 welche zum ersten ,male
wieder sich freut1 als man ihr sagt1 sie
knne den ,dionysus nocheinmal gebren4
,in den angefhrten ,anschauungen haben
wir bereits alle ,bestandtheile einer
tiefsinnigen und pessimistischen
,weltbetrachtung und zugleich damit die
,mysterienlehre der ,tragdie zusammen3
die ,grunderkenntniss von der ,einheit
alles ,vorhandenen1 die ,betrachtung der
,individuation als des ,urgrundes des
,uebels1 die ,kunst als die freudige
,hoffnung1 dass der ,bann der
,individuation zu zerbrechen sei1 als
die ,ahnung einer wiederhergestellten
,einheit4 - ,es ist frher angedeutet
worden1 dass das homerische ,epos die
,dichtung der olympischen ,cultur ist1
mit der sie ihr eignes ,siegeslied ber
die ,schrecken des ,titanenkampfes
gesungen hat4 ,jetzt1 unter dem
bermchtigen ,einflusse der tragischen
,dichtung1 werden die homerischen
,mythen von ,neuem umgeboren und zeigen
in dieser ,metempsychose1 dass
inzwischen auch die olympische ,cultur
von einer noch tieferen ,weltbetrachtung
besiegt worden ist4 ,der trotzige
,titan ,prometheus hat es seinem
olympischen ,peiniger angekndigt1 dass
einst seiner ,herrschaft die hchste
,gefahr drohe1 falls er nicht zur
rechten ,zeit sich mit ihm verbinden
werde4 ,in ,aeschylus erkennen wir das
,bndniss des erschreckten1 vor seinem
,ende bangenden ,zeus mit dem ,titanen4
,so wird das frhere ,titanenzeitalter
nachtrglich wieder aus dem ,tartarus ans
,licht geholt4 ,die ,philosophie der
wilden und nackten ,natur schaut die
vorbertanzenden ,mythen der homerischen
,welt mit der unverhllten ,miene der
,wahrheit an3 sie erbleichen1 sie
zittern vor dem blitzartigen ,auge
dieser ,gttin - bis sie die mchtige
,faust des dionysischen ,knstlers in den
,dienst der neuen ,gottheit zwingt4
,die dionysische ,wahrheit bernimmt das
gesammte ,bereich des ,mythus als
,symbolik ihrer ,erkenntnisse und
spricht diese theils in dem ffentlichen
,cultus der ,tragdie1 theils in den
geheimen ,begehungen dramatischer
,mysterienfeste1 aber immer unter der
alten mythischen ,hlle aus4 ,welche
,kraft war dies1 die den ,prometheus von
seinen ,geiern befreite und den ,mythus
zum ,vehikel dionysischer ,weisheit
umwandelte8 ,dies ist die heraklesmssige
,kraft der ,musik3 als welche1 in der
,tragdie zu ihrer hchsten ,erscheinung
gekommen1 den ,mythus mit neuer
tiefsinnigster ,bedeutsamkeit zu
interpretiren weiss2 wie wir dies als
das mchtigste ,vermgen der ,musik frher
schon zu charakterisiren hatten4 ,denn
es ist das ,loos jedes ,mythus1
allmhlich in die ,enge einer angeblich
historischen ,wirklichkeit
hineinzukriechen und von irgend einer
spteren ,zeit als einmaliges ,factum mit
historischen ,ansprchen behandelt zu
werden3 und die ,griechen waren bereits
vllig auf dem ,wege1 ihren ganzen
mythischen ,jugendtraum mit ,scharfsinn
und ,willkr in eine
historisch-pragmatische
,jugendgeschichte umzustempeln4 ,denn
dies ist die ,art1 wie ,religionen
abzusterben pflegen3 wenn nmlich die
mythischen ,voraussetzungen einer
,religion unter den strengen1
verstandesmssigen ,augen eines
rechtglubigen ,dogmatismus als eine
fertige ,summe von historischen
,ereignissen systematisirt werden und
man anfngt1 ngstlich die ,glaubwrdigkeit
der ,mythen zu vertheidigen1 aber gegen
jedes natrliche ,weiterleben und
,weiterwuchern derselben sich zu
struben1 wenn also das ,gefhl fr den
,mythus abstirbt und an seine ,stelle
der ,anspruch der ,religion auf
historische ,grundlagen tritt4 ,diesen
absterbenden ,mythus ergriff jetzt der
neugeborne ,genius der dionysischen
,musik3 und in seiner ,hand blhte er
noch einmal1 mit ,farben1 wie er sie
noch nie gezeigt1 mit einem ,duft1 der
eine sehnschtige ,ahnung einer
metaphysischen ,welt erregte4 ,nach
diesem letzten ,aufglnzen fllt er
zusammen1 seine ,bltter werden welk1 und
bald haschen die spttischen ,luciane
des ,alterthums nach den von allen
,winden fortgetragnen1 entfrbten und
verwsteten ,blumen4 ,durch die ,tragdie
kommt der ,mythus zu seinem tiefsten
,inhalt1 seiner ausdrucksvollsten ,form2
noch einmal erhebt er sich1 wie ein
verwundeter ,held1 und der ganze
,ueberschuss von ,kraft1 sammt der
weisheitsvollen ,ruhe des ,sterbenden1
brennt in seinem ,auge mit letztem1
mchtigem ,leuchten4 ,was wolltest du1
frevelnder ,euripides1 als du diesen
,sterbenden noch einmal zu deinem
,frohndienste zu zwingen suchtest8 ,er
starb unter deinen gewaltsamen ,hnden3
und jetzt brauchtest du einen
nachgemachten1 maskirten ,mythus1 der
sich wie der ,affe des ,herakles mit dem
alten ,prunke nur noch aufzuputzen
wusste4 ,und wie dir der ,mythus starb1
so starb dir auch der ,genius der
,musik3 mochtest du auch mit gierigem
,zugreifen alle ,grten der ,musik
plndern1 auch so brachtest du es nur zu
einer nachgemachten maskirten ,musik4
,und weil du ,dionysus verlassen1 so
verliess dich auch ,apollo2 jage alle
,leidenschaften von ihrem ,lager auf und
banne sie in deinen ,kreis1 spitze und
feile dir fr die ,reden deiner ,helden
eine sophistische ,dialektik zurecht -
auch deine ,helden haben nur nachgeahmte
maskirte ,leidenschaften und sprechen
nur nachgeahmte maskirte ,reden4 #aa4
,die griechische ,tragdie ist anders zu
,grunde gegangen als smmtliche ltere
schwesterliche ,kunstgattungen3 sie
starb durch ,selbstmord1 in ,folge eines
unlsbaren ,conflictes1 also tragisch1
whrend jene alle in hohem ,alter des
schnsten und ruhigsten ,todes verblichen
sind4 ,wenn es nmlich einem glcklichen
,naturzustande gemss ist1 mit schner
,nachkommenschaft und ohne ,krampf vom
,leben zu scheiden1 so zeigt uns das
,ende jener lteren ,kunstgattungen einen
solchen glcklichen ,naturzustand3 sie
tauchen langsam unter1 und vor ihren
ersterbenden ,blicken steht schon ihr
schnerer ,nachwuchs und reckt mit
muthiger ,gebrde ungeduldig das ,haupt4
,mit dem ,tode der griechischen ,tragdie
dagegen entstand eine ungeheure1 berall
tief empfundene ,leere2 wie einmal
griechische ,schiffer zu ,zeiten des
,tiberius an einem einsamen ,eiland den
erschtternden ,schrei hrten der grosse
,pan ist todt3 so klang es jetzt wie ein
schmerzlicher ,klageton durch die
hellenische ,welt3 die ,tragdie ist
todt6 ,die ,poesie selbst ist mit ihr
verloren gegangen6 ,fort1 fort mit euch
verkmmerten1 abgemagerten ,epigonen6
,fort in den ,hades1 damit ihr euch dort
an den ,brosamen der vormaligen
,meister einmal satt essen knnt6 ,als
aber nun doch noch eine neue
,kunstgattung aufblhte1 die in der
,tragdie ihre ,vorgngerin und ,meisterin
verehrte1 da war mit ,schrecken
wahrzunehmen1 dass sie allerdings die
,zge ihrer ,mutter trage1 aber
dieselben1 die jene in ihrem langen
,todeskampfe gezeigt hatte4 ,diesen
,todeskampf der ,tragdie kmpfte
,euripides2 jene sptere ,kunstgattung
ist als neue reattische ,komdie bekannt4
,in ihr lebte die entartete ,gestalt
der ,tragdie fort1 zum ,denkmale ihres
beraus mhseligen und gewaltsamen
,hinscheidens4 ,bei diesem
,zusammenhange ist die leidenschaftliche
,zuneigung begreiflich1 welche die
,dichter der neueren ,komdie zu
,euripides empfanden2 so dass der
,wunsch des ,philemon nicht weiter
befremdet1 der sich sogleich aufhngen
lassen mochte1 nur um den ,euripides in
der ,unterwelt aufsuchen zu knnen3 wenn
er nur berhaupt berzeugt sein drfte1
dass der ,verstorbene auch jetzt noch
bei ,verstande sei4 ,will man aber in
aller ,krze und ohne den ,anspruch1
damit etwas ,erschpfendes zu sagen1
dasjenige bezeichnen1 was ,euripides mit
,menander und ,philemon gemein hat und
was fr jene so aufregend vorbildlich
wirkte3 so gengt es zu sagen1 dass der
,zuschauer von ,euripides auf die ,bhne
gebracht worden ist4 ,wer erkannt hat1
aus welchem ,stoffe die prometheischen
,tragiker vor ,euripides ihre ,helden
formten und wie ferne ihnen die ,absicht
lag1 die treue ,maske der ,wirklichkeit
auf die ,bhne zu bringen1 der wird auch
ber die gnzlich abweichende ,tendenz
des ,euripides im ,klaren sein4 ,der
,mensch des alltglichen ,lebens drang
durch ihn aus den ,zuschauerrumen auf
die ,scene1 der ,spiegel1 in dem frher
nur die grossen und khnen ,zge zum
,ausdruck kamen1 zeigte jetzt jene
peinliche ,treue1 die auch die
misslungenen ,linien der ,natur
gewissenhaft wiedergiebt4 ,odysseus1 der
typische ,hellene der lteren ,kunst1
sank jetzt unter den ,hnden der neueren
,dichter zur ,figur des ,graeculus
herab1 der von jetzt ab als
gutmthigverschmitzter ,haussclave im
,mittelpunkte des dramatischen
,interesse's steht4 ,was ,euripides sich
in den aristophanischen ,frschen zum
,verdienst anrechnet1 dass er die
tragische ,kunst durch seine ,hausmittel
von ihrer pomphaften ,beleibtheit
befreit habe1 das ist vor allem an
seinen tragischen ,helden zu spren4 ,im
,wesentlichen sah und hrte jetzt der
,zuschauer seinen ,doppelgnger auf der
euripideischen ,bhne und freute sich1
dass jener so gut zu reden verstehe4
,bei dieser ,freude blieb es aber nicht3
man lernte selbst bei ,euripides
sprechen1 und dessen rhmt er sich selbst
im ,wettkampfe mit ,aeschylus3 wie
durch ihn jetzt das ,volk kunstmssig und
mit den schlausten ,sophisticationen zu
beobachten1 zu verhandeln und
,folgerungen zu ziehen gelernt habe4
,durch diesen ,umschwung der ffentlichen
,sprache hat er berhaupt die neuere
,komdie mglich gemacht4 ,denn von jetzt
ab war es kein ,geheimniss mehr1 wie und
mit welchen ,sentenzen die
,alltglichkeit sich auf der ,bhne
vertreten knne4 ,die brgerliche
,mittelmssigkeit1 auf die ,euripides
alle seine politischen ,hoffnungen
aufbaute1 kam jetzt zu ,wort1 nachdem
bis dahin in der ,tragdie der ,halbgott1
in der ,komdie der betrunkene ,satyr
oder der ,halbmensch den
,sprachcharakter bestimmt hatten4 ,und
so hebt der aristophanische ,euripides
zu seinem ,preise hervor1 wie er das
allgemeine1 allbekannte1 alltgliche
,leben und ,treiben dargestellt habe1
ber das ein ,jeder zu urtheilen befhigt
sei4 ,wenn jetzt die ganze ,masse
philosophiere1 mit unerhrter ,klugheit
,land und ,gut verwalte und ihre
,prozesse fhre1 so sei dies sein
,verdienst und der ,erfolg der von ihm
dem ,volke eingeimpften ,weisheit4 ,an
eine derartig zubereitete und aufgeklrte
,masse durfte sich jetzt die neuere
,komdie wenden1 fr die ,euripides
gewissermaassen der ,chorlehrer geworden
ist2 nur dass diesmal der ,chor der
,zuschauer eingebt werden musste4
,sobald dieser in der euripideischen
,tonart zu singen gebt war1 erhob sich
jene schachspielartige ,gattung des
,schauspiels1 die neuere ,komdie mit
ihrem fortwhrenden ,triumphe der
,schlauheit und ,verschlagenheit4
,euripides aber - der ,chorlehrer -
wurde unaufhrlich gepriesen3 ja man wrde
sich getdtet haben1 um noch mehr von
ihm zu lernen1 wenn man nicht gewusst
htte1 dass die tragischen ,dichter eben
so todt seien wie die ,tragdie4 ,mit ihr
aber hatte der ,hellene den ,glauben an
seine ,unsterblichkeit aufgegeben1
nicht nur den ,glauben an eine ideale
,vergangenheit1 sondern auch den
,glauben an eine ideale ,zukunft4 ,das
,wort aus der bekannten ,grabschrift als
,greis leichtsinnig und grillig gilt
auch vom greisen ,hellenenthume4 ,der
,augenblick1 der ,witz1 der ,leichtsinn1
die ,laune sind seine hchsten
,gottheiten2 der fnfte ,stand1 der des
,sclaven1 kommt1 wenigstens der
,gesinnung nach1 jetzt zur ,herrschaft3
und wenn jetzt berhaupt noch von
griechischer ,heiterkeit die ,rede sein
darf1 so ist es die ,heiterkeit des
,sclaven1 der nichts ,schweres zu
verantworten1 nichts ,grosses zu
erstreben1 nichts ,vergangenes oder
,zuknftiges hher zu schtzen weiss als
das ,gegenwrtige4 ,dieser ,schein der
griechischen ,heiterkeit war es1 der die
tiefsinnigen und furchtbaren ,naturen
der vier ersten ,jahrhunderte des
,christenthums so emprte3 ihnen erschien
diese weibische ,flucht vor dem ,ernst
und dem ,schrecken1 dieses feige
,sichgengenlassen am bequemen ,genuss
nicht nur verchtlich1 sondern als die
eigentlich antichristliche ,gesinnung4
,und ihrem ,einfluss ist es
zuzuschreiben1 dass die durch
,jahrhunderte fortlebende ,anschauung
des griechischen ,alterthums mit fast
unberwindlicher ,zhigkeit jene
blassrothe ,heiterkeitsfarbe festhielt -
als ob es nie ein sechstes ,jahrhundert
mit seiner ,geburt der ,tragdie1 seinen
,mysterien1 seinen ,pythagoras und
,heraklit gegeben htte1 ja als ob die
,kunstwerke der grossen ,zeit gar nicht
vorhanden wren1 die doch - jedes fr sich
- aus dem ,boden einer solchen
greisenhaften und sclavenmssigen
,daseinslust und ,heiterkeit gar nicht
zu erklren sind und auf eine vllig
andere ,weltbetrachtung als ihren
,existenzgrund hinweisen4 ,wenn zuletzt
behauptet wurde1 dass ,euripides den
,zuschauer auf die ,bhne gebracht habe1
um zugleich damit den ,zuschauer zum
,urtheil ber das ,drama erst wahrhaft zu
befhigen1 so entsteht der ,schein1 als
ob die ltere tragische ,kunst aus einem
,missverhltniss zum ,zuschauer nicht
herausgekommen sei und man mchte
versucht sein1 die radicale ,tendenz des
,euripides1 ein entsprechendes
,verhltniss zwischen ,kunstwerk und
,publicum zu erzielen1 als einen
,fortschritt ber ,sophokles hinaus zu
preisen4 ,nun aber ist ,publicum nur ein
,wort und durchaus keine gleichartige
und in sich verharrende ,grsse4 ,woher
soll dem ,knstler die ,verpflichtung
kommen1 sich einer ,kraft zu
accomodieren1 die ihre ,strke nur in der
,zahl hat8 ,und wenn er sich1 seiner
,begabung und seinen ,absichten nach1
ber jeden einzelnen dieser ,zuschauer
erhaben fhlt1 wie drfte er vor dem
gemeinsamen ,ausdruck aller dieser ihm
untergeordneten ,capacitten mehr
,achtung empfinden als vor dem relativ
am hchsten begabten einzelnen
,zuschauer8 ,in ,wahrheit hat kein
griechischer ,knstler mit grsserer
,verwegenheit und ,selbstgenugsamkeit
sein ,publicum durch ein langes ,leben
hindurch behandelt als gerade
,euripides3 er1 der selbst da noch1 als
die ,masse sich ihm zu ,fssen warf1 in
erhabenem ,trotze seiner eigenen
,tendenz ffentlich in's ,gesicht schlug1
derselben ,tendenz1 mit der er ber die
,masse gesiegt hatte4 ,wenn dieser
,genius die geringste ,ehrfurcht vor dem
,pandmonium des ,publicums gehabt htte1
so wre er unter den ,keulenschlgen
seiner ,misserfolge lngst vor der ,mitte
seiner ,laufbahn zusammengebrochen4
,wir sehen bei dieser ,erwgung1 dass
unser ,ausdruck1 ,euripides habe den
,zuschauer auf die ,bhne gebracht1 um
den ,zuschauer wahrhaft urtheilsfhig zu
machen1 nur ein provisorischer war1 und
dass wir nach einem tieferen
,verstndniss seiner ,tendenz zu suchen
haben4 ,umgekehrt ist es ja allerseits
bekannt1 wie ,aeschylus und ,sophokles
,zeit ihres ,lebens1 ja weit ber
dasselbe hinaus1 im ,vollbesitze der
,volksgunst standen1 wie also bei diesen
,vorgngern des ,euripides keineswegs
von einem ,missverhltniss zwischen
,kunstwerk und ,publicum die ,rede sein
kann4 ,was trieb den reichbegabten und
unablssig zum ,schaffen gedrngten
,knstler so gewaltsam von dem ,wege ab1
ber dem die ,sonne der grssten
,dichternamen und der unbewlkte ,himmel
der ,volksgunst leuchteten8 ,welche
sonderbare ,rcksicht auf den ,zuschauer
fhrte ihn dem ,zuschauer entgegen8 ,wie
konnte er aus zu hoher ,achtung vor
seinem ,publicum - sein ,publicum
missachten8 ,euripides fhlte sich - das
ist die ,lsung des eben dargestellten
,rthsels - als ,dichter wohl ber die
,masse1 nicht aber ber1 zwei seiner
,zuschauer erhaben3 die ,masse brachte
er auf die ,bhne1 jene beiden ,zuschauer
verehrte er als die allein
urtheilsfhigen ,richter und ,meister
aller seiner ,kunst3 ihren ,weisungen
und ,mahnungen folgend bertrug er die
ganze ,welt von ,empfindungen1
,leidenschaften und ,erfahrungen1 die
bis jetzt auf den ,zuschauerbnken als
unsichtbarer ,chor zu jeder
,festvorstellung sich einstellten1 in
die ,seelen seiner ,bhnenhelden1 ihren
,forderungen gab er nach1 als er fr
diese neuen ,charaktere auch das neue
,wort und den neuen ,ton suchte1 in
ihren ,stimmen allein hrte er die
gltigen ,richtersprche seines ,schaffens
eben so wie die siegverheissende
,ermuthigung1 wenn er von der ,justiz
des ,publicums sich wieder einmal
verurtheilt sah4 ,von diesen beiden
,zuschauern ist der eine - ,euripides
selbst1 ,euripides als ,denker1 nicht
als ,dichter4 ,von ihm knnte man sagen1
dass die ausserordentliche ,flle seines
kritischen ,talentes1 hnlich wie bei
,lessing1 einen productiv knstlerischen
,nebentrieb wenn nicht erzeugt1 so doch
fortwhrend befruchtet habe4 ,mit dieser
,begabung1 mit aller ,helligkeit und
,behendigkeit seines kritischen ,denkens
hatte ,euripides im ,theater gesessen
und sich angestrengt1 an den
,meisterwerken seiner grossen ,vorgnger
wie an dunkelgewordenen ,gemlden ,zug um
,zug1 ,linie um ,linie
wiederzuerkennen4 ,und hier nun war ihm
begegnet1 was dem in die tieferen
,geheimnisse der aeschyleischen ,tragdie
,eingeweihten nicht unerwartet sein
darf3 er gewahrte etwas
,incommensurables in jedem ,zug und in
jeder ,linie1 eine gewisse tuschende
,bestimmtheit und zugleich eine
rthselhafte ,tiefe1 ja ,unendlichkeit
des ,hintergrundes4 ,die klarste ,figur
hatte immer noch einen ,kometenschweif
an sich1 der in's ,ungewisse1
,unaufhellbare zu deuten schien4
,dasselbe ,zwielicht lag ber dem ,bau
des ,drama's1 zumal ber der ,bedeutung
des ,chors4 ,und wie zweifelhaft blieb
ihm die ,lsung der ethischen ,probleme6
,wie fragwrdig die ,behandlung der
,mythen6 ,wie ungleichmssig die
,vertheilung von ,glck und ,unglck6
,selbst in der ,sprache der lteren
,tragdie war ihm vieles anstssig1
mindestens rthselhaft2 besonders fand er
zu viel ,pomp fr einfache ,verhltnisse1
zu viel ,tropen und
,ungeheuerlichkeiten fr die
,schlichtheit der ,charaktere4 ,so sass
er1 unruhig grbelnd1 im ,theater1 und
er1 der ,zuschauer1 gestand sich1 dass
er seine grossen ,vorgnger nicht
verstehe4 ,galt ihm aber der ,verstand
als die eigentliche ,wurzel alles
,geniessens und ,schaffens1 so musste er
fragen und um sich schauen1 ob denn
,niemand so denke wie er und sich
gleichfalls jene ,incommensurabilitt
eingestehe4 ,aber die ,vielen und mit
ihnen die besten ,einzelnen hatten nur
ein misstrauisches ,lcheln fr ihn2
erklren aber konnte ihm ,keiner1 warum
seinen ,bedenken und ,einwendungen
gegenber die grossen ,meister doch im
,rechte seien4 ,und in diesem qualvollen
,zustande fand er den anderen
,zuschauer1 der die ,tragdie nicht
begriff und deshalb nicht achtete4 ,mit
diesem im ,bunde durfte er es wagen1 aus
seiner ,vereinsamung heraus den
ungeheuren ,kampf gegen die ,kunstwerke
des ,aeschylus und ,sophokles zu
beginnen - nicht mit ,streitschriften1
sondern als dramatischer ,dichter1 der
seine ,vorstellung von der ,tragdie der
berlieferten entgegenstellt4 - #ab4
,bevor wir diesen anderen ,zuschauer bei
,namen nennen1 verharren wir hier einen
,augenblick1 um uns jenen frher
geschilderten ,eindruck des
,zwiespltigen und ,incommensurabeln im
,wesen der aeschyleischen ,tragdie
selbst in's ,gedchtniss zurckzurufen4
,denken wir an unsere eigene ,befremdung
dem ,chore und dem tragischen ,helden
jener ,tragdie gegenber1 die wir beide
mit unseren ,gewohnheiten ebensowenig
wie mit der ,ueberlieferung zu reimen
wussten - bis wir jene ,doppelheit
selbst als ,ursprung und ,wesen der
griechischen ,tragdie wiederfanden1 als
den ,ausdruck zweier in einander
gewobenen ,kunsttriebe1 des
,apollinischen und des ,dionysischen4
,jenes ursprngliche und allmchtige
dionysische ,element aus der ,tragdie
auszuscheiden und sie rein und neu auf
undionysischer ,kunst1 ,sitte und
,weltbetrachtung aufzubauen - dies ist
die jetzt in heller ,beleuchtung sich
uns enthllende ,tendenz des ,euripides4
,euripides selbst hat am ,abend seines
,lebens die ,frage nach dem ,werth und
der ,bedeutung dieser ,tendenz in einem
,mythus seinen ,zeitgenossen auf das
,nachdrcklichste vorgelegt4 ,darf
berhaupt das ,dionysische bestehn8 ,ist
es nicht mit ,gewalt aus dem
hellenischen ,boden auszurotten8
,gewiss1 sagt uns der ,dichter1 wenn es
nur mglich wre3 aber der ,gott ,dionysus
ist zu mchtig2 der verstndigste ,gegner
- wie ,pentheus in den ,bacchen - wird
unvermuthet von ihm bezaubert und luft
nachher mit dieser ,verzauberung in sein
,verhngniss4 ,das ,urtheil der beiden
,greise ,kadmus und ,tiresias scheint
auch das ,urtheil des greisen ,dichters
zu sein3 das ,nachdenken der klgsten
,einzelnen werfe jene alten
,volkstraditionen1 jene sich ewig
fortpflanzende ,verehrung des ,dionysus
nicht um1 ja es gezieme sich1 solchen
wunderbaren ,krften gegenber1 mindestens
eine diplomatisch vorsichtige
,theilnahme zu zeigen3 wobei es aber
immer noch mglich sei1 dass der ,gott an
einer so lauen ,betheiligun2 ,anstoss
nehme und den ,diplomaten - wie hier den
,kadmus - schliesslich in einen
,drachen verwandle4 ,dies sagt uns ein
,dichter1 der mit heroischer ,kraft ein
langes ,leben hindurch dem ,dionysus
widerstanden hat - um am ,ende desselben
mit einer ,glorification seines
,gegners und einem ,selbstmorde seine
,laufhahn zu schliessen1 einem
,schwindelnden gleich1 der1 um nur dem
entsetzlichen1 nicht mehr ertrglichen
,wirbel zu entgehn1 sich vom ,thurme
herunterstrzt4 ,jene ,tragdie ist ein
,protest gegen die ,ausfhrbarkeit seiner
,tendenz2 ach1 und sie war bereits
ausgefhrt6 ,das ,wunderbare war
geschehn3 als der ,dichter widerrief1
hatte bereits seine ,tendenz gesiegt4
,dionysus war bereits von der tragischen
,bhne verscheucht und zwar durch eine
aus ,euripides redende dmonische ,macht4
,auch ,euripides war in gewissem ,sinne
nur ,maske3 die ,gottheit1 die aus ihm
redete1 war nicht ,dionysus1 auch nicht
,apollo1 sondern ein ganz neugeborner
,dmon1 genannt ,sokrates4 ,dies ist der
neue ,gegensatz3 das ,dionysische und
das ,sokratische1 und das ,kunstwerk der
griechischen ,tragdie ging an ihm zu
,grunde4 ,mag nun auch ,euripides uns
durch seinen ,widerruf zu trsten suchen1
es gelingt ihm nicht3 der herrlichste
,tempel liegt in ,trmmern2 was ntzt uns
die ,wehklage des ,zerstrers und sein
