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che_/goetzend_/#j;inhalt4htm71 prepared
by juergenredestb4es4
,friedrich ,nietzsche
,gtzen-,dmmerung
,inhaltsverzeichnis ,vorwort
,sprche und ,pfeile ,das ,problem
des ,sokrates ,die ,vernunft in der
,philosophie ,wie die wahre ,welt
endlich zur ,fabel wurde ,moral als
,widernatur ,die vier grossen
,irrthmer ,die ,verbesserer der
,menschheit ,was den ,deutschen
abgeht ,streifzge eines
,unzeitgemssen ,was ich den ,alten
verdanke ,der ,hammer redet
,gtzen-,dmmerung oder ,wie man mit
dem ,hammer philosophirt4
,vorwort4 ,inmitten einer dstern und
ber die ,maassen verantwortlichen
,sache seine ,heiterkeit aufrecht
erhalten ist nichts ,kleines von -
,kunststck3 und doch1 was wre nthiger
als ,heiterkeit8 ,kein ,ding gerth1 an
dem nicht der bermuth seinen ,theil hat4
,das ,zuviel von ,kraft erst ist der
,beweis der ,kraft4 - ,eine ,umwerthung
aller ,werthe1 dies ,fragezeichen so
schwarz1 so ungeheuer1 dass es ,schatten
auf ,den wirft1 der es setzt - ein
solches ,schicksal von ,aufgabe zwingt
jeden ,augenblick1 in die ,sonne zu
laufen1 einen schweren1 allzuschwer
gewordnen ,ernst von sich zu schtteln4
,jedes ,mittel ist dazu recht1 jeder
,fall ein ,glcksfall4 ,vor ,allem der
,krieg4 ,der ,krieg war immer die
grosse ,klugheit aller zu innerlich1 zu
tief gewordnen ,geister2 selbst in der
,verwundung liegt noch ,heilkraft4 ,ein
,spruch1 dessen ,herkunft ich der
gelehrten ,neugierde vorenthalte1 war
seit langem mein ,wahlspruch3
increscunt animi1 virescit volnere
virtus4 ,eine andere ,genesung1 unter
,umstnden mir noch erwnschter1 ist
,gtzen aushorchen444 ,es giebt mehr
,gtzen als ,realitten in der ,welt3 das
ist mein bser ,blick fr diese ,welt1
das ist auch mein bses ,ohr444 ,hier
einmal mit dem ,hammer ,fragen stellen
und1 vielleicht1 als ,antwort jenen
berhmten hohlen ,ton hren1 der von
geblhten ,eingeweiden redet - welches
,entzcken fr ,einen1 der ,ohren noch
hinter den ,ohren hat1 - fr mich alten
,psychologen und ,rattenfnger1 vor dem
gerade ,das1 was still bleiben mchte1
laut werden muss444 ,auch diese
,schrift - der ,titel verrth es - ist
vor ,allem eine ,erholung1 ein
,sonnenfleck1 ein ,seitensprung in den
,mssiggang eines ,psychologen4
,vielleicht auch ein neuer ,krieg8 ,und
werden neue ,gtzen ausgehorcht8444
,diese kleine ,schrift ist eine grosse
,kriegserklrung2 und was das
,aushorchen von ,gtzen anbetrifft1 so
sind es dies ,mal keine ,zeitgtzen1
sondern ewige ,gtzen1 an die hier mit
dem ,hammer wie mit einer ,stimmgabel
gerhrt wird1 - es giebt berhaupt keine
lteren1 keine berzeugteren1 keine
aufgeblaseneren ,gtzen444 ,auch keine
hohleren444 ,das hindert nicht1 dass sie
die geglaubtesten sind2 auch sagt man1
zumal im vornehmsten ,falle1 durchaus
nicht ,gtze444
,turin1 am #cj4 ,september #ahhh1
am ,tage1 da das ,buch der ,umwerthung
aller ,werthe zu ,ende kam4
,,friedrich ,,nietzsche4 ,sprche
und ,pfeile4 #a4 ,mssiggang ist
aller ,psychologie ,anfang4 ,wie8 wre
,psychologie ein - ,laster8 #b4
,auch der ,muthigste von uns hat nur
selten den ,muth zu dem1 was er
eigentlich weiss444 #c4 ,um
allein zu leben1 muss man ein ,thier
oder ein ,gott sein - sagt
,aristoteles4 ,fehlt der dritte ,fall3
man muss ,beides sein - ,philosoph444
#d4 ,alle ,wahrheit ist einfach4 -
,ist das nicht zwiefach eine ,lge8 -
#e4 ,ich will1 ein fr alle ,mal1
,vieles nicht wissen4 - ,die ,weisheit
zieht auch der ,erkenntniss ,grenzen4
#f4 ,man erholt sich in seiner wilden
,natur am besten von seiner ,unnatur1
von seiner ,geistigkeit444 #g4
,wie8 ist der ,mensch nur ein ,fehlgriff
,gottes8 ,oder ,gott nur ein
,fehlgriff des ,menschen8 - #h4
,aus der ,kriegsschule des ,lebens4 -
,was mich nicht umbringt1 macht mich
strker4 #i4 ,hilf dir selber3
dann hilft dir noch ,jedermann4 ,princip
der ,nchstenliebe4 #aj4 ,dass
man gegen seine ,handlungen keine
,feigheit begeht6 dass man sie nicht
hinterdrein im ,stiche lsst6 - ,der
,gewissensbiss ist unanstndig4
#aa4 ,kann ein ,esel tragisch sein8 -
,dass man unter einer ,last zu ,grunde
geht1 die man weder tragen1 noch
abwerfen kann8444 ,der ,fall des
,philosophen4 #ab4 ,hat man sein
warum8 des ,lebens1 so vertrgt man sich
fast mit jedem wie8 - ,der ,mensch
strebt nicht nach ,glck2 nur der
,englnder thut das4 #ac4 ,der
,mann hat das ,weib geschaffen - woraus
doch8 ,aus einer ,rippe seines ,gottes1
- seines ,ideals444 #ad4 ,was8
du suchst8 du mchtest dich
verzehnfachen1 verhundertfachen8 du
suchst ,anhnger8 - ,suche ,nullen4
#ae4 ,posthume ,menschen - ich zum
,beispiel - werden schlechter verstanden
als zeitgemsse1 aber besser gehrt4
,strenger3 wir werden nie verstanden -
und daher unsre ,autoritt444 #af4
,unter ,frauen4 - ,die ,wahrheit8 ,oh
,sie kennen die ,wahrheit nicht6 ,ist
sie nicht ein ,attentat auf alle unsre
pudeurs8 - #ag4 ,das ist ein
,knstler1 wie ich ,knstler liebe1
bescheiden in seinen ,bedrfnissen3 er
will eigentlich nur ,zweierlei1 sein
,brod und seine ,kunst1 - panem et
,circen444 #ah4 ,wer seinen
,willen nicht in die ,dinge zu legen
weiss1 der legt wenigstens einen ,sinn
noch hinein3 das heisst1 er glaubt1 dass
ein ,wille bereits darin sei 7,princip
des ,glaubens74 #ai4 ,wie8 ihr
whltet die ,tugend und den gehobenen
,busen und seht zugleich scheel nach
den ,vortheilen der ,unbedenklichen8 -
,aber mit der ,tugend verzichtet man
auf ,vortheile444 7einem ,antisemiten an
die ,hausthr47 #bj4 ,das
vollkommene ,weib begeht ,litteratur1
wie es eine kleine ,snde begeht3 zum
,versuch1 im ,vorbergehn1 sich
umblickend1 ob es ,jemand bemerkt und
dass es ,jemand bemerkt444 #ba4
,sich in lauter ,lagen begeben1 wo man
keine ,scheintugenden haben darf1 wo
man vielmehr1 wie der ,seiltnzer auf
seinem ,seile1 entweder strzt oder
steht - oder davon kommt444 #bb4
,bse ,menschen haben keine ,lieder4 -
,wie kommt es1 dass die ,russen ,lieder
haben8 #bc4 ,deutscher ,geist3
seit achtzehn ,jahren eine contradictio
in adjecto4 #bd4 ,damit1 dass
man nach den ,anfngen sucht1 wird man
,krebs4 ,der ,historiker sieht rckwrts2
endlich glaubt er auch rckwrts4
#be4 ,zufriedenheit schtzt selbst vor
,erkltung4 ,hat je sich ein ,weib1 das
sich gut bekleidet wusste1 erkltet8 -
,ich setze den ,fall1 das es kaum
bekleidet war4 #bf4 ,ich
misstraue allen ,systematikern und gehe
ihnen aus dem ,weg4 ,der ,wille zum
,system ist ein ,mangel an
,rechtschaffenheit4 #bg4 ,man
hlt das ,weib fr tief - warum8 weil man
nie bei ihm auf den ,grund kommt4 ,das
,weib ist noch nicht einmal flach4
#bh4 ,wenn das ,weib mnnliche
,tugenden hat1 so ist es zum
,davonlaufen2 und wenn es keine
mnnlichen ,tugenden hat1 so luft es
selbst davon4 #bi4 ,wie viel
hatte ehemals das ,gewissen zu beissen8
welche guten ,zhne hatte es8 - ,und
heute8 woran fehlt es8 - ,frage eines
,zahnarztes4 #cj4 ,man begeht
selten eine bereilung allein4 ,in der
ersten bereilung thut man immer zu
viel4 ,eben darum begeht man gewhnlich
noch eine zweite - und nunmehr thut man
zu wenig444 #ca4 ,der getretene
,wurm krmmt sich4 ,so ist es klug4 ,er
verringert damit die
,wahrscheinlichkeit1 von ,neuem getreten
zu werden4 ,in der ,sprache der
,moral3 ,demuth4 - #cb4 ,es
giebt einen ,hass auf ,lge und
,verstellung aus einem reizbaren
,ehrbegriff2 es giebt einen ebensolchen
,hass aus ,feigheit1 insofern die ,lge1
durch ein gttliches ,gebot1 verboten
ist4 ,zu feige1 um zu lgen444 #cc4
,wie wenig gehrt zum ,glcke6 ,der
,ton eines ,dudelsacks4 - ,ohne ,musik
wre das ,leben ein ,irrthum4 ,der
,deutsche denkt sich selbst ,gott
liedersingend4 #cd4 ,on ne peut
penser et crire qu'assis 7,g4
,flaubert74 - ,damit habe ich dich1
,nihilist6 ,das ,sitzfleisch ist gerade
die ,snde wider den heiligen ,geist4
,nur die ergangenen ,gedanken haben
,werth4 #ce4 ,es giebt ,flle1 wo
wir wie ,pferde sind1 wir ,psychologen1
und in ,unruhe gerathen3 wir sehen
unsren eignen ,schatten vor uns auf und
niederschwanken4 ,der ,psychologe muss
von sich absehn1 um berhaupt zu sehn4
#cf4 ,ob wir ,immoralisten der
,tugend ,schaden thun8 - ,eben so wenig1
als die ,anarchisten den ,frsten4
,erst seitdem diese angeschossen werden1
sitzen sie wieder fest auf ihrem
,thron4 ,moral3 man muss die ,moral
anschiessen4 #cg4 ,du lufst
voran8 - ,thust du das als ,hirt8 oder
als ,ausnahme8 ,ein dritter ,fall wre
der ,entlaufene444 ,erste
,gewissensfrage4 #ch4 ,bist du
echt8 oder nur ein ,schauspieler8 ,ein
,vertreter8 oder das ,vertretene
selbst8 - ,zuletzt bist du gar bloss ein
nachgemachter ,schauspieler444 ,zweite
,gewissensfrage4 #ci4 ,der
,enttuschte spricht4 - ,ich suchte nach
grossen ,menschen1 ich fand immer nur
die ,affen ihres ,ideals4 #dj4
,bist du ,einer1 der zusieht8 oder der
,hand anlegt8 - oder der wegsieht1 bei
,seite geht8444 ,dritte ,gewissensfrage4
#da4 ,willst du mitgehn8 oder
vorangehn8 oder fr dich gehn8444 ,man
muss wissen1 was man will und dass man
will4 ,vierte ,gewissensfrage4 #db4
,das waren ,stufen fr mich ich bin
ber sie hinaufgestiegen1 - dazu musste
ich ber sie hinweg4 ,aber sie meinten1
ich wollte mich auf ihnen zur ,ruhe
setzen444 #dc4 ,was liegt daran1
das ich ,recht behalte6 ,ich habe zu
viel ,recht4 - ,und wer heute am besten
lacht1 lacht auch zuletzt4 #dd4
,formel meines ,glcks3 ein ,ja1 ein
,nein1 eine gerade ,linie ein ,ziel444
,das ,problem des ,sokrates4 #a4
ber das ,leben haben zu allen ,zeiten
die ,weisesten gleich geurtheilt3 es
taugt nichts444 ,immer und berall hat
man aus ihrem ,munde denselben ,klang
gehrt1 - einen ,klang voll ,zweifel1
voll ,schwermuth1 voll ,mdigkeit am
,leben1 voll ,widerstand gegen das
,leben4 ,selbst ,sokrates sagte1 als er
starb3 leben - das heisst lange krank
sein3 ich bin dem ,heilande ,asklepios
einen ,hahn schuldig4 ,selbst ,sokrates
hatte es satt4 - ,was beweist das8
,worauf weist das8 - ,ehemals htte man
gesagt 7- oh man hat es gesagt und laut
genug und unsre ,pessimisten voran673
,hier muss jedenfalls ,etwas wahr sein6
,der consensus sapientium beweist die
,wahrheit4 - ,werden wir heute noch so
reden8 ,drfen wir das8 ,hier muss
jedenfalls ,etwas krank sein - geben wir
zur ,antwort3 diese ,weisesten aller
,zeiten1 man sollte sie sich erst aus
der ,nhe ansehn6 ,waren sie vielleicht
allesammt auf den ,beinen nicht mehr
fest8 spt8 wackelig8 dcadents8
,erschiene die ,weisheit vielleicht auf
,erden als ,rabe1 den ein kleiner
,geruch von ,aas begeistert8444 #b4
,mir selbst ist diese
,unehrerbietigkeit1 dass die grossen
,weisen ,niedergangs-,typen sind1
zuerst gerade in einem ,falle
aufgegangen1 wo ihr am strksten das
gelehrte und ungelehrte ,vorurtheil
entgegensteht3 ich erkannte ,sokrates
und ,plato als ,verfalls-,symptome1 als
,werkzeuge der griechischen ,auflsung1
als pseudogriechisch1 als antigriechisch
7,geburt der ,tragdie #ahgb71 jener
consensus sapientium - das begriff ich
immer besser - beweist am wenigsten1
dass sie ,recht mit dem hatten1 worber
sie bereinstimmten3 er beweist vielmehr1
dass sie selbst1 diese ,weisesten1
irgend worin physiologisch
bereinstimmten1 um auf gleiche ,weise
negativ zum ,leben zu stehn1 - stehn zu
mssen4 ,urtheile1 ,werthurtheile ber
das ,leben1 fr oder wider1 knnen zuletzt
niemals wahr sein3 sie haben nur
,werth als ,symptome1 sie kommen nur
als ,symptome in ,betracht1 - an sich
sind solche ,urtheile ,dummheiten4 ,man
muss durchaus seine ,finger darnach
ausstrecken und den ,versuch machen1
diese erstaunliche finesse zu fassen1
dass der ,werth des ,lebens nicht
abgeschtzt werden kann4 ,von einem
,lebenden nicht1 weil ein solcher
,partei1 ja sogar ,streitobjekt ist und
nicht ,richter2 von einem ,todten
nicht1 aus einem andren ,grunde4 - ,von
,seiten eines ,philosophen im ,werth
des ,lebens ein ,problem sehn bleibt
dergestalt sogar ein ,einwurf gegen
ihn1 ein ,fragezeichen an seiner
,weisheit1 eine ,unweisheit4 - ,wie8
und alle diese grossen ,weisen - sie
wren nicht nur dcadents1 sie wren nicht
einmal weise gewesen8 - ,aber ich komme
auf das ,problem des ,sokrates zurck4
#c4 ,sokrates gehrte1 seiner
,herkunft nach1 zum niedersten ,volk3
,sokrates war ,pbel4 ,man weiss1 man
sieht es selbst noch1 wie hsslich er
war4 ,aber ,hsslichkeit1 an sich ein
,einwand1 ist unter ,griechen beinahe
eine ,widerlegung4 ,war ,sokrates
berhaupt ein ,grieche8 ,die ,hsslichkeit
ist hufig genug der ,ausdruck einer
gekreuzten1 durch ,kreuzung gehemmten
,entwicklung4 ,im andren ,falle
erscheint sie als niedergehende
,entwicklung4 ,die ,anthropologen
unter den ,criminalisten sagen uns1 dass
der typische ,verbrecher hsslich ist3
monstrum in fronte1 monstrum in animo4
,aber der ,verbrecher ist ein dcadent4
,war ,sokrates ein typischer
,verbrecher8 - ,zum ,mindesten
widersprche dem jenes berhmte
,physiognomen-,urtheil nicht1 das den
,freunden des ,sokrates so anstssig
klang4 ,ein ,auslnder1 der sich auf
,gesichter verstand1 sagte1 als er
durch ,athen kam1 dem ,sokrates in's
,gesicht1 er sei ein monstrum1 - er
berge alle schlimmen ,laster und
,begierden in sich4 ,und ,sokrates
antwortete bloss3 ,sie kennen mich1 mein
,herr6 - #d4 ,auf dcadence bei
,sokrates deutet nicht nur die
zugestandne ,wstheit und ,anarchie in
den ,instinkten3 eben dahin deutet auch
die ,superftation des ,logischen und
jene ,rhachitiker-,bosheit1 die ihn
auszeichnet4 ,vergessen wir auch jene
,gehrs-,hallucinationen nicht1 die1 als
,dmonion des ,sokrates1 in's ,religise
interpretirt worden sind4 ,alles ist
bertrieben1 buffo1 ,karikatur an ihm1
,alles ist zugleich versteckt1
hintergedanklich1 unterirdisch4 - ,ich
suche zu begreifen1 aus welcher
,idiosynkrasie jene sokratische
,gleichsetzung von ,vernunft ,tugend
,glck stammt3 jene bizarrste
,gleichsetzung1 die es giebt und die in
,sonderheit alle ,instinkte des lteren
,hellenen gegen sich hat4 #e4
,mit ,sokrates schlgt der griechische
,geschmack zu ,gunsten der ,dialektik
um3 was geschieht da eigentlich8 ,vor
,allem wird damit ein vornehmer
,geschmack besiegt2 der ,pbel kommt mit
der ,dialektik obenauf4 ,vor ,sokrates
lehnte man in der guten ,gesellschaft
die dialektischen ,manieren ab3 sie
galten als schlechte ,manieren1 sie
stellten bloss4 ,man warnte die ,jugend
vor ihnen4 ,auch misstraute man allein
solchen ,prsentiren seiner ,grnde4
,honnette ,dinge tragen1 wie honnette
,menschen1 ihre ,grnde nicht so in der
,hand4 ,es ist unanstndig1 alle fnf
,finger zeigen4 ,was sich erst beweisen
lassen muss1 ist wenig werth4 berall1
wo noch die ,autoritt zur guten ,sitte
gehrt1 wo man nicht begrndet1 sondern
befiehlt1 ist der ,dialektiker eine
,art ,hanswurst3 man lacht ber ihn1 man
nimmt ihn nicht ernst4 - ,sokrates war
der ,hanswurst1 der sich ernst nehmen
machte3 was geschah da eigentlich8 -
#f4 ,man whlt die ,dialektik nur1
wenn man kein andres ,mittel hat4 ,man
weiss1 dass man ,misstrauen mit ihr
erregt1 dass sie wenig berredet4
,nichts ist leichter wegzuwischen als
ein ,dialektiker-,effekt3 die
,erfahrung jeder ,versammlung1 wo
geredet wird1 beweist das4 ,sie kann
nur ,nothwehr sein1 in den ,hnden
,solcher1 die keine andren ,waffen mehr
haben4 ,man muss sein ,recht zu
erzwingen haben3 eher macht man keinen
,gebrauch von ihr4 ,die ,juden waren
deshalb ,dialektiker2 ,reinecke ,fuchs
war es3 wie8 und ,sokrates war es auch8
- #g4 - ,ist die ,ironie des
,sokrates ein ,ausdruck von ,revolte8
von ,pbel-,ressentiment8 geniesst er
als ,unterdrckter seine eigne ,ferocitt
in den ,messerstichen des ,syllogismus8
,rcht er sich an den ,vornehmen1 die
er fascinirt8 - ,man hat1 als
,dialektiker1 ein schonungsloses
,werkzeug in der ,hand2 man kann mit ihm
den ,tyrannen machen2 man stellt
bloss1 indem man siegt4 ,der
,dialektiker berlsst seinem ,gegner den
,nachweis1 kein ,idiot zu sein3 er
macht wthend1 er macht zugleich hlflos4
,der ,dialektiker depotenzirt den
,intellekt seines ,gegners4 - ,wie8 ist
,dialektik nur eine ,form der ,rache
bei ,sokrates8 #h4 ,ich habe zu
verstehn gegeben1 womit ,sokrates
abstossen konnte3 es bleibt um so mehr
zu erklren1 dass er fascinirte4 - ,dass
er eine neue ,art ,agon entdeckte1 dass
er der erste ,fechtmeister davon fr die
vornehmen ,kreise ,athen's war1 ist
das ,eine4 ,er fascinirte1 indem er an
den agonalen ,trieb der ,hellenen rhrte1
- er brachte eine ,variante in den
,ringkampf zwischen jungen ,mnnern und
,jnglingen4 ,sokrates war auch ein
grosser ,erotiker4 #i4 ,aber
,sokrates errieth noch mehr4 ,er sah
hinter seine vornehmen ,athener2 er
begriff1 dass sein ,fall1 seine
,idiosynkrasie von ,fall bereits kein
,ausnahmefall war4 ,die gleiche ,art von
,degenerescenz bereitete sich berall
im ,stillen vor3 das alte ,athen gieng
zu ,ende4 - ,und ,sokrates verstand1
dass alle ,welt ihn nthig hatte1 - sein
,mittel1 seine ,kur1 seinen
,personal-,kunstgriff der
,selbst-,erhaltung444 berall waren die
,instinkte in ,anarchie2 berall war man
fnf ,schritt weit vom ,excess3 das
monstrum in animo war die allgemeine
,gefahr4 ,die ,triebe wollen den
,tyrannen machen2 man muss einen
,gegentyrannen erfinden1 der strker
ist444 ,als jener ,physiognomiker dem
,sokrates enthllt hatte1 wer er war1
eine ,hhle aller schlimmen ,begierden1
liess der grosse ,ironiker noch ein
,wort verlauten1 das den ,schlssel zu
ihm giebt4 ,dies ist wahr1 sagte er1
aber ich wurde ber alle ,herr4 ,wie
wurde ,sokrates ber sich ,herr8 - ,sein
,fall war im ,grunde nur der extreme
,fall1 nur der in die ,augen
springendste von dem1 was damals die
allgemeine ,noth zu werden anfieng3 dass
,niemand mehr ber sich ,herr war1 dass
die ,instinkte sich gegen einander
wendeten4 ,er fascinirte als dieser
extreme ,fall - seine furchteinflssende
,hsslichkeit sprach ihn fr jedes ,auge
aus3 er fascinirte1 wie sich von selbst
versteht1 noch strker als ,antwort1 als
,lsung1 als ,anschein der ,kur dieses
,falls4 - #aj4 ,wenn man nthig
hat1 aus der ,vernunft einen ,tyrannen
zu machen1 wie ,sokrates es that1 so
muss die ,gefahr nicht klein sein1 dass
etwas ,andres den ,tyrannen macht4 ,die
,vernnftigkeit wurde damals errathen
als ,retterin1 es stand weder ,sokrates1
noch seinen ,kranken frei1 vernnftig
zu sein1 - es war de rigueur1 es war ihr
letztes ,mittel4 ,der ,fanatismus1 mit
dem sich das ganze griechische
,nachdenken auf die ,vernnftigkeit
wirft1 verrth eine ,nothlage3 man war in
,gefahr1 man hatte nur ,eine ,wahl3
entweder zu ,grunde zu gehn oder -
absurd-vernnftig zu sein444 ,der
,moralismus der griechischen
,philosophen von ,plato ab ist
pathologisch bedingt2 ebenso ihre
,schtzung der ,dialektik4 ,vernunft
,tugend ,glck heisst bloss3 man muss
es dem ,sokrates nachmachen und gegen
die dunklen ,begehrungen ein
,tageslicht in ,permanenz herstellen -
das ,tageslicht der ,vernunft4 ,man
muss klug1 klar1 hell um jeden ,preis
sein3 jedes ,nachgeben an die
,instinkte1 an's ,unbewusste fhrt
hinab444 #aa4 ,ich habe zu
verstehn gegeben1 womit ,sokrates
fascinirte3 er schien ein ,arzt1 ein
,heiland zu sein4 ,ist es nthig1 noch
den ,irrthum aufzuzeigen1 der in seinem
,glauben an die ,vernnftigkeit um jeden
,preis lag8 - ,es ist ein
,selbstbetrug seitens der ,philosophen
und ,moralisten1 damit schon aus der
dcadence herauszutreten1 dass sie gegen
dieselbe ,krieg machen4 ,das
,heraustreten steht ausserhalb ihrer
,kraft3 was sie als ,mittel1 als
,rettung whlen1 ist selbst nur wieder
ein ,ausdruck der dcadence - sie
verndern deren ,ausdruck1 sie schaffen
sie selbst nicht weg4 ,sokrates war ein
,missverstndniss2 die ganze
,besserungs-,moral1 auch die
christliche1 war ein
,missverstndniss444 ,das grellste
,tageslicht1 die ,vernnftigkeit um
jeden ,preis1 das ,leben hell1 kalt1
vorsichtig1 bewusst1 ohne ,instinkt1 im
,widerstand gegen ,instinkte war selbst
nur eine ,krankheit1 eine andre
,krankheit - und durchaus kein ,rckweg
zur ,tugend1 zur ,gesundheit1 zum
,glck444 ,die ,instinkte bekmpfen mssen
- das ist die ,formel fr dcadence3 so
lange das ,leben aufsteigt1 ist ,glck
gleich ,instinkt4 - #ab4 - ,hat
er das selbst noch begriffen1 dieser
,klgste aller ,selbstberlister8 ,sagte
er sich das zuletzt1 in der ,weisheit
seines ,muthes zum ,tode8444 ,sokrates
wollte sterben3 - nicht ,athen1 er gab
sich den ,giftbecher1 er zwang ,athen
zum ,giftbecher444 ,sokrates ist kein
,arzt sprach er leise zu sich3 der ,tod
allein ist hier ,arzt444 ,sokrates
selbst war nur lange krank444
,die ,vernunft in der ,philosophie4
#a4 ,sie fragen mich1 was ,alles
,idiosynkrasie bei den ,philosophen
ist8444 ,zum ,beispiel ihr ,mangel an
historischem ,sinn1 ihr ,hass gegen die
,vorstellung selbst des ,werdens1 ihr
gypticismus4 ,sie glauben einer ,sache
eine ,ehre anzuthun1 wenn sie dieselbe
enthistorisiren1 sub specie aetemi1 -
wenn sie aus ihr eine ,mumie machen4
,alles1 was ,philosophen seit
,jahrtausenden gehandhabt haben1 waren
,begriffs-,mumien2 es kam nichts
,wirkliches lebendig aus ihren ,hnden4
,sie tdten1 sie stopfen aus1 diese
,herren ,begriffs-,gtzendiener1 wenn
sie anbeten1 - sie werden ,allem
lebensgefhrlich1 wenn sie anbeten4 ,der
,tod1 der ,wandel1 das ,alter ebensogut
als ,zeugung und ,wachsthum sind fr
sie ,einwnde1 - ,widerlegungen sogar4
,was ist1 wird nicht2 was wird ist
nicht444 ,nun glauben sie ,alle1 mit
,verzweiflung sogar1 an's ,seiende4 ,da
sie aber dessen nicht habhaft werden1
suchen sie nach ,grnden1 weshalb man's
ihnen vorenthlt4 ,es muss ein ,schein1
eine ,betrgerei dabei sein1 dass wir
das ,seiende nicht wahrnehmen3 wo
steckt der ,betrger8 - ,wir haben ihn1
schreien sie glckselig1 die
,sinnlichkeit ist's6 ,diese ,sinne1 die
auch sonst so unmoralisch sind1 sie
betrgen uns ber die wahre ,welt4 ,moral3
loskommen von dem ,sinnentrug1 vom
,werden1 von der ,historie1 von der
,lge1 - ,historie ist nichts als
,glaube an die ,sinne1 ,glaube an die
,lge4 ,moral3 ,neinsagen zu ,allem1 was
den ,sinnen ,glauben schenkt1 zum
ganzen ,rest der ,menschheit3 das ist
,alles ,volk4 ,philosoph sein1 ,mumie
sein1 den ,monotono-,theismus durch
eine ,todtengrber-,mimik darstellen6 -
,und weg vor ,allem mit dem ,leibe1
dieser erbarmungswrdigen ide fixe der
