,this text has been derived from ,,html
files at ,projekt ,gutenberg - ,,de
7http3_/_/www4gutenberg#bjjj4;de_/nietzs
che_/jenseits_/#j;htmldir4htm71
,friedrich ,nietzsche ,jenseits von
,gut und ,bse ,inhalt ,vorrede
#a4 ,hauptstck3 ,von den ,vorurtheilen
der ,philosophen4 #b4 ,hauptstck3
,der freie ,geist4 #c4 ,hauptstck3
,das religise ,wesen4 #d4
,hauptstck3 ,sprche und ,zwischenspiele4
#e4 ,hauptstck3 ,zur
,naturgeschichte der ,moral4 #f4
,hauptstck3 ,wir ,gelehrten4 #g4
,hauptstck3 ,unsere ,tugenden4 #h4
,hauptstck3 ,vlker und ,vaterlnder4
#i4 ,hauptstck3 ,was ist vornehm8
,aus hohen ,bergen4 ,nachgesang4
,jenseits von ,gut und ,bse ,vorspiel
einer ,philosophie der ,zukunft4
,vorrede4 ,vorausgesetzt1 dass die
,wahrheit ein ,weib ist -1 wie8 ist der
,verdacht nicht gegrndet1 dass alle
,philosophen1 sofern sie ,dogmatiker
waren1 sich schlecht auf ,weiber
verstanden8 dass der schauerliche
,ernst1 die linkische ,zudringlichkeit1
mit der sie bisher auf die ,wahrheit
zuzugehen pflegten1 ungeschickte und
unschickliche ,mittel waren1 um gerade
ein ,frauenzimmer fr sich einzunehmen8
,gewiss ist1 dass sie sich nicht hat
einnehmen lassen3 - und jede ,art
,dogmatik steht heute mit betrbter und
muthloser ,haltung da4 ,wenn sie
berhaupt noch steht6 ,denn es giebt
,sptter1 welche behaupten1 sie sei
gefallen1 alle ,dogmatik liege zu
,boden1 mehr noch1 alle ,dogmatik liege
in den letzten ,zgen4 ,ernstlich
geredet1 es giebt gute ,grnde zu der
,hoffnung1 dass alles ,dogmatisiren in
der ,philosophie1 so feierlich1 so end-
und letztgltig es sich auch gebrdet hat1
doch nur eine edle ,kinderei und
,anfngerei gewesen sein mge2 und die
,zeit ist vielleicht sehr nahe1 wo man
wieder und wieder begreifen wird1 was
eigentlich schon ausgereicht hat1 um den
,grundstein zu solchen erhabenen und
unbedingten ,philosophen-,bauwerken
abzugeben1 welche die ,dogmatiker bisher
aufbauten1 - irgend ein
,volks-,aberglaube aus unvordenklicher
,zeit 7wie der ,seelen-,aberglaube1 der
als ,subjekt- und ,ich-,aberglaube auch
heute noch nicht aufgehrt hat1 ,unfug zu
stiften71 irgend ein ,wortspiel
vielleicht1 eine ,verfhrung von ,seiten
der ,grammatik her oder eine verwegene
,verallgemeinerung von sehr engen1 sehr
persnlichen1 sehr
menschlich-allzumenschlichen
,thatsachen4 ,die ,philosophie der
,dogmatiker war hoffentlich nur ein
,versprechen ber ,jahrtausende hinweg3
wie es in noch frherer ,zeit die
,astrologie war1 fr deren ,dienst
vielleicht mehr ,arbeit1 ,geld1
,scharfsinn1 ,geduld aufgewendet worden
ist1 als bisher fr irgend eine wirkliche
,wissenschaft3 - man verdankt ihr und
ihren berirdischen ,ansprchen in ,asien
und ,agypten den grossen ,stil der
,baukunst4 ,es scheint1 dass alle
grossen ,dinge1 um der ,menschheit sich
mit ewigen ,forderungen in das ,herz
einzuschreiben1 erst als ungeheure und
furchteinflssende ,fratzen ber die ,erde
hinwandeln mssen3 eine solche ,fratze
war die dogmatische ,philosophie1 zum
,beispiel die ,vedanta-,lehre in ,asien1
der ,platonismus in ,europa4 ,seien wir
nicht undankbar gegen sie1 so gewiss es
auch zugestanden werden muss1 dass der
schlimmste1 langwierigste und
gefhrlichste aller ,irrthmer bisher ein
,dogmatiker-,irrthum gewesen ist1 nmlich
,plato's ,erfindung vom reinen ,geiste
und vom ,guten an sich4 ,aber nunmehr1
wo er berwunden ist1 wo ,europa von
diesem ,alpdrucke aufathmet und zum
,mindesten eines gesunderen - ,schlafs
geniessen darf1 sind wir1 deren ,aufgabe
das ,wachsein selbst ist1 die ,erben
von all der ,kraft1 welche der ,kampf
gegen diesen ,irrthum grossgezchtet hat4
,es hiess allerdings die ,wahrheit auf
den ,kopf stellen und das
,perspektivische1 die ,grundbedingung
alles ,lebens1 selber verleugnen1 so vom
,geiste und vom ,guten zu reden1 wie
,plato gethan hat2 ja man darf1 als
,arzt1 fragen3 woher eine solche
,krankheit am schnsten ,gewchse des
,alterthums1 an ,plato8 hat ihn doch der
bse ,sokrates verdorben8 wre ,sokrates
doch der ,verderber der ,jugend gewesen8
und htte seinen ,schlierling verdient8
- ,aber der ,kampf gegen ,plato1 oder1
um es verstndlicher und fr's ,volk zu
sagen1 der ,kampf gegen den
christlich-kirchlichen ,druck von
,jahrtausenden - denn ,christenthum ist
,platonismus fr's ,volk - hat in ,europa
eine prachtvolle ,spannung des ,geistes
geschaffen1 wie sie auf ,erden noch
nicht da war3 mit einem so gespannten
,bogen kann man nunmehr nach den
fernsten ,zielen schiessen4 ,freilich1
der europische ,mensch empfindet diese
,spannung als ,nothstand2 und es ist
schon zwei ,mal im grossen ,stile
versucht worden1 den ,bogen abzuspannen1
einmal durch den ,jesuitismus1 zum
zweiten ,mal durch die demokratische
,aufklrung3 - als welche mit ,hlfe der
,pressfreiheit und des ,zeitunglesens es
in der ,that erreichen drfte1 dass der
,geist sich selbst nicht mehr so leicht
als ,noth empfindet6 7,die ,deutschen
haben das ,pulver erfunden - alle
,achtung6 aber sie haben es wieder quitt
gemacht - sie erfanden die ,presse47
,aber wir1 die wir weder ,jesuiten1 noch
,demokraten1 noch selbst ,deutsche
genug sind1 wir guten ,europer und
freien1 sehr freien ,geister - wir haben
sie noch1 die ganze ,noth des ,geistes
und die ganze ,spannung seines ,bogens6
,und vielleicht auch den ,pfeil1 die
,aufgabe1 wer weiss8 das ,ziel44444
,sils-,maria1 ,oberengadin im ,juni
#ahhe4 ,erstes ,hauptstck3 ,von den
,vorurtheilen der ,philosophen4 #a4
,der ,wille zur ,wahrheit1 der uns noch
zu manchem ,wagnisse verfhren wird1 jene
berhmte ,wahrhaftigkeit1 von der alle
,philosophen bisher mit ,ehrerbietung
geredet haben3 was fr ,fragen hat dieser
,wille zur ,wahrheit uns schon
vorgelegt6 ,welche wunderlichen
schlimmen fragwrdigen ,fragen6 ,das ist
bereits eine lange ,geschichte1 - und
doch scheint es1 dass sie kaum eben
angefangen hat8 ,was ,wunder1 wenn wir
endlich einmal misstrauisch werden1 die
,geduld verlieren1 uns ungeduldig
umdrehn8 ,dass wir von dieser ,sphinx
auch unserseits das ,fragen lernen8 ,wer
ist das eigentlich1 der uns hier
,fragen stellt8 ,was in uns will
eigentlich zur ,wahrheit8 - ,in der
that1 wir machten langen ,halt vor der
,frage nach der ,ursache dieses
,willens1 - bis wir1 zuletzt1 vor einer
noch grndlicheren ,frage ganz und gar
stehen blieben4 ,wir fragten nach dem
,werthe dieses ,willens4 ,gesetzt1 wir
wollen ,wahrheit3 warum nicht lieber
,unwahrheit8 ,und ,ungewissheit8 ,selbst
,unwissenheit8 - ,das ,problem vom
,werthe der ,wahrheit trat vor uns hin1
- oder waren wir's1 die vor das ,problem
hin traten8 ,wer von uns ist hier
,oedipus8 ,wer ,sphinx8 ,es ist ein
,stelldichein1 wie es scheint1 von
,fragen und ,fragezeichen4 - ,und sollte
man's glauben1 dass es uns schliesslich
bednken will1 als sei das ,problem noch
nie bisher gestellt1 - als sei es von
uns zum ersten ,male gesehn1 in's ,auge
gefasst1 gewagt8 ,denn es ist ein
,wagnis dabei1 und vielleicht giebt es
kein grsseres4 #b4 ,wie knnte ,etwas
aus seinem ,gegensatz entstehn8 ,zum
,beispiel die ,wahrheit aus dem
,irrthume8 ,oder der ,wille zur
,wahrheit aus dem ,willen zur ,tuschung8
,oder die selbstlose ,handlung aus dem
,eigennutze8 ,oder das reine sonnenhafte
,schauen des ,weisen aus der
,begehrlichkeit8 ,solcherlei ,entstehung
ist unmglich2 wer davon trumt1 ein
,narr1 ja ,schlimmeres2 die ,dinge
hchsten ,werthes mssen einen anderen1
eigenen ,ursprung haben1 - aus dieser
vergnglichen verfhrerischen tuschenden
geringen ,welt1 aus diesem ,wirrsal von
,wahn und ,begierde sind sie
unableitbar6 ,vielmehr im ,schoosse des
,sein's1 im ,unvergnglichen1 im
verborgenen ,gotte1 im ,ding an sich -
da muss ihr ,grund liegen1 und sonst
nirgendswo6 - ,diese ,art zu urtheilen
macht das typische ,vorurtheil aus1 an
dem sich die ,metaphysiker aller ,zeiten
wieder erkennen lassen2 diese ,art von
,werthschtzungen steht im ,hintergrunde
aller ihrer logischen ,prozeduren2 aus
diesem ihrem ,glauben heraus bemhn sie
sich um ihr ,wissen1 um ,etwas1 das
feierlich am ,ende als die ,wahrheit
getauft wird4 ,der ,grundglaube der
,metaphysiker ist der ,glaube an die
,gegenstze der ,werthe4 ,es ist auch den
,vorsichtigsten unter ihnen nicht
eingefallen1 hier an der ,schwelle
bereits zu zweifeln1 wo es doch am
nthigsten war3 selbst wenn sie sich
gelobt hatten de omnibus dubitandum4
,man darf nmlich zweifeln1 erstens1 ob
es ,gegenstze berhaupt giebt1 und
zweitens1 ob jene volksthmlichen
,werthschtzungen und ,werth-,gegenstze1
auf welche die ,metaphysiker ihr ,siegel
gedrckt haben1 nicht vielleicht nur
,vordergrunds-,schtzungen sind1 nur
vorlufige ,perspektiven1 vielleicht noch
dazu aus einem ,winkel heraus1
vielleicht von ,unten hinauf1
,frosch-,perspektiven gleichsam1 um
einen ,ausdruck zu borgen1 der den
,malern gelufig ist8 ,bei allem ,werthe1
der dem ,wahren1 dem ,wahrhaftigen1 dem
,selbstlosen zukommen mag3 es wre
mglich1 dass dem ,scheine1 dem ,willen
zur ,tuschung1 dem ,eigennutz und der
,begierde ein fr alles ,leben hherer und
grundstzlicherer ,werth zugeschrieben
werden msste4 ,es wre sogar noch mglich1
dass was den ,werth jener guten und
verehrten ,dinge ausmacht1 gerade darin
bestnde1 mit jenen schlimmen1 scheinbar
entgegengesetzten ,dingen auf
verfngliche ,weise verwandt1 verknpft1
verhkelt1 vielleicht gar wesensgleich zu
sein4 ,vielleicht6 - ,aber wer ist
,willens1 sich um solche gefhrliche
,vielleichts zu kmmern6 ,man muss dazu
schon die ,ankunft einer neuen ,gattung
von ,philosophen abwarten1 solcher1 die
irgend welchen anderen umgekehrten
,geschmack und ,hang haben als die
bisherigen1 - ,philosophen des
gefhrlichen ,vielleicht in jedem
,verstande4 - ,und allen ,ernstes
gesprochen3 ich sehe solche neue
,philosophen heraufkommen4 #c4
,nachdem ich lange genug den
,philosophen zwischen die ,zeilen und
auf die ,finger gesehn habe1 sage ich
mir3 man muss noch den grssten ,theil
des bewussten ,denkens unter die
,instinkt-,thtigkeiten rechnen1 und
sogar im ,falle des philosophischen
,denkens2 man muss hier umlernen1 wie
man in ,betreff der ,vererbung und des
,angeborenen umgelernt hat4 ,so wenig
der ,akt der ,geburt in dem ganzen ,vor-
und ,fortgange der ,vererbung in
,betracht kommt3 ebenso wenig ist
,bewusstsein in irgend einem
entscheidenden ,sinne dem ,instinktiven
entgegengesetzt1 - das meiste bewusste
,denken eines ,philosophen ist durch
seine ,instinkte heimlich gefhrt und in
bestimmte ,bahnen gezwungen4 ,auch
hinter aller ,logik und ihrer
anscheinenden ,selbstherrlichkeit der
,bewegung stehen ,werthschtzungen1
deutlicher gesprochen1 physiologische
,forderungen zur ,erhaltung einer
bestimmten ,art von ,leben4 ,zum
,beispiel1 dass das ,bestimmte mehr
werth sei als das ,unbestimmte1 der
,schein weniger werth als die ,wahrheit3
dergleichen ,schtzungen knnten1 bei
aller ihrer regulativen ,wichtigkeit fr
uns1 doch nur ,vordergrunds-,schtzungen
sein1 eine bestimmte ,art von niaiserie1
wie sie gerade zur ,erhaltung von
,wesen1 wie wir sind1 noth thun mag4
,gesetzt nmlich1 dass nicht gerade der
,mensch das ,maass der ,dinge ist44444
#d4 ,die ,falschheit eines ,urtheils
ist uns noch kein ,einwand gegen ein
,urtheil2 darin klingt unsre neue
,sprache vielleicht am fremdesten4 ,die
,frage ist1 wie weit es lebenfrdernd1
lebenerhaltend1 ,arterhaltend1
vielleicht gar ,art-zchtend ist2 und wir
sind grundstzlich geneigt zu behaupten1
dass die falschesten ,urtheile 7zu
denen die synthetischen ,urtheile a
priori gehren7 uns die unentbehrlichsten
sind1 dass ohne ein ,geltenlassen der
logischen ,fiktionen1 ohne ein ,messen
der ,wirklichkeit an der rein erfundenen
,welt des ,unbedingten1
,sich-selbst-,gleichen1 ohne eine
bestndige ,flschung der ,welt durch die
,zahl der ,mensch nicht leben knnte1 -
dass ,verzichtleisten auf falsche
,urtheile ein ,verzichtleisten auf
,leben1 eine ,verneinung des ,lebens
wre4 ,die ,unwahrheit als
,lebensbedingung zugestehn3 das heisst
freilich auf eine gefhrliche ,weise den
gewohnten ,werthgefhlen ,widerstand
leisten2 und eine ,philosophie1 die das
wagt1 stellt sich damit allein schon
jenseits von ,gut und ,bse4 #e4 ,was
dazu reizt1 auf alle ,philosophen halb
misstrauisch1 halb spttisch zu blicken1
ist nicht1 dass man wieder und wieder
dahinter kommt1 wie unschuldig sie sind
- wie oft und wie leicht sie sich
vergreifen und verirren1 kurz ihre
,kinderei und ,kindlichkeit - sondern
dass es bei ihnen nicht redlich genug
zugeht3 whrend sie allesammt einen
grossen und tugendhaften ,lrm machen1
sobald das ,problem der ,wahrhaftigkeit
auch nur von ferne angerhrt wird4 ,sie
stellen sich smmtlich1 als ob sie ihre
eigentlichen ,meinungen durch die
,selbstentwicklung einer kalten1 reinen1
gttlich unbekmmerten ,dialektik
entdeckt und erreicht htten 7zum
,unterschiede von den ,mystikern jeden
,rangs1 die ehrlicher als sie und
tlpelhafter sind - diese reden von
,inspiration -73 whrend im ,grunde ein
vorweggenommener ,satz1 ein ,einfall1
eine ,eingebung1 zumeist ein abstrakt
gemachter und durchgesiebter
,herzenswunsch von ihnen mit hinterher
gesuchten ,grnden vertheidigt wird3 -
sie sind allesammt ,advokaten1 welche es
nicht heissen wollen1 und zwar zumeist
sogar verschmitzte ,frsprecher ihrer
,vorurtheile1 die sie ,wahrheiten taufen
- und sehr ferne von der ,tapferkeit
des ,gewissens1 das sich dies1 eben dies
eingesteht1 sehr ferne von dem guten
,geschmack der ,tapferkeit1 welche dies
auch zu verstehen giebt1 sei es um einen
,feind oder ,freund zu warnen1 sei es
aus bermuth und um ihrer selbst zu
spotten4 ,die ebenso steife als sittsame
,tartfferie des alten ,kant1 mit der er
uns auf die dialektischen ,schleichwege
lockt1 welche zu seinem kategorischen
,imperativ fhren1 richtiger verfhren -
dies ,schauspiel macht uns ,verwhnte
lcheln1 die wir keine kleine
,belustigung darin finden1 den feinen
,tcken alter ,moralisten und
,moralprediger auf die ,finger zu sehn4
,oder gar jener ,hocuspocus von
mathematischer ,form1 mit der ,spinoza
seine ,philosophie - die ,liebe zu
seiner ,weisheit zuletzt1 das ,wort
richtig und billig ausgelegt - wie in
,erz panzerte und maskirte1 um damit von
vornherein den ,muth des ,angreifenden
einzuschchtern1 der auf diese
unberwindliche ,jungfrau und ,pallas
,athene den ,blick zu werfen wagen wrde3
- wie viel eigne ,schchternheit und
,angreifbarkeit verrth diese ,maskerade
eines einsiedlerischen ,kranken6 #f4
,allmhlich hat sich mir herausgestellt1
was jede grosse ,philosophie bisher war3
nmlich das ,selbstbekenntnis ihres
,urhebers und eine ,art ungewollter und
unvermerkter mmoires2 insgleichen1 dass
die moralischen 7oder unmoralischen7
,absichten in jeder ,philosophie den
eigentlichen ,lebenskeim ausmachten1 aus
dem jedesmal die ganze ,pflanze
gewachsen ist4 ,in der ,that1 man thut
gut 7und klug71 zur ,erklrung davon1 wie
eigentlich die entlegensten
metaphysischen ,behauptungen eines
,philosophen zu ,stande gekommen sind1
sich immer erst zu fragen3 auf welche
,moral will es 7will er -7 hinaus8 ,ich
glaube demgemss nicht1 dass ein ,trieb
zur ,erkenntniss der ,vater der
,philosophie ist1 sondern dass sich ein
andrer ,trieb1 hier wie sonst1 der
,erkenntniss 7und der ,verkenntniss67
nur wie eines ,werkzeugs bedient hat4
,wer aber die ,grundtriebe des ,menschen
darauf hin ansieht1 wie weit sie gerade
hier als inspirirende ,genien 7oder
,dmonen und ,kobolde -7 ihr ,spiel
getrieben haben mgen1 wird finden1 dass
sie ,alle schon einmal ,philosophie
getrieben haben1 - und dass jeder
,einzelne von ihnen gerade sich gar zu
gerne als letzten ,zweck des ,daseins
und als berechtigten ,herrn aller brigen
,triebe darstellen mchte4 ,denn jeder
,trieb ist herrschschtig3 und als
solcher versucht er zu philosophiren4 -
,freilich3 bei den ,gelehrten1 den
eigentlich wissenschaftlichen ,menschen1
mag es anders stehn - besser1 wenn man
will -1 da mag es wirklich so ,etwas wie
einen ,erkenntnisstrieb geben1 irgend
ein kleines unabhngiges ,uhrwerk1
welches1 gut aufgezogen1 tapfer darauf
los arbeitet1 ohne dass die gesammten
brigen ,triebe des ,gelehrten wesentlich
dabei betheiligt sind4 ,die
eigentlichen ,interessen des ,gelehrten
liegen deshalb gewhnlich ganz wo anders1
etwa in der ,familie oder im
,gelderwerb oder in der ,politik2 ja es
ist beinahe gleichgltig1 ob seine kleine
,maschine an diese oder jene ,stelle
der ,wissenschaft gestellt wird1 und ob
der hoffnungsvolle junge ,arbeiter aus
sich einen guten ,philologen oder
,pilzekenner oder ,chemiker macht3 - es
bezeichnet ihn nicht1 dass er dies oder
jenes wird4 ,umgekehrt ist an dem
,philosophen ganz und gar nichts
,unpersnliches2 und insbesondere giebt
seine ,moral ein entschiedenes und
entscheidendes ,zeugniss dafr ab1 wer er
ist - das heisst1 in welcher
,rangordnung die innersten ,triebe
seiner ,natur zu einander gestellt sind4
#g4 ,wie boshaft ,philosophen sein
knnen6 ,ich kenne nichts ,giftigeres als
den ,scherz1 den sich ,epicur gegen
,plato und die ,platoniker erlaubte3 er
nannte sie ,dionysiokolakes4 ,das
bedeutet dem ,wortlaute nach und im
,vordergrunde ,schmeichler des
,dionysios1 also ,tyrannen-,zubehr und
,speichellecker2 zu alledem will es aber
noch sagen das sind ,alles
,schauspieler1 daran ist nichts chtes
7denn ,dionysokolax war eine populre
,bezeichnung des ,schauspielers74 ,und
das ,letztere ist eigentlich die
,bosheit1 welche ,epicur gegen ,plato
abschoss3 ihn verdross die grossartige
,manier1 das ,sich-in-,scene-,setzen1
worauf sich ,plato sammt seinen ,schlern
verstand1 - worauf sich ,epicur nicht
verstand6 er1 der alte ,schulmeister von
,samos1 der in seinem ,grtchen zu
,athen versteckt sass und dreihundert
,bcher schrieb1 wer weiss8 vielleicht
aus ,wuth und ,ehrgeiz gegen ,plato8 -
,es brauchte hundert ,jahre1 bis
,griechenland dahinter kam1 wer dieser
,gartengott ,epicur gewesen war4 - ,kam
es dahinter8 - #h4 ,in jeder
,philosophie giebt es einen ,punkt1 wo
die berzeugung des ,philosophen auf die
,bhne tritt3 oder1 um es in der ,sprache
eines alten ,mysteriums zu sagen3
adventavit asinus pulcher et
fortissimus4 #i4 ,gemss der ,natur
wollt ihr leben8 ,oh ihr edlen ,stoiker1
welche ,betrgerei der ,worte6 ,denkt
euch ein ,wesen1 wie es die ,natur ist1
verschwenderisch ohne ,maass1
gleichgltig ohne ,maass1 ohne ,absichten
und ,rcksichten1 ohne ,erbarmen und
,gerechtigkeit1 fruchtbar und de und
ungewiss zugleich1 denkt euch die
,indifferenz selbst als ,macht - wie
knntet ihr gemss dieser ,indifferenz
leben8 ,leben - ist das nicht gerade ein
,anders-sein-wollen1 als diese ,natur
ist8 ,ist ,leben nicht ,abschtzen1
,vorziehn1 ,ungerechtsein1
,begrenzt-sein1 ,different-sein-wollen8
,und gesetzt1 euer ,imperativ gemss der
,natur leben bedeute im ,grunde soviel
als gemss dem ,leben leben - wie knntet
ihr's denn nicht8 ,wozu ein ,princip aus
dem machen1 was ihr selbst seid und
sein msst8 - ,in ,wahrheit steht es ganz
anders3 indem ihr entzckt den ,kanon
eures ,gesetzes aus der ,natur zu lesen
vorgebt1 wollt ihr etwas ,umgekehrtes1
ihr wunderlichen ,schauspieler und
,selbst-,betrger6 ,euer ,stolz will der
,natur1 sogar der ,natur1 eure ,moral1
euer ,ideal vorschreiben und
einverleiben1 ihr verlangt1 dass sie der
,stoa gemss ,natur sei und mchtet alles
,dasein nur nach eurem eignen ,bilde
dasein machen - als eine ungeheure ewige
,verherrlichung und ,verallgemeinerung
des ,stoicismus6 ,mit aller eurer ,liebe
zur ,wahrheit zwingt ihr euch so lange1
so beharrlich1 so hypnotisch-starr1 die
,natur falsch1 nmlich stoisch zu sehn1
bis ihr sie nicht mehr anders zu sehen
vermgt1 - und irgend ein abgrndlicher
,hochmuth giebt euch zuletzt noch die
,tollhusler-,hoffnung ein1 dass1 weil
ihr euch selbst zu tyrannisiren versteht
- ,stoicismus ist ,selbst-,tyrannei -1
auch die ,natur sich tyrannisiren lsst3
ist denn der ,stoiker nicht ein ,stck
,natur8 ,aber dies ist eine alte ewige
,geschichte3 was sich damals mit den
,stoikern begab1 begiebt sich heute
noch1 sobald nur eine ,philosophie
anfngt1 an sich selbst zu glauben4 ,sie
schafft immer die ,welt nach ihrem
,bilde1 sie kann nicht anders2
,philosophie ist dieser tyrannische
,trieb selbst1 der geistigste ,wille zur
,macht1 zur ,schaffung der ,welt1 zur
causa prima4 #aj4 ,der ,eifer und die
,feinheit1 ich mchte sogar sagen3
,schlauheit1 mit denen man heute berall
in ,europa dem ,probleme von der
wirklichen und der scheinbaren ,welt auf
den ,leib rckt1 giebt zu denken und zu
horchen2 und wer hier im ,hintergrunde
nur einen ,willen zur ,wahrheit und
nichts weiter hrt1 erfreut sich gewiss
nicht der schrfsten ,ohren4 ,in
einzelnen und seltenen ,fllen mag
wirklich ein solcher ,wille zur
,wahrheit1 irgend ein ausschweifender
und abenteuernder ,muth1 ein
,metaphysiker-,ehrgeiz des verlornen
,postens dabei betheiligt sein1 der
zuletzt eine ,handvoll ,gewissheit immer
noch einem ganzen ,wagen voll schner
,mglichkeiten vorzieht2 es mag sogar
puritanische ,fanatiker des ,gewissens
geben1 welche lieber noch sich auf ein
sicheres ,nichts als auf ein ungewisses
,etwas sterben legen4 ,aber dies ist
,nihilismus und ,anzeichen einer
verzweifelnden sterbensmden ,seele3 wie
tapfer auch die ,gebrden einer solchen
,tugend sich ausnehmen mgen4 ,bei den
strkeren1 lebensvolleren1 nach ,leben
noch durstigen ,denkern scheint es aber
anders zu stehen3 indem sie ,partei
gegen den ,schein nehmen und das ,wort
perspektivisch bereits mit ,hochmuth
aussprechen1 indem sie die
,glaubwrdigkeit ihres eigenen ,leibes
ungefhr so gering anschlagen wie die
,glaubwrdigkeit des ,augenscheins1
welcher sagt die ,erde steht still1 und
dermaassen anscheinend gut gelaunt den
sichersten ,besitz aus den ,hnden lassen
7denn was glaubt man jetzt sicherer als
seinen ,leib87 wer weiss1 ob sie nicht
im ,grunde ,etwas zurckerobern wollen1
das man ehemals noch sicherer besessen
hat1 irgend ,etwas vom alten
,grundbesitz des ,glaubens von ,ehedem1
vielleicht die unsterbliche ,seele1
vielleicht den alten ,gott1 kurz1
,ideen1 auf welchen sich besser1 nmlich
krftiger und heiterer leben liess als
auf den modernen ,ideen8 ,es ist
,misstrauen gegen diese modernen ,ideen
darin1 es ist ,unglauben an alles ,das1
was gestern und heute gebaut worden ist2
es ist vielleicht ein leichter berdruss
und ,hohn eingemischt1 der das
bric--brac von ,begriffen
verschiedenster ,abkunft nicht mehr
aushlt1 als welches sich heute der
sogenannte ,positivismus auf den ,markt
bringt1 ein ,ekel des verwhnteren
,geschmacks vor der
,jahrmarkts-,buntheit und
,lappenhaftigkeit aller dieser
,wirklichkeits-,philosophaster1 an denen
nichts neu und cht ist als diese
,buntheit4 ,man soll darin1 wie mich
dnkt1 diesen skeptischen
,anti-,wirklichen und
,erkenntniss-,mikroskopikern von heute
,recht geben3 ihr ,instinkt1 welcher sie
aus der modernen ,wirklichkeit
hinwegtreibt1 ist unwiderlegt1 - was
gehen uns ihre rcklufigen ,schleichwege
an6 ,das ,wesentliche an ihnen ist
nicht1 dass sie zurck wollen3 sondern1
dass sie - weg wollen4 ,etwas ,kraft1
,flug1 ,muth1 ,knstlerschaft mehr und
sie wrden hinaus wollen1 - und nicht
zurck6 - #aa4 ,es scheint mir1 dass
man jetzt berall bemht ist1 von dem
eigentlichen ,einflusse1 den ,kant auf
die deutsche ,philosophie ausgebt hat1
den ,blick abzulenken und namentlich ber
den ,werth1 den er sich selbst
zugestand1 klglich hinwegzuschlpfen4
,kant war vor ,allem und zuerst stolz
auf seine ,kategorientafel1 er sagte mit
dieser ,tafel in den ,hnden3 das ist
das ,schwerste1 was jemals zum ,behufe
der ,metaphysik unternommen werden
konnte4 - ,man verstehe doch dies werden
konnte6 er war stolz darauf1 im
,menschen ein neues ,vermgen1 das
,vermgen zu synthetischen ,urteilen a
priori1 entdeckt zu haben4 ,gesetzt1
dass er sich hierin selbst betrog3 aber
die ,entwicklung und rasche ,blthe der
deutschen ,philosophie hngt an diesem
,stolze und an dem ,wetteifer aller
,jngeren1 womglich noch ,stolzeres zu
entdecken - und jedenfalls neue
,vermgen6 - ,aber besinnen wir uns3 es
ist an der ,zeit4 ,wie sind synthetische
,urtheile a priori mglich8 fragte sich
,kant1 - und was antwortete er
eigentlich8 ,vermge eines ,vermgens3
leider aber nicht mit drei ,worten1
sondern so umstndlich1 ehrwrdig und mit
einem solchen ,aufwande von deutschem
,tief- und ,schnrkelsinne1 dass man die
lustige niaiserie allemande berhrte1
welche in einer solchen ,antwort steckt4
,man war sogar ausser sich ber dieses
neue ,vermgen1 und der ,jubel kam auf
seine ,hhe1 als ,kant auch noch ein
moralisches ,vermgen im ,menschen hinzu
entdeckte3 - denn damals waren die
,deutschen noch moralisch1 und ganz und
gar noch nicht real-politisch4 - ,es kam
der ,honigmond der deutschen
,philosophie2 alle jungen ,theologen des
,tbinger ,stifts giengen alsbald in die
,bsche1 - alle suchten nach ,vermgen4
,und was fand man nicht ,alles - in
jener unschuldigen1 reichen1 noch
jugendlichen ,zeit des deutschen
,geistes1 in welche die ,romantik1 die
boshafte ,fee1 hineinblies1 hineinsang1
damals1 als man finden und erfinden noch
nicht auseinander zu halten wusste6
,vor ,allem ein ,vermgen fr's
bersinnliche3 ,schelling taufte es die
intellektuale ,anschauung und kam damit
den herzlichsten ,gelsten seiner im
,grunde frommgelsteten ,deutschen
entgegen4 ,man kann dieser ganzen
bermthigen und schwrmerischen ,bewegung1
welche ,jugend war1 so khn sie sich
auch in graue und greisenhafte ,begriffe
verkleidete1 gar nicht mehr ,unrecht
thun1 als wenn man sie ernst nimmt und
gar etwa mit moralischer ,entrstung
behandelt2 genug1 man wurde lter1 - der
,traum verflog4 ,es kam eine ,zeit1 wo
man sich die ,stirne rieb3 man reibt sie
sich heute noch4 ,man hatte getrumt3
voran und zuerst - der alte ,kant4
,vermge eines ,vermgens - hatte er
gesagt1 mindestens gemeint4 ,aber ist
denn das - eine ,antwort8 ,eine
,erklrung8 ,oder nicht vielmehr nur eine
,wiederholung der ,frage8 ,wie macht
doch das ,opium schlafen8 ,vermge eines
,vermgens1 nmlich der virtus dormitiva -
antwortet jener ,arzt bei ,molire1
quia est in eo virtus dormitiva1
cujus est natura sensus assoupire4
,aber dergleichen ,antworten gehren in
die ,komdie1 und es ist endlich an der
,zeit1 die ,kantische ,frage ,wie sind
synthetische ,urtheile a priori mglich8
durch eine andre ,frage zu ersetzen
warum ist der ,glaube an solche
,urtheile nthig8 - nmlich zu begreifen1
dass zum ,zweck der ,erhaltung von
,wesen unsrer ,art solche ,urtheile als
wahr geglaubt werden mssen2 weshalb sie
natrlich noch falsche ,urtheile sein
knnten6 ,oder1 deutlicher geredet und
grob und grndlich3 synthetische
,urtheile a priori sollten gar nicht
mglich sein3 wir haben kein ,recht auf
sie1 in unserm ,munde sind es lauter
falsche ,urtheile4 ,nur ist allerdings
der ,glaube an ihre ,wahrheit nthig1 als
ein ,vordergrunds-,glaube und
,augenschein1 der in die
,perspektiven-,optik des ,lebens gehrt4
- ,um zuletzt noch der ungeheuren
,wirkung zu gedenken1 welche die
deutsche ,philosophie - man versteht1
wie ich hoffe1 ihr ,anrecht auf
,gnsefsschen8 - in ganz ,europa ausgebt
hat1 so zweifle man nicht1 dass eine
gewisse virtus dormitiva dabei
betheiligt war3 man war entzckt1 unter
edlen ,mssiggngern1 ,tugendhaften1
,mystikern1 ,knstlern1
,dreiviertels-,christen und politischen
,dunkelmnnern aller ,nationen1 ,dank der
deutschen ,philosophie1 ein ,gegengift
gegen den noch bermchtigen ,sensualismus
zu haben1 der vom vorigen ,jahrhundert
in dieses hinberstrmte1 kurz -sensus
assoupire4444444 #ab4 ,was die
materialistische ,atomistik betrifft3 so
gehrt dieselbe zu den bestwiderlegten
,dingen1 die es giebt2 und vielleicht
ist heute in ,europa ,niemand unter den
,gelehrten mehr so ungelehrt1 ihr ausser
zum bequemen ,hand- und ,hausgebrauch
7nmlich als einer ,abkrzung der
,ausdrucksmittel7 noch eine ernstliche
,bedeutung zuzumessen - ,dank vorerst
jenem ,polen ,boscovich1 der1 mitsammt
dem ,polen ,kopernicus1 bisher der
grsste und siegreichste ,gegner des
,augenscheins war4 ,whrend nmlich
,kopernicus uns berredet hat zu glauben1
wider alle ,sinne1 dass die ,erde nicht
fest steht1 lehrte ,boscovich dem
,glauben an das ,letzte1 was von der
,erde feststand1 abschwren1 dem ,glauben
an den ,stoff1 an die ,materie1 an das
,erdenrest- und ,klmpchen-,atom3 es war
der grsste ,triumph ber die ,sinne1 der
bisher auf ,erden errungen worden ist4 -
,man muss aber noch weiter gehn und
auch dem atomistischen ,bedrfnisse1 das
immer noch ein gefhrliches ,nachleben
fhrt1 auf ,gebieten1 wo es ,niemand
ahnt1 gleich jenem berhmteren
metaphysischen ,bedrfnisse - den ,krieg
erklren1 einen schonungslosen ,krieg
auf's ,messer3 - man muss zunchst auch
jener anderen und verhngnissvolleren
,atomistik den ,garaus machen1 welche
das ,christenthum am besten und lngsten
gelehrt hat1 der ,seelen-,atomistik4
,mit diesem ,wort sei es erlaubt1 jenen
,glauben zu bezeichnen1 der die ,seele
als etwas ,unvertilgbares1 ,ewiges1
,untheilbares1 als eine ,monade1 als ein
,atomon nimmt3 diesen ,glauben soll man
aus der ,wissenschaft hinausschaffen6
,es ist1 unter uns gesagt1 ganz und gar
nicht nthig1 die ,seele selbst dabei los
zu werden und auf eine der ltesten und
ehrwrdigsten ,hypothesen ,verzicht zu
leisten3 wie es dem ,ungeschick der
,naturalisten zu begegnen pflegt1
welche1 kaum dass sie an die ,seele
rhren1 sie auch verlieren4 ,aber der
,weg zu neuen ,fassungen und
,verfeinerungen der ,seelen-,hypothese
steht offen3 und ,begriffe wie
sterbliche ,seele und ,seele als
,subjekts-,vielheit und ,seele als
,gesellschaftsbau der ,triebe und
,affekte wollen frderhin in der
,wissenschaft ,brgerrecht haben4 ,indem
der neue ,psycholog dem ,aberglauben ein
,ende bereitet1 der bisher um die
,seelen-,vorstellung mit einer fast
tropischen ppigkeit wucherte1 hat er
sich freilich selbst gleichsam in eine
neue de und ein neues ,misstrauen hinaus
gestossen - es mag sein1 dass die
lteren ,psychologen es bequemer und
lustiger hatten -3 zuletzt aber weiss er
sich eben damit auch zum ,erfinden
verurtheilt - und1 wer weiss8 vielleicht
zum ,finden4 - #ac4 ,die
,physiologen sollten sich besinnen1 den
,selbsterhaltungstrieb als kardinalen
,trieb eines organischen ,wesens
anzusetzen4 ,vor ,allem will etwas
,lebendiges seine ,kraft auslassen -
,leben selbst ist ,wille zur ,macht -3
die ,selbsterhaltung ist nur eine der
indirekten und hufigsten ,folgen davon4
- ,kurz1 hier wie berall1 ,vorsicht vor
berflssigen teleologischen ,principien6
- wie ein solches der
,selbsterhaltungstrieb ist 7man dankt
ihn der ,inconsequenz ,spinoza's -74 ,so
nmlich gebietet es die ,methode1 die
wesentlich ,principien-,sparsamkeit sein
muss4 #ad4 ,es dmmert jetzt
vielleicht in fnf1 sechs ,kpfen1 dass
,physik auch nur eine ,welt-,auslegung
und -,zurechtlegung 7nach uns6 mit
,verlaub gesagt7 und nicht eine
,welt-,erklrung ist3 aber1 insofern sie
sich auf den ,glauben an die ,sinne
stellt1 gilt sie als mehr und muss auf
lange hinaus noch als mehr1 nmlich als
,erklrung gelten4 ,sie hat ,augen und
,finger fr sich1 sie hat den
,augenschein und die ,handgreiflichkeit
fr sich3 das wirkt auf ein ,zeitalter
mit plebejischem ,grundgeschmack
bezaubernd1 berredend1 berzeugend1 - es
folgt ja instinktiv dem
,wahrheits-,kanon des ewig
volksthmlichen ,sensualismus4 ,was ist
klar1 was erklrt8 ,erst ,das1 was sich
sehen und tasten lsst1 - bis so weit
muss man jedes ,problem treiben4
,umgekehrt3 genau im ,widerstreben gegen
die ,sinnenflligkeit bestand der
,zauber der platonischen ,denkweise1
welche eine vornehme ,denkweise war1 -
vielleicht unter ,menschen1 die sich
sogar strkerer und anspruchsvollerer
,sinne erfreuten1 als unsre
,zeitgenossen sie haben1 aber welche
einen hheren ,triumph darin zu finden
wussten1 ber diese ,sinne ,herr zu
bleiben3 und dies mittels blasser kalter
grauer ,begriffs-,netze1 die sie ber
den bunten ,sinnen-,wirbel - den
,sinnen-,pbel1 wie ,plato sagte -
warfen4 ,es war eine andre ,art ,genuss
in dieser ,welt-berwltigung und
,welt-,auslegung nach der ,manier des
,plato1 als der es ist1 welchen uns die
,physiker von ,heute anbieten1
insgleichen die ,darwinisten und
,antitheologen unter den physiologischen
,arbeitern1 mit ihrem ,princip der
kleinstmglichen ,kraft und der
grsstmglichen ,dummheit4 ,wo der ,mensch
nichts mehr zu sehen und zu greifen
hat1 da hat er auch nichts mehr zu
suchen - das ist freilich ein anderer
,imperativ als der ,platonische1 welcher
aber doch fr ein derbes arbeitsames
,geschlecht von ,maschinisten und
,brckenbauern der ,zukunft1 die lauter
grobe ,arbeit abzuthun haben1 gerade der
rechte ,imperativ sein mag4 #ae4 ,um
,physiologie mit gutem ,gewissen zu
treiben1 muss man darauf halten1 dass
die ,sinnesorgane nicht ,erscheinungen
sind im ,sinne der idealistischen
,philosophie3 als solche knnten sie ja
keine ,ursachen sein6 ,sensualismus
mindestens somit als regulative
,hypothese1 um nicht zu sagen als
heuristisches ,princip4 - ,wie8 und
,andere sagen gar1 die ,aussenwelt wre
das ,werk unsrer ,organe8 ,aber dann wre
ja unser ,leib1 als ein ,stck dieser
,aussenwelt1 das ,werk unsrer ,organe6
,aber dann wren ja unsre ,organe selbst
- das ,werk unsrer ,organe6 ,dies ist1
wie mir scheint1 eine grndliche reductio
ad absurdum3 gesetzt1 dass der ,begriff
causa sui etwas grndlich ,absurdes ist4
,folglich ist die ,aussenwelt nicht das
,werk unsrer ,organe -8 #af4 ,es
giebt immer noch harmlose
,selbst-,beobachter1 welche glauben1
dass es unmittelbare ,gewissheiten gebe1
zum ,beispiel ich denke1 oder1 wie es
der ,aberglaube ,schopenhauer's war1 ich
will3 gleichsam als ob hier das
,erkennen rein und nackt seinen
,gegenstand zu fassen bekme1 als ,ding
an sich1 und weder von ,seiten des
,subjekts1 noch von ,seiten des ,objekts
eine ,flschung stattfnde4 ,dass aber
unmittelbare ,gewissheit1 ebenso wie
absolute ,erkenntniss und ,ding an sich1
eine contradictio in adjecto in sich
schliesst1 werde ich hundertmal
wiederholen3 man sollte sich doch
endlich von der ,verfhrung der ,worte
losmachen6 ,mag das ,volk glauben1 dass
,erkennen ein zu ,ende-,kennen sei1 der
,philosoph muss sich sagen3 wenn ich den
,vorgang zerlege1 der in dem ,satz ich
denke ausgedrckt ist1 so bekomme ich
eine ,reihe von verwegenen
,behauptungen1 deren ,begrndung schwer1
vielleicht unmglich ist1 - zum
,beispiel1 dass ich es bin1 der denkt1
dass berhaupt ein ,etwas es sein muss1
das denkt1 dass ,denken eine ,thtigkeit
und ,wirkung seitens eines ,wesens ist1
welches als ,ursache gedacht wird1 dass
es ein ,ich giebt1 endlich1 dass es
bereits fest steht1 was mit ,denken zu
bezeichnen ist1 - dass ich weiss1 was
,denken ist4 ,denn wenn ich nicht darber
mich schon bei mir entschieden htte1
wonach sollte ich abmessen1 dass1 was
eben geschieht1 nicht vielleicht ,wollen
oder ,fhlen sei8 ,genug1 jenes ich
denke setzt voraus1 dass ich meinen
augenblicklichen ,zustand mit anderen
,zustnden1 die ich an mir kenne1
vergleiche1 um so festzusetzen1 was er
ist3 wegen dieser ,rckbeziehung auf
anderweitiges ,wissen hat er fr mich
jedenfalls keine unmittelbare
,gewissheit4 - ,an ,stelle jener
unmittelbaren ,gewissheit1 an welche das
,volk im gegebenen ,falle glauben mag1
bekommt dergestalt der ,philosoph eine
,reihe von ,fragen der ,metaphysik in
die ,hand1 recht eigentliche
,gewissensfragen des ,intellekts1 welche
heissen3 ,woher nehme ich den ,begriff
,denken8 ,warum glaube ich an ,ursache
und ,wirkung8 ,was giebt mir das ,recht1
von einem ,ich1 und gar von einem ,ich
als ,ursache1 und endlich noch von einem
,ich als ,gedanken-,ursache zu reden8
,wer sich mit der ,berufung auf eine
,art ,intuition der ,erkenntniss
getraut1 jene metaphysischen ,fragen
sofort zu beantworten1 wie es ,der thut1
welcher sagt3 ich1 denke1 und weiss1
dass dies wenigstens wahr1 wirklich1
gewiss ist - der wird bei einem
,philosophen heute ein ,lcheln und zwei
,fragezeichen bereit finden4 ,mein
,herr1 wird der ,philosoph vielleicht
ihm zu verstehen geben1 es ist
unwahrscheinlich1 dass ,sie sich nicht
irren3 aber warum auch durchaus
,wahrheit8 - #ag4 ,was den
,aberglauben der ,logiker betrifft3 so
will ich nicht mde werden1 eine kleine
kurze ,thatsache immer wieder zu
unterstreichen1 welche von diesen
,aberglubischen ungern zugestanden wird1
- nmlich1 dass ein ,gedanke kommt1 wenn
er will1 und nicht wenn ich will2 so
dass es eine ,flschung des
,thatbestandes ist1 zu sagen3 das
,subjekt ich ist die ,bedingung des
,prdikats denke4 ,es denkt3 aber dass
dies es gerade jenes alte berhmte ,ich
sei1 ist1 milde geredet1 nur eine
,annahme1 eine ,behauptung1 vor ,allem
keine unmittelbare ,gewissheit4 ,zuletzt
ist schon mit diesem es denkt zu viel
gethan3 schon dies es enthlt eine
,auslegung des ,vorgangs und gehrt nicht
zum ,vorgange selbst4 ,man schliesst
hier nach der grammatischen ,gewohnheit
,denken ist eine ,thtigkeit1 zu jeder
,thtigkeit gehrt ,einer1 der thtig ist1
folglich -4 ,ungefhr nach dem gleichen
,schema suchte die ltere ,atomistik zu
der ,kraft1 die wirkt1 noch jenes
,klmpchen ,materie1 worin sie sitzt1 aus
der heraus sie wirkt1 das ,atom2
strengere ,kpfe lernten endlich ohne
diesen ,erdenrest auskommen1 und
vielleicht gewhnt man sich eines ,tages
noch daran1 auch seitens der ,logiker
ohne jenes kleine es 7zu dem sich das
ehrliche alte ,ich verflchtigt hat7
auszukommen4 #ah4 ,an einer ,theorie
ist wahrhaftig nicht ihr geringster
,reiz1 dass sie widerlegbar ist3 gerade
damit zieht sie feinere ,kpfe an4 ,es
scheint1 dass die hundertfach widerlegte
,theorie vom freien ,willen ihre
,fortdauer nur noch diesem ,reize
verdankt -3 immer wieder kommt jemand
und fhlt sich stark genug1 sie zu
widerlegen4 #ai4 ,die ,philosophen
pflegen vom ,willen zu reden1 wie als ob
er die bekannteste ,sache von der ,welt
sei2 ja ,schopenhauer gab zu verstehen1
der ,wille allein sei uns eigentlich
bekannt1 ganz und gar bekannt1 ohne
,abzug und ,zuthat bekannt4 ,aber es
dnkt mich immer wieder1 dass
,schopenhauer auch in diesem ,falle nur
gethan hat1 was ,philosophen eben zu
thun pflegen3 dass er ein
,volks-,vorurtheil bernommen und
bertrieben hat4 ,wollen scheint mir vor
,allem etwas ,complicirtes1 ,etwas1 das
nur als ,wort eine ,einheit ist1 - und
eben im ,einen ,worte steckt das
,volks-,vorurtheil1 das ber die allzeit
nur geringe ,vorsicht der ,philosophen
,herr geworden ist4 ,seien wir also
einmal vorsichtiger1 seien wir
unphilosophisch -1 sagen wir3 in jedem
,wollen ist erstens eine ,mehrheit von
,gefhlen1 nmlich das ,gefhl des
,zustandes1 von dem weg1 das ,gefhl des
,zustandes1 zu dem hin1 das ,gefhl von
diesem weg und hin selbst1 dann noch ein
begleitendes ,muskelgefhl1 welches1
auch ohne dass wir ,arme und ,beine in
,bewegung setzen1 durch eine ,art
,gewohnheit1 sobald wir wollen1 sein
,spiel beginnt4 ,wie also ,fhlen und
zwar vielerlei ,fhlen als ,ingredienz
des ,willens anzuerkennen ist1 so
zweitens auch noch ,denken3 in jedem
,willensakte giebt es einen
commandirenden ,gedanken2 - und man soll
ja nicht glauben1 diesen ,gedanken von
dem ,wollen abscheiden zu knnen1 wie als
ob dann noch ,wille brig bliebe6
,drittens ist der ,wille nicht nur ein
,complex von ,fhlen und ,denken1 sondern
vor ,allem noch ein ,affekt3 und zwar
jener ,affekt des ,commando's4 ,das1 was
,freiheit des ,willens genannt wird1
ist wesentlich der berlegenheits-,affekt
in ,hinsicht auf ,den1 der gehorchen
muss3 ich bin frei1 er muss gehorchen -
dies ,bewusstsein steckt in jedem
,willen1 und ebenso jene ,spannung der
,aufmerksamkeit1 jener gerade ,blick1
der ausschliesslich ,eins fixirt1 jene
unbedingte ,werthschtzung jetzt thut
dies und nichts ,anderes ,noth1 jene
innere ,gewissheit darber1 dass gehorcht
werden wird1 und was ,alles noch zum
,zustande des ,befehlenden gehrt4 ,ein
,mensch1 der will -1 befiehlt einem
,etwas in sich1 das gehorcht oder von
dem er glaubt1 dass es gehorcht4 ,nun
aber beachte man1 was das ,wunderlichste
am ,willen ist1 - an diesem so
vielfachen ,dinge1 fr welches das ,volk
nur ,ein ,wort hat3 insofern wir im
gegebenen ,falle zugleich die
,befehlenden und ,gehorchenden sind1 und
als ,gehorchende die ,gefhle des
,zwingens1 ,drngens1 ,drckens1
,widerstehens1 ,bewegens kennen1 welche
sofort nach dem ,akte des ,willens zu
beginnen pflegen2 insofern wir
andererseits die ,gewohnheit haben1 uns
ber diese ,zweiheit vermge des
synthetischen ,begriffs ich
hinwegzusetzen1 hinwegzutuschen1 hat
sich an das ,wollen noch eine ganze
,kette von irrthmlichen ,schlssen und
folglich von falschen ,werthschtzungen
des ,willens selbst angehngt1 -
dergestalt1 dass der ,wollende mit gutem
,glauben glaubt1 ,wollen genge zur
,aktion4 ,weil in den allermeisten
,fllen nur gewollt worden ist1 wo auch
die ,wirkung des ,befehls1 also der
,gehorsam1 also die ,aktion erwartet
werden durfte1 so hat sich der ,anschein
in das ,gefhl bersetzt1 als ob es da
eine ,nothwendigkeit von ,wirkung gbe2
genug1 der ,wollende glaubt1 mit einem
ziemlichen ,grad von ,sicherheit1 dass
,wille und ,aktion irgendwie ,eins seien
-1 er rechnet das ,gelingen1 die
,ausfhrung des ,wollens noch dem ,willen
selbst zu und geniesst dabei einen
,zuwachs jenes ,machtgefhls1 welches
alles ,gelingen mit sich bringt4
,freiheit des ,willens - das ist das
,wort fr jenen vielfachen ,lust-,zustand
des ,wollenden1 der befiehlt und sich
zugleich mit dem ,ausfhrenden als ,eins
setzt1 - der als solcher den ,triumph
ber ,widerstnde mit geniesst1 aber bei
sich urtheilt1 sein ,wille selbst sei
es1 der eigentlich die ,widerstnde
berwinde4 ,der ,wollende nimmt
dergestalt die ,lustgefhle der
ausfhrenden1 erfolgreichen ,werkzeuge1
der dienstbaren ,unterwillen oder
,unter-,seelen - unser ,leib ist ja nur
ein ,gesellschaftsbau vieler ,seelen -
zu seinem ,lustgefhle als ,befehlender
hinzu4 ,l'effet c'est moi3 es begiebt
sich hier1 was sich in jedem gut
gebauten und glcklichen ,gemeinwesen
begiebt1 dass die regierende ,klasse
sich mit den ,erfolgen des ,gemeinwesens
identificirt4 ,bei allem ,wollen
handelt es sich schlechterdings um
,befehlen und ,gehorchen1 auf der
,grundlage1 wie gesagt1 eines
,gesellschaftsbaus vieler ,seelen3
weshalb ein ,philosoph sich das ,recht
nehmen sollte1 ,wollen an sich schon
unter den ,gesichtskreis der ,moral zu
fassen3 ,moral nmlich als ,lehre von den
,herrschafts-,verhltnissen verstanden1
unter denen das ,phnomen ,leben
entsteht4 - #bj4 ,dass die einzelnen
philosophischen ,begriffe nichts
,beliebiges1 nichts ,fr-sich-,wachsendes
sind1 sondern in ,beziehung und
,verwandtschaft zu einander
emporwachsen1 dass sie1 so pltzlich und
willkrlich sie auch in der ,geschichte
des ,denkens anscheinend heraustreten1
doch eben so gut einem ,systeme angehren
als die smmtlichen ,glieder der ,fauna
eines ,erdtheils3 das verrth sich
zuletzt noch darin1 wie sicher die
verschiedensten ,philosophen ein
gewisses ,grundschema von mglichen
,philosophien immer wieder ausfllen4
,unter einem unsichtbaren ,banne laufen
sie immer von ,neuem noch einmal die
selbe ,kreisbahn3 sie mgen sich noch so
unabhngig von einander mit ihrem
kritischen oder systematischen ,willen
fhlen3 irgend ,etwas in ihnen fhrt sie1
irgend ,etwas treibt sie in bestimmter
,ordnung hinter einander her1 eben jene
eingeborne ,systematik und
,verwandtschaft der ,begriffe4 ,ihr
,denken ist in der ,that viel weniger
ein ,entdecken1 als ein ,wiedererkennen1
,wiedererinnern1 eine ,rck- und
,heimkehr in einen fernen uralten
,gesammt-,haushalt der ,seele1 aus dem
jene ,begriffe einstmals herausgewachsen
sind3 - ,philosophiren ist insofern
eine ,art von ,atavismus hchsten
,ranges4 ,die wunderliche
,familien-,ahnlichkeit alles indischen1
griechischen1 deutschen ,philosophirens
erklrt sich einfach genug4 ,gerade1 wo
,sprach-,verwandtschaft vorliegt1 ist es
gar nicht zu vermeiden1 dass1 ,dank der
gemeinsamen ,philosophie der ,grammatik
- ich meine ,dank der unbewussten
,herrschaft und ,fhrung durch gleiche
grammatische ,funktionen - von
vornherein ,alles fr eine gleichartige
,entwicklung und ,reihenfolge der
philosophischen ,systeme vorbereitet
liegt3 ebenso wie zu gewissen andern
,mglichkeiten der ,welt-,ausdeutung der
,weg wie abgesperrt erscheint4
,philosophen des ural-altaischen
,sprachbereichs 7in dem der
,subjekt-,begriff am schlechtesten
entwickelt ist7 werden mit grosser
,wahrscheinlichkeit anders in die ,welt
blicken und auf andern ,pfaden zu finden
sein1 als ,indogermanen oder
,muselmnner3 der ,bann bestimmter
grammatischer ,funktionen ist im letzten
,grunde der ,bann physiologischer
,werthurtheile und ,rasse-,bedingungen4
- ,so viel zur ,zurckweisung von
,locke's ,oberflchlichkeit in ,bezug auf
die ,herkunft der ,ideen4 #ba4 ,die
causa sui ist der beste
,selbst-,widerspruch1 der bisher
ausgedacht worden ist1 eine ,art
logischer ,nothzucht und ,unnatur3 aber
der ausschweifende ,stolz des ,menschen
hat es dahin gebracht1 sich tief und
schrecklich gerade mit diesem ,unsinn zu
verstricken4 ,das ,verlangen nach
,freiheit des ,willens1 in jenem
metaphysischen ,superlativ-,verstande1
wie er leider noch immer in den ,kpfen
der ,halb-,unterrichteten herrscht1 das
,verlangen1 die ganze und letzte
,verantwortlichkeit fr seine ,handlungen
selbst zu tragen und ,gott1 ,welt1
,vorfahren1 ,zufall1 ,gesellschaft davon
zu entlasten1 ist nmlich nichts
,geringeres1 als eben jene causa sui zu
sein und1 mit einer mehr als
,mnchhausen'schen ,verwegenheit1 sich
selbst aus dem ,sumpf des ,nichts an den
,haaren in's ,dasein zu ziehn4
,gesetzt1 ,jemand kommt dergestalt
hinter die burische ,einfalt dieses
berhmten ,begriffs freier ,wille und
streicht ihn aus seinem ,kopfe1 so bitte
ich ihn nunmehr1 seine ,aufklrung noch
um einen ,schritt weiter zu treiben und
auch die ,umkehrung jenes ,unbegriffs
freier ,wille aus seinem ,kopfe zu
streichen3 ich meine den unfreien
,willen1 der auf einen ,missbrauch von
,ursache und ,wirkung hinausluft4 ,man
soll nicht ,ursache und ,wirkung
fehlerhaft verdinglichen1 wie es die
,naturforscher thun 7und wer gleich
ihnen heute im ,denken naturalisirt -7
gemss der herrschenden mechanistischen
,tlpelei1 welche die ,ursache drcken und
stossen lsst1 bis sie ,wirkt2 man soll
sich der ,ursache1 der ,wirkung eben nur
als reiner ,begriffe bedienen1 das
heisst als conventioneller ,fiktionen
zum ,zweck der ,bezeichnung1 der
,verstndigung1 nicht der ,erklrung4 ,im
,an-sich giebt es nichts von
,causal-,verbnden1 von ,nothwendigkeit1
von psychologischer ,unfreiheit1 da
folgt nicht die ,wirkung auf die
,ursache1 das regiert kein ,gesetz4 ,wir
sind es1 die allein die ,ursachen1 das
,nacheinander1 das ,fr-einander1 die
,relativitt1 den ,zwang1 die ,zahl1 das
,gesetz1 die ,freiheit1 den ,grund1 den
,zweck erdichtet haben2 und wenn wir
diese ,zeichen-,welt als an sich in die
,dinge hineindichten1 hineinmischen1 so
treiben wir es noch einmal1 wie wir es
immer getrieben haben1 nmlich
mythologisch4 ,der unfreie ,wille ist
,mythologie3 im wirklichen ,leben
handelt es sich nur um starken und
schwachen ,willen4 - ,es ist fast immer
schon ein ,symptom davon1 wo es bei ihm
selber mangelt1 wenn ein ,denker bereits
in aller ,causal-,verknpfung und
psychologischer ,nothwendigkeit etwas
von ,zwang1 ,noth1 ,folgen-,mssen1
,druck1 ,unfreiheit herausfhlt3 es ist
verrtherisch1 gerade so zu fhlen1 - die
,person verrth sich4 ,und berhaupt wird1
wenn ich recht beobachtet habe1 von
zwei ganz entgegengesetzten ,seiten aus1
aber immer auf eine tief persnliche
,weise die ,unfreiheit des ,willens als
,problem gefasst3 die ,einen wollen um
keinen ,preis ihre ,verantwortlichkeit1
den ,glauben an sich1 das persnliche
,anrecht auf ihr ,verdienst fahren
lassen 7die eitlen ,rassen gehren dahin
-72 die ,anderen wollen umgekehrt nichts
verantworten1 an nichts schuld sein und
verlangen1 aus einer innerlichen
,selbst-,verachtung heraus1 sich selbst
irgend wohin abwlzen zu knnen4 ,diese
,letzteren pflegen sich1 wenn sie ,bcher
schreiben1 heute der ,verbrecher
anzunehmen2 eine ,art von
socialistischem ,mitleiden ist ihre
geflligste ,verkleidung4 ,und in der
,that1 der ,fatalismus der
,willensschwachen verschnert sich
erstaunlich1 wenn er sich als la
religion de la souffrance humaine
einzufhren versteht3 es ist sein guter
,geschmack4 #bb4 ,man vergebe es mir
als einem alten ,philologen1 der von der
,bosheit nicht lassen kann1 auf
schlechte ,interpretations-,knste den
,finger zu legen - aber jene
,gesetzmssigkeit der ,natur1 von der ihr
,physiker so stolz redet1 wie als ob -
- besteht nur ,dank eurer ,ausdeutung
und schlechten ,philologie1 - sie ist
kein ,thatbestand1 kein ,text1 vielmehr
nur eine naiv-humanitre ,zurechtmachung
und ,sinnverdrehung1 mit der ihr den
demokratischen ,instinkten der modernen
,seele sattsam entgegenkommt6 berall
,gleichheit vor dem ,gesetz1 - die
,natur hat es darin nicht anders und
nicht besser als wir3 ein artiger
,hintergedanke1 in dem noch einmal die
pbelmnnische ,feindschaft gegen alles
,bevorrechtete und ,selbstherrliche1
insgleichen ein zweiter und feinerer
,atheismus verkleidet liegt4 ,ni dieu1
ni matre - so wollt auch ihr's4- und
darum hoch das ,naturgesetz6 - nicht
wahr8 ,aber1 wie gesagt1 das ist
,interpretation1 nicht ,text2 und es
knnte ,jemand kommen1 der1 mit der
entgegengesetzten ,absicht und
,interpretationskunst1 aus der gleichen
,natur und im ,hinblick auf die gleichen
,erscheinungen1 gerade die
tyrannisch-rcksichtenlose und
unerbittliche ,durchsetzung von
,machtansprchen herauszulesen verstnde1
- ein ,interpret1 der die
,ausnahmslosigkeit und ,unbedingtheit in
allem ,willen zur ,macht dermaassen
euch vor ,augen stellte1 dass fast jedes
,wort und selbst das ,wort ,tyrannei
schliesslich unbrauchbar oder schon als
schwchende und mildernde ,metapher - als
zu menschlich - erschiene2 und der
dennoch damit endete1 das ,gleiche von
dieser ,welt zu behaupten1 was ihr
behauptet1 nmlich dass sie einen
nothwendigen und berechenbaren ,verlauf
habe1 aber nicht1 weil ,gesetze in ihr
herrschen1 sondern weil absolut die
,gesetze fehlen1 und jede ,macht in
jedem ,augenblicke ihre letzte
,consequenz zieht4 ,gesetzt1 dass auch
dies nur ,interpretation ist - und ihr
werdet eifrig genug sein1 dies
einzuwenden8 - nun1 um so besser4 -
#bc4 ,die gesammte ,psychologie ist
bisher an moralischen ,vorurtheilen und
,befrchtungen hngen geblieben3 sie hat
sich nicht in die ,tiefe gewagt4
,dieselbe als ,morphologie und
,entwicklungslehre des ,willens zur
,macht zufassen1 wie ich sie fasse -
daran hat noch ,niemand in seinen
,gedanken selbst gestreift3 sofern es
nmlich erlaubt ist1 in dem1 was bisher
geschrieben wurde1 ein ,symptom von dem1
was bisher verschwiegen wurde1 zu
erkennen4 ,die ,gewalt der moralischen
,vorurtheile ist tief in die geistigste1
in die anscheinend klteste und
voraussetzungsloseste ,welt gedrungen -
und1 wie es sich von selbst versteht1