,gestndniss1 dass es der schnste aller
,tempel gewesen sei8 ,und selbst dass
,euripides zur ,strafe von den
,kunstrichtern aller ,zeiten in einen
,drachen verwandelt worden ist - wen
mchte diese erbrmliche ,compensation
befriedigen8 ,nhern wir uns jetzt jener
sokratischen ,tendenz1 mit der
,euripides die aeschyleische ,tragdie
bekmpfte und besiegte4 ,welches ,ziel -
so mssen wir uns jetzt fragen - konnte
die euripideische ,absicht1 das ,drama
allein auf das ,undionysische zu grnden1
in der hchsten ,idealitt ihrer
,durchfhrung berhaupt haben8 ,welche
,form des ,drama's blieb noch brig1 wenn
es nicht aus dem ,geburtsschoosse der
,musik1 in jenem geheimnissvollen
,zwielicht des ,dionysischen geboren
werden sollte8 ,allein das dramatisirte
,epos3 in welchem apollinischen
,kunstgebiete nun freilich die tragische
,wirkung unerreichbar ist4 ,es kommt
hierbei nicht auf den ,inhalt der
dargestellten ,ereignisse an2 ja ich
mchte behaupten1 dass es ,goethe in
seiner projectirten ,nausikaa unmglich
gewesen sein wrde1 den ,selbstmord jenes
idyllischen ,wesens - der den fnften
,act ausfllen sollte - tragisch
ergreifend zu machen2 so ungemein ist
die ,gewalt des ,episch-,apollinischen1
dass es die schreckensvollsten ,dinge
mit jener ,lust am ,scheine und der
,erlsung durch den ,schein vor unseren
,augen verzaubert4 ,der ,dichter des
dramatisirten ,epos kann eben so wenig
wie der epische ,rhapsode mit seinen
,bildern vllig verschmelzen3 er ist
immer noch ruhig unbewegte1 aus weiten
,augen blickende ,anschauung1 die die
,bilder vorsich sieht4 ,der
,schauspieler in diesem dramatisirten
,epos bleibt im tiefsten ,grunde immer
noch ,rhapsode2 die ,weihe des inneren
,trumens liegt auf allen seinen
,actionen1 so dass er niemals ganz
,schauspieler ist4 ,wie verhlt sich nun
diesem ,ideal des apollinischen
,drama's gegenber das euripideische
,stck8 ,wie zu dem feierlichen
,rhapsoden der alten ,zeit jener jngere1
der sein ,wesen im platonischen ,jon
also beschreibt3 ,wenn ich etwas
,trauriges sage1 fllen sich meine ,augen
mit ,thrnen2 ist aber das1 was ich
sage1 schrecklich und entsetzlich1 dann
stehen die ,haare meines ,hauptes vor
,schauder zu ,berge1 und mein ,herz
klopft4 ,hier merken wir nichts mehr von
jenem epischen ,verlorensein im
,scheine1 von der affectlosen ,khle des
wahren ,schauspielers1 der gerade in
seiner hchsten ,thtigkeit1 ganz ,schein
und ,lust am ,scheine ist4 ,euripides
ist der ,schauspieler mit dem klopfenden
,herzen1 mit den zu ,berge stehenden
,haaren2 als sokratischer ,denker
entwirft er den ,plan1 als
leidenschaftlicher ,schauspieler fhrt er
ihn aus4 ,reiner ,knstler ist er weder
im ,entwerfen noch im ,ausfhren4 ,so ist
das euripideische ,drama ein zugleich
khles und feuriges ,ding1 zum ,erstarren
und zum ,verbrennen gleich befhigt2 es
ist ihm unmglich1 die apollinische
,wirkung des ,epos zu erreichen1 whrend
es andererseits sich von den
dionysischen ,elementen mglichst gelst
hat1 und jetzt1 um berhaupt zu wirken1
neue ,erregungsmittel braucht1 die nun
nicht mehr innerhalb der beiden einzigen
,kunsttriebe1 des apollinischen und des
dionysischen1 liegen knnen4 ,diese
,erregungsmittel sind khle paradoxe
,gedanken - an ,stelle der apollinischen
,anschauungen - und feurige ,affecte -
an ,stelle der dionysischen ,entzckungen
- und zwar hchst realistisch
nachgemachte1 keineswegs in den ,aether
der ,kunst getauchte ,gedanken und
,affecte4 ,haben wir demnach so viel
erkannt1 dass es ,euripides berhaupt
nicht gelungen ist1 das ,drama allein
auf das ,apollinische zu grnden1 dass
sich vielmehr seine undionysische
,tendenz in eine naturalistische und
unknstlerische verirrt hat1 so werden
wir jetzt dem ,wesen des aesthetischen
,sokratismus schon nher treten drfen2
dessen oberstes ,gesetz ungefhr so
lautet3 alles muss verstndig sein1 um
schn zu sein2 als ,parallelsatz zu dem
sokratischen nur der ,wissende ist
tugendhaft4 ,mit diesem ,kanon in der
,hand maass ,euripides alles ,einzelne
und rectificirte es gemss diesem
,princip3 die ,sprache1 die ,charaktere1
den dramaturgischen ,aufbau1 die
,chormusik4 ,was wir im ,vergleich mit
der sophokleischen ,tragdie so hufig dem
,euripides als dichterischen ,mangel
und ,rckschritt anzurechnen pflegen1 das
ist zumeist das ,product jenes
eindringenden kritischen ,prozesses1
jener verwegenen ,verstndigkeit4 ,der
euripideische ,prolog diene uns als
,beispiel fr die ,productivitt jener
rationalistischen ,methode4 ,nichts kann
unserer ,bhnentechnik widerstrebender
sein als der ,prolog im ,drama des
,euripides4 ,dass eine einzelne
auftretende ,person am ,eingange des
,stckes erzhlt1 wer sie sei1 was der
,handlung vorangehe1 was bis jetzt
geschehen1 ja was im ,verlaufe des
,stckes geschehen werde1 das wrde ein
moderner ,theaterdichter als ein
muthwilliges und nicht zu verzeihendes
,verzichtleisten auf den ,effect der
,spannung bezeichnen4 ,man weiss ja
alles1 was geschehen wird2 wer wird
abwarten wollen1 dass dies wirklich
geschieht8 - da ja hier keinesfalls das
aufregende ,verhltniss eines
wahrsagenden ,traumes zu einer spter
eintretenden ,wirklichkeit stattfindet4
,ganz anders reflectirte ,euripides4
,die ,wirkung der ,tragdie beruhte
niemals auf der epischen ,spannung1 auf
der anreizenden ,ungewissheit1 was sich
jetzt und nachher ereignen werde3
vielmehr auf jenen grossen
rhetorisch-lyrischen ,scenen1 in denen
die ,leidenschaft und die ,dialektik des
,haupthelden zu einem breiten und
mchtigen ,strome anschwoll4 ,zum
,pathos1 nicht zur ,handlung bereitete
,alles vor3 und was nicht zum ,pathos
vorbereitete1 das galt als verwerflich4
,das aber1 was die genussvolle ,hingabe
an solche ,scenen am strksten erschwert1
ist ein dem ,zuhrer fehlendes ,glied1
eine ,lcke im ,gewebe der
,vorgeschichte2 so lange der ,zuhrer
noch ausrechnen muss1 was diese und jene
,person bedeute1 was dieser und jener
,conflict der ,neigungen und ,absichten
fr ,voraussetzungen habe1 ist seine
volle ,versenkung in das ,leiden und
,thun der ,hauptpersonen1 ist das
athemlose ,mitleiden und ,mitfrchten
noch nicht mglich4 ,die
aeschyleisch-sophokleische ,tragdie
verwandte die geistreichsten
,kunstmittel1 um dem ,zuschauer in den
ersten ,scenen gewissermaassen zufllig
alle jene zum ,verstndniss nothwendigen
,fden in die ,hand zu geben3 ein ,zug1
in dem sich jene edle ,knstlerschaft
bewhrt1 die das nothwendige ,formelle
gleichsam maskirt und als ,zuflliges
erscheinen lsst4 ,immerhin aber glaubte
,euripides zu bemerken1 dass whrend
jener ersten ,scenen der ,zuschauer in
eigenthmlicher ,unruhe sei1 um das
,rechenexempel der ,vorgeschichte
auszurechnen1 so dass die dichterischen
,schnheiten und das ,pathos der
,exposition fr ihn verloren ginge4
,deshalb stellte er den ,prolog noch vor
die ,exposition und legte ihn einer
,person in den ,mund1 der man ,vertrauen
schenken durfte3 eine ,gottheit musste
hufig den ,verlauf der ,tragdie dem
,publicum gewissermaassen garantieren
und jeden ,zweifel an der ,realitt des
,mythus nehmen3 in hnlicher ,weise1 wie
,descartes die ,realitt der empirischen
,welt nur durch die ,appellation an die
,wahrhaftigkeit ,gottes und seine
,unfhigkeit zur ,lge zu beweisen
vermochte4 ,dieselbe gttliche
,wahrhaftigkeit braucht ,euripides noch
einmal am ,schlusse seines ,drama's1 um
die ,zukunft seiner ,helden dem
,publicum sicher zu stellen2 dies ist
die ,aufgabe des berchtigten deux ex
machina4 ,zwischen der epischen
,vorschau und ,hinausschau liegt die
dramatischlyrische ,gegenwart1 das
eigentliche ,drama4 ,so ist ,euripides
als ,dichter vor allem der ,wiederhall
seiner bewussten ,erkenntnisse2 und
gerade dies verleiht ihm eine so
denkwrdige ,stellung in der ,geschichte
der griechischen ,kunst4 ,ihm muss im
,hinblick auf sein kritisch-productives
,schaffen oft zu ,muthe gewesen sein als
sollte er den ,anfang der ,schrift des
,anaxagoras fr das ,drama lebendig
machen1 deren erste ,worte lauten3 im
,anfang war alles beisammen2 da kam der
,verstand und schuf ,ordnung4 ,und wenn
,anaxagoras mit seinem ,nous unter den
,philosophen wie der erste ,nchterne
unter lauter ,trunkenen erschien1 so mag
auch ,euripides sein ,verhltniss zu den
anderen ,dichtern der ,tragdie unter
einem hnlichen ,bilde begriffen haben4
,so lange der einzige ,ordner und
,walter des ,alls1 der ,nous1 noch vom
knstlerischen ,schaffen ausgeschlossen
war1 war noch alles in einem chaotischen
,urbrei beisammen2 so musste ,euripides
urtheilen1 so musste er die trunkenen
,dichter als der erste ,nchterne
verurtheilen4 ,das1 was ,sophokles von
,aeschylus gesagt hat1 er thue das
,rechte1 obschon unbewusst1 war gewiss
nicht im ,sinne des ,euripides gesagt3
der nur so viel htte gelten lassen1 dass
,aeschylus1 weil er unbewusst schaffe1
das ,unrechte schaffe4 ,auch der
gttliche ,plato redet vom schpferischen
,vermgen des ,dichters1 insofern dies
nicht die bewusste ,einsicht ist1 zu
allermeist nur ironisch und stellt es
der ,begabung des ,wahrsagers und
,traumdeuters gleich2 sei doch der
,dichter nicht eher fhig zu dichten als
bis er bewusstlos geworden sei1 und kein
,verstand mehr in ihm wohne4 ,euripides
unternahm es1 wie es auch ,plato
unternommen hat1 das ,gegenstck des
unverstndigen ,dichters der ,welt zu
zeigen2 sein aesthetischer ,grundsatz
alles muss bewusst sein1 um schn zu
sein1 ist1 wie ich sagte1 der
,parallelsatz zu dem sokratischen alles
muss bewusst sein1 um gut zu sein4
,demgemss darf uns ,euripides als der
,dichter des aesthetischen ,sokratismus
gelten4 ,sokrates aber war jener zweite
,zuschauer1 der die ltere ,tragdie nicht
begriff und deshalb nicht achtete2 mit
ihm im ,bunde wagte ,euripides1 der
,herold eines neuen ,kunstschaffens zu
sein4 ,wenn an diesem die ltere ,tragdie
zu ,grunde ging1 so ist also der
aesthetische ,sokratismus das mrderische
,princip3 insofern aber der ,kampf
gegen das ,dionysische der lteren ,kunst
gerichtet war1 erkennen wir in
,sokrates den ,gegner des ,dionysus1 den
neuen ,orpheus1 der sich gegen
,dionysus erhebt und1 obschon bestimmt1
von den ,mnaden des athenischen
,gerichtshofes zerrissen zu werden1 doch
den bermchtigen ,gott selbst zur
,flucht nthigt3 welcher1 wie damals1 als
er vor dem ,edonerknig ,lykurg floh1
sich in die ,tiefen des ,meeres rettete1
nmlich in die mystischen ,fluthen eines
die ganze ,welt allmhlich berziehenden
,geheimcultus4 #ac4 ,dass ,sokrates
eine enge ,beziehung der ,tendenz zu
,euripides habe1 entging dem
gleichzeitigen ,alterthume nicht2 und
der beredteste ,ausdruck fr diesen
glcklichen ,sprsinn ist jene in ,athen
umlaufende ,sage1 ,sokrates pflege dem
,euripides im ,dichten zu helfen4 ,beide
,namen wurden von den ,anhngern der
guten alten ,zeit in einem ,athem
genannt1 wenn es galt1 die
,volksverfhrer der ,gegenwart
aufzuzhlen3 von deren ,einflusse es
herrhre1 dass die alte marathonische
vierschrtige ,tchtigkeit an ,leib und
,seele immer mehr einer zweifelhaften
,aufklrung1 bei fortschreitender
,verkmmerung der leiblichen und
seelischen ,krfte1 zum ,opfer falle4 ,in
dieser ,tonart1 halb mit ,entrstung1
halb mit ,verachtung1 pflegt die
aristophanische ,komdie von jenen
,mnnern zu reden1 zum ,schrecken der
,neueren1 welche zwar ,euripides gerne
preisgeben1 aber sich nicht genug darber
wundern knnen1 dass ,sokrates als der
erste und oberste ,sophist1 als der
,spiegel und ,inbegriff aller
sophistischen ,bestrebungen bei
,aristophanes erscheine3 wobei es einzig
einen ,trost gewhrt1 den ,aristophanes
selbst als einen lderlich lgenhaften
,alcibiades der ,poesie an den ,pranger
zu stellen4 ,ohne an dieser ,stelle die
tiefen ,instincte des ,aristophanes
gegen solche ,angriffe in ,schutz zu
nehmen1 fahre ich fort1 die enge
,zusammengehrigkeit des ,sokrates und
des ,euripides aus der antiken
,empfindung heraus zu erweisen2 in
welchem ,sinne namentlich daran zu
erinnern ist1 dass ,sokrates als ,gegner
der tragischen ,kunst sich des ,besuchs
der ,tragdie enthielt1 und nur1 wenn
ein neues ,stck des ,euripides aufgefhrt
wurde1 sich unter den ,zuschauern
einstellte4 ,am berhmtesten ist aber die
nahe ,zusammenstellung beider ,namen in
dem delphischen ,orakelspruche1 welcher
,sokrates als den ,weisesten unter den
,menschen bezeichnet1 zugleich aber das
,urtheil abgab1 dass dem ,euripides der
zweite ,preis im ,wettkampfe der
,weisheit gebhre4 ,als der dritte in
dieser ,stufenleiter war ,sophokles
genannt2 er1 der sich gegen ,aeschylus
rhmen durfte1 er thue das ,rechte und
zwar1 weil er wisse1 was das ,rechte
sei4 ,offenbar ist gerade der ,grad der
,helligkeit dieses ,wissens dasjenige1
was jene drei ,mnner gemeinsam als die
drei ,wissenden ihrer ,zeit auszeichnet4
,das schrfste ,wort aber fr jene neue
und unerhrte ,hochschtzung des ,wissens
und der ,einsicht sprach ,sokrates1 als
er sich als den ,einzigen vorfand1 der
sich eingestehe1 nichts zu wissen2
whrend er1 auf seiner kritischen
,wanderung durch ,athen1 bei den grssten
,staatsmnnern1 ,rednern1 ,dichtern und
,knstlern vorsprechend1 berall die
,einbildung des ,wissens antraf4 ,mit
,staunen erkannte er1 dass alle jene
,berhmtheiten selbst ber ihren ,beruf
ohne richtige und sichere ,einsicht
seien und denselben nur aus ,instinct
trieben4 ,nur aus ,instinct3 mit diesem
,ausdruck berhren wir ,herz und
,mittelpunkt der sokratischen ,tendenz4
,mit ihm verurtheilt der ,sokratismus
eben so die bestehende ,kunst wie die
bestehende ,ethik3 wohin er seine
prfenden ,blicke richtet1 sieht er den
,mangel der ,einsicht und die ,macht des
,wahns und schliesst aus diesem ,mangel
auf die innerliche ,verkehrtheit und
,verwerflichkeit des ,vorhandenen4 ,von
diesem einen ,punkte aus glaubte
,sokrates das ,dasein corrigieren zu
mssen3 er1 der ,einzelne1 tritt mit der
,miene der ,nichtachtung und der
,ueberlegenheit1 als der ,vorlufer einer
ganz anders gearteten ,cultur1 ,kunst
und ,moral1 in eine ,welt hinein1 deren
,zipfel mit ,ehrfurcht zu erhaschen wir
uns zum grssten ,glcke rechnen wrden4
,dies ist die ungeheuere
,bedenklichkeit1 die uns jedesmal1
,angesichts des ,sokrates1 ergreift und
die uns immer und immer wieder anreizt1
,sinn und ,absicht dieser fragwrdigsten
,erscheinung des ,alterthums zu
erkennen4 ,wer ist das1 der es wagen
darf1 als ein ,einzelner das griechische
,wesen zu verneinen1 das als ,homer1
,pindar und ,aeschylus1 als ,phidias1
als ,perikles1 als ,pythia und
,dionysus1 als der tiefste ,abgrund und
die hchste ,hhe unserer staunenden
,anbetung gewiss ist8 ,welche dmonische
,kraft ist es1 die diesen ,zaubertrank
in den ,staub zu schtten sich erkhnen
darf8 ,welcher ,halbgott ist es1 dem der
,geisterchor der ,edelsten der
,menschheit zurufen muss3 ,weh6 ,weh6
,du hast sie zerstrt1 die schne ,welt1
mit mchtiger ,faust2 sie strzt1 sie
zerfllt6 ,einen ,schlssel zu dem ,wesen
des ,sokrates bietet uns jene
wunderbare ,erscheinung1 die als
,dmonion des ,sokrates bezeichnet wird4
,in besonderen ,lagen1 in denen sein
ungeheurer ,verstand in's ,schwanken
gerieth1 gewann er einen festen ,anhalt
durch eine in solchen ,momenten sich
ussernde gttliche ,stimme4 ,diese
,stimme mahnt1 wenn sie kommt1 immer ab4
,die instinctive ,weisheit zeigt sich
bei dieser gnzlich abnormen ,natur nur1
um dem bewussten ,erkennen hier und da
hindernd entgegenzutreten4 ,whrend doch
bei allen productiven ,menschen der
,instinct gerade die
schpferisch-affirmative ,kraft ist1 und
das ,bewusstsein kritisch und abmahnend
sich gebrdet3 wird bei ,sokrates der
,instinct zum ,kritiker1 das
,bewusstsein zum ,schpfer - eine wahre
,monstrositt per defectum6 ,und zwar
nehmen wir hier einen monstrosen
defectus jeder mystischen ,anlage wahr1
so dass ,sokrates als der specifische
,nicht-,mystiker zu bezeichnen wre1 in
dem die logische ,natur durch eine
,superftation eben so excessiv
entwickelt ist wie im ,mystiker jene
instinctive ,weisheit4 ,andrerseits aber
war es jenem in ,sokrates erscheinenden
logischen ,triebe vllig versagt1 sich
gegen sich selbst zu kehren2 in diesem
fessellosen ,dahinstrmen zeigt er eine
,naturgewalt1 wie wir sie nur bei den
allergrssten instinctiven ,krften zu
unsrer schaudervollen ,ueberraschung
antreffen4 ,wer nur einen ,hauch von
jener gttlichen ,naivett und ,sicherheit
der sokratischen ,lebensrichtung aus
den platonischen ,schriften gesprt hat1
der fhlt auch1 wie das ungeheure
,triebrad des logischen ,sokratismus
gleichsam hinter ,sokrates in ,bewegung
ist1 und wie dies durch ,sokrates wie
durch einen ,schatten hindurch
angeschaut werden muss4 ,dass er aber
selbst von diesem ,verhltniss eine
,ahnung hatte1 das drckt sich in dem
wrdevollen ,ernste aus1 mit dem er seine
gttliche ,berufung berall und noch vor
seinen ,richtern geltend machte4 ,ihn
darin zu widerlegen war im ,grunde eben
so unmglich als seinen die ,instincte
auflsenden ,einfluss gut zu heissen4
,bei diesem unlsbaren ,conflicte war1
als er einmal vor das ,forum des
griechischen ,staates gezogen war1 nur
eine einzige ,form der ,verurtheilung
geboten1 die ,verbannung2 als etwas
durchaus ,rthselhaftes1
,unrubricirbares1 ,unaufklrbares htte
man ihn ber die ,grenze weisen drfen1
ohne dass irgend eine ,nachwelt im
,recht gewesen wre1 die ,athener einer
schmhlichen ,that zu zeihen4 ,dass aber
der ,tod und nicht nur die ,verbannung
ber ihn ausgesprochen wurde1 das scheint
,sokrates selbst1 mit vlliger ,klarheit
und ohne den natrlichen ,schauder vor
dem ,tode1 durchgesetzt zu haben3 er
ging in den ,tod1 mit jener ,ruhe1 mit
der er nach ,plato's ,schilderung als
der letzte der ,zecher im frhen
,tagesgrauen das ,symposion verlsst1 um
einen neuen ,tag zu beginnen2 indess
hinter ihm1 auf den ,bnken und auf der
,erde1 die verschlafenen ,tischgenossen
zurckbleiben1 um von ,sokrates1 dem
wahrhaften ,erotiker1 zu trumen4 ,der
sterbende ,sokrates wurde das neue1 noch
nie sonst geschaute ,ideal der edlen
griechischen ,jugend3 vor allen hat sich
der typische hellenische ,jngling1
,plato1 mit aller inbrnstigen ,hingebung
seiner ,schwrmerseele vor diesem ,bilde
niedergeworfen4 #ad4 ,denken wir uns
jetzt das eine grosse ,cyklopenauge des
,sokrates auf die ,tragdie gewandt1
jenes ,auge1 in dem nie der holde
,wahnsinn knstlerischer ,begeisterung
geglht hat - denken wir uns1 wie es
jenem ,auge versagt war1 in die
dionysischen ,abgrnde mit ,wohlgefallen
zu schauen - was eigentlich musste es in
der erhabenen und hochgepriesenen
tragischen ,kunst1 wie sie ,plato nennt1
erblicken8 ,etwas recht ,unvernnftiges1
mit ,ursachen1 die ohne ,wirkungen1 und
mit ,wirkungen1 die ohne ,ursachen zu
sein schienen1 dazu das ,ganze so bunt
und mannichfaltig1 dass es einer
besonnenen ,gemthsart widerstreben msse1
fr reizbare und empfindliche ,seelen
aber ein gefhrlicher ,zunder sei4 ,wir
wissen1 welche einzige ,gattung der
,dichtkunst von ihm begriffen wurde1 die
aesopische ,fabel3 und dies geschah
gewiss mit jener lchelnden ,anbequemung1
mit welcher der ehrliche gute ,gellert
in der ,fabel von der ,biene und der
,henne das ,lob der ,poesie singt3
,du siehst an mir1 wozu sie ntzt1
,dem1 der nicht viel ,verstand besitzt
,die ,wahrheit durch ein ,bild zu sagen4
,nun aber schien ,sokrates die
tragische ,kunst nicht einmal die
,wahrheit zu sagen3 abgesehen davon1
dass sie sich an den wendet1 der nicht
viel ,verstand besitzt1 also nicht an
den ,philosophen3 ein zweifacher ,grund1
von ihr fern zu bleiben4 ,wie ,plato1
rechnete er sie zu den schmeichlerischen
,knsten1 die nur das ,angenehme1 nicht
das ,ntzliche darstellen und verlangte
deshalb bei seinen ,jngern
,enthaltsamkeit und strenge ,absonderung
von solchen unphilosophischen
,reizungen2 mit solchem ,erfolge1 dass
der jugendliche ,tragdiendichter ,plato
zu allererst seine ,dichtungen
verbrannte1 um ,schler des ,sokrates
werden zu knnen4 ,wo aber unbesiegbare
,anlagen gegen die sokratischen ,maximen
ankmpften1 war die ,kraft derselben1
sammt der ,wucht jenes ungeheuren
,charakters1 immer noch gross genug1 um
die ,poesie selbst in neue und bis dahin
unbekannte ,stellungen zu drngen4 ,ein
,beispiel dafr ist der eben genannte
,plato3 er1 der in der ,verurtheilung
der ,tragdie und der ,kunst berhaupt
gewiss nicht hinter dem naiven ,cynismus
seines ,meisters zurckgeblieben ist1
hat doch aus voller knstlerischer
,nothwendigkeit eine ,kunstform schaffen
mssen1 die gerade mit den vorhandenen
und von ihm abgewiesenen ,kunstformen
innerlich verwandt ist4 ,der
,hauptvorwurf1 den ,plato der lteren
,kunst zu machen hatte1 - dass sie
,nachahmung eines ,scheinbildes sei1
also noch einer niedrigeren ,sphre als
die empirische ,welt ist1 angehre -
durfte vor allem nicht gegen das neue
,kunstwerk gerichtet werden3 und so
sehen wir denn ,plato bestrebt ber die
,wirklichkeit hinaus zu gehn und die
jener ,pseudo-,wirklichkeit zu ,grunde
liegende ,idee darzustellen4 ,damit aber
war der ,denker ,plato auf einem
,umwege ebendahin gelangt1 wo er als
,dichter stets heimisch gewesen war und
von wo aus ,sophokles und die ganze
ltere ,kunst feierlich gegen jenen
,vorwurf protestirten4 ,wenn die
,tragdie alle frheren ,kunstgattungen in
sich aufgesaugt hatte1 so darf dasselbe
wiederum in einem excentrischen ,sinne
vom platonischen ,dialoge gelten1 der1
durch ,mischung aller vorhandenen ,stile
und ,formen erzeugt1 zwischen
,erzhlung1 ,lyrik1 ,drama1 zwischen
,prosa und ,poesie in der ,mitte schwebt
und damit auch das strenge ltere
,gesetz der einheitlichen sprachlichen
,form durchbrochen hat2 auf welchem
,wege die cynischen ,schriftsteller noch
weiter gegangen sind1 die in der
grssten ,buntscheckigkeit des ,stils1 im
,hin- und ,herschwanken zwischen
prosaischen und metrischen ,formen auch
das litterarische ,bild des rasenden
,sokrates1 den sie im ,leben
darzustellen pflegten1 erreicht haben4
,der platonische ,dialog war gleichsam
der ,kahn1 auf dem sich die