,sinne6 behaftet mit allen ,fehlern der
,logik1 die es giebt1 widerlegt1
unmglich sogar1 ob er schon frech genug
ist1 sich als wirklich zu gebrden6444
#b4 ,ich nehme1 mit hoher
,ehrerbietung1 den ,namen ,heraklit's
bei ,seite4 ,wenn das andre
,philosophen-,volk das ,zeugniss der
,sinne verwarf1 weil dieselben
,vielheit und ,vernderung zeigten1
verwarf er deren ,zeugniss1 weil sie
die ,dinge zeigten1 als ob sie ,dauer
und ,einheit htten4 ,auch ,heraklit
that den ,sinnen ,unrecht4 ,dieselben
lgen weder in der ,art1 wie die
,eleaten es glauben1 noch wie er es
glaubte1 - sie lgen berhaupt nicht4
,was wir aus ihrem ,zeugniss machen1 das
legt erst die ,lge hinein1 zum
,beispiel die ,lge der ,einheit1 die
,lge der ,dinglichkeit1 der ,substanz1
der ,dauer444 ,die ,vernunft ist die
,ursache1 dass wir das ,zeugniss der
,sinne flschen4 ,sofern die ,sinne das
,werden1 das ,vergehn1 den ,wechsel
zeigen1 lgen sie nicht444 ,aber damit
wird ,heraklit ewig ,recht behalten1
dass das ,sein eine leere ,fiktion ist4
,die scheinbare ,welt ist die einzige3
die wahre ,welt ist nur hinzugelogen444
#c4 - ,und was fr feine
,werkzeuge der ,beobachtung haben wir an
unsren ,sinnen6 ,diese ,nase zum
,beispiel1 von der noch kein ,philosoph
mit ,verehrung und ,dankbarkeit
gesprochen hat1 ist sogar einstweilen
das delikateste ,instrument1 das uns zu
,gebote steht3 es vermag noch
,minimaldifferenzen der ,bewegung zu
constatiren1 die selbst das
,spektroskop nicht constatirt4 ,wir
besitzen heute genau so weit
,wissenschaft1 als wir uns entschlossen
haben1 das ,zeugniss der ,sinne
anzunehmen1 - als wir sie noch schrfen1
bewaffnen1 zu ,ende denken lernten4
,der ,rest ist ,missgeburt und
,noch-nicht-,wissenschaft3 will sagen
,metaphysik1 ,theologie1 ,psychologie1
,erkenntnisstheorie4 ,oder
,formal-,wissenschaft1 ,zeichenlehre3
wie die ,logik und jene angewandte
,logik1 die ,mathematik4 ,in ihnen kommt
die ,wirklichkeit gar nicht vor1 nicht
einmal als ,problem2 ebensowenig als
die ,frage1 welchen ,werth berhaupt
eine solche ,zeichen-,convention1 wie
die ,logik ist1 hat4 - #d4 ,die
andre ,idiosynkrasie der ,philosophen
ist nicht weniger gefhrlich3 sie
besteht darin1 das ,letzte und das
,erste zu verwechseln4 ,sie setzen
,das1 was am ,ende kommt - leider6 denn
es sollte gar nicht kommen6 - die
hchsten ,begriffe1 das heisst die
allgemeinsten1 die leersten ,begriffe1
den letzten ,rauch der verdunstenden
,realitt an den ,anfang als ,anfang4
,es ist dies wieder nur der ,ausdruck
ihrer ,art zu verehren3 das ,hhere darf
nicht aus dem ,niederen wachsen1 darf
berhaupt nicht gewachsen sein444
,moral3 ,alles1 was ersten ,ranges ist1
muss causa sui sein4 ,die ,herkunft aus
etwas ,anderem gilt als ,einwand1 als
,werth-,anzweifelung4 ,alle obersten
,werthe sind ersten ,ranges1 alle
hchsten ,begriffe1 das ,seiende1 das
,unbedingte1 das ,gute1 das ,wahre1 das
,vollkommne - das ,alles kann nicht
geworden sein1 muss folglich causa sui
sein4 ,das ,alles aber kann auch nicht
einander ungleich1 kann nicht mit sich
im ,widerspruch sein444 ,damit haben sie
ihren stupenden ,begriff ,gott444 ,das
,letzte1 ,dnnste1 ,leerste wird als
,erstes gesetzt1 als ,ursache an sich1
als ens realissimum444 ,dass die
,menschheit die ,gehirnleiden kranker
,spinneweber hat ernst nehmen mssen6 -
,und sie hat theuer dafr gezahlt6444
#e4 - ,stellen wir endlich dagegen1
auf welche verschiedne ,art wir 7- ich
sage hflicher ,weise wir444 7 das
,problem des ,irrthums und der
,scheinbarkeit in's ,auge fassen4
,ehemals nahm man die ,vernderung1 den
,wechsel1 das ,werden berhaupt als
,beweis fr ,scheinbarkeit1 als ,zeichen
dafr1 dass ,etwas da sein msse1 das uns
irre fhre4 ,heute umgekehrt sehen wir1
genau so weit als das
,vernunft-,vorurtheil uns zwingt1
,einheit1 ,identitt1 ,dauer1 ,substanz1
,ursache1 ,dinglichkeit1 ,sein
anzusetzen1 uns gewissermaassen
verstrickt in den ,irrthum1 necessitirt
zum ,irrthum2 so sicher wir auf ,grund
einer strengen ,nachrechnung bei uns
darber sind1 dass hier der ,irrthum ist4
,es steht damit nicht anders als mit
den ,bewegungen des grossen ,gestirns3
bei ihnen hat der ,irrthum unser ,auge1
hier hat er unsre ,sprache zum
bestndigen ,anwalt4 ,die ,sprache gehrt
ihrer ,entstehung nach in die ,zeit der
rudimentrsten ,form von ,psychologie3
wir kommen in ein grobes ,fetischwesen
hinein1 wenn wir uns die
,grundvoraussetzungen der
,sprach-,metaphysik1 auf deutsch3 der
,vernunft1 zum ,bewusstsein bringen4
,das sieht berall ,thter und ,thun3 das
glaubt an ,willen als ,ursache
berhaupt2 das glaubt an's ,ich1 an's
,ich als ,sein1 an's ,ich als ,substanz
und projicirt den ,glauben an die
,ich-,substanz auf alle ,dinge - es
schafft erst damit den ,begriff ,ding444
,das ,sein wird berall als ,ursache
hineingedacht1 untergeschoben2 aus der
,conception ,ich folgt erst1 als
abgeleitet1 der ,begriff ,sein444 ,am
,anfang steht das grosse ,verhngniss
von ,irrthum1 dass der ,wille ,etwas
ist1 das wirkt1 - dass ,wille ein
,vermgen ist444 ,heute wissen wir1 dass
er bloss ein ,wort ist444 ,sehr viel
spter1 in einer tausendfach
aufgeklrteren ,welt kam die
,sicherheit1 die subjektive ,gewissheit
in der ,handhabung der
,vemunft-,kategorien den ,philosophen
mit berraschung zum ,bewusstsein3 sie
schlossen1 dass dieselben nicht aus der
,empirie stammen knnten1 - die ganze
,empirie stehe ja zu ihnen in
,widerspruch4 ,woher also stammen sie8
- ,und in ,indien wie in ,griechenland
hat man den gleichen ,fehlgriff
gemacht3 wir mssen schon einmal in einer
hheren ,welt heimisch gewesen sein 7-
statt in einer sehr viel niederen3 was
die ,wahrheit gewesen wre671 wir mssen
gttlich gewesen sein1 denn wir haben
die ,vernunft6444 ,in der ,that1 ,nichts
hat bisher eine naivere
berredungskraft gehabt als der ,irrthum
vom ,sein1 wie er zum ,beispiel von den
,eleaten formulirt wurde3 er hat ja
jedes ,wort fr sich1 jeden ,satz fr
sich1 den wir sprechen6 - ,auch die
,gegner der ,eleaten unterlagen noch
der ,verfhrung ihres ,seins-,begriffs3
,demokrit unter ,anderen1 als er sein
,atom erfand444 ,die ,vernunft in der
,sprache3 oh was fr eine alte
betrgerische ,weibsperson6 ,ich frchte1
wir werden ,gott nicht los1 weil wir
noch an die ,grammatik glauben444
#f4 ,man wird mir dankbar sein1 wenn
ich eine so wesentliche1 so neue
,einsicht in vier ,thesen zusammendrnge3
ich erleichtere damit das ,verstehen1
ich fordere damit den ,widerspruch
heraus4 ,erster ,satz4 ,die ,grnde1
darauf hin diese ,welt als scheinbar
bezeichnet worden ist1 begrnden vielmehr
deren ,realitt1 - eine andre ,art
,realitt ist absolut unnachweisbar4
,zweiter ,satz4 ,die ,kennzeichen1
welche man dem wahren ,sein der ,dinge
gegeben hat1 sind die ,kennzeichen des
,nicht ,seins1 des ,nichts1 - man hat
die wahre ,welt aus dem ,widerspruch zur
wirklichen ,welt aufgebaut3 eine
scheinbare ,welt in der ,that1 insofern
sie bloss eine moralisch-optische
,tuschung ist4 ,dritter ,satz4 ,von
einer andren ,welt als dieser zu fabeln
hat gar keinen ,sinn1 vorausgesetzt1
dass nicht ein ,instinkt der
,verleumdung1 ,verkleinerung1
,verdchtigung des ,lebens in uns mchtig
ist3 im letzteren ,falle rchen wir uns
am ,leben mit der ,phantasmagorie eines
anderen1 eines besseren ,lebens4
,vierter ,satz4 ,die ,welt scheiden in
eine wahre und eine scheinbare1 sei es
in der ,art des ,christenthums1 sei es
in der ,art ,kant's 7eines
hinterlistigen ,christen zu guterletzt7
ist nur eine ,suggestion der dcadence1
- ein ,symptom niedergehenden ,lebens444
,dass der ,knstler den ,schein hher
schtzt als die ,realitt1 ist kein
,einwand gegen diesen ,satz4 ,denn der
,schein bedeutet hier die ,realitt noch
einmal1 nur in einer ,auswahl1
,verstrkung1 ,correctur444 ,der
tragische ,knstler ist kein ,pessimist1
- er sagt gerade ,ja zu allem
,fragwrdigen und ,furchtbaren selbst1
er ist dionysisch444 ,wie die
wahre ,welt endlich zur ,fabel wurde4
,geschichte eines ,irrthums4 #a4 ,die
wahre ,welt erreichbar fr den ,weisen1
den ,frommen1 den ,tugendhaften1 - er
lebt in ihr1 er ist sie4 7lteste
,form der ,idee1 relativ klug1 simpel1
berzeugend4 ,umschreibung des ,satzes
ich1 ,plato1 bin die ,wahrheit47 #b4
,die wahre ,welt1 unerreichbar fr jetzt1
aber versprochen fr den ,weisen1 den
,frommen1 den ,tugendhaften 7fr den
,snder1 der ,busse thut74
7,fortschritt der ,idee3 sie wird
feiner1 verfnglicher1 unfasslicher1 -
sie wird ,weib1 sie wird christlich444 7
#c4 ,die wahre ,welt1 unerreichbar1
unbeweisbar1 unversprechbar1 aber schon
als gedacht ein ,trost1 eine
,verpflichtung1 ein ,imperativ4 7,die
alte ,sonne im ,grunde1 aber durch
,nebel und ,skepsis hindurch2 die ,idee
sublim geworden1 bleich1 nordisch1
knigsbergisch47 #d4 ,die wahre ,welt
- unerreichbar8 jedenfalls unerreicht4
,und als unerreicht auch unbekannt4
,folglich auch nicht trstend1 erlsend1
verpflichtend3 wozu knnte uns etwas
,unbekanntes verpflichten8444
7,grauer ,morgen4 ,erstes ,ghnen der
,vernunft4 ,hahnenschrei des
,positivismus47 #e4 ,die wahre ,welt
- eine ,idee1 die zu ,nichts mehr ntz
ist1 nicht einmal mehr verpflichtend1 -
eine unntz1 eine berflssig gewordene
,idee1 folglich eine widerlegte ,idee3
schaffen wir sie ab6 7,heller ,tag2
,frhstck2 ,rckkehr des bon sens und der
,heiterkeit2 ,schamrthe ,plato's2
,teufelslrm aller freien ,geister47
#f4 ,die wahre ,welt haben wir
abgeschafft3 welche ,welt blieb brig8
die scheinbare vielleicht8444 ,aber
nein6 mit der wahren ,welt haben wir
auch die scheinbare abgeschafft6
7,mittag2 ,augenblick des krzesten
,schattens2 ,ende des lngsten
,irrthums2 ,hhepunkt der ,menschheit2
,,incipit ,,zarathustra47 ,moral
als ,widernatur4 #a4 ,alle
,passionen haben eine ,zeit1 wo sie
bloss verhngnissvoll sind1 wo sie mit
der ,schwere der ,dummheit ihr ,opfer
hinunterziehen - und eine sptere1 sehr
viel sptere1 wo sie sich mit dem ,geist
verheirathen1 sich vergeistigen4
,ehemals machte man1 wegen der ,dummheit
in der ,passion1 der ,passion selbst
den ,krieg3 man verschwor sich zu deren
,vernichtung1 - alle alten
,moral-,unthiere sind einmthig darber il
faut tuer les passions4 ,die
berhmteste ,formel dafr steht im neuen
,testament1 in jener ,bergpredigt1 wo1
anbei gesagt1 die ,dinge durchaus nicht
aus der ,hhe betrachtet werden4 ,es
wird daselbst zum ,beispiel mit
,nutzanwendung auf die
,geschlechtlichkeit gesagt wenn dich
dein ,auge rgert1 so reisse es aus3 zum
,glck handelt kein ,christ nach dieser
,vorschrift4 ,die ,leidenschaften und
,begierden vernichten1 bloss um ihrer
,dummheit und den unangenehmen ,folgen
ihrer ,dummheit vorzubeugen1 erscheint
uns heute selbst bloss als eine akute
,form der ,dummheit4 ,wir bewundern die
,zahnrzte nicht mehr1 welche die ,zhne
ausreissen1 damit sie nicht mehr weh
thun444 ,mit einiger ,billigkeit werde
andrerseits zugestanden1 dass auf dem
,boden1 aus dem das ,christenthum
gewachsen ist1 der ,begriff
,vergeistigung der ,passion gar nicht
concipirt werden konnte4 ,die erste
,kirche kmpfte ja1 wie bekannt1 gegen
die ,intelligenten zu ,gunsten der
,armen des ,geistes3 wie drfte man von
ihr einen intelligenten ,krieg gegen die
,passion erwarten8 - ,die ,kirche
bekmpft die ,leidenschaft mit
,ausschneidung in jedem ,sinne3 ihre
,praktik1 ihre ,kur ist der
,castratismus4 ,sie fragt nie3 wie
vergeistigt1 verschnt1 vergttlicht man
eine ,begierde8 - sie hat zu allen
,zeiten den ,nachdruck der ,disciplin
auf die ,ausrottung 7der ,sinnlichkeit1
des ,stolzes1 der ,herrschsucht1 der
,habsucht1 der ,rachsucht7 gelegt4 -
,aber die ,leidenschaften an der ,wurzel
angreifen heisst das ,leben an der
,wurzel angreifen3 die ,praxis der
,kirche ist lebensfeindlich444 #b4
,dasselbe ,mittel1 ,verschneidung1
,ausrottung1 wird instinktiv im ,kampfe
mit einer ,begierde von ,denen gewhlt1
welche zu willensschwach1 zu degenerirt
sind1 um sich ein ,maass in ihr
auflegen zu knnen3 von jenen ,naturen1
die la ,trappe nthig haben1 im
,gleidiniss gesprochen 7und ohne
,gleichniss -71 irgend eine endgltige
,feindschafts-,erklrung1 eine ,kluft
zwischen sich und einer ,passion4 ,die
radikalen ,mittel sind nur den
,degenerirten unentbehrlich2 die
,schwche des ,willens1 bestinunter
geredet1 die ,unfhigkeit1 auf einen
,reiz nicht zu reagiren1 ist selbst
bloss eine andre ,form der
,degenerescenz4 ,die radikale
,feindschaft1 die ,todfeindschaft gegen
die ,sinnlichkeit bleibt ein
nachdenkliches ,symptom3 man ist damit
zu ,vermuthungen ber den
,gesammt-,zustand eines dergestalt
,excessiven berechtigt4 - ,jene
,feindschaft1 jener ,hass kommt brigens
erst auf seine ,spitze1 wenn solche
,naturen selbst zur ,radikal-,kur1 zur
,absage von ihrem ,teufel nicht mehr
,festigkeit genug haben4 ,man berschaue
die ganze ,geschichte der ,priester und
,philosophen1 der ,knstler
hinzugenommen3 das ,giftigste gegen die
,sinne ist nicht von den ,impotenten
gesagt1 auch nicht von den ,asketen1
sondern von den unmglichen ,asketen1
von ,solchen1 die es nthig gehabt htten1
,asketen zu sein444 #c4 ,die
,vergeistigung der ,sinnlichkeit heisst
,liebe3 sie ist ein grosser ,triumph
ber das ,christenthum4 ,ein andrer
,triumph ist unsre ,vergeistigung der
,feindschaft4 ,sie besteht darin1 dass
man tief den ,werth begreift1 den es
hat1 ,feinde zu haben3 kurz1 dass man
umgekehrt thut und schliesst als man
ehedem that und schloss4 ,die ,kirche
wollte zu allen ,zeiten die
,vernichtung ihrer ,feinde3 wir1 wir
,immoralisten und ,antichristen1 sehen
unsern ,vortheil darin1 dass die ,kirche
besteht444 ,auch im ,politischen ist
die ,feindschaft jetzt geistiger
geworden1 - viel klger1 viel
nachdenklicher1 viel schonender4 ,fast
jede ,partei begreift ihr
,selbsterhaltungs-,interesse darin1 dass
die ,gegenpartei nicht von ,krften
kommt2 dasselbe gilt von der grossen
,politik4 ,eine neue ,schpfung zumal1
etwa das neue ,reich1 hat ,feinde
nthiger als ,freunde3 im ,gegensatz erst
fhlt es sich nothwendig1 im ,gegensatz
wird es erst nothwendig444 ,nicht
anders verhalten wir uns gegen den
inneren ,feind3 auch da haben wir die
,feindschaft vergeistigt1 auch da haben
wir ihren ,werth begriffen4 ,man ist
nur fruchtbar um den ,preis1 an
,gegenstzen reich zu sein2 man bleibt
nur jung unter der ,voraussetzung1 dass
die ,seele nicht sich streckt1 nicht
nach ,frieden begehrt444 ,nichts ist uns
fremder geworden als jene
,wnschbarkeit von ,ehedem1 die vom
,frieden der ,seele1 die christliche
,wnschbarkeit2 ,nichts macht uns weniger
,neid als die ,moral-,kuh und das
fette ,glck des guten ,gewissens4 ,man
hat auf das grosse ,leben verzichtet1
wenn man auf den ,krieg verzichtet444
,in vielen ,fllen freilich ist der
,frieden der ,seele bloss ein
,missverstndniss1 - etwas ,anderes1 das
sich nur nicht ehrlicher zu benennen
weiss4 ,ohne ,umschweif und ,vorurtheil
ein paar ,flle4 ,frieden der ,seele
kann zum ,beispiel die sanfte
,ausstrahlung einer reichen ,animalitt
in's ,moralische 7oder ,religise7 sein4
,oder der ,anfang der ,mdigkeit1 der
erste ,schatten1 den der ,abend1 jede
,art ,abend wirft4 ,oder ein ,zeichen
davon1 dass die ,luft feucht ist1 dass
,sdwinde herankommen4 ,oder die
,dankbarkeit wider ,wissen fr eine
glckliche ,verdauung 7,menschenliebe
mitunter genannt74 ,oder das
,stille-werden des ,genesenden1 dem
alle ,dinge neu schmecken und der
wartet444 ,oder der ,zustand1 der einer
starken ,befriedigung unsrer
herrschenden ,leidenschaft folgt1 das
,wohlgefhl einer seltnen ,sattheit4
,oder die ,altersschwche unsres
,willens1 unsrer ,begehrungen1 unsrer
,laster4 ,oder die ,faulheit1 von der
,eitelkeit berredet1 sich moralisch
aufzuputzen4 ,oder der ,eintritt einer
,gewissheit1 selbst furchtbaren
,gewissheit1 nach einer langen
,spannung und ,marterung durch die
,ungewissheit4 ,oder der ,ausdruck der
,reife und ,meisterschaft mitten im
,thun1 ,schaffen1 ,wirken1 ,wollen1 das
ruhige ,athmen1 die erreichte ,freiheit
des ,willens444 ,gtzen-,dmmerung3 wer
weiss8 vielleicht auch nur eine ,art
,frieden der ,seele444 #d4 -
,ich bringe ein ,princip in ,formel4
,jeder ,naturalismus in der ,moral1 das
heisst jede gesunde ,moral ist von
einem ,instinkte des ,lebens
beherrscht1 - irgend ein ,gebot des
,lebens wird mit einem bestimmten
,kanon von ,soll und ,soll nicht erfllt1
irgend eine ,hemmung und
,feindseligkeit auf dem ,wege des
,lebens wird damit bei ,seite geschafft4
,die widernatrliche ,moral1 das heisst
fast jede ,moral1 die bisher gelehrt1
verehrt und gepredigt worden ist1 wendet
sich umgekehrt gerade gegen die
,instinkte des ,lebens1 - sie ist eine
bald heimliche1 bald laute und freche
,verurtheilung dieser ,instinkte4 ,indem
sie sagt ,gott sieht das ,herz an1
sagt sie ,nein zu den untersten und
obersten ,begehrungen des ,lebens und
nimmt ,gott als ,feind des ,lebens444
,der ,heilige1 an dem ,gott sein
,wohlgefallen hat1 ist der ideale
,castrat444 ,das ,leben ist zu ,ende1
wo das ,reich ,gottes anfngt444 #e4
,gesetzt1 dass man das ,frevelhafte
einer solchen ,auflehnung gegen das
,leben begriffen hat1 wie sie in der
christlichen ,moral beinahe sakrosankt
geworden ist1 so hat man damit1 zum
,glck1 auch ,etwas ,andres begriffen3
das ,nutzlose1 ,scheinbare1 ,absurde1
,lgnerische einer solchen ,auflehnung4
,eine ,verurtheilung des ,lebens von
,seiten des ,lebenden bleibt zuletzt
doch nur das ,symptom einer bestimmten
,art von ,leben3 die ,frage1 ob mit
,recht1 ob mit ,unrecht1 ist gar nicht
damit aufgeworfen4 ,man msste eine
,stellung ausserhalb des ,lebens haben1
und andrerseits es so gut kennen1 wie
,einer1 wie ,viele1 wie ,alle1 die es
gelebt haben1 um das ,problem vom ,werth
des ,lebens berhaupt anrhren zu drfen3
,grnde genug1 um zu begreifen1 dass das
,problem ein fr uns unzugngliches
,problem ist4 ,wenn wir von ,werthen
reden1 reden wir unter der
,inspiration1 unter der ,optik des
,lebens3 das ,leben selbst zwingt uns
,werthe anzusetzen1 das ,leben selbst
werthet durch uns1 wenn wir ,werthe
ansetzen444 ,daraus folgt1 dass auch
jene ,widernatur von ,moral1 welche
,gott als ,gegenbegriff und
,verurtheilung des ,lebens fasst1 nur
ein ,werthurtheil des ,lebens ist -
welches ,lebens8 ,welcher ,art von
,leben8 - ,aber ich gab schon die
,antwort3 des niedergehenden1 des
geschwchten1 des mden1 des verurtheilten
,lebens4 ,moral1 wie sie bisher
verstanden worden ist - wie sie zuletzt
noch von ,schopenhauer formulirt wurde
als ,verneinung des ,willens zum ,leben
- ist der dcadence-,instinkt selbst1
der aus sich einen ,imperativ macht3 sie
sagt3 geh zu ,grunde sie ist das
,urtheil ,verurtheilter444 #f4
,erwgen wir endlich noch1 welche
,naivett es berhaupt ist1 zu sagen so
und so sollte der ,mensch sein6 ,die
,wirklichkeit zeigt uns einen
entzckenden ,reichthum der ,typen1 die
ppigkeit eines verschwenderischen
,formenspiels und -,wechsels3 und irgend
ein armseliger ,eckensteher von
,moralist sagt dazu3 nein6 der ,mensch
sollte anders sein8444 ,er weiss es
sogar1 wie er sein sollte1 dieser
,schlucker und ,mucker1 er malt sich an
die ,wand und sagt dazu ecce homo6444
,aber selbst wenn der ,moralist sich
bloss an den ,einzelnen wendet und zu
ihm sagt3 so und so solltest du sein6
hrt er nicht auf1 sich lcherlich zu
machen4 ,der ,einzelne ist ein ,stck
fatum1 von ,vorne und von ,hinten1 ein
,gesetz mehr1 eine ,nothwendigkeit mehr
fr ,alles1 was kommt und sein wird4 ,zu
ihm sagen ndere dich heisst verlangen1
dass ,alles sich ndert1 sogar rckwrts
noch444 ,und wirklich1 es gab
consequente ,moralisten1 sie wollten den
,menschen anders1 nmlich tugendhaft1
sie wollten ihn nach ihrem ,bilde1
nmlich als ,mucker3 dazu verneinten sie
die ,welt6 ,keine kleine ,tollheit6
,keine bescheidne ,art der
,unbescheidenheit6444 ,die ,moral1
insofern sie verurtheilt1 an sich1
nicht aus ,hinsichten1 ,rcksichten1
,absichten des ,lebens1 ist ein
spezifischer ,irrthum1 mit dem man kein
,mitleiden haben soll1 eine
,degenerirten-,idiosynkrasie1 die
unsglich viel ,schaden gestiftet
hat6444 ,wir ,anderen1 wir
,immoralisten1 haben umgekehrt unser
,herz weit gemacht fr alle ,art
,verstehn1 ,begreifen1 ,gutheissen4 ,wir
verneinen nicht leicht1 wir suchen
unsre ,ehre darin1 ,bejahende zu sein4
,immer mehr ist uns das ,auge fr jene
konomie aufgegangen1 welche alles ,das
noch braucht und auszuntzen weiss1 was
der heilige ,aberwitz des ,priesters1
der kranken ,vernunft im ,priester
verwirft1 fr jene konomie im ,gesetz
des ,lebens1 die selbst aus der
widerlichen species des ,muckers1 des
,priesters1 des ,tugendhaften ihren
,vortheil zieht1 - welchen ,vortheil8 -
,aber wir selbst1 wir ,immoralisten
sind hier die ,antwort444 - ,die
vier grossen ,irrthmer4 #a4
,irrthum der ,verwechslung von ,ursache
und ,folge4 - ,es giebt keinen
gefhrlicheren ,irrthum als die ,folge
mit der ,ursache zu verwechseln3 ich
heisse ihn die eigentliche ,verderbniss
der ,vernunft4 ,trotzdem gehrt dieser
,irrthum zu den ltesten und jngsten
,gewohnheiten der ,menschheit3 er ist
selbst unter uns geheiligt1 er trgt den
,namen ,religion1 ,moral4 ,jeder ,satz1
den die ,religion und die ,moral
formulirt1 enthlt ihn2 ,priester und
,moral-,gesetzgeber sind die ,urheber
jener ,verderbniss der ,vernunft4 - ,ich
nehme ein ,beispiel3 ,jedermann kennt
das ,buch des berhmten ,cornaro1 in dem
er seine schmale ,dit als ,recept zu
einem langen und glcklichen ,leben -
auch tugendhaften - anrth4 ,wenige
,bcher sind so viel gelesen worden1 noch
jetzt wird es in ,england jhrlich in
vielen ,tausenden von ,exemplaren
gedruckt4 ,ich zweifle nicht daran1 dass
kaum ein ,buch 7die ,bibel1 wie
billig1 ausgenommen7 so viel ,unheil
gestiftet1 so viele ,leben verkrzt hat
wie dies so wohlgemeinte ,curiosum4
,grund dafr3 die ,verwechslung der
,folge mit der ,ursache4 ,der biedere
,italiner sah in seiner ,dit die
,ursache seines langen ,lebens3 whrend
die ,vorbedingung zum langen ,leben1
die ausserordentliche ,langsamkeit des
,stoffwechsels1 der geringe ,verbrauch1
die ,ursache seiner schmalen ,dit war4
,es stand ihm nicht frei1 wenig oder
viel zu essen1 seine ,frugalitt war
