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che_/eccehomo_/eccehomo4htm71
,friedrich ,nietzsche ,ecce homo ,wie
man wird1 was man ist ,vorwort #a4
,in ,voraussicht1 dass ich ber ,kurzem
mit der schwersten ,forderung an die
,menschheit herantreten muss1 die je an
sie gestellt wurde1 scheint es mir
unerlsslich1 zu sagen1 wer ich bin4 ,im
,grunde drfte man's wissen3 denn ich
habe mich nicht unbezeugt gelassen4 ,das
,missverhltniss aber zwischen der
,grsse meiner ,aufgabe und der
,kleinheit meiner ,zeitgenossen ist
darin zum ,ausdruck gekommen1 dass man
mich weder gehrt1 noch auch nur gesehn
hat4 ,ich lebe auf meinen eignen ,credit
hin1 es ist vielleicht bloss ein
,vorurtheil1 dass ich lebe8444 ,ich
brauche nur irgend einen ,gebildeten zu
sprechen1 der im ,sommer ins
,oberengadin kommt1 um mich zu
berzeugen1 dass ich nicht lebe444 ,unter
diesen ,umstnden giebt es eine
,pflicht1 gegen die im ,grunde meine
,gewohnheit1 noch mehr der ,stolz meiner
,instinkte revoltirt1 nmlich zu sagen3
,hrt mich6 denn ich bin der und der4
,verwechselt mich vor ,allem nicht6
#b4 ,ich bin zum ,beispiel durchaus
kein ,popanz1 kein ,moral-,ungeheuer1 -
ich bin sogar eine ,gegensatz-,natur zu
der ,art ,mensch1 die man bisher als
tugendhaft verehrt hat4 ,unter uns1 es
scheint mir1 dass gerade ,das zu meinem
,stolz gehrt4 ,ich bin ein jnger des
,philosophen ,dionysos1 ich zge vor1
eher noch ein ,satyr zu sein als ein
,heiliger4 ,aber man lese nur diese
,schrift4 ,vielleicht gelang es mir1
vielleicht hatte diese ,schrift gar
keinen andren ,sinn1 als diesen
,gegensatz in einer heitren und
menschenfreundlichen ,weise zum
,ausdruck zu bringen4 ,das ,letzte1 was
ich versprechen wrde1 wre1 die
,menschheit zu verbessern4 ,von mir
werden keine neuen ,gtzen aufgerichtet2
die alten mgen lernen1 was es mit
thnernen ,beinen auf sich hat4 ,gtzen
7mein ,wort fr ,ideale7 umwerfen - das
gehrt schon eher zu meinem ,handwerk4
,man hat die ,realitt in dem ,grade um
ihren ,werth1 ihren ,sinn1 ihre
,wahrhaftigkeit gebracht1 als man eine
ideale ,welt erlog444 ,die wahre ,welt
und die scheinbare ,welt - auf deutsch3
die erlogne ,welt und die ,realitt444
,die ,lge des ,ideals war bisher der
,fluch ber der ,realitt1 die ,menschheit
selbst ist durch sie bis in ihre
untersten ,instinkte hinein verlogen und
falsch geworden bis zur ,anbetung der
umgekehrten ,werthe1 als die sind1 mit
denen ihr erst das ,gedeihen1 die
,zukunft1 das hohe ,recht auf ,zukunft
verbrgt wre4 #c4 ,wer die ,luft
meiner ,schriften zu athmen weiss1
weiss1 dass es eine ,luft der ,hhe ist1
eine starke ,luft4 ,man muss fr sie
geschaffen sein1 sonst ist die ,gefahr
keine kleine1 sich in ihr zu erklten4
,das ,eis ist nahe1 die ,einsamkeit ist
ungeheuer - aber wie ruhig alle ,dinge
im ,lichte liegen6 wie frei man athmet6
wie ,viel man unter sich fhlt6 -
,philosophie1 wie ich sie bisher
verstanden und gelebt habe1 ist das
freiwillige ,leben in ,eis und
,hochgebirge - das ,aufsuchen alles
,fremden und ,fragwrdigen im ,dasein1
alles dessen1 was durch die ,moral
bisher in ,bann gethan war4 ,aus einer
langen ,erfahrung1 welche eine solche
,wanderung im ,verbotenen gab1 lernte
ich die ,ursachen1 aus denen bisher
moralisirt und idealisirt wurde1 sehr
anders ansehn als es erwnscht sein mag3
die verborgene ,geschichte der
,philosophen1 die ,psychologie ihrer
grossen ,namen kam fr mich an's ,licht4
- ,wie viel ,wahrheit ertrgt1 wie viel
,wahrheit wagt ein ,geist8 das wurde fr
mich immer mehr der eigentliche
,werthmesser4 ,irrthum 7- der ,glaube
an's ,ideal -7 ist nicht ,blindheit1
,irrthum ist ,feigheit444 ,jede
,errungenschaft1 jeder ,schritt vorwrts
in der ,erkenntniss folgt aus dem ,muth1
aus der ,hrte gegen sich1 aus der
,sauberkeit gegen sich444 ,ich widerlege
die ,ideale nicht1 ich ziehe bloss
,handschuhe vor ihnen an444 ,nitimur in
vetitum3 in diesem ,zeichen siegt einmal
meine ,philosophie1 denn man verbot
bisher grundstzlich immer nur die
,wahrheit4 - #d4 ,innerhalb meiner
,schriften steht fr sich mein
,zarathustra4 ,ich habe mit ihm der
,menschheit das grsste ,geschenk
gemacht1 das ihr bisher gemacht worden
ist4 ,dies ,buch1 mit einer ,stimme ber
,jahrtausende hinweg1 ist nicht nur das
hchste ,buch1 das es giebt1 das
eigentliche ,hhenluft-,buch - die ganze
,thatsache ,mensch liegt in ungeheurer
,ferne unter ihm -1 es ist auch das
tiefste1 das aus dem innersten
,reichthum der ,wahrheit heraus
geborene1 ein unerschpflicher ,brunnen1
in den kein ,eimer hinabsteigt1 ohne mit
,gold und ,gte gefllt heraufzukommen4
,hier redet kein ,prophet1 keiner jener
schauerlichen ,zwitter von ,krankheit
und ,willen zur ,macht1 die man
,religionsstifter nennt4 ,man muss vor
,allem den ,ton1 der aus diesem ,munde
kommt1 diesen halkyonischen ,ton richtig
hren1 um dem ,sinn seiner ,weisheit
nicht erbarmungswrdig ,unrecht zu thun4
,die stillsten ,worte sind es1 welche
den ,sturm bringen1 ,gedanken1 die mit
,taubenfssen kommen1 lenken die ,welt4
,die ,feigen fallen von den ,bumen1 sie
sind gut und sss3 und indem sie fallen1
reisst ihnen die rothe ,haut4 ,ein
,nordwind bin ich reifen ,feigen4
,also1 gleich ,feigen1 fallen euch diese
,lehren zu1 meine ,freunde3 nun trinkt
ihren ,saft und ihr ssses ,fleisch6
,herbst ist es umher und reiner ,himmel
und ,nachmittag - ,hier redet kein
,fanatiker1 hier wird nicht gepredigt1
hier wird nicht ,glauben verlangt3 aus
einer unendlichen ,lichtflle und
,glckstiefe fllt ,tropfen fr ,tropfen1
,wort fr ,wort1 eine zrtliche
,langsamkeit ist das tempo dieser
,reden4 ,dergleichen gelangt nur zu den
,auserwhltesten2 es ist ein ,vorrecht
ohne ,gleichen hier ,hrer zu sein2 es
steht ,niemandem frei1 fr ,zarathustra
,ohren zu haben444 ,ist ,zarathustra mit
,alledem nicht ein ,verfhrer8444 ,aber
was sagt er doch selbst1 als er zum
ersten ,male wieder in seine ,einsamkeit
zurckkehrt8 ,genau das ,gegentheil von
dem1 was irgend ein ,weiser1 ,heiliger1
,welt-,erlser und andrer dcadent in
einem solchen ,falle sagen wrde444 ,er
redet nicht nur anders1 er ist auch
anders444 ,allein gehe ich nun1 meine
,jnger6 ,auch ihr geht nun davon und
allein6 ,so will ich es4 ,geht fort von
mir und wehrt euch gegen ,zarathustra6
,und besser noch3 schmt euch seiner6
,vielleicht betrog er euch4 ,der
,mensch der ,erkenntniss muss nicht nur
seine ,feinde lieben1 er muss auch seine
,freunde hassen knnen4 ,man vergilt
einem ,lehrer schlecht1 wenn man immer
nur der ,schler bleibt4 ,und warum wollt
ihr nicht an meinem ,kranze rupfen8
,ihr verehrt mich3 aber wie1 wenn eure
,verehrung eines ,tages umfllt8 ,htet
euch1 dass euch nicht eine ,bildsule
erschlage6 ,ihr sagt1 ihr glaubt an
,zarathustra8 ,aber was liegt an
,zarathustra6 ,ihr seid meine ,glubigen1
aber was liegt an allen ,glubigen6
,ihr hattet euch noch nicht gesucht3 da
fandet ihr mich4 ,so thun alle
,glubigen2 darum ist es so wenig mit
allem ,glauben4 ,nun heisse ich euch1
mich verlieren und euch finden2 und
erst1 wenn ihr mich ,alle verleugnet
habt1 will ich euch wiederkehren444
,friedrich ,nietzsche4 ,inhalt
,warum ich so weise bin4 ,warum ich
so klug bin4 ,warum ich so gute
,bcher schreibe4 ,geburt der
,tragdie4 ,die ,unzeitgemssen4
,menschliches1 ,allzumenschliches4
,morgenrthe4 ,la gaya scienza4
,also sprach ,zarathustra4 ,jenseits
von ,gut und ,bse4 ,genealogie der
,moral4 ,gtzen-,dmmerung4 ,der
,fall ,wagner4 ,warum ich ein
,schicksal bin4 ,kriegserklrung4
,der ,hammer redet ,an diesem
vollkommnen ,tage1 wo ,alles reift und
nicht nur die ,traube braun wird1 fiel
mir eben ein ,sonnenblick auf mein
,leben3 ich sah rckwrts1 ich sah hinaus1
ich sah nie so viel und so gute ,dinge
auf einmal4 ,nicht umsonst begrub ich
heute mein vierundvierzigstes ,jahr1 ich
durfte es begraben1 - was in ihm ,leben
war1 ist gerettet1 ist unsterblich4
,die ,umwerthung aller ,werthe1 die
,dionysos-,dithyramben und1 zur
,erholung1 die ,gtzen-,dmmerung - ,alles
,geschenke dieses ,jahrs1 sogar seines
letzten ,vierteljahrs6 ,wie sollte ich
nicht meinem ganzen ,leben dankbar sein8
,und so erzhle ich mir mein ,leben4
,warum ich so weise bin4 #a4 ,das
,glck meines ,daseins1 seine ,einzigkeit
vielleicht1 liegt in seinem
,verhngniss3 ich bin1 um es in
,rthselform auszudrcken1 als mein ,vater
bereits gestorben1 als meine ,mutter
lebe ich noch und werde alt4 ,diese
doppelte ,herkunft1 gleichsam aus der
obersten und der untersten ,sprosse an
der ,leiter des ,lebens1 dcadent
zugleich und ,anfang - dies1 wenn irgend
,etwas1 erklrt jene ,neutralitt1 jene
,freiheit von ,partei im ,verhltniss zum
,gesammtprobleme des ,lebens1 die mich
vielleicht auszeichnet4 ,ich habe fr die
,zeichen von ,aufgang und ,niedergang
eine feinere ,witterung als je ein
,mensch gehabt hat1 ich bin der ,lehrer
par excellence hierfr1 - ich kenne
,beides1 ich bin ,beides4 - ,mein ,vater
starb mit sechsunddreissig ,jahren3 er
war zart1 liebenswrdig und morbid1 wie
ein nur zum ,vorbergehn bestimmtes
,wesen1 - eher eine gtige ,erinnerung an
das ,leben1 als das ,leben selbst4 ,im
gleichen ,jahre1 wo sein ,leben abwrts
gieng1 gieng auch das meine abwrts3 im
sechsunddreissigsten ,lebensjahre kam
ich auf den niedrigsten ,punkt meiner
,vitalitt1 - ich lebte noch1 doch ohne
drei ,schritt weit vor mich zu sehn4
,damals - es war #ahgi - legte ich meine
,basler ,professur nieder1 lebte den
,sommer ber wie ein ,schatten in ,st4
,moritz und den nchsten ,winter1 den
sonnenrmsten meines ,lebens1 als
,schatten in ,naumburg4 ,dies war mein
,minimum3 ,der ,wanderer und sein
,schatten entstand whrenddem4
,unzweifelhaft1 ich verstand mich damals
auf ,schatten444 ,im ,winter darauf1
meinem ersten ,genueser ,winter1 brachte
jene ,versssung und ,vergeistigung1 die
mit einer extremen ,armuth an ,blut und
,muskel beinahe bedingt ist1 die
,morgenrthe hervor4 ,die vollkommne
,helle und ,heiterkeit1 selbst
,exuberanz des ,geistes1 welche das
genannte ,werk wiederspiegelt1 vertrgt
sich bei mir nicht nur mit der tiefsten
physiologischen ,schwche1 sondern sogar
mit einem ,excess von ,schmerzgefhl4
,mitten in ,martern1 die ein
ununterbrochner dreitgiger
,gehirn-,schmerz sammt mhseligem
,schleimerbrechen mit sich bringt1 -
besass ich eine ,dialektiker-,klarheit
par excellence und dachte ,dinge sehr
kaltbltig durch1 zu denen ich in
gesnderen ,verhltnissen nicht
,kletterer1 nicht raffinirt1 nicht kalt
genug bin4 ,meine ,leser wissen
vielleicht1 in wie fern ich ,dialektik
als ,dcadence-,symptom betrachte1 zum
,beispiel im allerberhmtesten ,fall3 im
,fall des ,sokrates4 - ,alle krankhaften
,strungen des ,intellekts1 selbst jene
,halbbetubung1 die das ,fieber im
,gefolge hat1 sind mir bis heute gnzlich
fremde ,dinge geblieben1 ber deren
,natur und ,hufigkeit ich mich erst auf
gelehrtem ,wege zu unterrichten hatte4
,mein ,blut luft langsam4 ,niemand hat
je an mir ,fieber constatiren knnen4
,ein ,arzt1 der mich lnger als
,nervenkranken behandelte1 sagte
schliesslich3 nein6 an ,ihren ,nerven
liegt's nicht1 ich selber bin nur nervs4
,schlechterdings unnachweisbar irgend
eine lokale ,entartung2 kein organisch
bedingtes ,magenleiden1 wie sehr auch
immer1 als ,folge der
,gesammterschpfung1 die tiefste ,schwche
des gastrischen ,systems4 ,auch das
,augenleiden1 dem ,blindwerden
zeitweilig sich gefhrlich annhernd1 nur
,folge1 nicht urschlich3 so dass mit
jeder ,zunahme an ,lebenskraft auch die
,sehkraft wieder zugenommen hat4 - ,eine
lange1 allzulange ,reihe von ,jahren
bedeutet bei mir ,genesung1 - sie
bedeutet leider auch zugleich ,rckfall1
,verfall1 ,periodik einer ,art dcadence4
,brauche ich1 nach alledem1 zu sagen1
dass ich in ,fragen der dcadence
erfahren bin8 ,ich habe sie vorwrts und
rckwrts buchstabirt4 ,selbst jene
,filigran-,kunst des ,greifens und
,begreifens berhaupt1 jene ,finger fr
nuances1 jene ,psychologie des
,um-die-,ecke-sehns und was sonst mir
eignet1 ward damals erst erlernt1 ist
das eigentliche ,geschenk jener ,zeit1
in der ,alles sich bei mir verfeinerte1
die ,beobachtung selbst wie alle ,organe
der ,beobachtung4 ,von der
,kranken-,optik aus nach gesnderen
,begriffen und ,werthen1 und wiederum
umgekehrt aus der ,flle und
,selbstgewissheit des reichen ,lebens
hinuntersehn in die heimliche ,arbeit
des ,dcadence-,instinkts - das war meine
lngste bung1 meine eigentliche
,erfahrung1 wenn irgend worin wurde ich
darin ,meister4 ,ich habe es jetzt in
der ,hand1 ich habe die ,hand dafr1
,perspektiven umzustellen3 erster
,grund1 weshalb fr mich allein
vielleicht eine ,umwerthung der ,werthe
berhaupt mglich ist4 #b4 ,abgerechnet
nmlich1 dass ich ein dcadent bin1 bin
ich auch dessen ,gegensatz4 ,mein
,beweis dafr ist1 unter ,anderem1 dass
ich instinktiv gegen die schlimmen
,zustnde immer die rechten ,mittel
whlte3 whrend der dcadent an sich immer
die ihm nachtheiligen ,mittel whlt4 ,als
summa summarum war ich gesund1 als
,winkel1 als ,specialitt war ich
dcadent4 ,jene ,energie zur absoluten
,vereinsamung und ,herauslsung aus
gewohnten ,verhltnissen1 der ,zwang
gegen mich1 mich nicht mehr besorgen1
bedienen1 berzteln zu lassen - das
verrth die unbedingte
,instinkt-,gewissheit darber1 was damals
vor ,allem noth that4 ,ich nahm mich
selbst in die ,hand1 ich machte mich
selbst wieder gesund3 die ,bedingung
dazu - jeder ,physiologe wird das
zugeben - ist1 dass man im ,grunde
gesund ist4 ,ein typisch morbides ,wesen
kann nicht gesund werden1 noch weniger
sich selbst gesund machen2 fr einen
typisch ,gesunden kann umgekehrt
,kranksein sogar ein energisches
,stimulans zum ,leben1 zum ,mehr-leben
sein4 ,so in der ,that erscheint mir
jetzt jene lange ,krankheits-,zeit3 ich
entdeckte das ,leben gleichsam neu1 mich
selber eingerechnet1 ich schmeckte alle
guten und selbst kleinen ,dinge1 wie
sie ,andre nicht leicht schmecken
knnten1 - ich machte aus meinem ,willen
zur2 ,gesundheit1 zum ,leben1 meine
,philosophie444 ,denn man gebe ,acht
darauf3 die ,jahre meiner niedrigsten
,vitalitt waren es1 wo ich aufhrte1
,pessimist zu sein3 der ,instinkt der
,selbst-,wiederherstellung verbot mir
eine ,philosophie der ,armuth und
,entmuthigung444 ,und woran erkennt man
im ,grunde die ,wohlgerathenheit6 ,dass
ein wohlgerathner ,mensch unsern ,sinnen
wohlthut3 dass er aus einem ,holze
geschnitzt ist1 das hart1 zart und
wohlriechend zugleich ist4 ,ihm schmeckt
nur1 was ihm zutrglich ist2 sein
,gefallen1 seine ,lust hrt auf1 wo das
,maass des ,zutrglichen berschritten
wird4 ,er errth ,heilmittel gegen
,schdigungen1 er ntzt schlimme ,zuflle
zu seinem ,vortheil aus2 was ihn nicht
umbringt1 macht ihn strker4 ,er sammelt
instinktiv aus ,allem1 was er sieht1
hrt1 erlebt1 seine ,summe3 er ist ein
auswhlendes ,princip1 er lsst ,viel
durchfallen4 ,er ist immer in seiner
,gesellschaft1 ob er mit ,bchern1
,menschen oder ,landschaften verkehrt3
er ehrt1 indem er whlt1 indem er zulsst1
indem er vertraut4 ,er reagirt auf alle
,art ,reize langsam1 mit jener
,langsamkeit1 die eine lange ,vorsicht
und ein gewollter ,stolz ihm angezchtet
haben1 - er prft den ,reiz1 der
herankommt1 er ist fern davon1 ihm
entgegenzugehn4 ,er glaubt weder an
,unglck1 noch an ,schuld3 er wird
fertig1 mit sich1 mit ,anderen1 er weiss
zu vergessen1 - er ist stark genug1
dass ihm ,alles zum ,besten gereichen
muss4 - ,wohlan1 ich bin das ,gegenstck
eines dcadent3 denn ich beschrieb eben
mich4 #c4 ,ich betrachte es als ein
grosses ,vorrecht1 einen solchen ,vater
gehabt zu haben3 die ,bauern1 vor denen
er predigte - denn er war1 nachdem er
einige ,jahre am ,altenburger ,hofe
gelebt hatte1 die letzten ,jahre
,prediger - sagten1 so msse wohl ein
,engel aussehn4 - ,und hiermit berhre
ich die ,frage der ,rasse4 ich bin ein
polnischer ,edelmann pur sang1 dem auch
nicht ein ,tropfen schlechtes ,blut
beigemischt ist1 am wenigsten deutsches4
,wenn ich den tiefsten ,gegensatz zu
mir suche1 die unausrechenbare
,gemeinheit der ,instinkte1 so finde ich
immer meine ,mutter und ,schwester1 -
mit solcher canaille mich verwandt zu
glauben wre eine ,lsterung auf meine
,gttlichkeit4 ,die ,behandlung1 die ich
von ,seiten meiner ,mutter und
,schwester erfahre1 bis auf diesen
,augenblick1 flsst mir ein unsgliches
,grauen ein3 hier arbeitet eine
vollkommene ,hllenmaschine1 mit
unfehlbarer ,sicherheit ber den
,augenblick1 wo man mich blutig
verwunden kann - in meinen hchsten
,augenblicken1444 denn da fehlt jede
,kraft1 sich gegen giftiges ,gewrm zu
wehren444 ,die physiologische
,contiguitt ermglicht eine solche
disharmonia praestabilita444 ,aber ich
bekenne1 dass der tiefste ,einwand gegen
die ewige ,wiederkunft1 mein eigentlich
abgrndlicher ,gedanke1 immer ,mutter
und ,schwester sind4 - ,aber auch als
,pole bin ich ein ungeheurer ,atavismus4
,man wrde ,jahrhunderte zurckzugehn
haben1 um diese vornehmste ,rasse1 die
es auf ,erden gab1 in dem ,masse
instinktrein zu finden1 wie ich sie
darstelle4 ,ich habe gegen ,alles1 was
heute noblesse heisst1 ein souveraines
,gefhl von ,distinktion1 - ich wrde dem
jungen deutschen ,kaiser nicht die ,ehre
zugestehn1 mein ,kutscher zu sein4 ,es
giebt einen einzigen ,fall1 wo ich
meines ,gleichen anerkenne ich bekenne
es mit tiefer ,dankbarkeit4 ,frau
,cosima ,wagner ist bei ,weitem die
vornehmste ,natur2 und1 damit ich kein
,wort zu wenig sage1 sage ich1 dass
,richard ,wagner der mir bei ,weitem
verwandteste ,mann war444 ,der ,rest ist
,schweigen444 ,alle herrschenden
,begriffe ber ,verwandtschafts-,grade
sind ein physiologischer ,widersinn1 der
nicht berboten werden kann4 ,der ,papst
treibt heute noch ,handel mit diesem
,widersinn4 ,man ist am wenigsten mit
seinen ,eltern verwandt3 es wre das
usserste ,zeichen von ,gemeinheit1
seinen ,eltern verwandt zu sein4 ,die
hheren ,naturen haben ihren ,ursprung
unendlich weiter zurck1 auf sie hin hat
am lngsten gesammelt1 gespart1 gehuft
werden mssen4 ,die grossen ,individuen
sind die ltesten3 ich verstehe es nicht1
aber ,julius ,csar knnte mein ,vater
sein - oder ,alexander1 dieser leibhafte
,dionysos444 ,in diesem ,augenblick1 wo
ich dies schreibe1 bringt die ,post mir
einen ,dionysos-,kopf444 #d4 ,ich
habe nie die ,kunst verstanden1 gegen
mich einzunehmen auch das verdanke ich
meinem unvergleichlichen ,vater - und
selbst noch1 wenn es mir von grossem
,werthe schien4 ,ich bin sogar1 wie sehr
immer das unchristlich scheinen mag1
nicht einmal gegen mich eingenommen4
,man mag mein ,leben hin- und herwenden1
man wird darin1 jenen ,einen ,fall
abgerechnet1 keine ,spuren davon
entdecken1 dass jemand bsen ,willen
gegen mich gehabt htte1 - vielleicht
aber etwas zu viel ,spuren von gutem
,willen444 ,meine ,erfahrungen selbst
mit ,solchen1 an denen ,jedermann
schlechte ,erfahrungen macht1 sprechen
ohne ,ausnahme zu deren ,gunsten2 ich
zhme jeden ,br1 ich mache die ,hanswrste
noch sittsam4 ,in den sieben ,jahren1
wo ich an der obersten ,klasse des
,basler ,pdagogiums ,griechisch lehrte1
habe ich keinen ,anlass gehabt1 eine
,strafe zu verhngen2 die ,faulsten waren
bei mir fleissig4 ,dem ,zufall bin ich
immer gewachsen2 ich muss unvorbereitet
sein1 um meiner ,herr zu sein4 ,das
,instrument1 es sei1 welches es wolle1
es sei so verstimmt1 wie nur das
,instrument ,mensch verstimmt werden
kann - ich msste krank sein1 wenn es mir
nicht gelingen sollte1 ihm etwas
,anhrbares abzugewinnen4 ,und wie oft
habe ich das von den ,instrumenten
selber gehrt1 dass sie sich noch nie so
gehrt htten444 ,am schnsten vielleicht
von jenem unverzeihlich jung gestorbenen
,heinrich von ,stein1 der einmal1 nach
sorgsam eingeholter ,erlaubniss1 auf
drei ,tage in ,sils-,maria erschien1
,jedermann erklrend1 dass er nicht wegen
des ,engadins komme4 ,dieser
ausgezeichnete ,mensch1 der mit der
ganzen ungestmen ,einfalt eines
preussischen ,junkers in den
,wagner'schen ,sumpf hineingewatet war
7- und ausserdem noch in den
,dhring'schen67 war diese drei ,tage wie
umgewandelt durch einen ,sturmwind der
,freiheit1 gleich ,einem1 der pltzlich
in seine ,hhe gehoben wird und ,flgel
bekommt4 ,ich sagte ihm immer1 das mache
die gute ,luft hier oben1 so gehe es
jedem1 man sei nicht umsonst #fjjj ,fuss
ber ,bayreuth1 - aber er wollte mir's
nicht glauben444 ,wenn trotzdem an mir
manche kleine und grosse ,missethat
verbt worden ist1 so war nicht der
,wille1 am wenigsten der bse ,wille
,grund davon3 eher schon htte ich mich -
ich deutete es eben an - ber den guten
,willen zu beklagen1 der keinen kleinen
,unfug in meinem ,leben angerichtet hat4
,meine ,erfahrungen geben mir ein
,anrecht auf ,misstrauen berhaupt
hinsichtlich der sogenannten selbstlosen
,triebe1 der gesammten zu ,rath und
,that bereiten ,nchstenliebe4 ,sie gilt
mir an sich als ,schwche1 als
,einzelfall der ,widerstands-,unfhigkeit
gegen ,reize1 - das ,mitleiden heisst
nur bei dcadents eine ,tugend4 ,ich
werfe den ,mitleidigen vor1 dass ihnen
die ,scham1 die ,ehrfurcht1 das
,zartgefhl vor ,distanzen leicht
abhanden kommt1 dass ,mitleiden im
,handumdrehn nach ,pbel riecht und
schlechten ,manieren zum ,verwechseln
hnlich sieht1 - dass mitleidige ,hnde
unter ,umstnden geradezu zerstrerisch in
ein grosses ,schicksal in eine
,vereinsamung unter ,wunden1 in ein
,vorrecht auf schwere ,schuld
hineingreifen knnen4 ,die berwindung des
,mitleids rechne ich unter die
vornehmen ,tugenden3 ich habe als
,versuchung ,zarathustra's einen ,fall
gedichtet1 wo ein grosser ,nothschrei an
ihn kommt1 wo das ,mitleiden wie eine
letzte ,snde ihn berfallen1 ihn von sich
abspenstig machen will4 ,hier ,herr
bleiben1 hier die ,hhe seiner ,aufgabe
rein halten von den viel niedrigeren und
kurzsichtigeren ,antrieben1 welche in
den sogenannten selbstlosen ,handlungen
thtig sind1 das ist die ,probe1 die
letzte ,probe vielleicht1 die ein
,zarathustra abzulegen hat - sein
eigentlicher ,beweis von ,kraft444 #e4
,auch noch in einem anderen ,punkte
bin ich bloss mein ,vater noch einmal
und gleichsam sein ,fortleben nach einem
allzufrhen ,tode4 ,gleich jedem1 der
nie unter seines ,gleichen lebte und dem
der ,begriff ,vergeltung so unzugnglich
ist wie etwa der ,begriff gleiche
,rechte1 verbiete ich mir in ,fllen1 wo
eine kleine oder sehr grosse ,thorheit
an mir begangen wird1 jede
,gegenmaassregel1 jede
,schutzmaassregel1 - wie billig1 auch
jede ,vertheidigung1 jede
,rechtfertigung4 ,meine ,art ,vergeltung
besteht darin1 der ,dummheit so schnell
wie mglich eine ,klugheit
nachzuschicken3 so holt man sie
vielleicht noch ein4 ,im ,gleichniss
geredet3 ich schicke einen ,topf mit
,confitren1 um eine sauere ,geschichte
loszuwerden444 ,man hat nur ,etwas an
mir schlimm zu machen1 ich vergelte es1
dessen sei man sicher3 ich finde ber
,kurzem eine ,gelegenheit1 dem
,missethter meinen ,dank auszudrcken
7mitunter sogar fr die ,missethat7 -
oder ihn um ,etwas zu bitten1 was
verbindlicher sein kann als ,etwas
geben444 ,auch scheint es mir1 dass das
grbste ,wort1 der grbste ,brief noch
gutartiger1 noch honnetter sind als
,schweigen4 ,solchen1 die schweigen1
fehlt es fast immer an ,feinheit und
,hflichkeit des ,herzens2 ,schweigen ist
ein ,einwand1 ,hinunterschlucken macht
nothwendig einen schlechten ,charakter1
- es verdirbt selbst den ,magen4 ,alle
,schweiger sind dyspeptisch4 - ,man
sieht1 ich mchte die ,grobheit nicht
unterschtzt wissen1 sie ist bei weitem
die humanste ,form des ,widerspruchs
und1 inmitten der modernen ,verzrtelung1
eine unsrer ersten ,tugenden4 - ,wenn
man reich genug dazu ist1 ist es selbst
ein ,glck1 ,unrecht zu haben4 ,ein
,gott1 der auf die ,erde kme1 drfte gar
nichts ,andres thun als ,unrecht1 -
nicht die ,strafe1 sondern die ,schuld
auf sich zu nehmen wre erst gttlich4
#f4 ,die ,freiheit vom ,ressentiment1
die ,aufklrung ber das ,ressentiment -
wer weiss1 wie sehr ich zuletzt auch
darin meiner langen ,krankheit zu ,dank
verpflichtet bin6 ,das ,problem ist
nicht gerade einfach3 man muss es aus
der ,kraft heraus und aus der ,schwche
heraus erlebt haben4 ,wenn irgend ,etwas
berhaupt gegen ,kranksein1 gegen
,schwachsein geltend gemacht werden
muss1 so ist es1 dass in ihm der
eigentliche ,heilinstinkt1 das ist der
,wehr- und ,waffen-,instinkt im
,menschen mrbe wird4 ,man weiss von
,nichts loszukommen1 man weiss mit
,nichts fertig zu werden1 man weiss
,nichts zurckzustossen1 - ,alles
verletzt4 ,mensch und ,ding kommen
zudringlich nahe1 die ,erlebnisse
treffen zu tief1 die ,erinnerung ist
eine eiternde ,wunde4 ,kranksein ist
eine ,art ,ressentiment selbst4 -
,hiergegen hat der ,kranke nur ,ein
grosses ,heilmittel - ich nenne es den
russischen ,fatalismus1 jenen
,fatalismus ohne ,revolte1 mit dem sich
ein russischer ,soldat1 dem der ,feldzug
zu hart wird1 zuletzt in den ,schnee
legt4 ,nichts berhaupt mehr annehmen1 an
sich nehmen1 in sich hineinnehmen1 -
berhaupt nicht mehr reagiren444 ,die
grosse ,vernunft dieses ,fatalismus1 der
nicht immer nur der ,muth zum ,tode
ist1 als lebenerhaltend unter den
lebensgefhrlichsten ,umstnden1 ist die
,herabsetzung des ,stoffwechsels1 dessen
,verlangsamung1 eine ,art ,wille zum
,winterschlaf4 ,ein paar ,schritte
weiter in dieser ,logik1 und man hat den
,fakir1 der wochenlang in einem ,grabe
schlft444 ,weil man zu schnell sich
verbrauchen wrde1 wenn man berhaupt
reagirte1 reagirt man gar nicht mehr3
dies ist die ,logik4 ,und mit ,nichts
brennt man rascher ab1 als mit den
,ressentiments-,affekten4 ,der rger1 die
krankhafte ,verletzlichkeit1 die
,ohnmacht zur ,rache1 die ,lust1 der
,durst nach der ,rache1 das ,giftmischen
in jedem ,sinne - das ist fr ,erschpfte
sicherlich die nachtheiligste ,art zu