schiffbrchige ltere ,poesie sammt allen
ihren ,kindern rettete3 auf einen engen
,raum zusammengedrngt und dem einen
,steuermann ,sokrates ngstlich
unterthnig fuhren sie jetzt in eine neue
,welt hinein1 die an dem phantastischen
,bilde dieses ,aufzugs sich nie satt
sehen konnte4 ,wirklich hat fr die ganze
,nachwelt ,plato das ,vorbild einer
neuen ,kunstform gegeben1 das ,vorbild
des ,roman's3 der als die unendlich
gesteigerte aesopische ,fabel zu
bezeichnen ist1 in der die ,poesie in
einer hnlichen ,rangordnung zur
dialektischen ,philosophie lebt1 wie
viele ,jahrhunderte hindurch dieselbe
,philosophie zur ,theologie3 nmlich als
ancilla4 ,dies war die neue ,stellung
der ,poesie1 in die sie ,plato unter dem
,drucke des dmonischen ,sokrates
drngte4 ,hier berwchst der
philosophische ,gedanke die ,kunst und
zwingt sie zu einem engen ,sich-
,anklammern an den ,stamm der
,dialektik4 ,in dem logischen
,schematismus hat sich die apollinische
,tendenz verpuppt3 wie wir bei
,euripides etwas ,entsprechendes und
ausserdem eine ,uebersetzung des
,dionysischen in den naturalistischen
,affect wahrzunehmen hatten4 ,sokrates1
der dialektische ,held im platonischen
,drama1 erinnert uns an die verwandte
,natur des euripideischen ,helden1 der
durch ,grund und ,gegengrund seine
,handlungen vertheidigen muss und
dadurch so oft in ,gefahr gerth1 unser
tragisches ,mitleiden einzubssen3 denn
wer vermchte das optimistische ,element
im ,wesen der ,dialektik zu verkennen1
das in jedem ,schlusse sein ,jubelfest
feiert und allein in khler ,helle und
,bewusstheit athmen kann3 das
optimistische ,element1 das1 einmal in
die ,tragdie eingedrungen1 ihre
dionysischen ,regionen allmhlich
berwuchern und sie nothwendig zur
,selbstvernichtung treiben muss - bis
zum ,todessprunge in's brgerliche
,schauspiel4 ,man vergegenwrtige sich
nur die ,consequenzen der sokratischen
,stze3 ,tugend ist ,wissen2 es wird nur
gesndigt aus ,unwissenheit2 der
,tugendhafte ist der ,glckliche3 in
diesen drei ,grundformen des ,optimismus
liegt der ,tod der ,tragdie4 ,denn
jetzt muss der tugendhafte ,held
,dialektiker sein1 jetzt muss zwischen
,tugend und ,wissen1 ,glaube und ,moral
ein nothwendiger sichtbarer ,verband
sein1 jetzt ist die transscendentale
,gerechtigkeitslsung des ,aeschylus zu
dem flachen und frechen ,princip der
poetischen ,gerechtigkeit mit seinem
blichen deus ex machina erniedrigt4
,wie erscheint dieser neuen
sokratisch-optimistischen ,bhnenwelt
gegenber jetzt der ,chor und berhaupt
der ganze musikalisch-dionysische
,untergrund der ,tragdie8 ,als etwas
,zuflliges1 als eine auch wohl zu
missende ,reminiscenz an den ,ursprung
der ,tragdie2 whrend wir doch eingesehen
haben1 dass der ,chor nur als ,ursache
der ,tragdie und des ,tragischen
berhaupt verstanden werden kann4 ,schon
bei ,sophokles zeigt sich jene
,verlegenheit in ,betreff des ,chors -
ein wichtiges ,zeichen1 dass schon bei
ihm der dionysische ,boden der ,tragdie
zu zerbrckeln beginnt4 ,er wagt es nicht
mehr1 dem ,chor den ,hauptantheil der
,wirkung anzuvertrauen1 sondern schrnkt
sein ,bereich dermaassen ein1 dass er
jetzt fast den ,schauspielern coordinirt
erscheint1 gleich als ob er aus der
,orchestra in die ,scene hineingehoben
wrde3 womit freilich sein ,wesen vllig
zerstrt ist1 mag auch ,aristoteles
gerade dieser ,auffassung des ,chors
seine ,beistimmung geben4 ,jene
,verrckung der ,chorposition1 welche
,sophokles jedenfalls durch seine
,praxis und1 der ,ueberlieferung nach1
sogar durch eine ,schrift anempfohlen
hat1 ist der erste ,schritt zur
,vernichtung des ,chors1 deren ,phasen
in ,euripides1 ,agathon und der neueren
,komdie mit erschreckender
,schnelligkeit auf einander folgen4 ,die
optimistische ,dialektik treibt mit der
,geissel ihrer ,syllogismen die ,musik
aus der ,tragdie3 d4h4 sie zerstrt das
,wesen der ,tragdie1 welches sich einzig
als eine ,manifestation und
,verbildlichung dionysischer ,zustnde1
als sichtbare ,symbolisirung der ,musik1
als die ,traumwelt eines dionysischen
,rausches interpretiren lsst4 ,haben
wir also sogar eine schon vor ,sokrates
wirkende antidionysische ,tendenz
anzunehmen1 die nur in ihm einen unerhrt
grossartigen ,ausdruck gewinnt3 so
mssen wir nicht vor der ,frage
zurckschrecken1 wohin denn eine solche
,erscheinung wie die des ,sokrates
deute3 die wir doch nicht im ,stande
sind1 ,angesichts der platonischen
,dialoge1 als eine nur auflsende
negative ,macht zu begreifen4 ,und so
gewiss die allernchste ,wirkung des
sokratischen ,triebes auf eine
,zersetzung der dionysischen ,tragdie
ausging1 so zwingt uns eine tiefsinnige
,lebenserfahrung des ,sokrates selbst zu
der ,frage1 ob denn zwischen dem
,sokratismus und der ,kunst nothwendig
nur ein antipodisches ,verhltniss
bestehe und ob die ,geburt eines
knstlerischen ,sokrates berhaupt etwas
in sich ,widerspruchsvolles sei4 ,jener
despotische ,logiker hatte nmlich hier
und da der ,kunst gegenber das ,gefhl
einer ,lcke1 einer ,leere1 eines halben
,vorwurfs1 einer vielleicht versumten
,pflicht4 ,oefters kam ihm1 wie er im
,gefngniss seinen ,freunden erzhlt1 ein
und dieselbe ,traumerscheinung1 die
immer dasselbe sagte3 ,sokrates1 treibe
,musik6 ,er beruhigt sich bis zu seinen
letzten ,tagen mit der ,meinung1 sein
,philosophieren sei die hchste
,musenkunst1 und glaubt nicht recht1
dass eine ,gottheit ihn an jene gemeine1
populre ,musik erinnern werde4 ,endlich
im ,gefngniss versteht er sich1 um sein
,gewissen gnzlich zu entlasten1 auch
dazu1 jene von ihm gering geachtete
,musik zu treiben4 ,und in dieser
,gesinnung dichtet er ein ,promium auf
,apollo und bringt einige aesopische
,fabeln in ,verse4 ,das war etwas der
dmonischen warnenden ,stimme
,aehnliches1 was ihn zu diesen ,uebungen
drngte1 es war seine apollinische
,einsicht1 dass er wie ein ,barbarenknig
ein edles ,gtterbild nicht verstehe und
in der ,gefahr sei1 sich an einer
,gottheit zu versndigen - durch sein
,nichtsverstehn4 ,jenes ,wort der
sokratischen ,traumerscheinung ist das
einzige ,zeichen einer ,bedenklichkeit
ber die ,grenzen der logischen ,natur3
vielleicht - so musste er sich fragen -
ist das mir ,nichtverstndliche doch
nicht auch sofort das ,unverstndige8
,vielleicht giebt es ein ,reich der
,weisheit1 aus dem der ,logiker verbannt
ist8 ,vielleicht ist die ,kunst sogar
ein nothwendiges ,correlativum und
,supplement der ,wissenschaft8 #ae4
,im ,sinne dieser letzten ahnungsvollen
,fragen muss nun ausgesprochen werden1
wie der ,einfluss des ,sokrates1 bis auf
diesen ,moment hin1 ja in alle ,zukunft
hinaus1 sich1 gleich einem in der
,abendsonne immer grsser werdenden
,schatten1 ber die ,nachwelt hin
ausgebreitet hat1 wie derselbe zur
,neuschaffung der ,kunst - und zwar der
,kunst im bereits metaphysischen1
weitesten und tiefsten ,sinne - immer
wieder nthigt und1 bei seiner eignen
,unendlichkeit1 auch deren
,unendlichkeit verbrgt4 ,bevor dies
erkannt werden konnte1 bevor die
innerste ,abhngigkeit jeder ,kunst von
den ,griechen1 den ,griechen von ,homer
bis auf ,sokrates1 berzeugend dargethan
war1 musste es uns mit diesen ,griechen
ergehen wie den ,athenern mit ,sokrates4
,fast jede ,zeit und ,bildungsstufe hat
einmal sich mit tiefem ,missmuthe von
den ,griechen zu befreien gesucht1 weil
,angesichts derselben alles
,selbstgeleistete1 scheinbar vllig
,originelle1 und recht aufrichtig
,bewunderte pltzlich ,farbe und ,leben
zu verlieren schien und zur misslungenen
,copie1 ja zur ,caricatur
zusammenschrumpfte4 ,und so bricht immer
von ,neuem einmal der herzliche
,ingrimm gegen jenes anmaassliche
,vlkchen hervor das sich erkhnte1 alles
,nichteinheimische fr alle ,zeiten als
barbarisch zu bezeichnen3 wer sind jene1
fragt man sich1 die1 obschon sie nur
einen ephemeren historischen ,glanz1 nur
lcherlich engbegrenzte ,institutionen1
nur eine zweifelhafte ,tchtigkeit der
,sitte aufzuweisen haben und sogar mit
hsslichen ,lastern gekennzeichnet sind1
doch die ,wrde und ,sonderstellung unter
den ,vlkern in ,anspruch nehmen1 die
dem ,genius unter der ,masse zukommt8
,leider war man nicht so glcklich den
,schierlingsbecher zu finden1 mit dem
ein solches ,wesen einfach abgethan
werden konnte3 denn alles ,gift1 das
,neid1 ,verlumdung und ,ingrimm in sich
erzeugten1 reichte nicht hin1 jene
selbstgenugsame ,herrlichkeit zu
vernichten4 ,und so schmt und frchtet
man sich vor den ,griechen2 es sei denn1
dass ,einer die ,wahrheit ber alles
achte und so sich auch diese ,wahrheit
einzugestehn wage1 dass die ,griechen
unsere und jegliche ,cultur als
,wagenlenker in den ,hnden haben1 dass
aber fase immer ,wagen und ,pferde von
zu geringem ,stoffe und der ,glorie
ihrer ,fhrer unangemessen sind1 die dann
es fr einen ,scherz erachten1 ein
solches ,gespann in den ,abgrund zu
jagen3 ber den sie selbst1 mit dem
,sprunge des ,achilles1 hinwegsetzen4
,um die ,wrde einer solchen
,fhrerstellung auch fr ,sokrates zu
erweisen1 gengt es in ihm den ,typus
einer vor ihm unerhrten ,daseinsform zu
erkennen1 den ,typus des theoretischen
,menschen1 ber dessen ,bedeutung und
,ziel zur ,einsicht zu kommen1 unsere
nchste ,aufgabe ist4 ,auch der
theoretische ,mensch hat ein unendliches
,gengen am ,vorhandenen1 wie der
,knstler1 und ist wie jener vor der
praktischen ,ethik des ,pessimismus und
vor seinen nur im ,finsteren leuchtenden
,lynkeusaugen1 durch jenes ,gengen
geschtzt4 ,wenn nmlich der ,knstler bei
jeder ,enthllung der ,wahrheit immer nur
mit verzckten ,blicken an dem hngen
bleibt1 was auch jetzt1 nach der
,enthllung1 noch ,hlle bleibt1 geniesst
und befriedigt sich der theoretische
,mensch an der abgeworfenen ,hlle und
hat sein hchstes ,lustziel in dem
,prozess einer immer glcklichen1 durch
eigene ,kraft gelingenden ,enthllung4
,es gbe keine ,wissenschaft1 wenn ihr
nur um jene eine nackte ,gttin und um
nichts ,anderes zu thun wre4 ,denn dann
msste es ihren ,jngern zu ,muthe sein1
wie ,solchen1 die ein ,loch gerade durch
die ,erde graben wollten3 von denen ein
,jeder einsieht1 dass er1 bei grsster
und lebenslnglicher ,anstrengung1 nur
ein ganz kleines ,stck der ungeheuren
,tiefe zu durchgraben im ,stande sei1
welches vor seinen ,augen durch die
,arbeit des ,nchsten wieder berschttet
wird1 so dass ein ,dritter wohl daran zu
thun scheint1 wenn er auf eigne ,faust
eine neue ,stelle fr seine ,bohrversuche
whlt4 ,wenn jetzt nun ,einer zur
,ueberzeugung beweist1 dass auf diesem
directen ,wege das ,antipodenziel nicht
zu erreichen sei1 wer wird noch in den
alten ,tiefen weiterarbeiten wollen1 es
sei denn1 dass er sich nicht inzwischen
gengen lasse1 edles ,gestein zu finden
oder ,naturgesetze zu entdecken4 ,darum
hat ,lessing1 der ehrlichste
theoretische ,mensch1 es auszusprechen
gewagt1 dass ihm mehr am ,suchen der
,wahrheit als an ihr selbst gelegen sei3
womit das ,grundgeheimniss der
,wissenschaft1 zum ,erstaunen1 ja
,aerger der ,wissenschaftlichen1
aufgedeckt worden ist4 ,nun steht
freilich neben dieser vereinzelten
,erkenntniss1 als einem ,excess der
,ehrlichkeit1 wenn nicht des
,uebermuthes1 eine tiefsinnige
,wahnvorstellung1 welche zuerst in der
,person des ,sokrates zur ,welt kam1
jener unerschtterliche ,glaube1 dass das
,denken1 an dem ,leitfaden der
,causalitt1 bis in die tiefsten ,abgrnde
des ,seins reiche1 und dass das ,denken
das ,sein nicht nur zu erkennen1
sondern sogar zu corrigiren im ,stande
sei4 ,dieser erhabene metaphysische
,wahn ist als ,instinct der
,wissenschaft beigegeben und fhrt sie
immer und immer wieder zu ihren
,grenzen1 an denen sie in ,kunst
umschlagen muss3 auf welchees
eigentlich1 bei diesem ,mechanismus1
abgesehn ist4 ,schauen wir jetzt1 mit
der ,fackel dieses ,gedankens1 auf
,sokrates hin3 so erscheint er uns als
der ,erste1 der an der ,hand jenes
,instinctes der ,wissenschaft nicht nur
leben1 sondern - was bei weitem mehr ist
- auch sterben konnte3 und deshalb ist
das ,bild des sterbenden ,sokrates als
des durch ,wissen und ,grnde der
,todesfurcht enthobenen ,menschen das
,wappenschild1 das ber dem ,eingangsthor
der ,wissenschaft einen ,jeden an deren
,bestimmung erinnert1 nmlich das
,dasein als begreiflich und damit als
gerechtfertigt erscheinen zu machen3
wozu freilich wenn die ,grnde nicht
reichen1 schliesslich auch der ,mythus
dienen muss1 den ich sogar als
nothwendige ,consequenz1 ja als ,absicht
der ,wissenschaft soeben bezeichnete4
,wer sich einmal anschaulich macht1 wie
nach ,sokrates1 dem ,mystagogen der
,wissenschaft1 eine ,philosophenschule
nach der anderen1 wie ,welle auf ,welle1
sich ablst1 wie eine nie geahnte
,universalitt der ,wissensgier in dem
weitesten ,bereich der gebildeten ,welt
und als eigentliche ,aufgabe fr jeden
hher ,befhigten die ,wissenschaft auf
die hohe ,see fhrte1 von der sie niemals
seitdem wieder vllig vertrieben werden
konnte1 wie durch diese ,universalitt
erst ein gemeinsames ,netz des
,gedankens ber den gesammten ,erdball1
ja mit ,ausblicken auf die
,gesetzlichkeit eines ganzen
,sonnensystems1 gespannt wurde2 wer dies
,alles1 sammt der erstaunlich hohen
,wissenspyramide der ,gegenwart1 sich
vergegenwrtigt1 der kann sich nicht
entbrechen1 in ,sokrates den einen
,wendepunkt und ,wirbel der sogenannten
,weltgeschichte zu sehen4 ,denn dchte
man sich einmal diese ganze
unbezifferbare ,summe von ,kraft1 die fr
jene ,welttendenz verbraucht worden
ist1 nicht im ,dienste des ,erkennens1
sondern auf die praktischen d4h4
egoistischen ,ziele der ,individuen und
,vlker verwendet1 so wre wahrscheinlich
in allgemeinen ,vernichtungskmpfen und
fortdauernden ,vlkerwanderungen die
instinctive ,lust zum ,leben so
abgeschwcht1 dass1 bei der ,gewohnheit
des ,selbstmordes1 der ,einzelne
vielleicht den letzten ,rest von
,pflichtgefhl empfinden msste1 wenn er1
wie der ,bewohner der ,fidschiinseln1
als ,sohn seine ,eltern1 als ,freund
seinen ,freund erdrosselt3 ein
praktischer ,pessimismus1 der selbst
eine grausenhafte ,ethik des
,vlkermordes aus ,mitleid erzeugen knnte
- der brigens berall in der ,welt
vorhanden ist und vorhanden war1 wo
nicht die ,kunst in irgend welchen
,formen1 besonders als ,religion und
,wissenschaft1 zum ,heilmittel und zur
,abwehr jenes ,pesthauchs erschienen
ist4 ,angesichts dieses praktischen
,pessimismus ist ,sokrates das ,urbild
des theoretischen ,optimisten1 der in
dem bezeichneten ,glauben an die
,ergrndlichkeit der ,natur der ,dinge
dem ,wissen und der ,erkenntniss die
,kraft einer ,universalmedizin beilegt
und im ,irrthum das ,uebel an sich
begreift4 ,in jene ,grnde einzudringen
und die wahre ,erkenntniss vom ,schein
und vom ,irrthum zu sondern1 dnkte dem
sokratischen ,menschen der edelste1
selbst der einzige wahrhaft menschliche
,beruf zu sein3 so wie jener
,mechanismus der ,begriffe1 ,urtheile
und ,schlsse von ,sokrates ab als hchste
,bethtigung und bewunderungswrdigste
,gabe der ,natur ber alle anderen
,fhigkeiten geschtzt wurde4 ,selbst die
erhabensten sittlichen ,thaten1 die
,regungen des ,mitleids1 der
,aufopferung1 des ,heroismus und jene
schwer zu erringende ,meeresstille der
,seele1 die der apollinische ,grieche
,sophrosyne nannte1 wurden von ,sokrates
und seinen gleichgesinnten ,nachfolgern
bis auf die ,gegenwart hin aus der
,dialektik des ,wissens abgeleitet und
demgemss als lehrbar bezeichnet4 ,wer
die ,lust einer sokratischen
,erkenntniss an sich erfahren hat und
sprt1 wie diese1 in immer weiteren
,ringen1 die ganze ,welt der
,erscheinungen zu umfassen sucht1 der
wird von da an keinen ,stachel1 der zum
,dasein drngen knnte1 heftiger empfinden
als die ,begierde1 jene ,eroberung zu
vollenden und das ,netz undurchdringbar
fest zu spinnen4 ,einem so ,gestimmten
erscheint dann der platonische ,sokrates
als der ,lehrer einer ganz neuen ,form
der griechischen ,heiterkeit und
,daseinsseligkeit1 welche sich in
,handlungen zu entladen sucht und diese
,entladung zumeist in maeeutischen und
erziehenden ,einwirkungen auf edle
,jnglinge1 zum ,zweck der endlichen
,erzeugung des ,genius1 finden wird4
,nun aber eilt die ,wissenschaft1 von
ihrem krftigen ,wahne angespornt1
unaufhaltsam bis zu ihren ,grenzen1 an
denen ihr im ,wesen der ,logik
verborgener ,optimismus scheitert4 ,denn
die ,peripherie des ,kreises der
,wissenschaft hat unendlich viele
,punkte1 und whrend noch gar nicht
abzusehen ist1 wie jemals der ,kreis
vllig ausgemessen werden knnte1 so
trifft doch der edle und begabte
,mensch1 noch vor der ,mitte seines
,daseins und unvermeidlich1 auf solche
,grenzpunkte der ,peripherie1 wo er in
das ,unaufhellbare starrt4 ,wenn er hier
zu seinem ,schrecken sieht1 wie die
,logik sich an diesen ,grenzen um sich
selbst ringelt und endlich sich in den
,schwanz beisst - da bricht die neue
,form der ,erkenntniss durch1 die
tragische ,erkenntniss1 die1 um nur
ertragen zu werden1 als ,schutz und
,heilmittel die ,kunst braucht4
,schauen wir1 mit gestrkten und an den
,griechen erlabten ,augen1 auf die
hchsten ,sphren derjenigen ,welt1 die
uns umfluthet1 so gewahren wir die in
,sokrates vorbildlich erscheinende ,gier
der unersttlichen optimistischen
,erkenntniss in tragische ,resignation
und ,kunstbedrftigkeit umgeschlagen3
whrend allerdings dieselbe ,gier1 auf
ihren niederen ,stufen1 sich
kunstfeindlich ussern und vornehmlich
die dionysisch-tragische ,kunst
innerlich verabscheuen muss1 wie dies an
der ,bekmpfung der aeschyleischen
,tragdie durch den ,sokratismus
beispielsweise dargestellt wurde4 ,hier
nun klopfen wir1 bewegten ,gemthes1 an
die ,pforten der ,gegenwart und
,zukunft3 wird jenes ,umschlagen zu
immer neuen ,configurationen des ,genius
und gerade des musiktreibenden
,sokrates fhren8 ,wird das ber das
,dasein gebreitete ,netz der ,kunst1 sei
es auch unter dem ,namen der ,religion
oder der ,wissenschaft1 immer fester und
zarter geflochten werden oder ist ihm
bestimmt1 unter dem ruhelos barbarischen
,treiben und ,wirbeln1 das sich jetzt
die ,gegenwart nennt1 in ,fetzen zu
reissen8 - ,besorgt1 doch nicht trostlos
stehen wir eine kleine ,weile bei
,seite1 als die ,beschaulichen1 denen es
erlaubt ist1 ,zeugen jener ungeheuren
,kmpfe und ,uebergnge zu sein4 ,ach6 ,es
ist der ,zauber dieser ,kmpfe1 dass1
wer sie schaut1 sie auch kmpfen muss6
#af4 ,an diesem ausgefhrten
historischen ,beispiel haben wir klar zu
machen gesucht1 wie die ,tragdie an dem
,entschwinden des ,geistes der ,musik
eben so gewiss zu ,grunde geht1 wie sie
aus diesem ,geiste allein geboren werden
kann4 ,das ,ungewhnliche dieser
,behauptung zu mildern und andererseits
den ,ursprung dieser unserer
,erkenntniss aufzuzeigen1 mssen wir uns
jetzt freien ,blicks den analogen
,erscheinungen der ,gegenwart gegenber
stellen2 wir mssen mitten hinein in jene
,kmpfe treten1 welche1 wie ich eben
sagte1 zwischen der unersttlichen
optimistischen ,erkenntniss und der
tragischen ,kunstbedrftigkeit in den
hchsten ,sphren unserer jetzigen ,welt
gekmpft werden4 ,ich will hierbei von
allen den anderen gegnerischen ,trieben
absehn1 die zu jeder ,zeit der ,kunst
und gerade der ,tragdie entgegenarbeiten
und die auch in der ,gegenwart in dem
,maasse siegesgewiss um sich greifen1
dass von den theatralischen ,knsten
z4,b4 allein die ,posse und das ,ballet
in einem einigermaassen ppigen ,wuchern
ihre vielleicht nicht fr ,jedermann
wohlriechenden ,blthen treiben4 ,ich
will nur von der erlauchtesten
,gegnerschaft der tragischen
,weltbetrachtung reden und meine damit
die in ihrem tiefsten ,wesen
optimistische ,wissenschaft1 mit ihrem
,ahnherrn ,sokrates an der ,spitze4
,alsbald sollen auch die ,mchte bei
,namen genannt werden1 welche mir eine
,wiedergeburt der ,tragdie - und welche
andere selige ,hoffnungen fr das
deutsche ,wesen6 - zu verbrgen scheinen4
,bevor wir uns mitten in jene ,kmpfe
hineinstrzen1 hllen wir uns in die
,rstung unsrer bisher eroberten
,erkenntnisse4 ,im ,gegensatz zu allen
denen1 welche beflissen sind1 die ,knste
aus einem einzigen ,princip1 als dem
nothwendigen ,lebensquell jedes
,kunstwerks abzuleiten1 halte ich den
,blick auf jene beiden knstlerischen
,gottheiten der ,griechen1 ,apollo und
,dionysus1 geheftet und erkenne in ihnen
die lebendigen und anschaulichen
,reprsentanten zweier in ihrem tiefsten
,wesen und ihren hchsten ,zielen
verschiedenen ,kunstwelten4 ,apollo
steht vor mir1 als der verklrende
,genius des principii individuationis1
durch den allein die ,erlsung im
,scheine wahrhaft zu erlangen ist3
whrend unter dem mystischen ,jubelruf
des ,dionysus der ,bann der
,individuation zersprengt wird und der
,weg zu den ,mttern des ,sein's1 zu dem
innersten ,kern der ,dinge offen liegt4
,dieser ungeheuere ,gegensatz1 der sich
zwischen der plastischen ,kunst als der
apollinischen und der ,musik als der
dionysischen ,kunst klaffend aufthut1
ist einem ,einzigen der grossen ,denker
in dem ,maasse offenbar geworden1 dass
er1 selbst ohne jene ,anleitung der
hellenischen ,gttersymbolik1 der ,musik
einen verschiedenen ,charakter und
,ursprung vor allen anderen ,knsten
zuerkannte1 weil sie nicht1 wie jene
alle1 ,abbild der ,erscheinung1 sondern
unmittelbar ,abbild des ,willens selbst
sei und also zu allem ,physischen der
,welt das ,metaphysische1 zu aller
,erscheinung das ,ding an sich
darstelle4 7,schopenhauer1 ,welt als
,wille und ,vorstellung ,i1 p4 #caj74
,auf diese wichtigste ,erkenntniss aller
,aesthetik1 mit der1 in einem ernstern
,sinne genommen1 die ,aesthetik erst
beginnt1 hat ,richard ,wagner1 zur
,bekrftigung ihrer ewigen ,wahrheit1
seinen ,stempel gedrckt1 wenn er im
,beethoven feststellt1 dass die ,musik
nach ganz anderen aesthetischen
,principien als alle bildenden ,knste
und berhaupt nicht nach der ,kategorie
der ,schnheit zu bemessen sei3 obgleich
eine irrige ,aesthetik1 an der ,hand
einer missleiteten und entarteten
,kunst1 von jenem in der bildnerischen