nicht ein freier ,wille3 er wurde
krank1 wenn er mehr ass4 ,wer aber kein
,karpfen ist1 thut nicht nur gut1
sondern hat es nthig1 ordentlich zu
essen4 ,ein ,gelehrter unsrer ,tage1 mit
seinem rapiden ,verbrauch an
,nervenkraft1 wrde sich mit dem rgime
,cornaro's zu ,grunde richten4 ,crede
experto4 - #b4 ,die allgemeinste
,formel1 die jeder ,religion und ,moral
zu ,grunde liegt1 heisst3 ,thue das
und das1 lass das und das - so wirst du
glcklich6 ,im andern ,falle444 ,jede
,moral1 jede ,religion ist dieser
,imperativ1 - ich nenne ihn die grosse
,erbsnde der ,vernunft1 die unsterbliche
,unvernunft4 ,in meinem ,munde
verwandelt sich jene ,formel in ihre
,umkehrung - erstes ,beispiel meiner
,umwerthung aller ,werthe3 ein
wohlgerathener ,mensch1 ein ,glcklicher1
muss gewisse ,handlungen thun und
scheut sich instinktiv vor anderen
,handlungen1 er trgt die ,ordnung1 die
er physiologisch darstellt1 in seine
,beziehungen zu ,menschen und ,dingen
hinein4 ,in ,formel3 seine ,tugend ist
die ,folge seines ,glcks444 ,langes
,leben1 eine reiche ,nachkommenschaft
ist nicht der ,lohn der ,tugend1 die
,tugend ist vielmehr selbst jene
,verlangsamung des ,stoffwechsels1 die1
unter ,anderem1 auch ein langes ,leben1
eine reiche ,nachkommenschaft1 kurz
den ,cornarismus im ,gefolge hat4 - ,die
,kirche und die ,moral sagen3 ein
,geschlecht1 ein ,volk wird durch
,laster und ,luxus zu ,grunde gerichtet4
,meine wiederhergestellte ,vernunft
sagt3 wenn ein ,volk zu ,grunde geht1
physiologisch degenerirt1 so folgen
daraus ,laster und ,luxus 7das heisst
das ,bedrfniss nach immer strkeren und
hufigeren ,reizen1 wie sie jede
erschpfte ,natur kennt74 ,dieser junge
,mann wird frhzeitig blass und welk4
,seine ,freunde sagen3 daran ist die
und die ,krankheit schuld4 ,ich sage3
dass er krank wurde1 dass er der
,krankheit nicht widerstand1 war bereits
die ,folge eines verarmten ,lebens1
einer hereditren ,erschpfung4 ,der
,zeitungsleser sagt3 diese ,partei
richtet sich mit einem solchen ,fehler
zu ,grunde4 ,meine hhere ,politik sagt3
eine ,partei1 die solche ,fehler macht1
ist am ,ende - sie hat ihre
,instinkt-,sicherheit nicht mehr4
,jeder ,fehler in jedem ,sinne ist die
,folge von ,instinkt-,entartung1 von
,disgregation des ,willens3 man definirt
beinahe damit das ,schlechte4 ,alles
,gute ist ,instinkt - und1 folglich1
leicht1 nothwendig1 frei4 ,die ,mhsal
ist ein ,einwand1 der ,gott ist typisch
vom ,helden unterschieden 7in meiner
,sprache3 die leichten ,fsse das erste
,attribut der ,gttlichkeit74 #c4
,irrthum einer falschen ,urschlichkeit4
- ,man hat zu allen ,zeiten geglaubt1
zu wissen1 was eine ,ursache ist3 aber
woher nahmen wir unser ,wissen1
genauer1 unsern ,glauben1 hier zu
wissen8 ,aus dem ,bereich der berhmten
inneren ,thatsachen1 von denen bisher
keine sich als thatschlich erwiesen
hat4 ,wir glaubten uns selbst im ,akt
des ,willens urschlich2 wir meinten da
wenigstens die ,urschlichkeit auf der
,that zu ertappen4 ,man zweifelte
insgleichen nicht daran1 dass alle
antecedentia einer ,handlung1 ihre
,ursachen1 im ,bewusstsein zu suchen
seien und darin sich wiederfnden1 wenn
man sie suche - als ,motive3 man wre ja
sonst zu ihr nicht frei1 fr sie nicht
verantwortlich gewesen4 ,endlich1 wer
htte bestritten1 dass ein ,gedanke
verursacht wird8 dass das ,ich den
,gedanken verursacht8444 ,von diesen
drei inneren ,thatsachen1 mit denen
sich die ,urschlichkeit zu verbrgen
schien1 ist die erste und berzeugendste
die vom ,willen als ,ursache2 die
,conception eines ,bewusstseins
7,geistes7 als ,ursache und spter noch
die des ,ich 7des ,subjekts7 als
,ursache sind bloss nachgeboren1
nachdem vom ,willen die ,urschlichkeit
als gegeben feststand1 als ,empirie444
,inzwischen haben wir uns besser
besonnen4 ,wir glauben heute kein ,wort
mehr von dem ,allen4 ,die innere ,welt
ist voller ,trugbilder und ,irrlichter3
der ,wille ist eins von ihnen4 ,der
,wille bewegt nichts mehr1 erklrt
folglich auch nichts mehr - er begleitet
bloss ,vorgnge1 er kann auch fehlen4
,das sogenannte ,motiv3 ein andrer
,irrthum4 ,bloss ein ,oberflchenphnomen
des ,bewusstseins1 ein ,nebenher der
,that1 das eher noch die antecedentia
einer ,that verdeckt1 als dass es sie
darstellt4 ,und gar das ,ich6 ,das ist
zur ,fabel geworden1 zur ,fiktion1 zum
,wortspiel3 das hat ganz und gar
aufgehrt1 zu denken1 zu fhlen und zu
wollen6444 ,was folgt daraus8 ,es giebt
gar keine geistigen ,ursachen6 ,die
ganze angebliche ,empirie dafr gieng zum
,teufel6 ,das folgt daraus6 - ,und wir
hatten einen artigen ,missbrauch mit
jener ,empirie getrieben1 wir hatten
die ,welt daraufhin geschaffen als eine
,ursachen-,welt1 als eine
,willens-,welt1 als eine ,geister-,welt4
,die lteste und lngste ,psychologie
war hier am ,werk1 sie hat gar nichts
,anderes gethan3 alles ,geschehen war
ihr ein ,thun1 alles ,thun ,folge eines
,willens1 die ,welt wurde ihr eine
,vielheit von ,thtern1 ein ,thter 7ein
,subjekt7 schob sich allem ,geschehen
unter4 ,der ,mensch hat seine drei
inneren ,thatsachen1 ,das1 woran er am
festesten glaubte1 den ,willen1 den
,geist1 das ,ich1 aus sich
herausprojicirt1 - er nahm erst den
,begriff ,sein aus dem ,begriff ,ich
heraus1 er hat die ,dinge als seiend
gesetzt nach seinem ,bilde1 nach seinem
,begriff des ,ichs als ,ursache4 ,was
,wunder1 dass er spter in den ,dingen
immer nur wiederfand1 was er in sie
gesteckt hatte8- ,das ,ding selbst1
nochmals gesagt1 der ,begriff ,ding1
ein ,reflex bloss vom ,glauben an's ,ich
als ,ursache444 ,und selbst noch ,ihr
,atom1 meine ,herren ,mechanisten und
,physiker1 wie viel ,irrthum1 wie viel
rudimentre ,psychologie ist noch in
,ihrem ,atom rckstndig6 - ,gar nicht zu
reden vom ,ding an sich1 vom horrendum
pudendum der ,metaphysiker6 ,der
,irrthum vom ,geist als ,ursache mit
der ,realitt verwechselt6 ,und zum
,maass der ,realitt gemacht6 ,und ,gott
genannt6 - #d4 ,irrthum der
imaginren ,ursachen4 - ,vom ,traume
auszugehn3 einer bestimmten
,empfindung1 zum ,beispiel in ,folge
eines fernen ,kanonenschusses1 wird
nachtrglich eine ,ursache untergeschoben
7oft ein ganzer kleiner ,roman1 in dem
gerade der ,trumende die ,hauptperson
ist74 ,die ,empfindung dauert inzwischen
fort1 in einer ,art von ,resonanz3 sie
wartet gleichsam1 bis der
,ursachentrieb ihr erlaubt1 in den
,vordergrund zu treten1 - nunmehr nicht
mehr als ,zufall1 sondern als ,sinn4
,der ,kanonenschuss tritt in einer
causalen ,weise auf1 in einer
anscheinenden ,umkehrung der ,zeit4 ,das
,sptere1 die ,motivirung1 wird zuerst
erlebt1 oft mit hundert ,einzelnheiten1
die wie im ,blitz vorbergehn1 der
,schuss folgt444 ,was ist geschehen8
,die ,vorstellungen1 welche ein
gewisses ,befinden erzeugte1 wurden als
,ursache desselben missverstanden4 -
,thatschlich machen wir es im ,wachen
ebenso4 ,unsre meisten ,allgemeingefhle
- jede ,art ,hemmung1 ,druck1
,spannung1 ,explosion im ,spiel und
,gegenspiel der ,organe1 wie in
,sonderheit der ,zustand des nervus
sympathicus - erregen unsern
,ursachentrieb3 wir wollen einen ,grund
haben1 uns so und so zu befinden1 - uns
schlecht zu befinden oder gut zu
befinden4 ,es gengt uns niemals1 einfach
bloss die ,thatsache1 dass wir uns so
und so befinden1 festzustellen3 wir
lassen diese ,thatsache erst zu1 -
werden ihrer bewusst -1 wenn wir ihr
eine ,art ,motivirung gegeben haben4 -
,die ,erinnerung1 die in solchem
,falle1 ohne unser ,wissen1 in
,thtigkeit tritt1 fhrt frhere ,zustnde
gleicher ,art und die damit verwachsenen
,causal-,interpretationen herauf1 -
nicht deren ,urschlichkeit4 ,der ,glaube
freilich1 dass die ,vorstellungen1 die
begleitenden ,bewusstseins-,vorgnge die
,ursachen gewesen seien1 wird durch
die ,erinnerung auch mit heraufgebracht4
,so entsteht eine ,gewhnung an eine
bestimmte ,ursachen-,interpretation1
die in ,wahrheit eine ,erforschung der
,ursache hemmt und selbst ausschliesst4
#e4 ,psychologische ,erklrung
dazu4 - ,etwas ,unbekanntes auf etwas
,bekanntes zurckfhren1 erleichtert1
beruhigt1 befriedigt1 giebt ausserdem
ein ,gefhl von ,macht4 ,mit dem
,unbekannten ist die ,gefahr1 die
,unruhe1 die ,sorge gegeben1 - der
erste ,instinkt geht dahin1 diese
peinlichen ,zustnde wegzuschaffen4
,erster ,grundsatz3 irgend eine
,erklrung ist besser als keine4 ,weil
es sich im ,grunde nur um ein
,loswerdenwollen drckender
,vorstellungen handelt1 nimmt man es
nicht gerade streng mit den ,mitteln1
sie loszuwerden3 die erste ,vorstellung1
mit der sich das ,unbekannte als
bekannt erklrt1 thut so wohl1 dass man
sie fr wahr hlt4 ,beweis der ,lust 7der
,kraft7 als ,criterium der ,wahrheit4 -
,der ,ursachen-,trieb ist also bedingt
und erregt durch das ,furchtgefhl4
,das ,warum8 soll1 wenn irgend mglich1
nicht sowohl die ,ursache um ihrer
selber willen geben1 als vielmehr eine
,art von ,ursache - eine beruhigende1
befreiende1 erleichternde ,ursache4
,dass etwas schon ,bekanntes1
,erlebtes1 in die ,erinnerung
,eingeschriebenes als ,ursache
angesetzt wird1 ist die erste ,folge
dieses ,bedrfnisses4 ,das ,neue1 das
,unerlebte1 das ,fremde wird als
,ursache ausgeschlossen4 - ,es wird also
nicht nur eine ,art von ,erklrungen
als ,ursache gesucht1 sondern eine
ausgesuchte und bevorzugte ,art von
,erklrungen1 die1 bei denen am
schnellsten1 am hufigsten das ,gefhl des
,fremden1 ,neuen1 ,unerlebten
weggeschafft worden ist1 - die
gewhnlichsten ,erklrungen4 - ,folge3
eine ,art von ,ursachen-,setzung
berwiegt immer mehr1 concentrirt sich
zum ,system und tritt endlich dominirend
hervor1 das heisst andere ,ursachen
und ,erklrungen einfach ausschliessend4
- ,der ,banquier denkt sofort an's
,geschft1 der ,christ an die ,snde1 das
,mdchen an seine ,liebe4 #f4
,der ganze ,bereich der ,moral und
,religion gehrt unter diesen ,begriff
der imaginren ,ursachen4 - ,erklrung der
unangenehmen ,allgemeingefhle4
,dieselben sind bedingt durch ,wesen1
die uns feind sind 7bse ,geister3
berhmtester ,fall - ,missverstndniss der
,hysterischen als ,hexen74 ,dieselben
sind bedingt durch ,handlungen1 die
nicht zu billigen sind 7das ,gefhl der
,snde1 der ,sndhaftigkeit einem
physiologischen ,missbehagen
untergeschoben - man findet immer
,grnde1 mit sich unzufrieden zu sein74
,dieselben sind bedingt als ,strafen1
als eine ,abzahlung fr ,etwas1 das wir
nicht htten thun1 das wir nicht htten
sein sollen 7in impudenter ,form von
,schopenhauer zu einem ,satze
verallgemeinert1 in dem die ,moral als
,das erscheint1 was sie ist1 als
eigentliche ,giftmischerin und
,verleumderin des ,lebens3 jeder grosse
,schmerz1 sei er leiblich1 sei er
geistig1 sagt aus1 was wir verdienen2
denn er knnte nicht an uns kommen1 wenn
wir ihn nicht verdienten4 ,welt als
,wille und ,vorstellung1 #b1 #fff74
,dieselben sind bedingt als ,folgen
unbedachter1 schlimm auslaufender
,handlungen 7die ,affekte1 die ,sinne
als ,ursache1 als schuld angesetzt2
physiologische ,nothstnde mit ,hlfe
anderer ,nothstnde als verdient
ausgelegt74 - ,erklrung der angenehmen
,allgemeingefhle4 ,dieselben sind
bedingt durch ,gottvertrauen4
,dieselben sind bedingt durch das
,bewusstsein guter ,handlungen 7das
sogenannte gute ,gewissen1 ein
physiologischer ,zustand1 der mitunter
einer glcklichen ,verdauung zum
,verwechseln hnlich sieht74 ,dieselben
sind bedingt durch den glcklichen
,ausgang von ,unternehmungen 7- naiver
,fehlschluss3 der glckliche ,ausgang
einer ,unternehmung schafft einem
,hypochonder oder3 einem ,pascal
durchaus keine angenehmen
,allgemeingefhle74 ,dieselben sind
bedingt durch ,glaube1 ,liebe1
,hoffnung - die christlichen ,tugenden4
- ,in ,wahrheit sind alle diese
vermeintlichen ,erklrungen ,folgezustnde
und gleichsam bersetzungen von ,lust
oder ,unlust-,gefhlen in einen falschen
,dialekt3 man ist im ,zustande zu
hoffen1 weil das physiologische
,grundgefhl wieder stark und reich ist2
man vertraut ,gott1 weil das ,gefhl der
,flle und ,strke ,einem ,ruhe giebt4 -
,die ,moral und ,religion gehrt ganz
und gar unter die ,psychologie des
,irrthums3 in jedem einzelnen ,falle
wird ,ursache und ,wirkung verwechselt2
oder die ,wahrheit mit der ,wirkung des
als wahr ,geglaubten verwechselt2 oder
ein ,zustand des ,bewusstseins mit der
,urschlichkeit dieses ,zustands
verwechselt4 #g4 ,irrthum vom
freien ,willen4 - ,wir haben heute kein
,mitleid mehr mit dem ,begriff freier
,wille3 wir wissen nur zu gut1 was er
ist - das anrchigste
,theologen-,kunststck1 das es giebt1 zum
,zweck1 die ,menschheit in ihrem
,sinne verantwortlich zu machen1 das
heisst sie von sich abhngig zu
machen444 ,ich gebe hier nur die
,psychologie alles
,verantwortlichmachens4 - berall1 wo
,verantwortlichkeiten gesucht werden1
pflegt es der ,instinkt des ,strafen-
und ,richten-,wollens zu sein1 der da
sucht4 ,man hat das ,werden seiner
,unschuld entkleidet1 wenn irgend ein
,so-und-so ,sein auf ,wille1 auf
,absichten1 auf ,akte der
,verantwortlichkeit zurckgefhrt wird3
die ,lehre vom ,willen ist wesentlich
erfunden zum ,zweck der ,strafe1 das
heisst des ,schuldig-finden-wollens4
,die ganze alte ,psychologie1 die
,willens-,psychiologie hat ihre
,voraussetzung darin1 dass deren
,urheber1 die ,priester an der ,spitze
alter ,gemeinwesen1 sich ein ,recht
schaffen wollten1 ,strafen zu verhngen
- oder ,gott dazu ein ,recht schaffen
wollten444 ,die ,menschen wurden frei
gedacht1 um gerichtet1 um gestraft
werden zu knnen1 - um schuldig werden zu
knnen3 folglich musste jede ,handlung
als gewollt1 der ,ursprung jeder
,handlung im ,bewusstsein liegend
gedacht werden 7- womit die
grundstzlichste ,falschmnzerei in
psychologicis zum ,princip der
,psychologie selbst gemacht war444 7
,heute1 wo wir in die umgekehrte
,bewegung eingetreten sind1 wo wir
,immoralisten zumal mit aller ,kraft den
,schuldbegriff und den ,strafbegriff
aus der ,welt wieder herauszunehmen und
,psychologie1 ,geschichte1 ,natur1 die
gesellschaftlichen ,institutionen und
,sanktionen von ihnen zu reinigen
suchen1 giebt es in unsern ,augen keine
radikalere ,gegnerschaft als die der
,theologen1 welche fortfahren1 mit dem
,begriff der sittlichen ,weltordnung die
,unschuld des ,werdens durch ,strafe
und ,schuld zu durchseuchen4 ,das
,christenthum ist eine ,metaphysik des
,henkers444 #h4 ,was kann allein
unsre ,lehre sein8 - ,dass ,niemand dem
,menschen seine ,eigenschaften giebt1
weder ,gott1 noch die ,gesellschaft1
noch seine ,eltern und ,vorfahren1 noch
er selbst 7- der ,unsinn der hier
zuletzt abgelehnten ,vorstellung ist
als intelligible ,freiheit von ,kant1
vielleicht auch schon von ,plato gelehrt
worden74 ,niemand ist dafr
verantwortlich1 dass er berhaupt da ist1
dass er so und so beschaffen ist1 dass
er unter diesen ,umstnden1 in dieser
,umgebung ist4 ,die ,fatalitt seines
,wesens ist nicht herauszulsen aus der
,fatalitt alles dessen1 was war und was
sein wird4 ,er ist nicht die ,folge
einer eignen ,absicht1 eines ,willens1
eines ,zwecks1 mit ihm wird nicht der
,versuch gemacht1 ein ,ideal von ,mensch
oder ein ,ideal von ,glck oder ein
,ideal von ,moralitt zu erreichen1 - es
ist absurd1 sein ,wesen in irgend einen
,zweck hin abwlzen zu wollen4 ,wir
haben den ,begriff ,zweck erfunden3 in
der ,realitt fehlt der ,zweck444 ,man
ist nothwendig1 man ist ein ,stck
,verhngniss1 man gehrt zum ,ganzen1 man
ist im ,ganzen1 - es giebt ,nichts1 was
unser ,sein richten1 messen1
vergleichen1 verurtheilen knnte1 denn
das hiesse das ,ganze richten1 messen1
vergleichen1 verurtheilen444 ,aber es
giebt ,nichts ausser dem ,ganzen6 -
,dass ,niemand mehr verantwortlich
gemacht wird1 dass die ,art des ,seins
nicht auf eine causa prima zurckgefhrt
werden darf1 dass die ,welt weder als
,sensorium1 noch als ,geist eine
,einheit ist1 dies erst ist die grosse
,befreiung1 - damit erst ist die
,unschuld des ,werdens wieder
hergestellt444 ,der ,begriff ,gott war
bisher der grsste ,einwand gegen das
,dasein444 ,wir leugnen ,gott1 wir
leugnen die ,verantwortlichkeit in
,gott3 damit erst erlsen wir die ,welt4
- ,die ,verbesserer der
,menschheit4 #a4 ,man kennt meine
,forderung an den ,philosophen1 sich
jenseits von ,gut und ,bse zu stellen1
- die ,illusion des moralischen
,urtheils unter sich zu haben4 ,diese
,forderung folgt aus einer ,einsicht1
die von mir zum ersten ,male formulirt
worden ist3 dass es gar keine
moralischen ,thatsachen giebt4 ,das
moralische ,urtheil hat ,das mit dem
religisen gemein1 dass es an ,realitten
glaubt1 die keine sind4 ,moral ist nur
eine ,ausdeutung gewisser ,phnomene1
bestimmter geredet1 eine ,missdeutung4
,das moralische ,urtheil gehrt1 wie das
religise1 einer ,stufe der
,unwissenheit zu1 auf der selbst der
,begriff des ,realen1 die
,unterscheidung des ,realen und
,imaginren noch fehlt3 so dass
,wahrheit auf solcher ,stufe lauter
,dinge bezeichnet1 die wir heute
,einbildungen nennen4 ,das moralische
,urtheil ist insofern nie wrtlich zu
nehmen3 als solches enthlt es immer nur
,widersinn4 ,aber es bleibt als
,semiotik unschtzbar3 es offenbart1 fr
den ,wissenden wenigstens1 die
werthvollsten ,realitten von ,culturen
und ,innerlichkeiten1 die nicht genug
wussten1 um sich selbst zu verstehn4
,moral ist bloss ,zeichenrede1 bloss
,symptomatologie3 man muss bereits
wissen1 worum es sich handelt1 um von
ihr ,nutzen zu ziehen4 #b4 ,ein
erstes ,beispiel und ganz vorlufig4 ,zu
allen ,zeiten hat man die ,menschen
verbessern wollen3 dies vor ,allem hiess
,moral4 ,aber unter dem gleichen ,wort
ist das ,allerverschiedenste von
,tendenz versteckt4 ,sowohl die ,zhmung
der ,bestie ,mensch als die ,zchtung
einer bestimmten ,gattung ,mensch ist
,besserung genannt worden3 erst diese
zoologischen termini drcken ,realitten
aus - ,realitten freilich1 von denen der
typische ,verbesserer1 der ,priester1
,nichts weiss - ,nichts wissen will444
,die ,zhmung eines ,thieres seine
,besserung nennen ist in unsren ,ohren
beinahe ein ,scherz4 ,wer weiss1 was in
,menagerien geschieht1 zweifelt daran1
dass die ,bestie daselbst verbessert
wird4 ,sie wird geschwcht1 sie wird
weniger schdlich gemacht1 sie wird
durch den depressiven ,affekt der
,furcht1 durch ,schmerz1 durch ,wunden1
durch ,hunger zur krankhaften ,bestie4 -
,nicht anders steht es mit dem
gezhmten ,menschen1 den der ,priester
verbessert hat4 ,im frhen ,mittelalter1
wo in der ,that die ,kirche vor ,allem
eine ,menagerie war1 machte man
allerwrts auf die schnsten ,exemplare
der blonden ,bestie ,jagd1 - man
verbesserte zum ,beispiel die vornehmen
,germanen4 ,aber wie sah hinterdrein
ein solcher verbesserter1 in's ,kloster
verfhrter ,germane aus8 ,wie eine
,caricatur des ,menschen1 wie eine
,missgeburt3 er war zum ,snder geworden1
er stak im ,kfig1 man hatte ihn
zwischen lauter schreckliche ,begriffe
eingesperrt444 ,da lag er nun1 krank1
kmmerlich1 gegen sich selbst bswillig2
voller ,hass gegen die ,antriebe zum
,leben1 voller ,verdacht gegen ,alles1
was noch stark und glcklich war4 ,kurz1
ein ,christ444 ,physiologisch geredet3
im ,kampf mit der ,bestie kann ,krank
machen das einzige ,mittel sein1 sie
schwach zu machen4 ,das verstand die
,kirche3 sie verdarb den ,menschen1 sie
schwchte ihn1 - aber sie nahm in
,anspruch1 ihn verbessert zu haben444
#c4 ,nehmen wir den andern ,fall der
sogenannten ,moral1 den ,fall der
,zchtung einer bestimmten ,rasse und
,art4 ,das grossartigste ,beispiel dafr
giebt die indische ,moral1 als ,gesetz
des ,manu zur ,religion sanktionirt4
,hier ist die ,aufgabe gestellt1 nicht
weniger als vier ,rassen auf einmal zu
zchten3 eine priesterliche1 eine
kriegerische1 eine hndler- und
ackerbauerische1 endlich eine
,dienstboten-,rasse1 die ,sudras4
,ersichtlich sind wir hier nicht mehr
unter ,thierbndigern3 eine hundert ,mal
mildere und vernnftigere ,art ,mensch
ist die ,voraussetzung1 um auch nur den
,plan einer solchen ,zchtung zu
concipiren4 ,man athmet auf1 aus der
christlichen ,kranken- und ,kerkerluft
in diese gesndere1 hhere1 weitere ,welt
einzutreten4 ,wie armselig ist das neue
,testament gegen ,manu1 wie schlecht
riecht es6 - ,aber auch diese
,organisation hatte nthig1 furchtbar zu
sein1 - nicht dies ,mal im ,kampf mit
der ,bestie1 sondern mit ihrem
,gegensatz-,begriff1 dem
,nicht-,zucht-,menschen1 dem
,mischmasch-,menschen1 dem ,tschandala4
,und wieder hatte sie kein andres
,mittel1 ihn ungefhrlich1 ihn schwach
zu machen1 als ihn krank zu machen1 - es
war der ,kampf mit der grossen ,zahl4
,vielleicht giebt es nichts unserm
,gefhle ,widersprechenderes als diese
,schutzmaassregeln der indischen
,moral4 ,das dritte ,edikt zum ,beispiel
7,avadana-,sastra #a71 das von den
unreinen ,gemsen1 ordnet an1 dass die
einzige ,nahrung1 die den ,tschandala
erlaubt ist1 ,knoblauch und ,zwiebeln
sein sollen1 in ,anbetracht1 dass die
heilige ,schrift verbietet1 ihnen ,korn
oder ,frchte1 die ,krner tragen1 oder
,wasser oder ,feuer zu geben4 ,dasselbe
,edikt setzt fest1 dass das ,wasser1
welches sie nthig haben1 weder aus den
,flssen1 noch aus den ,quellen1 noch aus
den ,teichen genommen werden drfe1
sondern nur aus den ,zugngen zu ,smpfen
und aus ,lchern1 welche durch die
,fusstapfen der ,thiere entstanden sind4
,insgleichen wird ihnen verboten1 ihre
,wsche zu waschen und sich selbst zu
waschen1 da das ,wasser1 das ihnen aus
,gnade zugestanden wird1 nur benutzt
werden darf1 den ,durst zu lschen4
,endlich ein ,verbot an die
,sudra-,frauen1 den ,tschandala-,frauen
bei der ,geburt beizustehen1
insgleichen noch eins fr die letzteren1
einander dabei beizustehen444 - ,der
,erfolg einer solchen ,sanitts-,polizei
blieb nicht aus3 mrderische ,seuchen1
scheussliche ,geschlechtskrankheiten und
darauf hin wieder das ,gesetz des
,messers1 die ,beschneidung fr die
mnnlichen1 die ,abtragung der kleinen
,schamlippen fr die weiblichen ,kinder
anordnend4 - ,manu selbst sagt3 die
,tschandala sind die ,frucht von
,ehebruch1 ,incest und ,verbrechen 7-
dies die nothwendige ,consequenz des
,begriffs ,zchtung74 ,sie sollen zu
,kleidern nur die ,lumpen von
,leichnamen haben1 zum ,geschirr
zerbrochne ,tpfe1 zum ,schmuck altes