reagiren3 ein rapider ,verbrauch von
,nervenkraft1 eine krankhafte
,steigerung schdlicher ,ausleerungen1
zum ,beispiel der ,galle in den ,magen1
ist damit bedingt4 ,das ,ressentiment
ist das ,verbotene an sich fr den
,kranken - sein ,bses3 leider auch sein
natrlichster ,hang4 - ,das begriff jener
tiefe ,physiolog ,buddha4 ,seine
,religion1 die man besser als eine
,hygiene bezeichnen drfte1 um sie nicht
mit so erbarmungswrdigen ,dingen wie das
,christenthum ist1 zu vermischen1
machte ihre ,wirkung abhngig von dem
,sieg ber das ,ressentiment3 die ,seele
davon frei machen - erster ,schritt zur
,genesung4 ,nicht durch ,feindschaft
kommt ,feindschaft zu ,ende1 durch
,freundschaft kommt ,feindschaft zu
,ende3 das steht am ,anfang der ,lehre
,buddha's - so redet nicht die ,moral1
so redet die ,physiologie4 - ,das
,ressentiment1 aus der ,schwche geboren1
,niemandem schdlicher als dem
,schwachen selbst1 - im andern ,falle1
wo eine reiche ,natur die ,voraussetzung
ist1 ein berflssiges ,gefhl1 ein
,gefhl1 ber das ,herr zu bleiben beinahe
der ,beweis des ,reichthums ist4 ,wer
den ,ernst kennt1 mit dem meine
,philosophie den ,kampf mit den ,rach-
und ,nachgefhlen bis in die ,lehre vom
freien ,willen hinein aufgenommen hat -
der ,kampf mit dem ,christenthum ist nur
ein ,einzelfall daraus - wird verstehn1
weshalb ich mein persnliches
,verhalten1 meine instinktsicherheit in
der ,praxis hier gerade an's ,licht
stelle4 ,in den ,zeiten der dcadence
verbot ich sie mir als schdlich2 sobald
das ,leben wieder reich und stolz genug
dazu war1 verbot ich sie mir als unter
mir4 ,jener russische ,fatalismus1 von
dem ich sprach1 trat darin bei mir
hervor1 dass ich beinahe unertrgliche
,lagen1 ,orte1 ,wohnungen1
,gesellschaften1 nachdem sie einmal1
durch ,zufall1 gegeben waren1 ,jahre
lang zh festhielt1 - es war besser1 als
sie ndern1 als sie vernderbar zu fhlen1
- als sich gegen sie aufzulehnen444
,mich in diesem ,fatalismus stren1 mich
gewaltsam aufwecken nahm ich damals
tdtlich bel3 - in ,wahrheit war es auch
jedes ,mal tdtlich gefhrlich4 - ,sich
selbst wie ein ,fatum nehmen1 nicht sich
anders wollen - das ist in solchen
,zustnden die grosse ,vernunft selbst4
#g4 ,ein ander ,ding ist der ,krieg4
,ich bin meiner ,art nach kriegerisch4
,angreifen gehrt zu meinen ,instinkten4
,feind sein knnen1 ,feind sein - das
setzt vielleicht eine starke ,natur
voraus1 jedenfalls ist es bedingt in
jeder starken ,natur4 ,sie braucht
,widerstnde1 folglich sucht sie
,widerstand3 das aggressive ,pathos
gehrt ebenso nothwendig zur ,strke als
das ,rach- und ,nachgefhl zur ,schwche4
,das ,weib zum ,beispiel ist rachschtig3
das ist in seiner ,schwche bedingt1 so
gut wie seine ,reizbarkeit fr fremde
,noth4 - ,die ,strke des ,angreifenden
hat in der ,gegnerschaft1 die er nthig
hat1 eine ,art ,maass2 jedes ,wachsthum
verrth sich im ,aufsuchen eines
gewaltigeren ,gegners - oder ,problems3
denn ein ,philosoph1 der kriegerisch
ist1 fordert auch ,probleme zum
,zweikampf heraus4 ,die ,aufgabe ist
nicht1 berhaupt ber ,widerstnde ,herr zu
werden1 sondern ber solche1 an denen
man seine ganze ,kraft1 ,geschmeidigkeit
und ,waffen-,meisterschaft einzusetzen
hat1 - ber gleiche ,gegner444
,gleichheit vor dem ,feinde - erste
,voraussetzung zu einem rechtschaffnen
,duell4 ,wo man verachtet1 kann man
nicht ,krieg fhren2 wo man befiehlt1 wo
man ,etwas unter sich sieht1 hat man
nicht ,krieg zu fhren4 ,meine
,kriegs-,praxis ist in vier ,stze zu
fassen4 ,erstens3 ich greife nur ,sachen
an1 die siegreich sind1 - ich warte
unter ,umstnden1 bis sie siegreich sind4
,zweitens3 ich greife nur ,sachen an1
wo ich keine ,bundesgenossen finden
wrde1 wo ich allein stehe1 - wo ich mich
allein compromittire444 ,ich habe nie
einen ,schritt ffentlich gethan1 der
nicht compromittirte3 das ist mein
,kriterium des rechten ,handelns4
,drittens3 ich greife nie ,personen an1
- ich bediene mich der ,person nur wie
eines starken ,vergrsserungsglases1 mit
dem man einen allgemeinen1 aber
schleichenden1 aber wenig greifbaren
,nothstand sichtbar machen kann4 ,so
griff ich ,david ,strauss an1 genauer
den ,erfolg eines altersschwachen ,buchs
bei der deutschen ,bildung1 - ich
ertappte diese ,bildung dabei auf der
,that444 ,so griff ich ,wagnern an1
genauer die ,falschheit1 die
,instinkt-,halbschlchtigkeit unsrer
,cultur1 welche die ,raffinirten mit den
,reichen1 die ,spten mit den ,grossen
verwechselt4 ,viertens3 ich greife nur
,dinge an1 wo jedwede
,personen-,differenz ausgeschlossen ist1
wo jeder ,hintergrund schlimmer
,erfahrungen fehlt4 ,im ,gegentheil1
angreifen ist bei mir ein ,beweis des
,wohlwollens1 unter ,umstnden der
,dankbarkeit4 ,ich ehre1 ich zeichne aus
damit1 dass ich meinen ,namen mit dem
einer ,sache1 einer ,person verbinde3 fr
oder wider - das gilt mir darin gleich4
,wenn ich dem ,christenthum den ,krieg
mache1 so steht dies mir zu1 weil ich
von dieser ,seite aus keine ,fatalitten
und ,hemmungen erlebt habe1 - die
ernstesten ,christen sind mir immer
gewogen gewesen4 ,ich selber1 ein
,gegner des ,christenthums de rigueur1
bin ferne davon1 es dem ,einzelnen
nachzutragen1 was das ,verhngniss von
,jahrtausenden ist4 #h4 ,darf ich
noch4 einen letzten ,zug meiner ,natur
anzudeuten wagen1 der mir im ,umgang mit
,menschen keine kleine ,schwierigkeit
macht8 ,mir eignet eine vollkommen
unheimliche ,reizbarkeit des
,reinlichkeits-,instinkts1 so dass ich
die ,nhe oder - was sage ich8 - das
,innerlichste1 die ,eingeweide jeder
,seele physiologisch wahrnehme -
rieche444 ,ich habe an dieser
,reizbarkeit psychologische ,fhlhrner1
mit denen ich jedes ,geheimniss betaste
und in die ,hand bekomme3 der viele
verborgene ,schmutz auf dem ,grunde
mancher ,natur1 vielleicht in schlechtem
,blut bedingt1 aber durch ,erziehung
bertncht1 wird mir fast bei der ersten
,berhrung schon bewusst4 ,wenn ich recht
beobachtet habe1 empfinden solche
meiner ,reinlichkeit unzutrgliche
,naturen die ,vorsicht meines ,ekels
auch ihrerseits3 sie werden damit nicht
wohlriechender444 ,so wie ich mich immer
gewhnt habe - eine extreme ,lauterkeit
gegen mich ist meine
,daseins-,voraussetzung1 ich komme um
unter unreinen ,bedingungen1 schwimme
und bade und pltschere ich gleichsam
bestndig im ,wasser1 in irgend einem
vollkommen durchsichtigen und glnzenden
,elemente4 ,das macht mir aus dem
,verkehr mit ,menschen keine kleine
,gedulds-,probe2 meine ,humanitt besteht
nicht darin1 mitzufhlen1 wie der
,mensch ist1 sondern es auszuhalten1
dass ich ihn mitfhle444 ,meine ,humanitt
ist eine bestndige ,selbstberwindung4 -
,aber ich habe ,einsamkeit nthig1 will
sagen1 ,genesung1 ,rckkehr zu mir1 den
,athem einer freien leichten spielenden
,luft444 ,mein ganzer ,zarathustra ist
ein ,dithyrambus auf die ,einsamkeit1
oder1 wenn man mich verstanden hat1 auf
die ,reinheit444 ,zum ,glck nicht auf
die reine ,thorheit4 - ,wer ,augen fr
,farben hat1 wird ihn diamanten nennen4
- ,der ,ekel am ,menschen1 am ,gesindel
war immer meine grsste ,gefahr444 ,will
man die ,worte hren1 in denen
,zarathustra von der ,erlsung vom ,ekel
redet8 ,was geschah mir doch8 ,wie
erlste ich mich vom ,ekel8 ,wer verjngte
mein ,auge8 ,wie erflog ich die ,hhe1
wo kein ,gesindel mehr am ,brunnen
sitzt8 ,schuf mein ,ekel selber mir
,flgel und quellenahnende ,krfte8
,wahrlich1 in's ,hchste musste ich
fliegen1 dass ich den ,born der ,lust
wiederfnde6- ,oh ich fand ihn1 meine
,brder6 ,hier im ,hchsten quillt mir der
,born der ,lust6 ,und es giebt ein
,leben1 an dem kein ,gesindel mittrinkt6
,fast zu heftig strmst du mir1 ,quell
der ,lust6 ,und oft leerst du den
,becher wieder1 dadurch1 dass du ihn
fllen willst4 ,und noch muss ich
lernen1 bescheidener dir zu nahen3
allzuheftig strmt dir noch mein ,herz
entgegen3 - mein ,herz1 auf dem mein
,sommer brennt1 der kurze1 heisse1
schwermthige1 berselige3 wie verlangt
mein ,sommer-,herz nach deiner ,khle6
,vorbei die zgernde ,trbsal meines
,frhlings6 ,vorber die ,schneeflocken
meiner ,bosheit im ,juni6 ,sommer wurde
ich ganz und ,sommer-,mittag1 - ein
,sommer im ,hchsten mit kalten ,quellen
und seliger ,stille3 oh kommt1 meine
,freunde1 dass die ,stille noch seliger
werde6 ,denn dies ist unsre ,hhe und
unsre ,heimat3 zu hoch und steil wohnen
wir hier allen ,unreinen und ihrem
,durste4 ,werft nur eure reinen ,augen
in den ,born meiner ,lust1 ihr ,freunde6
,wie sollte er darob trbe werden8
,entgegenlachen soll er euch mit seiner
,reinheit4 ,auf dem ,baume ,zukunft
bauen wir unser ,nest2 ,adler sollen uns
,einsamen ,speise bringen in ihren
,schnbeln6 ,wahrlich1 keine ,speise1 an
der ,unsaubere mitessen drften6 ,feuer
wrden sie zu fressen whnen und sich die
,muler verbrennen4 ,wahrlich1 keine
,heimsttten halten wir hier bereit fr
,unsaubere6 ,eishhle wrde ihren ,leibern
unser ,glck heissen und ihren
,geistern6 ,und wie starke ,winde
wollen wir ber ihnen leben1 ,nachbarn
den ,adlern1 ,nachbarn dem ,schnee1
,nachbarn der ,sonne3 also leben starke
,winde4 ,und einem ,winde gleich will
ich einst noch zwischen sie blasen und
mit meinem ,geiste ihrem ,geiste den
,athem nehmen3 so will es meine
,zukunft4 ,wahrlich1 ein starker ,wind
ist ,zarathustra allen ,niederungen3 und
solchen ,rath rth er seinen ,feinden
und ,allem1 was spuckt und speit3 htet
euch1 gegen den ,wind zu speien6444
,warum ich so klug bin4 #a4 - ,warum
ich ,einiges mehr weiss8 ,warum ich
berhaupt so klug bin8 ,ich habe nie ber
,fragen nachgedacht1 die keine sind1 -
ich habe mich nicht verschwendet4 -
,eigentliche religise ,schwierigkeiten
zum ,beispiel kenne ich nicht aus
,erfahrung4 ,es ist mir gnzlich
entgangen1 in wiefern ich sndhaft sein
sollte4 ,insgleichen fehlt mir ein
zuverlssiges ,kriterium dafr1 was ein
,gewissensbiss ist3 nach dem1 was man
darber hrt1 scheint mir ein
,gewissensbiss nichts ,achtbares444 ,ich
mchte nicht eine ,handlung hinterdrein
in ,stich lassen1 ich wrde vorziehn1 den
schlimmen ,ausgang1 die ,folgen
grundstzlich aus der ,werthfrage
wegzulassen4 ,man verliert beim
schlimmen ,ausgang gar zu leicht den
richtigen ,blick fr ,das1 was man that3
ein ,gewissensbiss scheint mir eine ,art
bser ,blick4 ,etwas1 das fehlschlgt1 um
so mehr bei sich in ,ehren halten1 weil
es fehlschlug - das gehrt eher schon zu
meiner ,moral4 - ,gott1
,unsterblichkeit der ,seele1 ,erlsung1
,jenseits lauter ,begriffe1 denen ich
keine ,aufmerksamkeit1 auch keine ,zeit
geschenkt habe1 selbst als ,kind nicht1
- ich war vielleicht nie kindlich genug
dazu8 - ,ich kenne den ,atheismus
durchaus nicht als ,ergebniss1 noch
weniger als ,ereigniss3 er versteht sich
bei mir aus ,instinkt4 ,ich bin zu
neugierig1 zu fragwrdig1 zu bermthig1 um
mir eine faustgrobe ,antwort gefallen
zu lassen4 ,gott ist eine faustgrobe
,antwort1 eine ,undelicatesse gegen uns
,denker -1 im ,grunde sogar bloss ein
faustgrobes ,verbot an uns3 ihr sollt
nicht denken6444 ,ganz anders
interessirt mich eine ,frage1 an der
mehr das ,heil der ,menschheit hngt1 als
an irgend einer ,theologen-,curiositt3
die ,frage der ,ernhrung4 ,man kann sie
sich1 zum ,handgebrauch1 so formuliren3
wie hast gerade du dich zu ernhren1 um
zu deinem ,maximum von ,kraft1 von ,virt
im ,renaissance-,stile1 von
moralinfreier ,tugend zu kommen8 -
,meine ,erfahrungen sind hier so schlimm
als mglich2 ich bin erstaunt1 diese
,frage so spt gehrt1 aus diesen
,erfahrungen so spt ,vernunft gelernt zu
haben4 ,nur die vollkommne
,nichtswrdigkeit unsrer deutschen
,bildung - ihr ,idealismus - erklrt mir
einigermaassen1 weshalb ich gerade hier
rckstndig bis zur ,heiligkeit war4
,diese ,bildung1 welche von vornherein
die ,realitten aus den ,augen verlieren
lehrt1 um durchaus problematischen1
sogenannten idealen ,zielen nachzujagen1
zum ,beispiel der klassischen ,bildung3
- als ob es nicht von vornherein
verurtheilt wre1 klassisch1 und deutsch
in ,einen ,begriff zu einigen6 ,mehr
noch1 es wirkt erheiternd1 - man denke
sich einmal einen klassisch gebildeten
,leipziger6 - ,in der ,that1 ich habe
bis zu meinen reifsten ,jahren immer nur
schlecht gegessen1 - moralisch
ausgedrckt unpersnlich1 selbstlos1
altruistisch1 zum ,heil der ,kche und
andrer ,mitchristen4 ,ich verneinte zum
,beispiel durch ,leipziger ,kche1
gleichzeitig mit meinem ersten ,studium
,schopenhauer's 7#ahfe71 sehr ernsthaft
meinen ,willen zum ,leben4 ,sich zum
,zweck unzureichender ,ernhrung auch
noch den ,magen verderben - dies
,problem schien mir die genannte ,kche
zum ,verwundern glcklich zu lsen4 7,man
sagt1 #ahff habe darin eine ,wendung
hervorgebracht -47 ,aber die deutsche
,kche berhaupt - was hat sie nicht
,alles auf dem ,gewissen6 ,die ,suppe
vor der ,mahlzeit 7noch in
,venetianischen ,kochbchern des #af4
,jahrhunderts alla tedesca genannt72 die
ausgekochten ,fleische1 die fett und
mehlig gemachten ,gemse2 die ,entartung
der ,mehlspeise zum ,briefbeschwerer6
,rechnet man gar noch die geradezu
viehischen ,nachguss-,bedrfnisse der
alten1 durchaus nicht bloss alten
,deutschen dazu1 so versteht man auch
die ,herkunft des deutschen ,geistes -
aus betrbten ,eingeweiden444 ,der
deutsche ,geist ist eine ,indigestion1
er wird mit ,nichts fertig4 - ,aber auch
die englische ,dit1 die1 im ,vergleich
mit der deutschen1 selbst der
franzsischen1 eine ,art ,rckkehr zur
,natur1 nmlich zum ,canibalismus ist1
geht meinem eignen ,instinkt tief
zuwider2 es scheint mir1 dass sie dem
,geist schwere ,fsse giebt -
,englnderinnen-,fsse444 ,die beste ,kche
ist die ,piemont's4 - ,alkoholika sind
mir nachtheilig2 ein ,glas ,wein oder
,bier des ,tags reicht vollkommen aus1
mir aus dem ,leben ein ,jammerthal zu
machen1 - in ,mnchen leben meine
,antipoden4 ,gesetzt1 dass ich dies ein
wenig spt begriff1 erlebt habe ich's
eigentlich von ,kindesbeinen an4 ,als
,knabe glaubte ich1 ,weintrinken sei wie
,tabakrauchen anfangs nur eine ,vanitas
junger ,mnner1 spter eine schlechte
,gewhnung4 ,vielleicht1 dass an diesem
herben ,urtheil auch der ,naumburger
,wein mit schuld ist4 ,zu glauben1 dass
der ,wein erheitert1 dazu msste ich
,christ sein1 will sagen glauben1 was
gerade fr mich eine ,absurditt ist4
,seltsam genug1 bei dieser extremen
,verstimmbarkeit durch kleine1 stark
verdnnte ,dosen ,alkohol1 werde ich
beinahe zum ,seemann1 wenn es sich um
starke ,dosen handelt4 ,schon als ,knabe
hatte ich hierin meine ,tapferkeit4
,eine lange lateinische ,abhandlung in
,einer ,nachtwache niederzuschreiben und
auch noch abzuschreiben1 mit dem
,ehrgeiz in der ,feder1 es meinem
,vorbilde ,sallust in ,strenge und
,gedrngtheit nachzuthun und einigen
,grog von schwerstem ,kaliber ber mein
,latein zu giessen1 dies stand schon1
als ich ,schler der ehrwrdigen
,schulpforta war1 durchaus nicht im
,widerspruch zu meiner ,physiologie1
noch vielleicht auch zu der des ,sallust
wie sehr auch immer zur ehrwrdigen
,schulpforta444 ,spter1 gegen die ,mitte
des ,lebens hin1 entschied ich mich
freilich immer strenger gegen jedwedes
geistige ,getrnk3 ich1 ein ,gegner des
,vegetarierthums aus ,erfahrung1 ganz
wie ,richard ,wagner1 der mich bekehrt
hat1 weiss nicht ernsthaft genug die
unbedingte ,enthaltung von ,alcoholicis
allen geistigeren ,naturen anzurathen4
,wasser thut's444 ,ich ziehe ,orte vor1
wo man berall ,gelegenheit hat1 aus
fliessenden ,brunnen zu schpfen 7,nizza1
,turin1 ,sils72 ein kleines ,glas luft
mir nach wie ein ,hund4 ,in vino
veritas3 es scheint1 dass ich auch hier
wieder ber den ,begriff ,wahrheit mit
aller ,welt uneins bin3 - bei mir
schwebt der ,geist ber dem ,wasser444
,ein paar ,fingerzeige noch aus meiner
,moral4 ,eine starke ,mahlzeit ist
leichter zu verdauen als eine zu kleine4
,dass der ,magen als ,ganzes in
,thtigkeit tritt1 erste ,voraussetzung
einer guten ,verdauung4 ,man muss die
,grsse seines ,magens kennen4 ,aus
gleichem ,grunde sind jene langwierigen
,mahlzeiten zu widerrathen1 die ich
unterbrochne ,opferfeste nenne1 die an
der table d'hte4 - ,keine
,zwischenmahlzeiten1 keinen ,caf3 ,caf
verdstert4 ,thee nur morgens zutrglich4
,wenig1 aber energisch2 ,thee sehr
nachtheilig und den ganzen ,tag
ankrnkelnd1 wenn er nur um einen ,grad
zu schwach ist4 ,jeder hat hier sein
,maass1 oft zwischen den engsten und
delikatesten ,grenzen4 ,in einem sehr
agaanten ,klima ist ,thee als ,anfang
unrthlich3 man soll eine ,stunde vorher
eine ,tasse dicken entlten ,cacao's den
,anfang machen lassen4 - ,so wenig als
mglich sitzen2 keinem ,gedanken ,glauben
schenken1 der nicht im ,freien geboren
ist und bei freier ,bewegung1 in dem
nicht auch die ,muskeln ein ,fest
feiern4 ,alle ,vorurtheile kommen aus
den ,eingeweiden4 - ,das ,sitzfleisch -
ich sagte es schon einmal - die
eigentliche ,snde wider den heiligen
,geist4 #b4 ,mit der ,frage der
,ernhrung ist nchstverwandt die ,frage
nach ,ort und ,klima4 ,es steht
,niemandem frei1 berall zu leben2 und
wer grosse ,aufgaben zu lsen hat1 die
seine ganze ,kraft herausfordern1 hat
hier sogar eine sehr enge ,wahl4 ,der
klimatische ,einfluss auf den
,stoffwechsel1 seine ,hemmung1 seine
,beschleunigung1 geht so weit1 dass ein
,fehlgriff in ,ort und ,klima jemanden
nicht nur seiner ,aufgabe entfremden1
sondern ihm dieselbe berhaupt
vorenthalten kann3 er bekommt sie nie zu
,gesicht4 ,der animalische vigor ist
nie gross genug bei ihm geworden1 dass
jene ins ,geistigste berstrmende
,freiheit erreicht wird1 wo jemand
erkennt3 das kann ich allein444 ,eine
zur schlechten ,gewohnheit gewordne noch
so kleine ,eingeweide-,trgheit gengt
vollstndig1 um aus einem ,genie etwas
,mittelmssiges1 etwas ,deutsches1 zu
machen2 das deutsche ,klima allein ist
ausreichend1 um starke und selbst
heroisch angelegte ,eingeweide zu
entmuthigen4 ,das tempo des
,stoffwechsels steht in einem genauen
,verhltniss zur ,beweglichkeit oder
,lahmheit der ,fsse des ,geistes2 der
,geist selbst ist ja nur eine ,art
dieses ,stoffwechsels4 ,man stelle sich
die ,orte zusammen1 wo es geistreiche
,menschen giebt und gab1 wo ,witz1
,raffinement1 ,bosheit zum ,glck
gehrten1 wo das ,genie fast nothwendig
sich heimisch machte3 sie haben alle
eine ausgezeichnet trockne ,luft4
,paris1 die ,provence1 ,florenz1
,jerusalem1 ,athen - diese ,namen
beweisen ,etwas3 das ,genie ist bedingt
durch trockne ,luft1 durch reinen
,himmel1 - das heisst durch rapiden
,stoffwechsel1 durch die ,mglichkeit1
grosse1 selbst ungeheure ,mengen ,kraft
sich immer wieder zuzufhren4 ,ich habe
einen ,fall vor ,augen1 wo ein bedeutend
und frei angelegter ,geist bloss durch
,mangel an ,instinkt-,feinheit im
,klimatischen eng1 verkrochen1
,specialist und ,sauertopf wurde4 ,und
ich selber htte zuletzt dieser ,fall
werden knnen1 gesetzt1 dass mich nicht
die ,krankheit zur ,vernunft1 zum
,nachdenken ber die ,vernunft in der
,realitt gezwungen htte4 ,jetzt1 wo ich
die ,wirkungen klimatischen und
meteorologischen ,ursprungs aus langer
bung an mir als an einem sehr feinen und
zuverlssigen ,instrumente ablese und
bei einer kurzen ,reise schon1 etwa von
,turin nach ,mailand1 den ,wechsel in
den ,graden der ,luftfeuchtigkeit
physiologisch bei mir nachrechne1 denke
ich mit ,schrecken an die unheimliche
,tatsache1 dass mein ,leben bis auf die
letzten #aj ,jahre1 die
lebensgefhrlichen ,jahre1 immer sich nur
in falschen und mir geradezu verbotenen
,orten abgespielt hat4 ,naumburg1
,schulpforta1 ,thringen berhaupt1
,leipzig1 ,basel - ebenso viele
,unglcks-,orte fr meine ,physiologie4
,wenn ich berhaupt von meiner ganzen
,kindheit und ,jugend keine willkommne
,erinnerung habe1 so wre es eine
,thorheit1 hier sogenannte moralische
,ursachen geltend zu machen1 - etwa den
unbestreitbaren ,mangel an zureichender
,gesellschaft3 denn dieser ,mangel
besteht heute wie er immer bestand1 ohne
dass er mich hinderte1 heiter und
tapfer zu sein4 ,sondern die
,unwissenheit in physiologicis - der
verfluchte ,idealismus - ist das
eigentliche ,verhngniss in meinem
,leben1 das berflssige und ,dumme darin1
,etwas1 aus dem nichts ,gutes
gewachsen1 fr das es keine
,ausgleichung1 keine ,gegenrechnung
giebt4 ,aus den ,folgen dieses
,idealismus erklre ich mir alle
,fehlgriffe1 alle grossen
,instinkt-,abirrungen und
,bescheidenheiten abseits der ,aufgabe
meines ,lebens1 zum ,beispiel1 dass ich
,philologe wurde - warum zum ,mindesten
nicht ,arzt oder sonst irgend etwas
,augen-,aufschliessendes8 ,in meiner
,basler ,zeit war meine ganze geistige
,dit1 die ,tages-,eintheilung
eingerechnet1 ein vollkommen sinnloser
,missbrauch ausserordentlicher ,krfte1
ohne eine irgendwie den ,verbrauch
deckende ,zufuhr von ,krften1 ohne ein
,nachdenken selbst ber ,verbrauch und
,ersatz4 ,es fehlte jede feinere
,selbstigkeit1 jede ,obhut eines
gebieterischen ,instinkts1 es war ein
,sich-gleichsetzen mit ,irgendwem1 eine
,selbstlosigkeit1 ein ,vergessen seiner
,distanz1 - ,etwas1 das ich mir nie
verzeihe4 ,als ich fast am ,ende war1
dadurch das sich fast am ,ende war1
wurde ich nachdenklich ber diese
,grund-,unvernunft meines ,lebens - den
,idealismus4 ,die ,krankheit brachte
mich erst zur ,vernunft4 - #c4 ,die
,wahl in der ,ernhrung2 die ,wahl von
,klima und ,ort2 das ,dritte1 worin man
um keinen ,preis einen ,fehlgriff thun
darf1 ist die ,wahl seiner ,art
,erholung4 ,auch hier sind je nach dem
,grade1 in dem ein ,geist sui generis
ist1 die ,grenzen des ihm ,erlaubten1
das heisst ,ntzlichen1 eng und enger4
,in meinem ,fall gehrt alles ,lesen zu
meinen ,erholungen3 folglich zu dem1 was
mich von mir losmacht1 was mich in
fremden ,wissenschaften und ,seelen
spazieren gehn lsst1 - was ich nicht
mehr ernst nehme4 ,lesen erholt mich
eben von meinem ,ernste4 ,in tief
arbeitsamen ,zeiten sieht man keine
,bcher bei mir3 ich wrde mich hten1
jemanden in meiner ,nhe reden oder gar
denken zu lassen4 ,und das hiesse ja
lesen444 ,hat man eigentlich beobachtet1
dass in jener tiefen ,spannung1 zu der
die ,schwangerschaft den ,geist und im
,grunde den ganzen ,organismus
verurtheilt1 der ,zufall1 jede ,art
,reiz von aussen her zu vehement wirkt1
zu tief einschlgt8 ,man muss dem
,zufall1 dem ,reiz von aussen her so
viel als mglich aus dem ,wege gehn2 eine
,art ,selbst-,vermauerung gehrt zu den
ersten ,instinkt-,klugheiten der
geistigen ,schwangerschaft4 ,werde ich
es erlauben1 dass ein fremder ,gedanke
heimlich ber die ,mauer steigt8 - ,und
das hiesse ja lesen444 ,auf die ,zeiten
der ,arbeit und ,fruchtbarkeit folgt die
,zeit der ,erholung3 heran mit euch1
ihr angenehmen1 ihr geistreichen1 ihr
gescheuten ,bcher6 - ,werden es deutsche
,bcher sein8444 ,ich muss ein ,halbjahr
zurckrechnen1 dass ich mich mit einem
,buch in der ,hand ertappe4 ,was war es
doch8 - ,eine ausgezeichnete ,studie von
,victor ,brochard1 les ,sceptiques
,grecs1 in der auch meine ,laertiana gut
benutzt sind4 ,die ,skeptiker1 der
einzige ehrenwerthe ,typus unter dem so
zwei- bis fnfdeutigen ,volk der
,philosophen6444 ,sonst nehme ich meine
,zuflucht fast immer zu den selben
,bchern1 einer kleinen ,zahl im ,grunde1
den gerade fr mich bewiesenen ,bchern4
,es liegt vielleicht nicht in meiner
,art1 ,viel und ,vielerlei zu lesen3 ein
,lesezimmer macht mich krank4 ,es liegt
auch nicht in meiner ,art1 ,viel oder
,vielerlei zu lieben4 ,vorsicht1 selbst
,feindseligkeit gegen neue ,bcher gehrt
eher schon zu meinem ,instinkte1 als
,toleranz1 largeur du coeur und andre
,nchstenliebe444 ,im ,grunde ist es eine
kleine ,anzahl lterer ,franzosen zu
denen ich immer wieder zurckkehre3 ich
glaube nur an franzsische ,bildung und
halte ,alles1 was sich sonst in ,europa
,bildung nennt1 fr ,missverstndniss1
nicht zu reden von der deutschen
,bildung444 ,die wenigen ,flle hoher
,bildung1 die ich in ,deutschland
vorfand1 waren alle franzsischer
,herkunft1 vor ,allem ,frau ,cosima
,wagner1 bei weitem die erste ,stimme in
,fragen des ,geschmacks1 die ich gehrt
habe444 ,dass ich ,pascal nicht lese1
sondern liebe1 als das lehrreichste
,opfer des ,christenthums1 langsam
hingemordet1 erst leiblich1 dann
psychologisch1 die ganze ,logik dieser
schauderhaftesten ,form unmenschlicher
,grausamkeit2 dass ich ,etwas von
,montaigne's ,muthwillen im ,geiste1 wer
weiss8 vielleicht auch im ,leibe habe2
dass mein ,artisten-,geschmack die
,namen ,molire1 ,corneille und ,racine
nicht ohne ,ingrimm gegen ein wstes
,genie wie ,shakespeare in ,schutz
nimmt3 das schliesst zuletzt nicht aus1
dass mir nicht auch die allerletzten
,franzosen eine charmante ,gesellschaft
wren4 ,ich sehe durchaus nicht ab1 in
welchem ,jahrhundert der ,geschichte man
so neugierige und zugleich so delikate
,psychologen zusammenfischen knnte1 wie
im jetzigen ,paris3 ich nenne
versuchsweise - denn ihre ,zahl ist gar
nicht klein - die ,herrn ,paul ,bourget1
,pierre ,loti1 ,gyp1 ,meilhac1 ,anatole
,france1 ,jules ,lematre1 oder um
,einen von der starken ,rasse
hervorzuheben1 einen echten ,lateiner1
dem ich besonders zugethan bin1 ,guy de
,maupassant4 ,ich ziehe diese
,generation1 unter uns gesagt1 sogar
ihren grossen ,lehrern vor1 die
allesammt durch deutsche ,philosophie
verdorben sind3 ,herr ,taine zum
,beispiel durch ,hegel1 dem er das
,missverstndniss grosser ,menschen und
,zeiten verdankt4 ,so weit ,deutschland
reicht1 verdirbt es die ,cultur4 ,der
,krieg erst hat den ,geist in
,frankreich erlst444 ,stendhal1 einer
der schnsten ,zuflle meines ,lebens -
denn ,alles1 was in ihm ,epoche macht1
hat der ,zufall1 niemals eine
,empfehlung mir zugetrieben - ist ganz
unschtzbar mit seinem vorwegnehmenden
,psychologen-,auge1 mit seinem
,thatsachen-,griff1 der an die ,nhe des
grssten ,thatschlichen erinnert 7ex