schdigend1 hemmend1 blendend1
verdrehend4 ,eine eigentliche
,physio-,psychologie hat mit unbewussten
,widerstnden im ,herzen des ,forschers
zu kmpfen1 sie hat das ,herz gegen sich3
schon eine ,lehre von der gegenseitigen
,bedingtheit der guten und der
schlimmen ,triebe1 macht1 als feinere
,immoralitt1 einem noch krftigen und
herzhaften ,gewissen ,noth und berdruss1
- noch mehr eine ,lehre von der
,ableitbarkeit aller guten ,triebe aus
den schlimmen4 ,gesetzt aber1 ,jemand
nimmt gar die ,affekte ,hass1 ,neid1
,habsucht1 ,herrschsucht als
lebenbedingende ,affekte1 als ,etwas1
das im ,gesammt-,haushalte des ,lebens
grundstzlich und grundwesentlich
vorhanden sein muss1 folglich noch
gesteigert werden muss1 falls das ,leben
noch gesteigert werden soll1 - der
leidet an einer solchen ,richtung seines
,urtheils wie an einer ,seekrankheit4
,und doch ist auch diese ,hypothese bei
weitem nicht die peinlichste und
fremdeste in diesem ungeheuren fast noch
neuen ,reiche gefhrlicher
,erkenntnisse3 - und es giebt in der
,that hundert gute ,grnde dafr1 dass
,jeder von ihm fernbleibt1 der es -
kann6 ,andrerseits3 ist man einmal mit
seinem ,schiffe hierhin verschlagen1
nun6 wohlan6 jetzt tchtig die ,zhne
zusammengebissen6 die ,augen aufgemacht6
die ,hand fest am ,steuer6 - wir fahren
geradewegs ber die ,moral weg1 wir
erdrcken1 wir zermalmen vielleicht dabei
unsren eignen ,rest ,moralitt1 indem
wir dorthin unsre ,fahrt machen und
wagen1 - aber was liegt an uns6 ,niemals
noch hat sich verwegenen ,reisenden und
,abenteurern eine tiefere ,welt der
,einsicht erffnet3 und der ,psychologe1
welcher dergestalt ,opfer bringt - es
ist nicht das sacrifizio
dell'intelletto1 im ,gegentheil6 - wird
zum ,mindesten dafr verlangen drfen1
dass die ,psychologie wieder als ,herrin
der ,wissenschaften anerkannt werde1 zu
deren ,dienste und ,vorbereitung die
brigen ,wissenschaften da sind4 ,denn
,psychologie ist nunmehr wieder der ,weg
zu den ,grundproblemen4 ,zweites
,hauptstck3 ,der freie ,geist4 #bd4
,o sancta simplicitas6 ,in welcher
seltsamen ,vereinfachung und ,flschung
lebt der ,mensch6 ,man kann sich nicht
zu ,ende wundern1 wenn man sich erst
einmal die ,augen fr dies ,wunder
eingesetzt hat6 ,wie haben wir ,alles um
uns hell und frei und leicht und
einfach gemacht6 wie wussten wir unsern
,sinnen einen ,freipass fr alles
,oberflchliche1 unserm ,denken eine
gttliche ,begierde nach muthwilligen
,sprngen und ,fehlschlssen zu geben6 -
wie haben wir es von ,anfang an
verstanden1 uns unsre ,unwissenheit zu
erhalten1 um eine kaum begreifliche
,freiheit1 ,unbedenklichkeit1
,unvorsichtigkeit1 ,herzhaftigkeit1
,heiterkeit des ,lebens1 um das ,leben
zu geniessen6 ,und erst auf diesem
nunmehr festen und granitnen ,grunde von
,unwissenheit durfte sich bisher die
,wissenschaft erheben1 der ,wille zum
,wissen auf dem ,grunde eines viel
gewaltigeren ,willens1 des ,willens zum
,nicht-wissen1 zum ,ungewissen1 zum
,unwahren6 ,nicht als sein ,gegensatz1
sondern - als seine ,verfeinerung6 ,mag
nmlich auch die ,sprache1 hier wie
anderwrts1 nicht ber ihre ,plumpheit
hinausknnen und fortfahren1 von
,gegenstzen zu reden1 wo es nur ,grade
und mancherlei ,feinheit der ,stufen
giebt2 mag ebenfalls die eingefleischte
,tartfferie der ,moral1 welche jetzt zu
unserm unberwindlichen ,fleisch und
,blut gehrt1 uns ,wissenden selbst die
,worte im ,munde umdrehen3 hier und da
begreifen wir es und lachen darber1 wie
gerade noch die beste ,wissenschaft uns
am besten in dieser vereinfachten1 durch
und durch knstlichen1 zurecht
gedichteten1 zurecht geflschten ,welt
festhalten will1 wie sie
unfreiwillig-willig den ,irrthum liebt1
weil sie1 die ,lebendige1 - das ,leben
liebt6 #be4 ,nach einem so frhlichen
,eingang mchte ein ernstes ,wort nicht
berhrt werden3 es wendet sich an die
,ernstesten4 ,seht euch vor1 ihr
,philosophen und ,freunde der
,erkenntniss1 und htet euch vor dem
,martyrium6 ,vor dem ,leiden um der
,wahrheit willen6 ,selbst vor der
eigenen ,vertheidigung6 ,es verdirbt
eurem ,gewissen alle ,unschuld und feine
,neutralitt1 es macht euch halsstarrig
gegen ,einwnde und rothe ,tcher1 es
verdummt1 verthiert und verstiert1 wenn
ihr im ,kampfe mit ,gefahr1
,verlsterung1 ,verdchtigung1
,ausstossung und noch grberen ,folgen
der ,feindschaft1 zuletzt euch gar als
,vertheidiger der ,wahrheit auf ,erden
ausspielen msst3 - als ob die ,wahrheit
eine so harmlose und tppische ,person
wre1 dass sie ,vertheidiger nthig htte6
und gerade euch1 ihr ,ritter von der
traurigsten ,gestalt1 meine ,herren
,eckensteher und ,spinneweber des
,geistes6 ,zuletzt wisst ihr gut genug1
dass nichts daran liegen darf1 ob gerade
ihr ,recht behaltet1 ebenfalls dass
bisher noch kein ,philosoph ,recht
behalten hat1 und dass eine
preiswrdigere ,wahrhaftigkeit in jedem
kleinen ,fragezeichen liegen drfte1
welches ihr hinter eure ,leibworte und
,lieblingslehren 7und gelegentlich
hinter euch selbst7 setzt1 als in allen
feierlichen ,gebrden und ,trmpfen vor
,anklgern und ,gerichtshfen6 ,geht
lieber bei ,seite6 ,flieht in's
,verborgene6 ,und habt eure ,maske und
,feinheit1 dass man euch verwechsele6
,oder ein ,wenig frchte6 ,und vergesst
mir den ,garten nicht1 den ,garten mit
goldenem ,gitterwerk6 ,und habt
,menschen um euch1 die wie ein ,garten
sind1 - oder wie ,musik ber ,wassern1
zur ,zeit des ,abends1 wo der ,tag schon
zur ,erinnerung wird3 - whlt die gute
,einsamkeit1 die freie muthwillige
leichte ,einsamkeit1 welche euch auch
ein ,recht giebt1 selbst in irgend einem
,sinne noch gut zu bleiben6 ,wie
giftig1 wie listig1 wie schlecht macht
jeder lange ,krieg1 der sich nicht mit
offener ,gewalt fhren lsst6 ,wie
persnlich macht eine lange ,furcht1 ein
langes ,augenmerk auf ,feinde1 auf
mgliche ,feinde6 ,diese ,ausgestossenen
der ,gesellschaft1 diese
,lang-,verfolgten1 ,schlimm-,gehetzten1
- auch die ,zwangs-,einsiedler1 die
,spinoza's oder ,giordano ,bruno's -
werden zuletzt immer1 und sei es unter
der geistigsten ,maskerade1 und
vielleicht ohne dass sie selbst es
wissen1 zu raffinirten ,rachschtigen und
,giftmischern 7man grabe doch einmal
den ,grund der ,ethik und ,theologie
,spinoza's auf67 - gar nicht zu reden
von der ,tlpelei der moralischen
,entrstung1 welche an einem ,philosophen
das unfehlbare ,zeichen dafr ist1 dass
ihm der philosophische ,humor davon
lief4 ,das ,martyrium des ,philosophen1
seine ,aufopferung fr die ,wahrheit
zwingt an's ,licht heraus1 was vom
,agitator und vom ,schauspieler in ihm
steckte2 und gesetzt1 dass man ihm nur
mit einer artistischen ,neugierde bisher
zugeschaut hat1 so kann in ,bezug auf
manchen ,philosophen der gefhrliche
,wunsch freilich begreiflich sein1 ihn
auch einmal in seiner ,entartung zu sehn
7entartet zum ,mrtyrer1 zum ,bhnen- und
,tribnen-,schreihals74 ,nur dass man
sich1 mit einem solchen ,wunsche1 darber
klar sein muss1 was man jedenfalls
dabei zu sehen bekommen wird3 - nur ein
,satyrspiel1 nur eine ,nachspiel-,farce1
nur den fortwhrenden ,beweis dafr1 dass
die lange eigentliche ,tragdie zu ,ende
ist3 vorausgesetzt1 dass jede
,philosophie im ,entstehen eine lange
,tragdie war4 - #bf4 ,jeder
auserlesene ,mensch trachtet instinktiv
nach seiner ,burg und ,heimlichkeit1 wo
er von der ,menge1 den ,vielen1 den
,allermeisten erlst ist1 wo er die
,regel ,mensch vergessen darf1 als deren
,ausnahme3 - den ,einen ,fall
ausgenommen1 dass er von einem noch
strkeren ,instinkte geradewegs auf diese
,regel gestossen wird1 als ,erkennender
im grossen und ausnahmsweisen ,sinne4
,wer nicht im ,verkehr mit ,menschen
gelegentlich in allen ,farben der ,noth1
grn und grau vor ,ekel1 berdruss1
,mitgefhl1 ,verdsterung1 ,vereinsamung
schillert1 der ist gewiss kein ,mensch
hheren ,geschmacks2 gesetzt aber1 er
nimmt alle diese ,last und ,unlust nicht
freiwillig auf sich1 er weicht ihr
immerdar aus und bleibt1 wie gesagt1
still und stolz auf seiner ,burg
versteckt1 nun1 so ist ,eins gewiss3 er
ist zur ,erkenntniss nicht gemacht1
nicht vorherbestimmt4 ,denn als solcher
wrde er eines ,tages sich sagen mssen
hole der ,teufel meinen guten
,geschmack6 aber die ,regel ist
interessanter als die ,ausnahme1 - als
ich1 die ,ausnahme6 - und wrde sich
hinab begeben1 vor ,allem hinein4 ,das
,studium des durchschnittlichen
,menschen1 lang1 ernsthaft1 und zu
diesem ,zwecke viel ,verkleidung1
,selbstberwindung1 ,vertraulichkeit1
schlechter ,umgang - jeder ,umgang ist
schlechter ,umgang ausser dem mit
,seines-,gleichen -3 das macht ein
nothwendiges ,stck der ,lebensgeschichte
jedes ,philosophen aus1 vielleicht das
unangenehmste1 belriechendste1 an
,enttuschungen reichste ,stck4 ,hat er
aber ,glck1 wie es einem ,glckskinde der
,erkenntniss geziemt1 so begegnet er
eigentlichen ,abkrzern und
,erleichterern seiner ,aufgabe1 - ich
meine sogenannten ,cynikern1 also
,solchen1 welche das ,thier1 die
,gemeinheit1 die ,regel an sich einfach
anerkennen und dabei noch jenen ,grad
von ,geistigkeit und ,kitzel haben1 um
ber sich und ihres ,gleichen vor ,zeugen
reden zu mssen3 - mitunter wlzen sie
sich sogar in ,bchern wie auf ihrem
eignen ,miste4 ,cynismus ist die einzige
,form1 in welcher gemeine ,seelen an
,das streifen1 was ,redlichkeit ist2 und
der hhere ,mensch hat bei jedem grberen
und feineren ,cynismus die ,ohren
aufzumachen und sich jedes ,mal ,glck zu
wnschen1 wenn gerade vor ihm der
,possenreisser ohne ,scham oder der
wissenschaftliche ,satyr laut werden4
,es giebt sogar ,flle1 wo zum ,ekel sich
die ,bezauberung mischt3 da nmlich1 wo
an einen solchen indiskreten ,bock und
,affen1 durch eine ,laune der ,natur1
das ,genie gebunden ist1 wie bei dem
,abb ,galiani1 dem tiefsten1
scharfsichtigsten und vielleicht auch
schmutzigsten ,menschen seines
,jahrhunderts - er war viel tiefer als
,voltaire und folglich auch ein gut
,theil schweigsamer4 ,hufiger schon
geschieht es1 dass1 wie angedeutet1 der
wissenschaftliche ,kopf auf einen
,affenleib1 ein feiner
,ausnahme-,verstand auf eine gemeine
,seele gesetzt ist1 - unter rzten und
,moral-,physiologen namentlich kein
seltenes ,vorkommniss4 ,und wo nur
,einer ohne ,erbitterung1 vielmehr
harmlos vom ,menschen redet als von
einem ,bauche mit zweierlei ,bedrfnissen
und einem ,kopfe mit ,einem2 berall wo
,jemand immer nur ,hunger1
,geschlechts-,begierde und ,eitelkeit
sieht1 sucht und sehn will1 als seien es
die eigentlichen und einzigen
,triebfedern der menschlichen
,handlungen2 kurz1 wo man schlecht vom
,menschen redet - und nicht einmal
schlimm -1 da soll der ,liebhaber der
,erkenntniss fein und fleissig
hinhorchen1 er soll seine ,ohren
berhaupt dort haben1 wo ohne ,entrstung
geredet wird4 ,denn der entrstete
,mensch1 und wer immer mit seinen eignen
,zhnen sich selbst 7oder1 zum ,ersatz
dafr1 die ,welt1 oder ,gott1 oder die
,gesellschaft7 zerreisst und
zerfleischt1 mag zwar moralisch
gerechnet1 hher stehn als der lachende
und selbstzufriedene ,satyr1 in jedem
anderen ,sinne aber ist er der
gewhnlichere1 gleichgltigere1
unbelehrendere ,fall4 ,und ,niemand lgt
soviel als der ,entrstete4 - #bg4 ,es
ist schwer1 verstanden zu werden3
besonders wenn man gangasrotogati denkt
und lebt1 unter lauter ,menschen1 welche
anders denken und leben1 nmlich
kurmagati oder besten ,falles nach der
,gangart des ,frosches mandeikagati -
ich thue eben ,alles1 um selbst schwer
verstanden zu werden8 - und man soll
schon fr den guten ,willen zu einiger
,feinheit der ,interpretation von
,herzen erkenntlich sein4 ,was aber die
guten ,freunde anbetrifft1 welche immer
zu bequem sind und gerade als ,freunde
ein ,recht auf ,bequemlichkeit zu haben
glauben3 so thut man gut1 ihnen von
vornherein einen ,spielraum und
,tummelplatz des ,missverstndnisses
zuzugestehn3 - so hat man noch1 zu
lachen2 - oder sie ganz abzuschaffen1
diese guten ,freunde1 - und auch zu
lachen6 #bh4 ,was sich am
schlechtesten aus einer ,sprache in die
andere bersetzen lsst1 ist das tempo
ihres ,stils3 als welcher im ,charakter
der ,rasse seinen ,grund hat1
physiologischer gesprochen1 im
,durchschnitts-tempo ihres
,stoffwechsels4 ,es giebt ehrlich
gemeinte bersetzungen1 die beinahe
,flschungen sind1 als unfreiwillige
,vergemeinerungen des ,originals1 bloss
weil sein tapferes und lustiges tempo
nicht mit bersetzt werden konnte1
welches ber alles ,gefhrliche in ,dingen
und ,worten wegspringt1 weghilft4 ,der
,deutsche ist beinahe des ,presto in
seiner ,sprache unfhig3 also1 wie man
billig schliessen darf1 auch vieler der
ergtzlichsten und verwegensten ,nuances
des freien1 freigeisterischen
,gedankens4 ,so gut ihm der ,buffo und
der ,satyr fremd ist1 in ,leib und
,gewissen1 so gut ist ihm ,aristophanes
und ,petronius unbersetzbar4 ,alles
,gravittische1 ,schwerflssige1
,feierlich-,plumpe1 alle langwierigen
und langweiligen ,gattungen des ,stils
sind bei den ,deutschen in berreicher
,mannichfaltigkeit entwickelt1 - man
vergebe mir die ,thatsache1 dass selbst
,goethe's ,prosa1 in ihrer ,mischung von
,steifheit und ,zierlichkeit1 keine
,ausnahme macht1 als ein ,spiegelbild
der alten guten ,zeit1 zu der sie gehrt1
und als ,ausdruck des deutschen
,geschmacks1 zur ,zeit1 wo es noch einen
deutschen ,geschmack gab3 der ein
,rokoko-,geschmack war1 in moribus et
artibus4 ,lessing macht eine ,ausnahme1
,dank seiner ,schauspieler-,natur1 die
,vieles verstand und sich auf ,vieles
verstand3 er1 der nicht umsonst der
bersetzer ,bayle's war und sich gerne in
die ,nhe ,diderot's und ,voltaire's1
noch lieber unter die rmischen
,lustspieldichter flchtete3 - ,lessing
liebte auch im tempo die ,freigeisterei1
die ,flucht aus ,deutschland4 ,aber wie
vermchte die deutsche ,sprache1 und sei
es selbst in der ,prosa eines ,lessing1
das tempo ,macchiavell's nachzuahmen1
der1 in seinem principe1 die trockne
feine ,luft von ,florenz athmen lsst und
nicht umhin kann1 die ernsteste
,angelegenheit in einem unbndigen
,allegrissimo vorzutragen3 vielleicht
nicht ohne ein boshaftes
,artisten-,gefhl davon1 welchen
,gegensatz er wagt1 - ,gedanken1 lang1
schwer1 hart1 gefhrlich1 und ein tempo
des ,galopps und der allerbesten
muthwilligsten ,laune4 ,wer endlich
drfte gar eine deutsche bersetzung des
,petronius wagen1 der1 mehr als irgend
ein grosser ,musiker bisher1 der
,meister des presto gewesen ist1 in
,erfindungen1 ,einfllen1 ,worten3 - was
liegt zuletzt an allen ,smpfen der
kranken1 schlimmen ,welt1 auch der alten
,welt1 wenn man1 wie er1 die ,fsse
eines ,windes hat1 den ,zug und ,athem1
den befreienden ,hohn eines ,windes1 der
,alles gesund macht1 indem er ,alles
laufen macht6 ,und was ,aristophanes
angeht1 jenen verklrenden1 complementren
,geist1 um dessentwillen man dem ganzen
,griechenthum verzeiht1 dass es da war1
gesetzt1 dass man in aller ,tiefe
begriffen hat1 was da ,alles der
,verzeihung1 der ,verklrung bedarf3 - so
wsste ich nichts1 was mich ber ,plato's
,verborgenheit und ,sphinx-,natur mehr
hat trumen lassen als jenes glcklich
erhaltene petit falt3 dass man unter dem
,kopfkissen seines ,sterbelagers keine
,bibel vorfand1 nichts gyptisches1
,pythagoreisches1 ,platonisches1 -
sondern den ,aristophanes4 ,wie htte
auch ein ,plato das ,leben ausgehalten -
ein griechisches ,leben1 zu dem er
,nein sagte1 - ohne einen ,aristophanes6
- #bi4 ,es ist die ,sache der
,wenigsten1 unabhngig zu sein3 - es ist
ein ,vorrecht der ,starken4 ,und wer es
versucht1 auch mit dem besten ,rechte
dazu1 aber ohne es zu mssen1 beweist
damit1 dass er wahrscheinlich nicht nur
stark1 sondern bis zur ,ausgelassenheit
verwegen ist4 ,er begiebt sich in ein
,labyrinth1 er vertausendfltigt die
,gefahren1 welche das ,leben an sich
schon mit sich bringt2 von denen es
nicht die kleinste ist1 dass ,keiner mit
,augen sieht1 wie und wo er sich
verirrt1 vereinsamt und stckweise von
irgend einem ,hhlen-,minotaurus des
,gewissens zerrissen wird4 ,gesetzt1 ein
,solcher geht zu ,grunde1 so geschieht
es so ferne vom ,verstndniss der
,menschen1 dass sie es nicht fhlen und
mitfhlen3 - und er kann nicht mehr
zurck6 er kann auch zum ,mitleiden der
,menschen nicht mehr zurck6 - - #cj4
,unsre hchsten ,einsichten mssen - und
sollen6 - wie ,thorheiten1 unter
,umstnden wie ,verbrechen klingen1 wenn
sie unerlaubter ,weise ,denen zu ,ohren
kommen1 welche nicht dafr geartet und
vorbestimmt sind4 ,das ,exoterische und
das ,esoterische1 wie man ehedem unter
,philosophen unterschied1 bei ,indern1
wie bei ,griechen1 ,persern und
,muselmnnern1 kurz berall1 wo man eine
,rangordnung und nicht an ,gleichheit
und gleiche ,rechte glaubte1 - das hebt
sich nicht sowohl dadurch von einander
ab1 dass der ,exoteriker draussen steht
und von aussen her1 nicht von innen her1
sieht1 schtzt1 misst1 urtheilt3 das
,wesentlichere ist1 dass er von ,unten
hinauf die ,dinge sieht1 - der
,esoteriker aber von ,oben herab6 ,es
giebt ,hhen der ,seele1 von wo aus
gesehen selbst die ,tragdie aufhrt1
tragisch zu wirken2 und1 alles ,weh der
,welt in ,eins genommen1 wer drfte zu
entscheiden wagen1 ob sein ,anblick
nothwendig gerade zum ,mitleiden und
dergestalt zur ,verdoppelung des ,wehs
verfhren und zwingen werde8444 ,was der
hheren ,art von ,menschen zur ,nahrung
oder zur ,labsal dient1 muss einer sehr
unterschiedlichen und geringeren ,art
beinahe ,gift sein4 ,die ,tugenden des
gemeinen ,manns wrden vielleicht an
einem ,philosophen ,laster und ,schwchen
bedeuten2 es wre mglich1 dass ein
hochgearteter ,mensch1 gesetzt1 dass er
entartete und zu ,grunde gienge1 erst
dadurch in den ,besitz von
,eigenschaften kme1 derentwegen man
nthig htte1 ihn in der niederen ,welt1
in welche er hinab sank1 nunmehr wie
einen ,heiligen zu verehren4 ,es giebt
,bcher1 welche fr ,seele und ,gesundheit
einen umgekehrten ,werth haben1 je
nachdem die niedere ,seele1 die
niedrigere ,lebenskraft oder aber die
hhere und gewaltigere sich ihrer
bedienen3 im ersten ,falle sind es
gefhrliche1 anbrckelnde1 auflsende
,bcher1 im anderen ,heroldsrufe1 welche
die ,tapfersten zu ihrer ,tapferkeit
herausfordern4 ,allerwelts-,bcher sind
immer belriechende ,bcher3 der
,kleine-,leute-,geruch klebt daran4 ,wo
das ,volk isst und trinkt1 selbst wo es
verehrt1 da pflegt es zu stinken4 ,man
soll nicht in ,kirchen gehn1 wenn man
reine ,luft athmen will4 - - #ca4
,man verehrt und verachtet in jungen
,jahren noch ohne jene ,kunst der
,nuance1 welche den besten ,gewinn des
,lebens ausmacht1 und muss es
billigerweise hart bssen1 solchergestalt
,menschen und ,dinge mit ,ja und ,nein
berfallen zu haben4 ,es ist ,alles
darauf eingerichtet1 dass der
schlechteste aller ,geschmcker1 der
,geschmack fr das ,unbedingte grausam
genarrt und gemissbraucht werde1 bis der
,mensch lernt1 etwas ,kunst in seine
,gefhle zu legen und lieber noch mit dem
,knstlichen den ,versuch zu wagen3 wie
es die rechten ,artisten des ,lebens
thun4 ,das ,zornige und ,ehrfrchtige1
das der ,jugend eignet1 scheint sich
keine ,ruhe zu geben1 bevor es nicht
,menschen und ,dinge so zurecht geflscht
hat1 dass es sich an ihnen auslassen
kann3 - ,jugend ist an sich schon etwas
,flschendes und ,betrgerisches4 ,spter1
wenn die junge ,seele1 durch lauter
,enttuschungen gemartert1 sich endlich
argwhnisch gegen sich selbst zurck
wendet1 immer noch heiss und wild1 auch
in ihrem ,argwohne und ,gewissensbisse3
wie zrnt sie sich nunmehr1 wie zerreisst
sie sich ungeduldig1 wie nimmt sie
,rache fr ihre lange
,selbst-,verblendung1 wie als ob sie
eine willkrliche ,blindheit gewesen sei6
,in diesem bergange bestraft man sich
selber1 durch ,misstrauen gegen sein
,gefhl2 man foltert seine ,begeisterung
durch den ,zweifel1 ja man fhlt schon
das gute ,gewissen als eine ,gefahr1
gleichsam als ,selbst-,verschleierung
und ,ermdung der feineren ,redlichkeit2
und vor ,allem1 man nimmt ,partei1
grundstzlich ,partei gegen die ,jugend4
- ,ein ,jahrzehend spter3 und man
begreift1 dass auch dies ,alles noch -
,jugend war6 #cb4 ,die lngste ,zeit
der menschlichen ,geschichte hindurch -
man nennt sie die prhistorische ,zeit -
wurde der ,werth oder der ,unwerth einer
,handlung aus ihren ,folgen abgeleitet3
die ,handlung an sich kam dabei
ebensowenig als ihre ,herkunft in
,betracht1 sondern ungefhr so1 wie heute
noch in ,china eine ,auszeichnung oder
,schande vom ,kinde auf die ,eltern
zurckgreift1 so war es die rckwirkende
,kraft des ,erfolgs oder ,misserfolgs1
welche den ,menschen anleitete1 gut oder
schlecht von einer ,handlung zu denken4
,nennen wir diese ,periode die
vormoralische ,periode der ,menschheit3
der ,imperativ erkenne dich selbst6 war
damals noch unbekannt4 ,in den letzten
zehn ,jahrtausenden ist man hingegen auf
einigen grossen ,flchen der ,erde
,schritt fr ,schritt so weit gekommen1
nicht mehr die ,folgen1 sondern die
,herkunft der ,handlung ber ihren ,werth
entscheiden zu lassen3 ein grosses
,ereigniss als ,ganzes1 eine erhebliche
,verfeinerung des ,blicks und
,maassstabs1 die unbewusste ,nachwirkung
von der ,herrschaft aristokratischer
,werthe und des ,glaubens an ,herkunft1
das ,abzeichen einer ,periode1 welche
man im engeren ,sinne als die moralische
bezeichnen darf3 der erste ,versuch zur
,selbst-,erkenntniss ist damit gemacht4
,statt der ,folgen die ,herkunft3
welche ,umkehrung der ,perspektive6 ,und
sicherlich eine erst nach langen
,kmpfen und ,schwankungen erreichte
,umkehrung6 ,freilich3 ein
verhngnissvoller neuer ,aberglaube1 eine
eigenthmliche ,engigkeit der
,interpretation kam eben damit zur
,herrschaft3 man interpretirte die
,herkunft einer ,handlung im
allerbestimmtesten ,sinne als ,herkunft
aus einer ,absicht2 man wurde ,eins im
,glauben daran1 dass der ,werth einer
,handlung im ,werthe ihrer ,absicht
belegen sei4 ,die ,absicht als die ganze
,herkunft und ,vorgeschichte einer
,handlung3 unter diesem ,vorurtheile ist
fast bis auf die neueste ,zeit auf
,erden moralisch gelobt1 getadelt1
gerichtet1 auch philosophirt worden4 -
,sollten wir aber heute nicht bei der
,nothwendigkeit angelangt sein1 uns
nochmals ber eine ,umkehrung und
,grundverschiebung der ,werthe schlssig
zu machen1 ,dank einer nochmaligen
,selbstbesinnung und ,vertiefung des
,menschen1 - sollten wir nicht an der
,schwelle einer ,periode stehen1 welche1
negativ1 zunchst als die
aussermoralische zu1 bezeichnen wre3
heute1 wo wenigstens unter uns
,immoralisten der ,verdacht sich regt1
dass gerade in dem1 was
nicht-absichtlich an einer ,handlung
ist1 ihr entscheidender ,werth belegen
sei1 und dass alle ihre
,absichtlichkeit1 ,alles1 was von ihr
gesehn1 gewusst1 bewusst werden kann1
noch zu ihrer ,oberflche und ,haut
gehre1 - welche1 wie jede ,haut1 ,etwas
verrth1 aber noch mehr verbirgt8 ,kurz1
wir glauben1 dass die ,absicht nur ein
,zeichen und ,symptom ist1 das erst der
,auslegung bedarf1 dazu ein ,zeichen1
das zu ,vielerlei und folglich fr sich
allein fast nichts bedeutet1 - dass
,moral1 im bisherigen ,sinne1 also
,absichten-,moral ein ,vorurtheil
gewesen ist1 eine ,voreiligkeit1 eine
,vorlufigkeit vielleicht1 ein ,ding etwa
vom ,range der ,astrologie und
,alchymie1 aber jedenfalls ,etwas1 das
berwunden werden muss4 ,die berwindung
der ,moral1 in einem gewissen ,verstande
sogar die ,selbstberwindung der ,moral3
mag das der ,name fr jene lange geheime
,arbeit sein1 welche den feinsten und
redlichsten1 auch den boshaftesten
,gewissen von heute1 als lebendigen
,probirsteinen der ,seele1 vorbehalten
blieb4 - #cc4 ,es hilft nichts3 man
muss die ,gefhle der ,hingebung1 der
,aufopferung fr den ,nchsten1 die ganze
,selbstentusserungs-,moral erbarmungslos
zur ,rede stellen und vor ,gericht
fhren3 ebenso wie die sthetik der
interesselosen ,anschauung1 unter
welcher sich die ,entmnnlichung der
,kunst verfhrerisch genug heute ein
gutes ,gewissen zu schaffen sucht4 ,es
ist viel zu viel ,zauber und ,zucker in
jenen ,gefhlen des fr ,andere1 des nicht
fr mich1 als dass man nicht nthig htte1
hier doppelt misstrauisch zu werden und
zu fragen3 sind es nicht vielleicht -
,verfhrungen8 - ,dass sie gefallen -
,dem1 der sie hat1 und ,dem1 der ihre
,frchte geniesst1 auch dem blossen
,zuschauer1 - dies giebt noch kein
,argument fr sie ab1 sondern fordert
gerade zur ,vorsicht auf4 ,seien wir
also vorsichtig6 #cd4 ,auf welchen
,standpunkt der ,philosophie man sich
heute auch stellen mag3 von jeder
,stelle aus gesehn ist die
,irrthmlichkeit der ,welt1 in der wir zu
leben glauben1 das ,sicherste und
,festeste1 dessen unser ,auge noch
habhaft werden kann3 - wir finden ,grnde
ber ,grnde dafr1 die uns zu
,muthmaassungen ber ein betrgerisches
,princip im ,wesen der ,dinge verlocken
mchten4 ,wer aber unser ,denken selbst1
also den ,geist fr die ,falschheit der
,welt verantwortlich macht - ein
ehrenhafter ,ausweg1 den jeder bewusste
oder unbewusste advocatus dei geht -3
wer diese ,welt1 sammt ,raum1 ,zeit1
,gestalt1 ,bewegung1 als falsch
erschlossen nimmt3 ein ,solcher htte
mindestens guten ,anlass1 gegen alles
,denken selbst endlich ,misstrauen zu
lernen3 htte es uns nicht bisher den
allergrssten ,schabernack gespielt8 und
welche ,brgschaft dafr gbe es1 dass es
nicht fortfhre1 zu thun1 was es immer
gethan hat8 ,in allem ,ernste3 die
,unschuld der ,denker hat etwas
,rhrendes und ,ehrfurcht ,einflssendes1
welche ihnen erlaubt1 sich auch heute
noch vor das ,bewusstsein hinzustellen1
mit der ,bitte1 dass es ihnen ehrliche
,antworten gebe3 zum ,beispiel ob es
real sei1 und warum es eigentlich die
ussere ,welt sich so entschlossen vom
,halse halte1 und was dergleichen
,fragen mehr sind4 ,der ,glaube an
unmittelbare ,gewissheiten ist eine
moralische ,naivett1 welche uns
,philosophen ,ehre macht3 aber - wir
sollen nun einmal nicht nur moralische
,menschen sein6 ,von der ,moral
abgesehn1 ist jener ,glaube eine
,dummheit1 die uns wenig ,ehre macht6
,mag im brgerlichen ,leben das allzeit
bereite ,misstrauen als ,zeichen des
schlechten ,charakters gelten und
folglich unter die ,unklugheiten gehren3
hier unter uns1 jenseits der
brgerlichen ,welt und ihres ,ja's und
,nein's1 - was sollte uns hindern1
unklug zu sein und zu sagen3 der
,philosoph hat nachgerade ein ,recht auf
schlechten ,charakter1 als das ,wesen1
welches bisher auf ,erden immer am
besten genarrt worden ist1 - er hat
heute die ,pflicht zum ,misstrauen1 zum
boshaftesten ,schielen aus jedem
,abgrunde des ,verdachts heraus4 - ,man
vergebe mir den ,scherz dieser dsteren
,fratze und ,wendung3 denn ich selbst
gerade habe lngst ber ,betrgen und
,betrogenwerden anders denken1 anders
schtzen gelernt und halte mindestens ein
paar ,rippenstsse fr die blinde ,wuth
bereit1 mit der die ,philosophen sich
dagegen struben1 betrogen zu werden4
,warum nicht8 ,es ist nicht mehr als ein
moralisches ,vorurtheil1 dass ,wahrheit
mehr werth ist als ,schein2 es ist
sogar die schlechtest bewiesene
,annahme1 die es in der ,welt giebt4
,man gestehe sich doch so viel ein3 es
bestnde gar kein ,leben1 wenn nicht auf
dem ,grunde perspektivischer ,schtzungen
und ,scheinbarkeiten2 und wollte man1
mit der tugendhaften ,begeisterung und
,tlpelei mancher ,philosophen1 die
scheinbare ,welt ganz abschlaffen1 nun1
gesetzt1 ihr knntet das1 - so bliebe
mindestens dabei auch von eurer
,wahrheit nichts mehr brig6 ,ja1 was
zwingt uns berhaupt zur ,annahme1 dass
es einen wesenhaften ,gegensatz von wahr
und falsch giebt8 ,gengt es nicht1
,stufen der ,scheinbarkeit anzunehmen
und gleichsam hellere und dunklere
,schatten und ,gesammttne des ,scheins1
- verschiedene valeurs1 um die ,sprache
der ,maler zu reden8 ,warum drfte die
,welt1 die uns etwas angeht -1 nicht
eine ,fiktion sein8 ,und wer da fragt3
aber zur ,fiktion gehrt ein ,urheber8 -
drfte dem nicht rund geantwortet werden3
,warum8 ,gehrt dieses ,gehrt nicht
vielleicht mit zur ,fiktion8 ,ist es
denn nicht erlaubt1 gegen ,subjekt1 wie
gegen ,prdikat und ,objekt1 nachgerade
ein ,wenig ironisch zu sein8 ,drfte sich
der ,philosoph nicht ber die
,glubigkeit an die ,grammatik erheben8
,alle ,achtung vor den ,gouvernanten3
aber wre es nicht an der ,zeit1 dass die
,philosophie dem ,gouvernanten-,glauben
absagte8 - #ce4 ,oh ,voltaire6 ,oh
,humanitt6 ,oh ,bldsinn6 ,mit der
,wahrheit1 mit dem ,suchen der ,wahrheit
hat es etwas auf sich2 und wenn der
,mensch es dabei gar zu menschlich
treibt - il ne cherche le vrai que pour
faire le bien - ich wette1 er findet
nichts6 #cf4 ,gesetzt1 dass nichts
,anderes als real gegeben ist als unsre
,welt der ,begierden und
,leidenschaften1 dass wir zu keiner
anderen ,realitt hinab oder hinauf knnen
als gerade zur ,realitt unsrer ,triebe
- denn ,denken ist nur ein ,verhalten
dieser ,triebe zu einander -3 ist es
nicht erlaubt1 den ,versuch zu machen
und die ,frage zu fragen1 ob dies
,gegeben nicht ausreicht1 um aus
,seines-,gleichen auch die sogenannte
mechanistische 7oder materielle7 ,welt
zu verstehen8 ,ich meine nicht als eine
,tuschung1 einen ,schein1 eine
,vorstellung 7im ,berkeley'schen und
,schopenhauerischen ,sinne71 sondern als
vom gleichen ,realitts-,range1 welchen
unser ,affekt selbst hat1 - als eine
primitivere ,form der ,welt der
,affekte1 in der noch ,alles in mchtiger
,einheit beschlossen liegt1 was sich
dann im organischen ,prozesse abzweigt
und ausgestaltet 7auch1 wie billig1
verzrtelt und abschwcht -71 als eine
,art von ,triebleben1 in dem noch
smmtliche organische ,funktionen1 mit
,selbst-,regulirung1 ,assimilation1
,ernhrung1 ,ausscheidung1 ,stoffwechsel1
synthetisch gebunden in einander sind1
- als eine ,vorform des ,lebens8 -
,zuletzt ist es nicht nur erlaubt1
diesen ,versuch zu machen3 es ist1 vom
,gewissen der ,methode aus1 geboten4
,nicht mehrere ,arten von ,causalitt
annehmen1 so lange nicht der ,versuch1
mit einer einzigen auszureichen1 bis an
seine usserste ,grenze getrieben ist 7-
bis zum ,unsinn1 mit ,verlaub zu sagen73
das ist eine ,moral der ,methode1 der
man sich heute nicht entziehen darf2 -
es folgt aus ihrer ,definition1 wie ein
,mathematiker sagen wrde4 ,die ,frage
ist zuletzt1 ob wir den ,willen wirklich
als wirkend anerkennen1 ob wir an die
,causalitt des ,willens glauben3 thun
wir das - und im ,grunde ist der ,glaube
daran eben unser ,glaube an ,causalitt
selbst -1 so mssen wir den ,versuch
machen1 die ,willens-,causalitt
hypothetisch als die einzige zu setzen4
,wille kann natrlich nur auf ,wille
wirken - und nicht auf ,stoffe 7nicht
auf ,nerven zum ,beispiel -73 genug1 man
muss die ,hypothese wagen1 ob nicht
berall1 wo ,wirkungen anerkannt werden1
,wille auf ,wille wirkt - und ob nicht
alles mechanische ,geschehen1 insofern
eine ,kraft darin thtig wird1 eben
,willenskraft1 ,willens-,wirkung ist4 -
,gesetzt endlich1 dass es gelnge1 unser
gesammtes ,triebleben als die
,ausgestaltung und ,verzweigung ,einer
,grundform des ,willens zu erklren -
nmlich des ,willens zur ,macht1 wie es
in ein ,satz ist -2 gesetzt1 dass man
alle organischen ,funktionen auf diesen
,willen zur ,macht zurckfhren knnte und
in ihm auch die ,lsung des ,problems der
,zeugung und ,ernhrung - es ist ,ein
,problem - fnde1 so htte man damit sich
das ,recht verschafft1 alle wirkende
,kraft eindeutig zu bestimmen als3
,wille zur ,macht4 ,die ,welt von innen
gesehen1 die ,welt auf ihren
intelligiblen ,charakter hin bestimmt
und bezeichnet - sie wre eben ,wille zur
,macht und nichts ausserdem4 - #cg4
,wie8 ,heisst das nicht1 populr geredet3
,gott ist widerlegt1 der ,teufel aber
nicht -8 ,im ,gegentheil6 ,im
,gegentheil1 meine ,freunde6 ,und1 zum
,teufel auch1 wer zwingt euch1 populr zu
reden6 - #ch4 ,wie es zuletzt noch1
in aller ,helligkeit der neueren
,zeiten1 mit der franzsischen
,revolution gegangen ist1 jener
schauerlichen und1 aus der ,nhe
beurtheilt1 berflssigen ,posse1 in
welche aber die edlen und schwrmerischen
,zuschauer von ganz ,europa aus der
,ferne her so lange und so
leidenschaftlich ihre eignen ,emprungen
und ,begeisterungen hinein interpretirt
haben1 bis der ,text unter der
,interpretation verschwand3 so knnte
eine edle ,nachwelt noch einmal die
ganze ,vergangenheit missverstehen und
dadurch vielleicht erst ihren ,anblick
ertrglich machen4 - ,oder vielmehr3 ist
dies nicht bereits geschehen8 waren wir
nicht selbst - diese edle ,nachwelt8
,und ist es nicht gerade jetzt1 insofern
wir dies begreifen1 - damit vorbei8
#ci4 ,niemand wird so leicht eine
,lehre1 bloss weil sie glcklich macht1
oder tugendhaft macht1 deshalb fr wahr
halten3 die lieblichen ,idealisten etwa
ausgenommen1 welche fr das ,gute1
,wahre1 ,schne schwrmen und in ihrem
,teiche alle ,arten von bunten plumpen
und gutmthigen ,wnschbarkeiten
durcheinander schwimmen lassen4 ,glck
und ,tugend sind keine ,argumente4 ,man
vergisst aber gerne1 auch auf ,seiten
besonnener ,geister1 dass
,unglcklich-machen und ,bse-machen
ebensowenig ,gegenargumente sind4 ,etwas
drfte wahr sein3 ob es gleich im
hchsten ,grade schdlich und gefhrlich
wre2 ja es knnte selbst zur
,grundbeschaffenheit des ,daseins
gehren1 dass man an seiner vlligen
,erkenntniss zu ,grunde gienge1 - so
dass sich die ,strke eines ,geistes
darnach bemsse1 wie viel er von der
,wahrheit gerade noch aushielte1
deutlicher1 bis zu welchem ,grade er sie
verdnnt1 verhllt1 verssst1 verdumpft1
verflscht nthig htte4 ,aber keinem
,zweifel unterliegt es1 dass fr die
,entdeckung gewisser ,theile der
,wahrheit die ,bsen und ,unglcklichen
begnstigter sind und eine grssere
,wahrscheinlichkeit des ,gelingens
haben2 nicht zu reden von den ,bsen1 die
glcklich sind1 - eine ,species1 welche
von den ,moralisten verschwiegen wird4
,vielleicht1 dass ,hrte und ,list
gnstigere ,bedingungen zur ,entstehung
des starken1 unabhngigen ,geistes und
,philosophen abgeben1 als jene sanfte
feine nachgebende ,gutartigkeit und
,kunst des ,leicht-nehmens1 welche man
an einem ,gelehrten schtzt und mit
,recht schtzt4 ,vorausgesetzt1 was voran
steht1 dass man den ,begriff ,philosoph
nicht auf den ,philosophen einengt1 der
,bcher schreibt - oder gar seine
,philosophie in ,bcher bringt6 - ,einen
letzten ,zug zum ,bilde des
freigeisterischen ,philosophen bringt
,stendhal bei1 den ich um des deutschen
,geschmacks willen nicht unterlassen
will zu unterstreichen3 - denn er geht
wider den deutschen ,geschmack4 ,pour
tre bon philosophe1 sagt dieser letzte
grosse ,psycholog1 il faut tre sec1
clair1 sans illusion4 ,un banquier1 qui
a fait fortune1 a une partie du caractre
requis pour faire des dcouvertes en
philosophie1 c'est-'-dire pour voir
clair dans ce qui est4 #dj4 ,alles1
was tief ist1 liebt die ,maske2 die
allertiefsten ,dinge haben sogar einen
,hass auf ,bild und ,gleichniss4 ,sollte
nicht erst der ,gegensatz die rechte
,verkleidung sein1 in der die ,scham
eines ,gottes einhergienge8 ,eine
fragwrdige ,frage3 es wre wunderlich1
wenn nicht irgend ein ,mystiker schon
dergleichen bei sich gewagt htte4 ,es
giebt ,vorgnge so zarter ,art1 dass man
gut thut1 sie durch eine ,grobheit zu
verschtten und unkenntlich zu machen2 es
giebt ,handlungen der ,liebe und einer
ausschweifenden ,grossmuth1 hinter denen
nichts rthlicher ist1 als einen ,stock
zu nehmen und den ,augenzeugen
durchzuprgeln3 damit trbt man dessen
,gedchtniss4 ,mancher versteht sich
darauf1 das eigne ,gedchtniss zu trben
und zu misshandeln1 um wenigstens an
diesem einzigen ,mitwisser seine ,rache
zu haben3 - die ,scham ist erfinderisch4
,es sind nicht die schlimmsten ,dinge1
deren man sich am schlimmsten schmt3 es
ist nicht nur ,arglist hinter einer
,maske1 - es giebt so viel ,gte in der
,list4 ,ich knnte mir denken1 dass ein
,mensch1 der etwas ,kostbares und
,verletzliches zu bergen htte1 grob und
rund wie ein grnes altes
schwerbeschlagenes ,weinfass durch's
,leben rollte3 die ,feinheit seiner
,scham will es so4 ,einem ,menschen1 der
,tiefe in der ,scham hat1 begegnen auch
seine ,schicksale und zarten
,entscheidungen auf ,wegen1 zu denen
,wenige je gelangen1 und um deren
,vorhandensein seine ,nchsten und
,vertrautesten nicht wissen drfen3 seine
,lebensgefahr verbirgt sich ihren
,augen und ebenso seine wieder eroberte
,lebens-,sicherheit4 ,ein solcher
,verborgener1 der aus ,instinkt das
,reden zum ,schweigen und ,verschweigen
braucht und unerschpflich ist in der
,ausflucht vor ,mittheilung1 will es und
frdert es1 dass eine ,maske von ihm an
seiner ,statt in den ,herzen und ,kpfen
seiner ,freunde herum wandelt2 und
gesetzt1 er will es nicht1 so werden ihm
eines ,tages die ,augen darber aufgehn1
dass es trotzdem dort eine ,maske von
ihm giebt1 - und dass es gut so ist4
,jeder tiefe ,geist braucht eine ,maske3
mehr noch1 um jeden tiefen ,geist wchst
fortwhrend eine ,maske1 ,dank der
bestndig falschen1 nmlich flachen
,auslegung jedes ,wortes1 jedes
,schrittes1 jedes ,lebens-,zeichens1 das
er giebt4 - #da4 ,man muss sich
selbst seine ,proben geben1 dafr dass
man zur ,unabhngigkeit und zum ,befehlen
bestimmt ist2 und dies zur rechten
,zeit4 ,man soll seinen ,proben nicht
aus dem ,wege gehn1 obgleich sie
vielleicht das gefhrlichste ,spiel sind1
das man spielen kann1 und zuletzt nur
,proben1 die vor uns selber als ,zeugen
und vor keinem anderen ,richter abgelegt
werden4 ,nicht an einer ,person hngen
bleiben3 und sei sie die geliebteste1 -
jede ,person ist ein ,gefngniss1 auch
ein ,winkel4 ,nicht an einem ,vaterlande
hngen bleiben3 und sei es das
leidendste und hlfbedrftigste1 - es ist
schon weniger schwer1 sein ,herz von
einem siegreichen ,vaterlande los zu
binden4 ,nicht an einem ,mitleiden hngen
bleiben3 und glte es hheren ,menschen1
in deren seltne ,marter und
,hlflosigkeit uns ein ,zufall hat
blicken lassen4 ,nicht an einer
,wissenschaft hngen bleiben3 und locke
sie ,einen mit den kostbarsten1
anscheinend gerade uns aufgesparten
,funden4 ,nicht an seiner eignen
,loslsung hngen bleiben1 an jener
wollstigen ,ferne und ,fremde des
,vogels1 der immer weiter in die ,hhe
flieht1 um immer mehr unter sich zu
sehn3 - die ,gefahr des ,fliegenden4
,nicht an unsern eignen ,tugenden hngen
bleiben und als ,ganzes das ,opfer
irgend einer ,einzelheit an uns werden1
zum ,beispiel unsrer ,gastfreundschaft3
wie es die ,gefahr der ,gefahren bei
hochgearteten und reichen ,seelen ist1
welche verschwenderisch1 fast
gleichgltig mit sich selbst umgehn und
die ,tugend der ,liberalitt bis zum
,laster treiben4 ,man muss wissen1 sich
zu bewahren3 strkste ,probe der
,unabhngigkeit4 #db4 ,eine neue
,gattung von ,philosophen kommt herauf3
ich wage es1 sie auf einen nicht
ungefhrlichen ,namen zu taufen4 ,so wie
ich sie errathe1 so wie sie sich
errathen lassen - denn es gehrt zu ihrer
,art1 irgend worin ,rthsel bleiben zu
wollen -1 mchten diese ,philosophen der
,zukunft ein ,recht1 vielleicht auch ein
,unrecht darauf haben1 als ,versucher
bezeichnet zu werden4 ,dieser ,name
selbst ist zuletzt nur ein ,versuch1
und1 wenn man will1 eine ,versuchung4
#dc4 ,sind es neue ,freunde der
,wahrheit1 diese kommenden ,philosophen8
,wahrscheinlich genug3 denn alle
,philosophen liebten bisher ihre
,wahrheiten4 ,sicherlich aber werden es
keine ,dogmatiker sein4 ,es muss ihnen
wider den ,stolz gehn1 auch wider den
,geschmack1 wenn ihre ,wahrheit gar noch
eine ,wahrheit fr ,jedermann sein soll3
was bisher der geheime ,wunsch und
,hintersinn aller dogmatischen
,bestrebungen war4 ,mein ,urtheil ist
mein ,urtheil3 dazu hat nicht leicht
auch ein ,anderer das ,recht - sagt
vielleicht solch ein ,philosoph der
,zukunft4 ,man muss den schlechten
,geschmack von sich abthun1 mit ,vielen
bereinstimmen zu wollen4 ,gut ist nicht
mehr gut1 wenn der ,nachbar es in den
,mund nimmt4 ,und wie knnte es gar ein
,gemeingut geben6 ,das ,wort
widerspricht sich selbst3 was gemein
sein kann1 hat immer nur wenig ,werth4
,zuletzt muss es so stehn1 wie es steht
und immer stand3 die grossen ,dinge
bleiben fr die ,grossen brig1 die
,abgrnde fr die ,tiefen1 die ,zartheiten
und ,schauder fr die ,feinen1 und1 im
,ganzen und ,kurzen1 alles ,seltene fr
die ,seltenen4 - #dd4 ,brauche ich
nach alledem noch eigens zu sagen1 dass
auch sie freie1 sehr freie ,geister sein
werden1 diese ,philosophen der
,zukunft1 - so gewiss sie auch nicht
bloss freie ,geister sein werden1
sondern etwas ,mehreres1 ,hheres1
,grsseres und ,grndlich-,anderes1 das
nicht verkannt und verwechselt werden
will8 ,aber1 indem ich dies sage1 fhle
ich fast ebenso sehr gegen sie selbst1
als gegen uns1 die wir ihre ,herolde und
,vorlufer sind1 wir freien ,geister6 -
die ,schuldigkeit1 ein altes dummes
,vorurtheil und ,missverstndniss von uns
gemeinsam fortzublasen1 welches
allzulange wie ein ,nebel den ,begriff
freier ,geist undurchsichtig gemacht
hat4 ,in allen ,lndern ,europa's und
ebenso in ,amerika giebt es jetzt
,etwas1 das ,missbrauch mit diesem
,namen treibt1 eine sehr enge1
eingefangne1 an ,ketten gelegte ,art von
,geistern1 welche ungefhr das
,gegentheil von dem wollen1 was in
unsern ,absichten und ,instinkten liegt1
- nicht zu reden davon1 dass sie in
,hinsicht auf jene heraufkommenden neuen
,philosophen erst recht zugemachte
,fenster und verriegelte ,thren sein
mssen4 ,sie gehren1 kurz und schlimm1
unter die ,nivellirer1 diese flschlich
genannten freien ,geister - als beredte
und schreibfingrige ,sklaven des
demokratischen ,geschmacks und seiner
modernen ,ideen3 allesammt ,menschen
ohne ,einsamkeit1 ohne eigne
,einsamkeit1 plumpe brave ,burschen1
welchen weder ,muth noch achtbare ,sitte
abgesprochen werden soll1 nur dass sie
eben unfrei und zum ,lachen oberflchlich
sind1 vor ,allem mit ihrem ,grundhange1
in den ,formen der bisherigen alten
,gesellschaft ungefhr die ,ursache fr
alles menschliche ,elend und ,missrathen
zu sehn3 wobei die ,wahrheit glcklich
auf den ,kopf zu stehn kommt6 ,was sie
mit allen ,krften erstreben mchten1 ist
das allgemeine grne ,weide-,glck der
,heerde1 mit ,sicherheit1
,ungefhrlichkeit1 ,behagen1
,erleichterung des ,lebens fr
,jedermann2 ihre beiden am reichlichsten
abgesungnen ,lieder und ,lehren heissen
,gleichheit der ,rechte und ,mitgefhl
fr alles ,leidende1 - und das ,leiden
selbst wird von ihnen als ,etwas
genommen1 das man abschaffen muss4 ,wir
,umgekehrten1 die wir uns ein ,auge und
ein ,gewissen fr die ,frage aufgemacht
haben1 wo und wie bisher die ,pflanze
,mensch am krftigsten in die ,hhe
gewachsen ist1 vermeinen1 dass dies
jedes ,mal unter den umgekehrten
,bedingungen geschehn ist1 dass dazu die
,gefhrlichkeit seiner ,lage erst in's
,ungeheure wachsen1 seine ,erfindungs-
und ,verstellungskraft 7sein ,geist -7
unter langem ,druck und ,zwang sich in's
,feine und ,verwegene entwickeln1 sein
,lebens-,wille bis zum unbedingten
,macht-,willen gesteigert werden musste3
- wir vermeinen1 dass ,hrte1
,gewaltsamkeit1 ,sklaverei1 ,gefahr auf
der ,gasse und im ,herzen1
,verborgenheit1 ,stoicismus1
,versucherkunst und ,teufelei jeder
,art1 dass alles ,bse1 ,furchtbare1
,tyrannische1 ,raubthier- und
,schlangenhafte am ,menschen so gut zur
,erhhung der ,species ,mensch dient1 als
sein ,gegensatz3 - wir sagen sogar
nicht einmal genug1 wenn wir nur so viel
sagen1 und befinden uns jedenfalls1 mit
unserm ,reden und ,schweigen an dieser
,stelle1 am andern ,ende aller modernen
,ideologie und ,heerden-,wnschbarkeit3
als deren ,antipoden vielleicht8 ,was
,wunder1 dass wir freien ,geister nicht
gerade die mittheilsamsten ,geister
sind8 dass wir nicht in jedem ,betrachte
zu verrathen wnschen1 wovon ein ,geist
sich frei machen kann und wohin er dann
vielleicht getrieben wird8 ,und was es
mit der gefhrlichen ,formel jenseits von
,gut und ,bse auf sich hat1 mit der wir
uns zum ,mindesten vor ,verwechslung
behten3 wir sind etwas ,anderes als
libres-penseurs1 liberi pensatori1
,freidenker und wie alle diese braven
,frsprecher der modernen ,ideen sich zu
benennen lieben4 ,in vielen ,lndern des
,geistes zu ,hause1 mindestens zu ,gaste
gewesen2 den dumpfen angenehmen
,winkeln immer wieder entschlpft1 in die
uns ,vorliebe und ,vorhass1 ,jugend1
,abkunft1 der ,zufall von ,menschen und
,bchern1 oder selbst die ,ermdungen der
,wanderschaft zu bannen schienen2 voller
,bosheit gegen die ,lockmittel der
,abhngigkeit1 welche in ,ehren1 oder
,geld1 oder mtern1 oder ,begeisterungen
der ,sinne versteckt liegen2 dankbar
sogar gegen ,noth und wechselreiche
,krankheit1 weil sie uns immer von
irgend einer ,regel und ihrem
,vorurtheil losmachte1 dankbar gegen
,gott1 ,teufel1 ,schlaf und ,wurm in
uns1 neugierig bis zum ,laster1
,forscher bis zur ,grausamkeit1 mit
unbedenklichen ,fingern fr ,unfassbares1
mit ,zhnen und ,mgen fr das
,unverdaulichste1 bereit zu jedem
,handwerk1 das ,scharfsinn und scharfe
,sinne verlangt1 bereit zu jedem
,wagniss1 ,dank einem berschusse von
freiem ,willen1 mit ,vorder- und
,hinterseelen1 denen ,keiner leicht in
die letzten ,absichten sieht1 mit
,vorder- und ,hintergrnden1 welche kein
,fuss zu ,ende laufen drfte1 ,verborgene
unter den ,mnteln des ,lichts1
,erobernde1 ob wir gleich ,erben und
,verschwendern gleich sehn1 ,ordner und
,sammler von frh bis ,abend1 ,geizhlse
unsres ,reichthums und unsrer
vollgestopften ,schubfcher1
haushlterisch im ,lernen und ,vergessen1
erfinderisch in ,schematen1 mitunter
stolz auf ,kategorien-,tafeln1 mitunter
,pedanten1 mitunter ,nachteulen der
,arbeit auch am hellen ,tage2 ja1 wenn
es noth thut1 selbst ,vogelscheuchen -
und heute thut es noth3 nmlich insofern
wir die geborenen geschworenen
eiferschtigen ,freunde der ,einsamkeit
sind1 unsrer eignen tiefsten
mitternchtlichsten mittglichsten
,einsamkeit3 - eine solche ,art
,menschen sind wir1 wir freien ,geister6
und vielleicht seid auch ihr etwas
davon1 ihr ,kommenden8 ihr neuen
,philosophen8 - ,drittes ,hauptstck3
,das religise ,wesen4 #de4 ,die
menschliche ,seele und ihre ,grenzen1
der bisher berhaupt erreichte ,umfang
menschlicher innerer ,erfahrungen1 die
,hhen1 ,tiefen und ,fernen dieser
,erfahrungen1 die ganze bisherige
,geschichte der ,seele und ihre noch
unausgetrunkenen ,mglichkeiten3 das ist
fr einen geborenen ,psychologen und
,freund der grossen ,jagd das
vorbestimmte ,jagdbereich4 ,aber wie oft
muss er sich verzweifelt sagen3 ein
,einzelner6 ach1 nur ein ,einzelner6 und
dieser grosse ,wald und ,urwald6 ,und
so wnscht er sich einige hundert
,jagdgehlfen und feine gelehrte
,sprhunde1 welche er in die ,geschichte
der menschlichen ,seele treiben knnte1
um dort sein ,wild zusammenzutreiben4
,umsonst3 er erprobt es immer wieder1
grndlich und bitterlich1 wie schlecht zu
allen ,dingen1 die gerade seine
,neugierde reizen1 ,gehlfen und ,hunde
zu finden sind4 ,der belstand1 den es
hat1 ,gelehrte auf neue und gefhrliche
,jagdbereiche auszuschicken1 wo ,muth1
,klugheit1 ,feinheit in jedem ,sinne
noth thun1 liegt darin1 dass sie gerade
dort nicht mehr brauchbar sind1 wo die
grosse ,jagd1 aber auch die grosse
,gefahr beginnt3 - gerade dort verlieren
sie ihr ,sprauge und ihre ,sprnase4 ,um
zum ,beispiel zu errathen und
festzustellen1 was fr eine ,geschichte
bisher das ,problem von ,wissen und
,gewissen in der ,seele der homines
religiosi gehabt hat1 dazu msste ,einer
vielleicht selbst so tief1 so verwundet1
so ungeheuer sein1 wie es das
intellektuelle ,gewissen ,pascal's war3
und dann bedrfte es immer noch jenes
ausgespannten ,himmels von heller1
boshafter ,geistigkeit1 welcher von
,oben herab dies ,gewimmel von
gefhrlichen und schmerzlichen
,erlebnissen zu bersehn1 zu ordnen1 in
,formeln zu zwingen vermchte4 - ,aber
wer thte mir diesen ,dienst6 ,aber wer
htte ,zeit1 auf solche ,diener zu
warten6 - sie wachsen ersichtlich zu
selten1 sie sind zu allen ,zeiten so
unwahrscheinlich6 ,zuletzt muss man
,alles selber thun1 um selber ,einiges
zu wissen3 das heisst1 man hat viel zu
thun6 - ,aber eine ,neugierde meiner
,art bleibt nun einmal das angenehmste
aller ,laster1 - ,verzeihung6 ich wollte
sagen3 die ,liebe zur ,wahrheit hat
ihren ,lohn im ,himmel und schon auf
,erden4 - #df4 ,der ,glaube1 wie ihn
das erste ,christenthum verlangt und
nicht selten erreicht hat1 inmitten
einer skeptischen und
sdlich-freigeisterischen ,welt1 die
einen ,jahrhunderte langen ,kampf von
,philosophenschulen hinter sich und in
sich hatte1 hinzugerechnet die
,erziehung zur ,toleranz1 welche das
imperium ,romanum gab1 - dieser ,glaube
ist nicht jener treuherzige und
brbeissige ,unterthanen-,glaube1 mit dem
etwa ein ,luther oder ein ,cromwell
oder sonst ein nordischer ,barbar des
,geistes an ihrem ,gotte und
,christenthum gehangen haben2 viel eher
scholl jener ,glaube ,pascal's1 der auf
schreckliche ,weise einem dauernden
,selbstmorde der ,vernunft hnlich sieht1
- einer zhen langlebigen wurmhaften
,vernunft1 die nicht mit ,einem ,male
und ,einem ,streiche todtzumachen ist4
,der christliche ,glaube ist von
,anbeginn ,opferung3 ,opferung aller
,freiheit1 alles ,stolzes1 aller
,selbstgewissheit des ,geistes2 zugleich
,verknechtung und ,selbst-,verhhnung1
,selbst-,verstmmelung4 ,es ist
,grausamkeit und religiser ,phnicismus
in diesem ,glauben1 der einem mrben1
vielfachen und viel verwhnten1 ,gewissen
zugemuthet wird3 seine ,voraussetzung
ist1 dass die ,unterwerfung des ,geistes
unbeschreiblich wehe thut1 dass die
ganze ,vergangenheit und ,gewohnheit
eines solchen ,geistes sich gegen das
,absurdissimum wehrt1 als welches ihm
der ,glaube entgegentritt4 ,die modernen
,menschen1 mit ihrer ,abstumpfung gegen
alle christliche ,nomenklatur1 fhlen
das ,schauerlich-,superlativische nicht
mehr nach1 das fr einen antiken
,geschmack in der ,paradoxie der ,formel
,gott am ,kreuze lag4 ,es hat bisher
noch niemals und nirgendswo eine gleiche
,khnheit im ,umkehren1 etwas gleich
,furchtbares1 ,fragendes und
,fragwrdiges gegeben wie diese ,formel3
sie verhiess eine ,umwerthung aller
antiken ,werthe4 - ,es ist der ,orient1
der tiefe ,orient1 es ist der
orientalische ,sklave1 der auf diese
,weise an ,rom und seiner vornehmen und
frivolen ,toleranz1 am rmischen
,katholicismus des ,glaubens ,rache
nahm3 - und immer war es nicht der
,glaube1 sondern die ,freiheit vom
,glauben1 jene halb stoische und
lchelnde ,unbekmmertheit um den ,ernst
des ,glaubens1 was die ,sklaven an ihren
,herrn1 gegen ihre ,herrn emprt hat4
,die ,aufklrung emprt3 der ,sklave
nmlich will ,unbedingtes1 er versteht
nur das ,tyrannische1 auch in der
,moral1 er liebt wie er hasst1 ohne
,nuance1 bis in die ,tiefe1 bis zum
,schmerz1 bis zur ,krankheit1 - sein
vieles verborgenes ,leiden emprt sich
gegen den vornehmen ,geschmack1 der das
,leiden zu leugnen scheint4 ,die
,skepsis gegen das ,leiden1 im ,grunde
nur eine ,attitude der aristokratischen
,moral1 ist nicht am wenigsten auch an
der ,entstehung des letzten grossen
,sklaven-,aufstandes betheiligt1 welcher
mit der franzsischen ,revolution
begonnen hat4 #dg4 ,wo nur auf ,erden
bisher die religise ,neurose
aufgetreten ist1 finden wir sie verknpft
mit drei gefhrlichen
,dit-,verordnungen3 ,einsamkeit1 ,fasten