,eisen1 zum ,gottesdienst nur die bsen
,geister2 sie sollen ohne ,ruhe von
einem ,ort zum andern schweifen4 ,es ist
ihnen verboten1 von links nach rechts
zu schreiben und sich der rechten ,hand
zum ,schreiben zu bedienen3 der
,gebrauch der rechten ,hand und des von
,links nach ,rechts ist bloss den
,tugendhaften vorbehalten1 den ,leuten
von ,rasse4 - #d4 ,diese
,verfgungen sind lehrreich genug3 in
ihnen haben wir einmal die arische
,humanitt1 ganz rein1 ganz ursprnglich1
- wir lernen1 dass der ,begriff reines
,blut der ,gegensatz eines harmlosen
,begriffs ist4 ,andrerseits wird klar1
in welchem ,volk sich der ,hass1 der
,tschandala-,hass gegen diese ,humanitt
verewigt hat1 wo er ,religion1 wo er
,genie geworden ist444,unter diesem
,gesichtspunkte sind die ,evangelien
eine ,urkunde ersten ,ranges2 noch mehr
das ,buch ,henoch4 - ,das
,christenthum1 aus jdischer ,wurzel und
nur verstndlich als ,gewchs dieses
,bodens1 stellt die ,gegenbewegung gegen
jede ,moral der ,zchtung1 der ,rasse1
des ,privilegiums dar3 - es ist die
antiarische ,religion par excellence3
das ,christenthum die ,umwerthung aller
arischen ,werthe1 der ,sieg der
,tschandala ,werthe1 das ,evangelium
den ,armen1 den ,niedrigen gepredigt1
der ,gesammt-,aufstand alles
,niedergetretenen1 ,elenden1
,missrathenen1 ,schlechtweggekommenen
gegen die ,rasse1 - die unsterbliche
,tschandala-,rache als ,religion der
,liebe444 #e4 ,die ,moral der
,zchtung und die ,moral der ,zhmung sind
in den ,mitteln1 sich durchzusetzen1
vollkommen einander wrdig3 wir drfen als
obersten ,satz hinstellen1 dass1 um
,moral zu machen1 man den unbedingten
,willen zum ,gegentheil haben muss4
,dies ist das grosse1 das unheimliche
,problem1 dem ich am lngsten
nachgegangen bin3 die ,psychologie der
,verbesserer der ,menschheit4 ,eine
kleine und im ,grunde bescheidne
,thatsache1 die der sogenannten pia
fraus1 gab mir den ersten ,zugang zu
diesem ,problem3 die pia fraus1 das
,erbgut aller ,philosophen und
,priester1 die die ,menschheit
verbesserten4 ,weder ,manu1 noch
,plato1 noch ,confucius1 noch die
jdischen und christlichen ,lehrer haben
je an ihrem ,recht zur ,lge gezweifelt4
,sie haben an ganz andren ,rechten
nicht gezweifelt444 ,in ,formel
ausgedrckt drfte man sagen3 alle
,mittel1 wodurch bisher die ,menschheit
moralisch gemacht werden sollte1 waren
von ,grund aus unmoralisch4 -
,was den ,deutschen abgeht4 #a4
,unter ,deutschen ist es heute nicht
genug1 ,geist zu haben3 man muss ihn
noch sich nehmen1 sich ,geist
herausnehmen444 ,vielleicht kenne ich
die ,deutschen1 vielleicht darf ich
selbst ihnen ein paar ,wahrheiten
sagen4 ,das neue ,deutschland stellt ein
grosses ,quantum vererbter und
angeschulter ,tchtigkeit dar1 so dass es
den aufgehuften ,schatz von ,kraft
eine ,zeit lang selbst verschwenderisch
ausgeben darf4 ,es ist nicht eine hohe
,cultur1 die mit ihm ,herr geworden1
noch weniger ein delikater ,geschmack1
eine vornehme ,schnheit der ,instinkte2
aber mnnlichere ,tugenden1 als sonst
ein ,land ,europa's aufweisen kann4
,viel guther ,muth und ,achtung vor sich
selber1 viel ,sicherheit im ,verkehr1
in der ,gegenseitigkeit der ,pflichten1
viel ,arbeitsamkeit1 viel ,ausdauer -
und eine angeerbte ,mssigung1 welche
eher des ,stachels als des ,hemmschuhs
bedarf4 ,ich fge hinzu1 dass hier noch
gehorcht wird1 ohne dass das ,gehorchen
demthigt444 ,und ,niemand verachtet
seinen ,gegner444 ,man sieht1 es ist
mein ,wunsch1 den ,deutschen gerecht zu
sein3 ich mchte mir darin nicht untreu
werden1 - ich muss ihnen also auch
meinen ,einwand machen4 ,es zahlt sich
theuer1 zur ,macht zu kommen3 die
,macht verdummt444 ,die ,deutschen - man
hiess sie einst das ,volk der ,denker3
denken sie heute berhaupt noch8 - ,die
,deutschen langweilen sich jetzt am
,geiste1 die ,deutschen misstrauen jetzt
dem ,geiste1 die ,politik verschlingt
allen ,ernst fr wirklich geistige ,dinge
- ,deutschland1 ,deutschland ber
,alles1 ich frchte1 das war das ,ende
der deutschen ,philosophie444 ,giebt es
deutsche ,philosophen8 giebt es
deutsche ,dichter8 giebt es gute
deutsche ,bcher8 fragt man mich im
,ausland4 ,ich errthe1 aber mit der
,tapferkeit1 die mir auch in
verzweifelten ,fllen zu eigen ist1
antworte ich3 ,ja1 ,bismarck6 - ,drfte
ich auch nur eingestehn1 welche ,bcher
man heute liest8444 ,vermaledeiter
,instinkt der ,mittelmssigkeit6 -
#b4 - ,was der deutsche ,geist sein
knnte1 wer htte nicht schon darber
seine schwermthigen ,gedanken gehabt6
,aber dies ,volk hat sich willkrlich
verdummt1 seit einem ,jahrtausend
beinahe3 nirgendswo sind die zwei
grossen europischen ,narcotica1 ,alkohol
und ,christenthum1 lasterhafter
gemissbraucht worden4 ,neuerdings kam
sogar noch ein drittes hinzu1 mit dem
allein schon aller feinen und khnen
,beweglichkeit des ,geistes der ,garaus
gemacht werden kann1 die ,musik1 unsre
verstopfte verstopfende deutsche ,musik4
- ,wie viel verdriessliche ,schwere1
,lahmheit1 ,feuchtigkeit1 ,schlafrock1
wie viel ,bier ist in der deutschen
,intelligenz6 ,wie ist es eigentlich
mglich1 dass junge ,mnner1 die den
geistigsten ,zielen ihr ,dasein weihn1
nicht den ersten ,instinkt der
,geistigkeit1 den
,selbsterhaltungs-,instinkt des
,geistes in sich fhlen - und ,bier
trinken8444 ,der ,alkoholismus der
gelehrten ,jugend ist vielleicht noch
kein ,fragezeichen in ,absicht ihrer
,gelehrsamkeit - man kann ohne ,geist
sogar ein grosser ,gelehrter sein -1
aber in jedem andren ,betracht bleibt er
ein ,problem4 - ,wo fnde man sie
nicht1 die sanfte ,entartung1 die das
,bier im ,geiste hervorbringt6 ,ich
habe einmal in einem beinahe berhmt
gewordnen ,fall den ,finger auf eine
solche ,entartung gelegt - die
,entartung unsres ersten deutschen
,freigeistes1 des klugen ,david
,strauss1 zum ,verfasser eines
,bierbank-,evangeliums und neuen
,glaubens444 ,nicht umsonst hatte er
der holden ,braunen sein ,gelbniss in
,versen gemacht - ,treue bis zum
,tod444 #c4 - ,ich sprach vom
deutschen ,geiste3 dass er grber wird1
dass er sich verflacht4 ,ist das genug8
- ,im ,grunde ist es etwas ganz
,anderes1 das mich erschreckt3 wie es
immer mehr mit dem deutschen ,ernste1
der deutschen ,tiefe1 der deutschen
,leidenschaft in geistigen ,dingen
abwrts geht4 ,das ,pathos hat sich
verndert1 nicht bloss die
,intellektualitt4 - ,ich berhre hier und
da deutsche ,universitten3 was fr eine
,luft herrscht unter deren ,gelehrten1
welche de1 welche gengsam und lau
gewordne ,geistigkeit6 ,es wre ein
tiefes ,missverstndniss1 wenn man mir
hier die deutsche ,wissenschaft
einwenden wollte - und ausserdem ein
,beweis dafr1 dass man nicht ein ,wort
von mir gelesen hat4 ,ich bin seit
siebzehn ,jahren nicht mde geworden1
den entgeistigenden ,einfluss unsres
jetzigen ,wissenschafts-,betriebs an's
,licht zu stellen4 ,das harte
,helotenthum1 zu dem der ungeheure
,umfang der ,wissenschaften heute jeden
,einzelnen verurtheilt1 ist ein
,hauptgrund dafr1 dass voller1 reicher1
tiefer angelegte ,naturen keine ihnen
gemsse ,erziehung und ,erzieher mehr
vorfinden4 ,unsre ,cultur leidet an
,nichts mehr1 als an dem berfluss
anmaasslicher ,eckensteher und
,bruchstck-,humanitten2 unsre
,universitten sind1 wider ,willen1 die
eigentlichen ,treibhuser fr diese ,art
,instinkt-,verkmmerung des ,geistes4
,und ganz ,europa hat bereits einen
,begriff davon - die grosse ,politik
tuscht ,niemanden444 ,deutschland gilt
immer mehr als ,europa's ,flachland4 -
,ich suche noch nach einem ,deutschen1
mit dem ich auf meine ,weise ernst sein
knnte1 - um wie viel mehr nach einem1
mit dem ich heiter sein drfte6
,gtzen-,dmmerung3 ah wer begriffe es
heute1 von was fr einem ,ernste sich
hier ein ,einsiedler erholt6 - ,die
,heiterkeit ist an uns das
,unverstndlichste444 #d4 ,man
mache einen berschlag3 es liegt nicht
nur auf der ,hand1 dass die deutsche
,cultur niedergeht1 es fehlt auch nicht
am zureichenden ,grund dafr4 ,niemand
kann zuletzt mehr ausgeben als er hat -
das gilt von ,einzelnen1 das gilt von
,vlkern4 ,giebt man sich fr ,macht1 fr
grosse ,politik1 fr ,wirthschaft1
,weltverkehr1 ,parlamentarismus1
,militr-,interessen aus1 - giebt man das
,quantum ,verstand1 ,ernst1 ,wille1
,selbstberwindung1 das man ist1 nach
dieser ,seite weg1 so fehlt es auf der
andern ,seite4 ,die ,cultur und der
,staat - man betrge sich hierber nicht
- sind ,antagonisten3 ,cultur-,staat ist
bloss eine moderne ,idee4 ,das ,eine
lebt vom ,andern1 das ,eine gedeiht auf
,unkosten des ,anderen4 ,alle grossen
,zeiten der ,cultur sind politische
,niedergangs-,zeiten3 was gross ist im
,sinn der ,cultur war unpolitisch1
selbst antipolitisch4 - ,goethen gieng
das ,herz auf bei dem ,phnomen
,napoleon1 - es gieng ihm zu beiden
,freiheits-,kriegen444 ,in demselben
,augenblick1 wo ,deutschland als
,grossmacht heraufkommt1 gewinnt
,frankreich als ,culturmacht eine
vernderte ,wichtigkeit4 ,schon heute
ist viel neuer ,ernst1 viel neue
,leidenschaft des ,geistes nach ,paris
bergesiedelt2 die ,frage des
,pessimismus zum ,beispiel1 die ,frage
,wagner1 fast alle psychologischen und
artistischen ,fragen werden dort
unvergleichlich feiner und grndlicher
erwogen als in ,deutschland1 - die
,deutschen sind selbst unfhig zu dieser
,art ,ernst4 - ,in der ,geschichte der
europischen ,cultur bedeutet die
,heraufkunft des ,reichs vor allem
,eins3 eine ,verlegung des
,schwergewichts4 ,man weiss es berall
bereits3 in der ,hauptsache - und das
bleibt die ,cultur - kommen die
,deutschen nicht mehr in ,betracht4 ,man
fragt3 habt ihr auch nur ,einen fr
,europa mitzhlenden ,geist aufzuweisen8
wie euer ,goethe1 euer ,hegel1 euer
,heinrich ,heine1 euer ,schopenhauer
mitzhlte8 - ,dass es nicht einen
einzigen deutschen ,philosophen mehr
giebt1 darber ist des ,erstaunens kein
,ende4 - #e4 ,dem ganzen hheren
,erziehungswesen in ,deutschland ist die
,hauptsache abhanden gekommen3 ,zweck
sowohl als ,mittel zum ,zweck4 ,dass
,erziehung1 ,bildung selbst ,zweck ist
- und nicht das ,reich -1 dass es zu
diesem ,zweck der ,erzieherbedarf - und
nicht der ,gymnasiallehrer und
,universitts-,gelehrten - man vergass
das444 ,erzieher thun noth1 die selbst
erzogen sind1 berlegene1 vornehme
,geister1 in jedem ,augenblick
bewiesen1 durch ,wort und ,schweigen
bewiesen1 reife1 sss gewordene
,culturen1 - nicht die gelehrten ,rpel1
welche ,gymnasium und ,universitt der
,jugend heute als hhere ,ammen
entgegenbringt4 ,die ,erzieherfehlen1
die ,ausnahmen der ,ausnahmen
abgerechnet1 die erste ,vorbedingung
der ,erziehung3 daher der ,niedergang
der deutschen ,cultur4 - ,eine jener
allerseltensten ,ausnahmen ist mein
verehrungswrdiger ,freund ,jakob
,burckhardt in ,basel3 ihm zuerst
verdankt ,basel seinen ,vorrang von
,humanitt4 - ,was die hheren ,schulen
,deutschlands thatschlich erreichen1
das ist eine brutale ,abrichtung1 um1
mit mglichst geringem ,zeitverlust1
eine ,unzahl junger ,mnner fr den
,staatsdienst nutzbar1 ausnutzbar zu
machen4 ,hhere ,erziehung und ,unzahl -
das widerspricht sich von vornherein4
,jede hhere ,erziehung gehrt nur der
,ausnahme3 man muss privilegirt sein1 um
ein ,recht auf ein so hohes
,privilegium zu haben4 ,alle grossen1
alle schnen ,dinge knnen nie ,gemeingut
sein3 pulchrum est paucorum hominum4 -
,was bedingt den ,niedergang der
deutschen ,cultur8 ,dass hhere
,erziehung kein ,vorrecht mehr ist -
der ,demokratismus der allgemeinen1 der
gemein gewordnen ,bildung444 ,nicht zu
vergessen1 dass militrische
,privilegien den ,zu-,viel-,besuch der
hheren ,schulen1 das heisst ihren
,untergang1 frmlich erzwingen4 - ,es
steht ,niemandem mehr frei1 im jetzigen
,deutschland seinen ,kindern eine
vornehme ,erziehung zu geben3 unsre
hheren ,schulen sind allesammt auf die
zweideutigste ,mittelmssigkeit
eingerichtet1 mit ,lehrern1 mit
,lehrplnen1 mit ,lehrzielen4 ,und
berall herrscht eine unanstndige ,hast1
wie als ob ,etwas versumt wre1 wenn der
junge ,mann ,mit #bc ,jahren noch nicht
fertig ist1 noch nicht ,antwort weiss
auf die ,hauptfrage3 welchen ,beruf8 -
,eine hhere ,art ,mensch1 mit ,verlaub
gesagt1 liebt nicht ,berufe1 genau
deshalb1 weil sie sich berufen weiss444
,sie hat ,zeit1 sie nimmt sich ,zeit1
sie denkt gar nicht daran1 fertig zu
werden1 - mit dreissig ,jahren ist man1
im ,sinne hoher ,cultur1 ein ,anfnger1
ein ,kind4 - ,unsre berfllten
,gymnasien1 unsre berhuften1 stupid
gemachten ,gymnasiallehrer sind ein
,skandal3 um diese ,zustnde in ,schutz
zu nehmen1 wie es jngst die ,professoren
von ,heidelberg gethan haben1 dazu hat
man vielleicht ,ursachen1 - ,grnde dafr
giebt es nicht4 #f4 - ,ich
stelle1 um nicht aus meiner ,art zu
fallen1 die ja-sagend ist und mit
,widerspruch und ,kritik nur mittelbar1
nur unfreiwillig zu thun hat1 sofort
die drei ,aufgaben hin1 derentwegen man
,erzieher braucht4 ,man hat sehen zu
lernen1 man hat denken zu lernen1 man
hat sprechen und schreiben zu lernen3
das ,ziel in allen ,dreien ist eine
vornehme ,cultur4 - ,sehen lernen - dem
,auge die ,ruhe1 die ,geduld1 das
,an-sich-herankommen-lassen angewhnen2
das ,urtheil hinausschieben1 den
,einzelfall von allen ,seiten umgehn und
umfassen lernen4 ,das ist die erste
,vorschulung zur ,geistigkeit3 auf einen
,reiz nicht sofort reagiren1 sondern
die hemmenden1 die abschliessenden
,instinkte in die ,hand bekommen4
,sehen lernen1 so wie ich es verstehe1
ist beinahe ,das1 was die
unphilosophische ,sprechweise den
starken ,willen nennt3 das ,wesentliche
daran ist gerade1 nicht wollen1 die
,entscheidung aussetzen knnen4 ,alle
,ungeistigkeit1 alle ,gemeinheit beruht
auf dem ,unvermgen1 einem ,reize
,widerstand zu leisten - man muss
reagiren1 man folgt jedem ,impulse4 ,in
vielen ,fllen ist ein solches ,mssen
bereits ,krankhaftigkeit1 ,niedergang1
,symptom der ,erschpfung1 - fast ,alles1
was die unphilosophische ,rohheit mit
dem ,namen ,laster bezeichnet1 ist
bloss jenes physiologische ,unvermgen1
nicht zu reagiren4 - ,eine
,nutzanwendung vom ,sehen-gelernt-haben3
man wird als ,lernender berhaupt
langsam1 misstrauisch1 widerstrebend
geworden sein4 ,man wird ,fremdes1
,neues jeder ,art zunchst mit
feindseliger ,ruhe herankommen lassen1
- man wird seine ,hand davor zurckziehn4
,das ,offenstehn mit allen ,thren1 das
unterthnige ,auf-dem-,bauch-,liegen vor
jeder kleinen ,thatsache1 das allzeit
sprungbereite ,sich-hinein-,setzen1
,sich-hinein-,strzen in ,andere und
,anderes1 kurz die berhmte moderne
,objektivitt ist schlechter ,geschmack1
ist unvornehm par excellence4 -
#g4 ,denken lernen3 man hat auf
unsren ,schulen keinen ,begriff mehr
davon4 ,selbst auf den ,universitten1
sogar unter den eigentlichen ,gelehrten
der ,philosophie beginnt ,logik als
,theorie1 als ,praktik1 als ,handwerk1
auszusterben4 ,man lese deutsche ,bcher3
nicht mehr die entfernteste
,erinnerung daran1 dass es zum ,denken
einer ,technik1 eines ,lehrplans1 eines
,willens zur ,meisterschaft bedarf1 -
dass ,denken gelernt sein will1 wie
,tanzen gelernt sein will1 als eine ,art
,tanzen444 ,wer kennt unter ,deutschen
jenen feinen ,schauder aus ,erfahrung
noch1 den die leichten ,fsse im
,geistigen in alle ,muskeln berstrmen6 -
,die steife ,tlpelei der geistigen
,gebrde1 die plumpe ,hand beim ,fassen -
das ist in dem ,grade deutsch1 dass
man es im ,auslande mit dem deutschen
,wesen berhaupt verwechselt4 ,der
,deutsche hat keine ,finger fr
nuances444 ,dass die ,deutschen ihre
,philosophen auch nur ausgehalten haben1
vor ,allen jenen verwachsensten
,begriffs-,krppel1 den es je gegeben
hat1 den grossen ,kant1 giebt keinen
kleinen ,begriff von der deutschen
,anmuth4 - ,man kann nmlich das ,tanzen
in jeder ,form nicht von der vornehmen
,erziehung abrechnen1 ,tanzen knnen mit
den ,fssen1 mit den ,begriffen1 mit den
,worten2 habe ich noch zu sagen1 dass
man es auch mit der ,feder knnen muss1
- dass man schreiben lernen muss8 -
,aber an dieser ,stelle wrde ich
deutschen ,lesern vollkommen zum ,rthsel
werden444 ,streifzge eines
,unzeitgemssen4 #a4 ,meine
,unmglichen4 - ,seneca3 oder der
,toreador der ,tugend4 - ,rousseau3
oder die ,rckkehr zur ,natur in impuris
naturalibus4 - ,schiller3 oder der
,moral-,trompeter von ,sckingen4 -
,dante3 oder die ,hyne1 die in ,grbern
dichtet4 - ,kant3 oder cant als
intelligibler ,charakter4 -,victor
,hugo3 oder der ,pharus am ,meere des
,unsinns4 - ,liszt3 oder die ,schule
der ,gelufigkeit - nach ,weibern4 -
,george ,sand3 oder lactea ubertas1 auf
deutsch3 die ,milchkuh mit schnem
,stil4 - ,michelet3 oder die
,begeisterung1 die den ,rock
auszieht444,carlyle3 oder ,pessimismus
als zurckgetretenes ,mittagessen4 -
,john ,stuart ,mill3 oder die
beleidigende ,klarheit4 - ,les frres de
,goncourt3 oder die beiden ,ajaxe im
,kampf mit ,homer4 ,musik von
,offenbach4 - ,zola3 oder die ,freude
zu stinken4 - #b4 ,renan4 -
,theologie1 oder die ,verderbniss der
,vernunft durch die ,erbsnde 7das
,christenthum74 ,zeugniss ,renan1 der1
sobald er einmal ein ,ja oder ,nein
allgemeinerer ,art risquirt1 mit
peinlicher ,regelmssigkeit daneben
greift4 ,er mchte zum ,beispiel la
science und la noblesse in ,eins
verknpfen3 aber la science gehrt zur
,demokratie1 das greift sich doch mit
,hnden4 ,er wnscht1 mit keinem kleinen
,ehrgeize1 einen ,aristokratismus des
,geistes darzustellen3 aber zugleich
liegt er vor dessen ,gegenlehre1 dem
vangile des humbles auf den ,knien und
nicht nur auf den ,knien444 ,was hilft
alle ,freigeisterei1 ,modernitt1
,sptterei und
,wendehals-,geschmeidigkeit1 wenn man
mit seinen ,eingeweiden ,christ1
,katholik und sogar ,priester geblieben
ist6 ,renan hat seine ,erfindsamkeit1
ganz wie ein ,jesuit und ,beichtvater1
in der ,verfhrung2 seiner ,geistigkeit
fehlt das breite ,pfaffen-,geschmunzel
nicht1 - er wird1 wie alle ,priester1
gefhrlich erst1 wenn er liebt4 ,niemand
kommt ihm darin gleich1 auf eine
lebensgefhrliche ,weise anzubeten444
,dieser ,geist ,renan's1 ein ,geist1
der entnervt1 ist ein ,verhngniss mehr
fr das arme1 kranke1 willenskranke
,frankreich4 - #c4
,sainte-,beuve4 - ,nichts von ,mann2
voll eines kleinen ,ingrimms gegen alle
,mannsgeister4 ,schweift umher1 fein1
neugierig1 gelangweilt1 aushorcherisch1
- eine ,weibsperson im ,grunde1 mit
einer ,weibs-,rachsucht und
,weibs-,sinnlichkeit4 ,als ,psycholog
ein ,genie der mdisance2 unerschpflich
reich an ,mitteln dazu2 ,niemand
versteht besser1 mit einem ,lob ,gift
zu mischen4 ,plebejisch in den untersten
,instinkten und mit dem ressentiment
,rousseau's verwandt3 folglich
,romantiker - denn unter allem
romantisme grunzt und giert der
,instinkt ,rousseau's nach ,rache4
,revolutionr1 aber durch die ,furcht
leidlich noch im ,zaum gehalten4 ,ohne
,freiheit vor ,allem1 was ,strke hat
7ffentliche ,meinung1 ,akademie1 ,hof1
selbst ,port ,royal74 ,erbittert gegen
alles ,grosse an ,mensch und ,ding1
gegen ,alles1 was an sich glaubt4
,dichter und ,halbweib genug1 um das
,grosse noch als ,macht zu fhlen2
gekrmmt bestndig1 wie jener berhmte
,wurm1 weil er sich bestndig getreten
fhlt4 ,als ,kritiker ohne ,maassstab1
,halt und ,rckgrat1 mit der ,zunge des
kosmopolitischen libertin fr ,vielerlei1
aber ohne den ,muth selbst zum
,eingestndniss der libertinage4 ,als
,historiker ohne ,philosophie1 ohne die
,macht des philosophischen ,blicks1 -
deshalb die ,aufgabe des ,richtens in
allen ,hauptsachen ablehnend1 die
,objektivitt als ,maske vorhaltend4
,anders verhlt er sich zu allen
,dingen1 wo ein feiner1 vernutzter
,geschmack die hchste ,instanz ist3 da
hat er wirklich den ,muth zu sich1 die
,lust an sich1 - da ist er ,meister4 -
,nach einigen ,seiten eine ,vorform
,baudelaire's4 - #d4 ,die
imitatio ,christi gehrt zu den ,bchern1
die ich nicht ohne einen
physiologischen ,widerstand in den
,hnden halte3 sie haucht einen parfum
des ,ewig-,weiblichen aus1 zu dem man
bereits ,franzose sein muss - oder
,wagnerianer444 ,dieser ,heilige hat
eine ,art von der ,liebe zu reden1 dass
sogar die ,pariserinnen neugierig
werden4 - ,man sagt mir1 dass jener
klgste ,jesuit1 ,a4 ,comte1 der seine
,franzosen auf dem ,umweg der
,wissenschaft nach ,rom fhren wollte1
sich an diesem ,buche inspirirt habe4
,ich glaube es3 die ,religion des
,herzens444 #e4 ,g4 ,eliot4 -
,sie sind den christlichen ,gott los und
glauben nun um1 so mehr die
christliche ,moral festhalten zu mssen3
das ist eine englische
,folgerichtigkeit1 wir wollen sie den
,moral ,weiblein la ,eliot nicht
verbeln4 ,in ,england muss man sich fr
jede kleine ,emancipation von der
,theologie in furchteinflssender ,weise
als ,moral-,fanatiker wieder zu ,ehren
bringen4 ,das ist dort die ,busse1 die
man zahlt4 - ,fr uns ,andre steht es
anders4 ,wenn man den christlichen
,glauben aufgiebt1 zieht man sich damit
das ,recht zur christlichen ,moral
unter den ,fssen weg4 ,diese versteht
sich schlechterdings nicht von selbst3
man muss diesen ,punkt1 den englischen
,flachkpfen zum ,trotz1 immer wieder
an's ,licht stellen4 ,das ,christenthum
ist ein ,system1 eine zusammengedachte
und ganze ,ansicht der ,dinge4 ,bricht
man aus ihm einen ,hauptbegriff1 den
,glauben an ,gott1 heraus1 so zerbricht
man damit auch das ,ganze3 man hat
nichts ,nothwendiges mehr zwischen den
,fingern4 ,das ,christenthum setzt
voraus1 dass der ,mensch nicht wisse1
nicht wissen knne1 was fr ihn gut1 was
bse ist3 er glaubt an ,gott1 der allein
es weiss4 ,die christliche ,moral ist
ein ,befehl2 ihr ,ursprung ist
transscendent2 sie ist jenseits aller
,kritik1 alles ,rechts auf ,kritik2 sie
hat nur ,wahrheit1 falls ,gott die
,wahrheit ist1 - sie steht und fllt mit
dem ,glauben an ,gott4 - ,wenn
thatschlich die ,englnder glauben1 sie
wssten von sich aus1 intuitiv1 was gut
und bse ist1 wenn sie folglich
vermeinen1 das ,christenthum als
,garantie der ,moral nicht mehr nthig
zu haben1 so ist dies selbst bloss die
,folge der ,herrschaft des christlichen
,werthurtheils und ein ,ausdruck von
der ,strke und ,tiefe dieser
,herrschaft3 so dass der ,ursprung der
englischen ,moral vergessen worden ist1
so dass das ,sehr-,bedingte ihres
,rechts auf ,dasein nicht mehr empfunden