ungue ,napoleonem -72 endlich nicht am
,wenigsten als ehrlicher ,atheist1 eine
in ,frankreich sprliche und fast kaum
auffindbare species1 - ,prosper ,mrime
in ,ehren444 ,vielleicht bin ich selbst
auf ,stendhal neidisch8 ,er hat mir den
besten ,atheisten-,witz weggenommen1 den
gerade ich htte machen knnen3 die
einzige ,entschuldigung ,gottes ist1
dass er nicht existirt444 ,ich selbst
habe irgendwo gesagt3 was war der grsste
,einwand gegen das ,dasein bisher8
,gott444 #d4 ,den hchsten ,begriff
vom ,lyriker hat mir ,heinrich ,heine
gegeben4 ,ich suche umsonst in allen
,reichen der ,jahrtausende nach einer
gleich sssen und leidenschaftlichen
,musik4 ,er besass jene gttliche
,bosheit1 ohne die ich mir das
,vollkommne nicht zu denken vermag1 -
ich schtze den ,werth von ,menschen1 von
,rassen darnach ab1 wie nothwendig sie
den ,gott nicht abgetrennt vom ,satyr zu
verstehen wissen4 - ,und wie er das
,deutsche handhabt6 ,man wird einmal
sagen1 dass ,heine und ich bei weitem
die ersten ,artisten der deutschen
,sprache gewesen sind - in einer
unausrechenbaren ,entfernung von ,allem1
was blosse ,deutsche mit ihr gemacht
haben4 - ,mit ,byrons ,manfred muss ich
tief verwandt sein3 ich fand alle diese
,abgrnde in mir1 - mit dreizehn ,jahren
war ich fr dies ,werk reif4 ,ich habe
kein ,wort1 bloss einen ,blick fr die1
welche in ,gegenwart des ,manfred das
,wort ,faust auszusprechen wagen4 ,die
,deutschen sind unfhig jedes ,begriffs
von ,grsse3 ,beweis ,schumann4 ,ich habe
eigens1 aus ,ingrimm gegen diesen
ssslichen ,sachsen1 eine ,gegenouvertre
zum ,manfred componirt1 von der ,hans
von ,blow sagte1 dergleichen habe er nie
auf ,notenpapier gesehn3 das sei
,nothzucht an der ,euterpe4 - ,wenn ich
meine hchste ,formel fr ,shakespeare
suche1 so finde ich immer nur die1 dass
er den ,typus ,csar concipirt hat4
,dergleichen errth man nicht1 - man ist
es oder man ist es nicht4 ,der grosse
,dichter schpft nur aus seiner ,realitt
- bis zu dem ,grade1 dass er hinterdrein
sein ,werk nicht mehr aushlt444 ,wenn1
ich einen ,blick in meinen ,zarathustra
geworfen habe1 gehe ich eine halbe
,stunde im ,zimmer auf und ab1 unfhig1
ber einen unertrglichen ,krampf von
,schluchzen ,herr zu werden4 - ,ich
kenne keine herzzerreissendere ,lektre
als ,shakespeare3 was muss ein ,mensch
gelitten haben1 um dergestalt es nthig
zu haben1 ,hanswurst zu sein6 -
,versteht man den ,hamlet8 ,nicht der
,zweifel1 die ,gewissheit ist das1 was
wahnsinnig macht444 ,aber dazu muss man
tief1 ,abgrund1 ,philosoph sein1 um so
zu fhlen444 ,wir frchten uns ,alle vor
der ,wahrheit444 ,und1 dass ich es
bekenne3 ich bin dessen instinktiv
sicher und gewiss1 dass ,lord ,bacon der
,urheber1 der ,selbstthierquler dieser
unheimlichsten ,art ,litteratur ist3 was
geht mich das erbarmungswrdige
,geschwtz amerikanischer ,wirr- und
,flachkpfe an8 ,aber die ,kraft zur
mchtigsten ,realitt der ,vision ist
nicht nur vertrglich mit der mchtigsten
,kraft zur ,that1 zum ,ungeheuren der
,that1 zum ,verbrechen sie setzt sie
selbst voraus444 ,wir wissen lange nicht
genug von ,lord ,bacon1 dem ersten
,realisten in jedem grossen ,sinn des
,wortes1 um zu wissen1 was er ,alles
gethan1 was er gewollt1 was er mit sich
erlebt hat444 ,und zum ,teufel1 meine
,herrn ,kritiker6 ,gesetzt1 ich htte
meinen ,zarathustra auf einen fremden
,namen getauft1 zum ,beispiel auf den
von ,richard ,wagner1 der ,scharfsinn
von zwei ,jahrtausenden htte nicht
ausgereicht1 zu errathen1 dass der
,verfasser von ,menschliches1
,allzumenschliches der ,visionr des
,zarathustra ist444 #e4 ,hier1 wo ich
von den ,erholungen meines ,lebens
rede1 habe ich ein ,wort nthig1 um meine
,dankbarkeit fr das auszudrcken1 was
mich in ihm bei weitem am ,tiefsten und
,herzlichsten erholt hat4 ,dies ist ohne
allen ,zweifel der intimere ,verkehr
mit ,richard ,wagner gewesen4 ,ich lasse
den ,rest meiner menschlichen
,beziehungen billig2 ich mchte um keinen
,preis die ,tage von ,tribschen aus
meinem ,leben weggeben1 ,tage des
,vertrauens1 der ,heiterkeit1 der
sublimen ,zuflle - der tiefen
,augenblicke444 ,ich weiss nicht1 was
,andre mit ,wagner erlebt haben3 ber
unsern ,himmel ist nie eine ,wolke
hinweggegangen4 - ,und hiermit komme ich
nochmals auf ,frankreich zurck1 - ich
habe keine ,grnde1 ich habe bloss einen
verachtenden ,mundwinkel gegen
,wagnerianer et hoc genus omne brig1
welche ,wagner damit zu ehren glauben1
dass sie ihn sich hnlich finden444 ,so
wie ich bin1 in meinen tiefsten
,instinkten ,allem1 was deutsch ist1
fremd1 so dass schon die ,nhe eines
,deutschen meine ,verdauung verzgert1
war die erste ,berhrung mit ,wagner auch
das erste ,aufathmen in meinem ,leben3
ich empfand1 ich verehrte ihn als
,ausland1 als ,gegensatz1 als leibhaften
,protest gegen alle deutschen ,tugenden
- ,wir1 die wir in der ,sumpfluft der
,fnfziger ,jahre ,kinder gewesen sind1
sind mit ,nothwendigkeit ,pessimisten fr
den ,begriff deutsch2 wir knnen gar
nichts ,anderes sein als ,revolutionre1
- wir werden keinen ,zustand der ,dinge
zugeben1 wo der ,mucker obenauf ist4 ,es
ist mir vollkommen gleichgltig1 ob er
heute in andren ,farben spielt1 ob er
sich in ,scharlach kleidet und
,husaren-,uniformen anzieht444 ,wohlan6
,wagner war ein ,revolutionr - er lief
vor den ,deutschen davon444 ,als ,artist
hat man keine ,heimat in ,europa ausser
in ,paris2 die dlicatesse in allen fnf
,kunstsinnen1 die ,wagner's ,kunst
voraussetzt1 die ,finger fr nuances1 die
psychologische ,morbiditt1 findet sich
nur in ,paris4 ,man hat nirgendswo sonst
diese ,leidenschaft in ,fragen der
,form1 diesen ,ernst in der mise en scne
- es ist der ,pariser ,ernst par
excellence4 ,man hat in ,deutschland gar
keinen ,begriff von der ungeheuren
,ambition1 die in der ,seele eines
,pariser ,knstlers lebt4 ,der ,deutsche
ist gutmthig - ,wagner war durchaus
nicht gutmthig444 ,aber ich habe schon
zur ,genge ausgesprochen 7in ,jenseits
von ,gut und ,bse ,s4 #bef f471 wohin
,wagner gehrt1 in wem er seine
,nchstverwandten hat3 es ist die
franzsische ,spt-,romantik1 jene
hochfliegende und hoch emporreissende
,art von ,knstlern wie ,delacroix1 wie
,berlioz1 mit einem fond von ,krankheit1
von ,unheilbarkeit im ,wesen1 lauter
,fanatiker des ,ausdrucks1 ,virtuosen
durch und durch444 ,wer war der erste
intelligente ,anhnger ,wagner's
berhaupt8 ,charles ,baudelaire1
derselbe1 der zuerst ,delacroix
verstand1 jener typische dcadent1 in dem
sich ein ganzes ,geschlecht von
,artisten wiedererkannt hat - er war
vielleicht auch der letzte444 ,was ich
,wagnern nie vergeben habe8 ,dass er zu
den ,deutschen condescendirte1 - dass er
reichsdeutsch wurde444 ,soweit
,deutschland reicht1 verdirbt es die
,cultur4 - #f4 ,alles erwogen1 htte
ich meine ,jugend nicht ausgehalten ohne
,wagnerische ,musik4 ,denn ich war
verurtheilt zu ,deutschen4 ,wenn man von
einem unertrglichen ,druck loskommen
will1 so hat man ,haschisch nthig4
,wohlan1 ich hatte ,wagner nthig4
,wagner ist das ,gegengift gegen alles
,deutsche par excellence1 - ,gift1 ich
bestreite es nicht444 ,von dem
,augenblick an1 wo es einen
,klavierauszug des ,tristan gab - mein
,compliment1 ,herr von ,blow6 -1 war ich
,wagnerianer4 ,die lteren ,werke
,wagner's sah ich unter mir - noch zu
gemein1 zu deutsch444 ,aber ich suche
heute noch nach einem ,werke von gleich
gefhrlicher ,fascination1 von einer
gleich schauerlichen und sssen
,unendlichkeit1 wie der ,tristan ist1 -
ich suche in allen ,knsten vergebens4
,alle ,fremdheiten ,lionardo da ,vinci's
entzaubern sich beim ersten ,tone des
,tristan4 ,dies ,werk ist durchaus das
non plus ultra ,wagner's2 er erholte
sich von ihm mit den ,meistersingern und
dem ,ring4 ,gesnder werden - das ist
ein ,rckschritt bei einer ,natur wie
,wagner444 ,ich nehme es als ,glck
ersten ,rangs1 zur rechten ,zeit gelebt
und gerade unter ,deutschen gelebt zu
haben1 um reif fr dies ,werk zu sein3 so
weit geht bei mir die ,neugierde des
,psychologen4 ,die ,welt ist arm fr den1
der niemals krank genug fr diese
,wollust der ,hlle gewesen ist3 es ist
erlaubt1 es ist fast geboten1 hier eine
,mystiker-,formel anzuwenden4 - ,ich
denke1 ich kenne besser als irgend
jemand das ,ungeheure1 das ,wagner
vermag1 die fnfzig ,welten fremder
,entzckungen1 zu denen ,niemand ausser
ihm ,flgel hatte2 und so wie ich bin1
stark genug1 um mir auch das
,fragwrdigste und ,gefhrlichste noch zum
,vortheil zu wenden und damit strker zu
werden1 nenne ich ,wagner den grossen
,wohlthter meines ,lebens4 ,das1 worin
wir verwandt sind1 dass wir tiefer
gelitten haben1 auch an einander1 als
,menschen dieses ,jahrhunderts zu leiden
vermchten1 wird unsre ,namen ewig
wieder zusammenbringen2 und so gewiss
,wagner unter ,deutschen bloss ein
,missverstndniss ist1 so gewiss bin
ich's und werde es immer sein4 - ,zwei
,jahrhunderte psychologische und
artistische ,diciplin zu erst1 meine
,herrn ,germanen6444 ,aber das holt man
nicht nach4 #g4 ,ich sage noch ein
,wort fr die ausgesuchtesten ,ohren3 was
ich eigentlich von der ,musik will4
,dass sie heiter und tief ist1 wie ein
,nachmittag im ,oktober4 ,dass sie
eigen1 ausgelassen1 zrtlich1 ein kleines
ssses ,weib von ,niedertracht und
,anmuth ist444 ich werde nie zulassen1
dass ein ,deutscher wissen knne1 was
,musik ist4 ,was man deutsche ,musiker
nennt1 die grssten voran1 sind
,auslnder1 ,slaven1 ,croaten1 ,italiner1
,niederlnder - oder ,juden2 im andren
,falle ,deutsche der starken ,rasse1
ausgestorbene ,deutsche1 wie ,heinrich
,schtz1 ,bach und ,hndel4 ,ich selbst
bin immer noch ,pole genug1 um gegen
,chopin den ,rest der ,musik hinzugeben3
ich nehme1 aus drei ,grnden1 ,wagner's
,siegfried-,idyll aus1 vielleicht auch
,liszt1 der die vornehmen
,orchester-,accente vor allen ,musikern
voraus hat2 zuletzt noch ,alles1 was
jenseits der ,alpen gewachsen ist -
diesseits444 ,ich wrde ,rossini nicht zu
missen wissen1 noch weniger meinen
,sden in der ,musik1 die ,musik meines
,venediger mastro ,pietro ,gasti4 ,und
wenn ich jenseits der ,alpen sage1 sage
ich eigentlich nur ,venedig4 ,wenn ich
ein andres ,wort fr ,musik suche1 so
finde ich immer nur das ,wort ,venedig4
,ich weiss keinen ,unterschied zwischen
,thrnen und ,musik zu machen1 ich weiss
das ,glck1 den ,sden nicht ohne
,schauder von ,furchtsamkeit zu denken4
,an der ,brcke stand jngst ich in
brauner ,nacht4 ,fernher kam
,gesang3 goldener ,tropfen quoll's
ber die zitternde ,flche weg4
,gondeln1 ,lichter1 ,musik trunken
schwamm's in die ,dmmrung hinaus444
,meine ,seele1 ein ,saitenspiel1
sang sich1 unsichtbar berhrt1
heimlich ein ,gondellied dazu1
zitternd vor bunter ,seligkeit4 -
,hrte ,jemand ihr zu8444 #h4 ,in
,alledem - in der ,wahl von ,nahrung1
von ,ort und ,klima1 von ,erholung -
gebietet ein ,instinkt der
,selbsterhaltung1 der sich als ,instinkt
der ,selbstvertheidigung am
unzweideutigsten ausspricht4 ,vieles
nicht sehn1 nicht hren1 nicht an sich
herankommen lassen - erste ,klugheit1
erster ,beweis dafr1 dass man kein
,zufall1 sondern eine ,necessitt ist4
,das gangbare ,wort fr diesen
,selbstvertheidigungs-,instinkt ist
,geschmack4 ,sein ,imperativ befiehlt
nicht nur ,nein zu sagen1 wo das ,ja
eine ,selbstlosigkeit sein wrde1 sondern
auch sowenig als mglich ,nein zu sagen4
,sich trennen1 sich abscheiden von dem1
wo immer und immer wieder das ,nein
nthig werden wrde4 ,die ,vernunft darin
ist1 dass ,defensiv-,ausgaben1 selbst
noch so kleine1 zur ,regel1 zur
,gewohnheit werdend1 eine
ausserordentliche und vollkommen
berflssige ,verarmung bedingen4 ,unsre
grossen ,ausgaben sind die hufigsten
kleinen4 ,das ,abwehren1 das
,nicht-heran-kommen-lassen ist eine
,ausgabe man tusche sich hierber nicht
-1 eine zu negativen ,zwecken
verschwendete ,kraft4 ,man kann1 bloss
in der bestndigen ,noth der ,abwehr1
schwach genug werden1 um sich nicht mehr
wehren zu knnen4 - ,gesetzt1 ich trete
aus meinem ,haus heraus und fnde1 statt
des stillen und aristokratischen ,turin1
die deutsche ,kleinstadt3 mein
,instinkt wrde sich zu sperren haben1 um
,alles das zurckzudrngen1 was aus
dieser plattgedrckten und feigen ,welt
auf ihn eindringt4 ,oder ich fnde die
deutsche ,grossstadt1 dies gebaute
,laster1 wo nichts wchst1 wo jedwedes
,ding1 ,gutes und ,schlimmes1
eingeschleppt ist4 ,msste ich nicht
darber zum ,igel werden8 - ,aber
,stacheln zu haben ist eine ,vergeudung1
ein doppelter ,luxus sogar1 wenn es
freisteht1 keine ,stacheln zu haben1
sondern offne ,hnde444 ,eine andre
,klugheit und ,selbstvertheidigung
besteht darin1 dass man so selten als
mglich reagirt und dass man sich ,lagen
und ,bedingungen entzieht1 wo man
verurtheilt wre1 seine ,freiheit1 seine
,initiative gleichsam auszuhngen und ein
blosses ,reagens zu werden4 ,ich nehme
als ,gleichniss den ,verkehr mit
,bchern4 ,der ,gelehrte1 der im ,grunde
nur noch ,bcher wlzt - der ,philologe
mit mssigem ,ansatz des ,tags ungefhr
#bjj - verliert zuletzt ganz und gar das
,vermgen1 von sich aus zu denken4 ,wlzt
er nicht1 so denkt er nicht4 ,er
antwortet auf einen ,reiz 7- einen
gelesenen ,gedanken71 wenn er denkt1 -
er reagirt zuletzt bloss noch4 ,der
,gelehrte giebt seine ganze ,kraft im
,ja und ,neinsagen1 in der ,kritik von
bereits ,gedachtem ab1 - er selber denkt
nicht mehr444 ,der ,instinkt der
,selbstvertheidigung ist bei ihm mrbe
geworden2 im andren ,falle wrde er sich
gegen ,bcher wehren4 ,der ,gelehrte -
ein dcadent4 - ,das habe ich mit ,augen
gesehn3 begabte1 reich und frei
angelegte ,naturen schon in den
dreissiger ,jahren zu ,schanden gelesen1
bloss noch ,streichhlzer1 die man
reiben muss1 damit sie ,funken -
,gedanken geben4 - ,frhmorgens beim
,anbruch des ,tags1 in aller ,frische1
in der ,morgenrthe seiner ,kraft1 ein
,buch lesen - das nenne ich lasterhaft6
- - #i4 ,an dieser ,stelle ist nicht
mehr zu umgehn die eigentliche ,antwort
auf die ,frage1 wie man wird1 was man
ist1 zu geben4 ,und damit berhre ich das
,meisterstck in der ,kunst der
,selbsterhaltung - der ,selbstsucht444
,angenommen nmlich1 dass die ,aufgabe1
die ,bestimmung1 das ,schicksal der
,aufgabe ber ein durchschnittliches
,maass bedeutend hinausliegt1 so wrde
keine ,gefahr grsser als sich selbst mit
dieser ,aufgabe zu ,gesicht zu
bekommen4 ,dass man wird1 was man ist1
setzt voraus1 dass man nicht im
,entferntesten ahnt1 was man ist4 ,aus
diesem ,gesichtspunkte haben selbst die
,fehlgriffe des ,lebens ihren eignen
,sinn und ,werth1 die zeitweiligen
,nebenwege und ,abwege1 die
,verzgerungen1 die ,bescheidenheiten1
der ,ernst1 auf ,aufgaben verschwendet1
die jenseits der ,aufgabe liegen4 ,darin
kann eine grosse ,klugheit1 sogar die
oberste ,klugheit zum ,ausdruck kommen3
wo nosce te ipsum das ,recept zum
,untergang wre1 wird ,sich-,vergessen1
,sich-,missverstehn1 ,sich-,verkleinern1
-,verengern1 -,vermittelmssigen zur
,vernunft selber4 ,moralisch ausgedrckt3
,nchstenliebe1 ,leben fr ,andere und
,anderes kann die ,schutzmassregel zur
,erhaltung der hrtesten ,selbstigkeit
sein4 ,dies ist der ,ausnahmefall1 in
welchem ich1 gegen meine ,regel und
berzeugung1 die ,partei der selbstlosen
,triebe nehme3 sie arbeiten hier im
,dienste der ,selbstsucht1 ,selbstzucht4
- ,man muss die ganze ,oberflche des
,bewusstseins - ,bewusstsein ist eine
,oberflche - rein erhalten von irgend
einem der grossen ,imperative4 ,vorsicht
selbst vor jedem grossen ,worte1 jeder
grossen ,attitde6 ,lauter ,gefahren1
dass der ,instinkt zu frh sich versteht
- - ,inzwischen wchst und wchst die
organisirende1 die zur ,herrschaft
berufne ,idee in der ,tiefe1 - sie
beginnt zu befehlen1 sie leitet langsam
aus ,nebenwegen und ,abwegen zurck1 sie
bereitet einzelne ,qualitten und
,tchtigkeiten vor1 die einmal als
,mittel zum ,ganzen sich unentbehrlich
erweisen werden1 - sie bildet der ,reihe
nach alle dienenden ,vermgen aus1 bevor
sie irgend ,etwas von der dominirenden
,aufgabe1 von ,ziel1 ,zweck1 ,sinn
verlauten lsst4 - ,nach dieser ,seite
hin betrachtet ist mein ,leben einfach
wundervoll4 ,zur ,aufgabe einer
,umwerthung der ,werthe waren vielleicht
mehr ,vermgen nthig1 als je in einem
,einzelnen bei einander gewohnt haben1
vor ,allem auch ,gegenstze von ,vermgen1
ohne dass diese sich stren1 zerstren
durften4 ,rangordnung der ,vermgen2
,distanz2 die ,kunst zu trennen1 ohne zu
verfeinden2 ,nichts vermischen1 ,nichts
vershnen2 eine ungeheure ,vielheit1 die
trotzdem das ,gegenstck des ,chaos ist
- dies war die ,vorbedingung1 die lange
geheime ,arbeit und ,knstlerschaft
meines ,instinkts4 ,seine hhere ,obhut
zeigte sich in dem ,maasse stark1 dass
ich in keinem ,falle auch nur geahnt
habe1 was in mir wchst1 - dass alle
meine ,fhigkeiten pltzlich1 reif1 in
ihrer letzten ,vollkommenheit eines
,tags hervorsprangen4 ,es fehlt in
meiner ,erinnerung1 dass ich mich je
bemht htte1 - es ist kein ,zug von
,ringen in meinem ,leben nachweisbar1
ich bin der ,gegensatz einer heroischen
,natur4 ,etwas wollen1 nach ,etwas
streben1 einen ,zweck1 einen ,wunsch im
,auge haben das kenne ich ,alles nicht
aus ,erfahrung4 ,noch in diesem
,augenblick sehe ich auf meine ,zukunft
- eine weite ,zukunft6 wie auf ein
glattes ,meer hinaus3 kein ,verlangen
kruselt sich auf ihm4 ,ich will nicht im
,geringsten1 dass ,etwas anders wird
als es ist2 ich selber will nicht anders
werden4 ,aber so habe ich immer gelebt4
,ich habe keinen ,wunsch gehabt4
,jemand1 der nach seinem
vierundvierzigsten ,jahre sagen kann1
dass er sich nie um ,ehren1 um ,weiber1
um ,geld bemht hat6 ,nicht dass sie mir
gefehlt htten444 ,so war ich zum
,beispiel eines ,tags
,universittsprofessor1 - ich hatte nie
im ,entferntesten an dergleichen
gedacht1 denn ich war kaum #bd ,jahr
alt4 ,so war ich zwei ,jahr frher eines
,tags ,philolog3 in dem ,sinne1 dass
meine erste philologische ,arbeit1 mein
,anfang in jedem ,sinne1 von meinem
,lehrer ,ritschl fr sein ,rheinisches
,museum zum ,druck verlangt wurde 7
,ritschl - ich sage es mit ,verehrung -
der einzige geniale ,gelehrte1 den ich
bis heute zu ,gesicht bekommen habe4 ,er
besass jene angenehme ,verdorbenheit1
die uns ,thringer auszeichnet und mit
der sogar ein ,deutscher sympathisch
wird3 - wir ziehn selbst1 um zur
,wahrheit zu gelangen1 noch die
,schleichwege vor4 ,ich mchte mit diesen
,worten meinen nheren ,landsmann1 den
klugen ,leopold von ,ranke1 durchaus
nicht unterschtzt haben4447 #aj4 ,an
dieser ,stelle thut eine grosse
,besinnung ,noth4 ,man wird mich fragen1
warum ich eigentlich alle diese kleinen
und nach herkmmlichem ,urtheil
gleichgltigen ,dinge erzhlt habe2 ich
schade mir selbst damit1 um so mehr1
wenn ich grosse ,aufgaben zu vertreten
bestimmt sei4 ,antwort3 diese kleinen
,dinge ,ernhrung1 ,ort1 ,clima1
,erholung1 die ganze ,casuistik der
,selbstsucht - sind ber alle ,begriffe
hinaus wichtiger als ,alles1 was man
bisher wichtig nahm4 ,hier gerade muss
man anfangen1 umzulernen4 ,das1 was die
,menschheit bisher ernsthaft erwogen
hat1 sind nicht einmal ,realitten1
blosse ,einbildungen1 strenger geredet1
,lgen aus den schlechten ,instinkten
kranker1 im tiefsten ,sinne schdlicher
,naturen heraus alle die ,begriffe
,gott1 ,seele1 ,tugend1 ,snde1
,jenseits1 ,wahrheit1 ewiges ,leben444
,aber man hat die ,grsse der
menschlichen ,natur1 ihre ,gttlichkeit
in ihnen gesucht444 ,alle ,fragen der
,politik1 der ,gesellschafts-,ordnung1
der ,erziehung sind dadurch bis in
,grund und ,boden geflscht1 dass man die
schdlichsten ,menschen fr grosse
,menschen nahm1 - dass man die kleinen
,dinge1 will sagen die
,grundangelegenheiten des ,lebens selber
verachten lehrte444 ,unsre jetzige
,cultur ist im hchsten ,grade
zweideutig444 ,der deutsche ,kaiser mit
dem ,papst paktirend1 als ob nicht der
,papst der ,reprsentant der
,todfeindschaft gegen das ,leben wre6444
,das1 was heute gebaut wird1 steht in
drei ,jahren nicht mehr4 - ,wenn ich
mich darnach messe1 was ich kann1 nicht
davon zu reden1 was hinter mir drein
kommt1 ein ,umsturz1 ein ,aufbau ohne
,gleichen1 so habe ich mehr als irgend
ein ,sterblicher den ,anspruch auf das
,wort ,grsse4 ,vergleiche ich mich nun
mit den ,menschen1 die man bisher als
erste ,menschen ehrte1 so ist der
,unterschied handgreiflich4 ,ich rechne
diese angeblich ,ersten nicht einmal zu
den ,menschen berhaupt1 - sie sind fr
mich ,ausschuss der ,menschheit1
,ausgeburten von ,krankheit und
rachschtigen ,instinkten3 sie sind
lauter unheilvolle1 im ,grunde
unheilbare ,unmenschen1 die am ,leben
,rache nehmen444 ,ich will dazu der
,gegensatz sein3 mein ,vorrecht ist1 die
hchste ,feinheit fr alle ,zeichen
gesunder ,instinkte zu haben4 ,es fehlt
jeder krankhafte ,zug an mir2 ich bin
selbst in ,zeiten schwerer ,krankheit
nicht krankhaft geworden2 umsonst1 dass
man in meinem ,wesen einen ,zug von
,fanatismus sucht4 ,man wird mir aus
keinem ,augenblick meines ,lebens irgend
eine anmaassliche oder pathetische
,haltung nachweisen knnen4 ,das ,pathos
der ,attitde gehrt nicht zur ,grsse2 wer
,attitden berhaupt nthig hat1 ist
falsch444 ,vorsicht vor allen
pittoresken ,menschen6 - ,das ,leben ist
mir leicht geworden1 am leichtesten1
wenn es das ,schwerste von mir
verlangte4 ,wer mich in den siebzig
,tagen dieses ,herbstes gesehn hat1 wo
ich1 ohne ,unterbrechung1 lauter ,sachen
ersten ,ranges gemacht habe die kein
,mensch mir nachmacht - oder vormacht1
mit einer ,verantwortlichkeit fr alle
,jahrtausende nach mir1 wird keinen ,zug
von ,spannung an mir wahrgenommen
haben1 um so mehr eine berstrmende
,frische und ,heiterkeit4 ,ich ass nie
mit angenehmeren ,gefhlen1 ich schlief
nie besser4 - ,ich kenne keine andre
,art1 mit grossen ,aufgaben zu verkehren
als das ,spiel3 dies ist1 als
,anzeichen der ,grsse1 eine wesentliche
,voraussetzung4 ,der geringste ,zwang1
die dstre ,miene1 irgend ein harter ,ton
im ,halse sind alles ,einwnde gegen
einen ,menschen1 um wie viel mehr gegen
sein ,werk6444 ,man darf keine ,nerven
haben444 ,auch an der ,einsamkeit leiden
ist ein ,einwand1 - ich habe immer nur
an der ,vielsamkeit gelitten444 ,in
einer absurd frhen ,zeit1 mit sieben
,jahren1 wusste ich bereits1 dass mich
nie ein menschliches ,wort erreichen
wrde3 hat man mich je darber betrbt
gesehn8 - ,ich habe heute noch die
gleiche ,leutseligkeit gegen ,jedermann1
ich bin selbst voller ,auszeichnung fr
die ,niedrigsten3 in dem ,allen ist
nicht ein ,gran von ,hochmuth1 von
geheimer ,verachtung4 ,wen ich verachte1
der errth1 dass er von mir verachtet
wird3 ich empre durch mein blosses
,dasein ,alles1 was schlechtes ,blut im
,leibe hat444 ,meine ,formel fr die
,grsse am ,menschen ist amor fati3 dass
man ,nichts anders haben will1 vorwrts
nicht1 rckwrts nicht1 in alle ,ewigkeit
nicht4 ,das ,nothwendige nicht bloss
ertragen1 noch weniger verhehlen - aller
,idealismus ist ,verlogenheit vor dem
,nothwendigen -1 sondern es lieben444
,warum ich so gute ,bcher schreibe4 #a4
,das ,eine bin ich1 das ,andre sind
meine ,schriften4 - ,hier werde1 bevor
ich von ihnen selber rede1 die ,frage
nach dem ,verstanden- oder
,nicht-verstanden-werden dieser
,schriften berhrt4 ,ich thue es so
nachlssig1 als es sich irgendwie
schickt3 denn diese ,frage ist durchaus
noch nicht an der ,zeit4 ,ich selber bin
noch nicht an der ,zeit1 ,einige werden
posthum geboren -- ,irgend wann wird
man ,institutionen nthig haben1 in denen
man lebt und lehrt1 wie ich leben und
lehren verstehe2 vielleicht selbst1 dass
man dann auch eigene ,lehrsthle zur
,interpretation des ,zarathustra
errichtet4 ,aber es wre ein vollkommner
,widerspruch zu mir1 wenn ich heute
bereits ,ohren und ,hnde fr meine
,wahrheiten erwartete3 dass man heute
nicht hrt1 dass man heute nicht von mir
zu nehmen weiss1 ist nicht nur
begreiflich1 es scheint mir selbst das
,rechte4 ,ich will nicht verwechselt
werden1 - dazu gehrt1 dass ich mich
selber nicht verwechsele4 - ,nochmals
gesagt1 es ist wenig in meinem ,leben
nachweisbar von bsem ,willen2 auch von
litterarischem bsen ,willen wsste ich
kaum einen ,fall zu erzhlen4 ,dagegen zu
viel von reiner ,thorheit444 ,es
scheint mir eine der seltensten
,auszeichnungen1 die ,jemand sich
erweisen kann1 wenn er ein ,buch von mir
in die ,hand nimmt1 - ich nehme selbst
an1 er zieht dazu die ,schuhe aus1 -
nicht von ,stiefeln zu reden444 ,als
sich einmal der ,doktor ,heinrich von
,stein ehrlich darber beklagte1 kein
,wort aus meinem ,zarathustra zu
verstehn1 sagte ich ihm1 das sei in
,ordnung3 sechs ,stze daraus verstanden1
das heisst3 erlebt haben1 hebe auf eine
hhere ,stufe der ,sterblichen hinauf
als moderne ,menschen erreichen knnten4
,wie knnte ich1 mit diesem ,gefhle der
,distanz1 auch nur wnschen1 von den
,modernen1 die ich kenne -1 gelesen zu
werden6 - ,mein ,triumph ist gerade der
umgekehrte1 als der ,schopenhauer's war1
- ich sage non legor1 non legar4 -
,nicht1 dass ich das ,vergngen
unterschtzen mchte1 das mir mehrmals die
,unschuld im ,neinsagen zu meinen
,schriften gemacht hat4 ,noch in diesem
,sommer1 zu einer ,zeit1 wo ich
vielleicht mit meiner schwerwiegenden1
zu schwer wiegenden ,litteratur den
ganzen ,rest von ,litteratur aus dem
,gleichgewicht zu bringen vermchte1 gab
mir ein ,professor der ,berliner
,universitt wohlwollend zu verstehn1 ich
sollte mich doch einer andren ,form
bedienen3 so ,etwas lese ,niemand4 -
,zuletzt war es nicht ,deutschland1
sondern die ,schweiz1 die die zwei
extremen ,flle geliefert hat4 ,ein
,aufsatz des ,dr4 ,v4 ,widmann im ,bund1
ber ,jenseits von ,gut und ,bse1 unter
dem ,titel ,nietzsche's gefhrliches
,buch1 und ein ,gesammt-,bericht ber
meine ,bcher berhaupt seitens des ,herrn
,karl ,spitteler1 gleichfalls im ,bund1