und geschlechtlicher ,enthaltsamkeit1 -
doch ohne dass hier mit ,sicherheit zu
entscheiden wre1 was da ,ursache1 was
,wirkung sei1 und ob hier berhaupt ein
,verhltniss von ,ursache und ,wirkung
vorliege4 ,zum letzten ,zweifel
berechtigt1 dass gerade zu ihren
regelmssigsten ,symptomen1 bei wilden
wie bei zahmen ,vlkern1 auch die
pltzlichste ausschweifendste
,wollstigkeit gehrt1 welche dann1 ebenso
pltzlich1 in ,busskrampf und ,welt- und
,willens-,verneinung umschlgt3 beides
vielleicht als maskirte ,epilepsie
deutbar8 ,aber nirgendswo sollte man
sich der ,deutungen mehr entschlagen3 um
keinen ,typus herum ist bisher eine
solche ,flle von ,unsinn und
,aberglauben aufgewachsen1 keiner
scheint bisher die ,menschen1 selbst die
,philosophen1 mehr interessirt zu
haben1 - es wre an der ,zeit1 hier
gerade ein ,wenig kalt zu werden1
,vorsicht zu lernen1 besser noch3
wegzusehn1 wegzugehn4 - ,noch im
,hintergrunde der letztgekommenen
,philosophie1 der ,schopenhauerischen1
steht1 beinahe als das ,problem an sich1
dieses schauerliche ,fragezeichen der
religisen ,krisis und ,erweckung4 ,wie
ist ,willensverneinung mglich8 wie ist
der ,heilige mglich8 - das scheint
wirklich die ,frage gewesen zu sein1 bei
der ,schopenhauer zum ,philosophen
wurde und anfieng4 ,und so war es eine
cht ,schopenhauerische ,consequenz1 dass
sein berzeugtester ,anhnger 7vielleicht
auch sein letzter1 was ,deutschland
betrifft -71 nmlich ,richard ,wagner1
das eigne ,lebenswerk gerade hier zu
,ende brachte und zuletzt noch jenen
furchtbaren und ewigen ,typus als
,kundry auf der ,bhne vorfhrte1 type
vcu1 und wie er leibt und lebt2 zu
gleicher ,zeit1 wo die ,irrenrzte fast
aller ,lnder ,europa's einen ,anlass
hatten1 ihn aus der ,nhe zu studiren1
berall1 wo die religise ,neurose - oder1
wie ich es nenne1 das religise ,wesen -
als ,heilsarmee ihren letzten
epidemischen ,ausbruch und ,aufzug
gemacht hat4 - ,fragt man sich aber1 was
eigentlich am ganzen ,phnomen des
,heiligen den ,menschen aller ,art und
,zeit1 auch den ,philosophen1 so unbndig
interessant gewesen ist3 so ist es ohne
allen ,zweifel der ihm1 anhaftende
,anschein des ,wunders1 nmlich der
unmittelbaren ,aufeinanderfolge von
,gegenstzen1 von moralisch
entgegengesetzt gewertheten ,zustnden
der ,seele3 man glaubte hier mit ,hnden
zu greifen1 dass aus einem schlechten
,menschen mit ,einem ,male ein
,heiliger1 ein guter ,mensch werde4 ,die
bisherige ,psychologie litt an dieser
,stelle ,schiffbruch3 sollte es nicht
vornehmlich darum geschehen sein1 weil
sie sich unter die ,herrschaft der
,moral gestellt hatte1 weil sie an die
moralischen ,werth-,gegenstze selbst
glaubte1 und diese ,gegenstze in den
,text und ,thatbestand hineinsah1
hineinlas1 hinein deutete8 - ,wie8 ,das
,wunder nur ein ,fehler der
,interpretation8 ,ein ,mangel an
,philologie8 - #dh4 ,es scheint1 dass
den lateinischen ,rassen ihr
,katholicismus viel innerlicher zugehrt1
als uns ,nordlndern das ganze
,christentum berhaupt3 und dass folglich
der ,unglaube in katholischen ,lndern
etwas ganz ,anderes zu bedeuten hat1 als
in protestantischen - nmlich eine ,art
,emprung gegen den ,geist der ,rasse1
whrend er bei uns eher eine ,rckkehr zum
,geist 7oder ,ungeist -7 der ,rasse
ist4 ,wir ,nordlnder stammen
unzweifelhaft aus ,barbaren-,rassen1
auch in ,hinsicht auf unsere ,begabung
zur ,religion3 wir sind schlecht fr sie
begabt4 ,man darf die ,kelten ausnehmen1
welche deshalb auch den besten ,boden
fr die ,aufnahme der christlichen
,infektion im ,norden abgegeben haben3 -
in ,frankreich kam das christliche
,ideal1 soweit es nur die blasse ,sonne
des ,nordens erlaubt hat1 zum ,ausblhen4
,wie fremdartig fromm sind unserm
,geschmack selbst diese letzten
franzsischen ,skeptiker noch1 sofern
etwas keltisches ,blut in ihrer ,abkunft
ist6 ,wie katholisch1 wie undeutsch
riecht uns ,auguste ,comte's ,sociologie
mit ihrer rmischen ,logik der
,instinkte6 ,wie jesuitisch jener
liebenswrdige und kluge ,cicerone von
,port-,royal1 ,sainte-,beuve1 trotz all
seiner ,jesuiten-,feindschaft6 ,und gar
,ernest ,renan3 wie unzugnglich klingt
uns ,nordlndern die ,sprache solch eines
,renan1 in dem alle ,augenblicke irgend
ein ,nichts von religiser ,spannung
seine in feinerem ,sinne wollstige und
bequem sich bettende ,seele um ihr
,gleichgewicht bringt6 ,man spreche ihm
einmal diese schnen ,stze nach1 - und
was fr ,bosheit und bermuth regt sich
sofort in unserer wahrscheinlich weniger
schnen und hrteren1 nmlich deutscheren
,seele als ,antwort6 -disons donc
hardiment que la religion est un produit
de l'homme normal1 que l'homme est le
plus dans le vrai quand il est le plus
religieux et le plus assur d'une destine
infinie4444 ,c'est quand il est bon
qu'il veut que la vertu corresponde un
ordre ternel1 c'est quand il contemple
les choses d'une manire dsintresse qu'il
trouve la mort rvoltante et absurde4
,comment ne pas supposer que c'est dans
ces moments-l1 que l'homme voit le
mieux84444 ,diese ,stze sind meinen
,ohren und ,gewohnheiten so sehr
antipodisch1 dass1 als ich sie fand1
mein erster ,ingrimm daneben schrieb la
niaiserie religieuse par excellence6 -
bis mein letzter ,ingrimm sie gar noch
lieb gewann1 diese ,stze mit ihrer auf
den ,kopf gestellten ,wahrheit6 ,es ist
so artig1 so auszeichnend1 seine eignen
,antipoden zu haben6 #di4 ,das1 was
an der ,religiositt der alten ,griechen
staunen macht1 ist die unbndige ,flle
von ,dankbarkeit1 welche sie ausstrmt3 -
es ist eine sehr vornehme ,art ,mensch1
welche so vor der ,natur und vor dem
,leben steht6 - ,spter1 als der ,pbel in
,griechenland zum bergewicht kommt1
berwuchert die ,furcht auch in der
,religion2 und das ,christenthum
bereitete sich vor4- #ej4 ,die
,leidenschaft fr ,gott3 es giebt
burische1 treuherzige und zudringliche
,arten1 wie die ,luther's1 - der ganze
,protestantismus entbehrt der sdlichen
delicatezza4 ,es giebt ein
orientalisches ,aussersichsein darin1
wie bei einem unverdient begnadeten oder
erhobenen ,sklaven1 zum ,beispiel bei
,augustin1 der auf eine beleidigende
,weise aller ,vornehmheit der ,gebrden
und ,begierden ermangelt4 ,es giebt
frauenhafte ,zrtlichkeit und
,begehrlichkeit darin1 welche schamhaft
und unwissend nach einer unio mystica et
physica drngt3 wie bei ,madame de
,guyon4 ,in vielen ,fllen erscheint sie
wunderlich genug als ,verkleidung der
,pubertt eines ,mdchens oder ,jnglings2
hier und da selbst als ,hysterie einer
alten ,jungfer1 auch als deren letzter
,ehrgeiz3 - die ,kirche hat das ,weib
schon mehrfach in einem solchen ,falle
heilig gesprochen4 #ea4 ,bisher haben
sich die mchtigsten ,menschen immer
noch verehrend vor dem ,heiligen
gebeugt1 als dem ,rthsel der
,selbstbezwingung und absichtlichen
letzten ,entbehrung3 warum beugten sie
sich8 ,sie ahnten in ihm - und gleichsam
hinter dem ,fragezeichen seines
gebrechlichen und klglichen ,anscheins -
die berlegene ,kraft1 welche sich an
einer solchen ,bezwingung erproben
wollte1 die ,strke des ,willens1 in der
sie die eigne ,strke und herrschaftliche
,lust wieder erkannten und zu ehren
wussten3 sie ehrten ,etwas an sich1 wenn
sie den ,heiligen ehrten4 ,es kam
hinzu1 dass der ,anblick des ,heiligen
ihnen einen ,argwohn eingab3 ein solches
,ungeheures von ,verneinung1 von
,wider-,natur wird nicht umsonst begehrt
worden sein1 so sagten und fragten sie
sich4 ,es giebt vielleicht einen ,grund
dazu1 eine ganz grosse ,gefahr1 ber
welche der ,asket1 ,dank seinen geheimen
,zusprechern und ,besuchern1 nher
unterrichtet sein mchte8 ,genug1 die
,mchtigen der ,welt lernten vor ihm eine
neue ,furcht1 sie ahnten eine neue
,macht1 einen fremden1 noch
unbezwungenen ,feind3 - der ,wille zur
,macht war es1 der sie nthigte1 vor dem
,heiligen stehen zu bleiben4 ,sie
mussten ihn fragen - - #eb4 ,im
jdischen alten ,testament1 dem ,buche
von der gttlichen ,gerechtigkeit1 giebt
es ,menschen1 ,dinge und ,reden in einem
so grossen ,stile1 dass das griechische
und indische ,schriftenthum ihm nichts
zur ,seite zu stellen hat4 ,man steht
mit ,schrecken und ,ehrfurcht vor diesen
ungeheuren berbleibseln dessen1 was der
,mensch einstmals war1 und wird dabei
ber das alte ,asien und sein
vorgeschobenes ,halbinselchen ,europa1
das durchaus gegen ,asien den
,fortschritt des ,menschen bedeuten
mchte1 seine traurigen ,gedanken haben4
,freilich3 wer selbst nur ein dnnes
zahmes ,hausthier ist und nur
,hausthier-,bedrfnisse kennt 7gleich
unsren ,gebildeten von heute1 die
,christen des gebildeten ,christenthums
hinzugenommen -71 der hat unter jenen
,ruinen weder sich zu verwundern1 noch
gar sich zu betrben - der ,geschmack am
alten ,testament ist ein ,prfstein in
,hinsicht auf ,gross und ,klein -3
vielleicht1 dass er das neue ,testament1
das ,buch von der ,gnade1 immer noch
eher nach seinem ,herzen findet 7in ihm
ist viel von dem rechten zrtlichen
dumpfen ,betbrder- und
,kleinen-,seelen-,geruch74 ,dieses neue
,testament1 eine ,art ,rokoko des
,geschmacks in jedem ,betrachte1 mit dem
alten ,testament zu ,einem ,buche
zusammengeleimt zu haben1 als ,bibel1
als das ,buch an sich3 das ist
vielleicht die grsste ,verwegenheit und
,snde wider den ,geist1 welche das
litterarische ,europa auf dem ,gewissen
hat4 #ec4 ,warum heute ,atheismus8 -
,der ,vater in ,gott ist grndlich
widerlegt2 ebenso der ,richter1 der
,belohner4 ,insgleichen sein freier
,wille3 er hrt nicht1 - und wenn er
hrte1 wsste er trotzdem nicht zu helfen4
,das ,schlimmste ist3 er scheint
unfhig1 sich deutlich mitzutheilen3 ist
er unklar8 - ,dies ist es1 was ich1 als
,ursachen fr den ,niedergang des
europischen ,theismus1 aus vielerlei
,gesprchen1 fragend1 hinhorchend1
ausfindig gemacht habe2 es scheint mir1
dass zwar der religise ,instinkt mchtig
im ,wachsen ist1 - dass er aber gerade
die theistische ,befriedigung mit tiefem
,misstrauen ablehnt4 #ed4 ,was thut
denn im ,grunde die ganze neuere
,philosophie8 ,seit ,descartes - und
zwar mehr aus ,trotz gegen ihn1 als auf
,grund seines ,vorgangs - macht man
seitens aller ,philosophen ein ,attentat
auf den alten ,seelen-,begriff1 unter
dem ,anschein einer ,kritik des
,subjekt- und ,prdikat-,begriffs - das
heisst3 ein ,attentat auf die
,grundvoraussetzung der christlichen
,lehre4 ,die neuere ,philosophie1 als
eine erkenntnisstheoretische ,skepsis1
ist1 versteckt oder offen1
antichristlich3 obschon1 fr feinere
,ohren gesagt1 keineswegs antireligis4
,ehemals nmlich glaubte man an die
,seele1 wie man an die ,grammatik und
das grammatische ,subjekt glaubte3 man
sagte1 ,ich ist ,bedingung1 denke ist
,prdikat und bedingt - ,denken ist eine
,thtigkeit1 zu der ein ,subjekt als
,ursache gedacht werden muss4 ,nun
versuchte man1 mit einer
bewunderungswrdigen ,zhigkeit und ,list1
ob man nicht aus diesem ,netze heraus
knne1 - ob nicht vielleicht das
,umgekehrte wahr sei3 denke ,bedingung1
,ich bedingt2 ,ich also erst eine
,synthese1 welche durch das ,denken
selbst gemacht wird4 ,kant wollte im
,grunde beweisen1 dass vom ,subjekt aus
das ,subjekt nicht bewiesen werden knne1
- das ,objekt auch nicht3 die
,mglichkeit einer ,scheinexistenz des
,subjekts1 also der ,seele1 mag ihm
nicht immer fremd gewesen sein1 jener
,gedanke1 welcher als
,vedanta-,philosophie schon einmal und
in ungeheurer ,macht auf ,erden
dagewesen ist4 #ee4 ,es giebt eine
grosse ,leiter der religisen
,grausamkeit1 mit vielen ,sprossen2 aber
drei davon sind die wichtigsten4 ,einst
opferte man seinem ,gotte ,menschen1
vielleicht gerade solche1 welche man am
besten liebte1 - dahin gehren die
,erstlings-,opfer aller
,vorzeit-,religionen1 dahin auch das
,opfer des ,kaisers ,tiberius in der
,mithrasgrotte der ,insel ,capri1 jener
schauerlichste aller rmischen
,anachronismen4 ,dann1 in der
moralischen ,epoche der ,menschheit1
opferte man seinem ,gotte die strksten
,instinkte1 die man besass1 seine
,natur2 diese ,festfreude glnzt im
grausamen ,blicke des ,asketen1 des
begeisterten ,wider-,natrlichen4
,endlich3 was blieb noch brig zu opfern8
,musste man nicht endlich einmal alles
,trstliche1 ,heilige1 ,heilende1 alle
,hoffnung1 allen ,glauben an verborgene
,harmonie1 an zuknftige ,seligkeiten und
,gerechtigkeiten opfern8 musste man
nicht ,gott selber opfern und1 aus
,grausamkeit gegen sich1 den ,stein1 die
,dummheit1 die ,schwere1 das
,schicksal1 das ,nichts anbeten8 ,fr das
,nichts ,gott opfern - dieses paradoxe
,mysterium der letzten ,grausamkeit
blieb dem ,geschlechte1 welches jetzt
eben herauf kommt1 aufgespart3 wir ,alle
kennen schon etwas davon4 - #ef4
,wer1 gleich mir1 mit irgend einer
rthselhaften ,begierde sich lange darum
bemht hat1 den ,pessimismus in die
,tiefe zu denken und aus der halb
christlichen1 halb deutschen ,enge und
,einfalt zu erlsen1 mit der er sich
diesem ,jahrhundert zuletzt dargestellt
hat1 nmlich in ,gestalt der
,schopenhauerischen ,philosophie2 wer
wirklich einmal mit einem asiatischen
und berasiatischen ,auge in die
weltverneinendste aller mglichen
,denkweisen hinein und hinunter geblickt
hat - jenseits von ,gut und ,bse1 und
nicht mehr1 wie ,buddha und
,schopenhauer1 im ,bann und ,wahne der
,moral -1 der hat vielleicht ebendamit1
ohne dass er es eigentlich wollte1 sich
die ,augen fr das umgekehrte ,ideal
aufgemacht3 fr das ,ideal des
bermthigsten lebendigsten und
weltbejahendsten ,menschen1 der sich
nicht nur mit dem1 was war und ist1
abgefunden und vertragen gelernt hat1
sondern es1 so wie es war und ist1
wieder haben will1 in alle ,ewigkeit
hinaus1 unersttlich da capo rufend1
nicht nur zu sich1 sondern zum ganzen
,stcke und ,schauspiele1 und nicht nur
zu einem ,schauspiele1 sondern im
,grunde zu ,dem1 der gerade dies
,schauspiel nthig hat - und nthig macht3
weil er immer wieder sich nthig hat -
und nthig macht - - ,wie8 ,und dies wre
nicht - circulus vitiosus deus8 #eg4
,mit der ,kraft seines geistigen ,blicks
und ,einblicks wchst die ,ferne und
gleichsam der ,raum um den ,menschen3
seine ,welt wird tiefer1 immer neue
,sterne1 immer neue ,rthsel und ,bilder
kommen ihm in ,sicht4 ,vielleicht war
,alles1 woran das ,auge des ,geistes
seinen ,scharfsinn und ,tiefsinn gebt
hat1 eben nur ein ,anlass zu seiner
bung1 eine ,sache des ,spiels1 ,etwas fr
,kinder und ,kindskpfe4 ,vielleicht
erscheinen uns einst die feierlichsten
,begriffe1 um die am meisten gekmpft und
gelitten worden ist1 die ,begriffe
,gott und ,snde1 nicht wichtiger1 als
dem alten ,manne ein ,kinder-,spielzeug
und ,kinder-,schmerz erscheint1 - und
vielleicht hat dann der alte ,mensch
wieder ein andres ,spielzeug und einen
andren ,schmerz nthig1 - immer noch
,kinds genug1 ein ewiges ,kind6 #eh4
,hat man wohl beachtet1 in wiefern zu
einem eigentlich religisen ,leben 7und
sowohl zu seiner mikroskopischen
,lieblings-,arbeit der ,selbstprfung1
als zu jener zarten ,gelassenheit1
welche sich ,gebet nennt und eine
bestndige ,bereitschaft fr das ,kommen
,gottes ist7 der ussere ,mssiggang oder
,halb-,mssiggang noth thut1 ich meine
der ,mssiggang mit gutem ,gewissen1 von
,alters her1 von ,geblt1 dem das
,aristokraten-,gefhl nicht ganz fremd
ist1 dass ,arbeit schndet1 - nmlich
,seele und ,leib gemein macht8 ,und dass
folglich die moderne1 lrmende1
,zeit-auskaufende1 auf sich stolze1
dumm-stolze ,arbeitsamkeit1 mehr als
alles brige1 gerade zum ,unglauben
erzieht und vorbereitet8 ,unter ,denen1
welche zum ,beispiel jetzt in
,deutschland abseits von der ,religion
leben1 finde ich ,menschen von vielerlei
,art und ,abkunft der ,freidenkerei1
vor ,allem aber eine ,mehrzahl solcher1
denen ,arbeitsamkeit1 von ,geschlecht zu
,geschlecht1 die religisen ,instinkte
aufgelst hat3 so dass sie gar nicht mehr
wissen1 wozu ,religionen ntze sind1 und
nur mit einer ,art stumpfen ,erstaunens
ihr ,vorhandensein in der ,welt
gleichsam registriren4 ,sie fhlen sich
schon reichlich in ,anspruch genommen1
diese braven ,leute1 sei es von ihren
,geschften1 sei es von ihren
,vergngungen1 gar nicht zu reden vom
,vaterlande und den ,zeitungen und den
,pflichten der ,familie3 es scheint1
dass sie gar keine ,zeit fr die
,religion brig haben1 zumal es ihnen
unklar bleibt1 ob es sich dabei um ein
neues ,geschft oder ein neues ,vergngen
handelt1 - denn unmglich1 sagen sie
sich1 geht man in die ,kirche1 rein um
sich die gute ,laune zu verderben4 ,sie
sind keine ,feinde der religisen
,gebruche2 verlangt man in gewissen
,fllen1 etwa von ,seiten des ,staates1
die ,betheiligung an solchen ,gebruchen1
so thun sie1 was man verlangt1 wie man
so ,vieles thut -1 mit einem geduldigen
und bescheidenen ,ernste und ohne viel
,neugierde und ,unbehagen3 - sie leben
eben zu sehr abseits und ausserhalb1 um
selbst nur ein ,fr und ,wider in solchen
,dingen bei sich nthig zu finden4 ,zu
diesen ,gleichgltigen gehrt heute die
berzahl der deutschen ,protestanten in
den mittleren ,stnden1 sonderlich in den
arbeitsamen grossen ,handels- und
,verkehrscentren2 ebenfalls die berzahl
der arbeitsamen ,gelehrten und der ganze
,universitts-,zubehr 7die ,theologen
ausgenommen1 deren ,dasein und
,mglichkeit daselbst dem ,psychologen
immer mehr und immer feinere ,rthsel zu
rathen giebt74 ,man macht sich selten
von ,seiten frommer oder auch nur
kirchlicher ,menschen eine ,vorstellung
davon1 wieviel guter ,wille1 man knnte
sagen1 willkrlicher ,wille jetzt dazu
gehrt1 dass ein deutscher ,gelehrter das
,problem der ,religion ernst nimmt2 von
seinem ganzen ,handwerk her 7und1 wie
gesagt1 von der handwerkerhaften
,arbeitsamkeit her1 zu welcher ihn sein
modernes ,gewissen verpflichtet7 neigt
er zu einer berlegenen1 beinahe gtigen
,heiterkeit gegen die ,religion1 zu der
sich bisweilen eine leichte
,geringschtzung mischt1 gerichtet gegen
die ,unsauberkeit des ,geistes1 welche
er berall dort voraussetzt1 wo man sich1
noch zur ,kirche bekennt4 ,es gelingt
dem ,gelehrten erst mit ,hlfe der
,geschichte 7also nicht von seiner
persnlichen ,erfahrung aus71 es gegenber
den ,religionen zu einem
ehrfurchtsvollen ,ernste und zu einer
gewissen scheuen ,rcksicht zu bringen2
aber wenn er sein ,gefhl sogar bis zur
,dankbarkeit gegen sie gehoben hat1 so
ist er mit seiner ,person auch noch
keinen ,schritt weit dem1 was noch als
,kirche oder ,frmmigkeit besteht1 nher
gekommen3 vielleicht umgekehrt4 ,die
praktische ,gleichgltigkeit gegen
religise ,dinge1 in welche hinein er
geboren und erzogen ist1 pflegt sich bei
ihm zur ,behutsamkeit und ,reinlichkeit
zu sublimiren1 welche die ,berhrung mit
religisen ,menschen und ,dingen scheut2
und es kann gerade die ,tiefe seiner
,toleranz und ,menschlichkeit sein1 die
ihn vor dem feinen ,nothstande
ausweichen heisst1 welchen das
,toleriren selbst mit sich bringt4 -
,jede ,zeit hat ihre eigene gttliche
,art von ,naivett1 um deren ,erfindung
sie andre ,zeitalter beneiden drfen3 -
und wie viel ,naivett1 verehrungswrdige1
kindliche und unbegrenzt tlpelhafte
,naivett liegt in diesem
berlegenheits-,glauben des ,gelehrten1
im guten ,gewissen seiner ,toleranz1 in
der ahnungslosen schlichten ,sicherheit1
mit der sein ,instinkt den religisen
,menschen als einen minderwerthigen und
niedrigeren ,typus behandelt1 ber den er
selbst hinaus1 hinweg1 hinauf gewachsen
ist1 - er1 der kleine anmaassliche
,zwerg und ,pbelmann1 der
fleissig-flinke ,kopf- und ,handarbeiter
der ,ideen1 der modernen ,ideen6 #ei4
,wer tief in die ,welt gesehen hat1
errth wohl1 welche ,weisheit darin
liegt1 dass die ,menschen oberflchlich
sind4 ,es ist ihr erhaltender ,instinkt1
der sie lehrt1 flchtig1 leicht und
falsch zu sein4 ,man findet hier und da
eine leidenschaftliche und bertreibende
,anbetung der reinen ,formen1 bei
,philosophen wie bei ,knstlern3 mge
,niemand zweifeln1 dass wer dergestalt
den ,cultus der ,oberflche nthig hat1
irgend wann einmal einen unglckseligen
,griff unter sie gethan hat4 ,vielleicht
giebt es sogar hinsichtlich dieser
verbrannten ,kinder1 der geborenen
,knstler1 welche den ,genuss des ,lebens
nur noch in der ,absicht finden1 sein
,bild zu flschen 7gleichsam in einer
langwierigen ,rache am ,leben -71 auch
noch eine ,ordnung des ,ranges3 man
knnte den ,grad1 in dem ihnen das ,leben
verleidet ist1 daraus abnehmen1 bis wie
weit sie sein ,bild verflscht1 verdnnt1
verjenseitigt1 vergttlicht zu sehn
wnschen1 - man knnte die homines
religiosi mit unter die ,knstler
rechnen1 als ihren hchsten ,rang4 ,es
ist die tiefe argwhnische ,furcht vor
einem unheilbaren ,pessimismus1 der
ganze ,jahrtausende zwingt1 sich mit den
,zhnen in eine religise ,interpretation
des ,daseins zu verbeissen3 die ,furcht
jenes ,instinktes1 welcher ahnt1 dass
man der ,wahrheit zu frh habhaft werden
knnte1 ehe der ,mensch stark genug1 hart
genug1 ,knstler genug geworden ist4444
,die ,frmmigkeit1 das ,leben in ,gott1
mit diesem ,blicke betrachtet1 erschiene
dabei als die feinste und letzte
,ausgeburt der ,furcht vor der
,wahrheit1 als ,knstler-,anbetung und
-,trunkenheit vor der consequentesten
aller ,flschungen1 als der ,wille zur
,umkehrung der ,wahrheit1 zur
,unwahrheit um jeden ,preis4
,vielleicht1 dass es bis jetzt kein
strkeres ,mittel gab1 den ,menschen
selbst zu verschnern1 als eben
,frmmigkeit3 durch sie kann der ,mensch
so sehr ,kunst1 ,oberflche1
,farbenspiel1 ,gte werden1 dass man an
seinem ,anblicke nicht mehr leidet4 -
#fj4 ,den ,menschen zu lieben um
,gottes ,willen - das war bis jetzt das
vornehmste und entlegenste ,gefhl1 das
unter ,menschen erreicht worden ist4
,dass die ,liebe zum ,menschen ohne
irgendeine heiligende ,hinterabsicht
eine ,dummheit und ,thierheit mehr ist1
dass der ,hang zu dieser ,menschenliebe
erst von einem hheren ,hange sein
,maass1 seine ,feinheit1 sein ,krnchen
,salz und ,stubchen ,ambra zu bekommen
hat3 - welcher ,mensch es auch war1 der
dies zuerst empfunden und erlebt hat1
wie sehr auch seine ,zunge gestolpert
haben mag1 als sie versuchte1 solch eine
,zartheit auszudrcken1 er bleibe uns in
alle ,zeiten heilig und verehrenswerth1
als der ,mensch1 der am hchsten bisher
geflogen und am schnsten sich verirrt
hat6 #fa4 ,der ,philosoph1 wie wir
ihn verstehen1 wir freien ,geister als
der ,mensch der umfnglichsten
,verantwortlichkeit1 der das ,gewissen
fr die ,gesammt-,entwicklung des
,menschen hat3 dieser ,philosoph wird
sich der ,religionen zu seinem
,zchtungs- und ,erziehungswerke
bedienen1 wie er sich der jeweiligen
politischen und wirthschaftlichen
,zustnde bedienen wird4 ,der auslesende1
zchtende1 das heisst immer ebensowohl
der zerstrende als der schpferische und
gestaltende ,einfluss1 welcher mit ,hlfe
der ,religionen ausgebt werden kann1
ist je nach der ,art ,menschen1 die
unter ihren ,bann und ,schutz gestellt
werden1 ein vielfacher und
verschiedener4 ,fr die ,starken1
,unabhngigen1 zum ,befehlen1
,vorbereiteten und ,vorbestimmten1 in
denen die ,vernunft und ,kunst einer
regierenden ,rasse leibhaft wird1 ist1
,religion ein ,mittelmehr1 um
,widerstnde zu berwinden1 um herrschen
zu knnen3 als ein ,band1 das ,herrscher
und ,unterthanen gemeinsam bindet und
die ,gewissen der ,letzteren1 ihr
,verborgenes und ,innerlichstes1 das
sich gerne dem ,gehorsam entziehen
mchte1 den ,ersteren verrth und
berantwortet2 und falls einzelne
,naturen einer solchen vornehmen
,herkunft1 durch hohe ,geistigkeit1
einem abgezogeneren und beschaulicheren
,leben sich zuneigen und nur die feinste
,artung des ,herrschens 7ber
ausgesuchte ,jnger oder ,ordensbrder7
sich vorbehalten1 so kann ,religion
selbst als ,mittel benutzt werden1 sich
,ruhe vor dem ,lrm und der ,mhsal des
grberen ,regierens und ,reinheit vor dem
nothwendigen ,schmutz alles
,politik-,machens zu schaffen4 ,so
verstanden es zum ,beispiel die
,brahmanen3 mit ,hlfe einer religisen
,organisation gaben sie sich die ,macht1
dem ,volke seine ,knige zu ernennen1
whrend sie sich selber abseits und
ausserhalb hielten und fhlten1 als die
,menschen hherer und berkniglicher
,aufgaben4 ,inzwischen giebt die
,religion auch einem ,theile der
,beherrschten ,anleitung und
,gelegenheit1 sich auf einstmaliges
,herrschen und ,befehlen vorzubereiten1
jenen langsam heraufkommenden ,klassen
und ,stnden nmlich1 in denen1 durch
glckliche ,ehesitten1 die ,kraft und
,lust des ,willens1 der ,wille zur
,selbstbeherrschung1 immer im ,steigen
ist3 - ihnen bietet die ,religion
,anstsse und ,versuchungen genug1 die
,wege zur hheren ,geistigkeit zu gehen1
die ,gefhle der grossen
,selbstberwindung1 des ,schweigens und
der ,einsamkeit zu erproben3 -
,asketismus und ,puritanismus sind fast
unentbehrliche ,erziehungs- und
,veredelungsmittel1 wenn eine ,rasse ber
ihre ,herkunft aus dem ,pbel ,herr
werden will und sich zur einstmaligen
,herrschaft emporarbeitet4 ,den
gewhnlichen ,menschen endlich1 den
,allermeisten1 welche zum ,dienen und
zum allgemeinen ,nutzen da sind und nur
insofern dasein drfen1 giebt die
,religion eine unschtzbare ,gengsamkeit
mit ihrer ,lage und ,art1 vielfachen
,frieden des ,herzens1 eine ,veredelung
des ,gehorsams1 ein ,glck und ,leid mehr
mit ,ihres-,gleichen und ,etwas von
,verklrung und ,verschnerung1 ,etwas von
,rechtfertigung des ganzen ,alltags1
der ganzen ,niedrigkeit1 der ganzen
,halbthier-,armuth ihrer ,seele4
,religion und religise ,bedeutsamkeit
des ,lebens legt ,sonnenglanz auf solche
immer geplagte ,menschen und macht
ihnen selbst den eigenen ,anblick
ertrglich1 sie wirkt1 wie eine
epikurische ,philosophie auf ,leidende
hheren ,ranges zu wirken pflegt1
erquickend1 verfeinernd1 das ,leiden
gleichsam ausntzend1 zuletzt gar
heiligend und rechtfertigend4
,vielleicht ist am ,christenthum und
,buddhismus nichts so ehrwrdig als ihre
,kunst1 noch den ,niedrigsten
anzulehren1 sich durch ,frmmigkeit in
eine hhere ,schein-,ordnung der ,dinge
zu stellen und damit das ,gengen an der
wirklichen ,ordnung1 innerhalb deren sie
hart genug leben1 - und gerade diese
,hrte thut ,noth6 - bei sich
festzuhalten4 #fb4 ,zuletzt freilich1
um solchen ,religionen auch die
schlimme ,gegenrechnung zu machen und
ihre unheimliche ,gefhrlichkeit an's
,licht zu stellen3 - es bezahlt sich
immer theuer und frchterlich1 wenn
,religionen nicht als ,zchtungs- und
,erziehungsmittel in der ,hand des
,philosophen1 sondern von sich aus und
souvern walten1 wenn sie selber letzte
,zwecke und nicht ,mittel neben anderen
,mitteln sein wollen4 ,es giebt bei dem
,menschen wie bei jeder anderen
,thierart einen berschuss von
,missrathenen1 ,kranken1 ,entartenden1
,gebrechlichen1 nothwendig ,leidenden2
die gelungenen ,flle sind auch beim
,menschen immer die ,ausnahme und sogar
in ,hinsicht darauf1 dass der ,mensch
das noch nicht festgestellte ,thier ist1
die sprliche ,ausnahme4 ,aber noch
schlimmer3 je hher geartet der ,typus
eines ,menschen ist1 der durch ihn
dargestellt wird1 um so mehr steigt noch
die ,unwahrscheinlichkeit1 dass er
gerth3 das ,zufllige1 das ,gesetz des
,unsinns im gesammten ,haushalte der
,menschheit zeigt sich am
erschrecklichsten in seiner
zerstrerischen ,wirkung auf die hheren
,menschen1 deren ,lebensbedingungen
fein1 vielfach und schwer auszurechnen
sind4 ,wie verhalten sich nun die
genannten beiden grssten ,religionen zu
diesem berschuss der misslungenen ,flle8
,sie suchen zu erhalten1 im ,leben
festzuhalten1 was sich nur irgend halten
lsst1 ja sie nehmen grundstzlich fr sie
,partei1 als ,religionen fr ,leidende1
sie geben allen ,denen ,recht1 welche am
,leben wie an einer ,krankheit leiden1
und mchten es durchsetzen1 dass jede
andre ,empfindung des ,lebens als falsch
gelte und unmglich werde4 ,mchte man
diese schonende und erhaltende ,frsorge1
insofern sie neben allen anderen auch
dem hchsten1 bisher fast immer auch
leidendsten ,typus des ,menschen gilt
und galt1 noch so hoch anschlagen3 in
der ,gesammt-,abrechnung gehren die
bisherigen1 nmlich souvernen ,religionen
zu den ,hauptursachen1 welche den
,typus ,mensch auf einer niedrigeren
,stufe festhielten1 - sie erhielten zu
viel von dem1 was zu ,grunde gehn
sollte4 ,man hat ihnen ,unschtzbares zu
danken2 und wer ist reich genug an
,dankbarkeit1 um nicht vor alle dem arm
zu werden1 was zum ,beispiel die
geistlichen ,menschen des ,christenthums
bisher fr ,europa gethan haben6 ,und
doch1 wenn sie den ,leidenden ,trost1
den ,unterdrckten und ,verzweifelnden
,muth1 den ,unselbstndigen einen ,stab
und ,halt gaben und die
,innerlich-,zerstrten und
,wild-,gewordenen von der ,gesellschaft
weg in ,klster und seelische ,zuchthuser
lockten3 was mussten sie ausserdem
thun1 um mit gutem ,gewissen dergestalt
grundstzlich an der ,erhaltung alles
,kranken und ,leidenden1 das heisst in
,that und ,wahrheit an der
,verschlechterung der europischen ,rasse
zu arbeiten8 ,alle ,werthschtzungen auf
den ,kopf stellen - das mussten sie6
,und die ,starken zerbrechen1 die
grossen ,hoffnungen ankrnkeln1 das ,glck
in der ,schnheit verdchtigen1 alles
,selbstherrliche1 ,mnnliche1 ,erobernde1
,herrschschtige1 alle ,instinkte1
welche dem hchsten und wohlgerathensten
,typus ,mensch zu eigen sind1 in
,unsicherheit1 ,gewissens-,noth1
,selbstzerstrung umknicken1 ja die ganze
,liebe zum ,irdischen und zur
,herrschaft ber die ,erde in ,hass gegen
die ,erde und das ,irdische verkehren -
das stellte sich die ,kirche zur
,aufgabe und musste es sich stellen1 bis
fr ihre ,schtzung endlich
,entweltlichung1 ,entsinnlichung und
hherer ,mensch in ,ein ,gefhl
zusammenschmolzen4 ,gesetzt1 dass man
mit dem spttischen und unbetheiligten
,auge eines epikurischen ,gottes die
wunderlich schmerzliche und ebenso grobe
wie feine ,komdie des europischen
,christenthums zu berschauen vermchte1
ich glaube1 man fnde kein ,ende mehr zu
staunen und zu lachen3 scheint es denn
nicht1 dass ,ein ,wille ber ,europa
durch achtzehn ,jahrhunderte geherrscht
hat1 aus dem ,menschen eine sublime
,missgeburt zu machen8 ,wer aber mit
umgekehrten ,bedrfnissen1 nicht
epikurisch mehr1 sondern mit irgend
einem gttlichen ,hammer in der ,hand auf
diese fast willkrliche ,entartung und
,verkmmerung des ,menschen zutrte1 wie
sie der christliche ,europer ist
7,pascal zum ,beispiel71 msste er da
nicht mit ,grimm1 mit ,mitleid1 mit
,entsetzen schreien3 ,oh ihr ,tlpel1 ihr
anmaassenden mitleidigen ,tlpel1 was
habt ihr da gemacht6 ,war das eine
,arbeit fr eure ,hnde6 ,wie habt ihr mir
meinen schnsten ,stein verhauen und
verhunzt6 ,was nahmt ihr euch heraus6 -
,ich wollte sagen3 das ,christenthum war
bisher die verhngnissvollste ,art von
,selbst-berhebung4 ,menschen1 nicht hoch
und hart genug1 um am ,menschen als
,knstler gestalten zu drfen2 ,menschen1
nicht stark und fernsichtig genug1 um1
mit einer erhabenen ,selbst-,bezwingung1
das ,vordergrund-,gesetz des
tausendfltigen ,missrathens und
,zugrundegehns walten zu lassen2
,menschen1 nicht vornehm genug1 um die
abgrndlich verschiedene ,rangordnung und
,rangkluft zwischen ,mensch und ,mensch
zu sehen3 - solche ,menschen haben1 mit
ihrem ,gleich vor ,gott1 bisher ber dem
,schicksale ,europa's gewaltet1 bis
endlich eine verkleinerte1 fast
lcherliche ,art1 ein ,heerdenthier1
etwas ,gutwilliges1 ,krnkliches und
,mittelmssiges1 herangezchtet ist1 der
heutige ,europer4444 ,viertes
,hauptstck3 ,sprche und
,zwischenspiele4 #fc4 ,wer von ,grund
aus ,lehrer ist1 nimmt alle ,dinge nur
in ,bezug auf seine ,schler ernst1 -
sogar sich selbst4 #fd4 ,die
,erkenntniss um ihrer selbst willen -
das ist der letzte ,fallstrick1 den die
,moral legt3 damit verwickelt man sich
noch einmal vllig in sie4 #fe4 ,der
,reiz der ,erkenntniss wre gering1 wenn
nicht auf dem ,wege zu ihr so viel
,scham zu berwinden wre4 #fe a4 ,man
ist am unehrlichsten gegen seinen ,gott3
er darf nicht sndigen6 #ff4 ,die
,neigung1 sich herabzusetzen1 sich
bestehlen1 belgen und ausbeuten zu
lassen1 knnte die ,scham eines ,gottes
unter ,menschen sein4 #fg4 ,die
,liebe zu ,einem ist eine ,barbarei3
denn sie wird auf ,unkosten aller brigen
ausgebt4 ,auch die ,liebe zu ,gott4
#fh4 ,das habe ich gethan sagt mein
,gedchtniss4 ,das kann ich nicht gethan
haben - sagt mein ,stolz und bleibt
unerbittlich4 ,endlich - giebt das
,gedchtniss nach4 #fi4 ,man hat
schlecht dem ,leben zugeschaut1 wenn man
nicht auch die ,hand gesehn hat1 die
auf eine schonende ,weise - tdtet4
#gj4 ,hat man ,charakter1 so hat man
auch sein typisches ,erlebniss1 das
immer wiederkommt4 #ga4 ,der ,weise
als ,astronom4 - ,so lange du noch die
,sterne fhlst als ein ber-dir1 fehlt dir
noch der ,blick des ,erkennenden4
#gb4 ,nicht die ,strke1 sondern die
,dauer der hohen ,empfindung macht die
hohen ,menschen4 #gc4 ,wer sein
,ideal erreicht1 kommt eben damit ber
dasselbe hinaus4 #gc a4 ,mancher
,pfau verdeckt vor ,aller ,augen seinen
,pfauenschweif - und heisst es seinen
,stolz4 #gd4 ,ein ,mensch mit ,genie
ist unausstehlich1 wenn er nicht
mindestens noch zweierlei dazu besitzt3
,dankbarkeit und ,reinlichkeit4 #ge4
,grad und ,art der ,geschlechtlichkeit
eines ,menschen reicht bis in den
letzten ,gipfel seines ,geistes hinauf4
#gf4 ,unter friedlichen ,umstnden fllt
der kriegerische ,mensch ber sich selber
her4 #gg4 ,mit seinen ,grundstzen
will man seine ,gewohnheiten
tyrannisiren oder rechtfertigen oder
ehren oder beschimpfen oder verbergen3 -
zwei ,menschen mit gleichen ,grundstzen
wollen damit wahrscheinlich noch etwas
,grund-,verschiedenes4 #gh4 ,wer sich
selbst verachtet1 achtet sich doch
immer noch dabei als ,verchter4 #gi4
,eine ,seele1 die sich geliebt weiss1
aber selbst nicht liebt1 verrth ihren
,bodensatz3 - ihr ,unterstes kommt
herauf4 #hj4 ,eine ,sache1 die sich
aufklrt1 hrt auf1 uns etwas anzugehn4 -
,was meinte jener ,gott1 welcher
anrieth3 erkenne dich selbst6 ,hiess es
vielleicht3 hre auf1 dich etwas
anzugehn6 werde objektiv6 - ,und
,sokrates8 - ,und der wissenschaftliche
,mensch8 - #ha4 ,es ist furchtbar1 im
,meere vor ,durst zu sterben4 ,msst ihr
denn gleich eure ,wahrheit so salzen1
dass sie nicht einmal mehr - den ,durst
lscht8 #hb4 ,mitleiden mit ,allen -
wre ,hrte und ,tyrannei mit dir1 mein
,herr ,nachbar6 - #hc4 ,der
,instinkt4 - ,wenn das ,haus brennt1
vergisst man sogar das ,mittagsessen4 -
,ja3 aber man holt es auf der ,asche
nach4 #hd4 ,das ,weib lernt hassen1
in dem ,maasse1 in dem es zu bezaubern -
verlernt4 #he4 ,die gleichen
,affekte sind bei ,mann und ,weib doch
im ,tempo verschieden3 deshalb hren
,mann und ,weib nicht auf1 sich
misszuverstehn4 #hf4 ,die ,weiber
selber haben im ,hintergrunde aller
persnlichen ,eitelkeit immer noch ihre
unpersnliche ,verachtung - fr das ,weib4
#hg4 ,gebunden ,herz1 freier ,geist4
- ,wenn man sein ,herz hart bindet und
gefangen legt1 kann man seinem ,geist
viele ,freiheiten geben3 ich sagte das
schon ,ein ,mal4 ,aber man glaubt mir's
nicht1 gesetzt1 dass man's nicht schon
weiss44444 #hh4 ,sehr klugen
,personen fngt man an zu misstrauen1
wenn sie verlegen werden4 #hi4
,frchterliche ,erlebnisse geben zu
rathen1 ob ,der1 welcher sie erlebt1
nicht etwas ,frchterliches ist4 #ij4
,schwere1 ,schwermthige ,menschen werden
gerade durch das1 was ,andre schwer
macht1 durch ,hass und ,liebe1 leichter
und kommen zeitweilig an ihre
,oberflche4 #ia4 ,so kalt1 so eisig1
dass man sich an ihm die ,finger
verbrennt6 ,jede ,hand erschrickt1 die
ihn anfasst6 - ,und gerade darum halten
,manche ihn fr glhend4 #ib4 ,wer hat
nicht fr seinen guten ,ruf schon einmal
- sich selbst geopfert8 - #ic4 ,in
der ,leutseligkeit ist ,nichts von
,menschenhass1 aber eben darum allzuviel
von ,menschenverachtung4 #id4 ,reife
des ,mannes3 das heisst den ,ernst
wiedergefunden haben1 den man als ,kind
hatte1 beim ,spiel4 #ie4 ,sich seiner
,unmoralitt schmen3 das ist eine ,stufe
auf der ,treppe1 an deren ,ende man
sich auch seiner ,moralitt schmt4 #if4
,man soll vom ,leben scheiden wie
,odysseus von ,nausikaa schied1 - mehr
segnend als verliebt4 #ig4 ,wie8 ,ein
grosser ,mann8 ,ich sehe immer nur den
,schauspieler seines eignen ,ideals4
#ih4 ,wenn man sein ,gewissen dressirt1
so ksst es uns zugleich1 indem es
beisst4 #ii4 ,der ,enttuschte
spricht4 - ,ich horchte auf ,widerhall1
und ich hrte nur ,lob - #ajj4 ,vor
uns selbst stellen wir uns ,alle
einfltiger als wir sind3 wir ruhen uns
so von unsern ,mitmenschen aus4 #aja4
,heute mchte sich ein ,erkennender
leicht als ,thierwerdung ,gottes fhlen4
#ajb4 ,gegenliebe entdecken sollte
eigentlich den ,liebenden ber das
geliebte ,wesen ernchtern4 ,wie8 es ist
bescheiden genug1 sogar dich zu lieben8
,oder dumm genug8 ,oder - oder - #ajc4
,die ,gefahr im ,glcke4 - ,nun
gereicht mir ,alles zum ,besten1 nunmehr
liebe ich jedes ,schicksal3 - wer hat
,lust1 mein ,schicksal zu sein8 #ajd4
,nicht ihre ,menschenliebe1 sondern die
,ohnmacht ihrer ,menschenliebe hindert
die ,christen von heute1 uns - zu
verbrennen4 #aje4 ,dem freien
,geiste1 dem ,frommen der ,erkenntniss -
geht die pia fraus noch mehr wider den
,geschmack 7wider seine ,frmmigkeit7 als
die impia fraus4 ,daher sein tiefer
,unverstand gegen die ,kirche1 wie er
zum ,typus freier ,geist gehrt1 - als
seine ,unfreiheit4 #ajf4 ,vermge der
,musik geniessen sich die
,leidenschaften selbst4 #ajg4 ,wenn
der ,entschluss einmal gefasst ist1 das
,ohr auch fr den besten ,gegengrund zu
schliessen3 ,zeichen des starken
,charakters4 ,also ein gelegentlicher
,wille zur ,dummheit4 #ajh4 ,es giebt
gar keine moralischen ,phnomene1
sondern nur eine moralische ,ausdeutung
von ,phnomenen44444 #aji4 ,der
,verbrecher ist hufig genug seiner ,that
nicht gewachsen3 er verkleinert und
verleumdet sie4 #aaj4 ,die ,advokaten
eines ,verbrechers sind selten
,artisten genug1 um das schne
,schreckliche der ,that zu ,gunsten
ihres ,thters zu wenden4 #aaa4 ,unsre
,eitelkeit ist gerade dann am
schwersten zu verletzen1 wenn eben unser
,stolz verletzt wurde4 #aab4 ,wer
sich zum ,schauen und nicht zum ,glauben
vorherbestimmt fhlt1 dem sind alle
,glubigen zu lrmend und zudringlich3 er
erwehrt sich ihrer4 #aac4 ,du willst
ihn fr dich einnehmen8 ,so stelle dich
vor ihm verlegen - #aad4 ,die
ungeheure ,erwartung in ,betreff der
,geschlechtsliebe1 und die ,scham in
dieser ,erwartung1 verdirbt den ,frauen
von vornherein alle ,perspektiven4
#aae4 ,wo nicht ,liebe oder ,hass
mitspielt1 spielt das ,weib mittelmssig4
#aaf4 ,die grossen ,epochen unsres
,lebens liegen dort1 wo wir den ,muth
gewinnen1 unser ,bses als unser ,bestes
umzutaufen4 #aag4 ,der ,wille1 einen
,affekt zu berwinden1 ist zuletzt doch
nur der ,wille eines anderen oder mehrer
anderer ,affekte4 #aah4 ,es giebt
eine ,unschuld der ,bewunderung3 ,der
hat sie1 dem es noch nicht in den ,sinn
gekommen ist1 auch er knne einmal
bewundert werden4 #aai4 ,der ,ekel
vor dem ,schmutze kann so gross sein1
dass er uns hindert1 uns zu reinigen1 -
uns zu rechtfertigen4 #abj4 ,die
,sinnlichkeit bereilt oft das ,wachsthum
der ,liebe1 so dass die ,wurzel schwach
bleibt und leicht auszureissen ist4
#aba4 ,es ist eine ,feinheit1 dass
,gott griechisch lernte1 als er
,schriftsteller werden wollte - und dass
er es nicht besser lernte4 #abb4
,sich ber ein ,lob freuen ist bei
,manchem nur eine ,hflichkeit des
,herzens - und gerade das ,gegenstck
einer ,eitelkeit des ,geistes4 #abc4
,auch das ,concubinat ist corrumpirt
worden3 - durch die ,ehe4 #abd4 ,wer
auf dem ,scheiterhaufen noch frohlockt1
triumphirt nicht ber den ,schmerz1
sondern darber1 keinen ,schmerz zu
fhlen1 wo er ihn erwartete4 ,ein
,gleichniss4 #abe4 ,wenn wir ber
,jemanden umlernen mssen1 so rechnen wir
ihm die ,unbequemlichkeit hart an1 die
er uns damit macht4 #abf4 ,ein ,volk
ist der ,umschweif der ,natur1 um zu
sechs1 sieben grossen ,mnnern zu kommen4
- ,ja3 und um dann um sie herum zu
kommen4 #abg4 ,allen rechten ,frauen
geht ,wissenschaft wider die ,scham4 ,es
ist ihnen dabei zu ,muthe1 als ob man
damit ihnen unter die ,haut1 - schlimmer
noch6 unter ,kleid und ,putz gucken
wolle4 #abh4 ,je abstrakter die
,wahrheit ist1 die du lehren willst1 um
so mehr musst du noch die ,sinne zu ihr
verfhren4 #abi4 ,der ,teufel hat die
weitesten ,perspektiven fr ,gott1
deshalb hlt er sich von ihm so fern3 -
der ,teufel nmlich als der lteste
,freund der ,erkenntniss4 #acj4 ,was
jemand ist1 fngt an1 sich zu verrathen1
wenn sein ,talent nachlsst1 - wenn er
aufhrt1 zu zeigen1 was er kann4 ,das
,talent ist auch ein ,putz2 ein ,putz
ist auch ein ,versteck4 #aca4 ,die
,geschlechter tuschen sich ber einander3
das macht1 sie ehren und lieben im
,grunde nur sich selbst 7oder ihr
eigenes ideal1 um es geflliger
auszudrcken -74 ,so will der ,mann das
,weib friedlich1 - aber gerade das ,weib
ist wesentlich unfriedlich1 gleich der
,katze1 so gut es sich auch auf den
,anschein des ,friedens eingebt hat4
#acb4 ,man wird am besten fr seine
,tugenden bestraft4 #acc4 ,wer den
,weg zu seinem ,ideale nicht zu finden
weiss1 lebt leichtsinniger und frecher1
als der ,mensch ohne ,ideal4 #acd4
,von den ,sinnen her kommt erst alle
,glaubwrdigkeit1 alles gute ,gewissen1
aller ,augenschein der ,wahrheit4
#ace4 ,der ,pharisismus ist nicht eine
,entartung am guten ,menschen3 ein gutes
,stck davon ist vielmehr die ,bedingung
von allem ,gut-sein4 #acf4 ,der
,eine sucht einen ,geburtshelfer fr
seine ,gedanken1 der ,andre ,einen1 dem
er helfen kann3 so entsteht ein gutes
,gesprch4 #acg4 ,im ,verkehre mit
,gelehrten und ,knstlern verrechnet man
sich leicht in umgekehrter ,richtung3
man findet hinter einem merkwrdigen
,gelehrten nicht selten einen
mittelmssigen ,menschen1 und hinter
einem mittelmssigen ,knstler sogar oft -
einen sehr merkwrdigen ,menschen4
#ach4 ,wir machen es auch im ,wachen
wie im ,traume3 wir erfinden und
erdichten erst den ,menschen1 mit dem
wir verkehren - und vergessen es sofort4
#aci4 ,in der ,rache und in der
,liebe ist das ,weib barbarischer1 als
der ,mann4 #adj4 ,rath als ,rthsel4 -
,soll das ,band nicht reissen1 - musst
du erst drauf beissen4 #ada4 ,der
,unterleib ist der ,grund dafr1 dass der
,mensch sich nicht so leicht fr einen
,gott hlt4 #adb4 ,das zchtigste
,wort1 das ich gehrt habe3 ,dans le
vritable amour c'est l'me1 qui enveloppe
le corps4 #adc4 ,was wir am besten
thun1 von dem mchte unsre ,eitelkeit1
dass es grade als ,das gelte1 was uns am
schwersten werde4 ,zum ,ursprung
mancher ,moral4 #add4 ,wenn ein ,weib
gelehrte ,neigungen hat1 so ist
gewhnlich ,etwas an ihrer
,geschlechtlichkeit nicht in ,ordnung4
,schon ,unfruchtbarkeit disponirt zu
einer gewissen ,mnnlichkeit des
,geschmacks2 der ,mann ist nmlich1 mit
,verlaub1 das unfruchtbare ,thier4
#ade4 ,mann und ,weib im ,ganzen
verglichen1 darf man sagen3 das ,weib
htte nicht das ,genie des ,putzes1 wenn
es nicht den ,instinkt der zweiten
,rolle htte4 #adf4 ,wer mit
,ungeheuern kmpft1 mag zusehn1 dass er
nicht dabei zum ,ungeheuer wird4 ,und
wenn du lange in einen ,abgrund blickst1
blickt der ,abgrund auch in dich
hinein4 #adg4 ,aus alten
florentinischen ,novellen1 berdies - aus
dem ,leben3 buona femmina e mala
femmina vuol bastone4 ,sacchetti ,nov4
#hf4 #adh4 ,den ,nchsten zu einer
guten ,meinung verfhren und hinterdrein
an diese ,meinung des ,nchsten glubig
glauben3 wer thut es in diesem
,kunststck den ,weibern gleich8 -
#adi4 ,was eine ,zeit als bse
empfindet1 ist gewhnlich ein
unzeitgemsser ,nachschlag dessen1 was
ehemals als gut empfunden wurde1 - der
,atavismus eines lteren ,ideals4 #aej4
,um den ,helden herum wird ,alles zur
,tragdie1 um den ,halbgott herum ,alles
zum ,satyrspiel2 und um ,gott herum wird
,alles - wie8 vielleicht zur ,welt8 -
#aea4 ,ein ,talent haben ist nicht
genug3 man muss auch eure ,erlaubniss
dazu haben1 - wie8 meine ,freunde8
#aeb4 ,wo der ,baum der ,erkenntniss
steht1 ist immer das ,paradies3 so reden
die ltesten und die jngsten ,schlangen4
#aec4 ,was aus ,liebe gethan wird1
geschieht immer jenseits von ,gut und
,bse4 #aed4 ,der ,einwand1 der
,seitensprung1 das frhliche ,misstrauen1
die ,spottlust sind ,anzeichen der
,gesundheit3 alles ,unbedingte gehrt in
die ,pathologie4 #aee4 ,der ,sinn fr
das ,tragische nimmt mit der
,sinnlichkeit ab und zu4 #aef4 ,der
,irrsinn ist bei ,einzelnen etwas
,seltenes1 - aber bei ,gruppen1
,parteien1 ,vlkern1 ,zeiten die ,regel4
#aeg4 ,der ,gedanke an den ,selbstmord
ist ein starkes ,trostmittel3 mit ihm
kommt man gut ber manche bse ,nacht
hinweg4 #aeh4 ,unserm strksten
,triebe1 dem ,tyrannen in uns1
unterwirft sich nicht nur unsre
,vernunft1 sondern auch unser ,gewissen4
#aei4 ,man muss vergelten1 ,gutes
und ,schlimmes3 aber warum gerade an der
,person1 die uns ,gutes oder ,schlimmes
that8 #afj4 ,man liebt seine
,erkenntniss nicht genug mehr1 sobald
man sie mittheilt4 #afa4 ,die
,dichter sind gegen ihre ,erlebnisse
schamlos3 sie beuten sie aus4 #afb4
,unser ,nchster ist nicht unser
,nachbar1 sondern dessen ,nachbar - so
denkt jedes ,volk4 #afc4 ,die ,liebe
bringt die hohen und verborgenen
,eigenschaften eines ,liebenden an's
,licht1 - sein ,seltenes1
,ausnahmsweises3 insofern tuscht sie
leicht ber ,das1 was ,regel an ihm ist4
#afd4 ,jesus sagte zu seinen ,juden3
das ,gesetz war fr ,knechte1 - liebt
,gott1 wie ich ihn liebe1 als sein
,sohn6 ,was geht uns ,shne ,gottes die
,moral an6 - #afe4 ,angesichts jeder
,partei4 - ,ein ,hirt hat immer auch
noch einen ,leithammel nthig1 - oder er
muss selbst gelegentlich ,hammel sein4
#aff4 ,man lgt wohl mit dem ,munde2
aber mit dem ,maule1 das man dabei
macht1 sagt man doch noch die ,wahrheit4
#afg4 ,bei harten ,menschen ist die
,innigkeit eine ,sache der ,scham - und
etwas ,kostbares4 #afh4 ,das
,christenthum gab dem ,eros ,gift zu
trinken3 - er starb zwar nicht daran1
aber entartete1 zum ,laster4 #afi4
,viel von sich reden kann auch ein
,mittel sein1 sich zu verbergen4 #agj4
,im ,lobe ist mehr ,zudringlichkeit1
als im ,tadel4 #aga4 ,mitleiden wirkt
an einem ,menschen der ,erkenntniss
beinahe zum ,lachen1 wie zarte ,hnde an
einem ,cyklopen4 #agb4 ,man umarmt
aus ,menschenliebe bisweilen einen
,beliebigen 7weil man nicht ,alle
umarmen kann73 aber gerade ,das darf man
dem ,beliebigen nicht verrathen44444
#agc4 ,man hasst nicht1 so lange man
noch gering schtzt1 sondern erst1 wenn
man gleich oder hher schtzt4 #agd4
,ihr ,utilitarier1 auch ihr liebt alles
utile nur als ein ,fuhrwerk eurer
,neigungen1 - auch ihr findet eigentlich
den ,lrm seiner ,rder unausstehlich8
#age4 ,man liebt zuletzt seine
,begierde1 und nicht das ,begehrte4
#agf4 ,die ,eitelkeit ,andrer geht uns
nur dann wider den ,geschmack1 wenn sie
wider unsre ,eitelkeit geht4 #agg4
,ober ,das1 was ,wahrhaftigkeit ist1 war
vielleicht noch ,niemand wahrhaftig
genug4 #agh4 ,klugen ,menschen glaubt
man ihre ,thorheiten nicht3 welche
,einbusse an ,menschenrechten6 #agi4
,die ,folgen unsrer ,handlungen fassen
uns am ,schopfe1 sehr gleichgltig
dagegen1 dass wir uns inzwischen
gebessert haben4 #ahj4 ,es giebt eine
,unschuld in der ,lge1 welche das
,zeichen des guten ,glaubens an eine
,sache ist4 #aha4 ,es ist
unmenschlich1 da zu segnen1 wo ,einem
geflucht wird4 #ahb4 ,die
,vertraulichkeit des berlegenen
erbittert1 weil sie nicht zurckgegeben
werden darf4 - #ahc4 ,nicht dass du
mich belogst1 sondern dass ich dir nicht
mehr glaube1 hat mich erschttert4 -
#ahd4 ,es giebt einen bermuth der ,gte1
welcher sich wie ,bosheit ausnimmt4
#ahe4 ,er missfllt mir4 - ,warum8 -
,ich bin ihm nicht gewachsen4 - ,hat je
ein ,mensch so geantwortet8 ,fnftes
,hauptstck3 ,zur ,naturgeschichte der
,moral4 #ahf4 ,die moralische
,empfindung ist jetzt in ,europa ebenso
fein1 spt1 vielfach1 reizbar1 raffinirt1
als die dazu gehrige ,wissenschaft der
,moral noch jung1 anfngerhaft1 plump und
grobfingrig ist3 - ein anziehender
,gegensatz1 der bisweilen in der ,person
eines ,moralisten selbst sichtbar und
leibhaft wird4 ,schon das ,wort
,wissenschaft der ,moral ist in
,hinsicht auf ,das1 was damit bezeichnet
wird1 viel zu hochmthig und wider den
guten ,geschmack3 welcher immer ein
,vorgeschmack fr die bescheideneren
,worte zu sein pflegt4 ,man sollte1 in
aller ,strenge1 sich eingestehn1 was
hier auf lange hinaus noch noth thut1
was vorlufig allein ,recht hat3 nmlich
,sammlung des ,materials1 begriffliche
,fassung und ,zusammenordnung eines
ungeheuren ,reichs zarter ,werthgefhle
und ,werthunterschiede1 welche leben1
wachsen1 zeugen und zu ,grunde gehn1 -
und1 vielleicht1 ,versuche1 die
wiederkehrenden und hufigeren
,gestaltungen dieser lebenden
,krystallisation anschaulich zu machen1
- als ,vorbereitung zu einer ,typenlehre
der ,moral4 ,freilich3 man war bisher
nicht so bescheiden4 ,die ,philosophen
allesammt forderten1 mit einem steifen
,ernste1 der lachen macht1 von sich
etwas sehr viel ,hheres1
,anspruchsvolleres1 ,feierlicheres1
sobald sie sich mit der ,moral als
,wissenschaft befassten3 sie wollten die
,begrndung der ,moral1 - und jeder
,philosoph hat bisher geglaubt1 die
,moral begrndet zu haben2 die ,moral
selbst aber galt als gegeben4 ,wie ferne
lag ihrem plumpen ,stolze jene
unscheinbar dnkende und in ,staub und
,moder belassene ,aufgabe einer
,beschreibung1 obwohl fr sie kaum die
feinsten ,hnde und ,sinne fein genug
sein knnten6 ,gerade dadurch1 dass die
,moral-,philosophen die moralischen
facta nur grblich1 in einem willkrlichen
,auszuge oder als zufllige ,abkrzung
kannten1 etwa als ,moralitt ihrer
,umgebung1 ihres ,standes1 ihrer
,kirche1 ihres ,zeitgeistes1 ihres
,klima's und ,erdstriches1 - gerade
dadurch1 dass sie in ,hinsicht auf
,vlker1 ,zeiten1 ,vergangenheiten
schlecht unterrichtet und selbst wenig
wissbegierig waren1 bekamen sie die
eigentlichen ,probleme der ,moral gar
nicht zu ,gesichte3 - als welche alle
erst bei einer ,vergleichung vieler
,moralen auftauchen4 ,in aller
bisherigen ,wissenschaft der ,moral
fehlte1 so wunderlich es klingen mag1
noch das ,problem der ,moral selbst3 es
fehlte der ,argwohn dafr1 dass es hier
etwas ,problematisches gebe4 ,was die
,philosophen ,begrndung der ,moral
nannten und von sich forderten1 war1 im
rechten ,lichte gesehn1 nur eine
gelehrte ,form des guten ,glaubens an
die herrschende ,moral1 ein neues
,mittel ihres ,ausdrucks1 also ein
,thatbestand selbst innerhalb einer
bestimmten ,moralitt1 ja sogar1 im
letzten ,grunde1 eine ,art ,leugnung1
dass diese ,moral als ,problem gefasst
werden drfe3 - und jedenfalls das
,gegenstck einer ,prfung1 ,zerlegung1
,anzweiflung1 ,vivisektion eben dieses
,glaubens4 ,man hre zum ,beispiel1 mit
welcher beinahe verehrenswrdigen
,unschuld noch ,schopenhauer seine
eigene ,aufgabe hinstellt1 und man mache
seine ,schlsse ber die
,wissenschaftlichkeit einer
,wissenschaft1 deren letzte ,meister
noch wie die ,kinder und die alten
,weibchen reden3 - das ,princip1 sagt er
7p4 #acf der ,grundprobleme der
,moral71 der ,grundsatz1 ber dessen
,inhalt alle ,ethiker eigentlich einig
sind2 neminem laede1 immo omnes1 quantum
potes1 juva - das ist eigentlich der
,satz1 welchen zu begrnden alle
,sittenlehrer sich abmhen4444 das
eigentliche ,fundament der ,ethik1