,welt geltenden ,begriff der ,schnheit
aus sich gewhnt habe1 von der ,musik
eine hnliche ,wirkung wie von den
,werken der bildenden ,kunst zu fordern1
nmlich die ,erregung des ,gefallens an
schnen ,formen4 ,nach der ,erkenntniss
jenes ungeheuren ,gegensatzes fhlte ich
eine starke ,nthigung1 mich dem ,wesen
der griechischen ,tragdie und damit der
tiefsten ,offenbarung des hellenischen
,genius zu nahen3 denn erst jetzt
glaubte ich des ,zaubers mchtig zu sein1
ber die ,phraseologie unserer blichen
,aesthetik hinaus1 das ,urproblem der
,tragdie mir leibhaft vor die ,seele
stellen zu knnen3 wodurch mir ein so
befremdlich eigenthmlicher ,blick in das
,hellenische vergnnt war1 dass es mir
scheinen musste1 als ob unsre so stolz
sich gebrdende classisch-hellenische
,wissenschaft in der ,hauptsache bis
jetzt nur an ,schattenspielen und
,aeusserlichkeiten sich zu weiden
gewusst habe4 ,jenes ,urproblem mchten
wir vielleicht mit dieser ,frage
berhren3 welche aesthetische ,wirkung
entsteht1 wenn jene an sich getrennten
,kunstmchte des ,apollinischen und des
,dionysischen neben einander in
,thtigkeit gerathen8 ,oder in krzerer
,form3 wie verhlt sich die ,musik zu
,bild und ,begriff8 - ,schopenhauer1 dem
,richard ,wagner gerade fr diesen
,punkt eine nicht zu berbietende
,deutlichkeit und ,durchsichtigkeit der
,darstellung nachrhmt1 ussert sich
hierber am ausfhrlichsten in der
folgenden ,stelle1 die ich hier in ihrer
ganzen ,lnge wiedergeben werde4 ,welt
als ,wille und ,vorstellung ,i1 p4 #cji3
,diesem allen zufolge knnen wir die
erscheinende ,welt1 oder die ,natur1 und
die ,musik als zwei verschiedene
,ausdrcke derselben ,sache ansehen1
welche selbst daher das allein
,vermittelnde der ,analogie beider ist1
dessen ,erkenntniss erfordert wird1 um
jene ,analogie einzusehen4 ,die ,musik
ist demnach1 wenn als ,ausdruck der
,welt angesehen eine im hchsten ,grad
allgemeine ,sprache1 die sich sogar zur
,allgemeinheit der ,begriffe ungefhr
verhlt wie diese zu den einzelnen
,dingen4 ,ihre ,allgemeinheit ist aber
keineswegs jene leere ,allgemeinheit der
,abstraction1 sondern ganz anderer ,art
und ist verbunden mit durchgngiger
deutlicher ,bestimmtheit4 ,sie gleicht
hierin den geometrischen ,figuren und
den ,zahlen1 welche als die allgemeinen
,formen aller mglichen ,objecte der
,erfahrung und auf alle a priori
anwendbar1 doch nicht abstract1 sondern
anschaulich und durchgngig bestimmt
sind4 ,alle mglichen ,bestrebungen1
,erregungen und ,aeusserungen des
,willens1 alle jene ,vorgnge im ,innern
des ,menschen1 welche die ,vernunft in
den weiten negativen ,begriff ,gefhl
wirft1 sind durch die unendlich vielen
mglichen ,melodien auszudrcken1 aber
immer in der ,allgemeinheit blosser
,form1 ohne den ,stoff1 immer nur nach
dem ,ansich1 nicht nach der
,erscheinung1 gleichsam die innerste
,seele derselben1 ohne ,krper4 ,aus
diesem innigen ,verhltniss1 welches die
,musik zum wahren ,wesen aller ,dinge
hat1 ist auch dies zu erklren1 dass1
wenn zu irgend einer ,scene1 ,handlung1
,vorgang1 ,umgebung1 eine passende
,musik ertnt1 diese uns den geheimsten
,sinn derselben aufzuschliessen scheint
und als der richtigste und deutlichste
,commentar dazu auftritt2 imgleichen1
dass es ,dem1 der sich dem ,eindruck
einer ,symphonie ganz hingiebt1 ist1 als
she er alle mglichen ,vorgnge des
,lebens und der ,welt an sich
vorberziehen3 dennoch kann er1 wenn er
sich besinnt1 keine ,aehnlichkeit
angeben zwischen jenem ,tonspiel und den
,dingen1 die ihm vorschwebten4 ,denn
die ,musik ist1 wie gesagt1 darin von
allen anderen ,knsten verschieden1 dass
sie nicht ,abbild der ,erscheinung1 oder
richtiger1 der adquaten ,objectitt des
,willens1 sondern unmittelbar ,abbild
des ,willens selbst ist und also zu
allem ,physischen der ,welt das
,metaphysische1 zu aller ,erscheinung
das ,ding an sich darstellt4 ,man knnte
demnach die ,welt ebensowohl verkrperte
,musik1 als verkrperten ,willen nennen3
daraus also ist es erklrlich1 warum
,musik jedes ,gemlde1 ja jede ,scene des
wirklichen ,lebens und der ,welt1
sogleich in erhhter ,bedeutsamkeit
hervortreten lsst2 freilich um so mehr1
je analoger ihre ,melodie dem innern
,geiste der gegebenen ,erscheinung ist4
,hierauf beruht es1 dass man ein
,gedicht als ,gesang1 oder eine
anschauliche ,darstellung als
,pantomime1 oder beides als ,oper der
,musik unterlegen kann4 ,solche einzelne
,bilder des ,menschenlebens1 der
allgemeinen ,sprache der ,musik
untergelegt1 sind nie mit durchgngiger
,nothwendigkeit ihr verbunden oder
entsprechend2 sondern sie stehen zu ihr
nur im ,verhltniss eines beliebigen
,beispiels zu einem allgemeinen
,begriff3 sie stellen in der
,bestimmtheit der ,wirklichkeit
,dasjenige dar1 was die ,musik in der
,allgemeinheit blosser ,form aussagt4
,denn die ,melodien sind
gewissermaassen1 gleich den allgemeinen
,begriffen1 ein ,abstractum der
,wirklichkeit4 ,diese nmlich1 also die
,welt der einzelnen ,dinge1 liefert das
,anschauliche1 das ,besondere und
,individuelle1 den einzelnen ,fall1
sowohl zur ,allgemeinheit der ,begriffe1
als zur ,allgemeinheit der ,melodien1
welche beide ,allgemeinheiten einander
aber in gewisser ,hinsicht
entgegengesetzt sind2 indem die
,begriffe nur die allererst aus der
,anschauung abstrahirten ,formen1
gleichsam die abgezogene ussere ,schale
der ,dinge enthalten1 also ganz
eigentlich ,abstracta sind2 die ,musik
hingegen den innersten aller ,gestaltung
vorhergngigen ,kern1 oder das ,herz der
,dinge giebt4 ,dies ,verhltniss liesse
sich recht gut in der ,sprache der
,scholastiker ausdrcken1 indem man
sagte3 die ,begriffe sind die
universalia post rem1 die ,musik aber
giebt die universalia ante rem1 und die
,wirklichkeit die universalia in re4
,dass aber berhaupt eine ,beziehung
zwischen einer ,composition und einer
anschaulichen ,darstellung mglich ist1
beruht1 wie gesagt1 darauf1 dass beide
nur ganz verschiedene ,ausdrcke
desselben innern ,wesens der ,welt sind4
,wann nun im einzelnen ,fall eine
solche ,beziehung wirklich vorhanden
ist1 also der ,componist die
,willensregungen1 welche den ,kern einer
,begebenheit ausmachen1 in der
allgemeinen ,sprache der ,musik
auszusprechen gewusst hat3 dann ist die
,melodie des ,liedes1 die ,musik der
,oper ausdrucksvoll4 ,die vom
,componisten aufgefundene ,analogie
zwischen jenen beiden muss aber aus der
unmittelbaren ,erkenntniss des ,wesens
der ,welt1 seiner ,vernunft unbewusst1
hervorgegangen und darf nicht1 mit
bewusster ,absichtlichkeit1 durch
,begriffe vermittelte ,nachahmung sein3
sonst spricht die ,musik nicht das
innere ,wesen1 den ,willen selbst aus2
sondern ahmt nur seine ,erscheinung
ungengend nach2 wie dies alle eigentlich
nachbildende ,musik thut4 - ,wir
verstehen also1 nach der ,lehre
,schopenhauer's1 die ,musik als die
,sprache des ,willens unmittelbar und
fhlen unsere ,phantasie angeregt1 jene
zu uns redende1 unsichtbare und doch so
lebhaft bewegte ,geisterwelt zu
gestalten und sie in einem analogen
,beispiel uns zu verkrpern4 ,andrerseits
kommt ,bild und ,begriff1 unter der
,einwirkung einer wahrhaft
entsprechenden ,musik1 zu einer erhhten
,bedeutsamkeit4 ,zweierlei ,wirkungen
pflegt also die dionysische ,kunst auf
das apollinische ,kunstvermgen auszuben3
die ,musik reizt zum gleichnissartigen
,anschauen der dionysischen
,allgemeinheit1 die ,musik lsst sodann
das gleichnissartige ,bild in hchster
,bedeutsamkeit hervortreten4 ,aus diesen
an sich verstndlichen und keiner
tieferen ,beobachtung unzugnglichen
,thatsachen erschliesse ich die
,befhigung der ,musik1 den ,mythus d4h4
das bedeutsamste ,exempel zu gebren und
gerade den tragischen ,mythus3 den
,mythus1 der von der dionysischen
,erkenntniss in ,gleichnissen redet4 ,an
dem ,phnomen des ,lyrikers habe ich
dargestellt1 wie die ,musik im ,lyriker
darnach ringt1 in apollinischen ,bildern
ber ihr ,wesen sich kund zu geben3
denken wir uns jetzt1 dass die ,musik in
ihrer hchsten ,steigerung auch zu einer
hchsten ,verbildlichung zu kommen
suchen muss1 so mssen wir fr mglich
halten1 dass sie auch den symbolischen
,ausdruck fr ihre eigentliche
dionysische ,weisheit zu finden wisse2
und wo anders werden wir diesen
,ausdruck zu suchen haben1 wenn nicht in
der ,tragdie und berhaupt im ,begriff
des ,tragischen8 ,aus dem ,wesen der
,kunst1 wie sie gemeinhin nach der
einzigen ,kategorie des ,scheines und
der ,schnheit begriffen wird1 ist das
,tragische in ehrlicher ,weise gar nicht
abzuleiten2 erst aus dem ,geiste der
,musik heraus verstehen wir eine ,freude
an der ,vernichtung des ,individuums4
,denn an den einzelnen ,beispielen einer
solchen ,vernichtung wird uns nur das
ewige ,phnomen der dionysischen ,kunst
deutlich gemacht1 die den ,willen in
seiner ,allmacht gleichsam hinter dem
principio individuationis1 das ewige
,leben jenseit aller ,erscheinung und
trotz aller ,vernichtung zum ,ausdruck
bringt4 ,die metaphysische ,freude am
,tragischen ist eine ,uebersetzung der
instinctiv unbewussten dionysischen
,weisheit in die ,sprache des ,bildes3
der ,held1 die hchste
,willenserscheinung1 wird zu unserer
,lust verneint1 weil er doch nur
,erscheinung ist1 und das ewige ,leben
des ,willens durch seine ,vernichtung
nicht berhrt wird4 ,wir glauben an das
ewige ,leben1 so ruft die ,tragdie2
whrend die ,musik die unmittelbare ,idee
dieses ,lebens ist4 ,ein ganz
verschiednes ,ziel hat die ,kunst des
,plastikers3 hier berwindet ,apollo das
,leiden des ,individuums durch die
leuchtende ,verherrlichung der ,ewigkeit
der ,erscheinung1 hier siegt die
,schnheit ber das dem ,leben inhrirende
,leiden1 der ,schmerz wird in einem
gewissen ,sinne aus den ,zgen der ,natur
hinweggelogen4 ,in der dionysischen
,kunst und in deren tragischer ,symbolik
redet uns dieselbe ,natur mit ihrer
wahren1 unverstellten ,stimme an3 ,seid
wie ich bin6 ,unter dem unaufhrlichen
,wechsel der ,erscheinungen die ewig
schpferische1 ewig zum ,dasein
zwingende1 an diesem
,erscheinungswechsel sich ewig
befriedigende ,urmutter6 #ag4 ,auch
die dionysische ,kunst will uns von der
ewigen ,lust des ,daseins berzeugen3 nur
sollen wir diese ,lust nicht in den
,erscheinungen1 sondern hinter den
,erscheinungen suchen4 ,wir sollen
erkennen1 wie alles1 was entsteht1 zum
leidvollen ,untergange bereit sein muss1
wir werden gezwungen in die ,schrecken
der ,individualexistenz hineinzublicken
- und sollen doch nicht erstarren3 ein
metaphysischer ,trost reisst uns
momentan aus dem ,getriebe der
,wandelgestalten heraus4 ,wir sind
wirklich in kurzen ,augenblicken das
,urwesen selbst und fhlen dessen
unbndige ,daseinsgier und ,daseinslust2
der ,kampf1 die ,qual1 die ,vernichtung
der ,erscheinungen dnkt uns jetzt wie
nothwendig1 bei dem ,uebermaass von
unzhligen1 sich in's ,leben drngenden
und stossenden ,daseinsformen1 bei der
berschwnglichen ,fruchtbarkeit des
,weltwillens2 wir werden von dem
wthenden ,stachel dieser ,qualen in
demselben ,augenblicke durchbohrt1 wo
wir gleichsam mit der unermesslichen
,urlust am ,dasein eins geworden sind
und wo wir die ,unzerstrbarkeit und
,ewigkeit dieser ,lust in dionysischer
,entzckung ahnen4 ,trotz ,furcht und
,mitleid sind wir die
glcklich-,lebendigen1 nicht als
,individuen1 sondern als das eine
,lebendige1 mit dessen ,zeugungslust wir
verschmolzen sind4 ,die
,entstehungsgeschichte der griechischen
,tragdie sagt uns jetzt mit lichtvoller
,bestimmtheit1 wie das tragische
,kunstwerk der ,griechen wirklich aus
dem ,geiste der ,musik herausgeboren
ist3 durch welchen ,gedanken wir zum
ersten ,male dem ursprnglichen und so
erstaunlichen ,sinne des ,chors gerecht
geworden zu sein glauben4 ,zugleich aber
mssen wir zugeben1 dass die vorhin
aufgestellte ,bedeutung des tragischen
,mythus den griechischen ,dichtern1
geschweige den griechischen
,philosophen1 niemals in begrifflicher
,deutlichkeit durchsichtig geworden ist2
ihre ,helden sprechen gewissermaassen
oberflchlicher als sie handeln1 der
,mythus findet in dem gesprochnen ,wort
durchaus nicht seine adquate
,objectivation4 ,das ,gefge der ,scenen
und die anschaulichen ,bilder offenbaren
eine tiefere ,weisheit1 als der
,dichter selbst in ,worte und ,begriffe
fassen kann3 wie das ,gleiche auch bei
,shakespeare beobachtet wird1 dessen
,hamlet z4,b4 in einem hnlichen ,sinne
oberflchlicher redet als er handelt1 so
dass nicht aus den ,worten heraus1
sondern aus dem vertieften ,anschauen
und ,ueberschauen des ,ganzen jene frher
erwhnte ,hamletlehre zu entnehmen ist4
,in ,betreff der griechischen ,tragdie1
die uns freilich nur als ,wortdrama
entgegentritt1 habe ich sogar
angedeutet1 dass jene ,incongruenz
zwischen ,mythus und ,wort uns leicht
verfhren knnte1 sie fr flacher und
bedeutungsloser zu halten1 als sie ist1
und demnach auch eine oberflchlichere
,wirkung fr sie vorauszusetzen1 als sie
nach den ,zeugnissen der ,alten gehabt
haben muss3 denn wie leicht vergisst
man1 dass1 was dem ,wortdichter nicht
gelungen war1 die hchste ,vergeistigung
und ,idealitt des ,mythus zu erreichen1
ihm als schpferischem ,musiker in jedem
,augenblick gelingen konnte6 ,wir
freilich mssen uns die ,uebermacht der
musikalischen ,wirkung fast auf
gelehrtem ,wege reconstruiren1 um etwas
von jenem unvergleichlichen ,troste zu
empfangen1 der der wahren ,tragdie zu
eigen sein muss4 ,selbst diese
musikalische ,uebermacht aber wrden wir
nur1 wenn wir ,griechen wren1 als solche
empfunden haben3 whrend wir in der
ganzen ,entfaltung der griechischen
,musik - der uns bekannten und
vertrauten1 so unendlich reicheren
gegenber - nur das in schchternem
,kraftgefhle angestimmte ,jnglingslied
des musikalischen ,genius zu hren
glauben4 ,die ,griechen sind1 wie die
gyptischen ,priester sagen1 die ewigen
,kinder1 und auch in der tragischen
,kunst nur die ,kinder1 welche nicht
wissen1 welches erhabene ,spielzeug
unter ihren ,hnden entstanden ist und -
zertrmmert wird4 ,jenes ,ringen des
,geistes der ,musik nach bildlicher und
mythischer ,offenbarung1 welches von den
,anfngen der ,lyrik bis zur attischen
,tragdie sich steigert1 bricht pltzlich1
nach eben erst errungener ppiger
,entfaltung1 ab und verschwindet
gleichsam von der ,oberflche der
hellenischen ,kunst3 whrend die aus
diesem ,ringen geborne dionysische
,weltbetrachtung in den ,mysterien
weiterlebt und in den wunderbarsten
,metamorphosen und ,entartungen nicht
aufhrt1 ernstere ,naturen an sich zu
ziehen ,ob sie nicht aus ihrer
mystischen ,tiefe einst wieder als
,kunst emporsteigen wird8 ,hier
beschftigt uns die ,frage1 ob die
,macht1 an deren ,entgegenwirken die
,tragdie sich brach1 fr alle ,zeit genug
,strke hat1 um das knstlerische
,wiedererwachen der ,tragdie und der
tragischen ,weltbetrachtung zu
verhindern4 ,wenn die alte ,tragdie
durch den dialektischen ,trieb zum
,wissen und zum ,optimismus der
,wissenschaft aus ihrem ,gleise gedrngt
wurde1 so wre aus dieser ,thatsache auf
einen ewigen ,kampf zwischen der
theoretischen und der tragischen
,weltbetrachtung zu schliessen2 und erst
nachdem der ,geist der ,wissenschaft
bis an seine ,grenze gefhrt ist1 und
sein ,anspruch auf universale ,gltigkeit
durch den ,nachweis jener ,grenzen
vernichtet ist drfte auf eine
,wiedergeburt der ,tragdie zu hoffen
sein3 fr welche ,culturform wir das
,symbol des musiktreibenden ,sokrates1
in dem frher errterten ,sinne1
hinzustellen htten4 ,bei dieser
,gegenberstellung verstehe ich unter dem
,geiste der ,wissenschaft jenen zuerst
in der ,person des ,sokrates an's ,licht
gekommenen ,glauben an die
,ergrndlichkeit der ,natur und an die
,universalheilkraft des ,wissens4 ,wer
sich an die nchsten ,folgen dieses
rastlos vorwrtsdringenden ,geistes der
,wissenschaft erinnert1 wird sich sofort
vergegenwrtigen1 wie durch ihn der
,mythus vernichtet wurde und wie durch
diese ,vernichtung die ,poesie aus ihrem
natrlichen idealen ,boden1 als eine
nunmehr heimathlose1 verdrngt war4
,haben wir mit ,recht der ,musik die
,kraft zugesprochen1 den ,mythus wieder
aus sich gebren zu knnen1 so werden wir
den ,geist der ,wissenschaft auch auf
der ,bahn zu suchen haben1 wo er dieser
mythenschaffenden ,kraft der ,musik
feindlich entgegentritt4 ,dies geschieht
in der ,entfaltung des neueren
attischen ,dithyrambus1 dessen ,musik
nicht mehr das innere ,wesen1 den
,willen selbst aussprach1 sondern nur
die ,erscheinung ungengend1 in einer
durch ,begriffe vermittelten ,nachahmung
wiedergab3 von welcher innerlich
entarteten ,musik sich die wahrhaft
musikalischen ,naturen mit demselben
,widerwillen abwandten1 den sie vor der
kunstmrderischen ,tendenz des ,sokrates
hatten4 ,der sicher zugreifende
,instinct des ,aristophanes hat gewiss
das ,rechte erfasst1 wenn er ,sokrates
selbst1 die ,tragdie des ,euripides und
die ,musik der neueren ,dithyrambiker in
dem gleichen ,gefhle des ,hasses
zusammenfasste und in allen drei
,phnomenen die ,merkmale einer
degenerirten ,cultur witterte4 ,durch
jenen neueren ,dithyrambus ist die
,musik in frevelhafter ,weise zum
imitatorischen ,conterfei der
,erscheinung z4,b4 einer ,schlacht1
eines ,seesturmes gemacht und damit
allerdings ihrer mythenschaffenden
,kraft gnzlich beraubt worden4 ,denn
wenn sie unsere ,ergetzung nur dadurch
zu erregen sucht1 dass sie uns zwingt1
usserliche ,analogien zwischen einem
,vorgange des ,lebens und der ,natur und
gewissen rhythmischen ,figuren und
charakteristischen ,klngen der ,musik zu
suchen1 wenn sich unser ,verstand an
der ,erkenntniss dieser ,analogien
befriedigen soll1 so sind wir in eine
,stimmung herabgezogen1 in der eine
,empfngniss des ,mythischen unmglich
ist2 denn der ,mythus will als ein
einziges ,exempel einer in's ,unendliche
hinein starrenden ,allgemeinheit und
,wahrheit anschaulich empfunden werden4
,die wahrhaft dionysische ,musik tritt
uns als ein solcher allgemeiner ,spiegel
des ,weltwillens gegenber3 jenes
anschauliche ,ereigniss1 das sich in
diesem ,spiegel bricht1 erweitert sich
sofort fr unser ,gefhl zum ,abbilde
einer ewigen ,wahrheit4 ,umgekehrt wird
ein solches anschauliches ,ereigniss
durch die ,tonmalerei des neueren
,dithyrambus sofort jedes mythischen
,charakters entkleidet2 jetzt ist die
,musik zum drftigen ,abbilde der
,erscheinung geworden und darum
unendlich rmer als die ,erscheinung
selbst3 durch welche ,armuth sie fr
unsere ,empfindung die ,erscheinung
selbst noch herabzieht1 so dass jetzt
z4,b4 eine derartig musikalisch imitirte
,schlacht sich in ,marschlrm1
,signalklngen u4s4w4 erschpft1 und
unsere ,phantasie gerade bei diesen
,oberflchlichkeiten festgehalten wird4
,die ,tonmalerei ist also in jeder
,beziehung das ,gegenstck zu der
mythenschaffenden ,kraft der wahren
,musik3 durch sie wird die ,erscheinung
noch rmer als sie ist1 whrend durch die
dionysische ,musik die einzelne
,erscheinung sich zum ,weltbilde
bereichert und erweitert4 ,es war ein
mchtiger ,sieg des undionysischen
,geistes1 als er1 in der ,entfaltung des
neueren ,dithyrambus1 die ,musik sich
selbst entfremdet und sie zur ,sclavin
der ,erscheinung herabgedrckt hatte4
,euripides1 der in einem hhern ,sinne
eine durchaus unmusikalische ,natur
genannt werden muss1 ist aus eben diesem
,grunde leidenschaftlicher ,anhnger der
neueren dithyrambischen ,musik und
verwendet mit der ,freigebigkeit eines
,rubers alle ihre ,effectstcke und
,manieren4 ,nach einer anderen ,seite
sehen wir die ,kraft dieses
undionysischen1 gegen den ,mythus
gerichteten ,geistes in ,thtigkeit1 wenn
wir unsere ,blicke auf das
,ueberhandnehmen der
,charakterdarstellung und des
psychologischen ,raffinements in der
,tragdie von ,sophokles ab richten4 ,der
,charakter soll sich nicht mehr zum
ewigen ,typus erweitern lassen1 sondern
im ,gegentheil so durch knstliche
,nebenzge und ,schattirungen1 durch
feinste ,bestimmtheit aller ,linien
individuell wirken1 dass der ,zuschauer
berhaupt nicht mehr den ,mythus1 sondern
die mchtige ,naturwahrheit und die
,imitationskraft des ,knstlers
empfindet4 ,auch hier gewahren wir den
,sieg der ,erscheinung ber das
,allgemeine und die ,lust an dem
einzelnen gleichsam anatomischen
,prparat1 wir athmen bereits die ,luft
einer theoretischen ,welt1 welcher die
wissenschaftliche ,erkenntniss hher gilt
als die knstlerische ,wiederspiegelung
einer ,weltregel4 ,die ,bewegung auf der
,linie des ,charakteristischen geht
schnell weiter3 whrend noch ,sophokles
ganze ,charactere malt und zu ihrer
raffinirten ,entfaltung den ,mythus ins
,joch spannt1 malt ,euripides bereits
nur noch grosse einzelne ,charakterzge1
die sich in heftigen ,leidenschaften zu
ussern wissen2 in der neuern attischen
,komdie giebt es nur noch ,masken mit
einem ,ausdruck1 leichtsinnige ,alte1
geprellte ,kuppler1 verschmitzte
,sclaven in unermdlicher ,wiederholung4
,wohin ist jetzt der mythenbildende
,geist der ,musik8 ,was jetzt noch von
,musik brig ist1 das ist entweder
,aufregungs- oder ,erinnerungsmusik d4h4
entweder ein ,stimulanzmittel fr
stumpfe und verbrauchte ,nerven oder
,tonmalerei4 ,fr die erstere kommt es
auf den untergelegten ,text kaum noch
an3 schon bei ,euripides geht es1 wenn
seine ,helden oder ,chre erst zu singen
anfangen1 recht lderlich zu2 wohin mag
es bei seinen frechen ,nachfolgern
gekommen sein8 ,am allerdeutlichsten
aber offenbart sich der neue
undionysische ,geist in den ,schlssen
der neueren ,dramen4 ,in der alten
,tragdie war der metaphysische ,trost am
,ende zu spren gewesen1 ohne den die
,lust an der ,tragdie berhaupt nicht zu
erklren ist2 am reinsten tnt vielleicht
im ,oedipus auf ,kolonos der vershnende
,klang aus einer anderen ,welt4 ,jetzt1
als der ,genius der ,musik aus der
,tragdie entflohen war1 ist1 im strengen
,sinne1 die ,tragdie todt3 denn woher
sollte man jetzt jenen metaphysischen
,trost schpfen knnen8 ,man suchte daher
nach einer irdischen ,lsung der
tragischen ,dissonanz2 der ,held1