sind ein ,maximum in meinem ,leben -
ich hte mich zu sagen wovon444
,letzterer behandelte zum ,beispiel
meinen ,zarathustra als hhere ,stilbung1
mit dem ,wunsche1 ich mchte spter doch
auch fr ,inhalt sorgen2 ,dr4 ,widmann
drckte mir seine ,achtung vor dem ,muth
aus1 mit dem ich mich um ,abschaffung
aller anstndigen ,gefhle bemhe4 - ,durch
eine kleine ,tcke von ,zufall war hier
jeder ,satz1 mit einer
,folgerichtigkeit1 die ich bewundert
habe1 eine auf den ,kopf gestellte
,wahrheit3 man hatte im ,grunde ,nichts
zu thun1 als alle ,werthe umzuwerthen1
um1 auf eine sogar bemerkenswerthe
,weise1 ber mich den ,nagel auf den
,kopf zu treffen - statt meinen ,kopf
mit einem ,nagel zu treffen444 ,um so
mehr versuche ich eine ,erklrung4 -
,zuletzt kann ,niemand aus den ,dingen1
die ,bcher eingerechnet1 mehr
heraushren1 als er bereits weiss4 ,wofr
man vom ,erlebnisse her keinen ,zugang
hat1 dafr hat man kein ,ohr4 ,denken wir
uns nun einen ussersten ,fall1 dass ein
,buch von lauter ,erlebnissen redet1
die gnzlich ausserhalb der ,mglichkeit
einer hufigen oder auch nur seltneren
,erfahrung liegen1 - dass es die erste
,sprache fr eine neue ,reihe von
,erfahrungen ist4 ,in diesem ,falle wird
einfach ,nichts gehrt1 mit der
akustischen ,tuschung1 dass wo ,nichts
gehrt wird1 auch ,nichts da ist -4 ,dies
ist zuletzt meine durchschnittliche
,erfahrung und1 wenn man will1 die
,originalitt meiner ,erfahrung4 ,wer
,etwas von mir verstanden zu haben
glaubte1 hat sich ,etwas aus mir zurecht
gemacht1 nach seinem ,bilde1 - nicht
selten einen ,gegensatz von mir1 zum
,beispiel einen ,idealisten2 wer ,nichts
von mir verstanden hatte1 leugnete1
dass ich berhaupt in ,betracht kme4 -
,das ,wort bermensch zur ,bezeichnung
eines ,typus hchster ,wohlgerathenheit1
im ,gegensatz zu modernen ,menschen1 zu
guten ,menschen1 zu ,christen und andren
,nihilisten - ein ,wort1 das im ,munde
eines ,zarathustra1 des ,vernichters der
,moral1 ein sehr nachdenkliches ,wort
wird1 ist fast berall mit voller
,unschuld im ,sinn derjenigen ,werthe
verstanden worden1 deren ,gegensatz in
der ,figur ,zarathustra's zur
,erscheinung gebracht worden ist1 will
sagen als idealistischer ,typus einer
hheren ,art ,mensch1 halb ,heiliger1
halb ,genie444 ,andres gelehrtes
,hornvieh hat mich seinethalben des
,darwinismus verdchtigt2 selbst der von
mir so boshaft abgelehnte
,heroen-,cultus1 jenes grossen
,falschmnzers wider ,wissen und ,willen1
,carlyle's1 ist darin wiedererkannt
worden4 ,wem ich ins ,ohr flsterte1 er
solle sich eher noch nach einem ,cesare
,borgia als nach einem ,parsifal umsehn1
der traute seinen ,ohren nicht4 - ,dass
ich gegen ,besprechungen meiner ,bcher1
in ,sonderheit durch ,zeitungen1 ohne
jedwede ,neugierde bin1 wird man mir
verzeihn mssen4 ,meine ,freunde1 meine
,verleger wissen das und sprechen mir
nicht von dergleichen4 ,in einem
besondren ,falle bekam ich einmal ,alles
zu ,gesicht1 was ber ein einzelnes
,buch - es war ,jenseits von ,gut und
,bse - gesndigt worden ist2 ich htte
einen artigen ,bericht darber
abzustatten4 ,sollte man es glauben1
dass die ,nationalzeitung - eine
preussische ,zeitung1 fr meine
auslndischen ,leser bemerkt1 ich selbst
lese1 mit ,verlaub1 nur das ,journal des
,dbats - allen ,ernstes das ,buch als
ein ,zeichen der ,zeit zu verstehn
wusste1 als die echte rechte
,junker-,philosophie1 zu der es der
,kreuzzeitung nur an ,muth gebreche8
#b4 ,dies war fr ,deutsche gesagt3 denn
berall sonst habe ich ,leser - lauter
ausgesuchte ,intelligenzen1 bewhrte1 in
hohen ,stellungen und ,pflichten
erzogene ,charaktere2 ich habe sogar
wirkliche ,genies unter meinen ,lesern4
,in ,wien1 in ,st4 ,petersburg1 in
,stockholm1 in ,kopenhagen1 in ,paris
und ,new-,york - berall bin ich
entdeckt3 ich bin es nicht in ,europa's
,flachland ,deutschland444 ,und1 dass
ich es bekenne1 ich freue mich noch mehr
ber meine ,nicht-,leser1 solche1 die
weder meinen ,namen1 noch das ,wort
,philosophie je gehrt haben2 aber wohin
ich komme1 hier in ,turin zum ,beispiel1
erheitert und vergtigt sich bei meinem
,anblick jedes ,gesicht4 ,was mir bisher
am meisten geschmeichelt hat1 das ist1
dass alte ,hkerinnen nicht ,ruhe haben1
bevor sie mir nicht das ,ssseste aus
ihren ,trauben zusammengesucht haben4
,soweit muss man ,philosoph sein4 - ,man
nennt nicht umsonst die ,polen die
,franzosen unter den ,slaven4 ,eine
charmante ,russin wird sich nicht einen
,augenblick darber vergreifen1 wohin ich
gehre4 ,es gelingt mir nicht1 feierlich
zu werden1 ich bringe es hchstens bis
zur ,verlegenheit444 ,deutsch denken1
deutsch fhlen - ich kann ,alles1 aber
das geht ber meine ,krfte444 ,mein alter
,lehrer ,ritschl behauptete sogar1 ich
concipirte selbst noch meine
philologischen ,abhandlungen wie ein
,pariser romancier - absurd spannend4
,in ,paris selbst ist man erstaunt ber
toutes mes audaces et finesses - der
,ausdruck ist von ,monsieur ,taine -2
ich frchte1 bis in die hchsten ,formen
des ,dithyrambus findet man bei mir von
jenem ,salze beigemischt1 das niemals
dumm - deutsch - wird1 esprit444 ,ich
kann nicht anders4 ,gott helfe mir6
,amen4 - ,wir wissen ,alle1 ,einige
wissen es sogar aus ,erfahrung1 was ein
,langohr ist4 ,wohlan1 ich wage zu
behaupten1 dass ich die kleinsten ,ohren
habe4 ,dies interessirt gar nicht wenig
die ,weiblein -1 es scheint mir1 sie
fhlen sich besser von mir verstanden8444
,ich bin der ,antiesel par excellence
und damit ein welthistorisches ,unthier1
- ich bin1 auf griechisch1 und nicht
nur auf griechisch1 der ,antichrist444
#c4 ,ich kenne einigermassen meine
,vorrechte als ,schriftsteller2 in
einzelnen ,fllen ist es mir auch
bezeugt1 wie sehr die ,gewhnung an meine
,schriften den ,geschmack verdirbt4
,man hlt einfach andre ,bcher nicht mehr
aus1 am wenigsten philosophische4 ,es
ist eine ,auszeichnung ohne ,gleichen1
in diese vornehme und delikate ,welt
einzutreten1 - man darf dazu durchaus
kein ,deutscher sein2 es ist zuletzt
eine ,auszeichnung1 die man sich
verdient haben muss4 ,wer mir aber durch
,hhe des ,wollens verwandt ist1 erlebt
dabei wahre ,ekstasen des ,lernens3 denn
ich komme aus ,hhen1 die kein ,vogel je
erflog1 ich kenne ,abgrnde1 in die noch
kein ,fuss sich verirrt hat4 ,man hat
mir gesagt1 es sei nicht mglich1 ein
,buch von mir aus der ,hand zu legen1 -
ich strte selbst die ,nachtruhe444 ,es
giebt durchaus keine stolzere und
zugleich raffinirtere ,art von ,bchern3
sie erreichen hier und da das ,hchste1
was auf ,erden erreicht werden kann1 den
,cynismus2 man muss sie sich ebenso mit
den zartesten ,fingern wie mit den
tapfersten ,fusten erobern4 ,jede
,gebrechlichkeit der ,seele schliesst
aus davon1 ein fr alle ,male1 selbst
jede ,dyspepsie3 man muss keine ,nerven
haben1 man muss einen frhlichen
,unterleib haben4 ,nicht nur die ,armut1
die ,winkel-,luft einer ,seele
schliesst davon aus1 noch viel mehr das
,feige1 das ,unsaubere1 das
,heimlich-,rachschtige in den
,eingeweiden3 ein ,wort von mir treibt
alle schlechten ,instinkte ins ,gesicht4
,ich habe an meinen ,bekannten mehrere
,versuchsthiere1 an denen ich mir die
verschiedene1 sehr lehrreich
verschiedene ,reaktion auf meine
,schriften zu ,gemthe fhre4 ,wer nichts
mit ihrem ,inhalte zu thun haben will1
meine sogenannten ,freunde zum
,beispiel1 wird dabei unpersnlich3 man
wnscht mir ,glck1 wieder so weit zu
sein1 - auch ergbe sich ein ,fortschritt
in einer grsseren ,heiterkeit des
,tons444 ,die vollkommen lasterhaften
,geister1 die schnen ,seelen1 die in
,grund und ,boden ,verlognen1 wissen
schlechterdings nicht1 was sie mit
diesen ,bchern anfangen sollen1 -
folglich sehn sie dieselben unter sich1
die schne ,folgerichtigkeit aller schnen
,seelen4 ,das ,hornvieh unter meinen
,bekannten1 blosse ,deutsche1 mit
,verlaub1 giebt zu verstehn1 man sei
nicht immer meiner ,meinung1 aber doch
mitunter1 zum ,beispiel444 ,ich habe
dies selbst ber den ,zarathustra
gehrt444 ,insgleichen ist jeder
,femininismus im ,menschen1 auch im
,manne1 ein ,thorschluss fr mich3 man
wird niemals in dies ,labyrinth
verwegener ,erkenntnisse eintreten4 ,man
muss sich selbst nie geschont haben1
man muss die ,hrte in seinen
,gewohnheiten haben1 um unter lauter
harten ,wahrheiten wohlgemuth und heiter
zu sein4 ,wenn ich mir das ,bild eines
vollkommnen ,lesers ausdenke1 so wird
immer ein ,unthier von ,muth und
,neugierde daraus1 ausserdem noch etwas
,biegsames1 ,listiges1 ,vorsichtiges1
ein geborner ,abenteurer und ,entdecker4
,zuletzt3 ich wsste es nicht besser zu
sagen1 zu wem ich im ,grunde allein
rede1 als es ,zarathustra gesagt hat3
wem allein will er sein ,rthsel erzhlen8
,euch1 den khnen ,suchern1
,versuchern1 und wer je sich mit
listigen ,segeln auf furchtbare ,meere
einschiffte1 - euch1 den
,rthsel-,trunkenen1 den
,zwielicht-,frohen1 deren ,seele mit
,flten zu jedem ,irrschlunde gelockt
wird3 - denn nicht wollt ihr mit feiger
,hand einem ,faden nachtasten2 und wo
ihr errathen knnt1 da hasst ihr es1 zu
erschliessen444 #d4 ,ich sage
zugleich noch ein allgemeines ,wort ber
meine ,kunst des ,stils4 ,einen
,zustand1 eine innere ,spannung von
,pathos durch ,zeichen1 eingerechnet das
tempo dieser ,zeichen1 mitzutheilen -
das ist der ,sinn jedes ,stils2 und in
,anbetracht1 dass die ,vielheit innerer
,zustnde bei mir ausserordentlich ist1
giebt es bei mir viele ,mglichkeiten des
,stils - die vielfachste ,kunst des
,stils berhaupt1 ber die je ein ,mensch
verfgt hat4 ,gut ist jeder ,stil1 der
einen inneren ,zustand wirklich
mittheilt1 der sich ber die ,zeichen1
ber das tempo der ,zeichen1 ber die
,gebrden - alle ,gesetze der ,periode
sind ,kunst der ,gebrde - nicht
vergreift4 ,mein ,instinkt ist hier
unfehlbar4 - ,guter ,stil an sich - eine
reine ,thorheit1 blosser ,idealismus1
etwa1 wie das ,schne an sich1 wie das
,gute an sich1 wie das ,ding an sich444
,immer noch vorausgesetzt1 dass es
,ohren giebt - dass es ,solche giebt1
die eines gleichen ,pathos fhig und
wrdig sind1 dass die nicht fehlen1 denen
man sich mittheilen darf4 - ,mein
,zarathustra zum ,beispiel sucht
einstweilen noch nach ,solchen - ach6 er
wird noch lange zu suchen haben6 - ,man
muss dessen werth sein1 ihn zu hren444
,und bis dahin wird es ,niemanden geben1
der die ,kunst1 die hier verschwendet
worden ist1 begreift3 es hat nie jemand
mehr von neuen1 von unerhrten1 von
wirklich erst dazu geschaffnen
,kunstmitteln zu verschwenden gehabt4
,dass dergleichen gerade in deutscher
,sprache mglich war1 blieb zu beweisen3
ich selbst htte es vorher am hrtesten
abgelehnt4 ,man weiss vor mir nicht1 was
man mit der deutschen ,sprache kann1 -
was man berhaupt mit der ,sprache kann4
- ,die ,kunst des grossen ,rhythmus1 der
grosse ,stil der ,periodik zum
,ausdruck eines ungeheuren ,auf und
,nieder von sublimer1 von
bermenschlicher1 ,leidenschaft ist erst
von mir entdeckt2 mit einem ,dithyrambus
wie dem letzten des dritten
,zarathustra1 die sieben ,siegel1
berschrieben1 flog ich tausend ,meilen
ber das hinaus1 was bisher ,poesie
hiess4 #e4 - ,dass aus meinen
,schriften ein ,psychologe redet1 der
nicht seines ,gleichen hat1 das ist
vielleicht die erste ,einsicht1 zu der
ein guter ,leser gelangt - ein ,leser1
wie ich ihn verdiene1 der mich liest1
wie gute alte ,philologen ihren ,horaz
lasen4 ,die ,stze1 ber die im ,grunde
alle ,welt einig ist1 gar nicht zu reden
von den ,allerwelts-,philosophen1 den
,moralisten und andren ,hohltpfen1
,kohlkpfen - erscheinen bei mir als
,naivetten des ,fehlgriffs3 zum
,beispiel jener ,glaube1 dass
unegoistisch und egoistisch ,gegenstze
sind1 whrend das ego selbst bloss ein
hherer ,schwindel1 ein ,ideal ist444 ,es
giebt weder egoistische1 noch
unegoistische ,handlungen3 beide
,begriffe sind psychologischer
,widersinn4 ,oder der ,satz der ,mensch
strebt nach ,glck444 ,oder der ,satz das
,glck ist der ,lohn der ,tugend444
,oder der ,satz ,lust und ,unlust sind
,gegenstze444 ,die ,circe der
,menschheit1 die ,moral1 hat alle
psychologica in ,grund und ,boden
geflscht - vermoralisirt - bis zu jenem
schauderhaften ,unsinn1 dass die ,liebe
etwas ,unegoistisches sein soll444 ,man
muss fest auf sich sitzen1 man muss
tapfer auf seinen beiden ,beinen stehn1
sonst kann man gar nicht lieben4 ,das
wissen zuletzt die ,weiblein nur zu gut3
sie machen sich den ,teufel was aus
selbstlosen1 aus bloss objektiven
,mnnern444 ,darf ich anbei die
,vermuthung wagen1 dass ich die
,weiblein kenne8 ,das gehrt zu meiner
dionysischen ,mitgift4 ,wer weiss8
vielleicht bin ich der erste ,psycholog
des ,ewig-,weiblichen4 ,sie lieben mich
,alle - eine alte ,geschichte3 die
verunglckten ,weiblein abgerechnet1 die
,emancipirten1 denen das ,zeug zu
,kindern abgeht4 - ,zum ,glck bin ich
nicht ,willens mich zerreissen zu
lassen3 das vollkommne ,weib zerreisst1
wenn es liebt444 ,ich kenne diese
liebenswrdigen ,mnaden444 ,ah1 was fr
ein gefhrliches1 schleichendes1
unterirdisches kleines ,raubthier6 ,und
so angenehm dabei6444 ,ein kleines
,weib1 das seiner ,rache nachrennt1 wrde
das ,schicksal selbst ber den ,haufen
rennen4 - ,das ,weib ist unsglich viel
bser als der ,mann1 auch klger2 ,gte am
,weibe ist schon eine ,form der
,entartung444 ,bei allen sogenannten
schnen ,seelen giebt es einen
physiologischen belstand auf dem
,grunde1 - ich sage nicht ,alles1 ich
wrde sonst medicynisch werden4 ,der
,kampf um gleiche ,rechte ist sogar ein
,symptom von ,krankheit3 jeder ,arzt
weiss das4 - ,das ,weib1 je mehr ,weib
es ist1 wehrt sich ja mit ,hnden und
,fssen gegen ,rechte berhaupt3 der
,naturzustand1 der ewige ,krieg zwischen
den ,geschlechtern giebt ihm ja bei
weitem den ersten ,rang4 - ,hat man
,ohren fr meine ,definition der ,liebe
gehabt8 es ist die einzige1 die eines
,philosophen wrdig ist4 ,liebe - in
ihren ,mitteln der ,krieg1 in ihrem
,grunde der ,todhass der ,geschlechter4
- ,hat man meine ,antwort auf die ,frage
gehrt1 wie man ein ,weib kurirt -
erlst8 ,man macht ihm ein ,kind4 ,das
,weib hat ,kinder nthig1 der ,mann ist
immer nur ,mittel3 also sprach
,zarathustra4 - ,emancipation des
,weibes - das ist der ,instinkthass des
missrathenen1 das heisst gebruntchtigen
,weibes gegen das wohlgerathene1 - der
,kampf gegen den ,mann ist immer nur
,mittel1 ,vorwand1 ,taktik4 ,sie wollen1
indem sie sich hinaufheben1 als ,weib
an sich1 als hheres ,weib1 als
,idealistin von ,weib1 das allgemeine
,rang-,niveau des ,weibes
herunterbringen2 kein sichereres ,mittel
dazu als ,gymnasial-,bildung1 ,hosen
und politische ,stimmvieh-,rechte4 ,im
,grunde sind die ,emancipirten die
,anarchisten in der ,welt des
,ewig-,weiblichen1 die
,schlechtweggekommenen1 deren unterster
,instinkt ,rache ist444 ,eine ganze
,gattung des bsartigsten ,idealismus -
der brigens auch bei ,mnnern vorkommt1
zum ,beispiel bei ,henrik ,ibsen1 dieser
typischen alten ,jungfrau - hat als
,ziel das gute ,gewissen1 die ,natur in
der ,geschlechtsliebe zu vergiften444
,und damit ich ber meine in diesem
,betracht ebenso honnette als strenge
,gesinnung keinen ,zweifel lasse1 will
ich noch einen ,satz aus meinem
,moral-,codex gegen das ,laster
mittheilen3 mit dem ,wort ,laster
bekmpfe ich jede ,art ,widernatur oder
wenn man schne ,worte liebt1
,idealismus4 ,der ,satz heisst3 die
,predigt der ,keuschheit ist eine
ffentliche ,aufreizung zur ,widernatur4
,jede ,verachtung des geschlechtlichen
,lebens1 jede ,verunreinigung desselben
durch den ,begriff unrein ist das
,verbrechen selbst am ,leben1 - ist die
eigentliche ,snde wider den heiligen
,geist des ,lebens4 - #f4 ,um einen
,begriff von mir als ,psychologen zu
geben1 nehme ich ein curioses ,stck
,psychologie1 das in ,jenseits von ,gut
und ,bse vorkommt1 - ich verbiete
brigens jede ,muthmassung darber1 wen
ich an dieser ,stelle beschreibe4 ,das
,genie des ,herzens1 wie es jener grosse
,verborgene hat1 der ,versucher-,gott
und geborne ,rattenfnger der ,gewissen1
dessen ,stimme bis in die ,unterwelt
jeder ,seele hinabzusteigen weiss1
welcher nicht ein ,wort sagt1 nicht
einen ,blick blickt1 in dem nicht eine
,rcksicht und ,falte der ,lockung lge1
zu dessen ,meisterschaft es gehrt1 dass
er zu scheinen versteht - und nicht das1
was er ist1 sondern was denen1 die ihm
folgen1 ein ,zwang mehr ist1 um sich
immer nher an ihn zu drngen1 um ihm
immer innerlicher und grndlicher zu
folgen444 ,das ,genie des ,herzens1 das
alles ,laute und ,selbstgefllige
verstummen macht und horchen lehrt1 das
die rauhen ,seelen glttet und ihnen ein
neues ,verlangen zu kosten giebt1 -
still zu liegen1 wie ein ,spiegel1 dass
sich der tiefe ,himmel auf ihnen
spiegele444 ,das ,genie des ,herzens1
das die tlpische und berrasche ,hand
zgern und zierlicher greifen lehrt2 das
den verborgenen und vergessenen ,schatz1
den ,tropfen ,gte und ssser
,geistigkeit unter trbem dickem ,eise
errth und eine ,wnschelruthe fr jedes
,korn ,goldes ist1 welches lange im
,kerker vielen ,schlammes und ,sandes
begraben lag444 ,das ,genie des
,herzens1 von dessen ,berhrung jeder
reicher fortgeht1 nicht begnadet und
berrascht1 nicht wie von fremdem ,gute
beglckt und bedrckt1 sondern reicher an
sich selber1 sich neuer als zuvor1
aufgebrochen1 von einem ,thauwinde
angeweht und ausgehorcht1 unsicherer
vielleicht1 zrtlicher zerbrechlicher
zerbrochener1 aber voll ,hoffnungen1 die
noch keinen ,namen haben1 voll neuen
,willens und ,strmens1 voll neuen
,unwillens und ,zurckstrmens444 ,die
,geburt der ,tragdie4 #a4 ,um gegen
die ,geburt der ,tragdie 7#ahgb7 gerecht
zu sein1 wird man ,einiges vergessen
mssen4 ,sie hat mit dem gewirkt und
selbst fascinirt1 was an ihr verfehlt
war - mit ihrer ,nutzanwendung auf die
,wagnerei1 als ob dieselbe ein
,aufgangs-,symptom sei4 ,diese ,schrift
war eben damit im ,leben ,wagner's ein
,ereigniss3 von da an gab es erst grosse
,hoffnungen bei dem ,namen ,wagner4
,noch heute erinnert man mich daran1
unter ,umstnden mitten aus dem ,parsifal
heraus3 wie ich es eigentlich auf dem
,gewissen habe1 dass eine so hohe
,meinung ber den ,cultur-,werth dieser
,bewegung obenauf gekommen sei4 - ,ich
fand die ,schrift mehrmals citirt als
die ,wiedergeburt der ,tragdie aus dem
,geiste der ,musik3 man hat nur ,ohren
fr eine neue ,formel der ,kunst1 der
,absicht1 der ,aufgabe ,wagner's gehabt1
- darber wurde berhrt1 was die ,schrift
im ,grunde ,werthvolles barg4
,griechenthum und ,pessimismus3 das wre
ein unzweideutigerer ,titel gewesen3
nmlich als erste ,belehrung darber1 wie
die ,griechen fertig wurden mit dem
,pessimismus1 - womit sie ihn
berwanden444 ,die ,tragdie gerade ist
der ,beweis dafr1 dass die ,griechen
keine ,pessimisten waren3 ,schopenhauer
vergriff sich hier1 wie er sich in
,allem vergriffen hat4 - ,mit einiger
,neutralitt in die ,hand genommen1 sieht
die ,geburt der ,tragdie sehr
unzeitgemss aus3 man wrde sich nicht
trumen lassen1 dass sie unter den
,donnern der ,schlacht bei ,wrth
begonnen wurde4 ,ich habe diese
,probleme vor den ,mauern von ,metz1 in
kalten ,september-,nchten1 mitten im
,dienste der ,krankenpflege1
durchgedacht2 man knnte eher schon
glauben1 dass die ,schrift fnfzig ,jahre
lter sei4 ,sie ist politisch
indifferent1 - undeutsch1 wird man heute
sagen - sie riecht anstssig ,hegelisch1
sie ist nur in einigen ,formeln mit dem
,leichenbitter-parfum ,schopenhauer's
behaftet4 ,eine ,idee - der ,gegensatz
dionysisch und apollinisch - ins
,metaphysische bersetzt2 die ,geschichte
selbst als die ,entwicklung dieser
,idee2 in der ,tragdie der ,gegensatz
zur ,einheit aufgehoben2 unter dieser
,optik ,dinge1 die noch nie einander ins
,gesicht gesehn hatten1 pltzlich
gegenber gestellt1 aus einander
beleuchtet und begriffen444 ,die ,oper
zum ,beispiel und die ,revolution4 -
,die zwei entscheidenden ,neuerungen des
,buchs sind einmal das ,verstndniss des
dionysischen ,phnomens bei den
,griechen3 es giebt dessen erste
,psychologie1 es sieht in ihm die ,eine
,wurzel der ganzen griechischen ,kunst4
,das ,andre ist das ,verstndniss des
,sokratismus3 ,sokrates als ,werkzeug
der griechischen ,auflsung1 als
typischer dcadent zum ersten ,male
erkannt4 ,vernnftigkeit1 gegen
,instinkt4 ,die ,vernnftigkeit um jeden
,preis als gefhrliche1 als
leben-untergrabende ,gewalt6 - ,tiefes
feindseliges ,schweigen ber das
,christenthum im ganzen ,buche4 ,es ist
weder apollinisch1 noch dionysisch2 es
negirt alle sthetischen ,werthe - die
einzigen ,werthe1 die die ,geburt der
,tragdie anerkennt3 es ist im tiefsten
,sinne nihilistisch1 whrend im
dionysischen ,symbol die usserste
,grenze der ,bejahung erreicht ist4
,einmal wird auf die christlichen
,priester wie auf eine tckische ,art von
,zwergen1 von ,unterirdischen
angespielt444 #b4 ,dieser ,anfang ist
ber alle ,maassen merkwrdig4 ,ich hatte
zu meiner innersten ,erfahrung das
einzige ,gleichniss und ,seitenstck1 das
die ,geschichte hat1 entdeckt1 - ich
hatte ebendamit das wundervolle ,phnomen
des ,dionysischen als der ,erste
begriffen4 ,insgleichen war damit1 dass
ich ,sokrates als dcadent erkannte1 ein
vllig unzweideutiger ,beweis dafr
gegeben1 wie wenig die ,sicherheit
meines psychologischen ,griffs von
,seiten irgend einer
,moral-,idiosynkrasie ,gefahr laufen
werde3 - die ,moral selbst als
dcadence-,symptom ist eine ,neuerung1
eine ,einzigkeit ersten ,rangs in der
,geschichte der ,erkenntniss4 ,wie hoch
war ich mit ,beidem ber das erbrmliche
,flachkopf-,geschwtz von ,optimismus
contra ,pessimismus hinweggesprungen6 -
,ich sah zuerst den eigentlichen
,gegensatz3 - den entartenden ,instinkt1
der sich gegen das ,leben mit
unterirdischer ,rachsucht wendet 7-
,christenthum1 die ,philosophie
,schopenhauers1 in gewissem ,sinne schon
die ,philosophie ,platos1 der ganze
,idealismus als typische ,formen7 und
eine aus der ,flle1 der berflle geborene
,formel der hchsten ,bejahung1 ein
,jasagen ohne ,vorbehalt1 zum ,leiden
selbst1 zur ,schuld selbst1 zu allem
,fragwrdigen und ,fremden des ,daseins
selbst444 ,dieses letzte1 freudigste1
berschwnglich-bermthigste ,ja zum ,leben
ist nicht nur die hchste ,einsicht1 es
ist auch die tiefste1 die von ,wahrheit
und ,wissenschaft am strengsten
besttigte und aufrecht erhaltene4 ,es
ist ,nichts1 was ist1 abzurechnen1 es
ist ,nichts entbehrlich - die von den
,christen und andren ,nihilisten
abgelehnten ,seiten des ,daseins sind
sogar von unendlich hherer ,ordnung in
der ,rangordnung der ,werthe als das1
was der ,dcadence-,instinkt gutheissen1
gutheissen durfte4 ,dies zu begreifen1
dazu gehrt ,muth und1 als dessen
,bedingung1 ein berschuss von ,kraft3
denn genau so weit als der ,muth sich
vorwrts wagen darf1 genau nach dem
,maass von ,kraft nhert man sich der
,wahrheit4 ,die ,erkenntniss1 das
,jasagen zur ,realitt ist fr den
,starken eine ebensolche ,nothwendigkeit
als fr den ,schwachen1 unter der
,inspiration der ,schwche1 die ,feigheit
und ,flucht vor der ,realitt - das
,ideal444 ,es steht ihnen nicht frei1 zu
erkennen3 die dcadents haben die ,lge
nthig1 sie ist eine ihrer
,erhaltungs-,bedingungen4 - ,wer das
,wort ,dionysisch nicht nur begreift1
sondern sich in dem ,wort dionysisch
begreift1 hat keine ,widerlegung ,platos
oder des ,christenthums oder
,schopenhauers nthig - er riecht die
,verwesung444 #c4 ,in wiefern ich
ebendamit den ,begriff tragisch1 die
endliche ,erkenntniss darber1 was die
,psychologie der ,tragdie ist1 gefunden
hatte1 habe ich zuletzt noch in der
,gtzen-,dmmerung ,seite #aci zum
,ausdruck gebracht4 ,das ,jasagen zum
,leben selbst noch in seinen fremdesten
und hrtesten ,problemen2 der ,wille zum
,leben im ,opfer seiner hchsten ,typen
der eignen ,unerschpflichkeit
frohwerdend - das nannte ich dionysisch1
das verstand ich als ,brcke zur
,psychologie des tragischen ,dichters4
,nicht um von ,schrecken und ,mitleiden
loszukommen1 nicht um sich von einem
gefhrlichen ,affekt durch eine vehemente
,entladung zu reinigen so missverstand
es ,aristoteles3 sondern um1 ber
,schrecken und ,mitleiden hinaus1 die
ewige ,lust des ,werdens selbst ,zusein1
jene ,lust1 die auch noch die ,lust am
,vernichten in sich schliesst444 ,in
diesem ,sinne habe ich das ,recht1 mich
selber als den ersten tragischen
,philosophen zu verstehn - das heisst
den ussersten ,gegensatz und ,antipoden
eines pessimistischen ,philosophen4 ,vor
mir giebt es diese ,umsetzung des
,dionysischen in ein philosophisches
,pathos nicht3 es fehlt die tragische
,weisheit1 - ich habe vergebens nach
,anzeichen davon selbst bei den grossen
,griechen der ,philosophie1 denen der
zwei ,jahrhunderte vor ,sokrates1
gesucht4 ,ein ,zweifel blieb mir zurck
bei ,heraklit1 in dessen ,nhe berhaupt
mir wrmer1 mir wohler zu ,muthe wird als
irgendwo sonst4 ,die ,bejahung des
,vergehens und ,vernichtens1 das
,entscheidende in einer dionysischen
,philosophie1 das ,jasagen zu ,gegensatz
und ,krieg1 das ,wer den1 mit radikaler
,ablehnung auch selbst des ,begriffs
,sein - darin muss ich unter allen
,umstnden das mir ,verwandteste
anerkennen1 was bisher gedacht worden
ist4 ,die ,lehre von der ewigen
,wiederkunft1 das heisst vom unbedingten
und unendlich wiederholten ,kreislauf
aller ,dinge - diese ,lehre
,zarathustra's knnte zuletzt auch schon
von ,heraklit gelehrt worden sein4 ,zum
,mindesten hat die ,stoa1 die fast alle
ihre grundstzlichen ,vorstellungen von
,heraklit geerbt hat1 ,spuren davon4
#d4 ,aus dieser ,schrift redet eine
ungeheure ,hoffnung4 ,zuletzt fehlt mir
jeder ,grund1 die ,hoffnung auf eine
dionysische ,zukunft der ,musik
zurckzunehmen4 ,werfen wir einen ,blick
ein ,jahrhundert voraus1 setzen wir den
,fall1 dass mein ,attentat auf zwei