welches man wie den ,stein der ,weisen
seit ,jahrtausenden sucht4 - ,die
,schwierigkeit1 den angefhrten ,satz zu
begrnden1 mag freilich gross sein -
bekanntlich ist es auch ,schopenhauern
damit nicht geglckt -2 und wer einmal
grndlich nachgefhlt hat1 wie
abgeschmackt-falsch und sentimental
dieser ,satz ist1 in einer ,welt1 deren
,essenz ,wille zur ,macht ist -1 der mag
sich daran erinnern lassen1 dass
,schopenhauer1 obschon ,pessimist1
eigentlich - die ,flte blies4444
,tglich1 nach ,tisch3 man lese hierber
seinen ,biographen4 ,und beilufig
gefragt3 ein ,pessimist1 ein ,gott- und
,welt-,verneiner1 der vor der ,moral
,haltmacht1 - der zur ,moral ,ja sagt
und ,flte blst1 zur
laede-neminem-,moral3 wie8 ist das
eigentlich - ein ,pessimist8 #ahg4
,abgesehn noch vom ,werthe solcher
,behauptungen wie es giebt in uns einen
kategorischen ,imperativ1 kann man immer
noch fragen3 was sagt eine solche
,behauptung von dem sie ,behauptenden
aus8 ,es giebt ,moralen1 welche ihren
,urheber vor ,anderen rechtfertigen
sollen2 andre ,moralen sollen ihn
beruhigen und mit sich zufrieden
stimmen2 mit anderen will er sich selbst
an's ,kreuz schlagen und demthigen2 mit
andern will er ,rache ben1 mit andern
sich verstecken1 mit andern sich
verklren und hinaus1 in die ,hhe und
,ferne setzen2 diese ,moral dient ihrem
,urheber1 um zu vergessen1 jene1 um sich
oder ,etwas von sich vergessen zu
machen2 mancher ,moralist mchte an der
,menschheit ,macht und schpferische
,laune ausben2 manch ,anderer1
vielleicht gerade auch ,kant1 giebt mit
seiner ,moral zu verstehn3 was an mir
achtbar ist1 das ist1 dass ich gehorchen
kann1 - und bei euch soll es nicht
anders stehn1 als bei mir6 - kurz1 die
,moralen sind auch nur eine
,zeichensprache der ,affekte4 #ahh4
,jede ,moral ist1 im ,gegensatz zum
laisser aller1 ein ,stck ,tyrannei gegen
die ,natur1 auch gegen die ,vernunft3
das ist aber noch kein ,einwand gegen
sie1 man msste denn selbst schon wieder
von irgend einer ,moral aus dekretiren1
dass alle ,art ,tyrannei und ,unvernunft
unerlaubt sei4 ,das ,wesentliche und
,unschtzbare an jeder ,moral ist1 dass
sie ein langer ,zwang ist3 um den
,stoicismus oder ,port-,royal oder das
,puritanerthum zu verstehen1 mag man
sich des ,zwangs erinnern1 unter dem
bisher jede ,sprache es zur ,strke und
,freiheit gebracht1 - des metrischen
,zwangs1 der ,tyrannei von ,reim und
,rhythmus4 ,wie viel ,noth haben sich in
jedem ,volke die ,dichter und die
,redner gemacht6 - einige
,prosaschreiber von heute nicht
ausgenommen1 in deren ,ohr ein
unerbittliches ,gewissen wohnt - um
einer ,thorheit willen1 wie
utilitarische ,tlpel sagen1 welche sich
damit klug dnken1 - aus ,unterwrfigkeit
gegen ,willkr-,gesetze1 wie die
,anarchisten sagen1 die sich damit frei1
selbst freigeistisch whnen4 ,der
wunderliche ,thatbestand ist aber1 dass
,alles1 was es von ,freiheit1 ,feinheit1
,khnheit1 ,tanz und meisterlicher
,sicherheit auf ,erden giebt oder
gegeben hat1 sei es nun in dem ,denken
selbst1 oder im ,regieren1 oder im
,reden und berreden1 in den ,knsten
ebenso wie in den ,sittlichkeiten1 sich
erst vermge der ,tyrannei solcher
,willkr-,gesetze entwickelt hat2 und
allen ,ernstes1 die ,wahrscheinlichkeit
dafr ist nicht gering1 dass gerade dies
,natur und natrlich sei - und nicht
jenes laisser aller6 jeder ,knstler
weiss1 wie fern vom ,gefhl des
,sichgehen-lassens sein natrlichster
,zustand ist1 das freie ,ordnen1
,setzen1 ,verfgen1 ,gestalten in den
,augenblicken der ,inspiration1 - und
wie streng und fein er gerade da
tausendfltigen ,gesetzen gehorcht1 die
aller ,formulirung durch ,begriffe
gerade auf ,grund ihrer ,hrte und
,bestimmtheit spotten 7auch der festeste
,begriff hat1 dagegen gehalten1 etwas
,schwimmendes1 ,vielfaches1
,vieldeutiges -74 ,das ,wesentliche1 im
,himmel und auf ,erden1 wie es scheint1
ist1 nochmals gesagt1 dass lange und in
,einer ,richtung gehorcht werde3 dabei
kommt und kam auf die ,dauer immer
,etwas heraus1 dessentwillen es sich
lohnt1 auf ,erden zu leben1 zum
,beispiel ,tugend1 ,kunst1 ,musik1
,tanz1 ,vernunft1 ,geistigkeit1 - irgend
etwas ,verklrendes1 ,raffinirtes1
,tolles und ,gttliches4 ,die lange
,unfreiheit des ,geistes1 der
misstrauische ,zwang in der
,mittheilbarkeit der ,gedanken1 die
,zucht1 welche sich der ,denker
auferlegte1 innerhalb einer kirchlichen
und hfischen ,richtschnur oder unter
aristotelischen ,voraussetzungen zu
denken1 der lange geistige ,wille1
,alles1 was geschieht1 nach einem
christlichen ,schema auszulegen und den
christlichen ,gott noch in jedem
,zufalle wieder zu entdecken und zu
rechtfertigen1 - all dies ,gewaltsame1
,willkrliche1 ,harte1 ,schauerliche1
,widervernnftige hat sich als das
,mittel herausgestellt1 durch welches
dem europischen ,geiste seine ,strke1
seine rcksichtslose ,neugierde und feine
,beweglichkeit angezchtet wurde3
zugegeben1 dass dabei ebenfalls
unersetzbar viel an ,kraft und ,geist
erdrckt1 erstickt und verdorben werden
musste 7denn hier wie berall zeigt sich
die ,natur1 wie sie ist1 in ihrer ganzen
verschwenderischen und gleichgltigen
,grossartigkeit1 welche emprt1 aber
vornehm ist74 ,dass ,jahrtausende lang
die europischen ,denker nur dachten1 um
,etwas zu beweisen -heute ist uns
umgekehrt jeder ,denker verdchtig1 der
,etwas beweisen will -1 dass ihnen
bereits immer feststand1 was als
,resultat ihres strengsten ,nachdenkens
herauskommen sollte1 etwa wie ehemals
bei der asiatischen ,astrologie oder wie
heute noch bei der harmlosen
christlich-moralischen ,auslegung der
nchsten persnlichen ,ereignisse zu
,ehren ,gottes und zum ,heil der ,seele3
- diese ,tyrannei1 diese ,willkr1 diese
strenge und grandiose ,dummheit hat den
,geist erzogen2 die ,sklaverei ist1 wie
es scheint1 im grberen und feineren
,verstande das unentbehrliche ,mittel
auch der geistigen ,zucht und ,zchtung4
,man mag jede ,moral darauf hin ansehn3
die ,natur in ihr ist es1 welche das
laisser aller1 die allzugrosse ,freiheit
hassen lehrt und das ,bedrfniss nach
beschrnkten ,horizonten1 nach nchsten
,aufgaben pflanzt1 - welche die
,verengerung der ,perspektive1 und also
in gewissem ,sinne die ,dummheit1 als
eine ,lebens- und ,wachsthums-,bedingung
lehrt4 ,du sollst gehorchen1 irgend
wem1 und auf lange3 sonst gehst du zu
,grunde und verlierst die letzte
,achtung vor dir selbst - dies scheint
mir der moralische ,imperativ der ,natur
zu sein1 welcher freilich weder
kategorisch ist1 wie es der alte ,kant
von ihm verlangte 7daher das sonst -71
noch an den ,einzelnen sich wendet 7was
liegt ihr am ,einzelnen671 wohl aber an
,vlker1 ,rassen1 ,zeitalter1 ,stnde1 vor
,allem aber an das ganze ,thier
,mensch1 an den ,menschen4 #ahi4 ,die
arbeitsamen ,rassen finden eine grosse
,beschwerde darin1 den ,mssiggang zu
ertragen3 es war ein ,meisterstck des
englischen ,instinktes1 den ,sonntag in
dem ,maasse zu heiligen und zu
langweiligen1 dass der ,englnder dabei
wieder unvermerkt nach seinem ,wochen-
und ,werktage lstern wird3 - als eine
,art klug erfundenen1 klug
eingeschalteten ,fastens1 wie
dergleichen auch in der antiken ,welt
reichlich wahrzunehmen ist 7wenn auch1
wie billig bei sdlndischen ,vlkern1
nicht gerade in ,hinsicht auf ,arbeit
-74 ,es muss ,fasten von vielerlei ,art
geben2 und berall1 wo mchtige ,triebe
und ,gewohnheiten herrschen1 haben die
,gesetzgeber dafr zu sorgen1 ,schalttage
einzuschieben1 an denen solch ein
,trieb in ,ketten gelegt wird und wieder
einmal hungern lernt4 ,von einem hheren
,orte aus gesehn1 erscheinen ganze
,geschlechter und ,zeitalter1 wenn sie
mit irgend einem moralischen ,fanatismus
behaftet auftreten1 als solche
eingelegte ,zwangs- und ,fastenzeiten1
whrend welchen ein ,trieb sich ducken
und niederwerfen1 aber auch sich
reinigen und schrfen lernt2 auch
einzelne philosophische ,sekten 7zum
,beispiel die ,stoa inmitten der
hellenistischen ,cultur und ihrer mit
aphrodisischen ,dften berladenen und
geil gewordenen ,luft7 erlauben eine
derartige ,auslegung4 - ,hiermit ist
auch ein ,wink zur ,erklrung jenes
,paradoxons gegeben1 warum gerade in der
christlichsten ,periode ,europa's und
berhaupt erst unter dem ,druck
christlicher ,werthurtheile der
,geschlechtstrieb sich bis zur ,liebe
7amour-passion7 sublimirt hat4 #aij4
,es giebt ,etwas in der ,moral ,plato's1
das nicht eigentlich zu ,plato gehrt1
sondern sich nur an seiner ,philosophie
vorfindet1 man knnte sagen1 trotz
,plato3 nmlich der ,sokratismus1 fr den
er eigentlich zu vornehm war4 ,keiner
will sich selbst ,schaden thun1 daher
geschieht alles ,schlechte unfreiwillig4
,denn der ,schlechte fgt sich selbst
,schaden zu3 das wrde er nicht thun1
falls er wsste1 dass das ,schlechte
schlecht ist4 ,demgemss ist der
,schlechte nur aus einem ,irrthum
schlecht2 nimmt man ihm seinen ,irrthum1
so macht man ihn notwendig - gut4 -
,diese ,art zu schliessen riecht nach
dem ,pbel1 der am ,schlechthandeln nur
die leidigen ,folgen in's ,auge fasst
und eigentlich urtheilt es ist dumm1
schlecht zu handeln2 whrend er gut mit
ntzlich und angenehm ohne ,weiteres als
identisch nimmt4 ,man darf bei jedem
,utilitarismus der ,moral von vornherein
auf diesen gleichen ,ursprung rathen
und seiner ,nase folgen3 man wird selten
irre gehn4 - ,plato hat ,alles gethan1
um etwas ,feines und ,vornehmes in den
,satz seines ,lehrers hinein zu
interpretiren1 vor ,allem sich selbst -1
er1 der verwegenste aller ,interpreten1
der den ganzen ,sokrates nur wie ein
populres ,thema und ,volkslied von der
,gasse nahm1 um es in's ,unendliche und
,unmgliche zu variiren3 nmlich in alle
seine eignen ,masken und
,vielfltigkeiten4 ,im ,scherz
gesprochen1 und noch dazu homerisch3 was
ist denn der platonische ,sokrates1
wenn nicht prsthe ,plton opithn te
,plton msse te ,chmaira4 #aia4 ,das
alte theologische ,problem von ,glauben
und ,wissen - oder1 deutlicher1 von
,instinkt und ,vernunft - also die
,frage1 ob in ,hinsicht auf
,werthschtzung der ,dinge der ,instinkt
mehr ,autoritt verdiene1 als die
,vernnftigkeit1 welche nach ,grnden1
nach einem ,warum81 als nach
,zweckmssigkeit und ,ntzlichkeit
geschtzt und gehandelt wissen will1 - es
ist immer noch jenes alte moralische
,problem1 wie es zuerst in der ,person
des ,sokrates auftrat und lange vor dem
,christenthum schon die ,geister
gespaltet hat4 ,sokrates selbst hatte
sich zwar mit dem ,geschmack seines
,talentes - dem eines berlegenen
,dialektikers - zunchst auf ,seiten der
,vernunft gestellt2 und in ,wahrheit1
was hat er sein ,leben lang gethan1 als
ber die linkische ,unfhigkeit seiner
vornehmen ,athener zu lachen1 welche
,menschen des ,instinktes waren gleich
allen vornehmen ,menschen und niemals
gengend ber die ,grnde ihres ,handelns
,auskunft geben konnten8 ,zuletzt aber1
im ,stillen und ,geheimen1 lachte er
auch ber sich selbst3 er fand bei sich1
vor seinem feineren ,gewissen und
,selbstverhr1 die gleiche ,schwierigkeit
und ,unfhigkeit4 ,wozu aber1 redete er
sich zu1 sich deshalb von den
,instinkten lsen6 ,man muss ihnen und
auch der ,vernunft zum ,recht verhelfen1
- man muss den ,instinkten folgen1 aber
die ,vernunft berreden1 ihnen dabei mit
guten ,grnden nachzuhelfen4 ,dies war
die eigentliche ,falschheit jenes
grossen geheimnissreichen ,ironikers2 er
brachte sein ,gewissen dahin1 sich mit
einer ,art ,selbstberlistung zufrieden
zu geben3 im ,grunde hatte er das
,irrationale im moralischen ,urtheile
durchschaut4 - ,plato1 in solchen
,dingen unschuldiger und ohne die
,verschmitztheit des ,plebejers1 wollte
mit ,aufwand aller ,kraft - der grssten
,kraft1 die bisher ein ,philosoph
aufzuwenden hatte6 - sich beweisen1 dass
,vernunft und ,instinkt von selbst auf
,ein ,ziel zugehen1 auf das ,gute1 auf
,gott2 und seit ,plato sind alle
,theologen und ,philosophen auf der
gleichen ,bahn1 - das heisst1 in ,dingen
der ,moral hat bisher der ,instinkt1
oder wie die ,christen es nennen1 der
,glaube1 oder wie ich es nenne1 die
,heerde gesiegt4 ,man msse denn
,descartes ausnehmen1 den ,vater des
,rationalismus 7und folglich ,grossvater
der ,revolution71 welcher der ,vernunft
allein ,autoritt zuerkannte3 aber die
,vernunft ist nur ein ,werkzeug1 und
,descartes war oberflchlich4 #aib4
,wer der ,geschichte einer einzelnen
,wissenschaft nachgegangen ist1 der
findet in ihrer ,entwicklung einen
,leitfaden zum ,verstndniss der ltesten
und gemeinsten ,vorgnge alles ,wissens
und ,erkennens3 dort wie hier sind die
voreiligen ,hypothesen1 die
,erdichtungen1 der gute dumme ,wille zum
,glauben1 der ,mangel an ,misstrauen
und ,geduld zuerst entwickelt1 - unsre
,sinne lernen es spt1 und lernen es nie
ganz1 feine treue vorsichtige ,organe
der ,erkenntniss zu sein4 ,unserm ,auge
fllt es bequemer1 auf einen gegebenen
,anlass hin ein schon fter erzeugtes
,bild wieder zu erzeugen1 als das
,abweichende und ,neue eines ,eindrucks
bei sich festzuhalten3 letzteres braucht
mehr ,kraft1 mehr ,moralitt4 ,etwas
,neues hren ist dem ,ohre peinlich und
schwierig2 fremde ,musik hren wir
schlecht4 ,unwillkrlich versuchen wir1
beim ,hren einer andren ,sprache1 die
gehrten ,laute in ,worte einzuformen1
welche uns vertrauter und heimischer
klingen3 so machte sich zum ,beispiel
der ,deutsche ehemals aus dem gehrten
arcubalista das ,wort ,armbrust zurecht4
,das ,neue findet auch unsre ,sinne
feindlich und widerwillig2 und berhaupt
herrschen schon bei den einfachsten
,vorgngen der ,sinnlichkeit die
,affekte1 wie ,furcht1 ,liebe1 ,hass1
eingeschlossen die passiven ,affekte der
,faulheit4 - ,so wenig ein ,leser heute
die einzelnen ,worte 7oder gar ,silben7
einer ,seite smmtlich abliest - er
nimmt vielmehr aus zwanzig ,worten
ungefhr fnf nach ,zufall heraus und
errth den zu diesen fnf ,worten
muthmaasslich zugehrigen ,sinn -1 eben
so wenig sehen wir einen ,baum genau und
vollstndig1 in ,hinsicht auf ,bltter1
,zweige1 ,farbe1 ,gestalt2 es fllt uns
so sehr viel leichter1 ein ,ungefhr von
,baum hin zu phantasiren4 ,selbst
inmitten der seltsamsten ,erlebnisse
machen wir es noch ebenso3 wir erdichten
uns den grssten ,theil des ,erlebnisses
und sind kaum dazu zu zwingen1 nicht
als ,erfinder irgend einem ,vorgange
zuzuschauen4 ,dies ,alles will sagen3
wir sind von ,grund aus1 von ,alters her
- an's ,lgen gewhnt4 ,oder1 um es
tugendhafter und heuchlerischer1 kurz
angenehmer auszudrcken3 man ist viel
mehr ,knstler als man weiss4 - ,in einem
lebhaften ,gesprch sehe ich oftmals das
,gesicht der ,person1 mit der ich rede1
je nach dem ,gedanken1 den sie ussert1
oder den ich bei ihr hervorgerufen
glaube1 so deutlich und feinbestimmt vor
mir1 dass dieser ,grad von
,deutlichkeit weit ber die ,kraft meines
,sehvermgens hinausgeht3 - die
,feinheit des ,muskelspiels und des
,augen-,ausdrucks muss also von mir
hinzugedichtet sein4 ,wahrscheinlich
machte die ,person ein ganz anderes
,gesicht oder gar keins4 #aic4
,quidquid luce fuit1 tenebris agit3 aber
auch umgekehrt4 ,was wir im ,traume
erleben1 vorausgesetzt1 dass wir es
oftmals erleben1 gehrt zuletzt so gut
zum ,gesammt-,haushalt unsrer ,seele1
wie irgend etwas wirklich ,erlebtes3 wir
sind vermge desselben reicher oder
rmer1 haben ein ,bedrfniss mehr oder
weniger und werden schliesslich am
hellen lichten ,tage1 und selbst in den
heitersten ,augenblicken unsres wachen
,geistes1 ein ,wenig von den ,gewhnungen
unsrer ,trume gegngelt4 ,gesetzt1 dass
,einer in seinen ,trumen oftmals
geflogen ist und endlich1 sobald er
trumt1 sich einer ,kraft und ,kunst des
,fliegens wie seines ,vorrechtes bewusst
wird1 auch wie seines eigensten
beneidenswerthen ,glcks3 ein ,solcher1
der jede ,art von ,bogen und ,winkeln
mit dem leisesten ,impulse verwirklichen
zu knnen glaubt1 der das ,gefhl einer
gewissen gttlichen ,leichtfertigkeit
kennt1 ein nach1 ,oben ohne ,spannung
und ,zwang1 ein nach ,unten ohne
,herablassung und ,erniedrigung - ohne
,schwere6 - wie sollte der ,mensch
solcher ,traum-,erfahrungen und
,traum-,gewohnheiten nicht endlich auch
fr seinen wachen ,tag das ,wort ,glck
anders gefrbt und bestimmt finden6 wie
sollte er nicht anders nach ,glck -
verlangen ,aufschwung1 so wie dies von
,dichtern beschrieben wird1 muss ihm1
gegen jenes ,fliegen gehalten1 schon zu
erdenhaft1 muskelhaft1 gewaltsam1 schon
zu schwer sein4 #aid4 ,die
,verschiedenheit der ,menschen zeigt
sich nicht nur in der ,verschiedenheit
ihrer ,gtertafeln1 also darin1 dass sie
verschiedene ,gter fr erstrebenswerth
halten und auch ber das ,mehr und
,weniger des ,werthes1 ber die
,rangordnung der gemeinsam anerkannten
,gter mit einander uneins sind3 - sie
zeigt sich noch mehr in dem1 was ihnen
als wirkliches ,haben und ,besitzen
eines ,gutes gilt4 ,in ,betreff eines
,weibes zum ,beispiel gilt dem
,bescheideneren schon die ,verfgung ber
den ,leib und der ,geschlechtsgenuss als
ausreichendes und genugthuendes
,anzeichen des ,habens1 des ,besitzens2
ein ,anderer1 mit seinem argwhnischeren
und anspruchsvolleren ,durste nach
,besitz1 sieht das ,fragezeichen1 das
nur ,scheinbare eines solchen ,habens1
und will feinere ,proben1 vor ,allem1 um
zu wissen1 ob das ,weib nicht nur ihm
sich giebt1 sondern auch fr ihn lsst1
was sie hat oder gerne htte -3 so erst
gilt es ihm als besessen4 ,ein ,dritter
aber ist auch hier noch nicht am ,ende
seines ,misstrauens und ,habenwollens1
er fragt sich1 ob das ,weib1 wenn es
,alles fr ihn lsst1 dies nicht etwa fr
ein ,phantom von ihm thut3 er will erst
grndlich1 ja abgrndlich gut gekannt
sein1 um berhaupt geliebt werden zu
knnen1 er wagt es1 sich errathen zu
lassen -4 ,erst dann fhlt er die
,geliebte vllig in seinem ,besitze1 wenn
sie sich nicht mehr ber ihn betrgt1
wenn sie ihn um seiner ,teufelei und
versteckten ,unersttlichkeit willen eben
so sehr liebt1 als um seiner ,gte1
,geduld und ,geistigkeit willen4 ,jener
mchte ein ,volk besitzen3 und alle
hheren ,cagliostro- und ,catilina-,knste
sind ihm zu diesem ,zwecke recht4 ,ein
,anderer1 mit einem feineren
,besitzdurste1 sagt sich man darf nicht
betrgen1 wo man besitzen will -1 er ist
gereizt und ungeduldig bei der
,vorstellung1 dass eine ,maske von ihm
ber das ,herz des ,volks gebietet3 also
muss ich mich kennen lassen und1
vorerst1 mich selbst kennen6 ,unter
hlfreichen und wohlthtigen ,menschen
findet man jene plumpe ,arglist fast
regelmssig vor1 welche sich ,den1 dem
geholfen werden soll1 erst zurecht
macht3 als ob er zum ,beispiel ,hlfe
verdiene1 gerade nach ihrer ,hlfe
verlange1 und fr alle ,hlfe sich ihnen
tief dankbar1 anhnglich1 unterwrfig
beweisen werde1 - mit diesen
,einbildungen verfgen sie ber den
,bedrftigen wie ber ein ,eigenthum1 wie
sie aus einem ,verlangen nach ,eigenthum
berhaupt wohlthtige und hlfreiche
,menschen sind4 ,man findet sie
eiferschtig1 wenn man sie beim ,helfen
kreuzt oder ihnen zuvorkommt4 ,die
,eltern machen unwillkrlich aus dem
,kinde etwas ihnen hnliches - sie nennen
das ,erziehung -1 keine ,mutter
zweifelt im ,grunde ihres ,herzens
daran1 am ,kinde sich ein ,eigenthum
geboren zu haben1 kein ,vater bestreitet
sich das ,recht1 es seinen ,begriffen
und ,werthschtzungen unterwerfen zu
drfen4 ,ja1 ehemals schien es den ,vtern
billig1 ber ,leben und ,tod des
,neugebornen 7wie unter den alten
,deutschen7 nach ,gutdnken zu verfgen4
,und wie der ,vater1 so sehen auch jetzt
noch der ,lehrer1 der ,stand1 der
,priester1 der ,frst in jedem neuen
,menschen eine unbedenkliche
,gelegenheit zu neuem ,besitze4 ,woraus
folgt44444 #aie4 ,die ,juden - ein
,volk geboren zur ,sklaverei1 wie
,tacitus und die ganze antike ,welt
sagt1 das auserwhlte ,volk unter den
,vlkern1 wie sie selbst sagen und
glauben - die ,juden haben jenes
,wunderstck von ,umkehrung der ,werthe
zu ,stande gebracht1 ,dank welchem das
,leben auf der ,erde fr ein ,paar
,jahrtausende einen neuen und
gefhrlichen ,reiz erhalten hat3 - ihre
,propheten haben reich gottlos bse
gewaltthtig sinnlich in ,eins
geschmolzen und zum ersten ,male das
,wort ,welt1 zum ,schandwort gemnzt4 ,in
dieser ,umkehrung der ,werthe 7zu der
es gehrt1 das ,wort fr ,arm als synonym
mit ,heilig und ,freund zu brauchen7
liegt die ,bedeutung des jdischen
,volks3 mit ihm beginnt der
,sklaven-,aufstand in der ,moral4
#aif4 ,es giebt unzhlige dunkle ,krper
neben der ,sonne zu erschliessen1 -
solche die wir nie sehen werden4 ,das
ist1 unter uns gesagt1 ein ,gleichniss2
und ein ,moral-,psycholog liest die
gesammte ,sternenschrift nur als eine
,gleichniss- und ,zeichensprache1 mit
der sich ,vieles verschweigen lsst4
#aig4 ,man missversteht das ,raubthier
und den ,raubmenschen 7zum ,beispiele
,cesare ,borgia7 grndlich1 man
missversteht die ,natur1 so lange man
noch nach einer ,krankhaftigkeit im
,grunde dieser gesndesten aller
tropischen ,unthiere und ,gewchse sucht1
oder gar nach einer ihnen eingeborenen
,hlle -3 wie es bisher fast alle
,moralisten gethan haben4 ,es scheint1
dass es bei den ,moralisten einen ,hass
gegen den ,urwald und gegen die ,tropen
giebt8 ,und dass der tropische ,mensch
um jeden ,preis diskreditirt werden
muss1 sei es als ,krankheit und
,entartung des ,menschen1 sei es als
eigne ,hlle und ,selbst-,marterung8
,warum doch8 ,zu ,gunsten der gemssigten
,zonen8 ,zu ,gunsten der gemssigten
,menschen8 ,der ,moralischen8 ,der
,mittelmssigen8 - ,dies zum ,kapitel
,moral als ,furchtsamkeit4 - #aih4
,alle diese ,moralen1 die sich an die
einzelne ,person wenden1 zum ,zwecke
ihres ,glckes1 wie es heisst1 - was sind
sie ,anderes1 als
,verhaltungs-,vorschlge im ,verhltniss
zum ,grade der ,gefhrlichkeit1 in
welcher die einzelne ,person mit sich
selbst lebt2 ,recepte gegen ihre
,leidenschaften1 ihre guten und
schlimmen ,hnge1 so fern sie den ,willen
zur ,macht haben und den ,herrn spielen
mchten2 kleine und grosse ,klugheiten
und ,knsteleien1 behaftet mit dem
,winkelgeruch alter ,hausmittel und
,altweiber-,weisheit2 allesammt in der
,form barock und unvernnftig - weil sie
sich an ,alle wenden1 weil sie
generalisiren1 wo nicht generalisirt
werden darf -1 allesammt unbedingt
redend1 sich unbedingt nehmend1
allesammt nicht nur mit ,einem ,korne
,salz gewrzt1 vielmehr erst ertrglich1
und bisweilen sogar verfhrerisch1 wenn
sie berwrzt und gefhrlich zu riechen
lernen1 vor ,allem nach der anderen
,welt3 ,das ist ,alles1 intellektuell
gemessen1 wenig werth und noch lange
nicht ,wissenschaft1 geschweige denn
,weisheit1 sondern1 nochmals gesagt und
dreimal gesagt1 ,klugheit1 ,klugheit1
,klugheit1 gemischt mit ,dummheit1
,dummheit1 ,dummheit1 - sei es nun jene
,gleichgltigkeit und ,bildsulenklte
gegen die hitzige ,narrheit der
,affekte1 welche die ,stoiker anriethen
und ankurirten2 oder auch jenes
,nicht-mehr-,lachen und
,nicht-mehr-,weinen des ,spinoza1 seine
so naiv befrwortete ,zerstrung der
,affekte durch ,analysis und
,vivisektion derselben2 oder jene
,herabstimmung der ,affekte auf ein
unschdliches ,mittelmaass1 bei welchem
sie befriedigt werden drfen1 der
,aristotelismus der ,moral2 selbst
,moral als ,genuss der ,affekte in einer
absichtlichen ,verdnnung und
,vergeistigung durch die ,symbolik der
,kunst1 etwa als ,musik1 oder als ,liebe
zu ,gott und zum ,menschen um
,gotteswillen - denn in der ,religion
haben die ,leidenschaften wieder
,brgerrecht1 vorausgesetzt dass2 zuletzt
selbst jene entgegenkommende und
muthwillige ,hingebung an die ,affekte1
wie sie ,hafis und ,goethe gelehrt
haben1 jenes khne ,fallen-lassen der
,zgel1 jene geistig- leibliche licentia
morum in dem ,ausnahmefalle alter weiser
,kuze und ,trunkenbolde1 bei denen es
wenig ,gefahr mehr hat4 ,auch ,dies zum
,kapitel ,moral als ,furchtsamkeit4
#aii4 ,insofern es zu allen ,zeiten1 so
lange es ,menschen giebt1 auch
,menschenheerden gegeben hat
7,geschlechts-,verbnde1 ,gemeinden1
,stmme1 ,vlker1 ,staaten1 ,kirchen7 und
immer sehr viel ,gehorchende im
,verhltniss zu der kleinen ,zahl
,befehlender1 - in ,anbetracht also1
dass ,gehorsam bisher am besten und
lngsten unter ,menschen gebt und
gezchtet worden ist1 darf man billig
voraussetzen1 dass durchschnittlich
jetzt einem jeden das ,bedrfniss darnach
angeboren ist1 als eine ,art formalen
,gewissens1 welches gebietet3 du sollst
irgend ,etwas unbedingt thun1 irgend
,etwas unbedingt lassen1 kurz du sollst4
,dies ,bedrfniss sucht sich zu sttigen
und seine ,form mit einem ,inhalte zu
fllen2 es greift dabei1 gemss seiner
,strke1 ,ungeduld und ,spannung1 wenig
whlerisch1 als ein grober ,appetit1 zu
und nimmt an1 was ihm nur von irgend
welchen ,befehlenden - ,eltern1
,lehrern1 ,gesetzen1
,standesvorurtheilen1 ffentlichen
,meinungen - in's ,ohr gerufen wird4
,die seltsame ,beschrnktheit der
menschlichen ,entwicklung1 das ,zgernde1
,langwierige1 oft ,zurcklaufende und
,sich-,drehende derselben beruht darauf1
dass der ,heerden-,instinkt des
,gehorsams am besten und auf ,kosten der
,kunst des ,befehlens vererbt wird4
,denkt man sich diesen ,instinkt einmal
bis zu seinen letzten ,ausschweifungen
schreitend1 so fehlen endlich geradezu
die ,befehlshaber und ,unabhngigen2 oder
sie leiden innerlich am schlechten
,gewissen und haben nthig1 sich selbst
erst eine ,tuschung vorzumachen1 um
befehlen zu knnen3 nmlich als ob auch
sie nur gehorchten4 ,dieser ,zustand
besteht heute thatschlich in ,europa3
ich nenne ihn die moralische ,heuchelei
der ,befehlenden4 ,sie wissen sich nicht
anders vor ihrem schlechten ,gewissen
zu schtzen als dadurch1 dass sie sich
als ,ausfhrer lterer oder hherer
,befehle gebrden 7der ,vorfahren1 der
,verfassung1 des ,rechts1 der ,gesetze
oder gar ,gottes7 oder selbst von der
,heerden-,denkweise her sich
,heerden-,maximen borgen1 zum ,beispiel
als erste ,diener ihres ,volks oder als
,werkzeuge des gemeinen ,wohls4 ,auf der
anderen ,seite giebt sich heute der
,heerdenmensch in ,europa das ,ansehn1
als sei er die einzig erlaubte ,art
,mensch1 und verherrlicht seine
,eigenschaften1 vermge deren er zahm1
vertrglich und der ,heerde ntzlich ist1
als die eigentlich menschlichen
,tugenden3 also ,gemeinsinn1
,wohlwollen1 ,rcksicht1 ,fleiss1
,mssigkeit1 ,bescheidenheit1 ,nachsicht1
,mitleiden4 ,fr die ,flle aber1 wo man
der ,fhrer und ,leithammel nicht
entrathen zu knnen glaubt1 macht man
heute ,versuche ber ,versuche1 durch
,zusammen-,addiren kluger
,heerdenmenschen die ,befehlshaber zu
ersetzen3 dieses ,ursprungs sind zum
,beispiel alle reprsentativen
,verfassungen4 ,welche ,wohlthat1 welche
,erlsung von einem unertrglich
werdenden ,druck trotz ,alledem das
,erscheinen eines unbedingt ,befehlenden
fr diese ,heerdenthier-,europer ist1
dafr gab die ,wirkung1 welche das
,erscheinen ,napoleon's machte1 das
letzte grosse ,zeugniss3 - die
,geschichte der ,wirkung ,napoleon's ist
beinahe die ,geschichte des hheren
,glcks1 zu dem es dieses ganze
,jahrhundert in seinen werthvollsten
,menschen und ,augenblicken gebracht
hat4 #bjj4 ,der ,mensch aus einem
,auflsungs-,zeitalter1 welches die
,rassen durch einander wirft1 der als
,solcher die ,erbschaft einer
vielfltigen ,herkunft im ,leibe hat1 das
heisst gegenstzliche und oft nicht
einmal nur gegenstzliche ,triebe und
,werthmaasse1 welche mit einander kmpfen
und sich selten ,ruhe geben1 - ein
solcher ,mensch der spten ,culturen und
der gebrochenen ,lichter wird
durchschnittlich ein schwcherer ,mensch
sein3 sein grndlichstes ,verlangen geht
darnach1 dass der ,krieg1 der er ist1
einmal ein ,ende habe2 das ,glck
erscheint ihm1 in bereinstimmung mit
einer beruhigenden 7zum ,beispiel
epikurischen oder christlichen7 ,medizin
und ,denkweise1 vornehmlich als das
,glck des ,ausruhens1 der ,ungestrtheit1
der ,sattheit1 der endlichen ,einheit1
als ,sabbat der ,sabbate1 um mit dem
heiligen ,rhetor ,augustin zu reden1 der
selbst ein solcher ,mensch war4 -
,wirkt aber der ,gegensatz und ,krieg in
einer solchen ,natur wie ein
,lebensreiz und -,kitzel mehr -1 und ist
andererseits zu ihren mchtigen und
unvershnlichen ,trieben auch die
eigentliche ,meisterschaft und ,feinheit
im ,kriegfhren mit sich1 also
,selbst-,beherrschung1
,selbst-berlistung hinzuvererbt und
angezchtet3 so entstehen jene
zauberhaften ,unfassbaren und
,unausdenklichen1 jene zum ,siege und
zur ,verfhrung vorherbestimmten
,rthselmenschen1 deren schnster
,ausdruck ,alciblades und ,caesar 7-
denen ich gerne jenen ersten ,europer
nach meinem ,geschmack1 den
,hohenstaufen ,friedrich den ,zweiten
zugesellen mchte71 unter ,knstlern
vielleicht ,lionardo da ,vinci ist4 ,sie
erscheinen genau in den selben ,zeiten1
wo jener schwchere ,typus1 mit seinem
,verlangen nach ,ruhe1 in den
,vordergrund tritt4- beide ,typen gehren
zu einander und entspringen den
gleichen ,ursachen4 #bja4 ,so lange
die ,ntzlichkeit1 die in den moralischen
,werthurtheilen herrscht1 allein die
,heerden-,ntzlichkeit ist1 so lange der
,blick einzig der ,erhaltung der
,gemeinde zugewendet ist1 und das
,unmoralische genau und ausschliesslich
in dem gesucht wird1 was dem
,gemeinde-,bestand gefhrlich scheint3 so
lange kann es noch keine ,moral der
,nchstenliebe geben4 ,gesetzt1 es findet
sich auch da bereits eine bestndige
kleine bung von ,rcksicht1 ,mitleiden1
,billigkeit1 ,milde1 ,gegenseitigkeit
der ,hlfeleistung1 gesetzt1 es sind auch
auf diesem ,zustande der ,gesellschaft
schon alle jene ,triebe thtig1 welche
spter mit ,ehrennamen1 als ,tugenden
bezeichnet werden und schliesslich fast
mit dem ,begriff ,moralitt in ,eins
zusammenfallen3 in jener ,zeit gehren
sie noch gar nicht in das ,reich der
moralischen ,werthschtzungen - sie sind
noch aussermoralisch4 ,eine mitleidige
,handlung zum ,beispiel heisst in der
besten ,rmerzeit weder gut noch bse1
weder moralisch noch unmoralisch2 und
wird sie selbst gelobt1 so vertrgt sich
mit diesem ,lobe noch auf das ,beste
eine ,art unwilliger ,geringschtzung1
sobald sie nmlich mit irgend einer
,handlung zusammengehalten wird1 welche
der ,frderung des ,ganzen1 der res
publica1 dient4 ,zuletzt ist die ,liebe
zum ,nchsten immer etwas
,nebenschliches1 zum ,theil
,conventionelles und
,willkrlich-,scheinbares im ,verhltniss
zur ,furcht vor dem ,nchsten4 ,nachdem
das ,gefge der ,gesellschaft im ,ganzen
festgestellt und gegen ussere ,gefahren
gesichert erscheint1 ist es diese
,furcht vor dem ,nchsten1 welche wieder
neue ,perspektiven der moralischen
,werthschtzung schafft4 ,gewisse starke
und gefhrliche ,triebe1 wie
,unternehmungslust1 ,tollkhnheit1
,rachsucht1 ,verschlagenheit1 ,raubgier1
,herrschsucht1 die bisher in einem
gemeinntzigen ,sinne nicht nur geehrt
unter anderen ,namen1 wie billig1 als
den eben gewhlten sondern gross-gezogen
und -gezchtet werden mussten 7weil man
ihrer in der ,gefahr des ,ganzen gegen
die ,feinde des ,ganzen bestndig
bedurfte71 werden nunmehr in ihrer
,gefhrlichkeit doppelt stark empfunden -
jetzt1 wo die ,abzugskanle fr sie
fehlen - und schrittweise1 als
unmoralisch1 gebrandmarkt und der
,verleumdung preisgegeben4 ,jetzt kommen
die gegenstzlichen ,triebe und
,neigungen zu moralischen ,ehren2 der
,heerden-,instinkt zieht1 ,schritt fr
,schritt1 seine ,folgerung4 ,wie viel
oder wie wenig ,gemein-,gefhrliches1 der
,gleichheit ,gefhrliches in einer
,meinung1 in einem ,zustand und
,affekte1 in einem ,willen1 in einer
,begabung liegt1 das ist jetzt die
moralische ,perspektive3 die ,furcht ist
auch hier wieder die ,mutter der
,moral4 ,an den hchsten und strksten
,trieben1 wenn sie1 leidenschaftlich
ausbrechend1 den ,einzelnen weit ber den
,durchschnitt und die ,niederung des
,heerdengewissens hinaus und hinauf
treiben1 geht das ,selbstgefhl der
,gemeinde zu ,grunde1 ihr ,glaube an
sich1 ihr ,rckgrat gleichsam1 zerbricht3
folglich wird man gerade diese ,triebe
am besten brandmarken und verleumden4
,die hohe unabhngige ,geistigkeit1 der
,wille zum ,alleinstehn1 die grosse
,vernunft schon werden als ,gefahr
empfunden2 ,alles1 was den ,einzelnen
ber die ,heerde hinaushebt und dem
,nchsten ,furcht macht1 heisst von nun
an bse2 die billige1 bescheidene1 sich
einordnende1 gleichsetzende ,gesinnung1
das ,mittelmaass der ,begierden kommt zu
moralischen ,namen und ,ehren4
,endlich1 unter sehr friedfertigen
,zustnden1 fehlt die ,gelegenheit und
,nthigung immer mehr1 sein ,gefhl zur
,strenge und ,hrte zu erziehn2 und jetzt
beginnt jede ,strenge1 selbst in der
,gerechtigkeit1 die ,gewissen zu stren2
eine hohe und harte ,vornehmheit und
,selbst-,verantwortlichkeit beleidigt
beinahe und erweckt ,misstrauen1 das
,lamm1 noch mehr das ,schlaf gewinnt an
,achtung4 ,es giebt einen ,punkt von
krankhafter ,vermrbung und
,verzrtlichung in der ,geschichte der
,gesellschaft1 wo sie selbst fr ihren
,schdiger1 den ,verbrecher ,partei
nimmt1 und zwar ernsthaft und ehrlich4
,strafen3 das scheint ihr irgendworin
unbillig1 - gewiss ist1 dass die
,vorstellung ,strafe und
,strafen-,sollen ihr wehe thut1 ihr
,furcht macht4 ,gengt es nicht1 ihn
ungefhrlich machen8 ,wozu noch strafen8
,strafen selbst ist frchterlich6 - mit
dieser ,frage zieht die ,heerden-,moral1
die ,moral der ,furchtsamkeit ihre
letzte ,consequenz4 ,gesetzt1 man knnte
berhaupt die ,gefahr1 den ,grund zum
,frchten abschaffen1 so htte man diese
,moral mit abgeschafft3 sie wre nicht
mehr nthig1 sie hielte sich selbst nicht
mehr fr nthig6 - ,wer das ,gewissen des
heutigen ,europers prft1 wird aus
tausend moralischen ,falten und
,verstecken immer den gleichen
,imperativ herauszuziehen haben1 den
,imperativ der ,heerden-,furchtsamkeit3
wir wollen1 dass es irgendwann einmal
,nichts mehr zu frchten giebt6
,irgendwann einmal - der ,wille und ,weg
dorthin heisst heute in ,europa berall
der ,fortschritt4 #bjb4 ,sagen wir es
sofort noch einmal1 was wir schon
hundert ,mal gesagt haben3 denn die
,ohren sind fr solche ,wahrheiten - fr
unsere ,wahrheiten - heute nicht
gutwillig4 ,wir wissen es schon genug1
wie beleidigend es klingt1 wenn ,einer
berhaupt den ,menschen ungeschminkt und
ohne ,gleichniss zu den ,thieren
rechnet2 aber es wird beinahe als
,schuld uns angerechnet werden1 dass wir
gerade in ,bezug auf die ,menschen der
modernen ,ideen bestndig die ,ausdrcke
,heerde1 ,heerden-,instinkte und
dergleichen gebrauchen4 ,was hilft es6
,wir knnen nicht anders3 denn gerade
hier liegt unsre neue ,einsicht4 ,wir
fanden1 dass in allen moralischen
,haupturtheilen ,europa einmthig
geworden ist1 die ,lnder noch
hinzugerechnet1 wo ,europa's ,einfluss
herrscht3 man weiss ersichtlich in
,europa1 was ,sokrates nicht zu wissen
meinte1 und was jene alte berhmte
,schlange einst zu lehren verhiess1 -
man weiss heute1 was ,gut und ,bse ist4
,nun muss es hart klingen und schlecht
zu ,ohren gehn1 wenn wir immer von
,neuem darauf bestehn3 was hier zu
wissen glaubt1 was hier mit seinem
,loben und ,tadeln sich selbst
verherrlicht1 sich selbst gut heisst1
ist der ,instinkt des ,heerdenthiers
,mensch3 als welcher zum ,durchbruch1
zum bergewicht1 zur ,vorherrschaft ber
andere ,instinkte gekommen ist und immer
mehr kommt1 gemss der wachsenden
physiologischen ,annherung und
,anhnlichung1 deren ,symptom er ist4
,moral ist heute in ,europa
,heerdenthier-,moral3 - also nur1 wie
wir die ,dinge verstehn1 ,eine ,art von
menschlicher ,moral1 neben der1 vor der1
nach der viele andere1 vor ,allem hhere
,moralen mglich sind oder sein sollten4
,gegen eine solche ,mglichkeit1 gegen
ein solches ,sollte wehrt sich aber
diese ,moral mit allen ,krften3 sie sagt
hartnckig und unerbittlich ich bin die
,moral selbst1 und ,nichts ausserdem ist
,moral6 - ja mit ,hlfe einer ,religion1
welche den sublimsten
,heerdenthier-,begierden zu ,willen war
und schmeichelte1 ist es dahin gekommen1
dass wir selbst in den politischen und
gesellschaftlichen ,einrichtungen einen
immer sichtbareren ,ausdruck dieser
,moral finden3 die demokratische
,bewegung macht die ,erbschaft der
christlichen4 ,dass aber deren ,tempo fr
die ,ungeduldigeren1 fr die ,kranken
und ,schtigen des genannten ,instinktes
noch viel zu langsam und schlfrig ist1
dafr spricht das immer rasender werdende
,geheul1 das immer unverhlltere
,zhnefletschen der ,anarchisten-,hunde1
welche jetzt durch die ,gassen der
europischen ,cultur schweifen3
anscheinend im ,gegensatz zu den
friedlich-arbeitsamen ,demokraten und
,revolutions-,ideologen1 noch mehr zu
den tlpelhaften ,philosophastern und
,bruderschafts-,schwrmern1 welche sich
,socialisten nennen und die freie
,gesellschaft wollen1 in ,wahrheit aber
,eins mit ihnen ,allen in der grndlichen
und instinktiven ,feindseligkeit gegen
jede andre ,gesellschafts-,form als die
der autonomen ,heerde 7bis hinaus zur
,ablehnung selbst der ,begriffe ,herr
und ,knecht - ni dieu ni matre heisst
eine socialistische ,formel -72 ,eins im
zhen ,widerstande gegen jeden
,sonder-,anspruch1 jedes ,sonder-,recht
und ,vorrecht 7das heisst im letzten
,grunde gegen jedes ,recht3 denn dann1
wenn ,alle gleich sind1 braucht ,niemand
mehr ,rechte -72 ,eins im ,misstrauen
gegen die strafende ,gerechtigkeit 7wie
als ob sie eine ,vergewaltigung am
,schwcheren1 ein ,unrecht an der
nothwendigen ,folge aller frheren
,gesellschaft wre -72 aber ebenso ,eins
in der ,religion des ,mitleidens1 im
,mitgefhl1 soweit nur gefhlt1 gelebt1
gelitten wird 7bis hinab zum ,thier1 bis
hinauf zu ,gott3 - die ,ausschweifung
eines ,mitleidens mit ,gott gehrt in ein
demokratisches ,zeitalter -72 ,eins
allesammt im ,schrei und der ,ungeduld
des ,mitleidens1 im ,todhass gegen das
,leiden berhaupt1 in der fast weiblichen
,unfhigkeit1 ,zuschauer dabei bleiben
zu knnen1 leiden lassen zu knnen2 ,eins
in der unfreiwilligen ,verdsterung und
,verzrtlichung1 unter deren ,bann
,europa von einem neuen ,buddhismus
bedroht scheint2 ,eins im ,glauben an
die ,moral des gemeinsamen ,mitleidens1
wie als ob sie die ,moral an sich sei1
als die ,hhe1 die erreichte ,hhe des
,menschen1 die alleinige ,hoffnung der
,zukunft1 das ,trostmittel der
,gegenwrtigen1 die grosse ,ablsung aller
,schuld von ,ehedem3 - ,eins allesammt
im ,glauben an die ,gemeinschaft als die
,erlserin1 an die ,heerde also1 an
sich444444 #bjc4 ,wir1 die wir eines
andren ,glaubens sind -1 wir1 denen die
demokratische ,bewegung nicht bloss als
eine ,verfalls-,form der politischen
,organisation1 sondern als ,verfalls-1
nmlich ,verkleinerungs-,form des
,menschen gilt1 als seine
,vermittelmssigung und
,werth-,erniedrigung3 wohin mssen wir
mit unsren ,hoffnungen greifen8 - ,nach
neuen ,philosophen1 es bleibt keine
,wahl2 nach ,geistern1 stark und
ursprnglich genug1 um die ,anstsse zu
entgegengesetzten ,werthschtzungen zu
geben und ewige ,werthe umzuwerthen1
umzukehren2 nach ,vorausgesandten1 nach
,menschen der ,zukunft1 welche in der
,gegenwart den ,zwang und ,knoten
anknpfen1 der den ,willen von
,jahrtausenden auf neue ,bahnen zwingt4
,dem ,menschen die ,zukunft des
,menschen als seinen ,willen1 als
abhngig von einem ,menschen-,willen zu
lehren und grosse ,wagnisse und
,gesammt-,versuche von ,zucht und
,zchtung vorzubereiten1 um damit jener
schauerlichen ,herrschaft des ,unsinns
und ,zufalls1 die bisher ,geschichte
hiess1 ein ,ende zu machen - der ,unsinn
der grssten ,zahl ist nur seine letzte
,form -3 dazu wird irgendwann einmal
eine neue ,art von ,philosophen und
,befehlshabern nthig sein1 an deren
,bilde sich ,alles1 was auf ,erden an
verborgenen1 furchtbaren und
wohlwollenden ,geistern dagewesen ist1
blass und verzwergt ausnehmen mchte4
,das ,bild solcher ,fhrer ist es1 das
vor unsern ,augen schwebt3 - darf ich es
laut sagen1 ihr freien ,geister8 ,die
,umstnde1 welche man zu ihrer
,entstehung theils schaffen1 theils
ausntzen msste2 die muthmaasslichen
,wege und ,proben1 vermge deren eine
,seele zu einer solchen ,hhe und ,gewalt
aufwchse1 um den ,zwang zu diesen
,aufgaben zu empfinden2 eine ,umwerthung
der ,werthe1 unter deren neuem ,druck
und ,hammer ein ,gewissen gesthlt1 ein
,herz in ,erz verwandelt wrde1 dass es
das ,gewicht einer solchen
,verantwortlichkeit ertrge2 andererseits
die ,nothwendigkeit solcher ,fhrer1 die
erschreckliche ,gefahr1 dass sie
ausbleiben oder missrathen und entarten
knnten - das sind unsre eigentlichen
,sorgen und ,verdsterungen1 ihr wisst
es1 ihr freien ,geister8 das sind die
schweren fernen ,gedanken und ,gewitter1
welche ber den ,himmel unseres ,lebens
hingehn4 ,es giebt wenig so empfindliche
,schmerzen1 als einmal gesehn1
errathen1 mitgefhlt zu haben1 wie ein
ausserordentlicher ,mensch aus seiner
,bahn gerieth und entartete3 wer aber
das seltene ,auge fr die
,gesammt-,gefahr hat1 dass der ,mensch
selbst entartet1 wer1 gleich uns1 die
ungeheuerliche ,zuflligkeit erkannt hat1
welche bisher in ,hinsicht auf die
,zukunft des ,menschen ihr ,spiel
spielte - ein ,spiel1 an dem keine ,hand
und nicht einmal ein ,finger ,gottes
mitspielte6 - wer das ,verhngniss1
errth1 das in der bldsinnigen
,arglosigkeit und ,vertrauensseligkeit
der modernen ,ideen1 noch mehr in der
ganzen christlich-europischen ,moral
verborgen liegt3 der leidet an einer
,bengstigung1 mit der sich keine andere
vergleichen lsst1 - er fasst es ja mit
,einem ,blicke1 was ,alles noch1 bei
einer gnstigen ,ansammlung und
,steigerung von ,krften und ,aufgaben1
aus dem ,menschen zu zchten wre1 er
weiss es mit allem ,wissen seines
,gewissens1 wie der ,mensch noch
unausgeschpft fr die grssten
,mglichkeiten ist1 und wie oft schon der
,typus ,mensch an geheimnissvollen
,entscheidungen und neuen ,wegen
gestanden hat3 - er weiss es noch
besser1 aus seiner schmerzlichsten
,erinnerung1 an was fr erbrmlichen
,dingen ein ,werdendes hchsten ,ranges
bisher gewhnlich zerbrach1 abbrach1
absank1 erbrmlich ward4 ,die
,gesammt-,entartung des ,menschen1 hinab
bis zu dem1 was heute den
socialistischen ,tlpeln und ,flachkpfen
als ihr ,mensch der ,zukunft erscheint1
- als ihr ,ideal6 - diese ,entartung und
,verkleinerung des ,menschen zum
vollkommenen ,heerdenthiere 7oder1 wie
sie sagen1 zum ,menschen der freien
,gesellschaft71 diese ,verthierung des
,menschen zum ,zwergthiere der gleichen
,rechte und ,ansprche ist mglich1 es ist
kein ,zweifel6 ,wer diese ,mglichkeit
einmal bis zu ,ende gedacht hat1 kennt
einen ,ekel mehr1 als die brigen
,menschen1 - und vielleicht auch eine
neue ,aufgabe64444 ,sechstes
,hauptstck3 ,wir ,gelehrten4 #bjd4
,auf die ,gefahr hin1 dass ,moralisiren
sich auch hier als ,das herausstellt1
was es immer war - nmlich als ein
unverzagtes montrer ses plaies1 nach
,balzac -1 mchte ich wagen1 einer
ungebhrlichen und schdlichen
,rangverschiebung entgegenzutreten1
welche sich heute1 ganz unvermerkt und
wie mit dem besten ,gewissen1 zwischen
,wissenschaft und ,philosophie
herzustellen droht4 ,ich meine1 man muss
von seiner ,erfahrung aus - ,erfahrung
bedeutet1 wie mich dnkt1 immer schlimme
,erfahrung8 - ein ,recht haben1 ber eine
solche hhere ,frage des ,rangs
mitzureden3 um nicht wie die ,blinden
von der ,farbe oder wie ,frauen und
,knstler gegen die ,wissenschaft zu
reden 7ach1 diese schlimme
,wissenschaft6 seufzt deren ,instinkt
und ,scham1 sie kommt immer dahinter6
-74 ,die ,unabhngigkeits-,erklrung des
wissenschaftlichen ,menschen1 seine
,emancipation von der ,philosophie1 ist
eine der feineren ,nachwirkungen des
demokratischen ,wesens und ,unwesens3
die ,selbstverherrlichung und
,selbstberhebung des ,gelehrten steht
heute berall in voller ,blthe und in
ihrem besten ,frhlinge1 - womit noch
nicht gesagt sein soll1 dass in diesem
,falle ,eigenlob lieblich rche4 ,los von
allen ,herren6 - so will es auch hier
der pbelmnnische ,instinkt2 und nachdem
sich die ,wissenschaft mit glcklichstem
,erfolge der ,theologie erwehrt hat1
deren ,magd sie zu lange war1 ist sie
nun in vollem bermuthe und ,unverstande
darauf hin aus1 der ,philosophie
,gesetze zu machen und ihrerseits einmal
den ,herrn - was sage ich6 den
,philosophen zu spielen4 ,mein
,gedchtniss - das ,gedchtniss eines
wissenschaftlichen ,menschen1 mit
,verlaub6 - strotzt von ,naivetten des
,hochmuths1 die ich seitens junger
,naturforscher und alter rzte ber
,philosophie und ,philosophen gehrt habe
7nicht zu reden von den gebildetsten
und eingebildetsten aller ,gelehrten1
den ,philologen und ,schulmnnern1 welche
,beides von ,berufs wegen sind -74
,bald war es der ,spezialist und
,eckensteher1 der sich instinktiv
berhaupt gegen alle synthetischen
,aufgaben und ,fhigkeiten zur ,wehre
setzte2 bald der fleissige ,arbeiter1
der einen ,geruch von otium und der
vornehmen ppigkeit im ,seelen-,haushalte
des ,philosophen bekommen hatte und
sich dabei beeintrchtigt und verkleinert
fhlte4 ,bald war es jene
,farben-,blindheit des
,ntzlichkeits-,menschen1 der in der
,philosophie ,nichts sieht1 als eine
,reihe widerlegter ,systeme und einen
verschwenderischen ,aufwand1 der
,niemandem zu ,gute kommt4 ,bald sprang
die ,furcht vor verkappter ,mystik und
,grenzberichtigung des ,erkennens
hervor2 bald die ,missachtung einzelner
,philosophen1 welche sich unwillkrlich
zur ,missachtung der ,philosophie
verallgemeinert hatte4 ,am hufigsten
endlich fand ich bei jungen ,gelehrten
hinter der hochmthigen ,geringschtzung
der ,philosophie die schlimme
,nachwirkung eines ,philosophen selbst1
dem man zwar im ,ganzen den ,gehorsam
gekndigt hatte1 ohne doch aus dem ,banne
seiner wegwerfenden ,werthschtzungen
anderer ,philosophen herausgetreten zu
sein3 - mit dem ,ergebniss einer
,gesammt-,verstimmung gegen alle
,philosophie4 7,dergestalt scheint mir
zum ,beispiel die ,nachwirkung
,schopenhauer's auf das neueste
,deutschland zu sein3 - er hat es mit
seiner unintelligenten ,wuth auf ,hegel
dahin gebracht1 die ganze letzte
,generation von ,deutschen aus dem
,zusammenhang mit der deutschen ,cultur
herauszubrechen1 welche ,cultur1 ,alles
wohl erwogen1 eine ,hhe und
divinatorische ,feinheit des
historischen ,sinns gewesen ist3 aber
,schopenhauer selbst war gerade an
dieser ,stelle bis zur ,genialitt arm1
unempfnglich1 undeutsch47 berhaupt in's
,grosse gerechnet1 mag es vor ,allem das
,menschliche1 ,allzumenschliche1 kurz
die ,armseligkeit der neueren
,philosophen selbst gewesen sein1 was am
grndlichsten der ,ehrfurcht vor der
,philosophie ,abbruch gethan und dem
pbelmnnischen ,instinkte die ,thore
aufgemacht hat4 ,man gestehe es sich
doch ein1 bis zu welchem ,grade unsrer
modernen ,welt die ganze ,art der
,heraklite1 ,plato's1 ,empedokles'1 und
wie alle diese kniglichen und
prachtvollen ,einsiedler des ,geistes
geheissen haben1 abgeht2 und mit wie
gutem ,rechte ,angesichts solcher
,vertreter der ,philosophie1 die heute
,dank der ,mode ebenso oben-auf als
unten-durch sind - in ,deutschland zum
,beispiel die beiden ,lwen von ,berlin1
der ,anarchist ,eugen ,dhring und der
,amalgamist ,eduard von ,hartmann - ein
braver ,mensch der ,wissenschaft sich
besserer ,art und ,abkunft fhlen darf4
,es ist in ,sonderheit der ,anblick
jener ,mischmasch-,philosophen1 die sich
,wirklichkeits-,philosophen oder
,positivisten nennen1 welcher ein
gefhrliches ,misstrauen in die ,seele
eines jungen1 ehrgeizigen ,gelehrten zu
werfen im ,stande ist3 das sind ja
besten ,falls selbst ,gelehrte und
,spezialisten1 man greift es mit ,hnden6
- das sind ja allesammt berwundene und
unter die ,botmssigkeit der
,wissenschaft ,zurckgebrachte1 welche
irgendwann einmal mehr von sich gewollt
haben1 ohne ein ,recht zu diesem mehr
und seiner ,verantwortlichkeit zu haben
- und die jetzt1 ehrsam1 ingrimmig1
rachschtig1 den ,unglauben an die
,herren-,aufgabe und ,herrschaftlichkeit
der ,philosophie mit ,wort und ,that
reprsentiren4 ,zuletzt3 wie knnte es
auch anders sein6 ,die ,wissenschaft
blht heute und hat das gute ,gewissen
reichlich im ,gesichte1 whrend ,das1
wozu die ganze neuere ,philosophie
allmhlich gesunken ist1 dieser ,rest
,philosophie von heute1 ,misstrauen und
,missmuth1 wenn nicht ,spott und
,mitleiden gegen sich rege macht4
,philosophie auf ,erkenntnisstheorie
reduzirt1 thatschlich nicht mehr als
eine schchterne ,epochistik und
,enthaltsamkeitslehre3 eine
,philosophie1 die gar nicht ber die
,schwelle hinweg kommt und sich peinlich
das ,recht zum ,eintritt verweigert -
das ist ,philosophie in den letzten
,zgen1 ein ,ende1 eine ,agonie1 ,etwas
das ,mitleiden macht4 ,wie knnte eine
solche ,philosophie - herrschen6 #bje4
,die ,gefahren fr die ,entwicklung des
,philosophen sind heute in ,wahrheit so
vielfach1 dass man zweifeln mchte1 ob
diese ,frucht berhaupt noch reif werden
kann4 ,der ,umfang und der ,thurmbau der
,wissenschaften ist in's ,ungeheure
gewachsen1 und damit auch die
,wahrscheinlichkeit1 dass der ,philosoph
schon als ,lernender mde wird oder sich
irgendwo festhalten und spezialisiren
lsst3 so dass er gar nicht mehr auf
seine ,hhe1 nmlich zum berblick1
,umblick1 ,niederblick kommt4 ,oder er
gelangt zu spt hinauf1 dann1 wenn seine
beste ,zeit und ,kraft schon vorber ist2
oder beschdigt1 vergrbert1 entartet1 so
dass sein ,blick1 sein
,gesammt-,werthurtheil wenig mehr
bedeutet4 ,gerade die ,feinheit seines
intellektuellen ,gewissens lsst ihn
vielleicht unterwegs zgern und sich
verzgern2 er frchtet die ,verfhrung zum
,dilettanten1 zum ,tausendfuss und
,tausend-,fhlhorn1 er weiss es zu gut1
dass ,einer1 der vor sich selbst die
,ehrfurcht verloren hat1 auch als
,erkennender nicht mehr befiehlt1 nicht
mehr fhrt3 er msste denn schon zum
grossen ,schauspieler werden wollen1 zum
philosophischen ,cagliostro und
,rattenfnger der ,geister1 kurz zum
,verfhrer4 ,dies ist zuletzt eine ,frage
des ,geschmacks3 wenn es selbst nicht
eine ,frage des ,gewissens wre4 ,es
kommt hinzu1 um die ,schwierigkeit des
,philosophen noch einmal zu verdoppeln1
dass er von sich ein ,urtheil1 ein ja
oder ,nein1 nicht ber die
,wissenschaften1 sondern ber das ,leben
und den ,werth des ,lebens verlangt1 -
dass er ungern daran glauben lernt1 ein
,recht oder gar eine ,pflicht zu diesem
,urtheile zu haben1 und sich nur aus den
umfnglichsten - vielleicht strendsten1
zerstrendsten - ,erlebnissen heraus und
oft zgernd1 zweifelnd1 verstummend
seinen ,weg zu jenem ,rechte und jenem
,glauben suchen muss4 ,in der ,that1 die
,menge hat den ,philosophen lange ,zeit
verwechselt und verkannt1 sei es mit
dem wissenschaftlichen ,menschen und
idealen ,gelehrten1 sei es mit dem
religis-gehobenen entsinnlichten
entweltlichten ,schwrmer und
,trunkenbold ,gottes2 und hrt man gar
heute jemanden loben1 dafr1 dass er
weise lebe oder als ein ,philosoph1 so
bedeutet es beinahe nicht mehr1 als klug
und abseits4 ,weisheit3 das scheint dem
,pbel eine ,art ,flucht zu sein1 ein
,mittel und ,kunststck1 sich gut aus
einem schlimmen ,spiele herauszuziehn2
aber der rechte ,philosoph - so scheint
es uns1 meine ,freunde8 - lebt
unphilosophisch und unweise1 vor ,allem
unklug1 und fhlt die ,last und ,pflicht
zu hundert ,versuchen und ,versuchungen
des ,lebens3 - er risquirt sich
bestndig1 er spielt das schlimme
,spiel44444 #bjf4 ,im ,verhltnisse zu
einem ,genie1 das heisst zu einem
,wesen1 welches entweder zeugt oder