wird4 ,fr den ,englnder ist die ,moral
noch kein ,problem444 #f4
,george ,sand4 - ,ich las die ersten
lettres d'un voyageur3 wie ,alles1 was
von ,rousseau stammt1 falsch1 gemacht1
,blasebalg1 bertrieben4 ,ich halte
diesen bunten ,tapeten-,stil nicht aus2
ebensowenig als die ,pbel-,ambition
nach genersen ,gefhlen4 ,das ,schlimmste
freilich bleibt die ,weibskoketterie
mit ,mnnlichkeiten1 mit ,manieren
ungezogener ,jungen4 - ,wie kalt muss
sie bei alledem gewesen sein1 diese
unausstehliche ,knstlerin6 ,sie zog sich
auf wie eine ,uhr - und schrieb444
,kalt1 wie ,hugo wie ,balzac1 wie alle
,romantiker1 sobald sie dichteten6 ,und
wie selbstgefllig sie dabei dagelegen
haben mag1 diese fruchtbare
,schreibe-,kuh1 die etwas ,deutsches im
schlimmen ,sinne an sich hatte1 gleich
,rousseau selbst1 ihrem ,meister1 und
jedenfalls erst beim ,niedergang des
franzsischen ,geschmacks mglich war6 -
,aber ,renan verehrt sie444 #g4
,moral fr ,psychologen4 - ,keine
,colportage-,psychologie treiben6 ,nie
beobachten1 um zu beobachten6 ,das giebt
eine falsche ,optik1 ein ,schielen1
etwas ,erzwungenes und bertreibendes4
,erleben als ,erleben-,wollen - das
gerth nicht4 ,man darf nicht im
,erlebniss nach sich hinblicken1 jeder
,blick wird da zum bsen ,blick4 ,ein
geborner ,psycholog htet sich aus
,instinkt1 zu sehn1 um zu sehn2 dasselbe
gilt vom gebornen ,maler4 ,er arbeitet
nie nach der ,natur1 - er berlsst
seinem ,instinkte1 seiner camera obscura
das ,durchsieben und ,ausdrcken des
,falls1 der ,natur1 des ,erlebten444
,das ,allgemeine erst kommt ihm zum
,bewusstsein1 der ,schluss1 das
,ergebniss3 er kennt jenes willkrliche
,abstrahiren vom einzelnen ,falle nicht4
- ,was wird daraus1 wenn man es anders
macht8 ,zum ,beispiel nach ,art der
,pariser romanciers gross und klein
,colportage-,psychologie treibt8 ,das
lauert gleichsam der ,wirklichkeit auf1
das bringt jeden ,abend eine ,handvoll
,curiositten mit nach ,hause444 ,aber
man sehe nur1 was zuletzt herauskommt -
ein ,haufen von ,klecksen1 ein ,mosaik
besten ,falls1 in jedem ,falle etwas
,zusammen-,addirtes1 ,unruhiges1
,farbenschreiendes4 ,das ,schlimmste
darin erreichen die ,goncourt3 sie
setzen nicht drei ,stze zusammen1 die
nicht dem ,auge1 dem ,psychologen-,auge
einfach weh thun4 - ,die ,natur1
knstlerisch abgeschtzt1 ist kein
,modell4 ,sie bertreibt1 sie verzerrt1
sie lsst ,lcken4 ,die ,natur ist der
,zufall4 ,das ,studium nach der ,natur
scheint mir ein schlechtes ,zeichen3 es
verrth ,unterwerfung1 ,schwche1
,fatalismus1 - dies ,im-,staube-,liegen
vor petits faits ist eines ganzen
,knstlers unwrdig4 ,sehen1 was ist - das
gehrt einer andern ,gattung von
,geistern4 zu1 den antiartistischen1 den
,thatschlichen4 ,man muss wissen1 wer
man ist444 #h4 ,zur ,psychologie
des ,knstlers4 - ,damit es ,kunst
giebt1 damit es irgend ein sthetisches
,thun und ,schauen giebt1 dazu ist eine
physiologische ,vorbedingung
unumgnglich3 der ,rausch4 ,der ,rausch
muss erst die ,erregbarkeit der ganzen
,maschine gesteigert haben3 eher kommt
es zu keiner ,kunst4 ,alle noch so
verschieden bedingten ,arten des
,rausches haben dazu die ,kraft3 vor
,allem der ,rausch der
,geschlechtserregung1 diese lteste und
ursprnglichste ,form des ,rausches4
,insgleichen der ,rausch1 der im
,gefolge aller grossen ,begierden1 aller
starken ,affekte kommt2 der ,rausch
des ,festes1 des ,wettkampfs1 des
,bravourstcks1 des ,siegs1 aller
extremen ,bewegung2 der ,rausch der
,grausamkeit2 der ,rausch in der
,zerstrung2 der ,rausch unter gewissen
meteorologischen ,einflssen1 zum
,beispiel der ,frhlingsrausch2 oder
unter dem ,einfluss der ,narcotica2
endlich der ,rausch des ,willens1 der
,rausch eines berhuften und
geschwellten ,willens4 - ,das
,wesentliche am ,rausch ist das ,gefhl
der ,kraftsteigerung und ,flle4 ,aus
diesem ,gefhle giebt man an die ,dinge
ab1 man zwingt sie von uns zu nehmen1
man vergewaltigt sie1 - man heisst
diesen ,vorgang ,idealisiren4 ,machen
wir uns hier von einem ,vorurtheil los3
das ,idealisiren besteht nicht1 wie
gemeinhin geglaubt wird1 in einem
,abziehn oder ,abrechnen des ,kleinen1
des ,nebenschlichen4 ,ein ungeheures
,heraustreibender ,hauptzge ist
vielmehr das ,entscheidende1 so dass die
andern darber verschwinden4 #i4
,man bereichert in diesem ,zustande
,alles aus seiner eignen ,flle3 was man
sieht1 was man will1 man sieht es
geschwellt1 gedrngt1 stark1 berladen
mit ,kraft4 ,der ,mensch dieses
,zustandes verwandelt die ,dinge1 bis
sie seine ,macht wiederspiegeln1 - bis
sie ,reflexe seiner ,vollkommenheit
sind4 ,dies ,verwandeln mssen in's
,vollkommne ist - ,kunst4 ,alles
selbst1 was er nicht ist1 wird trotzdem
ihm zur ,lust an sich2 in der ,kunst
geniesst sich der ,mensch als
,vollkommenheit4 - ,es wre erlaubt1
sich einen gegenstzlichen ,zustand
auszudenken1 ein spezifisches
,antiknstlerthum des ,instinks1 - eine
,art zu sein1 welche alle ,dinge
verarmte1 verdnnte1 schwindschtig
machte4 ,und in der ,that1 die
,geschichte ist reich an solchen
,anti-,artisten1 an solchen
,ausgehungerten des ,lebens3 welche mit
,nothwendigkeit die ,dinge noch an sich
nehmen1 sie auszehren1 sie magerer
machen mssen4 ,dies ist zum ,beispiel
der ,fall des echten ,christen1
,pascal's zum ,beispiel3 ein ,christ1
der zugleich ,knstler wre1 kommt nicht
vor444 ,man sei nicht kindlich und
wende mir ,raffael ein oder irgend
welche homopathische ,christen des
neunzehnten ,jahrhunderts3 ,raffael
sagte ,ja1 ,raffael machte ,ja1
folglich war ,raffael kein ,christ444
#aj4 ,was bedeutet der von mir in die
sthetik eingefhrte ,gegensatz-,begriff
apollinisch und dionysisch1 beide als
,arten des ,rausches begriffen8 - ,der
apollinische ,rausch hlt vor ,allem das
,auge erregt1 so dass es die ,kraft der
,vision bekommt4 ,der ,maler1 der
,plastiker1 der ,epiker sind ,visionre
par excellence4 ,im dionysischen
,zustande ist dagegen das gesammte
,affekt-,system erregt und gesteigert3
so dass es alle seine ,mittel des
,ausdrucks mit einem ,male entladet und
die ,kraft des ,darstellens1
,nachbildens1 ,transfigurirens1
,verwandelns1 alle ,art ,mimik und
,schauspielerei zugleich heraustreibt4
,das ,wesentliche bleibt die
,leichtigkeit der ,metamorphose1 die
,unfhigkeit1 nicht zu reagiren 7-
hnlich wie bei gewissen ,hysterischen1
die auch auf jeden ,wink hin in je de
,rolle eintreten74 ,es ist dem
dionysischen ,menschen unmglich1 irgend
eine ,suggestion nicht zu verstehn1 er
bersieht kein ,zeichen des ,affekts1 er
hat den hchsten ,grad des verstehenden
und errathenden ,instinkts1 wie er den
hchsten ,grad von ,mittheilungs-,kunst
besitzt4 ,er geht in jede ,haut1 in
jeden ,affekt ein3 er verwandelt sich
bestndig4 - ,musik1 wie wir sie heute
verstehn1 ist gleichfalls eine
,gesammt-,erregung und -,entladung der
,affekte1 aber dennoch nur das
berbleibsel von einer viel volleren
,ausdrucks-,welt des ,affekts1 ein
blosses residuum des dionysischen
,histrionismus4 ,man hat1 zur
,ermglichung der ,musik als
,sonderkunst1 eine ,anzahl ,sinne1 vor
,allem den ,muskelsinn still gestellt
7relativ wenigstens3 denn in einem
gewissen ,grade redet noch aller
,rhythmus zu unsern ,muskeln73 so dass
der ,mensch nicht mehr ,alles1 was er
fhlt1 sofort leibhaft nachahmt und
darstellt4 ,trotzdem ist ,das der
eigentlich dionysische ,normalzustand1
jedenfalls der ,urzustand2 die ,musik
ist die langsam erreichte
,spezifikation desselben auf ,unkosten
der nchstverwandten ,vermgen4 #aa4
,der ,schauspieler1 der ,mime1 der
,tnzer1 der ,musiker1 der ,lyriker sind
in ihren ,instinkten grundverwandt und
an sich ,eins1 aber allmhlich
spezialisirt und von einander abgetrennt
- bis selbst zum ,widerspruch4 ,der
,lyriker blieb am lngsten mit dem
,musiker geeint2 der ,schauspieler mit
dem ,tnzer4 - ,der ,architekt stellt
weder einen dionysischen1 noch einen
apollinischen ,zustand dar3 hier ist es
der grosse ,willensakt1 der ,wille1 der
,berge versetzt1 der ,rausch des
grossen ,willens1 der zur ,kunst
verlangt4 ,die mchtigsten ,menschen
haben immer die ,architekten inspirirt2
der ,architekt war stets unter der
,suggestion der ,macht4 ,im ,bauwerk
soll sich der ,stolz1 der ,sieg ber die
,schwere1 der ,wille zur ,macht
versichtbaren2 ,architektur ist eine
,art ,macht-,beredsamkeit in ,formen1
bald berredend1 selbst schmeichelnd1
bald bloss befehlend4 ,das hchste
,gefhl von ,macht und ,sicherheit kommt
in dem zum ,ausdruck1 was grossen ,stil
hat4 ,die ,macht1 die keinen ,beweis
mehr nthig hat2 die es verschmht1 zu
gefallen2 die schwer antwortet2 die
keinen ,zeugen um sich fhlt2 die ohne
,bewusstsein davon lebt1 dass es
,widerspruch gegen sie giebt2 die in
sich ruht1 fatalistisch1 ein ,gesetz
unter ,gesetzen3 ,das redet als grosser
,stil von sich4 - #ab4 ,ich las
das ,leben ,thomas ,carlyle's1 diese
farce wider ,wissen und ,willen1 diese
heroisch-moralische ,interpretation
dyspeptischer ,zustnde4 - ,carlyle1 ein
,mann der starken ,worte und ,attitden1
ein ,rhetor aus ,noth1 den bestndig
das ,verlangen nach einem starken
,glauben agairt und das ,gefhl der
,unfhigkeit dazu 7- darin ein typischer
,romantiker674 ,das ,verlangen nach
einem starken ,glauben ist nicht der
,beweis eines starken ,glaubens1
vielmehr das ,gegentheil4 ,hat man ihn1
so darf man sich den schnen ,luxus der
,skepsis gestatten3 man ist sicher
genug1 fest genug1 gebunden genug dazu4
,carlyle betubt ,etwas in sich durch
das fortissimo seiner ,verehrung fr
,menschen starken ,glaubens und durch
seine ,wuth gegen die weniger
,einfltigen3 er bedarf des ,lrms4 ,eine
bestndige leidenschaftliche
,unredlichkeit gegen sich - das ist
sein proprium1 damit ist und bleibt er
interessant4 - ,freilich1 in ,england
wird er gerade wegen seiner
,redlichkeit bewundert444 ,nun1 das ist
englisch2 und in ,anbetracht1 dass die
,englnder das ,volk des vollkommnen cant
sind1 sogar billig1 und nicht nur1
begreiflich4 ,im ,grunde ist ,carlyle
ein englischer ,atheist1 der seine
,ehre darin sucht1 es nicht zu sein4
#ac4 ,emerson4 - ,viel aufgeklrter1
schweifender1 vielfacher1 raffinirter
als ,carlyle1 vor ,allem glcklicher444
,ein ,solcher1 der sich instinktiv
bloss von ,ambrosia nhrt1 der das
,unverdauliche in den ,dingen
zurcklsst4 ,gegen ,carlyle gehalten ein
,mann des ,geschmacks4 - ,carlyle1 der
ihn sehr liebte1 sagte trotzdem von ihm3
er giebt uns nicht genug zu beissen3
was mit ,recht gesagt sein mag1 aber
nicht zu ,ungunsten ,emerson's4 -
,emerson hat jene gtige und geistreiche
,heiterkeit1 welche allen ,ernst
entmuthigt2 er weiss es schlechterdings
nicht1 wie alt er schon ist und wie jung
er noch sein wird1 - er knnte von sich
mit einem ,wort ,lope de ,vega's sagen3
yo me sucedo a mi mismo4 ,sein ,geist
findet immer ,grnde1 zufrieden und
selbst dankbar zu sein2 und bisweilen
streift er die heitere ,transscendenz
jenes ,biedermanns1 der von einem
verliebten ,stelldichein tamquam re
bene gesta zurckkam4 ,ut desint vires1
sprach er dankbar1 tamen est laudanda
voluptas4 - #ad4 ,anti-,darwin4
- ,was den berhmten ,kampf um's ,leben
betrifft1 so scheint er mir einstweilen
mehr behauptet als bewiesen4 ,er kommt
vor1 aber als ,ausnahme2 der
,gesammt-,aspekt des ,lebens ist nicht
die ,nothlage1 die ,hungerlage1
vielmehr der ,reichthum1 die ppigkeit1
selbst die absurde ,verschwendung1 - wo
gekmpft wird1 kmpft man um ,macht444
,man soll nicht ,malthus mit der ,natur
verwechseln4 - ,gesetzt aber1 es giebt
diesen ,kampf - und in der ,that1 er
kommt vor -1 so luft er leider
umgekehrt aus als die ,schule ,darwin's
wnscht1 als man vielleicht mit ihr
wnschen drfte3 nmlich zu ,ungunsten der
,starken1 der ,bevorrechtigten1 der
glcklichen ,ausnahmen4 ,die ,gattungen
wachsen nicht in der ,vollkommenheit3
die ,schwachen werden immer wieder ber
die ,starken ,herr1 - das macht1 sie
sind die grosse ,zahl1 sie sind auch
klger444 ,darwin hat den ,geist
vergessen 7- das ist englisch671 die
,schwachen haben mehr ,geist444 ,man
muss ,geist nthig haben1 um ,geist zu
bekommen1 - man verliert ihn1 wenn man
ihn nicht mehr nthig hat4 ,wer die
,strke hat1 entschlgt sich des ,geistes
7- lass fahren dahin6 denkt man heute
in ,deutschland - das ,reich muss uns
doch bleiben44474 ,ich verstehe unter
,geist1 wie man sieht1 die ,vorsicht1
die ,geduld1 die ,list1 die
,verstellung1 die grosse
,selbstbeherrschung und ,alles1 was
mimicry ist 7zu letzterem gehrt ein
grosser ,theil der sogenannten
,tugend74 #ae4
,psychologen-,casuistik4 - ,das ist ein
,menschenkenner3 wozu studirt er
eigentlich die ,menschen8 ,er will
kleine ,vortheile ber sie erschnappen1
oder auch grosse1 - er ist ein
,politikus6444 ,jener da ist auch ein
,menschenkenner3 und ihr sagt1 der wolle
,nichts damit fr sich1 das sei ein
grosser ,unpersnlicher4 ,seht schrfer
zu6 ,vielleicht will er sogar noch
einen schlimmeren ,vortheil3 sich den
,menschen berlegen fhlen1 auf sie
herabsehn drfen1 sich nicht mehr mit
ihnen verwechseln4 ,dieser ,unpersnliche
ist ein ,menschen-,verchter3 und jener
,erstere ist die humanere ,species1 was
auch der ,augenschein sagen mag4 ,er
stellt sich wenigstens gleich1 er
stellt sich hinein444 #af4 ,der
psychologische ,takt der ,deutschen
scheint mir durch eine ganze ,reihe von
,fllen in ,frage gestellt1 deren
,verzeichniss vorzulegen mich meine
,bescheidenheit hindert4 ,in ,einem
,falle wird es mir nicht an einem
grossen ,anlasse fehlen1 meine ,these zu
begrnden3 ich trage es den ,deutschen
nach1 sich ber ,kant und seine
,philosophie der ,hinterthren1 wie ich
sie nenne1 vergriffen zu haben1 - das
war nicht der ,typus der
intellektuellen ,rechtschaffenheit4 -
,das ,andre1 was ich nicht hren mag1
ist ein berchtigtes und3 die ,deutschen
sagen1 ,goethe und ,schiller1 - ich
frchte1 sie sagen ,schiller und
,goethe444 ,kennt man noch nicht diesen
,schiller8 - ,es giebt noch schlimmere
und2 ich habe mit meinen eigenen ,ohren1
allerdings nur unter
,universitts-,professoren1 gehrt
,schopenhauer und ,hartmann #ag4
,die geistigsten ,menschen1
vorausgesetzt1 dass sie die muthigsten
sind1 erleben auch bei weitem die
schmerzhaftesten ,tragdien3 aber eben
deshalb ehren sie das ,leben1 weil es
ihnen seine grsste ,gegnerschaft
entgegenstellt4 #ah4 ,zum
intellektuellen ,gewissen4 - ,nichts
scheint mir heute seltner als die echte
,heuchelei4 ,mein ,verdacht ist gross1
dass diesem ,gewchs die sanfte ,luft
unsrer ,cultur nicht zutrglich ist4 ,die
,heuchelei gehrt in die ,zeitalter des
starken ,glaubens3 wo man selbst nicht
bei der ,nthigung1 einen andern
,glauben zur ,schau zu tragen1 von dem
,glauben losliess1 den man hatte4
,heute lsst man ihn los2 oder1 was noch
gewhnlicher1 man legt sich noch einen
zweiten ,glauben zu1 - ehrlich bleibt
man in jedem ,falle4 ,ohne ,zweifel ist
heute eine sehr viel grssere ,anzahl
von berzeugungen mglich als ehemals3
mglich1 das heisst erlaubt1 das heisst
unschdlich4 ,daraus entsteht die
,toleranz gegen sich selbst4 - ,die
,toleranz gegen sich selbst gestattet
mehrere berzeugungen3 diese selbst
leben vertrglich beisammen1 - sie hten
sich1 wie alle ,welt heute1 sich zu
compromittiren4 ,womit compromittirt
man sich heute8 ,wenn man ,consequenz
hat4 ,wenn man in gerader ,linie geht4
,wenn man weniger als fnfdeutig ist4
,wenn man echt ist444 ,meine ,furcht
ist gross1 dass der moderne ,mensch fr
einige ,laster einfach zu bequem ist3
so dass diese geradezu aussterben4
,alles ,bse1 das vom starken ,willen
bedingt ist - und vielleicht giebt es
nichts ,bses ohne ,willensstrke -
entartet1 in unsrer lauen ,luft1 zur
,tugend444 ,die wenigen ,heuchler1 die
ich kennen lernte1 machten die
,heuchelei nach3 sie waren1 wie
heutzutage fast jeder zehnte ,mensch1
,schauspieler4 - #ai4 ,schn und
hsslich4 - ,nichts ist bedingter1 sagen
wir beschrnkter1 als unser ,gefhl des
,schnen4 ,wer es losgelst von der ,lust
des ,menschen am ,menschen denken
wollte1 verlre sofort ,grund und ,boden
unter den ,fssen4 ,das ,schne an sich
ist bloss ein ,wort1 nicht einmal ein
,begriff4 ,im ,schnen setzt sich der
,mensch als ,maass der ,vollkommenheit2
in4 ausgesuchten ,fllen betet er sich
darin an4 ,eine ,gattung kann gar nicht
anders als dergestalt zu sich allein ja
sagen4 ,ihr unterster ,instinkt1 der
der ,selbsterhaltung und
,selbsterweiterung1 strahlt noch in
solchen ,sublimitten aus4 ,der ,mensch
glaubt die ,welt selbst mit ,schnheit
berhuft1 - er vergisst sich als deren
,ursache4 ,er allein hat sie mit
,schnheit beschenkt1 ach6 nur mit einer
sehr menschlich-allzumenschlichen
,schnheit4444 ,im ,grunde spiegelt sich
der ,mensch in den ,dingen1 er hlt
,alles fr schn1 was ihm sein ,bild
zurckwirft3 das ,urtheil schn ist seine
,gattungs-,eitelkeit4444 ,dem
,skeptiker nmlich darf ein kleiner
,argwohn die ,frage in's ,ohr flstern3
ist wirklich damit die ,welt verschnt1
dass gerade der ,mensch sie fr schn
nimmt8 ,er hat sie vermenschlicht3 das
ist ,alles4 ,aber ,nichts1 gar ,nichts
verbrgt uns1 dass gerade der ,mensch das
,modell des ,schnen abgbe4 ,wer weiss1
wie er sich in den ,augen eines hheren
,geschmacksrichters ausnimmt8
,vielleicht gewagt8 vielleicht selbst
erheiternd8 vielleicht ein wenig
arbitrr8444 ,oh ,dionysos1 ,gttlicher1
warum ziehst du mich an den ,ohren8
fragte ,ariadne einmal bei einem jener
berhmten ,zwiegesprche auf ,naxos ihren
philosophischen ,liebhaber4 ,ich finde
eine ,art ,humor in deinen ,ohren1
,ariadne3 warum sind sie nicht noch
lnger8 #bj4 ,nichts ist schn1
nur der ,mensch ist schn3 auf dieser
,naivett ruht alle sthetik1 sie ist
deren erste ,wahrheit4 ,fgen wir sofort
noch deren zweite hinzu3 ,nichts ist
hsslich als der entartende ,mensch1 -
damit ist das ,reich des sthetischen
,urtheils umgrenzt4 - ,physiologisch
nachgerechnet1 schwcht und betrbt alles
,hssliche den ,menschen4 ,es erinnert
ihn an ,verfall1 ,gefahr1 ,ohnmacht2 er
bsst thatschlich dabei ,kraft ein4 ,man
kann die ,wirkung des ,hsslichen mit
dem ,dynamometer messen4 ,wo der ,mensch
berhaupt niedergedrckt wird1 da
wittert er die ,nhe von etwas
,hsslichem4 ,sein ,gefhl der ,macht1
sein ,wille zur ,macht1 sein ,muth1 sein
,stolz - das fllt mit dem ,hsslichen1
das steigt mit dem ,schnen444 ,im einen
wie im andern ,falle machen wir einen
,schluss3 die ,prmissen dazu sind in
ungeheurer ,flle im ,instinkte
aufgehuft4 ,das ,hssliche wird
verstanden als ein ,wink und ,symptom
der ,degenerescenz3 was im
,entferntesten an ,degenerescenz
erinnert1 das wirkt in uns das ,urtheil
hsslich4 ,jedes ,anzeichen von
,erschpfung1 von ,schwere1 von ,alter1
von ,mdigkeit1 jede ,art ,unfreiheit1
als ,krampf1 als ,lhmung1 vor ,allem der
,geruch1 die ,farbe1 die ,form der
,auflsung1 der ,verwesung1 und sei es
auch in der letzten ,verdnnung zum
,symbol - das ,alles ruft die gleiche
,reaktion hervor1 das ,werthurtheil
hsslich4 ,ein ,hass springt da hervor3
wen hasst da der ,mensch8 ,aber es ist
kein ,zweifel3 den ,niedergang seines
,typus4 ,er hasst da aus dem tiefsten
,instinkte der ,gattung heraus2 in
diesem ,hass ist ,schauder1 ,vorsicht1
,tiefe1 ,fernblick1 - es ist der tiefste
,hass1 den es giebt4 ,um seinetwillen
ist die ,kunst tief444 #ba4
,schopenhauer4 ,schopenhauer1 der letzte
,deutsche1 der in ,betracht kommt 7der
ein europisches ,ereigniss gleich
,goethe1 gleich ,hegel1 gleich
,heinrich ,heine ist1 und nicht bloss
ein lokales1 ein nationales71 ist fr
einen ,psychologen ein ,fall ersten
,ranges3 nmlich als bsartig genialer
,versuch1 zu ,gunsten einer
nihilistischen ,gesammt-,abwerthung des
,lebens gerade die ,gegen-,instanzen1
die grossen ,selbstbejahungen des
,willens zum ,leben1 die
,exuberanz-,formen des ,lebens in's
,feld zu fhren4 ,er hat1 der ,reihe
nach1 die ,kunst1 den ,heroismus1 das
,genie1 die ,schnheit1 das grosse
,mitgefhl1 die ,erkenntniss1 den ,willen
zur ,wahrheit1 die ,tragdie als
,folgeerscheinungen der ,verneinung oder
der ,verneinungs-,bedrftigkeit des
,willens interpretirt - die grsste
psychologische ,falschmnzerei1 die es1
das ,christenthum abgerechnet1 in der
,geschichte giebt4 ,genauer zugesehn ist
er darin bloss der ,erbe der
christlichen ,interpretation3 nur dass
er auch das vom ,christenthum
,abgelehnte1 die grossen
,cultur-,thatsachen der ,menschheit noch
in einem christlichen1 das heisst
nihilistischen ,sinne gut zu heissen
wusste 7- nmlich als ,wege zur
,erlsung1 als ,vorformen der ,erlsung1
als ,stimulantia des ,bedrfnisses nach
,erlsung444 7 #bb4 ,ich nehme
einen einzelnen ,fall4 ,schopenhauer
spricht von der ,schnheit mit einer
schwermthigen ,gluth1 - warum letzten
,grundes8 ,weil er in ihr eine ,brcke
sieht1 auf der man weiter gelangt1 oder
,durst bekommt1 weiter zu gelangen444
,sie ist ihm die ,erlsung vom ,willen
auf ,augenblicke - sie lockt zur
,erlsung fr immer444 ,insbesondere
preist er sie als ,erlserin vom
,brennpunkte des ,willens1 von der
,geschlechtlichkeit1 - in der ,schnheit
sieht er den ,zeugetrieb verneint444
,wunderlicher ,heiliger6 ,irgend ,jemand
widerspricht dir1 ich frchte1 es ist
die ,natur4 ,wozu giebt es berhaupt
,schnheit in ,ton1 ,farbe1 ,duft1
rhythmischer ,bewegung in der ,natur8
,was treibt die ,schnheit heraus8-
,glcklicherweise widerspricht ihm auch
ein ,philosoph4 ,keine geringere
,autoritt als die des gttlichen ,plato
7- so nennt ihn ,schopenhauer selbst7
hlt einen andern ,satz aufrecht3 dass
alle ,schnheit zur ,zeugung reize1 -
dass dies gerade das proprium ihrer
,wirkung sei1 vom ,sinnlichsten bis
hinauf in's ,geistigste444 #bc4
,plato geht weiter4 ,er sagt mit einer
,unschuld1 zu der man ,grieche sein
muss und nicht ,christ1 dass es gar
keine platonische ,philosophie geben
wrde1 wenn es nicht so schne ,jnglinge
in ,athen gbe3 deren ,anblick sei es
erst1 was die ,seele des ,philosophen in
einen erotischen ,taumel versetze und
ihr keine ,ruhe lasse1 bis sie den
,samen aller hohen ,dinge in ein so
schnes ,erdreich hinabgesenkt habe4
,auch ein wunderlicher ,heiliger6 - man
traut seinen ,ohren nicht1 gesetzt
selbst1 dass man ,plato traut4 ,zum
,mindesten errth man1 dass in ,athen