,jahrtausende ,widernatur und
,menschenschndung gelingt4 ,jene neue
,partei des ,lebens1 welche die grsste
aller ,aufgaben1 die ,hherzchtung der
,menschheit in die ,hnde nimmt1
eingerechnet die schonungslose
,vernichtung alles ,entartenden und
,parasitischen1 wird jenes ,zuviel von
,leben auf ,erden wieder mglich machen1
aus dem auch der dionysische ,zustand
wieder erwachsen muss4 ,ich verspreche
ein tragisches ,zeitalter3 die hchste
,kunst im ,jasagen zum ,leben1 die
,tragdie1 wird wiedergeboren werden1
wenn die ,menschheit das ,bewusstsein
der hrtesten1 aber nothwendigsten
,kriege hinter sich hat1 ohne daran zu
leiden444 ,ein ,psychologe drfte noch
hinzufgen1 dass was ich in jungen
,jahren bei ,wagnerischer ,musik gehrt
habe1 ,nichts berhaupt mit ,wagner zu
thun hat2 dass wenn ich die dionysische
,musik beschrieb1 ich das beschrieb1 was
ich gehrt hatte1 - dass ich instinktiv
,alles in den neuen ,geist bersetzen und
transfiguriren musste1 den ich in mir
trug4 ,der ,beweis dafr1 so stark als
nur ein ,beweis sein kann1 ist meine
,schrift ,wagner in ,bayreuth3 an allen
psychologisch entscheidenden ,stellen
ist nur von mir die ,rede1 man darf
rcksichtslos meinen ,namen oder das
,wort ,zarathustra hinstellen1 wo der
,text das ,wort ,wagner giebt4 ,das
ganze ,bild des dithyrambischen
,knstlers ist das ,bild des prexistenten
,dichters des ,zarathustra1 mit
abgrndlicher ,tiefe hingezeichnet und
ohne einen ,augenblick die ,wagnersche
,realitt auch nur zu berhren4 ,wagner
selbst hatte einen ,begriff davon2 er
erkannte sich in der ,schrift nicht
wieder4 - ,insgleichen hatte sich der
,gedanke von ,bayreuth in ,etwas
verwandelt1 das den ,kennern meines
,zarathustra kein ,rthsel-,begriff sein
wird3 in jenen grossen ,mittag1 wo sich
die ,auserwhltesten zur grssten aller
,aufgaben weihen - wer weiss8 die
,vision eines ,festes1 das ich noch
erleben werde444 ,das ,pathos der ersten
,seiten ist welthistorisch2 der ,blick1
von dem auf der siebenten ,seite die
,rede ist1 ist der eigentliche
,zarathustra-,blick2 ,wagner1 ,bayreuth1
die ganze kleine deutsche
,erbrmlichkeit ist eine ,wolke1 in der
eine unendliche fata morgana der
,zukunft sich spiegelt4 ,selbst
psychologisch sind alle entscheidenden
,zge meiner eignen ,natur in die
,wagners eingetragen das ,nebeneinander
der lichtesten und verhngnissvollsten
,krfte1 der ,wille zur ,macht1 wie ihn
nie ein ,mensch besessen hat1 die
rcksichtslose ,tapferkeit im ,geistigen1
die unbegrenzte ,kraft zu lernen1 ohne
dass der ,wille zur ,that damit erdrckt
wrde4 ,es ist ,alles an dieser ,schrift
vorherverkndend3 die ,nhe der
,wiederkunft des griechischen ,geistes1
die ,nothwendigkeit von
,gegen-,alexandern1 welche den
gordischen ,knoten der griechischen
,cultur wieder binden1 nachdem er gelst
war444 ,man hre den welthistorischen
,accent1 mit dem auf ,seite #cj der
,begriff tragische ,gesinnung eingefhrt
wird3 es sind lauter welthistorische
,accente in dieser ,schrift4 ,dies ist
die fremdartigste ,objektivitt1 die es
geben kann3 die absolute ,gewissheit
darber1 was ich bin1 projicirte sich auf
irgend eine zufllige ,realitt1 - die
,wahrheit ber mich redete aus einer
schauervollen ,tiefe4 ,auf ,seite #ga
wird der ,stil des ,zarathustra mit
einschneidender ,sicherheit beschrieben
und vorweggenommen2 und niemals wird man
einen grossartigeren ,ausdruck fr das
,ereigniss ,zarathustra1 den ,akt einer
ungeheuren ,reinigung und ,weihung der
,menschheit1 finden1 als er in den
,seiten #dc-df gefunden ist4 - ,die
,unzeitgemssen4 #a4 ,die vier
,unzeitgemssen sind durchaus
kriegerisch4 ,sie beweisen1 dass ich
kein ,hans der ,trumer war1 dass es mir
,vergngen macht1 den ,degen zu ziehn1 -
vielleicht auch1 dass ich das
,handgelenk gefhrlich frei habe4 ,der
erste ,angriff 7#ahgc7 galt der
deutschen ,bildung1 auf die ich damals
schon mit schonungsloser ,verachtung
hinabblickte4 ,ohne ,sinn1 ohne
,substanz1 ohne ,ziel3 eine blosse
ffentliche ,meinung4 ,kein bsartigeres
,missverstndniss als zu glauben1 der
grosse ,waffen-,erfolg der ,deutschen
beweise irgend ,etwas zu ,gunsten dieser
,bildung - oder gar ihren ,sieg ber
,frankreich444 ,die zweite ,unzeitgemsse
7#ahgd7 bringt das ,gefhrliche1 das
,leben-,annagende und -,vergiftende in
unsrer ,art des ,wissenschafts-,betriebs
an's ,licht -3 das ,leben krank an
diesem entmenschten ,rderwerk und
,mechanismus1 an der ,unpersnlichkeit
des ,arbeiters1 an der falschen konomie
der ,theilung der ,arbeit4 ,der ,zweck
geht verloren1 die ,cultur3 - das
,mittel1 der moderne
,wissenschafts-,betrieb1 barbarisirt444
,in dieser ,abhandlung wurde der
historische ,sinn1 auf den dies
,jahrhundert stolz ist1 zum ersten ,mal
als ,krankheit erkannt1 als typisches
,zeichen des ,verfalls4 - ,in der
dritten und vierten ,unzeitgemssen
werden1 als ,fingerzeige zu einem hheren
,begriff der ,cultur1 zur
,wiederherstellung des ,begriffs
,cultur1 zwei ,bilder der hrtesten
,selbstsucht1 ,selbstzucht dagegen
aufgestellt1 unzeitgemsse ,typen par
excellence1 voll souverainer ,verachtung
gegen ,alles1 was um sie herum ,reich1
,bildung1 ,christenthum1 ,bismarck1
,erfolg hiess1 - ,schopenhauer und
,wagner oder1 mit ,einem ,wort1
,nietzsche444 #b4 ,von diesen vier
,attentaten hatte das erste einen
ausserordentlichen ,erfolg4 ,der ,lrm1
den es hervorrief1 war in jedem ,sinne
prachtvoll4 ,ich hatte einer siegreichen
,nation an ihre wunde ,stelle gerhrt1 -
dass ihr ,sieg nicht ein
,cultur-,ereigniss sei1 sondern
vielleicht1 vielleicht etwas ganz
,anderes444 ,die ,antwort kam von allen
,seiten und durchaus nicht bloss von den
alten ,freunden ,david ,straussens1 den
ich als ,typus eines deutschen
,bildungsphilisters und satisfait1 kurz
als ,verfasser seines
,bierbank-,evangeliums vom alten und
neuen ,glauben lcherlich gemacht hatte
7- das ,wort ,bildungsphilister ist von
meiner ,schrift her in der ,sprache brig
geblieben74 ,diese alten ,freunde1
denen ich als ,wrtembergern und
,schwaben einen tiefen ,stich versetzt
hatte1 als ich ihr ,wunderthier1 ihren
,strauss komisch fand1 antworteten so
bieder und grob1 als ich's irgendwie
wnschen konnte2 - die preussischen
,entgegnungen waren klger1 - sie hatten
mehr ,berliner ,blau in sich4 ,das
,unanstndigste leistete ein ,leipziger
,blatt1 die berchtigten ,grenzboten2 ich
hatte mhe1 die entrsteten ,basler von
,schritten abzuhalten4 ,unbedingt fr
mich entschieden sich nur einige alte
,herrn1 aus gemischten und zum ,theil
unausfindlichen ,grnden4 ,darunter
,ewald in ,gttingen1 der zu verstehn
gab1 mein ,attentat sei fr ,strauss
tdtlich abgelaufen4 ,insgleichen der
alte ,hegelianer ,bruno ,bauer1 an dem
ich von da an einen meiner
aufmerksamsten ,leser gehabt habe4 ,er
liebte es1 in seinen letzten ,jahren1
auf mich zu verweisen1 zum ,beispiel
,herrn von ,treitschke1 dem preussischen
,historiographen1 einen ,wink zu geben1
bei wem er sich ,auskunft ber den ihm
verloren gegangnen ,begriff ,cultur
holen knne4 ,das ,nachdenklichste1 auch
das ,lngste ber die ,schrift und ihren
,autor wurde von einem alten ,schler des
,philosophen von ,baader gesagt1 einem
,professor ,hoffmann in ,wrzburg4 ,er
sah aus der ,schrift eine grosse
,bestimmung fr mich voraus1 - eine ,art
,krisis und hchste ,entscheidung im
,problem des ,atheismus herbeizufhren1
als dessen instinktivsten und
rcksichtslosesten ,typus er mich
errieth4 ,der ,atheismus war das1 was
mich zu ,schopenhauer fhrte4 - ,bei
weitem am besten gehrt1 am bittersten
empfunden wurde eine ausserordentlich
starke und tapfere ,frsprache des sonst
so milden ,karl ,hillebrand1 dieses
letzten humanen ,deutschen1 der die
,feder zu fhren wusste4 ,man las seinen
,aufsatz in der ,augsburger ,zeitung2
man kann ihn heute1 in einer etwas
vorsichtigeren ,form1 in seinen
gesammelten ,schriften lesen4 ,hier war
die ,schrift als ,ereigniss1
,wendepunkt1 erste ,selbstbesinnung1
allerbestes ,zeichen dargestellt1 als
eine wirkliche ,wiederkehr des deutschen
,ernstes und der deutschen
,leidenschaft in geistigen ,dingen4
,hillebrand war voll hoher ,auszeichnung
fr die ,form der ,schrift1 fr ihren
reifen ,geschmack1 fr ihren vollkommnen
,takt in der ,unterscheidung von ,person
und ,sache3 er zeichnete sie als die
beste polemische ,schrift aus1 die
deutsch geschrieben sei1 - in der gerade
fr ,deutsche so gefhrlichen1 so
widerrathbaren ,kunst der ,polemik4
,unbedingt jasagend1 mich sogar in dem
verschrfend1 was ich ber die
,sprach-,verlumpung in ,deutschland zu
sagen gewagt hatte 7- heute spielen sie
die ,puristen und knnen keinen ,satz
mehr bauen -71 in gleicher ,verachtung
gegen die ersten ,schriftsteller dieser
,nation1 endete er damit1 seine
,bewunderung fr meinen ,muth auszudrcken
- jenen hchsten ,muth1 der gerade die
,lieblinge eines ,volks auf die
,anklagebank bringt444 ,die ,nachwirkung
dieser ,schrift ist geradezu unschtzbar
in meinem ,leben4 ,niemand hat bisher
mit mir ,hndel gesucht4 ,man schweigt1
man behandelt mich in ,deutschland mit
einer dstern ,vorsicht3 ich habe seit
,jahren von einer unbedingten
,redefreiheit ,gebrauch gemacht1 zu der
,niemand heute1 am wenigsten im ,reich1
die ,hand frei genug hat4 ,mein
,paradies ist unter dem ,schatten meines
,schwertes444 ,im ,grunde hatte ich
eine ,maxime ,stendhals prakticirt3 er
rth an1 seinen ,eintritt in die
,gesellschaft mit einem ,duell zu
machen4 ,und wie ich mir meinen ,gegner
gewhlt hatte6 den ersten deutschen
,freigeist6444 ,in der ,that1 eine ganz
neue ,art ,freigeisterei kam damit zum
ersten ,ausdruck3 bis heute ist mir
,nichts fremder und unverwandter als die
ganze europische und amerikanische
,species von libres penseurs4 ,mit ihnen
als mit unverbesserlichen ,flachkpfen
und ,hanswrsten der modernen ,ideen
befinde ich mich sogar in einem tieferen
,zwiespalt als mit ,irgendwem von ihren
,gegnern4 ,sie wollen auch1 auf ihre
,art1 die ,menschheit verbessern1 nach
ihrem ,bilde1 sie wrden gegen das1 was
ich bin1 was ich will1 einen
unvershnlichen ,krieg machen1 gesetzt
dass sie es verstnden1 - sie glauben
allesammt noch ans ,ideal444 ,ich bin
der erste ,immoralist4 #c4 ,dass die
mit den ,namen ,schopenhauer und ,wagner
abgezeichneten ,unzeitgemssen
sonderlich zum ,verstndniss oder auch
nur zur psychologischen ,fragestellung
beider ,flle dienen knnten1 mchte ich
nicht behaupten1 ,einzelnes1 wie billig1
ausgenommen4 ,so wird zum ,beispiel mit
tiefer ,instinkt-,sicherheit bereits
hier das ,elementarische in der ,natur
,wagners als eine
,schauspieler-,begabung bezeichnet1 die
in seinen ,mitteln und ,absichten nur
ihre ,folgerungen zieht4 ,im ,grunde
wollte ich mit diesen ,schriften ,etwas
ganz ,andres als ,psychologie treiben3 -
ein ,problem der ,erziehung ohne
,gleichen1 ein neuer ,begriff der
,selbst-,zucht1 ,selbst-,vertheidigung
bis zur ,hrte1 ein ,weg zur ,grsse und
zu welthistorischen ,aufgaben verlangte
nach seinem ersten ,ausdruck4 ,ins
,grosse gerechnet nahm ich zwei berhmte
und ganz und gar noch unfestgestellte
,typen beim ,schopf1 wie man eine
,gelegenheit beim ,schopf nimmt1 um
,etwas auszusprechen1 um ein ,paar
,formeln1 ,zeichen1 ,sprachmittel mehr
in der ,hand zu haben4 ,dies ist
zuletzt1 mit vollkommen unheimlicher
,sagacitt1 auf ,s4 #ic der dritten
,unzeitgemssen auch angedeutet4
,dergestalt hat sich ,plato des
,sokrates bedient1 als einer ,semiotik
fr ,plato4 - ,jetzt1 wo ich aus einiger
,ferne auf jene ,zustnde zurckblicke1
deren ,zeugniss diese ,schriften sind1
mchte ich nicht verleugnen1 dass sie im
,grunde bloss von mir reden4 ,die
,schrift ,wagner in ,bayreuth ist eine
,vision meiner ,zukunft2 dagegen ist in
,schopenhauer als ,erzieher meine
innerste ,geschichte1 mein ,werden
eingeschrieben4 ,vor ,allem mein
,gelbniss6444 ,was ich heute bin1 wo ich
heute bin - in einer ,hhe1 wo ich nicht
mehr ,mit ,worten1 sondern mit ,blitzen
rede -1 oh wie fern davon war ich
damals noch6 - ,aber ich sah das ,land1
- ich betrog mich nicht einen
,augenblick ber ,weg1 ,meer1 ,gefahr -
und ,erfolg6 ,die grosse ,ruhe im
,versprechen1 dies glckliche
,hinausschaun in eine ,zukunft1 welche
nicht nur eine ,verheissung bleiben
soll6 - ,hier ist jedes ,wort erlebt1
tief1 innerlich2 es fehlt nicht am
,schmerzlichsten1 es sind ,worte darin1
die geradezu blutrnstig sind4 ,aber ein
,wind der grossen ,freiheit blst ber
,alles weg2 die ,wunde selbst wirkt
nicht als ,einwand4 - ,wie ich den
,philosophen verstehe1 als einen
furchtbaren ,explosionsstoff1 vor dem
,alles in ,gefahr ist1 wie ich meinen
,begriff ,philosoph meilenweit abtrenne
von einem ,begriff1 der sogar noch einen
,kant in sich schliesst1 nicht zu reden
von den akademischen ,wiederkuern und
andren ,professoren der ,philosophie3
darber giebt diese ,schrift eine
unschtzbare ,belehrung1 zugegeben
selbst1 dass hier im ,grunde nicht
,schopenhauer als ,erzieher1 sondern
sein ,gegensatz1 ,nietzsche als
,erzieher1 zu ,worte kommt4 - ,in
,anbetracht1 dass damals mein ,handwerk
das eines ,gelehrten war1 und1
vielleicht auch1 dass ich mein ,handwerk
verstand1 ist ein herbes ,stck
,psychologie des ,gelehrten nicht ohne
,bedeutung1 das in dieser ,schrift
pltzlich zum ,vorschein kommt3 es drckt
das ,distanz-,gefhl aus1 die tiefe
,sicherheit darber1 was bei mir
,aufgabe1 was bloss ,mittel1
,zwischenakt und ,nebenwerk sein kann4
,es ist meine ,klugheit1 ,vieles und
vielerorts gewesen zu sein1 um ,eins
werden zu knnen1 - um zu ,einem kommen
zu knnen4 ,ich musste eine ,zeit lang
auch ,gelehrter sein4 -
,menschliches1 ,allzumenschliches4 ,mit
zwei ,fortsetzungen4 #a4
,menschliches1 ,allzumenschliches ist
das ,denkmal einer ,krisis4 ,es heisst
sich ein ,buch fr freie ,geister3 fast
jeder ,satz darin drckt einen ,sieg aus
- ich habe mich mit demselben vom
,unzugehrigen in meiner ,natur
freigemacht4 ,unzugehrig ist mir der
,idealismus3 der ,titel sagt wo ihr
ideale ,dinge seht1 sehe ich -
,menschliches1 ach nur
,allzumenschliches6444 ,ich kenne den
,menschen besser444 - ,in keinem andren
,sinne will das ,wort freier ,geist hier
verstanden werden3 ein frei gewordner
,geist1 der von sich selber wieder
,besitz ergriffen hat4 ,der ,ton1 der
,stimmklang hat sich vllig verndert3 man
wird das ,buch klug1 khl1 unter
,umstnden hart und spttisch finden4
,eine gewisse ,geistigkeit vornehmen
,geschmacks scheint sich bestndig gegen
eine leidenschaftlichere ,strmung auf
dem ,grunde obenauf zu halten4 ,in
diesem ,zusammenhang hat es ,sinn1 dass
es eigentlich die hundertjhrige
,todesfeier ,voltaire's ist1 womit sich
die ,herausgabe des ,buchs schon fr das
,jahr #ahgh gleichsam entschuldigt4
,denn ,voltaire ist1 im ,gegensatz zu
allem1 was nach ihm schrieb1 vor allem
ein grandseigneur des ,geistes3 genau
das1 was ich auch bin4 - ,der ,name
,voltaire auf einer ,schrift von mir -
das war wirklich ein ,fortschritt - zu
mir444 ,sieht man genauer zu1 so
entdeckt man einen unbarmherzigen
,geist1 der alle ,schlupfwinkel kennt1
wo das ,ideal heimisch ist1 - wo es
seine ,burgverliesse und gleichsam seine
letzte ,sicherheit hat4 ,eine ,fackel
in den ,hnden1 die durchaus kein
fackelndes ,licht giebt1 mit einer
schneidenden ,helle wird in diese
,unterwelt des ,ideals hineingeleuchtet4
,es ist der ,krieg1 aber der ,krieg
ohne ,pulver und ,dampf1 ohne
kriegerische ,attitden1 ohne ,pathos und
verrenkte ,gliedmaassen - dies ,alles
selbst wre noch ,idealismus4 ,ein
,irrthum nach dem andern wird gelassen
aufs ,eis gelegt1 das ,ideal wird nicht
widerlegt - es erfriert444 ,hier zum
,beispiel erfriert das ,genie2 eine
,ecke weiter erfriert der ,heilige2
unter einem dicken ,eiszapfen erfriert
der ,held2 am ,schluss erfriert der
,glaube1 die sogenannte berzeugung1 auch
das ,mitleiden khlt sich bedeutend ab -
fast berall erfriert das ,ding an
sich444 #b4 ,die ,anfnge dieses
,buchs gehren mitten in die ,wochen der
ersten ,bayreuther ,festspiele hinein2
eine tiefe ,fremdheit gegen ,alles1 was
mich dort umgab1 ist eine seiner
,voraussetzungen4 ,wer einen ,begriff
davon hat1 was fr ,visionen mir schon
damals ber den ,weg gelaufen waren1 kann
errathen1 wie mir zu ,muthe war1 als
ich eines ,tags in ,bayreuth aufwachte4
,ganz als ob ich trumte444 ,wo war ich
doch8 ,ich erkannte ,nichts wieder1 ich
erkannte kaum ,wagner wieder4 ,umsonst
bltterte ich in meinen ,erinnerungen4
,tribschen - eine ferne ,insel der
,glckseligen3 kein ,schatten von
hnlichkeit4 ,die unvergleichlichen ,tage
der ,grundsteinlegung1 die kleine
zugehrige ,gesellschaft1 die sie feierte
und der man nicht erst ,finger fr zarte
,dinge zu wnschen hatte3 kein ,schatten
von hnlichkeit4 ,was war geschehn8 -
,man hatte ,wagner ins ,deutsche
bersetzt6 ,der ,wagnerianer war ,herr
ber ,wagner geworden6 - ,die deutsche
,kunst6 der deutsche ,meister6 das
deutsche ,bier6444 ,wir ,andern1 die wir
nur zu gut wissen1 zu was fr
raffinirten ,artisten1 zu welchem
,cosmopolitismus des ,geschmacks
,wagners ,kunst allein redet1 waren
ausser uns1 ,wagnern mit deutschen
,tugenden behngt wiederzufinden4 - ,ich
denke1 ich kenne den ,wagnerianer1 ich
habe drei ,generationen erlebt1 vom
seligen ,brendel an1 der ,wagner mit
,hegel verwechselte1 bis zu den
,idealisten der ,bayreuther ,bltter1 die
,wagner mit sich selbst verwechseln1 -
ich habe alle ,art ,bekenntnisse schner
,seelen ber ,wagner gehrt4 ,ein
,knigreich fr ,ein gescheidtes ,wort6 -
,in ,wahrheit1 eine haarstrubende
,gesellschaft6 ,nohl1 ,pohl1 ,kohl mit
,grazie in infinitum6 ,keine ,missgeburt
fehlt darunter1 nicht einmal der
,antisemit4 - ,der arme ,wagner6 ,wohin
war er gerathen6 - ,wre er doch
wenigstens unter die ,sue gefahren6
,aber unter ,deutsche6444 ,zuletzt
sollte man1 zur ,belehrung der
,nachwelt1 einen echten ,bayreuther
ausstopfen1 besser noch in ,spiritus
setzen1 denn an ,spiritus fehlt es -1
mit der ,unterschrift3 so sah der ,geist
aus1 auf den hin man das ,reich
grndete444 ,genug1 ich reiste mitten
drin fr ein paar ,wochen ab1 sehr
pltzlich1 trotzdem dass eine charmante
,pariserin mich zu trsten suchte2 ich
entschuldigte mich bei ,wagner bloss mit
einem fatalistischen ,telegramm4 ,in
einem tief in ,wldern verborgnen ,ort
des ,bhmerwalds1 ,klingenbrunn1 trug ich
meine ,melancholie und
,deutschen-,verachtung wie eine
,krankheit mit mir herum und schrieb von
,zeit zu ,zeit1 unter dem ,gesammttitel
die ,pflugschar1 einen ,satz in mein
,taschenbuch1 lauter harte
,psychologica1 die sich vielleicht in
,menschliches1 ,allzumenschliches noch
wiederfinden lassen4 #c4 ,was sich
damals bei mir entschied1 war nicht etwa
ein ,bruch mit ,wagner - ich empfand
eine ,gesammt-,abirrung meines
,instinkts1 von der der einzelne
,fehlgriff1 heisse er nun ,wagner oder
,basler ,professur1 bloss ein ,zeichen
war4 ,eine ,ungeduld mit mir berfiel
mich2 ich sah ein1 dass es die hchste
,zeit war1 mich auf mich
zurckzubesinnen4 ,mit ,einem ,male war
mir auf eine schreckliche ,weise klar1
wie viel ,zeit bereits verschwendet sei1
- wie nutzlos1 wie willkrlich sich
meine ganze ,philologen-,existenz an
meiner ,aufgabe ausnehme4 ,ich schmte
mich dieser falschen ,bescheidenheit444
,zehn ,jahre hinter mir1 wo ganz
eigentlich die ,ernhrung des ,geistes
bei mir stillgestanden hatte1 wo ich
nichts ,brauchbares hinzugelernt hatte1
wo ich unsinnig ,viel ber einem
,krimskrams verstaubter ,gelehrsamkeit
vergessen hatte4 ,antike ,metriker mit
,akribie und schlechten ,augen
durchkriechen - dahin war es mit mir
gekommen6 - ,ich sah mit ,erbarmen mich
ganz mager1 ganz abgehungert3 die
,realitten fehlten geradezu innerhalb
meines ,wissens und die ,idealitten
taugten den ,teufel was6 - ,ein geradezu
brennender ,durst ergriff mich3 von da
an habe ich in der ,that nichts mehr
getrieben als ,physiologie1 ,medizin und
,naturwissenschaften1 - selbst zu
eigentlichen historischen ,studien bin
ich erst wieder zurckgekehrt1 als die
,aufgabe mich gebieterisch dazu zwang4
,damals errieth ich auch zuerst den
,zusammenhang zwischen einer1
instinktwidrig gewhlten ,thtigkeit1
einem sogenannten ,beruf1 zu dem man am
letzten berufen ist und jenem ,bedrfniss
nach einer ,betubung des de- und
,hungergefhls durch eine narkotische
,kunst1 - zum ,beispiel durch die
,wagnerische ,kunst4 ,bei einem
vorsichtigeren ,umblick habe ich
entdeckt1 dass fr eine grosse ,anzahl
junger ,mnner der gleiche ,nothstand
besteht3 ,eine ,widernatur erzwingt
frmlich eine zweite4 ,in ,deutschland1
im ,reich1 um unzweideutig zu reden1
sind nur zu ,viele verurtheilt1 sich
unzeitig zu entscheiden und dann1 unter
einer unabwerfbar gewordnen ,last1
hinzusiechen444 ,diese verlangen nach
,wagner als nach einem ,opiat1 - sie
vergessen sich1 sie werden sich einen
,augenblick los444 ,was sage ich6 fnf
bis sechs ,stunden6 #d4 ,damals
entschied sich mein ,instinkt
unerbittlich gegen ein noch lngeres
,nachgeben1 ,mitgehn1
,mich-selbst-verwechseln4 ,jede ,art
,leben1 die ungnstigsten ,bedingungen1
,krankheit1 ,armut - ,alles schien mir
jener unwrdigen ,selbstlosigkeit
vorziehenswerth1 in die ich zuerst aus
,unwissenheit1 aus ,jugend gerathen war1
in der ich spter aus ,trgheit1 aus
sogenanntem ,pflichtgefhl hngen
geblieben war4 - ,hier kam mir1 auf eine
,weise1 die ich nicht genug bewundern
kann1 und gerade zur rechten ,zeit jene
schlimme ,erbschaft von ,seiten meines
,vaters her zu ,hlfe1 - im ,grunde eine
,vorbestimmung zu einem frhen ,tode4
,die ,krankheit lste mich langsam
heraus3 sie ersparte mir jeden ,bruch1
jeden gewaltthtigen und anstssigen
,schritt4 ,ich habe kein ,wohlwollen
damals eingebsst und viel noch
hinzugewonnen4 ,die ,krankheit gab mir
insgleichen ein ,recht zu einer
vollkommnen ,umkehr aller meiner
,gewohnheiten2 sie erlaubte1 sie gebot
mir ,vergessen2 sie beschenkte mich mit
der ,nthigung zum ,stillliegen1 zum
,mssiggang1 zum ,warten und
,geduldigsein444 ,aber das heisst ja
denken6444 ,meine ,augen allein machten
ein ,ende mit aller ,bcherwrmerei1 auf
deutsch3 ,philologie3 ich war vom ,buch
erlst1 ich las jahrelang ,nichts mehr -
die grsste ,wohlthat1 die ich mir je
erwiesen habe6 - ,jenes unterste
,selbst1 gleichsam verschttet1 gleichsam
still geworden unter einem bestndigen
,hren-,mssen auf andre ,selbste 7- und
das heisst ja lesen67 erwachte langsam1
schchtern1 zweifelhaft1 - aber endlich
redete es wieder4 ,nie habe ich so viel
,glck an mir gehabt1 als in den krnksten
und schmerzhaftesten ,zeiten meines
,lebens3 man hat nur die ,morgenrthe
oder etwa den ,wanderer und seinen
,schatten sich anzusehn1 um zu
begreifen1 was diese ,rckkehr zu mir
war3 eine hchste ,art von ,genesung
selbst6444 ,die andre folgte bloss
daraus4 #e4 ,menschliches1
,allzumenschliches1 dies ,denkmal einer
rigorsen ,selbstzucht1 mit der ich bei
mir allem eingeschleppten hheren
,schwindel1 ,idealismus1 schnen ,gefhl1
und andren ,weiblichkeiten ein jhes
,ende bereitete1 wurde in allen
,hauptsachen in ,sorrent
niedergeschrieben2 es bekam seinen
,schluss1 seine endgltige ,form in einem
,basler ,winter1 unter ungleich
ungnstigeren ,verhltnissen als denen in
,sorrent4 ,im ,grunde hat ,herr ,peter
,gast1 damals an der ,basler ,universitt
studirend und mir sehr zugethan1 das
,buch auf dem ,gewissen4 ,ich diktirte1
den ,kopf verbunden und schmerzhaft1 er
schrieb ab1 er corrigirte auch1 - er war
im ,grunde der eigentliche
,schriftsteller1 whrend ich bloss der
,autor war4 ,als das ,buch endlich
fertig mir zu ,hnden kam - zur tiefen
,verwunderung eines ,schwerkranken -1
sandte ich1 unter ,anderem1 auch nach
,bayreuth zwei ,exemplare4 ,durch ein
,wunder von ,sinn im ,zufall kam
gleichzeitig bei mir ein schnes
,exemplar des ,parsifal-,textes an1 mit
,wagners ,widmung an mich seinem theuren
,freunde ,friedrich ,nietzsche1
,richard ,wagner1 ,kirchenrath4 - ,diese
,kreuzung der zwei ,bcher - mir war's1
als ob ich einen ominsen ,ton dabei
hrte4 ,klang es nicht1 als ob sich
,degen kreuzten8444 ,jedenfalls
empfanden wir es beide so3 denn wir
schwiegen beide4 - ,um diese ,zeit
erschienen die ersten ,bayreuther
,bltter3 ich begriff1 wozu es hchste
,zeit gewesen war4 - ,unglaublich6
,wagner war fromm geworden444 #f4
,wie ich damals 7#ahgf7 ber mich dachte1
mit welcher ungeheuren ,sicherheit ich
meine ,aufgabe und das ,welthistorische
an ihr in der ,hand hielt1 davon legt
das ganze ,buch1 vor ,allem aber eine
sehr ausdrckliche ,stelle ,zeugniss ab3
nur dass ich1 mit der bei mir
instinktiven ,arglist1 auch hier wieder
das ,wrtchen ich umgieng und dies ,mal
nicht ,schopenhauer oder ,wagner1
sondern einen meiner ,freunde1 den
ausgezeichneten ,dr4 ,paul ,re1 mit
einer welthistorischen ,glorie
berstrahlte - zum ,glck ein viel zu
feines ,thier1 als dass444 ,andre waren
weniger fein3 ich habe die
,hoffnungslosen unter meinen ,lesern1
zum ,beispiel den typischen deutschen
,professor1 immer daran erkannt1 dass
sie1 auf diese ,stelle hin1 das ganze
,buch als hheren ,realismus verstehn zu
mssen glaubten444 ,in ,wahrheit enthielt
es den ,widerspruch gegen fnf1 sechs
,stze meines ,freundes3 man mge darber
die ,vorrede zur ,genealogie der ,moral
nachlesen4 - ,die ,stelle lautet3
welches ist doch der ,hauptsatz1 zu dem
einer der khnsten und kltesten ,denker1
der ,verfasser des ,buchs ber den
,ursprung der moralischen ,empfindungen
7lisez3 ,nietzsche1 der erste
,immoralist7 vermge seiner ein- und
durchschneidenden ,analysen des
menschlichen ,handelns gelangt ist8 ,der
moralische ,mensch steht der
intelligiblen ,welt nicht nher als der
physische - denn es giebt keine
intelligible ,welt444 ,dieser ,satz1
hart und schneidig geworden unter dem
,hammerschlag der historischen