gebiert1 beide ,worte in ihrem hchsten
,umfange genommen -1 hat der ,gelehrte1
der wissenschaftliche
,durchschnittsmensch immer etwas von der
alten ,jungfer3 denn er versteht sich
gleich dieser nicht auf die zwei
werthvollsten ,verrichtungen des
,menschen4 ,in der ,that1 man gesteht
ihnen ,beiden1 den ,gelehrten und den
alten ,jungfern1 gleichsam zur
,entschdigung die ,achtbarkeit zu - man
unterstreicht in diesen ,fllen die
,achtbarkeit - und hat noch an dem
,zwange dieses ,zugestndnisses den
gleichen ,beisatz von ,verdruss4 ,sehen
wir genauer zu3 was ist der
wissenschaftliche ,mensch8 ,zunchst eine
unvornehme ,art ,mensch1 mit den
,tugenden einer unvornehmen1 das heisst
nicht herrschenden1 nicht autoritativen
und auch nicht selbstgenugsamen ,art
,mensch3 er hat ,arbeitsamkeit1
geduldige ,einordnung in ,reih und
,glied1 ,gleichmssigkeit und ,maass im
,knnen und ,bedrfen1 er hat den
,instinkt fr ,seines gleichen und fr
,das1 was ,seinesgleichen nthig hat1 zum
,beispiel jenes ,stck ,unabhngigkeit
und grner ,weide1 ohne welches es keine
,ruhe der ,arbeit giebt1 jenen ,anspruch
auf ,ehre und ,anerkennung 7die zuerst
und zuoberst ,erkennung1 ,erkennbarkeit
voraussetzt -71 jenen ,sonnenschein des
guten ,namens1 jene bestndige
,besiegelung seines ,werthes und seiner
,ntzlichkeit1 mit der das innerliche
,misstrauen1 der ,grund im ,herzen aller
abhngigen ,menschen und ,heerdenthiere1
immer wieder berwunden werden muss4
,der ,gelehrte hat1 wie billig1 auch die
,krankheiten und ,unarten einer
unvornehmen ,art3 er ist reich am
kleinen ,neide und hat ein ,luchsauge fr
das ,niedrige solcher ,naturen1 zu
deren ,hhen er nicht hinauf kann4 ,er
ist zutraulich1 doch nur wie ,einer1 der
sich gehen1 aber nicht strmen lsst2 und
gerade vor dem ,menschen des grossen
,stroms steht er um so klter und
verschlossener da1 - sein ,auge ist dann
wie ein glatter widerwilliger ,see1 in
dem sich kein ,entzcken1 kein ,mitgefhl
mehr kruselt4 ,das ,schlimmste und
,gefhrlichste1 dessen ein ,gelehrter
fhig ist1 kommt ihm vom ,instinkte der
,mittelmssigkeit seiner ,art3 von jenem
,jesuitismus der ,mittelmssigkeit1
welcher an der ,vernichtung des
ungewhnlichen ,menschen instinktiv
arbeitet und jeden gespannten ,bogen zu
brechen oder - noch lieber6 -
abzuspannen sucht4 ,abspannen nmlich1
mit ,rcksicht1 mit schonender ,hand
natrlich -1 mit zutraulichem ,mitleiden
abspannen3 das ist die eigentliche
,kunst des ,jesuitismus1 der es immer
verstanden hat1 sich als ,religion des
,mitleidens einzufhren4 - #bjg4 ,wie
dankbar man auch immer dem objektiven
,geiste entgegenkommen mag - und wer wre
nicht schon einmal alles ,subjektiven
und seiner verfluchten ,ipsissimositt
bis zum ,sterben satt gewesen6 - zuletzt
muss man aber auch gegen seine
,dankbarkeit ,vorsicht lernen und der
bertreibung ,einhalt thun1 mit der die
,entselbstung und ,entpersnlichung des
,geistes gleichsam als ,ziel an sich1
als ,erlsung und ,verklrung neuerdings
gefeiert wird3 wie es namentlich
innerhalb der ,pessimisten-,schule zu
geschehn pflegt1 die auch gute ,grnde
hat1 dem interesselosen ,erkennen
ihrerseits die hchsten ,ehren zu geben4
,der objektive ,mensch1 der nicht mehr
flucht und schimpft1 gleich dem
,pessimisten1 der ideale ,gelehrte1 in
dem der wissenschaftliche ,instinkt nach
tausendfachem ,ganz- und
,halb-,missrathen einmal zum ,auf- und
,ausblhen kommt1 ist sicherlich eins der
kostbarsten ,werkzeuge1 die es giebt3
aber er gehrt in die ,hand eines
,mchtigeren4 ,er ist nur ein ,werkzeug1
sagen wir3 er ist ein ,spiegel1 - er ist
kein ,selbstzweck4 ,der objektive
,mensch ist in der ,that ein ,spiegel3
vor ,allem1 was erkannt werden will1 zur
,unterwerfung gewohnt1 ohne eine andre
,lust1 als wie sie das ,erkennen1 das
,abspiegeln giebt1 - er wartet1 bis
,etwas kommt1 und breitet sich dann zart
hin1 dass auch leichte ,fusstapfen und
das ,vorberschlpfen geisterhafter ,wesen
nicht auf seiner ,flche und ,haut
verloren gehen4 ,was von ,person an ihm
noch brig ist1 dnkt ihm zufllig1 oft
willkrlich1 noch fter strend3 so sehr
ist er sich selbst zum ,durchgang und
,wiederschein fremder ,gestalten und
,ereignisse geworden4 ,er besinnt sich
auf ,sich zurck1 mit ,anstrengung1 nicht
selten falsch2 er verwechselt sich
leicht1 er vergreift sich in ,bezug auf
die eignen ,nothdrfte und ist hier
allein unfein und nachlssig4 ,vielleicht
qult ihn die ,gesundheit oder die
,kleinlichkeit und ,stubenluft von ,weib
und ,freund1 oder der ,mangel an
,gesellen und ,gesellschaft1 - ja1 er
zwingt sich1 ber seine ,qual
nachzudenken3 umsonst6 ,schon schweift
sein ,gedanke weg1 zum allgemeineren
,falle1 und morgen weiss er so wenig als
er es gestern wusste1 wie ihm zu helfen
ist4 ,er hat den ,ernst fr sich
verloren1 auch die ,zeit3 er ist heiter1
nicht aus ,mangel an ,noth1 sondern aus
,mangel an ,fingern und ,handhaben fr
seine ,noth4 ,das gewohnte
,entgegenkommen gegen jedes ,ding und
,erlebniss1 die sonnige und unbefangene
,gastfreundschaft1 mit der er ,alles
annimmt1 was auf ihn stsst1 seine ,art
von rcksichtslosem ,wohlwollen1 von
gefhrlicher ,unbekmmertheit um ,ja und
,nein3 ach1 es giebt genug ,flle1 wo er
diese seine ,tugenden bssen muss6 - und
als ,mensch berhaupt wird er gar zu
leicht das caput mortuum dieser
,tugenden4 ,will man ,liebe und ,hass
von ihm1 ich meine ,liebe und ,hass1 wie
,gott1 ,weib und ,thier sie verstehn -3
er wird thun1 was er kann1 und geben1
was er kann4 ,aber man soll sich nicht
wundern1 wenn es nicht viel ist1 - wenn
er da gerade sich uncht1 zerbrechlich1
fragwrdig und morsch zeigt4 ,seine
,liebe ist gewollt1 sein ,hass knstlich
und mehr un tour de force1 eine kleine
,eitelkeit und bertreibung4 ,er ist eben
nur cht1 so weit er objektiv sein darf3
allein in seinem heitern ,totalismus
ist er noch ,natur und natrlich4 ,seine
spiegelnde und ewig sich glttende ,seele
weiss nicht mehr zu bejahen1 nicht mehr
zu verneinen2 er befiehlt nicht2 er
zerstrt auch nicht4 ,je ne mprise
presque rien - sagt er mit ,leibnitz3
man berhre und unterschtze das presque
nicht6 ,er ist auch kein ,mustermensch2
er geht ,niemandem voran1 noch nach2 er
stellt sich berhaupt zu ferne1 als dass
er ,grund htte1 zwischen ,gut und ,bse
,partei zu ergreifen4 ,wenn man ihn so
lange mit dem ,philosophen verwechselt
hat1 mit dem csarischen ,zchter und
,gewaltmenschen der ,cultur3 so hat man
ihm viel zu hohe ,ehren gegeben und das
,wesentlichste an ihm bersehen1 - er ist
ein ,werkzeug1 ein ,stck ,sklave1 wenn
gewiss auch die sublimste ,art des
,sklaven1 an sich aber ,nichts1 -
presque rien6 ,der objektive ,mensch ist
ein ,werkzeug1 ein kostbares1 leicht
verletzliches und getrbtes
,mess-,werkzeug und ,spiegel-,kunstwerk1
das man schonen und ehren soll2 aber er
ist kein ,ziel1 kein ,ausgang und
,aufgang1 kein complementrer ,mensch1 in
dem das brige ,dasein sich
rechtfertigt1 kein ,schluss - und noch
weniger ein ,anfang1 eine ,zeugung und
erste ,ursache1 nichts ,derbes1
,mchtiges1 ,auf-sich-,gestelltes1 das
,herr sein will3 vielmehr nur ein zarter
ausgeblasener feiner beweglicher
,formen-,topf1 der auf irgend einen
,inhalt und ,gehalt erst warten muss1 um
sich nach ihm zu gestalten1 - fr
gewhnlich ein ,mensch ohne ,gehalt und
,inhalt1 ein selbstloser ,mensch4
,folglich auch ,nichts fr ,weiber1 in
parenthesi4 - #bjh4 ,wenn heute ein
,philosoph zu verstehen giebt1 er sei
kein ,skeptiker1 - ich hoffe1 man hat
,das aus der eben gegebenen
,abschilderung des objektiven ,geistes
herausgehrt8 - so hrt alle ,welt das
ungern2 man sieht ihn darauf an1 mit
einiger ,scheu1 man mchte so ,vieles
fragen1 fragen444 ja1 unter furchtsamen
,horchern1 wie es deren jetzt in ,menge
giebt1 heisst er von da an gefhrlich4
,es ist ihnen1 als ob sie1 bei seiner
,ablehnung der ,skepsis1 von ,ferne her
irgend ein bses bedrohliches ,gerusch
hrten1 als ob irgendwo ein neuer
,sprengstoff versucht werde1 ein
,dynamit des ,geistes1 vielleicht ein
neuentdecktes ,russisches ,nihilin1 ein
,pessimismus bonae voluntatis1 der nicht
bloss ,nein sagt1 ,nein will1 sondern -
schrecklich zu denken6 ,nein thut4
,gegen diese ,art von gutem ,willen -
einem ,willen zur wirklichen thtlichen
,verneinung des ,lebens - giebt es
anerkanntermaassen heute kein besseres
,schlaf- und ,beruhigungsmittel1 als
,skepsis1 den sanften holden
einlullenden ,mohn ,skepsis2 und ,hamlet
selbst wird heute von den rzten der
,zeit gegen den ,geist und sein ,rumoren
unter dem ,boden verordnet4 ,hat man
denn nicht alle ,ohren schon voll von
schlimmen ,geruschen8 sagt der
,skeptiker1 als ein ,freund der ,ruhe
und beinahe als eine ,art von
,sicherheits-,polizei3 dies
unterirdische ,nein ist frchterlich6
,stille endlich1 ihr pessimistischen
,maulwrfe6 ,der ,skeptiker nmlich1
dieses zrtliche ,geschpf1 erschrickt
allzuleicht2 sein ,gewissen ist darauf
eingeschult1 bei jedem ,nein1 ja schon
bei einem entschlossenen harten ,ja zu
zucken und etwas wie einen ,biss zu
spren4 ,ja6 und ,nein6 - das geht ihm
wider die ,moral2 umgekehrt liebt er es1
seiner ,tugend mit der edlen
,enthaltung ein ,fest zu machen1 etwa
indem er mit ,montaigne spricht3 was
weiss ich8 ,oder mit ,sokrates3 ich
weiss1 dass ich ,nichts weiss4 ,oder3
hier traue ich mir nicht1 hier steht mir
keine ,thr offen4 ,oder3 gesetzt1 sie
stnde offen1 wozu gleich eintreten6
,oder3 wozu ntzen alle vorschnellen
,hypothesen8 ,gar keine ,hypothesen
machen knnte leicht zum guten ,geschmack
gehren4 ,msst ihr denn durchaus etwas
,krummes gleich gerade biegen8 ,durchaus
jedes ,loch mit irgend welchem ,werge
ausstopfen8 ,hat das nicht ,zeit8 ,hat
die ,zeit nicht ,zeit8 ,oh ihr
,teufelskerle1 knnt ihr denn gar nicht
warten8 ,auch das ,ungewisse hat seine
,reize1 auch die ,sphinx ist eine
,circe1 auch die ,circe war eine
,philosophin4 - ,also trstet sich ein
,skeptiker2 und es ist wahr1 dass er
einigen ,trost nthig hat4 ,skepsis
nmlich ist der geistigste ,ausdruck
einer gewissen vielfachen
physiologischen ,beschaffenheit1 welche
man in gemeiner ,sprache ,nervenschwche
und ,krnklichkeit nennt2 sie entsteht
jedes ,mal1 wenn sich in entscheidender
und pltzlicher ,weise lang von einander
abgetrennte ,rassen oder ,stnde kreuzen4
,in dem neuen ,geschlechte1 das
gleichsam verschiedene ,maasse und
,werthe in's ,blut vererbt bekommt1 ist
,alles ,unruhe1 ,strung1 ,zweifel1
,versuch2 die besten ,krfte wirken
hemmend1 die ,tugenden selbst lassen
einander nicht wachsen und stark werden1
in ,leib und ,seele fehlt
,gleichgewicht1 ,schwergewicht1
perpendikulre ,sicherheit4 ,was aber in
solchen ,mischlingen am tiefsten krank
wird und entartet1 das ist der ,wille3
sie kennen das ,unabhngige im
,entschlusse1 das tapfere ,lustgefhl im
,wollen gar nicht mehr1 - sie zweifeln
an der ,freiheit des ,willens auch noch
in ihren ,trumen4 ,unser ,europa von
heute1 der ,schauplatz eines unsinnig
pltzlichen ,versuchs von radikaler
,stnde- und folglich ,rassenmischung1
ist deshalb skeptisch in allen ,hhen und
,tiefen1 bald mit jener beweglichen
,skepsis1 welche ungeduldig und lstern
von einem ,ast zum andern springt1 bald
trbe wie eine mit ,fragezeichen
berladene ,wolke1 - und seines ,willens
oft bis zum ,sterben satt6
,willenslhmung3 wo findet man nicht
heute diesen ,krppel sitzen6 ,und oft
noch wie geputzt6 ,wie verfhrerisch
herausgeputzt6 ,es giebt die schnsten
,prunk- und ,lgenkleider fr diese
,krankheit2 und dass zum ,beispiel das
,meiste von dem1 was sich heute als
,objektivitt1 ,wissenschaftlichkeit1
l'art pour l'art1 reines willensfreies
,erkennen in die ,schaulden stellt1 nur
aufgeputzte ,skepsis und ,willenslhmung
ist1 - fr diese ,diagnose der
europischen ,krankheit will ich
einstehn4 - ,die ,krankheit des ,willens
ist ungleichmssig ber ,europa
verbreitet3 sie zeigt sich dort am
grssten und vielfltigsten1 wo die
,cultur schon am lngsten heimisch ist1
sie verschwindet im dem ,maasse1 als der
,barbar noch - oder wieder - unter dem
schlotterichten ,gewande von
westlndischer ,bildung sein ,recht
geltend macht4 ,im jetzigen ,frankreich
ist demnach1 wie man es ebenso leicht
erschliessen als mit ,hnden greifen
kann1 der ,wille am schlimmsten
erkrankt2 und ,frankreich1 welches immer
eine meisterhafte ,geschicklichkeit
gehabt hat1 auch die verhngnisvollen
,wendungen seines ,geistes in's
,reizende und ,verfhrerische umzukehren1
zeigt heute recht eigentlich als
,schule und ,schaustellung aller ,zauber
der ,skepsis sein ,cultur-bergewicht
ber ,europa4 ,die ,kraft zu wollen1 und
zwar einen ,willen lang zu wollen1 ist
etwas strker schon in ,deutschland1 und
im deutschen ,norden wiederum strker als
in der deutschen ,mitte2 erheblich
strker in ,england1 ,spanien und
,corsika1 dort an das ,phlegma1 hier an
harte ,schdel gebunden1 - um nicht von
,italien zu reden1 welches zu jung ist1
als dass es schon wsste1 was es wollte1
und das erst beweisen muss1 ob es wollen
kann -1 aber am allerstrksten und
erstaunlichsten in jenem ungeheuren
,zwischenreiche1 wo ,europa gleichsam
nach ,asien zurckfliesst1 in ,russland4
,da ist die ,kraft zu wollen seit langem
zurckgelegt und aufgespeichert1 da
wartet der ,wille - ungewiss1 ob als
,wille der ,verneinung oder der
,bejahung - in bedrohlicher ,weise
darauf1 ausgelst zu werden1 um den
,physikern von heute ihr ,leibwort
abzuborgen4 ,es drften nicht nur
indische ,kriege und ,verwicklungen in
,asien dazu nthig sein1 damit ,europa
von seiner grssten ,gefahr entlastet
werde1 sondern innere ,umstrze1 die
,zersprengung des ,reichs in kleine
,krper und vor ,allem die ,einfhrung des
parlamentarischen ,bldsinns1
hinzugerechnet die ,verpflichtung fr
,jedermann1 zum ,frhstck seine ,zeitung
zu lesen4 ,ich sage dies nicht als
,wnschender3 mir wrde das
,entgegengesetzte eher nach dem ,herzen
sein1 - ich meine eine solche ,zunahme
der ,bedrohlichkeit ,russlands1 dass
,europa sich entschliessen msste1
gleichermaassen bedrohlich zu werden1
nmlich ,einen ,willen zu bekommen1 durch
das ,mittel einer neuen ber ,europa
herrschenden ,kaste1 einen langen
furchtbaren eigenen ,willen1 der sich
ber ,jahrtausende hin ,ziele setzen
knnte3 - damit endlich die
langgesponnene ,komdie seiner
,kleinstaaterei und ebenso seine
dynastische wie demokratische
,vielwollerei zu einem ,abschluss kme4
,die ,zeit fr kleine ,politik ist
vorbei3 schon das nchste ,jahrhundert
bringt den ,kampf um die
,erd-,herrschaft1 - den ,zwang zur
grossen ,politik4 #bji4 ,inwiefern
das neue kriegerische ,zeitalter1 in
welches wir ,europer ersichtlich
eingetreten sind1 vielleicht auch der
,entwicklung einer anderen und strkeren
,art von ,skepsis gnstig sein mag1
darber mchte ich mich vorlufig nur durch
ein ,gleichniss ausdrcken1 welches die
,freunde der deutschen ,geschichte schon
verstehen werden4 ,jener unbedenkliche
,enthusiast fr schne grossgewachsene
,grenadiere1 welcher1 als ,knig von
,preussen1 einem militrischen und
skeptischen ,genie - und damit im
,grunde jenem neuen1 jetzt eben
siegreich heraufgekommenen ,typus des
,deutschen - das ,dasein gab1 der
fragwrdige tolle ,vater ,friedrichs des
,grossen1 hatte in ,einem ,punkte selbst
den ,griff und die ,glcks-,kralle des
,genies3 er wusste1 woran es damals in
,deutschland fehlte1 und welcher ,mangel
hundert ,mal ngstlicher und dringender
war1 als etwa der ,mangel an ,bildung
und gesellschaftlicher ,form1 - sein
,widerwille gegen den jungen ,friedrich
kam aus der ,angst eines tiefen
,instinktes4 ,mnner fehlten2 und er
argwhnte zu seinem bittersten
,verdrusse1 dass sein eigner ,sohn nicht
,manns genug sei4 ,darin betrog er
sich3 aber wer htte an seiner ,stelle
sich nicht betrogen8 ,er sah seinen
,sohn dem ,atheismus1 dem esprit1 der
gensslichen ,leichtlebigkeit
geistreicher ,franzosen verfallen3 - er
sah im ,hintergrunde die grosse
,blutaussaugerin1 die ,spinne ,skepsis1
er argwhnte das unheilbare ,elend eines
,herzens1 das zum ,bsen wie zum ,guten
nicht mehr hart genug ist1 eines
zerbrochnen ,willens1 der nicht mehr
befiehlt1 nicht mehr befehlen kann4
,aber inzwischen wuchs in seinem ,sohne
jene gefhrlichere und hrtere neue ,art
der ,skepsis empor - wer weiss1 wie sehr
gerade durch den ,hass des ,vaters und
durch die eisige ,melancholie eines
einsam gemachten ,willens begnstigt8 -
die ,skepsis der verwegenen
,mnnlichkeit1 welche dem ,genie zum
,kriege und zur ,eroberung nchst
verwandt ist und in der ,gestalt des
grossen ,friedrich ihren ersten ,einzug
in ,deutschland hielt4 ,diese ,skepsis
verachtet und reisst trotzdem an sich2
sie untergrbt und nimmt in ,besitz2 sie
glaubt nicht1 aber sie verliert sich
nicht dabei2 sie giebt dem ,geiste
gefhrliche ,freiheit1 aber sie hlt das
,herz streng2 es ist die deutsche ,form
der ,skepsis1 welche1 als ein
fortgesetzter und in's ,geistigste
gesteigerter ,fridericianismus1 ,europa
eine gute ,zeit unter die ,botmssigkeit
des deutschen ,geistes und seines
kritischen und historischen ,misstrauens
gebracht hat4 ,dank dem unbezwinglich
starken und zhen ,manns-,charakter der
grossen deutschen ,philologen und
,geschichts-,kritiker 7welche1 richtig
angesehn1 allesammt auch ,artisten der
,zerstrung und ,zersetzung waren7
stellte sich allmhlich und trotz aller
,romantik in ,musik und ,philosophie ein
neuer ,begriff vom deutschen ,geiste
fest1 in dem der ,zug zur mnnlichen
,skepsis entscheidend hervortrat3 sei es
zum ,beispiel als ,unerschrockenheit
des ,blicks1 als ,tapferkeit und ,hrte
der zerlegenden ,hand1 als zher ,wille
zu gefhrlichen ,entdeckungsreisen1 zu
vergeistigten ,nordpol-,expeditionen
unter den und gefhrlichen ,himmeln4 ,es
mag seine guten ,grnde haben1 wenn sich
warmbltige und oberflchliche
,menschlichkeits-,menschen gerade vor
diesem ,geiste bekreuzigen3 cet esprit
fataliste1 ironique1 mphistophlique
nennt ihn1 nicht ohne ,schauder1
,michelet4 ,aber will man nachfhlen1 wie
auszeichnend diese ,furcht vor dem
,mann im deutschen ,geiste ist1 durch
den ,europa aus seinem dogmatischen
,schlummer geweckt wurde1 so mge man
sich des ehemaligen ,begriffs erinnern1
der mit ihm berwunden werden musste1 -
und wie es noch nicht zu lange her ist1
dass ein vermnnlichtes ,weib es in
zgelloser ,anmaassung wagen durfte1 die
,deutschen als sanfte herzensgute
willensschwache und dichterische ,tlpel
der ,theilnahme ,europa's zu empfehlen4
,man verstehe doch endlich das
,erstaunen ,napoleon's tief genug1 als
er ,goethen zu sehen bekam3 es verrth1
was man sich ,jahrhunderte lang unter
dem deutschen ,geiste gedacht hatte4
,voil un homme6 - das wollte sagen3 ,das
ist ja ein ,mann6 ,und ich hatte nur
einen ,deutschen erwartet6 - - #baj4
,gesetzt also1 dass im ,bilde der
,philosophen der ,zukunft irgend ein
,zug zu rathen giebt1 ob sie nicht
vielleicht1 in dem zuletzt angedeuteten
,sinne1 ,skeptiker sein mssen1 so wre
damit doch nur ein ,etwas an ihnen
bezeichnet - und nicht sie selbst4 ,mit
dem gleichen ,rechte drften sie sich
,kritiker nennen lassen2 und sicherlich
werden es ,menschen der ,experimente
sein4 ,durch den ,namen1 auf welchen ich
sie zu taufen wagte1 habe ich das
,versuchen und die ,lust am ,versuchen
schon ausdrcklich unterstrichen3 geschah
dies deshalb1 weil sie1 als ,kritiker
an ,leib und ,seele1 sich des
,experiments in einem neuen1 vielleicht
weiteren1 vielleicht gefhrlicheren
,sinne zu bedienen lieben8 ,mssen sie1
in ihrer ,leidenschaft der ,erkenntniss1
mit verwegenen und schmerzhaften
,versuchen weiter gehn1 als es der
weichmthige und verzrtelte ,geschmack
eines demokratischen ,jahrhunderts gut
heissen kann8 - ,es ist kein ,zweifel3
diese ,kommenden werden am wenigsten
jener ernsten und nicht unbedenklichen
,eigenschaften entrathen drfen1 welche
den ,kritiker vom ,skeptiker abheben1
ich meine die ,sicherheit der
,werthmaasse1 die bewusste ,handhabung
einer ,einheit von ,methode1 den
gewitzten ,muth1 das ,alleinstehn und
,sich-verantworten-knnen2 ja1 sie
gestehen bei sich eine ,lust am
,neinsagen und ,zergliedern und eine
gewisse besonnene ,grausamkeit zu1
welche das ,messer sicher und fein zu
fhren weiss1 auch noch1 wenn das ,herz
blutet4 ,sie werden hrter sein 7und
vielleicht nicht immer nur gegen sich71
als humane ,menschen wnschen mgen1 sie
werden sich nicht mit der ,wahrheit
einlassen1 damit sie ihnen gefalle oder
sie erhebe und begeistere3 - ihr ,glaube
wird vielmehr gering sein1 dass gerade
die ,wahrheit solche ,lustbarkeiten fr
das ,gefhl mit sich bringe4 ,sie werden
lcheln1 diese strengen ,geister1 wenn
,einer vor ihnen sagte jener ,gedanke
erhebt mich3 wie sollte er nicht wahr
sein8 ,oder3 jenes ,werk entzckt mich3
wie sollte es nicht schn sein8 ,oder3
jener ,knstler vergrssert mich3 wie
sollte er nicht gross sein8 - sie haben
vielleicht nicht nur ein ,lcheln1
sondern einen chten ,ekel vor allem
derartig ,schwrmerischen1
,idealistischen1 ,femininischen1
,hermaphroditischen bereit1 und wer
ihnen bis in ihre geheimen
,herzenskammern zu folgen wsste1 wrde
schwerlich dort die ,absicht vorfinden1
christliche ,gefhle mit dem antiken
,geschmacke und etwa gar noch mit dem
modernen ,parlamentarismus zu vershnen
7wie dergleichen ,vershnlichkeit in
unserm sehr unsicheren1 folglich sehr
vershnlichen ,jahrhundert sogar bei
,philosophen vorkommen soll74 ,kritische
,zucht und jede ,gewhnung1 welche zur
,reinlichkeit und ,strenge in ,dingen
des ,geistes fhrt1 werden diese
,philosophen der ,zukunft nicht nur von
sich verlangen3 sie drften sie wie ihre
,art ,schmuck selbst zur ,schau tragen1
- trotzdem wollen sie deshalb noch nicht
,kritiker heissen4 ,es scheint ihnen
keine kleine ,schmach1 die der
,philosophie angethan wird1 wenn man
dekretirt1 wie es heute so gern
geschieht3 ,philosophie selbst ist
,kritik und kritische ,wissenschaft -
und gar nichts ausserdem6 ,mag diese
,werthschtzung der ,philosophie sich des
,beifalls aller ,positivisten
,frankreichs und ,deutschlands erfreuen
7- und es wre mglich1 dass sie sogar dem
,herzen und ,geschmacke ,kant's
geschmeichelt htte3 man erinnere sich
der ,titel seiner ,hauptwerke -73 unsre
neuen ,philosophen werden trotzdem
sagen3 ,kritiker sind ,werkzeuge des
,philosophen und eben darum1 als
,werkzeuge1 noch lange nicht selbst
,philosophen6 ,auch der grosse ,chinese
von ,knigsberg war nur ein grosser
,kritiker4 - #baa4 ,ich bestehe
darauf1 dass man endlich aufhre1 die
philosophischen ,arbeiter und berhaupt
die wissenschaftlichen ,menschen mit den
,philosophen zu verwechseln1 - dass man
gerade hier mit ,strenge ,jedem das
,seine und ,jenen nicht zu ,viel1
,diesen nicht viel zu ,wenig gebe4 ,es
mag zur ,erziehung des wirklichen
,philosophen nthig sein1 dass er selbst
auch auf allen diesen ,stufen einmal
gestanden hat1 auf welchen seine
,diener1 die wissenschaftlichen
,arbeiter der ,philosophie1 stehen
bleiben1 - stehen bleiben mssen2 er muss
selbst vielleicht ,kritiker und
,skeptiker und ,dogmatiker und
,historiker und berdies ,dichter und
,sammler und ,reisender und
,rthselrather und ,moralist und ,seher
und freier ,geist und beinahe ,alles
gewesen sein1 um den ,umkreis
menschlicher ,werthe und ,werth-,gefhle
zu durchlaufen und mit vielerlei ,augen
und ,gewissen1 von der ,hhe in jede
,ferne1 von der ,tiefe in jede ,hhe1 von
der ,ecke in jede ,weite1 blicken zu
knnen4 ,aber dies ,alles sind nur
,vorbedingungen seiner ,aufgabe3 diese
,aufgabe selbst will etwas ,anderes1 -
sie verlangt1 dass er ,werthe schaffe4
,jene philosophischen ,arbeiter nach dem
edlen ,muster ,kant's und ,hegel's
haben irgend einen grossen ,thatbestand
von ,werthschtzungen - das heisst
ehemaliger ,werthsetzungen1
,werthschpfungen1 welche herrschend
geworden sind und eine ,zeit lang
,wahrheiten genannt werden -
festzustellen und in ,formeln zu drngen1
sei es im ,reiche des ,logischen oder
des ,politischen 7,moralischen7 oder des
,knstlerischen4 ,diesen ,forschern
liegt es ob1 alles bisher ,geschehene
und ,geschtzte bersichtlich1 berdenkbar1
fasslich1 handlich zu machen1 alles
,lange1 ja die ,zeit selbst1 abzukrzen
und die ganze ,vergangenheit zu
berwltigen3 eine ungeheure und
wundervolle ,aufgabe1 in deren ,dienst
sich sicherlich jeder feine ,stolz1
jeder zhe ,wille befriedigen kann4 ,die
eigentlichen ,philosophen aber sind
,befehlende und ,gesetzgeber3 sie sagen
so soll es sein61 sie bestimmen erst das
,wohin8 und ,wozu8 des ,menschen und
verfgen dabei ber die ,vorarbeit aller
philosophischen ,arbeiter1 aller
berwltiger der ,vergangenheit1 - sie
greifen mit schpferischer ,hand nach der
,zukunft1 und ,alles1 was ist und war1
wird ihnen dabei zum ,mittel1 zum
,werkzeug1 zum ,hammer4 ,ihr ,erkennen
ist ,schaffen1 ihr ,schaffen ist eine
,gesetzgebung1 ihr ,wille zur ,wahrheit
ist - ,wille zur ,macht4 - ,giebt es
heute solche ,philosophen8 ,gab es schon
solche ,philosophen8 ,muss es nicht
solche ,philosophen geben84444 #bab4
,es will mir immer mehr so scheinen1
dass der ,philosoph als ein nothwendiger
,mensch des ,morgens und bermorgens
sich jederzeit mit seinem ,heute in
,widerspruch befunden hat und befinden
musste3 sein ,feind war jedes ,mal das
,ideal von ,heute4 ,bisher haben alle
diese ausserordentlichen ,frderer des
,menschen1 welche man ,philosophen
nennt1 und die sich selbst selten als
,freunde der ,weisheit1 sondern eher als
unangenehme ,narren und gefhrliche
,fragezeichen fhlten -1 ihre ,aufgabe1
ihre harte1 ungewollte1 unabweisliche
,aufgabe1 endlich aber die ,grsse ihrer
,aufgabe darin gefunden1 das bse
,gewissen ihrer ,zeit zu sein4 ,indem
sie gerade den ,tugenden der ,zeit das
,messer vivisektorisch auf die ,brust
setzten1 verriethen sie1 was ihr eignes
,geheimniss war3 um eine neue ,grsse des
,menschen zu wissen1 um einen neuen
ungegangenen ,weg zu seiner
,vergrsserung4 ,jedes ,mal deckten sie
auf1 wie viel ,heuchelei1
,bequemlichkeit1 ,sich-gehen-lassen und
,sich-fallen lassen1 wie viel ,lge unter
dem bestgeehrten ,typus ihrer
zeitgenssischen ,moralitt versteckt1 wie
viel ,tugend berlebt sei2 jedes ,mal
sagten sie3 wir mssen dorthin1
dorthinaus1 wo ihr heute am wenigsten zu
,hause seid4 ,angesichts einer ,welt
der modernen ,ideen1 welche ,jedermann
in eine ,ecke und ,spezialitt bannen
mchte1 wrde ein ,philosoph1 falls es
heute ,philosophen geben knnte1
gezwungen sein1 die ,grsse des
,menschen1 den ,begriff ,grsse gerade in
seine ,umfnglichkeit und
,vielfltigkeit1 in seine ,ganzheit im
,vielen zu setzen3 er wrde sogar den
,werth und ,rang darnach bestimmen1 wie
viel und vielerlei ,einer tragen und auf
sich nehmen1 wie weit ,einer seine
,verantwortlichkeit spannen knnte4
,heute schwcht und verdnnt der
,zeitgeschmack und die ,zeittugend den
,willen1 ,nichts ist so sehr zeitgemss
als ,willensschwche3 also muss1 im
,ideale des ,philosophen1 gerade ,strke
des ,willens1 ,hrte und ,fhigkeit zu
langen ,entschliessungen in den ,begriff
,grsse hineingehren2 mit so gutem
,rechte als die umgekehrte ,lehre und
das ,ideal einer blden entsagenden
demthigen selbstlosen ,menschlichkeit
einem umgekehrten ,zeitalter angemessen
war1 einem solchen1 das gleich dem
sechszehnten ,jahrhundert an seiner
aufgestauten ,energie des ,willens und
den wildesten ,wssern und ,sturmfluthen
der ,selbstsucht litt4 ,zur ,zeit des
,sokrates1 unter lauter ,menschen des
ermdeten ,instinktes1 unter
conservativen ,altathenern1 welche sich
gehen liessen - zum ,glck1 wie sie
sagten1 zum ,vergngen1 wie sie thaten -
und die dabei immer noch die alten
prunkvollen ,worte in den ,mund nahmen1
auf die ihnen ihr ,leben lngst kein
,recht mehr gab1 war vielleicht ,ironie
zur ,grsse der ,seele nthig1 jene
sokratische boshafte ,sicherheit des
alten ,arztes und ,pbelmanns1 welcher
schonungslos in's eigne ,fleisch
schnitt1 wie in's ,fleisch und ,herz des
,vornehmen1 mit einem ,blick1 welcher
verstndlich genug sprach3 verstellt euch
vor mir nicht6 ,hier - sind wir gleich6
,heute umgekehrt1 wo in ,europa das
,heerdenthier allein zu ,ehren kommt und
,ehren vertheilt1 wo die ,gleichheit
der ,rechte allzuleicht sich in die
,gleichheit im ,unrechte umwandeln
knnte3 ich will sagen in gemeinsame
,bekriegung alles ,seltenen1 ,fremden1
,bevorrechtigten1 des hheren ,menschen1
der hheren ,seele1 der hheren ,pflicht1
der hheren ,verantwortlichkeit1 der
schpferischen ,machtflle und
,herrschaftlichkeit - heute gehrt das
,vornehm-sein1 das ,fr-sich-sein-wollen1
das ,anders-sein-knnen1 das
,allein-stehn und
auf-eigne-,faust-leben-mssen zum
,begriff ,grsse2 und der ,philosoph wird
,etwas von seinem eignen ,ideal
verrathen1 wenn er aufstellt3 der soll
der ,grsste sein1 der der ,einsamste
sein kann1 der ,verborgenste1 der
,abweichendste1 der ,mensch jenseits von
,gut und ,bse1 er ,herr seiner
,tugenden1 der berreiche des ,willens2
dies eben soll ,grsse heissen3 ebenso
vielfach als ganz1 ebenso weit als voll
sein knnen4 ,und nochmals gefragt3 ist
heute - ,grsse mglich8 #bac4 ,was ein
,philosoph ist1 das ist deshalb
schlecht zu lernen1 weil es nicht zu
lehren ist3 man muss es wissen1 aus
,erfahrung1 - oder man soll den ,stolz
haben1 es nicht zu wissen4 ,dass aber
heutzutage alle ,welt von ,dingen redet1
in ,bezug auf welche sie keine
,erfahrung haben kann1 gilt am meisten
und schlimmsten vom ,philosophen und den
philosophischen ,zustnden3 - die
,wenigsten kennen sie1 drfen sie kennen1
und alle populren ,meinungen ber sie
sind falsch4 ,so ist zum ,beispiel jenes
cht philosophische ,beieinander einer
khnen ausgelassenen ,geistigkeit1 welche
presto luft1 und einer dialektischen
,strenge und ,nothwendigkeit1 die keinen
,fehltritt thut1 den meisten ,denkern
und ,gelehrten von ihrer ,erfahrung her
unbekannt und darum1 falls jemand davon
vor ihnen reden wollte1 un glaubwrdig4
,sie stellen sich jede ,nothwendigkeit
als ,noth1 als peinliches ,folgen-mssen
und ,gezwungen-werden vor2 und das
,denken selbst gilt ihnen als etwas
,langsames1 ,zgerndes1 beinahe als eine
,mhsal und oft genug als des ,schweisses
der ,edlen werth - aber ganz und gar
nicht als etwas ,leichtes1 ,gttliches
und dem ,tanze1 dem bermuthe1
,nchst-,verwandtes6 ,denken und eine
,sache ernst nehmen1 schwer nehmen - das
gehrt bei ihnen zu einander3 so allein
haben sie es erlebt -4 ,die ,knstler
mgen hier schon eine feinere ,witterung
haben4- sie1 die nur zu gut wissen1 dass
gerade dann1 wo sie ,nichts mehr
willkrlich und ,alles nothwendig machen1
ihr ,gefhl von ,freiheit1 ,feinheit1
,vollmacht1 von schpferischem ,setzen1
,verfgen1 ,gestalten auf seine ,hhe
kommt1 - kurz1 dass ,nothwendigkeit und
,freiheit des ,willens dann bei ihnen
,eins sind4 ,es giebt zuletzt eine
,rangordnung seelischer ,zustnde1
welcher die ,rangordnung der ,probleme
gemss ist2 und die hchsten ,probleme
stossen ohne ,gnade ,jeden zurck1 der
ihnen zu nahen wagt1 ohne durch ,hhe und
,macht seiner ,geistigkeit zu ihrer
,lsung vorherbestimmt zu sein4 ,was
hilft es1 wenn gelenkige
,allerwelts-,kpfe oder ungelenke brave
,mechaniker und ,empiriker sich1 wie es
heute so vielfach geschieht1 mit ihrem
,plebejer-,ehrgeize in ihre ,nhe und
gleichsam an diesen ,hof der ,hfe
drngen6 ,aber auf solche ,teppiche drfen
grobe ,fsse nimmermehr treten3 dafr ist
im ,urgesetz der ,dinge schon gesorgt2
die ,thren bleiben diesen ,zudringlichen
geschlossen1 mgen sie sich auch die
,kpfe daran stossen und zerstossen6 ,fr
jede hohe ,welt muss man geboren sein2
deutlicher gesagt1 man muss fr sie
gezchtet sein3 ein ,recht auf
,philosophie - das ,wort im grossen
,sinne genommen - hat man nur ,dank
seiner ,abkunft1 die ,vorfahren1 das
,geblt entscheidet auch hier4 ,viele
,geschlechter mssen der ,entstehung des
,philosophen vorgearbeitet haben2 jede
seiner ,tugenden muss einzeln erworben1
gepflegt1 fortgeerbt1 einverleibt worden
sein1 und nicht nur der khne leichte
zarte ,gang und ,lauf seiner ,gedanken1
sondern vor ,allem die ,bereitwilligkeit
zu grossen ,verantwortungen1 die
,hoheit herrschender ,blicke und
,niederblicke1 das
,sich-,abgetrennt-,fhlen von der ,menge
und ihren ,pflichten und ,tugenden1 das
leutselige ,beschtzen und ,vertheidigen
dessen1 was missverstanden und
verleumdet wird1 sei es ,gott1 sei es
,teufel1 die ,lust und bung in der
grossen ,gerechtigkeit1 die ,kunst des
,befehlens1 die ,weite des ,willens1 das
langsame ,auge1 welches selten
bewundert1 selten hinauf blickt1 selten
liebt4444 ,siebentes ,hauptstck3
,unsere ,tugenden4 #bad4 ,unsere
,tugenden8 - ,es ist wahrscheinlich1
dass auch wir noch unsere ,tugenden
haben1 ob es schon billigerweise nicht
jene treuherzigen und vierschrtigen
,tugenden sein werden1 um derentwillen
wir unsere ,grossvter in ,ehren1 aber
auch ein wenig uns vom ,leibe halten4
,wir ,europer von bermorgen1 wir
,erstlinge des zwanzigsten
,jahrhunderts1 - mit aller unsrer
gefhrlichen ,neugierde1 unsrer
,vielfltigkeit und ,kunst der
,verkleidung1 unsrer mrben und gleichsam
versssten ,grausamkeit in ,geist und
,sinnen1 - wir werden vermuthlich1 wenn
wir ,tugenden haben sollten1 nur solche
haben1 die sich mit unsren heimlichsten
und herzlichsten ,hngen1 mit unsern
heissesten ,bedrfnissen am besten
vertragen lernten3 wohlan1 suchen wir
einmal nach ihnen in unsren
,labyrinthen6 - woselbst sich1 wie man
weiss1 so mancherlei verliert1 so
mancherlei ganz verloren geht4 ,und
giebt es etwas ,schneres1 als nach
seinen eigenen ,tugenden suchen8 ,heisst
dies nicht beinahe schon3 an seine
eigne ,tugend glauben8 ,dies aber an
seine ,tugend glauben - ist dies nicht
im ,grunde dasselbe1 was man ehedem sein
gutes ,gewissen nannte1 jener ehrwrdige
langschwnzige ,begriffs-,zopf1 den sich
unsre ,grossvter hinter ihren ,kopf1
oft genug auch hinter ihren ,verstand
hngten8 ,es scheint demnach1 wie wenig
wir uns auch sonst altmodisch und
grossvterhaft-ehrbar dnken mgen1 in
,einem sind wir dennoch die wrdigen
,enkel dieser ,grossvter1 wir letzten
,europer mit gutem ,gewissen3 auch wir
noch tragen ihren ,zopf4 - ,ach6 ,wenn
ihr wsstet1 wie es bald1 so bald schon -
anders kommt644444 #bae4 ,wie es im
,reich der ,sterne mitunter zwei ,sonnen
sind1 welche die ,bahn ,eines ,planeten
bestimmen1 wie in gewissen ,fllen
,sonnen verschiedener ,farbe um einen
einzigen ,planeten leuchten1 bald mit
rothem ,lichte1 bald mit grnen ,lichte1
und dann wieder gleichzeitig ihn
treffend und bunt berfluthend3 so sind
wir modernen ,menschen1 ,dank der
complicirten ,mechanik unsres
,sternenhimmels - durch verschiedene
,moralen bestimmt2 unsre ,handlungen
leuchten abwechselnd in verschiedenen
,farben1 sie sind selten eindeutig1 -
und es giebt genug ,flle1 wo wir bunte
,handlungen thun4 #baf4 ,seine
,feinde lieben8 ,ich glaube1 das ist gut
gelernt worden3 es geschieht heute
tausendfltig1 im ,kleinen und im
,grossen2 ja es geschieht bisweilen
schon das ,hhere und ,sublimere - wir
lernen verachten1 wenn wir lieben1 und
gerade wenn wir am besten lieben3 - aber
alles dies unbewusst1 ohne ,lrm1 ohne
,prunk1 mit jener ,scham und
,verborgenheit der ,gte1 welche dem
,munde das feierliche1 ,wort und die
,tugend-,formel verbietet4 ,moral als
,attitde - geht uns heute wider den
,geschmack4 ,dies ist auch ein
,fortschritt3 wie es der ,fortschritt
unsrer ,vter war1 dass ihnen endlich
,religion als ,attitde wider den
,geschmack gieng1 eingerechnet die
,feindschaft und ,voltairische
,bitterkeit gegen die ,religion 7und was
,alles ehemals zur
,freigeist-,gebrdensprache gehrte74 ,es
ist die ,musik in unserm ,gewissen1 der
,tanz in unserm ,geiste1 zu dem alle
,puritaner-,litanei1 alle
,moral-,predigt und ,biedermnnerei nicht
klingen will4 #bag4 ,sich vor ,denen
in ,acht nehmen1 welche einen hohen
,werth darauf legen1 dass man ihnen
moralischen ,takt und ,feinheit in der
moralischen ,unterscheidung zutraue6
,sie vergeben es uns nie1 wenn sie sich
einmal vor uns 7oder gar an uns7
vergriffen haben1 - sie werden
unvermeidlich zu unsern instinktiven
,verleumdern und ,beeintrchtigern1
selbst wenn sie noch unsre ,freunde
bleiben4 - ,selig sind die
,vergesslichen3 denn sie werden auch mit
ihren ,dummheiten fertig4 #bah4 ,die
,psychologen ,frankreichs - und wo
giebt es heute sonst noch ,psychologen8
- haben immer noch ihr bitteres und
vielfltiges ,vergngen an der btise
bourgeoise nicht ausgekostet1 gleichsam
als wenn genug1 sie verrathen etwas
damit4 ,flaubert zum ,beispiel1 der
brave ,brger von ,rouen1 sah1 hrte und
schmeckte zuletzt nichts ,anderes mehr3
es war seine ,art von ,selbstqulerei und
feinerer ,grausamkeit4 ,nun empfehle
ich1 zur ,abwechslung - denn es wird
langweilig -1 ein anderes ,ding zum
,entzcken3 das ist die unbewusste
,verschlagenheit1 mit der sich alle
guten dicken braven ,geister des
,mittelmaasses zu hheren ,geistern und
deren ,aufgaben verhalten1 jene feine
verhkelte jesuitische ,verschlagenheit1
welche tausend ,mal feiner ist1 als der
,verstand und ,geschmack dieses
,mittelstandes in seinen besten
,augenblicken - sogar auch als der
,verstand seiner ,opfer -3 zum
abermaligen ,beweise dafr1 dass der
,instinkt unter allen ,arten von
,intelligenz1 welche bisher entdeckt
wurden1 die intelligenteste ist4 ,kurz1
studirt1 ihr ,psychologen1 die
,philosophie der ,regel im ,kampfe mit
der ,ausnahme3 da habt ihr ein
,schauspiel1 gut genug fr ,gtter und
gttliche ,boshaftigkeit6 ,oder1 noch
heutlicher3 treibt ,vivisektion am guten
,menschen1 am homo bonae voluntatis an
euch6 #bai4 ,das moralische
,urtheilen und ,verurtheilen ist die
,lieblings-,rache der
,geistig-,beschrnkten an ,denen1 die es
weniger sind1 auch eine ,art
,schadenersatz dafr1 dass sie von der
,natur schlecht bedacht wurden1 endlich
eine ,gelegenheit1 ,geist zu bekommen
und fein zu werden3 - ,bosheit
vergeistigt4 ,es thut ihnen im ,grunde
ihres ,herzens wohl1 dass es einen
,maassstab giebt1 vor dem auch die mit
,gtern und ,vorrechten des ,geistes
berhuften ihnen gleich stehn3 - sie
kmpfen fr die ,gleichheit ,aller vor
,gott und brauchen beinahe dazu schon
den ,glauben an ,gott4 ,unter ihnen sind
die krftigsten ,gegner des ,atheismus4
,wer ihnen sagte eine hohe ,geistigkeit
ist ausser ,vergleich mit irgend welcher
,bravheit und ,achtbarkeit eines eben
nur moralischen ,menschen1 wrde sie
rasend machen3 - ich werde mich hten1 es
zu thun4 ,vielmehr mchte ich ihnen mit
meinem ,satze schmeicheln1 dass eine
hohe ,geistigkeit selber nur als letzte
,ausgeburt moralischer ,qualitten
besteht2 dass sie eine ,synthesis aller
jener ,zustnde ist1 welche den nur
moralischen ,menschen nachgesagt werden1
nachdem sie1 einzeln1 durch lange
,zucht und bung1 vielleicht in ganzen
,ketten von ,geschlechtern erworben
sind2 dass die hohe ,geistigkeit eben
die ,vergeistigung der ,gerechtigkeit
und jener gtigen ,strenge ist1 welche
sich beauftragt weiss1 die ,ordnung des
,ranges in der ,welt aufrecht zu
erhalten1 unter den ,dingen selbst - und
nicht nur unter ,menschen4 #bbj4
,bei dem jetzt so volksthmlichen ,lobe
des ,uninteressirten muss man sich1
vielleicht nicht ohne einige ,gefahr1
zum ,bewusstsein bringen1 woran
eigentlich das ,volk ,interesse nimmt1
und was berhaupt die ,dinge sind1 um die
sich der gemeine ,mann grndlich und
tief kmmert3 die ,gebildeten
eingerechnet1 sogar die ,gelehrten1 und
wenn nicht ,alles trgt1 beinahe auch die
,philosophen4 ,die ,thatsache kommt
dabei heraus1 dass das ,allermeiste von
dem1 was feinere und verwhntere
,geschmcker1 was jede hhere ,natur
interessirt und reizt1 dem
durchschnittlichen ,menschen gnzlich
uninteressant scheint3 - bemerkt er
trotzdem eine ,hingebung daran1 so nennt
er sie dsintress und wundert sich1 wie
es mglich ist1 uninteressirt zu handeln4
,es hat ,philosophen gegeben1 welche
dieser ,volks-,verwunderung noch einen
verfhrerischen und mystisch-jenseitigen
,ausdruck zu verleihen wussten 7-
vielleicht weil sie die hhere ,natur
nicht aus ,erfahrung kannten87 - statt
die nackte und herzlich billige
,wahrheit hinzustellen1 dass die
uninteressirte ,handlung eine sehr
interessante und interessirte ,handlung
ist1 vorausgesetzt44444 ,und die ,liebe8
- ,wie6 ,sogar eine ,handlung aus
,liebe soll unegoistisch sein8 ,aber ihr
,tlpel -6 ,und das ,lob des
,aufopfernden8 - ,aber wer wirklich
,opfer gebracht hat1 weiss1 dass er
etwas dafr wollte und bekam1 -
vielleicht etwas von sich fr etwas von
sich - dass er hier hingab1 um dort mehr
zu haben1 vielleicht um berhaupt mehr
zu sein oder sich doch als mehr zu
fhlen4 ,aber dies ist ein ,reich von
,fragen und ,antworten1 in dem ein
verwhnterer ,geist sich ungern aufhlt3
so sehr hat hier bereits die ,wahrheit
nthig1 das ,ghnen zu unterdrcken1 wenn
sie antworten muss4 ,zuletzt ist sie ein
,weib3 man soll ihr nicht ,gewalt
anthun4 #bba4 ,es kommt vor1 sagte
ein moralistischer ,pedant und
,kleinigkeitskrmer1 dass ich einen
uneigenntzigen ,menschen ehre und
auszeichne3 nicht aber1 weil er
uneigenntzig ist1 sondern weil er mir
ein ,recht darauf zu haben scheint1
einem anderen ,menschen auf seine eignen
,unkosten zu ntzen4 ,genug1 es fragt
sich immer1 wer er ist und wer ,jener
ist4 ,an ,einem zum ,beispiele1 der zum
,befehlen bestimmt und gemacht wre1 wrde
,selbst-,verleugnung und bescheidenes
,zurcktreten nicht eine ,tugend1 sondern
die ,vergeudung einer ,tugend sein3 so
scheint es mir4 ,jede unegoistische
,moral1 welche sich unbedingt nimmt und
an ,jedermann wendet1 sndigt nicht nur
gegen den ,geschmack3 sie ist eine
,aufreizung zu ,unterlassungs-,snden1
eine ,verfhrung mehr unter der ,maske
der ,menschenfreundlichkeit - und gerade
eine ,verfhrung und ,schdigung der
,hheren1 ,seltneren1 ,bevorrechteten4
,man muss die ,moralen zwingen1 sich zu
allererst vor der ,rangordnung zu
beugen1 man muss ihnen ihre ,anmaassung
in's ,gewissen schieben1 - bis sie
endlich mit einander darber in's ,klare
kommen1 das es unmoralisch ist zu sagen3
was dem ,einen recht ist1 ist dem
,andern billig4 - ,also mein
moralistischer ,pedant und bonhomme3
verdiente er es wohl1 dass man ihn
auslachte1 als er die ,moralen
dergestalt zur ,moralitt ermahnte8 ,aber
man soll nicht zu viel ,recht haben1
wenn man die ,lacher auf seiner ,seite
haben will2 ein ,krnchen ,unrecht gehrt
sogar zum guten ,geschmack4 #bbb4 ,wo
heute ,mitleiden gepredigt wird - und1
recht gehrt1 wird jetzt keine andre
,religion mehr gepredigt - mge der
,psycholog seine ,ohren aufmachen3 durch
alle ,eitelkeit1 durch allen ,lrm
hindurch1 der diesen ,predigern 7wie
allen ,predigern7 zu eigen ist1 wird er
einen heiseren1 sthnenden1 chten ,laut
von ,selbst-,verachtung hren4 ,sie gehrt
zu jener ,verdsterung und
,verhsslichung ,europa's1 welche jetzt
ein ,jahrhundert lang im ,wachsen ist
7und deren erste ,symptome schon in
einem nachdenklichen ,briefe ,galiani's
an ,madame d',epinay urkundlich
verzeichnet sind73 wenn sie nicht deren
,ursache ist6 ,der ,mensch der modernen
,ideen1 dieser stolze ,affe1 ist unbndig
mit sich selbst unzufrieden3 dies steht
fest4 ,er leidet3 und seine ,eitelkeit
will1 dass er nur mit leidet444444
#bbc4 ,der europische ,mischmensch -
ein leidlich hsslicher ,plebejer1 ,alles
in ,allem - braucht schlechterdings ein
,kostm3 er hat die ,historie nthig als
die ,vorrathskammer der ,kostme4
,freilich bemerkt er dabei1 dass ihm
keines recht auf den ,leib passt1 - er
wechselt und wechselt4 ,man sehe sich
das neunzehnte ,jahrhundert auf diese
schnellen ,vorlieben und ,wechsel der
,stil-,maskeraden an2 auch auf die
,augenblicke der ,verzweiflung darber1
dass uns nichts steht -4 ,unntz1 sich
romantisch oder klassisch oder
christlich oder florentinisch oder
barokko oder national vorzufhren1 in
moribus et artibus3 es kleidet nicht6
,aber der ,geist1 insbesondere der
historische ,geist1 ersieht sich auch
noch an dieser ,verzweiflung seinen
,vortheil3 immer wieder wird ein neues
,stck ,vorzeit und ,ausland versucht1
umgelegt1 abgelegt1 eingepackt1 vor
allem studirt3 - wir sind das erste
studirte ,zeitalter in puncto der
,kostme1 ich meine der ,moralen1
,glaubensartikel1 ,kunstgeschmcker und
,religionen1 vorbereitet wie noch keine
,zeit es war1 zum ,karneval grossen
,stils1 zum geistigsten
,fasching-,gelchter und bermuth1 zur
transscendentalen ,hhe des hchsten
,bldsinns und der aristophanischen
,welt-,verspottung4 ,vielleicht1 dass
wir hier gerade das ,reich unsrer
,erfindung noch entdecken1 jenes ,reich1
wo auch wir noch original sein knnen1
etwa als ,pazodisten der ,weltgeschichte
und ,hanswrste ,gottes1 - vielleicht
dass1 wenn auch ,nichts von heute sonst
,zukunft hat1 doch gerade unser ,lachen
noch ,zukunft hat6 #bbd4 ,der
historische ,sinn 7oder die ,fhigkeit1
die ,rangordnung von ,werthschtzungen
schnell zu errathen1 nach welchen ein
,volk1 eine ,gesellschaft1 ein ,mensch
gelebt hat1 der divinatorische ,instinkt
fr die ,beziehungen dieser
,werthschtzungen1 fr das ,verhltniss der
,autoritt der ,werthe zur ,autoritt der
wirkenden ,krfte73 dieser historische
,sinn1 auf welchen wir ,europer als auf
unsre ,besonderheit ,anspruch machen1
ist uns im ,gefolge der bezaubernden und
tollen ,halbbarbarei gekommen1 in
welche ,europa durch die demokratische
,vermengung der ,stnde und ,rassen
gestrzt worden ist1 - erst das
neunzehnte ,jahrhundert kennt diesen
,sinn1 als seinen sechsten ,sinn4 ,die
,vergangenheit von jeder ,form und
,lebensweise1 von ,culturen1 die frher
hart neben einander1 ber einander lagen1
strmt ,dank jener ,mischung in uns
moderne ,seelen aus1 unsre ,instinkte
laufen nunmehr berallhin zurck1 wir
selbst sind eine ,art ,chaos -3
schliesslich ersieht sich der ,geist1
wie gesagt1 seinen ,vortheil dabei4
,durch unsre ,halbbarbarei in ,leib und
,begierde haben wir geheime ,zugnge
berallhin1 wie sie ein vornehmes
,zeitalter nie besessen hat1 vor ,allem
die ,zugnge zum ,labyrinthe der
unvollendeten ,culturen und zu jeder
,halbbarbarei1 die nur jemals auf ,erden
dagewesen ist2 und insofern der
betrchtlichste ,theil der menschlichen
,cultur bisher eben ,halbbarbarei war1
bedeutet historischer ,sinn beinahe den
,sinn und ,instinkt fr ,alles1 den
,geschmack und die ,zunge fr ,alles3
womit er sich sofort als ein unvornehmer
,sinn ausweist4 ,wir geniessen zum
,beispiel ,homer wieder3 vielleicht ist
es unser glcklichster ,vorsprung1 dass
wir ,homer zu schmecken verstehen1
welchen die ,menschen einer vornehmen
,cultur 7etwa die ,franzosen des
siebzehnten ,jahrhunderts1 wie
,saint-,evremond1 der ihm den esprit
vaste vorwirft1 selbst noch ihr
,ausklang ,voltaire7 nicht so leicht
sich anzueignen wissen und wussten1 -
welchen zu geniessen sie sich kaum
erlaubten4 ,das sehr bestimmte ,ja und
,nein ihres ,gaumens1 ihr leicht
bereiter ,ekel1 ihre zgernde
,zurckhaltung in ,bezug auf alles
,fremdartige1 ihre ,scheu vor dem
,ungeschmack selbst der lebhaften
,neugierde1 und berhaupt jener schlechte
,wille jeder vornehmen und
selbstgengsamen ,cultur1 sich eine neue
,begehrlichkeit1 eine ,unbefriedigung am
,eignen1 eine ,bewunderung des ,fremden
einzugestehen3 alles dies stellt und
stimmt sie ungnstig selbst gegen die
besten ,dinge der ,welt1 welche nicht
ihr ,eigenthum sind oder ihre ,beute
werden knnten1 - und kein ,sinn ist
solchen ,menschen unverstndlicher1 als
gerade der historische ,sinn und seine
unterwrfige ,plebejer-,neugierde4 ,nicht
anders steht es mit ,shakespeare1
dieser erstaunlichen
spanisch-maurisch-schsischen
,geschmacks-,synthesis1 ber welchen sich
ein ,altathener aus der ,freundschaft
des ,aeschylus halbtodt gelacht oder
gergert haben wrde3 aber wir - nehmen
gerade diese wilde ,buntheit1 dies
,durcheinander des ,zartesten1 ,grbsten
und ,knstlichsten1 mit einer geheimen
,vertraulichkeit und ,herzlichkeit an1
wir geniessen ihn als das gerade uns
aufgesparte ,raffinement der ,kunst und
lassen uns dabei von den widrigen
,dmpfen und der ,nhe des englischen
,pbels1 in welcher ,shakespeare's ,kunst
und ,geschmack lebt1 so wenig stren1
als etwa auf der ,chiaja ,neapels3 wo
wir mit allen unsren ,sinnen1 bezaubert
und willig1 unsres ,wegs gehn1 wie sehr
auch die ,cloaken der ,pbel-,quartiere
in der ,luft sind4 ,wir ,menschen des
historischen ,sinns3 wir haben als
solche unsre ,tugenden1 es ist nicht zu
bestreiten1 - wir sind anspruchslos1
selbstlos1 bescheiden1 tapfer1 voller
,selbstberwindung1 voller ,hingebung1
sehr dankbar1 sehr geduldig1 sehr
entgegenkommend3 - wir sind mit ,alledem
vielleicht nicht sehr geschmackvoll4
,gestehen wir es uns schliesslich zu3
was uns ,menschen des historischen
,sinns am schwersten zu fassen1 zu
fhlen1 nachzuschmecken1 nachzulieben
ist1 was uns im ,grunde voreingenommen
und fast feindlich findet1 das ist
gerade das ,vollkommene und ,letzthin -
,reife in jeder ,cultur und ,kunst1 das
eigentlich ,vornehme an ,werken und
,menschen1 ihr ,augenblick glatten
,meers und halkyonischer
,selbstgenugsamkeit1 das ,goldene und
,kalte1 welches alle ,dinge zeigen1 die
sich vollendet haben4 ,vielleicht steht
unsre grosse ,tugend des historischen
,sinns in einem nothwendigen ,gegensatz
zum guten ,geschmacke1 mindestens zum
allerbesten ,geschmacke1 und wir vermgen
gerade die kleinen kurzen und hchsten
,glcksflle und ,verklrungen des
menschlichen ,lebens1 wie sie hier und
da einmal aufglnzen1 nur schlecht1 nur
zgernd1 nur mit ,zwang in uns
nachzubilden3 jene ,augenblicke und
,wunder1 wo eine grosse ,kraft
freiwillig vor dem ,maasslosen und
,unbegrenzten stehen blieb -1 wo ein
berfluss von feiner ,lust in der
pltzlichen ,bndigung und ,versteinerung1
im ,feststehen und ,sich-,fest-,stellen
auf einem noch zitternden ,boden
genossen wurde4 ,das ,maass ist uns
fremd1 gestehen wir es uns2 unser
,kitzel ist gerade der ,kitzel des
,unendlichen1 ,ungemessenen4 ,gleich dem
,reiter auf vorwrts schnaubendem ,rosse
lassen wir vor dem ,unendlichen die
,zgel fallen1 wir modernen ,menschen1
wir ,halbbarbaren - und sind erst dort
in unsrer ,seligkeit1 wo wir auch am
meisten - in ,gefahr sind4 #bbe4 ,ob
,hedonismus1 ob ,pessimismus1 ob
,utilitarismus1 ob ,eudmonismus3 alle
diese ,denkweisen1 welche nach ,lust und
,leid1 das heisst nach ,begleitzustnden
und ,nebensachen den ,werth der ,dinge
messen1 sind ,vordergrunds-,denkweisen
und ,naivetten1 auf welche ein ,jeder1
der sich gestaltender ,krfte und eines
,knstler-,gewissens bewusst ist1 nicht
ohne ,spott1 auch nicht ohne ,mitleid
herabblicken wird4 ,mitleiden mit euch6
das ist freilich nicht das ,mitleiden1
wie ihr es meint3 das ist nicht
,mitleiden mit der socialen ,noth1 mit
der ,gesellschaft und ihren ,kranken und
,verunglckten1 mit ,lasterhaften und
,zerbrochnen von ,anbeginn1 wie sie
rings um uns zu ,boden liegen2 das ist
noch weniger ,mitleiden mit murrenden
gedrckten aufrhrerischen
,sklaven-,schichten1 welche nach
,herrschaft - sie nennen's ,freiheit -
trachten4 ,unser ,mitleiden ist ein
hheres fernsichtigeres ,mitleiden3 - wir
sehen1 wie der ,mensch sich
verkleinert1 wie ihr ihn verkleinert6 -
und es giebt ,augenblicke1 wo wir gerade