anders philosophirt wurde1 vor ,allem
ffentlich4 ,nichts ist weniger
griechisch als die
,begriffs-,spinneweberei eines
,einsiedlers1 amor intellectualis dei
nach ,art des ,spinoza4 ,philosophie
nach ,art des ,plato wre eher als ein
erotischer ,wettbewerb zu definiren1 als
eine ,fortbildung und ,verinnerlichung
der alten agonalen ,gymnastik und
deren ,voraussetzungen444 ,was wuchs
zuletzt aus dieser philosophischen
,erotik ,plato's heraus8 ,eine neue
,kunstform des griechischen ,agon1 die
,dialektik4 - ,ich erinnere noch1 gegen
,schopenhauer und zu ,ehren ,plato's1
daran1 dass auch die ganze hhere ,cultur
und ,litteratur des klassischen
,frankreichs auf dem ,boden des
geschlechtlichen ,interesses
aufgewachsen ist4 ,man darf berall bei
ihr die ,galanterie1 die ,sinne1 den
,geschlechts-,wettbewerb1 das ,weib
suchen1 - man wird nie umsonst
suchen444 #bd4 ,l'art pour
l'art4 - ,der ,kampf gegen den ,zweck in
der ,kunst ist immer der ,kampf gegen
die moralisirende ,tendenz in der
,kunst1 gegen ihre ,unterordnung unter
die ,moral4 ,l'art pour l'art heisst3
der ,teufel hole die ,moral6 - ,aber
selbst noch diese ,feindschaft verrth
die bergewalt des ,vorurtheils4 ,wenn
man den ,zweck des ,moralpredigens und
,menschen-,verbesserns von der ,kunst
ausgeschlossen hat1 so folgt daraus
noch lange nicht1 dass die ,kunst
berhaupt zwecklos1 ziellos1 sinnlos1
kurz l'art pour l'art - ein ,wurm1 der
sich in den ,schwanz beisst - ist4
,lieber gar keinen ,zweck als einen
moralischen ,zweck6 - so redet die
blosse ,leidenschaft4 ,ein ,psycholog
fragt dagegen3 was thut alle ,kunst8
lobt sie nicht8 verherrlicht sie nicht8
whlt sie nicht aus8 zieht sie nicht
hervor8 ,mit dem ,allen strkt oder
schwcht sie gewisse ,werthschtzungen444
,ist dies nur ein ,nebenbei8 ein
,zufall8 ,etwas1 bei dem der ,instinkt
des ,knstlers gar nicht betheiligt wre8
,oder aber3 ist es nicht die
,voraussetzung dazu1 dass der ,knstler
kann4448 ,geht dessen unterster
,instinkt auf die ,kunst oder nicht
vielmehr auf den ,sinn der ,kunst1 das
,leben8 auf eine ,wnschbarkeit von
,leben8- ,die ,kunst ist das grosse
,stimulans zum ,leben3 wie knnte man sie
als zwecklos1 als ziellos1 als l'art
pour l'art verstehn8 - ,eine ,frage
bleibt zurck3 die ,kunst bringt auch
vieles ,hssliche1 ,harte1 ,fragwrdige
des ,lebens zur ,erscheinung1 - scheint
sie nicht damit vom ,leben zu
entleiden8 - ,und in der ,that1 es gab
,philosophen1 die ihr diesen ,sinn
liehn3 loskommen vom ,willen lehrte
,schopenhauer als ,gesammt-,absicht der
,kunst1 zur ,resignation stimmen
verehrte er als die grosse ,ntzlichkeit
der ,tragdie4 - ,aber dies - ich gab es
schon zu verstehn - ist
,pessimisten-,optik und bser ,blick -3
man muss an die ,knstler selbst
appelliren4 ,was theilt der tragische
,knstler von sich mit8 ,ist es nicht
gerade der ,zustand ohne ,furcht vor dem
,furchtbaren und ,fragwrdigen1 das er
zeigt8 - ,dieser ,zustand selbst ist
eine hohe ,wnschbarkeit2 wer ihn kennt1
ehrt ihn mit den hchsten ,ehren4 ,er
theilt ihn mit1 er muss ihn mittheilen1
vorausgesetzt1 dass er ein ,knstler
ist1 ein ,genie der ,mittheilung4 ,die
,tapferkeit und ,freiheit des ,gefhls
vor einem mchtigen ,feinde1 vor einem
erhabenen ,ungemach1 vor einem
,problem1 das ,grauen erweckt - dieser
siegreiche ,zustand ist es1 den der
tragische ,knstler auswhlt1 den er
verherrlicht4 ,vor der ,tragdie feiert
das ,kriegerische in unserer ,seele
seine ,saturnalien2 wer ,leid gewohnt
ist1 wer ,leid aufsucht1 der heroische
,mensch preist mit der ,tragdie sein
,dasein1 - ihm allein kredenzt der
,tragiker den ,trunk dieser sssesten
,grausamkeit4 - #be4 ,mit
,menschen frlieb nehmen1 mit seinem
,herzen offen ,haus halten1 das ist
liberal1 das ist aber bloss liberal4
,man erkennt die ,herzen1 die der
vornehmen ,gastfreundschaft fhig sind1
an den vielen verhngten ,fenstern und
geschlossenen ,lden3 ihre besten ,rume
halten sie leer4 ,warum doch8 - ,weil
sie ,gste erwarten1 mit denen man nicht
frlieb nimmt #bf4 ,wir schtzen
uns nicht genug mehr1 wenn wir uns
mittheilen4 ,unsre eigentlichen
,erlebnisse sind ganz und gar nicht
geschwtzig4 ,sie knnten sich selbst
nicht mittheilen1 wenn sie wollten4 ,das
macht1 es fehlt ihnen das ,wort4 ,wofr
wir ,worte haben1 darber sind wir auch
schon hinaus4 ,in allem ,reden liegt ein
,gran ,verachtung4 ,die ,sprache1
scheint es1 ist nur fr
,durchschnittliches1 ,mittleres1
,mittheilsames erfunden4 ,mit der
,sprache vulgarisirt sich bereits der
,sprechende4 - ,aus einer ,moral fr
,taubstumme und andere ,philosophen4
#bg4 ,dies ,bildniss ist bezaubernd
schn6444 ,das ,litteratur-,weib1
unbefriedigt1 aufgeregt1 de in ,herz und
,eingeweide1 mit schmerzhafter
,neugierde jederzeit auf den ,imperativ
hinhorchend1 der aus den ,tiefen seiner
,organisation aut liberi aut libri
flstert3 das ,litteratur-,weib1
gebildet genug1 die ,stimme der ,natur
zu verstehn1 selbst wenn sie ,latein
redet und andrerseits eitel und ,gans
genug1 um im ,geheimen auch noch
franzsisch mit sich zu sprechen je me
verrai1 je me lirai1 je m'extasierai et
je dirai3 ,possible1 que j'aie eu tant
d'esprit8 #bh4 ,die
,unpersnlichen kommen zu ,wort4 -
,nichts fllt uns leichter1 als weise1
geduldig1 berlegen zu sein4 ,wir triefen
vom l der ,nachsicht und des
,mitgefhls1 wir sind auf eine absurde
,weise gerecht1 wir verzeihen ,alles4
,eben darum sollten wir uns etwas
strenger halten2 eben darum sollten wir
uns1 von ,zeit zu ,zeit1 einen kleinen
,affekt1 ein kleines ,laster von
,affect zchten4 ,es mag uns sauer
angehn2 und unter uns lachen wir
vielleicht ber den ,aspekt1 den wir
damit geben4 ,aber was hilft es6 ,wir
haben keine andre ,art mehr brig von
,selbstberwindung3 dies ist unsre
,asketik1 unser ,bsserthum444
,persnlich werden - die ,tugend des
,unpersnlichen444 #bi4 ,aus
einer ,doctor-,promotion4 - ,was ist die
,aufgabe alles hheren ,schulwesens8 -
,aus dem ,menschen eine ,maschine zu
machen4 - ,was ist das ,mittel dazu8 -
,er muss lernen1 sich langweilen4 - ,wie
erreicht man das8 - ,durch den
,begriff der ,pflicht4 - ,wer ist sein
,vorbild dafr8 - ,der ,philolog3 der
lehrt ochsen4 - ,wer ist der vollkommene
,mensch8 - ,der ,staats-,beamte4 -
,welche ,philosophie giebt die hchste
,formel fr den ,staats-,beamten8 - ,die
,kant's3 der ,staats-,beamte als ,ding
an sich zum ,richter gesetzt ber den
,staats-,beamten als ,erscheinung4 -
#cj4 ,das ,recht auf ,dummheit4 -
,der ermdete und langsam athmende
,arbeiter1 der gutmthig blickt1 der die
,dinge gehen lsst1 wie sie gehn3 diese
typische ,figur1 der man jetzt1 im
,zeitalter der ,arbeit 7und des
,reichs6 -7 in allen ,klassen der
,gesellschaft begegnet1 nimmt heute
gerade die ,kunst fr sich in ,anspruch1
eingerechnet das ,buch1 vor ,allem das
,journal1 - um wie viel mehr die schne
,natur1 ,italien444 ,der ,mensch des
,abends1 mit den entschlafenen wilden
,trieben1 von denen ,faust redet1
bedarf der ,sommerfrische1 des ,seebads1
der ,gletscher1 ,bayreuth's444 ,in
solchen ,zeitaltern hat die ,kunst ein
,recht auf reine ,thorheit1 - als eine
,art ,ferien fr ,geist1 ,witz und
,gemth4 ,das verstand ,wagner4 ,die
reine ,thorheit stellt wieder her444
#ca4 ,noch ein ,problem der ,dit4 -
,die ,mittel1 mit denen ,julius ,csar
sich gegen ,krnklichkeiten und
,kopfschmerz vertheidigte3 ungeheure
,mrsche1 einfachste ,lebensweise1
ununterbrochner ,aufenthalt im ,freien1
bestndige ,strapazen - das sind1 in's
,grosse gerechnet1 die ,erhaltungs- und
,schutz-,maassregeln berhaupt gegen die
extreme ,verletzlichkeit jener
subtilen und unter hchstem ,druck
arbeitenden ,maschine1 welche ,genie
heisst4 - #cb4 ,der ,immoralist
redet4 - ,einem ,philosophen geht
,nichts mehr wider den ,geschmack als
der ,mensch1 sofern er wnscht444 ,sieht
er den ,menschen nur in seinem ,thun1
sieht er dieses tapferste1 listigste1
ausdauerndste ,thier verirrt selbst in
labyrinthische ,nothlagen1 wie
bewunderungswrdig erscheint ihm der
,mensch6 ,er spricht ihm noch zu444
,aber der ,philosoph verachtet den
wnschenden ,menschen1 auch den
wnschbaren ,menschen - und berhaupt alle
,wnschbarkeiten1 alle ,ideale des
,menschen4 ,wenn ein ,philosoph
,nihilist sein knnte1 so wrde er es
sein1 weil er das ,nichts hinter allen
,idealen des ,menschen findet4 ,oder
noch nicht einmal das ,nichts1 - sondern
nur das ,nichtswrdige1 das ,absurde1
das ,kranke1 das ,feige1 das ,mde1 alle
,art ,hefen aus dem ausgetrunkenen
,becher seines ,lebens444 ,der ,mensch1
der als ,realitt so verehrungswrdig
ist1 wie kommt es1 dass er keine
,achtung verdient1 sofern er wnscht8
,muss er es bssen1 so tchtig als
,realitt zu sein8 ,muss er sein ,thun1
die ,kopf- und ,willensanspannung in
allem ,thun1 mit einem ,gliederstrecken
im ,imaginren und ,absurden
ausgleichen8 - ,die ,geschichte seiner
,wnschbarkeiten war bisher die partie
honteuse des ,menschen3 man soll sich
hten1 zu lange in ihr zu lesen4 ,was
den ,menschen rechtfertigt1 ist seine
,realitt1 - sie wird ihn ewig
rechtfertigen4 ,um wie viel mehr werth
ist der wirkliche ,mensch1 verglichen
mit irgend einem bloss gewnschten1
ertrumten1 erstunkenen und erlogenen
,menschen8 mit irgend einem idealen
,menschen8444 ,und nur der ideale
,mensch geht dem ,philosophen wider den
,geschmack4 #cc4 ,naturwerth des
,egoismus4 - ,die ,selbstsucht ist so
viel werth1 als ,der physiologisch
werth ist1 der sie hat3 sie kann sehr
viel werth sein1 sie kann nichtswrdig
und verchtlich sein4 ,jeder ,einzelne
darf darauf hin angesehen werden1 ob er
die aufsteigende oder die absteigende
,linie des ,lebens darstellt4 ,mit einer
,entscheidung darber hat man auch
einen ,kanon dafr1 was seine
,selbstsucht werth ist4 ,stellt er das
,aufsteigen der ,linie dar1 so ist in
der ,that sein ,werth ausserordentlich1
- und um des ,gesammt-,lebens willen1
das mit ihm einen ,schritt weiter thut1
darf die ,sorge um ,erhaltung1 um
,schaffung seines optimum von
,bedingungen selbst extrem sein4 ,der
,einzelne1 das ,individuum1 wie ,volk
und ,philosoph das bisher verstand1 ist
ja ein ,irrthum3 er ist nichts fr sich1
kein ,atom1 kein ,ring der ,kette1
nichts bloss ,vererbtes von ,ehedem1 -
er ist die ganze ,eine ,linie ,mensch
bis zu ihm hin selber noch444 ,stellt er
die absteigende ,entwicklung1 den
,verfall1 die chronische ,entartung1
,erkrankung dar 7- ,krankheiten sind1
in's ,grosse gerechnet1 bereits
,folgeerscheinungen des ,verfalls1
nicht dessen ,ursachen71 so kommt ihm
wenig ,werth zu1 und die erste
,billigkeit will1 dass er den
,wohlgerathenen so wenig als mglich
wegnimmt4 ,er ist bloss noch deren
,parasit444 #cd4 ,christ und
,anarchist4 - ,wenn der ,anarchist1 als
,mundstck niedergehender ,schichten der
,gesellschaft1 mit einer schnen
,entrstung ,recht1 ,gerechtigkeit1
gleiche ,rechte verlangt1 so steht er
damit nur unter dem ,drucke seiner
,unkultur1 welche nicht zu begreifen
weiss1 warum er eigentlich leidet1 -
woran er arm ist1 an ,leben444 ,ein
,ursachen-,trieb ist in ihm mchtig3
,jemand muss schuld daran sein1 dass er
sich schlecht befindet444 ,auch thut
ihm die schne ,entrstung selber schon
wohl1 es ist ein ,vergngen fr alle
armen ,teufel1 zu schimpfen1 - es giebt
einen kleinen ,rausch von ,macht4
,schon die ,klage1 das ,sich-,beklagen1
kann dem ,leben einen ,reiz geben1 um
dessentwillen man es aushlt3 eine
feinere ,dosis ,rache ist in jeder
,klage1 man wirft sein
,schlechtbefinden1 unter ,umstnden
selbst seine ,schlechtigkeit ,denen1
die anders sind1 wie ein ,unrecht1 wie
ein unerlaubtes ,vorrecht vor4 ,bin ich
eine canaille1 so solltest du es auch
sein3 auf diese ,logik hin macht man
,revolution4 - ,das ,sich-,beklagen
taugt in keinem ,falle etwas3 es stammt
aus der ,schwche4 ,ob man sein
,schlecht-,befinden ,andern oder sich
selber zu misst -4 ,ersteres thut der
,socialist1 ,letzteres zum ,beispiel der
,christ -1 macht keinen eigentlichen
,unterschied4 ,das ,gemeinsame1 sagen
wir auch das ,unwrdige daran ist1 dass
jemand schuld daran sein soll1 dass man
leidet - kurz1 dass der ,leidende sich
gegen sein ,leiden den ,honig der
,rache verordnet4 ,die ,objekte dieses
,rach-,bedrfnisses als eines
,lust-,bedrfnisses sind
,gelegenheits-,ursachen3 der ,leidende
findet berall ,ursachen1 seine kleine
,rache zu khlen1 - ist er ,christ1
nochmals gesagt1 so findet er sie in
sich444 ,der ,christ und der ,anarchist
- ,beide sind dcadents4 - ,aber auch
wenn der ,christ die ,welt verurtheilt1
verleumdet1 beschmutzt1 so thut er es
aus dem gleichen ,instinkte1 aus dem
der socialistische ,arbeiter die
,gesellschaft verurtheilt1 verleumdet1
beschmutzt3 das jngste ,gericht selbst
ist noch der ssse ,trost der ,rache -
die ,revolution1 wie sie auch der
socialistische ,arbeiter erwartet1 nur
etwas ferner gedacht444 ,das ,jenseits
selbst - wozu ein ,jenseits1 wenn es
nicht ein ,mittel wre1 das ,diesseits
zu beschmutzen8444 #ce4 ,kritik
der ,dcadence-,moral4 ,eine
altruistische ,moral1 eine ,moral1 bei
der die ,selbstsucht verkmmert -1 bleibt
unter allen ,umstnden ein schlechtes
,anzeichen4 ,dies gilt vom ,einzelnen1
dies gilt namentlich von ,vlkern4 ,es
fehlt am ,besten1 wenn es an der
,selbstsucht zu fehlen beginnt4
,instinktiv das ,sich-,schdliche whlen1
,gelockt-werden durch uninteressirte
,motive giebt beinahe die ,formel ab fr
dcadence4 ,nicht seinen ,nutzen suchen
- das ist bloss das moralische
,feigenblatt fr eine ganz andere1 nmlich
physiologische ,thatschlichkeit3 ich
weiss meinen ,nutzen nicht mehr zu
finden ,disgregation der ,instinkte6 -
,es ist zu ,ende mit ihm1 wenn der
,mensch altruistisch wird4 - ,statt
naiv zu sagen1 ich bin nichts mehr
werth1 sagt die ,moral ,lge im ,munde
des dcadent3 ,nichts ist etwas werth1 -
das ,leben ist nichts werth444 ,ein
solches ,urtheil bleibt zuletzt eine
grosse ,gefahr1 es wirkt ansteckend1 -
auf dem ganzen morbiden ,boden der
,gesellschaft wuchert es bald zu
tropischer ,begriffs-,vegetation empor1
bald als ,religion 7,christenthum71
bald als ,philosophie
7,schopenhauerei74 ,unter ,umstnden
vergiftet eine solche aus ,fulniss
gewachsene ,giftbaum-,vegetation mit
ihrem ,dunste weithin1 auf
,jahrtausende hin das ,leben444
#cf4 ,moral fr rzte4 - ,der ,kranke
ist ein ,parasit der ,gesellschaft4 ,in
einem gewissen ,zustande ist es
unanstndig1 noch lnger zu leben4 ,das
,fortvegetiren in feiger ,abhngigkeit
von rzten und ,praktiken1 nachdem der
,sinn vom ,leben1 das ,recht zum ,leben
verloren gegangen ist1 sollte bei der
,gesellschaft eine tiefe ,verachtung
nach sich ziehn4 ,die rzte wiederum
htten die ,vermittler dieser ,verachtung
zu sein1 - nicht ,recepte1 sondern
jeden ,tag eine neue ,dosis ,ekel vor
ihrem ,patienten444 ,eine neue
,verantwortlichkeit schaffen1 die des
,arztes1 fr alle ,flle1 wo das hchste
,interesse des ,lebens1 des
aufsteigenden ,lebens1 das
rcksichtsloseste ,nieder- und
,beiseite-,drngen des entartenden
,lebens verlangt - zum ,beispiel fr das
,recht auf ,zeugung1 fr das ,recht1
geboren zu werden1 fr das ,recht1 zu
leben444 ,auf eine stolze ,art sterben1
wenn es nicht mehr mglich ist1 auf eine
stolze ,art zu leben4 ,der ,tod1 aus
freien ,stcken gewhlt1 der ,tod zur
rechten ,zeit1 mit ,helle und
,freudigkeit1 inmitten von ,kindern und
,zeugen vollzogen3 so dass ein
wirkliches ,abschiednehmen noch mglich
ist1 wo ,der noch da ist1 der sich
verabschiedet1 insgleichen ein
wirkliches ,abschtzen des ,erreichten
und ,gewollten1 eine ,summirung des
,lebens - ,alles im ,gegensatz zu der
erbrmlichen und schauderhaften ,komdie1
die das ,christenthum mit der
,sterbestunde getrieben hat4 ,man soll
es dem ,christenthume nie vergessen1
dass es die ,schwche des ,sterbenden zu
,gewissens-,nothzucht1 dass es die ,art
des ,todes selbst zu ,werth-,urtheilen
ber ,mensch und ,vergangenheit
gemissbraucht hat6 - ,hier gilt es1
allen ,feigheiten des ,vorurtheils zum
,trotz1 vor ,allem die richtige1 das
heisst physiologische ,wrdigung des
sogenannten natrlichen ,todes
herzustellen3 der zuletzt auch nur ein
unnatrlicher1 ein ,selbstmord ist4 ,man
geht nie durch jemand ,anderes zu
,grunde1 als durch sich selbst4 ,nur ist
es der ,tod unter den verchtlichsten
,bedingungen1 ein unfreier ,tod1 ein
,tod zur unrechten ,zeit1 ein
,feiglings ,tod4 ,man sollte1 aus ,liebe
zum ,leben -1 den ,tod anders wollen1
frei1 bewusst1 ohne ,zufall1 ohne
berfall444 ,endlich ein ,rath fr die
,herrn ,pessimisten und andere dcadents4
,wir haben es nicht in der ,hand1 zu
verhindern1 geboren zu werden3 aber wir
knnen diesen ,fehler - denn bisweilen
ist es ein ,fehler - wieder gut machen4
,wenn man sich abschafft1 thut man die
achtungswrdigste ,sache1 die es giebt3
man verdient beinahe damit1 zu leben444
,die ,gesellschaft1 was sage ich6 ,das
,leben selber hat mehr ,vortheil davon1
als durch irgend welches ,leben in
,entsagung1 ,bleichsucht und andrer
,tugend -1 man hat die ,andern von
seinem ,anblick befreit1 man hat das
,leben von einem ,einwand befreit444
,der ,pessimismus1 pur1 vert1 beweist
sich erst durch die
,selbst-,widerlegung der ,herrn
,pessimisten3 man muss einen ,schritt
weiter gehn in seiner ,logik1 nicht
bloss mit ,wille und ,vorstellung1 wie
,schopenhauer es that1 das ,leben
verneinen -1 man muss ,schopenhauern
zuerst verneinen444 ,der ,pessimismus1
anbei gesagt1 so ansteckend er ist1
vermehrt trotzdem nicht die
,krankhaftigkeit einer ,zeit1 eines
,geschlechts im ,ganzen3 er ist deren
,ausdruck4 ,man verfllt ihm1 wie man
der ,cholera verfllt3 man muss morbid
genug dazu schon angelegt sein4 ,der
,pessimismus selbst macht keinen
einzigen dcadent mehr2 ich erinnere an
das ,ergebniss der ,statistik1 dass die
,jahre1 in denen die ,cholera wthet1
sich in der ,gesammt-,ziffer der
,sterbeflle nicht von andern ,jahrgngen
unterscheiden4 #cg4 ,ob wir
moralischer geworden sind4 - ,gegen
meinen ,begriff jenseits von ,gut und
,bse hat sich1 wie zu erwarten stand1
die ganze ,ferocitt der moralischen
,verdummung1 die bekanntlich in
,deutschland als die ,moral selber gilt
-1 in's ,zeug geworfen3 ich htte artige
,geschichten davon zu erzhlen4 ,vor
,allem gab man mir die unleugbare
berlegenheit unsrer ,zeit im sittlichen
,urtheil zu berdenken1 unsern wirklich
hier gemachten ,fortschritt3 ein
,cesare ,borgia sei1 im ,vergleich mit
uns1 durchaus nicht als ein hherer
,mensch1 als eine ,art bermensch1 wie
ich es thue1 aufzustellen444 ,ein
,schweizer ,redakteur1 vom ,bund1 gieng
so weit1 nicht ohne seine ,achtung vor
dem ,muth zu solchem ,wagniss
auszudrcken1 den ,sinn meines ,werks
dahin zu verstehn1 dass ich mit
demselben die ,abschaffung aller
anstndigen ,gefhle beantragte4 ,sehr
verbunden6 - ,ich erlaube mir1 als
,antwort1 die ,frage aufzuwerfen1 ob
wir wirklich moralischer geworden sind4
,dass alle ,welt das glaubt1 ist
bereits ein ,einwand dagegen444 ,wir
modernen ,menschen1 sehr zart1 sehr
verletzlich und hundert ,rcksichten
gebend und nehmend1 bilden uns in der
,that ein1 diese zrtliche
,menschlichkeit1 die wir darstellen1
diese erreichte ,einmthigkeit in der
,schonung1 in der ,hlfsbereitschaft1 im
gegenseitigen ,vertrauen sei ein
positiver ,fortschritt1 damit seien wir
weit ber die ,menschen der ,renaissance
hinaus4 ,aber so denkt jede ,zeit1 so
muss sie denken4 ,gewiss ist1 dass wir
uns nicht in ,renaissance-,zustnde
hineinstellen drften1 nicht einmal
hineindenken3 unsre ,nerven hielten jene
,wirklichkeit nicht aus1 nicht zu
reden von unsern ,muskeln4 ,mit diesem
,unvermgen ist aber kein ,fortschritt
bewiesen1 sondern nur eine andre1 eine
sptere ,beschaffenheit1 eine schwchere1
zrtlichere1 verletzlichere1 aus der
sich nothwendig eine rcksichtenreiche
,moral erzeugt4 ,denken wir unsre
,zartheit und ,sptheit1 unsre
physiologische ,alterung weg1 so verlre
auch unsre ,moral der ,vermenschlichung
sofort ihren ,werth - an sich hat keine
,moral ,werth -3 sie wrde uns selbst
,geringschtzung machen4 ,zweifeln wir
andrerseits nicht daran1 dass wir
,modernen mit unsrer dick wattirten
,humanitt1 die durchaus an keinen ,stein
sich stossen ,will1 den ,zeitgenossen
,cesare ,borgia's eine ,komdie zum
,todtlachen abgeben wrden4 ,in der
,that1 wir sind ber die ,maassen
unfreiwillig spasshaft1 mit unsren
modernen ,tugenden444 ,die ,abnahme der
feindseligen und misstrauenweckenden
,instinkte - und das wre ja unser
,fortschritt - stellt nur eine der
,folgen in der allgemeinen ,abnahme der
,vitalitt dar3 es kostet hundert ,mal
mehr ,mhe1 mehr ,vorsicht1 ein so
bedingtes1 so sptes ,dasein
durchzusetzen4 ,da hilft man sich
gegenseitig1 da ist ,jeder bis zu einem
gewissen ,grade ,kranker und ,jeder
,krankenwrter4 ,das heisst dann ,tugend
-3 unter ,menschen1 die das ,leben noch
anders kannten1 voller1
verschwenderischer1 berstrmender1 htte
man's anders genannt1 ,feigheit
vielleicht1 ,erbrmlichkeit1
,altweiber-,moral444 ,unsre ,milderung
der ,sitten - das ist mein ,satz1 das
ist1 wenn man will1 meine ,neuerung -
ist eine ,folge des ,niedergangs2 die
,hrte und ,schrecklichkeit der ,sitte
kann umgekehrt eine ,folge des
berschusses von ,leben sein3 dann nmlich
darf auch ,viel gewagt1 ,viel
herausgefordert1 ,viel auch vergeudet
werden4 ,was ,wrze ehedem des ,lebens
war1 fr uns wre es ,gift444
,indifferent zu sein - auch das ist eine
,form der ,strke - dazu sind wir
gleichfalls zu alt1 zu spt3 unsre
,mitgefhls-,moral1 vor der ich als der
,erste gewarnt habe1 ,das1 was man
l'impressionisme morale nennen knnte1
ist ein ,ausdruck mehr der
physiologischen berreizbarkeit1 die
,allem1 was dcadent ist1 eignet4 ,jene
,bewegung1 die mit der ,mitleids-,moral
,schopenhauer's versucht hat1 sich
wissenschaftlich vorzufhren - ein sehr
unglcklicher ,versuch6 - ist die
eigentliche dcadence-,bewegung in der
,moral1 sie ist als solche tief
verwandt mit der christlichen ,moral4
,die starken ,zeiten1 die vornehmen
,culturen sehen im ,mitleiden1 in der
,nchstenliebe1 im ,mangel an ,selbst
und ,selbstgefhl etwas ,verchtliches4 -
,die ,zeiten sind zu messen nach ihren
positiven ,krften - und dabei ergiebt
sich jene so verschwenderische und