nachdem er durch das ,schicksal
hinreichend gemartert war1 erntete in
einer stattlichen ,heirat1 in gttlichen
,ehrenbezeugungen einen wohlverdienten
,lohn4 ,der ,held war zum ,gladiator
geworden1 dem man1 nachdem er tchtig
geschunden und mit ,wunden berdeckt war1
gelegentlich die ,freiheit schenkte4
,der deus ex machina ist an ,stelle des
metaphysischen ,trostes getreten4 ,ich
will nicht sagen1 dass die tragische
,weltbetrachtung berall und vllig durch
den andrngenden ,geist des
,undionysischen zerstrt wurde3 wir
wissen nur1 dass sie sich aus der ,kunst
gleichsam in die ,unterwelt1 in einer
,entartung zum ,geheimcult1 flchten
musste4 ,aber auf dem weitesten ,gebiete
der ,oberflche des hellenischen ,wesens
wthete der verzehrende ,hauch jenes
,geistes1 welcher sich in jener ,form
der griechischen ,heiterkeit kundgiebt1
von der bereits frher1 als von einer
greisenhaft unproductiven ,daseinslust1
die ,rede war2 diese ,heiterkeit ist ein
,gegenstck zu der herrlichen ,naivett
der lteren ,griechen1 wie sie1 nach der
gegebenen ,charakteristik1 zu fassen ist
als die aus einem dsteren ,abgrunde
hervorwachsende ,blthe der apollinischen
,cultur1 als der ,sieg1 den der
hellenische ,wille durch seine
,schnheitsspiegelung ber das ,leiden und
die ,weisheit des ,leidens davontrgt4
,die edelste ,form jener anderen ,form
der griechischen ,heiterkeit1 der
alexandrinischen1 ist die ,heiterkeit
des theoretischen ,menschen3 sie zeigt
dieselben charakteristischen ,merkmale1
die ich soeben aus dem ,geiste des
,undionysischen ableitete - dass sie die
dionysische ,weisheit und ,kunst
bekmpft1 dass sie den ,mythus aufzulsen
trachtet1 dass sie an ,stelle eines
metaphysischen ,trostes eine irdische
,consonanz1 ja einen eigenen deus ex
machina setzt1 nmlich den ,gott der
,maschinen und ,schmelztiegel1 d4h4 die
im ,dienste des hheren ,egoismus
erkannten und verwendeten ,krfte der
,naturgeister1 dass sie an eine
,correctur der ,welt durch das ,wissen1
an ein durch die ,wissenschaft
geleitetes ,leben glaubt und auch
wirklich im ,stande ist1 den einzelnen
,menschen in einen allerengsten ,kreis
von lsbaren ,aufgaben zu bannen1
innerhalb dessen er heiter zum ,leben
sagt3 ,ich will dich3 du bist werth
erkannt zu werden4 #ah4 ,es ist ein
ewiges ,phnomen3 immer findet der
gierige ,wille ein ,mittel1 durch eine
ber die ,dinge gebreitete ,illusion
seine ,geschpfe im ,leben festzuhalten
und zum ,weiterleben zu zwingen4 ,diesen
fesselt die sokratische ,lust des
,erkennens und der ,wahn1 durch dasselbe
die ewige ,wunde des ,daseins heilen zu
knnen1 jenen umstrickt der vor seinen
,augen wehende verfhrerische
,schnheitsschleier der ,kunst1 jenen
wiederum der metaphysische ,trost1 dass
unter dem ,wirbel der ,erscheinungen das
ewige ,leben unzerstrbar weiterfliesst3
um von den gemeineren und fast noch
krftigeren ,illusionen1 die der ,wille
in jedem ,augenblick bereithlt1 zu
schweigen4 ,jene drei ,illusionsstufen
sind berhaupt nur fr die edler
ausgestatteten ,naturen1 von denen die
,last und ,schwere des ,daseins berhaupt
mit tieferer ,unlust empfunden wird und
die durch ausgesuchte ,reizmittel ber
diese ,unlust hinwegzutuschen sind4 ,aus
diesen ,reizmitteln besteht alles1 was
wir ,cultur nennen3 je nach der
,proportion der ,mischungen haben wir
eine vorzugsweise sokratische oder
knstlerische oder tragische ,cultur3
oder wenn man historische
,exemplificationen erlauben will3 es
giebt entweder eine alexandrinische oder
eine hellenische oder eine
buddhaistische ,cultur4 ,unsere ganze
moderne ,welt ist in dem ,netz der
alexandrinischen ,cultur befangen und
kennt als ,ideal den mit hchsten
,erkenntnisskrften ausgersteten1 im
,dienste der ,wissenschaft arbeitenden
theoretischen ,menschen1 dessen ,urbild
und ,stammvater ,sokrates ist4 ,alle
unsere ,erziehungsmittel haben
ursprnglich dieses ,ideal im ,auge3 jede
andere ,existenz hat sich mhsam
nebenbei emporzuringen1 als erlaubte1
nicht als beabsichtigte ,existenz4 ,in
einem fast erschreckenden ,sinne ist
hier eine lange ,zeit der ,gebildete
allein in der ,form des ,gelehrten
gefunden worden2 selbst unsere
dichterischen ,knste haben sich aus
gelehrten ,imitationen entwickeln mssen1
und in dem ,haupteffect des ,reimes
erkennen wir noch die ,entstehung
unserer poetischen ,form aus knstlichen
,experimenten mit einer nicht
heimischen1 recht eigentlich gelehrten
,sprache4 ,wie unverstndlich msste einem
chten ,griechen der an sich
verstndliche moderne ,culturmensch
,faust erscheinen1 der durch alle
,facultten unbefriedigt strmende1 aus
,wissenstrieb der ,magie und dem ,teufel
ergebene ,faust1 den wir nur zur
,vergleichung neben ,sokrates zu stellen
haben1 um zu erkennen1 dass der moderne
,mensch die ,grenzen jener sokratischen
,erkenntnisslust zu ahnen beginnt und
aus dem weiten wsten ,wissensmeere nach
einer ,kste verlangt4 ,wenn ,goethe
einmal zu ,eckermann1 mit ,bezug auf
,napoleon1 ussert3 ,ja mein ,guter1 es
giebt auch eine ,productivitt der
,thaten1 so hat er1 in anmuthig naiver
,weise1 daran erinnert1 dass der nicht
theoretische ,mensch fr den modernen
,menschen etwas ,unglaubwrdiges und
,staunenerregendes ist1 so dass es
wieder der ,weisheit eines ,goethe
bedarf1 um auch eine so befremdende
,existenzform begreiflich1 ja
verzeihlich zu finden4 ,und nun soll
man sich nicht verbergen1 was im
,schoosse dieser sokratischen ,cultur
verborgen liegt6 ,der unumschrnkt sich
whnende ,optimismus6 ,nun soll man nicht
erschrecken1 wenn die ,frchte dieses
,optimismus reifen1 wenn die von einer
derartigen ,cultur bis in die
niedrigsten ,schichten hinein
durchsuerte ,gesellschaft allmhlich
unter ppigen ,wallungen und ,begehrungen
erzittert1 wenn der ,glaube an das
,erdenglck ,aller1 wenn der ,glaube an
die ,mglichkeit einer solchen
allgemeinen ,wissenscultur allmhlich in
die drohende ,forderung eines solchen
alexandrinischen ,erdenglckes1 in die
,beschwrung eines ,euripideischen deus
ex machina umschlgt6 ,man soll es
merken3 die alexandrinische ,cultur
braucht einen ,sclavenstand1 um auf die
,dauer existieren zu knnen3 aber sie
leugnet1 in ihrer optimistischen
,betrachtung des ,daseins1 die
,nothwendigkeit eines solchen ,standes
und geht deshalb1 wenn der ,effect ihrer
schnen ,verfhrungs und
,beruhigungsworte von der ,wrde des
,menschen und der ,wrde der ,arbeit
verbraucht ist1 allmhlich einer
grauenvollen ,vernichtung entgegen4 ,es
giebt nichts ,furchtbareres als einen
barbarischen ,sclavenstand1 der seine
,existenz als ein ,unrecht zu betrachten
gelernt hat und sich anschickt1 nicht
nur fr sich1 sondern fr alle
,generationen ,rache zu nehmen4 ,wer
wagt es1 solchen drohenden ,strmen
entgegen1 sicheren ,muthes an unsere
blassen und ermdeten ,religionen zu
appelliren1 die selbst in ihren
,fundamenten zu ,gelehrtenreligionen
entartet sind3 so dass der ,mythus1 die
nothwendige ,voraussetzung jeder
,religion1 bereits berall gelhmt ist1
und selbst auf diesem ,bereich jener
optimistische ,geist zur ,herrschaft
gekommen ist1 den wir als den
,vernichtungskeim unserer ,gesellschaft
eben bezeichnet haben4 ,whrend das im
,schoosse der theoretischen ,cultur
schlummernde ,unheil allmhlich den
modernen ,menschen zu ngstigen beginnt1
und er1 unruhig1 aus dem ,schatze seiner
,erfahrungen nach ,mitteln greift1 um
die ,gefahr abzuwenden1 ohne selbst an
diese ,mittel recht zu glauben2 whrend
er also seine eigenen ,consequenzen zu
ahnen beginnt3 haben grosse allgemein
angelegte ,naturen1 mit einer
unglaublichen ,besonnenheit1 das
,rstzeug der ,wissenschaft selbst zu
bentzen gewusst1 um die ,grenzen und die
,bedingtheit des ,erkennens berhaupt
darzulegen und damit den ,anspruch der
,wissenschaft auf universale ,geltung
und universale ,zwecke entscheidend zu
leugnen3 bei welchem ,nachweise zum
ersten ,male jene ,wahnvorstellung als
solche erkannt wurde1 welche1 an der
,hand der ,causalitt1 sich anmaasst1 das
innerste ,wesen der ,dinge ergrnden zu
knnen4 ,der ungeheuren ,tapferkeit und
,weisheit ,kant's und ,schopenhauer's
ist der schwerste ,sieg gelungen1 der
,sieg ber den im ,wesen der ,logik
verborgen liegenden ,optimismus1 der
wiederum der ,untergrund unserer ,cultur
ist4 ,wenn dieser an die ,erkennbarkeit
und ,ergrndlichkeit aller ,weltrthsel1
gesttzt auf die ihm unbedenklichen
aeternae veritates1 geglaubt und ,raum1
,zeit und ,causalitt als gnzlich
unbedingte ,gesetze von allgemeinster
,gltigkeit behandelt hatte1 offenbarte
,kant1 wie diese eigentlich nur dazu
dienten1 die blosse ,erscheinung1 das
,werk der ,maja1 zur einzigen und
hchsten ,realitt zu erheben und sie an
die ,stelle des innersten und wahren
,wesens der ,dinge zu setzen und die
wirkliche ,erkenntniss von diesem
dadurch unmglich zu machen1 d4h41 nach
einem ,schopenhauer'schen ,ausspruche1
den ,trumer noch fester einzuschlfern
7,w4 a4 ,w4 u4 ,v4 ,i1 p4 #dih74 ,mit
dieser ,erkenntniss ist eine ,cultur
eingeleitet1 welche ich als eine
tragische zu bezeichnen wage3 deren
wichtigstes ,merkmal ist1 dass an die
,stelle der ,wissenschaft als hchstes
,ziel die ,weisheit gerckt wird1 die
sich1 ungetuscht durch die
verfhrerischen ,ablenkungen der
,wissenschaften1 mit unbewegtem ,blicke
dem ,gesammtbilde der ,welt zuwendet und
in diesem das ewige ,leiden mit
sympathischer ,liebesempfindung als das
eigne ,leiden zu ergreifen sucht4
,denken wir uns eine heranwachsende
,generation mit dieser
,unerschrockenheit des ,blicks1 mit
diesem heroischen ,zug ins ,ungeheure1
denken wir uns den khnen ,schritt dieser
,drachentdter1 die stolze
,verwegenheit1 mit der sie allen den
,schwchlichkeitsdoctrinen jenes
,optimismus den ,rcken kehren1 um im
,ganzen und ,vollen resolut zu leben3
sollte es nicht nthig sein1 dass der
tragische ,mensch dieser ,cultur1 bei
seiner ,selbsterziehung zum ,ernst und
zum ,schrecken1 eine neue ,kunst1 die
,kunst des metaphysischen ,trostes1 die
,tragdie als die ihm zugehrige ,helena
begehren und mit ,faust ausrufen muss3
,und sollt' ich nicht1 sehnschtigster
,gewalt1 ,in's ,leben ziehn die
einzigste ,gestalt8 ,nachdem aber die
sokratische ,cultur von zwei ,seiten aus
erschttert ist und das ,scepter ihrer
,unfehlbarkeit nur noch mit zitternden
,hnden zu halten vermag1 einmal aus
,furcht vor ihren eigenen ,consequenzen1
die sie nachgerade zu ahnen beginnt1
sodann weil sie selbst von der ewigen
,gltigkeit ihres ,fundamentes nicht mehr
mit dem frheren naiven ,zutrauen
berzeugt ist3 so ist es ein trauriges
,schauspiel1 wie sich der ,tanz ihres
,denkens sehnschtig immer auf neue
,gestalten strzt1 um sie zu umarmen1 und
sie dann pltzlich wieder1 wie
,mephistopheles die verfhrerischen
,lamien1 schaudernd fahren lsst4 ,das
ist ja das ,merkmal jenes ,bruches1 von
dem ,jedermann als von dem ,urleiden der
modernen ,cultur zu reden pflegt1 dass
der theoretische ,mensch vor seinen
,consequenzen erschrickt und
unbefriedigt es nicht mehr wagt sich dem
furchtbaren ,eisstrome des ,daseins
anzuvertrauen3 ngstlich luft er am ,ufer
auf und ab4 ,er will nichts mehr ganz
haben1 ganz auch mit aller der
natrlichen ,grausamkeit der ,dinge4
,soweit hat ihn das optimistische
,betrachten verzrtelt4 ,dazu fhlt er1
wie eine ,cultur1 die auf dem ,princip
der ,wissenschaft aufgebaut ist1 zu
,grunde gehen muss1 wenn sie anfngt1
unlogisch zu werden d4h4 vor ihren
,consequenzen zurck zu fliehen4 ,unsere
,kunst offenbart diese allgemeine ,noth3
umsonst dass man sich an alle grossen
productiven ,perioden und ,naturen
imitatorisch anlehnt1 umsonst dass man
die ganze ,weltlitteratur zum ,troste
des modernen ,menschen um ihn versammelt
und ihn mitten unter die ,kunststile
und ,knstler aller ,zeiten hinstellt1
damit er ihnen1 wie ,adam den ,thieren1
einen ,namen gebe3 er bleibt doch der
ewig ,hungernde1 der ,kritiker ohne
,lust und ,kraft1 der alexandrinische
,mensch1 der im ,grunde ,bibliothekar
und ,corrector ist und an ,bcherstaub
und ,druckfehlern elend erblindet4
#ai4 ,man kann den innersten ,gehalt
dieser sokratischen ,cultur nicht
schrfer bezeichnen1 als wenn man sie die
,cultur der ,oper nennt3 denn auf
diesem ,gebiete hat sich diese ,cultur
mit eigener ,naivett ber ihr ,wollen und
,erkennen ausgesprochen1 zu unserer
,verwunderung1 wenn wir die ,genesis der
,oper und die ,thatsachen der
,opernentwicklung mit den ewigen
,wahrheiten des ,apollinischen und des
,dionysischen zusammenhalten4 ,ich
erinnere zunchst an die ,entstehung des
stilo rappresentativo und des
,recitativs4 ,ist es glaublich1 dass
diese gnzlich verusserlichte1 der
,andacht unfhige ,musik der ,oper von
einer ,zeit mit schwrmerischer ,gunst1
gleichsam als die ,wiedergeburt aller
wahren ,musik1 empfangen und gehegt
werden konnte1 aus der sich soeben die
unaussprechbar erhabene und heilige
,musik ,palestrina's erhoben hatte8 ,und
wer mchte andrerseits nur die
zerstreuungsschtige ,ueppigkeit jener
,florentiner ,kreise und die ,eitelkeit
ihrer dramatischen ,snger fr die so
ungestm sich verbreitende ,lust an der
,oper verantwortlich machen8 ,dass in
derselben ,zeit1 ja in demselben ,volke
neben dem ,gewlbebau ,palestrinischer
,harmonien1 an dem das gesammte
christliche ,mittelalter gebaut hatte1
jene ,leidenschaft fr eine
halbmusikalisch ,sprechart erwachte1
vermag ich mir nur aus einer im ,wesen
des ,recitativs mitwirkenden
ausserknstlerischen ,tendenz zu erklren4
,dem ,zuhrer1 der das ,wort unter dem
,gesange deutlich vernehmen will1
entspricht der ,snger dadurch1 dass er
mehr spricht als singt und dass er den
pathetischen ,wortausdruck in diesem
,halbgesange verschrft3 durch diese
,verschrfung des ,pathos erleichtert er
das ,verstndniss des ,wortes und
berwindet jene brig gebliebene ,hlfte
der ,musik4 ,die eigentliche ,gefahr1
die ihm jetzt droht1 ist die1 dass er
der ,musik einmal zur ,unzeit das
,obergewicht ertheilt1 wodurch sofort
,pathos der ,rede und ,deutlichkeit des
,wortes zu ,grunde gehen msste3 whrend
er andrerseits immer den ,trieb zu
musikalischer ,entladung und zu
virtuosenhafter ,prsentation seiner
,stimme fhlt4 ,hier kommt ihm der
,dichter zu ,hlfe1 der ihm genug
,gelegenheiten zu lyrischen
,interjectionen1 ,wort- und
,sentenzenwiederholungen u4s4w4 zu
bieten weiss3 an welchen ,stellen der
,snger jetzt in dem rein musikalischen
,elemente1 ohne ,rcksicht auf das ,wort1
ausruhen kann4 ,dieser ,wechsel
affectvoll eindringlicher1 doch nur halb
gesungener ,rede und ganz gesungener
,interjection1 der im ,wesen des stilo
rappresentativo liegt1 dies rasch
wechselnde ,bemhen1 bald auf den
,begriff und die ,vorstellung1 bald auf
den musikalischen ,grund des ,zuhrers zu
wirken1 ist etwas so gnzlich
,unnatrliches und den ,kunsttrieben des
,dionysischen und des ,apollinischen in
gleicher ,weise so innerlich
,widersprechendes1 dass man auf einen
,ursprung des ,recitativs zu schliessen
hat1 der ausserhalb aller knstlerischen
,instincte liegt4 ,das ,recitativ ist
nach dieser ,schilderung zu definiren
als die ,vermischung des epischen und
des lyrischen ,vortrags und zwar
keinesfalls die innerlich bestndige
,mischung1 die bei so gnzlich disparaten
,dingen nicht erreicht werden konnte1
sondern die usserlichste mosaikartige
,conglutination1 wie etwas ,derartiges
im ,bereich der ,natur und der
,erfahrung gnzlich vorbildlos ist4 ,dies
war aber nicht die ,meinung jener
,erfinder des ,recitativs3 vielmehr
glauben sie selbst und mit ihnen ihr
,zeitalter1 dass durch jenen stilo
rappresentativo das ,geheimniss der
antiken ,musik gelst sei1 aus dem sich
allein die ungeheure ,wirkung eines
,orpheus1 ,amphion1 ja auch der
griechischen ,tragdie erklren lasse4
,der neue ,stil galt als die
,wiedererweckung der wirkungsvollsten
,musik1 der altgriechischen3 ja man
durfte sich1 bei der allgemeinen und
ganz volksthmlichen ,auffassung der
homerischen ,welt als der ,urwelt1 dem
,traume berlassen1 jetzt wieder in die
paradiesischen ,anfnge der ,menschheit
hinabgestiegen zu sein1 in der
nothwendig auch die ,musik jene
unbertroffne ,reinheit1 ,macht und
,unschuld gehabt haben msste1 von der
die ,dichter in ihren ,schferspielen so
rhrend zu erzhlen wussten4 ,hier sehen
wir in das innerlichste ,werden dieser
recht eigentlich modernen ,kunstgattung1
der ,oper3 ein mchtiges ,bedrfniss
erzwingt sich hier eine ,kunst1 aber ein
,bedrfniss unaesthetischer ,art3 die
,sehnsucht zum ,idyll1 der ,glaube an
eine urvorzeitliche ,existenz des
knstlerischen und guten ,menschen4 ,das
,recitativ galt als die wiederentdeckte
,sprache jenes ,urmenschen2 die ,oper
als das wiederaufgefundene ,land jenes
idyllisch oder heroisch guten ,wesens1
das zugleich in allen seinen ,handlungen
einem natrlichen ,kunsttriebe folgt1
das bei allem1 was es zu sagen hat1
wenigstens etwas singt1 um1 bei der
leisesten ,gefhlserregung1 sofort mit
voller ,stimme zu singen4 ,es ist fr uns
jetzt gleichgltig1 dass mit diesem
neugeschaffnen ,bilde des paradiesischen
,knstlers die damaligen ,humanisten
gegen die alte kirchliche ,vorstellung
vom an sich verderbten und verlornen
,menschen ankmpften3 so dass die ,oper
als das ,oppositionsdogma vom guten
,menschen zu verstehen ist1 mit dem aber
zugleich ein ,trostmittel gegen jenen
,pessimismus gefunden war1 zu dem gerade
die ,ernstgesinnten jener ,zeit1 bei
der grauenhaften ,unsicherheit aller
,zustnde1 am strksten gereizt waren4
,genug1 wenn wir erkannt haben1 wie der
eigentliche ,zauber und damit die
,genesis dieser neuen ,kunstform in der
,befriedigung eines gnzlich
unaesthetischen ,bedrfnisses liegt1 in
der optimistischen ,verherrlichung des
,menschen an sich1 in der ,auffassung
des ,urmenschen als des von ,natur guten
und knstlerischen ,menschen3 welches
,princip der ,oper sich allmhlich in
eine drohende und entsetzliche
,forderung umgewandelt hat1 die wir1 im
,angesicht der socialistischen
,bewegungen der ,gegenwart1 nicht mehr
berhren knnen4 ,der gute ,urmensch will
seine ,rechte3 welche paradiesischen
,aussichten6 ,ich stelle daneben noch
eine eben so deutliche ,besttigung
meiner ,ansicht1 dass die ,oper auf den
gleichen ,principien mit unserer
alexandrinischen ,cultur aufgebaut ist4
,die ,oper ist die ,geburt des
theoretischen ,menschen1 des kritischen
,laien1 nicht des ,knstlers3 eine der
befremdlichsten ,thatsachen in der
,geschichte aller ,knste4 ,es war die
,forderung recht eigentlich
unmusikalischer ,zuhrer1 dass man vor
allem das ,wort verstehen msse3 so dass
eine ,wiedergeburt der ,tonkunst nur zu
erwarten sei1 wenn man irgend eine
,gesangesweise entdecken werde1 bei
welcher das ,textwort ber den
,contrapunkt wie der ,herr ber den
,diener herrsche4 ,denn die ,worte seien
um so viel edler als das begleitende
harmonische ,system1 um wie viel die
,seele edler als der ,krper sei4 ,mit
der laienhaft unmusikalischen ,rohheit
dieser ,ansichten wurde in den ,anfngen
der ,oper die ,verbindung von ,musik1
,bild und ,wort behandelt2 im ,sinne
dieser ,aesthetik kam es auch in den
vornehmen ,laienkreisen von ,florenz1
durch hier patronisirte ,dichter und
,snger1 zu den ersten ,experimenten4
,der kunstohnmchtige ,mensch erzeugt
sich eine ,art von ,kunst1 gerade
dadurch1 dass er der unknstlerische
,mensch an sich ist4 ,weil er die
dionysische ,tiefe der ,musik nicht
ahnt1 verwandelt er sich den
,musikgenuss zur verstandesmssigen
,wort- und ,tonrhetorik der
,leidenschaft im stilo rappresentativo
und zur ,wohllust der ,gesangesknste2
weil er keine ,vision zu schauen vermag1
zwingt er den ,maschinisten und
,decorationsknstler in seinen ,dienst2
weil er das wahre ,wesen des ,knstlers
nicht zu erfassen weiss1 zaubert er vor
sich den knstlerischen ,urmenschen nach
seinem ,geschmack hin d4h4 den
,menschen1 der in der ,leidenschaft
singt und ,verse spricht4 ,er trumt sich
in eine ,zeit hinein1 in der die
,leidenschaft ausreicht1 um ,gesnge und
,dichtungen zu erzeugen3 als ob jeder
,affect im ,stande gewesen sei1 etwas
,knstlerisches zu schaffen4 ,die
,voraussetzung der ,oper ist ein
falscher ,glaube ber den knstlerischen
,prozess und zwar jener idyllische
,glaube1 dass eigentlich jeder
empfindende ,mensch ,knstler sei4 ,im
,sinne dieses ,glaubens ist die ,oper
der ,ausdruck des ,laienthums in der
,kunst1 das seine ,gesetze mit dem
heitern ,optimismus des theoretischen
,menschen dictirt4 ,sollten wir
wnschen1 die beiden eben geschilderten1
bei der ,entstehung der ,oper wirksamen
,vorstellungen unter einen ,begriff zu
vereinigen1 so wrde uns nur brig
bleiben1 von einer idyllischen ,tendenz
der ,oper zu sprechen3 wobei wir uns
allein der ,ausdrucksweise und ,erklrung
,schillers zu bedienen htten4
,entweder1 sagt dieser1 ist die ,natur
und das ,ideal ein ,gegenstand der
,trauer1 wenn jene als verloren1 dieses
als unerreicht dargestellt wird4 ,oder
beide sind ein ,gegenstand der ,freude1
indem sie als wirklich vorgestellt
werden4 ,das erste giebt die ,elegie in
engerer1 das andere die ,idylle in
weitester ,bedeutung4 ,hier ist nun
sofort auf das gemeinsame ,merkmal jener
beiden ,vorstellungen in der
,operngenesis aufmerksam zu machen1 dass
in ihnen das ,ideal nicht als
unerreicht1 die ,natur nicht als
verloren empfunden wird4 ,es gab nach
dieser ,empfindung eine ,urzeit des
,menschen1 in der er am ,herzen der
,natur lag und bei dieser ,natrlichkeit
zugleich das ,ideal der ,menschheit1 in
einer paradiesischen ,gte und
,knstlerschaft1 erreicht hatte3 von
welchem vollkommnen ,urmenschen wir alle
abstammen sollten1 ja dessen getreues
,ebenbild wir noch wren3 nur mssten wir
,einiges von uns werfen1 um uns selbst
wieder als diesen ,urmenschen zu
erkennen1 vermge einer freiwilligen
,entusserung von berflssiger
,gelehrsamkeit1 von berreicher ,cultur4
,der ,bildungsmensch der ,renaissance
liess sich durch seine opernhafte
,imitation der griechischen ,tragdie zu
einem solchen ,zusammenklang von ,natur