eurem ,mitleiden mit einer
unbeschreiblichen ,bengstigung zusehn1
wo wir uns gegen dies ,mitleiden wehren
-1 wo wir euren ,ernst gefhrlicher als
irgend welche ,leichtfertigkeit finden4
,ihr wollt womglich - und es giebt kein
tolleres womglich - das ,leiden
abschaffen2 und wir8 - es scheint
gerade1 wir wollen es lieber noch hher
und schlimmer haben1 als je es war6
,wohlbefinden1 wie ihr es versteht - das
ist ja kein ,ziel1 das scheint uns ein
,ende6 ,ein ,zustand1 welcher den
,menschen alsbald lcherlich und
verchtlich macht1 - der seinen
,untergang wnschen macht6 ,die ,zucht
des ,leidens1 des grossen ,leidens -
wisst ihr nicht1 dass nur diese ,zucht
alle ,erhhungen des ,menschen bisher
geschaffen hat8 ,jene ,spannung der
,seele im ,unglck1 welche ihr die ,strke
anzchtet1 ihre ,schauer im ,anblick des
grossen ,zugrundegehens1 ihre
,erfindsamkeit und ,tapferkeit im
,tragen1 ,ausharren1 ,ausdeuten1
,ausntzen des ,unglcks1 und was ihr nur
je von ,tiefe1 ,geheimniss1 ,maske1
,geist1 ,list1 ,grsse geschenkt worden
ist3 - ist es nicht ihr unter ,leiden1
unter der ,zucht des grossen ,leidens
geschenkt worden8 ,im ,menschen ist
,geschpf und ,schpfer vereint3 im
,menschen ist ,stoff1 ,bruchstck1
berfluss1 ,lehm1 ,koth1 ,unsinn1 ,chaos2
aber im ,menschen ist auch ,schpfer1
,bildner1 ,hammer-,hrte1
,zuschauer-,gttlichkeit und siebenter
,tag3 - versteht ihr diesen ,gegensatz8
,und dass euer ,mitleid dem ,geschpf im
,menschen gilt1 dem1 was geformt1
gebrochen1 geschmiedet1 gerissen1
gebrannt1 geglht1 gelutert werden muss1
- dem1 was nothwendig leiden muss und
leiden soll8 ,und unser ,mitleid -
begreift ihr's nicht1 wem unser
umgekehrtes ,mitleid gilt1 wenn es sich
gegen euer ,mitleid wehrt1 als gegen die
schlimmste aller ,verzrtelungen und
,schwchen8 - ,mitleid also gegen
,mitleid6 - ,aber1 nochmals gesagt1 es
giebt hhere ,probleme als alle ,lust-
und ,leid- und ,mitleid-,probleme2 und
jede ,philosophie1 die nur auf diese
hinausluft1 ist eine ,naivett4 - #bbf4
,wir ,immoralisten6 - ,diese ,welt1
die uns angeht1 in der wir zu frchten
und zu lieben haben1 diese beinahe
unsichtbare unhrbare ,welt feinen
,befehlens1 feinen ,gehorchens1 eine
,welt des ,beinahe in jedem ,betrachte1
hklich1 verfnglich1 spitzig1 zrtlich3
ja1 sie ist gut vertheidigt gegen plumpe
,zuschauer und vertrauliche ,neugierde6
,wir sind in ein strenges ,garn und
,hemd von ,pflichten eingesponnen und
knnen da nicht heraus -1 darin eben sind
wir ,menschen der ,pflicht1 auch wir6
,bisweilen1 es ist wahr1 tanzen wir wohl
in unsern ,ketten und zwischen unsern
,schwertern2 fter1 es ist nicht minder
wahr1 knirschen wir darunter und sind
ungeduldig ber all die heimliche ,hrte
unsres ,geschicks4 ,aber wir mgen thun1
was wir wollen3 die ,tlpel und der
,augenschein sagen gegen uns das sind
,menschen ohne ,pflicht - wir haben
immer die ,tlpel und den ,augenschein
gegen uns6 #bbg4 ,redlichkeit1
gesetzt1 dass dies unsre ,tugend ist1
von der wir nicht losknnen1 wir freien
,geister - nun1 wir wollen mit aller
,bosheit und ,liebe an ihr arbeiten und
nicht mde werden1 uns in unsrer ,tugend1
die allein uns brig blieb1 zu
vervollkommnen3 mag ihr ,glanz einmal
wie ein vergoldetes blaues spttisches
,abendlicht ber dieser alternden ,cultur
und ihrem dumpfen dsteren ,ernste
liegen bleiben6 ,und wenn dennoch unsre
,redlichkeit eines ,tages mde wird und
seufzt und die ,glieder streckt und uns
zu hart findet und es besser1 leichter1
zrtlicher haben mchte1 gleich einem
angenehmen ,laster3 bleiben wir hart1
wir letzten ,stoiker6 und schicken wir
ihr zu ,hlfe1 was wir nur an ,teufelei
in uns haben - unsern ,ekel am ,plumpen
und ,ungefhren1 unser nitimur in
vetitum1 unsern ,abenteuerer-,muth1
unsre gewitzte und verwhnte ,neugierde1
unsern feinsten verkapptesten
geistigsten ,willen zur ,macht und
,welt-berwindung1 der begehrlich um alle
,reiche der ,zukunft schweift und
schwrmt1 - kommen wir unserm ,gotte mit
allen unsern ,teufeln zu ,hlfe6 ,es ist
wahrscheinlich1 dass man uns darob
verkennt und verwechselt3 was liegt
daran6 ,man wird sagen3 ihre
,redlichkeit - das ist ihre ,teufelei1
und gar nichts mehr6 was liegt daran6
,und selbst wenn man ,recht htte6 ,waren
nicht alle ,gtter bisher dergleichen
heilig gewordne umgetaufte ,teufel8 ,und
was wissen wir zuletzt von uns8 ,und
wie der ,geist heissen will1 der uns
fhrt8 7es ist eine ,sache der ,namen47
,und wie viele ,geister wir bergen8
,unsre ,redlichkeit1 wir freien
,geister1 - sorgen wir dafr1 dass sie
nicht unsre ,eitelkeit1 unser ,putz und
,prunk1 unsre ,grenze1 unsre ,dummheit
werde6 ,jede ,tugend neigt zur
,dummheit1 jede ,dummheit zur ,tugend2
dumm bis zur ,heiligkeit sagt man in
,russland1 - sorgen wir dafr1 dass wir
nicht aus ,redlichkeit zuletzt noch zu
,heiligen und ,langweiligen werden6 ,ist
das ,leben nicht hundert ,mal zu kurz1
sich in ihm - zu langweilen8 ,man msste
schon an's ewige ,leben glauben1 um4444
#bbh4 ,man vergebe mir die ,entdeckung1
dass alle ,moral-,philosophie bisher
langweilig war und zu den ,schlafmitteln
gehrte - und dass die ,tugend durch
nichts mehr in meinen ,augen
beeintrchtigt worden ist1 als durch
diese ,langweiligkeit ihrer ,frsprecher2
womit ich noch nicht deren allgemeine
,ntzlichkeit verkannt haben mchte4 ,es
liegt viel daran1 dass so wenig
,menschen als mglich ber ,moral
nachdenken1 - es liegt folglich sehr
viel daran1 dass die ,moral nicht etwa
eines ,tages interessant werde6 ,aber
man sei unbesorgt6 ,es steht auch heute
noch so1 wie es immer stand3 ich sehe
,niemanden in ,europa1 der einen
,begriff davon htte 7oder gbe71 dass das
,nachdenken ber ,moral gefhrlich1
verfnglich1 verfhrerisch getrieben
werden knnte1 - dass ,verhngniss darin
liegen knnte6 ,man sehe sich zum
,beispiel die unermdlichen
unvermeidlichen englischen ,utilitarier
an1 wie sie plump und ehrenwerth in den
,fusstapfen ,bentham's1 daher wandeln1
dahin wandeln 7ein homerisches
,gleichniss sagt es deutlicher71 so wie
er selbst schon in den ,fusstapfen des
ehrenwerthen ,helvtius wandelte 7nein1
das war kein gefhrlicher ,mensch1 dieser
,helvtius674 ,kein neuer ,gedanke1
,nichts von feinerer ,wendung und
,faltung eines alten ,gedankens1 nicht
einmal eine wirkliche ,historie des
frher ,gedachten3 eine unmgliche
,litteratur im ,ganzen1 gesetzt1 dass
man sie nicht mit einiger ,bosheit sich
einzusuern versteht4 ,es hat sich nmlich
auch in diese ,moralisten 7welche man
durchaus mit ,nebengedanken lesen muss1
falls man sie lesen muss-71 jenes alte
englische ,laster eingeschlichen1 das
cant heisst und moralische ,tartfferie
ist1 dies ,mal unter die neue ,form der
,wissenschaftlichkeit versteckt2 es
fehlt auch nicht an geheimer ,abwehr von
,gewissensbissen1 an denen
billigerweise eine ,rasse von ehemaligen
,puritanern bei aller
wissenschaftlichen ,befassung mit ,moral
leiden wird4 7,ist ein ,moralist nicht
das ,gegenstck eines ,puritaners8
,nmlich als ein ,denker1 der die ,moral
als fragwrdig1 fragezeichenwrdig1 kurz
als ,problem nimmt8 ,sollte ,moralisiren
nicht - unmoralisch sein87 ,zuletzt
wollen sie ,alle1 dass die englische
,moralitt ,recht bekomme3 insofern
gerade damit der ,menschheit1 oder dem
allgemeinen ,nutzen oder dem ,glck der
,meisten1 nein6 dem ,glcke ,englands am
besten gedient wird2 sie mchten mit
allen ,krften sich beweisen1 dass das
,streben nach englischem ,glck1 ich
meine nach comfort und fashion 7und1 an
hchster ,stelle1 einem ,sitz im
,parlament7 zugleich auch der rechte
,pfad der ,tugend sei1 ja dass1 so viel
,tugend es bisher in der ,welt gegeben
hat1 es eben in einem solchen ,streben
bestanden habe4 ,keins von allen diesen
schwerflligen1 im ,gewissen beunruhigten
,heerdenthieren 7die die ,sache des
,egoismus als ,sache der allgemeinen
,wohlfahrt zu fhren unternehmen -7 will
etwas davon wissen und riechen1 dass die
allgemeine ,wohlfahrt kein ,ideal1 kein
,ziel1 kein irgendwie fassbarer
,begriff1 sondern nur ein ,brechmittel
ist1 - dass1 was dem ,einen billig ist1
durchaus noch nicht dem ,andern billig
sein kann1 dass die ,forderung ,einer
,moral fr ,alle die ,beeintrchtigung
gerade der hheren ,menschen ist1 kurz1
dass es eine ,rangordnung zwischen
,mensch und ,mensch1 folglich auch
zwischen ,moral und ,moral giebt4 ,es
ist eine bescheidene und grndlich
mittelmssige ,art ,mensch1 diese
utilitarischen ,englnder1 und1 wie
gesagt3 insofern sie langweilig sind1
kann man nicht hoch genug von ihrer
,utilitt denken4 ,man sollte sie noch
ermuthigen3 wie es1 zum ,theil1 mit
nachfolgenden ,reimen versucht worden
ist4 ,heil euch1 brave
,karrenschieber1 ,stets je lnger1
desto lieber1 ,steifer stets an
,kopf und ,knie1 ,unbegeistert1
ungespssig1
,unverwstlich-mittelmssig1 ,sans
genie et sans esprit6 #bbi4 ,es
bleibt in jenen spten ,zeitaltern1 die
auf ,menschlichkeit stolz sein drfen1 so
viel ,furcht1 so viel ,aberglaube der
,furcht vor dem wilden grausamen ,thiere
zurck1 ber welches ,herr geworden zu
sein eben den ,stolz jener
menschlicheren ,zeitalter ausmacht1 dass
selbst handgreifliche ,wahrheiten wie
auf ,verabredung ,jahrhunderte lang
unausgesprochen bleiben1 weil sie den
,anschein haben1 jenem wilden1 endlich
abgetdteten ,thiere wieder zum ,leben zu
verhelfen4 ,ich wage vielleicht etwas1
wenn ich eine solche ,wahrheit mir
entschlpfen lasse3 mgen ,andre sie
wieder einfangen und ihr so viel ,milch
der frommen ,denkungsart zu trinken
geben1 bis sie still und vergessen in
ihrer alten ,ecke liegt4 - ,man soll ber
die ,grausamkeit umlernen und die
,augen aufmachen2 man soll endlich
,ungeduld lernen1 damit nicht lnger
solche unbescheidne dicke ,irrthmer
tugendhaft und dreist herumwandeln1 wie
sie zum ,beispiel in ,betreff der
,tragdie von alten und neuen
,philosophen aufgefttert worden sind4
,fast ,alles1 was wir hhere ,cultur
nennen1 beruht auf der ,vergeistigung
und ,vertiefung der ,grausamkeit - dies
ist mein ,satz2 jenes wilde ,thier ist
gar nicht abgetdtet worden1 es lebt1 es
blht1 es hat sich nur - vergttlicht4
,was die schmerzliche ,wollust der
,tragdie ausmacht1 ist ,grausamkeit2 was
im sogenannten tragischen ,mitleiden1
im ,grunde sogar in allem ,erhabenen bis
hinauf zu den hchsten und zartesten
,schaudern der ,metaphysik1 angenehm
wirkt1 bekommt seine ,sssigkeit allein
von der eingemischten ,ingredienz der
,grausamkeit4 ,was der ,rmer in der
,arena1 der ,christ in den ,entzckungen
des ,kreuzes1 der ,spanier ,angesichts
von ,scheiterhaufen oder ,stierkmpfen1
der ,japanese von heute1 der sich zur
,tragdie drngt1 der ,pariser
,vorstadt-,arbeiter1 der ein ,heimweh
nach blutigen ,revolutionen hat1 die
,wagnerianerin1 welche mit ausgehngtem
,willen ,tristan und ,isolde ber sich
ergehen lsst1 - was diese ,alle
geniessen und mit geheimnissvoller
,brunst in sich hineinzutrinken
trachten1 das sind die ,wrztrnke der
grossen ,circe ,grausamkeit4 ,dabei muss
man freilich die tlpelhafte
,psychologie von ,ehedem davon jagen1
welche von der ,grausamkeit nur zu
lehren wusste1 dass sie beim ,anblicke
fremden ,leides entstnde3 es giebt einen
reichlichen1 berreichlichen ,genuss
auch am eignen ,leiden1 am eignen
,sich-leiden-machen1 - und wo nur der
,mensch zur ,selbst-,verleugnung im
religisen ,sinne oder zur
,selbstverstmmelung1 wie bei ,phniziern
und ,asketen1 oder berhaupt zur
,entsinnlichung1 ,entfleischung1
,zerknirschung1 zum puritanischen
,busskrampfe1 zur
,gewissens-,vivisektion und zum
,pascalischen sacrifizio dell'intelletto
sich berreden lsst1 da wird er heimlich
durch seine ,grausamkeit gelockt und
vorwrts gedrngt1 durch jene gefhrlichen
,schauder der gegen sich selbst
gewendeten ,grausamkeit4 ,zuletzt erwge
man1 dass selbst der ,erkennende1 indem
er seinen ,geist zwingt1 wider den ,hang
des ,geistes und oft genug auch wider
die ,wnsche seines ,herzens zu erkennen
- nmlich ,nein zu sagen1 wo er bejahen1
lieben1 anbeten mchte -1 als ,knstler
und ,verklrer der ,grausamkeit waltet2
schon jedes ,tief- und ,grndlich-,nehmen
ist eine ,vergewaltigung1 ein
,wehe-thun-wollen am ,grundwillen des
,geistes1 welcher unablssig zum ,scheine
und zu den ,oberflchen hin will1 -
schon in jedem ,erkennen-,wollen ist ein
,tropfen ,grausamkeit4 #bcj4
,vielleicht versteht man nicht ohne
,weiteres1 was ich hier von einem
,grundwillen des ,geistes gesagt habe3
man gestatte mir eine ,erluterung4 -
,das befehlerische ,etwas1 das vom
,volke der ,geist genannt wird1 will in
sich und um sich herum ,herr sein und
sich als ,herrn fhlen3 es hat den
,willen aus der ,vielheit zur
,einfachheit1 einen zusammenschnrenden1
bndigenden1 herrschschtigen und wirklich
herrschaftlichen ,willen4 ,seine
,bedrfnisse und ,vermgen sind hierin die
selben1 wie sie die ,physiologen fr
,alles1 was lebt1 wchst und sich
vermehrt1 aufstellen4 ,die ,kraft des
,geistes1 ,fremdes sich anzueignen1
offenbart sich in einem starken ,hange1
das ,neue dem ,alten anzuhnlichen1 das
,mannichfaltige zu vereinfachen1 das
gnzlich ,widersprechende zu bersehen
oder wegzustossen3 ebenso wie er
bestimmte ,zge und ,linien am ,fremden1
an jedem ,stck ,aussenwelt willkrlich
strker unterstreicht1 heraushebt1 sich
zurecht flscht4 ,seine ,absicht geht
dabei auf ,einverleibung neuer
,erfahrungen auf ,einreihung neuer
,dinge unter alte ,reihen1 - auf
,wachsthum also2 bestimmter noch1 auf
das ,gefhl des ,wachsthums1 auf das
,gefhl der vermehrten ,kraft4 ,diesem
selben ,willen dient ein scheinbar
entgegengesetzter ,trieb des ,geistes1
ein pltzlich herausbrechender
,entschluss zur ,unwissenheit1 zur
willkrlichen ,abschliessung1 ein
,zumachen seiner ,fenster1 ein inneres
,neinsagen zu diesem oder jenem ,dinge1
ein ,nicht-heran-kommen-lassen1 eine
,art ,vertheidigungs-,zustand gegen
vieles ,wissbare1 eine ,zufriedenheit
mit dem ,dunkel1 mit dem abschliessenden
,horizonte1 ein ,ja-sagen und
,gut-heissen der ,unwissenheit3 wie dies
,alles nthig ist je nach dem ,grade
seiner aneignenden ,kraft1 seiner
,verdauungskraft1 im ,bilde geredet -
und wirklich gleicht der ,geist am
meisten noch einem ,magen4 ,insgleichen
gehrt hierher der gelegentliche ,wille
des ,geistes1 sich tuschen zu lassen1
vielleicht mit einer muthwilligen
,ahnung davon1 dass es so und so nicht
steht1 dass man es so und so eben nur
gelten lsst1 eine ,lust an aller
,unsicherheit und ,mehrdeutigkeit1 ein
frohlockender ,selbstgenuss an der
willkrlichen ,enge und ,heimlichkeit
eines ,winkels1 am ,allzunahen1 am
,vordergrunde1 am ,vergrsserten1
,verkleinerten1 ,verschobenen1
,verschnerten1 ein ,selbstgenuss an der
,willkrlichkeit aller dieser
,machtusserungen4 ,endlich gehrt hierher
jene nicht unbedenkliche
,bereitwilligkeit des ,geistes1 andere
,geister zu tuschen und sich vor ihnen
zu verstellen1 jener bestndige ,druck
und ,drang einer schaffenden1 bildenden1
wandelfhigen ,kraft3 der ,geist
geniesst darin seine
,masken-,vielfltigkeit und
,verschlagenheit1 er geniesst auch das
,gefhl seiner ,sicherheit darin1 -
gerade durch seine ,proteusknste ist er
ja am besten vertheidigt und versteckt6
- ,diesem ,willen zum ,schein1 zur
,vereinfachung1 zur ,maske1 zum ,mantel1
kurz zur ,oberflche - denn jede
,oberflche ist ein ,mantel - wirkt jener
sublime ,hang des ,erkennenden
entgegen1 der die ,dinge tief1 vielfach1
grndlich nimmt und nehmen will3 als
eine ,art ,grausamkeit des
intellektuellen ,gewissens und
,geschmacks1 welche jeder tapfere
,denker bei sich anerkennen wird1
gesetzt dass er1 wie sich gebhrt1 sein
,auge fr sich selbst lange genug gehrtet
und gespitzt hat und an strenge ,zucht1
auch an strenge ,worte gewhnt ist4 ,er
wird sagen es ist etwas ,grausames im
,hange meines ,geistes3 - mgen die
,tugendhaften und ,liebenswrdigen es ihm
auszureden suchen6 ,in der ,that1 es
klnge artiger1 wenn man uns1 statt der
,grausamkeit1 etwa eine ausschweifende
,redlichkeit nachsagte1 nachraunte1
nachrhmte1 - uns freien1 sehr freien
,geistern3 - und so klingt vielleicht
wirklich einmal unser - ,nachruhm8
,einstweilen - denn es hat ,zeit bis
dahin - mchten wir selbst wohl am
wenigsten geneigt sein1 uns mit
dergleichen moralischen ,wort-,flittern
und -,franzen aufzuputzen3 unsre ganze
bisherige ,arbeit verleidet uns gerade
diesen ,geschmack und seine muntere
ppigkeit4 ,es sind schne glitzernde
klirrende festliche ,worte3
,redlichkeit1 ,liebe zur ,wahrheit1
,liebe zur ,weisheit1 ,aufopferung fr
die ,erkenntniss1 ,heroismus des
,wahrhaftigen1 - es ist ,etwas daran1
das ,einem den ,stolz schwellen macht4
,aber wir ,einsiedler und ,murmelthiere1
wir haben uns lngst in aller
,heimlichkeit eines
,einsiedler-,gewissens berredet1 dass
auch dieser wrdige ,wort-,prunk zu dem
alten ,lgen-,putz1 -,plunder und
-,goldstaub der unbewussten menschlichen
,eitelkeit gehrt1 und dass auch unter
solcher schmeichlerischen ,farbe und
bermalung der schreckliche ,grundtext
homo natura wieder heraus erkannt werden
muss4 ,den ,menschen nmlich
zurckbersetzen in die ,natur2 ber die
vielen eitlen und schwrmerischen
,deutungen und ,nebensinne ,herr werden1
welche bisher ber jenen ewigen
,grundtext homo natura gekritzelt und
gemalt wurden2 machen1 dass der ,mensch
frderhin vor dem ,menschen steht1 wie er
heute schon1 hart geworden in der
,zucht der ,wissenschaft1 vor der
anderen ,natur steht1 mit unerschrocknen
,oedipus-,augen und verklebten
,odysseus-,ohren1 taub gegen die
,lockweisen alter metaphysischer
,vogelfnger1 welche ihm allzulange
zugefltet haben3 du bist mehr6 du bist
hher6 du bist anderer ,herkunft6 - das
mag eine seltsame und tolle ,aufgabe
sein1 aber es ist eine ,aufgabe - wer
wollte das leugnen6 ,warum wir sie
whlten1 diese tolle ,aufgabe8 ,oder
anders gefragt3 warum berhaupt
,erkenntniss8 - ,jedermann wird uns
darnach fragen4 ,und wir1 solchermaassen
gedrngt1 wir1 die wir uns hunderte
,male selbst schon ebenso gefragt haben1
wir fanden und finden keine bessere
,antwort4444 #bca4 ,das ,lernen
verwandelt uns1 es thut ,das1 was alle
,ernhrung thut1 die auch nicht bloss
erhlt -3 wie der ,physiologe weiss4
,aber im ,grunde von uns1 ganz da unten1
giebt es freilich etwas ,unbelehrbares1
einen ,granit von geistigem ,fatum1 von
vorherbestimmter ,entscheidung und
,antwort auf vorherbestimmte ausgelesene
,fragen4 ,bei jedem kardinalen
,probleme redet ein unwandelbares das
bin ich2 ber ,mann und ,weib zum
,beispiel kann ein ,denker nicht
umlernen1 sondern nur auslernen1 - nur
zu ,ende entdecken1 was darber bei ihm
feststeht4 ,man findet bei ,zeiten
gewisse ,lsungen von ,problemen1 die
gerade uns starken ,glauben machen2
vielleicht nennt man sie frderhin seine
berzeugungen4 ,spter - sieht man in
ihnen nur ,fusstapfen zur
,selbsterkenntniss1 ,wegweiser zum
,probleme1 das wir sind1 - richtiger1
zur grossen ,dummheit1 die wir sind1 zu
unserem geistigen ,fatum1 zum
,unbelehrbaren ganz da unten4 - ,auf
diese reichliche ,artigkeit hin1 wie ich
sie eben gegen mich selbst begangen
habe1 wird es mir vielleicht eher schon
gestattet sein1 ber das ,weib an sich
einige ,wahrheiten herauszusagen3
gesetzt1 dass man es von vornherein
nunmehr weiss1 wie sehr es eben nur -
meine ,wahrheiten sind4 - #bcb4 ,das
,weib will selbstndig werden3 und dazu
fngt es an1 die ,mnner ber das ,weib an
sich aufzuklren - das gehrt zu den
schlimmsten ,fortschritten der
allgemeinen ,verhsslichung ,europa's4
,denn was mssen diese plumpen ,versuche
der weiblichen ,wissenschaftlichkeit und
,selbst-,entblssung ,alles an's ,licht
bringen6 ,das ,weib hat so viel ,grund
zur ,scham2 im ,weibe ist so viel
,pedantisches1 ,oberflchliches1
,schulmeisterliches1
,kleinlich-,anmaassliches1
,kleinlich-,zgelloses und
-,unbescheidenes versteckt - man studire
nur seinen ,verkehr mit ,kindern6 -1
das im ,grunde bisher durch die ,furcht
vor dem ,manne am besten zurckgedrngt
und gebndigt wurde4 ,wehe1 wenn erst das
,ewig-,langweilige am ,weibe - es ist
reich daran6 - sich hervorwagen darf6
wenn es seine ,klugheit und ,kunst1 die
der ,anmuth1 des ,spielens1
,sorgen-,wegscheuchens1 ,erleichterns
und ,leicht-,nehmens1 wenn es seine
feine ,anstelligkeit zu angenehmen
,begierden grndlich und grundstzlich zu
verlernen beginnt6 ,es werden schon
jetzt weibliche ,stimmen laut1 welche1
beim heiligen ,aristophanes6 ,schrecken
machen1 es wird mit medizinischer
,deutlichkeit gedroht1 was zuerst und
zuletzt das ,weib vom ,manne will4 ,ist
es nicht vom schlechtesten ,geschmacke1
wenn das ,weib sich dergestalt
anschickt1 wissenschaftlich zu werden8
,bisher war glcklicher ,weise das
,aufklren ,mnner-,sache1 ,mnner-,gabe -
man blieb damit unter sich2 und man darf
sich zuletzt1 bei ,allem1 was ,weiber
ber das ,weib schreiben1 ein gutes
,misstrauen vorbehalten1 ob das ,weib
ber sich selbst eigentlich ,aufklrung
will - und wollen kann ,wenn ein ,weib
damit nicht einen neuen ,putz fr sich
sucht - ich denke doch1 das
,sich-,putzen gehrt zum
,ewig-,weiblichen8 - nun1 so will es vor
sich ,furcht erregen3 - es will damit
vielleicht ,herrschaft4 ,aber es will
nicht ,wahrheit3 was liegt dem ,weibe an
,wahrheit6 ,nichts ist von ,anbeginn an
dem ,weibe fremder1 widriger1
feindlicher als ,wahrheit1 - seine
grosse ,kunst ist die ,lge1 seine hchste
,angelegenheit ist der ,schein und die
,schnheit4 ,gestehen wir es1 wir ,mnner3
wir ehren und lieben gerade diese
,kunst und diesen ,instinkt am ,weibe3
wir1 die wir es schwer haben und uns
gerne zu unsrer ,erleichterung zu ,wesen
gesellen1 unter deren ,hnden1 ,blicken
und zarten ,thorheiten uns unser ,ernst1
unsre ,schwere und ,tiefe beinahe wie
eine ,thorheit erscheint4 ,zuletzt
stelle ich die ,frage3 hat jemals ein
,weib selber schon einem ,weibskopfe
,tiefe1 einem ,weibsherzen
,gerechtigkeit zugestanden8 ,und ist es
nicht wahr1 dass1 im ,grossen gerechnet1
das ,weib bisher vom ,weibe selbst am
meisten missachtet wurde - und ganz und
gar nicht von uns8 - ,wir ,mnner
wnschen1 dass das ,weib nicht fortfahre1
sich durch ,aufklrung zu
compromittiren3 wie es ,manns-,frsorge
und ,schonung des ,weibes war1 als die
,kirche dekretirte3 mulier taceat in
ecclesia6 ,es geschah zum ,nutzen des
,weibes1 als ,napoleon der allzuberedten
,madame de ,stal zu verstehen gab3
mulier taceat in politicis6 - und ich
denke1 dass es ein rechter ,weiberfreund
ist1 der den ,frauen heute zuruft3
mulier taceat de muliere6 #bcc4 ,es
verrth ,corruption der ,instinkte - noch
abgesehn davon1 dass es schlechten
,geschmack verrth -4 wenn ein ,weib sich
gerade auf ,madame ,roland oder ,madame
de ,stal oder ,monsieur ,george ,sand
beruft1 wie als ob damit etwas zu
,gunsten des ,weibes an sich bewiesen
wre4 ,unter ,mnnern sind die ,genannten
die drei komischen ,weiber an sich -
nichts mehr6 - und gerade die besten
unfreiwilligen ,gegen-,argumente gegen
,emancipation und weibliche
,selbstherrlichkeit4 #bcd4 ,die
,dummheit in der ,kche2 das ,weib als
,kchin2 die schauerliche
,gedankenlosigkeit1 mit der die
,ernhrung der ,familie und des
,hausherrn besorgt wird6 ,das ,weib
versteht nicht1 was die ,speise
bedeutet3 und will ,kchin sein6 ,wenn
das ,weib ein denkendes ,geschpf wre1 so
htte es ja1 als ,kchin seit
,jahrtausenden1 die grssten
physiologischen ,thatsachen finden1
insgleichen die ,heilkunst in seinen
,besitz bringen mssen6 ,durch schlechte
,kchinnen - durch den vollkommenen
,mangel an ,vernunft in der ,kche ist
die ,entwicklung des ,menschen am
lngsten aufgehalten1 am schlimmsten
beeintrchtigt worden3 es steht heute
selbst noch wenig besser4 ,eine ,rede an
hhere ,tchter4 #bce4 ,es giebt
,wendungen und ,wrfe des ,geistes1 es
giebt ,sentenzen1 eine kleine ,handvoll
,worte1 in denen eine ganze ,cultur1
eine ganze ,gesellschaft sich pltzlich
krystallisirt4 ,dahin gehrt jenes
gelegentliche ,wort der ,madame de
,lambert an ihren ,sohn3 mon ami1 ne
vous permettez jamais que de folies1 qui
vous feront grand plaisir3 - beilufig
das mtterlichste und klgste ,wort1 das
je an einen ,sohn gerichtet worden ist4
#bcf4 ,das1 was ,dante und ,goethe vom
,weibe geglaubt haben - jener1 indem er
sang ella guardava suso1 ed io in lei1
dieser1 indem er es bersetzte das
,ewig-,weibliche zieht uns hinan -3 ich
zweifle nicht1 dass jedes edlere ,weib
sich gegen diesen ,glauben wehren wird1
denn es glaubt eben das vom
,ewig-,mnnlichen444 #bcg4 ,sieben
,weibs-,sprchlein4 ,wie die lngste
,weile fleucht1 kommt ein ,mann zu
uns gekreucht6 ,alter1 ach6 und
,wissenschaft giebt auch schwacher
,tugend ,kraft4 ,schwarz ,gewand
und ,schweigsamkeit kleidet jeglich
,weib - gescheidt4 ,wem im ,glck
ich dankbar bin8 ,gott6 - und meiner
,schneiderin4 ,jung3 beblmtes
,hhlenhaus4 ,alt3 ein ,drache fhrt
heraus4 ,edler ,name1 hbsches
,bein1 ,mann dazu3 oh wr' er mein6
,kurze ,rede1 langer ,sinn -
,glatteis fr die ,eselin6 #bcg4 ,die
,frauen sind von den ,mnnern bisher wie
,vgel behandelt worden1 die von irgend
welcher ,hhe sich hinab zu ihnen verirrt
haben3 als etwas ,feineres1
,verletzlicheres1 ,wilderes1
,wunderlicheres1 ,ssseres1
,seelenvolleres1 - aber als ,etwas1 das
man einsperren muss1 damit es nicht
davonfliegt4 #bch4 ,sich im
,grundprobleme ,mann und ,weib zu
vergreifen1 hier den abgrndlichsten
,antagonismus und die ,nothwendigkeit
einer ewig-feindseligen ,spannung zu
leugnen1 hier vielleicht von gleichen
,rechten1 gleicher ,erziehung1 gleichen
,ansprchen und ,verpflichtungen zu
trumen3 das ist ein typisches ,zeichen
von ,flachkpfigkeit1 und ein ,denker1
der an dieser gefhrlichen ,stelle sich
flach erwiesen hat - flach im
,instinkte6 -1 darf berhaupt als
verdchtig1 mehr noch1 als verrathen1 als
aufgedeckt gelten3 wahrscheinlich wird
er fr alle ,grundfragen des ,lebens1
auch des zuknftigen ,lebens1 zu kurz
sein und in keine ,tiefe hinunter knnen4
,ein ,mann hingegen1 der ,tiefe hat1 in
seinem ,geiste1 wie in seinen
,begierden1 auch jene ,tiefe des
,wohlwollens1 welche der ,strenge und
,hrte fhig ist1 und leicht mit ihnen
verwechselt wird1 kann ber das ,weib
immer nur orientalisch denken3 er muss
das ,weib als ,besitz1 als
verschliessbares ,eigenthum1 als etwas
zur ,dienstbarkeit ,vorbestimmtes und in
ihr sich ,vollendendes fassen1 - er
muss sich hierin auf die ungeheure
,vernunft ,asiens1 auf ,asiens
,instinkt-berlegenheit stellen3 wie dies
ehemals die ,griechen gethan haben1
diese besten ,erben und ,schler ,asiens1
welche1 wie bekannt1 von ,homer bis zu
den ,zeiten des ,perikles1 mit zunehmen
- der ,cultur und ,umfnglichkeit an
,kraft1 ,schritt fr ,schritt auch
strenger gegen das ,weib1 kurz
orientalischer geworden sind4 ,wie
nothwendig1 wie logisch1 wie selbst
menschlich-wnschbar dies war3 mge man
darber bei sich nachdenken6 #bci4
,das schwache ,geschlecht ist in keinem
,zeitalter mit solcher ,achtung von
,seiten der ,mnner behandelt worden als
in unserm ,zeitalter - das gehrt zum
demokratischen ,hang und
,grundgeschmack1 ebenso wie die
,unehrerbietigkeit vor dem ,alter -3 was
,wunder1 dass sofort wieder mit dieser
,achtung ,missbrauch getrieben wird8
,man will mehr1 man lernt fordern1 man
findet zuletzt jenen ,achtungszoll
beinahe schon krnkend1 man wrde den
,wettbewerb um ,rechte1 ja ganz
eigentlich den ,kampf vorziehn3 genug1
das ,weib verliert an ,scham4 ,setzen
wir sofort hinzu1 dass es auch an
,geschmack verliert4 ,es verlernt den
,mann zu frchten3 aber das ,weib1 das
das ,frchten verlernt1 giebt seine
weiblichsten ,instinkte preis4 ,dass das
,weib sich hervor wagt1 wenn das
,furcht-,einflssende am ,manne1 sagen
wir bestimmter1 wenn der ,mann im ,manne
nicht mehr gewollt und grossgezchtet
wird1 ist billig genug1 auch begreiflich
genug2 was sich schwerer begreift1 ist1
dass ebendamit - das ,weib entartet4
,dies geschieht heute3 tuschen wir uns
nicht darber6 ,wo nur der industrielle
,geist ber den militrischen und
aristokratischen ,geist gesiegt hat1
strebt jetzt das ,weib nach der
wirthschaftlichen und rechtlichen
,selbstndigkeit eines ,commis3 das ,weib
als ,commis steht an der ,pforte der
sich bildenden modernen ,gesellschaft4
,indem es sich dergestalt neuer ,rechte
bemchtigt1 ,herr zu werden trachtet und
den ,fortschritt des ,weibes auf seine
,fahnen und ,fhnchen schreibt1 vollzieht
sich mit schrecklicher ,deutlichkeit
das ,umgekehrte3 das ,weib geht zurck4
,seit der franzsischen ,revolution ist
in ,europa der ,einfluss des ,weibes in
dem ,maasse geringer geworden1 als es an
,rechten und ,ansprchen zugenommen hat2
und die ,emancipation des ,weibes1
insofern sie von den ,frauen selbst 7und
nicht nur von mnnlichen ,flachkpfen7
verlangt und gefrdert wird1 ergiebt sich
dergestalt als ein merkwrdiges ,symptom
von der zunehmenden ,schwchung und
,abstumpfung der allerweiblichsten
,instinkte4 ,es ist ,dummheit in dieser
,bewegung1 eine beinahe maskulinische
,dummheit1 deren sich ein wohlgerathenes
,weib - das immer ein kluges ,weib ist
- von ,grund aus zu schmen htte4 ,die
,witterung dafr verlieren1 auf welchem
,boden man am sichersten zum ,siege
kommt2 die bung in seiner eigentlichen
,waffenkunst vernachlssigen2 sich vor
dem ,manne gehen lassen1 vielleicht
sogar bis zum ,buche1 wo man sich frher
in ,zucht und feine listige ,demuth
nahm2 dem ,glauben des ,mannes an ein im
,weibe verhlltes grundverschiedenes
,ideal1 an irgend ein ,ewig- und
,nothwendig-,weibliches mit tugendhafter
,dreistigkeit entgegenarbeiten2 dem
,manne es nachdrcklich und geschwtzig
ausreden1 dass das ,weib gleich einem
zarteren1 wunderlich wilden und oft
angenehmen ,hausthiere erhalten1
versorgt1 geschtzt1 geschont werden
msse2 das tppische und entrstete
,zusammensuchen all des ,sklavenhaften
und ,leibeigenen1 das die ,stellung des
,weibes in der bisherigen ,ordnung der
,gesellschaft an sich gehabt hat und
noch hat 7als ob ,sklaverei ein
,gegenargument und nicht vielmehr eine
,bedingung jeder hheren ,cultur1 jeder
,erhhung der ,cultur sei73 - was
bedeutet dies ,alles1 wenn nicht eine
,anbrckelung der weiblichen ,instinkte1
eine ,entweiblichung8 ,freilich1 es
giebt genug bldsinnige ,frauen-,freunde
und ,weibs-,verderber unter den
gelehrten ,eseln mnnlichen ,geschlechts1
die dem ,weibe anrathen1 sich
dergestalt zu entweiblichen und alle die
,dummheiten nachzumachen1 an denen der
,mann in ,europa1 die europische
,mannhaftigkeit krankt1 - welche das
,weib bis zur allgemeinen ,bildung1 wohl
gar zum ,zeitungslesen und ,politisiren
herunterbringen mchten4 ,man will hier
und da selbst ,freigeister und
,litteraten aus den ,frauen machen3 als
ob ein ,weib ohne ,frmmigkeit fr einen
tiefen und gottlosen ,mann nicht etwas
vollkommen ,widriges oder ,lcherliches
wre -2 man verdirbt fast berall ihre
,nerven mit der krankhaftesten und
gefhrlichsten aller ,arten ,musik
7unsrer deutschen neuesten ,musik7 und
macht sie tglich hysterischer und zu
ihrem ersten und letzten ,berufe1
krftige ,kinder zu gebren1 unbefhigter4
,man will sie berhaupt noch mehr
cultiviren und1 wie man sagt1 das
schwache ,geschlecht durch ,cultur stark
machen3 als ob nicht die ,geschichte so
eindringlich wie mglich lehrte1 dass
,cultivirung des ,menschen und
,schwchung - nmlich ,schwchung1
,zersplitterung1 ,ankrnkelung der
,willenskraft1 immer mit einander
,schritt gegangen sind1 und dass die
mchtigsten und einflussreichsten ,frauen
der ,welt 7zuletzt noch die ,mutter
,napoleon's7 gerade ihrer ,willenskraft
- und nicht den ,schulmeistern6 - ihre
,macht und ihr bergewicht ber die ,mnner
verdankten4 ,das1 was am ,weibe
,respekt und oft genug ,furcht einflsst1
ist seine ,natur1 die natrlicher ist
als die des ,mannes1 seine chte
raubthierhafte listige ,geschmeidigkeit1
seine ,tigerkralle unter dem
,handschuh1 seine ,naivett im ,egoismus1
seine ,unerziehbarkeit und innerliche
,wildheit1 das ,unfassliche1 ,weite1
,schweifende seiner ,begierden und
,tugenden44444 ,was1 bei aller ,furcht1
fr diese gefhrliche und schne ,katze
,weib ,mitleiden macht1 ist1 dass es
leidender1 verletzbarer1 liebebedrftiger
und zur ,enttuschung verurtheilter
erscheint als irgend ein ,thier4 ,furcht
und ,mitleiden3 mit diesen ,gefhlen
stand bisher der ,mann vor dem ,weibe1
immer mit einem ,fusse schon in der
,tragdie1 welche zerreisst1 indem sie
entzckt -4 ,wie8 ,und damit soll es nun
zu ,ende sein8 ,und die ,entzauberung
des ,weibes ist im ,werke8 ,die
,verlangweiligung des ,weibes kommt
langsam herauf8 ,oh ,europa6 ,europa6
,man kennt das ,thier mit ,hrnern1
welches fr dich immer am anziehendsten
war1 von dem dir immer wieder ,gefahr
droht6 ,deine alte ,fabel knnte noch
einmal zur ,geschichte werden1 - noch
einmal- knnte eine ungeheure ,dummheit
ber dich ,herr werden und dich davon
tragen6 ,und unter ihr kein ,gott
versteckt1 nein6 nur eine ,idee1 eine
moderne ,idee644444 ,achtes
,hauptstck3 ,vlker und ,vaterlnder4
#bdj4 ,ich hrte1 wieder einmal zum
ersten ,male - ,richard ,wagner's
,ouverture zu den ,meistersingern3 das
ist eine prachtvolle1 berladene1 schwere
und spte ,kunst1 welche den ,stolz hat1
zu ihrem ,verstndniss zwei
,jahrhunderte ,musik als noch lebendig
vorauszusetzen3 - es ehrt die
,deutschen1 dass sich ein solcher ,stolz
nicht verrechnete6 ,was fr ,sfte und
,krfte1 was fr ,jahreszeiten und
,himmelsstriche sind hier nicht
gemischt6 ,das muthet uns bald
alterthmlich1 bald fremd1 herb und
berjung an1 das ist ebenso willkrlich
als pomphaft-herkmmlich1 das ist nicht
selten schelmisch1 noch fter derb und
grob1 - das hat ,feuer und ,muth und
zugleich die schlaffe falbe ,haut von
,frchten1 welche zu spt reif werden4
,das strmt breit und voll3 und pltzlich
ein ,augenblick unerklrlichen ,zgerns1
gleichsam eine ,lcke1 die zwischen
,ursache und ,wirkung aufspringt1 ein
,druck1 der uns trumen macht1 beinahe
ein ,alpdruck -1 aber schon breitet und
weitet sich wieder der alte ,strom von
,behagen aus1 von vielfltigstem
,behagen1 von altem und neuem ,glck1
sehr eingerechnet das ,glck des
,knstlers an sich selber1 dessen er
nicht ,hehl haben will1 sein erstauntes
glckliches ,mitwissen um die
,meisterschaft seiner hier verwendeten
,mittel1 neuer neuerworbener
unausgeprobter ,kunstmittel1 wie er uns
zu verrathen scheint4 ,alles in ,allem
keine ,schnheit1 kein ,sden1 ,nichts von
sdlicher feiner ,helligkeit des
,himmels1 ,nichts von ,grazie1 kein
,tanz1 kaum ein ,wille zur ,logik2 eine
gewisse ,plumpheit sogar1 die noch
unterstrichen wird1 wie als ob der
,knstler uns sagen wollte3 sie gehrt zu
meiner ,absicht2 eine schwerfllige
,gewandung1 etwas
,willkrlich-,barbarisches und
,feierliches1 ein ,geflirr von gelehrten
und ehrwrdigen ,kostbarkeiten und
,spitzen2 etwas ,deutsches1 im besten
und schlimmsten ,sinn des ,wortes1 etwas
auf deutsche ,art ,vielfaches1
,unfrmliches und ,unausschpfliches2 eine
gewisse deutsche ,mchtigkeit und
berflle der ,seele1 welche keine ,furcht
hat1 sich unter die ,raffinements des
,verfalls zu verstecken1 - die sich dort
vielleicht erst am wohlsten fhlt2 ein
rechtes chtes ,wahrzeichen der deutschen
,seele1 die zugleich jung und veraltet1
bermrbe und berreich noch an ,zukunft
ist4 ,diese ,art ,musik drckt am besten
aus1 was ich von den ,deutschen halte3
sie sind von ,vorgestern und von
bermorgen1 - sie haben noch kein ,heute4
#bda4 ,wir guten ,europer3 auch wir
haben ,stunden1 wo wir uns eine
herzhafte ,vaterlnderei1 einen ,plumps
und ,rckfall in alte ,lieben und ,engen
gestatten - ich gab eben eine ,probe
davon -1 ,stunden nationaler ,wallungen1
patriotischer ,beklemmungen und
allerhand anderer alterthmlicher
,gefhls-berschwemmungen4 ,schwerflligere
,geister1 als wir sind1 mgen mit dem1
was sich bei uns auf ,stunden beschrnkt
und in ,stunden zu ,ende spielt1 erst in
lngeren ,zeitrumen fertig werden1 in
halben ,jahren die ,einen1 in halben
,menschenleben die ,anderen1 je nach der
,schnelligkeit und ,kraft1 mit der sie
verdauen und ihre ,stoffe wechseln4 ,ja1
ich knnte mir dumpfe zgernde ,rassen
denken1 welche auch in unserm
geschwinden ,europa halbe ,jahrhunderte
nthig htten1 um solche atavistische
,anflle von ,vaterlnderei und
,schollenkleberei zu berwinden und
wieder zur ,vernunft1 will sagen zum
guten ,europerthum zurckzukehren4 ,und
indem ich ber diese ,mglichkeit
ausschweife1 begegnet mir's1 dass ich
,ohrenzeuge eines ,gesprchs von zwei
alten ,patrioten werde1 - sie hrten
beide offenbar schlecht und sprachen
darum um so lauter4 ,der hlt und weiss
von ,philosophie so viel als ein ,bauer
oder ,corpsstudent - sagte der ,eine -3
der ist noch unschuldig4 ,aber was liegt
heute daran6 ,es ist das ,zeitalter der
,massen3 die liegen vor allem
,massenhaften auf dem ,bauche4 ,und so
auch in politicis4 ,ein ,staatsmann1 der
ihnen einen neuen ,thurm von ,babel1
irgend ein ,ungeheuer von ,reich und
,macht aufthrmt1 heisst ihnen gross3 -
was liegt daran1 dass wir
,vorsichtigeren und ,zurckhaltenderen
einstweilen noch nicht vom alten
,glauben lassen1 es sei allein der
grosse ,gedanke1 der einer ,that und
,sache ,grsse giebt4 ,gesetzt1 ein
,staatsmann brchte sein ,volk in die
,lage1 frderhin grosse ,politik treiben
zu mssen1 fr welche es von ,natur
schlecht angelegt und vorbereitet ist3
so dass es nthig htte1 einer neuen
zweifelhaften ,mittelmssigkeit zu ,liebe
seine alten und sicheren ,tugenden zu
opfern1 - gesetzt1 ein ,staatsmann
verurtheilte sein ,volk zum ,politisiren
berhaupt1 whrend dasselbe bisher
,besseres zu thun und zu denken hatte
und im ,grunde seiner ,seele einen
vorsichtigen ,ekel vor der ,unruhe1
,leere und lrmenden ,zankteufelei der
eigentlich politisirenden ,vlker nicht
los wurde3 - gesetzt1 ein solcher
,staatsmann stachle die eingeschlafnen
,leidenschaften und ,begehrlichkeiten
seines ,volkes auf1 mache ihm aus seiner
bisherigen ,schchternheit und ,lust am
,danebenstehn einen ,flecken1 aus seiner
,auslnderei und heimlichen
,unendlichkeit eine ,verschuldung1
entwerthe ihm seine herzlichsten ,hnge1
drehe sein ,gewissen um1 mache seinen
,geist eng1 seinen ,geschmack national1
- wie6 ein ,staatsmann1 der dies ,alles
thte1 den sein ,volk in alle ,zukunft
hinein1 falls es ,zukunft hat1 abbssen
msste1 ein solcher ,staatsmann wre
gross8 ,unzweifelhaft6 antwortete ihm
der andere alte ,patriot heftig3 sonst
htte er es nicht gekonnt6 ,es war toll
vielleicht1 so etwas zu wollen8 ,aber
vielleicht war alles ,grosse im ,anfang
nur toll6 - ,missbrauch der ,worte6
schrie sein ,unterredner dagegen3 -
stark6 stark6 stark und toll6 ,nicht
gross6 - ,die alten ,mnner hatten sich
ersichtlich erhitzt1 als sie sich
dergestalt ihre ,wahrheiten in's
,gesicht schrieen2 ich aber1 in meinem
,glck und ,jenseits1 erwog1 wie bald ber
den ,starken ein ,strkerer ,herr werden
wird2 auch dass es fr die geistige
,verflachung eines ,volkes eine
,ausgleichung giebt1 nmlich durch die
,vertiefung eines anderen4 - #bdb4
,nenne man es nun ,civilisation oder
,vermenschlichung oder ,fortschritt1
worin jetzt die ,auszeichnung der
,europer gesucht wird2 nenne man es
einfach1 ohne zu loben und zu tadeln1
mit einer politischen ,formel die
demokratische ,bewegung ,europa's3
hinter all den moralischen und
politischen ,vordergrnden1 auf welche
mit solchen ,formeln hingewiesen wird1
vollzieht sich ein ungeheurer
physiologischer ,prozess1 der immer mehr
in ,fluss gerth1 - der ,prozess einer
,anhnlichung der ,europer1 ihre
wachsende ,loslsung von den
,bedingungen1 unter denen klimatisch und
stndisch gebundene ,rassen entstehen1
ihre zunehmende ,unabhngigkeit von jedem
bestimmten milieu1 das ,jahrhunderte
lang sich mit gleichen ,forderungen in
,seele und ,leib einschreiben mchte1 -
also die langsame ,heraufkunft einer
wesentlich bernationalen und nomadischen
,art ,mensch1 welche1 physiologisch
geredet1 ein ,maximum von
,anpassungskunst und -kraft als ihre
typische ,auszeichnung besitzt4 ,dieser
,prozess des werdenden ,europers1
welcher durch grosse ,rckflle im ,tempo
verzgert werden kann1 aber vielleicht
gerade damit an ,vehemenz und ,tiefe
gewinnt und wchst - der jetzt noch
wthende ,sturm und ,drang des
,national-,gefhls gehrt hierher1
insgleichen der eben heraufkommende
,anarchismus -3 dieser ,prozess luft
wahrscheinlich auf ,resultate hinaus1
auf welche seine naiven ,befrderer und
,lobredner1 die ,apostel der modernen
,ideen1 am wenigsten rechnen mchten4
,die selben neuen ,bedingungen1 unter
denen im ,durchschnitt eine
,ausgleichung und ,vermittelmssigung des
,menschen sich herausbilden wird - ein
ntzliches arbeitsames1 vielfach
brauchbares und anstelliges
,heerdenthier ,mensch -1 sind im hchsten
,grade dazu angethan1
,ausnahme-,menschen der gefhrlichsten
und anziehendsten ,qualitt den ,ursprung
zu geben4 ,whrend nmlich jene
,anpassungskraft1 welche immer
wechselnde ,bedingungen durchprobirt und
mit jedem ,geschlecht1 fast mit jedem
,jahrzehend1 eine neue ,arbeit beginnt1
die ,mchtigkeit des ,typus gar nicht
mglich macht2 whrend der
,gesammt-,eindruck solcher zuknftiger
,europer wahrscheinlich der von
vielfachen geschwtzigen willensarmen und
usserst anstellbaren ,arbeitern sein
wird1 die des ,herrn1 des ,befehlenden
bedrfen wie des tglichen ,brodes2 whrend
also die ,demokratisirung ,europa's auf
die ,erzeugung eines zur ,sklaverei im
feinsten ,sinne vorbereiteten ,typus
hinausluft3 wird1 im ,einzel- und
,ausnahmefall1 der starke ,mensch strker
und reicher gerathen mssen1 als er
vielleicht jemals bisher gerathen ist1 -
,dank der ,vorurtheilslosigkeit seiner
,schulung1 ,dank der ungeheuren
,vielfltigkeit von bung1 ,kunst und
,maske4 ,ich wollte sagen3 die
,demokratisirung ,europa's ist zugleich
eine unfreiwillige ,veranstaltung zur
,zchtung von ,tyrannen1- das ,wort in
jedem ,sinne verstanden1 auch im
geistigsten4 #bdc4 ,ich hre mit
,vergngen1 dass unsre ,sonne in rascher
,bewegung gegen das ,sternbild des
,herkules hin begriffen ist3 und ich
hoffe1 dass der ,mensch auf dieser ,erde
es darin der ,sonne gleich thut4 ,und
wir voran1 wir guten ,europer6 - #bdd4
,es gab eine ,zeit1 wo man gewohnt
war1 die ,deutschen mit ,auszeichnung
tief zu nennen3 jetzt1 wo der
erfolgreichste ,typus des neuen
,deutschthums nach ganz andern ,ehren
geizt und an ,allem1 was ,tiefe hat1
vielleicht die ,schneidigkeit vermisst1
ist der ,zweifel beinahe zeitgemss und
patriotisch1 ob man sich ehemals mit
jenem ,lobe nicht betrogen hat3 genug1
ob die deutsche ,tiefe nicht im ,grunde
etwas ,anderes und ,schlimmeres ist -
und ,etwas1 das man1 ,gott sei ,dank1
mit ,erfolg loszuwerden im ,begriff
steht4 ,machen wir also den ,versuch1
ber die deutsche ,tiefe umzulernen3 man
hat ,nichts dazu nthig1 als ein wenig
,vivisektion der deutschen ,seele4 -
,die deutsche ,seele ist vor ,allem
vielfach1 verschiedenen ,ursprungs1 mehr
zusammen- und bereinandergesetzt1 als
wirklich gebaut3 das liegt an ihrer
,herkunft4 ,ein ,deutscher1 der sich
erdreisten wollte1 zu behaupten zwei
,seelen wohnen1 ach6 in meiner ,brust
wrde sich an der ,wahrheit arg
vergreifen1 richtiger1 hinter der
,wahrheit um viele ,seelen zurckbleiben4
,als ein ,volk der ungeheuerlichsten
,mischung und ,zusammenrhrung von
,rassen1 vielleicht sogar mit einem
bergewicht des vor-arischen ,elementes1
als ,volk der ,mitte in jedem
,verstande1 sind die ,deutschen
unfassbarer1 umfnglicher1
widerspruchsvoller1 unbekannter1
unberechenbarer1 berraschender1 selbst
erschrecklicher1 als es andere ,vlker
sich selber sind3 - sie entschlpfen der
,definition und sind damit schon die
,verzweiflung der ,franzosen4 ,es
kennzeichnet die ,deutschen1 dass bei
ihnen die ,frage was ist deutsch8
niemals ausstirbt4 ,kotzebue kannte
seine ,deutschen gewiss gut genug3 ,wir
sind erkannt jubelten sie ihm zu1 - aber
auch ,sand glaubte sie zu kennen4 ,jean
,paul wusste1 was er that1 als er sich
ergrimmt gegen ,fichte's verlogne1 aber
patriotische ,schmeicheleien und
bertreibungen erklrte1 - aber es ist
wahrscheinlich1 dass ,goethe anders ber
die ,deutschen dachte1 als ,jean ,paul1
wenn er ihm auch in ,betreff ,fichtens
,recht gab4 ,was ,goethe eigentlich ber
die ,deutschen gedacht hat8 - ,aber er
hat ber viele ,dinge um sich herum nie
deutlich geredet und verstand sich
zeitlebens auf das feine ,schweigen3 -
wahrscheinlich hatte er gute ,grnde
dazu4 ,gewiss ist1 dass es nicht die
,freiheitskriege waren1 die ihn
freudiger aufblicken liessen1 so wenig
als die franzsische ,revolution1 - das
,ereigniss1 um dessentwillen er seinen
,faust1 ja das ganze ,problem ,mensch
umgedacht hat1 war das ,erscheinen
,napoleon's4 ,es giebt ,worte ,goethe's1
in denen er1 wie vom ,auslande her1 mit
einer ungeduldigen ,hrte ber ,das
abspricht1 was die ,deutschen sich zu
ihrem ,stolze rechnen3 das berhmte
deutsche ,gemth definirt er einmal als
,nachsicht mit fremden und eignen
,schwchen4 ,hat er damit ,unrecht8 - es
kennzeichnet die ,deutschen1 dass man
ber sie selten vllig ,unrecht hat4 ,die
deutsche ,seele hat ,gnge und
,zwischengnge in sich1 es giebt in ihr
,hhlen1 ,verstecke1 ,burgverliesse2 ihre
,unordnung hat viel vom ,reize des
,geheimnissvollen2 der ,deutsche
versteht sich auf die ,schleichwege zum
,chaos4 ,und wie jeglich ,ding sein
,gleichniss liebt1 so liebt der
,deutsche die ,wolken und ,alles1 was
unklar1 werdend1 dmmernd1 feucht und
verhngt ist3 das ,ungewisse1
,unausgestaltete1 ,sich-,verschiebende1
,wachsende jeder ,art fhlt er als tief4
,der ,deutsche selbst ist nicht1 er
wird1 er entwickelt sich4 ,entwicklung
ist deshalb der eigentlich deutsche
,fund und ,wurf im grossen ,reich
philosophischer ,formeln3 - ein
regierender ,begriff1 der1 im ,bunde mit
deutschem ,bier und deutscher ,musik1
daran arbeitet1 ganz ,europa zu
verdeutschen4 ,die ,auslnder stehen
erstaunt und angezogen vor den ,rthseln1
die ihnen die ,widerspruchs-,natur im
,grunde der deutschen ,seele aufgiebt
7welche ,hegel in ,system gebracht1
,richard ,wagner zuletzt noch in ,musik
gesetzt hat74 ,gutmthig und tckisch -
ein solches ,nebeneinander1 widersinnig
in ,bezug auf jedes andre ,volk1
rechtfertigt sich leider zu oft in
,deutschland3 man lebe nur eine ,zeit
lang unter ,schwaben6 ,die
,schwerflligkeit des deutschen
,gelehrten1 seine gesellschaftliche
,abgeschmacktheit vertrgt sich zum
,erschrecken gut mit einer innewendigen
,seiltnzerei und leichten ,khnheit1 vor
der bereits alle ,gtter das ,frchten
gelernt haben4 ,will man die deutsche
,seele ad oculos demonstrirt1 so sehe
man nur in den deutschen ,geschmack1 in
deutsche ,knste und ,sitten hinein3
welche burische ,gleichgltigkeit gegen
,geschmack6 ,wie steht da das ,edelste
und ,gemeinste neben einander6 ,wie
unordentlich und reich ist dieser ganze
,seelen-,haushalt6 ,der ,deutsche
schleppt an seiner ,seele2 er schleppt
an ,allem1 was er erlebt4 ,er verdaut
seine ,ereignisse schlecht1 er wird nie
damit fertig2 die deutsche ,tiefe ist
oft nur eine schwere zgernde ,verdauung4
,und wie alle ,gewohnheits-,kranken1
alle ,dyspeptiker den ,hang zum
,bequemen haben1 so liebt der ,deutsche
die ,offenheit und ,biederkeit3 wie
bequem ist es1 offen und bieder zu sein6
- ,es ist heute vielleicht die
gefhrlichste und glcklichste
,verkleidung1 auf die sich der ,deutsche
versteht1 dies ,zutrauliche1
,entgegenkommende1
die-,karten-,aufdeckende der deutschen
,redlichkeit3 sie ist seine eigentliche
,mephistopheles-,kunst1 mit ihr kann er
es noch weit bringen6 ,der ,deutsche
lsst sich gehen1 blickt dazu mit treuen
blauen leeren deutschen ,augen - und
sofort verwechselt das ,ausland ihn mit
seinem ,schlafrocke6 - ,ich wollte
sagen3 mag die deutsche ,tiefe sein1 was
sie will1 - ganz unter uns erlauben wir
uns vielleicht ber sie zu lachen8 - wir
thun gut1 ihren ,anschein und guten
,namen auch frderhin in ,ehren zu halten
und unsern alten ,ruf1 als ,volk der
,tiefe1 nicht zu billig gegen
preussische ,schneidigkeit und ,berliner
,witz und ,sand zu verussern4 ,es ist
fr ein ,volk klug1 sich fr tief1 fr
ungeschickt1 fr gutmthig1 fr redlich1 fr
unklug gelten zu machen1 gelten zu
lassen3 es knnte sogar - tief sein6
,zuletzt3 man soll seinem ,namen ,ehre
machen1 - man heisst nicht umsonst das
tiusche ,volk1 das ,tusche-,volk444
#bde4 ,die gute alte ,zeit ist dahin1
in ,mozart hat sie sich ausgesungen3 -
wie glcklich wir1 dass zu uns sein
,rokoko noch redet1 dass seine gute
,gesellschaft1 sein zrtliches ,schwrmen1
seine ,kinderlust am ,chinesischen und
,geschnrkelten1 seine ,hflichkeit des
,herzens1 sein ,verlangen nach
,zierlichem1 ,verliebtem1 ,tanzendem1
,thrnenseligem1 sein ,glaube an den
,sden noch an irgend einen ,rest in uns
appelliren darf6 ,ach1 irgend wann wird
es einmal damit vorbei sein6 - aber wer
darf zweifeln1 dass es noch frher mit
dem ,verstehen und ,schmecken
,beethoven's vorbei sein wird6 - der ja
nur der ,ausklang eines ,stil-bergangs
und ,stil-,bruchs war und nicht1 wie
,mozart1 der ,ausklang eines grossen
,jahrhunderte langen europischen
,geschmacks4 ,beethoven ist das
,zwischen-,begebniss einer alten mrben
,seele1 die bestndig zerbricht1 und
einer zuknftigen berjungen ,seele1
welche bestndig kommt2 auf seiner ,musik
liegt jenes ,zwielicht von ewigem
,verlieren und ewigem ausschweifendem
,hoffen1 - das selbe ,licht1 in welchem
,europa gebadet lag1 als es mit
,rousseau getrumt1 als es um den
,freiheitsbaum der ,revolution getanzt
und endlich vor ,napoleon beinahe
angebetet hatte4 ,aber wie schnell
verbleicht jetzt gerade dies ,gefhl1 wie
schwer ist heute schon das ,wissen um
dies ,gefhl1 - wie fremd klingt die
,sprache jener ,rousseau1 ,schiller1
,shelley1 ,byron an unser ,ohr1 in denen
zusammen das selbe ,schicksal ,europa's
den ,weg zum ,wort gefunden hat1 das in
,beethoven zu singen wusste6 - ,was von
deutscher ,musik nachher gekommen ist1
gehrt in die ,romantik1 das heisst in
eine1 historisch gerechnet1 noch krzere1
noch flchtigere1 noch oberflchlichere
,bewegung1 als es jener grosse
,zwischenakt1 jener bergang ,europa's
von ,rousseau zu ,napoleon und zur
,heraufkunft der ,demokratie war4
,weber3 aber was ist uns heute
,freischtz und ,oberon6 ,oder
,marschner's ,hans ,heiling und ,vampyr6
,oder selbst noch ,wagner's ,tannhuser6
,das ist verklungene1 wenn auch noch
nicht vergessene ,musik4 ,diese ganze
,musik der ,romantik war berdies nicht
vornehm genug1 nicht ,musik genug1 um
auch anderswo ,recht zu behalten1 als im
,theater und vor der ,menge2 sie war
von vornherein ,musik zweiten ,ranges1
die unter wirklichen ,musikern wenig in
,betracht kam4 ,anders stand es mit
,felix ,mendelssohn1 jenem halkyonischen
,meister1 der um seiner leichteren
reineren beglckteren ,seele willen
schnell verehrt und ebenso schnell
vergessen wurde3 als der schne
,zwischenfall der deutschen ,musik4 ,was
aber ,robert ,schumann angeht1 der es
schwer nahm und von ,anfang an auch
schwer genommen worden ist - es ist der
,letzte1 der eine ,schule gegrndet hat
-3 gilt es heute unter uns nicht als ein
,glck1 als ein ,aufathmen1 als eine
,befreiung1 dass gerade diese
,schumann'sche ,romantik berwunden ist8
,schumann1 in die schsische ,schweiz