,erkenntniss 7lisez3 ,umwerthung aller
,werthe7 kann vielleicht einmal1 in
irgend welcher ,zukunft - #ahij6 - als
die ,axt dienen1 welche dem
metaphysischen ,bedrfniss der
,menschheit an die ,wurzel gelegt wird1
- ob mehr zum ,segen oder zum ,fluche
der ,menschheit1 wer wsste das zu sagen8
,aber jedenfalls als ein ,satz der
erheblichsten ,folgen1 fruchtbar und
furchtbar zugleich und mit jenem
,doppelblick in die ,welt sehend1
welchen alle grossen ,erkenntnisse
haben444 ,morgenrthe4 ,gedanken ber
die ,moral als ,vorurtheil4 #a4 ,mit
diesem ,buche beginnt mein ,feldzug
gegen die ,moral4 ,nicht dass es den
geringsten ,pulvergeruch an sich htte3 -
man wird ganz andre und viel
lieblichere ,gerche an ihm wahrnehmen1
gesetzt1 dass man einige ,feinheit in
den ,nstern hat4 ,weder grosses1 noch
auch kleines ,geschtz3 ist die ,wirkung
des ,buchs negativ1 so sind es seine
,mittel um so weniger1 diese ,mittel1
aus denen die ,wirkung wie ein ,schluss1
nicht wie ein ,kanonenschuss folgt4
,dass man von dem ,buche ,abschied nimmt
mit einer scheuen ,vorsicht vor ,allem1
was bisher unter dem ,namen ,moral zu
,ehren und selbst zur ,anbetung gekommen
ist1 steht nicht im ,widerspruch damit1
dass im ganzen ,buch kein negatives
,wort vorkommt1 kein ,angriff1 keine
,bosheit1 - dass es vielmehr in der
,sonne liegt1 rund1 glcklich1 einem
,seegethier gleich1 das zwischen ,felsen
sich sonnt4 ,zuletzt war ich's selbst1
dieses ,seegethier3 fast jeder ,satz des
,buchs ist erdacht1 er schlpft in jenem
,felsen-,wirrwarr nahe bei ,genua1 wo
ich allein war und noch mit dem ,meere
,heimlichkeiten hatte4 ,noch jetzt wird
mir1 bei einer zuflligen ,berhrung
dieses ,buchs1 fast jeder ,satz zum
,zipfel1 an dem ich irgend etwas
,unvergleichliches wieder aus der ,tiefe
ziehe3 seine ganze ,haut zittert von
zarten ,schaudern der ,erinnerung4 ,die
,kunst1 die es voraus hat1 ist keine
kleine darin1 ,dinge1 die leicht und
ohne ,gerusch vorbeihuschen1
,augenblicke1 die ich gttliche
,eidechsen nenne1 ein wenig fest zu
machen - nicht etwa mit der ,grausamkeit
jenes jungen ,griechengottes1 der das
arme ,eidechslein einfach anspiesste1
aber immerhin doch mit etwas ,spitzem1
mit der ,feder444 ,es giebt so viele
,morgenrthen1 die noch nicht geleuchtet
haben - diese indische ,inschrift steht
auf der ,thr zu diesem ,buche4 ,wo sucht
sein ,urheber jenen neuen ,morgen1
jenes bisher noch unentdeckte zarte
,roth1 mit dem wieder ein ,tag - ah1
eine ganze ,reihe1 eine ganze ,welt
neuer ,tage6 - anhebt8 ,in einer
,umwerthung aller ,werthe1 in einem
,loskommen von allen ,moralwerthen1 in
einem ,jasagen und ,vertrauen-haben zu
,alledem1 was bisher verboten1
verachtet1 verflucht worden ist4 ,dies
jasagende ,buch strmt sein ,licht1 seine
,liebe1 seine ,zrtlichkeit auf lauter
schlimme ,dinge aus1 es giebt ihnen die
,seele1 das gute ,gewissen1 das hohe
,recht und ,vorrecht auf ,dasein wieder
zurck4 ,die ,moral wird nicht
angegriffen1 sie kommt nur nicht mehr in
,betracht444 ,dies ,buch schliesst mit
einem ,oder81 - es ist das einzige
,buch1 das mit einem ,oder8 schliesst444
#b4 ,meine ,aufgabe1 einen
,augenblick hchster ,selbstbesinnung der
,menschheit vorzubereiten1 einen
grossen ,mittag1 wo sie zurckschaut und
hinausschaut1 wo sie aus der ,herrschaft
des ,zufalls und der ,priester
heraustritt und die ,frage des warum81
des wozu8 zum ersten ,male als ,ganzes
stellt -1 diese ,aufgabe folgt mit
,nothwendigkeit aus der ,einsicht1 dass
die ,menschheit nicht von selber auf dem
rechten ,wege ist1 dass sie durchaus
nicht gttlich regiert wird1 dass
vielmehr gerade unter ihren heiligsten
,werthbegriffen der ,instinkt der
,verneinung1 der ,verderbniss1 der
dcadence-,instinkt verfhrerisch gewaltet
hat4 ,die ,frage nach der ,herkunft der
moralischen ,werthe ist deshalb fr mich
eine ,frage ersten ,ranges1 weil sie
die ,zukunft der ,menschheit bedingt4
,die ,forderung1 man solle glauben1 dass
,alles im ,grunde in den besten ,hnden
ist1 dass ein ,buch1 die ,bibel1 eine
endgltige ,beruhigung ber die gttliche
,lenkung und ,weisheit im ,geschick der
,menschheit giebt1 ist1 zurckbersetzt in
die ,realitt1 der ,wille1 die ,wahrheit
ber das erbarmungswrdige ,gegentheil
davon nicht aufkommen zu lassen1 nmlich1
dass die ,menschheit bisher in den
schlechtesten ,hnden war1 dass sie von
den ,schlechtweggekommenen1 den
,arglistig-,rachschtigen1 den
sogenannten ,heiligen1 diesen
,weltverleumdern und ,menschenschndern1
regiert worden ist4 ,das entscheidende
,zeichen1 an dem sich ergiebt1 dass der
,priester 7- eingerechnet die
versteckten ,priester1 die ,philosophen7
nicht nur innerhalb einer bestimmten
religisen ,gemeinschaft1 sondern
berhaupt ,herr geworden ist1 dass die
dcadence-,moral1 der ,wille zum ,ende1
als ,moral an sich gilt1 ist der
unbedingte ,werth1 der dem
,unegoistischen und die ,feindschaft1
die dem ,egoistischen berall zu ,theil
wird4 ,wer ber diesen ,punkt mit mir
uneins ist1 den halte ich fr inficirt444
,aber alle ,welt ist mit mir uneins444
,fr einen ,physiologen lsst ein solcher
,werth-,gegensatz gar keinen ,zweifel4
,wenn innerhalb des ,organismus das
geringste ,organ in noch so kleinem
,maasse nachlsst1 seine
,selbsterhaltung1 seinen ,kraftersatz1
seinen1 ,egoismus mit vollkommner
,sicherheit durchzusetzen1 so entartet
das ,ganze4 ,der ,physiologe verlangt
,ausschneidung des entartenden ,theils1
er verneint jede ,solidaritt mit dem
,entartenden1 er ist am fernsten vom
,mitleiden mit ihm4 ,aber der ,priester
will gerade die ,entartung des ,ganzen1
der ,menschheit3 darum conservirt er das
,entartende - um diesen ,preis
beherrscht er sie444 ,welchen ,sinn
haben jene ,lgenbegriffe1 die
,hlfsbegriffe der ,moral1 ,seele1
,geist1 freier ,wille1 ,gott1 wenn nicht
den1 die ,menschheit physiologisch zu
ruiniren8444 ,wenn man den ,ernst von
der ,selbsterhaltung1 ,kraftsteigerung
des ,leibes1 das heisst des ,lebens
ablenkt1 wenn man aus der ,bleichsucht
ein ,ideal1 aus der ,verachtung des
,leibes das ,heil der ,seele construirt1
was ist das ,anderes1 als ein ,recept
zur dcadence8 - ,der ,verlust an
,schwergewicht1 der ,widerstand gegen
die natrlichen ,instinkte1 die
,selbstlosigkeit mit ,einem ,worte - das
hiess bisher ,moral444 ,mit der
,morgenrthe nahm ich zuerst den ,kampf
gegen die ,entselbstungs-,moral auf4 -
,die frhliche ,wissenschaft4 7la gaya
scienza7 ,die ,morgenrthe ist ein
jasagendes ,buch1 tief1 aber hell und
gtig4 ,dasselbe gilt noch einmal und im
hchsten ,grade von der gaya scienza3
fast in jedem ,satz derselben halten
sich ,tiefsinn und ,muthwillen zrtlich
an der ,hand4 ,ein ,vers1 welcher die
,dankbarkeit fr den wunderbarsten ,monat
,januar ausdrckt1 den ich erlebt habe -
das ganze ,buch ist sein ,geschenk -
verrth zur ,genge1 aus welcher ,tiefe
heraus hier die ,wissenschaft frhlich
geworden ist3 ,der du mit dem
,flammenspeere ,meiner ,seele ,eis
zertheilt1 ,dass sie brausend nun
zum ,meere ,ihrer hchsten ,hoffnung
eilt3 ,heller stets und stets
gesunder1 ,frei im liebevollsten
,muss ,also preist sie deine
,wunder1 ,schnster ,januarius6 ,was
hier hchste ,hoffnung heisst1 wer kann
darber im ,zweifel sein1 der als
,schluss des vierten ,buchs die
diamantene ,schnheit der ersten ,worte
des ,zarathustra aufglnzen sieht8 -
,oder der die granitnen ,stze am ,ende
des dritten ,buchs liest1 mit denen sich
ein ,schicksal fr alle ,zeiten zum
ersten ,male in ,formeln fasst8 - ,die
,lieder des ,prinzen ,vogelfrei1 zum
besten ,theil in ,sicilien gedichtet1
erinnern ganz ausdrcklich an den
provencialischen ,begriff der gaya
scienza1 an jene ,einheit von ,snger1
,ritter und ,freigeist1 mit der sich
jene wunderbare ,frhkultur der
,provencalen gegen alle zweideutigen
,culturen abhebt2 das allerletzte
,gedicht zumal1 anden ,mistral1 ein
ausgelassenes ,tanzlied1 in dem1 mit
,verlaub6 ber die ,moral hinweggetanzt
wird1 ist ein vollkommner
,provenalismus4 - ,also sprach
,zarathustra4 ,ein ,buch fr ,alle und
,keinen4 #a4 ,ich erzhle nunmehr die
,geschichte des ,zarathustra4 ,die
,grundconception des ,werks1 der
,ewige-,wiederkunfts-,gedanke1 diese
hchste ,formel der ,bejahung1 die
berhaupt erreicht werden kann -1 gehrt
in den ,august des ,jahres #ahha3 er ist
auf ein ,blatt hingeworfen1 mit der
,unterschrift3 #fjjj ,fuss jenseits von
,mensch und ,zeit4 ,ich gieng an jenem
,tage am ,see von ,silvaplana durch die
,wlder2 bei einem mchtigen pyramidal
aufgethrmten ,block unweit ,surlei
machte ich ,halt4 ,da kam mir dieser
,gedanke4 - ,rechne ich von diesem ,tage
ein paar ,monate zurck1 so finde ich1
als ,vorzeichen1 eine pltzliche und im
,tiefsten entscheidende ,vernderung
meines ,geschmacks1 vor ,allem in der
,musik4 ,man darf vielleicht den ganzen
,zarathustra unter die ,musik rechnen2 -
sicherlich war eine ,wiedergeburt in
der ,kunst zu hren1 eine
,vorausbedingung dazu4 ,in einem kleinen
,gebirgsbade unweit ,vicenza1 ,recoaro1
wo ich den ,frhling des ,jahrs #ahha
verbrachte1 entdeckte ich1 zusammen mit
meinem mastro und ,freunde ,peter ,gast1
einem gleichfalls ,wiedergebornen1 dass
der ,phnix ,musik mit leichterem und
leuchtenderem ,gefieder1 als er je
gezeigt1 an uns vorberflog4 ,rechne ich
dagegen von jenem ,tage an vorwrts1 bis
zur pltzlichen und unter den
unwahrscheinlichsten ,verhltnissen
eintretenden ,niederkunft im ,februar
#ahhc - die ,schlusspartie1 dieselbe1
aus der ich im ,vorwort ein paar ,stze
citirt habe1 wurde genau in der heiligen
,stunde fertig gemacht1 in der ,richard
,wagner in ,venedig starb - so ergeben
sich achtzehn ,monate fr die
,schwangerschaft4 ,diese ,zahl gerade
von achtzehn ,monaten drfte den
,gedanken nahelegen1 unter ,buddhisten
wenigstens1 dass ich im ,grunde ein
,elephanten-,weibchen bin4 - ,in die
,zwischenzeit gehrt die gaya scienza1
die hundert ,anzeichen der ,nhe von
etwas ,unvergleichlichem hat2 zuletzt
giebt sie den ,anfang des ,zarathustra
selbst noch1 sie giebt im vorletzten
,stck des vierten ,buchs den
,grundgedanken des ,zarathustra4 -
,insgleichen gehrt in diese
,zwischenzeit jener ,hymnus auf das
,leben 7fr gemischten ,chor und
,orchester71 dessen ,partitur vor zwei
,jahren bei ,e4 ,w4 ,fritzsch in
,leipzig erschienen ist3 ein vielleicht
nicht unbedeutendes ,symptom fr den
,zustand dieses ,jahres1 wo das ja
sagende ,pathos par excellence1 von mir
das tragische ,pathos genannt1 im
hchsten ,grade mir innewohnte4 ,man wird
ihn spter einmal zu meinem ,gedchtniss
singen4 - ,der ,text1 ausdrcklich
bemerkt1 weil ein ,missverstndniss
darber im ,umlauf ist1 ist nicht von
mir3 er ist die erstaunliche
,inspiration einer jungen ,russin1 mit
der ich damals befreundet war1 des
,frulein ,lou von ,salom4 ,wer den
letzten ,worten des ,gedichts berhaupt
einen ,sinn zu entnehmen weiss1 wird
errathen1 warum ich es vorzog und
bewunderte3 sie haben ,grsse4 ,der
,schmerz gilt nicht als ,einwand gegen
das ,leben3 ,hast du kein ,glck mehr
brig mir zu geben1 wohlan6 noch hast du
deine ,pein444 ,vielleicht hat auch
meine ,musik an dieser ,stelle ,grsse4
7,letzte ,note der ,oboe cis nicht c4
,druckfehler47 - ,den darauf folgenden
,winter lebte ich in jener anmuthig
stillen ,bucht von ,rapallo unweit
,genua1 die sich zwischen ,chiavari und
dem ,vorgebirge ,porto fino
einschneidet4 ,meine ,gesundheit war
nicht die beste2 der ,winter kalt und
ber die ,maassen regnerisch2 ein kleines
,albergo1 unmittelbar am ,meer gelegen1
so dass die hohe ,see nachts den
,schlaf unmglich machte1 bot ungefhr in
,allem das ,gegentheil vom
,wnschenswerthen4 ,trotzdem und beinahe
zum ,beweis meines ,satzes1 dass alles
,entscheidende trotzdem1 entsteht1 war
es dieser ,winter und diese ,ungunst der
,verhltnisse1 unter denen mein
,zarathustra entstand4 - ,den ,vormittag
stieg ich in sdlicher ,richtung auf der
herrlichen ,strasse nach ,zoagli hin in
die ,hhe1 an ,pinien vorbei und weitaus
das ,meer berschauend2 des
,nachmittags1 so oft es nur die
,gesundheit erlaubte1 umgieng ich die
ganze ,bucht von ,santa ,margherita bis
hinter nach ,porto fino4 ,dieser ,ort
und diese ,landschaft ist durch die
grosse ,liebe1 welche der unvergessliche
deutsche ,kaiser ,friedrich der ,dritte
fr sie fhlte1 meinem ,herzen noch nher
gerckt2 ich war zufllig im ,herbst #ahhf
wieder an dieser ,kste1 als er zum
letzten ,mal diese kleine vergessne
,welt von ,glck besuchte4 - ,auf diesen
beiden ,wegen fiel mir der ganze erste
,zarathustra ein1 vor ,allem
,zarathustra selber1 als ,typus3
richtiger1 er berfiel mich444 #b4 ,um
diesen ,typus zu verstehn1 muss man
sich zuerst seine physiologische
,voraussetzung klar machen3 sie ist das1
was ich die grosse ,gesundheit nenne4
,ich weiss diesen ,begriff nicht besser1
nicht persnlicher zu erlutern1 als ich
es schon gethan habe1 in einem der
,schlussabschnitte des fnften ,buchs der
gaya scienza4 ,wir ,neuen1 ,namenlosen1
,schlechtverstndlichen - heisst es
daselbst - wir ,frhgeburten einer noch
unbewiesenen ,zukunft1 wir bedrfen zu
einem neuen ,zwecke auch eines neuen
,mittels1 nmlich einer neuen
,gesundheit1 einer strkeren gewitzteren
zheren verwegneren lustigeren1 als alle
,gesundheiten bisher waren4 ,wessen
,seele darnach drstet1 den ganzen
,umfang der bisherigen ,werthe und
,wnschbarkeiten erlebt und alle ,ksten
dieses idealischen ,mittelmeers
umschifft zu haben1 wer aus den
,abenteuern der eigensten ,erfahrung
wissen will1 wie es einem ,eroberer und
,entdecker des ,ideals zu ,muthe ist1
insgleichen einem ,knstler1 einem
,heiligen1 einem ,gesetzgeber1 einem
,weisen1 einem ,gelehrten1 einem
,frommen1 einem ,gttlich-,abseitigen
alten ,stils3 der hat dazu zu allererst
,eins nthig1 die grosse ,gesundheit -
eine solche1 welche man nicht nur hat1
sondern auch bestndig noch erwirbt und
erwerben muss1 weil man sie immer wieder
preisgiebt1 preisgeben muss444 ,und
nun1 nachdem wir lange dergestalt
unterwegs waren1 wir ,argonauten des
,ideals1 muthiger vielleicht als klug
ist und ,oft genug schiffbrchig und zu
,schaden gekommen1 aber1 wie gesagt1
gesnder als man es uns erlauben mchte1
gefhrlich gesund1 immer wieder gesund1 -
will es4 uns scheinen1 als ob wir1 zum
,lohn dafr1 ein noch unentdecktes ,land
vor uns haben1 dessen ,grenzen noch
,niemand abgesehn hat1 ein jenseits
aller bisherigen ,lnder und ,winkel des
,ideals1 eine ,welt so berreich an
,schnem1 ,fremdem1 ,fragwrdigem1
,furchtbarem und ,gttlichem1 dass unsre
,neugierde sowohl als unser ,besitzdurst
ausser sich gerathen sind - ach1 dass
wir nunmehr durch ,nichts mehr zu
ersttigen sind6444 ,wie knnten wir uns1
nach solchen ,ausblicken und mit einem
solchen ,heisshunger in ,wissen und
,gewissen1 noch am gegenwrtigen
,menschen4 gengen lassen8 ,schlimm
genug1 aber es ist unvermeidlich1 dass
wir seinen wrdigsten ,zielen und
,hoffnungen nun mit einem bel aufrecht
erhaltenen ,ernste zusehn und vielleicht
nicht einmal mehr zusehn444 ,ein andres
,ideal luft vor uns her1 ein
wunderliches1 versucherisches1
gefahrenreiches ,ideal1 zu dem wir
,niemanden berreden mchten1 weil wir
,niemandem so leicht das ,recht darauf
zugestehn3 das ,ideal eines ,geistes1
der naiv1 das heisst ungewollt und aus
berstrmender ,flle und ,mchtigkeit mit
,allem spielt1 was bisher heilig1 gut1
unberhrbar1 gttlich hiess2 fr den das
,hchste1 woran das ,volk billigerweise
sein ,werthmaass hat1 bereits so viel
wie ,gefahr1 ,verfall1 ,erniedrigung
oder1 mindestens1 wie ,erholung1
,blindheit1 zeitweiliges
,selbstvergessen bedeuten wrde2 das
,ideal eines menschlich-bermenschlichen
,wohlseins und ,wohlwollens1 welches oft
genug unmenschlich erscheinen wird1 zum
,beispiel1 wenn es sich neben den
ganzen bisherigen ,erdenernst1 neben
alle bisherige ,feierlichkeit in
,gebrde1 ,wort1 ,klang1 ,blick1 ,moral
und ,aufgabe wie deren leibhafteste
unfreiwillige ,parodie hinstellt - und
mit dem1 trotzalledem1 vielleicht der
grosse ,ernst erst anhebt1 das
eigentliche ,fragezeichen erst gesetzt
wird1 das ,schicksal der ,seele sich
wendet1 der ,zeiger rckt1 die ,tragdie
beginnt4 #c4 - ,hat jemand1 ,ende des
neunzehnten ,jahrhunderts1 einen
deutlichen ,begriff davon1 was ,dichter
starker ,zeitalter ,inspiration nannten8
,im andren ,falle will ich's
beschreiben4 ,mit dem geringsten ,rest
von ,aberglauben in sich wrde man in der
,that die ,vorstellung1 bloss
,incarnation1 bloss ,mundstck1 bloss
medium bermchtiger ,gewalten zu sein1
kaum abzuweisen wissen4 ,der ,begriff
,offenbarung1 in dem ,sinn1 dass
pltzlich1 mit unsglicher ,sicherheit und
,feinheit1 ,etwas sichtbar1 hrbar wird1
,etwas1 das ,einen im ,tiefsten
erschttert und umwirft1 beschreibt
einfach den ,thatbestand4 ,man hrt1 man
sucht nicht2 man nimmt1 man fragt nicht1
wer da giebt2 wie ein ,blitz leuchtet
ein ,gedanke auf1 mit ,nothwendigkeit1
in der ,form ohne ,zgern1 - ich habe nie
eine ,wahl gehabt4 ,eine ,entzkkung1
deren ungeheure ,spannung sich mitunter
in einen ,thrnenstrom auslst1 bei der
der ,schritt unwillkrlich bald strmt1
bald langsam wird2 ein vollkommnes
,ausser-sich-sein mit dem distinktesten
,bewusstsein einer ,unzahl feiner
,schauder und berrieselungen bis in die
,fusszehen2 eine ,glckstiefe1 in der das
,schmerzlichste und ,dsterste nicht als
,gegensatz wirkt1 sondern als bedingt1
als herausgefordert1 sondern als eine
nothwendige ,farbe innerhalb eines
solchen ,lichtberflusses2 ein ,instinkt
rhythmischer ,verhltnisse1 der weite
,rume von ,formen berspannt - die ,lnge1
das ,bedrfniss nach einem
weitgespannten ,rhythmus ist beinahe das
,maass fr die ,gewalt der ,inspiration1
eine ,art ,ausgleich gegen deren ,druck
und ,spannung444 ,alles geschieht im
hchsten ,grade unfreiwillig1 aber wie in
einem ,sturme von ,freiheits-,gefhl1
von ,unbedingtsein1 von ,macht1 von
,gttlichkeit444 ,die ,unfreiwilligkeit
des ,bildes1 des ,gleichnisses ist das
,merkwrdigste2 man hat keinen ,begriff
mehr1 was ,bild1 was ,gleichniss ist1
,alles bietet sich als der nchste1 der
richtigste1 der einfachste ,ausdruck4
,es scheint wirklich1 um an ein ,wort
,zarathustra's zu erinnern1 als ob die
,dinge selber herankmen und sich zum
,gleichnisse anbten 7- hier kommen alle
,dinge liebkosend zu deiner ,rede und
schmeicheln dir3 denn sie wollen auf
deinem ,rcken reiten4 ,auf jedem
,gleichniss reitest du hier zu jeder
,wahrheit4 ,hier springen dir alles
,seins ,worte und ,wort-,schreine auf2
alles ,sein will hier ,wort werden1
alles ,werden will von dir reden lernen
-74 ,dies ist meine ,erfahrung von
,inspiration2 ich zweifle nicht1 dass
man ,jahrtausende zurckgehn muss1 um
jemanden zu finden1 der mir sagen darf
es ist auch die meine4 #d4 ,ich lag
ein ,paar ,wochen hinterdrein in ,genua
krank4 ,dann folgte ein schwermthiger
,frhling in ,rom1 wo ich das ,leben
hinnahm - es war nicht leicht4 ,im
,grunde verdross mich dieser fr den
,dichter des ,zarathustra unanstndigste
,ort der ,erde1 den ich nicht freiwillig
gewhlt hatte1 ber die ,maassen2 ich
versuchte loszukommen1 - ich wollte nach
,aquila1 dem ,gegenbegriff von ,rom1
aus ,feindschaft gegen ,rom gegrndet1
wie ich einen ,ort dereinst grnden
werde1 die ,erinnerung an einen
,atheisten und ,kirchenfeind comme il
faut1 an einen meiner ,nchstverwandten1
den grossen ,hohenstaufen-,kaiser
,friedrich den ,zweiten4 ,aber es war
ein ,verhngniss bei dem ,allen3 ich
musste wieder zurck4 ,zuletzt gab ich
mich mit der piazza ,barberini
zufrieden1 nachdem mich meine ,mhe um
eine anti-christliche ,gegend mde
gemacht hatte4 ,ich frchte1 ich habe
einmal1 um schlechten ,gerchen mglichst
aus dem ,wege zu gehn1 im palazzo del
,quirinale selbst nachgefragt1 ob man
nicht ein stilles ,zimmer fr einen
,philosophen habe4 - ,auf einer loggia
hoch ber der genannten piazza1 von der
aus man ,rom bersieht und tief unten die
fontana rauschen hrt1 wurde jenes
einsamste ,lied gedichtet1 das je
gedichtet worden ist1 das ,nachtlied2 um
diese ,zeit gieng immer eine ,melodie
von unsglicher ,schwermuth um mich
herum1 deren ,refrain ich in den ,worten
wiederfand todt vor ,unsterblichkeit444
,im ,sommer1 heimgekehrt zur heiligen
,stelle1 wo der erste ,blitz des
,zarathustra-,gedankens mir geleuchtet
hatte1 fand ich den zweiten
,zarathustra4 ,zehn ,tage gengten2 ich
habe in keinem ,falle1 weder beim
ersten1 noch beim dritten und letzten
mehr gebraucht4 ,im ,winter darauf1
unter dem halkyonischen ,himmel
,nizza's1 der damals zum ersten ,male in
mein ,leben hineinglnzte1 fand ich den
dritten ,zarathustra - und war fertig4
,kaum ein ,jahr1 fr's ,ganze gerechnet4
,viele verborgne ,flecke und ,hhen aus
der ,landschaft ,nizza's sind mir durch
unvergessliche ,augenblicke geweiht2
jene entscheidende ,partie1 welche den
,titel von alten und neuen ,tafeln trgt1
wurde im beschwerlichsten ,aufsteigen
von der ,station zu dem wunderbaren
maurischen ,felsenneste ,eza gedichtet1
- die ,muskel-,behendheit war bei mir
immer am grssten1 wenn die schpferische
,kraft am reichsten floss4 ,der ,leib
ist begeistert3 lassen wir die ,seele
aus dem ,spiele444 ,man hat mich oft
tanzen sehn knnen2 ich konnte damals1
ohne einen ,begriff von ,ermdung1
sieben1 acht ,stunden auf ,bergen
unterwegs sein4 ,ich schlief gut1 ich
lachte viel -1 ich war von einer
vollkommnen ,rstigkeit und ,geduld4
#e4 ,abgesehn von diesen
,zehn-,tage-,werken waren die ,jahre
whrend und vor ,allem nach dem
,zarathustra ein ,nothstand ohne
,gleichen4 ,man bsst es theuer1
unsterblich zu sein3 man stirbt dafr
mehrere ,male bei ,lebzeiten4 - ,es
giebt ,etwas1 das ich die rancune des
,grossen nenne3 alles ,grosse1 ein
,werk1 eine ,that1 wendet sich1 einmal
vollbracht1 unverzglich gegen den1 der
sie that4 ,ebendamit1 dass er sie that1
ist er nunmehr schwach - er hlt seine
,that nicht mehr aus1 er sieht ihr nicht
mehr in's ,gesicht4 ,etwas hinter sich
zu haben1 das man nie wollen durfte1
,etwas1 worin der ,knoten im ,schicksal
der ,menschheit eingeknpft ist - und es
nunmehr auf sich haben6444 ,es zerdrckt
beinahe44 - ,die rancune des ,grossen6 -
,ein ,andres ist die schauerliche
,stille1 die man um sich hrt4 ,die
,einsamkeit hat sieben ,hute2 es geht
,nichts mehr hindurch4 ,man kommt zu
,menschen1 man begrsst ,freunde3 neue
de1 kein ,blick grsst mehr4 ,im besten
,falle eine ,art ,revolte4 ,eine solche
,revolte erfuhr ich1 in sehr
verschiednem ,grade1 aber fast von
,jedermann1 der mir nahe stand2 es
scheint1 dass ,nichts tiefer beleidigt
als pltzlich eine ,distanz merken zu
lassen1 - die vornehmen ,naturen1 die
nicht zu leben wissen1 ohne zu verehren1
sind selten4 - ,ein ,drittes ist die
absurde ,reizbarkeit der ,haut gegen
kleine ,stiche1 eine ,art ,hlflosigkeit
vor allem ,kleinen4 ,diese scheint mir
in der ungeheuren ,verschwendung aller
,defensiv-,krfte bedingt1 die jede
schpferische ,that1 jede ,that aus dem
,eigensten1 ,innersten1 ,untersten
heraus zur ,voraussetzung hat4 ,die
kleinen ,defensiv-,vermgen sind damit
gleichsam ausgehngt2 es fliesst ihnen
keine ,kraft mehr zu4 - ,ich wage noch
anzudeuten1 dass man schlechter verdaut1
ungern sich bewegt1 den ,frostgefhlen1
auch dem ,misstrauen allzu offen steht1
- dem ,misstrauen1 das in vielen ,fllen
bloss ein tiologischer ,fehlgriff ist4
,in einem solchen ,zustande empfand ich
einmal die ,nhe einer ,kuhheerde1 durch
,wiederkehr milderer1
menschenfreundlicherer ,gedanken1 noch
bevor ich sie sah3 das hat ,wrme in
sich444 #f4 ,dieses ,werk steht
durchaus fr sich4 ,lassen wir die
,dichter bei ,seite3 es ist vielleicht
berhaupt nie ,etwas aus einem gleichen
berfluss von ,kraft heraus gethan
worden4 ,mein ,begriff dionysisch wurde
hier hchste ,that2 an ihr gemessen
erscheint der ganze ,rest von
menschlichem ,thun als arm und bedingt4
,dass ein ,goethe1 ein ,shakespeare
nicht einen ,augenblick in dieser
ungeheuren ,leidenschaft und ,hhe zu
athmen wissen wrde1 dass ,dante1 gegen
,zarathustra gehalten1 bloss ein
,glubiger ist und nicht ,einer1 der die
,wahrheit erst schafft1 ein
weltregierender ,geist1 ein ,schicksal
dass die ,dichter des ,veda ,priester
sind und nicht einmal wrdig1 die
,schuhsohlen eines ,zarathustra zu lsen1
das ist ,alles das ,wenigste und giebt
keinen ,begriff von der ,distanz1 von
der azurnen ,einsamkeit1 in der dies
,werk lebt4 ,zarathustra hat ein ewiges
,recht zu sagen3 ich schliesse ,kreise
um mich und heilige ,grenzen2 immer
,wenigere steigen mit mir auf immer
hhere ,berge1 - ich baue ein ,gebirge
aus immer heiligeren ,bergen4 ,man
rechne den ,geist und die ,gte aller
grossen ,seelen in ,eins3 alle zusammen
wren nicht im ,stande1 ,eine ,rede
,zarathustras hervorzubringen4 ,die
,leiter ist ungeheuer1 auf der er auf
und nieder steigt2 er hat weiter gesehn1
weiter gewollt1 weiter gekonnt1 als
irgend ein ,mensch4 ,er widerspricht mit
jedem ,wort1 dieser jasagendste aller
,geister2 in ihm sind alle ,gegenstze zu
einer neuen ,einheit gebunden4 ,die
hchsten und die untersten ,krfte der
menschlichen ,natur1 das ,ssseste1
,leichtfertigste und ,furchtbarste strmt
aus ,einem ,born mit unsterblicher
,sicherheit hervor4 ,man weiss bis dahin
nicht1 was ,hhe1 was ,tiefe ist2 man
weiss noch weniger1 was ,wahrheit ist4
,es ist kein ,augenblick in dieser
,offenbarung der ,wahrheit1 der schon
vorweggenommen1 von ,einem der ,grssten
errathen worden wre4 ,es giebt keine
,weisheit1 keine ,seelen-,erforschung1
keine ,kunst zu reden vor ,zarathustra2
das ,nchste1 das ,alltglichste redet
hier von unerhrten ,dingen4 ,die
,sentenz von ,leidenschaft zitternd2 die
,beredsamkeit ,musik geworden2 ,blitze
vorausgeschleudert nach bisher
unerrathenen ,zuknften4 ,die mchtigste
,kraft zum ,gleichniss1 die bisher da