und ,ideal1 zu einer idyllischen
,wirklichkeit zurckgeleiten1 er benutzte
diese ,tragdie1 wie ,dante den ,virgil
benutzte1 um bis an die ,pforten des
,paradieses gefhrt zu werden3 whrend er
von hier aus selbstndig noch weiter
schritt und von einer ,imitation der
hchsten griechischen ,kunstform zu einer
,wiederbringung aller ,dinge1 zu einer
,nachbildung der ursprnglichen
,kunstwelt des ,menschen berging4
,welche zuversichtliche ,gutmthigkeit
dieser verwegenen ,bestrebungen1 mitten
im ,schoosse der theoretischen ,cultur6
- einzig nur aus dem trstenden ,glauben
zu erklren1 dass der ,mensch an sich der
ewig tugendhafte ,opernheld1 der ewig
fltende oder singende ,schfer sei1 der
sich endlich immer als solchen
wiederfinden msse1 falls er sich selbst
irgendwann einmal wirklich auf einige
,zeit verloren habe1 einzig die ,frucht
jenes ,optimismus1 der aus der ,tiefe
der sokratischen ,weltbetrachtung hier
wie eine ssslich verfhrerische ,duftsule
emporsteigt4 ,es liegt also auf den
,zgen der ,oper keinesfalls jener
elegische ,schmerz eines ewigen
,verlustes1 vielmehr die ,heiterkeit des
ewigen ,wiederfindens1 die bequeme
,lust an einer idyllischen
,wirklichkeit1 die man wenigstens sich
als wirklich in jedem ,augenblicke
vorstellen kann3 wobei man vielleicht
einmal ahnt1 dass diese vermeinte
,wirklichkeit nichts als ein
phantastisch lppisches ,getndel ist1 dem
jeder1 der es an dem furchtbaren ,ernst
der wahren ,natur zu messen und mit den
eigentlichen ,urscenen der
,menschheitsanfnge zu vergleichen
vermchte1 mit ,ekel zurufen msste3 ,weg
mit dem ,phantom6 ,trotzdem wrde man
sich tuschen1 wenn man glaubte1 ein
solches tndelndes ,wesen1 wie die ,oper
ist1 einfach durch einen krftigen
,anruf1 wie ein ,gespenst1 verscheuchen
zu knnen4 ,wer die ,oper vernichten
will1 muss den ,kampf gegen jene
alexandrinische ,heiterkeit aufnehmen1
die sich in ihr so naiv ber ihre
,lieblingsvorstellung ausspricht1 ja
deren eigentliche ,kunstform sie ist4
,was ist aber fr die ,kunst selbst von
dem ,wirken einer ,kunstform zu
erwarten1 deren ,ursprnge berhaupt nicht
im aesthetischen ,bereiche liegen1 die
sich vielmehr aus einer halb moralischen
,sphre auf das knstlerische ,gebiet
hinbergestohlen hat und ber diese
hybride ,entstehung nur hier und da
einmal hinwegzutuschen vermochte8 ,von
welchen ,sften nhrt sich dieses
parasitische ,opernwesen1 wenn nicht von
denen der wahren ,kunst8 ,wird nicht zu
muthmaassen sein1 dass1 unter seinen
idyllischen ,verfhrungen1 unter seinen
alexandrinischen ,schmeichelknsten1 die
hchste und wahrhaftig ernst zu nennende
,aufgabe der ,kunst - das ,auge vom
,blick in's ,grauen der ,nacht zu erlsen
und das ,subject durch den heilenden
,balsam des ,scheins aus dem ,krampfe
der ,willensregungen zu retten - zu
einer leeren und zerstreuenden
,ergetzlichkeitstendenz entarten werde8
,was wird aus den ewigen ,wahrheiten des
,dionysischen und des ,apollinischen1
bei einer solchen ,stilvermischung1 wie
ich sie am ,wesen des stilo
rappresentativo dargelegt habe8 wo die
,musik als ,diener1 das ,textwort als
,herr betrachtet1 die ,musik mit dem
,krper1 das ,textwort mit der ,seele
verglichen wird8 wo das hchste ,ziel
bestenfalls auf eine umschreibende
,tonmalerei gerichtet sein wird1 hnlich
wie ehedem im neuen attischen
,dithyrambus8 wo der ,musik ihre wahre
,wrde1 dionysischer ,weltspiegel zu
sein1 vllig entfremdet ist1 so dass ihr
nur brig bleibt1 als ,sclavin der
,erscheinung1 das ,formenwesen der
,erscheinung nachzuahmen und in dem
,spiele der ,linien und ,proportionen
eine usserliche ,ergetzung zu erregen4
,einer strengen ,betrachtung fllt dieser
verhngnissvolle ,einfluss der ,oper auf
die ,musik geradezu mit der gesammten
modernen ,musikentwicklung zusammen2 dem
in der ,genesis der ,oper und im ,wesen
der durch sie reprsentirten ,cultur
lauernden ,optimismus ist es in
bengstigender ,schnelligkeit gelungen1
die ,musik ihrer dionysischen
,weltbestimmung zu entkleiden und ihr
einen formenspielerischen1 vergnglichen
,charakter aufzuprgen3 mit welcher
,vernderung nur etwa die ,metamorphose
des aeschyleischen ,menschen in den
alexandrinischen ,heiterkeitsmenschen
verglichen werden drfte4 ,wenn wir aber
mit ,recht in der hiermit angedeuteten
,exemplification das ,entschwinden des
dionysischen ,geistes mit einer hchst
aufflligen1 aber bisher unerklrten
,umwandlung und ,degeneration des
griechischen ,menschen in ,zusammenhang
gebracht haben - welche ,hoffnungen
mssen in uns aufleben1 wenn uns die
allersichersten ,auspicien den
umgekehrten ,prozess1 das allmhliche
,erwachen des dionysischen ,geistes in
unserer gegenwrtigen ,welt1 verbrgen6
,es ist nicht mglich1 dass die gttliche
,kraft des ,herakles ewig im ppigen
,frohndienste der ,omphale erschlafft4
,aus dem dionysischen ,grunde des
deutschen ,geistes ist eine ,macht
emporgestiegen1 die mit den
,urbedingungen der sokratischen ,cultur
nichts gemein hat und aus ihnen weder zu
erklren noch zu entschuldigen ist1
vielmehr von dieser ,cultur als das
,schrecklich ,unerklrliche1 als das
,uebermchtig-,feindselige empfunden
wird1 die deutsche ,musik1 wie wir sie
vornehmlich in ihrem mchtigen
,sonnenlaufe von ,bach zu ,beethoven1
von ,beethoven zu ,wagner zu verstehen
haben4 ,was vermag die
erkenntnisslsterne ,sokratik unserer
,tage gnstigsten ,falls mit diesem aus
unerschpflichen ,tiefen emporsteigenden
,dmon zu beginnen8 ,weder von dem
,zacken- und ,arabeskenwerk der
,opernmelodie aus1 noch mit ,hlfe des
arithmetischen ,rechenbretts der ,fuge
und der contrapunktischen ,dialektik
will sich die ,formel finden lassen1 in
deren dreimal gewaltigem ,licht man
jenen ,dmon sich unterwrfig zu machen
und zum ,reden zu zwingen vermchte4
,welches ,schauspiel1 wenn jetzt unsere
,aesthetiker1 mit dem ,fangnetz einer
ihnen eignen ,schnheit1 nach dem vor
ihnen mit unbegreiflichem ,leben sich
tummelnden ,musikgenius schlagen und
haschen1 unter ,bewegungen1 die nach der
ewigen ,schnheit ebensowenig als nach
dem ,erhabenen beurtheilt werden wollen4
,man mag sich nur diese ,musikgnner
einmal leibhaft und in der ,nhe besehen1
wenn sie so unermdlich ,schnheit6
,schnheit6 rufen1 ob sie sich dabei wie
die im ,schoosse des ,schnen gebildeten
und verwhnten ,lieblingskinder der
,natur ausnehmen oder ob sie nicht
vielmehr fr die eigne ,rohheit eine
lgnerisch verhllende ,form1 fr die eigne
empfindungsarme ,nchternheit einen
aesthetischen ,vorwand suchen3 wobei ich
z4,b4 an ,otto ,jahn denke4 ,vor der
deutschen ,musik aber mag sich der
,lgner und ,heuchler in ,acht nehmen3
denn gerade sie ist1 inmitten aller
unserer ,cultur1 der einzig reine1
lautere und luternde ,feuergeist1 von
dem aus und zu dem hin1 wie in der
,lehre des grossen ,heraklit von
,ephesus1 sich alle ,dinge in doppelter
,kreisbahn bewegen3 alles1 was wir jetzt
,cultur1 ,bildung1 ,civilisation
nennen1 wird einmal vor dem untrglichen
,richter ,dionysus erscheinen mssen4
,erinnern wir uns sodann1 wie dem aus
gleichen ,quellen strmenden ,geiste der
deutschen ,philosophie1 durch ,kant und
,schopenhauer1 es ermglicht war1 die
zufriedne ,daseinslust der
wissenschaftlichen ,sokratik1 durch den
,nachweis ihrer ,grenzen1 zu vernichten1
wie durch diesen ,nachweis eine
unendlich tiefere und ernstere
,betrachtung der ethischen ,fragen und
der ,kunst eingeleitet wurde1 die wir
geradezu als die in ,begriffe gefasste
dionysische ,weisheit bezeichnen knnen3
wohin weist uns das ,mysterium dieser
,einheit zwischen der deutschen ,musik
und der deutschen ,philosophie1 wenn
nicht auf eine neue ,daseinsform1 ber
deren ,inhalt wir uns nur aus
hellenischen ,analogien ahnend
unterrichten knnen8 ,denn diesen
unausmessbaren ,werth behlt fr uns1 die
wir an der ,grenzscheide zweier
verschiedener ,daseinsformen stehen1 das
hellenische ,vorbild1 dass in ihm auch
alle jene ,uebergnge und ,kmpfe zu einer
classisch-belehrenden ,form ausgeprgt
sind3 nur dass wir gleichsam in
umgekehrter ,ordnung die grossen
,hauptepochen des hellenischen ,wesens
analogisch durcherleben und zum
,beispiel jetzt aus dem alexandrinischen
,zeitalter rckwrts zur ,periode der
,tragdie zu schreiten scheinen4 ,dabei
lebt in uns die ,empfindung1 als ob die
,geburt eines tragischen ,zeitalters fr
den deutschen ,geist nur eine ,rckkehr
zu sich selbst1 ein seliges
,sichwiederfinden zu bedeuten habe1
nachdem fr eine lange ,zeit ungeheure
von aussen her eindringende ,mchte den
in hlfloser ,barbarei der ,form
dahinlebenden zu einer ,knechtschaft
unter ihrer ,form gezwungen hatten4
,jetzt endlich darf er1 nach seiner
,heimkehr zum ,urquell seines ,wesens1
vor allen ,vlkern khn und frei1 ohne das
,gngelband einer romanischen
,civilisation1 einherzuschreiten wagen3
wenn er nur von einem ,volke unentwegt
zu lernen versteht1 von dem berhaupt
lernen zu knnen schon ein hoher ,ruhm
und eine auszeichnende ,seltenheit ist1
von den ,griechen4 ,und wann brauchten
wir diese allerhchsten ,lehrmeister mehr
als jetzt1 wo wir die ,wiedergeburt der
,tragdie erleben und in ,gefahr sind1
weder zu wissen1 woher sie kommt1 noch
uns deuten zu knnen1 wohin sie will8
#bj4 ,es mchte einmal1 unter den ,augen
eines unbestochenen ,richters1
abgewogen werden1 in welcher ,zeit und
in welchen ,mnnern bisher der deutsche
,geist von den ,griechen zu lernen am
krftigsten gerungen hat2 und wenn wir
mit ,zuversicht annehmen1 dass dem
edelsten ,bildungskampfe ,goethe's1
,schiller's und ,winckelmann's dieses
einzige ,lob zugesprochen werden msste1
so wre jedenfalls hinzuzufgen1 dass seit
jener ,zeit und den nchsten
,einwirkungen jenes ,kampfes1 das
,streben auf einer gleichen ,bahn zur
,bildung und zu den ,griechen zu kommen1
in unbegreiflicher ,weise schwcher und
schwcher geworden ist4 ,sollten wir1 um
nicht ganz an dem deutschen ,geist
verzweifeln zu mssen1 nicht daraus den
,schluss ziehen drfen1 dass in irgend
welchem ,hauptpunkte es auch jenen
,kmpfern nicht gelungen sein mchte1 in
den ,kern des hellenischen ,wesens
einzudringen und einen dauernden
,liebesbund zwischen der deutschen und
der griechischen ,cultur herzustellen8
,so dass vielleicht ein unbewusstes
,erkennen jenes ,mangels auch in den
ernsteren ,naturen den verzagten
,zweifel erregte1 ob sie1 nach solchen
,vorgngern1 auf diesem ,bildungswege
noch weiter wie jene und berhaupt zum
,ziele kommen wrden4 ,deshalb sehen wir
seit jener ,zeit das ,urtheil ber den
,werth der ,griechen fr die ,bildung in
der bedenklichsten ,weise entarten2 der
,ausdruck mitleidiger ,ueberlegenheit
ist in den verschiedensten ,feldlagern
des ,geistes und des ,ungeistes zu hren2
anderwrts tndelt eine gnzlich
wirkungslose ,schnrednerei mit der
griechischen ,harmonie1 der griechischen
,schnheit1 der griechischen
,heiterkeit4 ,und gerade in den
,kreisen1 deren ,wrde es sein knnte1 aus
dem griechischen ,strombett unermdet1
zum ,heile deutscher ,bildung1 zu
schpfen1 in den ,kreisen der ,lehrer an
den hheren ,bildungsanstalten hat man am
besten gelernt1 sich mit den ,griechen
zeitig und in bequemer ,weise
abzufinden1 nicht selten bis zu einem
sceptischen ,preisgeben des hellenischen
,ideals und bis zu einer gnzlichen
,verkehrung der wahren ,absicht aller
,alterthumsstudien4 ,wer berhaupt in
jenen ,kreisen sich nicht vllig in dem
,bemhen1 ein zuverlssiger ,corrector von
alten ,texten oder ein
naturhistorischer ,sprachmikroskopiker
zu sein1 erschpft hat1 der sucht
vielleicht auch das griechische
,alterthum1 neben anderen ,alterthmern1
sich historisch anzueignen1 aber
jedenfalls nach der ,methode und mit den
berlegenen ,mienen unserer jetzigen
gebildeten ,geschichtsschreibung4 ,wenn
demnach die eigentliche ,bildungskraft
der hheren ,lehranstalten wohl noch
niemals niedriger und schwchlicher
gewesen ist1 wie in der ,gegenwart1 wenn
der ,journalist1 der papierne ,sclave
des ,tages1 in jeder ,rcksicht auf
,bildung den ,sieg ber den hheren
,lehrer davongetragen hat1 und
,letzterem nur noch die bereits oft
erlebte ,metamorphose brig bleibt1 sich
jetzt nun auch in der ,sprechweise des
,journalisten1 mit der leichten ,eleganz
dieser ,sphre1 als heiterer gebildeter
,schmetterling zu bewegen - in welcher
peinlichen ,verwirrung mssen die
derartig ,gebildeten einer solchen
,gegenwart jenes ,phnomen anstarren1 das
nur etwa aus dem tiefsten ,grunde des
bisher unbegriffnen hellenischen ,genius
analogisch zu begreifen wre1 das
,wiedererwachen des dionysischen
,geistes und die ,wiedergeburt der
,tragdie8 ,es giebt keine andere
,kunstperiode1 in der sich die
sogenannte ,bildung und die eigentliche
,kunst so befremdet und abgeneigt
gegenbergestanden htten1 als wir das in
der ,gegenwart mit ,augen sehn4 ,wir
verstehen es1 warum eine so schwchliche
,bildung die wahre ,kunst hasst2 denn
sie frchtet durch sie ihren ,untergang4
,aber sollte nicht eine ganze ,art der
,cultur1 nmlich jene sokratisch-
alexandrinische1 sich ausgelebt haben1
nachdem sie in eine so
zierlich-schmchtige ,spitze1 wie die
gegenwrtige ,bildung ist1 auslaufen
konnte6 ,wenn es solchen ,helden1 wie
,schiller und ,goethe1 nicht gelingen
durfte1 jene verzauberte ,pforte zu
erbrechen1 die in den hellenischen
,zauberberg fhrt1 wenn es bei ihrem
muthigsten ,ringen nicht weiter gekommen
ist als bis zu jenem sehnschtigen
,blick1 den die ,goethische ,iphigenie
vom barbarischen ,tauris aus nach der
,heimat ber das ,meer hin sendet1 was
bliebe den ,epigonen solcher ,helden zu
hoffen1 wenn sich ihnen nicht pltzlich1
an einer ganz anderen1 von allen
,bemhungen der bisherigen ,cultur
unberhrten ,seite die ,pforte von selbst
aufthte - unter dem mystischen ,klange
der wiedererweckten ,tragdienmusik4
,mge uns ,niemand unsern ,glauben an
eine noch bevorstehende ,wiedergeburt
des hellenischen ,alterthums zu
verkmmern suchen2 denn in ihm finden wir
allein unsre ,hoffnung fr eine
,erneuerung und ,luterung des deutschen
,geistes durch den ,feuerzauber der
,musik4 ,was wssten wir sonst zu nennen1
was in der ,verdung und ,ermattung der
jetzigen ,cultur irgend welche trstliche
,erwartung fr die ,zukunft erwecken
knnte8 ,vergebens sphen wir nach einer
einzigen krftig gesteten ,wurzel1 nach
einem ,fleck fruchtbaren und gesunden
,erdbodens3 berall ,staub1 ,sand1
,erstarrung1 ,verschmachten4 ,da mchte
sich ein trostlos ,vereinsamter kein
besseres ,symbol whlen knnen1 als den
,ritter mit ,tod und ,teufel1 wie ihn
uns ,drer gezeichnet hat1 den
geharnischten ,ritter mit dem erzenen1
harten ,blicke1 der seinen
,schreckensweg1 unbeirrt durch seine
grausen ,gefhrten1 und doch
hoffnungslos1 allein mit ,ross und ,hund
zu nehmen weiss4 ,ein solcher
,drerscher ,ritter war unser
,schopenhauer3 ihm fehlte jede
,hoffnung1 aber er wollte die ,wahrheit4
,es giebt nicht ,seinesgleichen4 -
,aber wie verndert sich pltzlich jene
eben so dster geschilderte ,wildniss
unserer ermdeten ,cultur1 wenn sie der
dionysische ,zauber berhrt6 ,ein
,sturmwind packt alles ,abgelebte1
,morsche1 ,zerbrochne1 ,verkmmerte1 hllt
es wirbelnd in eine rothe ,staubwolke
und trgt es wie ein ,geier in die ,lfte4
,verwirrt suchen unsere ,blicke nach
dem ,entschwundenen3 denn was sie sehen1
ist wie aus einer ,versenkung an's
goldne ,licht gestiegen1 so voll und
grn1 so ppig lebendig1 so sehnsuchtsvoll
unermesslich4 ,die ,tragdie sitzt
inmitten dieses ,ueberflusses an ,leben1
,leid und ,lust1 in erhabener
,entzckung1 sie horcht einem fernen
schwermthigen ,gesange - er erzhlt von
den ,mttern des ,seins1 deren ,namen
lauten3 ,wahn1 ,wille1 ,wehe4 - ,ja1
meine ,freunde1 glaubt mit mir an das
dionysische ,leben und an die
,wiedergeburt der ,tragdie4 ,die ,zeit
des sokratischen ,menschen ist vorber3
krnzt euch mit ,epheu1 nehmt den
,thyrsusstab zur ,hand und wundert euch
nicht1 wenn ,tiger und ,panther sich
schmeichelnd zu euren ,knien
niederlegen4 ,jetzt wagt es nur1
tragische ,menschen zu sein3 denn ihr
sollt erlst werden4 ,ihr sollt den
dionysischen ,festzug von ,indien nach
,griechenland geleiten6 ,rstet euch zu
hartem ,streite1 aber glaubt an die
,wunder eures ,gottes6 #ba4 ,von
diesen exhortativen ,tnen in die
,stimmung zurckgleitend1 die dem
,beschaulichen geziemt1 wiederhole ich1
dass nur von den ,griechen gelernt
werden kann1 was ein solches
wundergleiches pltzliches ,aufwachen der
,tragdie fr den innersten ,lebensgrund
eines ,volkes zu bedeuten hat4 ,es ist
das ,volk der tragischen ,mysterien1 das
die ,perserschlachten schlgt3 und
wiederum braucht das ,volk1 das jene
,kriege gefhrt hat1 die ,tragdie als
nothwendigen ,genesungstrank4 ,wer wrde
gerade bei diesem ,volke1 nachdem es
durch mehrere ,generationen von den
strksten ,zuckungen des dionysischen
,dmon bis in's ,innerste erregt wurde1
noch einen so gleichmssig krftigen
,erguss des einfachsten politischen
,gefhls1 der natrlichsten
,heimatsinstincte1 der ursprnglichen
mnnlichen ,kampflust vermuthen8 ,ist es
doch bei jedem bedeutenden
,umsichgreifen dionysischer ,erregungen
immer zu spren1 wie die dionysische
,lsung von den ,fesseln des ,individuums
sich am allerersten in einer bis zur
,gleichgltigkeit1 ja ,feindseligkeit
gesteigerten ,beeintrchtigung der
politischen ,instincte fhlbar macht1 so
gewiss andererseits der staatenbildende
,apollo auch der ,genius des principii
individuationis ist und ,staat und
,heimatssinn nicht ohne ,bejahung der
individuellen ,persnlichkeit leben
knnen4 ,von dem ,orgiasmus aus fhrt fr
ein ,volk nur ein ,weg1 der ,weg zum
indischen ,buddhaismus1 der1 um berhaupt
mit seiner ,sehnsucht in's ,nichts
ertragen zu werden1 jener seltnen
ekstatischen ,zustnde mit ihrer
,erhebung ber ,raum1 ,zeit und
,individuum bedarf3 wie diese wiederum
eine ,philosophie fordern1 die es lehrt1
die unbeschreibliche ,unlust der
,zwischenzustnde durch eine ,vorstellung
zu berwinden4 ,eben so nothwendig gerth
ein ,volk1 von der unbedingten ,geltung
der politischen ,triebe aus1 in eine
,bahn usserster ,verweltlichung1 deren
grossartigster1 aber auch
erschrecklichster ,ausdruck das rmische
imperium ist4 ,zwischen ,indien und
,rom hingestellt und zu verfhrerischer
,wahl gedrngt1 ist es den ,griechen
gelungen1 in classischer ,reinheit eine
dritte ,form hinzuzuerfinden1 freilich
nicht zu langem eigenen ,gebrauche1 aber
eben darum fr die ,unsterblichkeit4
,denn dass die ,lieblinge der ,gtter frh
sterben1 gilt in allen ,dingen1 aber
eben so gewiss1 dass sie mit den ,gttern
dann ewig leben4 ,man verlange doch von
dem ,alleredelsten nicht1 dass es die
haltbare ,zhigkeit des ,leders habe2 die
derbe ,dauerhaftigkeit1 wie sie z4,b4
dem rmischen ,nationaltriebe zu eigen
war1 gehrt wahrscheinlich nicht zu den
nothwendigen ,prdicaten der
,vollkommenheit4 ,wenn wir aber fragen1
mit welchem ,heilmittel es den ,griechen
ermglicht war1 in ihrer grossen ,zeit1
bei der ausserordentlichen ,strke ihrer
dionysischen und politischen ,triebe1
weder durch ein ekstatisches ,brten1
noch durch ein verzehrendes ,haschen
nach ,weltmacht und ,weltehre sich zu
erschpfen1 sondern jene herrliche
,mischung zu erreichen1 wie sie ein
edler1 zugleich befeuernder und
beschaulich stimmender ,wein hat1 so
mssen wir der ungeheuren1 das ganze
,volksleben erregenden1 reinigenden und
entladenden ,gewalt der ,tragdie
eingedenk sein2 deren hchsten ,werth wir
erst ahnen werden1 wenn sie uns1 wie
bei den ,griechen1 als ,inbegriff aller
prophylaktischen ,heilkrfte1 als die
zwischen den strksten und an sich
verhngnissvollsten ,eigenschaften des
,volkes waltende ,mittlerin
entgegentritt4 ,die ,tragdie saugt den
hchsten ,musikorgiasmus in sich hinein1
so dass sie geradezu die ,musik1 bei den
,griechen1 wie bei uns1 zur ,vollendung
bringt1 stellt dann aber den tragischen
,mythus und den tragischen ,helden
daneben1 der dann1 einem mchtigen
,titanen gleich1 die ganze dionysische
,welt auf seinen ,rcken nimmt und uns
davon entlastet3 whrend sie andrerseits
durch denselben tragischen ,mythus1 in
der ,person des tragischen ,helden1 von
dem gierigen ,drange nach diesem ,dasein
zu erlsen weiss1 und mit mahnender
,hand an ein anderes ,sein und an eine
hhere ,lust erinnert1 zu welcher der
kmpfende ,held durch seinen ,untergang1
nicht durch seine ,siege sich
ahnungsvoll vorbereitet4 ,die ,tragdie
stellt zwischen die universale ,geltung
ihrer ,musik und den dionysisch
empfnglichen ,zuhrer ein erhabenes
,gleichniss1 den ,mythus1 und erweckt
bei jenem den ,schein1 als ob die ,musik
nur ein hchstes ,darstellungsmittel zur
,belebung der plastischen ,welt des
,mythus sei4 ,dieser edlen ,tuschung
vertrauend darf sie jetzt ihre ,glieder
zum dithyrambischen ,tanze bewegen und
sich unbedenklich einem orgiastischen
,gefhle der ,freiheit hingeben1 in
welchem sie als ,musik an sich1 ohne
jene ,tuschung1 nicht zu schwelgen wagen
drfte4 ,der ,mythus schtzt uns vor der
,musik1 wie er ihr andrerseits erst die
hchste ,freiheit giebt4 ,dafr verleiht
die ,musik1 als ,gegengeschenk1 dem
tragischen ,mythus eine so eindringliche
und berzeugende metaphysische
,bedeutsamkeit1 wie sie ,wort und ,bild1
ohne jene einzige ,hlfe1 nie zu
erreichen vermgen2 und insbesondere
berkommt durch sie den tragischen
,zuschauer gerade jenes sichere
,vorgefhl einer hchsten ,lust1 zu der
der ,weg durch ,untergang und
,verneinung fhrt1 so dass er zu hren
meint1 als ob der innerste ,abgrund der
,dinge zu ihm vernehmlich sprche4 ,habe
ich dieser schwierigen ,vorstellung mit
den letzten ,stzen vielleicht nur einen
vorlufigen1 fr ,wenige sofort
verstndlichen ,ausdruck zu geben
vermocht1 so darf ich gerade an dieser
,stelle nicht ablassen1 meine ,freunde
zu einem nochmaligen ,versuche
anzureizen und sie zu bitten1 an einem
einzelnen ,beispiele unsrer gemeinsamen
,erfahrung sich fr die ,erkenntniss des
allgemeinen ,satzes vorzubereiten4 ,bei
diesem ,beispiele darf ich mich nicht
auf jene beziehn1 welche die ,bilder der