seiner ,seele flchtend1 halb
,wertherisch1 halb ,jean-,paulisch
geartet1 gewiss nicht ,beethovenisch6
gewiss nicht ,byronisch6 - seine
,manfred-,musik ist ein ,missgriff und
,missverstndniss bis zum ,unrechte -1
,schumann mit seinem ,geschmack1 der im
,grunde ein kleiner ,geschmack war1
7nmlich ein gefhrlicher1 unter
,deutschen doppelt gefhrlicher ,hang zur
stillen ,lyrik und ,trunkenboldigkeit
des ,gefhls71 bestndig bei ,seite
gehend1 sich scheu verziehend und
zurckziehend1 ein edler ,zrtling1 der in
lauter anonymem ,glck und ,weh
schwelgte1 eine ,art ,mdchen und noli me
tangere von ,anbeginn3 dieser ,schumann
war bereits nur noch ein deutsches
,ereigniss in der ,musik1 kein
europisches mehr1 wie ,beethoven es war1
wie1 in noch umfnglicherem ,maasse1
,mozart es gewesen ist1 - mit ihm drohte
der deutschen ,musik ihre grsste
,gefahr1 die ,stimme fr die ,seele
,europa's zu verlieren und zu einer
blossen ,vaterlnderei herabzusinken4 -
#bdf4 - ,welche ,marter sind deutsch
geschriebene ,bcher fr ,den1 der das
dritte ,ohr hat6 ,wie unwillig steht er
neben dem langsam sich drehenden ,sumpfe
von ,klngen ohne ,klang1 von ,rhythmen
ohne ,tanz1 welcher bei ,deutschen ein
,buch genannt wird6 ,und gar der
,deutsche1 der ,bcher liest6 ,wie faul1
wie widerwillig1 wie schlecht liest er6
,wie viele ,deutsche wissen es und
fordern es von sich zu wissen1 dass
,kunst in jedem guten ,satze steckt1 -
,kunst1 die errathen sein will1 sofern
der ,satz verstanden sein will6 ,ein
,missverstndniss ber sein ,tempo zum
,beispiel3 und der ,satz selbst ist
missverstanden6 ,dass man ber die
rhythmisch entscheidenden ,silben nicht
im ,zweifel sein darf1 dass man die
,brechung der allzustrengen ,symmetrie
als gewollt und als ,reiz fhlt1 dass man
jedem staccato1 jedem rubato ein feines
geduldiges ,ohr hinhlt1 dass man den
,sinn in der ,folge der ,vocale und
,diphthongen rth1 und wie zart und reich
sie in ihrem ,hintereinander sich frben
und umfrben knnen3 wer unter
bcherlesenden ,deutschen ist gutwillig
genug1 solchergestalt ,pflichten und
,forderungen anzuerkennen und auf so
viel ,kunst und ,absicht in der ,sprache
hinzuhorchen8 ,man hat zuletzt eben das
,ohr nicht dafr3 und so werden die
strksten ,gegenstze des ,stils nicht
gehrt1 und die feinste ,knstlerschaft
ist wie vor ,tauben verschwendet4 -
,dies waren meine ,gedanken1 als ich
merkte1 wie man plump und ahnungslos
zwei ,meister in der ,kunst der ,prosa
mit einander verwechselte1 ,einen1 dem
die ,worte zgernd und kalt herabtropfen1
wie von der ,decke einer feuchten ,hhle
- er rechnet auf ihren dumpfen ,klang
und ,wiederklang - und einen ,anderen1
der seine ,sprache wie einen biegsamen
,degen handhabt und vom ,arme bis zur
,zehe hinab das gefhrliche ,glck der
zitternden berscharfen ,klinge fhlt1
welche beissen1 zischen1 schneiden will4
- #bdg4 ,wie wenig der deutsche
,stil mit dem ,klange und mit den ,ohren
zu thun hat1 zeigt die ,thatsache1 dass
gerade unsre guten ,musiker schlecht
schreiben4 ,der ,deutsche liest nicht
laut1 nicht fr's ,ohr1 sondern bloss mit
den ,augen3 er hat seine ,ohren dabei
in's ,schubfach gelegt4 ,der antike
,mensch las1 wenn er las - es geschah
selten genug - sich selbst etwas vor1
und zwar mit lauter ,stimme2 man
wunderte sich1 wenn jemand leise las und
fragte sich insgeheim nach ,grnden4
,mit lauter ,stimme3 das will sagen1 mit
all den ,schwellungen1 ,biegungen1
,umschlgen des ,tons und ,wechseln des
,tempo's1 an denen die antike ffentliche
,welt ihre ,freude hatte4 ,damals waren
die ,gesetze des ,schrift-,stils die
selben1 wie die des ,rede-,stils2 und
dessen ,gesetze hiengen zum ,theil von
der erstaunlichen ,ausbildung1 den
raffinirten ,bedrfnissen des ,ohrs und
,kehlkopfs ab1 zum andern ,theil von der
,strke1 ,dauer und ,macht der antiken
,lunge4 ,eine ,periode ist1 im ,sinne
der ,alten1 vor ,allem ein
physiologisches ,ganzes1 insofern sie
von ,einem ,athem zusammengefasst wird4
,solche ,perioden1 wie sie bei
,demosthenes1 bei ,cicero vorkommen1
zwei ,mal schwellend und zwei ,mal
absinkend und ,alles innerhalb ,eines
,athemzugs3 das sind ,gensse fr antike
,menschen1 welche die ,tugend daran1 das
,seltene und ,schwierige im ,vortrag
einer solchen ,periode1 aus ihrer eignen
,schulung zu schtzen wussten3 - wir
haben eigentlich kein ,recht auf die
grosse ,periode1 wir ,modernen1 wir
,kurzathmigen in jedem ,sinne6 ,diese
,alten waren ja insgesammt in der ,rede
selbst ,dilettanten1 folglich ,kenner1
folglich ,kritiker1 - damit trieben sie
ihre ,redner zum ussersten2 in gleicher
,weise1 wie im vorigen ,jahrhundert1 als
alle ,italiner und ,italinerinnen zu
singen verstanden1 bei ihnen das
,gesangs-,virtuosenthum 7und damit auch
die ,kunst der ,melodik -7 auf die ,hhe
kam4 ,in ,deutschland aber gab es 7bis
auf die jngste ,zeit1 wo eine ,art
,tribnen-,beredtsamkeit schchtern und
plump genug ihre jungen ,schwingen regt7
eigentlich nur ,eine ,gattung
ffentlicher und ungefhr kunstmssiger
,rede3 das ist die von der ,kanzel
herab4 ,der ,prediger allein wusste in
,deutschland1 was eine ,silbe1 was ein
,wort wiegt1 inwiefern ein ,satz schlgt1
springt1 strzt1 luft1 ausluft1 er
allein hatte ,gewissen in seinen ,ohren1
oft genug ein bses ,gewissen3 denn es
fehlt nicht an ,grnden dafr1 dass gerade
von einem ,deutschen ,tchtigkeit in der
,rede selten1 fast immer zu spt
erreicht wird4 ,das ,meisterstck der
deutschen ,prosa ist deshalb
billigerweise das ,meisterstck ihres
grssten ,predigers3 die ,bibel war
bisher das beste deutsche ,buch4 ,gegen
,luther's ,bibel gehalten ist fast alles
brige nur ,litteratur - ein ,ding1 das
nicht in ,deutschland gewachsen ist und
darum auch nicht in deutsche ,herzen
hinein wuchs und wchst3 wie es die
,bibel gethan hat4 #bdh4 ,es giebt
zwei ,arten des ,genie's3 eins1 welches
vor allem zeugt und zeugen will1 und ein
andres1 welches sich gern befruchten
lsst und gebiert4 ,und ebenso giebt es
unter den genialen ,vlkern solche1 denen
das ,weibsproblem der ,schwangerschaft
und die geheime ,aufgabe des
,gestaltens1 ,ausreifens1 ,vollendens
zugefallen ist - die ,griechen zum
,beispiel waren ein ,volk dieser ,art1
insgleichen die ,franzosen -2 und andre1
welche befruchten mssen und die
,ursache neuer ,ordnungen des ,lebens
werden1 - gleich den ,juden1 den ,rmern
und1 in aller ,bescheidenheit gefragt1
den ,deutschen8 - ,vlker geqult und
entzckt von unbekannten ,fiebern und
unwiderstehlich aus sich herausgedrngt1
verliebt und lstern nach fremden ,rassen
7nach solchen1 welche sich befruchten
lassen -7 und dabei herrschschtig wie
,alles1 was sich voller ,zeugekrfte und
folglich von ,gottes ,gnaden weiss4
,diese zwei ,arten des ,genie's suchen
sich1 wie ,mann und ,weib2 aber sie
missverstehen auch einander1 - wie ,mann
und ,weib4 #bdi4 ,jedes ,volk hat
seine eigne ,tartfferie1 und heisst sie
seine ,tugenden4 - ,das ,beste1 was man
ist1 kennt man nicht1 - kann man nicht
kennen4 #bej4 ,was ,europa den ,juden
verdankt8 - ,vielerlei1 ,gutes und
,schlimmes1 und vor allem ,eins1 das vom
,besten und ,schlimmsten zugleich ist3
den grossen ,stil in der ,moral1 die
,furchtbarkeit und ,majestt unendlicher
,forderungen1 unendlicher ,bedeutungen1
die ganze ,romantik und ,erhabenheit der
moralischen ,fragwrdigkeiten - und
folglich gerade den anziehendsten1
verfnglichsten und ausgesuchtesten
,theil jener ,farbenspiele und
,verfhrungen zum ,leben1 in deren
,nachschimmer heute der ,himmel unsrer
europischen ,cultur1 ihr ,abend-,himmel1
glht1 - vielleicht verglht4 ,wir
,artisten unter den ,zuschauern und
,philosophen sind dafr den ,juden -
dankbar4 #bea4 ,man muss es in den
,kauf nehmen1 wenn einem ,volke1 das am
nationalen ,nervenfieber und politischen
,ehrgeize leidet1 leiden will -1
mancherlei ,wolken und ,strungen ber den
,geist ziehn1 kurz1 kleine ,anflle von
,verdummung3 zum ,beispiel bei den
,deutschen von ,heute bald die
antifranzsische ,dummheit1 bald die
antijdische1 bald die antipolnische1
bald die christlich-romantische1 bald
die ,wagnerianische1 bald die
teutonische1 bald die preussische 7man
sehe sich doch diese armen ,historiker1
diese ,sybel und ,treitzschke und ihre
dick verbundenen ,kpfe an -71 und wie
sie ,alle heissen mgen1 diese kleinen
,benebelungen des deutschen ,geistes und
,gewissens4 ,mge man mir verzeihn1 dass
auch ich1 bei einem kurzen gewagten
,aufenthalt auf sehr inficirtem
,gebiete1 nicht vllig von der ,krankheit
verschont blieb und mir1 wie alle
,welt1 bereits ,gedanken ber ,dinge zu
machen anfieng1 die mich nichts angehn3
erstes ,zeichen der politischen
,infektion4 ,zum ,beispiel ber die
,juden3 man hre4 - ,ich bin noch keinem
,deutschen begegnet1 der den ,juden
gewogen gewesen wre2 und so unbedingt
auch die ,ablehnung der eigentlichen
,antisemiterei von ,seiten aller
,vorsichtigen und ,politischen sein mag1
so richtet sich doch auch diese
,vorsicht und ,politik nicht etwa gegen
die ,gattung des ,gefhls selber1 sondern
nur gegen seine gefhrliche
,unmssigkeit1 insbesondere gegen den
abgeschmackten und schandbaren ,ausdruck
dieses unmssigen ,gefhls1 - darber darf
man sich nicht tuschen4 ,dass
,deutschland reichlich genug ,juden hat1
dass der deutsche ,magen1 das deutsche
,blut ,noth hat 7und noch auf lange
,noth haben wird71 um auch nur mit
diesem ,quantum ,jude fertig zu werden -
so wie der ,italiner1 der ,franzose1
der ,englnder fertig geworden sind1 in
,folge einer krftigeren ,verdauung -3
das ist die deutliche ,aussage und
,sprache eines allgemeinen ,instinktes1
auf welchen man hren1 nach welchem man
handeln muss4 ,keine neuen ,juden mehr
hinein lassen6 ,und namentlich nach dem
,osten 7auch nach streich7 zu die ,thore
zusperren6 also gebietet der ,instinkt
eines ,volkes1 dessen ,art noch schwach
und unbestimmt ist1 so dass sie leicht
verwischt1 leicht durch eine strkere
,rasse ausgelscht werden knnte4 ,die
,juden sind aber ohne allen ,zweifel die
strkste1 zheste und reinste ,rasse1 die
jetzt in ,europa lebt2 sie verstehen
es1 selbst noch unter den schlimmsten
,bedingungen sich durchzusetzen 7besser
sogar1 als unter gnstigen71 vermge
irgend welcher ,tugenden1 die man heute
gern zu ,lastern stempeln mchte1 -
,dank1 vor ,allem1 einem resoluten
,glauben1 der sich vor den modernen
,ideen nicht zu schmen braucht2 sie
verndern sich1 wenn sie sich verndern1
immer nur so1 wie das russische ,reich
seine ,eroberungen macht1 - als ein
,reich1 das ,zeit hat und nicht von
,gestern ist -3 nmlich nach dem
,grundsatze so langsam als mglich6 ,ein
,denker1 der die ,zukunft ,europa's auf
seinem ,gewissen hat1 wird1 bei allen
,entwrfen1 welche er bei sich ber diese
,zukunft macht1 mit den ,juden rechnen
wie mit den ,russen1 als den zunchst
sichersten und wahrscheinlichsten
,faktoren im grossen ,spiel und ,kampf
der ,krfte4 ,das1 was heute in ,europa
,nation genannt wird und eigentlich mehr
eine res facta als nata ist 7ja
mitunter einer res ficta et picta zum
,verwechseln hnlich sieht -71 ist in
jedem ,falle etwas ,werdendes1 ,junges1
,leicht-,verschiebbares1 noch keine
,rasse1 geschweige denn ein solches aere
perennius1 wie es die ,juden-,art ist3
diese ,nationen sollten sich doch vor
jeder hitzkpfigen ,concurrenz und
,feindseligkeit sorgfltig in ,acht
nehmen6 ,dass die ,juden1 wenn sie
wollten - oder1 wenn man sie dazu zwnge1
wie es die ,antisemiten zu wollen
scheinen -1 jetzt schon das bergewicht1
ja ganz wrtlich die ,herrschaft ber
,europa haben knnten1 steht fest2 dass
sie nicht darauf hin arbeiten und ,plne
machen1 ebenfalls4 ,einstweilen wollen
und wnschen sie vielmehr1 sogar mit
einiger ,zudringlichkeit1 in ,europa1
von ,europa ein- und aufgesaugt zu
werden1 sie drsten darnach1 endlich
irgendwo fest1 erlaubt1 geachtet zu sein
und dem ,nomadenleben1 dem ewigen
,juden ein ,ziel zu setzen -2 und man
sollte diesen ,zug und ,drang 7der
vielleicht selbst schon eine ,milderung
der jdischen ,instinkte ausdrckt7 wohl
beachten und ihm entgegenkommen3 wozu es
vielleicht ntzlich und billig wre1 die
antisemitischen ,schreihlse des ,landes
zu verweisen4 ,mit aller ,vorsicht
entgegenkommen1 mit ,auswahl2 ungefhr so
wie der englische ,adel es thut4 ,es
liegt auf der ,hand1 dass am
unbedenklichsten noch sich die strkeren
und bereits fester geprgten ,typen des
neuen ,deutschthums mit ihnen einlassen
knnten1 zum ,beispiel der adelige
,offizier aus der ,mark3 es wre von
vielfachem ,interesse1 zu sehen1 ob sich
nicht zu der erblichen ,kunst des
,befehlens und ,gehorchens - in ,beidem
ist das bezeichnete ,land heute
klassisch - das ,genie des ,geldes und
der ,geduld 7und vor allem etwas ,geist
und ,geistigkeit1 woran es reichlich an
der bezeichneten ,stelle fehlt -7
hinzuthun1 hinzuzchten liesse4 ,doch
hier ziemt es sich1 meine heitere
,deutschthmelei und ,festrede
abzubrechen3 denn ich rhre bereits an
meinen ,ernst1 an das europische
,problem1 wie ich es verstehe1 an die
,zchtung einer neuen ber ,europa1
regierenden ,kaste4 - #beb4 ,das ist
keine philosophische ,rasse - diese
,englnder3 ,bacon bedeutet einen
,angriff auf den philosophischen ,geist
berhaupt1 ,hobbes1 ,hume und ,locke eine
,erniedrigung und ,werth-,minderung des
,begriffs ,philosoph fr mehr als ein
,jahrhundert4 ,gegen ,hume erhob und hob
sich ,kant2 ,locke war es1 von dem
,schelling sagen durfte3 je mprise
,locke2 im ,kampfe mit der
englisch-mechanistischen
,welt-,vertlpelung waren ,hegel und
,schopenhauer 7mit ,goethe7 einmthig1
jene beiden feindlichen ,brder-,genies
in der ,philosophie1 welche nach den
entgegengesetzten ,polen des deutschen
,geistes auseinander strebten und sich
dabei ,unrecht thaten1 wie sich eben nur
,brder ,unrecht thun4 - ,woran es in
,england fehlt und immer gefehlt hat1
das wusste jener ,halb-,schauspieler und
,rhetor gut genug1 der abgeschmackte
,wirrkopf ,carlyle1 welcher es unter
leidenschaftlichen ,fratzen zu verbergen
suchte1 was er von sich selbst wusste3
nmlich woran es in ,carlyle fehlte - an
eigentlicher ,macht der ,geistigkeit1 an
eigentlicher ,tiefe des geistigen
,blicks1 kurz1 an ,philosophie4 - ,es
kennzeichnet eine solche
unphilosophische ,rasse1 dass sie streng
zum ,christenthume hlt3 sie braucht
seine ,zucht zur ,moralisirung und
,veranmenschlichung4 ,der ,englnder1
dsterer1 sinnlicher1 willensstrker und
brutaler als der ,deutsche - ist eben
deshalb1 als der ,gemeinere von ,beiden1
auch frmmer als der ,deutsche3 er hat
das ,christenthum eben noch nthiger4 ,fr
feinere ,nstern hat selbst dieses
englische ,christenthum noch einen cht
englischen ,nebengeruch von ,spleen und
alkoholischer ,ausschweifung1 gegen
welche es aus guten ,grnden als
,heilmittel gebraucht wird1 - das
feinere ,gift nmlich gegen das grbere3
eine feinere ,vergiftung ist in der
,that bei plumpen ,vlkern schon ein
,fortschritt1 eine ,stufe zur
,vergeistigung4 ,die englische
,plumpheit und ,bauern-,ernsthaftigkeit
wird durch die christliche
,gebrdensprache und durch ,beten und
,psalmensingen noch am ertrglichsten
verkleidet1 richtiger3 ausgelegt und
umgedeutet2 und fr jenes ,vieh von
,trunkenbolden und ,ausschweifenden1
welches ehemals unter der ,gewalt des
,methodismus und neuerdings wieder als
,heilsarmee moralisch grunzen lernt1 mag
wirklich ein ,busskrampf die
verhltnissmssig hchste ,leistung von
,humanitt sein1 zu der es gesteigert
werden kann3 so viel darf man billig
zugestehn4 ,was aber auch noch am
humansten ,englnder beleidigt1 das ist
sein ,mangel an ,musik1 im ,gleichniss
7und ohne ,gleichniss -7 zu reden3 er
hat in den ,bewegungen seiner ,seele und
seines ,leibes keinen ,takt und ,tanz1
ja noch nicht einmal die ,begierde nach
,takt und ,tanz1 nach ,musik4 ,man hre
ihn sprechen2 man sehe die schnsten
,englnderinnen gehn - es giebt in keinem
,lande der ,erde schnere ,tauben und
,schwne1 - endlich3 man hre sie singen6
,aber ich verlange zu viel44444 #bec4
,es giebt ,wahrheiten1 die am besten von
mittelmssigen ,kpfen erkannt werden1
weil sie ihnen am gemssesten sind1 es
giebt ,wahrheiten1 die nur fr
mittelmssige ,geister ,reize und
,verfhrungskrfte besitzen - - auf diesen
vielleicht unangenehmen ,satz wird man
gerade jetzt hingestossen1 seitdem der
,geist achtbarer1 aber mittelmssiger
,englnder - ich nenne ,darwin1 ,john
,stuart ,mill und ,herbert ,spencer - in
der mittleren ,region des europischen
,geschmacks zum bergewicht zu gelangen
anhebt4 ,in der ,that1 wer mchte die
,ntzlichkeit davon anzweifeln1 dass
zeitweilig solche ,geister herrschen8
,es wre ein ,irrthum1 gerade die
hochgearteten und abseits fliegenden
,geister fr besonders geschickt zu
halten1 viele kleine gemeine ,thatsachen
festzustellen1 zu sammeln und in
,schlsse zu drngen3 - sie sind vielmehr1
als ,ausnahmen1 von vornherein in
keiner gnstigen ,stellung zu den
,regeln4 ,zuletzt haben sie mehr zu
thun1 als nur zu erkennen - nmlich etwas
,neues zu sein1 etwas ,neues zu
bedeuten1 neue ,werthe darzustellen6
,die ,kluft zwischen ,wissen und ,knnen
ist vielleicht grsser1 auch unheimlicher
als man denkt3 der ,knnende im grossen
,stil1 der ,schaffende wird
mglicherweise ein ,unwissender sein
mssen1 - whrend andererseits zu
wissenschaftlichen ,entdeckungen nach
der ,art ,darwin's eine gewisse ,enge1
,drre und fleissige ,sorglichkeit1 kurz1
etwas ,englisches nicht bel disponiren
mag4 - ,vergesse man es zuletzt den
,englndern nicht1 dass sie schon ,ein
,mal mit ihrer tiefen
,durchschnittlichkeit eine
,gesammt-,depression des europischen
,geistes verursacht haben3 ,das1 was man
die modernen ,ideen oder die ,ideen des
achtzehnten ,jahrhunderts oder auch die
franzsischen ,ideen nennt - ,das also1
wogegen sich der deutsche ,geist mit
tiefem ,ekel erhoben hat -1 war
englischen ,ursprungs1 daran ist nicht
zu zweifeln4 ,die ,franzosen sind nur
die ,affen und ,schauspieler dieser
,ideen gewesen1 auch ihre besten
,soldaten1 insgleichen leider ihre
ersten und grndlichsten ,opfer3 denn an
der verdammlichen ,anglomanie der
modernen ,ideen ist zuletzt die me
franaise so dnn geworden und abgemagert1
dass man sich ihres sechszehnten und
siebzehnten ,jahrhunderts1 ihrer tiefen
leidenschaftlichen ,kraft1 ihrer
erfinderischen ,vornehmheit heute fast
mit ,unglauben erinnert4 ,man muss aber
diesen ,satz historischer ,billigkeit
mit den ,zhnen festhalten und gegen den
,augenblick und ,augenschein
vertheidigen3 die europische noblesse -
des ,gefhls1 des ,geschmacks1 der
,sitte1 kurz1 das ,wort in jedem hohen
,sinne genommen - ist ,frankreich's
,werk und ,erfindung1 die europische
,gemeinheit1 der ,plebejismus der
modernen ,ideen -,englands4- #bed4
,auch jetzt noch ist ,frankreich der
,sitz der geistigsten und raffinirtesten
,cultur ,europa's und die hohe ,schule
des ,geschmacks3 aber man muss dies
,frankreich des ,geschmacks zu finden
wissen4 ,wer zu ihm gehrt1 hlt sich gut
verborgen3 - es mag eine kleine ,zahl
sein1 in denen es leibt und lebt1 dazu
vielleicht ,menschen1 welche nicht auf
den krftigsten ,beinen stehn1 zum ,theil
,fatalisten1 ,verdsterte1 ,kranke1 zum
,theil ,verzrtelte und ,verknstelte1
solche1 welche den ,ehrgeiz haben1 sich
zu verbergen4 ,etwas ist ,allen gemein3
sie halten sich die ,ohren zu vor der
rasenden ,dummheit und dem lrmenden
,maulwerk des demokratischen bourgeois4
,in der ,that wlzt sich heut im
,vordergrunde ein verdummtes und
vergrbertes ,frankreich1 - es hat
neuerdings1 bei dem ,leichenbegngniss
,victor ,hugo's1 eine wahre ,orgie des
,ungeschmacks und zugleich der
,selbstbewunderung gefeiert4 ,auch etwas
,anderes ist ihnen gemeinsam3 ein guter
,wille1 sich der geistigen
,germanisirung zu erwehren - und ein
noch besseres ,unvermgen dazu6
,vielleicht ist jetzt schon
,schopenhauer in diesem ,frankreich des
,geistes1 welches auch ein ,frankreich
des ,pessimismus ist1 mehr zu ,hause und
heimischer geworden1 als er es je in
,deutschland war2 nicht zu reden von
,heinrich ,heine1 der den feineren und
anspruchsvolleren ,lyrikern von ,paris
lange schon in ,fleisch und ,blut
bergegangen ist1 oder von ,hegel1 der
heute in ,gestalt ,taine's - das heisst
des ersten lebenden ,historikers - einen
beinahe tyrannischen ,einfluss ausbt4
,was aber ,richard ,wagner betrifft3 je
mehr sich die franzsische ,musik nach
den wirklichen ,bedrfnissen der me
moderne gestalten lernt1 um so mehr wird
sie wagnerisiren1 das darf man
vorhersagen1 - sie thut es jetzt schon
genug6 ,es ist dennoch dreierlei1 was
auch heute noch die ,franzosen mit
,stolz als ihr ,erb und ,eigen und als
unverlornes ,merkmal einer alten
,cultur-berlegenheit ber ,europa
aufweisen knnen1 trotz aller
freiwilligen oder unfreiwilligen
,germanisirung und ,verpbelung des
,geschmacks3 einmal die ,fhigkeit zu
artistischen ,leidenschaften1 zu
,hingebungen an die ,form1 fr welche das
,wort l'art pour l'art1 neben tausend
anderen1 erfunden ist3 - dergleichen hat
in ,frankreich seit drei ,jahrhunderten
nicht gefehlt und immer wieder1 ,dank
der ,ehrfurcht vor der kleinen ,zahl1
eine ,art ,kammermusik der ,litteratur
ermglicht1 welche im brigen ,europa sich
suchen lsst -4 ,das ,zweite1 worauf die
,franzosen eine berlegenheit ber
,europa begrnden knnen1 ist ihre alte
vielfache moralistische ,cultur1 welche
macht1 dass man im ,durchschnitt selbst
bei kleinen romanciers der ,zeitungen
und zuflligen boulevardiers de ,paris
eine psychologische ,reizbarkeit und
,neugierde findet1 von der man zum
,beispiel in ,deutschland keinen
,begriff 7geschweige denn die ,sache67
hat4 ,den ,deutschen fehlen dazu ein
paar ,jahrhunderte moralistischer ,art1
welche1 wie gesagt1 ,frankreich sich
nicht erspart hat2 wer die ,deutschen
darum naiv nennt1 macht ihnen aus einem
,mangel ein ,lob zurecht4 7,als
,gegensatz zu der deutschen
,unerfahrenheit und ,unschuld in
voluptate psychologica1 die mit der
,langweiligkeit des deutschen ,verkehrs
nicht gar zu fern verwandt ist1 - und
als gelungenster ,ausdruck einer cht
franzsischen ,neugierde und
,erfindungsgabe fr dieses ,reich zarter
,schauder mag ,henri ,beyle gelten1
jener merkwrdige vorwegnehmende und
vorauslaufende ,mensch1 der mit einem
,napoleonischen ,tempo durch sein
,europa1 durch mehrere ,jahrhunderte der
europischen ,seele lief1 als ein
,aussprer und ,entdecker dieser ,seele3
- es hat zweier ,geschlechter bedurft1
um ihn irgendwie einzuholen1 um einige
der ,rthsel nachzurathen1 die ihn qulten
und entzckten1 diesen wunderlichen
,epicureer und ,fragezeichen-,menschen1
der ,frankreichs letzter grosser
,psycholog war -74 ,es giebt noch einen
dritten ,anspruch auf berlegenheit3 im
,wesen der ,franzosen ist eine halbwegs
gelungene ,synthesis des ,nordens und
,sdens gegeben1 welche sie viele ,dinge
begreifen macht und andre ,dinge thun
heisst1 die ein ,englnder nie begreifen
wird2 ihr dem ,sden periodisch
zugewandtes und abgewandtes
,temperament1 in dem von ,zeit zu ,zeit
das provenalische und ligurische ,blut
berschumt1 bewahrt sie vor dem
schauerlichen nordischen ,grau in ,grau
und der sonnenlosen
,begriffs-,gespensterei und ,blutarmuth1
- unsrer deutschen ,krankheit des
,geschmacks1 gegen deren bermaass man
sich augenblicklich mit grosser
,entschlossenheit ,blut und ,eisen1 will
sagen3 die grosse ,politik verordnet
hat 7gemss einer gefhrlichen ,heilkunst1
welche mich warten und warten1 aber bis
jetzt noch nicht hoffen lehrt -74 ,auch
jetzt noch giebt es in ,frankreich ein
,vorverstndniss und ein ,entgegenkommen
fr jene seltneren und selten
befriedigten ,menschen1 welche zu
umfnglich sind1 um in irgend einer
,vaterlnderei ihr ,genge zu finden und
im ,norden den ,sden1 im ,sden den
,norden zu lieben wissen1 - fr die
geborenen ,mittellndler1 die guten
,europer4 - ,fr sie hat ,bizet ,musik
gemacht1 dieses letzte ,genie1 welches
eine neue ,schnheit und ,verfhrung
gesehn1 - der ein ,stck ,sden der ,musik
entdeckt hat4 #bee4 ,gegen die
deutsche ,musik halte ich mancherlei
,vorsicht fr geboten4 ,gesetzt1 dass
,einer den ,sden liebt1 wie ich ihn
liebe1 als eine grosse ,schule der
,genesung1 im ,geistigsten und
,sinnlichsten1 als eine unbndige
,sonnenflle und ,sonnen-,verklrung1
welche sich ber ein selbstherrliches1 an
sich glaubendes ,dasein breitet3 nun1
ein ,solcher wird sich etwas vor der
deutschen ,musik in ,acht nehmen lernen1
weil sie1 indem sie seinen ,geschmack
zurck verdirbt1 ihm die ,gesundheit mit
zurck verdirbt4 ,ein solcher ,sdlnder1
nicht der ,abkunft1 sondern dem ,glauben
nach1 muss1 falls er von der ,zukunft
der ,musik trumt1 auch von einer
,erlsung der ,musik vom ,norden trumen
und das ,vorspiel einer tieferen1
mchtigeren1 vielleicht bseren und
geheimnissvolleren ,musik in seinen
,ohren haben1 einer berdeutschen ,musik1
welche vor dem ,anblick des blauen
wollstigen ,meers und der
mittellndischen ,himmels-,helle nicht
verklingt1 vergilbt1 verblasst1 wie es
alle deutsche ,musik thut1 einer
bereuropischen ,musik1 die noch vor den
braunen ,sonnen-,untergngen der ,wste
,recht behlt1 deren ,seele mit der
,palme verwandt ist und unter grossen
schnen einsamen ,raubthieren heimisch zu
sein und zu schweifen versteht44444
,ich knnte mir eine ,musik denken1 deren
seltenster ,zauber darin bestnde1 dass
sie von ,gut und ,bse nichts mehr wsste1
nur dass vielleicht irgend ein
,schiffer-,heimweh1 irgend welche goldne
,schatten und zrtliche ,schwchen hier
und da ber sie hinwegliefen3 eine
,kunst1 welche von grosser ,ferne her
die ,farben einer untergehenden1 fast
unverstndlich gewordenen moralischen
,welt zu sich flchten she1 und die
gastfreundlich und tief genug zum
,empfang solcher spten ,flchtlinge wre4
- #bef4 ,dank der krankhaften
,entfremdung1 welche der
,nationalitts-,wahnsinn zwischen die
,vlker ,europa's gelegt hat und noch
legt1 ,dank ebenfalls den ,politikern
des kurzen ,blicks und der raschen
,hand1 die heute mit seiner ,hlfe
obenauf sind und gar nicht ahnen1 wie
sehr die auseinanderlsende ,politik1
welche sie treiben1 nothwendig nur
,zwischenakts-,politik sein kann1 -
,dank ,alledem und manchem heute ganz
,unaussprechbaren werden jetzt die
unzweideutigsten ,anzeichen bersehn oder
willkrlich und lgenhaft umgedeutet1 in
denen sich ausspricht1 dass ,europa
,eins werden will4 ,bei allen tieferen
und umfnglicheren ,menschen dieses
,jahrhunderts war es die eigentliche
,gesammt-,richtung in der
geheimnissvollen ,arbeit ihrer ,seele1
den ,weg zu jener neuen ,synthesis
vorzubereiten und versuchsweise den
,europer der ,zukunft vorwegzunehmen3
nur mit ihren ,vordergrnden1 oder in
schwcheren ,stunden1 etwa im ,alter1
gehrten sie zu den ,vaterlndern1 - sie
ruhten sich nur von sich selber aus1
wenn sie ,patrioten wurden4 ,ich denke
an ,menschen wie ,napoleon1 ,goethe1
,beethoven1 ,stendhal1 ,heinrich ,heine1
,schopenhauer3 man verarge mir es
nicht1 wenn ich auch ,richard ,wagner zu
ihnen rechne1 ber den man sich nicht
durch seine eignen ,missverstndnisse
verfhren lassen darf1 - ,genies seiner
,art haben selten das ,recht1 sich
selbst zu verstehen4 ,noch weniger
freilich durch den ungesitteten ,lrm1
mit dem man sich jetzt in ,frankreich
gegen ,richard ,wagner sperrt und wehrt3
- die ,thatsache bleibt
nichtsdestoweniger bestehen1 dass die
franzsische ,spt-,romantik der
,vierziger ,jahre und ,richard ,wagner
auf das ,engste und ,innigste zu
einander1 gehren4 ,sie sind sich in
allen ,hhen und ,tiefen ihrer
,bedrfnisse verwandt1 grundverwandt3
,europa ist es1 das ,eine ,europa1
dessen ,seele sich durch ihre vielfltige
und ungestme ,kunst hinaus1 hinauf
drngt und sehnt - wohin8 in ein neues
,licht8 nach einer neuen ,sonne8 ,aber
wer mchte genau aussprechen1 was alle
diese ,meister neuer ,sprachmittel nicht
deutlich auszusprechen wussten8 ,gewiss
ist1 dass der gleiche ,sturm und ,drang
sie qulte1 dass sie auf gleiche ,weise
suchten1 diese letzten grossen
,suchenden6 ,allesammt beherrscht von
der ,litteratur bis in ihre ,augen und
,ohren - die ersten ,knstler von
weltlitterarischer ,bildung - meistens
sogar selber ,schreibende1 ,dichtende1
,vermittler und ,vermischer der ,knste
und der ,sinne 7,wagner gehrt als
,musiker unter die ,maler1 als ,dichter
unter die ,musiker1 als ,knstler
berhaupt unter die ,schauspieler72
allesammt ,fanatiker des ,ausdrucks um
jeden ,preis - ich hebe ,delacroix
hervor1 den ,nchstverwandten ,wagner's
-1 allesammt grosse ,entdecker im
,reiche des ,erhabenen1 auch des
,hsslichen und ,grsslichen1 noch grssere
,entdecker im ,effekte1 in der
,schaustellung1 in der ,kunst der
,schaulden1 allesammt ,talente weit ber
ihr ,genie hinaus -1 ,virtuosen durch
und durch1 mit unheimlichen ,zugngen zu
,allem1 was verfhrt1 lockt1 zwingt1
umwirft1 geborene ,feinde der ,logik und
der geraden ,linien1 begehrlich nach
dem ,fremden1 dem ,exotischen1 dem
,ungeheuren1 dem ,krummen1 dem
,sich-,widersprechenden2 als ,menschen
,tantalusse des ,willens1
heraufgekommene ,plebejer1 welche sich
im ,leben und ,schaffen eines vornehmen
tempo1 eines lento unfhig wussten1 - man
denke zum ,beispiel an ,balzac -
zgellose ,arbeiter1 beinahe
,selbst-,zerstrer durch ,arbeit2
,antinomisten und ,aufrhrer in den
,sitten1 ,ehrgeizige und ,unersttliche
ohne ,gleichgewicht und ,genuss2
allesammt zuletzt an dem christlichen
,kreuze zerbrechend und niedersinkend
7und das mit ,fug und ,recht3 denn wer
von ihnen wre tief und ursprnglich genug
zu einer ,philosophie des ,antichrist
gewesen8 -7 im ,ganzen eine
verwegen-wagende1 prachtvoll-gewaltsame1
hochfliegende und hoch emporreissende
,art hherer ,menschen1 welche ihrem
,jahrhundert - und es ist das
,jahrhundert der ,menge6 - den ,begriff
hherer ,mensch erst zu lehren hatte
,mgen die deutschen ,freunde ,richard
,wagner's darber mit sich zu ,rathe
gehn1 ob es in der ,wagnerischen ,kunst
etwas schlechthin ,deutsches giebt1 oder
ob nicht gerade deren ,auszeichnung
ist1 aus berdeutschen ,quellen und
,antrieben zu kommen3 wobei nicht
unterschtzt werden mag1 wie zur
,ausbildung seines ,typus gerade ,paris
unentbehrlich war1 nach dem ihn in der
entscheidendsten ,zeit die ,tiefe seiner
,instinkte verlangen hiess1 und wie die
ganze ,art seines ,auftretens1 seines
,selbst-,apostolats erst ,angesichts des
franzsischen ,socialisten-,vorbilds
sich vollenden konnte4 ,vielleicht wird
man1 bei einer feineren ,vergleichung1
zu ,ehren der deutschen ,natur ,richard
,wagner's finden1 dass er es in ,allem
strker1 verwegener1 hrter1 hher
getrieben hat1 als es ein ,franzose des
neunzehnten ,jahrhunderts treiben knnte1
- ,dank dem ,umstande1 dass wir
,deutschen der ,barbarei noch nher
stehen als die ,franzosen -2 vielleicht
ist sogar das ,merkwrdigste1 was
,richard ,wagner geschaffen hat1 der
ganzen so spten lateinischen ,rasse fr
immer und nicht nur fr heute
unzugnglich1 unnachfhlbar1 unnachahmbar3
die ,gestalt des ,siegfried1 jenes sehr
freien ,menschen1 der in der ,that bei
weitem zu frei1 zu hart1 zu wohlgemuth1
zu gesund1 zu antikatholisch fr den
,geschmack alter und mrber ,culturvlker
sein mag4 ,er mag sogar eine ,snde wider
die ,romantik gewesen sein1 dieser
antiromanische ,siegfried3 nun1 ,wagner
hat diese ,snde reichlich quitt gemacht1
in seinen alten trben ,tagen1 als er -
einen ,geschmack vorwegnehmend1 der
inzwischen ,politik geworden ist - mit
der ihm eignen religisen ,vehemenz den
,weg nach ,rom1 wenn nicht zu gehn1 so
doch zu predigen anfieng4 - ,damit man
mich1 mit diesen letzten ,worten1 nicht
missverstehe1 will ich einige krftige
,reime zu ,hlfe nehmen1 welche auch
weniger feinen ,ohren es verrathen
werden1 was ich will1 - was ich gegen
den letzten ,wagner und seine
,parsifal-,musik will4 - ,ist das noch
deutsch8 - ,aus deutschem ,herzen
kam dies schwle ,kreischen8 ,und
deutschen ,leibs ist dies
,sich-selbst-,entfleischen8 ,deutsch
ist dies ,priester-,hndespreitzen1
,dies weihrauch-dftelnde ,sinne-,reizen8
,und deutsch dies ,stocken1
,strzen1 ,taumeln1 ,dies ungewisse
,bimbambaumeln8 ,dies ,nonnen-ugeln1
,ave-,glocken-,bimmeln1 ,dies ganze
falsch verzckte ,himmel-berhimmeln8 -
,ist ,das noch deutsch8 - ,erwgt6
,noch steht ihr an der ,pforte3 -
,denn1 was ihr hrt1 ist ,rom1 - ,rom's
,glaube ohne ,worte6 ,neuntes
,hauptstck3 ,was ist vornehm8 #beg4
,jede ,erhhung des ,typus ,mensch war
bisher das ,werk einer aristokratischen
,gesellschaft - und so wird es immer
wieder sein3 als einer ,gesellschaft1
welche an eine lange ,leiter der
,rangordnung und ,werthverschiedenheit
von ,mensch und ,mensch glaubt und
,sklaverei in irgend einem ,sinne nthig
hat4 ,ohne das ,pathos der ,distanz1 wie
es aus dem eingefleischten ,unterschied
der ,stnde1 aus dem bestndigen
,ausblick und ,herabblick der
herrschenden ,kaste auf ,unterthnige und
,werkzeuge und aus ihrer ebenso
bestndigen bung im ,gehorchen und
,befehlen1 ,nieder- und ,fernhalten
erwchst1 knnte auch jenes andre
geheimnissvollere ,pathos gar nicht
erwachsen1 jenes ,verlangen nach immer
neuer ,distanz-,erweiterung innerhalb
der ,seele selbst1 die ,herausbildung
immer hherer1 seltnerer1 fernerer1
weitgespannterer1 umfnglicherer
,zustnde1 kurz eben die ,erhhung des
,typus ,mensch1 die fortgesetzte
,selbst-berwindung des ,menschen1 um
eine moralische ,formel in einem
bermoralischen ,sinne zu nehmen4
,freilich3 man darf sich ber die
,entstehungsgeschichte einer
aristokratischen ,gesellschaft 7also der
,voraussetzung jener ,erhhung des
,typus ,mensch -7 keinen humanitren
,tuschungen hingeben3 die ,wahrheit ist
hart4 ,sagen wir es uns ohne ,schonung1
wie bisher jede hhere ,cultur auf ,erden
angefangen hat6 ,menschen mit einer
noch natrlichen ,natur1 ,barbaren in
jedem furcht baren ,verstande des
,wortes1 ,raubmenschen1 noch im ,besitz
ungebrochner ,willenskrfte und
,macht-,begierden1 warfen sich auf
schwchere1 gesittetere1 friedlichere1
vielleicht handeltreibende oder
viehzchtende ,rassen1 oder auf alte mrbe
,culturen1 in denen eben die letzte
,lebenskraft in glnzenden ,feuerwerken
von ,geist und ,verderbniss
verflackerte4 ,die vornehme ,kaste war
im ,anfang immer die ,barbaren-,kaste3
ihr bergewicht lag nicht vorerst in der
physischen ,kraft1 sondern in der
seelischen1 - es waren die ganzeren
,menschen 7was auf jeder ,stufe auch so
viel mit bedeutet als die ganzeren
,bestien74 #beh4 ,corruption1 als der
,ausdruck davon1 dass innerhalb der
,instinkte ,anarchie droht1 und dass der
,grundbau der ,affekte1 der ,leben
heisst1 erschttert ist3 ,corruption ist1
je nach dem ,lebensgebilde1 an dem sie
sich zeigt1 etwas ,grundverschiedenes4
,wenn zum ,beispiel eine ,aristokratie1
wie die ,frankreichs am ,anfange der
,revolution1 mit einem sublimen ,ekel
ihre ,privilegien wegwirft und sich
selbst einer ,ausschweifung ihres
moralischen ,gefhls zum ,opfer bringt1
so ist dies ,corruption3 - es war
eigentlich nur der ,abschlussakt jener
,jahrhunderte dauernden ,corruption1
vermge deren sie ,schritt fr ,schritt
ihre herrschaftlichen ,befugnisse
abgegeben und sich zur ,funktion des
,knigthums 7zuletzt gar zu dessen ,putz
und ,prunkstck7 herabgesetzt hatte4 ,das
,wesentliche an einer guten und
gesunden ,aristokratie ist aber1 dass
sie sich nicht als ,funktion 7sei es des
,knigthums1 sei es des ,gemeinwesens71
sondern als dessen ,sinn und hchste
,rechtfertigung fhlt1 - dass sie deshalb
mit gutem ,gewissen das ,opfer einer
,unzahl ,menschen hinnimmt1 welche um
ihretwillen zu unvollstndigen ,menschen1
zu ,sklaven1 zu ,werkzeugen
herabgedrckt und vermindert werden
mssen4 ,ihr ,grundglaube muss eben sein1
dass die ,gesellschaft nicht um der
,gesellschaft willen dasein drfe1
sondern nur als ,unterbau und ,gerst1 an
dem sich eine ausgesuchte ,art ,wesen
zu ihrer hheren ,aufgabe und berhaupt zu
einem hheren ,sein emporzuheben vermag3
vergleichbar jenen sonnenschtigen
,kletterpflanzen auf ,java - man nennt
sie ,sipo ,matador -1 welche mit ihren
,armen einen ,eichbaum so lange und oft
umklammern1 bis sie endlich1 hoch ber
ihm1 aber auf ihn gesttzt1 in freiem
,lichte ihre ,krone entfalten und ihr
,glck zur ,schau tragen knnen4 - #bei4
,sich gegenseitig der ,verletzung1 der
,gewalt1 der ,ausbeutung enthalten1
seinen ,willen dem des ,andern gleich
setzen3 dies kann in einem gewissen
groben ,sinne zwischen ,individuen zur
guten ,sitte werden1 wenn die
,bedingungen dazu gegeben sind 7nmlich
deren thatschliche hnlichkeit in
,kraftmengen und ,werthmaassen und ihre
,zusammengehrigkeit innerhalb ,eines
,krpers74 ,sobald man aber dies ,princip
weiter nehmen wollte und womglich gar
als ,grundprincip der ,gesellschaft1 so
wrde es sich sofort erweisen als ,das1
was es ist3 als ,wille zur ,verneinung
des ,lebens1 als ,auflsungs- und
,verfalls-,princip4 ,hier muss man
grndlich auf den ,grund denken und sich
aller empfindsamen ,schwchlichkeit
erwehren3 ,leben selbst ist wesentlich
,aneignung1 ,verletzung1 berwltigung des
,fremden und ,schwcheren1
,unterdrckung1 ,hrte1 ,aufzwngung eigner
,formen1 ,einverleibung und mindestens1
mildestens1 ,ausbeutung1 - aber wozu
sollte man immer gerade solche ,worte
gebrauchen1 denen von ,alters her eine
verleumderische ,absicht eingeprgt ist8
,auch jener ,krper1 innerhalb dessen1
wie vorher angenommen wurde1 die
,einzelnen sich als gleich behandeln -
es geschieht in jeder gesunden
,aristokratie -1 muss selber1 falls er
ein lebendiger und nicht ein
absterbender ,krper ist1 alles ,das
gegen andre ,krper thun1 wessen sich die
,einzelnen in ihm gegen einander
enthalten3 er wird der leibhafte ,wille
zur ,macht sein mssen1 er wird wachsen1
um sich greifen1 an sich ziehn1
bergewicht gewinnen wollen1 - nicht aus
irgend einer ,moralitt oder ,immoralitt
heraus1 sondern weil erlebt1 und weil
,leben eben ,wille zur ,macht ist4 ,in
keinem ,punkte ist aber das gemeine
,bewusstsein der ,europer widerwilliger
gegen ,belehrung1 als hier2 man schwrmt
jetzt berall1 unter wissenschaftlichen
,verkleidungen sogar1 von kommenden
,zustnden der ,gesellschaft1 denen der
ausbeuterische ,charakter abgehn soll3 -
das klingt in meinen ,ohren1 als ob man
ein ,leben zu erfinden versprche1
welches sich aller organischen
,funktionen enthielte4 ,die ,ausbeutung
gehrt nicht einer verderbten oder
unvollkommnen und primitiven
,gesellschaft an3 sie gehrt in's ,wesen
des ,lebendigen1 als organische
,grundfunktion1 sie ist eine ,folge des
eigentlichen ,willens zur ,macht1 der
eben der ,wille des ,lebens ist4 -
,gesetzt1 dies ist als ,theorie eine
,neuerung1 - als ,realitt ist es das
,ur-,faktum aller ,geschichte3 man sei
doch so weit gegen sich ehrlich6 -
#bfj4 ,bei einer ,wanderung durch die
vielen feineren und grberen ,moralen1
welche bisher auf ,erden geherrscht
haben oder noch herrschen1 fand ich
gewisse ,zge regelmssig mit einander
wiederkehrend und aneinander geknpft3
bis sich mir endlich zwei ,grundtypen
verriethen1 und ein ,grundunterschied
heraussprang4 ,es giebt ,herren-,moral
und ,sklaven-,moral2 - ich fge sofort
hinzu1 dass in allen hheren und
gemischteren ,culturen auch ,versuche
der ,vermittlung beider ,moralen zum
,vorschein kommen1 noch fter das
,durcheinander derselben und
gegenseitige ,missverstehen1 ja
bisweilen ihr hartes ,nebeneinander -
sogar im selben ,menschen1 innerhalb
,einer ,seele4 ,die moralischen
,werthunterscheidungen sind entweder
unter einer herrschenden ,art
entstanden1 welche sich ihres
,unterschieds gegen die beherrschte mit
,wohlgefhl bewusst wurde1 - oder unter
den ,beherrschten1 den ,sklaven und
,abhngigen jeden ,grades4 ,im ersten
,falle1 wenn die ,herrschenden es sind1
die den ,begriff gut- bestimmen1 sind es
die erhobenen stolzen ,zustnde der
,seele1 welche als das ,auszeichnende
und die ,rangordnung ,bestimmende
empfunden werden4 ,der vornehme ,mensch
trennt die ,wesen von sich ab1 an denen
das ,gegentheil solcher gehobener
stolzer ,zustnde zum ,ausdruck kommt3 er
verachtet sie4 ,man bemerke sofort1
dass in dieser ersten ,art ,moral der
,gegensatz gut und schlecht so viel
bedeutet wie vornehm und verchtlich3 -
der ,gegensatz gut und bse ist anderer
,herkunft4 ,verachtet wird der ,feige1
der ngstliche1 der ,kleinliche1 der an
die enge ,ntzlichkeit ,denkende2 ebenso
der ,misstrauische mit seinem unfreien
,blicke1 der ,sich-,erniedrigende1 die
,hunde-,art von ,mensch1 welche sich
misshandeln lsst1 der bettelnde
,schmeichler1 vor ,allem der ,lgner3 -
es ist ein ,grundglaube aller
,aristokraten1 dass das gemeine ,volk
lgnerisch ist4 ,wir ,wahrhaftigen - so
nannten sich im alten ,griechenland die
,adeligen4 ,es liegt auf der ,hand1 dass
die moralischen ,werthbezeichnungen
berall zuerst auf ,menschen und erst
abgeleitet und spt auf ,handlungen
gelegt worden sind3 weshalb es ein arger
,fehlgriff ist1 wenn ,moral-,historiker
von ,fragen den ,ausgang nehmen wie
warum ist die mitleidige ,handlung
gelobt worden8 ,die vornehme ,art
,mensch fhlt sich als werthbestimmend1
sie hat nicht nthig1 sich gutheissen zu
lassen1 sie urtheilt was mir schdlich
ist1 das ist an sich schdlich1 sie weiss
sich als ,das1 was berhaupt erst ,ehre
den ,dingen verleiht1 sie ist
wertheschaffend4 ,alles1 was sie an sich
kennt1 ehrt sie3 eine solche ,moral ist
,selbstverherrlichung4 ,im
,vordergrunde steht das ,gefhl der
,flle1 der ,macht1 die berstrmen will1
das ,glck der hohen ,spannung1 das
,bewusstsein eines ,reichthums1 der
schenken und abgeben mchte3 - auch der
vornehme ,mensch hilft dem
,unglcklichen1 aber nicht oder fast
nicht aus ,mitleid1 sondern mehr aus
einem ,drang1 den der berfluss von
,macht erzeugt4 ,der vornehme ,mensch
ehrt in sich den ,mchtigen1 auch ,den1
welcher ,macht ber sich selbst hat1 der
zu reden und zu schweigen versteht1 der
mit ,lust ,strenge und ,hrte gegen sich
bt und ,ehrerbietung vor allem ,strengen
und ,hrten hat4 ,ein hartes ,herz legte
,wotan mir in die ,brust heisst es in
einer alten skandinavischen ,saga3 so
ist es aus der ,seele eines stolzen
,wikingers heraus mit ,recht gedichtet4
,eine solche ,art ,mensch ist eben stolz
darauf1 nicht zum ,mitleiden gemacht zu
sein3 weshalb der ,held der ,saga
warnend hinzufgt wer jung schon kein
hartes ,herz hat1 dem wird es niemals
hart4 ,vornehme und ,tapfere1 welche so
denken1 sind am entferntesten von jener
,moral1 welche gerade im ,mitleiden oder
im ,handeln fr ,andere oder im
dsintressement das ,abzeichen des
,moralischen sieht2 der ,glaube an sich
selbst1 der ,stolz auf sich selbst1 eine
,grundfeindschaft und ,ironie gegen
,selbstlosigkeit gehrt eben so bestimmt
zur vornehmen ,moral wie eine leichte
,geringschtzung und ,vorsicht vor den
,mitgefhlen und dem warmen ,herzen4 -
,die ,mchtigen sind es1 welche zu ehren
verstehen1 es ist ihre ,kunst1 ihr
,reich der ,erfindung4 ,die tiefe
,ehrfurcht vor dem ,alter und vor dem
,herkommen - das ganze ,recht steht auf
dieser doppelten ,ehrfurcht -1 der
,glaube und das ,vorurtheil zu ,gunsten
der ,vorfahren und zu ,ungunsten der
,kommenden ist typisch in der ,moral der
,mchtigen2 und wenn umgekehrt die
,menschen der modernen ,ideen beinahe
instinktiv an den ,fortschritt und die
,zukunft glauben und der ,achtung vor
dem ,alter immer mehr ermangeln1 so
verrth sich damit genugsam schon die
unvornehme ,herkunft dieser ,ideen4 ,am
meisten ist aber eine ,moral der
,herrschenden dem gegenwrtigen
,geschmacke fremd und peinlich in der
,strenge ihres ,grundsatzes1 dass man
nur gegen ,seinesgleichen ,pflichten
habe2 dass man gegen die ,wesen
niedrigeren ,ranges1 gegen alles ,fremde
nach ,gutdnken oder wie es das ,herz
will handeln drfe und jedenfalls
jenseits von ,gut und ,bse -3 hierhin
mag ,mitleiden und dergleichen gehren4
,die ,fhigkeit und ,pflicht zu langer
,dankbarkeit und langer ,rache - beides
nur innerhalb seines ,gleichen -1 die
,feinheit in der ,wiedervergeltung1 das
,begriffs-,raffinement in der
,freundschaft1 eine gewisse
,nothwendigkeit1 ,feinde zu haben
7gleichsam als ,abzugsgrben fr die
,affekte ,neid ,streitsucht bermuth1 -
im ,grunde1 um gut freund sein zu
knnen73 ,alles das sind typische
,merkmale der vornehmen ,moral1 welche1
wie angedeutet1 nicht die ,moral der
modernen ,ideen ist und deshalb heute
schwer nachzufhlen1 auch schwer
auszugraben und aufzudecken ist4 - ,es
steht anders mit dem zweiten ,typus der
,moral1 der ,sklaven-,moral4 ,gesetzt1
dass die ,vergewaltigten1 ,gedrckten1
,leidenden1 ,unfreien1
,ihrer-selbst-,ungewissen und ,mden
moralisiren3 was wird das ,gleichartige
ihrer moralischen ,werthschtzungen sein8
,wahrscheinlich wird ein
pessimistischer ,argwohn gegen die ganze
,lage des ,menschen zum ,ausdruck
kommen1 vielleicht eine ,verurtheilung
des ,menschen mitsammt seiner ,lage4
,der ,blick des ,sklaven ist abgnstig fr
die ,tugenden des ,mchtigen3 er hat
,skepsis und ,misstrauen1 er hat
,feinheit des ,misstrauens gegen alles
,gute1 was dort geehrt wird -1 er mchte
sich berreden1 dass das ,glck selbst
dort nicht cht sei4 ,umgekehrt werden
die ,eigenschaften hervorgezogen und mit
,licht bergossen1 welche dazu dienen1
,leidenden das ,dasein zu erleichtern3
hier kommt das ,mitleiden1 die gefllige
hlfbereite ,hand1 das warme ,herz1 die
,geduld1 der ,fleiss1 die ,demuth1 die
,freundlichkeit zu ,ehren -1 denn das
sind hier die ntzlichsten ,eigenschaften
und beinahe die einzigen ,mittel1 den
,druck des ,daseins auszuhalten4 ,die
,sklaven-,moral ist wesentlich
,ntzlichkeits-,moral4 ,hier ist der
,herd fr die ,entstehung jenes berhmten
,gegensatzes gut und bse3 - in's ,bse
wird die ,macht und ,gefhrlichkeit
hinein empfunden1 eine gewisse
,furchtbarkeit1 ,feinheit und ,strke1
welche die ,verachtung nicht aufkommen
lsst4 ,nach der ,sklaven-,moral erregt
also der ,bse ,furcht2 nach der ,herren
,moral ist es gerade der ,gute1 der
,furcht erregt und erregen will1 whrend
der schlechte ,mensch als der
verchtliche empfunden wird4 ,der
,gegensatz kommt auf seine ,spitze1 wenn
sich1 gemss der
,sklavenmoral-,consequenz1 zuletzt nun
auch an den ,guten dieser ,moral ein
,hauch von ,geringschtzung hngt - sie
mag leicht und wohlwollend sein -1 weil
der ,gute innerhalb der
,sklaven-,denkweise jedenfalls der
ungefhrliche ,mensch sein muss3 er ist
gutmthig1 leicht zu betrgen1 ein bischen
dumm vielleicht1 un bonhomme4 berall1
wo die ,sklaven-,moral zum bergewicht
kommt1 zeigt die ,sprache eine ,neigung1
die ,worte gut und dumm einander
anzunhern4 - ,ein letzter
,grundunterschied3 das ,verlangen nach
,freiheit1 der ,instinkt fr das ,glck
und die ,feinheiten des
,freiheits-,gefhls gehrt ebenso
nothwendig zur ,sklaven-,moral und
-,moralitt1 als die ,kunst und
,schwrmerei in der ,ehrfurcht1 in der
,hingebung das regelmssige ,symptom
einer aristokratischen ,denk- und
,werthungsweise ist4 - ,hieraus lsst
sich ohne ,weiteres verstehn1 warum die
,liebe als ,passion - es ist unsre
europische ,spezialitt - schlechterdings
vornehmer ,abkunft sein muss3
bekanntlich gehrt ihre ,erfindung den
provenalischen ,ritter-,dichtern zu1
jenen prachtvollen erfinderischen
,menschen des gai saber1 denen ,europa
so ,vieles und beinahe sich selbst
verdankt4 - #bfa4 ,zu den ,dingen1
welche einem vornehmen ,menschen
vielleicht am schwersten zu begreifen
sind1 gehrt die ,eitelkeit3 er wird
versucht sein1 sie noch dort zu leugnen1
wo eine andre ,art ,mensch sie mit
beiden ,hnden zu fassen meint4 ,das
,problem ist fr ihn1 sich ,wesen
vorzustellen1 die eine gute ,meinung ber
sich zu erwecken suchen1 welche sie
selbst von sich nicht haben - und also
auch nicht verdienen -1 und die doch
hinterdrein an diese gute ,meinung
selber glauben4 ,das erscheint ihm zur
,hlfte so geschmacklos und unehrerbietig
vor sich selbst1 zur andren ,hlfte so
barock-unvernnftig1 dass er die
,eitelkeit gern als ,ausnahme fassen
mchte und sie in den meisten ,fllen1 wo
man von ihr redet1 anzweifelt4 ,er wird
zum ,beispiel sagen3 ich kann mich ber
meinen ,werth irren und andererseits
doch verlangen1 dass mein ,werth gerade
so1 wie ich ihn ansetze1 auch von
,andern anerkannt werde1 - aber das ist
keine ,eitelkeit 7sondern ,dnkel oder1
in den hufigeren ,fllen1 ,das1 was
,demuth1 auch ,bescheidenheit genannt
wird74 ,oder auch3 ich kann mich aus
vielen ,grnden ber die gute ,meinung
,anderer freuen1 vielleicht weil ich sie
ehre und liebe und mich an jeder ihrer
,freuden erfreue1 vielleicht auch weil
ihre gute ,meinung den ,glauben an meine
eigne gute ,meinung bei mir
unterschreibt und krftigt1 vielleicht
weil die gute ,meinung ,anderer1 selbst
in ,fllen1 wo ich sie nicht theile1 mir
doch ntzt oder ,nutzen verspricht1 -
aber das ist ,alles nicht ,eitelkeit4
,der vornehme ,mensch muss es sich erst
mit ,zwang1 namentlich mit ,hlfe der
,historie1 vorstellig machen1 dass1 seit
unvordenklichen ,zeiten1 in allen
irgendwie abhngigen ,volksschichten der
gemeine ,mensch nur ,das war1 was er
galt3 - gar nicht daran gewhnt1 ,werthe
selbst anzusetzen1 mass er auch sich
keinen andern ,werth bei1 als seine
,herren ihm beimassen 7es ist das
eigentliche ,herrenrecht1 ,werthe zu
schaffen74 ,mag man es als die ,folge
eines ungeheuren ,atavismus begreifen1
dass der gewhnliche ,mensch auch jetzt
noch immer erst auf eine ,meinung ber
sich wartet und sich dann derselben
instinktiv unterwirft3 aber durchaus
nicht bloss einer guten ,meinung1
sondern auch einer schlechten und
unbilligen 7man denke zum ,beispiel an
den grssten ,theil der ,selbstschtzungen
und ,selbstunterschtzungen1 welche
glubige ,frauen ihren ,beichtvtern
ablernen1 und berhaupt der glubige
,christ seiner ,kirche ablernt74
,thatschlich wird nun1 gemss dem
langsamen ,heraufkommen der
demokratischen ,ordnung der ,dinge 7und
seiner ,ursache1 der ,blutvermischung
von ,herren und ,sklaven71 der
ursprnglich vornehme und seltne ,drang1
sich selbst von sich aus einen ,werth
zuzuschreiben und von sich gut zu
denken1 mehr und mehr ermuthigt und
ausgebreitet werden3 aber er hat jeder
,zeit einen lteren1 breiteren und
grndlicher einverleibten ,hang gegen
sich1 - und im ,phnomene der ,eitelkeit
wird dieser ltere ,hang ,herr ber den
jngeren4 ,der ,eitle freut sich ber jede
gute ,meinung1 die er ber sich hrt
7ganz abseits von allen ,gesichtspunkten
ihrer ,ntzlichkeit1 und ebenso abgesehn
von wahr und falsch71 ebenso wie er an
jeder schlechten ,meinung leidet3 denn
er unterwirft sich beiden1 er fhlt sich
ihnen unterworfen1 aus jenem ltesten
,instinkte der ,unterwerfung1 der an ihm
ausbricht4 - ,es ist der ,sklave im
,blute des ,eitlen1 ein ,rest von der
,verschmitztheit des ,sklaven - und wie
viel ,sklave ist zum ,beispiel jetzt
noch im ,weibe rckstndig6 welcher zu
guten ,meinungen ber sich zu verfhren
sucht2 es ist ebenfalls der ,sklave1 der
vor diesen ,meinungen nachher sofort
selbst niederfllt1 wie als ob er sie
nicht hervorgerufen htte4 - ,und
nochmals gesagt3 ,eitelkeit ist ein
,atavismus4 #bfb4 ,eine ,art
entsteht1 ein ,typus wird fest und stark
unter dem langen ,kampfe mit wesentlich
gleichen ungnstigen ,bedingungen4
,umgekehrt weiss man aus den