war1 ist arm und ,spielerei gegen diese
,rckkehr der ,sprache zur ,natur der
,bildlichkeit4 - ,und wie ,zarathustra
herabsteigt und zu ,jedem das ,gtigste
sagt6 ,wie er selbst seine ,widersacher1
die ,priester1 mit zarten ,hnden
anfasst und mit ihnen an ihnen leidet6 -
,hier ist in jedem ,augenblick der
,mensch berwunden1 der ,begriff
bermensch ward hier hchste ,realitt1 -
in einer unendlichen ,ferne liegt alles
das1 was bisher gross am ,menschen
hiess1 unter ihm4 ,das ,halkyonische1
die leichten ,fsse1 die ,allgegenwart
von ,bosheit und bermuth und was sonst
,alles typisch ist fr den ,typus
,zarathustra4 ist nie getrumt worden als
wesentlich zur ,grsse4 ,zarathustra
fhlt sich gerade in diesem ,umfang an
,raum1 in dieser ,zugnglichkeit zum
,entgegengesetzten als die hchste ,art
alles ,seienden2 und wenn man hrt1 wie
er diese definirt1 so wird man darauf
verzichten1 nach seinem ,gleichniss zu
suchen4 - die ,seele1 welche die lngste
,leiter hat und am tiefsten hinunter
kann1 die umfnglichste ,seele1 welche
am weitesten in sich laufen und irren
und schweifen kann1 die nothwendigste1
welche sich mit ,lust in den ,zufall
strzt1 die seiende ,seele1 welche ins
,werden1 die habende1 welche ins ,wollen
und ,verlangen will - die sich selber
fliehende1 welche sich selber in
weitesten ,kreisen einholt1 die
weiseste ,seele1 welcher die ,narrheit
am sssesten zuredet1 die sich selber
liebendste1 in der alle ,dinge ihr
,strmen und ,wiederstrmen und ,ebbe und
,fluth haben - - ,aber das ist der
,begriff des ,dionysos selbst4 ,eben
dahin fhrt eine andre ,erwgung4 ,das
psychologische ,problem im ,typus des
,zarathustra ist1 wie der1 welcher in
einem unerhrten ,grade ,nein sagt1 ,nein
thut1 zu ,allem1 wozu man bisher ,ja
sagte1 trotzdem der ,gegensatz eines
neinsagenden ,geistes sein kann2 wie der
das ,schwerste von ,schicksal1 ein
,verhngniss von ,aufgabe tragende ,geist
trotzdem der leichteste und
jenseitigste sein kann - ,zarathustra
ist ein ,tnzer -2 wie der1 welcher die
hrteste1 die furchtbarste ,einsicht in
die ,realitt hat1 welcher den
abgrndlichsten ,gedanken gedacht hat1
trotzdem darin keinen ,einwand gegen das
,dasein1 selbst nicht gegen dessen
ewige ,wiederkunft findet1 - vielmehr
einen ,grund noch hinzu1 das ewige ,ja
zu allen ,dingen selbst zu sein1 das
ungeheure unbegrenzte ,ja- und
,amen-sagen444 ,in alle ,abgrnde trage
ich noch mein segnendes ,jasagen444
,aber das ist der ,begriff des ,dionysos
noch einmal4 #g4 - ,welche ,sprache
wird ein solcher ,geist reden1 wenn er
mit sich allein redet8 ,die ,sprache des
,dithyrambus4 ,ich bin der ,erfinder
des ,dithyrambus4 ,man hre1 wie
,zarathustra vor ,sonnenaufgang 7,,iii1
#ah7 mit sich redet3 ein solches
smaragdenes ,glck1 eine solche gttliche
,zrtlichkeit hatte noch keine ,zunge vor
mir4 ,auch die tiefste ,schwermuth
eines solchen ,dionysos wird noch
,dithyrambus2 ich nehme1 zum ,zeichen1
das ,nachtlied1 die unsterbliche ,klage1
durch die berflle von ,licht und
,macht1 durch seine ,sonnen-,natur1
verurtheilt zu sein1 nicht zu lieben4
,nacht ist es3 nun reden lauter alle
springenden ,brunnen4 ,und auch meine
,seele ist ein springender ,brunnen4
,nacht ist es3 nun erst erwachen alle
,lieder der ,liebenden4 ,und auch meine
,seele ist das ,lied eines ,liebenden4
,ein ,ungestilltes1 ,unstillbares ist in
mir1 das will laut werden4 ,eine
,begierde nach ,liebe ist in mir1 die
redet selber die ,sprache der ,liebe4
,licht bin ich3 ach dass ich ,nacht wre6
,aber dies ist meine ,einsamkeit1 dass
ich von ,licht umgrtet bin4 ,ach1 dass
ich dunkel wre und nchtig6 ,wie wollte
ich an den ,brsten des ,lichts saugen6
,und euch selber wollte ich noch segnen1
ihr kleinen ,funkelsterne und
,leuchtwrmer droben6 - und selig sein ob
eurer ,licht-,geschenke4 ,aber ich
lebe in meinem eignen ,lichte1 ich
trinke die ,flammen in mich zurck1 die
aus mir brechen4 ,ich kenne das ,glck
des ,nehmenden nicht2 und oft trumte mir
davon1 dass ,stehlen noch seliger sein
msse als ,nehmen4 ,das ist meine
,armuth1 dass meine ,hand niemals
ausruht vom ,schenken2 das ist mein
,neid1 dass ich wartende ,augen sehe und
die erhellten ,nchte der ,sehnsucht4
,oh ,unseligkeit aller ,schenkenden6 ,oh
,verfinsterung meiner ,sonne6 ,oh
,begierde nach ,begehren6 ,oh
,heisshunger in der ,sttigung6 ,sie
nehmen von mir3 aber rhre ich noch an
ihre ,seele8 ,eine ,kluft ist zwischen
,nehmen und ,geben2 und die kleinste
,kluft ist am letzten zu berbrcken4
,ein ,hunger wchst aus meiner ,schnheit3
wehethun mchte ich denen1 welchen ich
leuchte1 berauben mchte ich meine
,beschenkten1 - also hungere ich nach
,bosheit4 ,die ,hand zurckziehend1 wenn
sich schon ihr die ,hand
entgegenstreckt2 dem ,wasserfall gleich1
der noch im ,sturze zgert3 also hungere
ich nach ,bosheit4 ,solche ,rache
sinnt meine ,flle aus1 solche ,tcke
quillt aus meiner ,einsamkeit4 ,mein
,glck im ,schenken erstarb im ,schenken1
meine ,tugend wurde ihrer selber mde an
ihrem berflusse6 ,wer immer schenkt1
dessen ,gefahr ist1 dass er die ,scham
verliere2 wer immer austheilt1 dessen
,hand und ,herz hat ,schwielen vor
lauter ,austheilen4 ,mein ,auge quillt
nicht mehr ber vor der ,scham der
,bittenden2 meine ,hand wurde zu hart fr
das ,zittern gefllter ,hnde4 ,wohin
kam die ,thrne meinem ,auge und der
,flaum meinem ,herzen8 ,oh ,einsamkeit
aller ,schenkenden6 ,oh ,schweigsamkeit
aller ,leuchtenden6 ,viel ,sonnen
kreisen im den ,raume3 zu ,allem1 was
dunkel ist1 reden sie mit ihrem ,lichte
- mir schweigen sie4 ,oh dies ist die
,feindschaft des ,lichts gegen
,leuchtendes3 erbarmungslos wandelt es
seine ,bahnen4 ,unbillig gegen
,leuchtendes im tiefsten ,herzen1 kalt
gegen ,sonnen - also wandelt jede
,sonne4 ,einem ,sturme gleich wandeln
die ,sonnen ihre ,bahnen1 ihrem
unerbittlichen ,willen folgen sie1 das
ist ihre ,klte4 ,oh ihr erst seid es1
ihr ,dunklen1 ihr ,nchtigen1 die ihr
,wrme schafft aus ,leuchtendem6 ,oh ihr
erst trinkt euch ,milch und ,labsal aus
des ,lichtes ,eutern6 ,ach1 ,eis ist um
mich1 meine ,hand verbrennt sich an
,eisigem6 ,ach1 ,durst ist in mir1 der
schmachtet nach eurem ,durste4 ,nacht
ist es3 ach dass ich ,licht sein muss6
,und ,durst nach ,nchtigem6 ,und
,einsamkeit6 ,nacht ist es3 nun bricht
wie ein ,born aus mir mein ,verlangen1 -
nach ,rede verlangt mich4 ,nacht ist
es3 nun reden lauter alle springenden
,brunnen4 ,und auch meine ,seele ist ein
springender ,brunnen4 ,nacht ist es3
nun erwachen alle ,lieder der
,liebenden4 ,und auch meine ,seele ist
das ,lied eines ,liebenden4 - #h4
,dergleichen ist nie gedichtet1 nie
gefhlt1 nie gelitten worden3 so leidet
ein ,gott1 ein ,dionysos4 ,die ,antwort
auf einen solchen ,dithyrambus der
,sonnen-,vereinsamung im ,lichte wre
,ariadne444 ,wer weiss ausser mir1 was
,ariadne ist6444 ,von allen solchen
,rthseln hatte ,niemand bisher die
,lsung1 ich zweifle1 dass je jemand auch
hier nur ,rthsel sah4 - ,zarathustra
bestimmt einmal1 mit ,strenge1 seine
,aufgabe - es ist auch die meine -1 dass
man sich ber den ,sinn nicht vergreifen
kann3 er ist ja sagend bis zur
,rechtfertigung1 bis zur ,erlsung auch
alles ,vergangenen4 ,ich wandle unter
,menschen als unter ,bruchstcken der
,zukunft3 jener ,zukunft1 die ich
schaue4 ,und das ist all mein ,dichten
und ,trachten1 dass ich in ,eins dichte
und zusammentrage1 was ,bruchstck ist
und ,rthsel und grauser ,zufall4 ,und
wie ertrge ich es ,mensch zu sein1 wenn
der ,mensch nicht auch ,dichter und
,rthselrather und ,erlser des ,zufalls
wre8 ,die ,vergangnen zu erlsen und
alles ,es war umzuschaffen in ein ,so
wollte ich es6 das hiesse mir erst
,erlsung4 ,an einer andren ,stelle
bestimmt er so streng als mglich1 was fr
ihn allein der ,mensch sein kann - kein
,gegenstand der ,liebe oder gar des
,mitleidens - auch ber den grossen ,ekel
am ,menschen ist ,zarathustra ,herr
geworden3 der ,mensch ist ihm eine
,unform1 ein ,stoff1 ein hsslicher
,stein1 der des ,bildners bedarf4
,nicht-mehr-wollen und
,nicht-mehr-schtzen und
,nicht-mehr-schaffen3 oh dass diese
grosse ,mdigkeit mir stets ferne bleibe6
,auch im ,erkennen fhle ich nur meines
,willens ,zeuge- und ,werdelust2 und
wenn ,unschuld in meiner ,erkenntniss
ist1 so geschieht dies1 weil ,wille zur
,zeugung in ihr ist4 ,hinweg von ,gott
und ,gttern lockte mich dieser ,wille3
was wre denn zu schaffen1 wenn ,gtter -
da wren8 ,aber zum ,menschen treibt er
mich stets von ,neuem1 mein inbrnstiger
,schaffens-,wille2 so treibt's den
,hammer hin zum ,steine4 ,ach1 ihr
,menschen1 im ,steine schlft mir ein
,bild1 das ,bild der ,bilder6 ,ach1 dass
es im hrtesten1 hsslichsten ,steine
schlafen muss6 ,nun wthet mein ,hammer
grausam gegen sein ,gefngniss4 ,vom
,steine stuben ,stcke3 was schiert mich
das6 ,vollenden will ich's1 denn ein
,schatten kam zu mir1 - aller ,dinge
,stillstes und ,leichtestes kam einst zu
mir6 ,des bermenschen ,schnheit kam zu
mir als ,schatten3 was gehen mich noch
- die ,gtter an6444 ,ich hebe einen
letzten ,gesichtspunkt hervor3 der
unterstrichne ,vers giebt den ,anlass
hierzu4 ,fr eine dionysische ,aufgabe
gehrt die ,hrte des ,hammers1 die ,lust
selbstam ,vernichten in entscheidender
,weise zu den ,vorbedingungen4 ,der
,imperativ werdet hart61 die unterste
,gewissheit darber1 dass alle
,schaffenden hart sind1 ist das
eigentliche ,abzeichen einer
dionysischen ,natur4 - ,jenseits von
,gut und ,bse4 ,vorspiel einer
,philosophie der ,zukunft4 #a4 ,die
,aufgabe fr die nunmehr folgenden ,jahre
war so streng als mglich vorgezeichnet4
,nachdem der jasagende ,theil meiner
,aufgabe gelst war1 kam die neinsagende1
neinthuende ,hlfte derselben an die
,reihe3 die ,umwerthung der bisherigen
,werthe selbst1 der grosse ,krieg1 - die
,heraufbeschwrung eines ,tags der
,entscheidung4 ,hier ist eingerechnet
der langsame ,umblick nach ,verwandten1
nach ,solchen1 die aus der ,strke heraus
,zum ,vernichten mir die ,hand bieten
wrden4 - ,von da an sind alle meine
,schriften ,angelhaken3 vielleicht
verstehe ich mich so gut als jemand auf
,angeln8444 ,wenn ,nichts sich fieng1 so
liegt die ,schuld nicht an mir4 ,die
,fische fehlten444 #b4 ,dies ,buch
7#ahhf7 ist in allem ,wesentlichen eine
,kritik der ,modernitt1 die modernen
,wissenschaften1 die modernen ,knste1
selbst die moderne ,politik nicht
ausgeschlossen1 nebst ,fingerzeigen zu
einem ,gegensatz-,typus1 der so wenig
modern als mglich ist1 einem vornehmen1
einem jasagenden ,typus4 ,im letzteren
,sinne ist das ,buch eine ,schule des
gentilhomme1 der ,begriff geistiger und
radikaler genommen als er je genommen
worden ist4 ,man muss ,muth im ,leibe
haben1 ihn auch nur auszuhalten1 man
muss das ,frchten nicht gelernt haben444
,alle die ,dinge1 worauf das ,zeitalter
stolz ist1 werden als ,widerspruch zu
diesem ,typus empfunden1 als schlechte
,manieren beinahe1 die berhmte
,objektivitt zum ,beispiel1 das
,mitgefhl mit allem ,leidenden1 der
historische ,sinn mit seiner
,unterwrfigkeit vor fremdem ,geschmack1
mit seinem ,auf-dem-,bauch-liegen vor
petits faits1 die ,wissenschaftlichkeit4
- ,erwgt man1 dass das ,buch nach dem
,zarathustra folgt1 so errth man
vielleicht auch das ditetische rgime1
dem es eine ,entstehung verdankt4 ,das
,auge1 verwhnt durch eine ungeheure
,nthigung fern zu sehn - ,zarathustra
ist weitsichtiger noch als der ,czar -1
wird hier gezwungen1 das ,nchste1 die
,zeit1 das ,um-uns scharf zu fassen4
,man wird in allen ,stcken1 vor ,allem
auch in der ,form1 eine gleiche
willkrliche ,abkehr von den ,instinkten
finden1 aus denen ein ,zarathustra
mglich wurde4 ,das ,raffinement in
,form1 in ,absicht1 in der ,kunst des
,schweigens1 ist im ,vordergrunde1 die
,psychologie wird mit eingestndlicher
,hrte und ,grausamkeit gehandhabt1 - das
,buch entbehrt jedes gutmthigen
,worts444 ,alles das erholt3 wer errth
zuletzt1 welche ,art ,erholung eine
solche ,verschwendung von ,gte1 wie der
,zarathustra ist1 nthig macht8444
,theologisch geredet - man hre zu1 denn
ich rede selten als ,theologe - war es
,gott selber1 der sich als ,schlange am
,ende seines ,tagewerks unter den ,baum
der ,erkenntniss legte3 er erholte sich
so davon1 ,gott zu sein444 ,er hatte
,alles zu schn gemacht444 ,der ,teufel
ist bloss der ,mssiggang ,gottes an
jedem siebenten ,tage444 ,genealogie
der ,moral4 ,eine ,streitschrift4 ,die
drei ,abhandlungen1 aus denen diese
,genealogie besteht1 sind vielleicht in
,hinsicht auf ,ausdruck1 ,absicht und
,kunst der berraschung1 das
,unheimlichste1 was bisher geschrieben
worden ist4 ,dionysos ist1 man weiss es1
auch der ,gott der ,finsterniss4 -
,jedes ,mal ein ,anfang1 der irre fhren
soll1 khl1 wissenschaftlich1 ironisch
selbst1 absichtlich ,vordergrund1
absichtlich hinhaltend4 ,allmhlich mehr
,unruhe2 vereinzeltes ,wetterleuchten2
sehr unangenehme ,wahrheiten aus der
,ferne her mit dumpfem ,gebrumm laut
werdend1 - bis endlich ein tempo feroce
erreicht ist1 wo ,alles mit ungeheurer
,spannung vorwrts treibt4 ,am ,schluss
jedes ,mal1 unter vollkommen
schauerlichen ,detonationen1 eine neue
,wahrheit zwischen dicken ,wolken
sichtbar4 - ,die ,wahrheit der ersten
,abhandlung ist die ,psychologie des
,christenthums3 die ,geburt des
,christenthums aus dem ,geiste des
,ressentiment1 nicht1 wie wohl geglaubt1
wird1 aus dem ,geiste1 - eine
,gegenbewegung ihrem ,wesen nach1 der
grosse ,aufstand gegen die ,herrschaft
vornehmer ,werthe4 ,die zweite
,abhandlung giebt die ,psychologie des
,gewissens3 dasselbe ist nicht1 wie wohl
geglaubt wird1 die ,stimme ,gottes im
,menschen1 - es ist der ,instinkt der
,grausamkeit1 der sich rckwrts wendet1
nachdem er nicht mehr nach aussen hin
sich entladen kann4 ,die ,grausamkeit
als einer der ltesten und
unwegdenkbarsten ,cultur-,untergrnde
hier zum ersten ,male ans ,licht
gebracht4 ,die dritte ,abhandlung giebt
die ,antwort auf die ,frage1 woher die
ungeheure ,macht des asketischen
,ideals1 des ,priester-,ideals1 stammt1
obwohl dasselbe das schdliche ,ideal par
excellence1 ein ,wille zum ,ende1 ein
dcadence-,ideal ist4 ,antwort3 nicht1
weil ,gott hinter den ,priestern thtig
ist1 was wohl geglaubt wird1 sondern
faute de mieux1 - weil es das einzige
,ideal bisher war1 weil es keinen
,concurrenten hatte4 ,denn der ,mensch
will lieber noch das ,nichts wollen als
nicht wollen444 ,vor allem fehlte ein
,gegen-,ideal - bis auf ,zarathustra4 -
,man hat mich verstanden4 ,drei
entscheidende ,vorarbeiten eines
,psychologen fr eine ,umwerthung aller
,werthe4 - ,dies ,buch enthlt die erste
,psychologie des ,priesters4
,gtzen-,dmmerung4 ,wie man mit dem
,hammer philosophirt4 #a4 ,diese
,schrift von noch nicht #aej ,seiten1
heiter und verhngnissvoll im ,ton1 ein
,dmon1 welcher lacht -1 das ,werk von so
wenig ,tagen1 dass ich ,anstand nehme1
ihre ,zahl zu nennen1 ist unter ,bchern
berhaupt die ,ausnahme3 es giebt nichts
,substanzenreicheres1 ,unabhngigeres1
,umwerfenderes1 - ,bseres4 ,will man
sich kurz einen ,begriff davon geben1
wie vor mir ,alles auf dem ,kopfe stand1
so mache man den ,anfang mit dieser
,schrift4 ,das1 was ,gtze auf dem
,titelblatt heisst1 ist ganz einfach
das1 was bisher ,wahrheit genannt wurde4
,gtzen- ,dmmerung - auf deutsch3 es
geht zu ,ende mit der alten ,wahrheit444
#b4 ,es giebt keine ,realitt1 keine
,idealitt1 die in dieser ,schrift nicht
berhrt wrde 7- berhrt3 was fr ein
vorsichtiger ,euphemismus64447 ,nicht
bloss die ewigen ,gtzen1 auch die
allerjngsten1 folglich altersschwchsten4
,die modernen ,ideen zum ,beispiel4
,ein grosser ,wind blst zwischen den
,bumen1 und berall fallen ,frchte nieder
- ,wahrheiten4 ,es ist die
,verschwendung eines allzureichen
,herbstes darin3 man stolpert ber
,wahrheiten1 man tritt selbst einige
todt1 - es sind ihrer zu viele444 ,was
man aber in die ,hnde bekommt1 das ist
nichts ,fragwrdiges mehr1 das sind
,entscheidungen4 ,ich erst habe den
,maassstab fr ,wahrheiten in der ,hand1
ich kann erst entscheiden4 ,wie als ob
in mir ein zweites ,bewusstsein
gewachsen wre1 wie als ob sich in mir
der ,wille ein ,licht angezndet htte ber
die schiefe ,bahn1 auf der er bisher
abwrts lief444 ,die schiefe ,bahn - man
nannte sie den ,weg zur ,wahrheit444 ,es
ist zu ,ende mit allem dunklen ,drang1
der gute ,mensch gerade war sich am
wenigsten des rechten ,wegs bewusst444
,und allen ,ernstes1 ,niemand wusste vor
mir den rechten ,weg1 den ,weg aufwrts3
erst von mir an giebt es wieder
,hoffnungen1 ,aufgaben1 vorzuschreibende
,wege der ,cultur - ich bin deren
froher ,botschafter444 ,eben damit bin
ich auch ein ,schicksal4 - - #c4
,unmittelbar nach ,beendigung des eben
genannten ,werks und ohne auch nur einen
,tag zu verlieren1 griff ich die
ungeheure ,aufgabe der ,umwerthung an1
in einem souverainen ,gefhl von ,stolz1
dem ,nichts gleichkommt1 jeden
,augenblick meiner ,unsterblichkeit
gewiss und ,zeichen fr ,zeichen mit der
,sicherheit eines ,schicksals in eherne
,tafeln grabend4 ,das ,vorwort entstand
am #c4 ,september #ahhh3 als ich
,morgens1 nach dieser ,niederschrift1
ins ,freie trat1 fand ich den schnsten
,tag vor mir1 den das ,oberengadin mir
je gezeigt hat - durchsichtig1 glhend in
den ,farben1 alle ,gegenstze1 alle
,mitten zwischen ,eis und ,sden in sich
schliessend4 - ,erst am #bj4 ,september
verliess ich ,sils-,maria1 durch
berschwemmungen zurckgehalten1 ,zuletzt
bei weitem der einzige ,gast dieses
wunderbaren ,orts1 dem meine
,dankbarkeit das ,geschenk eines
unsterblichen ,namens machen will4 ,nach
einer ,reise mit ,zwischenfllen1 sogar
mit einer ,lebensgefahr im berschwemmten
,como1 das ich erst tief in der ,nacht
erreichte1 kam ich am ,nachmittag des
#ba4 in ,turin an1 meinem bewiesenen
,ort1 meiner ,residenz von nun an4 ,ich
nahm die gleiche ,wohnung wieder1 die
ich im ,frhjahr innegehabt hatte1 via
,carlo ,alberto #f1 ,,iii1 gegenber dem
mchtigen palazzo ,carignano1 in dem
,vittore ,emanuele geboren ist1 mit dem
,blick auf die piazza ,carlo ,alberto
und drber hinaus aufs ,hgelland4 ,ohne
,zgern und ohne mich einen ,augenblick
abziehn zu lassen1 gieng ich wieder an
die ,arbeit3 es war nur das letzte
,viertel des ,werks noch abzuthun4 ,am
#cj1 ,september grosser ,sieg2
,beendigung der ,umwerthung2 ,mssiggang
eines ,gottes am ,po entlang4 ,am
gleichen ,tage schrieb ich noch das
,vorwort zur ,gtzen-,dmmerung1 deren
,druckbogen zu corrigiren meine
,erholung im ,september gewesen war4 -
,ich habe nie einen solchen ,herbst
erlebt1 auch nie ,etwas der ,art auf
,erden fr mglich gehalten1 - ein ,claude
,lorrain ins ,unendliche gedacht1 jeder
,tag von gleicher unbndiger
,vollkommenheit4 ,der ,fall ,wagner4
,ein ,musikanten-,problem4 #a4 ,um
dieser ,schrift gerecht zu werden1 muss
man am ,schicksal der ,musik wie an
einer offnen ,wunde leiden4 - ,woran ich
leide1 wenn ich am ,schicksal der
,musik leide8 ,daran1 dass die ,musik um
ihren weltverklrenden1 jasagenden
,charakter gebracht worden ist1 - dass
sie dcadence-,musik und nicht mehr die
,flte des ,dionysos ist444 ,gesetzt
aber1 dass man dergestalt die ,sache der
,musik wie seine eigene ,sache1 wie
seine eigene ,leidensgeschichte fhlt1 so
wird man diese ,schrift voller
,rcksichten und ber die ,maassen mild
finden4 ,in solchen ,fllen heiter sein
und sich gutmthig mit verspotten -
ridendo dicere severum1 wo das verum
dicere jede ,hrte rechtfertigen wrde -
ist die ,humanitt selbst4 ,wer zweifelt
eigentlich daran1 dass ich1 als der alte
,artillerist1 der ich bin1 es in der
,hand habe1 gegen ,wagner mein schweres
,geschtz aufzufahren8 - ,ich hielt alles
,entscheidende in dieser ,sache bei mir
zurck1 - ich habe ,wagner geliebt4 -
,zuletzt liegt ein ,angriff auf einen
feineren ,unbekannten1 den nicht leicht
ein ,anderer errth1 im ,sinn und ,wege
meiner ,aufgabe - oh ich habe noch ganz
andre ,unbekannte aufzudecken als einen
,cagliostro der ,musik - noch mehr
freilich ein ,angriff auf die in
geistigen ,dingen immer trger und
instinktrmer1 immer ehrlicher werdende
deutsche ,nation1 die mit einem
beneidenswerthen ,appetit fortfhrt1 sich
von ,gegenstzen zu nhren und den
,glauben so gut wie die
,wissenschaftlichkeit1 die christliche
,liebe so gut wie den ,antisemitismus1
den ,willen zur ,macht 7zum ,reich7 so
gut wie das vangile des humbles ohne
,verdauungsbeschwerden
hinunterschluckt444 ,dieser ,mangel an
,partei zwischen ,gegenstzen6 diese
stomachische ,neutralitt und
,selbstlosigkeit6 ,dieser gerechte ,sinn
des deutschen ,gaumens1 der ,allem
gleiche ,rechte giebt1 - der ,alles
schmackhaft findet444 ,ohne allen
,zweifel1 die ,deutschen sind
,idealisten444 ,als ich das letzte ,mal
,deutschland besuchte1 fand ich den
deutschen ,geschmack bemht1 ,wagnern und
dem ,trompeter von ,sckingen gleiche
,rechte zuzugestehn2 ich selber war
eigenhndig ,zeuge1 wie man in ,leipzig1
zu ,ehren eines der echtesten und
deutschesten ,musiker1 im alten ,sinne
des ,wortes deutsch1 keines blossen
,reichsdeutschen1 es ,meister ,heinrich
,schtz einen ,liszt-,verein grndete1 mit
dem ,zweck der ,pflege und ,verbreitung
listiger ,kirchenmusik444 ,ohne allen
,zweifel1 die ,deutschen sind
,idealisten444 #b4 ,aber hier soll
mich ,nichts hindern1 grob zu werden und
den ,deutschen ein paar harte
,wahrheiten zu sagen3 wer thut es sonst8
- ,ich rede von ihrer ,unzucht in
historicis4 ,nicht nur1 dass den
deutschen ,historikern der grosse ,blick
fr den ,gang1 fr die ,werthe der
,cultur gnzlich abhanden gekommen ist1
dass sie allesammt ,hanswrste der
,politik 7oder der ,kirche -7 sind3
dieser grosse ,blick ist selbst von
ihnen in ,acht gethan4 ,man muss vorerst
deutsch sein1 ,rasse sein1 dann kann
man ber alle ,werthe und ,unwerthe in
historicis entscheiden - man setzt sie
fest444 ,deutsch ist ein ,argument1
,deutschland1 ,deutschland ber ,alles
ein ,princip1 die ,germanen sind die
sittliche ,weltordnung in der
,geschichte2 im ,verhltniss zum imperium
romanum die ,trger der ,freiheit1 im
,verhltniss zum achtzehnten ,jahrhundert
die ,wiederhersteller der ,moral1 des
kategorischen ,imperativs1444 ,es giebt
eine reichsdeutsche
,geschichtsschreibung1 es giebt1 frchte
ich1 selbst eine antisemitische1 - es
giebt eine ,hof-,geschichtsschreibung
und ,herr von ,treitschke schmt sich
nicht444 ,jngst machte ein
,idioten-,urtheil in historicis1 ein
,satz des zum ,glck verblichenen
sthetischen ,schwaben ,vischer1 die
,runde durch die deutschen ,zeitungen
als eine ,wahrheit1 zu der jeder
,deutsche ,ja sagen msse3 ,die
,renaissance und die ,reformation1
,beide zusammen machen erst ein ,ganzes
- die aesthetische ,wiedergeburt und die
sittliche ,wiedergeburt4 - ,bei solchen
,stzen geht es mit meiner ,geduld zu
,ende1 und ich spre ,lust1 ich fhle es
selbst als ,pflicht1 den ,deutschen
einmal zu sagen1 was sie ,alles schon
auf dem ,gewissen haben4 ,alle grossen
,cultur-,verbrechen von vier
,jahrhunderten haben sie auf dem
,gewissen6444 ,und immer aus dem
gleichen ,grunde1 aus ihrer
innerlichsten ,feigheit vor der
,realitt1 die auch die ,feigheit vor der
,wahrheit ist1 aus ihrer bei ihnen
,instinkt gewordnen ,unwahrhaftigkeit1
aus ,idealismus444 ,die ,deutschen haben
,europa um die ,ernte1 um den ,sinn der
letzten grossen ,zeit1 der
,renaissance-,zeit1 gebracht1 in einem
,augenblicke1 wo eine hhere ,ordnung der
,werthe1 wo die vornehmen1 die zum
,leben jasagenden1 die
,zukunft-verbrgenden ,werthe am ,sitz
der entgegengesetzten1 der
,niedergangs-,werthe zum ,sieg gelangt
waren - und bis in die ,instinkte der
dort ,sitzenden hinein6 ,luther1 dies
,verhngniss von ,mnch1 hat die ,kirche1
und1 was tausend ,mal schlimmer ist1 das
,christenthum wiederhergestellt1 im
,augenblick1 wo es unterlag444 ,das
,christenthum1 diese ,religion gewordne
,verneinung des ,willens zum ,leben6444
,luther1 ein unmglicher ,mnch1 der1 aus
,grnden seiner ,unmglichkeit1 die
,kirche angriff und sie - folglich6 -
wiederherstellte444 ,die ,katholiken
htten ,grnde1 ,lutherfeste zu feiern1
,lutherspiele zu dichten444 ,luther -
und die sittliche ,wiedergeburt6 ,zum
,teufel mit aller ,psychologie6 ,ohne
,zweifel1 die ,deutschen sind
,idealisten4 ,die ,deutschen haben zwei
,mal1 als eben mit ungeheurer
,tapferkeit und ,selbstberwindung eine
rechtschaffne1 eine unzweideutige1 eine
vollkommen wissenschaftliche ,denkweise
erreicht war1 ,schleichwege zum alten
,ideal1 ,vershnungen zwischen ,wahrheit
und ,ideal1 im ,grunde ,formeln fr ein
,recht auf ,ablehnung der ,wissenschaft1
fr ein ,recht auf ,lge zu finden
gewusst4 ,leibniz und ,kant - diese zwei
grssten ,hemmschuhe der intellektuellen
,rechtschaffenheit ,europa's6 - ,die
,deutschen haben endlich1 als auf der
,brcke zwischen zwei
dcadence-,jahrhunderten eine force
majeure von ,genie und ,wille sichtbar
wurde1 stark genug1 aus ,europa eine
,einheit1 eine politische und
wirtschaftliche ,einheit1 zum ,zweck der
,erdregierung zu schaffen1 mit ihren
,freiheits-,kriegen ,europa um den
,sinn1 um das ,wunder von ,sinn in der
,existenz ,napoleon's gebracht1 - sie
haben damit ,alles1 was kam1 was heute
da ist1 auf dem ,gewissen1 diese
culturwidrigste ,krankheit und
,unvernunft1 die es giebt1 den
,nationalismus1 diese nvrose nationale1
an der ,europa krank ist1 diese
,verewigung der ,kleinstaaterei
,europas1 der kleinen ,politik3 sie
haben ,europa selbst um seinen ,sinn1 um
seine ,vernunft - sie haben es in eine
,sackgasse gebracht4 - ,weiss jemand
ausser mir einen ,weg aus dieser
,sackgasse8444 ,eine ,aufgabe gross
genug1 die ,vlker wieder zu binden8444
#c4 - ,und zuletzt1 warum sollte ich
meinem ,verdacht nicht ,worte geben8
,die ,deutschen werden auch in meinem
,falle wieder ,alles versuchen1 um aus