scenischen ,vorgnge1 die ,worte und
,affecte der handelnden ,personen
benutzen1 um sich mit dieser ,hlfe der
,musikempfindung anzunhern2 denn diese
alle reden nicht ,musik als
,muttersprache und kommen auch1 trotz
jener ,hlfe1 nicht weiter als in die
,vorhallen der ,musikperception1 ohne je
deren innerste ,heiligthmer berhren zu
drfen2 manche von diesen1 wie ,gervinus1
gelangen auf diesem ,wege nicht einmal
in die ,vorhallen4 ,sondern nur an
diejenigen habe ich mich zu wenden1 die1
unmittelbar verwandt mit der ,musik1 in
ihr gleichsam ihren ,mutterschooss
haben und mit den ,dingen fast nur durch
unbewusste ,musikrelationen in
,verbindung stehen4 ,an diese chten
,musiker richte ich die ,frage1 ob sie
sich einen ,menschen denken knnen1 der
den dritten ,act von ,tristan und
,isolde ohne alle ,beihlfe von ,wort und
,bild rein als ungeheuren symphonischen
,satz zu percipiren im ,stande wre1
ohne unter einem krampfartigen
,ausspannen aller ,seelenflgel zu
verathmen8 ,ein ,mensch1 der wie hier
das ,ohr gleichsam an die ,herzkammer
des ,weltwillens gelegt hat1 der das
rasende ,begehren zum ,dasein als
donnernden ,strom oder als zartesten
zerstubten ,bach von hier aus in alle
,adern der ,welt sich ergiessen fhlt1 er
sollte nicht jhlings zerbrechen8 ,er
sollte es ertragen1 in der elenden
glsernen ,hlle des menschlichen
,individuums1 den ,wiederklang zahlloser
,lust - und ,weherufe aus dem weiten
,raum der ,weltennacht zu vernehmen1
ohne bei diesem ,hirtenreigen der
,metaphysik sich seiner ,urheimat
unaufhaltsam zuzuflchten8 ,wenn aber
doch ein solches ,werk als ,ganzes
percipirt werden kann1 ohne ,verneinung
der ,individualexistenz1 wenn eine
solche ,schpfung geschaffen werden
konnte1 ohne ihren ,schpfer zu
zerschmettern - woher nehmen wir die
,lsung eines solchen ,widerspruches8
,hier drngt sich zwischen unsre hchste
,musikerregung und jene ,musik der
tragische ,mythus und der tragische
,held1 im ,grunde nur als ,gleichniss
der alleruniversalsten ,thatsachen1 von
denen allein die ,musik auf directem
,wege reden kann4 ,als ,gleichniss wrde
nun aber der ,mythus1 wenn wir als rein
dionysische ,wesen empfnden1 gnzlich
wirkungslos und unbeachtet neben uns
stehen bleiben1 und uns keinen
,augenblick abwendig davon machen1 unser
,ohr dem ,wiederklang der universalia
ante rem zu bieten4 ,hier bricht jedoch
die apollinische ,kraft1 auf
,wiederherstellung des fast zersprengten
,individuums gerichtet1 mit dem
,heilbalsam einer wonnevollen ,tuschung
hervor3 pltzlich glauben wir nur noch
,tristan zu sehen1 wie er bewegungslos
und dumpf sich fragt3 die alte ,weise2
was weckt sie mich8 ,und was uns frher
wie ein hohles ,seufzen aus dem
,mittelpunkte des ,seins anmuthete1 das
will uns jetzt nur sagen1 wie d und leer
das ,meer4 ,und wo wir athemlos zu
erlschen whnten1 im krampfartigen
,sichausrecken aller ,gefhle1 und nur
ein ,weniges uns mit dieser ,existenz
zusammenknpfte1 hren und sehen wir jetzt
nur den zum ,tode verwundeten und doch
nicht sterbenden ,helden1 mit seinem
verzweiflungsvollen ,rufe3 ,sehnen6
,sehnen6 ,im ,sterben mich zu sehnen1
vor ,sehnsucht nicht zu sterben6 ,und
wenn frher der ,jubel des ,horns nach
solchem ,uebermaass und solcher
,ueberzahl verzehrender ,qualen fast wie
der ,qualen hchste uns das ,herz
zerschnitt1 so steht jetzt zwischen uns
und diesem ,jubel an sich der jauchzende
,kurwenal1 dem ,schiffe1 das ,isolden
trgt1 zugewandt4 ,so gewaltig auch das
,mitleiden in uns hineingreift1 in einem
gewissen ,sinne rettet uns doch das
,mitleiden vor dem ,urleiden der ,welt1
wie das ,gleichnissbild des ,mythus uns
vor dem unmittelbaren ,anschauen der
hchsten ,weltidee1 wie der ,gedanke und
das ,wort uns vor dem ungedmmten
,ergusse des unbewussten ,willens
rettet4 ,durch jene herrliche
apollinische ,tuschung dnkt es uns1 als
ob uns selbst das ,tonreich wie eine
plastische ,welt gegenber trte1 als ob
auch in ihr nur ,tristan's und ,isoldens
,schicksal1 wie in einem allerzartesten
und ausdrucksfhigsten ,stoffe1 geformt
und bildnerisch ausgeprgt worden sei4
,so entreisst uns das ,apollinische der
dionysischen ,allgemeinheit und entzckt
uns fr die ,individuen2 an diese fesselt
es unsre ,mitleidserregung1 durch diese
befriedigt es den nach grossen und
erhabenen ,formen lechzenden
,schnheitssinn2 es fhrt an uns
,lebensbilder vorbei und reizt uns zu
gedankenhaftem ,erfassen des in ihnen
enthaltenen ,lebenskernes4 ,mit der
ungeheuren ,wucht des ,bildes1 des
,begriffs1 der ethischen ,lehre1 der
sympathischen ,erregung reisst das
,apollinische den ,menschen aus seiner
orgiastischen ,selbstvernichtung empor
und tuscht ihn ber die ,allgemeinheit
des dionysischen ,vorganges hinweg zu
dem ,wahne1 dass er ein einzelnes
,weltbild1 z4,b4 ,tristan und ,isolde1
sehe und es1 durch die ,musik1 nur noch
besser und innerlicher sehen solle4 ,was
vermag nicht der heilkundige ,zauber
des ,apollo1 wenn er selbst in uns die
,tuschung aufregen kann1 als ob wirklich
das ,dionysische1 im ,dienste des
,apollinischen1 dessen ,wirkungen zu
steigern vermchte1 ja als ob die ,musik
sogar wesentlich ,darstellungskunst fr
einen apollinischen ,inhalt sei8 ,bei
jener prstabilirten ,harmonie1 die
zwischen dem vollendeten ,drama und
seiner ,musik waltet1 erreicht das
,drama einen hchsten1 fr das ,wortdrama
sonst unzugnglichen ,grad von
,schaubarkeit4 ,wie alle lebendigen
,gestalten der ,scene in den selbstndig
bewegten ,melodienlinien sich zur
,deutlichkeit der geschwungenen ,linie
vor uns vereinfachen1 ertnt uns das
,nebeneinander dieser ,linien in dem mit
dem bewegten ,vorgange auf zarteste
,weise sympathisirenden
,harmonienwechsel3 durch welchen uns die
,relationen der ,dinge in sinnlich
wahrnehmbarer1 keinesfalls abstracter
,weise1 unmittelbar vernehmbar werden1
wie wir gleichfalls durch ihn erkennen1
dass erst in diesen ,relationen das
,wesen eines ,charakters und einer
,melodienlinie sich rein offenbare4 ,und
whrend uns so die ,musik zwingt1 mehr
und innerlicher als sonst zu sehen1 und
den ,vorgang der ,scene wie ein zartes
,gespinnst vor uns auszubreiten1 ist fr
unser vergeistigtes1 in's ,innere
blickendes ,auge die ,welt der ,bhne
eben so unendlich erweitert als von
innen heraus erleuchtet4 ,was vermchte
der ,wortdichter ,analoges zu bieten1
der mit einem viel unvollkommneren
,mechanismus1 auf indirectem ,wege1 vom
,wort und vom ,begriff aus1 jene
innerliche ,erweiterung der schaubaren
,bhnenwelt und ihre innere ,erleuchtung
zu erreichen sich abmht8 ,nimmt nun zwar
auch die musikalische ,tragdie das
,wort hinzu1 so kann sie doch zugleich
den ,untergrund und die ,geburtssttte
des ,wortes danebenstellen und uns das
,werden des ,wortes1 von innen heraus1
verdeutlichen4 ,aber von diesem
geschilderten ,vorgang wre doch eben so
bestimmt zu sagen1 dass er nur ein
herrlicher ,schein1 nmlich jene vorhin
erwhnte apollinische ,tuschung sei1
durch deren ,wirkung wir von dem
dionysischen ,andrange und ,uebermaasse
entlastet werden sollen4 ,im ,grunde ist
ja das ,verhltniss der ,musik zum
,drama gerade das umgekehrte3 die ,musik
ist die eigentliche ,idee der ,welt1
das ,drama nur ein ,abglanz dieser
,idee1 ein vereinzeltes ,schattenbild
derselben4 ,jene ,identitt zwischen der
,melodienlinie und der lebendigen
,gestalt1 zwischen der ,harmonie und den
,charakterrelationen jener ,gestalt ist
in einem entgegengesetzten ,sinne wahr1
als es uns1 beim ,anschauen der
musikalischen ,tragdie1 dnken mchte4
,wir mgen die ,gestalt uns auf das
,sichtbarste bewegen1 beleben und von
innen heraus beleuchten1 sie bleibt
immer nur die ,erscheinung1 von der es
keine ,brcke giebt1 die in die wahre
,realitt1 in's ,herz der ,welt fhrte4
,aus diesem ,herzen heraus aber redet
die ,musik2 und zahllose ,erscheinungen
jener ,art drften an der gleichen ,musik
vorberziehn1 sie wrden nie das ,wesen
derselben erschpfen1 sondern immer nur
ihre verusserlichten ,abbilder sein4
,mit dem populren und gnzlich falschen
,gegensatz von ,seele und ,krper ist
freilich fr das schwierige ,verhltniss
von ,musik und ,drama nichts zu erklren
und alles zu verwirren2 aber die
unphilosophische ,rohheit jenes
,gegensatzes scheint gerade bei unseren
,aesthetikern1 wer weiss aus welchen
,grnden1 zu einem gern bekannten
,glaubensartikel geworden zu sein1
whrend sie ber einen ,gegensatz der
,erscheinung und des ,dinges an sich
nichts gelernt haben oder1 aus ebenfalls
unbekannten ,grnden1 nichts lernen
mochten4 ,sollte es sich bei unserer
,analysis ergeben haben1 dass das
,apollinische in der ,tragdie durch
seine ,tuschung vllig den ,sieg ber das
dionysische ,urelement der ,musik
davongetragen und sich diese zu ihren
,absichten1 nmlich zu einer hchsten
,verdeutlichung des ,drama's1 nutzbar
gemacht habe1 so wre freilich eine sehr
wichtige ,einschrnkung hinzuzufgen3 in
dem allerwesentlichsten ,punkte ist jene
apollinische ,tuschung durchbrochen und
vernichtet4 ,das ,drama1 das in so
innerlich erleuchteter ,deutlichkeit
aller ,bewegungen und ,gestalten1 mit
,hlfe der ,musik1 sich vor uns
ausbreitet1 als ob wir das ,gewebe am
,webstuhl im ,auf - und ,niederzucken
entstehen sehen - erreicht als ,ganzes
eine ,wirkung1 die jenseits aller
apollinischen ,kunstwirkungen liegt4 ,in
der ,gesammtwirkung der ,tragdie
erlangt das ,dionysische wieder das
,uebergewicht2 sie schliesst mit einem
,klange1 der niemals von dem ,reiche der
apollinischen ,kunst her tnen knnte4
,und damit erweist sich die apollinische
,tuschung als das1 was sie ist1 als die
whrend der ,dauer der ,tragdie
anhaltende ,umschleierung der
eigentlichen dionysischen ,wirkung3 die
doch so mchtig ist1 am ,schluss das
apollinische ,drama selbst in eine
,sphre zu drngen1 wo es mit dionysischer
,weisheit zu reden beginnt und wo es
sich selbst und seine apollinische
,sichtbarkeit verneint4 ,so wre wirklich
das schwierige ,verhltniss des
,apollinischen und des ,dionysischen in
der ,tragdie durch einen ,bruderbund
beider ,gottheiten zu symbolisiren3
,dionysus redet die ,sprache des
,apollo1 ,apollo aber schliesslich die
,sprache des ,dionysus3 womit das hchste
,ziel der ,tragdie und der ,kunst
berhaupt erreicht ist4 #bb4 ,mag der
aufmerksame ,freund sich die ,wirkung
einer wahren musikalischen ,tragdie rein
und unvermischt1 nach seinen
,erfahrungen vergegenwrtigen4 ,ich denke
das ,phnomen dieser ,wirkung nach
beiden ,seiten hin so beschrieben zu
haben1 dass er sich seine eignen
,erfahrungen jetzt zu deuten wissen
wird4 ,er wird sich nmlich erinnern1 wie
er1 im ,hinblick auf den vor ihm sich
bewegenden ,mythus1 zu einer ,art von
,allwissenheit sich gesteigert fhlte1
als ob jetzt die ,sehkraft seiner ,augen
nicht nur eine ,flchenkraft sei1
sondern in's ,innere zu dringen vermge1
und als ob er die ,wallungen des
,willens1 den ,kampf der ,motive1 den
anschwellenden ,strom der
,leidenschaften1 jetzt1 mit ,hlfe der
,musik1 gleichsam sinnlich sichtbar1 wie
eine ,flle lebendig bewegter ,linien
und ,figuren vor sich sehe und damit bis
in die zartesten ,geheimnisse
unbewusster ,regungen hinabtauchen knne4
,whrend er so einer hchsten ,steigerung
seiner auf ,sichtbarkeit und ,verklrung
gerichteten ,triebe bewusst wird1 fhlt
er doch eben so bestimmt1 dass diese
lange ,reihe apollinischer
,kunstwirkungen doch nicht jenes
beglckte ,verharren in willenlosem
,anschauen erzeugt1 das der ,plastiker
und der epische ,dichter1 also die
eigentlich apollinischen ,knstler1 durch
ihre ,kunstwerke bei ihm hervorbringen3
das heisst die in jenem ,anschauen
erreichte ,rechtfertigung der ,welt der
individuatio1 als welche die ,spitze und
der ,inbegriff der apollinischen ,kunst
ist4 ,er schaut die verklrte ,welt der
,bhne und verneint sie doch4 ,er sieht
den tragischen ,helden vor sich in
epischer ,deutlichkeit und ,schnheit und
erfreut sich doch an seiner
,vernichtung4 ,er begreift bis in's
,innerste den ,vorgang der ,scene und
flchtet sich gern in's ,unbegreifliche4
,er fhlt die ,handlungen des ,helden als
gerechtfertigt und ist doch noch mehr
erhoben1 wenn diese ,handlungen den
,urheber vernichten4 ,er schaudert vor
den ,leiden1 die den ,helden treffen
werden und ahnt doch bei ihnen eine
hhere1 viel bermchtigere ,lust4 ,er
schaut mehr und tiefer als je und wnscht
sich doch erblindet4 ,woher werden wir
diese wunderbare ,selbstentzweiung1 dies
,umbrechen der apollinischen ,spitze1
abzuleiten haben1 wenn nicht aus dem
dionysischen ,zauber1 der1 zum ,schein
die apollinischen ,regungen auf's
,hchste reizend1 doch noch diesen
,ueberschwang der apollinischen ,kraft
in seinen ,dienst zu zwingen vermag4
,der tragische ,mythus ist nur zu
verstehen als eine ,verbildlichung
dionysischer ,weisheit durch
apollinische ,kunstmittel2 er fhrt die
,welt der ,erscheinung an die ,grenzen1
wo sie sich selbst verneint und wieder
in den ,schooss der wahren und einzigen
,realitt zurckzuflchten sucht2 wo sie
dann1 mit ,isolden1 ihren metaphysischen
,schwanengesang also anzustimmen
scheint3 ,in des ,wonnemeeres
wogendem ,schwall1 in der ,duft -
,wellen tnendem ,schall1 in des
,weltathems wehendem ,all
ertrinken - versinken unbewusst -
hchste ,lust6 ,so vergegenwrtigen wir
uns1 an den ,erfahrungen des wahrhaft
aesthetischen ,zuhrers1 den tragischen
,knstler selbst1 wie er1 gleich einer
ppigen ,gottheit der individuatio1 seine
,gestalten schafft1 in welchem ,sinne
sein ,werk kaum als ,nachahmung der
,natur zu begreifen wre - wie dann aber
sein ungeheurer dionysischer ,trieb
diese ganze ,welt der ,erscheinungen
verschlingt1 um hinter ihr und durch
ihre ,vernichtung eine hchste
knstlerische ,urfreude im ,schoosse des
,ur-,einen ahnen zu lassen4 ,freilich
wissen von dieser ,rckkehr zur
,urheimat1 von dem ,bruderbunde der
beiden ,kunstgottheiten in der ,tragdie
und von der sowohl apollinischen als
dionysischen ,erregung des ,zuhrers
unsere ,aesthetiker nichts zu berichten1
whrend sie nicht mde werden1 den ,kampf
des ,helden mit dem ,schicksal1 den
,sieg der sittlichen ,weltordnung oder
eine durch die ,tragdie bewirkte
,entladung von ,affecten als das
eigentlich ,tragische zu
charakterisiren3 welche
,unverdrossenheit mich auf den ,gedanken
bringt1 sie mchten berhaupt keine
aesthetisch erregbaren ,menschen sein
und beim ,anhren der ,tragdie vielleicht
nur als moralische ,wesen in ,betracht
kommen4 ,noch nie1 seit ,aristoteles1
ist eine ,erklrung der tragischen
,wirkung gegeben worden1 aus der auf
knstlerische ,zustnde1 auf eine
aesthetische ,thtigkeit der ,zuhrer
geschlossen werden drfte4 ,bald soll
,mitleid und ,furchtsamkeit durch die
ernsten ,vorgnge zu einer erleichternden
,entladung gedrngt werden1 bald sollen
wir uns bei dem ,sieg guter und edler
,principien1 bei der ,aufopferung des
,helden im ,sinne einer sittlichen
,weltbetrachtung erhoben und begeistert
fhlen2 und so gewiss ich glaube1 dass fr
zahlreiche ,menschen gerade das und nur
das die ,wirkung der ,tragdie ist1 so
deutlich ergiebt sich daraus1 dass diese
alle1 sammt ihren interpretirenden
,aesthetikern1 von der ,tragdie als
einer hchsten ,kunst nichts erfahren
haben4 ,jene pathologische ,entladung1
die ,katharsis des ,aristoteles1 von der
die ,philologen nicht recht wissen1 ob
sie unter die medicinischen oder die
moralischen ,phnomene zu rechnen sei1
erinnert an eine merkwrdige ,ahnung
,goethe's4 ,ohne ein lebhaftes
pathologisches ,interesse1 sagt er1 ist
es auch mir niemals gelungen1 irgend
eine tragische ,situation zu bearbeiten1
und ich habe sie daher lieber vermieden
als aufgesucht4 ,sollte es wohl auch
einer von den ,vorzgen der ,alten
gewesen sein1 dass das hchste
,pathetische auch nur aesthetisches
,spiel bei ihnen gewesen wre1 da bei uns
die ,naturwahrheit mitwirken muss1 um
ein solches ,werk hervorzubringen8
,diese so tiefsinnige letzte ,frage
drfen wir jetzt1 nach unseren herrlichen
,erfahrungen1 bejahen1 nachdem wir
gerade an der musikalischen ,tragdie mit
,staunen erlebt haben1 wie wirklich das
hchste ,pathetische doch nur ein
aesthetisches ,spiel sein kann3 weshalb
wir glauben drfen1 dass erst jetzt das
,urphnomen des ,tragischen mit einigem
,erfolg zu beschreiben ist4 ,wer jetzt
noch nur von jenen stellvertretenden
,wirkungen aus ausseraesthetischen
,sphren zu erzhlen hat und ber den
pathologisch - moralischen ,prozess sich
nicht hinausgehoben fhlt1 mag nur an
seiner aesthetischen ,natur verzweifeln3
wogegen wir ihm die ,interpretation
,shakespeare's nach der ,manier des
,gervinus und das fleissige ,aufspren
der poetischen ,gerechtigkeit als
unschuldigen ,ersatz anempfehlen4 ,so
ist mit der ,wiedergeburt der ,tragdie
auch der aesthetische ,zuhrer wieder
geboren1 an dessen ,stelle bisher in den
,theaterrumen ein seltsames
,quidproquo1 mit halb moralischen und
halb gelehrten ,ansprchen1 zu sitzen
pflegte1 der ,kritiker4 ,in seiner
bisherigen ,sphre war ,alles knstlich
und nur mit einem ,scheine des ,lebens
bertncht4 ,der darstellende ,knstler
wusste in der ,that nicht mehr1 was er
mit einem solchen1 kritisch sich
gebrdenden ,zuhrer zu beginnen habe und
sphte daher1 sammt dem ihn inspirirenden
,dramatiker oder ,operncomponisten1
unruhig nach den letzten ,resten des
,lebens in diesem anspruchsvoll den und
zum ,geniessen unfhigen ,wesen4 ,aus
derartigen ,kritikern bestand aber
bisher das ,publicum2 der ,student1 der
,schulknabe1 ja selbst das harmloseste
weibliche ,geschpf war wider sein
,wissen bereits durch ,erziehung und
,journale zu einer gleichen ,perception
eines ,kunstwerks vorbereitet4 ,die
edleren ,naturen unter den ,knstlern
rechneten bei einem solchen ,publicum
auf die ,erregung moralisch - religiser
,krfte1 und der ,anruf der sittlichen
,weltordnung trat vikarirend ein1 wo
eigentlich ein gewaltiger ,kunstzauber
den chten ,zuhrer entzcken sollte4 ,oder
es wurde vom ,dramatiker eine
grossartigere1 mindestens aufregende
,tendenz der politischen und socialen
,gegenwart so deutlich vorgetragen1 dass
der ,zuhrer seine kritische ,erschpfung
vergessen und sich hnlichen ,affecten
berlassen konnte1 wie in patriotischen
oder kriegerischen ,momenten1 oder vor
der ,rednerbhne des ,parlaments oder bei
der ,verurtheilung des ,verbrechens und
des ,lasters3 welche ,entfremdung der
eigentlichen ,kunstabsichten hier und da
geradezu zu einem ,cultus der ,tendenz
fhren musste4 ,doch hier trat ein1 was
bei allen erknstelten ,knsten von jeher
eingetreten ist1 eine reissend schnelle
,depravation jener ,tendenzen1 so dass
zum ,beispiel die ,tendenz1 das ,theater
als ,veranstaltung zur moralischen
,volksbildung zu verwenden1 die zu
,schiller's ,zeit ernsthaft genommen
wurde1 bereits unter die unglaubwrdigen
,antiquitten einer berwundenen ,bildung
gerechnet wird4 ,whrend der ,kritiker in
,theater und ,concert1 der ,journalist
in der ,schule1 die ,presse in der
,gesellschaft zur ,herrschaft gekommen
war1 entartete die ,kunst zu einem
,unterhaltungsobject der niedrigsten
,art1 und die aesthetische ,kritik wurde
als das ,bindemittel einer eiteln1
zerstreuten1 selbstschtigen und berdies
rmlich - unoriginalen ,geselligkeit
benutzt1 deren ,sinn jene
,schopenhauerische ,parabel von den
,stachelschweinen zu verstehen giebt2 so
dass zu keiner ,zeit so viel ber ,kunst
geschwatzt und so wenig von der ,kunst
gehalten worden ist4 ,kann man aber mit
einem ,menschen noch verkehren1 der im
,stande ist1 sich ber ,beethoven und
,shakespeare zu unterhalten8 ,mag ,jeder
nach seinem ,gefhl diese ,frage
beantworten3 er wird mit der ,antwort
jedenfalls beweisen1 was er sich unter
,bildung vorstellt1 vorausgesetzt dass
er die ,frage berhaupt zu beantworten
sucht und nicht vor ,ueberraschung
bereits verstummt ist4 ,dagegen drfte
mancher edler und zarter von der ,natur
,befhigte1 ob er gleich in der
geschilderten ,weise allmhlich zum
kritischen ,barbaren geworden war1 von
einer eben so unerwarteten als gnzlich
unverstndlichen ,wirkung zu erzhlen
haben1 die etwa eine glcklich gelungene
,lohengrinauffhrung auf ihn ausbte3 nur
dass ihm vielleicht jede ,hand fehlte1
die ihn mahnend und deutend anfasste1 so
dass auch jene unbegreiflich
verschiedenartige und durchaus
unvergleichliche ,empfindung1 die ihn
damals erschtterte1 vereinzelt blieb und
wie ein rthselhaftes ,gestirn nach
kurzem ,leuchten erlosch4 ,damals hatte
er geahnt1 was der aesthetische ,zuhrer
ist4 #bc4 ,wer recht genau sich
selber prfen will1 wie sehr er dem
wahren aesthetischen ,zuhrer verwandt
ist oder zur ,gemeinschaft der
sokratisch - kritischen ,menschen gehrt1
der mag sich nur aufrichtig nach der
,empfindung fragen1 mit der er das auf
der ,bhne dargestellte ,wunder empfngt3
ob er etwa dabei seinen historischen1
auf strenge psychologische ,causalitt
gerichteten ,sinn beleidigt fhlt1 ob er
mit einer wohlwollenden ,concession
gleichsam das ,wunder als ein der
,kindheit verstndliches1 ihm
entfremdetes ,phnomen zulsst oder ob er
irgend etwas ,anderes dabei erleidet4
,daran nmlich wird er messen knnen1 wie
weit er berhaupt befhigt ist1 den
,mythus1 das zusammengezogene ,weltbild1
zu verstehen1 der1 als ,abbreviatur der
,erscheinung1 das ,wunder nicht
entbehren kann4 ,das ,wahrscheinliche
ist aber1 dass fast ,jeder1 bei strenger
,prfung1 sich so durch den kritisch -
historischen ,geist unserer ,bildung
zersetzt fhle1 um nur etwa auf gelehrtem
,wege1 durch vermittelnde
,abstractionen1 sich die einstmalige
,existenz des ,mythus glaublich zu
machen4 ,ohne ,mythus aber geht jede
,cultur ihrer gesunden schpferischen
,naturkraft verlustig3 erst ein mit
,mythen umstellter ,horizont schliesst
eine ganze ,culturbewegung zur ,einheit
ab4 ,alle ,krfte der ,phantasie und des
apollinischen ,traumes werden erst durch
den ,mythus aus ihrem wahllosen
,herumschweifen gerettet4 ,die ,bilder
des ,mythus mssen die unbemerkt
allgegenwrtigen dmonischen ,wchter sein1
unter deren ,hut die junge ,seele