verhngnissreiche ,zeit der ,renaissance
als die letzte grosse ,zeit1 und wir1
wir ,modernen mit unsrer ngstlichen
,selbst-,frsorge und ,nchstenliebe1 mit
unsren ,tugenden der ,arbeit1 der
,anspruchslosigkeit1 der ,rechtlichkeit1
der ,wissenschaftlichkeit - sammelnd1
konomisch1 machinal - als eine schwache
,zeit444 ,unsre ,tugenden sind bedingt1
sind herausgefordert durch unsre
,schwche444 ,die ,gleichheit1 eine
gewisse thatschliche ,anhnlichung1 die
sich in der ,theorie von gleichen
,rechten nur zum ,ausdruck bringt1
gehrt wesentlich zum ,niedergang3 die
,kluft zwischen ,mensch und ,mensch1
,stand und ,stand1 die ,vielheit der
,typen1 der ,wille1 selbst zu sein1
sich abzuheben1 ,das1 was ich ,pathos
der ,distanz nenne1 ist jeder starken
,zeit zu eigen4 ,die ,spannkraft1 die
,spannweite zwischen den ,extremen wird
heute immer kleiner1 - die ,extreme
selbst verwischen sich endlich bis zur
hnlichkeit444 ,alle unsre politischen
,theorien und ,staats-,verfassungen1 das
deutsche ,reich durchaus nicht
ausgenommen1 sind ,folgerungen1
,folge-,nothwendigkeiten des
,niedergangs2 die unbewusste ,wirkung
der dcadence ist bis in die ,ideale
einzelner ,wissenschaften hinein ,herr
geworden4 ,mein ,einwand gegen die ganze
,sociologie in ,england und
,frankreich bleibt1 dass sie nur die
,verfalls-,gebilde der ,societt aus
,erfahrung kennt und vollkommen
unschuldig die eigenen
,verfalls-,instinkte als ,norm des
sociologischen ,werthurteils nimmt4
,das niedergehende ,leben1 die ,abnahme
aller organisirenden1 das heisst
trennenden1 ,klfte aufreissenden1 unter-
und berordnenden ,kraft formulirt sich
in der ,sociologie von heute zum
,ideal444 ,unsre ,socialisten sind
dcadents1 aber auch ,herr ,herbert
,spencer ist ein dcadent1 - er sieht im
,sieg des ,altruismus etwas
,wnschenswerthes6444 #ch4 ,mein
,begriff von ,freiheit4 - ,der ,werth
einer ,sache liegt mitunter nicht in
dem1 was man mit ihr erreicht1 sondern
in dem1 was man fr sie bezahlt1 - was
sie uns kostet4 ,ich gebe ein ,beispiel4
,die liberalen ,institutionen hren
alsbald auf1 liberal zu sein1 sobald
sie erreicht sind3 es giebt spter keine
rgeren und grndlicheren ,schdiger der
,freiheit1 als liberale ,institutionen4
,man weiss ja1 was sie zu ,wege
bringen3 sie unterminiren den ,willen
zur ,macht1 sie sind die zur ,moral
erhobene ,nivellirung von ,berg und
,tal1 sie machen klein1 feige und
gensslich1 - mit ihnen triumphirt
jedesmal das ,heerdenthier4
,liberalismus3 auf deutsch
,heerden-,verthierung444 ,dieselben
,institutionen bringen1 so lange sie
noch erkmpft werden1 ganz andere
,wirkungen hervor2 sie frdern dann in
der ,that die ,freiheit auf eine
mchtige ,weise4 ,genauer zugesehn1 ist
es der ,krieg1 der diese ,wirkungen
hervorbringt1 der ,krieg um liberale
,institutionen1 der als ,krieg die
illiberalen ,instinkte dauern lsst4 ,und
der ,krieg erzieht zur ,freiheit4
,denn was ist ,freiheit6 ,dass man den
,willen zur ,selbstverantwortlichkeit
hat4 ,dass man die ,distanz1 die uns
abtrennt1 festhlt4 ,dass man gegen
,mhsal1 ,hrte1 ,entbehrung1 selbst gegen
das ,leben gleichgltiger wird4 ,dass
man bereit ist1 seiner ,sache ,menschen
zu opfern1 sich selber nicht
abgerechnet4 ,freiheit bedeutet1 dass
die mnnlichen1 die kriegs- und
siegsfrohen ,instinkte die ,herrschaft
haben ber andre ,instinkte1 zum
,beispiel ber die des ,glcks4 ,der
freigewordne ,mensch1 um wie viel mehr
der freigewordne ,geist1 tritt mit
,fssen auf die verchtliche ,art von
,wohlbefinden1 von dem ,krmer1
,christen1 ,khe1 ,weiber1 ,englnder und
andre ,demokraten trumen4 ,der freie
,mensch ist ,krieger4 - ,wonach misst
sich die ,freiheit1 bei ,einzelnen1 wie
bei ,vlkern8 ,nach dem ,widerstand1 der
berwunden werden muss1 nach der ,mhe1
die es kostet1 oben zu bleiben4 ,den
hchsten ,typus freier ,menschen htte
man dort zu suchen1 wo bestndig der
hchste ,widerstand berwunden wird3 fnf
,schritt weit von der ,tyrannei1 dicht
an der ,schwelle der ,gefahr der
,knechtschaft4 ,dies ist psychologisch
wahr1 wenn man hier unter den ,tyrannen
unerbittliche und furchtbare ,instinkte
begreift1 die das ,maximum von
,autoritt und ,zucht gegen sich
herausfordern - schnster ,typus ,julius
,caesar -2 dies ist auch politisch
wahr1 man mache nur seinen ,gang durch
die ,geschichte4 ,die ,vlker1 die
,etwas werth waren1 werth wurden1 wurden
dies nie unter liberalen
,institutionen3 die grosse ,gefahr
machte ,etwas aus ihnen1 das ,ehrfurcht
verdient1 die ,gefahr1 die uns unsre
,hlfsmittel1 unsre ,tugenden1 unsre
,wehr und ,waffen1 unsern ,geist erst
kennen lehrt1 - die uns zwingt1 stark zu
sein444 ,erster ,grundsatz3 man muss
es nthig haben1 stark zu sein3 sonst
wird man's nie4 - ,jene grossen
,treibhuser fr starke1 fr die strkste
,art ,mensch1 die es bisher gegeben
hat1 die aristokratischen ,gemeinwesen
in der ,art von ,rom und ,venedig
verstanden ,freiheit genau in dem
,sinne1 wie ich das ,wort ,freiheit
verstehe3 als ,etwas1 das man hat und
nicht hat1 das man will1 das man
erobert444 #ci4 ,kritik der
,modernitt4 - ,unsre ,institutionen
taugen nichts mehr3 darber ist man
einmthig4 ,aber das liegt nicht an
ihnen1 sondern an uns4 ,nachdem uns
alle ,instinkte abhanden gekommen sind1
aus denen ,institutionen wachsen1
kommen uns ,institutionen berhaupt
abhanden1 weil wir nicht mehr zu ihnen
taugen4 ,demokratismus war jeder ,zeit
die ,niedergangs-,form der
organisirenden ,kraft3 ich habe schon in
,menschliches1 ,allzumenschliches #a1
#cah die moderne ,demokratie sammt
ihren ,halbheiten1 wie deutsches ,reich1
als ,verfallsform des ,staats
gekennzeichnet4 ,damit es ,institutionen
giebt1 muss es eine ,art ,wille1
,instinkt1 ,imperativ geben1 antiliberal
bis zur ,bosheit3 den ,willen zur
,tradition1 zur ,autoritt1 zur
,verantwortlichkeit auf ,jahrhunderte
hinaus1 zur ,solidaritt von
,geschlechter-,ketten vorwrts und
rckwrts in infinitum4 ,ist dieser
,wille da1 so grndet sich ,etwas wie das
imperium ,romanum3 oder wie ,russland1
die einzige ,macht1 die heute ,dauer
im ,leibe hat1 die warten kann1 die
,etwas noch versprechen kann1 -
,russland der ,gegensatz-,begriff zu der
erbrmlichen europischen
,kleinstaaterei und ,nervositt1 die mit
der ,grndung des deutschen ,reichs in
einen kritischen ,zustand eingetreten
ist444 ,der ganze ,westen hat jene
,instinkte nicht mehr1 aus denen
,institutionen wachsen1 aus denen
,zukunft wchst3 seinem modernen ,geiste
geht vielleicht ,nichts so sehr wider
den ,strich4 ,man lebt fr heute1 man
lebt sehr geschwind1 - man lebt sehr
unverantwortlich3 dies gerade nennt man
,freiheit4 ,was aus ,institutionen
,institutionen macht1 wird verachtet1
gehasst1 abgelehnt3 man glaubt sich in
der ,gefahr einer neuen ,sklaverei1 wo
das ,wort ,autoritt auch nur laut wird4
,so weit geht die dcadence im
,werth-,instinkte unsrer ,politiker1
unsrer politischen ,parteien3 sie ziehn
instinktiv vor1 was auflst1 was das
,ende beschleunigt444 ,zeugniss die
moderne ,ehe4 ,aus der modernen ,ehe ist
ersichtlich alle ,vernunft abhanden
gekommen3 das giebt aber keinen ,einwand
gegen die ,ehe ab1 sondern gegen die
,modernitt4 ,die ,vernunft der ,ehe -
sie lag in der juristischen
,alleinverantwortlichkeit des ,mannes3
damit hatte die ,ehe ,schwergewicht1
whrend sie heute auf beiden ,beinen
hinkt4 ,die ,vernunft der ,ehe - sie
lag in ihrer principiellen ,unlsbarkeit3
damit bekam sie einen ,accent1 der1
dem ,zufall von ,gefhl1 ,leidenschaft
und ,augenblick gegenber1 sich ,gehr zu
schaffen wusste4 ,sie lag insgleichen
in der ,verantwortlichkeit der ,familien
fr die ,auswahl der ,gatten4 ,man hat
mit der wachsenden ,indulgenz zu
,gunsten der ,liebes-,heirath geradezu
die ,grundlage der ,ehe1 ,das1 was erst
aus ihr eine ,institution macht1
eliminirt4 ,man grndet eine ,institution
nie und nimmermehr auf eine
,idiosynkrasie1 man grndet die ,ehe
nicht1 wie gesagt1 auf die ,liebe1 -
man grndet sie auf den
,geschlechtstrieb1 auf den
,eigenthumstrieb 7,weib und ,kind als
,eigenthum71 auf den
,herrschafts-,trieb1 der sich bestndig
das kleinste ,gebilde der ,herrschaft1
die ,familie1 organisirt1 der ,kinder
und ,erben braucht1 um ein erreichtes
,maass von ,macht1 ,einfluss1 ,reichthum
auch physiologisch festzuhalten1 um
lange ,aufgaben1 um
,instinkt-,solidaritt zwischen
,jahrhunderten vorzubereiten4 ,die ,ehe
als ,institution begreift bereits die
,bejahung der grssten1 der
dauerhaftesten ,organisationsform in
sich3 wenn die ,gesellschaft selbst
nicht als ,ganzes fr sich gutsagen kann
bis in die fernsten ,geschlechter
hinaus1 so hat die ,ehe berhaupt keinen
,sinn4 - ,die moderne ,ehe verlor ihren
,sinn1 - folglich schafft man sie ab4
- #dj4 ,die ,arbeiter-,frage4 -
,die ,dummheit1 im ,grunde die
,instinkt-,entartung1 welche heute die
,ursache aller ,dummheiten ist1 liegt
darin1 dass es eine ,arbeiter-,frage
giebt4 ber gewisse ,dinge fragt man
nicht3 erster ,imperativ des
,instinktes4 - ,ich sehe durchaus nicht
ab1 was man mit dem europischen
,arbeiter machen will1 nachdem man erst
eine ,frage aus ihm gemacht hat4 ,er
befindet sich viel zu gut1 um nicht
,schritt fr ,schritt mehr zu fragen1
unbescheidner zu fragen4 ,er hat zuletzt
die grosse ,zahl fr sich4 ,die
,hoffnung ist vollkommen vorber1 dass
hier sich eine bescheidene und
selbstgengsame ,art ,mensch1 ein ,typus
,chinese zum ,stande herausbilde3 und
dies htte ,vernunft gehabt1 dies wre
geradezu eine ,nothwendigkeit gewesen4
,was hat man gethan8 - ,alles1 um auch
die ,voraussetzung dazu im ,keime zu
vernichten1 - man hat die ,instinkte1
vermge deren ein ,arbeiter als ,stand
mglich1 sich selber mglich wird1 durch
die unverantwortlichste
,gedankenlosigkeit in ,grund und ,boden
zerstrt4 ,man hat den ,arbeiter
militrtchtig gemacht1 man hat ihm das
,coalitions-,recht1 das politische
,stimmrecht gegeben3 was ,wunder1 wenn
der ,arbeiter seine ,existenz heute
bereits als ,nothstand 7moralisch
ausgedrckt als ,unrecht -7 empfindet8
,aber was will man8 nochmals gefragt4
,will man einen ,zweck1 muss man auch
die ,mittel wollen3 will man ,sklaven1
so ist man ein ,narr1 wenn man sie zu
,herrn erzieht4 - #da4
,freiheit1 die ich nicht meine444 ,in
solchen ,zeiten1 wie heute1 seinen
,instinkten berlassen sein1 ist ein
,verhngniss mehr4 ,diese ,instinkte
widersprechen1 stren sich1 zerstren sich
unter einander2 ich definirte das
,moderne bereits als den physiologischen
,selbst-,widerspruch4 ,die ,vernunft
der ,erziehung wrde wollen1 dass unter
einem eisernen ,drucke wenigstens ,eins
dieser ,instinkt-,systeme paralysirt
wrde1 um einem andren zu erlauben1 zu
,krften zu kommen1 stark zu werden1
,herr zu werden4 ,heute msste man das
,individuum erst mglich machen1 indem
man dasselbe beschneidet3 mglich1 das
heisst ganz444 ,das ,umgekehrte
geschieht3 der ,anspruch auf
,unabhngigkeit1 auf freie ,entwicklung1
auf laisser aller wird gerade von
,denen am hitzigsten gemacht1 fr die
kein ,zgel zu streng wre - dies gilt in
politicis1 dies gilt in der ,kunst4
,aber das ist ein ,symptom der
dcadence3 unser moderner ,begriff
,freiheit ist ein ,beweis von
,instinkt-,entartung mehr4 - #db4
,wo ,glaube noth thut4 - ,nichts ist
seltner unter ,moralisten und ,heiligen
als ,rechtschaffenheit2 vielleicht
sagen sie das ,gegentheil1 vielleicht
glauben sie es selbst4 ,wenn nmlich ein
,glaube ntzlicher1 wirkungsvoller1
berzeugender ist1 als die bewusste
,heuchelei1 so wird1 aus ,instinkt1 die
,heuchelei alsbald zur ,unschuld3
erster ,satz zum ,verstndniss grosser
,heiliger4 ,auch bei den ,philosophen1
einer andren ,art von ,heiligen1 bringt
es das ganze ,handwerk mit sich1 dass
sie nur gewisse ,wahrheiten zulassen3
nmlich solche1 auf die hin ihr
,handwerk die ffentliche ,sanktion hat1
- ,kantisch geredet1 ,wahrheiten der
praktischen ,vernunft4 ,sie wissen1 was
sie beweisen mssen1 darin sind sie
praktisch1 - sie erkennen sich unter
einander daran1 dass sie ber die
,wahrheiten bereinstimmen4 - ,du sollst
nicht lgen - auf deutsch3 hten ,sie
sich1 mein ,herr ,philosoph1 die
,wahrheit zu sagen444 #dc4 ,den
,conservativen in's ,ohr gesagt4 - ,was
man frher nicht wusste1 was man heute
weiss1 wissen knnte -1 eine ,rckbildung1
eine ,umkehr in irgend welchem ,sinn
und ,grade ist gar nicht mglich4 ,wir
,physiologen wenigstens wissen das4
,aber alle ,priester und ,moralisten
haben daran geglaubt1 - sie wollten die
,menschheit auf ein frheres ,maass von
,tugend zurckbringen1 zurckschrauben4
,moral war immer ein ,prokrustes-,bett4
,selbst die ,politiker haben es darin
den ,tugendpredigern nachgemacht3 es
giebt auch heute noch ,parteien1 die
als ,ziel den ,krebsgang aller ,dinge
trumen4 ,aber es steht ,niemandem frei1
,krebs zu sein4 ,es hilft nichts3 man
muss vorwrts1 will sagen ,schritt fr
,schritt weiter in der dcadence 7- dies
meine ,definition des modernen
,fortschritts444 74 ,man kann diese
,entwicklung hemmen und1 durch
,hemmung1 die ,entartung selber stauen1
aufsammeln1 vehementer und pltzlicher
machen3 mehr kann man nicht4 - #dd4
,mein ,begriff vom ,genie4 - ,grosse
,mnner sind wie grosse ,zeiten
,explosiv-,stoffe1 in denen eine
ungeheure ,kraft aufgehuft ist2 ihre
,voraussetzung ist immer1 historisch und
physiologisch1 dass lange auf sie hin
gesammelt1 gehuft1 gespart und bewahrt
worden ist1 - dass lange keine
,explosion stattfand4 ,ist die ,spannung
in der ,masse zu gross geworden1 so
gengt der zuflligste ,reiz1 das ,genie1
die ,that1 das grosse ,schicksal in die
,welt zu rufen4 ,was liegt dann an
,umgebung1 an ,zeitalter1 an ,zeitgeist1
an ffentlicher ,meinung6 - ,man nehme
den ,fall ,napoleon's4 ,das ,frankreich
der ,revolution1 und noch mehr das der
,vorrevolution1 wrde aus sich den
entgegengesetzten ,typus1 als der
,napoleon's ist1 hervorgebracht haben3
es hat ihn auch hervorgebracht4 ,und
weil ,napoleon anders war1 ,erbe einer
strkeren1 lngeren1 lteren ,civilisation
als die1 welche in ,frankreich in
,dampf und ,stcke gieng1 wurde er hier
,herr1 war er allein hier ,herr4 ,die
grossen ,menschen sind nothwendig1 die
,zeit1 in der sie erscheinen1 ist
zufllig2 dass sie fast immer ber
dieselbe ,herr werden1 liegt nur darin1
dass sie strker1 dass sie lter sind1
dass lnger auf sie hin gesammelt worden
ist4 ,zwischen einem ,genie und seiner
,zeit besteht ein ,verhltniss1 wie
zwischen stark und schwach1 auch wie
zwischen alt und jung3 die ,zeit ist
relativ immer viel jnger1 dnner1
unmndiger1 unsicherer1 kindischer4 -
,dass man hierber in ,frankreich heute
sehr anders denkt 7in ,deutschland
auch3 aber daran liegt nichts71 dass
dort die ,theorie vom milieu1 eine
wahre ,neurotiker-,theorie1 sakrosankt
und beinahe wissenschaftlich geworden
ist und bis unter die ,physiologen
,glauben findet1 das riecht nicht gut1
das macht ,einem traurige ,gedanken4 -
,man versteht es auch in ,england nicht
anders1 doch darber wird sich kein
,mensch betrben4 ,dem ,englnder stehen
nur zwei ,wege offen1 sich mit dem
,genie und grossen ,manne abzufinden3
entweder demokratisch in der ,art
,buckle's oder religis in der ,art
,carlyle's4 - ,die ,gefahr1 die in
grossen ,menschen und ,zeiten liegt1 ist
ausser ordentlich2 die ,erschpfung
jeder ,art1 die ,sterilitt folgt ihnen
auf dem ,fusse4 ,der grosse ,mensch ist
ein ,ende2 die grosse ,zeit1 die
,renaissance zum ,beispiel1 ist ein
,ende4 ,das ,genie - in ,werk1 in ,that
- ist nothwendig ein ,verschwender3 dass
es sich ausgiebt1 ist seine ,grsse444
,der ,instinkt der ,selbsterhaltung ist
gleichsam ausgehngt2 der bergewaltige
,druck der ausstrmenden ,krfte verbietet
ihm jede solche ,obhut und ,vorsicht4
,man nennt das ,aufopferung2 man rhmt
seinen ,heroismus darin1 seine
,gleichgltigkeit gegen das eigne ,wohl1
seine ,hingebung fr eine ,idee1 eine
grosse ,sache1 ein ,vaterland3 ,alles
,missverstndnisse444 ,er strmt aus1 er
strmt ber1 er verbraucht sich1 er
schont sich nicht1 - mit ,fatalitt1
verhngnissvoll1 unfreiwillig1 wie das
,ausbrechen eines ,flusses ber seine
,ufer unfreiwillig ist4 ,aber weil man
solchen ,explosiven viel verdankt1 hat
man ihnen auch viel dagegen geschenkt1
zum ,beispiel eine ,art hherer
,moral444 ,das ist ja die ,art der
menschlichen ,dankbarkeit3 sie
missversteht ihre ,wohlthter4- #de4
,der ,verbrecher und was ihm
verwandt ist4 - ,der ,verbrecher-,typus1
das ist der ,typus des starken
,menschen unter ungnstigen ,bedingungen1
ein krank gemachter starker ,mensch4
,ihm fehlt die ,wildniss1 eine gewisse
freiere und gefhrlichere ,natur und
,daseinsform1 in der ,alles1 was ,waffe
und ,wehr im ,instinkt des starken
,menschen ist1 zu ,recht besteht4
,seine ,tugenden sind von der
,gesellschaft in ,bann gethan2 seine
lebhaftesten ,triebe1 die er mitgebracht
hat1 verwachsen alsbald mit den
niederdrckenden ,affekten1 mit dem
,verdacht1 der ,furcht1 der ,unehre4
,aber dies ist beinahe das ,recept zur
physiologischen ,entartung4 ,wer ,das1
was er am besten kann1 am liebsten thte1
heimlich thun muss1 mit langer
,spannung1 ,vorsicht1 ,schlauheit1 wird
anmisch2 und weil er immer nur ,gefahr1
,verfolgung1 ,verhngniss von seinen
,instinkten her erntet1 verkehrt sich
auch sein ,gefhl gegen diese ,instinkte
- er fhlt sie fatalistisch4 ,die
,gesellschaft ist es1 unsre zahme1
mittelmssige1 verschnittene
,gesellschaft1 in der ein naturwchsiger
,mensch1 der vom ,gebirge her oder aus
den ,abenteuern des ,meeres kommt1
nothwendig zum ,verbrecher entartet4
,oder beinahe nothwendig3 denn es giebt
,flle1 wo ein solcher ,mensch sich
strker erweist als die ,gesellschaft3
der ,corse ,napoleon ist der berhmteste
,fall4 ,fr das ,problem1 das hier
vorliegt1 ist das ,zeugniss
,dostoiewsky's von ,belang -
,dostoiewsky's1 des einzigen
,psychologen1 anbei gesagt1 von dem ich
,etwas zu lernen hatte3 er gehrt zu den
schnsten ,glcksfllen meines ,lebens1
mehr selbst noch als die ,entdeckung
,stendhal's4 ,dieser tiefe ,mensch1 der
zehn ,mal ,recht hatte1 die
oberflchlichen ,deutschen gering zu
schtzen1 hat die sibirischen
,zuchthusler1 in deren ,mitte er lange
lebte1 lauter schwere ,verbrecher1 fr
die es keinen ,rckweg zur ,gesellschaft
mehr gab1 sehr anders empfunden als er
selbst erwartete - ungefhr als aus dem
besten1 hrtesten und werthvollsten
,holze geschnitzt1 das auf russischer
,erde berhaupt wchst4 ,verallgemeinern
wir den ,fall des ,verbrechers3 denken
wir uns ,naturen1 denen1 aus irgend
einem ,grunde1 die ffentliche
,zustimmung fehlt1 die wissen1 dass sie
nicht als wohlthtig1 als ntzlich
empfunden werden1 - jenes
,tschandala-,gefhl1 dass man nicht als
gleich gilt1 sondern als ausgestossen1
unwrdig1 verunreinigend4 ,alle solche
,naturen haben die ,farbe des
,unterirdischen auf ,gedanken und
,handlungen2 an ihnen wird ,jegliches
bleicher als an ,solchen1 auf deren
,dasein das ,tageslicht ruht4 ,aber fast
alle ,existenzformen1 die wir heute
auszeichnen1 haben ehemals unter dieser
halben ,grabesluft gelebt3 der
wissenschaftliche ,charakter1 der
,artist1 das ,genie1 der freie ,geist1
der ,schauspieler1 der ,kaufmann1 der
grosse ,entdecker444 ,so lange der
,priester als oberster ,typus galt1 war
jede werthvolle ,art ,mensch
entwerthet444 ,die ,zeit kommt - ich
verspreche das - wo er als der
niedrigste gelten wird1 als unser
,tschandala1 als die verlogenste1 als
die unanstndigste ,art ,mensch444 ,ich
richte die ,aufmerksamkeit darauf1 wie
noch jetzt1 unter dem mildesten
,regiment der ,sitte1 das je auf
,erden1 zum ,mindesten in ,europa1
geherrscht hat1 jede ,abseitigkeit1
jedes lange1 allzulange ,unterhalb1 jede
ungewhnliche1 undurchsichtige
,daseinsform jenem ,typus nahe bringt1
den der ,verbrecher vollendet4 ,alle
,neuerer des ,geistes haben eine ,zeit
das fahle und fatalistische ,zeichen des
,tschandala auf der ,stirn3 nicht1
weil sie so empfunden wrden1 sondern
weil sie selbst die furchtbare ,kluft
fhlen1 die sie von allem ,herkmmlichen
und in ,ehren ,stehenden trennt4 ,fast
jedes ,genie kennt als eine seiner
,entwicklungen die catilinarische
,existenz1 ein ,hass-1 ,rache- und
,aufstands-,gefhl gegen ,alles1 was
schon ist1 was nicht mehr wird444
,catilina - die ,prexistenz-,form jedes
,caesar4 - #df4 ,hier ist die
,aussicht frei4 - ,es kann ,hhe der
,seele sein1 wenn ein ,philosoph
schweigt2 es kann ,liebe sein1 wenn er
sich widerspricht2 es ist eine
,hflichkeit des ,erkennenden mglich1
welche lgt4 ,man hat nicht ohne
,feinheit gesagt3 il est indigne des
grands coeurs de rpandre le trouble1
qu'ils ressentent3 nur muss man
hinzufgen1 dass vor dem ,unwrdigsten
sich nicht zu frchten ebenfalls ,grsse
der ,seele sein kann4 ,ein ,weib1 das
liebt1 opfert seine ,ehre2 ein
,erkennender1 welcher liebt1 opfert
vielleicht seine ,menschlichkeit2 ein
,gott1 welcher liebte1 ward ,jude444
#dg4 ,die ,schnheit kein ,zufall4 -
,auch die ,schnheit einer ,rasse oder
,familie1 ihre ,anmuth und ,gte in allen
,gebrden wird erarbeitet3 sie ist1
gleich dem ,genie1 das ,schlussergebniss
der accumulirten ,arbeit von
,geschlechtern4 ,man muss dem guten
,geschmacke grosse ,opfer gebracht
haben1 man muss um seinetwillen ,vieles
gethan1 ,vieles gelassen haben - das
siebzehnte ,jahrhundert ,frankreichs ist
bewunderungswrdig in ,beidem -1 man
muss in ihm ein ,princip der ,wahl1 fr
,gesellschaft1 ,ort1 ,kleidung1
,geschlechtsbefriedigung gehabt haben1
man muss ,schnheit dem ,vortheil1 der
,gewohnheit1 der ,meinung1 der ,trgheit
vorgezogen haben4 ,oberste
,richtschnur3 man muss sich auch vor
sich selber nicht gehen lassen4 - ,die
guten ,dinge sind ber die ,maassen
kostspielig3 und immer gilt das
,gesetz1 dass wer sie hat1 ein ,andrer
ist1 als wer sie erwirbt4 ,alles ,gute
ist ,erbschaft3 was nicht ererbt ist1
ist unvollkommen1 ist ,anfang444 ,in
,athen waren zur ,zeit ,cicero's1 der
darber seine berraschung ausdrckt1 die
,mnner und ,jnglinge bei weitem den
,frauen an ,schnheit berlegen3 aber
welche ,arbeit und ,anstrengung im
,dienste der ,schnheit hatte daselbst
das mnnliche ,geschlecht seit
,jahrhunderten von sich verlangt6 - ,man
soll sich nmlich ber die ,methodik
hier nicht vergreifen3 eine blosse