einem ungeheuren ,schicksal eine ,maus
zu gebren4 ,sie haben sich bis jetzt an
mir compromittirt1 ich zweifle1 dass sie
es in ,zukunft besser machen4 - ,ah was
es mich verlangt1 hier ein schlechter
,prophet zu sein6444 ,meine natrlichen
,leser und ,hrer sind jetzt schon
,russen1 ,skandinavier und ,franzosen1 -
werden sie es immer mehr sein8 - ,die
,deutschen sind in die ,geschichte der
,erkenntniss mit lauter zweideutigen
,namen eingeschrieben1 sie haben immer
nur unbewusste ,falschmnzer
hervorgebracht 7- ,fichte1 ,schelling1
,schopenhauer1 ,hegel1 ,schleiermacher
gebhrt dies ,wort so gut wie ,kant und
,leibniz1 es sind ,alles blosse
,schleiermacher -73 sie sollen nie die
,ehre haben1 dass der erste
rechtschaffne ,geist in der ,geschichte
des ,geistes1 der ,geist1 in dem die
,wahrheit zu ,gericht kommt ber die
,falschmnzerei von vier ,jahrtausenden1
mit dem deutschen ,geiste in ,eins
gerechnet wird4 ,der deutsche ,geist ist
meine schlechte ,luft3 ich athme schwer
in der ,nhe dieser ,instinkt gewordnen
,unsauberkeit in psychologicis1 die
jedes ,wort1 jede ,miene eines
,deutschen verrth4 ,sie haben nie ein
siebzehntes ,jahrhundert harter
,selbstprfung durchgemacht wie die
,franzosen1 ein ,la ,rochefoucauld1 ein
,descartes sind hundert ,mal in
,rechtschaffenheit den ersten ,deutschen
berlegen1 - sie haben bis heute keinen
,psychologen gehabt4 ,aber ,psychologie
ist beinahe der ,maassstab der
,reinlichkeit oder ,unreinlichkeit einer
,rasse444 ,und wenn man nicht einmal
reinlich ist1 wie sollte man ,tiefe
haben8 ,man kommt beim ,deutschen1
beinahe wie beim ,weibe1 niemals auf den
,grund1 er hat keinen3 das ist ,alles4
,aber damit ist man noch nicht einmal
flach4 - ,das1 was in ,deutschland tief
heisst1 ist genau diese
,instinkt-,unsauberkeit gegen sich1 von
der ich eben rede3 man will ber sich
nicht im ,klaren sein4 ,drfte ich das
,wort deutsch nicht als internationale
,mnze fr diese psychologische
,verkommenheit in ,vorschlag bringen8 -
,in diesem ,augenblick zum ,beispiel
nennt es der deutsche ,kaiser seine
christliche ,pflicht1 die ,sklaven in
,afrika zu befreien3 unter uns andren
,europern hiesse das dann einfach
deutsch444 ,haben die ,deutschen auch
nur ,ein ,buch hervorgebracht1 das
,tiefe htte8 ,selbst der ,begriff dafr1
was tief an einem ,buch ist1 geht ihnen
ab4 ,ich habe ,gelehrte kennen gelernt1
die ,kant fr tief hielten2 am
preussischen ,hofe1 frchte ich1 hlt man
,herrn von ,treitschke fr tief4 ,und
wenn ich ,stendhal gelegentlich als
tiefen ,psychologen rhme1 ist es mir mit
deutschen ,universittsprofessoren
begegnet1 dass sie mich den ,namen
buchstabieren liessen444 #d4 - ,und
warum sollte ich nicht bis ans ,ende
gehn8 ,ich liebe es1 reinen ,tisch zu
machen4 ,es gehrt selbst zu meinem
,ehrgeiz1 als ,verchter der ,deutschen
par excellence zu gelten4 ,mein
,misstrauen gegen den deutschen
,charakter habe ich schon mit
sechsundzwanzig ,jahren ausgedrckt
7dritte ,unzeitgemsse ,s4 #ga7 - die
,deutschen sind fr mich unmglich4 ,wenn
ich mir eine ,art ,mensch ausdenke1 die
allen meinen ,instinkten zuwiderluft1 so
wird immer ein ,deutscher daraus4 ,das
,erste1 worauf hin ich mir einen
,menschen nierenprfe1 ist1 ob er ein
,gefhl fr ,distanz im ,leibe hat1 ob er
berall ,rang1 ,grad1 ,ordnung zwischen
,mensch und ,mensch sieht1 ob er
distinguirt damit ist man gentilhomme2
in jedem andren ,fall gehrt man
rettungslos unter den weitherzigen1 ach6
so gutmthigen ,begriff der canaille4
,aber die ,deutschen sind canaille -
ach6 sie sind so gutmthig444 ,man
erniedrigt sich durch den ,verkehr mit
,deutschen3 der ,deutsche stellt
gleich444 ,rechne ich meinen ,verkehr
mit einigen ,knstlern1 vor ,allem mit
,richard ,wagner ab1 so habe ich keine
gute ,stunde mit ,deutschen verlebt444
,gesetzt1 dass der tiefste ,geist aller
,jahrtausende unter ,deutschen
erschiene1 irgend eine ,retterin des
,capitols wrde whnen1 ihre sehr unschne
,seele kme zum ,mindesten ebenso in
,betracht444 ,ich halte diese ,rasse
nicht aus1 mit der man immer in
schlechter ,gesellschaft ist1 die keine
,finger fr nuances hat - wehe mir6 ich
bin eine nuance -1 die keinen esprit in
den ,fssen hat und nicht einmal gehen
kann444 ,die ,deutschen haben zuletzt
gar keine ,fsse1 sie haben bloss
,beine444 ,den ,deutschen geht jeder
,begriff davon ab1 wie gemein sie sind1
aber das ist der ,superlativ der
,gemeinheit1 - sie schmen sich nicht
einmal1 bloss ,deutsche zu sein444 ,sie
reden ber ,alles mit1 sie halten sich
selbst fr entscheidend1 ich frchte1 sie
haben selbst ber mich entschieden444 -
,mein ganzes ,leben ist der ,beweis de
rigueur fr diese ,stze4 ,umsonst1 dass
ich in ihm nach einem ,zeichen von
,takt1 von dlicatesse gegen mich suche4
,von ,juden ja1 noch nie von ,deutschen4
,meine ,art will es1 dass ich gegen
,jedermann mild und wohlwollend bin ich
habe ein ,recht dazu1 keine
,unterschiede zu machen dies hindert
nicht1 dass ich die ,augen offen habe4
,ich nehme ,niemanden aus1 am wenigsten
meine ,freunde1 - ich hoffe zuletzt1
dass dies meiner ,humanitt gegen sie
keinen ,abbruch gethan hat6 ,es giebt
fnf1 sechs ,dinge1 aus denen ich mir
immer eine ,ehrensache gemacht habe4 -
,trotzdem bleibt wahr1 dass ich fast
jeden ,brief1 der mich seit ,jahren
erreicht1 als einen ,cynismus empfinde3
es liegt mehr ,cynismus im ,wohlwollen
gegen mich als in irgend welchem
,hass444 ,ich sage es jedem meiner
,freunde ins ,gesicht1 dass er es nie
der ,mhe fr werth genug hielt1 irgend
eine meiner ,schriften zu studieren2 ich
errathe aus den kleinsten ,zeichen1
dass sie nicht einmal wissen1 was drin
steht4 ,was gar meinen ,zarathustra
anbetrifft1 wer von meinen ,freunden
htte mehr darin gesehn als eine
unerlaubte1 zum ,glck vollkommen
gleichgltige ,anmaassung8444 ,zehn
,jahre3 und ,niemand in ,deutschland hat
sich eine ,gewissensschuld daraus
gemacht1 meinen ,namen gegen das absurde
,stillschweigen zu vertheidigen1 unter
dem er vergraben lag3 ein ,auslnder1 ein
,dne war es1 der zuerst dazu genug
,feinheit des ,instinkts und ,muth
hatte1 der sich ber meine angeblichen
,freunde emprte444 ,an welcher deutschen
,universitt wren heute ,vorlesungen ber
meine ,philosophie mglich1 wie sie
letztes ,frhjahr der damit noch einmal
mehr bewiesene ,psycholog ,dr4 ,georg
,brandes in ,kopenhagen gehalten hat8 -
,ich selber habe nie an ,alledem
gelitten2 das ,nothwendige verletzt mich
nicht2 amor fati ist meine innerste
,natur4 ,dies schliesst aber nicht aus1
dass ich die ,ironie liebe1 sogar die
welthistorische ,ironie4 ,und so habe
ich1 zwei ,jahre ungefhr vor dem
zerschmetternden ,blitzschlag der
,umwerthung1 der die ,erde in
,convulsionen versetzen wird1 den ,fall
,wagner in die ,welt geschickt3 die
,deutschen sollten sich noch einmal
unsterblich an mir vergreifen und
verewigen6 es ist gerade noch ,zeit
dazu6 - ,ist das erreicht8 - ,zum
,entzcken1 meine ,herrn ,germanen6 ,ich
mache ,ihnen mein ,compliment444 ,soeben
schreibt mir noch1 damit auch die
,freunde nicht fehlen1 eine alte
,freundin1 sie lache jetzt ber mich444
,und dies in einem ,augenblicke1 wo eine
unsgliche ,verantwortlichkeit auf mir
liegt1 - wo kein ,wort zu zart1 kein
,blick ehrfurchtsvoll genug gegen' mich
sein kann4 ,denn ich trage das
,schicksal der ,menschheit auf der
,schulter4 - ,warum ich ein
,schicksal bin4 #a4 ,ich kenne mein
,loos4 ,es wird sich einmal an meinen
,namen die ,erinnerung an etwas
,ungeheures anknpfen1 - an eine ,krisis1
wie es keine auf ,erden gab1 an die
tiefste ,gewissens,collision1 an eine
,entscheidung heraufbeschworen gegen
,alles1 was bis dahin geglaubt1
gefordert1 geheiligt worden war4 ,ich
bin kein ,mensch1 ich bin ,dynamit4 -
,und mit ,alledem ist ,nichts in mir von
einem ,religionsstifter - ,religionen
sind ,pbel-,affairen1 ich habe nthig1
mir die ,hnde nach der ,berhrung mit
religisen ,menschen zu waschen444 ,ich
will keine ,glubigen1 ich denke1 ich bin
zu boshaft dazu1 um an mich selbst zu
glauben1 ich rede niemals zu ,massen444
,ich habe eine erschreckliche ,angst
davor1 dass man mich eines ,tags heilig
spricht3 man wird errathen1 weshalb ich
dies ,buch vorher herausgebe1 es soll
verhten1 dass man ,unfug mit mir
treibt444 ,ich will kein ,heiliger sein1
lieber noch ein ,hanswurst444
,vielleicht bin ich ein ,hanswurst444
,und trotzdem oder vielmehr nicht
trotzdem denn es gab nichts ,verlogneres
bisher als ,heilige - redet aus mir die
,wahrheit4 - ,aber meine ,wahrheit ist
furchtbar3 denn man hiess bisher die
,lge ,wahrheit4 - ,umwerthung aller
,werthe3 das ist meine ,formel fr einen
,akt hchster ,selbstbesinnung der
,menschheit1 der in mir ,fleisch und
,genie geworden ist4 ,mein ,loos will1
dass ich der erste anstndige ,mensch
sein muss1 dass ich mich gegen die
,verlogenheit von ,jahrtausenden im
,gegensatz weiss444 ,ich erst habe die
,wahrheit entdeckt1 dadurch dass ich
zuerst die ,lge als ,lge empfand -
roch444 ,mein ,genie ist in meinen
,nstern444 ,ich widerspreche1 wie nie
widersprochen worden ist und bin
trotzdem der ,gegensatz eines
neinsagenden ,geistes4 ,ich bin ein
froher ,botschafter1 wie es keinen gab
ich kenne ,aufgaben von einer ,hhe1 dass
der ,begriff dafr bisher gefehlt hat2
erst von mir an giebt es wieder
,hoffnungen4 ,mit ,alledem bin ich
nothwendig auch der ,mensch des
,verhngnisses4 ,denn wenn die ,wahrheit
mit der ,lge von ,jahrtausenden in
,kampf tritt1 werden wir ,erschtterungen
haben1 einen ,krampf von ,erdbeben1
eine ,versetzung von ,berg und ,thal1
wie dergleichen nie getrumt worden ist4
,der ,begriff ,politik ist dann gnzlich
in einen ,geisterkrieg aufgegangen1 alle
,machtgebilde der alten ,gesellschaft
sind in die ,luft gesprengt - sie ruhen
allesamt auf der ,lge3 es wird ,kriege
geben1 wie es noch keine auf ,erden
gegeben hat4 ,erst von mir an giebt es
auf ,erden grosse ,politik4 #b4 ,will
man eine ,formel fr ein solches
,schicksal1 das ,mensch wird8 - ,sie
steht in meinem ,zarathustra4 - und wer
ein ,schpfer sein will im ,guten und
,bsen1 der muss ein ,vernichter erst
sein und ,werthe zerbrechen4 ,also
gehrt das hchste ,bse zur hchsten ,gte3
diese aber ist die schpferische4 ,ich
bin bei weitem der furchtbarste ,mensch1
den es bisher gegeben hat2 dies
schliesst nicht aus1 dass ich der
wohlthtigste sein werde4 ,ich kenne die
,lust am ,vernichten in einem ,grade1
die meiner ,kraft zum ,vernichten gemss
ist1 - in ,beidem gehorche ich meiner
dionysischen ,natur1 welche das
,neinthun nicht vom ,jasagen zu trennen
weiss4 ,ich bin der erste ,immoralist3
damit bin ich der ,vernichter par
excellence4 - #c4 ,man hat mich nicht
gefragt1 man htte mich fragen sollen1
was gerade in meinem ,munde1 im ,munde
des ersten ,immoralisten1 der ,name
,zarathustra bedeutet3 denn was die
ungeheure ,einzigkeit jenes ,persers in
der ,geschichte ausmacht1 ist gerade
dazu das ,gegentheil4 ,zarathustra hat
zuerst im ,kampf des ,guten und des
,bsen das eigentliche ,rad im ,getriebe
der ,dinge gesehn1 - die bersetzung der
,moral in's ,metaphysische1 als ,kraft1
,ursache1 ,zweck an sich1 ist sein
,werk4 ,aber diese ,frage wre im ,grunde
bereits die ,antwort4 ,zarathustra1
schuf diesen verhngnissvollsten
,irrthum1 die ,moral3 folglich muss er
auch der ,erste sein1 der ihn erkennt4
,nicht nur1 dass er hier lnger und mehr
,erfahrung hat als sonst ein ,denker -
die ganze ,geschichte ist ja die
,experimental-,widerlegung vom ,satz der
sogenannten sittlichen ,weltordnung -3
das ,wichtigere ist1 ,zarathustra ist
wahrhaftiger als sonst ein ,denker4
,seine ,lehre und sie allein hat die
,wahrhaftigkeit als oberste ,tugend -
das heisst den ,gegensatz zur ,feigheit
des ,idealisten1 der vor der ,realitt
die ,flucht ergreift1 ,zarathustra hat
mehr ,tapferkeit im ,leibe als alle
,denker zusammengenommen4 ,wahrheit
reden und gut mit ,pfeilen schiessen1
das ist die persische ,tugend4 -
,versteht man mich8444 ,die
,selbstberwindung der ,moral aus
,wahrhaftigkeit1 die ,selbstberwindung
des ,moralisten in seinen ,gegensatz -
in mich - das bedeutet in meinem ,munde
der ,name ,zarathustra4 #d4 ,im
,grunde sind es zwei ,verneinungen1 die
mein ,wort ,immoralist in sich
schliesst4 ,ich verneine einmal einen
,typus ,mensch1 der bisher als der
hchste galt1 die ,guten1 die
,wohlwollenden1 ,wohltthigen2 ich
verneine andrerseits eine ,art ,moral1
welche als ,moral an sich in ,geltung
und ,herrschaft gekommen ist1 die
dcadence-,moral1 handgreiflicher
geredet1 die christliche ,moral4 ,es wre
erlaubt1 den zweiten ,widerspruch als
den entscheidenderen anzusehn1 da die
berschtzung der ,gte und des
,wohlwollens1 ins ,grosse gerechnet1 mir
bereits als ,folge der dcadence gilt1
als ,schwche-,symptom1 als unvertrglich
mit einem aufsteigenden und jasagenden
,leben3 im ,jasagen ist ,verneinen und
,vernichten ,bedingung4 - ,ich bleibe
zunchst bei der ,psychologie des guten
,menschen stehn4 ,um abzuschtzen1 was
ein ,typus ,mensch werth ist1 muss man
den ,preis nachrechnen1 den seine
,erhaltung kostet1 - muss man seine
,existenzbedingungen kennen4 ,die
,existenz-,bedingung der ,guten ist die
,lge -3 anders ausgedrckt1 das
,nicht-sehn-wollen um jeden ,preis1 wie
im ,grunde die ,realitt beschaffen ist1
nmlich nicht der ,art1 um jeder ,zeit
wohlwollende ,instinkte herauszufordern1
noch weniger der ,art1 um sich ein
,eingreifen von kurzsichtigen gutmthigen
,hnden jeder ,zeit gefallen zu lassen4
,die ,nothstnde aller ,art berhaupt als
,einwand1 als ,etwas1 das man abschaffen
muss1 betrachten1 ist die niaiserie par
excellence1 ins ,grosse gerechnet1 ein
wahres ,unheil in seinen ,folgen1 ein
,schicksal von ,dummheit -1 beinahe so
dumm1 als es der ,wille wre1 das
schlechte ,wetter abzuschaffen - aus
,mitleiden etwa mit den armen ,leuten444
,in der grossen konomie des ,ganzen
sind die ,furchtbarkeiten der ,realitt
7in den ,affekten1 in den ,begierden1 im
,willen zur ,macht7 in einem
unausrechenbaren ,maasse nothwendiger
als jene ,form des kleinen ,glcks1 die
sogenannte ,gte2 man muss sogar
nachsichtig sein1 um der letzteren1 da
sie in der ,instinkt-,verlogenheit
bedingt ist1 berhaupt einen ,platz zu
gnnen4 ,ich werde einen grossen ,anlass
haben1 die ber die ,maassen unheimlichen
,folgen des ,optimismus1 dieser
,ausgeburt der homines optimi1 fr die
ganze ,geschichte zu beweisen4
,zarathustra1 der ,erste1 der begriff1
dass der ,optimist ebenso dcadent ist
wie der ,pessimist und vielleicht
schdlicher1 sagt3 gute ,menschen reden
nie die ,wahrheit4 ,falsche ,ksten und
,sicherheiten lehrten euch die ,guten2
in ,lgen der ,guten wart ihr geboren und
geborgen4 ,alles ist in den ,grund
hinein verlogen und verbogen durch die
,guten4 ,die ,welt ist zum ,glck nicht
auf ,instinkte hin gebaut1 dass gerade
bloss gutmthiges ,heerdengethier darin
sein enges ,glck fnde2 zu fordern1 dass
,alles guter ,mensch1 ,heerdenthier1
blauugig1 wohlwollend1 schne ,seele -
oder1 wie ,herr ,herbert ,spencer es
wnscht1 altruistisch werden solle1
hiesse dem ,dasein seinen grossen
,charakter nehmen1 hiesse die
,menschheit castriren und auf eine
armselige ,chineserei herunterbringen4 -
,und dies hat man versucht6 44 ,dies
eben hiess man ,moral444 ,in diesem
,sinne nennt ,zarathustra die ,guten
bald die letzten ,menschen1 bald den
,anfang vom ,ende2 vor ,allem empfindet
er sie als die schdlichste ,art ,mensch1
weil sie ebenso auf ,kosten der
,wahrheit als auf ,kosten der ,zukunft
ihre ,existenz durchsetzen4 ,die ,guten
- die knnen nicht schaffen1 die sind
immer der ,anfang vom ,ende - - sie
kreuzigen den1 der neue ,werthe auf neue
,tafeln schreibt1 sie opfern sich die
,zukunft1 sie kreuzigen alle
,menschen-,zukunft6 ,die ,guten - die
waren immer der ,anfang vom ,ende444
,und was auch fr ,schaden die
,welt-,verleumder thun mgen1 der
,schaden der ,guten ist der schdlichste
,schaden4 #e4 ,zarathustra1 der erste
,psycholog der ,guten1 ist - folglich
ein ,freund der ,bsen4 ,wenn eine
dcadence-,art ,mensch zum ,rang der
hchsten ,art aufgestiegen ist1 so konnte
dies nur auf ,kosten ihrer
,gegensatz-,art geschehn1 der starken
und lebensgewissen ,art ,mensch4 ,wenn
das ,heerdenthier im ,glanze der
reinsten ,tugend strahlt1 so muss der
,ausnahme-,mensch zum ,bsen
heruntergewerthet sein4 ,wenn die
,verlogenheit um jeden ,preis das ,wort
,wahrheit fr ihre ,optik in ,anspruch
nimmt1 so muss der eigentlich
,wahrhaftige unter den schlimmsten
,namen wiederzufinden sein4 ,zarathustra
lsst hier keinen ,zweifel3 er sagt1 die
,erkenntniss der ,guten1 der ,besten
gerade sei es gewesen1 was ihm ,grausen
vor dem ,menschen berhaupt gemacht habe2
aus diesem ,widerwillen seien ihm die
,flgel gewachsen1 fortzuschweben in
ferne ,zuknfte1 - er verbirgt es nicht1
dass sein ,typus ,mensch1 ein relativ
bermenschlicher ,typus1 gerade im
,verhltniss zu den ,guten bermenschlich
ist1 dass die ,guten und ,gerechten
seinen bermenschen ,teufel nennen
wrden444 ,ihr hchsten ,menschen1 denen
mein ,auge begegnete1 das ist mein
,zweifel an euch und mein heimliches
,lachen3 ich rathe1 ihr wrdet meinen
bermenschen - ,teufel heissen6 ,so
fremd seid ihr dem ,grossen mit eurer
,seele1 dass euch der bermensch
furchtbar sein wrde in seiner ,gte444
,an dieser ,stelle und nirgends wo
anders muss man den ,ansatz machen1 um
zu begreifen1 was ,zarathustra will3
diese ,art ,mensch1 die er concipirt1
concipirt die ,realitt1 wie sie ist3 sie
ist stark genug dazu -1 sie ist ihr
nicht entfremdet1 entrckt1 sie ist sie
selbst1 sie hat all deren ,furchtbares
und ,fragwrdiges auch noch in sich1
damit erst kann der ,mensch ,grsse
haben444 #f4 - ,aber ich habe auch
noch in einem andren ,sinne das ,wort
,immoralist zum ,abzeichen1 zum
,ehrenzeichen fr mich gewhlt2 ich bin
stolz darauf1 dies ,wort zu haben1 das
mich gegen die ganze ,menschheit abhebt4
,niemand noch hat die christliche
,moral als unter sich gefhlt3 dazu
gehrte eine ,hhe1 ein ,fernblick1 eine
bisher ganz unerhrte psychologische
,tiefe und ,abgrndlichkeit4 ,die
christliche ,moral war bisher die ,circe
aller ,denker1 - sie standen in ihrem
,dienst4 - ,wer ist vor mir eingestiegen
in die ,hhlen1 aus denen der ,gifthauch
dieser ,art von ,ideal - der
,weltverleumdung6 - emporquillt8 ,wer
hat auch nur zu ahnen gewagt1 dass es
,hhlen sind8 ,wer war berhaupt vor mir
unter den ,philosophen ,psycholog und
nicht vielmehr dessen ,gegensatz hherer
,schwindler ,idealist8 ,es gab vor mir
noch gar keine ,psychologie4 - ,hier der
,erste zu sein kann ein ,fluch sein1 es
ist jedenfalls ein ,schicksal3 denn man
verachtet auch als der ,erste444 ,der
,ekel am ,menschen ist meine ,gefahr444
#g4 ,hat man mich verstanden8 - ,was
mich abgrenzt1 was mich bei ,seite
stellt gegen den ganzen ,rest der
,menschheit1 das ist1 die christliche
,moral entdeckt zu haben4 ,deshalb war
ich eines ,worts bedrftig1 das den ,sinn
einer ,herausforderung an ,jedermann
enthlt4 ,hier nicht eher die ,augen
aufgemacht zu haben gilt mir als die
grsste ,unsauberkeit1 die die
,menschheit auf dem ,gewissen hat1 als
,instinkt gewordner ,selbstbetrug1 als
grundstzlicher ,wille1 jedes ,geschehen1
jede ,urschlichkeit1 jede ,wirklichkeit
nicht zu sehen1 als ,falschmnzerei in
psychologicis bis zum ,verbrechen4 ,die
,blindheit vor dem ,christenthum ist das
,verbrechen par excellence - das
,verbrechen am ,leben444 ,die
,jahrtausende1 die ,vlker1 die ,ersten
und die ,letzten1 die ,philosophen und
die alten ,weiber - fnf1 sechs
,augenblicke der ,geschichte
abgerechnet1 mich als siebenten - in
diesem ,punkte sind sie alle einander
wrdig4 ,der ,christ war bisher das
moralische ,wesen1 ein4 ,curiosum ohne
,gleichen - und1 als moralisches ,wesen1
absrder1 verlogner1 eitler1
leichtfertiger1 sich selber
nachtheiliger als auch der grsste
,verchter der ,menschheit es sich trumen
lassen knnte4 ,die christliche ,moral -
die bsartigste ,form des ,willens zur
,lge1 die eigentliche ,circe der
,menschheit3 ,das1 was sie verdorben
hat4 ,es ist nicht der ,irrthum als
,irrthum1 was ,mich bei diesem ,anblick
entsetzt1 nicht der ,jahrtausende lange
,mangel an gutem ,willen1 an ,zucht1 an
,anstand1 an ,tapferkeit im ,geistigen1
der sich in seinem ,sieg verrth3 - es
ist der ,mangel an ,natur1 es ist der
vollkommen schauerliche ,thatbestand1
dass die ,widernatur selbst als ,moral
die hchsten ,ehren empfieng und als
,gesetz1 als kategorischer ,imperativ1
ber der ,menschheit hngen blieb6444 ,in
diesem ,maasse sich vergreifen1 nicht
als ,einzelner1 nicht als ,volk1 sondern
als ,menschheit6444 ,dass man die
allerersten ,instinkte des ,lebens
verachten lehrte2 dass man eine ,seele1
einen ,geist erlog1 um den ,leib zu
,schanden zu machen2 dass man in der
,voraussetzung des ,lebens1 in der
,geschlechtlichkeit1 etwas ,unreines
empfinden lehrt2 dass man in der
tiefsten ,nothwendigkeit zum ,gedeihen1
in der strengen ,selbstsucht 7- das
,wort schon ist verleumderisch6 -7 das
bse ,princip sucht2 dass man umgekehrt
in dem typischen ,abzeichen des
,niedergangs und der
,instinkt-,widersprchlichkeit1 im
,selbstlosen1 im ,verlust an
,schwergewicht1 in der ,entpersnlichung
und ,nchstenliebe 7- ,nchstensucht67 den
hheren ,werth1 was sage ich6 den ,werth
an sich sieht6444 ,wie6 wre die
,menschheit selber in dcadence8 war sie
es immer8 - ,was feststeht1 ist1 dass
ihr nur ,dcadence-,werthe als oberste
,werthe gelehrt worden sind4 ,die
,entselbstungs-,moral ist die
,niedergangs-,moral par excellence1 die
,thatsache ich gehe zu ,grunde1 in den
,imperativ bersetzt3 ihr sollt alle zu
,grunde gehn - und nicht nur in den
,imperativ6444 ,diese einzige ,moral1
die bisher gelehrt worden ist1 die
,entselbstungs-,moral1 verrth einen
,willen zum ,ende1 sie verneint im
untersten ,grunde das ,leben4 - ,hier
bliebe die ,mglichkeit offen1 dass nicht
die ,menschheit in ,entartung sei1
sondern nur jene parasitische ,art
,mensch1 die des ,priesters1 die mit der
,moral sich zu ihren ,werth-,bestimmern
emporgelogen hat1 - die in der
christlichen ,moral ihr ,mittel zur
,macht errieth444 ,und in der ,that1 das
ist meine ,einsicht3 die ,lehrer1 die
,fhrer der ,menschheit1 ,theologen
insgesammt1 waren insgesammt auch
dcadents3 daher die ,umwerthung aller
,werthe ins ,lebensfeindliche1 daher die
,moral444 ,definition der ,moral3
,moral - die ,idiosynkrasie von
dcadents1 mit der ,hinterabsicht1 sich
am ,leben zu rchen - und mit ,erfolg4
,ich lege ,werth auf diese ,definition4
- #h4 - ,hat man mich verstanden8 -
,ich habe eben kein ,wort gesagt1 das
ich nicht schon vor fnf ,jahren durch
den ,mund ,zarathustras gesagt htte4 -
,die ,entdeckung der christlichen ,moral
ist ein ,ereigniss1 das nicht seines
,gleichen hat1 eine wirkliche
,katastrophe4 ,wer ber sie aufklrt1 ist
eine force majeure1 ein ,schicksal1 - er
bricht die ,geschichte der ,menschheit
in zwei ,stcke4 ,man lebt vor ihm1 man
lebt nach ihm444 ,der ,blitz der
,wahrheit traf gerade das1 was bisher am
,hchsten stand3 wer begreift1 was da
vernichtet wurde1 mag zusehn1 ob er
berhaupt noch ,etwas in den ,hnden hat4
,alles1 was bisher ,wahrheit hiess1 ist
als die schdlichste1 tckischste1
unterirdischste ,form der ,lge erkannt2
der heilige ,vorwand1 die ,menschheit zu
verbessern als die ,list1 das ,leben
selbst auszusaugen1 blutarm zu machen4
,moral als ,vampyrismus444 ,wer die
,moral entdeckt1 hat den ,unwerth aller
,werthe mit entdeckt1 an die man glaubt
oder geglaubt hat2 er sieht in den
verehrtesten1 in den selbst heilig
gesprochnen ,typen des ,menschen nichts
,ehrwrdiges mehr1 er sieht die
verhngnissvollste ,art von ,missgeburten
darin1 verhngnissvoll1 weil sie
fascinirten444 ,der ,begriff ,gott
erfunden als ,gegensatz-,begriff zum
,leben1 - in ihm alles ,schdliche1
,vergiftende1 ,verleumderische1 die
ganze ,todfeindschaft gegen das ,leben
in eine entsetzliche ,einheit gebracht6
,der ,begriff ,jenseits1 wahre ,welt
erfunden1 um die einzige ,welt zu
entwerthen1 die es giebt1 - um kein
,ziel1 keine ,vernunft1 keine ,aufgabe
fr unsre ,erden-,realitt brig zu
behalten6 ,der ,begriff ,seele1 ,geist1
zuletzt gar noch unsterbliche ,seele1
erfunden1 um den ,leib zu verachten1 um
ihn krank - heilig - zu machen1 um allen
,dingen1 die ,ernst im ,leben
verdienen1 den ,fragen von ,nahrung1
,wohnung1 geistiger ,dit1
,krankenbehandlung1 ,reinlichkeit1
,wetter1 einen schauerlichen ,leichtsinn
entgegenzubringen6 ,statt der
,gesundheit das ,heil der ,seele - will
sagen eine folie circulaire zwischen
,busskrampf und ,erlsungs-,hysterie6
,der ,begriff ,snde erfunden sammt dem
zugehrigen ,folter-,instrument1 dem
,begriff freier ,wille1 um die
,instinkte zu verwirren1 um das
,misstrauen gegen die ,instinkte zur
zweiten ,natur zu machen6 ,im ,begriff
des ,selbstlosen1 des
,sich-selbst-,verleugnenden das
eigentliche dcadence-,abzeichen1 das
,gelockt-werden vom ,schdlichen1 das
,seinen-,nutzen-nicht-mehr-finden-knnen1
die ,selbst-,zerstrung zum
,werthzeichen berhaupt gemacht1 zur
,pflicht1 zur ,heiligkeit1 zum
,gttlichen im ,menschen6 ,endlich - es
ist das ,furchtbarste - im ,begriff des
guten ,menschen die ,partei alles
,schwachen1 ,kranken1 ,missrathnen1
,an-sich-selber-,leidenden genommen1
alles dessen1 was zu ,grunde gehn soll
-1 das ,gesetz der ,selektion gekreuzt1
ein ,ideal aus dem ,widerspruch gegen
den stolzen und wohlgerathenen1 gegen
den jasagenden1 gegen den
zukunftsgewissen1 zukunftverbrgenden
,menschen gemacht - dieser heisst
nunmehr der ,bse444 ,und das ,alles
wurde geglaubt als ,moral6 - ,ecrasez
l'infme6-- #i4 - ,hat man mich
verstanden8 - ,dionysos gegen den
,gekreuzigten444