heranwchst1 an deren ,zeichen der ,mann
sich sein ,leben und seine ,kmpfe
deutet3 und selbst der ,staat kennt
keine mchtigeren ungeschriebnen ,gesetze
als das mythische ,fundament1 das
seinen ,zusammenhang mit der ,religion1
sein ,herauswachsen aus mythischen
,vorstellungen verbrgt4 ,man stelle
jetzt daneben den abstracten1 ohne
,mythen geleiteten ,menschen1 die
abstracte ,erziehung1 die abstracte
,sitte1 das abstracte ,recht1 den
abstracten ,staat3 man vergegenwrtige
sich das regellose1 von keinem
heimischen ,mythus gezgelte ,schweifen
der knstlerischen ,phantasie3 man denke
sich eine ,cultur1 die keinen festen und
heiligen ,ursitz hat1 sondern alle
,mglichkeiten zu erschpfen und von allen
,culturen sich kmmerlich zu nhren
verurtheilt ist - das ist die
,gegenwart1 als das ,resultat jenes auf
,vernichtung des ,mythus gerichteten
,sokratismus4 ,und nun steht der
mythenlose ,mensch1 ewig hungernd1 unter
allen ,vergangenheiten und sucht
grabend und whlend nach ,wurzeln1 sei es
dass er auch in den entlegensten
,alterthmern nach ihnen graben msste4
,worauf weist das ungeheure historische
,bedrfniss der unbefriedigten modernen
,cultur1 das ,umsichsammeln zahlloser
anderer ,culturen1 das verzehrende
,erkennenwollen1 wenn nicht auf den
,verlust des ,mythus1 auf den ,verlust
der mythischen ,heimat1 des mythischen
,mutterschoosses8 ,man frage sich1 ob
das fieberhafte und so unheimliche
,sichregen dieser ,cultur etwas ,anderes
ist1 als das gierige ,zugreifen und
,nach-,nahrung- ,haschen des ,hungernden
- und wer mchte einer solchen ,cultur
noch etwas geben wollen1 die durch
alles1 was sie verschlingt1 nicht zu
sttigen ist und bei deren ,berhrung sich
die krftigste1 heilsamste ,nahrung in
,historie und ,kritik zu verwandeln
pflegt8 ,man msste auch an unserem
deutschen ,wesen schmerzlich
verzweifeln1 wenn es bereits in gleicher
,weise mit seiner ,cultur unlsbar
verstrickt1 ja eins geworden wre1 wie
wir das an dem civilisirten ,frankreich
zu unserem ,entsetzen beobachten knnen2
und das1 was lange ,zeit der grosse
,vorzug ,frankreichs und die ,ursache
seines ungeheuren ,uebergewichts war1
eben jenes ,einssein von ,volk und
,cultur1 drfte uns1 bei diesem ,anblick1
nthigen1 darin das ,glck zu preisen1
dass diese unsere so fragwrdige ,cultur
bis jetzt mit dem edeln ,kerne unseres
,volkscharakters nichts gemein hat4
,alle unsere ,hoffnungen strecken sich
vielmehr sehnsuchtsvoll nach jener
,wahrnehmung aus1 dass unter diesem
unruhig auf und nieder zuckenden
,culturleben und ,bildungskrampfe eine
herrliche1 innerlich gesunde1 uralte
,kraft verborgen liegt1 die freilich nur
in ungeheuren ,momenten sich gewaltig
einmal bewegt und dann wieder einem
zuknftigen ,erwachen entgegentrumt4 ,aus
diesem ,abgrunde ist die deutsche
,reformation hervorgewachsen3 in deren
,choral die ,zukunftsweise der deutschen
,musik zuerst erklang4 ,so tief1 muthig
und seelenvoll1 so berschwnglich gut
und zart tnte dieser ,choral ,luther's1
als der erste dionysische ,lockruf1 der
aus dichtverwachsenem ,gebsch1 im ,nahen
des ,frhlings1 hervordringt4 ,ihm
antwortete in wetteiferndem ,wiederhall
jener weihevoll bermthige ,festzug
dionysischer ,schwrmer1 denen wir die
deutsche ,musik danken - und denen wir
die ,wiedergeburt des deutschen ,mythus
danken werden6 ,ich weiss1 dass ich
jetzt den theilnehmend folgenden ,freund
auf einen hochgelegenen ,ort einsamer
,betrachtung fhren muss1 wo er nur
wenige ,gefhrten haben wird1 und rufe
ihm ermuthigend zu1 dass wir uns an
unseren leuchtenden ,fhrern1 den
,griechen1 festzuhalten haben4 ,von
ihnen haben wir bis jetzt1 zur
,reinigung unserer aesthetischen
,erkenntniss1 jene beiden ,gtterbilder
entlehnt1 von denen jedes ein
gesondertes ,kunstreich fr sich
beherrscht und ber deren gegenseitige
,berhrung und ,steigerung wir durch die
griechische ,tragdie zu einer ,ahnung
kamen4 ,durch ein merkwrdiges
,auseinanderreissen beider knstlerischen
,urtriebe musste uns der ,untergang der
griechischen ,tragdie herbeigefhrt
erscheinen3 mit welchem ,vorgange eine
,degeneration und ,umwandlung des
griechischen ,volkscharakters im
,einklang war1 uns zu ernstem
,nachdenken auffordernd1 wie nothwendig
und eng die ,kunst und das ,volk1
,mythus und ,sitte1 ,tragdie und ,staat1
in ihren ,fundamenten verwachsen sind4
,jener ,untergang der ,tragdie war
zugleich der ,untergang des ,mythus4
,bis dahin waren die ,griechen
unwillkrlich genthigt1 alles ,erlebte
sofort an ihre ,mythen anzuknpfen1 ja es
nur durch diese ,anknpfung zu
begreifen3 wodurch auch die nchste
,gegenwart ihnen sofort sub specie
aeterni und in gewissem ,sinne als
zeitlos erscheinen musste4 ,in diesen
,strom des ,zeitlosen aber tauchte sich
eben so der ,staat wie die ,kunst1 um in
ihm vor der ,last und der ,gier des
,augenblicks ,ruhe zu finden4 ,und
gerade nur so viel ist ein ,volk - wie
brigens auch ein ,mensch - werth1 als es
auf seine ,erlebnisse den ,stempel des
,ewigen zu drcken vermag3 denn damit ist
es gleichsam entweltlicht und zeigt
seine unbewusste innerliche
,ueberzeugung von der ,relativitt der
,zeit und von der wahren1 d4h4 der
metaphysischen ,bedeutung des ,lebens4
,das ,gegentheil davon tritt ein1 wenn
ein ,volk anfngt1 sich historisch zu
begreifen und die mythischen ,bollwerke
um sich herum zu zertrmmern3 womit
gewhnlich eine entschiedene
,verweltlichung1 ein ,bruch mit der
unbewussten ,metaphysik seines frheren
,daseins1 in allen ethischen
,consequenzen1 verbunden ist4 ,die
griechische ,kunst und vornehmlich die
griechische ,tragdie hielt vor ,allem
die ,vernichtung des ,mythus auf3 man
musste sie mit vernichten1 um1 losgelst
von dem heimischen ,boden1 ungezgelt in
der ,wildniss des ,gedankens1 der ,sitte
und der ,that leben zu knnen4 ,auch
jetzt noch versucht jener metaphysische
,trieb1 sich eine1 wenngleich
abgeschwchte ,form der ,verklrung zu
schaffen1 in dem zum ,leben drngenden
,sokratismus der ,wissenschaft3 aber auf
den niederen ,stufen fhrte derselbe
,trieb nur zu einem fieberhaften
,suchen1 das sich allmhlich in ein
,pandmonium berallher zusammengehufter
,mythen und ,superstitionen verlor3 in
dessen ,mitte der ,hellene dennoch
ungestillten ,herzens sass1 bis er es
verstand1 mit griechischer ,heiterkeit
und griechischem ,leichtsinn1 als
,graeculus1 jenes ,fieber zu maskiren
oder in irgend einem orientalisch
dumpfen ,aberglauben sich vllig zu
betuben4 ,diesem ,zustande haben wir
uns1 seit der ,wiedererweckung des
alexandrinisch - rmischen ,alterthums im
fnfzehnten ,jahrhundert1 nach einem
langen schwer zu beschreibenden
,zwischenacte1 in der aufflligsten
,weise angenhert4 ,auf den ,hhen
dieselbe berreiche ,wissenslust1
dasselbe ungesttigte ,finderglck1
dieselbe ungeheure ,verweltlichung1
daneben ein heimatloses ,herumschweifen1
ein gieriges ,sichdrngen an fremde
,tische1 eine leichtsinnige ,vergtterung
der ,gegenwart oder stumpf betubte
,abkehr1 ,alles sub specie saeculi1 der
,jetztzeit3 welche gleichen ,symptome
auf einen gleichen ,mangel im ,herzen
dieser ,cultur zu rathen geben1 auf die
,vernichtung des ,mythus4 ,es scheint
kaum mglich zu sein1 mit dauerndem
,erfolge einen fremden ,mythus
berzupflanzen1 ohne den ,baum durch
dieses ,ueberpflanzen heillos zu
beschdigen3 welcher vielleicht einmal
stark und gesund genug ist1 jenes fremde
,element mit furchtbarem ,kampfe wieder
auszuscheiden1 fr gewhnlich aber siech
und verkmmert oder in krankhaftem
,wuchern sich verzehren muss4 ,wir
halten so viel von dem reinen und
krftigen ,kerne des deutschen ,wesens1
dass wir gerade von ihm jene
,ausscheidung gewaltsam eingepflanzter
fremder ,elemente zu erwarten wagen und
es fr mglich erachten1 dass der deutsche
,geist sich auf sich selbst
zurckbesinnt4 ,vielleicht wird ,mancher
meinen1 jener ,geist msse seinen ,kampf
mit der ,ausscheidung des ,romanischen
beginnen3 wozu er eine usserliche
,vorbereitung und ,ermuthigung in der
siegreichen ,tapferkeit und blutigen
,glorie des letzten ,krieges erkennen
drfte1 die innerliche ,nthigung aber in
dem ,wetteifer suchen muss1 der
erhabenen ,vorkmpfer auf dieser ,bahn1
,luther's ebensowohl als unserer grossen
,knstler und ,dichter1 stets werth zu
sein4 ,aber nie mge er glauben1 hnliche
,kmpfe ohne seine ,hausgtter1 ohne seine
mythische ,heimat1 ohne ein
,wiederbringen aller deutschen ,dinge1
kmpfen zu knnen6 ,und wenn der ,deutsche
zagend sich nach einem ,fhrer umblicken
sollte1 der ihn wieder in die lngst
verlorne ,heimat zurckbringe1 deren
,wege und ,stege er kaum mehr kennt - so
mag er nur dem wonnig lockenden ,rufe
des dionysischen ,vogels lauschen1 der
ber ihm sich wiegt und ihm den ,weg
dahin deuten will4 #bd4 ,wir hatten
unter den eigenthmlichen ,kunstwirkungen
der musikalischen ,tragdie eine
apollinische ,tuschung hervorzuheben1
durch die wir vor dem unmittelbaren
,einssein mit der dionysischen ,musik
gerettet werden sollen1 whrend unsre
musikalische ,erregung sich auf einem
apollinischen ,gebiete und an einer
dazwischengeschobenen sichtbaren
,mittelwelt entladen kann4 ,dabei
glaubten wir beobachtet zu haben1 wie
eben durch diese ,entladung jene
,mittelwelt des scenischen ,vorgangs1
berhaupt das ,drama1 in einem ,grade von
innen heraus sichtbar und verstndlich
wurde1 der in aller sonstigen
apollinischen ,kunst unerreichbar ist3
so dass wir hier1 wo diese gleichsam
durch den ,geist der ,musik beschwingt
und emporgetragen war1 die hchste
,steigerung ihrer ,krfte und somit in
jenem ,bruderbunde des ,apollo und des
,dionysus die ,spitze ebensowohl der
apollinischen als der dionysischen
,kunstabsichten anerkennen mussten4
,freilich erreichte das apollinische
,lichtbild gerade bei der inneren
,beleuchtung durch die ,musik nicht die
eigenthmliche ,wirkung der schwcheren
,grade apollinischer ,kunst2 was das
,epos oder der beseelte ,stein vermgen1
das anschauende ,auge zu jenem ruhigen
,entzcken an der ,welt der individuatio
zu zwingen1 das wollte sich hier1 trotz
einer hheren ,beseeltheit und
,deutlichkeit1 nicht erreichen lassen4
,wir schauten das ,drama an und drangen
mit bohrendem ,blick in seine innere
bewegte ,welt der ,motive - und doch war
uns1 als ob nur ein ,gleichnissbild an
uns vorberzge1 dessen tiefsten ,sinn wir
fast zu errathen glaubten und das wir1
wie einen ,vorhang1 fortzuziehen
wnschten1 um hinter ihm das ,urbild zu
erblicken4 ,die hellste ,deutlichkeit
des ,bildes gengte uns nicht3 denn
dieses schien eben sowohl ,etwas zu
offenbaren als zu verhllen2 und whrend
es mit seiner gleichnissartigen
,offenbarung zum ,zerreissen des
,schleiers1 zur ,enthllung des
geheimnissvollen ,hintergrundes
aufzufordern schien1 hielt wiederum
gerade jene durchleuchtete
,allsichtbarkeit das ,auge gebannt und
wehrte ihm1 tiefer zu dringen4 ,wer
dies nicht erlebt hat1 zugleich schauen
zu mssen und zugleich ber das ,schauen
hinaus sich zu sehnen1 wird sich
schwerlich vorstellen1 wie bestimmt und
klar diese beiden ,prozesse bei der
,betrachtung des tragischen ,mythus
nebeneinander bestehen und nebeneinander
empfunden werden3 whrend die wahrhaft
aesthetischen ,zuschauer mir besttigen
werden1 dass unter den eigenthmlichen
,wirkungen der ,tragdie jenes
,nebeneinander die merkwrdigste sei4
,man bertrage sich nun dieses ,phnomen
des aesthetischen ,zuschauers in einen
analogen ,prozess im tragischen
,knstler1 und man wird die ,genesis des
tragischen ,mythus verstanden haben4 ,er
theilt mit der apollinischen
,kunstsphre die volle ,lust am ,schein
und am ,schauen und zugleich verneint er
diese ,lust und hat eine noch hhere
,befriedigung an der ,vernichtung der
sichtbaren ,scheinwelt4 ,der ,inhalt des
tragischen ,mythus ist zunchst ein
episches ,ereigniss mit der
,verherrlichung des kmpfenden ,helden3
woher stammt aber jener an sich
rthselhafte ,zug1 dass das ,leiden im
,schicksale des ,helden1 die
schmerzlichsten ,ueberwindungen1 die
qualvollsten ,gegenstze der ,motive1
kurz die ,exemplification jener
,weisheit des ,silen1 oder1 aesehetisch
ausgedrckt1 das ,hssliche und
,disharmonische1 in so zahllosen
,formen1 mit solcher ,vorliebe immer von
,neuem dargestellt wird und gerade in
dem ppigsten und jugendlichsten ,alter
eines ,volkes1 wenn nicht gerade an
diesem ,allen eine hhere ,lust percipirt
wird8 ,denn dass es im ,leben wirklich
so tragisch zugeht1 wrde am wenigsten
die ,entstehung einer ,kunstform
erklren2 wenn anders die ,kunst nicht
nur ,nachahmung der ,naturwirklichkeit1
sondern gerade ein metaphysisches
,supplement der ,naturwirklichkeit ist1
zu deren ,ueberwindung neben sie
gestellt4 ,der tragische ,mythus1 sofern
er berhaupt zur ,kunst gehrt1 nimmt
auch vollen ,antheil an dieser
metaphysischen ,verklrungsabsicht der
,kunst berhaupt3 was verklrt er aber1
wenn er die ,erscheinungswelt unter dem
,bilde des leidenden ,helden vorfhrt8
,die ,realitt4 dieser ,erscheinungswelt
am wenigsten1 denn er sagt uns gerade3
,seht hin6 ,seht genau hin6 ,dies ist
euer ,leben6 ,dies ist der
,stundenzeiger an eurer ,daseinsuhr6
,und dieses ,leben zeigte der ,mythus1
um es vor uns damit zu verklren8 ,wenn
aber nicht1 worin liegt dann die
aesthetische ,lust1 mit der wir auch
jene ,bilder an uns vorberziehen lassen8
,ich frage nach der aesthetischen ,lust
und weiss recht wohl1 dass viele dieser
,bilder ausserdem mitunter noch eine
moralische ,ergetzung1 etwa unter der
,form des ,mitleides oder eines
sittlichen ,triumphes1 erzeugen knnen4
,wer die ,wirkung des ,tragischen aber
allein aus diesen moralischen ,quellen
ableiten wollte1 wie es freilich in der
,aesthetik nur allzu lange blich war1
der mag nur nicht glauben1 etwas fr die
,kunst damit gethan zu haben3 die vor
,allem ,reinheit in ihrem ,bereiche
verlangen muss4 ,fr die ,erklrung des
tragischen ,mythus ist es gerade die
erste ,forderung1 die ihm eigenthmliche
,lust in der rein aesthetischen ,sphre
zu suchen1 ohne in das ,gebiet des
,mitleids1 der ,furcht1 des ,sittlich -
,erhabenen berzugreifen4 ,wie kann das
,hssliche und das ,disharmonische1 der
,inhalt des tragischen ,mythus1 eine
aesthetische ,lust erregen8 ,hier nun
wird es nthig1 uns mit einem khnen
,anlauf in eine ,metaphysik der ,kunst
hinein zu schwingen1 indem ich den
frheren ,satz wiederhole1 dass nur als
ein aesthetisches ,phnomen das ,dasein
und die ,welt gerechtfertigt erscheint3
in welchem ,sinne uns gerade der
tragische ,mythus zu berzeugen hat1 dass
selbst das ,hssliche und
,disharmonische ein knstlerisches ,spiel
ist1 welches der ,wille1 in der ewigen
,flle seiner ,lust1 mit sich selbst
spielt4 ,dieses schwer zu fassende
,urphnomen der dionysischen ,kunst wird
aber auf directem ,wege einzig
verstndlich und unmittelbar erfasst in
der wunderbaren ,bedeutung der
musikalischen ,dissonanz3 wie berhaupt
die ,musik1 neben die ,welt hingestellt1
allein einen ,begriff davon geben kann1
was unter der ,rechtfertigung der ,welt
als eines aesthetischen ,phnomens zu
verstehen ist4 ,die ,lust1 die der
tragische ,mythus erzeugt1 hat eine
gleiche ,heimat1 wie die lustvolle
,empfindung der ,dissonanz in der
,musik4 ,das ,dionysische1 mit seiner
selbst am ,schmerz percipirten ,urlust1
ist der gemeinsame ,geburtsschooss der
,musik und des tragischen ,mythus4
,sollte sich nicht inzwischen dadurch1
dass wir die ,musikrelation der
,dissonanz zu ,hlfe nahmen1 jenes
schwierige ,problem der tragischen
,wirkung wesentlich erleichtert haben8
,verstehen wir doch jetzt1 was es
heissen will1 in der ,tragdie zugleich
schauen zu wollen und sich ber das
,schauen hinaus zu sehnen3 welchen
,zustand wir in ,betreff der knstlerisch
verwendeten ,dissonanz eben so zu
charakterisiren htten1 dass wir hren
wollen und ber das ,hren uns zugleich
hinaussehnen4 ,jenes ,streben in's
,unendliche1 der ,flgelschlag der
,sehnsucht1 bei der hchsten ,lust an der
deutlich percipirten ,wirklichkeit1
erinnern daran1 dass wir in beiden
,zustnden ein dionysisches ,phnomen zu
erkennen haben1 das uns immer von ,neuem
wieder das spielende ,aufhauen und
,zertrmmern der ,individualwelt als den
,ausfluss einer ,urlust offenbart1 in
einer hnlichen ,weise1 wie wenn von
,heraklit dem ,dunklen die weltbildende
,kraft einem ,kinde verglichen wird1 das
spielend ,steine hin und her setzt und
,sandhaufen aufbaut und wieder einwirft4
,um also die dionysische ,befhigung
eines ,volkes richtig abzuschtzen1
drften wir nicht nur an die ,musik des
,volkes1 sondern eben so nothwendig an
den tragischen ,mythus dieses ,volkes
als den zweiten ,zeugen jener ,befhigung
zu denken haben4 ,es ist nun1 bei
dieser engsten ,verwandtschaft zwischen
,musik und ,mythus1 in gleicher ,weise
zu vermuthen1 dass mit einer ,entartung
und ,depravation des ,einen eine
,verkmmerung der ,anderen verbunden sein
wird3 wenn anders in der ,schwchung des
,mythus berhaupt eine ,abschwchung des
dionysischen ,vermgens zum ,ausdruck
kommt4 ,ueber ,beides drfte uns aber ein
,blick auf die ,entwicklung des
deutschen ,wesens nicht in ,zweifel
lassen3 in der ,oper wie in dem
abstracten ,charakter unseres
mythenlosen ,daseins1 in einer zur
,ergetzlichkeit herabgesunkenen ,kunst1
wie in einem vom ,begriff geleiteten
,leben1 hatte sich uns jene gleich
unknstlerische1 als am ,leben zehrende
,natur des sokratischen ,optimismus
enthllt4 ,zu unserem ,troste aber gab es
,anzeichen dafr1 dass trotzdem der
deutsche ,geist in herrlicher
,gesundheit1 ,tiefe und dionysischer
,kraft unzerstrt1 gleich einem zum
,schlummer niedergesunknen ,ritter1 in
einem unzugnglichen ,abgrunde ruhe und
trume3 aus welchem ,abgrunde zu uns das
dionysische ,lied emporsteigt1 um uns zu
verstehen zu geben1 dass dieser
deutsche ,ritter auch jetzt noch seinen
uralten dionysischen ,mythus in selig -
ernsten ,visionen trumt4 ,glaube
,niemand1 dass der deutsche ,geist seine
mythische ,heimat auf ewig verloren
habe1 wenn er so deutlich noch die
,vogelstimmen versteht1 die von jener
,heimat erzhlen4 ,eines ,tages wird er
sich wach finden1 in aller
,morgenfrische eines ungeheuren
,schlafes3 dann wird er ,drachen tdten1
die tckischen ,zwerge vernichten und
,brnnhilde erwecken - und ,wotan's
,speer selbst wird seinen ,weg nicht
hemmen knnen6 ,meine ,freunde1 ihr1 die
ihr an die dionysische ,musik glaubt1
ihr wisst auch1 was fr uns die ,tragdie
bedeutet4 ,in ihr haben wir1
wiedergeboren aus der ,musik1 den
tragischen ,mythus - und in ihm drft ihr
,alles hoffen und das ,schmerzlichste
vergessen6 ,das ,schmerzlichste aber ist
fr uns alle - die lange ,entwrdigung1
unter der der deutsche ,genius1
entfremdet von ,haus und ,heimat1 im
,dienst tckischer ,zwerge lebte4 ,ihr
versteht das ,wort - wie ihr auch1 zum
,schluss1 meine ,hoffnungen verstehen
werdet4 #be4 ,musik und tragischer
,mythus sind in gleicher ,weise
,ausdruck der dionysischen ,befhigung
eines ,volkes und von einander
untrennbar4 ,beide entstammen einem
,kunstbereiche1 das jenseits des
,apollinischen liegt2 beide verklren
eine ,region1 in deren ,lustaccorden die
,dissonanz eben so wie das schreckliche
,weltbild reizvoll verklingt2 beide
spielen mit dem ,stachel der ,unlust1
ihren beraus mchtigen ,zauberknsten
vertrauend2 beide rechtfertigen durch
dieses ,spiel die ,existenz selbst der
schlechtesten ,welt4 ,hier zeigt sich
das ,dionysische1 an dem ,apollinischen
gemessen1 als die ewige und ursprngliche
,kunstgewalt1 die berhaupt die ganze
,welt der ,erscheinung in's ,dasein
ruft3 in deren ,mitte ein neuer
,verklrungsschein nthig wird1 um die
belebte ,welt der ,individuation im
,leben festzuhalten4 ,knnten wir uns
eine ,menschwerdung der ,dissonanz
denken - und was ist sonst der ,mensch8
- so wrde diese ,dissonanz1 um leben zu
knnen1 eine herrliche ,illusion
brauchen1 die ihr einen
,schnheitsschleier ber ihr eignes ,wesen
decke4 ,dies ist die wahre
,kunstabsicht des ,apollo3 in dessen
,namen wir alle jene zahllosen
,illusionen des schnen ,scheins
zusammenfassen1 die in jedem ,augenblick
das ,dasein berhaupt lebenswerth machen
und zum ,erleben des nchsten
,augenblicks drngen4 ,dabei darf von
jenem ,fundamente aller ,existenz1 von
dem dionysischen ,untergrunde der ,welt1
genau nur soviel dem menschlichen
,individuum in's ,bewusstsein treten1
als von jener apollinischen
,verklrungskraft wieder berwunden werden
kann1 so dass diese beiden ,kunsttriebe
ihre ,krfte in strenger wechselseitiger
,proportion1 nach dem ,gesetze ewiger
,gerechtigkeit1 zu entfalten genthigt
sind4 ,wo sich die dionysischen ,mchte
so ungestm erheben1 wie wir dies
erleben1 da muss auch bereits ,apollo1
in eine ,wolke gehllt1 zu uns
herniedergestiegen sein2 dessen ppigste
,schnheitswirkungen wohl eine nchste
,generation schauen wird4 ,dass diese
,wirkung aber nthig sei1 dies wrde
,jeder am sichersten1 durch ,intuition1
nachempfinden1 wenn er einmal1 sei es
auch im ,traume1 in eine althellenische
,existenz sich zurckversetzt fhlte3 im
,wandeln unter hohen ionischen
,sulengngen1 aufwrtsblickend zu einem
,horizont1 der durch reine und edle
,linien abgeschnitten ist1 neben sich
,wiederspiegelungen seiner verklrten
,gestalt in leuchtendem ,marmor1 rings
um sich feierlich schreitende oder zart
bewegte ,menschen1 mit harmonisch
tnenden ,lauten und rhythmischer
,gebrdensprache - wrde er nicht1 bei
diesem fortwhrenden ,einstrmen der
,schnheit1 zu ,apollo die ,hand erhebend
ausrufen mssen3 ,seliges ,volk der
,hellenen6 ,wie gross muss unter euch
,dionysus sein1 wenn der delische ,gott
solche ,zauber fr nthig hlt1 um euren
dithyrambischen ,wahnsinn zu heilen6 -
,einem so ,gestimmten drfte aber ein
greiser ,athener1 mit dem erhabenen
,auge des ,aeschylus zu ihm aufblickend1
entgegnen3 ,sage aber auch dies1 du
wunderlicher ,fremdling3 wie viel musste
dies ,volk leiden1 um so schn werden zu
knnen6 ,jetzt aber folge mir zur
,tragdie und opfere mit mir im ,tempel
beider ,gottheiten6