,erfahrungen der ,zchter1 dass ,arten1
denen eine berreichliche ,ernhrung und
berhaupt ein ,mehr von ,schutz und
,sorgfalt zu ,theil wird1 alsbald in der
strksten ,weise zur ,variation des
,typus neigen und reich an ,wundern und
,monstrositten 7auch an monstrsen
,lastern7 sind4 ,nun sehe man einmal ein
aristokratisches ,gemeinwesen1 etwa
eine alte griechische ,polis oder
,venedig1 als eine1 sei es freiwillige1
sei es unfreiwillige ,veranstaltung zum
,zweck der ,zchtung an3 es sind da
,menschen bei einander und auf sich
angewiesen1 welche ihre ,art durchsetzen
wollen1 meistens1 weil sie sich
durchsetzen mssen oder in furchtbarer
,weise ,gefahr laufen1 ausgerottet zu
werden4 ,hier fehlt jene ,gunst1 jenes
bermaass1 jener ,schutz1 unter denen die
,variation begnstigt ist2 die ,art hat
sich als ,art nthig1 als ,etwas1 das
sich gerade vermge seiner ,hrte1
,gleichfrmigkeit1 ,einfachheit der ,form
berhaupt durchsetzen und dauerhaft
machen kann1 im bestndigen ,kampfe mit
den ,nachbarn oder mit den aufstndischen
oder ,aufstand drohenden ,unterdrckten4
,die mannichfaltigste ,erfahrung lehrt
sie1 welchen ,eigenschaften vornehmlich
sie es verdankt1 dass sie1 allen ,gttern
und ,menschen zum ,trotz1 noch da ist1
dass sie noch immer obgesiegt hat3 diese
,eigenschaften nennt sie ,tugenden1
diese ,tugenden allein zchtet sie gross4
,sie thut es mit ,hrte1 ja sie will die
,hrte2 jede aristokratische ,moral ist
unduldsam1 in der ,erziehung der
,jugend1 in der ,verfgung ber die
,weiber1 in den ,ehesitten1 im
,verhltnisse von ,alt und jung1 in den
,strafgesetzen 7welche allein die
,abartenden in's ,auge fassen73 - sie
rechnet die ,unduldsamkeit selbst unter
die ,tugenden1 unter dem ,namen
,gerechtigkeit4 ,ein ,typus mit wenigen1
aber sehr starken ,zgen1 eine ,art
strenger kriegerischer
klug-schweigsamer1 geschlossener und
verschlossener ,menschen 7und als solche
vom feinsten ,gefhle fr die ,zauber und
nuances der ,societt7 wird auf diese
,weise ber den ,wechsel der
,geschlechter hinaus festgestellt2 der
bestndige ,kampf mit immer gleichen
ungnstigen ,bedingungen ist1 wie gesagt1
die ,ursache davon1 dass ein ,typus
fest und hart wird4 ,endlich aber
entsteht einmal eine ,glckslage1 die
ungeheure ,spannung lsst nach2 es giebt
vielleicht keine ,feinde mehr unter den
,nachbarn1 und die ,mittel zum ,leben1
selbst zum ,genusse des ,lebens sind
berreichlich da4 ,mit ,einem ,schlage
reisst das ,band und der ,zwang der
alten ,zucht3 sie fhlt sich nicht mehr
als nothwendig1 als ,dasein-bedingend1 -
wollte sie fortbestehn1 so knnte sie es
nur als eine ,form des ,luxus1 als
archaisirender ,geschmack4 ,die
,variation1 sei es als ,abartung 7in's
,hhere1 ,feinere1 ,seltnere71 sei es als
,entartung und ,monstrositt1 ist
pltzlich in der grssten ,flle und
,pracht auf dem ,schauplatz1 der
,einzelne wagt einzeln zu sein und sich
abzuheben4 ,an diesen ,wendepunkten der
,geschichte zeigt sich neben einander
und oft in einander verwickelt und
verstrickt ein herrliches vielfaches
urwaldhaftes ,heraufwachsen und
,emporstreben1 eine ,art tropisches
,tempo im ,wetteifer des ,wachsthums und
ein ungeheures ,zugrundegehen und
,sich-zu-,grunde-,richten1 ,dank den
wild gegeneinander gewendeten1 gleichsam
explodirenden ,egoismen1 welche um
,sonne und ,licht mit einander ringen
und keine ,grenze1 keine ,zgelung1 keine
,schonung mehr aus der bisherigen
,moral zu entnehmen wissen4 ,diese
,moral selbst war es1 welche die ,kraft
in's ,ungeheure aufgehuft1 die den
,bogen auf so bedrohliche ,weise
gespannt hat - - jetzt ist1 jetzt wird
sie berlebt4 ,der gefhrliche und
unheimliche ,punkt ist erreicht1 wo das
grssere1 vielfachere1 umfnglichere
,leben ber die alte ,moral hinweg lebt2
das ,individuum steht da1 genthigt zu
einer eigenen ,gesetzgebung1 zu eigenen
,knsten und ,listen der
,selbst-,erhaltung1 ,selbst-,erhhung1
,selbst-,erlsung4 ,lauter neue ,wozu's1
lauter neue ,womit's1 keine gemeinsamen
,formeln mehr1 ,missverstndniss und
,missachtung mit einander im ,bunde1 der
,verfall1 ,verderb und die hchsten
,begierden schauerlich verknotet1 das
,genie der ,rasse aus allen ,fllhrnern
des ,guten und ,schlimmen berquellend1
ein verhngnissvolles ,zugleich von
,frhling und ,herbst1 voll neuer ,reize
und ,schleier1 die1 der jungen1 noch
unausgeschpften1 noch unermdeten
,verderbniss zu eigen sind4 ,wieder ist
die ,gefahr da1 die ,mutter der ,moral1
die grosse ,gefahr1 dies ,mal in's
,individuum verlegt1 in den ,nchsten und
,freund1 auf die ,gasse1 in's eigne
,kind1 in's eigne ,herz1 in alles
,eigenste und ,geheimste von ,wunsch und
,wille3 was werden jetzt die
,moral-,philosophen zu predigen haben1
die um diese ,zeit heraufkommen8 ,sie
entdecken1 diese scharfen ,beobachter
und ,eckensteher1 dass es schnell zum
,ende geht1 dass ,alles um sie verdirbt
und verderben macht1 dass ,nichts bis
bermorgen steht1 ,eine ,art ,mensch
ausgenommen1 die unheilbar
,mittelmssigen4 ,die ,mittelmssigen
allein haben ,aussicht1 sich
fortzusetzen1 sich fortzupflanzen1 - sie
sind die ,menschen der ,zukunft1 die
einzig berlebenden2 seid wie sie6 werdet
mittelmssig6 heisst nunmehr die
alleinige ,moral1 die noch ,sinn hat1
die noch ,ohren findet4 - ,aber sie ist
schwer zu predigen1 diese ,moral der
,mittelmssigkeit6 - sie darf es ja
niemals eingestehn1 was sie ist und was
sie will6 sie muss von ,maass und ,wrde
und ,pflicht und ,nchstenliebe reden1 -
sie wird noth haben1 die ,ironie zu
verbergen6 - #bfc4 ,es giebt einen
,instinkt fr den ,rang1 welcher1 mehr
als ,alles1 schon das ,anzeichen eines
hohen ,ranges ist2 es giebt eine ,lust
an den ,nuancen der ,ehrfurcht1 die auf
vornehme ,abkunft und ,gewohnheiten
rathen lsst4 ,die ,feinheit1 ,gte und
,hhe einer ,seele wird gefhrlich auf die
,probe gestellt1 wenn ,etwas an ihr
vorber geht1 das ersten ,ranges ist1
aber noch nicht von den ,schaudern der
,autoritt vor zudringlichen ,griffen und
,plumpheiten gehtet wird3 ,etwas1 das1
unabgezeichnet1 unentdeckt1 versuchend1
vielleicht willkrlich verhllt und
verkleidet1 wie ein lebendiger ,prfstein
seines ,weges geht4 ,zu wessen ,aufgabe
und bung es gehrt1 ,seelen
auszuforschen1 der wird sich in
mancherlei ,formen gerade dieser ,kunst
bedienen1 um den letzten ,werth einer
,seele1 die unverrckbare eingeborne
,rangordnung1 zu der sie gehrt1
festzustellen3 er wird sie auf ihren
,instinkt der ,ehrfurcht hin auf die
,probe stellen4 ,diffrence engendre
haine3 die ,gemeinheit mancher ,natur
sprtzt pltzlich wie schmutziges ,wasser
hervor1 wenn irgend ein heiliges ,gefss1
irgend eine ,kostbarkeit aus
verschlossenen ,schreinen1 irgend ein
,buch mit den ,zeichen des grossen
,schicksals vorbergetragen wird2 und
andrerseits giebt es ein unwillkrliches
,verstummen1 ein ,zgern des ,auges1 ein
,stillewerden aller ,gebrden1 woran sich
ausspricht1 dass eine ,seele die ,nhe
des ,verehrungswrdigsten fhlt4 ,die
,art1 mit der im ,ganzen bisher die
,ehrfurcht vor der ,bibel in ,europa
aufrecht erhalten wird1 ist vielleicht
das beste ,stck ,zucht und ,verfeinerung
der ,sitte1 das ,europa dem
,christenthume verdankt3 solche ,bcher
der ,tiefe und der letzten
,bedeutsamkeit brauchen zu ihrem ,schutz
eine von ,aussen kommende ,tyrannei von
,autoritt1 um jene ,jahrtausende von
,dauer zu gewinnen1 welche nthig sind1
sie auszuschpfen und auszurathen4 ,es
ist ,viel erreicht1 wenn der grossen
,menge 7den ,flachen und
,geschwind-,drmen aller ,art7 jenes
,gefhl endlich angezchtet ist1 dass sie
nicht an ,alles rhren drfe2 dass es
heilige ,erlebnisse giebt1 vor denen sie
die ,schuhe auszuziehn und die
unsaubere ,hand fern zu halten hat1 - es
ist beinahe ihre hchste ,steigerung zur
,menschlichkeit4 ,umgekehrt wirkt an
den sogenannten ,gebildeten1 den
,glubigen der modernen ,ideen1
vielleicht ,nichts so ekelerregend1 als
ihr ,mangel an ,scham1 ihre bequeme
,frechheit des ,auges und der ,hand1 mit
der von ihnen an ,alles gerhrt1
geleckt1 getastet wird2 und es ist
mglich1 dass sich heut im ,volke1 im
niedern ,volke1 namentlich unter
,bauern1 immer noch mehr relative
,vornehmheit des ,geschmacks und ,takt
der ,ehrfurcht vorfindet1 als bei der
zeitunglesenden ,halbwelt des ,geistes1
den ,gebildeten4 #bfd4 ,es ist aus
der ,seele eines ,menschen nicht
wegzuwischen1 was seine ,vorfahren am
liebsten und bestndigsten gethan haben3
ob sie etwa emsige ,sparer waren und
,zubehr eines ,schreibtisches und
,geldkastens1 bescheiden und brgerlich
in ihren ,begierden1 bescheiden auch in
ihren ,tugenden2 oder ob sie an's
,befehlen von frh bis spt gewhnt lebten1
rauhen ,vergngungen hold und daneben
vielleicht noch rauheren ,pflichten und
,verantwortungen2 oder ob sie endlich
alte ,vorrechte der ,geburt und des
,besitzes irgendwann einmal geopfert
haben1 um ganz ihrem ,glauben - ihrem
,gotte - zu leben1 als die ,menschen
eines unerbittlichen und zarten
,gewissens1 welches vor jeder
,vermittlung errthet4 ,es ist gar nicht
mglich1 dass ein ,mensch nicht die
,eigenschaften und ,vorlieben seiner
,eltern und ,altvordern im ,leibe habe3
was auch der ,augenschein dagegen sagen
mag4 ,dies ist das ,problem der ,rasse4
,gesetzt1 man kennt ,einiges von den
,eltern1 so ist ein ,schluss auf das
,kind erlaubt3 irgend eine widrige
,unenthaltsamkeit1 irgend ein
,winkel-,neid1 eine plumpe
,sich-,rechtgeberei - wie diese ,drei
zusammen zu allen ,zeiten den
eigentlichen ,pbel-,typus ausgemacht
haben - dergleichen muss auf das ,kind
so sicher bergehn1 wie verderbtes ,blut2
und mit ,hlfe der besten ,erziehung und
,bildung wird man eben nur erreichen1
ber eine solche ,vererbung zu tuschen4 -
,und was will heute ,erziehung und
,bildung ,anderes6 ,in unsrem sehr
volksthmlichen1 will sagen pbelhaften
,zeitalter muss ,erziehung und ,bildung
wesentlich die ,kunst1 zu tuschen1 sein1
- ber die ,herkunft1 den vererbten
,pbel in ,leib und ,seele hinweg zu
tuschen4 ,ein ,erzieher1 der heute vor
,allem ,wahrhaftigkeit predigte und
seinen ,zchtlingen bestndig zuriefe seid
wahr6 seid natrlich6 gebt euch1 wie ihr
seid6 - selbst ein solcher tugendhafter
und treuherziger ,esel wrde nach
einiger ,zeit zu jener furca des ,horaz
greifen lernen1 um naturam expellere3
mit welchem ,erfolge8 ,pbel usque
recurret4 - #bfe4 ,auf die ,gefahr
hin1 unschuldige ,ohren missvergngt zu
machen1 stelle ich hin3 der ,egoismus
gehrt zum ,wesen der vornehmen ,seele1
ich meine jenen unverrckbaren ,glauben1
dass einem ,wesen1 wie wir sind1 andre
,wesen von ,natur unterthan sein mssen
und sich ihm zu opfern haben4 ,die
vornehme ,seele nimmt diesen
,thatbestand ihres ,egoismus ohne jedes
,fragezeichen hin1 auch ohne ein ,gefhl
von ,hrte ,zwang1 ,willkr darin1
vielmehr wie ,etwas1 das im ,urgesetz
der ,dinge begrndet sein mag3 - suchte
sie nach einem ,namen dafr1 so wrde sie
sagen es ist die ,gerechtigkeit selbst4
,sie gesteht sich1 unter ,umstnden1 die
sie anfangs zgern lassen1 zu1 dass es
mit ihr ,gleichberechtigte giebt2 sobald
sie ber diese ,frage des ,rangs im
,reinen ist1 bewegt sie sich unter
diesen ,gleichen und ,gleichberechtigten
mit der gleichen ,sicherheit in ,scham
und zarter ,ehrfurcht1 welche sie im
,verkehre mit sich selbst hat1 - gemss
einer eingebornen himmlischen ,mechanik1
auf welche sich alle ,sterne verstehn4
,es ist ein ,stck ihres ,egoismus mehr1
diese ,feinheit und ,selbstbeschrnkung
im ,verkehre mit ihres ,gleichen - jeder
,stern ist ein solcher ,egoist -3 sie
ehrt sich in ihnen und in den ,rechten1
welche sie an dieselben abgiebt1 sie
zweifelt nicht1 dass der ,austausch von
,ehren und ,rechten als ,wesen alles
,verkehrs ebenfalls zum naturgemssen
,zustand der ,dinge gehrt4 ,die vornehme
,seele giebt1 wie sie nimmt1 aus dem
leidenschaftlichen und reizbaren
,instinkte der ,vergeltung heraus1
welcher auf ihrem ,grunde liegt4 ,der
,begriff ,gnade hat inter pares keinen
,sinn und ,wohlgeruch2 es mag eine
sublime ,art geben1 ,geschenke von ,oben
her gleichsam ber sich ergehen zu
lassen und wie ,tropfen durstig
aufzutrinken3 aber fr diese ,kunst und
,gebrde hat die vornehme ,seele kein
,geschick4 ,ihr ,egoismus hindert sie
hier3 sie blickt ungern berhaupt nach
,oben1 - sondern entweder vor sich1
horizontal und langsam1 oder hinab3 -
sie weiss sich in der ,hhe4- #bff4
,wahrhaft hochachten kann man nur1 wer
sich nicht selbst sucht4 - ,goethe an
,rath ,schlosser4 #bfg4 ,es giebt ein
,sprchwort bei den ,chinesen1 das die
,mtter schon ihre ,kinder lehren3
siao-sin mache dein ,herz klein6 ,dies
ist der eigentliche ,grundhang in spten
,civilisationen3 ich zweifle nicht1 dass
ein antiker ,grieche auch an uns
,europern von ,heute zuerst die
,selbstverkleinerung herauserkennen
wrde1 - damit allein schon giengen wir
ihm wider den ,geschmack4 - #bfh4
,was ist zuletzt die ,gemeinheit8 -
,worte sind ,tonzeichen fr ,begriffe2
,begriffe aber sind mehr oder weniger
bestimmte ,bildzeichen fr oft
wiederkehrende und zusammen kommende
,empfindungen1 fr ,empfindungs-,gruppen4
,es gengt noch nicht1 um sich einander
zu verstehen1 dass man die selben ,worte
gebraucht3 man muss die selben ,worte
auch fr die selbe ,gattung innerer
,erlebnisse gebrauchen1 man muss zuletzt
seine ,erfahrung mit einander gemein
haben4 ,deshalb verstehen sich die
,menschen ,eines ,volkes besser unter
einander1 als ,zugehrige verschiedener
,vlker1 selbst wenn sie sich der
gleichen ,sprache bedienen2 oder
vielmehr1 wenn ,menschen lange unter
hnlichen ,bedingungen 7des ,klima's1 des
,bodens1 der ,gefahr1 der ,bedrfnisse1
der ,arbeit7 zusammen gelebt haben1 so
entsteht daraus ,etwas1 das sich
versteht1 ein ,volk4 ,in allen ,seelen
hat eine gleiche ,anzahl oft
wiederkehrender ,erlebnisse die
,oberhand gewonnen ber seltner kommende3
auf sie hin versteht man sich1 schnell
und immer schneller - die ,geschichte
der ,sprache ist die ,geschichte eines
,abkrzungs-,prozesses -2 auf dies
schnelle ,verstehen hin verbindet man
sich1 enger und immer enger4 ,je grsser
die ,gefhrlichkeit1 um so grsser ist das
,bedrfniss1 schnell und leicht ber
,das1 was noth thut1 bereinzukommen2
sich in der ,gefahr nicht
misszuverstehn1 das ist es1 was die
,menschen zum ,verkehre schlechterdings
nicht entbehren knnen4 ,noch bei jeder
,freundschaft oder ,liebschaft macht man
diese ,probe3 ,nichts derart hat
,dauer1 sobald man dahinter kommt1 dass
,einer von ,beiden bei gleichen ,worten
anders fhlt1 meint1 wittert1 wnscht1
frchtet1 als der ,andere4 7,die ,furcht
vor dem ewigen ,missverstndniss3 das ist
jener wohlwollende ,genius1 der
,personen verschiedenen ,geschlechts so
oft von bereilten ,verbindungen abhlt1
zu denen ,sinne und ,herz rathen - und
nicht irgend ein ,schopenhauerischer
,genius der ,gattung -67 ,welche
,gruppen von ,empfindungen innerhalb
einer ,seele am schnellsten wach werden1
das ,wort ergreifen1 den ,befehl geben1
das entscheidet ber die gesammte
,rangordnung ihrer ,werthe1 das bestimmt
zuletzt ihre ,gtertafel4 ,die
,werthschtzungen eines ,menschen
verrathen etwas vom ,aufbau seiner
,seele1 und worin sie ihre
,lebensbedingungen1 ihre eigentliche
,noth sieht4 ,gesetzt nun1 dass die
,noth von jeher nur solche ,menschen
einander angenhert hat1 welche mit
hnlichen ,zeichen hnliche ,bedrfnisse1
hnliche ,erlebnisse andeuten konnten1 so
ergiebt sich im ,ganzen1 dass die
leichte ,mittheilbarkeit der ,noth1 dass
heisst im letzten ,grunde das ,erleben
von nur durchschnittlichen und gemeinen
,erlebnissen1 unter allen ,gewalten1
welche ber den ,menschen bisher verfgt
haben1 die gewaltigste gewesen sein
muss4 ,die hnlicheren1 die gewhnlicheren
,menschen waren und sind immer im
,vortheile1 die ,ausgesuchteren1
,feineren1 ,seltsameren1 schwerer
,verstndlichen bleiben leicht allein1
unterliegen1 bei ihrer ,vereinzelung1
den ,unfllen und pflanzen sich selten
fort4 ,man muss ungeheure ,gegenkrfte
anrufen1 um diesen natrlichen1
allzunatrlichen progressus in simile1
die ,fortbildung des ,menschen in's
hnliche1 ,gewhnliche1
,durchschnittliche1 ,heerdenhafte - in's
,gemeine6 - zu kreuzen4 #bfi4 ,je
mehr ein ,psycholog - ein geborner1 ein
unvermeidlicher ,psycholog und
,seelen-,errather - sich den
ausgesuchteren ,fllen und ,menschen
zukehrt1 um so grsser wird seine
,gefahr1 am ,mitleiden zu ersticken3 er
hat ,hrte und ,heiterkeit nthig1 mehr
als ein andrer ,mensch4 ,die
,verderbniss1 das ,zugrundegehen der
hheren ,menschen1 der fremder gearteten
,seelen ist nmlich die ,regel3 es ist
schrecklich1 eine solche ,regel immer
vor ,augen zu haben4 ,die vielfache
,marter des ,psychologen1 der dieses
,zugrundegehen entdeckt hat1 der diese
gesammte innere ,heillosigkeit des
hheren ,menschen1 dieses ewige ,zu spt6
in jedem ,sinne1 erst einmal und dann
fast immer wieder entdeckt1 durch die
ganze ,geschichte hindurch1 - kann
vielleicht eines ,tages zur ,ursache
davon werden1 dass er mit ,erbitterung
sich gegen sein eignes ,loos wendet und
einen ,versuch der ,selbst-,zerstrung
macht1 - dass er selbst verdirbt4 ,man
wird fast bei jedem ,psychologen eine
verrtherische ,vorneigung und ,lust am
,umgange mit alltglichen und
wohlgeordneten ,menschen wahrnehmen3
daran verrth sich1 dass er immer einer
,heilung bedarf1 dass er eine ,art
,flucht und ,vergessen braucht1 weg von
dem1 was ihm seine ,einblicke und
,einschnitte1 was ihm sein ,handwerk
auf's ,gewissen gelegt hat4 ,die ,furcht
vor seinem ,gedchtniss ist ihm eigen4
,er kommt vor dem ,urtheile ,anderer
leicht zum ,verstummen3 er hrt mit einem
unbewegten ,gesichte zu1 wie dort
verehrt1 bewundert1 geliebt1 verklrt
wird1 wo er gesehen hat1 - oder er
verbirgt noch sein ,verstummen1 indem er
irgend einer ,vordergrunds-,meinung
ausdrcklich zustimmt4 ,vielleicht geht
die ,paradoxie seiner ,lage so weit in's
,schauerliche1 dass die ,menge1 die
,gebildeten1 die ,schwrmer gerade dort1
wo er das grosse ,mitleiden neben der
grossen ,verachtung gelernt hat1
ihrerseits die grosse ,verehrung lernen1
- die ,verehrung fr grosse ,mnner und
,wunderthiere1 um derentwillen man das
,vaterland1 die ,erde1 die ,wrde der
,menschheit1 sich selber segnet und in
,ehren hlt1 auf welche man die ,jugend
hinweist1 hinerzieht4444 ,und wer weiss1
ob sich nicht bisher in allen grossen
,fllen eben das ,gleiche begab3 dass die
,menge einen ,gott anbetete1 - und dass
der ,gott nur ein armes ,opferthier
war6 ,der ,erfolg war immer der grsste
,lgner1 und das ,werk selbst ist ein
,erfolg2 der grosse ,staatsmann1 der
,eroberer1 der ,entdecker ist in seine
,schpfungen verkleidet1 bis in's
,unerkennbare2 das ,werk1 das des
,knstlers1 des ,philosophen1 erfindet
erst ,den1 welcher es geschaffen hat1
geschaffen haben soll2 die grossen
,mnner1 wie sie verehrt werden1 sind
kleine schlechte ,dichtungen
hinterdrein2 in der ,welt der
geschichtlichen ,werthe herrscht die
,falschmnzerei4 ,diese grossen ,dichter
zum ,beispiel1 diese ,byron1 ,musset1
,poe1 ,leopardi1 ,kleist1 ,gogol1 - so
wie sie nun einmal sind1 vielleicht sein
mssen3 ,menschen der ,augenblicke1
begeistert1 sinnlich1 kindskpfisch1 im
,misstrauen und ,vertrauen leichtfertig
und pltzlich2 mit ,seelen1 an denen
gewhnlich irgend ein ,bruch verhehlt
werden soll2 oft mit ihren ,werken
,rache nehmend fr eine innere
,besudelung1 oft mit ihren ,aufflgen
,vergessenheit suchend vor einem
allzutreuen ,gedchtniss1 oft in den
,schlamm verirrt und beinahe verliebt1
bis sie den ,irrlichtern um die ,smpfe
herum gleich werden und sich zu ,sternen
verstellen - das ,volk nennt sie dann
wohl ,idealisten -1 oft mit einem langen
,ekel kmpfend1 mit einem
wiederkehrenden ,gespenst von
,unglauben1 der kalt macht und sie
zwingt1 nach gloria zu schmachten und
den ,glauben an sich aus den ,hnden
berauschter ,schmeichler zu fressen3 -
welche ,marter sind diese grossen
,knstler und berhaupt die hheren
,menschen fr ,den1 der sie einmal
errathen hat6 ,es ist so begreiflich1
dass sie gerade vom ,weibe - welches
hellseherisch ist in der ,welt des
,leidens und leider auch weit ber seine
,krfte hinaus hlf- und rettungsschtig -
so leicht jene ,ausbrche unbegrenzten
hingebendsten ,mitleids erfahren1 welche
die ,menge1 vor ,allem die verehrende
,menge1 nicht versteht und mit
neugierigen und selbstgeflligen
,deutungen berhuft4 ,dieses ,mitleiden
tuscht sich regelmssig ber seine ,kraft2
das ,weib mchte glauben1 dass ,liebe
,alles vermag1 - es ist sein
eigentlicher ,glaube4 ,ach1 der
,wissende des ,herzens errth1 wie arm1
dumm1 hlflos1 anmaaslich1 fehlgreifend1
leichter zerstrend als rettend auch die
beste tiefste ,liebe ist6 - ,es ist
mglich1 dass unter der heiligen ,fabel
und ,verkleidung von ,jesu ,leben einer
der schmerzlichsten ,flle vom ,martyrium
des ,wissens um die ,liebe verborgen
liegt3 das ,martyrium des unschuldigsten
und begehrendsten ,herzens1 das an
keiner ,menschen-,liebe je genug hatte1
das ,liebe1 ,geliebt-werden und ,nichts
ausserdem verlangte1 mit ,hrte1 mit
,wahnsinn1 mit furchtbaren ,ausbrchen
gegen ,die1 welche ihm ,liebe
verweigerten2 die ,geschichte eines
armen ,ungesttigten und ,unersttlichen
in der ,liebe1 der die ,hlle erfinden
musste1 um ,die dorthin zu schicken1
welche ihn nicht lieben wollten1 - und
der endlich1 wissend geworden ber
menschliche ,liebe1 einen ,gott erfinden
musste1 der ganz ,liebe1 ganz ,lieben-
knnen ist1 - der sich der
,menschen-,liebe erbarmt1 weil sie gar
so armselig1 so unwissend ist6 ,wer so
fhlt1 wer dergestalt um die ,liebe weiss
-1 sucht den ,tod4 - ,aber warum
solchen schmerzlichen ,dingen nachhngen8
,gesetzt1 dass man es nicht muss4 -
#bgj4 ,der geistige ,hochmuth und ,ekel
jedes ,menschen1 der tief gelitten hat
- es bestimmt beinahe die ,rangordnung1
wie tief ,menschen leiden knnen -1 seine
schaudernde ,gewissheit1 von der er
ganz durchtrnkt und gefrbt ist1 vermge
seines ,leidens mehr zu wissen1 als die
,klgsten und ,weisesten wissen knnen1 in
vielen fernen entsetzlichen ,welten
bekannt und einmal zu ,hause gewesen zu
sein1 von denen ihr nichts wisst64444444
dieser geistige schweigende ,hochmuth
des ,leidenden1 dieser ,stolz des
,auserwhlten der ,erkenntniss1 des
,eingeweihten1 des beinahe ,geopferten
findet alle ,formen von ,verkleidung
nthig1 um sich vor der ,berhrung mit
zudringlichen und mitleidigen ,hnden und
berhaupt vor ,allem1 was nicht
,seinesgleichen im ,schmerz ist1 zu
schtzen4 ,das tiefe ,leiden macht
vornehm2 es trennt4 ,eine der feinsten
,verkleidungs-,formen ist der
,epicureismus und eine gewisse frderhin
zur ,schau getragene ,tapferkeit des
,geschmacks1 welche das ,leiden
leichtfertig nimmt und sich gegen alles
,traurige und ,tiefe zur ,wehre setzt4
,es giebt heitere ,menschen1 welche sich
der ,heiterkeit bedienen1 weil sie um
ihretwillen missverstanden werden3 - sie
wollen missverstanden sein4 ,es giebt
wissenschaftliche ,menschen1 welche sich
der ,wissenschaft bedienen1 weil
dieselbe einen heiteren ,anschein giebt1
und weil ,wissenschaftlichkeit darauf
schliessen lsst1 dass der ,mensch
oberflchlich ist3 - sie wollen zu einem
falschen ,schlusse verfhren4 ,es giebt
freie freche ,geister1 welche verbergen
und verleugnen mchten1 dass sie
zerbrochene stolze unheilbare ,herzen
sind2 und bisweilen ist die ,narrheit
selbst die ,maske fr ein unseliges
allzugewisses ,wissen4 - ,woraus sich
ergiebt1 dass es zur feineren
,menschlichkeit gehrt1 ,ehrfurcht vor
der ,maske zu haben und nicht an
falscher ,stelle ,psychologie und
,neugierde zu treiben4 #bga4 ,was am
tiefsten zwei ,menschen trennt1 das ist
ein verschiedener ,sinn und ,grad der
,reinlichkeit4 ,was hilft alle ,bravheit
und gegenseitige ,ntzlichkeit1 was
hilft aller guter ,wille fr einander3
zuletzt bleibt es dabei - sie knnen sich
nicht riechen6 ,der hchste ,instinkt
der ,reinlichkeit stellt den mit ihm
,behafteten in die wunderlichste und
gefhrlichste ,vereinsamung1 als einen
,heiligen3 denn eben das ist ,heiligkeit
- die hchste ,vergeistigung des
genannten ,instinktes4 ,irgend ein
,mitwissen um eine unbeschreibliche
,flle im ,glck des ,bades1 irgend eine
,brunst und ,durstigkeit1 welche die
,seele bestndig aus der ,nacht in den
,morgen und aus dem ,trben1 der ,trbsal1
in's ,helle1 ,glnzende1 ,tiefe1 ,feine
treibt -3 eben so sehr als ein solcher
,hang auszeichnet - es ist ein vornehmer
,hang -1 trennt er auch4 - ,das
,mitleiden des ,heiligen ist das
,mitleiden mit dem ,schmutz des
,menschlichen1 ,allzumenschlichen4 ,und
es giebt ,grade und ,hhen1 wo das
,mitleiden selbst von ihm als
,verunreinigung1 als ,schmutz gefhlt
wird44444 #bgb4 ,zeichen der
,vornehmheit3 nie daran denken1 unsre
,pflichten zu ,pflichten fr ,jedermann
herabzusetzen2 die eigne
,verantwortlichkeit nicht abgeben
wollen1 nicht theilen wollen2 seine
,vorrechte und deren ,ausbung unter
seine ,pflichten rechnen4 #bgc4 ,ein
,mensch1 der nach ,grossem strebt1
betrachtet ,jedermann1 dem er auf seiner
,bahn begegnet1 entweder als ,mittel
oder als ,verzgerung und ,hemmniss -
oder als zeitweiliges ,ruhebett4 ,seine
ihm eigenthmliche hochgeartete ,gte
gegen ,mitmenschen ist erst mglich1 wenn
er auf seiner ,hhe ist und herrscht4
,die ,ungeduld und sein ,bewusstsein1
bis dahin immer zur ,komdie verurtheilt
zu sein - denn selbst der ,krieg ist
eine ,komdie und verbirgt1 wie jedes
,mittel den ,zweck verbirgt -1 verdirbt
ihm jeden ,umgang3 diese ,art ,mensch
kennt die ,einsamkeit und was sie vom
,giftigsten an sich hat4 #bgd4 ,das
,problem der ,wartenden4 - ,es sind
,glcksflle dazu nthig und vielerlei
,unberechenbares1 dass ein hherer
,mensch1 in dem die ,lsung eines
,problems schlft1 noch zur rechten ,zeit
zum ,handeln kommt - zum ,ausbruch1 wie
man sagen knnte4 ,es geschieht
durchschnittlich nicht1 und in allen
,winkeln der ,erde sitzen ,wartende1 die
es kaum wissen1 in wiefern sie warten1
noch weniger aber1 dass sie umsonst
warten4 ,mitunter auch kommt der
,weckruf zu spt1 jener ,zufall1 der die
,erlaubniss zum ,handeln giebt1 - dann1
wenn bereits die beste ,jugend und
,kraft zum ,handeln durch ,stillsitzen
verbraucht ist2 und wie ,mancher fand1
eben als er aufsprang1 mit ,schrecken
seine ,glieder eingeschlafen und seinen
,geist schon zu schwer6 ,es ist zu spt -
sagte er sich1 unglubig ber sich
geworden und nunmehr fr immer unntz4 -
,sollte1 im ,reiche des ,genie's1 der
,raffael ohne ,hnde1 das ,wort im
weitesten ,sinn verstanden1 vielleicht
nicht die ,ausnahme1 sondern die ,regel
sein8 - ,das ,genie ist vielleicht gar
nicht so selten3 aber die fnfhundert
,hnde1 die es nthig hat1 um den kairs1
die rechte ,zeit - zu tyrannisiren1 um
den ,zufall am ,schopf zu fassen6
#bge4 ,wer das ,hohe eines ,menschen
nicht sehen will1 blickt um so schrfer
nach dem1 was niedrig und ,vordergrund
an ihm ist - und verrth sich selbst
damit4 #bgf4 ,bei aller ,art von
,verletzung und ,verlust ist die niedere
und grbere ,seele besser daran1 als die
vornehmere3 die ,gefahren der letzteren
mssen grsser sein1 ihre
,wahrscheinlichkeit1 dass sie verunglckt
und zu ,grunde geht1 ist sogar1 bei der
,vielfachheit ihrer ,lebensbedingungen1
ungeheuer4 - ,bei einer ,eidechse wchst
ein ,finger nach1 der ihr verloren
gieng3 nicht so beim ,menschen4 -
#bgg4 - ,schlimm genug6 ,wieder die
alte ,geschichte6 ,wenn man sich sein
,haus fertig gebaut hat1 merkt man1
unversehens ,etwas dabei gelernt zu
haben1 das man schlechterdings htte
wissen mssen1 bevor man zu bauen -
anfieng4 ,das ewige leidige ,zu spt6 -
,die ,melancholie alles ,fertigen644444
#bgh4 - ,wanderer1 wer bist du8 ,ich
sehe dich deines ,weges gehn1 ohne
,hohn1 ohne ,liebe1 mit unerrathbaren
,augen2 feucht und traurig wie ein
,senkblei1 das ungesttigt aus jeder
,tiefe wieder an's ,licht gekommen - was
suchte es da unten8 -1 mit einer
,brust1 die nicht seufzt1 mit einer
,lippe1 die ihren ,ekel verbirgt1 mit
einer ,hand1 die nur noch langsam
greift3 wer bist du8 was thatest du8
,ruhe dich hier aus3 diese ,stelle ist
gastfreundlich fr ,jedermann1 - erhole
dich6 ,und wer du auch sein magst3 was
gefllt dir jetzt8 ,was dient dir zur
,erholung8 ,nenne es nur3 was ich habe1
biete ich dir an6 - ,zur ,erholung8 ,zur
,erholung8 ,oh du ,neugieriger1 was
sprichst du da6 ,aber gieb mir1 ich
bitte - - ,was8 ,was8 sprich es aus6 -
,eine ,maske mehr6 ,eine zweite
,maske644444 #bgi4 ,die ,menschen der
tiefen ,traurigkeit verrathen sich1
wenn sie glcklich sind3 sie haben eine
,art1 das ,glck zu fassen1 wie als ob
sie es erdrcken und ersticken mchten1
aus ,eifersucht1 - ach1 sie wissen zu
gut1 dass es ihnen davonluft6 #bhj4
,schlimm6 ,schlimm6 ,wie8 geht er nicht
- zurck8 - ,ja6 ,aber ihr versteht ihn
schlecht1 wenn ihr darber klagt4 ,er
geht zurck1 wie jeder1 der einen grossen
,sprung thun will4 - - #bha4 - ,wird
man es mir glauben8 aber ich verlange1
dass man mir es glaubt3 ich habe immer
nur schlecht an mich1 ber mich gedacht1
nur in ganz seltnen ,fllen1 nur
gezwungen1 immer ohne ,lust zur ,sache1
bereit1 von ,mir abzuschweifen1 immer
ohne ,glauben an das ,ergebniss1 ,dank
einem unbezwinglichen ,misstrauen gegen
die ,mglichkeit der
,selbst-,erkenntniss1 das mich so weit
gefhrt hat1 selbst am ,begriff
unmittelbare ,erkenntniss1 welchen sich
die ,theoretiker erlauben1 eine
contradictio in adjecto zu empfinden3 -
diese ganze ,thatsache ist beinahe das
,sicherste1 was ich ber mich weiss4 ,es
muss eine ,art ,widerwillen in mir
geben1 etwas ,bestimmtes ber mich zu
glauben4 - ,steckt darin vielleicht ein
,rthsel8 ,wahrscheinlich2 aber
glcklicherweise keins fr meine eigenen
,zhne4 - ,vielleicht verrth es die
species1 zu der ich gehre8 - ,aber nicht
mir3 wie es mir selbst erwnscht genug
ist4 #bhb4 ,aber was ist dir
begegnet8 - ,ich weiss es nicht1 sagte
er zgernd2 vielleicht sind mir die
,harpyien ber den ,tisch geflogen4 - ,es
kommt heute bisweilen vor1 dass ein
milder mssiger zurckhaltender ,mensch
pltzlich rasend wird1 die ,teller
zerschlgt1 den ,tisch umwirft1 schreit1
tobt1 alle ,welt beleidigt - und endlich
bei ,seite geht1 beschmt1 wthend ber
sich1 - wohin8 wozu8 ,um abseits zu
verhungern8 ,um an seiner ,erinnerung zu
ersticken8 - ,wer die ,begierden einer
hohen whlerischen ,seele hat und nur
selten seinen ,tisch gedeckt1 seine
,nahrung bereit findet1 dessen ,gefahr
wird zu allen ,zeiten gross sein3 heute
aber ist sie ausserordentlich4 ,in ein
lrmendes und pbelhaftes ,zeitalter
hineingeworfen1 mit dem er nicht aus
,einer ,schssel essen mag1 kann er
leicht vor ,hunger und ,durst1 oder1
falls er endlich dennoch zugreift - vor
pltzlichem ,ekel zu ,grunde gehn4 - ,wir
haben wahrscheinlich ,alle schon an
,tischen gesessen1 wo wir nicht
hingehrten2 und gerade die ,geistigsten
von uns1 die am schwersten zu ernhren
sind1 kennen jene gefhrliche dyspepsia1
welche aus einer pltzlichen ,einsicht
und ,enttuschung ber unsre ,kost und
,tischnachbarschaft entsteht1 - den
,nachtisch-,ekel4 #bhc4 ,es ist eine
feine und zugleich vornehme
,selbstbeherrschung1 gesetzt1 dass man
berhaupt loben will1 immer nur da zu
loben1 wo man nicht bereinstimmt3 - im
andern ,falle wrde man ja sich selbst
loben1 was wider den guten ,geschmack
geht - freilich eine
,selbstbeherrschung1 die einen artigen
,anlass und ,anstoss bietet1 um bestndig
missverstanden zu werden4 ,man muss1 um
sich diesen wirklichen ,luxus von
,geschmack und ,moralitt gestatten zu
drfen1 nicht unter ,tlpeln des ,geistes
leben1 vielmehr unter ,menschen1 bei
denen ,missverstndnisse und ,fehlgriffe
noch durch ihre ,feinheit belustigen1 -
oder man wird es theuer bssen mssen6 -
,er lobt mich3 also giebt er mir ,recht
- diese ,eselei von ,schlussfolgerung
verdirbt uns ,einsiedlern das halbe
,leben1 denn es bringt die ,esel in
unsre ,nachbarschaft und ,freundschaft4
#bhd4 ,mit einer ungeheuren und stolzen
,gelassenheit leben2 immer jenseits -4
,seine ,affekte1 sein ,fr und ,wider
willkrlich haben und nicht haben1 sich
auf sie herablassen1 fr ,stunden2 sich
auf sie setzen1 wie auf ,pferde1 oft wie
auf ,esel3 - man muss nmlich ihre
,dummheit so gut wie ihr ,feuer zu ntzen
wissen4 ,seine dreihundert ,vordergrnde
sich bewahren2 auch die schwarze
,brille3 denn es giebt ,flle1 wo uns
,niemand in die ,augen1 noch weniger in
unsre ,grnde sehn darf4 ,und jenes
spitzbbische und heitre ,laster sich zur
,gesellschaft whlen1 die ,hflichkeit4
,und ,herr seiner vier ,tugenden
bleiben1 des ,muthes1 der ,einsicht1 des
,mitgefhls1 der ,einsamkeit4 ,denn die
,einsamkeit ist bei uns eine ,tugend1
als ein sublimer ,hang und ,drang der
,reinlichkeit1 welcher errth1 wie es bei
,berhrung von ,mensch und ,mensch - in
,gesellschaft - unvermeidlich-unreinlich
zugehn muss4 ,jede ,gemeinschaft macht1
irgendwie1 irgendwo1 irgendwann -
gemein4 #bhe4 ,die grssten
,ereignisse und ,gedanken - aber die
grssten ,gedanken sind die grssten
,ereignisse - werden am sptesten
begriffen3 die ,geschlechter1 welche mit
ihnen gleichzeitig sind1 erleben solche
,ereignisse nicht1 - sie leben daran
vorbei4 ,es geschieht da ,etwas1 wie im
,reich der ,sterne4 ,das ,licht der
fernsten ,sterne kommt am sptesten zu
den ,menschen2 und bevor es nicht
angekommen ist1 leugnet der ,mensch1
dass es dort - ,sterne giebt4 ,wie viel
,jahrhunderte braucht ein ,geist1 um
begriffen zu werden8 - das ist auch ein
,maassstab1 damit schafft man auch eine
,rangordnung und ,etiquette1 wie sie
noth thut3 fr ,geist und ,stern4 -
#bhf4 ,hier ist die ,aussicht frei1 der
,geist erhoben4 - ,es giebt aber eine
umgekehrte ,art von ,menschen1 welche
auch auf der ,hhe ist und auch die
,aussicht frei hat - aber hinab blickt4
#bhg4 - ,was ist vornehm8 ,was bedeutet
uns heute noch das ,wort vornehm8
,woran verrth sich1 woran erkennt man1
unter diesem schweren verhngten ,himmel
der beginnenden ,pbelherrschaft1 durch
den ,alles undurchsichtig und bleiern
wird1 den vornehmen ,menschen8 - ,es
sind nicht die ,handlungen1 die ihn
beweisen1 - ,handlungen sind immer
vieldeutig1 immer unergrndlich -2 es
sind auch die ,werke nicht4 ,man findet
heute unter ,knstlern und ,gelehrten
genug von ,solchen1 welche durch ihre
,werke verrathen1 wie eine tiefe
,begierde nach dem ,vornehmen hin sie
treibt3 aber gerade dies ,bedrfniss nach
dem ,vornehmen ist von ,grund aus
verschieden von den ,bedrfnissen der
vornehmen ,seele selbst1 und geradezu
das beredte und gefhrliche ,merkmal
ihres ,mangels4 ,es sind nicht die
,werke1 es ist der ,glaube1 der hier
entscheidet1 der hier die ,rangordnung
feststellt1 um eine alte religise
,formel in einem neuen und tieferen
,verstande wieder aufzunehmen3 irgend
eine ,grundgewissheit1 welche eine
vornehme ,seele ber sich selbst hat1
,etwas1 das sich nicht suchen1 nicht
finden und vielleicht auch nicht
verlieren lsst4- ,die vornehme ,seele
hat ,ehrfurcht vor sich4- #bhh4 ,es
giebt ,menschen1 welche auf eine
unvermeidliche ,weise ,geist haben1 sie
mgen sich drehen und wenden1 wie sie
wollen1 und die ,hnde vor die
verrtherischen ,augen halten 7- als ob
die ,hand kein ,verrther wre6 -73
schliesslich kommt es immer heraus1 dass
sie ,etwas haben1 das sie verbergen1
nmlich ,geist4 ,eins der feinsten
,mittel1 um wenigstens so lange als
mglich zu tuschen und sich mit ,erfolg
dmmer zu stellen als man ist - was im
gemeinen ,leben oft so wnschenswerth ist
wie ein ,regenschirm -1 heisst
,begeisterung3 hinzugerechnet1 was hinzu
gehrt1 zum ,beispiel ,tugend4 ,denn1
wie ,galiani sagt1 der es wissen musste
-3 vertu est enthousiasme4 #bhi4 ,man
hrt den ,schriften eines ,einsiedlers
immer auch ,etwas von dem ,wiederhall
der de1 ,etwas von dem ,flstertone und
dem scheuen ,umsichblicken der
,einsamkeit an2 aus seinen strksten
,worten1 aus seinem ,schrei selbst
klingt noch eine neue und gefhrlichere
,art des ,schweigens1 ,verschweigens
heraus4 ,wer ,jahraus1 ,jahrein und
,tags und ,nachts allein mit seiner
,seele im vertraulichen ,zwiste und
,zwiegesprche zusammengesessen hat1 wer
in seiner ,hhle - sie kann ein
,labyrinth1 aber auch ein ,goldschacht
sein - zum ,hhlenbr oder ,schatzgrber
oder ,schatzwchter und ,drachen wurde3
dessen ,begriffe selber erhalten zuletzt
eine eigne ,zwielicht-,farbe1 einen
,geruch ebenso sehr der ,tiefe als des
,moders1 etwas ,unmittheilsames und
,widerwilliges1 das jeden
,vorbergehenden kalt anblst4 ,der
,einsiedler glaubt nicht daran1 dass
jemals ein ,philosoph - gesetzt1 dass
ein ,philosoph immer vorerst ein
,einsiedler war - seine eigentlichen und
letzten ,meinungen in ,bchern
ausgedrckt habe3 schreibt man nicht
gerade ,bcher1 um zu verbergen1 was man
bei sich birgt8 - ja er wird zweifeln1
ob ein ,philosoph letzte und eigentliche
,meinungen berhaupt haben knne1 ob bei
ihm nicht hinter jeder ,hhle noch eine
tiefere ,hhle liege1 liegen msse - eine
umfnglichere fremdere reichere ,welt ber
einer ,oberflche1 ein ,abgrund hinter
jedem ,grunde1 unter jeder ,begrndung4
,jede ,philosophie ist eine
,vordergrunds-,philosophie - das ist ein
,einsiedler-,urtheil3 es ist etwas
,willkrliches daran1 dass er hier stehen
blieb1 zurckblickte1 sich umblickte1
dass er hier nicht mehr tiefer grub und
den ,spaten weglegte1 - es ist auch
etwas ,misstrauisches daran4 ,jede
,philosophie verbirgt auch eine
,philosophie2 jede ,meinung ist auch ein
,versteck1 jedes ,wort auch eine
,maske4 #bij4 ,jeder tiefe ,denker
frchtet mehr das ,verstanden-werden1 als
das ,missverstanden-werden4 ,am
,letzteren leidet vielleicht seine
,eitelkeit2 am ,ersteren aber sein
,herz1 sein ,mitgefhl1 welches immer
spricht3 ach1 warum wollt ihres auch so
schwer haben1 wie ich8 #bia4 ,der
,mensch1 ein vielfaches1 verlogenes1
knstliches und undurchsichtiges ,thier1
den andern ,thieren weniger durch ,kraft
als durch ,list und ,klugheit
unheimlich1 hat das gute ,gewissen
erfunden1 um seine ,seele einmal als
einfach zu geniessen2 und die ganze
,moral ist eine beherzte lange
,flschung1 vermge deren berhaupt ein
,genuss im ,anblick der ,seele mglich
wird4 ,unter diesem ,gesichtspunkte
gehrt vielleicht viel ,mehr in den
,begriff ,kunst hinein1 als man
gemeinhin glaubt4 #bib4 ,ein
,philosoph3 das ist ein ,mensch1 der
bestndig ausserordentliche ,dinge
erlebt1 sieht1 hrt1 argwhnt1 hofft1
trumt2 der von seinen eignen ,gedanken
wie von ,aussen her1 wie von ,oben und
,unten her1 als von seiner ,art
,ereignissen und ,blitzschlgen getroffen
wird2 der selbst vielleicht ein
,gewitter ist1 welches mit neuen
,blitzen schwanger geht2 ein
verhngnissvoller ,mensch1 um den herum
es immer grollt und brummt und klafft
und unheimlich zugeht4 ,ein ,philosoph3
ach1 ein ,wesen1 das oft von sich davon
luft1 oft vor sich ,furcht hat1 - aber
zu neugierig ist1 um nicht immer wieder
zu sich zu kommen444444 #bic4 ,ein
,mann1 der sagt3 das gefllt mir1 das
nehme ich zu eigen und will es schtzen
und gegen ,jedermann vertheidigen2 ein
,mann1 der eine ,sache fhren1 einen
,entschluss durchfhren1 einem ,gedanken
,treue wahren1 ein ,weib festhalten1
einen ,verwegenen strafen und
niederwerfen kann2 ein ,mann1 der seinen
,zorn und sein ,schwert hat1 und dem
die ,schwachen1 ,leidenden1 ,bedrngten1
auch die ,thiere gern zufallen und von
,natur zugehren1 kurz ein ,mann1 der von
,natur ,herr ist1 - wenn ein solcher
,mann ,mitleiden hat1 nun6 dies
,mitleiden hat ,werth6 ,aber was liegt
am ,mitleiden ,derer1 welche leiden6
,oder ,derer1 welche gar ,mitleiden
predigen6 ,es giebt heute fast berall in
,europa eine krankhafte
,empfindlichkeit und ,reizbarkeit fr
,schmerz1 insgleichen eine widrige
,unenthaltsamkeit in der ,klage1 eine
,verzrtlichung1 welche sich mit
,religion und philosophischem
,krimskrams zu etwas ,hherem aufputzen
mchte1 - es giebt einen frmlichen
,cultus des ,leidens4 ,die
,unmnnlichkeit dessen1 was in solchen
,schwrmerkreisen ,mitleid getauft wird1
springt1 wie ich meine1 immer zuerst in
die ,augen4 - ,man muss diese neueste
,art des schlechten ,geschmacks krftig
und grndlich in den ,bann thun2 und ich
wnsche endlich1 dass man das gute
,amulet gai saber sich dagegen um ,herz
und ,hals lege1 - frhliche
,wissenschaft1 um es den ,deutschen zu
verdeutlichen4 #bid4 ,das olympische
,laster4 - ,jenem ,philosophen zum
,trotz1 der als chter ,englnder dem
,lachen bei allen denkenden ,kpfen eine
ble ,nachrede zu schaffen suchte - das
,lachen ist ein arges ,gebreste der
menschlichen ,natur1 welches jeder
denkende ,kopf zu berwinden bestrebt
sein wird 7,hobbes7 -1 wrde ich mir
sogar eine ,rangordnung der ,philosophen
erlauben1 je nach dem ,range ihres
,lachens - bis hinauf zu denen1 die des
goldnen ,gelchters fhig sind4 ,und
gesetzt1 dass auch ,gtter philosophiren1
wozu mich mancher ,schluss schon
gedrngt hat -1 so zweifle ich nicht1
dass sie dabei auch auf eine
bermenschliche und neue ,weise zu lachen
wissen - und auf ,unkosten aller
ernsten ,dinge6 ,gtter sind spottlustig3
es scheint1 sie knnen selbst bei
heiligen ,handlungen das ,lachen nicht
lassen4 #bie4 ,das ,genie des
,herzens1 wie es jener grosse
,verborgene hat1 der ,versucher-,gott
und geborene ,rattenfnger der ,gewissen1
dessen ,stimme bis in die ,unterwelt
jeder ,seele hinabzusteigen weiss1
welcher nicht ein ,wort sagt1 nicht
einen ,blick blickt1 in dem nicht eine
,rcksicht und ,falte der ,lockung lge1
zu dessen ,meisterschaft es gehrt1 dass
er zu scheinen versteht - und nicht
,das1 was er ist1 sondern was ,denen1
die ihm folgen1 ein ,zwang mehr ist1 um
sich immer nher an ihn zu drngen1 um ihm
immer innerlicher und grndlicher zu
folgen3 - das ,genie des ,herzens1 das
alles ,laute und ,selbstgefllige
verstummen macht und horchen lehrt1 das
die rauhen ,seelen glttet und ihnen ein
neues ,verlangen zu kosten giebt1 -
still zu liegen wie ein ,spiegel1 dass
sich der tiefe ,himmel auf ihnen
spiegele -2 das ,genie des ,herzens1 das
die tlpische und berrasche ,hand zgern
und zierlicher greifen lehrt2 das den
verborgenen und vergessenen ,schatz1 den
,tropfen ,gte und ssser ,geistigkeit
unter trbem dickem ,eise errth und eine
,wnschelruthe fr jedes ,korn ,goldes
ist1 welches lange im ,kerker vielen
,schlamms und ,sandes begraben lag2 das
,genie des ,herzens1 von dessen
,berhrung jeder reicher fortgeht1 nicht
begnadet und berrascht1 nicht wie von
fremdem ,gute beglckt und bedrckt1
sondern reicher an sich selber1 sich
neuer als zuvor1 aufgebrochen1 von einem
,thauwinde angeweht und ausgehorcht1
unsicherer vielleicht1 zrtlicher
zerbrechlicher zerbrochener1 aber voll
,hoffnungen1 die noch keinen ,namen
haben1 voll neuen ,willens und ,strmens1
voll neuen ,unwillens und
,zurckstrmens444444 aber was thue ich1
meine ,freunde8 ,von wem rede ich zu
euch8 ,vergass ich mich soweit1 dass ich
euch nicht einmal seinen ,namen nannte8
es sei denn1 dass ihr nicht schon von
selbst erriethet1 wer dieser fragwrdige
,geist und ,gott ist1 der in solcher
,weise gelobt sein will4 ,wie es nmlich
einem jeden ergeht1 der von
,kindesbeinen an immer unterwegs und in
der ,fremde war1 so sind auch mir manche
seltsame und nicht ungefhrliche
,geister ber den ,weg gelaufen1 vor
,allem aber der1 von dem ich eben
sprach1 und dieser immer wieder1 kein
,geringerer nmlich1 als der ,gott
,dionysos1 jener grosse ,zweideutige und
,versucher ,gott1 dem ich einstmals1
wie ihr wisst1 in aller ,heimlichkeit
und ,ehrfurcht meine ,erstlinge
dargebracht habe - als der ,letzte1 wie
mir scheint1 der ihm ein ,opfer
dargebracht hat3 denn ich fand ,keinen1
der es verstanden htte1 was ich damals
that4 ,inzwischen lernte ich ,vieles1
,allzuvieles ber die ,philosophie dieses
,gottes hinzu1 und1 wie gesagt1 von
,mund zu ,mund1 - ich1 der letzte jnger
und ,eingeweihte des ,gottes ,dionysos3
und ich drfte wohl endlich einmal damit
anfangen1 euch1 meinen ,freunden1 ein
,wenig1 so weit es mir erlaubt ist1 von
dieser ,philosophie zu kosten zu geben8
,mit halber ,stimme1 wie billig3 denn es
handelt sich dabei um mancherlei
,heimliches1 ,neues1 ,fremdes1
,wunderliches1 ,unheimliches4 ,schon
dass ,dionysos ein ,philosoph ist1 und
dass also auch ,gtter philosophiren1
scheint mir eine ,neuigkeit1 welche
nicht unverfnglich ist und die
vielleicht gerade unter ,philosophen
,misstrauen erregen mchte1 - unter euch1
meine ,freunde1 hat sie schon weniger
gegen sich1 es sei denn1 dass sie zu spt
und nicht zur rechten ,stunde kommt3
denn ihr glaubt heute ungern1 wie man
mir verrathen hat1 an ,gott und ,gtter4
,vielleicht auch1 dass ich in der
,freimthigkeit meiner ,erzhlung weiter
gehn muss1 als den strengen
,gewohnheiten eurer ,ohren immer liebsam
ist8 ,gewisslich gieng der genannte
,gott bei dergleichen ,zwiegesprchen
weiter1 sehr viel weiter1 und war immer
um viele ,schritt mir voraus4444 ja ich
wrde1 falls es erlaubt wre1 ihm nach
,menschenbrauch schne feierliche ,prunk-
und ,tugendnamen beizulegen1 viel
,rhmens von seinem ,forscher- und
,entdecker-,muthe1 von seiner gewagten
,redlichkeit1 ,wahrhaftigkeit und ,liebe
zur ,weisheit zu machen haben4 ,aber
mit all diesem ehrwrdigen ,plunder und
,prunk weiss ein solcher ,gott nichts
anzufangen4 ,behalte dies1 wrde er
sagen1 fr dich und deines ,gleichen und
wer sonst es nthig hat6 ,ich - habe
keinen ,grund1 meine ,blsse zu decken6 -
,man errth3 es fehlt dieser ,art von
,gottheit und ,philosophen vielleicht an
,scham8 - ,so sagte er einmal3 unter
,umstnden liebe ich den ,menschen - und
dabei spielte er auf ,ariadne an1 die
zugegen war -3 der ,mensch ist mir ein
angenehmes tapferes erfinderisches
,thier1 das auf ,erden nicht seines
,gleichen hat1 es findet sich in allen
,labyrinthen noch zurecht4 ,ich bin ihm
gut3 ich denke oft darber nach1 wie ich
ihn noch vorwrts bringe und ihn strker1
bser und tiefer mache1 als er ist4 -
,strker1 bser und tiefer8 fragte ich
erschreckt4 ,ja1 sagte er noch ,ein
,mal1 strker1 bser und tiefer2 auch
schner - und dazu lchelte der
,versucher-,gott mit seinem
halkyonischen ,lcheln1 wie als ob er
eben eine bezaubernde ,artigkeit gesagt
habe4 ,man sieht hier zugleich3 es fehlt
dieser ,gottheit nicht nur an ,scham -2
und es giebt berhaupt gute ,grnde dafr1
zu muthmaassen1 dass in einigen ,stcken
die ,gtter insgesammt bei uns ,menschen
in die ,schule gehn knnten4 ,wir
,menschen sind - menschlicher444 #bif4
,ach1 was seid ihr doch1 ihr meine
geschriebenen und gemalten ,gedanken6
,es ist nicht lange her1 da wart ihr
noch so bunt1 jung und boshaft1 voller
,stacheln und geheimer ,wrzen1 dass ihr
mich niesen und lachen machtet - und
jetzt8 ,schon habt ihr eure ,neuheit
ausgezogen1 und einige von euch sind1
ich frchte es1 bereit1 zu ,wahrheiten zu
werden3 so unsterblich sehn sie bereits
aus1 so herzbrechend rechtschaffen1 so
langweilig6 ,und war es jemals anders8
,welche ,sachen schreiben und malen wir
denn ab1 wir ,mandarinen mit chnesischem
,pinsel1 wir ,verewiger der ,dinge1
welche sich schreiben lassen1 was
vermgen wir denn allein abzumalen8 ,ach1
immer nur ,das1 was eben welk werden
will und anfngt1 sich zu verriechen6
,ach1 immer nur abziehende und erschpfte
,gewitter und gelbe spte ,gefhle6 ,ach1
immer nur ,vgel1 die sich mde flogen
und verflogen und sich nun mit der ,hand
haschen lassen1 - mit unserer ,hand6
,wir verewigen1 was nicht mehr lange
leben und fliegen kann1 mde und mrbe
,dinge allein6 ,und nur euer ,nachmittag
ist es1 ihr meine geschriebenen und
gemalten ,gedanken1 fr den allein ich
,farben habe1 viel ,farben vielleicht1
viel bunte ,zrtlichkeiten und fnfzig
,gelbs und ,brauns und ,grns und ,roths3
- aber ,niemand errth mir daraus1 wie
ihr in eurem ,morgen aussahet1 ihr
pltzlichen ,funken und ,wunder meiner
,einsamkeit1 ihr meine alten geliebten -
- schlimmen ,gedanken6 ,aus hohen
,bergen4 ,nachgesang4 ,oh ,lebens
,mittag6 ,feierliche ,zeit6 ,oh
,sommergarten6 ,unruhig ,glck im
,stehn und ,sphn und ,warten3 - ,der
,freunde harr' ich1 ,tag und ,nacht
bereit1 ,wo bleibt ihr ,freunde8
,kommt6 's ist ,zeit6 's ist ,zeit6
,war's nicht fr euch1 dass sich des
,gletschers ,grau ,heut schmckt mit
,rosen8 ,euch sucht der ,bach1
sehnschtig drngen1 stossen ,sich
,wind und ,wolke hher heut in's ,blau1
,nach euch zu sphn aus fernster
,vogel-,schau4 ,im ,hchsten ward fr
euch mein ,tisch gedeckt - ,wer
wohnt den ,sternen ,so nahe1 wer des
,abgrunds grausten ,fernen8 ,mein
,reich - welch ,reich hat weiter sich
gereckt8 ,und meinen ,honig - wer
hat ihn geschmeckt84444 - ,da seid
ihr1 ,freunde6 - ,weh1 doch ich bin's
nicht1 ,zu dem ihr wolltet8 ,ihr
zgert1 staunt - ach1 dass ihr lieber
grolltet6 ,ich - bin's nicht mehr8
,vertauscht ,hand1 ,schritt1 ,gesicht8
,und was ich bin1 euch ,freunden - bin
ich's nicht8 ,ein ,andrer ward ich8
,und mir selber fremd8 ,mir selbst
entsprungen8 ,ein ,ringer1 der zu
oft sich selbst bezwungen8 ,zu oft
sich gegen eigne ,kraft gestemmt1
,durch eignen ,sieg verwundet und
gehemmt8 ,ich suchte1 wo der ,wind
am schrfsten weht8 ,ich lernte
wohnen1 ,wo ,niemand wohnt1 in den
,eisbr-,zonen1 ,verlernte ,mensch
und ,gott1 ,fluch und ,gebet8 ,ward
zum ,gespenst1 das ber ,gletscher geht8
- ,ihr alten ,freunde6 ,seht6 ,nun
blickt ihr bleich1 ,voll ,lieb' und
,grausen6 ,nein1 geht6 ,zrnt nicht6
,hier - knntet ihr nicht hausen3
,hier zwischen fernstem ,eis- und
,felsenreich - ,hier muss man ,jger
sein und gemsengleich4 ,ein
schlimmer ,jger ward ich6 - ,seht1 wie
steil ,gespannt mein ,bogen6
,der ,strkste war's1 der solchen ,zug
gezogen--3 ,doch wehe nun6
,gefhrlich ist der ,pfeil1 ,wie kein
,pfeil1 - fort von hier6 ,zu eurem
,heil644444 ,ihr wendet euch8 - ,oh
,herz1 du trugst genung1 ,stark
blieb dein ,hoffen3 ,halt neuen
,freunden deine ,thren offen6 ,die
alten lass6 ,lass die ,erinnerung6
,warst einst du jung1 jetzt - bist du
besser jung6 ,was je uns knpfte1
,einer ,hoffnung ,band1 - ,wer liest
die ,zeichen1 ,die ,liebe einst
hineinschrieb1 noch1 die bleichen8
,dem ,pergament vergleich ich's1 das die
,hand zu fassen scheut1 - ihm
gleich verbrunt1 verbrannt4 ,nicht
,freunde mehr1 das sind - wie nenn'
ich's doch8 - ,nur
,freunds-,gespenster6 ,das klopft
mir wohl noch ,nachts an ,herz und
,fenster1 ,das sieht mich an und
spricht3 wir waren's doch8-- ,oh
welkes ,wort1 das einst wie ,rosen roch6
,oh ,jugend-,sehnen1 das sich
missverstand6 ,die ich ersehnte1
,die ich mir selbst verwandt-verwandelt
whnte1 ,dass alt sie wurden1 hat sie
weggebannt3 ,nur wer sich wandelt1
bleibt mit mir verwandt4 ,oh
,lebens ,mittag6 ,zweite ,jugendzeit6
,oh ,sommergarten6 ,unruhig ,glck im
,stehn und ,sphn und ,warten6 ,der
,freunde harr' ich1 ,tag und ,nacht
bereit1 ,der neuen ,freunde6 ,kommt6
's ist ,zeit6 's ist ,zeit6 ,dies
,lied ist aus1 - der ,sehnsucht ssser
,schrei ,erstarb im ,munde3 ,ein
,zaubrer that's1 der ,freund zur
rechten ,stunde1 ,der
,mittags-,freund - nein6 fragt nicht1
wer es sei - ,um ,mittag war's1 da
wurde ,eins zu ,zwei444 ,nun feiern
wir1 vereinten ,siegs gewiss1 ,das
,fest der ,feste3 ,freund
,zarathustra kam1 der ,gast der ,gste6
,nun lacht die ,welt1 der grause
,vorhang riss1 ,die ,hochzeit kam fr
,licht und ,finsterniss444