,zucht von ,gefhlen und ,gedanken ist
beinahe ,null 7- hier liegt das grosse
,missverstndniss der deutschen ,bildung1
die ganz illusorisch ist73 man muss
den ,leib zuerst berreden4 ,die strenge
,aufrechterhaltung bedeutender und
gewhlter ,gebrden1 eine
,verbindlichkeit1 nur mit ,menschen zu
leben1 die sich nicht gehen lassen1
gengt vollkommen1 um bedeutend und
gewhlt zu werden3 in zwei1 drei
,geschlechtern ist bereits ,alles
verinnerlicht4 ,es ist entscheidend ber
das ,loos von ,volk und ,menschheit1
dass man die ,cultur an der rechten
,stelle beginnt - nicht an der ,seele
7wie es der verhngnissvolle ,aberglaube
der ,priester und ,halb-,priester war73
die rechte ,stelle ist der ,leib1 die
,gebrde1 die ,dit1 die ,physiologie1 der
,rest folgt daraus444 ,die ,griechen
bleiben deshalb das erste
,cultur-,ereigniss der ,geschichte -
sie wussten1 sie thaten1 was ,noth that2
das ,christenthum1 das den ,leib
verachtete1 war bisher das grsste
,unglck der ,menschheit4 - #dh4
,fortschritt in meinem ,sinne4 - ,auch
ich rede von ,rckkehr zur ,natur1
obwohl es eigentlich nicht ein
,zurckgehn1 sondern ein ,hinaufkommen
ist - hinauf in die hohe1 freie1 selbst
furchtbare ,natur und ,natrlichkeit1
eine solche1 die mit grossen ,aufgaben
spielt1 spielen darf 44 ,um es im
,gleichniss zu sagen3 ,napoleon war ein
,stck ,rckkehr zur ,natur1 so wie ich
sie verstehe 7zum ,beispiel in rebus
tacticis1 noch mehr1 wie die ,militrs
wissen1 im ,strategischen74 - ,aber
,rousseau - wohin wollte der eigentlich
zurck8 ,rousseau1 dieser erste moderne
,mensch1 ,idealist und canaille in
,einer ,person2 der die moralische
,wrde nthig hatte1 um seinen eignen
,aspekt auszuhalten2 krank vor
zgelloser ,eitelkeit und zgelloser
,selbstverachtung4 ,auch diese
,missgeburt1 welche sich an die
,schwelle der neuen ,zeit gelagert hat1
wollte ,rckkehr zur ,natur - wohin1
nochmals gefragt1 wollte ,rousseau
zurck8 - ,ich hasse ,rousseau noch in
der ,revolution3 sie ist der
welthistorische ,ausdruck fr diese
,doppelheit von ,idealist und canaille4
,die blutige farce1 mit der sich diese
,revolution abspielte1 ihre
,immoralitt1 geht mich wenig an3 was ich
hasse1 ist ihre ,rousseau'sche
,moralitt - die sogenannten ,wahrheiten
der ,revolution1 mit denen sie immer
noch wirkt und alles ,flache und
,mittelmssige zu sich berredet4 ,die
,lehre von der ,gleichheit6444 ,aber es
giebt gar kein giftigeres ,gift3 denn
sie scheint von der ,gerechtigkeit
selbst gepredigt1 whrend sie das ,ende
der ,gerechtigkeit ist444 ,den ,gleichen
,gleiches1 den ,ungleichen ,ungleiches
- das wre die wahre ,rede der
,gerechtigkeit3 und1 was daraus folgt1
,ungleiches niemals gleich machen4 -
,dass es um jene ,lehre von der
,gleichheit herum so schauerlich und
blutig zu gieng1 hat dieser modernen
,idee par excellence eine ,art ,glorie
und ,feuerschein gegeben1 so dass die
,revolution als ,schauspiel auch die
edelsten ,geister verfhrt hat4 ,das ist
zuletzt kein ,grund1 sie mehr zu
achten4 - ,ich sehe nur ,einen1 der sie
empfand1 wie sie empfunden werden muss1
mit ,ekel - ,goethe444 #di4
,goethe - kein deutsches ,ereigniss1
sondern ein europisches3 ein
grossartiger ,versuch1 das achtzehnte
,jahrhundert zu berwinden durch eine
,rckkehr zur ,natur1 durch ein
,hinaufkommen zur ,natrlichkeit der
,renaissance1 eine ,art
,selbstberwindung von ,seiten dieses
,jahrhunderts4 - ,er trug dessen strkste
,instinkte in sich3 die ,gefhlsamkeit1
die ,natur-,idolatrie1 das
,antihistorische1 das ,idealistische1
das ,unreale und ,revolutionre 7-
letzteres ist nur eine ,form des
,unrealen74 ,er nahm die ,historie1 die
,naturwissenschaft1 die ,antike1
insgleichen ,spinoza zu ,hlfe1 vor
,allem die praktische ,thtigkeit2 er
umstellte sich mit lauter geschlossenen
,horizonten2 er lste sich nicht vom
,leben ab1 er stellte sich hinein2 er
war nicht verzagt und nahm so viel als
mglich auf sich1 ber sich1 in sich4
,was er ,wollte1 das war ,totalitt2 er
bekmpfte das ,auseinander von
,vernunft1 ,sinnlichkeit1 ,gefhl1 ,wille
7- in abschreckendster ,scholastik
durch ,kant gepredigt1 den ,antipoden
,goethe's71 er disciplinirte sich zur
,ganzheit1 er schuf sich444 ,goethe war1
inmitten eines unreal gesinnten
,zeitalters1 ein berzeugter ,realist3 er
sagte ja zu ,allem1 was ihm hierin
verwandt war1 - er hatte kein grsseres
,erlebniss als jenes ens realissimum1
genannt ,napoleon4 ,goethe concipirte
einen starken1 hochgebildeten1 in aller
,leiblichkeiten geschickten1 sich
selbst im ,zaume habenden1 vor sich
selber ehrfrchtigen ,menschen1 der sich
den ganzen ,umfang und ,reichthum der
,natrlichkeit zu gnnen wagen darf1 der
stark genug zu dieser ,freiheit ist2
den ,menschen der ,toleranz1 nicht aus
,schwche1 sondern aus ,strke1 weil er
,das1 woran die durchschnittliche ,natur
zu ,grunde gehn wrde1 noch zu seinem
,vortheile zu brauchen weiss2 den
,menschen1 fr den es nichts ,verbotenes
mehr giebt1 es sei denn die ,schwche1
heisse sie nun ,laster oder ,tugend444
,ein solcher freigewordner ,geist steht
mit einem freudigen und vertrauenden
,fatalismus mitten im ,all1 im
,glauben1 dass nur das ,einzelne
verwerflich ist1 dass im ,ganzen sich
,alles erlst und bejaht - er verneint
nicht mehr444 ,aber ein solcher ,glaube
ist der hchste aller mglichen ,glauben3
ich habe ihn auf den ,namen des
,dionysos getauft4 - #ej4 ,man
knnte sagen1 dass in gewissem ,sinne das
neunzehnte ,jahrhundert ,das alles
auch erstrebt hat1 was ,goethe als
,person erstrebte3 eine ,universalitt
im ,verstehn1 im ,gutheissen1 ein
,ansich-heran-kommen-lassen von
,jedwedem1 einen verwegnen ,realismus1
eine ,ehrfurcht vor allem
,thatschlichen4 ,wie kommt es1 dass das
,gesammt-,ergebniss kein ,goethe1
sondern ein ,chaos ist1 ein
nihilistisches ,seufzen1 ein
,nicht-wissen-wo-aus-noch-ein1 ein
,instinkt von ,ermdung1 der in praxi
fortwhrend dazu treibt1 zum achtzehnten
,jahrhundert zurckzugreifen8 7- zum
,beispiel als ,gefhls-,romantik1 als
,altruismus und ,hyper-,sentimentalitt1
als ,femininismus im ,geschmack1 als
,socialismus in der ,politik47 ,ist
nicht das neunzehnte ,jahrhundert1
zumal in seinem ,ausgange1 bloss ein
verstrktes verrohtes achtzehntes
,jahrhundert1 das heisst ein
dcadence-,jahrhundert8 ,so dass ,goethe
nicht bloss fr ,deutschland1 sondern fr
ganz ,europa bloss ein ,zwischenfall1
ein schnes ,umsonst gewesen wre8 - ,aber
man missversteht grosse ,menschen1
wenn man sie aus der armseligen
,perspektive eines ffentlichen ,nutzens
ansieht4 ,dass man keinen ,nutzen aus
ihnen zu ziehn weiss1 das gehrt selbst
vielleicht zur ,grsse444 #ea4
,goethe ist der letzte ,deutsche1 vor
dem ich ,ehrfurcht habe3 er htte drei
,dinge empfunden1 die ich empfinde1 -
auch verstehen wir uns ber das
,kreuz444 ,man fragt mich fter1 wozu ich
eigentlich deutsch schriebe3
nirgendswo wrde ich schlechter gelesen1
als im ,vaterlande4 ,aber wer weiss
zuletzt1 ob ich auch nur wnsche1 heute
gelesen zu werden8 - ,dinge schaffen1
an denen umsonst die ,zeit ihre ,zhne
versucht2 der ,form nach1 der ,substanz
nach um eine kleine ,unsterblichkeit
bemht sein - ich war noch nie bescheiden
genug1 weniger von mir zu verlangen4
,der ,aphorismus1 die ,sentenz1 in denen
ich als der ,erste unter ,deutschen
,meister bin1 sind die ,formen der
,ewigkeit2 mein ,ehrgeiz ist1 in zehn
,stzen zu sagen1 was jeder ,andre in
einem ,buche sagt1 - was jeder ,andre in
einem ,buche nicht sagt444 ,ich habe
der ,menschheit das tiefste ,buch
gegeben1 das sie besitzt1 meinen
,zarathustra3 ich gebe ihr ber kurzem
das unabhngigste4 - ,was ich den
,alten verdanke4 #a4 ,zum ,schluss
ein ,wort ber jene ,welt1 zu der ich
,zugnge gesucht1 zu der ich vielleicht
einen neuen ,zugang gefunden habe - die
alte ,welt4 ,mein ,geschmack1 der der
,gegensatz eines duldsamen ,geschmacks
sein mag1 ist auch hier fern davon1 in
,bausch und ,bogen ja zu sagen3 er sagt
berhaupt nicht gern ja1 lieber noch
,nein1 am allerliebsten gar nichts444
,das gilt von ganzen ,culturen1 das gilt
von ,bchern1 - es gilt auch von ,orten
und ,landschaften4 ,im ,grunde ist es
eine ganz kleine ,anzahl antiker
,bcher1 die in meinem ,leben mitzhlen2
die berhmtesten sind nicht darunter4
,mein ,sinn fr ,stil1 fr das ,epigramm
als ,stil erwachte fast augenblicklich
bei der ,berhrung mit ,sallust4 ,ich
habe das ,erstaunen meines verehrten
,lehrers ,corssen nicht vergessen1 als
er seinem schlechtesten ,lateiner die
allererste ,censur geben musste -1 ich
war mit ,einem ,schlage fertig4
,gedrngt1 streng1 mit so viel ,substanz
als mglich auf dem ,grunde1 eine kalte
,bosheit gegen das schne ,wort1 auch
das schne ,gefhl - daran errieth ich
mich4 ,man wird1 bis in meinen
,zarathustra hinein1 eine sehr
ernsthafte ,ambition nach rmischem
,stil1 nach dem aere perennius im ,stil
bei mir wiedererkennen4 - ,nicht anders
ergieng es mir bei der ersten
,berhrung mit ,horaz4 ,bis heute habe
ich an keinem ,dichter dasselbe
artistische ,entzcken gehabt1 das mir
von ,anfang an eine ,horazische ,ode
gab4 ,in gewissen ,sprachen ist ,das1
was hier erreicht ist1 nicht einmal zu
wollen4 ,dies ,mosaik von ,worten1 wo
jedes ,wort als ,klang1 als ,ort1 als
,begriff1 nach rechts und links und ber
das ,ganze hin seine ,kraft ausstrmt1
dies minimum in ,umfang und ,zahl der
,zeichen1 dies damit erzielte maximum
in der ,energie der ,zeichen - das
,alles ist rmisch und1 wenn man mir
glauben will1 vornehm par excellence4
,der ganze ,rest von ,poesie wird
dagegen etwas zu ,populres1 - eine
blosse ,gefhls-,geschwtzigkeit444
#b4 ,den ,griechen verdanke ich
durchaus keine verwandt starken
,eindrcke2 und1 um es geradezu
herauszusagen1 sie knnen uns nicht sein1
was die ,rmer sind4 ,man lernt nicht
von den ,griechen - ihre ,art ist zu
fremd1 sie ist auch zu flssig1 um
imperativisch1 um klassisch zu wirken4
,wer htte je an einem ,griechen
schreiben gelernt6 ,wer htte es je ohne
die ,rmer gelernt6444 ,man wende mir ja
nicht ,plato ein4 ,im ,verhltniss zu
,plato bin ich ein grndlicher ,skeptiker
und war stets ausser ,stande1 in die
,bewunderung des ,artisten ,plato1 die
unter ,gelehrten herkmmlich ist1
einzustimmen4 ,zuletzt habe ich hier die
raffinirtesten ,geschmacksrichter
unter den ,alten selbst auf meiner
,seite4 ,plato wirft1 wie mir scheint1
alle ,formen des ,stils durcheinander1
er ist damit ein erster dcadent des
,stils3 er hat etwas hnliches auf dem
,gewissen1 wie die ,cyniker1 die die
satura ,menippea erfanden4 ,dass der
,platonische ,dialog1 diese entsetzlich
selbstgefllige und kindliche ,art
,dialektik1 als ,reiz wirken knne1 dazu
muss man nie gute ,franzosen gelesen
haben1 - ,fontenelle zum ,beispiel4
,plato ist langweilig4 - ,zuletzt geht
mein ,misstrauen bei ,plato in die
,tiefe3 ich finde ihn so abgeirrt von
allen ,grundinstinkten der ,hellenen1 so
vermoralisirt1 so
prexistent-christlich - er hat bereits
den ,begriff gut als obersten ,begriff
-1 dass ich von dem ganzen ,phnomen
,plato eher das harte ,wort hherer
,schwindel oder1 wenn man's lieber hrt1
,idealismus - als irgend ein andres
gebrauchen mchte4 ,man hat theuer dafr
bezahlt1 dass dieser ,athener bei den
gyptern in die ,schule gieng 7- oder bei
den ,juden in ,agypten84447 ,im
grossen ,verhngniss des ,christenthums
ist ,plato jene ,ideal genannte
,zweideutigkeit und ,fascination1 die
den edleren ,naturen des ,alterthums es
mglich machte1 sich selbst
misszuverstehn und die ,brcke zu
betreten1 die zum ,kreuz fhrte444 ,und
wie viel ,plato ist noch im ,begriff
,kirche1 in ,bau1 ,system1 ,praxis der
,kirche6 - ,meine ,erholung1 meine
,vorliebe1 meine ,kur von allem
,platonismus war zu jeder ,zeit
,thukydides4 ,thukydides und1
vielleicht1 der principe ,machiavell's
sind mir selber am meisten verwandt
durch den unbedingten ,willen1 sich
,nichts vorzumachen und die ,vernunft
in der ,realitt zu sehn1 - nicht in der
,vernunft1 noch weniger in der
,moral444 ,von der jmmerlichen
,schnfrberei der ,griechen in's ,ideal1
die der klassisch gebildete ,jngling
als ,lohn fr seine ,gymnasial-,dressur
in's ,leben davontrgt1 kurirt ,nichts
so grndlich als ,thukydides4 ,man muss
ihn ,zeile fr ,zeile umwenden und seine
,hintergedanken so deutlich ablesen wie
seine ,worte3 es giebt wenige so
hintergedankenreiche ,denker4 ,in ihm
kommt die ,sophisten-,cultur1 will
sagen die ,realisten-,cultur1 zu ihrem
vollendeten ,ausdruck3 diese unschtzbare
,bewegung inmitten des eben allerwrts
losbrechenden ,moral- und
,ideal-,schwindels der sokratischen
,schulen4 ,die griechische ,philosophie
als die dcadence des griechischen
,instinkts2 ,thukydides als die grosse
,summe1 die letzte ,offenbarung jener
starken1 strengen1 harten
,thatschlichkeit1 die dem lteren
,hellenen im ,instinkte lag4 ,der ,muth
vor der ,realitt unterscheidet zuletzt
solche ,naturen wie ,thukydides und
,plato3 ,plato ist ein ,feigling vor
der ,realitt1 - folglich flchtet er in's
,ideal2 ,thukydides hat sich in der
,gewalt1 folglich behlt er auch die
,dinge in der ,gewalt444 #c4
,in den ,griechen schne ,seelen1 goldene
,mitten und andre ,vollkommenheiten
auszuwittern1 etwa an ihnen die ,ruhe in
der ,grsse1 die ideale ,gesinnung1 die
hohe ,einfalt bewundern - vor dieser
hohen ,einfalt1 einer niaiserie
allemande zu guterletzt1 war ich durch
den ,psychologen behtet1 den ich in mir
trug4 ,ich sah ihren strksten
,instinkt1 den ,willen zur ,macht1 ich
sah sie zittern vor der unbndigen
,gewalt dieses ,triebs1 - ich sah alle
ihre ,institutionen wachsen aus
,schutzmaassregeln1 um sich vor einander
gegen ihren inwendigen ,explosivstoff
sicher zu stellen4 ,die ungeheure
,spannung im ,innern entlud sich dann
in furchtbarer und rcksichtsloser
,feindschaft nach ,aussen3 die
,stadtgemeinden zerfleischten sich unter
einander1 damit die ,stadtbrger jeder
einzelnen vor sich selber ,ruhe fnden4
,man hatte es nthig1 stark zu sein3 die
,gefahr war in der ,nhe -1 sie lauerte
berall4 ,die prachtvoll geschmeidige
,leiblichkeit1 der verwegene ,realismus
und ,immoralismus1 der dem ,hellenen
eignet1 ist eine ,noth1 nicht eine
,natur gewesen4 ,er folgte erst1 er war
nicht von ,anfang an da4 ,und mit
,festen und ,knsten wollte man auch
nichts ,andres als sich obenauf fhlen1
sich obenauf zeigen3 es sind ,mittel1
sich selber zu verherrlichen1 unter
,umstnden vor sich ,furcht zu machen444
,die ,griechen auf deutsche ,manier
nach ihren ,philosophen beurtheilen1
etwa die ,biedermnnerei der
sokratischen ,schulen zu ,aufschlssen
darber benutzen1 was im ,grunde
hellenisch sei6444 ,die ,philosophen
sind ja die dcadents des
,griechenthums1 die ,gegenbewegung gegen
den alten1 den vornehmen ,geschmack 7-
gegen den agonalen ,instinkt1 gegen die
,polis1 gegen den ,werth der ,rasse1
gegen die ,autoritt des ,herkommens74
,die sokratischen ,tugenden wurden
gepredigt1 weil sie den ,griechen
abhanden gekommen waren3 reizbar1
furchtsam1 unbestndig1 ,komdianten
allesammt1 hatten sie ein paar ,grnde zu
viel1 sich ,moral predigen zu lassen4
,nicht1 dass es ,etwas geholfen htte3
aber grosse ,worte und ,attitden stehen
dcadents so gut444 #d4 ,ich war
der erste1 der1 zum ,verstndniss des
lteren1 des noch reichen und selbst
berstrmenden hellenischen ,instinkts1
jenes wundervolle ,phnomen ernst nahm1
das den ,namen des ,dionysos trgt3 es
ist einzig erklrbar aus einem ,zuviel
von ,kraft4 ,wer den ,griechen nachgeht1
wie jener tiefste ,kenner ihrer
,cultur1 der heute lebt1 wie ,jakob
,burckhardt in ,basel1 der wusste
sofort1 dass damit ,etwas gethan sei3
,burckhardt fgte seiner ,cultur der
,griechen einen eignen ,abschnitt ber
das genannte ,phnomen ein4 ,will man den
,gegensatz1 so sehe man die beinahe
erheiternde ,instinkt-,armuth der
deutschen ,philologen1 wenn sie in die
,nhe des ,dionysischen kommen4 ,der
berhmte ,lobeck zumal1 der mit der
ehrwrdigen ,sicherheit eines zwischen
,bchern ausgetrockneten ,wurms in diese
,welt geheimnissvoller ,zustnde
hineinkroch und sich berredete1 damit
wissenschaftlich zu sein1 dass er bis
zum ,ekel leichtfertig und kindisch war1
- ,lobeck hat mit allem ,aufwande von
,gelehrsamkeit zu verstehn gegeben1
eigentlich habe es mit allen diesen
,curiositten ,nichts auf sich4 ,in der
,that mchten die ,priester den
,theilhabern an solchen ,orgien einiges
nicht ,werthlose mitgetheilt haben1 zum
,beispiel1 dass der ,wein zur ,lust
anrege1 dass der ,mensch unter
,umstnden von ,frchten lebe1 dass die
,pflanzen im ,frhjahr aufblhn1 im
,herbst verwelken4 ,was jenen so
befremdlichen ,reichthum an ,riten1
,symbolen und ,mythen orgiastischen
,ursprungs angeht1 von dem die antike
,welt ganz wrtlich berwuchert ist1 so
findet ,lobeck an ihm einen ,anlass1
noch um einen ,grad geistreicher zu
werden4 ,die ,griechen1 sagt er
,aglaophamus ,i1 #fgb1 hatten sie nichts
,anderes zu thun1 so lachten1
sprangen1 rasten sie umher1 oder1 da der
,mensch mitunter auch dazu ,lust hat1
so sassen sie nieder1 weinten und
jammerten4 ,andere kamen dann spter
hinzu und suchten doch irgend einen
,grund fr das auffallende ,wesen2 und so
entstanden zur ,erklrung jener
,gebruche jene zahllosen ,festsagen und
,mythen4 ,auf der andren ,seite glaubte
man1 jenes possirliche ,treiben1
welches nun einmal an den ,festtagen
stattfand1 gehre auch nothwendig zur
,festfeier1 und hielt es als einen
unentbehrlichen ,theil des
,gottesdienstes fest4 - ,das ist
verchtliches ,geschwtz1 man wird einen
,lobeck nicht einen ,augenblick ernst
nehmen4 ,ganz anders berhrt es uns1 wenn
wir den ,begriff griechisch prfen1 den
,winckelmann und ,goethe sich gebildet
haben1 und ihn unvertrglich mit jenem
,elemente finden1 aus dem die
dionysische ,kunst wchst1 - mit dem
,orgiasmus4 ,ich zweifle in der ,that
nicht daran1 dass ,goethe etwas
,derartiges grundstzlich aus den
,mglichkeiten der griechischen ,seele
ausgeschlossen htte4 ,folglich verstand
,goethe die ,griechen nicht4 ,denn erst
in den dionysischen ,mysterien1 in der
,psychologie des dionysischen ,zustands
spricht sich die ,grundthatsache des
hellenischen ,instinkts aus - sein
,wille zum ,leben4 ,was verbrgte sich
der ,hellene mit diesen ,mysterien8 ,das
ewige ,leben1 die ewige ,wiederkehr
des ,lebens2 die ,zukunft in der
,vergangenheit verheissen und geweiht2
das triumphirende ,ja zum ,leben ber
,tod und ,wandel hinaus2 das wahre
,leben als das ,gesammt-,fortleben
durch die ,zeugung1 durch die ,mysterien
der ,geschlechtlichkeit4 ,den
,griechen war deshalb das
geschlechtliche ,symbol das ehrwrdige
,symbol an sich1 der eigentliche
,tiefsinn innerhalb der ganzen antiken
,frmmigkeit4 ,alles ,einzelne im ,akte
der ,zeugung1 der ,schwangerschaft1 der
,geburt erweckte die hchsten und
feierlichsten ,gefhle4 ,in der
,mysterienlehre ist der ,schmerz heilig
gesprochen3 die ,wehen der ,gebrerin
heiligen den ,schmerz berhaupt1 - alles
,werden und ,wachsen1 alles
,zukunft-,verbrgende bedingt den
,schmerz444 ,damit es die ,lust des
,schaffens giebt1 damit der ,wille zum
,leben sich ewig selbst bejaht1 muss es
auch ewig die ,qual der ,gebrerin
geben444 ,dies ,alles bedeutet das
,wort ,dionysos3 ich kenne keine hhere
,symbolik als diese griechische
,symbolik1 die der ,dionysien4 ,in ihr
ist der tiefste ,instinkt des ,lebens1
der zur ,zukunft des ,lebens1 zur
,ewigkeit des ,lebens1 religis
empfunden1 - der ,weg selbst zum ,leben1
die ,zeugung1 als der heilige ,weg444
,erst das ,christenthum1 mit seinem
,ressentiment gegen das ,leben auf dem
,grunde1 hat aus der ,geschlechtlichkeit
etwas ,unreines gemacht3 es warf ,koth
auf den ,anfang1 auf die ,voraussetzung
unseres ,lebens444 #e4 ,die
,psychologie des ,orgiasmus als eines
berstrmenden ,lebens- und ,kraftgefhls1
innerhalb dessen selbst der ,schmerz
noch als ,stimulans wirkt1 gab mir den
,schlssel zum ,begriff des tragischen
,gefhls1 das sowohl von ,aristoteles
als in ,sonderheit von unsern
,pessimisten missverstanden worden ist4
,die ,tragdie ist so fern davon1 ,etwas
fr den ,pessimismus der ,hellenen im
,sinne ,schopenhauer's zu beweisen1 dass
sie vielmehr als dessen entscheidende
,ablehnung und ,gegen-,instanz zu
gelten hat4 ,das ja sagen zum ,leben
selbst noch in seinen fremdesten und
hrtesten ,problemen2 der ,wille zum
,leben1 im ,opfer seiner hchsten ,typen
der eignen ,unerschpflichkeit
frohwerdend - das nannte ich
dionysisch1 das errieth ich als die
,brcke zur ,psychologie des tragischen
,dichters4 ,nicht um von ,schrecken und
,mitleiden loszukommen1 nicht um sich
von einem gefhrlichen ,affekt durch
dessen vehemente ,entladung zu reinigen
- so verstand es ,aristoteles -3
sondern um1 ber ,schrecken und ,mitleid
hinaus1 die ewige ,lust des ,werdens
selbst zu sein1 - jene ,lust1 die auch
noch die ,lust am ,vernichten in sich
schliesst444 ,und damit berhre ich
wieder die ,stelle1 von der ich
einstmals ausgieng - die ,geburt der
,tragdie war meine erste ,umwerthung
aller ,werthe3 damit stelle ich mich
wieder auf den ,boden zurck1 aus dem
mein ,wollen1 mein ,knnen wchst - ich1
der letzte ,jnger des ,philosophen
,dionysos1 - ich1 der ,lehrer der ewigen
,wiederkunft444 ,der ,hammer
redet4 ,also sprach ,zarathustra -
#c1 #ij4 ,warum so hart6 - sprach zum
,diamanten einst die ,kchen-,kohle3
sind wir denn nicht ,nah-,verwandte8
,warum so weich8 ,oh meine ,brder1 also
frage ich euch3 seid ihr denn nicht -
meine ,brder8 ,warum so weich1 so
weichend und nachgebend8 ,warum ist so
viel ,leugnung1 ,verleugnung in eurem
,herzen8 so wenig ,schicksal in eurem
,blicke8 ,und wollt ihr nicht
,schicksale sein und ,unerbittliche3 wie
knntet ihr einst mit mir - siegen8
,und wenn eure ,hrte nicht blitzen und
schneiden und zerschneiden will3 wie
knntet ihr einst mit mir - schaffen8
,alle ,schaffenden nmlich sind hart4
,und ,seligkeit muss es euch dnken1
eure ,hand auf ,jahrtausende zu drcken
wie auf ,wachs1 - - ,seligkeit1 auf
dem ,willen von ,jahrtausenden zu
schreiben wie auf ,erz1 - hrter als
,erz1 edler als ,erz4 ,ganz hart allein
ist das ,edelste4 ,diese neue
,tafel1 oh meine ,brder1 stelle ich ber
euch3 werdet hart6 - -